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00797
Werden Isaak, Jakob und Abraham im Königreich der Himmel anwesend sein,
Lieber Hans Peter
Folgende Frage hat sich mir heute ergeben:
Werden Isaak, Jakob und Abraham im Königreich der
Himmel anwesend sein, das heißt im 1000‑jährigen Reich physisch im
verherrlichten (himmlischen) Leib gegenwärtig sein?
Matthäus 8,11 lässt dies vermuten:
Ich sage euch aber, daß viele von Osten und Westen
kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tische liegen werden in dem
[König]Reiche der Himmel ...
“Von Osten und Westen bedeutet: aus der ganzen Welt.”[1] Es
ist eine Metonymie, die die entferntesten Punkte des Horizonts verwendet, um die
gesamte Erde zu bezeichnen.
Der alttestamentliche Hintergrund macht dies
deutlich. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang kommen als Bezeichnungen der
entferntesten Enden der Welt vor—JHWH ruft die Erde von Sonnenaufgang bis zum
Sonnenuntergang, das heißt die ganze Welt[2]
(vgl. Psalm 50,1). Man soll
im Osten und im Westen erkennen, daß JHWH der einzige Gott ist[2]
(Jesaja 45,6). Als Symbol
der größten Entfernung kommt „Osten und Westen” parallel mit „Himmel und Erde”
vor[2]
(Psalm 103,11f.).
Matthäus greift diese alttestamentliche Bildsprache
auf. Jesus geht hier von
Maleachi 1,11 aus, aus dessen LXX-Text die Wendung “von Osten und Westen”
stammen[1].
Die Bedeutung ist also nicht geografisch begrenzt, sondern universal: Menschen
aus allen Ecken der Welt—Heiden aus allen Völkern—werden im Königreich Gottes
mit den Patriarchen zu Tisch liegen. Jesus sieht viele kommen, nämlich Heiden,
wie ja auch der Hauptmann ein Heide ist.[1]
Dies unterstreicht die Universalität des Heils und
widerlegt die jüdische Erwartung, dass Nichtjuden vom messianischen Festmahl
ausgeschlossen sein würden.
[1] Gerhard Maier, Das
Evangelium des Matthäus: Kapitel 1–14, hg. von Gerhard Maier u. a.,
Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM
R.Brockhaus; Brunnen Verlag, 2015), 451.
[2] Helmer Ringgren, „זָרַח“,
in Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, hg. von G. Johannes
Botterweck, Helmer Ringgren, und Heinz-Josef Fabry (Stuttgart; Berlin; Köln;
Mainz: Verlag W. Kohlhammer, 1977), 2:663.
Mit freundlichen Grüssen
Andreas Moser
Lieber Andreas
-*-*-*-*-*-*
Matthäus 8,11 spricht nicht nur bildlich, sondern
setzt die
reale Anwesenheit
von Abraham, Isaak und Jakob im messianischen Reich voraus.
Die Patriarchen werden nach Daniel 12,2 leiblich auferstehen
und mit
verherrlichten, unsterblichen Leibern
im von Himmel regierten,
aber auf der Erde aufgerichteten Reich teilnehmen.
Das „Zu-Tische-Liegen“
beschreibt daher konkrete Gemeinschaft und bestätigt Gottes Treue zu seinen
Verheissungen.
Begründung:
In Matthäus 8,11 spricht der Herr Jesus bewusst vom
Zu-Tische-Liegen mit den Patriarchen
im Reich
der Himmel. Dieses Bild ist aus dem AT als
messianisches Festmahl bekannt (Jes
25,6) und setzt reale Personen voraus. Der Kontrast zu V. 12 („Söhne des Reiches
hinausgeworfen“) verliert sonst seine Schärfe.
Johannes 8,56 und Hebräer 11 zeigen, dass Abraham bewusst auf die zukünftige Erfüllung der Verheißungen wartete. Daniel 12,2 bezeugt eine leibliche Auferstehung der alttestamentlichen Gläubigen, zeitlich vor dem messianischen Reich. Sie gehören nicht zur Gemeinde, werden aber dennoch auferstehen.
Die Patriarchen werden daher verherrlichte, unsterbliche Leiber haben – passend zu einem Reich, das vom Himmel regiert, aber auf der Erde aufgerichtet ist. Das „Reich der Himmel“ ist seinem Ursprung nach himmlisch, seiner Auswirkung nach jedoch irdisch.
Matthäus 8,11 ist somit keine bloße Metapher, sondern eine konkrete eschatologische Aussage: Gläubige aus allen Nationen werden im kommenden Reich tatsächlich mit Abraham, Isaak und Jakob Gemeinschaft haben – zur Ehre Gottes und als Bestätigung seiner unwandelbaren Verheißungen.
„… und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tische liegen werden im Reich der Himmel.“
Das „Zu-Tische-Liegen“ ist eindeutig ein Festmahlmotiv (vgl. Jes 25,6; Mt 22,1–14; Lk 14,15). Es geht nicht um eine abstrakte Gemeinschaft, sondern um reale Teilnahme an messianischer Freude.
Der unmittelbare Kontext (V. 12!) ist entscheidend:
„Die Söhne des Reiches aber werden hinausgeworfen werden…“
Jesus kontrastiert:
gläubige Heiden → Teilnahme
ungläubige Juden → Ausschluss
Die Patriarchen stehen dabei als Repräsentanten des wahren Glaubens Israels, nicht bloß als literarische Symbole.
➡️ Jesus setzt ihre reale Anwesenheit voraus, sonst wäre der Kontrast wirkungslos.
Johannes 8,56 ist hier zentral:
„Abraham, euer Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich.“
Abraham ist:
bewusst existent
eschatologisch ausgerichtet
nicht ausgelöscht oder symbolisch
Hebräer 11,10.13–16 bestätigt:
Er erwartete eine Stadt
nicht nur geistlich, sondern wirklich
deren Erbauer Gott ist
„Viele von denen, die im Staube der Erde schlafen, werden erwachen…“
➡️ Diese Auferstehung ist zukünftig, leiblich und zeitlich im Zusammenhang mit Israels Endnot (Dan 12,1).
Die Schrift unterscheidet klar:
Christi Leib / Gemeinde → Auferstehung bei der Entrückung (1Thess 4)
alttestamentliche Heilige → Auferstehung nach der Drangsalszeit, vor dem messianischen Reich
Das passt exakt zu:
Offenbarung 20,4–6
Matthäus 19,28 („in der Wiedergeburt“)
Hier ist Präzision wichtig:
Der „himmlische Leib“ (1Kor 15,40–49) ist primär der Gemeinde zugeordnet.
Abraham, Isaak und Jakob werden:
auferstandene Leiber haben
nicht mehr sterben
fähig sein, zu essen und Gemeinschaft zu haben (vgl. Lk 24,39–43)
➡️ irdisch-verherrlicht, passend zu einem Reich, das:
vom Himmel regiert
aber auf der Erde aufgerichtet ist
Matthäus verwendet bewusst den Ausdruck:
„Reich der Himmel“
Das bedeutet:
Ursprung: himmlisch
Auswirkung: irdisch sichtbar
Jesaja 2; 11; 65 und Hesekiel 40–48 beschreiben:
reale Orte
reale Völker
reale Herrschaft
➡️ Die Patriarchen werden dort nicht nur geehrt, sondern anwesend sein.
Ja, Abraham, Isaak und Jakob werden:
im messianischen Reich anwesend sein
auferstanden, verklärt, aber erdbezogen
als Glaubensväter Israels
und als lebendiger Beweis der Treue Gottes zu seinen Verheißungen
Matthäus 8,11 ist daher:
keine bloße Metapher
sondern eine eschatologische Verheißung
mit realer, leiblicher Erfüllung
in IHM Hans Peter
10.01.2024