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00690 Johannes 20,5–7 – leinenen Tücher & Schweißtuch

In der Stille des leeren Grabes sprechen die geordnet liegenden Leinentücher
und das sorgsam zusammengelegte Schweisstuch eine tief bewegende Sprache:
Christus ist nicht gestohlen – Er ist souverän auferstanden.
Diese kleinen, unscheinbaren Zeichen offenbaren die Gröse seines Sieges
und stärken den Glauben derer, die sehen und glauben dürfen.

V. 5 – „…sieht er die leinenen Tücher liegen; doch ging er nicht hinein.“

1. „Vornüberbückend“ – Ehrfurcht und Zurückhaltung
Johannes ist schneller beim Grab, aber er geht nicht hinein.
Das bückt sich zeigt:

2. „Sieht … liegen“ – Das erste Zeichen
Das griechische Wort βλέπει bedeutet: „einen ersten, schnellen Blick werfen“.
Johannes sieht die leinene Tücher „liegen“ (κεῖμενα), geordnet, nicht wie eine hastige Entfernung.

Heilsgeschichtlich: Der Zustand der Tücher ist der erste Hinweis, dass kein Grabraub stattfand. Ein Leichnam würde nicht ausgewickelt und nackt fortgetragen – und Räuber würden keine Zeit auf sorgfältiges Platzieren der Tücher verwenden.


V. 6 – „Da kommt Simon Petrus … und ging hinein in die Gruft und sieht die leinenen Tücher liegen“

1. Petrus – der Impulsive
Petrus läuft ebenfalls, kommt später an, aber geht sofort hinein – typisch für seinen Charakter (vgl. Matt 14,28; Joh 18,10).
Johannes überlässt ihm als dem „Erstgerufenen“ den Vortritt → Anerkennung göttlicher Ordnung trotz eigener Schnelligkeit.

2. Das zweite „sehen“ – θεωρεῖ
Petrus „betrachtet“ (θεωρεῖ) die Tücher:

Geistliche Bedeutung: Die Auferstehung Jesu ist kein chaotischer Vorgang, sondern ein souveränes Werk Gottes. Christus ist durch die Tücher hindurchgegangen wie später durch verschlossene Türen (Joh 20,19).


V. 7 – „… und das Schweißtuch … nicht bei den leinenen Tüchern … sondern besonders zusammengewickelt“

1. Das Schweißtuch (σουδάριον)
Dies war das Tuch, das man dem Toten um Kopf und Kinn band (vgl. Joh 11,44 bei Lazarus).
Johannes bemerkt, dass es ordentlich zusammengelegt war, getrennt von den übrigen Tüchern.

2. Warum hebt Johannes dieses Detail hervor?

a) Ausschluss eines Leichenraubs

Ein Räuber würde nicht:

Die Ordnung im Grab widerspricht völlig jeder menschlichen Handlung.

👉 Christus ist nicht entwendet – Er ist auferstanden.

b) Hinweis auf göttliche Souveränität

Das sorgfältig zusammengelegte Tuch zeigt:

c) Typologische Tiefe

Der alte Zustand (Leichentücher) bleibt zurück; der Auferstandene betritt eine völlig neue Ordnung.
Römer 6: Wir sind „mit Ihm begraben … damit wir in Neuheit des Lebens wandeln“.
Symbolik: Das zusammengelegte Schweißtuch zeigt, dass der Tod keine Macht mehr hat; Christus lässt die Zeichen des Todes geordnet zurück.

d) Glaubenserweckung für Johannes

V. 8 sagt: „… und er sah und glaubte.“
Was sah er?
Nicht den Auferstandenen selbst – sondern die Zeugen seiner Auferstehung: die geordneten Tücher.
Damit wird ein Prinzip klar:
→ Der Glaube stützt sich auf die Zeichen Gottes, selbst wenn der Herr unsichtbar ist.


Warum widmet Johannes diesem Detail ganze DREI Verse?

  1. Es ist das erste objektive Zeichen der Auferstehung.
    Vor dem Erscheinen Jesu gab es Beweise – Spuren seines Sieges über den Tod.

  2. Es widerlegt alle späteren Lügen der Priester („Seine Jünger haben ihn gestohlen“ – Matt 28,13).
    Diese Verse zerstören die Diebstahl-Theorie gründlich.

  3. Es zeigt das Wesen der Auferstehung:
    Nicht wie die Auferweckung des Lazarus (der in Leinen wieder herauskam),
    sondern eine göttliche, vollendete, kraftvolle Auferstehung, bei der der Herr das Grab durchschritt.

  4. Es offenbart den Charakter der beiden Apostel:

  5. Es zeigt die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses.
    Kleine, scheinbar nebensächliche Details – wie ein zusammengelegtes Tuch – sind typisch für Augenzeugenberichte.
    Johannes bezeugt: Ich war wirklich dort, ich habe es gesehen.

Diese drei Verse bilden die Brücke zwischen dem leeren Grab und der Erscheinung des Auferstandenen.
Sie zeigen: Die Auferstehung ist eine historische, überprüfbare Tatsache und zugleich ein tiefes geistliches Geheimnis.


🕊️ Ethische Anwendungen


🕊️ Heilsgeschichtliche Bedeutung

  1. Die alte Schöpfung bleibt im Grab – die neue beginnt.
    Christus steht auf als „Erstling der Entschlafenen“ (1Kor 15,20).

  2. Die Ordnung im Grab weist auf das ewige Priestertum Christi.
    Das zusammengefaltete Tuch erinnert an den Hohepriester, der sein Werk vollendet hat und nun für immer lebt, um für uns einzutreten (Hebr 7,25).

  3. Der leere Platz zwischen den Tüchern weist auf das Geheimnis seiner Person.
    Der Leib ist nicht weggenommen, sondern verwandelt.
    Das ist die Grundlage unserer Hoffnung: „Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.“ (Joh 14,19)


📌 Zusammenfassung

Joh 20,5–7 ist kein Nebendetail – es ist ein Schlüsseltext der Auferstehungstheologie.
Er zeigt uns: