Fragen und Antworten

STEM Publishing

https://www.bibelkreis.ch/Darby%20Synopsis%20komplett/ohne_titel_3.html
https://www.bibelkreis.ch/BEGRIFFSERKLAERUNG/kelly_william_at.html
https://www.bibelkreis.ch/BEGRIFFSERKLAERUNG/Kelly%20William%20NT.html

00574 Johannesevangelium setzt auf Vorwissen

1. Beispiel aus Johannes 11,1–3

 Maria und Martha werden in Joh 11 als bekannte Personen vorausgesetzt, obwohl Johannes sie erst in 11,1 erwähnt und die Salbung Marias in 12,3 erst im nächsten Kapitel schildert.

„…Maria aber war die, die den Herrn mit Salbe salbte…“ (Joh 11,2)
➡ Johannes erwähnt ein Ereignis, das in seinem Evangelium erst später kommt, aber den Lesern aus den Synoptikern bereits vertraut ist (Mt 26, Mk 14).

Das ist ein bewusstes Stilmittel: Johannes schreibt ergänzend und geht davon aus, dass die Leser die anderen Evangelien kennen.


⭐ 2. Weitere Stellen im Johannesevangelium, wo Vorwissen aus den Synoptikern vorausgesetzt wird

(1) Johannes 1,32–33 – Die Taufe Jesu

Johannes beschreibt nicht die Taufe Jesu selbst (die in den Synoptikern berichtet wird), sondern setzt voraus, dass der Leser sie kennt:

„Ich sah den Geist wie eine Taube vom Himmel herabfahren…“

➡ Die Taufe selbst (Mt 3, Mk 1, Lk 3) wird nicht erzählt, nur das Zeugnis des Täufers.

(2) Johannes 3,24 – Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen

„Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen.“

➡ Das wurde nur in den Synoptikern berichtet (Mt 4,12; Mk 1,14).
Johannes verweist darauf, setzt aber die Kenntnis voraus.

(3) Johannes 6 – Speisung der 5000 und Seewandel

Johannes erzählt diese beiden Wunder sehr knapp, weil er davon ausgeht, dass man die ausführlicheren Berichte in Mt 14, Mk 6, Lk 9 kennt.

(4) Johannes 12,16 – Der Einzug in Jerusalem

„Dies verstanden seine Jünger anfangs nicht…“

Johannes setzt voraus, dass der Leser den gesamten Ablauf des Einzugs aus den Synoptikern vor Augen hat (Mt 21; Mk 11; Lk 19).

(5) Johannes 18,10 – Der Name des Jüngers, der das Ohr abhaut

Johannes ist der einzige, der den Namen nennt:

„Simon Petrus… schlug dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab.“

Die Synoptiker erzählen die Begebenheit, aber verschweigen Petrus’ Namen – vermutlich aus Rücksicht auf die Zeit, als Petrus noch lebte.

➡ Johannes „füllt eine Lücke“, setzt aber voraus, dass der Leser den synoptischen Bericht bereits kennt.


⭐ 3. Warum macht Johannes das?

Das Johannesevangelium ist das jüngste der vier Evangelien.
Die drei synoptischen Evangelien waren bereits:

Johannes schreibt ergänzend, nicht wiederholend.

Darum setzt er Kenntnis voraus und ergänzt, vertieft oder korrigiert einseitige Vorstellungen.


⭐ 4. Gibt es solche Stellen auch in anderen Bibelbüchern?

Ja, sehr viele! Besonders in Büchern, die als „Ergänzung“ geschrieben wurden.


⭐ A. In den Evangelien untereinander

(1) Markus 1,2–3

Markus zitiert Jesaja und Maleachi – aber erklärt nicht, worum es geht.
Er setzt voraus, dass der Leser die alttestamentliche Prophetie kennt.

(2) Matthäus 24 – Die Endzeitrede

Matthäus setzt voraus, dass man Daniel 7–12 kennt, weil er es mehrfach erwähnt – ohne es auszulegen.


⭐ B. In der Apostelgeschichte

Apg 1,13–14 – Die Jünger

Lukas nennt die Jünger beim Namen, als ob sie bereits bekannt wären.
Warum? Weil er von seinem Evangelium fortsetzt.


⭐ C. In den Briefen des Paulus

1. Korinther 15 – Auferstehung

Paulus fasst das Evangelium zusammen, ohne die Details zu erzählen – er setzt die Evangelien voraus.

2. Timotheus 3,8 – Jannes und Jambres

Paulus erwähnt zwei Personen, die im AT nicht genannt werden – ihre Namen stammen aus der jüdischen Tradition, die der Leser damals kannte.


⭐ D. In der Offenbarung

Johannes setzt voraus, dass der Leser:

sehr gut kennt – denn er zitiert, anspielt und übernimmt Bilder, ohne sie zu erklären.


⭐ 5. Warum ist diese Art Frage für Bibelprogramme schwer zu beantworten?

Weil Software:

So etwas findet man nur durch:

Es geht über das hinaus, was ein Programm leisten kann.


⭐ Zusammenfassung (kurz für die Bibelstunde)

  1. Ja, Johannes 11,1–3 ist typisch für das Johannesevangelium:
    Johannes setzt mehrfach voraus, dass man die Synoptiker kennt.

  2. Weitere Beispiele:

  3. Auch andere Bibelbücher setzen Vorwissen voraus, z. B. Evangelien untereinander, Briefe, und besonders die Offenbarung.

  4. Bibelsoftware kann solche impliziten Zusammenhänge kaum finden – der Ausleger aber sehr wohl.

Johannes 11 – Vorwissen aus den anderen Evangelien

Kurze Fassung für die Bibelstunde (3 Minuten)

In Johannes 11 fällt sofort auf, dass Maria und Martha erwähnt werden, obwohl sie im Johannesevangelium bisher nicht vorkamen. Johannes geht einfach davon aus, dass die Leser die beiden Schwestern bereits kennen – besonders aus dem Lukasevangelium, wo sie in Kapitel 10 vorgestellt werden. Außerdem verweist Johannes in 11,2 sogar auf die Salbung Marias, die er selbst erst im nächsten Kapitel beschreibt. Das zeigt: Johannes schreibt ergänzend zu den anderen Evangelien.

Dieses Phänomen findet sich noch öfter im Johannesevangelium.
Einige wichtige Beispiele:

  1. Johannes 1,32–33: Johannes der Täufer spricht vom Herabkommen des Geistes auf Jesus, aber die eigentliche Taufe Jesu wird nicht erzählt. Die Synoptiker haben sie bereits berichtet, und Johannes setzt dieses Wissen voraus.

  2. Johannes 3,24: Die Bemerkung, dass Johannes der Täufer „noch nicht ins Gefängnis geworfen“ war, ergibt nur Sinn, wenn man weiß, dass dies bereits in Matthäus und Markus berichtet wurde.

  3. Johannes 6: Die Speisung der 5000 und der Seewandel werden erzählt, aber Johannes ergänzt vor allem die geistliche Bedeutung. Die grundlegende Geschichte kennt man aus den anderen Evangelien.

  4. Johannes 12,16: Beim Einzug in Jerusalem wird vorausgesetzt, dass der Leser die ganze Szene bereits aus den Synoptikern kennt.

  5. Johannes 18,10: Nur Johannes nennt den Namen des Jüngers, der dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr abhaut – nämlich Petrus. Die anderen Evangelien verschweigen seinen Namen; Johannes setzt ihre Berichte voraus und ergänzt sie.

Diese Beispiele zeigen:
Johannes ist kein Wiederholer, sondern ein Ergänzer. Als ältestes der vier Evangelien setzt es das Vorwissen der Leser voraus und vertieft die geistliche Bedeutung vieler Ereignisse.

Dasselbe Prinzip findet man übrigens auch in anderen Bibelbüchern:
Die Evangelien ergänzen einander, die Apostelgeschichte setzt das Lukasevangelium voraus, Paulus setzt die Evangelien voraus, und die Offenbarung setzt vor allem Daniel, Hesekiel und Sacharja voraus.

Solche Hinweise sind schwierig mit Bibelprogrammen zu finden, weil sie nicht im Text stehen, sondern sich durch Vergleichen der Berichte ergeben. Aber genau das macht das Bibelstudium so reich: Die Schrift erklärt sich selbst – oft durch Ergänzung von Buch zu Buch.

Johannes 11 – 1-Minuten-Kurzfassung

In Johannes 11 werden Maria und Martha erwähnt, obwohl sie im Johannesevangelium vorher nicht vorkommen.
Johannes setzt also voraus, dass der Leser sie aus den anderen Evangelien bereits kennt, besonders aus Lukas 10 und aus den Berichten über die Salbung in Matthäus 26 und Markus 14.

Solche vorausgesetzten Kenntnisse finden wir öfter im Johannesevangelium:

Johannes ist also ein ergänzendes Evangelium, das vieles als bekannt voraussetzt und die geistliche Bedeutung vertieft.
Dieses Prinzip findet man auch in vielen anderen Bibelbüchern: Die Evangelien ergänzen einander, Paulus setzt die Evangelien voraus, und die Offenbarung baut besonders auf Daniel, Hesekiel und Sacharja auf.

ine übersichtliche Tabelle mit den wichtigsten Stellen im Johannesevangelium, in denen Johannes Vorkenntnisse aus den Synoptikern voraussetzt oder deren Berichte ergänzt.


Tabelle: Synoptische Bezüge im Johannesevangelium

Johannes-Stelle Was setzt Johannes voraus? Synoptische Parallelstellen Bemerkung
Joh 1,32–33 Die Taufe Jesu wird nicht erzählt; nur das Zeugnis des Täufers. Mt 3,13–17; Mk 1,9–11; Lk 3,21–22 Johannes überspringt den Taufvorgang, den alle anderen Evangelien berichten.
Joh 1,35–51 Die ersten Jünger sind schon bekannt als Jünger des Täufers. Mt 4,18–22; Mk 1,16–20; Lk 5,1–11 Johannes ergänzt Details über die ersten Begegnungen.
Joh 2,13–22 Die Tempelreinigung wird berichtet, aber im Bewusstsein der synoptischen Darstellung. Mt 21,12–13; Mk 11,15–17; Lk 19,45–46 Johannes ordnet die Tempelreinigung anders ein (wahrscheinlich zwei Reinigungen).
Joh 3,24 Die Gefangennahme des Täufers wird als bekannt vorausgesetzt. Mt 4,12; Mk 1,14 Nur die Synoptiker berichten die Gefangennahme.
Joh 4,1–2 Die Rivalität der Täuferbewegung ist bekannt. Mt 9,14; Mk 2,18; Lk 5,33 Johannes setzt die Diskussion über Fasten/Schüler voraus.
Joh 5,1–47 Die Heilung am Sabbat ergänzt die Sabbatkontroversen der Synoptiker. Mt 12; Mk 2–3; Lk 6 Johannes fügt eine neue Sabbatbegebenheit hinzu.
Joh 6,1–21 Speisung der 5000 und Seewandel sind bekannt. Mt 14,13–33; Mk 6,30–52; Lk 9,10–17 Johannes legt die geistliche Bedeutung offen (Brot des Lebens).
Joh 10,22–39 Die Diskussion über Jesu Messiasidentität ist im synoptischen Gesamtbild verankert. Besonders Mt 12–22 Johannes betont die Feindschaft in Judäa, die Synoptiker die in Galiläa.
Joh 11,1–3 Maria und Martha werden als bekannt vorausgesetzt; die Salbung wird genannt, obwohl sie erst später kommt. Lk 10,38–42; Mt 26,6–13; Mk 14,3–9 Sehr klares Beispiel für vorausgesetzte Synoptikerkenntnis.
Joh 12,12–16 Der Einzug in Jerusalem ist bekannt; Johannes fokussiert auf das Unverständnis der Jünger. Mt 21,1–11; Mk 11,1–10; Lk 19,28–44 Johannes setzt den ganzen Ablauf als bekannt voraus.
Joh 13,21–30 Der Verrat des Judas wird knapp berichtet, da er den Lesern vertraut ist. Mt 26,20–25; Mk 14,17–21; Lk 22,21–23 Johannes liefert zusätzliche Details (z. B. „der Bissen“).
Joh 18,1–11 Die Festnahme Jesu ist bekannt; Johannes nennt als einziger den Namen „Petrus“. Mt 26,47–56; Mk 14,43–52; Lk 22,47–53 Johannes ergänzt die synoptische Darstellung um Namen und Details.
Joh 19,17 Jesus trägt das Kreuz zunächst selbst – die Leser kennen Simon von Kyrene aus den Synoptikern. Mt 27,32; Mk 15,21; Lk 23,26 Johannes erwähnt Simon nicht, wohl weil er ergänzend schreibt.
Joh 20,1–18 Die Frauen am Grab sind aus den Synoptikern bekannt; Johannes konzentriert sich auf Maria Magdalena. Mt 28,1–10; Mk 16,1–8; Lk 24,1–12 Johannes wählt bewusst eine engere Perspektive.

Zusammenfassung der Tabelle (ideal für die Bibelstunde)

Johannes ist also ein Evangelium für solche, die das Leben Jesu bereits kennen – und nun seine Herrlichkeit sehen sollen.