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00665

Was bedeutet „Anbetung im Geist und in der Wahrheit“ – speziell in der Gnadenzeit?



Die Worte des Herrn an der Quelle von Sichar, Johannes 4
markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der Anbetung.
Nicht länger ist der heilige Ort an
äußere Formen,
Riten oder geographische Heiligtümer gebunden.
Der Messias offenbart eine völlig neue Wirklichkeit,
die nur die Gnadenzeit kennt.
Anbetung wird nun geboren aus dem Wirken des Heiligen Geistes
im Herzen des Erlösten.
Sie steigt nicht aus menschlicher Religiosität auf,
sondern aus dem Leben, das von oben ist.
→ „Im Geist“ bedeutet: aus der göttlichen Energie des innewohnenden Geistes heraus.
→ „In der Wahrheit“ bedeutet: gegründet auf Christus, die Offenbarung Gottes in Person.
Die Stunde ist gekommen, da Gott als Vater angebetet werden will
– im Licht des vollbrachten Werkes.
Dies ist der höchste Ausdruck christlicher Nähe: erkaufte Kinder vor dem Vater.
Nicht Priester aus Aaron, sondern Priester der Gnade, die durch das Blut Christi nahen.
Nicht Schatten und Bilder, sondern die himmlische Gegenwart, erschlossen durch den Sohn.
Die Wahrheit hat das Vorbild abgelöst, die Wirklichkeit das Ritual ersetzt.
Wer in der Wahrheit anbetet, erhebt das Herz zu Christus – dem Mittelpunkt aller Offenbarung.
Wer im Geist anbetet, lässt sich von Ihm leiten in Lob, Dank und Bewunderung.
Die Gnadenzeit ist nicht die Zeit der äußeren Formen, sondern der inneren Wirklichkeit.
Hier sucht der Vater solche, die Seine Herrlichkeit kennen und Ihm antworten.
→→→ Die wahre Anbetung ist kein Programm, sondern ein geistgewirktes Erkennen Seiner Größe.
Sie ist keine Pflichtübung, sondern das freie, freudige Echo erlöster Herzen.
Sie ist ein Vorgeschmack der ewigen Gemeinschaft, die in der Herrlichkeit wartet.
Und sie ist das, worauf der Vater wartet –
→→→ Anbeter, die Ihn so ehren, wie Er ist.


(Johannes 4,23–24; unter Berücksichtigung der Elberfelder 1905)

Elberfelder 1905:
Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden;
denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.


1. Der heilsgeschichtliche Hintergrund: Übergang von Altem zu Neuem

Der Herr Jesus sagt diesen Satz noch vor dem Kreuz, aber mit Blick in die kommende Gnadenzeit:

Die Anbetung der Samariter (auf dem Garizim) und der Juden (im Tempel zu Jerusalem) war ortsgebunden und rituell bestimmt (Opferdienst, Priesterschaft, Festordnung).
Mit dem Kommen des Messias und besonders nach Seinem Tod, Seiner Auferstehung und der Gabe des Heiligen Geistes an Pfingsten entsteht eine völlig neue Art der Anbetung:

Nicht mehr:

Sondern:

Dies ist die Grundlage dafür, dass der Herr sagt:
„Der Vater sucht solche als seine Anbeter!“


2. „Im Geist“ – was bedeutet das?

2.1 Nicht die menschliche Emotion, sondern der Heilige Geist

Im Griechischen steht ἐν πνεύματι („im Geist“), und das meint im Johannes-Evangelium gewöhnlich den Heiligen Geist.
Gemeint ist nicht:

sondern:

Der Geist Gottes nimmt das, was Christus ist und was Er getan hat, und macht es uns lebendig, damit wir Gott entsprechend würdigen können (Joh 16,14).

2.2 Innere Haltung statt äußerer Form

Im Alten Bund gab es äußere Formen: Kleidung der Priester, Räucherwerk, vorgeschriebene Opfer.
Im Neuen Bund geschieht Anbetung:

2.3 Priesterdienst aller Gläubigen

Petrus sagt:

„… ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen…“ (1Petr 2,5).

Die Opfer sind geistlich: Lob, Dank, Huldigung, Anerkennung des Werkes Christi.


3. „In der Wahrheit“ – was bedeutet das?

3.1 „Wahrheit“ bedeutet Christus selbst

Johannes verwendet „Wahrheit“ fast immer christologisch:

Anbetung in der Wahrheit bedeutet:

3.2 Wahrheit im Gegensatz zum Schatten

Im Alten Bund waren die Opfer Schatten (Heb 10,1).
In Christus ist die Wirklichkeit gekommen.

Deshalb ist Anbetung in der Wahrheit:

3.3 Übereinstimmung mit der Schrift

„Wahrheit“ schließt auch die Schrift ein (Joh 17,17: „Dein Wort ist Wahrheit“).
Anbetung darf also nicht sein:

Sie muss der Offenbarung Gottes entsprechen.


4. Zusammenfassung: Was bedeutet es in der Gnadenzeit konkret?

4.1 Keine Ortsgebundenheit

4.2 Anbetung aus dem Wirken des Heiligen Geistes

4.3 Anbetung, die Christus verherrlicht

4.4 Anbetung, die auf vollbrachtem Werk beruht

Wir kommen nicht mit eigenen Leistungen, sondern mit:

4.5 Anbetung in persönlicher Heiligkeit

„In Geist und Wahrheit“ bedeutet immer auch:


5. Kurze theologische Definition

Anbetung in der Gnadenzeit ist die geistgewirkte, schriftgemäße und christuszentrierte Huldigung des Vaters durch Wiedergeborene, die durch das vollbrachte Werk Christi Zugang zu Gott haben.


6. Warum sagt der Herr: „Der Vater sucht solche als seine Anbeter“?

Weil die Gnadenzeit:

Gott sehnt sich nach solcher Anbetung, weil sie Seinem Wesen entspricht:

„Gott ist Geist…“
Das verlangt:
„… und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.“