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00758 Reihenfolge beim Brotbrechen 1. Kor 10.16



Abgrenzung zum sakramentalen Denken

Das Mahl des Herrn ist kein sakramentaler Gnadenakt, sondern eine heilige Antwort des Glaubens auf ein ein für allemal vollbrachtes Erlösungswerk.
Weder Brot noch Kelch vermitteln Gnade an sich, sondern bezeugen eine bereits bestehende Gemeinschaft mit Christus, gegründet allein auf sein vergossenes Blut.

Der Apostel Paulus unterscheidet klar zwischen Gemeinschaft (1. Korinther 10) und Gedächtnis (1. Korinther 11):
In Kapitel 10 geht es um die geistliche Realität der Zugehörigkeit – mit wem wir Gemeinschaft haben und wovon wir uns absondern müssen.
In Kapitel 11 steht das würdige Gedenken des Herrn im Mittelpunkt, verbunden mit Selbstprüfung, Verantwortung und geistlichem Ernst.

Sakramentales Denken verschiebt den Blick vom Kreuz zur Handlung und gefährdet damit die Gewissheit des vollbrachten Heils.
Die Schrift hingegen betont: Nicht durch Teilnahme am Mahl wird Gemeinschaft geschaffen, sondern weil Gemeinschaft besteht, nehmen Gläubige teil.

So wird das Brotbrechen zu dem, was es nach der Schrift ist:
ein Ausdruck der Einheit des Leibes,
eine Verkündigung des Todes des Herrn,
ein Bekenntnis zu seiner Erlösung
und ein heiliger Akt der Anbetung –
nicht als Mittel zur Gnade, sondern als Antwort auf Gnade.


Die Reihenfolge in 1. Korinther 10,16 ist bewusst gewählt und theologisch bedeutsam, ohne dass sie eine liturgische Vorschrift für uns begründet.

1. Die beiden Texte nebeneinander (Elberfelder 1905)

Matthäus 26,26–27

„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, segnete es, brach es und gab es den Jüngern …
Und er nahm den Kelch und dankte …“

👉 Brot → Kelch
= historischer Ablauf beim letzten Passahmahl


1. Korinther 10,16

„Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus?
Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus?“

👉 Kelch → Brot
= lehrmäßige Darstellung (nicht Abendmahlsbericht!)


2. Warum beginnt Paulus mit dem Kelch?

a) Paulus beschreibt hier keine Feier, sondern eine geistliche Wirklichkeit

Der Zusammenhang von 1. Kor 10 ist keine Einsetzungslehre, sondern:

V. 16–21:
Gemeinschaft mit Christus ↔ Gemeinschaft mit Dämonen (Unvereinbarkeit!)

👉 Paulus argumentiert von innen nach außen, nicht chronologisch.


b) Der Kelch steht für das Blut – und damit für die Grundlage aller Gemeinschaft

Biblisch ist klar:

Ohne Blutvergießen keine Vergebung (Hebr 9,22)

Das Blut Christi:

➡️ Erst Gemeinschaft durch das Blut, dann Gemeinschaft als Leib

👉 Deshalb:
Kelch (Blut) → Brot (Leib)

Das ist heilsgeschichtlich logisch, auch wenn es nicht der zeitliche Ablauf war.


c) Der Ausdruck „Kelch der Segnung“ ist entscheidend

Der Begriff:

ποτήριον τῆς εὐλογίας

verweist direkt auf:

👉 Paulus greift bewusst diese Erlösungsbedeutung auf.


3. Warum ist die Reihenfolge in Matthäus anders?

Weil Matthäus:

Paulus hingegen:

➡️ Zwei verschiedene Zielsetzungen


4. Ist für uns heute eine Reihenfolge wichtig?

a) Nein – nicht im Sinn einer verbindlichen Vorschrift

Die Schrift zeigt:

👉 Die Schrift selbst variiert, ohne einen Widerspruch zu sehen.

➡️ Kein Dogma, keine Ritualbindung


b) Ja – im Sinn der inneren Bedeutung

Was unbedingt festgehalten werden muss:

  1. Blut zuerst als Grundlage

    • Erlösung

    • Reinigung

    • Frieden mit Gott

  2. Leib als Folge

    • Gemeinschaft

    • Einheit

    • Leib Christi

👉 Heilsgeschichtlich immer: Blut → Leib

Auch wenn die äußere Handlung variieren kann.


5. Praktische geistliche Lehre für die Zusammenkunft

Paulus mahnt in 1Kor 10:

Gemeinschaft ist real – nicht symbolisch leer.

➡️ Das ist der eigentliche Ernst der Stelle.


6. Zusammenfassung in Klarform

1️⃣ Der Unterschied zwischen 1. Korinther 10 und 1. Korinther 11

Dieser Unterschied ist grundlegend, wird aber oft vermischt – mit erheblichen Folgen für das Verständnis der Zusammenkunft.


1. Korinther 10 – Gemeinschaft (koinōnia)

Schlüsselvers:

1Kor 10,16–17
„Der Kelch der Segnung … die Gemeinschaft des Blutes des Christus …
das Brot … die Gemeinschaft des Leibes des Christus.“

Thema:

👉 Mit wem habe ich Gemeinschaft?

Paulus behandelt hier:

sondern:

die geistliche Realität der Gemeinschaft


Drei Ebenen der Gemeinschaft (1Kor 10,16–21)

  1. Christliche Gemeinschaft
    – Kelch & Brot → Gemeinschaft mit Christus

  2. Jüdische Kultgemeinschaft (V. 18)
    – Altar → Gemeinschaft mit dem Altar

  3. Heidnische Kultgemeinschaft (V. 20)
    – Götzenopfer → Gemeinschaft mit Dämonen

👉 Schlussfolgerung (V. 21):

„Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch.“

➡️ Absoluter Ausschließlichkeitsanspruch


Wichtig:

In 1Kor 10 geht es nicht um das Wie, sondern um das Ob:

➡️ Versammlungsprinzip, kein Liturgieprinzip


1. Korinther 11 – Gedächtnis (anamnesis)

Schlüsselvers:

1Kor 11,24–25
„Dies tut zu meinem Gedächtnis.“

Thema:

👉 Wie gedenken wir des Herrn würdig?

Hier geht es um:


Charakteristische Unterschiede

1Kor 10 1Kor 11
Gemeinschaft Gedächtnis
Kollektiv Persönlich
Stellung Zustand
Warnung vor Götzen Warnung vor Unwürdigkeit
Kelch zuerst Brot zuerst
Prinzipiell Praktisch

👉 Zwei völlig verschiedene Blickrichtungen


Warum Brot → Kelch in 1Kor 11?

Weil Paulus hier:

➡️ Das Gedächtnis folgt dem Weg des Leidens:
Leib gegeben → Blut vergossen


Zwischenfazit

👉 Wer diese Kapitel vermischt, verliert:


2️ Die Becher im jüdischen Passah

Jetzt wird sichtbar, warum Paulus vom „Kelch der Segnung“ spricht.


Die vier Becher des Passahmahls (2. Mose 6,6–7)

Die Grundlage:

„Ich will euch herausführen …
ich will euch erretten …
ich will euch erlösen …
ich will euch annehmen …“


1️ Becher der Heiligung

„Ich will euch herausführen“

– Absonderung von Ägypten
– Beginn des Festes


2️ Becher des Gerichts / der Plagen

„Ich will euch erretten“

– Erinnerung an das Gericht
– Verbindung mit den zehn Plagen


3️ Becher der Erlösung

„Ich will euch erlösen“

👉 Dieser Becher ist der entscheidende

➡️ Genau dieser Becher wird in:

auf Christus bezogen.


4 Becher des Lobes / der Vollendung

„Ich will euch annehmen“

➡️ Dieser Becher wird in Matthäus 26,29 ausdrücklich auf die Zukunft verschoben:

„… bis zu jenem Tage, da ich ihn neu mit euch trinken werde im Reiche meines Vaters.“

👉 Hinweis auf:


Tiefer Zusammenhang mit 1. Korinther 10

Paulus spricht nicht zufällig vom:

„Kelch der Segnung“

Er sagt damit:

➡️ Deshalb ist Götzenopfergemeinschaft ausgeschlossen


Gesamtsynthese (theologisch zugespitzt)

  1. Blut (Kelch) ist die Grundlage

  2. Leib (Brot) ist die Folge

  3. Reihenfolge ist nicht liturgisch bindend

  4. Der Ernst der Zusammenkunft

1️Was meint „sakramentales Denken“?

Unter sakramentalem Denken versteht man:

Die Vorstellung, dass durch die äußere Handlung selbst
(Brot essen, Kelch trinken)
geistliche Gnade vermittelt oder bewahrt wird.

Kernannahmen:


2️ Warum 1. Korinther 10 oft missverstanden wird

Der scheinbare Einwand:

„Der Kelch … ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes?“
→ Also wirkt der Kelch Gemeinschaft?

Die Antwort aus dem Text:

Paulus sagt nicht:

Der Kelch bewirkt Gemeinschaft

sondern:

Der Kelch ist Ausdruck von Gemeinschaft

👉 Symbolische Repräsentation einer realen geistlichen Beziehung, keine Ursache.


Sprachlich entscheidend: „ist“ (ἐστίν)

Im Griechischen:

Parallelen:

👉 Bildhafte Wesensaussage, keine materielle Verwandlung.


3 Das entscheidende Gegenargument: 1. Korinther 10,18–21

Paulus zieht drei Parallelen:

  1. Israel – Altar

  2. Christen – Tisch des Herrn

  3. Heiden – Dämonentisch

Frage:

Wirkt der Altar Gnade?
Wirkt das Götzenopfer Erlösung?

Natürlich nicht.

➡️ Gemeinschaft ist bekennend, nicht erzeugend

Man nimmt teil, weil man dazugehört – nicht um dazuzugehören.


4️⃣ 1. Korinther 11 widerlegt sakramentales Denken endgültig

Der zentrale Vers:

1Kor 11,26
„Denn so oft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, verkündiget ihr den Tod des Herrn.“

👉 Verkündigung, nicht Vermittlung

Verkündigen setzt voraus:


Selbstprüfung widerspricht Sakramentenlogik

1Kor 11,28
„Ein Mensch aber prüfe sich selbst …“

Wenn das Mahl automatisch Gnade vermittelt:

👉 Aber:

➡️ Das Mahl ist nicht heilsvermittelnd


5 Der entscheidende Vergleich: Hebräerbrief

Hebräer 10,10–14

„… durch ein Opfer, ein für allemal …“

Sakramentales Denken:

Biblische Lehre:

👉 Das Abendmahl erinnert, es ergänzt nichts.


6 Brot & Kelch – Zeichen, nicht Mittel

Sakramentales Denken Biblisches Denken
Gnade durch Handlung Gnade durch das Kreuz
Wirkung automatisch Wirkung nur im Glauben
Priesterlich vermittelt Allgemeines Priestertum
Wiederholtes Opfer Einmal vollbracht
Materielle Heilswirkung Geistliche Erinnerung

7 Apostelgeschichte als Praxisbeweis

Apg 2,42:

„… sie verharrten in der Lehre der Apostel und der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.“

Reihenfolge:

  1. Lehre

  2. Gemeinschaft

  3. Brotbrechen

  4. Gebet

👉 Kein Gnadenautomat, sondern Ausdruck des gemeinsamen Lebens.


8️ Warum sakramentales Denken gefährlich ist

  1. Es verschiebt den Fokus:

  2. Es erzeugt falsche Sicherheit:

  3. Es verwischt Stellung & Zustand:

  4. Es öffnet Tür zur Ritualisierung:


9 Positive biblische Alternative

Das Brotbrechen ist:

👉 Alles Antwort auf vollbrachtes Heil, nicht dessen Ursache.


🔚 Schlussgedanke

Nicht weil wir essen, gehören wir zu Christus –
sondern weil wir zu Christus gehören, essen wir.