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00686 Grundsatz der Elberfelder 1905


1. Grundsatz der Elberfelder 1905

Die Elberfelder 1905 ist ausgesprochen worttreu und versucht – soweit möglich – eine relativ konsistente Wiedergabe von hebräischen Verben mit einem festen deutschen Stammwort zu behalten, es sei denn, der Kontext zwingt dazu, ein anderes deutsches Feld zu nehmen.

Bei נָחַם heißt das konkret:

Die Übersetzer wollten erkennbar, dass der Leser das gleiche hebräische Verb wiedererkennt, aber zugleich deutlich deutsche Sprache liest.


2. Hauptdeutsche Wiedergaben von נָחַם in der Elberfelder 1905

Wenn man die Vorkommen in der Elb1905 betrachtet (Konkordanz / Suchfunktionen), sieht man im Wesentlichen diese Übersetzungsgruppen:

  1. „trösten / getröstet werden / Trost finden“

  2. „reuen / sich gereuen lassen / gereuen / bereuen“

  3. „erbarmen / Mitleid haben“

  4. „sich erleichtern / sich Luft machen“ (gerichtliches Ventil)

  5. Klagelieder / Trost im Leid

Du siehst: Die Elberfelder deckt mit einer deutschen „Wortfamilie“ (reuen / gereuen / Reue) den „Reue-/Umstimmungs-Aspekt“ ab und mit „trösten / Trost / getröstet werden“ den „Trost-/Erleichterungs-Aspekt“. Dazwischen stehen „erbarmen / Mitleid haben“ als Übergang.


3. Übersetzungsentscheidungen nach Bedeutungsfeld

3.1 Trost / Erleichterung → „trösten“

Überall dort, wo Menschen Subjekt sind oder jemand emotional aufgebaut werden soll, wählt die Elb1905 konsequent „trösten“:

Hier liegt נָחַם klar im Bereich Seelsorge / Zuspruch / Trost.

Entscheidung der Elberfelder:
Statt „sich beruhigen / umstimmen“ nimmt sie die in der deutschen Frömmigkeitssprache gut etablierte Linie „trösten“, wodurch der Leser die pastorale Seite Gottes unmittelbar erfasst.


3.2 Reue / Kursänderung → „reuen / gereuen / bereuen“

Wo es um Gott als Subjekt geht und der Kontext vom Absehen von Gericht oder Abwenden von einer früheren Verfügung spricht, tendiert die Elb1905 zu:

Typische Beispiele:

Warum „reuen“ und nicht z.B. „erbarmen“?

Die Elberfelder hält bewusst an dieser Sprachwahl fest, auch wenn das heute etwas altertümlich klingt, um die Verbindung zu Num 23,19; 1Sam 15,29; Ps 110,4 sichtbar zu lassen:
Gott reut / bereut – und zugleich ist Er keiner, der beliebig hin- und herspringt.


3.3 Mitleid / Erbarmen → „erbarmen / Mitleid haben“

Wo der Text klar Richtung Barmherzigkeit in einer Notlage geht, entscheidet sich die Elb1905 gern für „erbarmen“ / „Mitleid“, auch wenn נָחַם zugrunde liegt:

Theologisch ist das fein:

Die Elb1905 verschiebt hier die Nuance zugunsten der pastoralen Seite Gottes, bleibt aber im Bedeutungsfeld von נָחַם.


3.4 „Sich Luft machen / Selbst-Erleichterung im Gericht“

In wenigen Stellen, vor allem:

steht נָחַם in einem Kontext, wo Gott sagt, dass Er sich durch Gericht „befriedigen/erleichtern“ wird. Dort hat die Elberfelder (teils in Randbemerkungen / Varianten) Ausdrücke gewählt wie:

Hier wird die ursprüngliche Wurzelbedeutung (Tiefseufzen, Erleichterung) ernst genommen, aber in gutes Deutsch übertragen, damit es nicht missverstanden wird als „Gott bereut, dass er richtet“, sondern:
Er erfährt „Erleichterung“ dadurch, dass sein Gericht seiner Heiligkeit entspricht.


4. Einige Schlüsselstellen – Elberfelder-Entscheidung im Detail

4.1 1. Samuel 15 (Saul)

Das ist eine bewusste Übersetzungsstrategie:
Die Elberfelder will die Spannung der Schrift nicht glätten, sondern sichtbar machen.


4.2 Jona 3–4 (Ninive)

Auch hier wieder das feste „gereuen“, um deutlich zu machen:

Würde man einfach „erbarmen“ schreiben, ginge der Link zu Num 23,19 / 1Sam 15,29 verloren.


4.3 Psalm 110,4

Konsequent:
Dasselbe deutsche Wort „gereuen“, aber hier mit Negation, um festzuhalten:

Die Elberfelder hält damit eine theologische Linie im Wortgebrauch quer durch das AT.


5. Bewertung der Übersetzungspolitik der Elberfelder 1905

Kurz zusammengefasst:

  1. Hohe Worttreue:

  2. Kontextsensibel:

  3. Theologische Ehrlichkeit:

  4. Heutiges Sprachgefühl: