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00561 daß wir übermäßig beschwert wurden,
über Vermögen, so daß wir selbst am Leben verzweifelten.
2. KorintherBrief auf Bibelkreis.ch
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2. Korinther
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2. Korinther |
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1 8 Οὐ γὰρ θέλομεν
ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ⸀ὑπὲρ τῆς θλίψεως ἡμῶν τῆς
⸀γενομένης ἐν τῇ Ἀσίᾳ, ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν ⸂ὑπὲρ δύναμιν
ἐβαρήθημεν⸃, ὥστε ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν· |
1 8 Denn wir wollen
nicht, daß ihr unkundig seid, Brüder, was unsere Drangsal betrifft, die
[uns] in Asien widerfahren ist, daß wir übermäßig beschwert wurden, über
Vermögen, so daß wir selbst am Leben verzweifelten. |
Apg 19,23; 1. Kor 15,32 |

In 2. Korinther 1,8 berichtet Paulus
von einer beispiellosen Drangsal, die ihn in Asien über seine eigene Kraft
hinausführte, bis zur Verzweiflung am Leben.
Doch genau dort offenbarte sich der
Gott, der die Toten auferweckt.
Diese Vers-für-Vers-Auslegung zeigt
die sprachlichen und geistlichen Tiefen des griechischen
Textes – von
θλῖψις
über
ἐβαρήθημεν
bis
ἐξαπορηθῆναι
– und beleuchtet, wie göttlicher Trost in äußerster Schwachheit wirksam wird.
Ein Kapitel voller Trost, aber auch geistlicher Ernst. Paulus schreibt nach einer Zeit tiefer Drangsal, vermutlich im Zusammenhang mit dem Aufruhr in Ephesus (Apg 19). Er öffnet den Korinthern sein Herz, das sowohl Leid als auch göttlichen Trost erfahren hat, um sie zu belehren und zu trösten.
Paulus beginnt mit dem Gruß: Gnade und Friede von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus (V. 1–2).
Dann preist er Gott als „Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes“ (V. 3).
Dieser Trost geschieht nicht abstrakt, sondern in realem Leiden. Gott tröstet, damit auch wir andere trösten können (V. 4–5).
Die Leiden Christi in den Seinen mehren sich, aber ebenso der Trost durch Christus (V. 5).
Paulus erklärt, dass seine Bedrängnisse den Gläubigen zugutekommen — sie fördern ihren Trost und ihre Ermutigung (V. 6).
In den Leiden wird gegenseitige Fürbitte und Anteilnahme geweckt (V. 7–11).
Der Apostel spricht von einer ganz besonderen Drangsal in Asien, die ihn über alle Kraft hinaus beschwerte (V. 8).
Diese Erfahrung brachte ihn an den Punkt, am Leben zu verzweifeln.
Doch darin lag Gottes Absicht: dass er nicht auf sich selbst vertraue, sondern auf Gott, der Tote auferweckt (V. 9).
Gott hatte ihn aus tödlicher Gefahr errettet, und Paulus ist gewiss, dass Er dies auch künftig tun wird (V. 10).
Die Gebete der Gläubigen sind ein wesentlicher Teil dieser Errettung – und Anlass zum Dank (V. 11).
Paulus betont seine Lauterkeit und Aufrichtigkeit im Wandel, besonders gegenüber den Korinthern (V. 12–14).
Er versichert, dass seine Briefe nicht zweideutig oder verschleiert seien (V. 13).
Die Korinther sollten ihn verstehen als den, der aufrichtig handelt – damit sie sich am Tag Christi gegenseitig rühmen können (V. 14).
Paulus erklärt sodann, warum er seinen Reiseplan geändert hat – nicht aus Wankelmut, sondern aus geistlicher Rücksicht (V. 15–17).
Sein „Ja“ und „Nein“ ist kein menschliches Schwanken, sondern im Herrn gegründet (V. 17–18).
Denn alle Verheißungen Gottes sind in Christus „Ja“ und „Amen“ (V. 19–20).
Gott selbst hat die Gläubigen befestigt, gesalbt und versiegelt (V. 21–22).
Der Heilige Geist ist das Unterpfand – der göttliche Besitznachweis in den Gläubigen (V. 22).
Schließlich erklärt Paulus, dass er nicht aus Herrschsucht, sondern um ihres Glaubens willen handelt (V. 23–24).
Die Kapitelmitte zeigt einen geistlichen Bogen: von Leiden und Trost (V. 3–7) über Drangsal und Errettung (V. 8–11) hin zu Aufrichtigkeit und göttlicher Bestätigung (V. 12–22).
Die „Drangsal in Asien“ ist der Tiefpunkt seiner Erfahrung – das Kreuz im Dienst des Apostels.
Die Antwort darauf ist göttlicher Trost und Auferstehungsmacht.
Paulus will, dass die Korinther erkennen, dass wahre apostolische Autorität in Schwachheit getragen wird.
Der Trost Gottes ist kein Gefühl, sondern das Wirken des Geistes inmitten von Leiden.
Die Errettung aus Todesgefahr ist ein Bild der Auferstehungskraft Christi.
Der gesamte Abschnitt offenbart den Gegensatz zwischen menschlicher Ohnmacht und göttlicher Macht.
Der Apostel ist hier Vorbild im Glauben – nicht, weil er stark ist, sondern weil er sich ganz Gott anvertraut.
So ist 2. Korinther 1 ein Schlüsselkapitel zur rechten Sicht des Dienstes: Leiden, Trost, Aufrichtigkeit, Geistwirken.
Gott selbst bleibt der Mittelpunkt – der Tröster, der Auferwecker, der Versiegler.
Griechischer Text:
Οὐ γὰρ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὑπὲρ τῆς θλίψεως ἡμῶν τῆς γενομένης ἐν τῇ Ἀσίᾳ, ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν ὑπὲρ δύναμιν ἐβαρήθημεν, ὥστε ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν.
„Denn wir wollen nicht, dass ihr unwissend seid“
θέλομεν = „wir wollen“ (Präsens Aktiv Indikativ von θέλω, wollen, wünschen). Ausdruck bewusster Offenlegung.
ἀγνοεῖν = „nicht wissen, unkundig sein“; von
ἀγνοέω, wörtlich „nicht erkennen,
nicht verstehen“. Paulus gebraucht diese Wendung mehrfach (vgl. Röm 1,13; 1
Thess 4,13), um etwas besonders Wichtiges einzuleiten.
→ Er öffnet den Lesern die innerste Erfahrung seines Dienstes.
„Brüder“ – Ausdruck familiärer Nähe, geistlicher Verbundenheit. Keine Distanz, sondern Mitteilung aus dem Herz eines Leidenden an Mit-Gläubige.
„über unsere Drangsal“
θλῖψις = Druck, Bedrängnis, Not; Grundbedeutung: „etwas zusammendrücken“.
Hier steht sie für seelische und
körperliche Not infolge äußerer Umstände (Verfolgung in Ephesus).
→ Das Leiden war real, nicht nur geistlich.
„die geschehen ist in Asien“
γενομένης (Aorist Partizip Mittel von γίνομαι) = „die sich ereignet hat“.
ἐν τῇ Ἀσίᾳ = Provinz Asia (westliches Kleinasien; Hauptort Ephesus).
→ Historischer Bezug: der Aufruhr durch Demetrius (Apg 19,23–41).
„dass wir übermäßig, über Vermögen beschwert wurden“
καθ’ ὑπερβολὴν = „über das Maß hinaus, übermäßig“; von
ὑπερβολή (wörtlich „Überwurf,
Überschuss“).
→ Ursprung unseres Wortes Hyperbel.
ὑπὲρ δύναμιν = „über (unsere) Kraft hinaus“.
→ betont völlige Erschöpfung eigener Mittel.
ἐβαρήθημεν (Aorist Passiv von
βαρέω) = „beschwert, belastet, bedrückt werden“.
→ Grundbedeutung: „Gewicht auflegen“.
→ Zusammengenommen: „Wir wurden über
jedes Maß hinaus belastet – mehr als wir ertragen konnten.“
Das beschreibt keine Sünde, sondern den Punkt, an dem nur noch Gottes
Eingreifen bleibt.
„sodass wir sogar am Leben verzweifelten“
ὥστε = Folgesatz: „so dass“.
ἐξαπορηθῆναι (Aorist Passiv Infinitiv von
ἐξαπορέομαι) = „völlig
verzweifeln, keinen Ausweg mehr sehen“.
→ Zusammengesetzt aus ἐκ (hinaus)
+ ἀπορέω (ratlos sein).
→ Bedeutung: „bis zum äußersten in Ratlosigkeit geführt werden“.
καὶ τοῦ ζῆν = „sogar hinsichtlich des Lebens“.
→ Paulus sah keinen Ausweg mehr, erwartete den Tod – aber gerade da erlebte
er die Macht Gottes.
Diese Erfahrung ist ein Lehrstück göttlicher Pädagogik:
Der Apostel wird über Kraft geführt, damit er nicht auf sich selbst vertraut (V. 9).
Er erfährt Gott als den, der die Toten auferweckt – d. h. Auferstehungskraft schon im Dienst.
So wird das Leiden zum Werkzeug geistlicher Läuterung.
θλῖψις (Drangsal) steht oft im Zusammenhang mit der Nachfolge (Joh 16,33; Röm 5,3).
βαρέω (beschweren) findet sich auch in Lk 21,34: „Eure Herzen werden beschwert.“
ἐξαπορέομαι erscheint in 2 Kor 4,8 erneut: „... ratlos, aber nicht
verzweifelt.“
→ Dieselbe Wurzel, aber diesmal mit göttlichem Eingreifen: die Hoffnung
triumphiert.
Leiden in der Nachfolge: Nicht zufällig, sondern Bestandteil des Dienstes.
Übermaß als Prüfstein: Gott führt über menschliche Kraft, um göttliche Kraft zu offenbaren.
Verzweiflung als Schwelle zur Auferstehungserfahrung: Paulus lernt, in Todesnähe die Macht des Lebens zu kennen.
Erfahrung als Trost für andere: Wer so lernt, kann wirklich trösten (V. 4).
Christologische Parallele: Wie der Herr in Asien (Gethsemane, Golgatha) die äußerste Not erlebte, so teilt der Apostel Seine Leiden.
Οὐ γὰρ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὑπὲρ τῆς θλίψεως ἡμῶν τῆς γενομένης ἐν τῇ Ἀσίᾳ, ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν ὑπὲρ δύναμιν ἐβαρήθημεν, ὥστε ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν.
„Denn wir wollen nicht, dass ihr unkundig seid, Brüder, über unsere Drangsal, die in Asien geschehen ist, dass wir übermäßig, über (unsere) Kraft hinaus beschwert wurden, sodass wir sogar am Leben verzweifelten.“
Grundbedeutung & Bild:
Von der Wurzel θλίβω („drücken,
pressen, zusammendrängen“). Das Bild ist physischer Druck, übertragen auf
innere/äußere Not.
Semantisches Feld:
NT: Leiden in der Nachfolge (Joh 16,33), Bedrängnis mit heilspädagogischer Frucht (Röm 5,3–5), Verfolgungssituationen (2Thess 1,6–7). Bei Paulus oft real-historisch (Apg 14,22; 2Kor 4–7).
LXX: Häufig. Z.B. Ps 118(119),143: θλῖψις καὶ ἀνάγκη εὗρόν με („Drangsal und Not fanden mich“); Nah 1,7 („am Tag der Drangsal“). In den Psalmen meist Not des Frommen unter Bedrängern.
Jüdisch-hellenistische Literatur: θλῖψις als Terminus für Prüfungszeiten der Gottesfürchtigen, besonders in apokalyptischen Kontexten.
Grammatik/Syntax in 2Kor 1,8:
ὑπὲρ τῆς θλίψεως ἡμῶν = Thema/Betreff
der Mitteilung („bezüglich/unserer Drangsal“). Die Relativierung durch
τῆς γενομένης ἐν τῇ Ἀσίᾳ
konkretisiert historisch (Ephesus/Provinz Asia, vgl. Apg 19,23–41).
Theologische Pointe:
Nicht abstrakter Begriff, sondern
erlebte Drangsal im Dienst; dient der Gemeinde als Trostschule (V.
4–6).
Grundbedeutung & Bild:
Von βαρύς („schwer, gewichtig“).
βαρέω/βαρύνω = „Gewicht auflegen,
beschweren“.
Gebrauch:
NT: Lk 21,34: μήποτε βαρηθῶσιν ὑμῶν αἱ καρδίαι („damit eure Herzen nicht beschwert werden“); 2Kor 2,5 nutzt das Substantivfeld (βάρος) in anderem Sinn.
LXX/klassisch: Häufiger das nahe Verb βαρύνω: „schwer machen, belasten“ (z.B. 1Sam 5,11 LXX; häufig im Sinn moralischer/physischer Schwere).
Nuance in 2Kor 1,8:
Der Aorist Passiv (ἐβαρήθημεν)
betont das Ereignishafte:
„wir wurden (von außen)
schwer belastet“. Die Doppelbestimmung (καθ’
ὑπερβολὴν ὑπὲρ δύναμιν) steigert:
maßlos – über Kraft. Es geht nicht um „ein bisschen schwer“, sondern um
Überlast jenseits
menschlicher Tragfähigkeit.
Pastoral-exegetisch:
Paulus nennt nicht primär „Sünde“, sondern
Überforderung als Teil von
Gottes Weg – damit Vertrauen von
Selbstkraft weg auf
Auferstehungskraft gelenkt wird (V. 9).
Wortbildung:
ἐκ +
ἀπορέω („ratlos sein, in Verlegenheit
sein“). Verstärkung durch Präfix ἐξ-
→ „bis zum Äußersten in Ausweglosigkeit geraten“.
Vorkommen:
NT (Paulus): 2Kor 1,8; 4,8. In 4,8 die Antithese: ἀπορούμενοι ἀλλ’ οὐκ ἐξαπορούμενοι („ratlos, aber nicht völlig verzweifelt“).
Klassisch/Koine: ἀπορέω weit verbreitet („keinen Weg wissen“), ἐξαπορέομαι seltener, dafür ausdrucksstark.
Syntax in 2Kor 1,8:
ὥστε ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν
ὥστε + Infinitiv = Folgesatz (tatsächliche Folge): „sodass es dazu kam, dass …“
ἡμᾶς = Subjektsakkusativ zum Infinitiv.
καὶ τοῦ ζῆν = Genitiv des
Bezugs mit art. Infinitiv: „auch
was das Leben betrifft /
hinsichtlich des Lebens“.
→ Sinngemäß: „… so weit, dass wir
sogar in Bezug auf das (weitere) Leben völlig verzweifelten.“
Theologische Pointe:
Das ist Existenzgrenze. Doch
das Ziel folgt in V. 9: Vertrauen „auf den Gott, der die Toten auferweckt“.
Grundbedeutung:
Wörtlich „Überwurf/Über-Wurf“, daher „Überschreitung des Maßes“. Unsere
rhetorische „Hyperbel“ stammt hiervon.
Gebrauch:
NT (Paulus): Qualitativ-steigernd. 2Kor 4,17: καθ’ ὑπερβολὴν εἰς ὑπερβολήν („über die Maßen überreich“ – von der zukünftigen Herrlichkeit); 2Kor 12,7: τῇ ὑπερβολῇ τῶν ἀποκαλύψεων.
LXX/Spätjudentum: Seltener Terminus, wenn, dann in der Bedeutung „Exzess/Übermaß“.
Adverbialer Gebrauch:
καθ’ ὑπερβολήν = adverbial „überaus,
übermäßig“. In 2Kor 1,8 ist damit die
Intensität des Drucks sprachlich maximal markiert.
Bedeutungsspektrum:
Anthropologisch: „Vermögen/Leistungsfähigkeit“ (hier!).
Theologisch: „Gottes Kraft, Machterweis“ (Röm 1,16; 1Kor 2,5; Phil 3,10).
Konstruktion:
ὑπὲρ δύναμιν = „über Kraft hinaus“;
ὑπέρ mit Akkusativ = „hinaus
über, jenseits von“. Markiert
Grenzüberschreitung: Die Situation sprengt jede natürliche
Bewältigungsfähigkeit.
Paulinische Dynamik:
Gottes δύναμις zeigt sich oft
gerade dort, wo menschliche δύναμις
endet (2Kor 12,9; 4,7).
Die Häufung zweier Überbietungsformeln ist stilistisch kraftvoll:
Intensität (καθ’
ὑπερβολήν) + Grenzüberstieg
(ὑπὲρ δύναμιν).
Paulus formuliert bewusst „über-über“ – es gibt
keine menschliche Reserve
mehr.
Wirkung:
Bereitet V. 9 vor: Der Blick
geht weg vom Selbst,
hin zum Gott der
Auferstehung.
Formelhaft bei Paulus:
„Wir wollen nicht, dass ihr unkundig seid“ findet sich mehrmals, wenn etwas
entscheidend Wichtiges
transparent gemacht wird: Röm 1,13; 1Thess 4,13; 1Kor 10,1.
→ Rhetorische Funktion:
Ankündigung von
Schlüssel-Erfahrung/Lehre.
Morphologie:
γενομένης = Aor. Part.
Medium (deponent) von
γίνομαι: „geschehen, eingetreten“.
Ort:
ἐν τῇ Ἀσίᾳ = Römische Provinz Asia
(Westkleinasien), Ephesus als
Zentrum.
Sachbezug: Sehr gut mit Apg
19,23–41 (Aufruhr/„großer Tumult“). Ergänzend 1Kor 15,32 („mit wilden Tieren
gekämpft“ – metaphorisch für massive Gegnerschaft).
Syntax:
ὥστε + Infinitiv gibt eine
eingetretene Folge an
(„sodass es dazu kam, dass …“).
→ Hier keine bloße Möglichkeit, sondern die Sache
ist so weit gekommen:
existenzielle Verzweiflung.
Die überlieferten Haupttextformen enthalten ἡμᾶς nach ἐξαπορηθῆναι. Die Sequenz … ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν ist gut belegt und erklärt den „Subjektsakkusativ“ zum Infinitiv klar. (Randvarianten ohne ἡμᾶς ändern die Aussage nicht wesentlich.)
θλῖψις benennt die Situation (Druck).
ἐβαρήθημεν beschreibt die Erfahrung (niederdrückende Last).
καθ’ ὑπερβολὴν ὑπὲρ δύναμιν markiert die Grenzüberschreitung (jenseits menschlicher Kraft).
ἐξαπορηθῆναι … καὶ τοῦ ζῆν zeigt die Konsequenz (existenzielle Ausweglosigkeit).
V. 9 liefert Gottes
Absicht: Vertrauen nicht
auf Selbstkraft, sondern
auf Auferstehungskraft.
So wird Leid zur Schule des
Vertrauens und zum Trost
für andere (V. 4–6; 1,11).
Begriffsarbeit: „Drangsal“ heißt im Griechischen wörtlich Druck – das hilft, den Vers zu fühlen.
Doppelte Steigerung merken: „übermäßig“ (καθ’ ὑπερβολήν) + „über Kraft“ (ὑπὲρ δύναμιν). Paulus setzt bewusst Hyperbel, um echte Grenzerfahrung zu markieren.
Grammatik trägt Sinn: ὥστε + Infinitiv = es kam wirklich so weit.
Zielpunkt lesen: 2Kor 1,9 ist Pflichtvers dazu; dann 2Kor 4,7–10 als Auslegung (Schatz in irdenen Gefäßen; ἀπορούμενοι ἀλλ’ οὐκ ἐξαπορούμενοι).
Seelsorgerliche Linie: Gott entzieht Selbstkraft, um zu schenken, was wir nicht haben: Auferstehungskraft in der Schwachheit (vgl. 2Kor 12,9).
Historisch: Apg 19,23–41; 1Kor 15,32.
Leiden/Trost: 2Kor 1,3–7; 7,5–7.
„Ratlos, aber nicht verzweifelt“: 2Kor 4,8–10.
Schwachheit/Kraft: 2Kor 12,9–10; 1Kor 2,3–5.
θλῖψις in der Jüngerschaft: Joh 16,33; Röm 8,35–39.
LXX-Resonanz: Ps 118(119),143; Nah 1,7 (Tag der Drangsal).
2Kor 1,8: Paulus benennt eine real-historische Grenzdrangsal (Ephesus/Asien), deren Übermaß (sprachlich doppelt gesteigert) ihn bis zur Lebensverzweiflung führte – damit er (V. 9) nicht auf eigene Kraft, sondern auf Gottes Auferstehungskraft vertraue.
Οὐ γὰρ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὑπὲρ τῆς θλίψεως ἡμῶν τῆς γενομένης ἐν τῇ Ἀσίᾳ, ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν ὑπὲρ δύναμιν ἐβαρήθημεν, ὥστε ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν.
Denn wir wollen nicht, daß ihr unkundig seid, Brüder, über unsere Drangsal, die in Asien widerfahren ist, daß wir übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, so daß wir selbst am Leben verzweifelten.
Paulus öffnet Herz und Erfahrung: Kein theoretischer Bericht, sondern Erleben im Dienst.
Ort: ἐν τῇ Ἀσίᾳ – wahrscheinlich Ephesus (vgl. Apg 19,23–41).
Doppelte Steigerung: καθ’ ὑπερβολήν ὑπὲρ δύναμιν – „übermäßig – über Kraft“.
Druckbegriff: θλῖψις = „Drangsal, Druck, Bedrängnis“.
Belastung: ἐβαρήθημεν = „wir wurden schwer belastet“.
Ausweglosigkeit: ἐξαπορηθῆναι = „völlig verzweifeln, keinen Ausweg mehr sehen“.
Ziel Gottes (V. 9): Vertrauen nicht auf uns selbst, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.
Trostlinie: Leiden → Trost → Erfahrung → Erbauung anderer (V. 3–6).
| Wort | Transliteration | Grundbedeutung | Parallelen |
|---|---|---|---|
| θλῖψις | thlipsis | Druck, Enge → Drangsal | Joh 16,33; Röm 5,3; Ps 118,143 LXX |
| βαρέω | bareō | belasten, beschweren | Lk 21,34; 1Thess 2,6 |
| ὑπερβολή | hyperbolē | Übermaß, Überschuss | 2Kor 4,17; 12,7 |
| δύναμις | dynamis | Kraft, Vermögen | 2Kor 12,9; Phil 3,10 |
| ἐξαπορέομαι | exaporeomai | völlig verzweifeln | 2Kor 4,8 |
καθ’ ὑπερβολήν ὑπὲρ δύναμιν ἐβαρήθημεν → Aorist Passiv: einmalige, erfahrene Überlast.
ὥστε + Infinitiv (ἐξαπορηθῆναι) → reale Folge: es kam tatsächlich so weit.
καὶ τοῦ ζῆν → Genitiv des Bezuges: „auch in Bezug auf das Leben“.
θλῖψις in der Septuaginta oft für hebr. צָרָה (ṣārāh) = „Not, Enge“.
βαρύς steht im AT häufig für „schweres Joch“ oder „drückende Last“.
ἀπορέω = „ratlos sein“, ἐξ-ἀπορέομαι = „bis zur Ausweglosigkeit kommen“ – Begriff aus der hellenistischen Seelenkunde.
Paulus gebraucht ihn seelsorgerlich: Gott lässt bis zum Äußersten gehen – aber nicht darüber hinaus (vgl. 2Kor 4,8).
Gott führt über Maß, damit Er überreich trösten kann.
Die völlige Erschöpfung der Selbstkraft ist das Tor zur Erfahrung der Auferstehungskraft.
Paulus’ Schwachheit wird zum Gefäß göttlicher Macht (vgl. 2Kor 4,7; 12,9).
2Kor 1,8 ↔ Apg 19,23–41 ↔ 2Kor 4,7–10 ↔ 2Kor 12,9 ↔ Röm 8,35–39 ↔ Joh 16,33.
„… damit wir nicht auf uns selbst vertrauen, sondern auf den Gott, der die Toten auferweckt“ (2 Kor 1,9).
Thema: „Wenn Gott über unser Vermögen führt“
Text: 2Kor 1,3–11
Gliederung:
V. 3–4 – Gott: der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes.
V. 5–7 – Gemeinschaft der Leiden und des Trostes.
V. 8–9 – Drangsal in Asien: über Kraft, zur Auferstehungskraft.
V. 10–11 – Errettung, Hoffnung, Fürbitte.
Kernsatz: Gott führt in
menschliche Ausweglosigkeit, um göttliche Möglichkeiten zu offenbaren.
Anwendung:
– In Überforderung: nicht Flucht, sondern Vertrauen.
– Trost, den wir empfangen, ist Auftrag, andere zu trösten.
2 Korinther 1,8, Paulus, Drangsal in Asien, θλῖψις, βαρέω, ἐξαπορηθῆναι, Über
Kraft hinaus, Gott der Toten auferweckt, Trost im Leiden, Paulus Leiden, 2 Kor 1
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Exegese NT, Trost und Auferstehungskraft