Fragen und Antworten BEGRIFFSERKLAERUNG
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Das kleine Wort „heimlich“ in Johannes 11,28
wirkt unscheinbar.
Doch hinter dem griechischen λάθρα
verbirgt sich ein tiefer geistlicher Schlüssel.
Martha ruft Maria nicht öffentlich, sondern im Verborgenen.
Dies zeigt die zarte Seelsorge des Herrn für eine zerbrochene Seele.
Maria wird nicht vor die Menge gestellt, sondern persönlich gerufen.
Christus zieht das Herz in die Stille, bevor Er Herrlichkeit offenbart.
Was der Herr tun will, beginnt oft im Geheimen, nicht im Lärm.
Die Menge ahnt nichts, doch das Herz spürt den Ruf des Meisters.
Glaube entsteht in der Stille, nicht im Spektakel.
Maria erhebt sich innerlich, bevor sie äußerlich aufbricht.
Der Ruf „Der Lehrer ist da“ gilt dem Einzelnen, nicht der Öffentlichkeit.
So handelt Gott: erst verborgen, dann sichtbar.
Vor dem Wunder steht die stille Begegnung.
Vor der Auferweckung steht der persönliche Ruf.
Vor der Offenbarung steht der Gehorsam des Herzens.
Maria wird heimlich gerufen – zur tiefsten Erfahrung ihres Glaubens.
Der Herr weiß, wann das Herz Raum braucht.
Er sucht das Verborgene, nicht die Bühne.
Sein Wirken ist zart, persönlich, liebevoll.
Wer auf den heimlichen Ruf hört, sieht seine Herrlichkeit.
In
Johannes 11,28 (λάθρα lathra)
ist bemerkenswert und trägt
seelsorgerliche, prophetische
und auch psychologisch-menschliche
Züge.
Drei Ebenen & eine Übersicht aller neutestamentlichen Stellen mit
lathra sowie deren geistliche
Bedeutung.
In Joh 11,28 heißt es über Martha:
„Und als sie dies gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Lehrer ist da und ruft dich.“
Maria war völlig überwältigt vom Schmerz um
Lazarus. Die Juden waren bei ihr, um sie zu trösten, aber ihr Herz war nicht
frei, vor dem Herrn auszuschütten, was sie innerlich bewegte.
Martha „holt“ Maria auf eine Weise, die
ihr hilft, ohne sie der Menge
auszusetzen.
Der Herr ruft den Einzelnen oft im Verborgenen, ohne Lärm, ohne Öffentlichkeit.
Gottes seelsorgerliche Stimme ist nicht laut, sondern zart (vgl. 1Kön 19,12).
Die Juden, die im Haus waren, liebten Maria
wahrscheinlich – aber sie verfehlten geistlich, was Gott gerade tat.
Martha ruft Maria nicht vor allen – denn
nicht jeder Begleiter ist geeignet,
wenn der Herr einen Schritt tun möchte.
Seelsorgerlich heißt das:
Wenn der Herr uns ruft, ist es oft notwendig, ohne die „fromme Öffentlichkeit“ zu kommen.
Manche Gespräche mit dem Meister sind nur für unsere Ohren.
Maria steht im Johannesevangelium immer für
die Seele, die den Herrn liebt.
Maria wird persönlich gerufen
– nicht die Umstehenden.
Das „heimlich“ betont:
Christus ruft das Herz – vertraulich, persönlich, in Intimität.
Johannes 11 ist eines der heilsgeschichtlich tiefsten Kapitel vor Joh 12–17.
Die Szene kann prophetisch auf den künftigen Ruf des gläubigen Überrestes Israels gedeutet werden:
die Juden (Volksmenge) = das ungläubige nationale Israel
Maria = der gläubige Überrest
Martha = der „Vorbote“ bzw. Ruf Gottes an diesen Überrest
Dass Maria heimlich gerufen wird, kann typologisch anzeigen:
Der Herr wird den Überrest in der Endzeit nicht öffentlich, sondern im Inneren, durch Sein Wort rufen.
Es ist ein „versteckter“ Ruf – ähnlich Jesaja 26,20 („Tritt in deine Kammer und schließe die Tür hinter dir zu …“).
Unmittelbar nach Joh 11 kommt Joh 12:
Jesu öffentliche Offenbarung
als Messias beim Einzug in Jerusalem.
Doch der Weg dahin beginnt im
Verborgenen, mit einem stillen Ruf:
Vor jeder öffentlichen Offenbarung Gottes steht ein verborgenes Wirken Gottes im Herzen.
Das ist durch „lathra“ betont.
Menschen in tiefer Trauer brauchen keine Öffentlichkeit, wenn Gott ihnen begegnen möchte.
Maria hätte sich in der Menschenmenge unwohl gefühlt; Martha spürt das.
Psychologisch betrachtet zeigt das:
Empathie erkennt, dass die Seele am besten reagiert, wenn sie sich sicher fühlt – oft im Verborgenen.
Maria hatte zuvor geschwankt zwischen
Glaube und Schmerz.
Martha weiß offenbar:
Die Begegnung mit dem Herrn gelingt am
besten ohne die neugierigen Augen anderer.
Ein seelsorgerlicher Grundsatz:
Verborgene Einladung – tiefere Offenbarung.
Das Wort bedeutet:
„heimlich, verborgen, im Versteckten,
nicht öffentlich, unter der Hand“.
Matthäus 1,19 – Josef
wollte Maria „heimlich entlassen“.
→ Schon hier: Rücksichtnahme, Milde,
Schutz vor öffentlicher Schande.
Matthäus 2,7 / 2,16 –
Herodes forschte die Weisen „heimlich“ aus.
→ dunkle, geheime Absicht; verborgene Bosheit.
Johannes 11,28 – Martha
ruft Maria „heimlich“.
→ seelsorgerliche Rücksicht, persönlicher Ruf des Herrn.
lathra zeigt immer etwas, das nicht öffentlich, sondern verdeckt oder intim geschieht – je nach Kontext zum Guten oder zum Bösen.
Das Wort bewegt sich im NT immer in einer dieser drei Richtungen:
(Matthäus 1,19; Johannes 11,28)
→ Schutz, Milde, persönliche Ansprache.
(Matthäus 2,7.16)
→ heimliche, dunkle Motive.
(typologisch Joh 11)
→ Der Ruf Gottes an das Herz geschieht oft im Verborgenen, aber führt in die
Gegenwart Christi.
In Johannes 11,28 ist „heimlich“ ein Hinweis auf:
den persönlichen Ruf Christi an das Einzelne Herz
seelsorgerliche Rücksichtnahme auf eine zerbrochene Seele
den verborgenen Ruf des Überrestes (prophetisch)
den Schutz vor einer Menge, die nicht versteht, was Gott tut
den Ort, wo echte Begegnung mit Christus beginnt: im Verborgenen
λάθρα (láthra) ist ein Adverb und bedeutet:
heimlich, verborgen, im Geheimen
ohne Kenntnis anderer, unter Ausschluss der Öffentlichkeit
hinter dem Rücken
Es beschreibt
die Art und Weise,
wie etwas geschieht:
👉 nicht offen, nicht öffentlich, nicht
sichtbar.
λάθρα gehört zur Wortfamilie von
λανθάνω (lanthánō), „verborgen
sein“, „verborgen bleiben“, „unbemerkt sein“.
Diese Wortfamilie enthält:
Bedeutung:
verborgen bleiben
entgehen
heimlich tun
Belege:
Hebr 13,2: „ohne es zu wissen“ (λανθάνοντες)
2Petr 3,8: „dies eine sei euch nicht verborgen“
=
Vergessen, „verborgene Erinnerung“
(griech. Mythologie: Fluss Lethe = Vergessenheit; in der Septuaginta selten)
= verborgen, unbemerkt (in klassischer Literatur)
= heimlich, im Geheimen
(klassisch häufiger als λάθρα)
λάθρα ist also die Adverbialform dieses Grundbegriffs des „Verborgenen“.
Nur 3 Stellen:
| Stelle | Kontext | Bedeutung |
|---|---|---|
| Mt 1,19 | Josef will Maria heimlich entlassen | gütiges, rücksichtvolles Verbergen |
| Mt 2,7 | Herodes erkundigt sich heimlich bei den Weisen | böse, verschlagene Geheimhaltung |
| Joh 11,28 | Martha ruft Maria heimlich | seelsorgerlich-intimer, persönlicher Ruf |
Dasselbe Wort kann sowohl positive als auch negative Konnotation haben – die Moral liegt im Kontext, nicht im Wort selbst.
In Johannes 11 hat λάθρα eine milde, seelsorgerliche, intime Färbung:
keine Öffentlichkeit
kein Aufsehen
kein Druck
eine persönliche Einladung des Herrn
λάθρα unterstreicht sprachlich das Hintergründige, Zarte, Verborgene, das zum Johannesevangelium passt (Licht und Dunkelheit, Offenbarung und Verborgensein).
Das hebräische Denken kennt ein ähnliches Konzept:
בַּסֵּתֶר (ba-seter) = im Verborgenen, im Geheimen (Ps 91,1; Ps 31,21)
לָט (lat) = verstohlen, heimlich (vgl. Ri 4,19; 1Sam 18,22)
Beide liegen funktional nah an λάθρα.
Die LXX benutzt oft λαθρᾶ / λαθρῇ für „verstohlen“, „versteckt“.
In der klassischen Literatur (Homer, Herodot, Thukydides, frühe christliche Schriftsteller):
λάθρα = heimlich, im Hinterhalt, vor anderen verborgen
oft im Sinn von:
„ohne dass die Öffentlichkeit es bemerkt“
„ohne Zeugen“
„unter der Hand“
Der Gebrauch passt perfekt zum NT.
Geheimnis = μυστήριον
„heimlich“ = λάθρα
→ λάθρα bezieht sich auf sichtbare
Handlung, nicht auf „verborgenen Ratschluss“.
Es geht nicht um „Geheimwissen“, sondern um Ort und Öffentlichkeit.
Rücksicht (Mt 1)
Furcht / Bosheit (Mt 2)
Zartheit / Trauer (Joh 11)
Im Johannesevangelium wird das zu einem Thema:
Der Herr ruft nicht tumultartig
Er zieht das Herz im Verborgenen
Er offenbart sich Stillen (Maria)
Hebr 13,2: „ohne es zu wissen“
2Petr 3,8: „dies sei euch nicht verborgen“
Gal 2,4 (mss.): heimlich eingeschlichene Falsche Brüder („παρεισῆλθον“ ergänzt „λανθάνως“ in einigen Zeugen)
Gott wirkt manchmal verborgen → aber das Verborgene bleibt nicht verborgen.
λάθρα (lathra) bedeutet:
eine Handlung geschieht bewusst nicht im öffentlichen Raum, sondern verborgen, rücksichtsvoll oder verschlagen – je nach Kontext.
Im NT steht es:
zweimal für menschliche Rücksicht / Verschlagenheit (Mt 1–2)
einmal für eine zarte seelsorgerliche Bewegung (Joh 11)
Im Johannesevangelium entspricht λάθρα
genau dem Erzählstil:
Christus ruft die Seele sanft, leise,
persönlich.
Johannes zeigt immer zwei Ebenen:
Die sichtbare Ebene – Volksmenge, jüdische Führer, Festbetrieb
Die verborgene Ebene – Herzen Einzelner, verborgene Motive, geheimnisvolle Begegnungen
Zwischen diesen Ebenen bewegt sich Christus.
Die „Heimlichkeit“ (lathra) ist ein literarisches und theologisches Mittel, um
das Wesen der Offenbarung Gottes zu zeigen:
Christus kommt in die Welt sichtbar – aber Er offenbart sich im Inneren verborgen.
Johannes der Täufer zeigt Christus öffentlich.
Doch die erste Jüngerschaft geschieht still, persönlich:
„Was sucht ihr?“ — ein intimer Ruf.
Nathanael wird „unter dem Feigenbaum“
gesehen:
→ verborgener Ort, verborgenes
Gebet, verborgenes Herz.
Hochzeit zu Kana: Das erste Zeichen ist verborgen; nur die Diener wissen es.
Tempelreinigung: Christus kennt die verborgenen Gedanken aller (2,25).
Nicodemus kommt
bei Nacht.
→ Das Muster:
Verborgene Suche → persönliche
Offenbarung → öffentliches Zeugnis (Joh 7).
Die Samariterin trifft Christus allein, außerhalb der Öffentlichkeit.
Ihr Herz wird im Verborgenen geöffnet → daraus fließt öffentlicher Segen (Stadt Sychar).
ZUSAMMENFASSUNG 1–4:
Der Herr beginnt immer verborgen, persönlich, direkt am Herzen.
Was im Verborgenen beginnt, wird später öffentlich bezeugt.
Der Geheilte weiß nicht, wer Jesus ist (5,13).
Jesus findet ihn
allein im Tempel.
→ Der Herr wirkt verborgen, selbst wenn das Wunder öffentlich geschah.
Die Brotvermehrung ist öffentlich,
die Lehre vom Brot des Lebens ist
nur für die, die hören wollen.
→ Große Menge setzt auf Öffentlichkeit
→ wahre Jüngerschaft geschieht im
Verborgenen (6,66–69).
Jesus geht nicht öffentlich, sondern wie im Verborgenen (7,10) zum Fest.
Sein Kommen ist verborgen und gleichzeitig unaufhaltbar.
Die Menge redet „heimlich“ aus Angst (7,13).
Hier wird „heimlich“ nicht als lathra
gebraucht, aber als motivische Entsprechung:
👉 Das wahre Reden über Christus geschieht
hinter vorgehaltener Hand.
ZUSAMMENFASSUNG 5–7:
Die Verborgene Offenbarung steht im Gegensatz zum öffentlichen Hass.
Je größer der Widerstand, desto verborgener wirkt Christus – aber mit umso größerer Kraft.
Die Führer planen heimlich seine Tötung (8,59).
Christus offenbart das Verborgene im Herzen (8,44).
Die Eltern des blind Geborenen sprechen heimlich aus Furcht vor den Juden (9,22).
Der Geheilte wird nach dem öffentlichen Verhör vom Herrn verborgen gefunden (9,35).
→ Das Muster setzt sich fort:
Öffentliche Feindschaft | verborgene
Jüngerschaft.
Der gute Hirte ruft die Schafe
bei Namen.
→ persönlicher, intimer, verborgener Ruf
Die Stimme des Hirten ist nicht für die Welt bestimmt, sondern für die Seinen.
ZUSAMMENFASSUNG 8–10:
Die Heimlichkeit der Feinde und die Intimität des guten Hirten begegnen sich.
Die Offenbarung Christi ist verborgen für die Unwilligen und hell für die Hörenden.
Hier kommt das Adverb λάθρα (11,28) vor:
Martha ruft Maria „heimlich“: „Der Lehrer ist da und ruft dich.“
Das ist theologisch der Brennpunkt der Heimlichkeit im Johannesevangelium.
Was ist hier verborgen?
Der Ruf Christi an die einzelne Seele (Maria).
Die kommende Auferstehungskraft (Lazarus).
Der Übergang vom verborgenen Wirken zum öffentlichen Zeichen.
Der Aufbruch des Glaubens in der Stille des Herzens.
Maria steht im Johannesevangelium immer für
das Herz, nicht für den
Dienst.
Der Ruf Christi an Maria ist ein Ruf
ins Verborgene – zur Begegnung mit seiner Herrlichkeit.
Nach dem „heimlichen Ruf“ kommt die öffentliche Offenbarung:
Salbung Marias → persönlicher Dienst wird öffentlich sichtbar
Einzug in Jerusalem → der König tritt hervor
Stimme aus dem Himmel → das Verborgene wird gehört
die Menge versteht es nicht → nur die, die den heimlichen Ruf kannten, verstehen
STRUKTUR:
Joh 11 → verborgenes Rufen
Joh 12 → öffentliche Offenbarung
So funktioniert Gottes Weg.
Er ruft:
Johannes den Täufer
Andreas
Petrus
Nathanael
Nicodemus
die Samariterin
den Sohn des Beamten
den Geheilten
den Blindgeborenen
Maria
Immer einzeln, nie „die Masse“.
Wenn Gott wirkt, verstehen es nur die, die den verborgenen Ruf hören.
Man könnte sagen:
Glaube entsteht im Geheimen – Unglaube zeigt sich im Öffentlichen.
Das zeigt sich besonders in Joh 7–12.
Das Muster Joh 11–12 ist typisch:
Der Herr ruft Maria
heimlich
→ Sie kommt
→ Sie fällt zu seinen Füßen
→ Die Herrlichkeit Gottes wird sichtbar (Auferweckung)
→ Die Anbetung folgt (Joh 12,1–3)
→ Die öffentliche Königsoffenbarung folgt (Joh 12,12ff)
Der Überrest Israels wird zuerst
im Verborgenen zu Christus
geführt
→ bevor Er sich öffentlich vor Israel offenbart (Sacharja 12,10; Joh 19,37).
Die Heimlichkeit im Johannesevangelium ist
nicht Schwäche, sondern Gottes Weg,
menschliche Herzen zuerst verborgen
zu rufen,
um sich öffentlich in Herrlichkeit
zu zeigen.
So wie bei Maria:
Der verborgene Ruf führt zur tiefsten Begegnung mit Christus,
und daraus entsteht die sichtbarste Anbetung (Joh 12).