Fragen und Antworten
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00565
Johannes 11,7–8 – Ein Wendepunkt? &
2 Tage Israel tot
https://www.elb2023.com/neues-testament/johannes/johannes-kapitel-11
„Lasst uns wieder nach Judäa gehen!“ – „Rabbi, eben
suchten die Juden dich zu steinigen…“
1. Der Kontext: Die Spannung vor Kapitel 11
Seit Johannes 7–10 befindet sich der Herr Jesus
in einer wachsenden Konfrontation mit den Juden:
7,1: „Er wollte nicht in Judäa wandeln, weil die Juden ihn zu töten suchten.“
8,59: Sie hoben Steine auf, um ihn zu steinigen.
10,31: Wieder greifen sie zu Steinen.
10,39–40: Er entzieht sich ihnen und geht über den Jordan, wo Johannes taufte.
Dort bleibt Er einige Zeit (10,40; 11,6) – ein Ort der Ruhe und des Zeugnisses
(11,41).
Damit ist klar: Nach Judäa zurückzukehren bedeutet objektiv Lebensgefahr.
Die Jünger fürchten sich – und ihr Einwand in 11,8 ist absolut nachvollziehbar.
2. Warum gerade jetzt? – Der göttliche Zeitplan
Johannes 11 ist von dem Gedanken der göttlichen Zeit durchzogen.
11,4: „diese Krankheit ist … zur Verherrlichung Gottes“
11,6: Er blieb noch zwei Tage – bewusste Verzögerung.
11,7: Dann erst sagt Er: „Lasst uns gehen …“
Dieses „Dann“ (εἶτα) zeigt:
➡️ Die Stunde Gottes ist gekommen.
➡️ Der Moment ist aus göttlicher Perspektive reif.
Für den Herrn Jesus gilt – wie in 7,6–8; 7,30; 8,20 –
�� Er handelt ausschließlich nach der Zeit des Vaters.
Daher ist 11,7 ein Moment des Umschaltens:
Nicht äußerer Gefahr folgt Er, sondern dem göttlichen Willen.
Hier beginnt der Weg, der unmittelbar zum Kreuz führt (Kap. 11–12).
3. Der „Wechsel“: Von öffentlichem Wirken zu bewusster Hingabe
Du spürst zu Recht einen Wechsel. Es gibt drei Ebenen dieses Übergangs:
3.1 Wechsel im Wirken: von Zeichen zu der endgültigen
Offenbarung der Herrlichkeit
Die Auferweckung des Lazarus ist das siebte und letzte große Zeichen im
Johannesevangelium.
Es ist das Zeichen, welches die Feindschaft endgültig zum Beschluss der Tötung
führt
(11,53).
Johannes 11 steht also in der Dramaturgie des Evangeliums am Scharnierpunkt:
bisher: Zeichen, Worte, Zeugnisse
ab jetzt: der direkte Weg zum Opferlamm (Joh 12,1 → Passah)
Gerade Vers 7 markiert literarisch und heilsgeschichtlich den Übergang.
3.2 Wechsel im Fokus: von der Allgemeinheit zur Jüngergemeinschaft
„Er sagt zu den Jüngern…“ (V. 7)
In Johannes ist selten betont, dass Er etwas explizit den Jüngern sagt.
Hier beginnt die intimere Phase:
Die Jünger werden tief in Sein Herz geführt (11,7–16).
Thomas spricht stellvertretend für das Jüngerkollegium.
Von hier ab beginnt eine innere Schulung, die in Kap. 13–17 kulminiert.
Das „Lasst uns“ (ἄγωμεν) ist bedeutend:
➡️ Es ist Einladung zur Gemeinschaft auf dem Weg des Leidens.
(Ein Vorausblick auf 12,26: „Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein.“)
3.3 Wechsel in der Christusoffenbarung: vom Lebensbrot zum Lebensfürsten
Kapitel 5: der Sohn macht lebendig
Kapitel 6: das Brot des Lebens
Kapitel 7: lebendiges Wasser
Kapitel 9–10: Licht & Hirte
Jetzt in Kapitel 11 kommt der höchste Titel:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (11,25)
Dieser Titel und seine Bestätigung durch das Zeichen des Lazarus setzen einen
neuen
Abschnitt der Enthüllung der Herrlichkeit Christi.
Die Rückkehr nach Judäa ist notwendige Voraussetzung für diese Offenbarung.
4. Johannes 11,7–8 im Griechischen: Betonungen
Vers 7:
Ἄγωμεν εἰς τὴν Ἰουδαίαν πάλιν.
→ „Lasst uns nach Judäa gehen – wieder.“
Das πάλιν hebt hervor:
�� trotz der Feindschaft, erneut, bewusst – gegen alle Umstände.
Vers 8:
Ῥαββί, νῦν ἐζήτουν…
→ „Rabbi, eben suchten…“
Das νῦν = „jetzt, eben, vor kurzem“ –
➡️ exakter Bezug auf 10,31.
Die Jünger erinnern: Herr, das ist gefährlich – und es ist ganz frisch!
Damit steht 11,7–8 in scharfem Kontrast:
Jünger: Gefahrbewusstsein
Herr: Gehorsam gegenüber dem Vater, Zielgerichtetheit, Hingabe
5. Der geistliche Kern: Der Weg nach Judäa
= Vorausnahme des Kreuzes
Mehrere Linien deuten darauf:
5.1 Die Auferweckung des Lazarus löst direkt den
Beschluss aus, Ihn zu töten
(11,53 – einmalige Formulierung: „Sie fassten nun den Beschluss…“)
5.2 Seine Bereitschaft, in die Todeszone zu gehen,
illustriert Johannes 10,18
„Niemand nimmt mein Leben, ich lasse es von mir selbst.“
5.3 Der Schritt über den Jordan zurück verweist auf Josua
/ den Weg des neuen Lebens
Vom Ort des Zeugnisses (Johannes des Täufers → „Siehe, das Lamm Gottes“)
zur Stätte der Auferstehung = typologischer Hinweg zum Golgatha-Werk.
6. Fazit: Ja, Johannes 11,7–8 ist ein deutlicher Hinweis auf einen Wechsel
Man kann es so zusammenfassen:
Mit Johannes 11,7 beginnt der Weg Jesu nach Jerusalem – nicht als Wanderweg,
sondern als bewusster, gehorsamer Schritt in den Tod, um Leben zu bringen.
Es ist ein heilsgeschichtlicher Wendepunkt:
Wechsel der Zeit (der göttliche Plan tritt in die finale Phase)
Wechsel des Wirkens (Hinführung zum Kreuz)
Wechsel des Offenbarungsniveaus (Auferstehung/Leben)
Wechsel in der Jüngerschulung (Gemeinschaft im Leid)
Typologie in Johannes 11: Israel → Tod;
Christus → Leben
Johannes 11 ist nicht nur ein historischer Bericht, sondern zeigt
geistlich-prophetisch zwei
große Linien:
A. Israel nach dem Fleisch – der Zustand des Todes
B. Christus – der, der Leben bringt und offenbart
Der Herr Jesus geht aus dem Gebiet der Segnung (jenseits des Jordan) zurück in
das Gebiet
des Todes (Judäa), um Leben zu bringen. Darin liegt die gesamte Heilsgeschichte
in Miniatur.
1. Lazarus – ein Bild Israels im Tod
Lazarus ist im Kapitel der Brennpunkt der typologischen Darstellung.
Er steht exemplarisch für Israel im geistlichen Todszustand – und ist zugleich
ein Bild für
jeden Menschen in der Sünde.
✔ 1.1 Sein Name: Lazarus = Eleazar = „Gott hat geholfen“
Der Name ist bereits programmatisch:
Israel war Gottes Hilfsempfänger (5Mo 7; 8; Ps 124)
doch nun liegt es geistlich tot, getrennt von dem, der Leben ist.
✔ 1.2 Seine Krankheit
„Herr, siehe, der, den du liebst, ist krank.“ (11,3)
Geistlich:
Israel ist das Volk, das „geliebt“ wurde (Hos 11,1; Mal 1,2; Röm 11,28)
aber krank durch Unglauben, Gesetzlichkeit, Verwerfung des Messias.
✔ 1.3 Der Tod
„Lazarus ist gestorben.“ (11,14)
Der buchstäbliche Tod ist das Bild für:
geistliche Totheit Israels (Hes 37, das Totengebeinertal)
Abgeschnittensein vom Leben Gottes (Hos 13,1; Jes 1,5–6)
die Verstockung gegenüber Christus (Joh 12,37–40; Röm 10–11)
✔ 1.4 Vier Tage tot – Bild einer hoffnungslosen Lage
Vier ist die Zahl der Erde / der Weltzeiten
(4 Himmelsrichtungen, 4 Weltreiche in Daniel).
Vier Tage im Grab zeigen:
➡️ Aus menschlicher Sicht ist Israel absolut hoffnungslos.
Das entspricht Hesekiel 37:
„Siehe, sie sagen: Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist
verloren.“
✔ 1.5 Er stinkt – der moralische Zustand Israels
Martha sagt: „Er riecht schon“ (ὄζει), V. 39.
Ein Bild für:
Verwesung unter der Sünde
moralische Unfähigkeit zur Selbstrettung
geistliche Finsternis des Volkes ohne seinen Messias
Israel ist nicht nur tot – es ist verdorben, ein Zustand, der Heil nur durch
göttliche
Neuerschaffung zulässt.
2. Bethanien – das Bild des Überrestes
Bethanien bedeutet:
„Haus des Elends“ (bet-ani).
In Israel gibt es stets diesen Bereich:
das verachtete, schwache, unansehnliche
aber von Christus besuchte und geliebte
Bethanien ist der Ort:
der Hingabe (Maria)
der Treue (Martha)
der Gemeinschaft (Lazarus)
Typologisch ist Bethanien ein Bild des gläubigen Überrestes Israels, der
Christus
willkommen heißt, im Gegensatz zum offiziellen Judäa, das Ihn steinigen will.
3. Israel (Juden) – der religiöse Tod und
Hass
Während Bethanien Liebe und Hingabe zeigt, zeigt Judäa:
✔ Mordabsicht (10,31; 11,8)
✔ Unglauben (11,37)
✔ Heuchelei (11,47–48)
✔ den Ratsbeschluss zum Töten (11,53)
Dies ist das Bild Israels im Unglauben:
hochreligiös
aber zutiefst tot
und im Widerstand gegen den Sohn Gottes
Damit erfüllen sich die Worte Jesu aus Joh 8,44; 5,40.
4. Christus – die Auferstehung und das
Leben
Die Gegenlinie zur Israel-Totheit ist Christus selbst.
4.1 Er geht in das Gebiet des Todes hinab, um Leben zu
bringen
Joh 11,7: „Lasst uns nach Judäa gehen.“
Judäa = Bild des Todes
Jordanland = Bild der Segnung / des Lebens
Dieses Hinabgehen entspricht:
Seiner Inkarnation (Phil 2)
Seinem Kreuzweg (Phil 2,8)
Seinem Hinabsteigen in die Todesmacht, um dem Tod die Macht zu nehmen (Hebr
2,14)
Der Weg Jesu nach Bethanien ist ein Vorbild Seines Weges nach Golgatha !
4.2 „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (11,25)
Nicht: „Ich gebe die Auferstehung“, sondern: Ich bin!
Er ist:
die Quelle des Lebens
die Personifizierte Auferstehung
der, in dem die Auferweckung Israels (Hes 37!) erfüllt wird
der, der Leben schafft aus dem Nichts (Röm 4,17)
Die Erweckung des Lazarus ist ein Vorschatten der nationalen Wiederbelebung
Israels.
4.3 Er ruft mit göttlicher Stimme
„Lazarus, komm heraus!“ (ἐξέλθε ἔξω)
Es genügt ein Wort des Sohnes Gottes. (vgl. Joh 5,25)
Das entspricht Hes 37,4:
„Ihr verdorrten Gebeine, hört das Wort des HERRN!“
4.4 Er befreit
„Löst ihn und lasst ihn gehen!“ (11,44)
Bild für:
Befreiung Israels aus dem Grab des Exils
Lösung der Gesetzesbande
Freiheit der neuen Schöpfung
Wiederherstellung im 1000-jährigen Reich (Sach 12–14; Hes 36–37)
5. Der Höhepunkt: Der Tod Jesu wird der
Weg zum Leben Israels
Durch das Zeichen in Joh 11 wird der Beschluss gefasst:
„Es ist besser, dass ein Mensch für das Volk stirbt“ (11,50).
Ironisch, aber tief wahr:
Sein Tod = Leben für Israel
Seine Verwerfung = ihre Versöhnung (Röm 11,15)
Sein Ausgang aus dem Grab = ihr zukünftiger Ausgang aus den Gräbern der
Nationen
(Hes 37,12–14)
Johannes 11 ist die prophetische Vorschattung Röm 11:
Israel verwirft den Messias
Er stirbt
Gott erweckt Ihn
Dadurch entsteht das Leben, das Israel eines Tages national empfängt
6. Zusammenfassung der Typologie
Israel → Tod
durch Unglauben
durch Verwerfung des Messias
im Zustand geistlicher Verwesung
im Grab der Nationen (Hes 37)
Christus → Leben
Er geht hinab ins „Judäa“
Er offenbart sich als Auferstehung und Leben
Er ruft aus dem Tod
Er befreit vom Totenband
Sein Tod wird zum Leben für die Herde (Joh 11,51–52)
⭐ Johannes 11,6 – Die Zwei-Tage-
Verzögerung: eine vielschichtige göttliche
Bedeutung
„Als er nun hörte, dass er krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er
war.“
— Joh 11,6
Dieses scheinbare „Zögern“ ist kein Zögern, sondern eine souveräne, absichtliche
Handlung Gottes.
1. Christologisch: Der Sohn handelt
ausschließlich nach dem Willen des Vaters
Die Verzögerung verbindet sich mit Vers 4:
„Diese Krankheit ist … zur Verherrlichung Gottes.“
Der Herr Jesus handelt nie:
aus menschlicher Zuneigung,
aus Druck,
aus äußerer Not,
aus menschlicher Dringlichkeit.
Er handelt nur nach dem Willen des Vaters – vollkommen.
Die zwei Tage zeigen:
Er ist souverän,
Er ist nicht fremdbestimmt,
Er geht nicht auf menschliche Erwartungen ein,
Er lebt in völliger Harmonie mit dem Vater.
Das ist eine Demonstration Seiner Gottheit und Seiner Sendung.
2. Typologisch: Zwei Tage = das
gegenwärtige Intervall, in dem Israel tot bleibt
Typologisch stehen die zwei Tage für ein Zwischenzeitalter, in dem Israel tot
ist, während
Christus nicht in Israel ist.
Die Reihenfolge im Text:
1. Er hört von Lazarus → Israel ist krank
2. Er wartet zwei Tage → die Zeit der Abwesenheit Christi (zwischen Ablehnung
und
Wiederannahme)
3. Er geht nach Judäa → der Herr wendet sich Israel wieder zu
4. Lazarus wird auferweckt → Israel wird national wiederhergestellt
Diese Abfolge entspricht exakt der heilsgeschichtlichen Linie:
Ablehnung Israels (Joh 7–10)
Christus geht „fort“ (Joh 10,40)
Zeit der Nationen / der Gemeinde – geistlicher Tod Israels
Christus wendet sich wieder Israel zu
Israel wird „aus den Gräbern“ auferweckt (Hes 37; Röm 11,15–27)
Damit sind die zwei Tage ein typologischer Hinweis auf:
Die Epoche, in der Israel ruht — tot, ohne Christus — bis zur endzeitlichen
Auferweckung.
3. Prophetisch: Das Prinzip „eines Tages bei
dem Herrn wie tausend Jahre“
Viele Ausleger (bereits in der alten Kirche, bei den Reformatoren und im
Dispensationalismus) sehen hier berechtigt den Hinweis auf 2. Petrus 3,8:
„Ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre.“
Wenn dies typologisch gemeint ist, ergibt sich folgendes Bild:
2 Tage = 2000 Jahre der Abwesenheit Christi in Bezug auf Israel.
Danach wendet Er sich dem Volk wieder zu (Sach 12; Röm 11).
Interessant ist:
Zwischen der Verwerfung des Messias (30–33 n. Chr.)
und der erwarteten nationalen Wiederannahme durch den Messias (Endzeit)
liegen ungefähr zwei Tage = zwei „Jahrtausende“.
Viele bemerkten diese Parallele:
in Hos 6,2: „Nach zwei Tagen wird er uns beleben…“
in Joh 4, der Herr bleibt zwei Tage bei den Samaritern (Hinweis auf die
Nationenzeit)
in Joh 12 endet der öffentliche Dienst und die Juden werden verblendet (Röm
11)
Die Heilsgeschichte folgt damit tatsächlich dem Muster der zwei Tage:
Eine Zeit der göttlichen Geduld, in der Israel „tot“ bleibt.
4. Symbolisch: Die Größe des Wunders
wird erhöht – völlige Ausweglosigkeit
Wäre der Herr sofort gegangen, hätte Er geheilt.
Doch Er möchte auferwecken.
Die Verzögerung sorgt dafür, dass:
der Tod vollkommen unbestreitbar ist („er riecht schon“ – 11,39),
menschliche Hoffnung erschöpft ist (11,21; 11,32),
das Wunder eine Auferstehung aus dem wirklichen Tod wird,
die Herrlichkeit des Sohnes in maximaler Klarheit sichtbar wird.
Deutlich:
Je hoffnungsloser die Lage, desto größer die Offenbarung der Herrlichkeit
Christi.
Die zwei Tage bringen die Szene in den Zustand von Hesekiel 37:
verdorrt,
tot,
ohne Leben,
menschlich völlig verloren.
Erst dann erscheint der Sohn Gottes und spricht Sein Wort.
5. Psychologisch: Der Glaube der Jünger
und Schwestern wird geschult
Die Verzögerung erzeugt Spannung, Schmerz, Fragen, Unverständnis:
„Warum bist du nicht hier gewesen?“ (11,21.32)
„Lasst uns mit ihm sterben.“ (11,16)
„Ich weiß, dass er auferstehen wird…“ (11,24)
Doch genau dadurch lehrt Er:
Glauben an Seine Person, nicht an Umstände
Vertrauen in Seine Zeit, nicht in menschliche Dringlichkeit
Ruhe in Gott, selbst wenn alles verloren scheint
Glaube wird nie durch sofortige Erhörung, sondern durch Verzögerung geschult.
6. Theologisch: Die Verzögerung zeigt die
souveräne Liebe Christi
Es ist bemerkenswert, wie der Text Liebe und Verzögerung verbindet:
1. „Jesus liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus.“ (11,5)
2. „Als er nun hörte … blieb er zwei Tage.“ (11,6)
Normaler menschlicher Satzbau wäre:
„Weil er sie liebte, ging er sofort.“
Aber Johannes zeigt das Gegenteil:
Weil Er sie liebte, wartete Er.
Die Verzögerung ist Ausdruck höherer Liebe, weil:
Er ihnen eine größere Offenbarung schenken will
ihre Beziehung zu Ihm vertieft wird
sie die Herrlichkeit Gottes sehen sollen (11,40)
durch sie viele zum Glauben kommen sollen (11,45)
Ihm geht es nicht um schnelle Erleichterung, sondern um größere, ewige Segnung.
7. Zusammenfassung
Die zwei Tage Verzögerung bedeuten:
1. Christologisch
→ Christus handelt souverän und nach göttlicher Zeit.
2. Typologisch (Israel)
→ Zwei Tage = Zeit der Abwesenheit Christi, in der Israel tot ist.
3. Prophetisch (Heilsgeschichte)
→ Hinweis auf die „zwei Tage“ (ca. 2000 Jahre) der Verwerfung Israels.
4. Symbolisch
→ Das Wunder wird verstärkt: totale Hoffnungslosigkeit → göttliches Leben.
5. Pädagogisch
→ Schulung des Glaubens von Jüngern und Schwestern.
6. Theologisch
→ Die Verzögerung ist Ausdruck göttlicher Liebe und größerer Herrlichkeit.