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In Johannes 14,12 spricht der Herr Jesus nicht von
spektakuläreren Wundern oder übernatürlicheren Zeichen als denen,
die Er selbst getan hat.
Solche Werke lassen sich weder steigern noch übertreffen.
Der Zusammenhang der Abschiedsreden zeigt vielmehr, dass diese „größeren Werke“
erst möglich werden konnten,
weil der Herr zum Vater ging und den
Heiligen Geist sandte.
Während die Wunder
Jesu zeitliche Nöte linderten und Menschen wieder dem natürlichen Leben
zuführten,
wirken die „größeren Werke“
für die Ewigkeit.
Sie bestehen in der Verkündigung des Evangeliums und in der geistlichen
Neugeburt von Menschen,
die aus dem Tod ins Leben gelangen.
Diese Werke sind
nicht auf Apostel beschränkt, sondern gelten
jedem, der
an Christus glaubt.
Sie sind Werke des Geistes, nicht des Fleisches – nicht zur Rettung des Leibes,
sondern zur Rettung der Seele.
So erweist sich
Johannes 14,12
nicht als Verheißung gesteigerter Zeichenmacht, sondern als gewaltige Zusage
geistlicher
Wirksamkeit in der Gnadenzeit – zur Ehre Christi und zum Heil vieler.
Johannes 14,12 (Elb):
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“
Johannes 14 steht nicht isoliert, sondern
im Abschiedsreden-Komplex
(Joh 13–17). Der Herr Jesus spricht hier
nicht mehr öffentlich,
sondern ausschließlich zu den Seinen. Judas Iskariot ist bereits hinausgegangen
(Joh 13,30). Es geht nun nicht mehr um die Bestätigung Jesu als Messias vor
Israel, sondern um:
die Zeit nach seinem Weggang,
die Sendung des Heiligen Geistes,
und die neue Stellung der Gläubigen „in Christus“.
Das ist entscheidend für Johannes 14,12.
Der Herr sagt ausdrücklich nicht: „Ihr Apostel“, sondern:
„Wer an mich glaubt“
Damit ist
nicht ein apostolischer Sonderkreis,
sondern jeder Glaubende der Gnadenzeit
angesprochen.
Das schließt die Apostel ein, geht aber weit über sie hinaus. Schon das macht
deutlich:
👉 Es kann sich nicht primär um apostolische Zeichen und Machttaten handeln,
denn diese waren zeitlich und personell begrenzt (vgl. 2Kor 12,12).
Der Herr Jesus tat als Mensch auf der Erde große Werke:
Heilungen,
Dämonenaustreibungen,
Speisungen,
Auferweckungen von Toten.
Diese Werke hatten einen klaren Zweck:
Sie waren Zeichen (sēmeia),
zur Bestätigung seiner Person,
besonders vor Israel (Joh 2,11; Joh 20,30–31).
Aber:
Kein einziges Wunder rettete automatisch für die Ewigkeit.
Die Auferweckten starben wieder.
Die Geheilten wurden wieder krank.
Viele glaubten nicht rettend, obwohl sie Zeichen sahen (Joh 2,23–25; Joh 4,48).
Der Text selbst schließt diese Deutung aus:
„… größere als diese … weil ich zum Vater gehe.“
Das „weil“ (ὅτι) ist entscheidend.
Die größeren Werke sind kausal
mit dem Weggang Jesu zum Vater verbunden.
Aber:
Wunder und Zeichen geschahen auch vor Pfingsten,
ja sogar im Alten Testament.
👉 Was aber erst möglich wurde, als Christus zum Vater ging, ist:
die Ausgießung des Heiligen Geistes (Joh 16,7),
das Wohnen Gottes im Gläubigen (Joh 14,20),
und die Bildung des Leibes Christi (1Kor 12,13).
Das griechische Wort meizona („größer“) meint hier nicht spektakulärer, sondern höherer Ordnung.
Die größeren Werke sind:
nicht leiblich, sondern geistlich,
nicht zeitlich, sondern ewig,
nicht auf Israel beschränkt, sondern weltweit.
Ihr Kern ist:
die Verkündigung des Evangeliums zum ewigen Leben in der Kraft des Heiligen Geistes.
Das sehen wir unmittelbar nach Pfingsten:
Apg 2,41 – ca. 3000 Seelen
Apg 4,4 – ca. 5000 Männer
Apg 5,14 – Scharen
Apg 6,7 – das Wort Gottes wuchs
Das sind Werke, deren Frucht bis in die Ewigkeit reicht.
Es ist wahr:
Die Apostel taten Zeichen und Wunder
(Apg 5,12; Apg 19,12).
Aber:
Sie bestätigten das Wort (Hebr 2,3–4),
sie waren begleitend, nicht zentral,
sie nahmen ab, als die Offenbarung abgeschlossen wurde.
Die größere Wirksamkeit lag nicht im Wunder, sondern im Wort.
Die „größeren Werke“ von Johannes 14,12 sind keine spektakuläreren Wunder.
Sie sind größer, weil sie ewige Wirkung haben.
Sie wurden erst möglich, weil Christus zum Vater ging.
Ihr Träger ist der Heilige Geist, nicht menschliche Kraft.
Ihr Inhalt ist Evangeliumsverkündigung und neue Geburt.
Jeder wahrhaft Glaubende ist in diese Werke einbezogen.
Der Herr Jesus überließ uns keine „größeren
Machttaten“, sondern ein größeres
Vorrecht:
Werkzeuge zu sein, durch die Gott Menschen
vom Tod zum Leben führt.
Alles geschieht:
nicht durch uns,
sondern durch Christus in uns,
geleitet durch den Heiligen Geist.
„Hoffentlich ist in uns kein Hinderungsgrund.“
In Ihm
Hans Peter