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00630 Überblick über 2. Mose 19–24: Der Bundesschluss am Sinai

1. Überblick über 2. Mose 19–24: Der Bundesschluss am Sinai

Der Abschnitt 2. Mose 19–24 bildet eine geschlossene heilsgeschichtliche Einheit:
den Sinaibund („altes Bündnis“, vgl. Heb 8,13).

Er besteht aus fünf klaren Teilen:


A. 2. Mose 19 – Die Vorbereitung am Sinai

➡ Dies bildet den Bundesvorschlag.


B. 2. Mose 20 – Die Zehn Worte („Zehn Gebote“)

➡ Dies sind die Grundsätze der göttlichen Gerechtigkeit.


C. 2. Mose 21–23 – Das Bundesbuch

Oft genannt: „Buch des Bundes“ (23,7).

➡ Das ist die praktische Konkretisierung der zehn Worte.


D. 2. Mose 24,1–11 – Der Bundesabschluss

➡ Hier wird der Bund feierlich geschlossen.


E. 2. Mose 24,12–18 – Beginn der Anweisungen für das Heiligtum

➡ Übergang zum nächsten großen Block (Kapitel 25–31).


2. Betrachtung von 2. Mose 20 – Die Zehn Worte

Einleitend:
Der Text beginnt mit großer Einfachheit und Majestät:

„Und Gott redete alle diese Worte und sprach:“ (2Mo 20,1 ELB 1905)

Nicht Mose, nicht ein Engel
Gott selbst spricht direkt zu Israel.

Die hebräische Bezeichnung lautet:


2.1 Aufbau der Zehn Worte

Sie teilen sich in zwei Tafeln:

Tafel 1 – Beziehung zu Gott (Gebote 1–4)

Tafel 2 – Beziehung zum Nächsten (Gebote 5–10)

Die Reihenfolge zeigt Gottes Gedanken:
Anbetung → Leben → Beziehung → Eigentum → Herzen → Gedanken.


3. Vers-für-Vers-Hinweise zu 2. Mose 20

(Elberfelder 1905; ausgewählte hebräische Schlüsselwörter transliteriert)


Vers 2 – Präambel des Gesetzes

„Ich bin Jehova, dein Gott, der ich dich herausgeführt habe aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft.“

Translit.:

Gedanke:
Gnade geht dem Gesetz voraus.
Befreiung geht Forderung voraus.
Gott beruft sich auf seine erlösende Tat.


1. Gebot (V. 3)

„Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesicht.“

Translit.:
אֱלֹהִים אֲחֵרִים – elohím achérim – „andere Götter“

Gott beansprucht ausschließliche Verehrung.


2. Gebot (V. 4–6) – Bildverbot

„Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen…“

Translit.:
פֶּסֶל – pesel – „Schnitzbild“
תְּמוּנָה – temunáh – „Abbild“

Gedanke:
Nicht nur falsche Götter sind verboten –
auch falsche Vorstellungen vom wahren Gott.


3. Gebot (V. 7) – Name Gottes

„Du sollst den Namen Jehovas, deines Gottes, nicht zu Eitlem aussprechen.“

Translit.:
לַשָּׁוְא – la-sháv – „zum Nichts / zur Leere“

Gottes Name ist sein Wesen.
Missbrauch bedeutet Entwürdigung.


4. Gebot (V. 8–11) – Sabbat

„Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen.“

Translit.:
שַׁבָּת – shabbát – „Ruhetag“

Der Sabbat ist Schöpfungsgedächtnis und Zeichen des Bundes mit Israel (2Mo 31,13).


5. Gebot (V. 12) – Eltern

„Ehre deinen Vater und deine Mutter.“

Translit.:
כַּבֵּד – kabbéd – „ehre / gib Gewicht“

Erstes Gebot mit Verheißung.


6. Gebot (V. 13) – Leben

„Du sollst nicht töten.“

Translit.:
לֹא תִּרְצָח – lo tirtsách – „du sollst nicht morden“
Gemeint ist vorsätzliches Töten.


7. Gebot (V. 14) – Ehe

„Du sollst nicht ehebrechen.“

Translit.:
לֹא תִּנְאָף – lo tinʾáf

Die Ehe ist heilig (Mal 2,14).


8. Gebot (V. 15) – Eigentum

„Du sollst nicht stehlen.“

Translit.:
לֹא תִּגְנֹב – lo tignóv


9. Gebot (V. 16) – Wahrheit

„Du sollst kein falsches Zeugnis reden…“

Translit.:
עֵד שָׁקֶר – ʿed sháqer – „Lügenzeuge“


10. Gebot (V. 17) – Begehren

„Du sollst nicht begehren…“

Translit.:
לֹא תַחְמֹד – lo tachmód – „nicht begehren“

Das Gesetz dringt hier von der Tat bis zum Herz vor.
Paulus: „Ich kannte die Sünde nicht außer durch das Gesetz“ (Röm 7,7).


V. 18–21 – Israels Furcht und Distanz

Das Volk fürchtet die Stimme Gottes und sagt zu Mose:

„Rede du mit uns … aber Gott rede nicht mit uns, damit wir nicht sterben.“

Erst in Christus wurde die Distanz überwunden (Hebr 12,18–24).


V. 22–26 – Der Altar

Der Abschnitt endet erstaunlich nicht mit Forderung, sondern mit einem Altar aus Erde oder unbehauenen Steinen:
Gottes Weg zu sich führt nicht durch Werke (kein behauener Stein), sondern durch Gnade.


4. Zusammenfassung

Wortstudie – 2. Mose 20 (עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים)

„Die Zehn Worte“


1. Präambel – 2Mo 20,2

🟩 יְהוָה – JHWH (Jehova)

Wurzel: הוה/היה (sein, werden)
Bedeutung: „Der Seiende“, „Der da ist“, „Der da war“, „Der da kommt“.
Grammatik: Tetragramm; niemals mit Vokalpunkten im Text versehen.
Theologische Bedeutung: Der Bundesname. Die Autorität des Gesetzes kommt aus Gottes Wesen, nicht aus Tradition.


🟩 אֱלֹהֶיךָ – elohecha

„dein Gott“
2. Person Singular mask. + pronominaler Suffix.
Hervorhebung: Der Gott, der redet, steht in Beziehung zu einem Individuum.


🟩 מִבֵּית עֲבָדִים – mi-bêt ʿavadím

„Haus der Knechte“ bedeutet:
Der Zustand Israels in Ägypten war totale Verfügungsgewalt des Pharao.

Theologische Linie:
Aus diesem „Haus“ führt Gott heraus (heilshistorisch ein Bild auf Erlösung durch Christus).


2. Erstes Wort – 2Mo 20,3

🟩 לֹא יִהְיֶה לְךָ – lo jihje lecha

„Es soll dir nicht sein…“
Verb: היה – hajah („sein“) – Imperfekt 3. Pers. Sing.
Mit „לְ“: „für dich, zu deinem Besitz/Einflussbereich“.


🟩 אֱלֹהִים אֲחֵרִים – elohím achérim

„Andere Götter“ bedeutet im Hebräischen:
Wesen oder Kräfte, die Loyalität verlangen, und sei es nur in Gedanken (vgl. Hes 14,4 – „Götzen im Herzen“).


3. Zweites Wort – 2Mo 20,4–6

🟩 פֶּסֶל – pesel

Wurzel: פסל – „meißeln, schnitzen“.
Bedeutung:

Das hebräische Wort betont:
👉 Menschen machen ihren Gott durch menschliche Arbeit.


🟩 תְּמוּנָה – temunáh

Wurzel: מין / מן – „Art, Form“.
Bedeutung:

Wichtig:
Das Verbot richtet sich nicht nur gegen reale Statuen, sondern gegen falsche Vorstellung Gottes.


🟩 לֹא תִשְׁתַּחֲוֶה – lo tischtachawéh

Von שחה – schacháh, „sich beugen, anbeten“.
Hitpael / Hischtaphel-Form.
Die Grundidee:
Eine Haltung des Sich-Niederwerfens vor einem Höheren.


🟩 קַנָּא – qannáʾ (eifersüchtig)

Wurzel: קנא – „eifern, leidenschaftlich schützen“.
Wenn auf Gott angewandt:

Gottes „Eifersucht“ ist Bundestreue, nicht emotionale Unruhe.


4. Drittes Wort – 2Mo 20,7

🟩 לַשָּׁוְא – la-sháv

Wurzel: שוא – „Leere, Nichtigkeit, Unwahrheit, Zwecklosigkeit“.
Das Wort umfasst:

Das Verbot betrifft nicht das Aussprechen des Namens selbst, sondern das „Verwenden zu Nichtigem“.


5. Viertes Wort – 2Mo 20,8–11

🟩 זָכוֹר – sachór (gedenke)

Imperativ, mask. Sing.
Bedeutet:


🟩 שַׁבָּת – schabbát

Wurzel: שבת – „aufhören, ruhen“.
Grundidee:
Ruhe durch Beendigung der Arbeit, nicht Müßiggang.

Der Sabbat ist eine Erinnerung an die Schöpfung (V. 11) und ein Bundeszeichen Israels (31,13–17).


🟩 לְקַדְּשׁוֹ – le-kaddeschó

Von קדשׁ – qādasch, „heilig machen, absondern“.
Bedeutet:
„ihn heiligen, aussondern, anders behandeln“.


6. Fünftes Wort – 2Mo 20,12

🟩 כַּבֵּד – kabbéd (ehre)

Wurzel: כבד – „schwer, gewichtig sein“.
Bedeutung von „ehre“:
👉 „Gib Gewicht, Wert, Bedeutung“.

Eltern zu ehren bedeutet also:
ihre Würde und Rolle als von Gott gegeben anerkennen.


7. Sechstes Wort – 2Mo 20,13

🟩 לֹא תִּרְצָח – lo tirtsách

Wurzel: רצח – „morden, heimtückisch töten“.
Nicht allgemeines „Töten“ (das wäre הרג harág).
Sondern:


8. Siebtes Wort – 2Mo 20,14

🟩 לֹא תִּנְאָף – lo tinʾáf

Wurzel: נאף – „die Ehe brechen“.
Standardterm für sexuelle Untreue in einer bestehenden Ehe.

Theologisch:
Auch verwendet für „Bundesbruch“ Israels (Hos 4,12).


9. Achtes Wort – 2Mo 20,15

🟩 לֹא תִּגְנֹב – lo tignóv

Wurzel: גנב – „stehlen, reißen, heimlich nehmen“.
Umfasst:


10. Neuntes Wort – 2Mo 20,16

🟩 עֵד שָׁקֶר – ʿed sháqer

Gemeint ist gerichtlicher Kontext:
ein formulierter, schädigender, absichtlich falscher Bericht.


11. Zehntes Wort – 2Mo 20,17

🟩 לֹא תַחְמֹד – lo tachmód (nicht begehren)

Wurzel: חמד – „begehren, Lust haben, sich aneignen wollen“.
Gebrauch:

Das Hebräische erfasst hier innerste Herzensbewegung.


🟩 אָשָׁה רֵעֶךָ – éschét reʿecha (die Frau deines Nächsten)


🟩 כֹּל אֲשֶׁר לְרֵעֶךָ – kol ascher le-reʿecha

„alles, was deinem Nächsten gehört“
Universale Formulierung → umfassendste Abgrenzung.


12. Nachwort – 2Mo 20,18–21

🟩 נִגָּשׁ – niggāsch (hinzutreten)

Wurzel: נגשׁ
Bedeutung:


🟩 מוֹרָה – moráh (Furcht / Ehrfurcht)

Von ירא – „fürchten, ehren“.
Zweierlei Furcht:


13. Altar – 2Mo 20,24–26

🟩 מִזְבֵּחַ – mizbéach (Altar)

Wurzel: זבח – „schlachten, opfern“.
Bedeutung:
„Ort der Annäherung durch Opfer“.


🟩 גָּזִית – gazít (behauener Stein)

Wurzel: גזז – „schneiden, behauen“.
Der Altar durfte nicht aus solchen Steinen bestehen:
👉 Kein menschliches Werk darf Grundlage der Annäherung an Gott sein.


🔵 Zusammenfassung der wichtigsten Beobachtungen

📘 Morphologische Gesamttabelle – Hebräische Schlüsselwörter in 2. Mose 20

Legende der Abkürzungen


🔵 1. Präambel (2Mo 20,2)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung Anmerkung
יְהוָה JHWH / Jehova היה / הוה Eigenname Der Ewig-Seiende Bundesname Gottes
אֱלֹהֶיךָ elohecha אלה Subst., pl. Form mit Suffix 2. sg. dein Gott Beziehungsebene
מִבֵּית mi-bêt בית Subst. cs. sg. mit Präposition מִן aus dem Haus räumlich-herkunftsbezogen
עֲבָדִים ʿavadím עבד Subst. pl. m. Knechte Zustand der Versklavung

🔵 2. Erstes Wort (V. 3)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
לֹא יִהְיֶה לְךָ lo jihje lecha היה Verb, impf. 3. sg. m. + לְ dir du sollst nicht haben / soll dir nicht sein
אֱלֹהִים elohím אלה Subst. pl. Götter
אֲחֵרִים achérim אחר Adjektiv, pl. m. andere / fremde

🔵 3. Zweites Wort (V. 4–6)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
פֶּסֶל pesel פסל Subst. st. abs. sg. m. geschnitztes Bild
תְּמוּנָה temunáh מן/מין Subst. st. abs. sg. f. Abbild, Gestalt
לֹא תִשְׁתַּחֲוֶה lo tischtachawéh שחה Verb, Hischtaphel impf. 2. sg. m. du sollst dich nicht niederwerfen
לֹא תָעָבְדֵם lo taʿavdem עבד Verb, Qal impf. 2. sg. m. + Suffix du sollst ihnen nicht dienen
קַנָּא qannáʾ קנא Adjektiv, Intensivform eifersüchtig / eifernd
חֶסֶד chésed חסד Subst. Gnade, Güte, Bundestreue

🔵 4. Drittes Wort (V. 7)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
לַשָּׁוְא la-sháv שוא Subst. mit לְ Nichtigkeit, Leere
לֹא תִשָּׂא lo tissá נשא Verb, Qal impf. 2. sg. m. du sollst nicht erheben / missbrauchen
שֵׁם schem שם Subst. sg. Name
יְהוָה Jehova היה Eigenname Gottes Bundesname

🔵 5. Viertes Wort (V. 8–11)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
זָכוֹר sachor זכר Verb, Qal imp. 2. sg. m. gedenke
שַׁבָּת schabbát שבת Subst. sg. m. Sabbat / Ruhe
לְקַדְּשׁוֹ le-kaddeschó קדשׁ Verb, Piʿel inf. cs. + Suffix ihn heiligen
מְלָאכָה melāchah מלאך Subst. sg. f. Arbeit / Tätigkeit
וַיָּנַח vajyanach נוח Verb, Qal perf. 3. sg. m. er ruhte

🔵 6. Fünftes Wort (V. 12)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
כַּבֵּד kabbéd כבד Verb, Piʿel imp. 2. sg. m. ehre / gib Gewicht
אָבִיךָ avicha אב Subst. mit Suffix dein Vater
אִמֶּךָ immécha אם Subst. mit Suffix deine Mutter
יַאֲרִיכֻן jaʾarichun ארך Verb, Hifil impf. 3. pl. m. sie werden verlängern (deine Tage)

🔵 7. Sechstes Wort (V. 13)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
לֹא תִּרְצָח lo tirtsách רצח Verb, Qal impf. 2. sg. m. du sollst nicht morden

🔵 8. Siebtes Wort (V. 14)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
לֹא תִּנְאָף lo tinʾáf נאף Verb, Qal impf. 2. sg. m. du sollst nicht ehebrechen

🔵 9. Achtes Wort (V. 15)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
לֹא תִּגְנֹב lo tignóv גנב Verb, Qal impf. 2. sg. m. du sollst nicht stehlen

🔵 10. Neuntes Wort (V. 16)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
לֹא תַעֲנֶה lo taʿané ענה Verb, Qal impf. 2. sg. m. du sollst nicht antworten / aussagen
עֵד שָׁקֶר ʿed šáqer עוד / שקר Subst. + Subst. Lügenzeuge

🔵 11. Zehntes Wort (V. 17)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
לֹא תַחְמֹד lo tachmód חמד Verb, Qal impf. 2. sg. m. du sollst nicht begehren
אֵשֶׁת רֵעֶךָ éschét reʿecha אִשָּׁה / רֵעַ Subst. cs. + Subst. mit Suffix die Frau deines Nächsten
כֹּל אֲשֶׁר לְרֵעֶךָ kol ascher le-reʿecha כל / רֵעַ phraseologisch alles, was deinem Nächsten gehört

🔵 12. Nachwort & Altar (V. 18–26)

Hebräisch Transliteration Wurzel Morphologie Bedeutung
נִגָּשׁ niggāsch נגשׁ Verb, Nifal perf. er nahte sich
מוֹרָא morá ירא Subst. sg. Furcht, Ehrfurcht
מִזְבֵּחַ mizbéach זבח Subst. sg. m. Altar
גָּזִית gazít גזז Subst. sg. f. behauener Stein
לֹא תַעֲלֶה lo taʿalé עלה Verb, Qal impf. 2. sg. m. du sollst nicht hinaufsteigen

📌 Zusammenfassung

Diese morphologische Tabelle zeigt:

🔵 WEITERFÜHRENDE WORTSTUDIE: Synonyme – LXX – NT-Bezüge

Die Zehn Worte (עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים)


1. Erstes Wort – Fremde Götter (V. 3)

Hebräisches Hauptwort:

אֱלֹהִים אֲחֵרִים – elohím achérim
„andere / fremde Götter“

Synonyme & verwandte Ausdrücke

Wort Bedeutung Hinweis
אֱלִיל (elíl) Nichts-Gott, Nichtswesen spöttischer Begriff (Jes 2,8; Ps 96,5)
שֵׁדִים (schedím) Dämonenmächte 5Mo 32,17
בְּעָלִים (baʿalím) Herrengötter häufig im Götzendienst

Die Bibel kennt also „Götter“, die real als Machtwesen existieren (1Kor 10,20), aber keine Schöpfermacht besitzen.

LXX

θεοὶ ἕτεροι – theoi heteroi
„andere Götter“, wörtlich „anderen Wesens“.

NT-Bezüge


2. Zweites Wort – Bildverbot (V. 4–6)

Hauptwörter:

Synonyme im AT

Wort Bedeutung Stellen
עֵצֶב (ezév) geschnitztes Bild Ps 115,4
מַסֵּכָה (masecháh) gegossenes Bild 2Mo 32,4
אֱלִיל (elíl) Nichtsgott Jes 44–46

LXX

Diese Begriffe prägen das NT:
eidōlon wird der zentrale Begriff für Götzendienst.

NT-Bezüge


3. Drittes Wort – Gottes Name (V. 7)

Hauptwort:

שֵׁם – schem (Name)

Synonyme & Bedeutungsfelder

LXX

ματαιότης – mataiótēs
vom hebräischen שָׁוְא (Leere, Nichtigkeit).
Damit ist nicht falsche Aussprache gemeint, sondern Missbrauch, „Leerlauf“.

NT-Bezüge


4. Viertes Wort – Sabbat (V. 8–11)

Hauptwort:

שַׁבָּת – schabbát (Ruhe)
„Aufhören“ – nicht Faulheit, sondern Vollendung.

Synonyme

LXX

σάββατον – sabbaton
wird im NT übernommen.

NT-Bezüge


5. Fünftes Wort – Eltern ehren (V. 12)

Hauptwort:

כַּבֵּד – kabbéd (ehre)

Wortfeld

Wurzel כבד bedeutet „schwer sein“, daraus:

Synonyme

LXX

τίμα – tíma
Imperativ von τιμάω (ehren, wertschätzen).

NT-Bezüge


6. Sechstes Wort – Nicht morden (V. 13)

Hauptwort:

רצח – ratsach = morden (nicht: „töten“ allgemein)

Synonymes Wortfeld

Wort Bedeutung Anmerkung
הרג (harág) töten allgemein auch in Krieg/Kampf
מוט (mut) sterben lassen passiv
שחט (schachat) schlachten kultisch

LXX

οὐ φονεύσεις – ou phoneuseis
„du sollst nicht morden“.

phoneus ist der Mörder, nicht der Krieger.

NT-Bezüge


7. Siebtes Wort – Nicht ehebrechen (V. 14)

Wurzel:

נאף – naʾaf

Synonyme

LXX

οὐ μοιχεύσεις – ou moicheuseis

NT-Bezüge


8. Achtes Wort – Nicht stehlen (V. 15)

Wurzel:

גנב – ganav (stehlen)

Synonyme

LXX

οὐ κλέψεις – ou klepseis
→ Grundlage für „Kleptomanie“.

NT-Bezüge


9. Neuntes Wort – Falsches Zeugnis (V. 16)

Wurzel:

שקר – shaqer (lügen, betrügen)

Synonyme

LXX

οὐ ψευδομαρτυρήσεις – ou pseudomartyrēseis
„du sollst nicht lügen-zeugnis ablegen“.

NT-Bezüge


10. Zehntes Wort – Nicht begehren (V. 17)

Wurzel:

חמד – chamad
„begehren, freuen, Lust haben“

Synonymes Feld

Wort Bedeutung Hinweis
אוָה (avah) wünschen, begehren neutral oder negativ
חשק (chaschaq) sich an etwas hängen positiv: „lieb haben“
תאוה (taʾaváh) Lust, Begierde oft negativ (4Mo 11,4)

LXX

οὐκ ἐπιθυμήσεις – ouk epithymēseis
„du sollst nicht begehren“.

epithymia = starke innere Ausrichtung.

NT-Bezüge


🔵 11. Nachwort & Altar (V. 24–26)

Wurzel:

זבח – zavach (opfern)

Synonyme

LXX

NT-Bezüge


🔵 Gesamttheologische Beobachtung

Die LXX verbindet die hebräische Gesetzessprache mit dem griechischen NT.
Dadurch entsteht ein hermeneutischer Schlüssel:

Die Zehn Worte werden im NT vertieft, innerlich gemacht und christologisch erfüllt.

machen wir die LXX-Schubladen jetzt noch ein Stück weiter auf – über die Zehn Worte hinaus und auf den ganzen Text von 2. Mose 20 bezogen.
Fokus:

Ich gliedere es in thematische Gruppen, damit du es später leicht in eine Ausarbeitung überführen kannst.


1. Prolog und Erlösungsformel (2Mo 20,2)

Hebräischer Text:

„Ich bin Jehova, dein Gott, der ich dich herausgeführt habe aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft.“

1.1 κύριος ὁ θεός σου (kyrios ho theos sou)

NT-Linien:


1.2 ἐξήγαγόν σε ἐκ γῆς Αἰγύπτου (Ex 20,2 LXX)

Haus der Knechtschaft:

δουλεία – douleia = Sklaverei, Knechtschaft.
Im NT:

👉 Die LXX-Formel „οἶκος δουλείας“ ist die entscheidende Brücke für die paulinische Rede von Knechtschaft unter Gesetz und Sünde.


2. Offenbarungssprache – Gott spricht vom Sinai

2.1 „Und Gott redete alle diese Worte“ – 2Mo 20,1

Wichtige LXX-Begriffe:

Hier liegt der sprachliche Hintergrund für:

„Gott, der vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat …“ (Hebr 1,1).


2.2 Volk, Abstand und Gottesnähe (20,18–21)

Schlüsselwörter in der LXX:


3. Theophanische Begriffe (20,18)

Donner, Blitze, Posaunenschall, rauchender Berg, das Volk zittert.

LXX verwendet hier typische „Sinai-Terminologie“:

NT-Bezüge:

👉 Die LXX-Sprache in 2Mo 20 ist direkt die „Bildsprache“ für Hebr 12 und die Offenbarung.


4. Furcht, Prüfung, Sünde (2Mo 20,20)

„Fürchtet euch nicht; denn um euch zu prüfen, ist Gott gekommen, und damit seine Furcht vor eurem Angesicht sei, damit ihr nicht sündigt.“

LXX (Ex 20,20):

NT-Bezüge:

Sinai ist in der LXX der Prototyp dafür, dass Gottesfurcht und Prüfung zu einem Leben führen sollen, das nicht sündigt – das NT vertieft das innerlich.


5. Altar- und Opferterminologie (20,24–26)

„Einen Altar aus Erde sollst du mir machen … Brandopfer und Friedensopfer …“

5.1 θυσιαστήριον – der Altar

Hebr.: מִזְבֵּחַ – mizbéach
LXX: θυσιαστήριον – thysiastērion

5.2 ὁλοκαυτώματα – holokautōmata (Brandopfer)

Hebr.: עֹלָה – ʿolah
LXX: ὁλοκαύτωμα – holokautōma (wörtl. „Ganz-Verbrennung“)

5.3 θυσίαι σωτηρίων – Opfer der Friedensopfer

Hebr.: זִבְחֵי שְׁלָמִים – zivchej schelamím
LXX: θυσίαι σωτηρίων – thysiai sōtēriōn

NT:


5.4 Unbehauene Steine, kein Werk des Menschen (20,25)

Hebr.:

„Wenn du mir einen Altar aus Steinen machst, so sollst du ihn nicht aus behauenen Steinen bauen; denn wenn du dein Werkzeug darüber schwingst, so entweihst du ihn.“

LXX:

Theologisch:


5.5 Keine Stufen – ἀσχημοσύνη (20,26)

Hebr.:

„Damit deine Blöße nicht aufgedeckt werde.“ (ערוה)

LXX:

NT:

Die LXX verbindet also die körperliche Blöße am Altar mit einem Wort, das im NT für Schande, Unehre, bloßgestellt sein verwendet wird.


6. Nächster und Bruder – der soziale Rahmen (v.a. 20,16–17)

6.1 πλησίον – plēsion (dein Nächster)

Hebr.: רֵעַ – reʿa
LXX: ὁ πλησίον σου – ho plēsion sou

NT-Schlüssel:


6.2 ἀδελφός – adelphos (Bruder)

In 2Mo 20 selbst steht eher רֵעַ (Nächster), aber im decalogischen Umfeld wird oft „Bruder“ verwendet (z.B. in Parallelen).
Die LXX bevorzugt ἀδελφός als Bundes-/Volksbegriff.

NT:


7. Zusammenfassende Linien

Wenn man alle wichtigen LXX-Begriffe aus 2Mo 20 nebeneinander legt, ergeben sich im Hinblick auf das NT besonders diese „Hauptstraßen“:

  1. Gottes Identität

  2. Erlösung aus der Knechtschaft

  3. Gottesreden und „Wort“

  4. Theophanie und Gottesnähe

  5. Furcht, Prüfung, Sünde

  6. Altar und Opfer

  7. Nächster und Bruder

präzise, fachlich saubere tabellarische Übersicht der wichtigsten LXX-Lemmata aus 2. Mose 20, inklusive:

📘 Tabellarische Übersicht – Hauptlemmata der LXX in 2. Mose 20

🟥 A. Gottesnamen & Offenbarungswörter

LXX-Lemma Hebräisch Bedeutung NT-Bezüge Theologische Anmerkung
κύριος יְהוָה (JHWH) Herr, Gott, Souverän Phil 2,11; Lk 2,11 Standardersatz für JHWH; im NT auf Christus angewandt.
θεός אֱלֹהִים Gott, Gottheit Joh 1,1; 1Kor 8,4–6 LXX benutzt θεός in monotheistischer Exklusivität.
λόγοι / λόγος דְּבָרִים Worte, Aussprüche Joh 1,1; Hebr 1,1–2 Grundlage für die Rede vom Logos Christi.
λαλέω דִּבֵּר reden, sprechen Hebr 1,1; Joh 7,17 Standardverb für Gottes Reden.

🟦 B. Erlösung & Knechtschaft

LXX-Lemma Hebräisch Bedeutung NT-Bezüge Anmerkung
ἐξάγω יוציא/הוציא hinausführen Lk 9,31; Hebr 13,12 Exodus-Begriff; Grundlage für „neuen Exodus“ durch Christus.
οἶκος δουλείας בֵּית עֲבָדִים Haus der Knechtschaft Gal 4,3; 5,1; Röm 8,15 Schlüsselbegriff für paulinische Gesetz/Sünde-Knechtschaft.
δουλεία עֲבָדִים / עֶבֶד Sklaverei, Knechtschaft Röm 8,21; Gal 5,1 Semantische Brücke: körperliche Knechtschaft → geistliche Knechtschaft.

🟩 C. Theophanie, Furcht, Prüfung

LXX-Lemma Hebräisch Bedeutung NT-Bezüge Anmerkung
βρονταί קוֹלוֹת Donnerstimmen Offb 4,5; 8,5; 11,19 Sinai-Sprache → himmlisches Gericht in der Offenbarung.
ἀστραπαί בְּרָקִים Blitze Lk 10,18; Offb 11,19 Symbol göttlicher Macht und Manifestation.
φωνὴ σάλπιγγος קוֹל שֹׁפָר Posaunenstimme 1Thess 4,16; Offb 1,10 Verbindung Sinai – Endzeit.
φόβος יִרְאָה Furcht, Ehrfurcht 2Kor 7,1; Phil 2,12 Positive Gottesfurcht (Ehrfurcht), nicht Panik.
πειράζω / δοκιμάζω נָסָה / בָּחַן prüfen, versuchen Jak 1,2–3; 1Petr 1,7 LXX-Sprache für Glaubensprüfung im NT.
ἁμαρτάνω חָטָא sündigen Röm 3,23; 1Joh 1,8 Grundwort für Sünde; Sinai → „damit ihr nicht sündigt“.

🟨 D. Gesetzes- und Ethikbegriffe der Zehn Worte

LXX-Lemma Hebräisch Bedeutung NT-Bezüge Anmerkungen
οὐ φονεύσεις לֹא תִּרְצָח nicht morden Mt 5,21–22; 1Joh 3,15 Jesus vertieft: Hass = Wurzel des Mordes.
οὐ μοιχεύσεις לֹא תִּנְאָף nicht ehebrechen Mt 5,27–28 Jesus macht das innere Begehren sichtbar.
οὐ κλέψεις לֹא תִּגְנֹב nicht stehlen Eph 4,28 Umgekehrt: arbeiten & geben.
οὐ ψευδομαρτυρήσεις עֵד שָׁקֶר kein falsches Zeugnis Offb 21,8; Mt 26,59 Schlüsselbegriff: „Lügenzeuge“.
οὐκ ἐπιθυμήσεις לֹא תַחְמֹד nicht begehren Röm 7,7; Jak 1,14 Paulus: Gebot entlarvt innere Sünde.
τίμα (Imper.) כַּבֵּד ehre Eph 6,2 „erstes Gebot mit Verheißung“.
σάββατον שַׁבָּת Sabbat Mt 12; Kol 2,16–17 NT: Schatten; Christus ist Ruhe.
πλησίον רֵעַ Nächster Mt 22,39; Röm 13,9 Grundlage der Nächstenliebe.

🟫 E. Altar-, Opfer- und Kultsprache

LXX-Lemma Hebräisch Bedeutung NT-Bezüge Anmerkung
θυσιαστήριον מִזְבֵּחַ Altar Mt 5,23; Hebr 13,10 „Wir haben einen Altar“ – christologische Erfüllung.
ὁλοκαύτωμα עֹלָה Brandopfer Hebr 10,6–8 LXX prägt Begriff des völligen Opfers.
θυσίαι σωτηρίων שְׁלָמִים Friedensopfer Eph 5,2 „Opfer der Rettung“ – Heilsbegriff.
λίθοι ἀλατόμητοι / ἀλαξευτοι אֲבָנִים שְׁלֵמוֹת unbehauene Steine Symbol gegen menschliches Werk/Verzierung.
ἀσχημοσύνη עֶרְוָה Blöße, Schande Offb 16,15 Moralisch-ritueller Schandbegriff.

🟪 F. Nähe, Ferne, Annäherung

LXX-Lemma Hebräisch Bedeutung NT-Bezüge Anmerkung
μακρόθεν מֵרָחֹק von ferne Lk 16,23; Mt 26,58 Israel steht „von ferne“ am Sinai.
προσέρχομαι נִגַּשׁ hinzutreten, nahekommen Hebr 4,16; 7,25; 10,22 NT: bewusstes Nahen zum Gnaden-Thron.
προσάγω הגיש darbringen, heranführen Eph 2,18; 1Petr 3,18 Christus führt uns zu Gott.

🔵 Gesamtbeobachtung

Die LXX schafft die unverzichtbare semantische Brücke zwischen Sinai und dem NT:

Damit ist 2. Mose 20 in der LXX ein theologisches Fundament, das das gesamte Neue Testament strukturiert.

50-Zeilen-Teaser zu den Hauptlemmata der LXX in 2. Mose 20

  1. Die Übersetzung des Alten Testaments in die griechische Septuaginta (LXX) gehört zu den wichtigsten Brücken zwischen Altem und Neuem Testament.

  2. Besonders deutlich wird das im Umgang der LXX mit den Schlüsselbegriffen aus 2. Mose 20, den „Zehn Worten“.

  3. Die LXX prägt die Sprache der neutestamentlichen Schriften, ja sie formt regelrecht das theologische Vokabular der frühen Christenheit.

  4. Viele zentrale Begriffe des NT – wie „Kyrios“, „Logos“, „Dulia“, „Phobos“ oder „Thysiastērion“ – haben ihre Wurzel in der LXX-Fassung des Sinai-Geschehens.

  5. Wer die LXX-Begriffe versteht, erkennt tiefere Zusammenhänge zwischen Gesetz und Evangelium.

    1. Mose 20 bildet dafür ein exemplarisches Beispiel.

  6. Hier spricht Gott selbst – und die LXX bringt dieses Reden mit einer sprachlichen Klarheit zum Ausdruck, die weit über das AT hinausreicht.

  7. So wird der Gottesname JHWH im Griechischen konsequent durch „Kyrios“ wiedergegeben.

  8. Dieser Titel wird im NT bewusst auf Jesus Christus übertragen.

  9. Damit stellt die LXX bereits im Alten Testament die Weichen für die neutestamentliche Christologie.

  10. Ebenso wird der Begriff „Elohim“ durch „Theos“ wiedergegeben.

  11. Die LXX benutzt diesen Begriff streng monotheistisch – in voller Übereinstimmung mit der neutestamentlichen Gotteslehre.

  12. Besonders bedeutsam ist auch die Wiedergabe des hebräischen „Dewarim“ durch „Logoi“.

  13. Darin liegt die Wurzel für die hochtheologische Rede vom „Logos“, dem Wort Gottes, im Johannesevangelium.

  14. Auch das Exodus-Motiv findet in der LXX eine klare sprachliche Linie.

  15. Der Ausdruck „Haus der Knechtschaft“ wird durch „Oikos douleias“ übersetzt.

  16. Dieser Ausdruck ist im Neuen Testament zentral, vor allem im Römer- und Galaterbrief.

  17. Die Rede von der „Knechtschaft unter Sünde und Gesetz“ steht direkt in der Tradition der LXX.

  18. Ebenso wichtig sind die theophanischen Begriffe, mit denen die Erscheinung Gottes am Sinai beschrieben wird.

  19. Wörter wie „Brontai“ (Donner), „Astrapai“ (Blitze) und „Phōnē salpingos“ (Posaunenschall) prägen die Gerichtssprache der Offenbarung.

  20. Das NT knüpft damit bewusst an das Sinai-Ereignis an.

  21. Die LXX macht auch deutlich, dass Furcht und Ehrfurcht zwei verschiedene Dinge sind.

  22. „Phobos“ beschreibt nicht panische Angst, sondern die ehrfürchtige Haltung vor der Heiligkeit Gottes.

  23. Die LXX-Sprache in 2. Mose 20 trägt damit bereits die Keime der neutestamentlichen Ethik in sich.

  24. Ebenso prägt die LXX die Sprache für Sünde und Prüfung.

  25. Wörter wie „Hamartano“, „Peirazō“ und „Dokimazō“ werden im NT zu Grundbegriffen der Glaubenslehre.

  26. Diese Begriffe haben im Kontext des Sinai eine klare Bedeutung: Furcht Gottes führt zum Vermeiden der Sünde.

  27. Auch der Opfer- und Altarbegriff wird durch die LXX in neutestamentliche Bahnen gelenkt.

  28. Der „Mizbeach“ wird zum „Thysiastērion“.

  29. Dieser Begriff taucht im Hebräerbrief auf und beschreibt die geistliche Opferstätte der Gemeinde Christi.

  30. Ebenso wird das Brandopfer „Olah“ zu „Holokautōma“.

  31. Auch dieses Wort nimmt der Hebräerbrief auf, wenn er über die Unzulänglichkeit der alten Opfer spricht.

  32. Die Friedensopfer „Shelamim“ werden in der LXX zu „Thysiai sōtēriōn“ – „Opfer der Rettung“.

  33. Damit verbindet die LXX das kultische Opfer mit der Heilsbedeutung, die im NT in Christus erfüllt ist.

  34. Die LXX schafft auch Klarheit in der Ethik des Nächsten.

  35. Der „Rea“, der Nächste, wird zu „Plēsion“.

  36. Dieser Begriff wird im NT zum Kern der Nächstenliebe.

  37. Die neutestamentliche Ethik kann ohne die LXX-Fassung des Sinai kaum verstanden werden.

  38. Auch das Motiv des Nahens und Fernbleibens wird durch die LXX geprägt.

  39. Israel „stand von ferne“ – „Makrothen“.

  40. Mose trat „hinzu“ – „Proserchomai“.

  41. Genau dieses Verb wird im Hebräerbrief zum Schlüsselwort des Glaubens.

  42. Der Gläubige darf „hinzutreten zum Thron der Gnade“.

  43. Der Gegensatz zwischen Sinai und Zion wird sprachlich durch die LXX vorbereitet.

  44. Die gesamte Theologie des Hebräerbriefes lebt aus diesen Begriffen.

  45. Wer die LXX-Wörter von 2. Mose 20 betrachtet, öffnet eine Tür zu tieferem Verständnis des gesamten NT.

  46. Die LXX ist nicht nur Übersetzung – sie ist eine heilsgeschichtliche Brücke.

  47. Sie gibt dem Sinai eine Sprache, die das Neue Testament bewusst weiterführt.

  48. Darum gehört die sorgfältige Analyse der LXX-Lemmata zu den wichtigsten Werkzeugen biblischer Auslegung.

  49. Besonders 2. Mose 20 zeigt, wie Gott am Sinai sprach – und wie dieses Reden im Neuen Bund in Christus Erfüllung fand.