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‚Das Vollkommene‘ in 1. Korinther 13,10 meint die vollendete Offenbarung Gottes im abgeschlossenen Wort; mit ihr endete das stückweise Offenbaren durch Zeichengaben. Deutungen, die das Vollkommene in einen zukünftigen Erlebnis- oder Himmelszustand verlegen, lösen den Text vom Zusammenhang und öffnen subjektiv-spiritualistischen Ansätzen Tür und Tor.“
„Das Vollkommene“ in 1. Korinther 13 – Warum nur das vollendete Wort Gottes gemeint sein kann
Die Aussage des Apostels Paulus in 1. Korinther 13,10 gehört zu den am häufigsten diskutierten, aber auch am häufigsten aus dem Zusammenhang gelösten Texten des Neuen Testaments. Die Frage, was Paulus mit dem Ausdruck „das Vollkommene“ (τὸ τέλειον, to téleion) meint, lässt sich jedoch weder subjektiv noch erfahrungsbezogen beantworten, sondern nur aus dem literarischen, sprachlichen und heilsgeschichtlichen Kontext heraus.
Der unmittelbare Zusammenhang der Kapitel 12–14 zeigt eindeutig: Paulus behandelt nicht Erlösung, Himmel oder Christus bei der Wiederkunft, sondern Offenbarungsgaben wie Weissagung, Zungen und Erkenntnis. Diese Gaben dienen ausdrücklich der Vermittlung göttlicher Wahrheit in einer Zeit, in der die neutestamentliche Offenbarung noch nicht vollständig vorlag.
Sprachlich ist entscheidend, dass Paulus τὸ τέλειον (to téleion) im Neutrum verwendet. Damit scheidet eine personal-christologische Deutung aus. Auch eine eschatologische Deutung ist kontextuell nicht begründet, da Paulus nicht über Verherrlichung, Auferstehung oder die Parusie spricht, sondern über Erkenntnisweisen und Offenbarungsformen.
Der Kontrast zwischen „stückweise“ (ἐκ μέρους, ek mérous) und „vollkommen“ beschreibt keinen Wechsel von Erde zu Himmel, sondern von Unvollständigkeit zu Vollständigkeit. Die verwendeten Bilder – Kind und Mann, Spiegel und klares Sehen – sind epistemologisch, nicht ontologisch zu verstehen: Es geht um Erkenntnisreife, nicht um Seinsverwandlung.
Heilsgeschichtlich ist festzuhalten: Solange die Offenbarung Gottes noch im Werden begriffen war, waren zeitlich begrenzte Offenbarungsgaben notwendig. Mit dem Abschluss der apostolischen Offenbarung und der schriftlichen Fixierung des gesamten Ratschlusses Gottes trat das ein, was Paulus „das Vollkommene“ nennt.
Aus inhaltlichen, heilsgeschichtlichen und sprachlich-wissenschaftlichen Gründen kann „das Vollkommene“ daher nicht ein zukünftiger Zustand, sondern nur die vollendete Offenbarung Gottes sein – das vollständig geschriebene Wort Gottes. Alle Deutungen, die darüber hinausgehen, lösen den Text aus seinem Zusammenhang und öffnen die Tür für subjektive, spiritualistische Offenbarungsansprüche jenseits der Schrift.
Das dreizehnte Kapitel des ersten Korintherbriefes zählt zu den bekanntesten, aber zugleich zu den am häufigsten isoliert gelesenen Abschnitten des Neuen Testaments. Häufig wird es als zeitloses „Hohelied der Liebe“ verstanden und aus seinem unmittelbaren Zusammenhang herausgelöst. Eine solche Betrachtung verkennt jedoch die literarische, theologische und heilsgeschichtliche Funktion dieses Kapitels innerhalb der paulinischen Argumentation.
Korinther 13 steht eingebettet zwischen zwei Kapiteln, die sich ausdrücklich mit den Gnadengaben (χαρίσματα, charísmata) befassen. In Kapitel 12 entfaltet Paulus Ursprung, Vielfalt und Ziel der geistlichen Gaben, während Kapitel 14 deren Gebrauch, Zweck und Ordnung behandelt. Kapitel 13 bildet somit nicht einen thematischen Einschub, sondern das argumentierende Zentrum der gesamten Gabenlehre. Die Liebe wird nicht als Gegensatz zur Wahrheit dargestellt, sondern als das bleibende Prinzip, das den zeitlich begrenzten Offenbarungsgaben übergeordnet ist.
Der zentrale Gedanke des Kapitels liegt in der Gegenüberstellung von Vergänglichem und Bleibendem. Weissagung, Zungenrede und Erkenntnis werden ausdrücklich als vorläufige, zeitlich begrenzte Offenbarungsformen bezeichnet. Paulus begründet diese Begrenztheit nicht mit einem Mangel an geistlicher Reife, sondern mit der Unvollständigkeit der Offenbarung in der frühen Gemeindezeit. Die Erkenntnis ist „stückweise“, weil die göttliche Offenbarung selbst noch nicht vollendet vorliegt.
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Ausdruck „das Vollkommene“ (τὸ τέλειον, to téleion, V.10) seine entscheidende Bedeutung. Die Frage nach seiner Referenz ist keine Nebenfrage, sondern der hermeneutische Schlüssel zum Verständnis des gesamten Abschnitts. Die grammatische Form (Neutrum), der unmittelbare Kontext sowie die verwendeten Vergleichsbilder zeigen, dass Paulus weder Christus selbst noch einen eschatologischen Himmelszustand im Blick hat, sondern einen Übergang von fragmentarischer zu vollständiger Offenbarung.
Diese Ausarbeitung verfolgt daher konsequent eine text- und heilsgeschichtlich orientierte Auslegung von 1. Korinther 13. Sie geht davon aus, dass „das Vollkommene“ die vollendete, abgeschlossene Offenbarung Gottes bezeichnet, wie sie im vollständig gegebenen Wort Gottes vorliegt. Die Offenbarungsgaben hatten eine notwendige, aber zeitlich begrenzte Funktion, die mit dem Abschluss der apostolischen Offenbarung erfüllt wurde.
Ziel dieser Betrachtung ist es, 1. Korinther 13 nicht erfahrungsorientiert oder spiritualistisch zu deuten, sondern aus dem inneren Zusammenhang der Schrift heraus zu verstehen. Dabei soll deutlich werden, dass die bleibende Bedeutung der Liebe nicht im Fortbestand außerordentlicher Offenbarungsformen liegt, sondern in der verbindlichen Autorität des vollendeten Wortes Gottes, durch das der Heilige Geist auch heute wirkt.
„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber nicht Liebe hätte, so wäre ich tönendes Erz oder eine schallende Zimbel.“
Paulus beginnt mit einer bewusst hyperbolischen Formulierung. Die Erwähnung der „Sprachen der Menschen und der Engel“ ist keine Lehre über eine Engelsprache, sondern ein rhetorisches Stilmittel: Selbst die denkbar höchste Ausdrucksform ohne Liebe ist wertlos. Entscheidend ist, dass Paulus hier nicht die Echtheit der Gabe, sondern deren Bedeutung relativiert.
Das Bild des „tönenden Erzes“ verweist auf leeren Klang ohne Inhalt. Damit macht Paulus klar: Offenbarungsgaben besitzen keinen Eigenwert. Sie sind Werkzeuge, keine Selbstzwecke. Ohne Liebe verlieren sie ihren Sinn, auch wenn sie äußerlich beeindruckend erscheinen.
„Und wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben hätte, so dass ich Berge versetzte, aber nicht Liebe hätte, so wäre ich nichts.“
Hier steigert Paulus die Argumentation. Weissagung, Erkenntnis und Glaube werden in ihrer maximal denkbaren Ausprägung genannt. „Alle Geheimnisse“ (μυστήρια, mystḗria) bezeichnet offenbarte göttliche Wahrheiten, nicht mystische Erfahrungen. Dennoch gilt: Selbst umfassende Offenbarungskenntnis ohne Liebe macht den Menschen „nichts“.
Wichtig ist die Aussage: Nicht die Gabe macht den Menschen wertvoll, sondern die innere Haltung. Paulus stellt nicht die Wahrheit der Offenbarung in Frage, sondern den geistlichen Nutzen des Gabenträgers.
„Und wenn ich alle meine Habe austeilte und wenn ich meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, aber nicht Liebe hätte, so nützte es mir nichts.“
Nun wechselt Paulus von geistlichen Gaben zu äußerster Selbsthingabe. Selbst Opferbereitschaft bis zum Tod kann ohne Liebe geistlich wertlos sein. Damit widerlegt Paulus jede Vorstellung, äußere Hingabe oder asketische Leistung sei automatisch gottgefällig.
Auffällig ist der Perspektivwechsel: Nicht „es nützt anderen nichts“, sondern „es nützt mir nichts“. Paulus betont persönliche Verantwortlichkeit vor Gott.
„Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe neidet nicht; die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf.“
Ab Vers 4 beschreibt Paulus die Liebe nicht abstrakt, sondern konkret im Verhalten. Alle verwendeten Verben stehen im Präsens und kennzeichnen eine andauernde Haltung, keine punktuelle Tat.
Die zuerst genannten Eigenschaften (Langmut, Güte) zeigen, dass Liebe nicht reaktiv, sondern tragend ist. Die anschließenden Negativformulierungen richten sich direkt gegen korinthische Missstände: Neid, Selbstüberhebung und geistlicher Stolz.
„Sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu.“
Liebe wird hier als selbstlos und vergebungsbereit beschrieben. Besonders wichtig ist die Aussage „sie sucht nicht das Ihre“. Damit verurteilt Paulus jede Form geistlicher Selbstdarstellung, auch im Gebrauch geistlicher Gaben.
„Sie rechnet das Böse nicht zu“ ist ein buchhalterisches Bild: Liebe führt keine Schuldlisten. Dies ist entscheidend für das Gemeindeleben und erklärt, warum Liebe die Grundlage jeder geistlichen Ordnung sein muss.
„Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit.“
Liebe ist niemals gleichgültig gegenüber Wahrheit. Paulus trennt Liebe und Wahrheit nicht, sondern verbindet sie unauflöslich. Liebe toleriert keine Ungerechtigkeit, auch nicht unter dem Deckmantel geistlicher Freiheit.
Damit widerspricht Paulus indirekt jeder emotionalisierten Liebesdefinition. Biblische Liebe ist wahrheitsgebunden.
„Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“
Dieser Vers fasst die Haltung der Liebe zusammen. Die vierfachen „alles“-Aussagen beschreiben keine Naivität, sondern geistliche Standhaftigkeit. Liebe bleibt tragfähig, selbst unter Belastung.
Die Reihenfolge ist bemerkenswert: Glaube, Hoffnung und Geduld sind Ausdruck einer auf Gott ausgerichteten Haltung. Liebe ist damit nicht schwach, sondern tragend und ausdauernd.
Paulus stellt in diesen Versen klar: Liebe ist nicht eine Gabe unter vielen, sondern das bleibende Grundprinzip, unter dem alle Gaben stehen. Die Offenbarungsgaben sind funktional, zeitlich begrenzt und zweckgebunden; die Liebe hingegen ist dauerhaft und grundlegend.
Damit bereitet Paulus die entscheidende Aussage der Verse 8–10 vor: Was zeitlich und stückweise ist, wird vergehen – die Liebe aber bleibt.
„Die Liebe vergeht nimmer; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Zungen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden.“
Paulus setzt nun den entscheidenden Gegensatz zwischen dem Bleibenden und dem Vergänglichen. Die Liebe wird absolut gesetzt: sie vergeht nimmer. Demgegenüber nennt Paulus drei konkrete Gaben, die ausdrücklich beendet werden.
Auffällig ist die unterschiedliche Wortwahl:
Weissagungen und Erkenntnis: καταργηθήσονται (katargēthḗsontai) – „weggetan, außer Kraft gesetzt“
Zungen: παύσονται (paúsontai) – „werden aufhören“
Damit macht Paulus klar: Diese Gaben sind nicht ewig, sondern ihrem Wesen nach zeitlich begrenzt. Er erklärt noch nicht wann oder wodurch sie enden, sondern dass sie enden werden. Damit widerspricht er jeder Lehre von der dauerhaften Notwendigkeit dieser Offenbarungsgaben.
„Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise.“
Hier liefert Paulus die Begründung für V.8. Die Begrenztheit der Gaben liegt nicht im Menschen, sondern im Charakter der Offenbarung selbst. Das zweimalige ἐκ μέρους (ek mérous, „stückweise“) unterstreicht den fragmentarischen Zustand.
Entscheidend ist: Paulus spricht nicht von sündiger Unvollkommenheit oder mangelnder Reife, sondern von unvollständiger Offenbarung. Erkenntnis und Weissagung sind notwendige Mittel, solange die Offenbarung Gottes noch nicht vollständig vorliegt.
„Wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird, dann wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“
Dieser Vers ist der hermeneutische Schlüssel des Abschnitts. Das Kommen des τὸ τέλειον (to téleion) beendet das ἐκ μέρους (ek mérous). Grammatisch handelt es sich um ein Neutrum, das auf eine sachliche Größe, nicht auf eine Person verweist.
Der Gegensatz ist klar strukturiert:
Stückwerk → Vollständigkeit
Vorläufigkeit → Abschluss
Teiloffenbarung → vollendete Offenbarung
Paulus beschreibt keinen Ortswechsel (Erde → Himmel), sondern einen heilsgeschichtlichen Übergang. Das Stückwerk wird nicht „überholt“, sondern aufgehoben, weil sein Zweck erfüllt ist.
„Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war.“
Paulus illustriert den vorherigen Gedanken durch ein Reifungsbild. Kindsein und Erwachsensein stehen nicht moralisch gegeneinander, sondern funktional. Das Kindliche ist nicht falsch, sondern vorläufig.
Wichtig ist die aktive Formulierung: „ich tat weg“. Das Kindliche bleibt nicht parallel bestehen. Übertragen bedeutet dies: Offenbarungsgaben gehören zur Kindheitsphase der Gemeinde, nicht zu ihrem reifen Zustand.
„Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.“
Der antike Spiegel bestand aus poliertem Metall und lieferte nur ein verzerrtes Bild. Paulus benutzt dieses Bild für vermitteltes, unvollständiges Erkennen. „Angesicht zu Angesicht“ ist eine bekannte biblische Wendung für unverhüllte, klare Mitteilung (vgl. 4Mo 12,8 über Mose).
Auch hier bleibt Paulus im
Erkenntnisbereich. Es geht nicht um die Schau Gottes im Himmel, sondern um den
Übergang von unklarer zu klarer Offenbarung. Das „Erkanntwerden“ verweist auf
göttliche Maßstäbe, nicht auf Allwissenheit des Menschen.
| Aspekt | Wort-Gottes-Auslegung | Spiritualistisch-charismatische Deutung |
|---|---|---|
| Kontext | Gaben zur Offenbarung göttlicher Wahrheit (12–14) | Gaben als andauernde geistliche Erfahrungen |
| Thema von Kap. 13 | Einordnung der zeitlich begrenzten Offenbarungsgaben | Betonung persönlicher Frömmigkeit & Erlebnisse |
| „stückweise“ (ἐκ μέρους) | Teilhafte Offenbarung vor Abschluss des NT | Unvollkommene menschliche Erkenntnis allgemein |
| „das Vollkommene“ (τὸ τέλειον, Neutrum) | Vollständige Offenbarung Gottes (abgeschlossenes Wort) | Unbestimmter Zustand / Christus / Himmel |
| Grammatik | Neutrum → Sache, nicht Person | Ignoriert das grammatische Geschlecht |
| Weissagung | Zeitlich notwendig, dann weggetan | Bleibt bis zur Wiederkunft aktiv |
| Zungen | Zeichencharakter, hören auf | Dauerhafte Gebets- oder Lobpreisgabe |
| Erkenntnis | Teilweise → ersetzt durch vollständige Schrift | Bleibt prinzipiell unvollständig |
| Kind–Mann-Bild (V.11) | Heilsgeschichtliche Reifung der Offenbarung | Individuelle geistliche Reifung |
| Spiegel-Bild (V.12) | Unvollständige → klare Offenbarung | Mystische Gotteserfahrung |
| „Angesicht zu Angesicht“ | Idiom für klare Mitteilung (vgl. 4Mo 12,8) | Direkte Schau Gottes im Himmel |
| Bleibendes (V.13) | Glaube, Hoffnung, Liebe bleiben auf Erden | Wird oft übergangen oder vergeistlicht |
| Rolle der Schrift | Maßstab & Abschluss der Offenbarung | Ergänzungsbedürftig durch Eindrücke |
| Gefahr | Bewahrung vor Subjektivismus | Öffnung für Schwärmerei & Irrlehre |
„Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe.“
Paulus schließt mit einer Zusammenfassung. „Nun aber bleibt“ bezeichnet den bleibenden Zustand diesseits der Vollendung, nicht den Himmel. Glaube und Hoffnung haben im Himmel keinen Platz – Liebe hingegen bleibt auch dort.
Damit wird endgültig klar: Paulus spricht nicht primär vom Himmel, sondern vom bleibenden Grundbestand des christlichen Lebens auf Erden, nachdem die Offenbarungsgaben ihre Funktion erfüllt haben.
Paulus zeigt:
Offenbarungsgaben sind zeitlich begrenzt
ihr Zweck ist die Übermittlung fragmentarischer Offenbarung
mit dem Eintreten des Vollkommenen verlieren sie ihre Funktion
die Liebe bleibt als übergeordnetes Prinzip bestehen
Das Kapitel bereitet damit unmittelbar Kapitel 14 vor, in dem Paulus den geordneten Gebrauch der noch vorhandenen Gaben regelt – nicht deren Dauerhaftigkeit garantiert.
Korinther 13 steht im Zentrum der paulinischen Gabenlehre (1Kor 12–14) und bildet das theologische Bindeglied zwischen Ursprung, Vielfalt und Ordnung der geistlichen Gaben. Das Kapitel ist kein isoliertes „Hohelied der Liebe“, sondern eine argumentierende Einordnung der Offenbarungsgaben im Licht des Bleibenden.
In den Versen 1–3 macht Paulus deutlich, dass selbst die höchsten geistlichen Gaben und die äußerste persönliche Hingabe ohne Liebe geistlich wertlos sind. Nicht die Gabe verleiht dem Menschen Bedeutung vor Gott, sondern die innere Haltung, aus der heraus sie ausgeübt wird. Liebe ist dabei keine emotionale Regung, sondern eine geistlich geprägte Grundhaltung.
Die Verse 4–7 beschreiben die Liebe in ihrem praktischen Ausdruck. Paulus definiert Liebe nicht abstrakt, sondern anhand konkreter Verhaltensweisen, die besonders auf die Missstände in Korinth zielen: Neid, Selbstüberhebung, Eigeninteresse und mangelnde Rücksichtnahme. Liebe erweist sich als tragfähig, wahrheitsgebunden und ausdauernd und bildet damit das notwendige Fundament für jedes geistliche Handeln.
In den Versen 8–10 führt Paulus die entscheidende heilsgeschichtliche Unterscheidung ein. Während die Liebe bleibt, sind Weissagung (προφητεῖαι, prophēteîai), Zungen (γλῶσσαι, glṓssai) und Erkenntnis (γνῶσις, gnṓsis) ausdrücklich als vergängliche, zeitlich begrenzte Offenbarungsgaben bezeichnet. Ihre Begrenztheit liegt nicht in menschlicher Unzulänglichkeit, sondern in der fragmentarischen Natur der damaligen Offenbarung (ἐκ μέρους, ek mérous). Mit dem Eintreten des „Vollkommenen“ (τὸ τέλειον, to téleion) wird das „Stückwerk“ aufgehoben.
Die anschließenden Bilder vom Kind und vom Mann sowie vom Spiegel und vom klaren Sehen (V.11–12) verdeutlichen diesen Übergang von Vorläufigkeit zu Reife, von vermittelter zu vollständiger Erkenntnis. Paulus beschreibt keinen eschatologischen Ortswechsel, sondern einen Wechsel der Erkenntnisweise und Offenbarungsform. Das „Vollkommene“ ist dabei sachlich zu verstehen und bezeichnet die Vollendung der göttlichen Offenbarung.
Der abschließende Vers 13 fasst den bleibenden Grundbestand des christlichen Lebens zusammen: Glaube, Hoffnung und Liebe. Während Offenbarungsgaben ihre zeitlich begrenzte Aufgabe erfüllt haben, bleiben diese drei als tragende Elemente des Glaubenslebens bestehen. Die Liebe steht dabei über allem, weil sie sowohl jetzt als auch über diese Welt hinaus Bestand hat.
Korinther 13 lehrt somit, dass geistliche Gaben funktional und zeitlich begrenzt sind, während die Liebe als bleibendes Prinzip den Maßstab für alles geistliche Handeln setzt. Die Autorität und Klarheit der vollendeten Offenbarung Gottes macht zusätzliche Offenbarungsformen überflüssig und bewahrt die Gemeinde vor subjektiven, erfahrungsorientierten Fehlentwicklungen. Der Heilige Geist wirkt nicht jenseits der Schrift, sondern durch das vollendete Wort Gottes.
τὸ τέλειον (to téleion, „das Vollkommene“)
ἐκ μέρους (ek mérous, „stückweise / fragmentarisch“)
χαρίσματα (charísmata, „Gnadengaben“)
προφητεία (prophēteía, „Weissagung“)
γλῶσσαι (glṓssai, „Zungen / Sprachen“)
γνῶσις (gnṓsis, „Erkenntnis“)
μυστήρια (mystḗria, „Geheimnisse“)
καταργηθήσονται (katargēthḗsontai, „außer Kraft gesetzt werden“)
παύσονται (paúsontai, „werden aufhören“)
τέλειος / τέλειον (téleios / téleion, „vollendet, zur Reife gebracht“)
προφητεῖαι (prophēteîai, „Weissagungen“)
γνῶσις (gnṓsis, „Erkenntnis“)
ἐκ μέρους (ek mérous, „teilweise“)
χαρίσματα (charísmata, „Gnadengaben“)
προφητεῖαι (prophēteîai)
γλῶσσαι (glṓssai)
γνῶσις (gnṓsis)
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Das Vollkommene
Elberfelder 1905
1. Korinther
1. Kor 13,10 wenn
aber das Vollkommene gekommen
sein wird, so wird das, was stückweise ist, weggetan werden.
»Das
Vollkommene« bezieht
sich auf das,
was später als der
Kanon der Schrift anerkannt werden würde.
Als das letzte Buch unseres NT geschrieben wurde,
war die Offenbarung vollständig.
Es ist nicht nötig, hier den Gedanken des Himmels einzuführen.
Schließlich besteht keine Notwendigkeit, uns zu erklären, dass die Gaben
aufhören, wenn wir ihn erreicht haben.
Das ist zu offensichtlich.
W. Hoste kommentiert in Bible Problems and Answers, S. 332:
»Es würde kaum notwendig sein zu beweisen, dass diese Gaben im Himmel
überflüssig sein werden.
Wenn Du einen Freund mit einer Öllampe in einer dunklen Vorortstraße triffst, um
ihm feierlich zu erklären, dass er seine Lampe nicht länger benötigen würde,
wenn die Sonne aufgeht, dann würde er denken, Du seiest ein Phrasendrescher.
Wenn Du aber zu ihm sagst: ›Du wirst deine Ölfunzel nicht mehr brauchen, wenn
die Elektrizitätsgesellschaft ihren Plan für diesen Ort ausgeführt hat‹,
dann wäre das verständlich und beachtenswert.«
Noch einmal: Warum soll bei diesen beiden Gaben unabhängig von all den anderen
erwähnt werden, dass sie weggetan werden, wenn wir in den Himmel kommen?
Nein,
diese beiden Gaben werden erwähnt, weil sie offenbarende Gaben waren, durch die
Gott Seine Gedanken offenbarte, bis die Schriften vollständig sein würden. G.B.
Weaver schrieb über die beiden Ausdrücke ek merous (»stückweise«) und teleion
(»vollkommen«): »Es ist logisch, dass to teleion sich auf das Ganze oder das
Vollkommene in demselben Bereich beziehen muss, wie es sich auf to ek merous
bezieht.
To ek merous
bezieht sich auf die Übermittlung göttlicher Wahrheit durch Offenbarung.
Demzufolge muss sich der andere Ausdruck:
to teleion
auf Gottes vollständige Offenbarung der Wahrheit beziehen, auf das ganze Neue
Testament (natürlich mit dem Buch zusammengenommen, das ihm das Fundament
gibt).«
Weiter: Wenn Prophezeiung und Erkenntnis, wie oben erklärt, weitergeführt
wurden, bis der HERR kommt, dann wird heute immer noch an der Bibel geschrieben. Das
ist die Haltung der charismatischen Bewegung.
Die Reformatoren retteten das Christentum von außerbiblischen Irrtümern mit dem
Ruf: »Sola
Scriptura«,
was bedeutet: »Allein die Schrift«.
Nun geht von charismatischen und anderen Bewegungen der Ruf aus:
»Die Schrift plus die neue Offenbarung von Gott«.
Möge Gott uns bewahren. Es ist wichtig zu beachten, dass es eine kontinuierliche
göttliche Offenbarung geben müsste, wenn die Gaben, die als »stückweise« erwähnt
werden, bleiben würden. Die Charismatiker bestehen auf einer zur Zeit
fortgeführten gleichzeitigen Offenbarung. J. Rodman Williams sagt in seinem Buch
»Das Zeitalter des Geistes«: »Die Bibel ist wahrhaftig ein Mitzeuge von Gottes
gegenwärtigen Aktivitäten geworden ...
Wenn heute vielleicht jemand eine Vision von Gott und Christus hat, ist es gut
zu wissen, dass das auch vorher geschah ...
Wenn jemand sagt ›So spricht der HERR‹ und es wagt, die Gemeinschaft in der
ersten Person anzureden
– sogar wenn er über die Worte der Schrift hinausgeht
– dann ist so etwas schon lange vorher geschehen ...
Der Geist bewegt sich als der lebendige Gott durch die Berichte der früheren
Zeugen hindurch und über sie hinaus, wie wertvoll solche Berichte als Modell für
das, was heute geschieht, auch sein mögen... In der Prophetie spricht Gott.
Tatsächlich kann das Sprechen ungeschliffen sein und grammatische Fehler
enthalten, es mag eine Mischung aus ›Luther-Deutsch‹ und moderner Sprache sein,
es mag stockend oder flüssig sein
– so etwas macht wirklich nichts aus ... Die meisten von uns sind natürlich mit
prophetischen Äußerungen, wie sie in der Bibel berichtet werden, vertraut und
bereit, sie als Gottes Wort zu akzeptieren.
Jesajas oder Jeremias
›So spricht der HERR‹, sind wir gewöhnt,
aber einen Friedhelm oder eine Christine heute, im zwanzigsten Jahrhundert, so
sprechen zu hören ...! Viele von uns sind auch überzeugt, dass Prophetie mit dem
Neuen Testament aufhört (trotz all der neutestamentlichen Aussagen, die das
Gegenteil bezeugen), bis plötzlich durch den dynamischen Vorstoß des Heiligen
Geistes Prophezeiung wieder zum Leben erwachte.
Nun wundern wir uns, wie wir das Neue Testament so lange falsch lesen konnten!«
Dieses Zitat, obwohl es bestürzend ist, gibt doch ganz den Standpunkt der
charismatischen Bewegung wieder. Man beachte gewisse Dinge in der Aussage: 1._Es
wird behauptet, dass die Bibel ein Mitzeuge der gegenwärtigen Offenbarung in
Prophetie sei.
2._
Es wird die Behauptung vorgebracht, dass es heute möglich ist, das, was einer
als neue Offenbarung zu sagen hat, mit »So spricht der HERR« einzuleiten.
3._Der Autor besteht darauf, dass es erlaubt ist, die erste Person zu verwenden.
Das würde bedeuten, dass man mit »ich aber sage euch« über die Schrift
hinausgehen und zu der existierenden Offenbarung hinzufügen könnte.
4._Er behauptet, dass der Geist über die Berichte der früheren Zeugen
hinausgeht, d.h. über die Zeugnisse des AT und NT.
5._Er erweckt den Anschein, dass Friedhelm oder Christine heutzutage mit der
gleichen Autorität wie Jesaja, Jeremia, Petrus oder Paulus weissagen können. Es
ist völlig klar, dass die endgültige Autorität der Schrift geschwächt wird, wenn
wir einmal anerkennen, dass das »stückweise« bleibt, und irgend ein Tom oder
eine Mary eine göttliche Offenbarung mit der gleichen Autorität wie das AT oder
das NT von sich geben kann. Lassen wir uns warnen und ständig vor der Gefahr
solcher Lehre auf der Hut sein. Ihre Auswirkungen sind schrecklich.
11_Hier und in V. 12 stehen zwei Illustrationen vor uns. Die erste stellt das
Wachstum von der Kindheit zur Reife dar, vom Stückweisen zum Vollkommenen, nicht
vom Unvollkommenen zum Vollkommenen. Das brauchte Zeit und schritt langsam
voran, so, wie die Schriften allmählich vervollständigt wurden. Das Mannsein ist
das Ende des natürlichen Wachstumsprozesses; hier ist die vollständige Schrift
das Resultat. Andere Schriftstellen bekräftigen den Gebrauch des Wortes »Kind«
in Bezug auf ein Stadium der Unreife.
Hebr 5,11-14 stellt uns die hebräischen Gläubigen vor, die es versäumt hatten,
Fortschritte zu machen und dazu neigten, sich an das Gesetz
zu klammern. Der Verfasser tadelt sie und wünscht, dass sie zum vollen
Mannesalter hin wachsen.
Anstatt im Hören träge (V. 11),
im Anfangsstadium (V. 12) geblieben zu sein
und mit der Flasche gefüttert werden zu müssen (V. 13),
sollten sie schon Lehrer geworden sein, feste Speise zu sich nehmen und von
geistlicher Wahrnehmung und Erkenntnis gekennzeichnet werden. In 1Kor 3,1-3
enthüllt Paulus den unterentwickelten Zustand der Korinther. Sie waren noch
Säuglinge, im Wachstum zurückgeblieben, ihre Entwicklung hatte sich verzögert,
sie waren nicht geistlich. In Eph 4,13-15 verlangt der Apostel, dass die
Heiligen in Ephesus aufhören sollten, Kinder zu sein (aus Furcht, dass sie von
falschen Lehrern ausgenutzt werden könnten) und zur vollen Mannesreife hin
wachsen. So ist hier die Entwicklung vom »Kind« zum »Mann« dargestellt, um zu
demonstrieren, dass die Offenbarung Gottes sich der Vollendung nähert.
12_Hier haben wir die zweite Illustration der gleichen Wahrheit wie in V. 11.
Sie hat nichts mit dem Himmel zu tun, obwohl man sie in der Weise anwenden
könnte. Der Spiegel ist das bis zu der Zeit, als der Apostel schrieb,
geoffenbarte Wort Gottes. Das einzige Mal, wo dieses Wort noch verwendet wird –
in Jak 1,23 – bezieht es sich wiederum auf das Wort Gottes. »Undeutlich«
bedeutet »in einem Rätsel«. Das Wort Rätsel steht für eine rätselhafte Aussage,
die weitere Erklärungen benötigt; es muss etwas hinzugefügt werden, um seine
Bedeutung zu erklären. Das passt sehr gut zu dem Gedanken von dem stückhaften
Stand der Offenbarung zu der Zeit, wo diese Gaben wirkten und man die volle
Offenbarung der abgeschlossenen Schriften erwartete. »Von Angesicht zu
Angesicht« ist die volle und klare Offenbarung der Schriften. Lassen wir
das Wort Gottes diese Interpretation bekräftigen.
In 4Mo 12 verteidigte Gott den Mose mit der Aussage, dass die Offenbarung zu
anderen in Form eines Traumes oder einer Vision geschieht (was dem »stückweisen«
entspricht), aber zu Mose »von Mund zu Mund« (was dem »von Angesicht zu
Angesicht« entspricht). Es ist sehr interessant, die Ähnlichkeit der Ausdrücke
in 4Mo 12 und hier zu bemerken. Viele sind gegen diese Interpretation und sagen,
dass wir behaupten, dass unsere Erkenntnis größer wäre als die Erkenntnis, die
Paulus besessen hätte. Das ist nicht so. Die Apostel hatten alle Erkenntnis, die
für diese Zeit nötig war. »Jetzt erkenne ich stückweise« geht zurück auf die
Verse 9
10. Paulus war sich der partiellen Offenbarung bewusst und war sich völlig klar
darüber, dass Gott ständig neue Wahrheiten offenbarte. Die vollere Erkenntnis
ist die sich im Gang befindliche Offenbarung der Schriften. Es steht außer
Frage, dass die Erkenntnis des Paulus oder unsere eigene niemals der von Gott
gleich ist. »Dann werde ich erkennen«, führt in dem Bewusstsein, dass Gott uns
immer voll erkannt hat, zu der abschließenden Offenbarung Gottes, wie sie in der
Schrift geoffenbart ist.
13_»Nun aber bleibt« Glaube, Hoffnung und Liebe, wenn all die zeitlichen Gaben
weggetan sein werden. Der Ausdruck »nun aber« (nyni de) ist zeitlich und logisch
gemeint. Paulus stellt die zeitliche Natur der Gaben, die in V. 9 erwähnt sind,
der Beständigkeit von Glaube, Hoffnung und Liebe gegenüber. Das sind die drei
wesentlichen Elemente des Christentums. Dann sagt er, dass die größte von ihnen
die Liebe ist. Glaube trägt in seiner funktionalen Vorzüglichkeit durch und
Hoffnung in der Klarheit ihrer Sicht, aber die Liebe über
trifft all ihre höchsten Werte. Das heißt nicht, dass Glaube und Hoffnung von
der Liebe überdauert werden, sondern dass sie sie als das wesentliche Element
des Christentums überragt, denn »Liebe ist aus Gott« (1Jo 4,7) und »Gott ist
Liebe« (1Jo 4,8).
Die Frage, ob eine von diesen Gnaden oder alle drei in die Ewigkeit
hineinreichen, wird in diesem Vers nicht gestellt. Wir wollen nun einige der
Lehren zusammentragen, mit denen wir in diesem Kapitel vertraut gemacht wurden:
1._Die Vorzüglichkeit der Liebe in ihrem großartigen Wert und ihrer
Notwendigkeit und die schrecklichen Aussichten bei ihrer Abwesenheit. 2._Die
Nutzlosigkeit weitgreifender Redekunst (V. 1), durchdringender Erkenntnis (V. 2)
und des Opfergebens, wenn die Liebe fehlt.
3._Der Wert der vielgestaltigen Qualitäten der Liebe, deren Gegenwart unser
Leben so sehr bereichert.
4._Die vorzüglichen Qualitäten der Liebe in ihren positiven und negativen
Wertungen.
5._Die positiven Aussagen über Liebe schließen die negativen Funktionen aus und
die negativen Aussagen sichern die Anwesenheit der positiven zu.
6._Man beachte, dass im Gegensatz zur bleibenden Liebe (V. 8) gewisse Gaben
aufhören, weggetan werden und das Ziel erreicht haben, für das sie existierten.
7._Man betone die Bedeutsamkeit der Zeit, als die Offenbarung Gottes sich im
Gang befand und die Schrift vervollständigt wurde. Das war ein wichtiger
Grenzstein.
ex. wdbl 1. Korinther Brief
==
«Die Liebe hört niemals auf. Aber seien Weissagungen, sie werden weggetan werden
(katargeo);
seien es Sprachen, sie werden aufhören {pauo)'sei es Erkenntnis, sie wird
weggetan werden (katargeo).
Dehn wir, {Apostel und Propheten der Bibel) erkennen stückweise und wir
weissagen stückweise.
wenn aber einmal das Vollkommene da ist, dann wird das Stückwerk weggetan.
Das Vollkommene ist zu einem fixen Zeitpunkt da und genau dann, wenn es da ist,
werden (direkt inspirierte) Weissagungen ;(Prophetie) und (direkt inspirierte)
Erkenntnis schlagartig weggetan (katargeo),
die Sprachen aber werden genau dann ausklingen und ganz zum Stillstand kommen.
Das Vollkommene kann somit nicht der Ewigkeitszustand sein, weil da keine
Sprachen ausklingen werden,
sondern es muss etwas sein, was bereits da ist und das ist der Kanon der Bibel.
Aus diesem heute bereits Vollkommenen entnehmen wir unsere Erkenntnis -
somit gibt es keine Propheten und Sprachenrede mehr.
Die Bibel ist KEINE Teiloffenbarung, sondern der vollkommene Ratschluss Gottes
Die
Folgen einer falschen Auslegung von 1. Korinther 13,10 lassen sich
sowohl biblisch beschreiben als
auch geistlich abschätzen.
Sie sind keineswegs harmlos, sondern greifen tief in
Offenbarungsverständnis, Gemeindepraxis
und Christuszeugnis ein.
1. Kor 13,10 (Elberfelder 1905):
„Wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird, so wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“
Im Folgenden eine sachlich-theologische Abschätzung der Konsequenzen, wenn man behauptet, die Bibel sei nicht „das Vollkommene“ – meist verbunden mit der Annahme fortdauernder Offenbarung oder Zeichengaben.
Die falsche Auslegung lautet meist:
„Das Vollkommene“ ≠ abgeschlossene neutestamentliche Offenbarung,
sondern = zukünftige oder gegenwärtige überbiblische Erkenntnis,
neue prophetische Einsichten, Visionen oder „geistliche Reifezustände“.
Damit wird die Schrift relativiert, ohne sie offen zu verwerfen.
Die Bibel ist dann:
nicht mehr abschließende Offenbarung, sondern
nur ein Teil eines fortlaufenden Erkenntnisprozesses
➡ 2. Tim 3,16–17 wird praktisch entkräftet:
„… damit der Mensch Gottes vollkommen sei …“
Wenn die Schrift nicht genügt, was fehlt dann noch?
Wo die Schrift nicht „das Vollkommene“ ist:
gewinnen innere Stimmen, Eindrücke, „prophetische Worte“
faktisch gleiche oder höhere Autorität als die Bibel
➡ Ergebnis:
Lehrmäßige Beliebigkeit
kein objektives Korrektiv mehr
Die Aussage:
„Das Vollkommene ist noch nicht gekommen“
führt logisch zu:
Zungenreden, Offenbarungsprophetie, Wort-Erkenntnis
Erwartung neuer Mitteilungen Gottes
➡ im direkten Widerspruch zum heilsgeschichtlichen Charakter von 1Kor 12–14.
Statt:
Lehre
gesunder Unterweisung
Schriftvergleich
tritt:
Erlebnisorientierung
„geistliche Erfahrung“
emotionale Bestätigung
➡ 1Kor 13 wird dabei paradoxerweise gegen die Liebe selbst missbraucht, denn Liebe „freut sich an der Wahrheit“ (V. 6).
Wer 1Kor 13,10 falsch versteht:
verwischt den Unterschied zwischen
apostolischer Offenbarung
und
nachapostolischer Belehrung
➡ Ergebnis:
schleichender Übergang zu charismatischem Sakramentalismus
oder zu neuem Mystizismus
Denn:
Christus offenbart sich endgültig im Wort (Joh 1,1; Hebr 1,1–2)
neue „Offenbarungen“ verschieben den
Blick
von Christus bezeugt in der
Schrift
zu Christus erlebt im Subjekt
➡ das Evangelium wird funktional verlagert.
1Kor 13 steht:
nicht im eschatologischen Sinn („Himmel“),
sondern im Gegensatz zwischen Teil-Offenbarung und vollendeter Offenbarung
Paulus argumentiert:
Kindheit → Mannesalter
Stückwerk → Vollständigkeit
Spiegelbild → klares Bild
➡ alles Begriffe aus dem
Erkenntnis- und Offenbarungsbereich,
nicht aus dem Bereich der Verherrlichung.
Die Folgen sind:
| Bereich | Auswirkung |
|---|---|
| Schriftverständnis | Relativierung der Endgültigkeit |
| Autorität | Subjektivierung |
| Gemeinde | Erfahrungszentrierung |
| Lehre | Verwässerung |
| Christuszeugnis | Verlagerung vom Wort zum Erlebnis |
| Schutz vor Irrtum | massiv geschwächt |
Wenn „das Vollkommene“ nicht die abgeschlossene Offenbarung Gottes ist,
dann gibt es kein objektives Ende der Offenbarung.
Und wo Offenbarung kein Ende hat:
endet auch die Lehrklarheit
endet die Verbindlichkeit
endet die Prüfung nach der Schrift
1. Korinther 13,9–10 (NA / Elberfelder-Sinn):
ek merous gar ginōskomen kai ek merous prophēteuomen;
hotan de elthē to teleion, to ek merous katargēthēsetai.
„Denn wir erkennen stückweise und wir weissagen stückweise;
wenn aber das Vollkommene (τὸ τέλειον) gekommen sein wird,
dann wird das Stückweise weggetan werden.“
τέλειος / τέλειον
Grundbedeutung:
vollendet, vollständig, zum Ziel
gekommen, reif
➡ nicht primär moralisch, sondern funktional-zielbezogen
Gegensatz zu teilhaft, unvollständig
bezeichnet das Erreichen des vorgesehenen Zielzustands
τὸ τέλειον = das Vollkommene (Neutrum!)
Nicht: ὁ τέλειος (die vollkommene Person)
Nicht: ἡ τελείωσις (der Vorgang der Vollendung)
➡ Das Neutrum weist nicht auf eine Person, sondern auf einen Zustand / eine Sache / ein Ganzes hin.
Konsequenz:
Eine Deutung auf:
Christus persönlich
den Himmel
die Parusie
ist grammatisch nicht naheliegend.
Paulus setzt einen klaren Antagonismus:
| Vers 9 | Vers 10 |
|---|---|
| ἐκ μέρους (stückweise) | τὸ τέλειον (das Vollständige) |
| Erkenntnis in Teilen | Erkenntnis als Ganzes |
| prophetisches Teilwissen | vollendete Erkenntnisform |
➡ teleion ist das Gegenstück zu „ek merous“, nicht zu „irdisch vs. himmlisch“.
Paulus spricht nicht allgemein von Erkenntnis, sondern von:
προφητεύομεν – prophetisches Reden
γινώσκομεν – erkennendes Erfassen
➡ Beides sind Offenbarungs- bzw. Mitteilungsformen, nicht Heilszustände.
„Als ich ein Kind war … als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war.“
kein Bruch, sondern Entwicklung
kein Tod – Auferstehung
kein Himmel – Erde
➡ Der Vergleich beschreibt
Reife durch Vollständigkeit,
nicht einen eskatologischen
Ortswechsel.
„Jetzt schauen wir mittels eines Spiegels, undeutlich; dann aber von Angesicht zu Angesicht.“
„Angesicht zu Angesicht“ = Himmel
Spiegel war ein Erkenntnismedium
der Gegensatz ist undeutlich ↔ klar
➡ Auch hier: Qualität der Erkenntnis, nicht Ort der Existenz.
Gaben zur zeitlich begrenzten Auferbauung
apostolische Übergangszeit
Zeitliche Begrenzung der Offenbarungsgaben
Liebe bleibt – Offenbarungsgaben nicht
Ordnung für eine noch bestehende Übergangssituation
➡ Kapitel 13 erklärt
warum Kap. 12-Gaben
aufhören werden
➡ Kap. 14 regelt wie lange
sie noch geordnet gebraucht werden
„wird weggetan werden“
bedeutet:
außer Wirksamkeit setzen
funktionslos machen
beenden
➡ nicht: „verwandelt“, „verklärt“, „überhöht“
➡ Die Offenbarungsgaben
verlieren ihre Funktion,
weil ihr Zweck erfüllt ist.
Apostelzeit = Offenbarung im Werden
NT-Schriften = Offenbarung im Abschluss
danach: Bewahrung & Auslegung, nicht Ergänzung
➡
Das Vollkommene =
die abgeschlossene, vollständige
neutestamentliche Offenbarung,
die das Stückwerk überflüssig macht.
| Argument | Ergebnis |
|---|---|
| Neutrum teleion | keine Person |
| Gegensatz ek merous | Offenbarungsumfang |
| Kontext (Prophetie/Erkenntnis) | nicht Himmel |
| Vergleiche (Kind/Spiegel) | Reife, nicht Verherrlichung |
| katargeō | Funktionsende |
| Kap. 12–14 | Übergangszeit |
1. Korinther 13,10 spricht nicht vom Himmel,
sondern vom Ende der stückweisen Offenbarung.
Die Fehlinterpretation entsteht
nicht aus dem Text,
sondern wird in ihn hineingetragen.