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00574 Johannesevangelium setzt auf Vorwissen
Maria und Martha werden in Joh 11 als bekannte Personen vorausgesetzt, obwohl Johannes sie erst in 11,1 erwähnt und die Salbung Marias in 12,3 erst im nächsten Kapitel schildert.
„…Maria aber war die, die den Herrn mit Salbe salbte…“ (Joh 11,2)
➡ Johannes erwähnt ein Ereignis, das in seinem Evangelium erst später kommt, aber den Lesern aus den Synoptikern bereits vertraut ist (Mt 26, Mk 14).
Das ist ein bewusstes Stilmittel: Johannes schreibt ergänzend und geht davon aus, dass die Leser die anderen Evangelien kennen.
Johannes beschreibt nicht die Taufe Jesu selbst (die in den Synoptikern berichtet wird), sondern setzt voraus, dass der Leser sie kennt:
„Ich sah den Geist wie eine Taube vom Himmel herabfahren…“
➡ Die Taufe selbst (Mt 3, Mk 1, Lk 3) wird nicht erzählt, nur das Zeugnis des Täufers.
„Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen.“
➡ Das wurde
nur in den Synoptikern berichtet
(Mt 4,12; Mk 1,14).
Johannes verweist darauf, setzt aber
die Kenntnis voraus.
Johannes erzählt diese beiden Wunder sehr knapp, weil er davon ausgeht, dass man die ausführlicheren Berichte in Mt 14, Mk 6, Lk 9 kennt.
„Dies verstanden seine Jünger anfangs nicht…“
Johannes setzt voraus, dass der Leser den gesamten Ablauf des Einzugs aus den Synoptikern vor Augen hat (Mt 21; Mk 11; Lk 19).
Johannes ist der einzige, der den Namen nennt:
„Simon Petrus… schlug dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab.“
Die Synoptiker erzählen die Begebenheit, aber verschweigen Petrus’ Namen – vermutlich aus Rücksicht auf die Zeit, als Petrus noch lebte.
➡ Johannes „füllt eine Lücke“, setzt aber voraus, dass der Leser den synoptischen Bericht bereits kennt.
Das Johannesevangelium ist das
jüngste der vier Evangelien.
Die drei synoptischen Evangelien waren bereits:
geschrieben
im Umlauf
gut bekannt
Johannes schreibt ergänzend, nicht wiederholend.
Darum setzt er Kenntnis voraus und ergänzt, vertieft oder korrigiert einseitige Vorstellungen.
Ja, sehr viele! Besonders in Büchern, die als „Ergänzung“ geschrieben wurden.
Markus zitiert Jesaja und Maleachi – aber
erklärt nicht, worum es geht.
Er setzt voraus, dass der Leser die alttestamentliche Prophetie kennt.
Matthäus setzt voraus, dass man Daniel 7–12 kennt, weil er es mehrfach erwähnt – ohne es auszulegen.
Lukas nennt die Jünger beim Namen, als ob
sie bereits bekannt wären.
Warum? Weil er von seinem Evangelium
fortsetzt.
Paulus fasst das Evangelium zusammen, ohne die Details zu erzählen – er setzt die Evangelien voraus.
Paulus erwähnt zwei Personen, die im AT nicht genannt werden – ihre Namen stammen aus der jüdischen Tradition, die der Leser damals kannte.
Johannes setzt voraus, dass der Leser:
Daniel
Hesekiel
Sacharja
Mose
Jesaja
sehr gut kennt – denn er zitiert, anspielt und übernimmt Bilder, ohne sie zu erklären.
Weil Software:
Textähnlichkeiten findet
aber Voraussetzungen oder „implizites Wissen“ nicht erkennen kann
und keine theologische Absicht des Autors sieht
So etwas findet man nur durch:
systematisches Lesen
Vergleichen der Evangelien
Beobachtung des Schreibstils der Autoren
die Reihenfolge der Schriften
die heilsgeschichtliche Perspektive
Es geht über das hinaus, was ein Programm leisten kann.
Ja, Johannes 11,1–3 ist
typisch für das Johannesevangelium:
Johannes setzt mehrfach
voraus, dass man die Synoptiker kennt.
Weitere Beispiele:
Joh 1,32–33 (Taufe Jesu – nur Zeugnis, nicht Ereignis)
Joh 3,24 (Gefangennahme des Täufers)
Joh 6 (Speisung, Seewandel)
Joh 12,16 (Einzug in Jerusalem)
Joh 18,10 (Name: Petrus)
Auch andere Bibelbücher setzen Vorwissen voraus, z. B. Evangelien untereinander, Briefe, und besonders die Offenbarung.
Bibelsoftware kann solche impliziten Zusammenhänge kaum finden – der Ausleger aber sehr wohl.
Kurze Fassung für die Bibelstunde (3 Minuten)
In Johannes 11 fällt sofort auf, dass Maria und Martha erwähnt werden, obwohl sie im Johannesevangelium bisher nicht vorkamen. Johannes geht einfach davon aus, dass die Leser die beiden Schwestern bereits kennen – besonders aus dem Lukasevangelium, wo sie in Kapitel 10 vorgestellt werden. Außerdem verweist Johannes in 11,2 sogar auf die Salbung Marias, die er selbst erst im nächsten Kapitel beschreibt. Das zeigt: Johannes schreibt ergänzend zu den anderen Evangelien.
Dieses Phänomen findet sich noch öfter im
Johannesevangelium.
Einige wichtige Beispiele:
Johannes 1,32–33: Johannes der Täufer spricht vom Herabkommen des Geistes auf Jesus, aber die eigentliche Taufe Jesu wird nicht erzählt. Die Synoptiker haben sie bereits berichtet, und Johannes setzt dieses Wissen voraus.
Johannes 3,24: Die Bemerkung, dass Johannes der Täufer „noch nicht ins Gefängnis geworfen“ war, ergibt nur Sinn, wenn man weiß, dass dies bereits in Matthäus und Markus berichtet wurde.
Johannes 6: Die Speisung der 5000 und der Seewandel werden erzählt, aber Johannes ergänzt vor allem die geistliche Bedeutung. Die grundlegende Geschichte kennt man aus den anderen Evangelien.
Johannes 12,16: Beim Einzug in Jerusalem wird vorausgesetzt, dass der Leser die ganze Szene bereits aus den Synoptikern kennt.
Johannes 18,10: Nur Johannes nennt den Namen des Jüngers, der dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr abhaut – nämlich Petrus. Die anderen Evangelien verschweigen seinen Namen; Johannes setzt ihre Berichte voraus und ergänzt sie.
Diese Beispiele zeigen:
Johannes ist kein Wiederholer, sondern
ein Ergänzer. Als ältestes der vier Evangelien setzt es das Vorwissen
der Leser voraus und vertieft die geistliche Bedeutung vieler Ereignisse.
Dasselbe Prinzip findet man übrigens auch
in anderen Bibelbüchern:
Die Evangelien ergänzen einander, die Apostelgeschichte setzt das
Lukasevangelium voraus, Paulus setzt die Evangelien voraus, und die Offenbarung
setzt vor allem Daniel, Hesekiel und Sacharja voraus.
Solche Hinweise sind schwierig mit Bibelprogrammen zu finden, weil sie nicht im Text stehen, sondern sich durch Vergleichen der Berichte ergeben. Aber genau das macht das Bibelstudium so reich: Die Schrift erklärt sich selbst – oft durch Ergänzung von Buch zu Buch.
In Johannes 11 werden Maria und Martha
erwähnt, obwohl sie im Johannesevangelium vorher
nicht vorkommen.
Johannes setzt also voraus, dass der Leser sie
aus den anderen Evangelien
bereits kennt, besonders aus Lukas 10 und aus den Berichten über die Salbung in
Matthäus 26 und Markus 14.
Solche vorausgesetzten Kenntnisse finden wir öfter im Johannesevangelium:
Joh 1,32–33: Die Taufe Jesu wird nicht erzählt – die Synoptiker haben sie bereits berichtet.
Joh 3,24: Die Gefangennahme des Täufers setzt die Berichte aus Mt/ Mk voraus.
Joh 6: Speisung der 5000 und Seewandel werden kurz erzählt; die Leser kennen die ausführlichen Synoptikerberichte.
Joh 12,16: Der Einzug in Jerusalem wird nicht vollständig beschrieben – die anderen Evangelien taten das.
Joh 18,10: Nur Johannes nennt den Namen Petrus; er ergänzt die synoptischen Berichte.
Johannes ist also
ein ergänzendes Evangelium,
das vieles als bekannt voraussetzt und die geistliche Bedeutung vertieft.
Dieses Prinzip findet man auch in vielen anderen Bibelbüchern: Die Evangelien
ergänzen einander, Paulus setzt die Evangelien voraus, und die Offenbarung baut
besonders auf Daniel, Hesekiel und Sacharja auf.
ine übersichtliche Tabelle mit den wichtigsten Stellen im Johannesevangelium, in denen Johannes Vorkenntnisse aus den Synoptikern voraussetzt oder deren Berichte ergänzt.
| Johannes-Stelle | Was setzt Johannes voraus? | Synoptische Parallelstellen | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Joh 1,32–33 | Die Taufe Jesu wird nicht erzählt; nur das Zeugnis des Täufers. | Mt 3,13–17; Mk 1,9–11; Lk 3,21–22 | Johannes überspringt den Taufvorgang, den alle anderen Evangelien berichten. |
| Joh 1,35–51 | Die ersten Jünger sind schon bekannt als Jünger des Täufers. | Mt 4,18–22; Mk 1,16–20; Lk 5,1–11 | Johannes ergänzt Details über die ersten Begegnungen. |
| Joh 2,13–22 | Die Tempelreinigung wird berichtet, aber im Bewusstsein der synoptischen Darstellung. | Mt 21,12–13; Mk 11,15–17; Lk 19,45–46 | Johannes ordnet die Tempelreinigung anders ein (wahrscheinlich zwei Reinigungen). |
| Joh 3,24 | Die Gefangennahme des Täufers wird als bekannt vorausgesetzt. | Mt 4,12; Mk 1,14 | Nur die Synoptiker berichten die Gefangennahme. |
| Joh 4,1–2 | Die Rivalität der Täuferbewegung ist bekannt. | Mt 9,14; Mk 2,18; Lk 5,33 | Johannes setzt die Diskussion über Fasten/Schüler voraus. |
| Joh 5,1–47 | Die Heilung am Sabbat ergänzt die Sabbatkontroversen der Synoptiker. | Mt 12; Mk 2–3; Lk 6 | Johannes fügt eine neue Sabbatbegebenheit hinzu. |
| Joh 6,1–21 | Speisung der 5000 und Seewandel sind bekannt. | Mt 14,13–33; Mk 6,30–52; Lk 9,10–17 | Johannes legt die geistliche Bedeutung offen (Brot des Lebens). |
| Joh 10,22–39 | Die Diskussion über Jesu Messiasidentität ist im synoptischen Gesamtbild verankert. | Besonders Mt 12–22 | Johannes betont die Feindschaft in Judäa, die Synoptiker die in Galiläa. |
| Joh 11,1–3 | Maria und Martha werden als bekannt vorausgesetzt; die Salbung wird genannt, obwohl sie erst später kommt. | Lk 10,38–42; Mt 26,6–13; Mk 14,3–9 | Sehr klares Beispiel für vorausgesetzte Synoptikerkenntnis. |
| Joh 12,12–16 | Der Einzug in Jerusalem ist bekannt; Johannes fokussiert auf das Unverständnis der Jünger. | Mt 21,1–11; Mk 11,1–10; Lk 19,28–44 | Johannes setzt den ganzen Ablauf als bekannt voraus. |
| Joh 13,21–30 | Der Verrat des Judas wird knapp berichtet, da er den Lesern vertraut ist. | Mt 26,20–25; Mk 14,17–21; Lk 22,21–23 | Johannes liefert zusätzliche Details (z. B. „der Bissen“). |
| Joh 18,1–11 | Die Festnahme Jesu ist bekannt; Johannes nennt als einziger den Namen „Petrus“. | Mt 26,47–56; Mk 14,43–52; Lk 22,47–53 | Johannes ergänzt die synoptische Darstellung um Namen und Details. |
| Joh 19,17 | Jesus trägt das Kreuz zunächst selbst – die Leser kennen Simon von Kyrene aus den Synoptikern. | Mt 27,32; Mk 15,21; Lk 23,26 | Johannes erwähnt Simon nicht, wohl weil er ergänzend schreibt. |
| Joh 20,1–18 | Die Frauen am Grab sind aus den Synoptikern bekannt; Johannes konzentriert sich auf Maria Magdalena. | Mt 28,1–10; Mk 16,1–8; Lk 24,1–12 | Johannes wählt bewusst eine engere Perspektive. |
Johannes setzt oft voraus, dass der Leser die Berichte der Synoptiker kennt.
Er wiederholt nicht, sondern ergänzt und vertieft.
Besonders deutlich ist dies bei:
Maria und Martha (Joh 11)
der Taufe Jesu (Joh 1)
der Gefangennahme des Täufers (Joh 3)
der Speisung der 5000 (Joh 6)
der Festnahme Jesu (Joh 18)
Johannes ist also ein Evangelium für solche, die das Leben Jesu bereits kennen – und nun seine Herrlichkeit sehen sollen.