Fragen und Antworten BEGRIFFSERKLAERUNG
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00630 Überblick über 2. Mose 19–24: Der Bundesschluss am Sinai


Der Abschnitt 2. Mose 19–24 bildet eine
geschlossene heilsgeschichtliche Einheit:
den Sinaibund („altes Bündnis“,
vgl. Heb 8,13).
Er besteht aus fünf klaren Teilen:
Israel kommt im dritten Monat nach dem Auszug an den Sinai (19,1).
Gott ruft:
„Ihr sollt mir ein Königreich von
Priestern und eine heilige Nation sein“ (19,6).
Das Volk antwortet vorschnell: „Alles, was Jehova geredet hat, wollen wir tun“ (19,8).
Das Volk wird abgesondert, gewaschen, Grenzen werden gesetzt.
Der Berg bebt, donnert, raucht – Gottes Majestät wird offenbar.
➡ Dies bildet den Bundesvorschlag.
„Und Gott redete alle diese Worte“ (20,1).
Grundlage des Bundes, aber nicht die ganze Gesetzgebung.
Enthält moralische Normen, die Gottes heiligen Charakter widerspiegeln.
Das Volk fürchtet sich und steht in Distanz (20,18–21).
➡ Dies sind die Grundsätze der göttlichen Gerechtigkeit.
Oft genannt: „Buch des Bundes“ (23,7).
Ausführung der zehn Worte für das tägliche Leben:
Sklavenrecht
Schadensersatz
Eigentumsrecht
Schutz der Schwachen
soziale Ordnungen
Sabbat und Feste
Gerichtsbarkeit
➡ Das ist die praktische Konkretisierung der zehn Worte.
Das „Buch des Bundes“ wird dem Volk vorgelesen.
Das Volk antwortet erneut:
„Alles, was Jehova gesagt hat,
wollen wir tun!“ (24,3).
Mose sprengt das Blut an Volk und
Altar:
„Siehe das Blut des Bundes“
(24,8).
Die Ältesten sehen „den Gott Israels“ und essen in Seiner Gegenwart.
➡ Hier wird der Bund feierlich geschlossen.
Mose steigt 40 Tage auf den Berg.
Gott beginnt, das Heiligtum zu offenbaren.
➡ Übergang zum nächsten großen Block (Kapitel 25–31).
Einleitend:
Der Text beginnt mit großer Einfachheit und Majestät:
„Und Gott redete alle diese Worte und sprach:“ (2Mo 20,1 ELB 1905)
Nicht Mose, nicht ein Engel
–
Gott selbst spricht direkt zu
Israel.
Die hebräische Bezeichnung lautet:
עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים – ʿáséret
ha-dĕvārím
„Die zehn Worte“
Sie teilen sich in zwei Tafeln:
Die Reihenfolge zeigt Gottes Gedanken:
Anbetung → Leben → Beziehung →
Eigentum → Herzen → Gedanken.
(Elberfelder 1905; ausgewählte hebräische Schlüsselwörter transliteriert)
„Ich bin Jehova, dein Gott, der ich dich herausgeführt habe aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft.“
Translit.:
יהוה – JHWH / Jahwe / Jehova
מִבֵּית עֲבָדִים – mi-bêt ʿavadím – „aus dem Haus der Knechte“
Gedanke:
Gnade geht dem Gesetz voraus.
Befreiung geht Forderung
voraus.
Gott beruft sich auf seine erlösende
Tat.
„Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesicht.“
Translit.:
אֱלֹהִים אֲחֵרִים – elohím achérim –
„andere Götter“
Gott beansprucht ausschließliche Verehrung.
„Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen…“
Translit.:
פֶּסֶל – pesel – „Schnitzbild“
תְּמוּנָה – temunáh – „Abbild“
Gedanke:
Nicht nur falsche Götter sind verboten –
auch falsche Vorstellungen vom wahren
Gott.
„Du sollst den Namen Jehovas, deines Gottes, nicht zu Eitlem aussprechen.“
Translit.:
לַשָּׁוְא – la-sháv – „zum Nichts /
zur Leere“
Gottes Name ist sein
Wesen.
Missbrauch bedeutet Entwürdigung.
„Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen.“
Translit.:
שַׁבָּת – shabbát – „Ruhetag“
Der Sabbat ist Schöpfungsgedächtnis und Zeichen des Bundes mit Israel (2Mo 31,13).
„Ehre deinen Vater und deine Mutter.“
Translit.:
כַּבֵּד – kabbéd – „ehre / gib
Gewicht“
Erstes Gebot mit Verheißung.
„Du sollst nicht töten.“
Translit.:
לֹא תִּרְצָח – lo tirtsách – „du
sollst nicht morden“
Gemeint ist vorsätzliches Töten.
„Du sollst nicht ehebrechen.“
Translit.:
לֹא תִּנְאָף – lo tinʾáf
Die Ehe ist heilig (Mal 2,14).
„Du sollst nicht stehlen.“
Translit.:
לֹא תִּגְנֹב – lo tignóv
„Du sollst kein falsches Zeugnis reden…“
Translit.:
עֵד שָׁקֶר – ʿed sháqer –
„Lügenzeuge“
„Du sollst nicht begehren…“
Translit.:
לֹא תַחְמֹד – lo tachmód – „nicht
begehren“
Das Gesetz dringt hier von der Tat bis zum
Herz vor.
Paulus: „Ich kannte die Sünde nicht außer durch das Gesetz“ (Röm 7,7).
Das Volk fürchtet die Stimme Gottes und sagt zu Mose:
„Rede du mit uns … aber Gott rede nicht mit uns, damit wir nicht sterben.“
Erst in Christus wurde die Distanz überwunden (Hebr 12,18–24).
Der Abschnitt endet erstaunlich
nicht mit Forderung, sondern
mit einem Altar aus Erde oder
unbehauenen Steinen:
Gottes Weg zu sich führt nicht durch Werke (kein behauener Stein), sondern durch
Gnade.
2Mo 19–24 bildet den
Sinaibund:
Vorbereitung → Zehn Worte → Bundesbuch → Blutsbund → Heiligtumsanweisungen.
2Mo 20 enthält die Zehn Worte, universale moralische Grundsätze.
Hebräische Kernbegriffe zeigen: Gott verlangt Herz, Wahrheit, Reinheit, Gottesfurcht.
Der Abschnitt endet mit einem Hinweis auf Opfer und Gnade – ein Vorblick auf Christus.
„Die Zehn Worte“
Wurzel: הוה/היה (sein, werden)
Bedeutung: „Der Seiende“, „Der
da ist“, „Der da war“, „Der da kommt“.
Grammatik: Tetragramm; niemals
mit Vokalpunkten im Text versehen.
Theologische Bedeutung: Der
Bundesname. Die Autorität des Gesetzes kommt aus
Gottes Wesen, nicht aus
Tradition.
„dein Gott“
2. Person Singular mask. + pronominaler Suffix.
Hervorhebung: Der Gott, der
redet, steht in Beziehung zu
einem Individuum.
בַּיִת – bayit: Haus
עֶבֶד – ʿéved: Knecht / Sklave
Plural: עֲבָדִים – ʿavadím
„Haus der Knechte“ bedeutet:
Der Zustand Israels in Ägypten war
totale Verfügungsgewalt des Pharao.
Theologische Linie:
Aus diesem „Haus“ führt Gott heraus (heilshistorisch ein Bild auf Erlösung durch
Christus).
„Es soll dir nicht sein…“
Verb: היה – hajah („sein“) –
Imperfekt 3. Pers. Sing.
Mit „לְ“: „für dich, zu
deinem Besitz/Einflussbereich“.
אֱלֹהִים – elohím: Götter (Pluralform, aber hier abstrakt als Machtwesen).
אֲחֵרִים – achérim: „andere / fremde / abweichende“.
„Andere Götter“ bedeutet im Hebräischen:
Wesen oder Kräfte, die Loyalität
verlangen, und sei es nur in Gedanken (vgl. Hes 14,4 – „Götzen im
Herzen“).
Wurzel: פסל – „meißeln, schnitzen“.
Bedeutung:
geschnitztes Bild
ein kultisches Standbild
eine Darstellung, die eine göttliche Macht verkörpert
Das hebräische Wort betont:
👉 Menschen machen ihren Gott durch
menschliche Arbeit.
Wurzel: מין / מן – „Art, Form“.
Bedeutung:
Abbild, Erscheinungsform
visuelle Repräsentation
auch gedankliche Vorstellung
Wichtig:
Das Verbot richtet sich nicht nur gegen
reale Statuen, sondern gegen
falsche Vorstellung Gottes.
Von
שחה – schacháh, „sich beugen,
anbeten“.
Hitpael / Hischtaphel-Form.
Die Grundidee:
Eine Haltung des Sich-Niederwerfens
vor einem Höheren.
Wurzel: קנא – „eifern, leidenschaftlich
schützen“.
Wenn auf Gott angewandt:
exklusive Liebe
heiliger Anspruch
unteilbares Recht
Gottes „Eifersucht“ ist Bundestreue, nicht emotionale Unruhe.
Wurzel: שוא – „Leere, Nichtigkeit,
Unwahrheit, Zwecklosigkeit“.
Das Wort umfasst:
falsche Schwüre
leere Rede
oberflächliche Verwendung
Entwürdigung seiner Majestät
Das Verbot betrifft nicht das Aussprechen des Namens selbst, sondern das „Verwenden zu Nichtigem“.
Imperativ, mask. Sing.
Bedeutet:
aktiv erinnern
im Herzen bewahren
auf Grund dessen handeln
Wurzel: שבת – „aufhören, ruhen“.
Grundidee:
Ruhe durch Beendigung der Arbeit,
nicht Müßiggang.
Der Sabbat ist eine Erinnerung an die Schöpfung (V. 11) und ein Bundeszeichen Israels (31,13–17).
Von קדשׁ – qādasch, „heilig machen,
absondern“.
Bedeutet:
„ihn heiligen, aussondern, anders behandeln“.
Wurzel: כבד – „schwer, gewichtig sein“.
Bedeutung von „ehre“:
👉 „Gib Gewicht, Wert, Bedeutung“.
Eltern zu ehren bedeutet also:
ihre Würde und Rolle als von Gott
gegeben anerkennen.
Wurzel: רצח – „morden, heimtückisch töten“.
Nicht allgemeines „Töten“ (das wäre הרג
harág).
Sondern:
vorsätzlich
unrechtmäßig
durch Hass oder Hinterlist
Wurzel: נאף – „die Ehe brechen“.
Standardterm für sexuelle Untreue in einer bestehenden Ehe.
Theologisch:
Auch verwendet für „Bundesbruch“ Israels (Hos 4,12).
Wurzel: גנב – „stehlen, reißen, heimlich
nehmen“.
Umfasst:
Eigentumsdiebstahl
Menschenraub (2Mo 21,16)
geistigen/ideellen Diebstahl (vgl. Jer 23,30)
עֵד – ʿed: Zeuge
שָׁקֶר – sháqer: Lüge, Trug, Täuschung
Gemeint ist gerichtlicher Kontext:
ein formulierter, schädigender,
absichtlich falscher Bericht.
Wurzel: חמד – „begehren, Lust haben, sich
aneignen wollen“.
Gebrauch:
positiv: Ps 19,11 „das Wort Gottes liebenswert“
negativ: Begierde nach etwas, das nicht mir gehört
Das Hebräische erfasst hier innerste Herzensbewegung.
אִשָּׁה – ischah: Frau / Ehefrau
רֵעַ – reʿa: Nächster / Mitmensch / Gefährte
„alles, was deinem Nächsten gehört“
Universale Formulierung → umfassendste Abgrenzung.
Wurzel: נגשׁ
Bedeutung:
sich nahen
sich Gott nahen (in kultischer Reinheit)
hier: „nicht nahen können wegen Furcht“
Von ירא – „fürchten, ehren“.
Zweierlei Furcht:
zitternde Angst (Israel, V. 19)
ehrfürchtiger Gehorsam (V. 20)
Wurzel: זבח – „schlachten, opfern“.
Bedeutung:
„Ort der Annäherung durch Opfer“.
Wurzel: גזז – „schneiden, behauen“.
Der Altar durfte nicht aus
solchen Steinen bestehen:
👉 Kein menschliches Werk darf Grundlage der Annäherung an Gott sein.
Die „Zehn Worte“ umgehen nicht äußere Handlungen zuerst, sondern führen zum Herzen (Begierde).
Fast alle Verben sind Verbotssätze im Imperfekt – nicht als Strafe, sondern als göttlicher Maßstab.
Die Begriffe sind präzise:
„lo tirtsach“ = morden, nicht allgemein töten
„lo tachmod“ = inneres Begehren
„pesel“ und „temunah“ = nicht nur äußere Bilder, sondern falsche Gottesvorstellung
Gott offenbart sich als qnóʾ („der Eifernde“), Ausdruck seiner exklusiven Bundesliebe.
Das Kapitel endet mit
Altar und Opfer → eine
theologische Klammer:
Das Gesetz zeigt den Maßstab, der Altar den
Weg der Gnade.
subst. = Substantiv
verb. = Verb
impf. = Imperfekt
perf. = Perfekt
imp. = Imperativ
sg./pl. = Singular/Plural
m./f. = maskulin/feminin
cs. = constructus (Bindungsform)
st. abs. = Status absolutus
1./2./3. Pers. = Person
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| יְהוָה | JHWH / Jehova | היה / הוה | Eigenname | Der Ewig-Seiende | Bundesname Gottes |
| אֱלֹהֶיךָ | elohecha | אלה | Subst., pl. Form mit Suffix 2. sg. | dein Gott | Beziehungsebene |
| מִבֵּית | mi-bêt | בית | Subst. cs. sg. mit Präposition מִן | aus dem Haus | räumlich-herkunftsbezogen |
| עֲבָדִים | ʿavadím | עבד | Subst. pl. m. | Knechte | Zustand der Versklavung |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| לֹא יִהְיֶה לְךָ | lo jihje lecha | היה | Verb, impf. 3. sg. m. + לְ dir | du sollst nicht haben / soll dir nicht sein |
| אֱלֹהִים | elohím | אלה | Subst. pl. | Götter |
| אֲחֵרִים | achérim | אחר | Adjektiv, pl. m. | andere / fremde |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| פֶּסֶל | pesel | פסל | Subst. st. abs. sg. m. | geschnitztes Bild |
| תְּמוּנָה | temunáh | מן/מין | Subst. st. abs. sg. f. | Abbild, Gestalt |
| לֹא תִשְׁתַּחֲוֶה | lo tischtachawéh | שחה | Verb, Hischtaphel impf. 2. sg. m. | du sollst dich nicht niederwerfen |
| לֹא תָעָבְדֵם | lo taʿavdem | עבד | Verb, Qal impf. 2. sg. m. + Suffix | du sollst ihnen nicht dienen |
| קַנָּא | qannáʾ | קנא | Adjektiv, Intensivform | eifersüchtig / eifernd |
| חֶסֶד | chésed | חסד | Subst. | Gnade, Güte, Bundestreue |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| לַשָּׁוְא | la-sháv | שוא | Subst. mit לְ | Nichtigkeit, Leere |
| לֹא תִשָּׂא | lo tissá | נשא | Verb, Qal impf. 2. sg. m. | du sollst nicht erheben / missbrauchen |
| שֵׁם | schem | שם | Subst. sg. | Name |
| יְהוָה | Jehova | היה | Eigenname | Gottes Bundesname |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| זָכוֹר | sachor | זכר | Verb, Qal imp. 2. sg. m. | gedenke |
| שַׁבָּת | schabbát | שבת | Subst. sg. m. | Sabbat / Ruhe |
| לְקַדְּשׁוֹ | le-kaddeschó | קדשׁ | Verb, Piʿel inf. cs. + Suffix | ihn heiligen |
| מְלָאכָה | melāchah | מלאך | Subst. sg. f. | Arbeit / Tätigkeit |
| וַיָּנַח | vajyanach | נוח | Verb, Qal perf. 3. sg. m. | er ruhte |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| כַּבֵּד | kabbéd | כבד | Verb, Piʿel imp. 2. sg. m. | ehre / gib Gewicht |
| אָבִיךָ | avicha | אב | Subst. mit Suffix | dein Vater |
| אִמֶּךָ | immécha | אם | Subst. mit Suffix | deine Mutter |
| יַאֲרִיכֻן | jaʾarichun | ארך | Verb, Hifil impf. 3. pl. m. | sie werden verlängern (deine Tage) |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| לֹא תִּרְצָח | lo tirtsách | רצח | Verb, Qal impf. 2. sg. m. | du sollst nicht morden |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| לֹא תִּנְאָף | lo tinʾáf | נאף | Verb, Qal impf. 2. sg. m. | du sollst nicht ehebrechen |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| לֹא תִּגְנֹב | lo tignóv | גנב | Verb, Qal impf. 2. sg. m. | du sollst nicht stehlen |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| לֹא תַעֲנֶה | lo taʿané | ענה | Verb, Qal impf. 2. sg. m. | du sollst nicht antworten / aussagen |
| עֵד שָׁקֶר | ʿed šáqer | עוד / שקר | Subst. + Subst. | Lügenzeuge |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| לֹא תַחְמֹד | lo tachmód | חמד | Verb, Qal impf. 2. sg. m. | du sollst nicht begehren |
| אֵשֶׁת רֵעֶךָ | éschét reʿecha | אִשָּׁה / רֵעַ | Subst. cs. + Subst. mit Suffix | die Frau deines Nächsten |
| כֹּל אֲשֶׁר לְרֵעֶךָ | kol ascher le-reʿecha | כל / רֵעַ | phraseologisch | alles, was deinem Nächsten gehört |
| Hebräisch | Transliteration | Wurzel | Morphologie | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| נִגָּשׁ | niggāsch | נגשׁ | Verb, Nifal perf. | er nahte sich |
| מוֹרָא | morá | ירא | Subst. sg. | Furcht, Ehrfurcht |
| מִזְבֵּחַ | mizbéach | זבח | Subst. sg. m. | Altar |
| גָּזִית | gazít | גזז | Subst. sg. f. | behauener Stein |
| לֹא תַעֲלֶה | lo taʿalé | עלה | Verb, Qal impf. 2. sg. m. | du sollst nicht hinaufsteigen |
Diese morphologische Tabelle zeigt:
Die Zehn Worte bestehen überwiegend aus Imperfekt-Verbformen als gebietende Negationen (lo + impf.).
Viele Schlüsselwörter haben breite Bedeutungsfelder (שוא, חמד, כבד).
Der Text zieht sich von der Tat (stehlen, morden) über Beziehungen (Ehebruch) bis in die Herzenshaltung (Begehren).
Das Kapitel endet mit Worten über den Altar – morphologisch wie theologisch ein Hinweis auf Gnade statt menschlichen Werken.
אֱלֹהִים אֲחֵרִים – elohím achérim
„andere / fremde Götter“
| Wort | Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| אֱלִיל (elíl) | Nichts-Gott, Nichtswesen | spöttischer Begriff (Jes 2,8; Ps 96,5) |
| שֵׁדִים (schedím) | Dämonenmächte | 5Mo 32,17 |
| בְּעָלִים (baʿalím) | Herrengötter | häufig im Götzendienst |
Die Bibel kennt also „Götter“, die real als Machtwesen existieren (1Kor 10,20), aber keine Schöpfermacht besitzen.
θεοὶ ἕτεροι – theoi heteroi
„andere Götter“, wörtlich „anderen Wesens“.
1Kor 8,5–6: Es gibt „viele sogenannte Götter“, aber „ein Gott, der Vater“.
1Joh 5,21: „Hütet euch vor den Götzen!“
Mt 4,10: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten“ – direkt aus 5Mo 6,13.
פֶּסֶל – pesel (Bildwerk)
תְּמוּנָה – temunáh (Form, Gestalt)
| Wort | Bedeutung | Stellen |
|---|---|---|
| עֵצֶב (ezév) | geschnitztes Bild | Ps 115,4 |
| מַסֵּכָה (masecháh) | gegossenes Bild | 2Mo 32,4 |
| אֱלִיל (elíl) | Nichtsgott | Jes 44–46 |
εἴδωλον – eidōlon: Götterbild → im NT Grundlage für „Idol“.
ὁμοίωμα – homoíōma: Ähnlichkeitsform.
Diese Begriffe prägen das NT:
eidōlon wird der zentrale
Begriff für Götzendienst.
Röm 1,23: „das Bild des unvergänglichen Gottes verwandelt …“
Joh 4,24: „Gott ist Geist“ – darum Bildverbot.
Apg 17,29: Gott ist nicht durch „Gold oder Silber oder Stein, ein Werk menschlicher Kunstfertigkeit“ darzustellen.
1Joh 5,21: „Hütet euch vor den Idolen.“
שֵׁם – schem (Name)
כָּבוֹד – kavod (Herrlichkeit): Gottes Wesen, Gottes Gewicht.
נְקָרָא – niqraʾ (gerufen werden): Zugehörigkeit.
ματαιότης – mataiótēs
vom hebräischen שָׁוְא (Leere, Nichtigkeit).
Damit ist nicht falsche Aussprache gemeint, sondern
Missbrauch, „Leerlauf“.
Mt 6,9: „Geheiligt werde dein Name.“
Phil 2,9–10: Der Name Jesu als höchste Offenbarung Gottes.
Jak 5,12: Keine Schwüre → Hintergrund ist das 3. Gebot.
שַׁבָּת – schabbát (Ruhe)
„Aufhören“ – nicht Faulheit, sondern Vollendung.
נוּחַ (nuach) – ruhen (V. 11)
שָׁקַט (schakat) – stille werden
מְנוּחָה (menucháh) – Ruheplatz, besonders Gottes Ruhe
σάββατον – sabbaton
wird im NT übernommen.
Mk 2,27: Sabbat ist für den Menschen gemacht.
Kol 2,16–17: Sabbat ist ein Schatten; die Wirklichkeit ist Christus.
Hebr 4: „Sabbatruhe“ = eschatologische Ruhe Gottes.
כַּבֵּד – kabbéd (ehre)
Wurzel כבד bedeutet „schwer sein“, daraus:
Herrlichkeit
Würde
Gewicht geben → „ehren“
ירא (jiraʾ) – fürchten, respektieren
שמע (schəmaʿ) – hören, gehorchen (ethisch)
τίμα – tíma
Imperativ von τιμάω (ehren, wertschätzen).
Eph 6,2: „das erste Gebot mit Verheißung“.
Mt 15,4–6: Christus klagt die Pharisäer an, weil sie dieses Gebot traditionell „aufgehoben“ haben.
רצח – ratsach = morden (nicht: „töten“ allgemein)
| Wort | Bedeutung | Anmerkung |
|---|---|---|
| הרג (harág) | töten allgemein | auch in Krieg/Kampf |
| מוט (mut) | sterben lassen | passiv |
| שחט (schachat) | schlachten | kultisch |
οὐ φονεύσεις – ou phoneuseis
„du sollst nicht morden“.
phoneus ist der Mörder, nicht der Krieger.
Mt 5,21–22: Christus führt das Gebot auf die Wurzel zurück: Zorn.
1Joh 3,15: „Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder.“
נאף – naʾaf
זנה (zanáh) – huren, ausschweifen (auch geistlich)
חטא (chataʾ) – sündigen (allgemein)
οὐ μοιχεύσεις – ou moicheuseis
Mt 5,27–28: Begehren im Herzen = Ehebruch.
Hebr 13,4: Die Ehe ist „ehrbar“.
Jak 4,4: „Ehebrecher“ als Bild für geistliche Untreue.
גנב – ganav (stehlen)
עשק (aschák) – unterdrücken, jemanden um seinen Lohn bringen
גזל (gazal) – rauben (mit Gewalt)
כחש (kachash) – vortäuschen, betrügen
קדם (qadam) – unrechtmäßig vorbeugen (Betrug)
οὐ κλέψεις – ou klepseis
→ Grundlage für „Kleptomanie“.
Eph 4,28: „Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr.“
Joh 10,10: Der Dieb kommt zu „stehlen“.
Mt 19,18: Jesus zitiert das Gebot wörtlich.
שקר – shaqer (lügen, betrügen)
כזב (kazáv) – täuschen
מרמה (mirmáh) – Betrug, Arglist
בדא (badá) – ausdenken, erfinden
רמה (ramáh) – betrügen
οὐ ψευδομαρτυρήσεις – ou pseudomartyrēseis
„du sollst nicht lügen-zeugnis ablegen“.
Eph 4,25: „Legt die Lüge ab.“
Joh 8,44: Satan ist der „Vater der Lüge“.
Mt 26,59: Falsche Zeugen gegen Jesus.
חמד – chamad
„begehren, freuen, Lust haben“
| Wort | Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| אוָה (avah) | wünschen, begehren | neutral oder negativ |
| חשק (chaschaq) | sich an etwas hängen | positiv: „lieb haben“ |
| תאוה (taʾaváh) | Lust, Begierde | oft negativ (4Mo 11,4) |
οὐκ ἐπιθυμήσεις – ouk epithymēseis
„du sollst nicht begehren“.
epithymia = starke innere Ausrichtung.
Röm 7,7: Paulus: „Ich hätte die Sünde nicht erkannt außer durch das Gesetz … du sollst nicht begehren.“
Jak 1,14–15: Begierde → Sünde → Tod
Gal 5,17: Fleisch begehrt gegen Geist.
זבח – zavach (opfern)
עלה (olah) – Brandopfer (Hinaufsteigen)
חטאה (chatta'ah) – Sündopfer
שׁלם (shelamim) – Friedensopfer
θυσιαστήριον (thysiastērion) – Altar
θυσία (thysia) – Opfer
Hebr 10: Christus als einziges Opfer.
Eph 5,2: Christus „als Opfergabe und Schlachtopfer“.
Joh 1,29: „das Lamm Gottes“.
Die LXX verbindet die
hebräische Gesetzessprache
mit dem griechischen NT.
Dadurch entsteht ein hermeneutischer Schlüssel:
Kein Götze → Gott ist Geist
Kein Bild → Christus ist das Bild Gottes (Kol 1,15)
Kein falscher Name → der Name Jesu ist über alle Namen
Sabbat → Christus ist die Ruhe
Ehe → Bild Christi und der Gemeinde (Eph 5)
Morden → Wurzel ist der Hass
Stehlen → Christus gibt Leben
Lügen → Christus ist die Wahrheit
Begehren → Geistliche Gesinnung
Die Zehn Worte werden im NT vertieft, innerlich gemacht und christologisch erfüllt.
machen wir die LXX-Schubladen jetzt noch ein
Stück weiter auf – über die Zehn Worte
hinaus und auf den ganzen Text
von 2. Mose 20 bezogen.
Fokus:
Welche griechischen Begriffe verwendet die LXX?
Welche Wortfelder entstehen?
Welche NT-Linien greifen diese Begriffe wieder auf?
Ich gliedere es in thematische Gruppen, damit du es später leicht in eine Ausarbeitung überführen kannst.
Hebräischer Text:
„Ich bin Jehova, dein Gott, der ich dich herausgeführt habe aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft.“
LXX:
ἐγώ εἰμι κύριος ὁ θεός σου
– für: „Ich bin Jehova, dein Gott“
κύριος (kyrios) ist der feste Ersatz für JHWH.
θεός entspricht אֱלֹהִים.
NT-Linien:
„κύριος ὁ θεός ἡμῶν“ – klassische Gottesformel (Offb 4,8).
Anwendung des Titels κύριος auf Christus (Phil 2,11) knüpft direkt an den Bundesnamen Gottes im AT an.
ἐξάγω – exágō:
hinausführen, herausführen.
– Perfektes Exodus-Verb, häufig in der LXX.
γῆ Αἰγύπτου – gē Aigyptou: Land Ägypten.
Haus der Knechtschaft:
Hebr.: מִבֵּית עֲבָדִים – mi-bêt ʿavadím
LXX: ἐξ οἴκου δουλείας – ex oikou douleías
δουλεία – douleia = Sklaverei, Knechtschaft.
Im NT:
Röm 8,15: „nicht wieder einen Geist der Knechtschaft (δουλείας)“.
Gal 5,1: „nicht wieder euch in ein Joch der Knechtschaft (δουλείας) einspannen lassen“.
👉 Die LXX-Formel „οἶκος δουλείας“ ist die entscheidende Brücke für die paulinische Rede von Knechtschaft unter Gesetz und Sünde.
Hebr.: וַיְדַבֵּר אֱלֹהִים – wajdabbér elohím
LXX: καὶ ἐλάλησεν κύριος πάντας τοὺς λόγους τούτους λέγων
Wichtige LXX-Begriffe:
λαλέω – laleō: reden,
sprechen
– Im NT: Standardverb für Gottesreden und Verkündigung (Hebr 1,1–2; 2Kor
4,13).
λόγος – logos: Wort,
Ausspruch
– LXX: „zehn λόγοι“ → „zehn Worte“
– NT: Christus selbst als ὁ λόγος
(Joh 1,1).
Hier liegt der sprachliche Hintergrund für:
„Gott, der vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat …“ (Hebr 1,1).
Schlüsselwörter in der LXX:
ὁ λαός – ho laos (Volk) – Standard für עַם.
μακρόθεν – makrothen – von fern (V. 18: das Volk steht „von fern“).
προσελθεῖν / προσέρχομαι – proselthein / proserchomai – hinzutreten (V. 21 Mose naht sich dem Dunkel, in dem Gott ist).
προσέρχομαι wird im NT wichtig:
Hebr 4,16: „lasst uns hinzutreten“
Hebr 10,22; 12,18–24: Gegenüberstellung Sinai – Zion.
Donner, Blitze, Posaunenschall, rauchender Berg, das Volk zittert.
LXX verwendet hier typische „Sinai-Terminologie“:
βρονταί – brontai: Donner
ἀστραπαί – astrapai: Blitze
φωνὴ σάλπιγγος – phōnē salpingos: Stimme/Schall einer Posaune
ὄρος καπνίζον – oros kapnizon: rauchender Berg
ἐφοβήθη ὁ λαός – ephobēthē ho laos: das Volk fürchtete sich
NT-Bezüge:
Hebr 12,18–21: ausführliches
Sinai-Zitat mit denselben Begriffen; dort:
– νέφος (Wolke),
γνόφος (Dunkel),
θύελλα (Sturm),
σάλπιγξ,
φωνὴ ῥημάτων.
Offb 8–11: Donner und Blitze (βρονταί, ἀστραπαί) im Gericht Gottes.
👉 Die LXX-Sprache in 2Mo 20 ist direkt die „Bildsprache“ für Hebr 12 und die Offenbarung.
„Fürchtet euch nicht; denn um euch zu prüfen, ist Gott gekommen, und damit seine Furcht vor eurem Angesicht sei, damit ihr nicht sündigt.“
LXX (Ex 20,20):
μὴ φοβεῖσθε – mē phobeisthe: fürchtet euch nicht
ἦλθεν γὰρ ὁ θεὸς ἵνα πειράσῃ ὑμᾶς
(oder in manchen Texten: δοκιμάζῃ)
– πειράζω – peirazō:
prüfen, versuchen
– δοκιμάζω – dokimazō:
erproben, bewähren
ὁ φόβος αὐτοῦ – ho phobos autou: seine Furcht
ἵνα μὴ ἁμαρτάνητε – hina mē
hamartanēte: damit ihr nicht sündigt
– ἁμαρτάνω – hamartanō:
verfehlen, sündigen
NT-Bezüge:
φόβος θεοῦ – phobos theou: Gottesfurcht (2Kor 7,1; Apg 9,31).
πειράζω / δοκιμάζω:
Jak 1,2–3: Prüfung des Glaubens
1Petr 1,7: „Bewährung (δοκίμιον) eures Glaubens“.
ἁμαρτάνω überall als Standardwort für Sünde.
Sinai ist in der LXX der Prototyp dafür, dass Gottesfurcht und Prüfung zu einem Leben führen sollen, das nicht sündigt – das NT vertieft das innerlich.
„Einen Altar aus Erde sollst du mir machen … Brandopfer und Friedensopfer …“
Hebr.: מִזְבֵּחַ – mizbéach
LXX: θυσιαστήριον – thysiastērion
Bildet im NT die Hauptform für „Altar“:
Mt 5,23–24; 23,18–20
Hebr 13,10: „Wir haben einen Altar …“
Hebr.: עֹלָה – ʿolah
LXX: ὁλοκαύτωμα – holokautōma
(wörtl. „Ganz-Verbrennung“)
Dieser LXX-Begriff taucht auch im NT:
Hebr 10,6.8: „Brandopfer (ὁλοκαυτώματα) gefielen dir nicht.“
Hebr.: זִבְחֵי שְׁלָמִים – zivchej
schelamím
LXX: θυσίαι σωτηρίων – thysiai
sōtēriōn
σωτήριος – sōtērios: Heil bringend, rettend.
Die Friedensopfer werden so in der LXX direkt mit der Heils-Sprache verbunden.
NT:
σωτηρία – sōtēria als Grundwort für Heil/Rettung (Lk 1,69; Hebr 2,3).
Hebr.:
„Wenn du mir einen Altar aus Steinen machst, so sollst du ihn nicht aus behauenen Steinen bauen; denn wenn du dein Werkzeug darüber schwingst, so entweihst du ihn.“
LXX:
λίθοι – lithoi: Steine
λίθος λαξευτός / λατομητός
(je nach Textüberlieferung) – behauener Stein
– von λαξευω / λατομέω –
hauen, behauen, brechen
„dein Werkzeug“: σίδηρος – sidēros (Eisen) oder allgemeiner: „Werkzeug“
Theologisch:
Der Altar darf nicht durch Menschenwerk verschönert werden.
LXX stellenweise mit Begriffen, die später in prophetischen Texten und im NT für von Menschen gemachte Religion / Werke leitend sind.
Hebr.:
„Damit deine Blöße nicht aufgedeckt werde.“ (ערוה)
LXX:
ἀσχημοσύνη – aschēmosynē – Unanständigkeit, Blöße.
NT:
1Kor 12,23: „die unehrenhaften (ἀσχήμονα) Glieder“ → sprachlich verwandt.
Offb 16,15: „dass er nicht nackt umhergehe und man seine Schande (ἀσχημοσύνην) sehe.“
Die LXX verbindet also die körperliche Blöße am Altar mit einem Wort, das im NT für Schande, Unehre, bloßgestellt sein verwendet wird.
Hebr.: רֵעַ – reʿa
LXX: ὁ πλησίον σου – ho plēsion sou
„Nächster“ = der nahe Stehende, Mitmensch.
NT-Schlüssel:
Mt 22,39: „Du sollst deinen Nächsten (πλησίον) lieben wie dich selbst.“ – aus 3Mo 19,18, aber dieselbe LXX-Vokabel.
Röm 13,9: Paulus zitiert die Gebote einschl. „du sollst nicht begehren“ und schließt: „Liebe deinen Nächsten“.
In 2Mo 20 selbst steht eher רֵעַ
(Nächster), aber im decalogischen Umfeld wird oft
„Bruder“ verwendet (z.B. in
Parallelen).
Die LXX bevorzugt ἀδελφός als
Bundes-/Volksbegriff.
NT:
1Joh 3,15: „Jeder, der seinen Bruder (ἀδελφόν) hasst, ist ein Mörder“ – direkte Anknüpfung ans 6. Wort, aber auf die Bruderbeziehung bezogen.
Wenn man alle wichtigen LXX-Begriffe aus 2Mo 20 nebeneinander legt, ergeben sich im Hinblick auf das NT besonders diese „Hauptstraßen“:
Gottes Identität
JHWH → κύριος ὁ θεός σου → Christus als κύριος.
Erlösung aus der Knechtschaft
„Haus der Knechtschaft“ →
οἶκος δουλείας →
paulinische Rede von δουλεία
unter Sünde und Gesetz.
Gottesreden und „Wort“
דיבר / דבר →
λαλέω / λόγοι →
Hebr 1,1–2; Joh 1,1: der Logos.
Theophanie und Gottesnähe
Sinai-Bildsprache → βρονταί,
ἀστραπαί, φωνὴ σάλπιγγος →
Hebr 12; Offb 4–11.
Furcht, Prüfung, Sünde
פחד / ירא → φόβος,
נסה / בחן → πειράζω/δοκιμάζω,
חטא →
ἁμαρτάνω →
ganze neutestamentliche Lehre zu „Gottesfurcht“, „Prüfung“ und „Sünde“.
Altar und Opfer
מִזְבֵּחַ → θυσιαστήριον
עֹלָה → ὁλοκαύτωμα
שְׁלָמִים →
θυσίαι σωτηρίων →
Hebr 10; Hebr 13; Eph 5,2; NT-Heils- und Opfersprache.
Nächster und Bruder
רֵעַ → πλησίον,
(im Umfeld) אָח →
ἀδελφός →
gesamte neutestamentliche Ethik der Liebe.
präzise, fachlich saubere tabellarische Übersicht der wichtigsten LXX-Lemmata aus 2. Mose 20, inklusive:
Griechisches Lemma
Hebräisches Grundwort
Bedeutungsfeld
Vorkommen im NT (Schlüsselstellen)
Anmerkungen / theologische Bedeutung
| LXX-Lemma | Hebräisch | Bedeutung | NT-Bezüge | Theologische Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| κύριος | יְהוָה (JHWH) | Herr, Gott, Souverän | Phil 2,11; Lk 2,11 | Standardersatz für JHWH; im NT auf Christus angewandt. |
| θεός | אֱלֹהִים | Gott, Gottheit | Joh 1,1; 1Kor 8,4–6 | LXX benutzt θεός in monotheistischer Exklusivität. |
| λόγοι / λόγος | דְּבָרִים | Worte, Aussprüche | Joh 1,1; Hebr 1,1–2 | Grundlage für die Rede vom Logos Christi. |
| λαλέω | דִּבֵּר | reden, sprechen | Hebr 1,1; Joh 7,17 | Standardverb für Gottes Reden. |
| LXX-Lemma | Hebräisch | Bedeutung | NT-Bezüge | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| ἐξάγω | יוציא/הוציא | hinausführen | Lk 9,31; Hebr 13,12 | Exodus-Begriff; Grundlage für „neuen Exodus“ durch Christus. |
| οἶκος δουλείας | בֵּית עֲבָדִים | Haus der Knechtschaft | Gal 4,3; 5,1; Röm 8,15 | Schlüsselbegriff für paulinische Gesetz/Sünde-Knechtschaft. |
| δουλεία | עֲבָדִים / עֶבֶד | Sklaverei, Knechtschaft | Röm 8,21; Gal 5,1 | Semantische Brücke: körperliche Knechtschaft → geistliche Knechtschaft. |
| LXX-Lemma | Hebräisch | Bedeutung | NT-Bezüge | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| βρονταί | קוֹלוֹת | Donnerstimmen | Offb 4,5; 8,5; 11,19 | Sinai-Sprache → himmlisches Gericht in der Offenbarung. |
| ἀστραπαί | בְּרָקִים | Blitze | Lk 10,18; Offb 11,19 | Symbol göttlicher Macht und Manifestation. |
| φωνὴ σάλπιγγος | קוֹל שֹׁפָר | Posaunenstimme | 1Thess 4,16; Offb 1,10 | Verbindung Sinai – Endzeit. |
| φόβος | יִרְאָה | Furcht, Ehrfurcht | 2Kor 7,1; Phil 2,12 | Positive Gottesfurcht (Ehrfurcht), nicht Panik. |
| πειράζω / δοκιμάζω | נָסָה / בָּחַן | prüfen, versuchen | Jak 1,2–3; 1Petr 1,7 | LXX-Sprache für Glaubensprüfung im NT. |
| ἁμαρτάνω | חָטָא | sündigen | Röm 3,23; 1Joh 1,8 | Grundwort für Sünde; Sinai → „damit ihr nicht sündigt“. |
| LXX-Lemma | Hebräisch | Bedeutung | NT-Bezüge | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| οὐ φονεύσεις | לֹא תִּרְצָח | nicht morden | Mt 5,21–22; 1Joh 3,15 | Jesus vertieft: Hass = Wurzel des Mordes. |
| οὐ μοιχεύσεις | לֹא תִּנְאָף | nicht ehebrechen | Mt 5,27–28 | Jesus macht das innere Begehren sichtbar. |
| οὐ κλέψεις | לֹא תִּגְנֹב | nicht stehlen | Eph 4,28 | Umgekehrt: arbeiten & geben. |
| οὐ ψευδομαρτυρήσεις | עֵד שָׁקֶר | kein falsches Zeugnis | Offb 21,8; Mt 26,59 | Schlüsselbegriff: „Lügenzeuge“. |
| οὐκ ἐπιθυμήσεις | לֹא תַחְמֹד | nicht begehren | Röm 7,7; Jak 1,14 | Paulus: Gebot entlarvt innere Sünde. |
| τίμα (Imper.) | כַּבֵּד | ehre | Eph 6,2 | „erstes Gebot mit Verheißung“. |
| σάββατον | שַׁבָּת | Sabbat | Mt 12; Kol 2,16–17 | NT: Schatten; Christus ist Ruhe. |
| πλησίον | רֵעַ | Nächster | Mt 22,39; Röm 13,9 | Grundlage der Nächstenliebe. |
| LXX-Lemma | Hebräisch | Bedeutung | NT-Bezüge | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| θυσιαστήριον | מִזְבֵּחַ | Altar | Mt 5,23; Hebr 13,10 | „Wir haben einen Altar“ – christologische Erfüllung. |
| ὁλοκαύτωμα | עֹלָה | Brandopfer | Hebr 10,6–8 | LXX prägt Begriff des völligen Opfers. |
| θυσίαι σωτηρίων | שְׁלָמִים | Friedensopfer | Eph 5,2 | „Opfer der Rettung“ – Heilsbegriff. |
| λίθοι ἀλατόμητοι / ἀλαξευτοι | אֲבָנִים שְׁלֵמוֹת | unbehauene Steine | — | Symbol gegen menschliches Werk/Verzierung. |
| ἀσχημοσύνη | עֶרְוָה | Blöße, Schande | Offb 16,15 | Moralisch-ritueller Schandbegriff. |
| LXX-Lemma | Hebräisch | Bedeutung | NT-Bezüge | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| μακρόθεν | מֵרָחֹק | von ferne | Lk 16,23; Mt 26,58 | Israel steht „von ferne“ am Sinai. |
| προσέρχομαι | נִגַּשׁ | hinzutreten, nahekommen | Hebr 4,16; 7,25; 10,22 | NT: bewusstes Nahen zum Gnaden-Thron. |
| προσάγω | הגיש | darbringen, heranführen | Eph 2,18; 1Petr 3,18 | Christus führt uns zu Gott. |
Die LXX schafft die unverzichtbare semantische Brücke zwischen Sinai und dem NT:
κύριος wird auf Jesus Christus übertragen → „Jesus ist Herr“ ist eine Sinai-Verkündigung in neutestamentlicher Tiefe.
δουλεία (Knechtschaft) wird von der körperlichen Versklavung Ägyptens zur geistlichen Versklavung unter Gesetz und Sünde.
φόβος, πειράζω, ἁμαρτάνω bilden das ethische Grundvokabular des NT.
θυσιαστήριον, θυσία, ὁλοκαύτωμα münden in Hebräer 10–13 und definieren Christi Opfer.
πλησίον ist der Schlüssel zur christlichen Ethik (Röm 13; Mt 22).
προσέρχομαι beschreibt die ganze Bewegung vom Sinai (Furcht, Distanz) zum Zion (Nähe, Zugang).
Damit ist 2. Mose 20 in der LXX ein theologisches Fundament, das das gesamte Neue Testament strukturiert.
Die Übersetzung des Alten Testaments in die griechische Septuaginta (LXX) gehört zu den wichtigsten Brücken zwischen Altem und Neuem Testament.
Besonders deutlich wird das im Umgang der LXX mit den Schlüsselbegriffen aus 2. Mose 20, den „Zehn Worten“.
Die LXX prägt die Sprache der neutestamentlichen Schriften, ja sie formt regelrecht das theologische Vokabular der frühen Christenheit.
Viele zentrale Begriffe des NT – wie „Kyrios“, „Logos“, „Dulia“, „Phobos“ oder „Thysiastērion“ – haben ihre Wurzel in der LXX-Fassung des Sinai-Geschehens.
Wer die LXX-Begriffe versteht, erkennt tiefere Zusammenhänge zwischen Gesetz und Evangelium.
Mose 20 bildet dafür ein exemplarisches Beispiel.
Hier spricht Gott selbst – und die LXX bringt dieses Reden mit einer sprachlichen Klarheit zum Ausdruck, die weit über das AT hinausreicht.
So wird der Gottesname JHWH im Griechischen konsequent durch „Kyrios“ wiedergegeben.
Dieser Titel wird im NT bewusst auf Jesus Christus übertragen.
Damit stellt die LXX bereits im Alten Testament die Weichen für die neutestamentliche Christologie.
Ebenso wird der Begriff „Elohim“ durch „Theos“ wiedergegeben.
Die LXX benutzt diesen Begriff streng monotheistisch – in voller Übereinstimmung mit der neutestamentlichen Gotteslehre.
Besonders bedeutsam ist auch die Wiedergabe des hebräischen „Dewarim“ durch „Logoi“.
Darin liegt die Wurzel für die hochtheologische Rede vom „Logos“, dem Wort Gottes, im Johannesevangelium.
Auch das Exodus-Motiv findet in der LXX eine klare sprachliche Linie.
Der Ausdruck „Haus der Knechtschaft“ wird durch „Oikos douleias“ übersetzt.
Dieser Ausdruck ist im Neuen Testament zentral, vor allem im Römer- und Galaterbrief.
Die Rede von der „Knechtschaft unter Sünde und Gesetz“ steht direkt in der Tradition der LXX.
Ebenso wichtig sind die theophanischen Begriffe, mit denen die Erscheinung Gottes am Sinai beschrieben wird.
Wörter wie „Brontai“ (Donner), „Astrapai“ (Blitze) und „Phōnē salpingos“ (Posaunenschall) prägen die Gerichtssprache der Offenbarung.
Das NT knüpft damit bewusst an das Sinai-Ereignis an.
Die LXX macht auch deutlich, dass Furcht und Ehrfurcht zwei verschiedene Dinge sind.
„Phobos“ beschreibt nicht panische Angst, sondern die ehrfürchtige Haltung vor der Heiligkeit Gottes.
Die LXX-Sprache in 2. Mose 20 trägt damit bereits die Keime der neutestamentlichen Ethik in sich.
Ebenso prägt die LXX die Sprache für Sünde und Prüfung.
Wörter wie „Hamartano“, „Peirazō“ und „Dokimazō“ werden im NT zu Grundbegriffen der Glaubenslehre.
Diese Begriffe haben im Kontext des Sinai eine klare Bedeutung: Furcht Gottes führt zum Vermeiden der Sünde.
Auch der Opfer- und Altarbegriff wird durch die LXX in neutestamentliche Bahnen gelenkt.
Der „Mizbeach“ wird zum „Thysiastērion“.
Dieser Begriff taucht im Hebräerbrief auf und beschreibt die geistliche Opferstätte der Gemeinde Christi.
Ebenso wird das Brandopfer „Olah“ zu „Holokautōma“.
Auch dieses Wort nimmt der Hebräerbrief auf, wenn er über die Unzulänglichkeit der alten Opfer spricht.
Die Friedensopfer „Shelamim“ werden in der LXX zu „Thysiai sōtēriōn“ – „Opfer der Rettung“.
Damit verbindet die LXX das kultische Opfer mit der Heilsbedeutung, die im NT in Christus erfüllt ist.
Die LXX schafft auch Klarheit in der Ethik des Nächsten.
Der „Rea“, der Nächste, wird zu „Plēsion“.
Dieser Begriff wird im NT zum Kern der Nächstenliebe.
Die neutestamentliche Ethik kann ohne die LXX-Fassung des Sinai kaum verstanden werden.
Auch das Motiv des Nahens und Fernbleibens wird durch die LXX geprägt.
Israel „stand von ferne“ – „Makrothen“.
Mose trat „hinzu“ – „Proserchomai“.
Genau dieses Verb wird im Hebräerbrief zum Schlüsselwort des Glaubens.
Der Gläubige darf „hinzutreten zum Thron der Gnade“.
Der Gegensatz zwischen Sinai und Zion wird sprachlich durch die LXX vorbereitet.
Die gesamte Theologie des Hebräerbriefes lebt aus diesen Begriffen.
Wer die LXX-Wörter von 2. Mose 20 betrachtet, öffnet eine Tür zu tieferem Verständnis des gesamten NT.
Die LXX ist nicht nur Übersetzung – sie ist eine heilsgeschichtliche Brücke.
Sie gibt dem Sinai eine Sprache, die das Neue Testament bewusst weiterführt.
Darum gehört die sorgfältige Analyse der LXX-Lemmata zu den wichtigsten Werkzeugen biblischer Auslegung.
Besonders 2. Mose 20 zeigt, wie Gott am Sinai sprach – und wie dieses Reden im Neuen Bund in Christus Erfüllung fand.