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00685 „Reue“ Gottes im Alten Testament (נָחַם — nāḥam)
eine sprachlich wie theologisch fundierte Erklärung des Begriffs „Reue“ (hebräisch נָחַם nāḥam) im Alten Testament (Elberfelder 1905) und wie Gottes „Reue“ zu seiner Unveränderlichkeit passt.
Die Elberfelder 1905 übersetzt mehrfach, dass Gott „reute“ etwas, z. B.:
1. Mose 6,6: „Da reute es Jehova, daß er den Menschen gemacht hatte …“
1. Sam 15,11 / 35: „Es reut mich, daß ich Saul zum König gemacht habe …“
Gleichzeitig bezeugt die Schrift klar:
1. Sam 15,29 – „… der Stärke Israels lügt nicht und bereut nicht; denn er ist kein Mensch, daß er bereue.“
4. Mose 23,19 – „Gott ist nicht ein Mann, daß er lüge, noch ein Menschenkind, daß ihn etwas gereue …“
→ Frage: Wenn Gott nicht bereut, warum heißt es dann trotzdem: „Es reute Ihn“?
Die Antwort liegt sprachlich in der Bedeutung des Verbs נָחַם (nāḥam) und theologisch im Unterschied zwischen Wesen Gottes und seinem Handeln in der Geschichte.
Das hebräische נָחַם (nāḥam) ist ein polysemantischer Begriff, der „Reue“ nicht im modernen Sinn von Fehlentscheidung bereuen meint.
„Erleichtern, trösten“
– z. B. Jes 40,1 „Tröstet
(נַחֲמוּ) mein Volk!“
– Grundbedeutung: emotional sich umstimmen lassen, innerlich bewegt werden.
„Sich umstimmen / anders denken“
– nicht aus Irrtum, sondern
aufgrund einer neuen Lage.
„Sich leid tun lassen“,
„innerlich bekümmert werden“.
– z. B. 1. Mose 6,6:
Gottes Herz ist „betrübt“ über die Bosheit der Menschen.
👉
Wichtig: נָחַם bezeichnet
eine Veränderung in der
Behandlung, nicht in Gottes
Wesen.
Gott ist unwandelbar in seinem Charakter (Mal
3,6: „Ich, Jehova, verändere mich nicht“), aber Er
handelt verschieden, wenn der Mensch
sich verändert.
Wenn die Schrift sagt, Gott „bereue“ oder „lasse sich gereuen“, meint sie:
Nicht: Gott sieht, dass Er einen Fehler
machte.
Sondern: Gott reagiert in
Übereinstimmung mit seinem unveränderlichen Wesen auf eine
veränderte menschliche Situation.
„Es reute Jehova, daß er den Menschen gemacht hatte, … und es bekümmerte ihn in seinem Herzen.“
Gott bereut nicht seinen ursprünglichen Plan, denn der war vollkommen.
Doch Gottes Herz wird betrübt, weil der Mensch in eine Verderbnis geht.
„Reue Gottes“ = göttliche Trauer, nicht Fehlerkorrektur.
„Es reut mich, daß ich Saul zum König gemacht habe.“
Gott ändert seine Regierungsweise über Saul, weil Saul sich geändert hat.
Vers 29 schützt Gottes
Unveränderlichkeit seiner
Wesensart:
Gott macht keine Fehler wie Menschen.
Gottes Ratschluss bleibt unverändert,
aber seine Weisen können
wechseln, je nach menschlicher Reaktion.
→ Das ist echte Beziehung, nicht göttliche Inkonsequenz.
„Da reute Gott das Übel …“ (nacham)
→ Gott nimmt das angekündigte Gericht zurück,
weil Ninive Buße tat.
Das zeigt:
Gott bereut das Gericht, wenn der
Mensch bereut die Sünde.
Das ist keine Wesensänderung Gottes, sondern Ausdruck seiner
Gnade, die immer schon in
seinem Wesen lag.
Die Schrift lehrt zweierlei:
Er bleibt ewig derselbe in Heiligkeit, Gnade, Wahrheit, Gerechtigkeit.
Seine Pläne („Ratschlüsse“) stehen unwandelbar fest (Jes 46,10).
Wenn der Mensch umkehrt, zeigt Gott Barmherzigkeit.
Wenn der Mensch verstockt, zeigt Gott Gericht.
Beispiel:
Der Ratschluss Gottes in Jona war: „Noch
40 Tage, und Ninive wird umgestürzt.“
Aber dieser Ausspruch enthielt bereits einen unausgesprochenen
Konditionalcharakter: Wenn
sie Buße tun, wird Gott das Gericht aufheben.
→ Gottes Charakter (gerecht UND barmherzig) bleibt unverändert; nur der Mensch
ist nicht mehr derselbe, und daher ändert sich die göttliche Reaktion.
Hier die entscheidenden Bibelstellen (Elberfelder) mit kurzer Einordnung:
1Mo 6,6–7 – Gott empfindet Schmerz über die Bosheit der Menschen.
2Sam 24,16 – Gott lässt sich „des Übels gereuen“, d. h. es tut Ihm leid, weiter zu schlagen.
Jer 18,8 – Er lässt sich das Böse gereuen, wenn das Volk umkehrt.
1Sam 15,11.35 – Gottes Regierungsweise über Saul wird geändert.
2Mo 32,14 – Gott „ließ sich des Unheils gereuen“, nachdem Mose Fürbitte getan hatte.
Gen 24,67 – Isaak wurde durch Rebekka „getröstet“ (נִחַם).
Jes 40,1 – „Tröstet, tröstet mein Volk!“
👉 Dieser Gebrauch zeigt klar: נָחַם bedeutet nicht primär „Fehler bereuen“, sondern „innerlich berührt werden / umstimmen / trösten“.
Gott ist unveränderlich im Wesen und im ewigen Ratschluss.
„Reue Gottes“ bedeutet niemals: Gott hat einen Fehler gemacht.
Das hebräische נָחַם beschreibt:
Schmerzlich bewegt werden,
sich innerlich wenden,
das angedrohte Gericht
zurücknehmen,
weil sich der Mensch verändert
hat.
Die Unveränderlichkeit Gottes zeigt sich gerade darin, dass
Er immer das Böse richtet und
immer auf echte Buße mit Gnade antwortet.
Damit wird die Spannung zwischen 1. Sam 15,29 („Gott bereut nicht“) und den Stellen mit „es reute Ihn“ aufgelöst:
Gottes Wesen ist unveränderlich,
Gottes Wege sind veränderlich,
weil Gott ein lebendiger Gott ist, der auf menschliche Schritte konsequent und zugleich barmherzig reagiert.
Root:
נָחַם – Grundidee:
tief atmen / seufzen, daraus:
Trauer, Mitleid, sich beruhigen lassen, getröstet werden, Erleichterung
finden, den eingeschlagenen Kurs ändern.
Blue
Letter Bible+1
Vorkommen: 108-mal in 100 Versen im Tanach. Blue Letter Bible
Hauptbedeutungsfelder:
getröstet / getröstet werden
Mitleid haben / sich erbarmen
über etwas „gereuen“, d.h. den Kurs ändern / absehen von angekündigtem Gericht
sich Luft verschaffen / „Erleichterung“ durch Vergeltung (Jes 1,24)
Grammatisch erscheint נָחַם fast nur in abgeleiteten Stämmen:
Nifal: „betrübt sein“, „leid sein“, „bereuen“, „sich trösten / getröstet werden“
Piʿel: „trösten, Zuspruch geben“
Puʿal: „getröstet werden“ (Passiv)
Hitpaʿel: „sich trösten“, „sich beruhigen“, „sich Luft machen“ Blue Letter Bible
Die folgende Liste fasst alle Verse zusammen, in denen eine Form von נָחַם vorkommt (Duplikate im selben Vers – z.B. zwei Vorkommen – sind bereits zusammengezogen). Grundlage ist der BDB-Index zu נָחַם. Blue Letter Bible
Genesis
5,29; 6,6–7; 24,67; 27,42; 37,35; 38,12; 50,21
Exodus
13,17; 32,12.14
Numeri
23,19
Deuteronomium
32,36
Richter
2,18; 21,6.15
Ruth
2,13
1. Samuel
15,11.29.35
2. Samuel
10,2–3; 12,24; 13,39; 24,16
1. Chronik
7,21; 19,2–3; 21,15
Hiob
2,11; 7,13; 16,2; 21,34; 29,25; 42,6.11
Psalmen
23,4; 69,20(21); 71,21; 77,3(2); 86,17; 90,13; 106,45; 110,4; 119,52.76.82;
135,14
Prediger
4,1
Jesaja
1,24; 12,1; 22,4; 40,1; 49,13; 51,3.12.19; 52,9; 54,11; 57,6; 61,2; 66,13
Jeremia
4,28; 8,6; 15,6; 16,7; 18,8.10; 20,16; 26,8.13.19; 31,13.15.19; 42,10–11
Klagelieder
1,2.9.16.17.21; 2,13
Hesekiel
5,13; 14,22–23; 16,54; 24,14; 31,16; 32,31
Joel
2,13–14
Amos
7,3.6
Jona
3,9–10; 4,2
Nahum
3,7
Sacharja
1,17; 8,14; 10,2
Damit hast du eine vollständige Referenzliste.
Für jede Stelle kann man systematisch so arbeiten:
(1) Versangabe – (2) hebräische Verbform
(3) Parsing – (4) Sinnaussage im Kontext
Im Folgenden mache ich das für eine Reihe zentraler Verse, insbesondere dort, wo Gott Subjekt ist und Fragen zur „Reue“ entstehen.
וְיִקְרָ֣א אֶת־שְׁמ֗וֹ נֹ֔חַ לֵאמֹ֕ר זֶ֗ה יְנַחֲמֵ֙נוּ֙…
Form: יְנַחֲמֵנוּ – Piʿel Imperfekt 3. Pers. mask. Sg. + Suffix „uns“
Parsing: Stamm Piʿel, yiqtol 3ms + 1pl Objekt
Sinn: „Dieser wird uns trösten/Erleichterung schaffen“ – hier ist נָחַם klar Trost / Erleichterung über Mühe und Fluch.
וַיִּנָּ֣חֶם יְהוָ֔ה כִּֽי־עָשָׂ֥ה אֶת־הָאָדָ֖ם בָּאָ֑רֶץ… OpenBible
Form: וַיִּנָּחֶם – Nifal wayyiqtol 3ms
Parsing: Nifal (Passiv/Mittel) Imperfekt mit vav-Konsekutiv, 3. mask. Sg.
Sinn: Wörtlich etwa: „Da ließ sich Jehova betrüben / es wurde ihm leid…“
In Verbindung mit וַיִּתְעַצֵּב אֶל־לִבּוֹ („es schmerzte ihn in seinem Herzen“) ist der Punkt: Gott trauert über die Verdorbenheit der Menschen.
Theologisch: kein Sinneswechsel im Wesen Gottes, sondern eine anthropopathische Beschreibung: Gott reagiert im Gericht anders als in der Schöpfungsfreude.
וְהִנָּחֵ֥ם עַל־הָרָעָ֖ה (V. 12 – Imperativ an Gott)
וַיִּנָּ֖חֶם יְהוָ֑ה עַל־הָרָעָ֔ה… (V. 14) Bible Hub+1
Formen:
הִנָּחֵם – Nifal Imperativ 2ms („Laß dich gereuen / laß ab“)
וַיִּנָּחֶם – Nifal wayyiqtol 3ms („da ließ sich der HERR gereuen / er ließ ab“)
Sinn:
Mose bittet: „Herr, lass ab von dem angekündigten Gericht.“
Gott „lässt sich bewegen“, und verzichtet auf die sofortige Vernichtung.
Theologisch: „Reue“ meint hier kein Erkennen eines Fehlers, sondern ein Verändern der angekündigten Handlungsweise aufgrund von Fürbitte (vgl. 2Mo 32,11–13).
לֹ֣א אִ֤ישׁ אֵל֙ וִיכַזֵּ֔ב וּבֶן־אָדָ֖ם וְיִתְנֶחָ֑ם… Blue Letter Bible
Form: יִתְנֶחָם – Hitpaʿel Imperfekt 3ms
Sinn:
„…noch ein Menschensohn, dass er sich’s gereuen ließe.“
Hier wird betont, dass Gott nicht wie ein Mensch ist, der eine Zusage macht und dann seinen Plan umstößt.
Sehr wichtig für die Spannung mit Stellen wie 1Sam 15,11.29; 2Sam 24,16; Jona 3,10.
כִּֽי־יָדִ֣ין יְהוָ֔ה עַמּ֖וֹ וְעַל־עֲבָדָ֣יו יִתְנֶחָ֑ם… Blue Letter Bible
Form: יִתְנֶחָם – Hitpaʿel Imperfekt 3ms
Sinn:
„…denn der HERR wird sein Volk richten und Mitleid haben mit seinen Knechten.“
Hitpaʿel = „sich innerlich bewegen lassen, Mitleid haben“ → erbarmende Wende Gottes angesichts der Hilflosigkeit Israels.
כִּ֣י נִחַ֤ם יְהוָה֙ מִנַּאֲקָתָ֔ם… Blue Letter Bible
Form: נִחַם – Nifal Perfekt 3ms
Sinn:
„…denn der HERR ließ sich erweichen / hatte Mitleid wegen ihres Stöhnens…“
Gott erbarnt sich über sein Volk in Bedrängnis → נָחַם als Mitleid, nicht als moralische Buße.
V. 11
נִחַמְתִּ֗י כִּ֤י הִמְלַ֙כְתִּי֙ אֶת־שָׁא֔וּל לְמֶ֖לֶךְ… Blue Letter Bible
Form: נִחַמְתִּי – Nifal Perfekt 1.sg.
Sinn: „Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe.“
Ausdruck tiefster Trauer / Missfallen über Sauls Ungehorsam; Gott „steht nicht mehr zu“ dieser Einsetzung.
V. 29
וְגַם֙ נֵ֣צַח יִשְׂרָאֵ֔ל לֹ֥א יְשַׁקֵּ֖ר וְלֹ֣א יִנָּחֵ֑ם…
Form: יִנָּחֵם – Nifal Imperfekt 3ms
Sinn: „…und er wird nicht bereuen; denn er ist kein Mensch, daß er bereuen müsste.“
Hier wird die Unwandelbarkeit Gottes betont: Er widerruft seine grundlegenden Ratschlüsse nicht.
V. 35
וַיהוָ֗ה נִחָ֛ם כִּ֥י הִמְלִ֥יךְ אֶת־שָׁא֖וּל…
Form: נִחָם – Nifal Perfekt 3ms
Sinn: Wieder: Gott „lässt es sich gereuen“, Saul zum König gemacht zu haben.
Spannung innerhalb des Kapitels:
V. 11 und 35: Gott trauert über Saul und ändert sein Handeln (Verwerfung).
V. 29: Gottes Wesen, Treue und
Zusage sind nicht wankend.
→ Ergebnis: Gott ändert nicht
seinen Charakter, aber
er ändert seine Regierungswege,
wenn der Mensch sich ändert.
וַיִּנָּחֶם יְהוָה עַל־הָרָעָה… (2Sam 24,16 / 1Chr 21,15) Blue Letter Bible
Form: וַיִּנָּחֶם – Nifal wayyiqtol 3ms
Sinn: Gott lässt ab vom Gericht, als der Engel Jerusalem vernichten will.
„Reue“ = Erbarmen, Abbruch des begonnenen Gerichts, nicht „Fehler eingesehen“.
שׁוּבָ֣ה יְהוָ֣ה עַד־מָתָ֑י וְהִנָּחֵ֖ם עַל־עֲבָדֶ֣יךָ Blue Letter Bible
Form: הִנָּחֵם – Nifal Imperativ 2ms
Sinn: „Kehre zurück, HERR! … und laß dir’s gereuen / erbarme dich über deine Knechte.“
Gebet um Wenden des Zornes und Erbarmen.
וַיִּנָּחֶם כְּרֹב חֲסָדָֽיו Blue Letter Bible
Form: וַיִּנָּחֶם – Nifal wayyiqtol 3ms
Sinn: „…und er ließ sich um seiner vielen Gnaden willen gereuen.“
Gott gedenkt des Bundes und wendet sich wieder zu – Reue = Bundestreue in Gnade.
נִשְׁבַּ֤ע יְהוָ֨ה׀ וְלֹ֣א יִנָּחֵ֑ם… Blue Letter Bible
Form: יִנָּחֵם – Nifal Imperfekt 3ms
Sinn: „Der HERR hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen…“
Hier ist נָחַם ausdrücklich die Unmöglichkeit, dass Gott seinen Ewigkeits-Ratschluss („Priester in Ewigkeit“) wieder rückgängig macht.
…כִּֽי־חַנּ֤וּן וְרַחוּם֙ ה֔וּא … וְנִחָ֖ם עַל־הָרָעָֽה׃ Bible Hub+2OpenBible+2
Form: וְנִחָם – Nifal Perfekt mit Waw („und er ist einer, der sich’s gereuen läßt / absteht“)
Sinn: Gott ist „gnädig und barmherzig … und läßt sich gereuen des Unheils“ → wenn sein Volk sich von Herzen zu ihm wendet.
Deutlich: נָחַם = Erleichterung Gottes, nun nicht mehr richten zu müssen, weil echte Umkehr geschehen ist.
נִחַ֥ם יְהוָ֖ה עַל־זֹ֑את (V. 3)
נִחַ֥ם יְהוָ֖ה עַל־זֹ֑את גַּם־הִֽיא׃ (V. 6) Blue Letter Bible
Form: נִחַם – Nifal Perfekt 3ms
Sinn: Gott „lässt es sich gereuen über dieses“ – d.h. Er nimmt angekündigte Gerichtsformen zurück, nachdem Amos Fürbitte getan hat.
וְהָאֱלֹהִים֙ יִתְנֶחָ֔ם עַל־הָרָעָ֖ה… (3,9 – vermutete Aussage des Königs)
וַיִּנָּ֣חֶם הָאֱלֹהִ֗ים עַל־הָרָעָ֛ה… (3,10) OpenBible+2Bible Hub+2
Form: וַיִּנָּחֶם – Nifal wayyiqtol 3ms
Sinn: „Da ließ sich Gott gereuen des Unheils… und er tat es nicht.“
Wieder: Gott ändert nicht seinen Charakter, aber seine angekündigte Gerichtshandlung, weil Ninive sich bekehrt.
4,2 betont, dass das ganz seinem Wesen als gnädiger Gott entspricht.
אֶנָּחֵ֤ם מִצָּרַי֙ וְאִנָּקְמָ֖ה מֵאֹיְבָֽי׃ StudyLight.org+1
Form: אֶנָּחֵם – Nifal Imperfekt 1.sg. („Ich werde mich trösten / Erleichterung verschaffen“)
Sinn: Gott „verschafft sich Erleichterung“ an seinen Feinden durch Gericht; נָחַם ist hier nahe bei נָקַם (rächen).
Ein Sondergebrauch: „Erleichterung durch Vergeltung“.
Wenn man alle Stellen mit נָחַם zusammenzieht (siehe auch die Wortstudie bei StudyLight), ergibt sich ziemlich klar: StudyLight.org+1
Grundidee:
Emotionaler „Seufzer“: Trauer, Schmerz, Mitleid, Trost, Erleichterung.
Auf Gott bezogen bedeutet נָחַם:
Mitleid / Erbarmen (Ri 2,18; 5Mo 32,36; Ps 90,13; 106,45)
Verzicht auf angekündigtes Gericht, wenn Umkehr erfolgt (2Mo 32; Jer 18,8–10; Joel 2; Jona 3).
In wenigen Fällen: Erleichterung durch vollzogenes Gericht (Jes 1,24; Hes 5,13).
Widerspruch?
Num 23,19; 1Sam 15,29; Ps 110,4 betonen, dass Gott nicht wie ein Mensch ist, der willkürlich und wankelmütig seine Meinung ändert.
Die „Reue“ Gottes ist konsequente Reaktion seines unveränderlichen Wesens auf die veränderte Stellung des Menschen (gehorsam ↔ ungehorsam, Buße ↔ Verstockung).
Oder, wie es Rashi zu Gen 6,6 zusammenfasst: נָחַם beschreibt, dass Gott „erwägt, was zu tun ist“ – ein Wechsel im Handeln, nicht im Wesen. Sefaria