Fragen und Antworten BEGRIFFSERKLAERUNG
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Elberfelder 2023
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00588 Unterschied: Fleisch sárx
, fleischern sarkínos & fleischlich sarkikós

Differenzierte und sprachlich-theologische Erklärung zu den Begriffen „Fleisch“, „fleischern“ und „fleischlich“ – mit Blick auf 1. Korinther 2–3, der Elberfelder 1905, und mit griechischer Originalsprache + deutscher Transliteration (lautgetreu).
Die Elberfelder 1905 unterscheidet sehr präzise, weil Paulus bewusst zwei verschiedene Adjektive benutzt:
| Deutsches Wort | Griechisch | Transliteration | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Fleisch | σάρξ | sárx | Die menschliche Natur, Leiblichkeit ODER der Mensch in seiner inneren, sündigen Natur („alter Mensch“). |
| fleischern | σαρκίνος | sarkínos | „aus Fleisch“, „fleischbeschaffen“ – Betonung auf der Substanz, noch „fleischhaft“, „unreif“. |
| fleischlich | σαρκικός | sarkikós | „fleischlich gesinnt“, „fleischbeherrscht“ – Betonung auf dem Charakter und moralischen Zustand. |
Paulus spielt bewusst mit diesen Abstufungen.
σάρξ (sárx) bezeichnet:
den menschlichen Leib – die natürliche, geschaffene Körperlichkeit
die menschliche Natur in ihrer Schwachheit
die sündige Natur, den „alten Menschen“
Im 1. Korintherbrief geht es weniger um den Körper, sondern um:
👉
die menschliche, natürliche,
ungeistliche Wesensart
(im Gegensatz zu πνεῦμα pneuma,
Geist).
σαρκίνος = „fleischern“, „aus Fleisch“, „fleischbeschaffen“.
Transliteration: sarkínos
Es bedeutet nicht primär „sündig“, sondern:
👉
wesensmäßig noch unentwickelt
👉 noch zur natürlichen Welt gehörend
👉 unreif, noch nicht geprägt vom
Geist
„… nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln des Herzens“
(gr. σαρκίναις καρδίαις – sarkínais kardíais)
→ Hier eindeutig neutral + positiv.
„… euch als Fleischern (σαρκίνοις) zu reden“
→ Sie sind Kinder in Christus, unreif, aber nicht völlig fleischlich.
beschreibt „aus Fleisch bestehend“, „erdhaft“, „unerwachsen“
anthropologische Kategorie, nicht primär moralisch
σαρκικός = fleischlich, fleischgesinnt, von der Sünde geprägt.
Transliteration: sarkikós
Das Wort ist moralisch:
👉
von der sündigen Natur bestimmt
👉 charakterlich fleischlich
👉 Handeln und Denken vom Fleisch
geprägt
„… denn ihr seid noch fleischlich (σαρκικοί).“
Begründung:
„… da Neid und Streit unter euch ist…“
→ Die Gemeinde in Korinth zeigt moralische Werke des Fleisches (vgl. Gal 5,19–21).
beschreibt moralischen Zustand
falsche Gesinnung, nicht mangelnde Reife
Paulus steigert seine Aussage:
Ihr seid wie Menschen aus Fleisch – unreif, Babys in Christus.
Ihr handelt wie Menschen, die vom Fleisch beherrscht sind – moralisch verkehrt.
Diese Steigung zeigt sich besonders in 1. Korinther 3:
Paulus unterscheidet:
ψυχικός (psychikós) – natürlich, seelisch
πνευματικός (pneumatikós) – geistlich
Der natürliche Mensch (ψυχικός) kann die Dinge Gottes nicht verstehen.
Nachdem Paulus das Prinzip erklärt hat, wendet er es auf die Gemeinde an:
„Ich konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischernen, als zu Unmündigen in Christus.“
→ Ihr habt Potenzial, aber seid noch nicht geistlich gereift.
„Ihr seid noch fleischlich … da Neid und Zank unter euch ist.“
→ Eure Taten sind moralisch fleischlich.
sarkínos → Wesensbeschaffenheit (neutraler)
sarkikós → moralischer Charakter (negativ)
neutrale + negative Bedeutung möglich
Grundbegriff: Menschliche Natur
kann körperlich oder moralisch sein
„aus Fleisch“, „fleischbeschaffen“
betont Substanz, Unreife
neutral, als milde Zurechtweisung
moralisch negativ
fleischlich gesinnt, sündig, charakterlich falsch
harte Zurechtweisung
Paulus lehnt die Korinther nicht ab.
Er sagt:
ihr seid in Christus (Kap. 1)
aber euer Zustand ist fleischern (noch unreif)
und euer Verhalten ist fleischlich (moralisch verwerflich)
daher könnt ihr die tiefen Dinge des Geistes noch nicht erfassen
Das ist die präzise paulinische Diagnostik