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✔ Luther nutzte
Erasmus’ griechisches NT
(1516–1535)
✔ Erasmus ist die Grundlage des später so
genannten
Textus Receptus
✘ Aber: Luther
verglich mehrere Erasmus-Ausgaben
zog lateinische und patristische Zeugnisse heran
glättete, paraphrasierte und deutete bewusst
➡ Die Lutherbibel 1545 ist TR-nah, aber nicht TR-identisch
Luther übersetzte sinngetreu, nicht wortgetreu.
„Man muss nicht die Buchstaben fragen, sondern die Mütter im Hause…“
➡ Das führt zu Einfügungen, Umstellungen oder Auslassungen, obwohl der griechische Text sie trägt.
Luther:
ließ einzelne TR-Lesarten weg, wenn sie ihm sekundär erschienen
bevorzugte gelegentlich eine Minoritätslesart
Manche Entscheidungen hängen klar mit
Luthers Rechtfertigungsverständnis zusammen
(z. B. Römer 3,28).
TR:
δικαιοῦσθαι πίστει χωρὶς ἔργων νόμου
Luther 1545:
„… dass der Mensch allein durch den Glauben gerecht werde …“
➡
„allein“ steht nicht im TR
➡ Luther begründet dies theologisch, nicht textlich
TR:
„wer seinem Bruder ohne Ursache zürnt …“
Luther 1545:
„wer seinem Bruder zürnt …“
➡ Luther
lässt „ohne Ursache“ weg,
obwohl es im TR steht
➡ Begründung: sittlich-theologische Klarheit
TR enthält:
„… der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins“
Luther 1545:
✔ enthält das Comma,
⚠ aber mit erkennbarem Vorbehalt
in Randbemerkungen früherer Ausgaben
➡ Luther war hier zurückhaltender als spätere Luther-Orthodoxie
TR: Vers vorhanden
Luther 1545: Vers
fehlt
„Zwei werden auf dem Felde sein…“
➡ Luther folgt hier einer anderen Texttradition
TR:
Bekenntnis des Kämmerers
Luther 1545:
✔ enthalten,
aber sprachlich stark geglättet
und kürzer
TR: vollständig enthalten
Luther 1545:
✔ enthalten
⚠ aber sprachlich interpretierend,
nicht streng textnah
„Luthers Übersetzung des Neuen Testaments und ihre Quellen“
➡ Sehr detaillierte textkritische
Analyse
➡ Zeigt, wo Luther vom
Erasmus-Text abwich
➡ Enthält Vergleiche:
Erasmus
Luther
Stephanus
Beza
„Der Text des Neuen Testaments“
➡ Bestätigt ausdrücklich:
Luther war kein reiner TR-Übersetzer
(z. B. Luther 1545 – Elberfelder – TR – Nestle)
🔹 Luther 1545
TR-nah
aber dogmatisch geprägt
pastoral ausgerichtet
🔹 Elberfelder
textlich präziser
transparenter gegenüber dem Grundtext
besser für Wortstudien
➡ Kein Widerspruch, sondern unterschiedliche Zielsetzungen
Luther 1545 vs. Textus Receptus (NT)
| NT-Stelle | Textus Receptus (griechische Lesart) | Luther 1545 | Art der Abweichung | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Röm 3,28 | „… δικαιοῦσθαι πίστει χωρὶς ἔργων νόμου“ | „… allein durch den Glauben“ | Theologische Hinzufügung | „allein“ steht nicht im TR; bewusste Rechtfertigungsakzentuierung |
| Mt 5,22 | „… wer seinem Bruder ohne Ursache zürnt“ | „… wer seinem Bruder zürnt“ | Auslassung | Luther verwirft „ohne Ursache“ trotz TR |
| Lk 17,36 | Vers vorhanden | Vers fehlt | Textauslassung | Luther folgt hier nicht dem TR |
| Apg 8,37 | Glaubensbekenntnis enthalten | enthalten, aber verkürzt & geglättet | Sprachlich reduziert | TR-Inhalt vorhanden, aber nicht textnah |
| 1Joh 5,7–8 | Comma Johanneum enthalten | enthalten | Vorbehaltlich akzeptiert | Luther skeptisch, später dogmatisch fixiert |
| Mt 6,13 | volle Doxologie | volle Doxologie | freie Übersetzung | Text vorhanden, aber nicht streng wörtlich |
| Hebr 2,7 | „… ein wenig unter Engel erniedrigt“ | „… ein kleine Zeit erniedrigt“ | Deutende Umformung | Zeitlich statt hierarchisch |
| Offb 22,19 | „Buch des Lebens“ | „Buch des Lebens“ | ⚠ Mischtext | Erasmus selbst unsicher – Luther folgt keiner stabilen TR-Form |
| Kol 1,14 | „… durch sein Blut“ | „… Erlösung“ | Auslassung | Blut-Hinweis fehlt (dogmatisch relevant) |
| 1Kor 15,47 | „der zweite Mensch der Herr aus dem Himmel“ | „der andere Mensch vom Himmel“ | Christolog. Abschwächung | „der Herr“ fehlt |
Luther lehnte den TR nicht ab, sondern:
benutzte mehrere Erasmus-Ausgaben
entschied kontextuell
übersetzte predigt- und gemeindebezogen
➡ Er war kein TR-Dogmatiker
Richtig:
Luther folgt nicht durchgehend dem TR
Unvollständig:
daraus eine prinzipielle Distanzierung vom TR zu machen
➡ Luther steht zwischen:
handschriftlicher Treue
reformatorischer Theologie
sprachlicher Freiheit
🔹
Textfragen ≠ Heilsfragen
🔹 Keine der Abweichungen gefährdet:
Gottheit Christi
Inspiration der Schrift
Erlösung aus Gnade
✔
Nur dogmatisch heikle Stellen
(Rechtfertigung, Christologie, Blut, Trinität)
✔ Vergleich Luther 1545 –
Elberfelder – TR – Nestle
✔ Argumentationshilfe,
falls das Thema im familiären oder theologischen Gespräch wieder auftaucht
✔ oder eine druckfertige
PDF-Tabelle für Bibelunterricht
Sag mir einfach, wofür du es konkret einsetzen willst.
(Rechtfertigung – Christologie – Blut – Trinität)
Ich beschränke mich bewusst auf klar belegbare, theologisch relevante Fälle, nicht auf stilistische Feinheiten.
TR (griechisch):
δικαιοῦσθαι πίστει χωρὶς ἔργων νόμου
Luther 1545:
„… dass der Mensch allein durch den Glauben gerecht werde …“
Dogmatische Bedeutung:
„allein“ steht nicht im TR
Luther begründet dies nicht textkritisch, sondern argumentativ-theologisch (Gal 2; Römer 4)
➡ Dogmatische Verstärkung, keine Textgrundlage
TR:
ὁ δεύτερος ἄνθρωπος ὁ κύριος ἐξ οὐρανοῦ
Luther 1545:
„der andere Mensch vom Himmel“
Problem:
„ὁ κύριος“ („der Herr“) fehlt
Christologische Titulatur abgeschwächt
➡ Sinn bleibt christologisch korrekt, aber Titelverlust
TR:
„ein wenig unter Engel erniedrigt“
Luther 1545:
„eine kleine Zeit erniedrigt“
➡ Hier wird
Rang → Zeit umgedeutet
➡ Christologie bleibt wahr, aber
heilsgeschichtlicher Akzent verschoben
TR:
„… Erlösung durch sein Blut“
Luther 1545:
„… die Erlösung“
Problem:
expliziter Blutbezug fehlt
Sühneterminologie abgeschwächt
➡ Dogmatisch nicht falsch, aber reduziert
TR:
Vater – Wort – Heiliger Geist – „und diese drei sind eins“
Luther 1545:
✔ enthalten
⚠ aber bereits bei Luther mit
erkennbarem Vorbehalt
➡ Luther übernimmt es nicht dogmatisch kämpferisch, sondern zurückhaltend
Luther 1545 – Elberfelder – TR – Nestle
| Stelle | Luther 1545 | Elberfelder | Textus Receptus | Nestle-Aland |
|---|---|---|---|---|
| Röm 3,28 | allein durch Glauben | ohne Werke | χωρὶς ἔργων | χωρὶς ἔργων |
| 1Kor 15,47 | vom Himmel | der Herr aus dem Himmel | ὁ κύριος | ὁ κύριος |
| Kol 1,14 | Erlösung | Erlösung durch sein Blut | διὰ τοῦ αἵματος | meist ohne Blut |
| Hebr 2,7 | kleine Zeit | unter Engel | βραχύ τι παρ’ ἀγγέλους | gleich |
| 1Joh 5,7 | enthalten | ausgelassen | enthalten | ausgelassen |
👉 Wichtig:
Elberfelder folgt nicht blind dem Nestle, sondern textlich differenziert
Luther steht zwischen Übersetzung und Auslegung
(für familiäre oder theologische Gespräche)
Diese Punkte kannst du ruhig, sachlich und ohne Polemik anführen:
Luther wollte kein normatives Grundtext-Modell schaffen, sondern eine verständliche deutsche Bibel.
➡ Wer Luther zum Maßstab des TR macht, missversteht Luther selbst.
Römer 3,28 ist inhaltlich korrekt
aber textlich erklärend ergänzt
➡ Luther legt aus, er ediert keinen kritischen Text.
Rechtfertigung: klar im ganzen NT
Christologie: vielfach bezeugt
Blut: zentral in Römer & Hebräer
Trinität: auch ohne 1Joh 5,7 eindeutig
➡ Keine Lehre hängt an einer einzigen Textvariante
Ein hoher Schriftrespekt bedeutet:
den Text ernst nehmen
aber auch ehrlich mit Varianten umgehen
➡ Luther war ehrlicher als viele spätere Dogmatiker.
Du kannst sachlich sagen:
„Ich stimme zu, dass Luther nicht immer streng dem TR folgt –
aber er verändert keine Lehre, sondern akzentuiert pastoral.“
Das ist historisch korrekt und theologisch fair.
„Luther war textlich nicht unzuverlässig, sondern bewusst kein mechanischer Übersetzer.
Er hat den griechischen Text des Neuen Testaments ernsthaft geprüft, aber ihn nicht dogmatisch fixiert, sondern sprachlich, pastoral und theologisch verantwortet übersetzt.
Keine einzige zentrale christliche Lehre wird durch seine Abweichungen vom Textus Receptus verfälscht oder gefährdet.“
➡ Damit ist der Vorwurf sachlich entkräftet, ohne Angriff.
Luther arbeitete vor der Entstehung moderner Textkritik.
➡ Man kann ihn
nicht an Maßstäben
messen,
die erst Jahrhunderte später
entwickelt wurden.
er nutzte mehrere Erasmus-Ausgaben
verglich lateinische, patristische und kontextuelle Zeugnisse
entschied bewusst, nicht willkürlich
➡ Das ist kritische Verantwortung, nicht Nachlässigkeit.
Beispiel Römer 3,28:
„allein“ ist eine Auslegung, keine Textmanipulation
die Lehre ist paulinisch belegt (Röm 4; Gal 2–3)
➡ Luther kommentiert im Text, er zerstört ihn nicht.
Christologie: vielfach bezeugt
Rechtfertigung: NT-weit
Blut & Sühne: Römer & Hebräer
Trinität: auch ohne 1Joh 5,7 eindeutig
➡ Textkritische Varianten tragen keine Dogmen allein.
Er hat nicht so getan, als sei sein Text perfekt.
➡ Er wusste:
Übersetzung ist Auslegung
Auslegung braucht Demut
Das macht ihn nicht unzuverlässig, sondern redlich.
„Man kann Luthers Übersetzungsprinzip diskutieren –
aber ihn als textlich unzuverlässig zu bezeichnen,
ist historisch falsch und theologisch unfair.“
Damit ist die Sache klar, ohne Fronten aufzubauen.
„Luther ist textlich unzuverlässig, weil er theologisch eingegriffen hat; deshalb ist der reformierte, textkritisch saubere Ansatz vorzuziehen.“
Dahinter steht meist unausgesprochen:
eine deterministische Prädestinationslogik
verbunden mit der Gleichsetzung:
Vorauswissen = Vorherbestimmung
„Hier werden zwei Ebenen vermischt: Texttreue und systematische Theologie.“
Erklärung:
Luther übersetzt vor der calvinistischen Systematisierung
EBTC argumentiert von einem dogmatischen Raster rückwärts
➡ Man darf Luther nicht danach beurteilen, ob er spätere reformierte Dogmatik antizipiert.
Das ist der blinde Fleck vieler EBTC-Argumentationen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| πρόγνωσις (Vorauswissen) | Erkennen, Wissen im Voraus |
| προορίζω (Vorherbestimmen) | Festlegen, bestimmen |
📖 Römer 8,29:
„Denn welche er zuvor erkannt hat (προέγνω), die hat er auch zuvor bestimmt …“
➡ Zwei unterschiedliche Verben, nicht synonym
Vorauswissen wird automatisch als kausale Vorherbestimmung gelesen.
➡ Das ist Systemtheologie, nicht Text.
Du kannst sachlich sagen:
„Luther liest den Text nicht durch eine deterministische Brille, sondern heilsgeschichtlich und seelsorgerlich.“
Beispiel:
Römer 3,28 → „allein“
nicht aus Textkritik
sondern aus soteriologischer Klarheit
➡ Luther schützt den Glaubensweg, nicht ein System.
„Theologische Akzentuierung = textliche Unzuverlässigkeit“
„Nein – textliche Unzuverlässigkeit wäre das Verdecken oder Leugnen von Textvarianten.
Luther hingegen hat offen übersetzt und offen begründet.“
➡
Unzuverlässig ist nicht, wer
erklärt –
sondern wer Systemtheologie als Text verkauft.
(der Satz sitzt, aber bleibt ruhig)
Du kannst sehr nüchtern sagen:
„Wenn man Vorauswissen zwingend als Vorherbestimmung definiert,
muss man jede Übersetzung verdächtig finden,
die den Text nicht deterministisch zuspitzt.“
➡ Das erklärt:
warum Luther problematisch wirkt
warum Elberfelder manchmal „zu offen“ wirkt
warum MacArthur-nahe Übersetzungen bevorzugt werden
Nicht wegen Text,
sondern wegen Systemkohärenz.
„Die Frage ist nicht, ob Luther textlich zuverlässig war,
sondern ob man bereit ist, den Bibeltext auch dort stehen zu lassen,
wo er kein geschlossenes Heils-System liefert.“
Damit ist der Punkt gesetzt, ohne Streit.
„Luther war textlich ehrlich – die eigentliche Spannung entsteht erst, wenn Vorauswissen dogmatisch mit Vorherbestimmung gleichgesetzt wird.“
(textlich – nicht systematisch)
„Röm 8,29–30 lehrt eine deterministische Vorherbestimmung einzelner Personen zum Heil.“
📖 Römer 8,29
οὓς προέγνω, καὶ προώρισεν …
👉 Zwei Verben, zwei Handlungen
προγινώσκω = zuvor erkennen / kennen
προορίζω = zuvor bestimmen / festlegen
➡ Paulus setzt sie nicht gleich, sondern ordnet sie.
Im biblischen Sprachgebrauch:
„erkennen“ = beziehungsbezogen, nicht kausal-mechanisch
vgl. Amos 3,2; Mt 7,23; Joh 10,14
➡ Gott erkennt
Personen im Voraus,
nicht bloß abstrakte Heilsentscheidungen.
📖 Röm 8,29:
„… gleichförmig dem Bild seines Sohnes“
➡ Nicht:
wer glauben darf
wer glauben muss
➡ Sondern:
das Ziel der Glaubenden
👉 Vorherbestimmt ist das Ziel, nicht der Zwang zum Glauben.
Röm 8 ist:
Trostkapitel für Leidende (V. 18)
Hoffnungskapitel für Seufzende (V. 23)
Gewissheitskapitel für Glaubende (V. 31–39)
➡
Kein metaphysisches Auswahl-Dekret,
sondern Heilsgewissheit für
Christen.
„Römer 8 erklärt nicht, warum jemand glaubt,
sondern was Gott mit denen tut, die glauben.“
Luther – Reformierte Orthodoxie – NT-Text
| Thema | Luther | Reformierte Orthodoxie | NT-Text |
|---|---|---|---|
| Vorauswissen | Beziehungshaftes Erkennen | kausal-deterministisch | relational (προέγνω) |
| Vorherbestimmung | Zielbezogen | personenbezogen | bildbezogen (Röm 8,29) |
| Rechtfertigung | Glaubensantwort | göttliches Dekret | „aus Glauben“ |
| Heilsordnung | pastoral | systematisch geschlossen | kontextuell |
| Text & System | Text > System | System > Text | Text spricht oft offen |
👉
Wichtig:
Luther steht näher am offenen
NT-Befund als an späterer Orthodoxie.
Je stärker das System, desto enger wird der Text gelesen.
Je textnäher man liest, desto größer bleibt das Geheimnis.
(ohne „Dichtmachen“)
Diese Notiz kannst du wörtlich oder sinngemäß verwenden.
„Ich habe den Eindruck, dass wir Römer 8 unterschiedlich lesen.
Für mich erklärt der Text nicht, warum jemand glaubt,
sondern was Gott mit denen tut, die er im Voraus kennt.Luther liest diesen Abschnitt seelsorgerlich –
nicht systematisch-deterministisch.Darum wirkt seine Übersetzung manchmal offen,
aber sie bleibt sehr nah am biblischen Textfluss.“
Vorauswissen ist Beziehung, nicht Zwang
Vorherbestimmt ist das Ziel, nicht der Glaube
Römer 8 tröstet – er dekretiert nicht
Systeme schließen, Texte öffnen
MacArthur-Lesart vs. Textfluss von Römer 8
(Fokus: Röm 8,28–30)
Römer 8 beschreibt eine ewige, deterministische Heilsordnung,
in der Gott einzelne Menschen unbedingt auswählt,
bevor irgendeine menschliche Reaktion existiert.
Römer 8 richtet sich an Gläubige,
die leiden, hoffen und seufzen,
und will ihnen Heilsgewissheit geben – nicht eine Metaphysik des Erwählens.
„die Gott lieben“ = Folge der Erwählung
Liebe ist Ergebnis, nicht Beschreibung
Paulus definiert die Zielgruppe
„die Gott lieben“ ist gegenwärtige Glaubensrealität
kein Hinweis auf ein verborgenes Dekret
➡ Der Vers beschreibt, nicht erklärt kausal.
„zuvor erkannt“ = „zuvor erwählt“
πρόγνωσις = implizite Vorherbestimmung
δύο Verben: προέγνω → προώρισεν
„erkennen“ bleibt beziehungsbezogen
Vorherbestimmung bezieht sich auf das Ziel
📌 Der Text sagt nicht, dass Gott den Glauben vorherbestimmt.
Vorherbestimmung = Auswahl zum Heil
„… gleichförmig dem Bild seines Sohnes“
Ziel = Christusähnlichkeit
nicht Bekehrung, sondern Verherrlichung
➡ Heilsziel, nicht Heilsentscheidung.
logische, geschlossene Heilskette
zwingend & unumkehrbar
rhetorische Gewissheitskette
rückblickend formuliert („verherrlicht“)
pastoral, nicht metaphysisch
➡ Paulus versichert, er definiert kein System.
📌 Römer 8 sagt nicht:
dass Gott den Unglauben bestimmt
dass Glaube erzwungen wird
dass Gott den Ruf nur scheinbar ausspricht
dass Verantwortung illusorisch ist
➡ Diese Aussagen stammen aus Systemtheologie, nicht aus dem Text.
| Punkt | MacArthur-Lesart | Textfluss Römer 8 |
|---|---|---|
| Ziel | Erklärung der Erwählung | Trost & Gewissheit |
| πρόγνωσις | kausal | relational |
| Vorherbestimmung | Personenwahl | Zielbestimmung |
| Stil | logisch-systematisch | pastoral-rhetorisch |
| Richtung | Himmel → Mensch | Leiden → Hoffnung |
„MacArthur liest Römer 8 von der Ewigkeit her,
Paulus schreibt Römer 8 aus der Bedrängnis heraus.“
Oder noch kürzer:
„Der Text will trösten, nicht determinieren.“
Typische EBTC-Denkmuster:
„Darf ich kurz nachfragen:
Wo genau im Text von Römer 8 steht,
dass Gottes Vorauswissen selbst schon Vorherbestimmung ist?“
Warum sie wirkt:
kein Angriff
kein Gegen-System
zwingt zurück in den Text
„Wenn Paulus zwei verschiedene Verben benutzt –
προέγνω und προώρισεν –
warum sollten wir sie inhaltlich gleichsetzen?“
Für EBTC und ähnliche Anhänger:
„Wenn Paulus zwei verschiedene Verben benutzt –
προέγνω proegnō vorher wissen
und
προώρισεν proōrisen–vorher bestimmen
warum sollten wir sie inhaltlich gleichsetzen?“
Warum sie wirkt:
rein sprachlich
EBTC-kompatibel
schwer auszuweichen
„Bezieht sich die Vorherbestimmung in Vers 29 nicht ausdrücklich
auf das Ziel ‚gleichförmig dem Bild seines Sohnes‘
und nicht auf die Entstehung des Glaubens?“
Warum sie wirkt:
verweist auf den expliziten Textinhalt
vermeidet Systemdiskussion
„Wenn Römer 8 Trost für leidende Gläubige ist,
welchen seelsorgerlichen Zweck hätte dann ein verborgenes Auswahl-Dekret?“
Warum sie wirkt:
zeigt Spannungsfeld Text ↔ System
ohne polemische Zuspitzung
„Ist dir aufgefallen, dass Paulus in Römer 8 nie erklärt,
warum jemand glaubt,
sondern was Gott mit den Glaubenden tut?“
Warum sie wirkt:
lädt zum Mitdenken ein
kein Widerspruch, nur Beobachtung
„Könnte es sein, dass Luthers offenere Übersetzung hier
weniger ein textliches Problem ist
als eine andere – seelsorgerliche – Leseabsicht?“
Warum sie wirkt:
verbindet Textfrage & Lutherfrage
entschärft den Vorwurf der „Unzuverlässigkeit“
„Wäre es denkbar,
dass Römer 8 bewusst offen formuliert ist,
um Gewissheit zu geben,
ohne das Geheimnis der Verantwortung aufzulösen?“
Warum sie wirkt:
lässt Raum
verhindert Fronten
🔹
Nur eine Frage stellen, nicht
mehrere
🔹 Nach der Antwort schweigen
🔹 Nicht korrigieren, nur zuhören
🔹 Das Ziel ist Denken anregen,
nicht Überzeugen
Gute Rückfragen öffnen den Text –
schlechte Antworten schließen Gespräche.