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00714  Was waren in Johannes Kapitel 11 das Synedrium?


Im Johannesevangelium, Kapitel 11, bezeichnet „das Synedrium“ (oder Sanhedrin) die höchste jüdische religiöse und rechtliche Instanz zur Zeit des Herrn Jesus.

Hier ist eine klare und kompakte Erklärung, die sich direkt auf Johannes 11 bezieht:


📘 Was war das Synedrium in Johannes 11?

1. Das Synedrium – der Hohe Rat Israels

Das Synedrium (gr. συνέδριον = „Ratssitzung, Versammlung“) war der oberste jüdische Gerichtshof.
Es bestand traditionell aus 71 Mitgliedern:

Es entschied über religiöse Fragen, Gesetzesauslegung und in manchen Fällen auch über politische Angelegenheiten—sofern die Römer dies zuließen.


2. Der Zusammenhang in Johannes 11

Nach der Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1–44) beriefen die religiösen Führer den Hohen Rat ein:

„Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Rat …“ (Joh 11,47)

Warum wurde der Rat einberufen?

Die Zeichen Jesu wurden so eindeutig, dass sogar seine Gegner zugaben:

„Er tut viele Zeichen.“ (Joh 11,47)

Der Rat befürchtete:

Der Hohepriester Kaiphas deutet diese Sorge politisch-religiös:

„Es ist besser für euch, dass ein Mensch für das Volk stirbt …“ (Joh 11,50)

Johannes erklärt, dass Kaiphas unwissentlich prophetisch redete:
Jesus würde „für das Volk sterben“ und damit auch „die zerstreuten Kinder Gottes“ sammeln (Joh 11,51–52).


3. Die Bedeutung des Synedriums in Johannes 11

Das Synedrium tritt hier als offizielle Repräsentanz Israels auf – jedoch in Unglauben und Verblendung:

Diese Entscheidung ist ein Wendepunkt im Johannesevangelium:

„Von jenem Tag an ratschlagten sie, ihn zu töten.“

Damit beginnt die bewusste Ablehnung des Messias durch die religiöse Führung Israels.


4. Kurzdefinition

Synedrium = der Hohe Rat Israels, das oberste jüdische Gremium aus Hohenpriestern, Pharisäern und Schriftgelehrten, das in Joh 11 offiziell beschließt, Jesus zu töten – ausgelöst durch die Auferweckung des Lazarus.

eine präzise, theologisch fundierte und sprachlich sorgfältige Vers-für-Vers-Auslegung von Johannes 11,45–57.
Der Schwerpunkt liegt auf Textgenauigkeit, heilsgeschichtlicher Einordnung, griechischen Begriffen, sowie dem dramatischen Wendepunkt, den dieser Abschnitt darstellt.


📖 Johannes 11,45–57 – Vers-für-Vers-Auslegung

V. 45 – Viele glauben wegen des Zeichens

„Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was er getan hatte, glaubten an ihn.“

Die Auferweckung des Lazarus ist ein unumstößliches Zeichen (σημεῖον), das viele der anwesenden Juden zur Glaubensentscheidung führt.
Johannes zeigt: echte Begegnung mit der Herrlichkeit Christi (V. 40) führt zum Glauben. Das Wunder erfüllt seinen Zweck.


V. 46 – Andere verraten Jesus

„Etliche aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte.“

Ein bewusster Kontrast: Glauben vs. Ablehnung.
Statt sich dem Wunder zu beugen, laufen einige zu Jesu Gegnern.
Dies zeigt ein Grundthema des Johannesevangeliums:

Das Licht scheint, aber die Finsternis weicht nicht (Joh 1,5).

Diese Meldung ist der Auslöser für die Ratsversammlung.


V. 47 – Der Hohe Rat erkennt das Wunder an – aber lehnt ab

„Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Rat und sagten: Was tun wir? Denn dieser Mensch tut viele Zeichen.“

Bedeutend ist die ungewollte Bestätigung:
Sie geben die Echtheit der Zeichen zu!
Nicht mangelnde Information, sondern Herzenshärtung hält sie vom Glauben ab.

Das Synedrium vereint hier seltene Gegner: Pharisäer (dauerhaft religiös) und Sadduzäer (politisch-priesterlich).
Die Auferweckung bedroht beide.


V. 48 – Politische Angst ersetzt Gottesfurcht

„Wenn wir ihn so lassen, werden alle an ihn glauben; und die Römer werden kommen und uns sowohl die Stätte als auch die Nation wegnehmen.“

„Die Stätte“ = der Tempelbereich, ihr religiöses Machtzentrum.
Sie befürchten eine messianische Volksbewegung, die römische Repression auslösen könnte.

Ironie:


V. 49 – Kaiphas erhebt sich

„Einer aber aus ihnen, Kaiphas, der jenes Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen …“

Kaiphas war Hoherpriester von 18–36 n. Chr.
Er spricht mit typischem Sadduzäer-Pragmatismus, politisch-kalkulierend.

Johannes betont „jenes Jahr“ – das Jahr, in dem das wahre Opfer gebracht werden würde.


V. 50 – Das zynische Todesargument

„… es ist nützlich für euch, dass ein Mensch für das Volk sterbe und nicht die ganze Nation umkomme.“

Kaiphas meint:
„Besser ein Opfer (Jesus), als dass die Römer uns alle zerstören.“

Er denkt politisch, nicht geistlich.
Aber Gott gebraucht sogar seine Zynik zum prophetischen Wort.


V. 51–52 – Unbewusste Prophetie über das stellvertretende Opfer

„Dies aber sagte er nicht aus sich selbst, sondern … weissagte … dass Jesus sterben sollte für die Nation; und nicht für die Nation allein, sondern damit er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte.“

Johannes sieht darin eine theologische Tiefe:

Was Kaiphas politisch meint, erfüllt Gott geistlich:

  1. Jesus stirbt stellvertretend („für die Nation“) – Israel steht repräsentativ.

  2. Nicht für Israel allein – Ausblick auf die Heiden (Joh 10,16: „andere Schafe“).

  3. Versammlung der Kinder Gottes – Hinweis auf die Gemeinde (Eph 1,10; 2,14–18).

Kaiphas sagt unbewusst das Evangelium:

Der Tod Christi ist Gottes Weg zur Sammlung.


V. 53 – Der offizielle Beschluss des Synedriums

„Von jenem Tag an beratschlagten sie, ihn zu töten.“

Dies ist der juridische Wendepunkt:
Nicht mehr spontane Feindschaft, sondern organisierte, institutionelle Tötungsabsicht.

Damit erfüllt sich die Entwicklung von Joh 5,18; 7,1; 8,59.


V. 54 – Jesus zieht sich zurück

„Jesus nun ging nicht mehr öffentlich unter den Juden umher …“

Weil seine „Stunde“ noch nicht gekommen ist (Joh 7,30; 8,20).
Er geht nach Ephraim, in die stille Region nördlich von Jerusalem – eine Phase der Zurückgezogenheit.

Göttliche Souveränität:

Niemand kann den Sohn Gottes ergreifen, bevor der Vater die Stunde bestimmt.


V. 55 – Die Passahvorbereitung beginnt

„Es war aber nahe das Passah der Juden …“

Johannes zeigt den heilsgeschichtlichen Rahmen:
Jesus, das wahre Passahlamm (1 Kor 5,7), geht dem Opfer entgegen.

Die Pilger reinigen sich rituell (vgl. 2Chr 30,17–20) –
doch die religiösen Führer planen einen Mord.


V. 56 – Die gespannte Erwartung in Jerusalem

„Sie suchten nun Jesus … Was meint ihr? daß er nicht zu dem Fest kommen würde?“

Ganz Jerusalem ist in Erwartung.
Die Wirkung der Zeichen, der Konflikt mit der Führung – alles konzentriert sich auf das Passahfest.

„Suchen“ zeigt:
Jesus ist Gesprächsthema Nr. 1, aber viele suchen ihn nicht im Glauben.


V. 57 – Der öffentliche Haftbefehl

„Die Hohenpriester und Pharisäer hatten Befehl gegeben, dass, wenn jemand wisse, wo er sei, er es anzeigen solle …“

Ein offizieller Beschluss mit politischer Tragweite.
Die Führung Israels hat sich endgültig positioniert:
Sie fordert die Bevölkerung zur Denunziation Jesu auf.

Damit ist der Weg zum Kreuz juristisch vorbereitet.


🔍 Zusammenfassung der theologischen Hauptlinien

1. Zwei Reaktionen auf die Offenbarung Christi

2. Der Rat erkennt Jesu Zeichen an – und lehnt ihn dennoch ab

Die größte Tragik geistlicher Blindheit.

3. Kaiphas als ungewollter Prophet

Sein politisches Kalkül wird zu einem Evangeliumssatz:

„Ein Mensch stirbt für das Volk.“

4. Die Sammlung der Kinder Gottes

Schon in Joh 11 wird das globale Erlösungswerk angedeutet.

5. Die Stunde des Passahlammes rückt näher

Johannes ordnet das Geschehen in den Heilsplan Gottes ein.