Fragen und Antworten  BEGRIFFSERKLAERUNG
STEM Publishing   Elberfelder 2023
https://www.bibelkreis.ch/Darby%20Synopsis%20komplett/ohne_titel_3.html
https://www.bibelkreis.ch/BEGRIFFSERKLAERUNG/kelly_william_at.html
https://www.bibelkreis.ch/BEGRIFFSERKLAERUNG/Kelly%20William%20NT.html

00587   1Kor 14,18 „Ich danke Gott, ich rede mehr in einer Sprache als ihr alle.“

Die Sprachenrede war kein Dauerphänomen, sondern ein angekündigtes Gerichtszeichen an Israel nach Jesaja 28.
Paulus zeigt in 1. Korinther 14 ihre begrenzte Funktion im Neuen Testament.
Mit 2. Korinther 12,12 wird deutlich, dass die apostolischen Zeichen vollständig erfüllt wurden.
Damit endet auch die Sprachenrede in der frühen Gemeindezeit.

Eine gründliche, bibeltreue und sprachlich-theologische Antwort zu deinen beiden Fragen.
Es geht dabei um
1Kor 14, Jes 28,11 und das Gerichtszeichen für Israel.


1. Frage: Was meint Paulus in 1Kor 14,18?

„Ich danke Gott, ich rede mehr in einer Sprache als ihr alle.“

A. Meint Paulus damit seine natürlichen Sprachkenntnisse?

Nein.
Der Zusammenhang zeigt absolut eindeutig, dass Paulus von der Geistesgabe der Sprachenrede spricht – nicht von seinen natürlichen, erlernten Sprachen.

Warum?

  1. Der gesamte Abschnitt 1Kor 12–14 behandelt die Geistesgaben, insbesondere Weissagung und Zungenrede.

  2. Die Formulierung „en glōssē“ („in einer Sprache“) ist im ganzen Kapitel die Bezeichnung für die charismatische Sprachenrede.

  3. Die Gegenüberstellung in Vers 19 („im Verstand reden“) macht klar:
    ⇒ Vers 18 = Reden im Geist,
    ⇒ Vers 19 = Reden im Verstand.

Paulus sagt also:

„Ich danke Gott, dass ich die Gabe der Sprachenrede mehr habe als ihr alle.“

B. Gehört seine Sprachenrede zum Gerichtszeichen gegen Israel aus Jesaja 28?

Ja – aber mit einer wichtigen Einschränkung.

1. Was ist das Zeichen?

In Jes 28,11 heißt es:

„Ja, er wird zu diesem Volk durch stammelnde Lippen und in einer fremden Sprache reden.“

Der Kontext:
Gott kündigt Israel an, dass fremde Sprachen, gesprochen von fremden Völkern, ein Gerichtszeichen für ihren Unglauben sein werden – die herannahende assyrische Zucht.

2. Wie gebraucht Paulus das in 1Kor 14?

Paulus erklärt:

Die Sprachenrede im Neuen Testament war daher:

3. War Paulus’ eigene Sprachenrede Teil dieses Zeichens?

Ja – sie stand im gleichen Prinzip.

Aber:

Also:

Paulus’ Sprachenrede war dieselbe Geistesgabe, die – im Zusammenhang betrachtet – das in Jes 28 angekündigte Zeichen für das ungläubige Israel erfüllte.
Aber Paulus selbst übte diese Gabe nicht als „Gerichtsprophet“ aus, sondern als „Erbauer der Versammlung“.


2. Frage: Wie erklärt man 1Kor 14,19?

„Aber in der Versammlung will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstande, auf daß ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache.“

Dies ist ein Grundvers für alles Verständnis der christlichen Zusammenkünfte.

A. Die Gegenüberstellung

Paulus bringt zwei extreme Zahlen:

Warum?

Der Punkt:

Kein Maß an Sprachenrede ersetzt auch nur wenige verständliche Worte, die erbauen.

B. Warum ist die Sprachenrede in der Versammlung ungeeignet?

Weil die Sprachenrede:

Darum sagt Paulus:

In der Versammlung hat nur Platz, was erbaut, ermahnt und tröstet (V. 3).

Das wird durch Weissagung, nicht durch Sprachenrede erreicht.

C. Die geistliche Bedeutung

Paulus lehrt hier ein ewiges Prinzip:

1. Gottesdienst ist nicht Ekstase, sondern Erkenntnis

Nicht mystische Erlebnisse, sondern der Verstand, aufgeklärt durch den Heiligen Geist, steht im Mittelpunkt.

2. Die Versammlung wird nur durch Verständliches erbaut

Darum:

Das sind die Elemente, die den Leib Christi aufbauen.

3. Die Gabe ist nie Selbstzweck

Auch die höchste Gabe ist nur wertvoll, wenn sie den anderen dient.


Zusammenfassung

1. Zu 1Kor 14,18

2. Zu 1Kor 14,19

2. Korinther 12,12 und der Erfüllungscharakter der apostolischen Zeichen, insbesondere im Blick auf das Ende der Sprachenrede.


1. Der Schlüsselvers: 2Kor 12,12

„Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch in aller Geduld vollbracht worden: durch Zeichen und Wunder und mächtige Taten.“

Dieser Vers ist fundamental, um zu verstehen, warum die Sprachenrede im weiteren Verlauf des NT verschwindet.

A. Was sind „die Zeichen eines Apostels“?

Es sind bestimmte übernatürliche Befähigungen, die den Apostel authentifizierten als:

Dazu gehörten:

B. Der Punkt in 2Kor 12,12: Die Zeichen sind vollbracht worden

Das griechische katenelthē (perfektischer Sinn) bedeutet:

Paulus sagt also:

„Ihr Korinther habt vollständig erlebt, was apostolische Autorität ausmacht.“

Und jetzt der wichtige Schluss:

Wenn etwas „vollbracht“ wurde, wird es nicht wiederholt.


2. Warum ist das wichtig für die Frage der Sprachenrede?

A. Die Sprachenrede war ein Zeichen

  1. Für das ungläubige Israel (1Kor 14,21; Jes 28,11)

  2. Zur Bestätigung apostolischer Verkündigung (Mk 16,20; Hebr 2,3–4)

  3. Als Zeugnis der neuen Haushaltung (Apg 2)

Dies alles sind einmalige heilsgeschichtliche Funktionen – nicht wiederkehrende.

Mit dem Ende dieser Phase endet notwendig auch die Sprachenrede.


3. Was bezeugt der 2. Korintherbrief über die zeitliche Lage?

Du sagst richtig:

Ich sehe, dass es das Sprachenreden im 2. Korintherbrief schon nicht mehr gab.

Und das ist bibeltheologisch sehr gut begründet.

A. Keine Erwähnung mehr der Sprachenrede

Im frühen 1. Korintherbrief (ca. 55 n. Chr.) ist die Sprachenrede noch ein Problem in der Gemeinde.

Aber:

keinerlei Sprachenrede mehr, nicht einmal ein Hinweis.

B. Die Betonung verschiebt sich vom Zeichen zur Wahrheit

Paulus betont in 2Kor:

Er sagt sogar:

„Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen.“ (2Kor 5,7)

Im Gegensatz dazu war die Sprachenrede ein sichtbares Zeichen.

C. Der entscheidende Zusammenhang

2Kor 12,12 sagt:
Die apostolischen Zeichen wurden in Korinth erfüllt.

Vergleiche das mit 1Kor 14, wo die Gabe zwar noch aktiv war, aber in Unordnung ausgeübt wurde.

Nur 1–2 Jahre später sagt Paulus:

Diese Zeitsignaturen sind erfüllt.
Es gibt nichts mehr, was zu bestätigen wäre – der apostolische Dienst ist ausgewiesen.

D. Die Heilsgeschichte schreitet weiter

Mit zunehmender Offenbarung:

Darum endet die Sprachenrede automatisch mit dem „Erfüllungsabschluss“ (2Kor 12,12).


4. Wie passt das zu 1Kor 13,8?

„Zungen werden aufhören“.
(gr. pausontai = selbsttätig enden, auslaufen)

Bedeutung:

Genau das sehen wir:

Das bestätigt völlig:

Die Sprachenrede gehört zur abgeschlossenen apostolischen Zeichenperiode.


5. Zusammenfassung

✔ 1. Kor 14 erklärt den Sinn der Sprachenrede (Zeichen an Israel).

✔ 2. Kor 12,12 erklärt ihren Erfüllungscharakter (Zeichen des Apostels erfüllt).

✔ Daraus folgt:

Die Sprachenrede wird nach der apostolischen Bestätigung nicht mehr gebraucht – sie ist im 2Kor bereits im Abklingen und danach ganz verschwunden.

Thema: Sprachenrede, Jesaja 28, 1Kor 14 und Erfüllung in 2Kor 12,12

I. Jesaja 28 – Das angekündigte Gerichtszeichen

  1. Israel verweigert das Hören auf Gottes Wort.

  2. Gott redet durch „stammelnde Lippen“ und „fremde Sprache“ (Assyrer).

  3. Fremde Sprachen = Gericht über Unglauben.

II. 1Kor 14 – Die neutestamentliche Anwendung

  1. Sprachenrede ist ein Zeichen für die Ungläubigen (bes. Israel).

  2. Sie ist nicht zur Belehrung der Versammlung gegeben.

  3. Paulus selbst besaß die Gabe in höchstem Maß.

  4. In der Versammlung jedoch gilt: Verständliches hat Vorrang.

III. 1Kor 13,8 – Das angekündigte Ende

  1. „Zungen werden aufhören“ (= selbsttätig, ohne äußeren Abbruch).

  2. Ihr Zweck ist zeitlich begrenzt.

  3. Die Gabe ist an die apostolische Offenbarungsperiode gebunden.

IV. 2Kor 12,12 – Der Erfüllungscharakter

  1. Die „Zeichen des Apostels“ wurden vollständig erfüllt.

  2. Sprachenrede gehörte zu diesen Zeichen.

  3. Der Zweck der Gabe ist damit abgeschlossen.

  4. Daher keine Erwähnung mehr im späteren NT.

V. Das heilsgeschichtliche Ergebnis

  1. Sprachenrede war Zeichen – nicht Dauerordnung.

  2. Erfüllte Zeichen wiederholen sich nicht.

  3. Die Versammlung wird durch das geschriebene Wort erbaut, nicht durch Zeichen.


2. Sprachstudie (Klartext)

A. Jesaja 28,11

B. 1Kor 14 – „glōssa“

C. 1Kor 14,22 – „sēmeion“

D. 2Kor 12,12 – „sēmeia tou apostolou“

→ Bedeutet: Die Zeichenphase ist heilsgeschichtlich abgeschlossen.


3. Belegstellen (Klartext)

Altes Testament

Evangelien & Apostelgeschichte

Briefe des Paulus

Hebräer

  • Korinther 14

  • Korinther 12
    Jesaja 28
    Gerichtszeichen Israel
    Bibelstudium
    Heilsgeschichte
    Apostelzeichen
    Neues Testament
    Bibelkreis
    Biblische Auslegung
    Prophetie Israel
    Zeichen und Wunder
    Gaben des Geistes
    Biblische Prophetie
    Bibelwort
    Bibelstudium NT
    Theologie NT
    Apostel Paulus