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die Frage nach den Handschriften, die Erasmus von Rotterdam für seine Ausgabe des griechischen Neuen Testaments (1516) – Grundlage des später so genannten Textus Receptus – zur Verfügung standen, ist gut dokumentiert und zugleich ernüchternd, was deren Umfang betrifft.
Ich gebe dir eine präzise, quellennahe Übersicht, mit Einordnung.
Erasmus hatte
keinen Zugang zu alten Majuskeln
(Unzialhandschriften) und keine
vollständige Handschrift des Neuen Testaments.
Er arbeitete mit wenigen, relativ späten
Minuskeln, alle aus dem
byzantinischen Texttyp, und stand zudem unter erheblichem
Zeitdruck (Drucktermin Basel
1516).
👉 Sein Ziel war nicht eine textkritische Rekonstruktion im modernen Sinn, sondern eine druckfähige griechische Ausgabe parallel zur lateinischen Vulgata.
Minuskeln:
Minuscule 1 (Gregory-Aland 1)
12. Jh.
Evangelien (mit Randnotizen)
Hauptquelle für die Evangelien
Minuscule 2e (Gregory-Aland 2)
15. Jh.
Evangelien
Ergänzende Vergleichshandschrift
Minuscule 2 (Gregory-Aland 2)
12. Jh.
Apostelgeschichte
Katholische Briefe
Paulusbriefe
Minuscule 4ap (Gregory-Aland 4)
15. Jh.
Apostelgeschichte und Briefe
Sekundäre Quelle
Hier lag das größte Problem.
Minuscule 1r (Gregory-Aland 2814)
12. Jh.
Offenbarung
Unvollständig: Die letzten 6 Verse (Offb 22,16–21) fehlten
👉
Erasmus übersetzte diese fehlenden
Verse eigenständig aus der lateinischen Vulgata zurück ins Griechische.
Das ist textgeschichtlich hochbedeutsam.
Insgesamt: ca. 6–7 Handschriften
Alle:
spät (12.–15. Jh.)
byzantinischer Texttyp
regional begrenzt
👉 Zum Vergleich: Heute sind über 5800 griechische NT-Handschriften bekannt.
Besonders bekannt:
Offenbarung 22,16–21
einzelne Lesarten, die nirgendwo sonst griechisch bezeugt sind
Beispiel:
βιβλίῳ τῆς ζωῆς („Buch des Lebens“) in Offb 22,19
statt:
ξύλου τῆς ζωῆς („Baum des Lebens“)
→ eindeutig aus der Vulgata (libro
vitae) rückübersetzt
Erasmus’ Text →
Stephanus (Estienne) →
Beza →
Elzevir-Ausgabe 1633 („Textus receptus ab omnibus receptus“)
👉 Der Textus Receptus ist also keine einheitliche antike Textform, sondern das Ergebnis mehrerer Drucktraditionen, deren Ausgangspunkt Erasmus war.
Gerade für bibeltreue Auslegung (die dir wichtig ist):
Die Lehraussagen des NT stehen nicht auf dem Spiel
Keine christliche Hauptlehre hängt allein an einer Erasmus-Lesart
Aber:
Der TR ist nicht identisch mit „dem byzantinischen Text“
und schon gar nicht mit „dem ursprünglichen Text“
Das wussten übrigens auch die Reformatoren selbst – Luther, Calvin und Beza äußerten sich differenziert dazu.
| Punkt | Befund |
|---|---|
| Anzahl Handschriften | ca. 6–7 |
| Alter | 12.–15. Jahrhundert |
| Texttyp | Byzantinisch |
| Offenbarung | unvollständig, Rückübersetzung |
| Ziel Erasmus | schneller Druck, nicht Textkritik |
| Bedeutung | Ausgangspunkt des TR, nicht Endmaßstab |
Inhalt:
Die Begebenheit von der Frau, die im Ehebruch ergriffen wurde („Wer unter euch
ohne Sünde ist …“).
Status:
➡️ In der Elberfelder 1905
enthalten
➡️ In modernen Ausgaben meist in eckigen
Klammern oder mit Fußnote
𝔓66, 𝔓75 (2.–3. Jh.)
Codex Sinaiticus (א)
Codex Vaticanus (B)
Codex Alexandrinus (A) (im Johannesevangelium)
fast allen frühen Majuskeln
frühen syrischen und koptischen Übersetzungen
ab dem 5. Jahrhundert
in späten byzantinischen Minuskeln
an verschiedenen Stellen:
nach Joh 7,52
nach Joh 7,36
nach Joh 21,25
einmal sogar im Lukasevangelium (nach Lk 21,38)
👉 Das zeigt: keinen festen Überlieferungsort
Wortschatz und Stil weichen deutlich von Johannes ab
eher synoptisch / lukasisch
keine johanneische Dualistik (Licht/Finsternis, Wahrheit/Lüge)
Sehr wahrscheinlich:
echte Jesusüberlieferung
früh bekannt (Papias deutet sie an)
bewusst nicht in den fortlaufenden Text aufgenommen, evtl. aus:
Disziplinarischen Gründen
Missbrauchsgefahr
➡️
historisch glaubwürdig,
➡️ textlich sekundär
Keine neue Lehre
Keine Relativierung von Sünde
Kein Widerspruch zum NT
👉 Erbauend – aber nicht textlich ursprünglich
TR / Luther / Elberfelder 1905:
„Denn drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins.“
➡️ Der einzige explizit trinitarische Satz dieser Form im NT.
allen griechischen Handschriften vor dem 14. Jh.
𝔓-Papyri
Sinaiticus, Vaticanus, Alexandrinus
allen alten Übersetzungen (syrisch, koptisch, äthiopisch)
zuerst in lateinischen Randglossen
später in der Vulgata-Tradition
eine einzige sehr späte griechische Handschrift (16. Jh.), offensichtlich rückübersetzt
👉 Erasmus nahm den Satz erst ab der 3. Auflage (1522) auf – unter massivem kirchlichen Druck.
Ursprung: lateinische dogmatische Glosse
zur Trinitätsabwehr gegen Arianer
später in den Text eingewandert
➡️ keine griechische Ursprungslesart
Wichtig:
Die Trinität steht vollkommen unabhängig davon fest
Mt 28,19
Joh 1,1
Joh 10,30
2Kor 13,13
Keine Lehre fällt, wenn dieser Satz fehlt
👉 Dogmatisch richtig – textlich unecht
Problem:
Erasmus’ einzige
Offenbarungshandschrift (GA 2814)
👉 fehlte ab Offb 22,16
Lösung:
➡️ Erasmus übersetzte den lateinischen
Vulgata-Text zurück ins Griechische
TR (Erasmus):
„… aus dem Buch des Lebens“
Alle griechischen Handschriften:
„… aus dem Baum des Lebens (ξύλου τῆς ζωῆς)“
👉 klarer Rückübersetzungsfehler aus libro vitae
Weitere:
Wortstellungen
Singular/Plural-Verschiebungen
stilistisch unjohanneisch
Über 300 griechische Offenbarungshandschriften
keine stützt Erasmus’ Sonderlesarten
Keine Lehre betroffen
Ernst der Warnung bleibt vollständig
Textkritisch eindeutig sekundär
| Stelle | Historisch | Textlich ursprünglich | Theologisch problematisch |
|---|---|---|---|
| Joh 7,53–8,11 | sehr wahrscheinlich | ❌ | ❌ |
| 1Joh 5,7 | nein | ❌ | ❌ |
| Offb 22,16–21 | ja (Inhalt) | ❌ (Form) | ❌ |
Der Glaube ruht nicht auf einer Drucktradition, sondern auf der Gesamtheit des göttlich bewahrten Zeugnisses.
Kein Dogma hängt an diesen Stellen
Der Herr hat sein Wort bewahrt
Textkritik ist kein Angriff, sondern ein Dienst an der Genauigkeit
Unterschied zwischen Textus Receptus
(TR), Mehrheitstext (Byzantinischer Text) und Nestle-Aland (kritischer Text)
klar, nüchtern und bibeltreu
| Merkmal | Textus Receptus (TR) | Mehrheitstext (MT) | Nestle-Aland (NA28) |
|---|---|---|---|
| Entstehung | 1516–1633 | ab ca. 4.–15. Jh. bezeugt | 19.–21. Jh. |
| Grundlage | wenige Minuskeln + Drucktradition | Mehrheit der griechischen Handschriften | ausgewählte frühe Handschriften |
| Anzahl MSS | ca. 6–7 | > 80 % aller MSS | ca. 60–80 Schlüsselzeugen |
| Texttyp | überwiegend byzantinisch | byzantinisch | überwiegend alexandrinisch |
| Methode | pragmatisch / druckbedingt | statistisch (Mehrheitsprinzip) | textkritisch (Qualität vor Quantität) |
| Ziel | Lesbarer Drucktext | rekonstruierter kirchlicher Gebrauchstext | möglichst ursprünglicher Wortlaut |
Kein antiker Text
Keine Handschrift
Sondern eine Drucktradition, beginnend mit:
Erasmus (1516)
Stephanus
Beza
Elzevir (1633)
👉 Der Name Textus Receptus ist Werbesprache, kein Qualitätsurteil.
✔ prägte Reformation & Bibelübersetzungen
✔ jahrhundertelanger kirchlicher Gebrauch
✔ klare, flüssige Lesbarkeit
✔ theologisch vollständig
✖ extrem schmale Handschriftenbasis
✖ Rückübersetzungen aus dem Lateinischen
✖ Einzel- und Sonderlesarten
✖ nicht identisch mit dem byzantinischen Text
Wichtig:
👉 Der TR ist kein Maßstab,
sondern ein historisches Ergebnis.
Rekonstruktion dessen,
was in der Mehrheit der
griechischen Handschriften steht
ca. 85–90 % aller NT-MSS
vor allem:
Minuskeln
Lectionare
kirchlicher Gebrauchstext
Vertreter:
Hodges/Farstad
Robinson/Pierpont
✔ massive Überlieferungsbreite
✔ geographisch weit verbreitet
✔ liturgisch bewährt
✔ textlich stabil
👉 Wahrscheinlich der Text, den die Ostkirche über Jahrhunderte las
✖ überwiegend spätere Zeugen
✖ Mehrheitsprinzip ≠ Ursprünglichkeit
✖ Glättungen & Harmonisierung möglich
Merksatz:
Mehrheit garantiert Bewahrung – nicht automatisch Originalität.
wissenschaftliche Rekonstruktion
Ziel: möglichst ursprünglicher Wortlaut
Gewichtung:
Alter
Qualität
Unabhängigkeit
geographische Streuung
Hauptzeugen:
𝔓66, 𝔓75
Codex Vaticanus (B)
Codex Sinaiticus (א)
✔ sehr frühe Zeugnisse (2.–4. Jh.)
✔ transparente Variantenangaben
✔ methodisch überprüfbar
✔ internationaler Standard
✖ kleinere Textbasis
✖ starke Gewichtung alexandrinischer Zeugen
✖ für Laien schwer zugänglich
✖ nicht frei von methodischen Entscheidungen
👉 Kein „Unglaubens-Text“, sondern ein Forschungsinstrument
Christologie
Trinität
Sühne
Auferstehung
Rechtfertigung
➡️ stehen in allen drei Textformen fest
Wortstellung
Artikel
Synonyme
Einschübe / Auslassungen
Parallelharmonisierungen
👉 Sinn bleibt – Nuance variiert
Sehr wichtig, Hanspeter:
TR ≠ Mehrheitstext
TR ⊂ byzantinische Tradition (unvollständig)
NA ≠ „neuer Text“, sondern Auswahl alter Zeugen
TR = ein historischer Druck
MT = das kirchliche Gedächtnis
NA = das textkritische Mikroskop
Gott hat nicht einen perfekten Druck bewahrt, sondern ein vollkommen ausreichendes Zeugnis.
Man kann:
mit dem TR predigen
mit dem Mehrheitstext vertrauen
mit dem NA-Text forschen
👉
ohne den Glauben zu gefährden
theologisch nüchterne, bibeltreue Gesamtbewertung der Textfrage ohne Frontenbildung, aber mit klaren Linien aus der Schrift selbst.
Ich gliedere bewusst heilsgeschichtlich, biblisch-theologisch und seelsorgerlich.
Die Bibel bezeugt eindeutig:
Jesaja 40,8 – „Das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit“
Psalm 12,7–8 – Bewahrung der Worte Jehovas
Matthäus 24,35 – „Meine Worte werden nicht vergehen“
1. Petrus 1,25
👉 Gott verheißt Bewahrung, nicht:
eine bestimmte Handschrift
einen perfekten Druck
eine fehlerlose Edition
Bewahrung ≠ Uniformität
Schon im AT:
mehrere Texttraditionen (Masoretisch / LXX / Samaritanisch)
trotzdem ein Wort Gottes
Im NT:
Abschreiben durch Menschen
lokale Textformen
frühe Varianten
👉 Gott wirkt durch Geschichte, nicht außerhalb von ihr.
Textkritik fragt:
Was hat der Apostel ursprünglich geschrieben?
Bibelkritik fragt:
Hat Gott überhaupt gesprochen?
➡️ Zwei völlig verschiedene Ebenen.
Die ersten Textkritiker waren:
Origenes
Hieronymus
Reformatoren
👉 Textkritik ist kein modernes Unglaubensprodukt, sondern altkirchliche Praxis.
Über 99 % der Varianten:
betreffen keine Lehre
sind leicht erklärbar
Die wenigen großen Varianten:
sind offen sichtbar
transparent markiert
theologisch neutral
👉 Gott hat nichts verborgen, was zum Heil nötig ist.
✔ historisch gesegnet
✔ reformatorische Verkündigung
✔ geistlich tragfähig
✖ keine Verheißung exklusiver Bewahrung
✖ textgeschichtlich begrenzt
✖ nicht identisch mit dem Urtext
Bibeltreue Schlussfolgerung:
Der TR ist verlässlich, aber nicht normativ.
✔ massive Überlieferung
✔ kirchlicher Gebrauch
✔ Stabilität
✖ Mehrheit ≠ Ursprünglichkeit
✖ Glättungen möglich
Bibeltreue Schlussfolgerung:
Der Mehrheitstext ist ein starkes Zeugnis der Bewahrung, aber kein absoluter Maßstab.
✔ sehr frühe Zeugen
✔ methodische Transparenz
✔ Offenlegung aller Varianten
✖ methodische Gewichtungen
✖ Entscheidungen bleiben menschlich
Bibeltreue Schlussfolgerung:
Der kritische Text ist kein Angriff auf die Schrift, sondern ein Versuch, dem ursprünglichen Wort möglichst nahe zu kommen.
2. Timotheus 3,16 spricht von der Eingebung
nicht von Abschriften oder Editionen
👉 Deshalb ist die Frage nach dem ursprünglichen Wort legitim und notwendig.
Nicht:
jede einzelne Buchstabenform
Sondern:
die Lehre
den Heilsweg
die Person Christi
👉 Und genau das sehen wir.
Kein Dogma ist textlich unsicher
Kein Gläubiger ist auf Spezialwissen angewiesen
Keine Gemeinde braucht eine „Elite-Ausgabe“
👉 Das Evangelium ist klar, unabhängig vom Texttyp.
historisch nicht haltbar
biblisch nicht begründbar
führt zur Verengung des Schriftbegriffs
Gott hat gesprochen
Gott hat bewahrt
Gott hat gehandelt
👉 Varianten ≠ Beliebigkeit
Empfehlung für bibeltreue Arbeit:
Lesen: bewährte Übersetzung (Elberfelder, Schlachter)
Studieren: Varianten kennen, nicht fürchten
Lehren: Christus im Zentrum
Bewerten: Textfragen demütig behandeln
Nicht der perfekte Text rettet – sondern der vollkommene Christus.
Die Schrift ist zuverlässig, klar und ausreichend – trotz menschlicher Überlieferung, nicht wegen ihrer Abwesenheit.
Das ist keine Schwächung des Glaubens,
sondern seine Erdung in der
Wirklichkeit, in der Gott selbst gehandelt hat.
theologisch nüchterne, bibeltreue Gesamtbewertung der Textfrage ohne Frontenbildung, aber mit klaren Linien aus der Schrift selbst.
Ich gliedere bewusst heilsgeschichtlich, biblisch-theologisch und seelsorgerlich.
1. Ausgangspunkt: Was verheißt die Schrift – und was nicht?
1.1 Verheißung der Bewahrung
Die Bibel bezeugt eindeutig:
Jesaja 40,8 – „Das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit“
Psalm 12,7–8 – Bewahrung der Worte Jehovas
Matthäus 24,35 – „Meine Worte werden nicht vergehen“
1. Petrus 1,25
👉 Gott verheißt Bewahrung, nicht:
eine bestimmte Handschrift
einen perfekten Druck
eine fehlerlose Edition
Bewahrung ≠ Uniformität
1.2 Biblische Realität: Abschreiben & Vielfalt
Schon im AT:
mehrere Texttraditionen (Masoretisch / LXX / Samaritanisch)
trotzdem ein Wort Gottes
Im NT:
Abschreiben durch Menschen
lokale Textformen
frühe Varianten
👉 Gott wirkt durch Geschichte, nicht außerhalb von ihr.
2. Textkritik: Feind oder Werkzeug?
2.1 Textkritik ist nicht Bibelkritik
Textkritik fragt:
Was hat der Apostel ursprünglich geschrieben?
Bibelkritik fragt:
Hat Gott überhaupt gesprochen?
➡️ Zwei völlig verschiedene Ebenen.
Die ersten Textkritiker waren:
Origenes
Hieronymus
Reformatoren
👉 Textkritik ist kein modernes Unglaubensprodukt, sondern altkirchliche Praxis.
2.2 Warum Varianten kein Problem sind
Über 99 % der Varianten:
betreffen keine Lehre
sind leicht erklärbar
Die wenigen großen Varianten:
sind offen sichtbar
transparent markiert
theologisch neutral
👉 Gott hat nichts verborgen, was zum Heil nötig ist.
3. Bewertung der drei Textformen aus bibeltreuer Sicht
3.1 Textus Receptus (TR)
Positiv
✔ historisch gesegnet
✔ reformatorische Verkündigung
✔ geistlich tragfähig
Nüchtern
✖ keine Verheißung exklusiver Bewahrung
✖ textgeschichtlich begrenzt
✖ nicht identisch mit dem Urtext
Bibeltreue Schlussfolgerung:
Der TR ist verlässlich, aber nicht normativ.
3.2 Mehrheitstext (Byzantinisch)
Positiv
✔ massive Überlieferung
✔ kirchlicher Gebrauch
✔ Stabilität
Nüchtern
✖ Mehrheit ≠ Ursprünglichkeit
✖ Glättungen möglich
Bibeltreue Schlussfolgerung:
Der Mehrheitstext ist ein starkes Zeugnis der Bewahrung, aber kein absoluter Maßstab.
3.3 Kritischer Text (Nestle-Aland)
Positiv
✔ sehr frühe Zeugen
✔ methodische Transparenz
✔ Offenlegung aller Varianten
Nüchtern
✖ methodische Gewichtungen
✖ Entscheidungen bleiben menschlich
Bibeltreue Schlussfolgerung:
Der kritische Text ist kein Angriff auf die Schrift, sondern ein Versuch, dem ursprünglichen Wort möglichst nahe zu kommen.
4. Zentrale bibeltreue Leitlinien
4.1 Die Inspiration betrifft den Urtext
2. Timotheus 3,16 spricht von der Eingebung
nicht von Abschriften oder Editionen
👉 Deshalb ist die Frage nach dem ursprünglichen Wort legitim und notwendig.
4.2 Die Bewahrung betrifft das Zeugnis
Nicht:
jede einzelne Buchstabenform
Sondern:
die Lehre
den Heilsweg
die Person Christi
👉 Und genau das sehen wir.
4.3 Gott hat Vielfalt zugelassen – nicht Verwirrung
Kein Dogma ist textlich unsicher
Kein Gläubiger ist auf Spezialwissen angewiesen
Keine Gemeinde braucht eine „Elite-Ausgabe“
👉 Das Evangelium ist klar, unabhängig vom Texttyp.
5. Klare Abgrenzung zu Extremen
5.1 Gegen KJV-only / TR-only
historisch nicht haltbar
biblisch nicht begründbar
führt zur Verengung des Schriftbegriffs
5.2 Gegen skeptischen Textrelativismus
Gott hat gesprochen
Gott hat bewahrt
Gott hat gehandelt
👉 Varianten ≠ Beliebigkeit
6. Praktische Konsequenz für Bibelstunde & Lehre
Empfehlung für bibeltreue Arbeit:
Lesen: bewährte Übersetzung (Elberfelder, Schlachter)
Studieren: Varianten kennen, nicht fürchten
Lehren: Christus im Zentrum
Bewerten: Textfragen demütig behandeln
Nicht der perfekte Text rettet – sondern der vollkommene Christus.
7. Schlusswort
Die Schrift ist zuverlässig, klar und ausreichend – trotz menschlicher Überlieferung, nicht wegen ihrer Abwesenheit.
Das ist keine Schwächung des Glaubens, sondern seine Erdung in der Wirklichkeit, in der Gott selbst gehandelt hat.