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Elb2023    Einführung in die  AT  Bibelbücher für e-2023  Einführung in die NT  Bibelbücher für e-2023


00813  Stellen, wo Luther 1545 nicht dem TR Textus Receptus folgte  EBTC John MacArthur






Eine vollständig geschlossene, allgemein anerkannte „Vergleichsliste“ im Sinne einer offiziellen
Tabelle existiert leider nicht
,
aber es gibt
gut dokumentierte Untersuchungen, aus denen sich konkret benennbare
Abweichungen der Lutherbibel 1545 vom Textus Receptus (TR)
ergeben.
Wichtig ist dabei:
L
Luther hat den Textus Receptus nicht mechanisch übersetzt
, sondern kritisch benutzt.


Grundsätzliches zur Luther 1545 und dem Textus Receptus

✔ Luther nutzte Erasmus’ griechisches NT (1516–1535)
✔ Erasmus ist die Grundlage des später so genannten Textus Receptus
✘ Aber: Luther

Die Lutherbibel 1545 ist TR-nah, aber nicht TR-identisch


2. Hauptgründe für Abweichungen vom Textus Receptus

A) Übersetzerische Freiheit Luthers

Luther übersetzte sinngetreu, nicht wortgetreu.

„Man muss nicht die Buchstaben fragen, sondern die Mütter im Hause…“

➡ Das führt zu Einfügungen, Umstellungen oder Auslassungen, obwohl der griechische Text sie trägt.


B) Textkritische Entscheidungen

Luther:


C) Theologische Akzentsetzung

Manche Entscheidungen hängen klar mit Luthers Rechtfertigungsverständnis zusammen
(z. B. Römer 3,28).


3. Konkrete Stellen, wo Luther 1545 nicht exakt dem TR folgt

🔹 Römer 3,28 – berühmtestes Beispiel

TR:

δικαιοῦσθαι πίστει χωρὶς ἔργων νόμου

Luther 1545:

„… dass der Mensch allein durch den Glauben gerecht werde …“

„allein“ steht nicht im TR
➡ Luther begründet dies theologisch, nicht textlich


🔹 Matthäus 5,22

TR:

„wer seinem Bruder ohne Ursache zürnt …“

Luther 1545:

„wer seinem Bruder zürnt …“

➡ Luther lässt „ohne Ursache“ weg, obwohl es im TR steht
➡ Begründung: sittlich-theologische Klarheit


🔹 1. Johannes 5,7–8 (Comma Johanneum)

TR enthält:

„… der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins“

Luther 1545:
enthält das Comma,
⚠ aber mit erkennbarem Vorbehalt in Randbemerkungen früherer Ausgaben

➡ Luther war hier zurückhaltender als spätere Luther-Orthodoxie


🔹 Lukas 17,36

TR: Vers vorhanden
Luther 1545: Vers fehlt

„Zwei werden auf dem Felde sein…“

➡ Luther folgt hier einer anderen Texttradition


🔹 Apostelgeschichte 8,37

TR:

Bekenntnis des Kämmerers

Luther 1545:
enthalten,
aber sprachlich stark geglättet und kürzer


🔹 Matthäus 6,13 (Doxologie des Vaterunsers)

TR: vollständig enthalten
Luther 1545:
✔ enthalten
⚠ aber sprachlich interpretierend, nicht streng textnah


4. Werke, die solche Abweichungen dokumentieren

📚 Empfehlenswerte Literatur

🔹 Friedrich Wilhelm Bindseil

„Luthers Übersetzung des Neuen Testaments und ihre Quellen“

➡ Sehr detaillierte textkritische Analyse
➡ Zeigt, wo Luther vom Erasmus-Text abwich


🔹 Scrivener – Plain Introduction to the Criticism of the New Testament

➡ Enthält Vergleiche:


🔹 Kurt Aland

„Der Text des Neuen Testaments“

➡ Bestätigt ausdrücklich:

Luther war kein reiner TR-Übersetzer


🔹 Reformationsgeschichtliche NT-Synopsen

(z. B. Luther 1545 – Elberfelder – TR – Nestle)


5. Theologische Einordnung (wichtig!)

🔹 Luther 1545

🔹 Elberfelder

Kein Widerspruch, sondern unterschiedliche Zielsetzungen


6. Wenn du möchtest …



Systematische Vergleichstabelle

Luther 1545 vs. Textus Receptus (NT)

NT-Stelle Textus Receptus (griechische Lesart) Luther 1545 Art der Abweichung Bemerkung
Röm 3,28 „… δικαιοῦσθαι πίστει χωρὶς ἔργων νόμου“ „… allein durch den Glauben“ Theologische Hinzufügung „allein“ steht nicht im TR; bewusste Rechtfertigungsakzentuierung
Mt 5,22 „… wer seinem Bruder ohne Ursache zürnt“ „… wer seinem Bruder zürnt“ Auslassung Luther verwirft „ohne Ursache“ trotz TR
Lk 17,36 Vers vorhanden Vers fehlt Textauslassung Luther folgt hier nicht dem TR
Apg 8,37 Glaubensbekenntnis enthalten enthalten, aber verkürzt & geglättet Sprachlich reduziert TR-Inhalt vorhanden, aber nicht textnah
1Joh 5,7–8 Comma Johanneum enthalten enthalten Vorbehaltlich akzeptiert Luther skeptisch, später dogmatisch fixiert
Mt 6,13 volle Doxologie volle Doxologie freie Übersetzung Text vorhanden, aber nicht streng wörtlich
Hebr 2,7 „… ein wenig unter Engel erniedrigt“ „… ein kleine Zeit erniedrigt“ Deutende Umformung Zeitlich statt hierarchisch
Offb 22,19 „Buch des Lebens“ „Buch des Lebens“ ⚠ Mischtext Erasmus selbst unsicher – Luther folgt keiner stabilen TR-Form
Kol 1,14 „… durch sein Blut“ „… Erlösung“ Auslassung Blut-Hinweis fehlt (dogmatisch relevant)
1Kor 15,47 „der zweite Mensch der Herr aus dem Himmel“ „der andere Mensch vom Himmel“ Christolog. Abschwächung „der Herr“ fehlt

Wichtige Einordnung (gegen Verkürzungen!)

1 Luther ≠ moderner Textkritiker

Luther lehnte den TR nicht ab, sondern:

➡ Er war kein TR-Dogmatiker


2 Benedikt Peters hat sachlich Recht – aber nur teilweise

Richtig:

Unvollständig:

➡ Luther steht zwischen:


3 Wichtig für Bibelstunde & Lehre

🔹 Textfragen ≠ Heilsfragen
🔹 Keine der Abweichungen gefährdet:


Wenn du willst, gehe ich noch einen Schritt weiter:

Nur dogmatisch heikle Stellen (Rechtfertigung, Christologie, Blut, Trinität)
Vergleich Luther 1545 – Elberfelder – TR – Nestle
Argumentationshilfe, falls das Thema im familiären oder theologischen Gespräch wieder auftaucht
✔ oder eine druckfertige PDF-Tabelle für Bibelunterricht

Sag mir einfach, wofür du es konkret einsetzen willst.

Nur dogmatisch heikle Stellen

(Rechtfertigung – Christologie – Blut – Trinität)

Ich beschränke mich bewusst auf klar belegbare, theologisch relevante Fälle, nicht auf stilistische Feinheiten.


A) Rechtfertigung

Römer 3,28

TR (griechisch):

δικαιοῦσθαι πίστει χωρὶς ἔργων νόμου

Luther 1545:

„… dass der Mensch allein durch den Glauben gerecht werde …“

Dogmatische Bedeutung:

Dogmatische Verstärkung, keine Textgrundlage


B) Christologie

1. Korinther 15,47

TR:

ὁ δεύτερος ἄνθρωπος ὁ κύριος ἐξ οὐρανοῦ

Luther 1545:

„der andere Mensch vom Himmel

Problem:

Sinn bleibt christologisch korrekt, aber Titelverlust


Hebräer 2,7

TR:

„ein wenig unter Engel erniedrigt“

Luther 1545:

eine kleine Zeit erniedrigt“

➡ Hier wird Rang → Zeit umgedeutet
➡ Christologie bleibt wahr, aber heilsgeschichtlicher Akzent verschoben


C) Blut / Sühne

Kolosser 1,14

TR:

„… Erlösung durch sein Blut

Luther 1545:

„… die Erlösung“

Problem:

➡ Dogmatisch nicht falsch, aber reduziert


D) Trinität

1. Johannes 5,7–8 (Comma Johanneum)

TR:

Vater – Wort – Heiliger Geist – „und diese drei sind eins“

Luther 1545:
✔ enthalten
⚠ aber bereits bei Luther mit erkennbarem Vorbehalt

➡ Luther übernimmt es nicht dogmatisch kämpferisch, sondern zurückhaltend


2 Vergleichstabelle

Luther 1545 – Elberfelder – TR – Nestle

Stelle Luther 1545 Elberfelder Textus Receptus Nestle-Aland
Röm 3,28 allein durch Glauben ohne Werke χωρὶς ἔργων χωρὶς ἔργων
1Kor 15,47 vom Himmel der Herr aus dem Himmel ὁ κύριος ὁ κύριος
Kol 1,14 Erlösung Erlösung durch sein Blut διὰ τοῦ αἵματος meist ohne Blut
Hebr 2,7 kleine Zeit unter Engel βραχύ τι παρ’ ἀγγέλους gleich
1Joh 5,7 enthalten ausgelassen enthalten ausgelassen

👉 Wichtig:


3 Argumentationshilfe

(für familiäre oder theologische Gespräche)

Diese Punkte kannst du ruhig, sachlich und ohne Polemik anführen:


🔹 1. „Luther ≠ Textus-Receptus-Übersetzer“

Luther wollte kein normatives Grundtext-Modell schaffen, sondern eine verständliche deutsche Bibel.

➡ Wer Luther zum Maßstab des TR macht, missversteht Luther selbst.


🔹 2. Dogmatische Zuspitzung ≠ Textverfälschung

➡ Luther legt aus, er ediert keinen kritischen Text.


🔹 3. Keine zentrale Lehre steht oder fällt an diesen Stellen

Keine Lehre hängt an einer einzigen Textvariante


🔹 4. Texttreue ≠ geistliche Treue

Ein hoher Schriftrespekt bedeutet:

➡ Luther war ehrlicher als viele spätere Dogmatiker.


🔹 5. Brücke zu Benedikt Peters

Du kannst sachlich sagen:

„Ich stimme zu, dass Luther nicht immer streng dem TR folgt –
aber er verändert keine Lehre, sondern akzentuiert pastoral.“

Das ist historisch korrekt und theologisch fair.

Kurzreplik (3 Sätze – sehr wirkungsvoll)

„Luther war textlich nicht unzuverlässig, sondern bewusst kein mechanischer Übersetzer.
Er hat den griechischen Text des Neuen Testaments ernsthaft geprüft, aber ihn nicht dogmatisch fixiert, sondern sprachlich, pastoral und theologisch verantwortet übersetzt.
Keine einzige zentrale christliche Lehre wird durch seine Abweichungen vom Textus Receptus verfälscht oder gefährdet.“

➡ Damit ist der Vorwurf sachlich entkräftet, ohne Angriff.


Ausgebaute Replik (5 Punkte – falls jemand nachhakt)

1️⃣ „Unzuverlässig“ ist eine anachronistische Kategorie

Luther arbeitete vor der Entstehung moderner Textkritik.

➡ Man kann ihn nicht an Maßstäben messen,
die erst Jahrhunderte später entwickelt wurden.


2️⃣ Luther hat den Grundtext nicht ignoriert, sondern geprüft

➡ Das ist kritische Verantwortung, nicht Nachlässigkeit.


3️⃣ Abweichung ≠ Verfälschung

Beispiel Römer 3,28:

➡ Luther kommentiert im Text, er zerstört ihn nicht.


4️⃣ Keine Lehrwahrheit hängt bei Luther an einer Einzelstelle

➡ Textkritische Varianten tragen keine Dogmen allein.


5️⃣ Luther war ehrlicher als viele spätere Bibelbenutzer

Er hat nicht so getan, als sei sein Text perfekt.

➡ Er wusste:

Das macht ihn nicht unzuverlässig, sondern redlich.


Eine elegante Abschlussformulierung (wenn man Frieden will)

„Man kann Luthers Übersetzungsprinzip diskutieren –
aber ihn als textlich unzuverlässig zu bezeichnen,
ist historisch falsch und theologisch unfair.“

Damit ist die Sache klar, ohne Fronten aufzubauen.

heißt so etwas wie „festlegend“. Deterministisch wird oft verwendet, um zu sagen, dass Dinge zwingend so kommen müssen, dass sie also unausweichlich sind.

Präzise Replik – EBTC-zugeschnitten

Ausgangsthese (typisch EBTC)

„Luther ist textlich unzuverlässig, weil er theologisch eingegriffen hat; deshalb ist der reformierte, textkritisch saubere Ansatz vorzuziehen.“

Dahinter steht meist unausgesprochen:


1 Erste Korrektur: Kategorie Fehler offenlegen

Ruhige Antwort:

„Hier werden zwei Ebenen vermischt: Texttreue und systematische Theologie.“

Erklärung:

Man darf Luther nicht danach beurteilen, ob er spätere reformierte Dogmatik antizipiert.


2 Kernpunkt: πρόγνωσις ≠ προορισμός

Das ist der blinde Fleck vieler EBTC-Argumentationen.

Bibeltextlich sauber:

Begriff Bedeutung
πρόγνωσις (Vorauswissen) Erkennen, Wissen im Voraus
προορίζω (Vorherbestimmen) Festlegen, bestimmen

📖 Römer 8,29:

„Denn welche er zuvor erkannt hat (προέγνω), die hat er auch zuvor bestimmt …“

➡ Zwei unterschiedliche Verben, nicht synonym

EBTC-Fehler:

Vorauswissen wird automatisch als kausale Vorherbestimmung gelesen.

Das ist Systemtheologie, nicht Text.


3 Verbindung zur Luther-Frage (entscheidend!)

Du kannst sachlich sagen:

„Luther liest den Text nicht durch eine deterministische Brille, sondern heilsgeschichtlich und seelsorgerlich.“

Beispiel:

➡ Luther schützt den Glaubensweg, nicht ein System.


4 EBTC-typischer Kurzschluss – und die Antwort darauf

EBTC-Kurzschluss:

„Theologische Akzentuierung = textliche Unzuverlässigkeit“

Sachliche Erwiderung:

„Nein – textliche Unzuverlässigkeit wäre das Verdecken oder Leugnen von Textvarianten.
Luther hingegen hat offen übersetzt und offen begründet.“

Unzuverlässig ist nicht, wer erklärt –
sondern wer Systemtheologie als Text verkauft.

(der Satz sitzt, aber bleibt ruhig)


5 Calvinistische Prädestinationslogik offen benennen – ohne Angriff

Du kannst sehr nüchtern sagen:

„Wenn man Vorauswissen zwingend als Vorherbestimmung definiert,
muss man jede Übersetzung verdächtig finden,
die den Text nicht deterministisch zuspitzt.“

➡ Das erklärt:

Nicht wegen Text,
sondern wegen Systemkohärenz.


6 Abschlusssatz – EBTC-kompatibel, aber klar

„Die Frage ist nicht, ob Luther textlich zuverlässig war,
sondern ob man bereit ist, den Bibeltext auch dort stehen zu lassen,
wo er kein geschlossenes Heils-System liefert.“

Damit ist der Punkt gesetzt, ohne Streit.


Kurzform für den Kaffeetisch ☕ (1 Satz)

„Luther war textlich ehrlich – die eigentliche Spannung entsteht erst, wenn Vorauswissen dogmatisch mit Vorherbestimmung gleichgesetzt wird.“


1 Gezielte Römer-8-Argumentationsskizze gegen Determinismus

(textlich – nicht systematisch)

Ausgangspunkt (EBTC-typisch)

„Röm 8,29–30 lehrt eine deterministische Vorherbestimmung einzelner Personen zum Heil.“

Textliche Beobachtung (entscheidend)

📖 Römer 8,29

οὓς προέγνω, καὶ προώρισεν

👉 Zwei Verben, zwei Handlungen

Paulus setzt sie nicht gleich, sondern ordnet sie.


Schritt 1: Was bedeutet „προέγνω“ wirklich?

Im biblischen Sprachgebrauch:

➡ Gott erkennt Personen im Voraus,
nicht bloß abstrakte Heilsentscheidungen.


Schritt 2: Was wird vorherbestimmt?

📖 Röm 8,29:

„… gleichförmig dem Bild seines Sohnes

Nicht:

Sondern:

👉 Vorherbestimmt ist das Ziel, nicht der Zwang zum Glauben.


Schritt 3: Der Kontext von Römer 8

Röm 8 ist:

Kein metaphysisches Auswahl-Dekret,
sondern Heilsgewissheit für Christen.


Kurzform (sehr wirkungsvoll)

„Römer 8 erklärt nicht, warum jemand glaubt,
sondern was Gott mit denen tut, die glauben.“


2 Gegenüberstellung

Luther – Reformierte Orthodoxie – NT-Text

Thema Luther Reformierte Orthodoxie NT-Text
Vorauswissen Beziehungshaftes Erkennen kausal-deterministisch relational (προέγνω)
Vorherbestimmung Zielbezogen personenbezogen bildbezogen (Röm 8,29)
Rechtfertigung Glaubensantwort göttliches Dekret „aus Glauben“
Heilsordnung pastoral systematisch geschlossen kontextuell
Text & System Text > System System > Text Text spricht oft offen

👉 Wichtig:
Luther steht näher am offenen NT-Befund als an späterer Orthodoxie.


Schlüsselbeobachtung

Je stärker das System, desto enger wird der Text gelesen.
Je textnäher man liest, desto größer bleibt das Geheimnis.


3 Neutrale Gesprächsnotiz für EBTC-Brüder

(ohne „Dichtmachen“)

Diese Notiz kannst du wörtlich oder sinngemäß verwenden.


📝 Gesprächsnotiz (sachlich & friedlich)

„Ich habe den Eindruck, dass wir Römer 8 unterschiedlich lesen.
Für mich erklärt der Text nicht, warum jemand glaubt,
sondern was Gott mit denen tut, die er im Voraus kennt.

Luther liest diesen Abschnitt seelsorgerlich –
nicht systematisch-deterministisch.

Darum wirkt seine Übersetzung manchmal offen,
aber sie bleibt sehr nah am biblischen Textfluss.“

  • Vorauswissen ist Beziehung, nicht Zwang

  • Vorherbestimmt ist das Ziel, nicht der Glaube

  • Römer 8 tröstet – er dekretiert nicht

  • Systeme schließen, Texte öffnen

  • Kurze Gegenüberstellung

    MacArthur-Lesart vs. Textfluss von Römer 8

    (Fokus: Röm 8,28–30)


    1 Ausgangspunkt

    MacArthur-Lesart (typisch reformiert)

    Römer 8 beschreibt eine ewige, deterministische Heilsordnung,
    in der Gott einzelne Menschen unbedingt auswählt,
    bevor irgendeine menschliche Reaktion existiert.

    Textfluss-Beobachtung

    Römer 8 richtet sich an Gläubige,
    die leiden, hoffen und seufzen,
    und will ihnen Heilsgewissheit geben – nicht eine Metaphysik des Erwählens.


    2 Römer 8,28 – „denen, die Gott lieben“

    MacArthur-Lesart

    Textfluss

    Der Vers beschreibt, nicht erklärt kausal.


    3 Römer 8,29 – „die er zuvor erkannt hat“

    MacArthur-Lesart

    Textfluss

    📌 Der Text sagt nicht, dass Gott den Glauben vorherbestimmt.


    4 Römer 8,29b – Ziel der Vorherbestimmung

    MacArthur-Lesart

    Textfluss

    „… gleichförmig dem Bild seines Sohnes

    Heilsziel, nicht Heilsentscheidung.


    5 Römer 8,30 – die „Kette“

    MacArthur-Lesart

    Textfluss

    ➡ Paulus versichert, er definiert kein System.


    6 Kontextabbruch – was Paulus nicht sagt

    📌 Römer 8 sagt nicht:

    ➡ Diese Aussagen stammen aus Systemtheologie, nicht aus dem Text.


    7 Entscheidender Vergleich (1 Blick)

    Punkt MacArthur-Lesart Textfluss Römer 8
    Ziel Erklärung der Erwählung Trost & Gewissheit
    πρόγνωσις kausal relational
    Vorherbestimmung Personenwahl Zielbestimmung
    Stil logisch-systematisch pastoral-rhetorisch
    Richtung Himmel → Mensch Leiden → Hoffnung

    8 Ruhiger Abschlusssatz (sehr wirksam)

    „MacArthur liest Römer 8 von der Ewigkeit her,
    Paulus schreibt Römer 8 aus der Bedrängnis heraus.“

    Oder noch kürzer:

    „Der Text will trösten, nicht determinieren.“


    Typische EBTC-Denkmuster:

    1
    Die Kern-Rückfrage (am wirkungsvollsten)

    „Darf ich kurz nachfragen:
    Wo genau im Text von Römer 8 steht,
    dass Gottes Vorauswissen selbst schon Vorherbestimmung ist?“

    Warum sie wirkt:


    2 Die grammatische Rückfrage

    „Wenn Paulus zwei verschiedene Verben benutzt –
    προέγνω und προώρισεν –
    warum sollten wir sie inhaltlich gleichsetzen?“

    Für EBTC und ähnliche Anhänger:
    „Wenn Paulus zwei verschiedene Verben benutzt –
    προέγνω proegnō vorher wissen
    und
    προώρισεν proōrisen–vorher bestimmen
    warum sollten wir sie inhaltlich gleichsetzen?“

    Warum sie wirkt:


    3 Die Ziel-Rückfrage

    „Bezieht sich die Vorherbestimmung in Vers 29 nicht ausdrücklich
    auf das Ziel ‚gleichförmig dem Bild seines Sohnes‘
    und nicht auf die Entstehung des Glaubens?“

    Warum sie wirkt:


    4 Die Kontext-Rückfrage

    „Wenn Römer 8 Trost für leidende Gläubige ist,
    welchen seelsorgerlichen Zweck hätte dann ein verborgenes Auswahl-Dekret?“

    Warum sie wirkt:


    5 Die Beobachtungs-Rückfrage

    „Ist dir aufgefallen, dass Paulus in Römer 8 nie erklärt,
    warum jemand glaubt,
    sondern was Gott mit den Glaubenden tut?“

    Warum sie wirkt:


    6 Die Luther-Brücken-Rückfrage

    „Könnte es sein, dass Luthers offenere Übersetzung hier
    weniger ein textliches Problem ist
    als eine andere – seelsorgerliche – Leseabsicht?“

    Warum sie wirkt:


    7 Die Schluss-Rückfrage (nur wenn echtes Gespräch entsteht)

    „Wäre es denkbar,
    dass Römer 8 bewusst offen formuliert ist,
    um Gewissheit zu geben,
    ohne das Geheimnis der Verantwortung aufzulösen?“

    Warum sie wirkt:


    Mini-Leitfaden für dich (sehr wichtig)

    🔹 Nur eine Frage stellen, nicht mehrere
    🔹 Nach der Antwort schweigen
    🔹 Nicht korrigieren, nur zuhören
    🔹 Das Ziel ist Denken anregen, nicht Überzeugen


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