Fragen und Antworten BEGRIFFSERKLAERUNG
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00587 1Kor 14,18 „Ich danke Gott, ich rede mehr in einer Sprache als ihr alle.“

Die Sprachenrede war kein
Dauerphänomen, sondern ein angekündigtes Gerichtszeichen an Israel nach Jesaja
28.
Paulus zeigt in 1. Korinther 14 ihre begrenzte
Funktion im Neuen Testament.
Mit 2. Korinther 12,12 wird deutlich, dass die
apostolischen Zeichen vollständig erfüllt wurden.
Damit endet auch die Sprachenrede in der frühen
Gemeindezeit.
Eine
gründliche, bibeltreue und sprachlich-theologische
Antwort zu deinen beiden
Fragen.
Es geht dabei um
1Kor 14,
Jes 28,11
und das
Gerichtszeichen
für Israel.
„Ich danke Gott, ich rede mehr in einer Sprache als ihr alle.“
Nein.
Der Zusammenhang zeigt absolut eindeutig, dass Paulus von der
Geistesgabe der Sprachenrede
spricht – nicht von seinen natürlichen, erlernten Sprachen.
Warum?
Der gesamte Abschnitt 1Kor 12–14 behandelt die Geistesgaben, insbesondere Weissagung und Zungenrede.
Die Formulierung „en glōssē“ („in einer Sprache“) ist im ganzen Kapitel die Bezeichnung für die charismatische Sprachenrede.
Die Gegenüberstellung in Vers 19 („im
Verstand reden“) macht klar:
⇒ Vers 18 = Reden im Geist,
⇒ Vers 19 = Reden im Verstand.
Paulus sagt also:
„Ich danke Gott, dass ich die Gabe der Sprachenrede mehr habe als ihr alle.“
Ja – aber mit einer wichtigen Einschränkung.
In Jes 28,11 heißt es:
„Ja, er wird zu diesem Volk durch stammelnde Lippen und in einer fremden Sprache reden.“
Der Kontext:
Gott kündigt Israel an, dass fremde
Sprachen, gesprochen von
fremden Völkern, ein
Gerichtszeichen für ihren Unglauben sein werden – die herannahende
assyrische Zucht.
Paulus erklärt:
Die Gabe der Sprachenrede ist primär ein Zeichen, und zwar:
für die Ungläubigen (V. 22),
besonders für das ungläubige Israel (durch Bezug auf Jes 28).
Die Sprachenrede im Neuen Testament war daher:
ein positives, übernatürliches Reden Gottes,
das aber
wie damals ein
Gerichtszeichen war:
Israel hörte „fremde Sprachen“,
erkannte aber nicht Gottes Reden darin.
Ja – sie stand im gleichen Prinzip.
Aber:
Es war nicht Paulus’ Aufgabe, Israel durch Sprachenrede zu richten.
Vielmehr zeigt Paulus, dass die Gabe an sich dieses Zeichencharakter trug.
Also:
Paulus’ Sprachenrede war dieselbe Geistesgabe, die – im Zusammenhang betrachtet – das in Jes 28 angekündigte Zeichen für das ungläubige Israel erfüllte.
Aber Paulus selbst übte diese Gabe nicht als „Gerichtsprophet“ aus, sondern als „Erbauer der Versammlung“.
„Aber in der Versammlung will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstande, auf daß ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache.“
Dies ist ein Grundvers für alles Verständnis der christlichen Zusammenkünfte.
Paulus bringt zwei extreme Zahlen:
5 Worte mit Verstand
vs.
10 000 Worte in einer Sprache
Warum?
„Fünf“ bedeutet: ein kurzer, verständlicher Satz.
„Zehntausend“ ist die damalige größte Zahl (myrias) – bedeutet: „unendlich viele“.
Der Punkt:
Kein Maß an Sprachenrede ersetzt auch nur wenige verständliche Worte, die erbauen.
Weil die Sprachenrede:
ohne Auslegung nicht verstanden wird (V. 2),
die Versammlung nicht erbaut (V. 4),
nur ein Zeichen ist, nicht ein Mittel zur Belehrung (V. 22),
und leicht zu Unordnung führt (V. 23).
Darum sagt Paulus:
In der Versammlung hat nur Platz, was erbaut, ermahnt und tröstet (V. 3).
Das wird durch Weissagung, nicht durch Sprachenrede erreicht.
Paulus lehrt hier ein ewiges Prinzip:
Nicht mystische Erlebnisse, sondern der Verstand, aufgeklärt durch den Heiligen Geist, steht im Mittelpunkt.
Darum:
Predigt
Lehre
Singen mit Verstand (V. 15)
Schriftlesung mit Erklärung
Das sind die Elemente, die den Leib Christi aufbauen.
Auch die höchste Gabe ist nur wertvoll, wenn sie den anderen dient.
Paulus meint nicht seine natürlichen Sprachkenntnisse.
Er meint die Gabe der Sprachenrede.
Diese Gabe gehörte grundsätzlich zu dem Zeichen, das Jes 28,11 ankündigt.
Paulus’ persönliche Gabe ist Teil der göttlichen Bestätigung dieses Zeichens, aber er selbst übt sie nicht als Gericht, sondern zur Erbauung aus.
In der Versammlung muss alles verständlich sein.
„Fünf verständliche Worte“ sind Gott mehr wert als „zehntausend unverständliche“.
Der Grundsatz: Verstand und Belehrung statt ekstatische Ausdrucksformen.
Ziel:
Erbauung, nicht Eindruck.
2. Korinther 12,12 und der Erfüllungscharakter der apostolischen Zeichen, insbesondere im Blick auf das Ende der Sprachenrede.
„Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch in aller Geduld vollbracht worden: durch Zeichen und Wunder und mächtige Taten.“
Dieser Vers ist fundamental, um zu verstehen, warum die Sprachenrede im weiteren Verlauf des NT verschwindet.
Es sind bestimmte übernatürliche Befähigungen, die den Apostel authentifizierten als:
direkt von Christus gesandt,
bevollmächtigt,
Träger göttlicher Offenbarung.
Dazu gehörten:
Wunder allgemein (Heilungen, Machttaten),
besondere Belehrungsvollmacht,
Sprachenrede (in Verbindung mit der Offenbarung und als Zeichen an Israel),
Geisterunterscheidung,
Offenbarung des Geheimnisses Christi (Eph 3).
Das griechische katenelthē (perfektischer Sinn) bedeutet:
“in vollem Maß verwirklicht“
“abgeschlossen erfüllt“
“vollständig zur Ausführung gebracht“
Paulus sagt also:
„Ihr Korinther habt vollständig erlebt, was apostolische Autorität ausmacht.“
Und jetzt der wichtige Schluss:
Wenn etwas „vollbracht“ wurde, wird es nicht wiederholt.
Für das ungläubige Israel (1Kor 14,21; Jes 28,11)
Zur Bestätigung apostolischer Verkündigung (Mk 16,20; Hebr 2,3–4)
Als Zeugnis der neuen Haushaltung (Apg 2)
Dies alles sind einmalige heilsgeschichtliche Funktionen – nicht wiederkehrende.
Mit dem Ende dieser Phase endet notwendig auch die Sprachenrede.
Du sagst richtig:
Ich sehe, dass es das Sprachenreden im 2. Korintherbrief schon nicht mehr gab.
Und das ist bibeltheologisch sehr gut begründet.
Im frühen 1. Korintherbrief (ca. 55 n. Chr.) ist die Sprachenrede noch ein Problem in der Gemeinde.
Aber:
In 2Kor (ca. 57 n. Chr.)
In Röm (ca. 57–58 n. Chr.)
In Eph, Phil, Kol, 1Tim, 2Tim, Tit
In Hebr
In 1–3 Joh, Jud, Offb
→ keinerlei Sprachenrede mehr, nicht einmal ein Hinweis.
Paulus betont in 2Kor:
Leiden
apostolische Autorität
Echtheit seines Dienstes
Offenbarungen, aber keine sprachlichen Zeichen mehr
Er sagt sogar:
„Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen.“ (2Kor 5,7)
Im Gegensatz dazu war die Sprachenrede ein sichtbares Zeichen.
2Kor 12,12 sagt:
Die apostolischen Zeichen wurden in
Korinth erfüllt.
Vergleiche das mit 1Kor 14, wo die Gabe zwar noch aktiv war, aber in Unordnung ausgeübt wurde.
Nur 1–2 Jahre später sagt Paulus:
Diese Zeitsignaturen sind erfüllt.
Es gibt nichts mehr, was zu bestätigen wäre – der apostolische Dienst ist ausgewiesen.
Mit zunehmender Offenbarung:
Das NT wird geschrieben.
Die apostolische Zeit nähert sich dem Ende.
Die Versammlung wird durch das Wort erbaut, nicht durch Zeichen.
Darum endet die Sprachenrede automatisch mit dem „Erfüllungsabschluss“ (2Kor 12,12).
„Zungen werden aufhören“.
(gr. pausontai = selbsttätig enden, auslaufen)
Bedeutung:
nicht abrupt abgebrochen,
nicht verboten,
sondern heilsgeschichtlich von selbst auslaufend.
Genau das sehen wir:
Frühe Briefe: Sprachen vorhanden
2Kor / Römer: keine Erwähnung mehr
Späte Briefe: keinerlei Hinweis
Kirchengeschichte: kein Auftreten bis zu modernen „charismatischen“ Bewegungen, die ganz andere Phänomene darstellen
Das bestätigt völlig:
Die Sprachenrede gehört zur abgeschlossenen apostolischen Zeichenperiode.
Die Sprachenrede wird nach der apostolischen Bestätigung nicht mehr gebraucht –
sie ist im 2Kor bereits im Abklingen und danach ganz verschwunden.
Thema: Sprachenrede, Jesaja 28, 1Kor 14 und Erfüllung in 2Kor 12,12
Israel verweigert das Hören auf Gottes Wort.
Gott redet durch „stammelnde Lippen“ und „fremde Sprache“ (Assyrer).
Fremde Sprachen = Gericht über Unglauben.
Sprachenrede ist ein Zeichen für die Ungläubigen (bes. Israel).
Sie ist nicht zur Belehrung der Versammlung gegeben.
Paulus selbst besaß die Gabe in höchstem Maß.
In der Versammlung jedoch gilt: Verständliches hat Vorrang.
„Zungen werden aufhören“ (= selbsttätig, ohne äußeren Abbruch).
Ihr Zweck ist zeitlich begrenzt.
Die Gabe ist an die apostolische Offenbarungsperiode gebunden.
Die „Zeichen des Apostels“ wurden vollständig erfüllt.
Sprachenrede gehörte zu diesen Zeichen.
Der Zweck der Gabe ist damit abgeschlossen.
Daher keine Erwähnung mehr im späteren NT.
Sprachenrede war Zeichen – nicht Dauerordnung.
Erfüllte Zeichen wiederholen sich nicht.
Die Versammlung wird durch das geschriebene Wort erbaut, nicht durch Zeichen.
„stammelnde Lippen“ –
lāšōn lā‘ēg
= unverständliche, harte, fremde Rede.
„fremde Sprache“ –
bešāfāt aḥeret
= eine Sprache, die Israel nicht versteht → Gericht.
griech.
γλῶσσα (glōssa)
= „Zunge“, „Sprache“, im NT-Kontext:
übernatürlich gesprochene
Fremdsprache.
Immer im Gegensatz zu „nous“ (Verstand).
Ohne Auslegung nicht verständlich.
σημεῖον (sēmeion)
= Zeichen, Wunderzeichen, göttliche Bestätigung.
Sprachenrede = Zeichen für Ungläubige, nicht für Gläubige.
„die Zeichen des Apostels“
= Beglaubigungswunder, die die Echtheit des apostolischen Dienstes erweisen.
„katenelthē“ (vollbracht,
erfüllt)
Perfektisches Verb = „in vollem Maß zur Ausführung gebracht“,
„abgeschlossen“.
→ Bedeutet: Die Zeichenphase ist heilsgeschichtlich abgeschlossen.
Jes 28,11–12 – Fremdsprachen als Gericht über Israel.
5Mo 28,49 – Ein Volk mit fremder Sprache kommt als Gericht.
Mk 16,20 – Gott bestätigt die apostolische Predigt durch Zeichen.
Apg 2,4–11 – Sprachenrede als Zeichen für die anwesenden Juden.
Apg 10,44–46 – Zeichen der Öffnung für die Nationen.
Apg 19,6 – Apostolische Beglaubigung.
1Kor 12–14 – Funktion, Begrenzung und Ordnung der Sprachenrede.
1Kor 13,8 – „Zungen werden aufhören“.
1Kor 14,21 – Bezug auf Jes 28.
2Kor 12,12 – Abschluss („vollbracht“) der apostolischen Zeichen.
Röm 15,19 – Bestätigung durch Machttaten und Zeichen.
Eph, Phil, Kol, Tim, Tit – keine Sprachenrede mehr.
Hebr 2,3–4 – Zeichen
bestätigten die apostolische Verkündigung.
Korinther 14
Korinther 12
Jesaja 28
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