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Elb2023   
Einführung in die  AT  Bibelbücher für e-2023  Einführung in die NT  Bibelbücher für e-2023


00801 Apostolische Glaubensbekenntnisse



Was heißt eigentlich „Glauben bekennen“?
Ist es das Nachsprechen eines kirchlichen Textes –
oder das persönliche Zeugnis zu einer lebendigen Person?

Das sogenannte „Apostolische Glaubensbekenntnis“
ist vielen Christen vertraut.
Doch stammt es wirklich von den Aposteln?
Und entspricht es dem biblischen Verständnis von Bekenntnis?

Die Schrift kennt keine verpflichtenden Glaubensformeln.
Sie ruft nicht zum Aufsagen,
sondern zum Bekennen auf.

Nicht ein Text steht im Zentrum,
sondern Jesus Christus selbst.
Er ist der Inhalt,
der Maßstab
und das Ziel allen Bekenntnisses.

Das Neue Testament spricht von Bekenntnis
als Ausdruck des Glaubens des Herzens,
als öffentliches Zeugnis vor Menschen,
als Festhalten an der Hoffnung,
als Treue unter Druck.

Kirchliche Bekenntnisse können biblische Wahrheiten enthalten,
doch sie besitzen keine göttliche Autorität.
Sie sind Zeugnisse der Kirchengeschichte –
nicht der Maßstab des Glaubens.

Die Bibel dagegen lässt keinen Zweifel:
„Jesus ist Herr“
ist kein liturgischer Satz,
sondern ein geistgewirktes Bekenntnis.

Wo Christus bekannt wird,
wird Gott verherrlicht.
Wo Formeln genügen müssen,
ist geistliche Nüchternheit gefragt.

Diese Ausarbeitung stellt gegenüber:
kirchliches Bekenntnis und biblisches Bekenntnis –
sachlich, schriftgebunden und prüfend.

Nicht um zu verwerfen,
sondern um zu unterscheiden.
Nicht um Tradition zu ehren,
sondern um Christus festzuhalten.

„Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten.“ (Hebr 10,23)

Das Neue Testament kennt kein verpflichtendes Glaubensformular, sondern das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus.
Kirchliche Bekenntnisse können biblische Wahrheiten zusammenfassen, besitzen jedoch keine göttliche Autorität und ersetzen nicht das Evangelium.
Maßstab des Glaubens bleibt allein das geistgewirkte Bekenntnis: Jesus Christus ist Herr.

 Woher kommt der Ausdruck „Apostolisches Bekenntnis“?

Der Ausdruck stammt nicht aus der Bibel und auch nicht aus der apostolischen Zeit.

Historischer Ursprung

Warum heißt es „apostolisch“?

👉 Der Name ist also theologisch-programmatisch, nicht historisch korrekt.


2. Ist das „ehrlich“?

(also: ist die Bezeichnung sachlich wahr?)

Kurz gesagt:

Nein – historisch nicht.
Teilweise – inhaltlich eingeschränkt.

Historisch:

„Niemand kann sagen: Jesus ist Herr! außer im Heiligen Geist.“
(1Kor 12,3)

Inhaltlich:

👉 Es ist kein Evangelium, sondern ein dogmatisches Kurzschema.


3. Gibt es nicht mehrere solcher Bekenntnisse?

Ja – und das ist sehr wichtig.

Es gibt mehrere „klassische“ Glaubensbekenntnisse:

  1. Apostolisches Glaubensbekenntnis

  2. Nicäno-Konstantinopolitanisches Bekenntnis (325/381)

  3. Athanasianisches Bekenntnis

Gemeinsamkeit


Biblische Einordnung (entscheidend)

In der Schrift gibt es:

Warnung der Schrift:

„Hütet euch vor der Überlieferung der Menschen“
(Kol 2,8)

👉 Die Bibel kennt kein verpflichtendes Glaubensbekenntnis außerhalb der Schrift selbst.


Zusammenfassung in Klartext

Frage Antwort
Woher kommt der Ausdruck? Spätkirchlich, nicht apostolisch
Ist er ehrlich? Historisch nein, inhaltlich begrenzt
Gibt es mehrere? Ja, mehrere kirchliche Formeln

👉 Das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ ist ein kirchengeschichtliches Dokument, kein Maßstab des Glaubens.
👉 Maßstab bleibt allein: die Schrift – und die Person des Herrn Jesus Christus.

A) Apostolisches Bekenntnis – Satz für Satz biblisch geprüft

Vorbemerkung: Ich prüfe nicht „kirchlich“, sondern schriftgemäß:

  1. Gibt es klare Schriftstellen? 2) Was meint die Schrift genau? 3) Wo ist die Aussage zu knapp/mehrdeutig?

Ich nehme die übliche deutschsprachige Fassung (mit kleinen Varianten in Klammern).


1) „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“

Biblisch richtig.

Hinweis: Die Schrift unterscheidet: Gott ist „Vater“ in besonderer Weise für die Seinen (Joh 1,12; Eph 1,5). Als „Vater“ aller Menschen in neutestamentlichem Sinn ist es nicht einfach pauschal.


2) „Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn“

Biblisch, aber „eingeboren“ ist auslegungspflichtig.

Sprachhinweis: „eingeboren“ (monogenēs) meint nach heutigem Sprachverständnis eher „der Einzigartige/Einzige seiner Art“ (Joh 1,14.18; 3,16). Die Gottessohnschaft ist ewig, nicht „geschaffen“.


3) „Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“

Biblisch.

Hinweis: Die Schrift setzt hier wirkliche Menschwerdung und wirkliche Sündlosigkeit voraus (Heb 4,15).


4) „Gelitten unter Pontius Pilatus“

Biblisch und historisch verortet.


5) „Gekreuzigt, gestorben und begraben“

Biblisch.

Sehr wichtiger Zusatz, der im Bekenntnis fehlt:
Die Schrift betont nicht nur dass er starb, sondern warum: „für unsere Sünden“ (1Kor 15,3), „als Sühnung“ (Röm 3,25), „hat unsere Sünden getragen“ (1Pet 2,24).
👉 Das Bekenntnis berichtet Ereignisse, erklärt aber das Sühnewerk kaum.


6) „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ (oder: „in die Hölle“)

Hier ist die größte Auslegungsfrage.
Es gibt biblische Anknüpfungspunkte, aber die Formulierung ist mehrdeutig und wird sehr verschieden verstanden.

Texte, die oft genannt werden:

Sichere Kernaussage der Schrift:

👉 Biblisch sicher ist: wirklicher Tod / Bereich des Todes.
👉 Nicht sicher ist: daraus eine Lehre über „Predigt im Totenreich“ o.ä. zu bauen.


7) „Am dritten Tage auferstanden von den Toten“

Voll biblisch, zentral.


8) „Aufgefahren in den Himmel“

Biblisch.


9) „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“

Biblisch.


10) „Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“

Biblisch, aber die Schrift differenziert die Gerichte stärker.

👉 Aussage ist wahr, aber zusammengezogen (die Bibel entfaltet mehr Stufen/Aspekte).


11) „Ich glaube an den Heiligen Geist“

Biblisch.


12) „Die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen“

Biblisch im Kern – aber Begriffe müssen sauber gefüllt werden.

Hinweis: „katholisch/allgemein“ (in manchen Fassungen) heißt ursprünglich „weltweit/umfassend“, nicht römisch.
Gefahr: „Kirche“ wird schnell als Institution verstanden, während die Schrift primär den Leib Christi meint.


13) „Vergebung der Sünden“

Biblisch, zentral.

Was fehlt: Die Schrift verbindet Vergebung klar mit dem Blut und mit Glauben (Röm 3,24–26; Apg 13,38–39).


14) „Auferstehung des Fleisches“ (oder: „Auferstehung der Toten“)

Biblisch.


15) „Und das ewige Leben. Amen.“

Biblisch.


Ergebnis A (in einem Satz)

Das Bekenntnis enthält überwiegend wahre biblische Kernaussagen, ist aber nicht inspiriert, teils zu knapp, an einer Stelle („hinabgestiegen…“) deutlich mehrdeutig, und es lässt entscheidende Evangeliums-Klärungen (Sühnung, Rechtfertigung aus Glauben) weitgehend unausgesprochen.



B) Echte neutestamentliche „Bekenntnisse“ – Homologeō (ὁμολογέω) & Homologia (ὁμολογία)

ὁμολογέω = bekennen / eingestehen / bejahen (wörtlich: „dasselbe sagen“)
ὁμολογία = Bekenntnis (das Bekennen selbst / Inhalt des Bekenntnisses)

Ich trage dir die zentralen NT-Stellen zusammen und ordne sie thematisch. (Nicht jede einzelne Vorkommensstelle, aber die tragenden.)


1) Bekenntnis zu Jesus als dem Christus / Sohn Gottes / Herrn

Kernformeln der Schrift:


2) Bekenntnis vor Menschen – Treue oder Verleugnung

👉 Hier ist „Bekenntnis“ nicht Liturgie, sondern Treue zu Christus.


3) Sündenbekenntnis

👉 Das ist kein „Glaubensbekenntnis“, sondern Schuld-Eingeständnis im Licht Gottes.


4) Festhalten an „dem Bekenntnis“ (homologia) – besonders im Hebräerbrief

👉 Im Hebräerbrief ist „Bekenntnis“ eng verbunden mit Jesus als Hohenpriester und der Hoffnung.


5) Wahrheitsbekenntnis im Sinn von „eingestehen / anerkennen“

👉 Hier ist „bekennt“ oft: behaupten/zugeben — das NT deckt Heuchelei auf.


Ergebnis B (in einem Satz)

Das NT kennt kein verpflichtendes „Kirchenformular“, sondern Bekenntnis als lebendiges Bekennen:

  1. zu Christus (Herr/Christus/Sohn Gottes), 2) vor Menschen (Treue), 3) im Licht (Sündenbekenntnis), 4) als festgehaltene Hoffnung (Hebräerbrief).

A1 – Tabelle: Apostolisches Glaubensbekenntnis – biblisch geprüft

Satz des Bekenntnisses Zentrale Schriftstellen Kurze biblische Prüfung / Notiz
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen 1Mo 17,1; Mt 6,9; Eph 1,3 Gott offenbart sich als allmächtig; Vater besonders für die Gläubigen im Sohn
den Schöpfer des Himmels und der Erde 1Mo 1,1; Ps 33,6; Apg 17,24 Klar biblisch, schöpferische Alleinwirksamkeit Gottes
Und an Jesus Christus Mt 16,16; Joh 20,31 „Christus“ = der Gesalbte, messianischer Titel
seinen eingeborenen Sohn Joh 1,14.18; 3,16; 1Joh 4,9 monogenēs = einzig / einzigartig, nicht geschaffen
unseren Herrn Apg 2,36; Röm 10,9; Phil 2,11 NT-Kernbekenntnis: Jesus ist Herr
empfangen durch den Heiligen Geist Mt 1,18.20; Lk 1,35 Betonung göttlicher Initiative, sündlose Menschwerdung
geboren von der Jungfrau Maria Jes 7,14; Mt 1,23; Lk 1,27 Prophetisch verankert, historisch bezeugt
gelitten unter Pontius Pilatus Mt 27; 1Tim 6,13 Historische Verortung des Leidens
gekreuzigt Mt 27,35; 1Kor 1,23 Zentrales Heilsgeschehen
gestorben Röm 5,8; 1Kor 15,3 Wichtig: Tod für unsere Sünden (fehlt im Wortlaut)
und begraben Jes 53,9; Mt 27,59–60 Bezeugt den wirklichen Tod
hinabgestiegen in das Reich des Todes Apg 2,27.31; Lk 23,43 Biblisch schwierig; Tod real, aber Aussage mehrdeutig
am dritten Tage auferstanden von den Toten Mt 28; 1Kor 15,4 Fundament des Evangeliums
aufgefahren in den Himmel Apg 1,9–11; Heb 4,14 Beginn des himmlischen Dienstes
er sitzt zur Rechten Gottes Ps 110,1; Heb 1,3; 10,12 Herrschaft & Hoherpriesteramt
von dort wird er kommen zu richten Mt 25,31ff; Joh 5,22; Apg 17,31 Gericht biblisch, aber NT differenziert mehrere Gerichte
die Lebenden und die Toten 2Tim 4,1; Offb 20 Zusammenfassend korrekt
Ich glaube an den Heiligen Geist Joh 14–16; Apg 2; Röm 8 Person und Wirken des Geistes
die heilige christliche Kirche Mt 16,18; Eph 1,22–23 Gemeint ist der Leib Christi, nicht Institution
Gemeinschaft der Heiligen Apg 2,42; Eph 2,19 Biblische Realität der Gläubigen
Vergebung der Sünden Eph 1,7; Apg 13,38–39 Wichtig: durch Blut & Glauben (nicht explizit gesagt)
Auferstehung des Fleisches Joh 5,28–29; 1Kor 15 Leibliche Auferstehung gemeint
und das ewige Leben Joh 3,16; 5,24; 1Joh 5,11–13 Besitz des Gläubigen durch Christus

Kurzfazit A1:
Biblische Wahrheiten – ja.
Biblische Vollständigkeit & Präzision – nein.
Inspiration – nein.


B1 – Vollständige NT-Liste der Begriffe

ὁμολογέω · ὁμολογία · ἐξομολογέομαι

(nach Grundbedeutung sortiert, dann kanonisch)


1) ὁμολογέω (homologeō) – bekennen / eingestehen

Evangelien

Apostelgeschichte

Paulusbriefe

Johannesbriefe


2) ὁμολογία (homologia) – das Bekenntnis (Inhalt / Haltung)

Wichtig:
Im Hebräerbrief ist Jesus selbst der Inhalt des Bekenntnisses, nicht ein Text.


3) ἐξομολογέομαι (exomologeomai) – offen bekennen / bekennen mit Zustimmung

Evangelien

Apostelgeschichte

Jakobus


Zusammenfassende theologische Kernaussagen (NT)

  1. Bekenntnis ist personenbezogen, nicht formulargebunden
    → Jesus Christus selbst ist der Inhalt

  2. Bekenntnis geschieht

  3. Kein einziges inspiriertes Glaubensbekenntnis als Textform
    – aber viele klare Bekenntnisinhalte


Abschließender Merksatz (biblisch):

Das Neue Testament kennt kein kirchliches Glaubensformular,
sondern ein lebendiges, persönliches Bekennen des Herrn Jesus Christus
im Glauben, im Leben und vor den Menschen.

Kirchliches Bekenntnis vs. Biblisches Bekenntnis

(Grundsätzliche Gegenüberstellung)


1) Ursprung

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


2) Wesen

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


3) Inhaltlicher Mittelpunkt

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


4) Form der Autorität

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


5) Verhältnis zur Schrift

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


6) Zielsetzung

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


7) Bezug zum Heil

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


8) Gefahren

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


9) Prüfstein der Echtheit

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


10) Zeitlicher Charakter

Kirchliches Bekenntnis

Biblisches Bekenntnis


11) Zusammenfassender Gegensatz

Kirchlich Biblisch
Text Person
Formel Zeugnis
Dogma Glaube
Institutionell Geistlich
Nachgesprochen Gelebt

Schlussaussage (prägnant)

Die Schrift ruft nicht dazu auf, ein Glaubensbekenntnis zu lernen,
sondern den Sohn Gottes zu bekennen.

Oder mit Hebräer 3,1 zusammengefasst:

„Betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus.“

Biblisches Bekenntnis – 9 Merksätze

  1. Die Bibel kennt kein verpflichtendes Glaubensformular, sondern ein persönliches Bekenntnis zu Christus.
    (Röm 10,9; 1Kor 12,3)

  2. In der Schrift ist nicht ein Text, sondern eine Person der Inhalt des Bekenntnisses: Jesus Christus.
    (Heb 3,1; Joh 20,31)

  3. Ein kirchliches Bekenntnis kann Wahrheiten enthalten, besitzt aber keine göttliche Autorität.
    (Gal 1,8; Kol 2,8)

  4. Biblisches Bekenntnis entsteht aus Glauben und wird durch den Heiligen Geist gewirkt.
    (1Kor 12,3; 1Joh 4,15)

  5. Das Neue Testament verbindet Bekenntnis untrennbar mit dem Herzen und dem Leben.
    (Röm 10,10; Tit 1,16)

  6. Bekenntnis ist nicht liturgisches Nachsprechen, sondern öffentliches Zeugnis vor Menschen.
    (Mt 10,32; Lk 12,8)

  7. Das Evangelium wird nicht nur bekannt, sondern bekannt als rettende Botschaft.
    (1Kor 15,3–4; Röm 1,16)

  8. Ein richtiges Bekenntnis hält an Christus fest, auch unter Druck und Widerspruch.
    (Heb 4,14; 10,23)

  9. Wo Christus bekannt wird, wird Gott verherrlicht – nicht die Form, sondern die Wahrheit.
    (Phil 2,11; Joh 17,6)


Abschließender Leitsatz

Der christliche Glaube steht nicht auf einem Bekenntnis,
sondern auf dem Bekenntnis zu dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn.