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Liebe Geschwister,
zu Beginn eines neuen Jahres begegnen uns wieder viele
sogenannte
Tages- oder Jahresverse.
Bibelstellen werden verteilt, weitergeschickt oder als persönliche Wegweisung
verstanden.
Dabei ist nicht der Bibelvers das Problem
– sondern die Art, wie man mit der Schrift umgeht.
Die Bibel ist
kein Orakel,
sondern Gottes
geoffenbartes Wort.
Gott hat uns nicht einzelne Verse gegeben, die wir zufällig herausgreifen
sollen,
sondern
eine vollständige Offenbarung,
die gelesen, verstanden und im Zusammenhang betrachtet werden will.
In früheren Zeiten gab es sogar Methoden, bei denen
Menschen mit Nadeln in die Bibel stachen oder sie zufällig aufschlugen,
um „Gottes Willen“ zu erfahren.
Solche Praktiken stammen nicht aus der Schrift, sondern aus einem
orakelhaften
Denken, vor dem Gottes Wort
ausdrücklich warnt.
Die Schrift selbst zeigt uns einen anderen Weg:
„Sie forschten täglich in den Schriften, ob sich dies also verhielte.“
(Apostelgeschichte 17,11)
Nicht ein Vers für den Tag – sondern forschen in den Schriften.
Und Paulus schreibt:
„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre.“
(2. Timotheus 3,16)
Nicht ein einzelner Spruch – sondern alle Schrift.
Wenn wir uns nur von einzelnen Versen leiten lassen, die wir zufällig finden oder die uns emotional ansprechen, besteht die Gefahr, dass wir mehr auf Eindrücke hören als auf Gottes Wort selbst. Das führt leicht zu Unsicherheit, falschen Erwartungen oder geistlicher Unmündigkeit.
Darum möchte ich
uns ermutigen:
Lasst uns die Bibel
fortlaufend
lesen – von 1. Mose bis zur
Offenbarung. Kapitel für Kapitel. Im Zusammenhang. Mit offenem Herzen und
prüfendem Geist.
„Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuß und ein Licht meinem Pfad.“
(Psalm 119,105)
Nicht ein Los für einen Tag – sondern das ganze Wort für den ganzen Weg.
Amen.
Das Losungs-Prinzip meint:
Eine einzelne Bibelstelle wird zufällig oder ausgewählt ohne Kontext,
um als persönliche oder kollektive „Tages-, Monats- oder Jahresbotschaft“ zu dienen.
Dabei wird der Eindruck erweckt:
Gott habe für diesen Tag / dieses Jahr genau diesen Vers ausgewählt
der Vers habe eine besondere, oft richtungsweisende Bedeutung, unabhängig vom Zusammenhang
Das Problem ist nicht der Bibelvers, sondern die Methode.
Die Stichomantie oder Bibliomantie (auch Bibliomantik)
ist eine Form der Wahrsagung mittels
Texten.
Oft werden dafür Werke benutzt, die als heilig oder jedenfalls besonders
bedeutend gelten,
etwa die Ilias,
die Bibel oder
das I Ging.
Im Iran ist hierfür das Werk des Dichters Hafis sehr
populär.
Der Wahrsager formuliert eine Frage, die er nicht selbst beantworten kann. Dann
wählt er eines der genannten
Bücher oder ein beliebiges anderes, schlägt es auf oder sticht mit einem spitzen
Gegenstand irgendwo intuitiv
in eine Buchseite und deutet die Textstelle an dieser Position als Antwort. Er
versucht mit dieser Methode etwas
über eigene oder „fremde“ Verhaltensweisen, über künftige Bestimmungen und
Möglichkeiten zu erfahren.
Die Bibliomantie war bereits in der Antike bekannt.
Oft wurden dafür Texte von Homer und Vergil benutzt.
Im Lateinischen sprach
man von sortes homericae bzw. sortes
vergilianae.
Mit dem Aufkommen des Christentums lebten
diese Weissagungspraktiken auf Basis der Bibel (sortes
Sanctorum) fort.
Dies ist sowohl für den "Kirchenvater" Augustinus als
auch für "Franz
von Assisi" überliefert.[1]
A
uf der Synode von Vannes im Jahr 465 wurden
solche Praktiken untersagt und mit Exkommunikation bedroht.
Dieses Verbot wurde auch in zahlreichen späteren Konzilien übernommen.[2]
Wieder angeregt u. a. durch Nikolaus
Graf von Zinzendorf, war auch im 19. Jahrhundert die Bibliomantie
in vielen Schichten verbreitet.
Man bezeichnete sie auch als Däumeln, weil die Seiten mit
dem Daumen schnell durchgeblättert wurden und man dann eine zufällige Seite
aufschlug.
(Nadeln (Liesmernadeln?) , Aufschlagen etc.) ist gut belegt:
Bibliomantie (von biblos = Buch, manteia = Wahrsagung)
zufälliges Aufschlagen der Bibel
Hineinstechen mit einer Nadel oder einem Messer
Augen schließen und „irgendwohin zeigen“
Würfel oder Lose, um eine Stelle zu bestimmen
📌 Diese Praktiken sind uralt und stammen nicht aus biblischer Lehre, sondern:
aus dem Heidentum
aus der Spätantike
später aus mittelalterlicher Frömmigkeit
Sie wurden auch auf:
Homer
Vergil
den Koran
angewandt – also eindeutig
orakelhaft.
In der Bibel wird nirgendwo gelehrt, dass Gott seinen Willen durch zufällige Textauswahl offenbart.
Im Gegenteil:
„Es soll niemand unter dir gefunden werden, der Wahrsagerei treibt … denn ein Greuel für Jehova ist jeder, der diese Dinge tut.“
(5. Mose 18,10–12)
Bibliomantie fällt sachlich unter Wahrsagerei, auch wenn sie fromm verpackt ist.
| Gottes Weg | Orakel-Prinzip |
|---|---|
| Lesen im Zusammenhang | Herauslösen einzelner Verse |
| Belehrung durch den Geist | Erwartung eines „Zeichens“ |
| Wachstum in Erkenntnis | Suche nach Moment-Eindrücken |
| Verantwortung des Lesers | Abgabe der Verantwortung an Zufall |
„… sie forschten täglich in den Schriften, ob dies sich also verhielte.“
(Apg 17,11)
🔹 forschten – nicht „zogen einen Vers“
„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre …“
(2. Tim 3,16)
🔹 alle Schrift, nicht „ein Jahresspruch“
„… damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen von jedem Wind der Lehre“
(Eph 4,14)
Losungs-Frömmigkeit fördert oft geistliche Unmündigkeit.
Viele Geschwister sagen:
„Das war genau mein Vers für heute!“
⚠️ Gefahr:
subjektive Deutung
emotionale Überhöhung
falsche Sicherheit oder falsche Angst
„Gott hat mir gesagt …“ ohne Prüfung
Das öffnet Türen für:
Mystik
Spiritualismus
Erlebnis-Christentum statt Wort-Christentum
Nicht nur warnen – ermutigen:
fortlaufendes Lesen von 1. Mose bis Offenbarung
Kapitel für Kapitel
Altes und Neues Testament
Wiederholung über Jahre hinweg
„Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuß und ein Licht meinem Pfad.“
(Ps 119,105)
Nicht ein einzelner Vers – das Wort als Ganzes.
Gott hat uns kein Orakel gegeben, sondern ein Buch.
Kein Rätsel, sondern Offenbarung.
Kein Los, sondern Wahrheit.
Tatsächlich gab es früher Methoden wie:
"Sortes Biblicae" (Biblische Lose): Dabei wurde die Bibel aufgeschlagen und ein zufälliger Vers als "göttliche Antwort" interpretiert
Das Nadeln-Stechen: Man stieß eine Nadel in eine geschlossene Bibel und deutete den getroffenen Vers als Führung
Andere Orakelpraktiken mit religiösen Texten
Diese Methoden haben ihren Ursprung in antiken Orakeltechniken und wurden von der Kirche meist als Aberglaube oder sogar Spiritismus abgelehnt, da sie Gottes Wort von seinem Kontext lösen.
De-Kontextualisierung: Bibelverse werden aus ihrem Zusammenhang gerissen
Subjektivität: Die Interpretation wird vom Zufall bestimmt, nicht vom Studium
Missbrauchsgefahr: Kann zu Bestätigungsfehlern oder willkürlichen "göttlichen" Rechtfertigungen führen
Verwechselung von Zufall mit Führung: Das Losprinzip kann mit Gottes Führung verwechselt werden
Die Bibel selbst ermutigt zum:
Systematischen Lesen (2. Timotheus 3,16-17)
Nachsinnen über den Zusammenhang (Psalm 1,2)
Studium zur Erkenntnis (Apostelgeschichte 17,11)
Gemeinschaftliches Verstehen (Apostelgeschichte 8,30-31)