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00765 Matthäus 25 die 10 Jungfrauen, Trennung vom Gläubigen Überrest von den ungläubigen Juden. 


Die Gleichnisse im Matthäusevangelium – Israel und die Nationen, nicht die Gemeinde

Das Matthäusevangelium ist in seiner Zielrichtung eindeutig:
Es stellt den Herrn Jesus als den verheißenen Messias Israels und König des Reiches der Himmel vor.

Entsprechend richten sich seine Reden, Zeichen und Gleichnisse primär an Israel und – in erweiterter Perspektive – an die Nationen, niemals jedoch an die Gemeinde der Gnadenzeit.

Die Gemeinde war zur Zeit des Wirkens Jesu auf Erden noch ein verborgenes Geheimnis (Eph 3,3–6),

das erst nach Pfingsten offenbart wurde. Deshalb kann sie in den Gleichnissen des Matthäusevangeliums weder vorausgesetzt noch angesprochen sein.

Alle großen Gleichnisreden des Matthäus – insbesondere in den Kapiteln 13, 21–22 und 24–25 – bewegen sich konsequent im Rahmen der Reichsverkündigung. Sie behandeln Israels Verantwortung gegenüber dem angebotenen Reich, Israels Verwerfung des Königs, die vorübergehende Zurückstellung des Reiches und schließlich dessen zukünftige Aufrichtung nach der Wiederkunft Christi.

Die Gleichnisse vom Unkraut unter dem Weizen, vom Hochzeitsmahl, von den zehn Jungfrauen, von den anvertrauten Talenten und vom Gericht der Nationen beschreiben irdische Verhältnisse, öffentliche Verantwortlichkeit und gerichtliche Scheidung beim Kommen des Königs. Sie handeln vom Eintritt in das messianische Reich oder vom Ausschluss davon, nicht von Wiedergeburt, Rechtfertigung oder himmlischer Stellung.

Die Gemeinde hingegen ist die Braut Christi, ein himmlisches Volk, das nicht gerichtet wird, um zugelassen zu werden, sondern aus Gnade bereits angenommen ist (Eph 1,6). Sie erwartet nicht das Reich auf Erden, sondern die Entrückung zu Christus.

Wer die Gleichnisse des Matthäusevangeliums auf die Gemeinde anwendet, vermischt Heilsgeschichte, verwischt die Grenze zwischen Israel und Gemeinde und verliert sowohl die Reichslehre als auch die Gnadenstellung der Heiligen.

Die Gleichnisse des Matthäus sind daher eine ernste, prophetische Belehrung für Israel und die Nationen – und zugleich ein eindrucksvoller Beweis für die heilsgeschichtliche Ordnung Gottes.

Die Zehn Jungfrauen – Heilsgeschichtlich Ausgearbeitet

Die zehn Jungfrauen heilsgeschichtlich betrachtet

Einordnung im Zusammenhang von Matthäus 24–25

In Matthäus 24,4–26 beschreibt der Herr Jesus die sieben Jahre der Drangsalszeit, auch „Zeit der Bedrängnis für Jakob“ genannt (Jer 30,7). Darauf folgt die Schilderung Seines zweiten Kommens auf die Erde (Mt 24,27–30) sowie die anschließende Sammlung Israels in sein Land (Mt 24,31; Jes 27,12–13).

Im Anschluss fügt der Herr Jesus einen Einschub (Paranthese) in den Ablauf der Ereignisse ein (Mt 24,32–51). Durch Gleichnisse ermahnt Er zu Wachsamkeit, Bereitschaft und Treue angesichts Seines Kommens. Diese Gleichnisse unterbrechen nicht die Abfolge der endzeitlichen Ereignisse, sondern erläutern deren moralisch-geistliche Konsequenzen für Israel.

Daraufhin beschreibt der Herr Jesus in Matthäus 25 drei Gleichnisse, die sich auf das nächste eschatologische Ereignis für Israel nach Seinem zweiten Kommen beziehen:

I. Das Gericht über die dann lebende Generation Israels, um Errettete von Unerretteten zu trennen (Mt 25,1–30) II. Die öffentliche richterliche Trennung der Nationen im Blick auf Israels Überrest (Mt 25,31–46)

Die verbindende Zeitangabe „Dann“ (τότε) in Matthäus 25,1 knüpft unmittelbar an Matthäus 24,31 an. Das bedeutet: Die hier beschriebenen Gleichnisse spielen zeitlich nach der Wiederkunft des Menschensohnes und vor der Aufrichtung des messianischen Reiches.

Bereits in Matthäus 24,50–51 hatte der Herr Jesus von einem Gericht gesprochen, das unvorbereitete Israeliten vom messianischen Reich ausschließen würde. Daraus ergibt sich die implizite Frage: Auf welcher Grundlage wird dieses Gericht erfolgen?

Die Antwort gibt der Herr Jesus zunächst im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt 25,1–13).

Der heilsgeschichtliche Rahmen

Der Kontext zeigt eindeutig, dass sich der Herr Jesus hier mit dem Gericht über das Volk Israel beschäftigt. Die Gemeinde ist in Matthäus 24–25 weder ausdrücklich noch implizit im Blick. Hinweise auf Gemeinde-Wahrheiten wie Leib Christi, Innewohnung des Heiligen Geistes, Entrückung oder himmlische Stellung fehlen vollständig.

Vielmehr entfaltet der Herr Jesus hier die Eschatologie Israels:

  • der jüdische Tempel (Mt 24,1–2)

  • Judäa und der Sabbat (Mt 24,16.20)

  • der Gräuel der Verwüstung nach Daniel (Mt 24,15; Dan 9,27)

  • die Sammlung Israels (Mt 24,31)

Symbolik der zehn Jungfrauen

Im zehnten Reich-der-Himmel-Gleichnis begegnen uns zehn Jungfrauen. Die Zahl zehn steht in der Schrift häufig für menschliche Verantwortung und für eine vollständige Gesamtheit im Verantwortungsbereich (vgl. 2Mo 34,28; Pred 7,19).

Obwohl Paulus die Gemeinde bildhaft als „eine reine Jungfrau“ bezeichnet (2Kor 11,2), beweist dieser Bildgebrauch keineswegs, dass die Gemeinde im Gleichnis von Matthäus 25 gemeint ist. Ein Gleichnis ist stets aus seinem eigenen Kontext heraus zu deuten.

Die zehn Jungfrauen sind nicht die Braut. Der Bräutigam kommt bereits mit der Braut und wird von den Jungfrauen empfangen. Sie gehören zur Hochzeitsgesellschaft, nicht zur Braut selbst. Die Gemeinde hingegen ist die Braut Christi (Eph 5,25–27; Offb 19,7–9).

Der orientalische Hochzeitsbrauch

Der Herr Jesus greift ein vertrautes Bild orientalischer Hochzeiten auf. Nachdem die Braut bereits verlobt war, verließ der Bräutigam zu gegebener Zeit das Haus seines Vaters, um die Braut zu sich zu holen. Die Freundinnen der Braut wurden eingeladen, um am Hochzeitsfest teilzunehmen.

Die eingeladenen Gäste versammelten sich am Ort des Hochzeitsmahls und wussten, dass sie unter Umständen längere Zeit auf die Ankunft des Bräutigams warten mussten. Da die Ankunftszeit ungewiss war, gehörte Vorsorge zum normalen Verhalten.

Die zehn Jungfrauen befanden sich an diesem Ort und warteten ebenfalls auf das Erscheinen des Bräutigams mit seiner Braut. Sie waren jedoch von unterschiedlichem Charakter: fünf klug, fünf töricht.

Die Bedeutung des Öls

Die törichten Jungfrauen hatten keine Vorsorge für eine längere Verzögerung getroffen. Da Öllampen nur wenig Öl fassten, war es üblich, zusätzliches Öl in Gefäßen mitzuführen. Die klugen Jungfrauen hatten solches Öl mitgebracht.

Als sich die Ankunft des Bräutigams verzögerte und es Nacht wurde, konnten nur die klugen Jungfrauen ihre Lampen auffüllen. Die törichten waren unvorbereitet.

Das Öl kann hier nicht den innewohnenden Heiligen Geist der Gemeinde darstellen:

  • Das Öl kann ausgehen (Mt 25,8), während der Heilige Geist Gläubige der Gnadenzeit dauerhaft versiegelt (Eph 1,13–14).

  • Das Öl kann gekauft werden (Mt 25,9), während der Heilige Geist eine Gabe Gottes ist (Apg 2,38).

  • Das Öl kann nicht geteilt werden, was zeigt, dass persönliche Bereitschaft und echter Glaube nicht übertragbar sind.

Das Öl steht daher sinnbildlich für persönliche Glaubensbereitschaft, innere Erwartung und Herzensbeziehung zum kommenden Messias.

Der Mitternachtsruf und das Kommen des Bräutigams

Entgegen dem Brauch kommt der Bräutigam um Mitternacht. Ein Ruf kündigt seine Ankunft an, damit die Wartenden ihm entgegengehen. In der Dunkelheit wird sichtbar, wer vorbereitet ist und wer nicht.

Nur die klugen Jungfrauen können hinausgehen und den Bräutigam empfangen. Die törichten versuchen vergeblich, sich noch vorzubereiten. Als sie schließlich mit Öl zurückkehren, ist die Tür verschlossen.

Das Gericht und der Ausschluss

„Die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen“ (Mt 25,10).

Dieses Verschließen der Tür spricht nicht von einem Verlust ewigen Lebens, sondern vom Ausschluss aus dem messianischen Reich. Es handelt sich um das Gericht über die dann lebenden Israeliten bei der Wiederkunft Christi.

Prophetische Parallelen finden sich mehrfach im Alten Testament:

  • Hesekiel 20,38: Aussonderung der Abtrünnigen aus Israel

  • Sacharja 13,8–9: Läuterung und Scheidung innerhalb des Volkes

  • Daniel 12,1–2: Unterscheidung in der Zeit der großen Drangsal

Auch im Neuen Testament wird dieses Gericht angekündigt:

  • Matthäus 8,11–12

  • Matthäus 24,40–41

  • Matthäus 25,31–46

Beziehung zur Gemeinde

Die Gemeinde der Gnadenzeit ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf der Erde. Sie wird vor dem Zorn Gottes entrückt (1Thess 1,10; 5,9) und kommt mit Christus in Herrlichkeit zurück (Sach 14,5; Offb 19,14).

Daher ist es heilsgeschichtlich unmöglich, die zehn Jungfrauen auf wiedergeborene Christen der Gnadenzeit zu beziehen.

Zusammenfassung

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen beschreibt das Gericht über die dann lebenden Juden bei der Wiederkunft des Messias. Es trennt vorbereitete, gläubige Messiashoffende von unvorbereiteten, ungläubigen Israeliten. Die Gemeinde ist weder thematisch noch zeitlich noch heilsgeschichtlich im Blick. Das Gleichnis ist eine eindringliche Mahnung an Israel, bereit zu sein, wenn der König kommt, um Sein Reich aufzurichten.

Die zehn Jungfrauen – heilsgeschichtliche Kurzfassung

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt 25,1–13) steht im unmittelbaren Zusammenhang der Endzeitrede Jesu in Matthäus 24–25 und ist heilsgeschichtlich eindeutig auf Israel bezogen. Der Herr Jesus beantwortet hier die jüdische Frage nach Seiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters (Mt 24,3) und entfaltet die Ereignisse der Drangsalszeit, Seines zweiten Kommens und der Aufrichtung des messianischen Reiches.

Die zeitliche Verbindung wird durch das Wort „Dann“ (Mt 25,1) hergestellt, das direkt an die Wiederkunft des Menschensohnes und die Sammlung Israels (Mt 24,29–31) anschließt. Die Gleichnisse in Matthäus 25 beschreiben somit Gerichte nach der Wiederkunft, nicht Wahrheiten der gegenwärtigen Gnadenzeit.

Die zehn Jungfrauen sind nicht die Braut, sondern gehören zur Hochzeitsgesellschaft. Der Bräutigam kommt bereits mit der Braut, während die Jungfrauen Ihm entgegengehen. Die Gemeinde hingegen wird im Neuen Testament eindeutig als Braut Christi beschrieben (Eph 5,25–27; Offb 19,7–9) und ist zu diesem Zeitpunkt bereits bei Christus.

Das Öl in den Lampen kann nicht den innewohnenden Heiligen Geist der Gemeinde darstellen, da es ausgehen, gekauft und nicht geteilt werden kann (Mt 25,8–9). Vielmehr steht es sinnbildlich für persönliche Glaubensbereitschaft und innere Erwartung gegenüber dem kommenden Messias.

Das Verschließen der Tür bedeutet nicht den Verlust ewigen Lebens, sondern den Ausschluss vom messianischen Reich. Das Gleichnis beschreibt somit das Gericht über die dann lebenden Israeliten, bei dem zwischen vorbereiteten, gläubigen Messiashoffenden und unvorbereiteten, ungläubigen Juden unterschieden wird (vgl. Hes 20,38; Sach 13,8–9; Mt 24,40–41).

Die Gemeinde der Gnadenzeit ist in diesem Abschnitt weder thematisch noch heilsgeschichtlich im Blick. Sie wird vor dem Zorn Gottes entrückt (1Thess 1,10; 5,9) und kommt mit Christus in Herrlichkeit zurück (Offb 19,14).

Zusammengefasst:
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen ist eine ernste Mahnung an Israel, zur Zeit der Wiederkunft des Messias bereit zu sein. Es betrifft nicht die Gemeinde, sondern die Trennung innerhalb Israels beim Übergang vom jetzigen Zeitalter in das messianische Reich.

Tabellarische Gegenüberstellung

Gemeinde – Israel – Gleichnis der zehn Jungfrauen (Mt 25,1–13)

Aspekt Gemeinde (Gnadenzeit) Israel (Endzeit / Wiederkunft) Zehn Jungfrauen (Mt 25)
Heilsgeschichtliche Stellung Himmlisches Volk Irdisches Bundesvolk Teil Israels
Zeitlicher Rahmen Pfingsten bis Entrückung Drangsalszeit & Wiederkunft Nach der Wiederkunft („Dann“)
Haupttextbereich Joh 13–17; Röm–Eph Mt 24–25; Sach 12–14 Mt 25,1–13
Adressaten Wiedergeborene Christen Lebende Israeliten Wartende Israeliten
Beziehung zu Christus Braut Christi Volk des Messias Hochzeitsgäste
Stellung bei Christi Kommen Wird zu Ihm entrückt Erwartet Ihn auf Erden Erwartet den Bräutigam
Kommen Christi Christus kommt für die Gemeinde Christus kommt zu Israel Bräutigam kommt mit der Braut
Rolle im Hochzeitsbild Braut Geladenes Volk Jungfrauen (nicht Braut)
Grundlage der Zugehörigkeit Wiedergeburt Glaube an den Messias Bereitschaft
Öl Heiliger Geist wohnt inne Keine Innewohnung verheißen Bild für Glaubensbereitschaft
Öl kann ausgehen? Nein (Eph 1,13) Nicht Thema Ja (Mt 25,8)
Öl käuflich? Nein (Gnadengabe) Nicht Thema Ja (bildlich)
Gericht im Blick Preisgericht (2Kor 5,10) Reichsgericht Einschluss / Ausschluss
Bedeutung der „Tür“ Zugang zur himmlischen Stellung Zugang zum Reich Geschlossene Tür = Ausschluss
Verlust der Errettung? Unmöglich Nicht Thema Nein
Ziel des Gleichnisses Belehrung Warnung Trennung
Endergebnis Bei Christus im Himmel Eintritt ins Reich oder Ausschluss Einige hinein, andere ausgeschlossen

Zentrale Beobachtung (Kurzfazit)

Die Gemeinde ist Braut und wird vor der Drangsalszeit entrückt.
Israel wird auf Erden beim Kommen des Messias gerichtet.
Die zehn Jungfrauen sind nicht die Gemeinde, sondern stellen Israel in Erwartung des kommenden Königs dar, wobei zwischen vorbereiteten und unvorbereiteten unterschieden wird.