Fragen und Antworten BEGRIFFSERKLAERUNG
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Elberfelder 2023
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00590 Johannes 1,29 zeigt die Grundbeseitigung der Sünde als Prinzip durch das Opfer Christi.

Τῇ ἐπαύριον βλέπει τὸν Ἰησοῦν ἐρχόμενον πρὸς αὐτόν καὶ λέγει· Ἴδε ὁ ἀμνὸς τοῦ Θεοῦ, ὁ αἴρων τὴν ἁμαρτίαν τοῦ κόσμου.
Die wichtigsten Beobachtungen:
ἁμαρτία steht singular – „Sünde“ (als ganzes Phänomen).
αἴρων ist ein Partizip Präsens Aktiv: „der tragend, der wegnehmend“ – ein Beschreibungsbegriff des Messias.
Es ist eine Identitätsaussage, kein Zeitpunkthinweis.
Johannes bezeichnet Jesus als das göttliche Passahlamm, das dauerhaft die Macht der Sünde beseitigt.
Das Wegnehmen der Sünde geschah grundsätzlich und endgültig am Kreuz:
Hebräer 9,26
„… jetzt aber einmal am Ende der Zeitalter ist er offenbar geworden zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer.“
1. Petrus 2,24
„der unsere Sünden selbst an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“
Der Herr Jesus beseitigt die Sünde (singular) durch sein einmaliges Opfer. Das ist die heilsökonomische Grundlage, auf der Gott Menschen heute rettet und künftig Himmel und Erde erneuert.
Für jeden Gläubigen wird die Sünde subjektiv weggenommen, wenn er glaubt:
Apg 10,43
„… Erlassung der Sünden durch seinen Namen.“
Röm 6,14
„denn die Sünde wird nicht über euch herrschen“
In der Bekehrung geschieht:
Vergebung der Sünden (Plural)
Befreiung von der Macht der Sünde (Singular)
Erst in der neuen Schöpfung ist die Sünde endgültig verschwunden:
2. Petrus 3,13
„neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“
Dann gibt es keine Sünde mehr – weder Prinzip noch Tat.
Kurz: Nein – aber sie hängen zusammen.
Der Singular
ἁμαρτία ist
nicht „Sünden“ (Plural).
Johannes spricht vom Sündenprinzip,
nicht von einzelnen Verfehlungen.
Der Unterschied:
| Sünde (sing.) – ἁμαρτία | Sünden (pl.) – ἁμαρτίαι |
|---|---|
| Das Prinzip | Die konkreten Taten |
| Die Wurzel | Die Früchte |
| Die Macht | Die einzelnen Akte |
| Römer 5–8 | Epheser 2,1 / Kol 2,13 |
Weil er das Werk des Lammes ankündigt:
Nicht nur Sünden müssen vergeben werden,
sondern die Sünde selbst – das ganze Prinzip – muss beseitigt werden.
Das Passahlamm starb nicht nur für einzelne Taten, sondern als Stellvertreter unter dem Gericht, das den Ursprung alles Bösen betrifft.
Das Kreuz umfasst beides:
Grundproblematik: Die Sünde (das rebellische Prinzip)
Frucht: Sünden (die einzelnen Werke)
Deshalb:
Johannes 1,29: Die Sünde
Joh 1,7 / Kol 2,13: Unsere Sünden
Eine hochwichtige Frage!
Sünde ist kein materielles Etwas, sondern ein geistlich-moralisches Prinzip:
Auflehnung gegen Gott
Zielverfehlung
Verderbnis des Menschen
Sie kann daher nicht „in ein Gefäß“ gelegt oder „irgendwohin gebracht“ werden.
Aber die Sünde hat eine Geschichte und ein Ende.
Die Sünde (als Herrschaftsmacht) wurde verurteilt:
Römer 8,3
„… Gott verurteilte die Sünde im Fleisch“
Der Herr Jesus trägt unsere Sünden vor Gott – und die Sünde als Prinzip wird gerichtet.
Am Ende:
keine Quelle,
keine Tat,
keine Neigung zur Sünde,
kein Raum für Auflehnung.
In der Neuen Schöpfung existiert dieses Prinzip nicht mehr.
Die Sünde wird:
beim Kreuz verurteilt
im Heiligtum Gottes nicht mehr existieren
in der Verdammnis der Ungläubigen fortdauern (als Zustand)
Das heißt:
Die Sünde ist weggenommen in Bezug auf Gottes Heilshandeln an der Schöpfung.
Sie wird vollkommen beseitigt, wenn Gott alles neu macht.
Sie ist für Gläubige erledigt (Röm 6).
Sie bleibt Teil des Zustandes der Verlorenen (Joh 8,24).
Johannes 1,29 meint die Grundbeseitigung der Sünde als Prinzip durch das Opfer Christi – ein für alle Mal am Kreuz.
„Sünde“ (Singular) ist nicht „Sünden“ (Plural) – aber Christus hat beides getragen und beseitigt.
Die Sünde ist ein Prinzip und wird nicht in einen Ort gelegt, sondern wurde am Kreuz gerichtet, verliert im Gläubigen ihre Herrschaft und wird in der Neuen Schöpfung völlig verschwinden.
Wortstudie zu ἁμαρτία (hamartía) im Neuen Testament – mit deutscher Transkription, vollständiger theologischer Einordnung und klaren Kategorien.
ἁμαρτία (hamartía) kommt wahrscheinlich von:
ἁμαρτάνω (hamartánō) = verfehlen, nicht treffen
Wurzel mar = Ziel
mit a-Privativum: a-martía = Nicht-Treffen des Ziels
Grundidee:
➡️ Ein Ziel nicht treffen – das Ziel
Gottes verfehlen.
Diese Grundbedeutung prägt alle NT-Verwendungen.
Im Neuen Testament hat ἁμαρτία zwei große Bedeutungsfelder:
Das ist die wichtigste theologische Bedeutung.
Es meint:
Die innere, herrschende Macht, die im gefallenen Menschen wirkt (Röm 5–8)
Die verdorbene Natur
Die Quelle aller bösen Taten
Die moralische Verderbnis der Welt
Kurz:
➡️ Die Sünde als Herrschaftsmacht, als
rebellische Grundhaltung gegen Gott
Beispiele:
Röm 5,12 – „so ist die Sünde in die Welt hineingekommen“
Röm 6,14 – „die Sünde wird nicht über euch herrschen“
Röm 7,17 – „nun aber tue nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt“
Joh 1,29 – „die Sünde der Welt wegnehmend“
1. Joh 3,4 – „Sünde ist Gesetzlosigkeit“
Manchmal steht der Singular aber kollektiv.
Bedeutet:
Einzelne sündige Handlungen
Schuld vor Gott
Konkrete Übertretungen
Beispiele:
Mt 1,21 – „er wird sein Volk erretten von ihren Sünden“
Joh 8,24 – „in euren Sünden sterben“
Röm 4,7 – „die Sünden, deren Bedeckung geschehen ist“
Kol 2,13 – „eure Übertretungen und die Unbeschnittenheit eures Fleisches“
Kurz:
➡️ Die Taten, die aus dem Prinzip
hervorkommen.
ἁμαρτία (singular) kommt
174-mal vor.
ἁμαρτίαι (plural) kommt 47-mal
vor.
Johannes-Evangelium: 17-mal
Römerbrief: 48-mal (Zentrum der Lehre der Sünde)
Dieses Verständnis dominiert vor allem Paulus.
Merkmale:
wohnt im Menschen
herrscht
verführt
bringt Tod hervor
wirkt durch die Begierde
Schlüsseltexte:
Röm 5,12–21 (Sünde kam durch Adam)
Röm 6,6–14 (Befreiung von der Herrschaft der Sünde)
Röm 7,17–23 (die Sünde wohnt im Fleisch)
Heb 12,1 „die uns umstrickende Sünde“
Hier ist ἁμαρτία nicht ein Verhalten, sondern ein Herrschaftsbereich.
Johannes gibt eine Definition:
ἡ ἁμαρτία ἐστὶν ἡ ἀνομία
hē hamartía estin hē anomía
„Sünde ist Gesetzlosigkeit.“
Gesetzlosigkeit = Unabhängigkeit von Gott.
Nicht primär Übertretung des mosaischen Gesetzes, sondern
Aufstand gegen Gottes Autorität.
Dazu gehört jede konkrete Handlung, die Gottes Willen widerspricht.
Beispiele:
Lk 15,18 – „ich habe
gesündigt“
(ἥμαρτον – hamarton)
Joh 9,41 – „eure Sünde bleibt“
1. Kor 15,3 – „Christus ist gestorben für unsere Sünden“
Hier ist Sünde:
➡️ Tat, Übertretung, Wort oder Gedanke
gegen Gott
Bei Johannes ist „Sünde“ oft der Zustand des Unglaubens.
Beispiele:
Joh 16,9 – „weil sie nicht an mich glauben“
Joh 9,41 – ihre Sünde bleibt (Unglaube)
Joh 8,21–24 – „ihr werdet in euren Sünden sterben“
Die Wurzel des Bösen:
➡️ Unglaube an Christus
Einzelfälle:
Jak 1,15 – „Sünde bringt den Tod hervor“
Heb 10,17 – „ihrer Sünden werde ich nicht mehr gedenken“
1. Joh 1,7 – „das Blut Jesu reinigt von aller Sünde“
Hier ist Sünde Schuld, die Vergebung braucht.
Hier ist ἁμαρτία:
das gesamte Sündenprinzip der Menschheit
die „Atmosphäre des Bösen“
der Zustand der gefallenen Welt
Christus nimmt das ganze Problem der Sünde hinweg.
| Form | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| ἁμαρτία (hamartía) | Röm 5,12 | Sünde (Prinzip) |
| ἁμαρτίας (hamartías) | Joh 8,21 | von der Sünde |
| τῆς ἁμαρτίας | Röm 6,6 | die (Macht der) Sünde |
| ἁμαρτίαι (Plural) | Mt 1,21 | Sünden, einzelne Vergehen |
| ἁμαρτάνω (Verb) | Röm 3,23 | sündigen |
Der Singular meint meistens:
➡️ Sünde als Macht
Der Plural meint meistens:
➡️ Sünden als Taten
Bei Paulus ist ἁμαρτία eine kosmische Macht.
Sie:
herrscht (Röm 6,12)
regiert zum Tod (Röm 5,21)
wohnt im Menschen (Röm 7,17)
versklavt (Röm 6,6)
verführt (Röm 7,11)
ist personifiziert
Sie ist wie ein König oder Tyrann dargestellt.
(a) ἁμαρτάνω (hamartánō) an.
Griechisch: ἁμαρτάνω
Deutsche Transkription: hamartánō
Wortart: Verb
Grundbedeutung: verfehlen, das Ziel nicht treffen; moralisch: sündigen
Verwandt mit:
Substantiv: ἁμαρτία (hamartía) = Sünde
Partizip/Derivate: ἁμαρτωλός (hamartōlós) = Sünder
Ursprüngliche (außerbiblische) Bedeutung:
im profanen Griechisch: ein Ziel verfehlen, daneben auch: einen Fehler machen, irren.
Die Übertragung ins Moralische:
→ der Mensch verfehlt den Willen
Gottes, „trifft“ seine Forderungen nicht.
Damit ist Sünde nicht nur „Verstoß gegen Vorschriften“, sondern verfehlte Bestimmung des Menschen.
Nur die wichtigsten:
Präsens Aktiv: ἁμαρτάνω – ich sündige
Futur Aktiv: ἁμαρτήσω – ich werde sündigen
Aorist Aktiv: ἥμαρτον – ich habe gesündigt (oft in Bekenntnissen)
Perfekt Aktiv: ἡμάρτηκα – ich habe gesündigt (Ergebnis fortbestehend)
Partizip Präsens: ἁμαρτάνων – sündigend
Wichtig ist besonders der Aorist ἥμαρτον in Bekenntnissätzen:
Lk 15,18: „Vater, ich habe gesündigt (ἥμαρτον) gegen den Himmel…“
Lk 15,21: Wiederholung des Bekenntnisses.
ἁμαρτάνω kommt im NT an rund 40 Stellen vor (je nach Zählung gering schwankend). Die Bedeutungsbreite ist relativ konzentriert:
klassisch/moralisch: sündigen, eine Sünde tun
juristisch: sich schuldig machen
heilsgeschichtlich: in einem Sündenzustand leben/bleiben
Ich teile die NT-Verwendung in 5 Gruppen:
Hier bedeutet hamartánō einfach: sündigen, Gottes Willen nicht tun.
Beispiele:
Röm 3,23: „denn alle haben gesündigt (ἥμαρτον) und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“
1. Kor 7,28: „Wenn du aber heiratest, so sündigst du nicht“ – hier eher: kein Verstoß.
1. Kor 8,12: „wenn ihr aber so gegen die Brüder sündigt …, so sündigt ihr gegen Christus“
Hier steht das Verb für konkrete Taten oder Verhaltensweisen, nicht für das Prinzip.
Das NT spricht oft davon, gegen jemanden zu sündigen:
Mt 18,15: „Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt (ἁμαρτήσῃ εἰς σέ)“
Lk 15,18: „ich habe gegen den Himmel und vor dir gesündigt“
1. Kor 8,12: „ihr sündigt gegen die Brüder …, ihr sündigt gegen Christus“
Theologisch wichtig:
Jede Sünde ist letztlich gegen Gott (vgl. Ps 51,6: „gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt“ – LXX ebenfalls mit hamartánō).
In einigen Stellen, besonders bei Johannes, ist hamartánō präsentisch und beschreibt einen andauernden Zustand oder Lebensstil:
1. Joh 3,6:
„Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht (οὐχ ἁμαρτάνει); jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen noch ihn erkannt.“
1. Joh 3,8:
„Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt (ἁμαρτάνει) von Anfang an.“
Hier meint hamartánō nicht eine einzelne Verfehlung, sondern:
➡️ charakteristisches Tun, ein Leben im Widerspruch zu Gott.
Johannes unterscheidet:
den Weg des Kindes Gottes → nicht durch dauerndes Sündigen gekennzeichnet
den Weg des Teufelskindes → dauerndes Sündigen
1. Joh 2,1:
„Dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt (ἵνα μὴ ἁμάρτητε). Und wenn jemand gesündigt hat (ἐάν τις ἁμάρτῃ), wir haben einen Sachwalter …“
Hier ist die Spannung:
Ziel: nicht sündigen
Realität: es kann vorkommen, dass jemand sündigt
Trost: wir haben einen Sachwalter (Parakleten) beim Vater
hamartánō steht hier absolut – ohne Objekt:
➡️ allgemein „eine Sünde tun“.
In einigen Stellen geht es um Sünde im Rahmen von:
Gesetz
Gewissen
Erkenntnis
Beispiele:
Röm 2,12: „so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und so viele im Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden.“
Hier zeigt hamartánō:
Es gibt Verantwortlichkeit mit und ohne Gesetz
Sündigen ist immer schuldhaft, aber der Maßstab der Beurteilung (mit/ohne Gesetz) ist verschieden.
Ganz wichtig:
ἁμαρτία (hamartía) = das Prinzip, die Macht der Sünde (oft singular).
ἁμαρτάνω (hamartánō) = das Tun, das aus diesem Prinzip hervorgeht.
Man könnte sagen:
hamartía ist die Wurzel, hamartánō die Frucht im Verhalten.
Im Römerbrief wird das sehr klar:
Röm 5–7 betonen, dass die Sünde (ἡ ἁμαρτία) herrscht und im Menschen wohnt.
Die Taten des Sündigens (ἁμαρτάνειν) sind Ausdruck dieser inneren Macht.
Lk 15,18–21: „ich habe
gesündigt“ (ἥμαρτον)
→ volles Anerkennen von Schuld.
Lk 23,41: „wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan“ – implizit: wir haben gesündigt, er nicht.
1. Kor 15,34: „Sündigt
(μὴ ἁμαρτάνετε) nicht weiter!“
→ Aufruf zur Nüchternheit und praktischen Heiligkeit.
Eph 4,26: „Zürnt, und
sündigt nicht“ (in der
LXX-Formel aus Ps 4,5).
→ Zorn kann zur Sünde führen; es gibt aber eine Grenze.
Röm 3,23: universal:
„alle haben gesündigt“
→ hamartánō als universale Realität – jeder hat sich von Gott entfernt.
Grundbedeutung: Ziel verfehlen → moralisch: sündigen, sich gegen den Willen Gottes verfehlen.
Hamartánō bezeichnet stets das konkrete Tun – im Unterschied zur ἁμαρτία als innerer Macht / Zustand.
Es kann ein einzelner Akt sein (Aorist: „ich habe gesündigt“), oder ein dauernder Zustand (Präsens: „er sündigt“ = Lebensstil).
Bei Johannes gibt es eine starke Linie: dauerhaftes Sündigen – Kennzeichen derer, die nicht aus Gott sind.
Wenn jemand gesündigt hat, ist hamartánō gleichzeitig Ausdruck:
der Verantwortung des Menschen
der Wirkung der Sünde als herrschendes Prinzip
hamartánō und hamartía gehören untrennbar zusammen:
hamartía = Sündenmacht
mit hebräischen und griechischen Begriffen, Verwendungsfeldern und heilsgeschichtlichem Verlauf
Der Sündenbegriff der Bibel entwickelt sich progressiv:
das AT legt die Grundlage
das NT entfaltet die geistliche Tiefe
beide Teile ergänzen und erklären einander
Schon im AT ist Sünde mehr als nur
Gesetzesübertretung:
Sie ist Herzverderbnis, Zielverfehlung, Treubruch, Auflehnung.
Im NT wird dies vertieft zu:
einer Herrschaftsmacht
einem Prinzip im Menschen
einem kosmischen Problem
Der wichtigste Grundbegriff (ca. 600-mal im AT).
ein Ziel verfehlen
etwas falsch tun
moralisch: gegen Gott sündigen
Dies entspricht direkt dem griechischen ἁμαρτάνω (hamartánō) und ἁμαρτία (hamartía).
Stellen:
Richter 20,16: „die nicht fehlen (חָטָא) konnten“ – im Sinne des Zielen
1. Mose 39,9: „Wie sollte ich… gegen Gott sündigen?“
Ps 51,6: „gegen dich habe ich gesündigt“
Diese Grundidee bildet die semantische Wurzel für hamartía.
Bedeutet:
Unrecht
moralische Verdrehung
Schuld (inkl. Folgen)
Es meint sowohl:
Tat
Zustand
Folge (Strafe)
Beispiel:
Jes 53,6: „Jehova warf auf ihn die Schuld (עֲוֹן) von uns allen.“
Dieser Begriff zeigt, dass Sünde nicht nur ein Tun ist, sondern verderbende Kraft, die Schuld produziert.
Der stärkste Begriff für Schuld:
Aufstand gegen Gott
Treubruch
vorsätzliche Übertretung
Rebellion gegen den Bund
Beispiele:
Jes 1,2–4: Israel als rebellisches Volk
Spr 28,13: „wer seine Übertretungen (פְּשָׁע) nicht bekennt“
Hier liegt bereits der Keim des NT-Gedankens der Gesetzlosigkeit (anomia, 1. Joh 3,4).
Das AT zeichnet Sünde in drei Hauptebenen:
→ Übertretung, Zielverfehlung
Beispiele: David, Maria/Miriam, das Volk Israel.
Sünde beginnt im Herzen, nicht erst im Werk.
Belege:
1. Mose 6,5: „Alles Trachten der Gedanken ihres Herzens nur böse den ganzen Tag“
Jer 17,9: „betrügerisch ist das Herz“
Sünde ist nicht „Regelverletzung“, sondern Bruch der Beziehung zu Gott.
Israel als untreue Ehefrau (Hosea)
Götzendienst = Ehebruch (Ez 16; Jer 3)
Der gesamte Opferdienst klärt zwei Wahrheiten:
Die Sünde erfordert ein Opfer.
Passahlamm
Ganzopfer
Sünd- und Schuldopfer
der leidende Knecht (Jes 53)
Das AT macht klar:
➡️ Sünde kann nur durch
stellvertretendes Opfer gesühnt werden.
Doch diese Opfer:
nehmen die Sünde nicht wirklich weg (Heb 10,1–4)
weisen nur hin auf das Lamm Gottes.
Im NT wird der Sündenbegriff:
vertieft
personalisiert
heilsgeschichtlich erweitert
Die drei Hauptaspekte:
Der Singular ἁμαρτία (hamartía) wird zu einer Personifikation:
sie herrscht
regiert
wohnt im Menschen
versklavt
Römer 5–7:
5,12: „die Sünde kam in die Welt“
5,21: „die Sünde herrschte im Tod“
6,6: „der Leib der Sünde“
7,17: „die Sünde, die in mir wohnt“
➡️ Sünde ist eine innere Macht, nicht nur ein Tun.
Johannes definiert die zentrale Sünde:
Joh 16,9: „von Sünde, weil sie nicht an mich glauben“
Joh 8,24: „ihr werdet in euren Sünden sterben“
➡️ Unglaube ist der Gipfel der Sünde.
Definition:
1. Joh 3,4:
„Sünde ist Gesetzlosigkeit“
→ anomía = Verachtung der göttlichen Autorität
Dies vertieft den alttestamentlichen Begriff הפשע (Auflehnung).
Das NT bringt eine völlig neue Dimension:
Nicht nur Sünden (Plural), sondern die Sünde (Prinzip).
1. Pet 2,24
Jes 53,5–6 (ergänzend)
Röm 8,3
Hier kulminiert die Entwicklung:
AT: Opfer → zeigen Schuld, weisen hin
NT: Christus → nimmt die Sünde wirklich hinweg
Im Neuen Himmel und der Neuen Erde:
Offb 21,27: nichts Gemeines, niemand, der Sünde tut
2. Pet 3,13: neue Erde „in der Gerechtigkeit wohnt“
Der Sündenbegriff endet in der vollständigen Abschaffung der Sünde.
Zielverfehlung (chātā’)
moralische Verdrehung (’avon)
Rebellion (pescha)
Stellung des Menschen vor Gott
Opfer als symbolische Sühnung
Sünde als Macht (hamartía)
Sünden als Taten (hamartíai)
Sünde als Unglaube
Sünde als Gesetzlosigkeit
Sünde als zerstörte Beziehung zu Gott
Christus nimmt die Sünde weg
endgültiges Ende der Sünde in der Neuschöpfung
hamartánō = Sündenhandeln
(Die wichtigste theologische Gruppe)
Röm 5,12 – Die Sünde kam durch einen Menschen in die Welt.
Röm 5,21 – Die Sünde herrschte im Tod.
Röm 6,6 – „Leib der Sünde“ – die Sünde als Herrschaftsbereich.
Röm 6,12 – „Lasst die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib.“
Röm 6,14 – „Die Sünde wird nicht über euch herrschen.“
Röm 7,17 – „die Sünde, die in mir wohnt“
Röm 7,20 – dieselbe Aussage wiederholt
Röm 7,23 – „Gesetz der Sünde in meinen Gliedern“
Röm 7,23 – ein Gesetz, das gegen das Gottesgesetz kämpft
Röm 7,25 – „ich diene dem Gesetz der Sünde“
Röm 8,2 – „das Gesetz der Sünde und des Todes“
Röm 6,23 – „der Lohn der Sünde ist der Tod“
Jak 1,15 – „die Sünde gebiert den Tod“
Röm 3,9 – „alle unter die Sünde“
Röm 3,20 – Gesetz gibt Erkenntnis der Sünde
Röm 3,23 – alle haben gesündigt (Verb steht, aber „Sünde“ steht dahinter kollektiv)
Joh 1,29 – „die Sünde der
Welt“ (einzigartige Aussage!)
➡️ Singular: die gesamte Sündenproblematik, das Prinzip des Bösen.
Joh 9,41 – „eure Sünde bleibt“
Joh 15,22 – „sie hätten keine Sünde“ (im Sinn: Schuld)
Joh 15,24 – „sie hätten keine Sünde“ (ohne Offenbarung)
Der johanneische Sündenbegriff ist tief und einzigartig:
Joh 16,9 – „von Sünde, weil sie nicht an mich glauben“
Joh 8,21 – „ihr werdet in eurer Sünde sterben“
Joh 8,24 – zweimal: „in euren Sünden sterben“
Hier ist „Sünde“ (singular) die grundlegende Trennung von Gott.
1. Joh 3,4 – „Sünde ist
Gesetzlosigkeit (ἀνομία)“
➡️ Eine der klarsten Definitionen der ganzen Bibel.
1. Joh 1,7 – das Blut Jesu reinigt von aller Sünde
1. Joh 1,8 – „wenn wir sagen, wir haben keine Sünde“
1. Joh 1,9 – Er reinigt uns von aller Ungerechtigkeit
1. Joh 1,10 – „wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt“
1. Joh 3,6 – „wer in ihm
bleibt, sündigt nicht“
(Singular meint hier den Prinzip-Charakter)
Mt 12,31 – Sünde und Lästerung werden vergeben (Ausnahme: Lästerung gegen den Geist)
Mt 26,28 – „zur Vergebung der Sünden“ (Plural, aber Grundlage im Singular)
Joh 1,29 – zentral: die Sünde der Welt
Hebr 9,26 – Christus „zur Abschaffung der Sünde“
Hebr 10,17 – „ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken“
Hebr 10,18 – wo Vergebung ist, gibt es kein Opfer für Sünde mehr (Singular)
Röm 7,7 – „ich hätte die Sünde nicht erkannt als nur durch das Gesetz“
1. Kor 15,56 – „die Kraft der Sünde ist das Gesetz“
Röm 7,8 – „die Sünde nahm Anlass durch das Gebot“
Röm 7,11 – „die Sünde betrog mich durch das Gebot“
Röm 10,4 – Christus ist des Gesetzes Ende
2. Kor 5,21 – „er machte den, der keine Sünde kannte“
Heb 9,28 – „einmal geopfert, um vieler Sünden zu tragen“
Heb 10,6 – „Brandopfer und Sündopfer (Singular/Pl.)“
Heb 10,12 – „ein Opfer für Sünden auf immer dargebracht“
Joh 9,34 – „in Sünden geboren“ (Zustand, nicht Einzelhandlungen)
Joh 8,24 – „in euren Sünden sterben“
Röm 6,23 – Lohn der Sünde = Tod
(Der Begriff wird indirekt behandelt):
Offb 21,27 – „nichts Gemeines“
2. Pet 3,13 – Gerechtigkeit wohnt dort (keine Sünde mehr)
Jak 4,17 – „wer weiß
Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist es Sünde“
(Singular!)
1. Joh 5,16–17 – „Sünde
zum Tod“ / „nicht zum Tod“
Wichtig: Singular = Kategorie, nicht Tat.
2. Kor 5,21
Heb 4,15
1. Pet 2,22 (Zitiert Jes 53)
1. Joh 3,8 – „der Teufel
sündigt von Anfang an“
(Singular als Prinzip seiner Natur)
Der Singular „Sünde“ (ἁμαρτία) bezeichnet im NT überwiegend:
das Prinzip der Sünde (Paulinisch)
den Zustand des Unglaubens (Johanneisch)
die Gesetzlosigkeit (1. Johannes)
die Schuld, die Vergebung braucht
die kosmische Macht des Bösen
das Gesamtproblem der gefallenen Menschheit (Joh 1,29)
Pluralformen (Sünden)
sind meist einzelne Taten.
Der Singular ist fast immer
tiefer, grundsätzlicher, ontologischer.
Übersicht über
Diese Darstellung bildet das theologische Rückgrat des Römerbriefes.
Paulus unterscheidet zwei Ebenen:
SÜNDE (Singular) – ἁμαρτία (hamartía)
→ eine Macht, ein
Herrscher, ein
Prinzip, das im Menschen
wohnt.
SÜNDEN (Plural) – ἁμαρτίαι (hamartíai)
→ die einzelnen Verfehlungen,
Taten, Werke der Sünde.
Diese beiden stehen in folgendem Verhältnis:
Sünde (Wurzel) → Sünden (Frucht)

Nach Paulus:
Röm 5,12 – die Sünde kam in die Welt
Röm 5,15–19 – ein Mensch → viele unter Sünde
Die Sünde ist eine kosmische Realität, nicht erst die Taten.
Röm 6,6 – „Leib der Sünde“
Röm 6,12 – die Sünde herrscht, wenn man es zulässt
Röm 6,14 – „die Sünde wird nicht über euch herrschen“
Hier geht es fast nur um das Prinzip der Sünde.
Röm 7,17 – die Sünde wohnt in mir
Röm 7,20 – sie wirkt durch mich
Röm 7,23 – Gesetz der Sünde
Die Sünde wird personifiziert:
sie kämpft
sie täuscht
sie verführt
sie regiert
sie wohnt
sie wirkt
Röm 8,2 – Gesetz der Sünde und des Todes
Röm 8,3 – Gott verurteilte die Sünde im Fleisch
Röm 8,13 – Werke des Leibes töten
Hier erfolgt das göttliche Urteil über das Prinzip der Sünde.
Sünde = Natur, Prinzip, Sein
Sünden = Handlungen, Worte, Gedanken
Röm 7,5 – Leidenschaften der Sünden wirkten in unseren Gliedern
Röm 7,8 – die Sünde nahm Anlass durch das Gebot und wirkte Begierde
Röm 7,11 – die Sünde betrog mich
Die Sünden sind Früchte eines Baumes – die Sünde ist der Baum selbst.
Sünde (Prinzip) kam in die Welt
Sünden (Taten) folgten
Er nimmt die Sünde weg (Joh 1,29)
Er trägt die Sünden der Vielen (1. Pet 2,24)
Parallel:
Joh 1,29 – die Sünde der Welt (Singular)
1. Pet 2,24 – unsere Sünden (Plural)
Zuerst beseitigt Christus das Problem, dann die Folgen.
Sie hat nicht mehr die Stellung eines „Herrschers“.
Aber sie wohnt im Fleisch weiter.
Nicht: „Die Sünde ist gestorben“,
sondern: „Wir sind ihr gestorben“ – d. h. ihr
Herrschaftsanspruch ist
gebrochen.
Sie „will“ herrschen (6,12).
Aber sie „wird“ nicht herrschen (6,14).
Röm 8,13 – durch den Geist die Handlungen töten
Röm 8,4 – das Rechtsverlangen des Gesetzes wird erfüllt
Die Sünde ist die Wurzel.
Die Sünden sind die Früchte.
Das Fleisch ist der Boden, auf dem die Sünde wächst.
Das Gesetz ist das Licht, das die Sünde sichtbar macht.
Das Kreuz ist das Gericht der Sünde.
Der Geist ist die Kraft, welche die Sünde überwindet.
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde / Gerechtigkeit | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 5,1–2 | Rechtfertigung aus Glauben, Friede mit Gott, Zugang zur Gnade, Hoffnung der Herrlichkeit | δικαιωθέντες (dikaiōthentes – gerechtfertigt), εἰρήνη (eirēnē – Friede), χάρις (charis – Gnade) | Sünde wird hier vorausgesetzt als Zustand, aus dem der Mensch gerechtfertigt wurde. | Übergang vom Zustand „unter Sünde“ zu „gerechtfertigt in Christus“ | Der Gläubige steht fest in der Gnade und blickt nach vorn auf die Herrlichkeit. |
| 5,3–5 | Rühmen in Trübsalen; Trübsal – Bewährung – Hoffnung; Liebe Gottes ausgegossen | θλῖψις (thlipsis – Drangsal), δοκιμή (dokimē – Bewährung), ἐλπίς (elpis – Hoffnung), ἀγάπη (agapē – Liebe) | Die Sünde wird nicht thematisiert, sondern die Wirkungen der Gnade im Glaubenden. | Das gegenwärtige Leiden steht unter der Herrschaft der Gnade; Gott erzieht, nicht verurteilt. | Der Gläubige lernt, Schwierigkeiten als Mittel Gottes zu sehen, um die Hoffnung zu vertiefen. |
| 5,6–8 | Christus starb für Gottlose und Sünder; Liebe Gottes bewiesen am Kreuz | ἀσθενῶν (asthenōn – schwach), ἀσεβῶν (asebōn – gottlos), ἁμαρτωλῶν (hamartōlōn – Sünder) | Sünde als Zustand der Gottlosigkeit und Feindschaft; Christus stirbt für uns „als wir noch Sünder waren“. | Kreuz als historischer Wendepunkt: Gott handelt für Feinde. | Rühmen in der Liebe Gottes; keine Grundlage für Zweifel an Gottes Güte. |
| 5,9–11 | Rettung vor dem Zorn, Versöhnung, Rühmen in Gott | ὀργή (orgē – Zorn), καταλλαγή (katallagē – Versöhnung) | Von Sünde als Ursache des Zorns zu Versöhnung in Christus; Gerechtfertigte werden nicht gerichtet. | Eschatologische Perspektive: der zukünftige Zorn trifft die, die in der Sünde bleiben. | Freude in Gott selbst; Versöhnung als gegenwärtiger Besitz. |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 5,12 | Durch einen Menschen kam die Sünde in die Welt, und durch die Sünde der Tod | ἁμαρτία (hamartía – Sünde), θάνατος (thanatos – Tod) | Sünde als Macht/Prinzip kommt durch Adam in die Welt und zieht alle mit hinein. | Beginn der „Adamswirtschaft“: ganze Menschheit unter Sünde und Tod. | Der Mensch ist nicht nur Sünder durch Taten, sondern von Geburt an in einer gefallenen Ordnung. |
| 5,13–14 | Sünde war schon vor dem Gesetz da; Adam als Vorbild des Kommenden | ἁμαρτία, παράβασις (parabasis – Übertretung), τύπος (typos – Vorbild) | Sünde existiert unabhängig von der Gesetzgebung; die Herrschaft des Todes zeigt dies. | Vom Adam als Haupt eines gefallenen Menschengeschlechts zum Christus als Haupt einer neuen Schöpfung. | Bewusstsein, dass Gesetz nicht Ursache der Sünde ist, sondern ihre Offenbarung. |
| 5,15–17 | Gegenüberstellung: Verfehlung des einen – Gnade des Einen (Christus) | παράπτωμα (paraptōma – Fehltritt), χάρισμα (charisma – Gnadengabe), δικαίωμα (dikaiōma – gerechte Tat) | Die Sünde des Einen führt zu Verdammnis; das Werk des Einen zur Fülle der Gnade und zur Herrschaft im Leben. | Zwei „Quellen“: in Adam – Tod, in Christus – Leben. | Der Gläubige „herrscht im Leben“ nicht aus eigener Kraft, sondern kraft der Fülle der Gnade. |
| 5,18–19 | Zusammenfassung: durch Adam Verdammnis, durch Christus Rechtfertigung | κατάκριμα (katakrima – Verdammnis), δικαίωσις (dikaiōsis – Rechtfertigung) | Sünde wird hier als Grundzustand der Menschheit beschrieben, ihren Ursprung in Adam. | Heilsgeschichtliche Schlüsselstelle: Zwei Hauptlinien der Menschheit. | Bewusstes Leben aus dem „In-Christus-Sein“, nicht mehr aus der alten Adamslinie. |
| 5,20–21 | Das Gesetz kam dazu; wo Sünde überströmte, überströmte Gnade viel mehr | ἐπλεόνασεν (epleonasen – überströmte), ὑπερεπερίσσευσεν (hypereperisseusen – überreich wurde) | Sünde wird durch das Gesetz „überströmend“, aber Gnade übersteigt die Sünde. | Gesetz als Zwischenphase, um die Sünde als Sünde sichtbar zu machen; Gnade triumphiert. | Sicherheit: Es gibt keine Quantität von Sünde, die nicht von Gnade übertroffen werden könnte. |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 6,1–2 | Frage: in der Sünde verharren, damit Gnade zunehme? Antwort: keineswegs! | ἐπιμένω (epimenō – verharren), ζάω (zaō – leben) | Sünde bleibt eine Macht, in der der Gläubige nicht mehr „leben“ kann. | Gnade führt nicht zu Lockerheit, sondern zu einem neuen Lebensbereich. | Jede theologische Rechtfertigung des „In-der-Sünde-Bleibens“ widerspricht Römer 6. |
| 6,3–5 | Getauft in Christus und in seinen Tod; mit ihm begraben, um in Neuheit des Lebens zu wandeln | βαπτίζω (baptizō – taufen), σύμφυτος (symphytos – zusammengewachsen) | Sünde als Herrschaft endet da, wo der Mensch mit Christus gestorben ist. | Taufe als Darstellungszeichen: Wechsel der Herrschaftssphäre (von Adam zu Christus). | Das Bewusstsein: ich bin mit Christus gestorben – das bestimmt mein praktisches Verhalten. |
| 6,6–7 | Der alte Mensch gekreuzigt, damit der Leib der Sünde abgetan sei | παλαιὸς ἄνθρωπος (palaios anthrōpos – alter Mensch), καταργέω (katargeō – außer Wirksamkeit setzen) | „Leib der Sünde“: die gesamte Einheit Mensch unter der Macht der Sünde. | Am Kreuz wurde der alte Mensch gerichtet; neue Schöpfung in Christus ist Grundlage. | Der Gläubige soll sich nicht mehr als Sklave der Sünde sehen. |
| 6,8–11 | Mit Christus gestorben – mit ihm leben; „haltet euch der Sünde für tot“ | λογίζεσθε (logizesthe – haltet, rechnet), ζῇ (zēi – lebt) | Sünde existiert noch, aber der Gläubige soll sich als tot für sie betrachten. | Übergang von objektiver Stellung zu subjektiver Glaubenshaltung. | Glaube rechnet mit Gottes Sicht: ich bin der Sünde gestorben, Gott gegenüber lebend. |
| 6,12–14 | Die Sünde soll nicht herrschen; nicht als Werkzeuge der Ungerechtigkeit | βασιλευέτω (basileuetō – herrschen), ὅπλα (hopla – Werkzeuge) | Sünde ist (noch) eine Macht, die in unserem Leib wirken will, aber keinen Anspruch mehr hat. | Beginn des geistlichen Kampfes auf Grundlage der vollbrachten Erlösung. | Bewusste Hingabe der Glieder Gott als Werkzeuge der Gerechtigkeit. |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 6,15–18 | Nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade; Sklaven, wessen wir gehorchen | δοῦλος (doulos – Sklave), ὑπακοή (hypakoē – Gehorsam) | Sünde als Herrin, der der Ungläubige dient; Gehorsam der Lehre befreit aus dieser Sklaverei. | Von der Sklaverei der Sünde in die Sklaverei der Gerechtigkeit versetzt. | Niemand ist „neutral“: entweder Sklave der Sünde oder der Gerechtigkeit. |
| 6,19–21 | Früchte der Sünde: Dinge, deren man sich jetzt schämt, Ende: Tod | καρπός (karpos – Frucht), θάνατος | Sünde erzeugt Scham und Tod, unabhängig von der subjektiven Empfindung. | Rückblick auf das „Vorher“ in Adam. | Auseinanderhalten: damalige „Freiheit“ von Gerechtigkeit war in Wahrheit Sklaverei der Sünde. |
| 6,22–23 | Jetzt freigemacht von der Sünde, Sklaven Gottes; Ende: ewiges Leben | ἐλευθερωθέντες (eleutherōthentes – freigemacht), ὀψώνια (opsōnia – Sold, Lohn) | Sünde zahlt Tod als Lohn; Gott gibt Leben als Gnadengabe. | Kontrast zwischen zwei Herren und zwei Enden: Sünde → Tod, Gott → ewiges Leben. | Starke Ermutigung zum Dienst für Gott: Endergebnis ist ewiges Leben (nicht als Verdienst, sondern Gnadengabe). |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 7,1–3 | Bild der verheirateten Frau, die durchs Sterben frei wird | νόμος (nomos – Gesetz), δέω (deō – binden), γυνή (gynē – Frau) | Sünde wird indirekt vorausgesetzt als Macht, die das Gesetz benutzt. | Übergang von der alten Bindung (Gesetz) zu einer neuen Beziehung (Christus). | Der Gläubige steht nicht mehr unter Gesetzesbindung, sondern in einer neuen Beziehung. |
| 7,4–6 | Gestorben dem Gesetz durch den Leib Christi, um einem anderen anzugehören | θανατόω (thanatoō – töten), καρποφορέω (karpophoreō – Frucht bringen) | Sünde erzeugte durch das Gesetz Früchte für den Tod. | Neues Leben „im Neuen des Geistes“, nicht „im Alten des Buchstabens“. | Dienst für Gott geschieht jetzt in der Kraft des Geistes, nicht durch gesetzliche Anstrengung. |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 7,7–8 | Gesetz ist nicht Sünde; das Gesetz macht Sünde offenbar; Sünde nutzt Gebot | ἐπιθυμία (epithymia – Begierde), ἀφορμή (aphormē – Anlass) | Sünde benutzt das Gebot, erregt Begierde – zeigt ihre heimtückische Natur. | Gesetz deckt das wirkliche Ausmaß der Sünde auf. | Der Mensch erkennt durch das Gesetz nicht seine Stärke, sondern seine Ohnmacht. |
| 7,9–11 | „Ich lebte einst ohne Gesetz“ – als Gebot kommt, stirbt „ich“ | ἐζων (ezōn – ich lebte), ἀπέθανον (apethanon – ich starb) | Sünde „tötet“ durch das Gebot; Sünde ist tödliche Macht. | Subjektive Erfahrung Israels und jedes Menschen unter dem Gesetzesmaßstab. | Selbstvertrauen bricht zusammen; Bewusstsein der inneren Verderbnis wächst. |
| 7,12–13 | Gesetz heilig, gerecht, gut; Sünde erweist sich als „ganz sündig“ | ἅγιος (hagios – heilig), δίκαιος (dikaios – gerecht) | Sünde wird in ihrer ganzen Schrecklichkeit sichtbar, indem sie Gott gegebenes Gutes missbraucht. | Das Gesetz dient dazu, Sünde in ihrem wahren Charakter ans Licht zu stellen. | Der Mensch lernt, Sünde nicht zu verharmlosen. |
| 7,14–17 | Gesetz geistlich, ich fleischlich, verkauft unter die Sünde | σαρκικός (sarkikos – fleischlich), πεπραμένος (pepramenos – verkauft) | Sünde wohnt in mir; ich tue nicht, was ich will – Sünde ist Herrschaftsmacht. | Typische Beschreibung eines Menschen, der unter Gesetz lebt, aber wiedergeboren ist. | Erkenntnis: „nicht ich, sondern die in mir wohnende Sünde“ – Befreiung von Selbsttäuschung. |
| 7,18–20 | Wollen ist da, Vollbringen des Guten nicht; das Böse ist bei mir vorhanden | θέλειν (thelein – wollen), κατεργάζομαι (katergazomai – vollbringen) | Sünde verhindert das Gute, selbst wenn der Wille dazu da ist. | Offenlegung der Ohnmacht des Menschen im Fleisch. | Demütigende Erkenntnis: Gute Vorsätze reichen nicht. |
| 7,21–23 | Gesetz der Sünde in den Gliedern; Kampf zwischen innerem Menschen und Gliedern | νόμος (nomos – hier: Prinzip), μέλη (melē – Glieder) | Sünde ist Gesetz, festes Prinzip im Körper, das gegen das Gesetz des Geistes kämpft. | Vorbereitung auf Römer 8: Notwendigkeit des Geistes Gottes. | Erklärung des inneren Kampfes, den Gläubige kennen. |
| 7,24–25 | Schrei: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten?“ – Dank durch Jesus Christus | ταλαίπωρος (talaipōros – elend), ῥύσεται (rysetai – retten) | Sünde im Fleisch bleibt, aber es gibt Rettung aus ihrer Herrschaft durch Christus. | Übergang von der Erfahrung des Gesetzes zu Christus und dem Geist (Kap. 8). | Befreiung kommt nicht durch „Wie?“, sondern durch „Wer?“ – Person Christi im Mittelpunkt. |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 8,1 | Keine Verdammnis für die, die in Christus sind | κατάκριμα (katakrima – Verdammnis) | Trotz Sünde im Fleisch gibt es keine Verdammnis mehr für den, der in Christus ist. | Stellung des Gläubigen: nicht mehr in Adam, sondern in Christus. | Sicherheit des Heils als Grundlage für einen geistlichen Wandel. |
| 8,2 | Gesetz des Geistes des Lebens hat freigemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes | νόμος τοῦ πνεύματος, νόμος τῆς ἁμαρτίας | Sünde bleibt ein Gesetz, aber dem Gläubigen ist ein höheres Gesetz gegeben: das des Geistes. | Neue „Wirtschaft“: Geist statt Fleisch. | In der Praxis: Sieg über die Sünde ist nur im Geist möglich. |
| 8,3 | Gott verurteilte die Sünde im Fleisch durch das Opfer seines Sohnes | κατέκρινε (katekrine – verurteilte), ἁμαρτία | Gott hat die Sünde (Prinzip) im Fleisch gerichtet. | Kreuz Christi als Gerichtsort über die Sünde. | Grundlage der Befreiung: nicht meine Leistung, sondern Gottes Urteil über die Sünde im Kreuz. |
| 8,4 | Rechtsforderung des Gesetzes wird erfüllt in denen, die nach dem Geist wandeln | δικαίωμα (dikaiōma – Rechtsforderung) | Sünde herrscht nicht mehr; nun ist Erfüllung von Gottes Willen durch den Geist möglich. | Nicht Rückkehr unter das Gesetz, sondern Leben im Geist, in dem das Gesetz seine Erfüllung findet. | Gottes Wille wird im Wandel sichtbar, wenn der Gläubige „im Geist ist“. |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
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| 8,5–8 | Gesinnung des Fleisches – Tod; Gesinnung des Geistes – Leben und Frieden | φρόνημα (phronēma – Gesinnung), σάρξ (sarx – Fleisch) | Sünde identisch mit fleischlicher Gesinnung, die Gott Feind ist. | Zwei Sphären: Fleisch (Adam) vs. Geist (Christus). | Prüfung: Wovon ist mein Denken geprägt – Fleisch oder Geist? |
| 8,9–11 | Geist Gottes wohnt in euch; wer Christi Geist nicht hat, ist nicht sein | οἰκέω (oikeō – wohnen), Πνεῦμα Χριστοῦ | Sünde bleibt im Leib, aber der Geist wohnt im Gläubigen als Gegenmacht. | Wohnung des Geistes als Kennzeichen des NT. | Gewissheit der Zugehörigkeit zu Christus; Trost angesichts des sterblichen Leibes. |
| 8,12–13 | Verpflichtung nicht dem Fleisch, sondern dem Geist | ὀφειλέτης (opheiletēs – Schuldner), θανατόω (thanatoō – töten) | Werke des Fleisches stammen aus der Sünde; sie müssen „getötet“ werden. | Praktische Anwendung des Sieges Christi auf unser Leben. | Aktiv: die Handlungen des Leibes durch den Geist töten. |
| 8,14–17 | Geleitete durch den Geist, Geist der Sohnschaft, Miterben Christi | υἱοθεσία (huiothesia – Sohnschaft), Ἀββᾶ (Abba – Vater) | Sünde ist nicht mehr das Kennzeichen; Sohnschaft und Geistzeugnis prägen das neue Leben. | Vollendung der Erlösung: von der Knechtschaft zum freien Sohn. | Innere Freiheit: Gott als Vater, keine knechtische Furcht mehr. |
(Die Sünde tritt eher im Hintergrund als Begriff zurück, bleibt aber der Hintergrund des Leidens.)
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 8,18–23 | Leiden der jetzigen Zeit, seufzende Schöpfung, wartet auf Offenbarung der Söhne | κτίσις (ktisis – Schöpfung), ματαιότης (mataiotēs – Nichtigkeit) | Nichtigkeit der Schöpfung ist Folge der Sünde Adams. | Von der gefallenen Schöpfung zur zukünftigen Herrlichkeit. | Geduld im Leiden; Bewusstsein der kommenden Erlösung des Leibes. |
| 8,24–27 | Hoffnung, die man nicht sieht; der Geist hilft unserer Schwachheit | ἐλπίς, ἀσθένεια (astheneia – Schwachheit) | Folge der Sünde: Schwachheit, Unwissenheit im Gebet; der Geist hilft. | Der Geist als Fürsprecher in einem noch gefallenen Zustand. | Trost: wir sind im Beten nicht auf uns selbst gestellt. |
| 8,28–30 | Alles wirkt zum Guten; Vorhererkennen, Vorherbestimmen, Verherrlichen | προγινώσκω (proginōskō – vorher erkennen), προορίζω (proorizō – vorher bestimmen) | Gottes Plan überragt die Geschichte der Sünde. | Heilsgeschichte vom Vorsatz Gottes bis zur Verherrlichung. | Sicherheit: Gottes Plan ist größer als die ganze Geschichte der Sünde. |
| Abschnitt | Kurzinhalt | Schlüsselbegriffe | Aussage über Sünde | Heilsgeschichtliche Linie | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 8,31–34 | Gott für uns, Christus gestorben, auferweckt, Fürsprecher | ἐγκαλέω (egkaléō – anklagen), κατακρίνω (katakrinō – verurteilen) | Sünde als Anklagegrund ist durch das Werk Christi beseitigt. | Christus als himmlischer Fürsprecher nach vollbrachtem Werk. | Ruhe der Seele trotz aller Anklagen (innerlich, äußerlich, satanisch). |
| 8,35–39 | Nichts kann von der Liebe Gottes trennen | ἀγάπη τοῦ Θεοῦ, νικάω (nikaō – überwinden) | Sünde und ihre Folgen (Leiden, Tod) können die Liebesbeziehung zu Gott nicht zerstören. | Endpunkt der Heilsgeschichte: unerschütterliche Liebe Gottes in Christus. | Unerschütterliche Heilsgewissheit und Trost in jeder Bedrängnis. |
Mit Römer 5 beginnt Paulus einen neuen, tiefen Abschnitt seiner Lehre über die Sünde und die Gerechtigkeit. Nachdem in den Kapiteln 1–4 bewiesen wurde, dass alle Menschen Sünder sind und nur durch Glauben gerechtfertigt werden können, entfaltet Kapitel 5 die Wirkungen dieser Rechtfertigung.
Die Rechtfertigung schafft Frieden mit Gott, den Zugang zur Gnade, in der wir stehen, und eine lebendige Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Diese Hoffnung wird durch Drangsale nicht geschmälert, sondern vertieft, weil Gott durch Leiden Bewährung schafft. Der Heilige Geist gießt Gottes Liebe in das Herz des Gläubigen aus. Die Rechtfertigung ist deshalb nicht nur eine juristische Stellung, sondern eine erlebte Realität der Liebe Gottes.
Paulus zeigt weiter, dass Christus für Gottlose, Sünder und Feinde starb – gerade für solche, die keine innere Nähe zu Gott hatten. Der Tod Christi ist der größte Beweis der Liebe Gottes, weil er in die absolute Gottferne des Menschen hineingegangen ist.
Ab Vers 12 entwickelt Paulus eine gewaltige heilsgeschichtliche Gegenüberstellung zwischen Adam und Christus. Durch Adam kam die Sünde (notwendig Singular!) in die Welt – nicht zuerst die „Sünden“ –, sondern die Macht der Sünde, die ganze Menschheit ergriff. Der Tod ist der Beweis für diese Herrschaft der Sünde.
Christus dagegen bringt eine neue Wirklichkeit: Gnade, Leben, Rechtfertigung. Durch Adam kamen Verdammnis und Tod, durch Christus kommen Rechtfertigung und Leben. Das Gesetz wurde nicht gegeben, um die Sünde zu beseitigen, sondern um sie offenbar zu machen; wo die Sünde „überströmte“, da wurde die Gnade „überaus überströmend“. Römer 5 endet mit der triumphalen Botschaft, dass die Gnade herrscht und zum ewigen Leben führt.
Wenn die Gnade so groß ist, könnte man
fragen:
Sollte man in der Sünde bleiben, damit
Gnade überströme?
Paulus weist diesen Gedanken entschieden zurück. Die Frage zeigt, dass der
Fragende die Natur des Gläubigen
nicht verstanden hat.
Der Gläubige ist in Christus gestorben – das ist der Kern des ganzen Kapitels. Die Taufe stellt dies dar: Mit Christus begraben, um mit ihm in Neuheit des Lebens zu wandeln. Die Sünde ist nicht verschwunden, aber der Gläubige ist ihr gestorben; er steht in einem neuen Herrschaftsbereich.
Paulus erklärt, dass der „alte Mensch“ – die Stellung des Menschen in Adam – mitgekreuzigt wurde, damit der „Leib der Sünde“ unwirksam werden solle. Die Sünde existiert noch, aber sie darf nicht herrschen. Der Gläubige soll sich der Sünde „für tot“ halten und Gott „lebend“.
Dann kommt die praktische Seite: die Glieder dürfen nicht der Sünde verfügbar sein, sondern Gott. Jeder Mensch ist Sklave dessen, dem er gehorcht – entweder der Sünde oder der Gerechtigkeit. Die Sünde führt zur Scham und zum Tod, die Gerechtigkeit zu Heiligung und Leben. Die große Schlusslinie: Der Lohn der Sünde ist Tod; die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben.
Römer 7 zeigt einen Menschen, der zwar wiedergeboren ist, aber unter der Wirkung des Gesetzes lebt. Paulus beginnt mit einem Bild: Eine verheiratete Frau ist an ihren Mann gebunden, solange dieser lebt; erst mit dem Tod kommt sie frei, um einem anderen anzugehören. So sind Gläubige dem Gesetz „gestorben“ und nun Christus zugeordnet, damit sie Gott Frucht bringen.
Paulus stellt klar, dass das Gesetz gut, heilig und gerecht ist – aber der Mensch ist fleischlich. Gerade weil das Gesetz gut ist, offenbart es die ganze Verderbtheit der Sünde. Die Sünde benutzt das Gesetz, um Begierde hervorzubringen und den Menschen innerlich zu töten.
In den berühmten Versen 14–25 schildert Paulus den inneren Kampf eines Gläubigen, der versucht, durch eigene Anstrengung gut zu sein. Er will das Gute, aber das Böse ist bei ihm. Er erkennt, dass in seinem Fleisch „nichts Gutes“ wohnt, und dass nicht er es ist, der sündigt, sondern die in ihm wohnende Sünde. Der Mensch kommt zu dem Schrei: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten aus diesem Leibe des Todes?“ Die Antwort ist nicht ein Prinzip, sondern eine Person: Jesus Christus, der Herr.
Römer 8 ist die Antwort auf den Kampf von Römer 7. Es beginnt mit der majestätischen Wahrheit, dass es keine Verdammnis gibt für die, die in Christus Jesus sind. Der Gläubige steht nicht mehr unter dem Gesetz der Sünde und des Todes, sondern unter dem „Gesetz des Geistes des Lebens“.
Gott hat die Sünde im Fleisch gerichtet, indem er seinen Sohn sandte. Nun ist das Rechtsverlangen des Gesetzes erfüllt – nicht durch menschliche Kraft, sondern durch den Wandel im Geist.
Paulus stellt die beiden Bereiche gegenüber: Fleisch und Geist. Der fleischlich Gesinnte ist Gott Feind, der geistlich Gesinnte hat Leben und Frieden. Der Geist Gottes wohnt im Gläubigen und macht ihn fähig, den Handlungen des Leibes zu widerstehen. Der Geist gibt die Gewissheit, dass wir Kinder Gottes sind, ruft „Abba, Vater“, und bezeugt mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.
Dann richtet Paulus den Blick auf die ganze Schöpfung, die unter der Nichtigkeit seufzt und auf die Offenbarung der Söhne Gottes wartet. Auch wir seufzen, wartend auf die Erlösung unseres Leibes. Der Geist hilft in unserer Schwachheit und vertritt uns. Alles wirkt zum Guten für die, die Gott lieben, weil Gott einen ewigen Vorsatz hat, der mit der Verherrlichung endet.
Der große Triumphschluss erklärt, dass niemand gegen Gottes Erwählte anklagen kann, weil Christus für uns gestorben und auferstanden ist und für uns eintritt. Nichts – weder Tod noch Leben – kann uns von der Liebe Gottes trennen.