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Elb2023    Einführung in die  AT  Bibelbücher für e-2023  Einführung in die NT  Bibelbücher für e-2023



00820 Es gibt im Wort Gottes keine Auserwählung zum Heil und keine Auserwählung zur Verdammnis.



Die Lehre von der Auserwählung zählt zu den komplexesten und kontroversesten Themen der systematischen Theologie.
Eine sachgemäße Beurteilung erfordert, dass die Aussagen der Heiligen Schrift selbst maßgeblich bleiben.
Die Bibel beschreibt den Menschen als durch die Sünde verdorben, ohne jedoch seine Verantwortlichkeit aufzuheben.
Auserwählung erscheint in der Schrift primär als Auswahl zu Stellung, Auftrag und heilsgeschichtlicher Funktion.
Christus selbst wird als der von Gott Auserwählte vorgestellt.
Die neutestamentliche Auserwählung ist konsequent „in Christus“ verortet.
Ein individueller Heilsstatus wird niemals unabhängig vom Glauben definiert.
Ebenso findet sich in der Schrift keine Lehre von einer Auserwählung zur Verdammnis.
Gericht ist stets die Folge des anhaltenden Unglaubens.
Der Sühnungstod Christi besitzt universale Reichweite.
Die Heilszusage Gottes richtet sich ernsthaft an alle Menschen.
Die göttliche Gnade wirkt überzeugend, nicht determinierend.
Biblische Warnungen behalten ihren realen Charakter.
Die Heilsgewissheit des Gläubigen gründet ausschließlich in Christus.
So entfaltet die Schrift eine theologisch kohärente und ausgewogene Lehre jenseits systembedingter Konstruktionen.

Die Frage der Auserwählung gehört zu den umstrittensten Lehrthemen der Christenheit.
Dabei ist entscheidend, nicht von theologischen Systemen auszugehen, sondern vom Wort Gottes selbst.
Die Bibel spricht klar von der Verderbtheit des Menschen, aber ebenso klar von seiner Verantwortung.
Sie kennt Auserwählung – jedoch stets zu Stellung, Aufgabe und Zeugenschaft.
Christus selbst ist der eigentliche Auserwählte Gottes.
Alle, die durch Glauben in Ihm sind, haben Anteil an dieser Auserwählung.
Das Heil wird im Neuen Testament niemals an eine vorzeitliche Auswahl einzelner Menschen gebunden.
Ebenso kennt die Schrift keine Auserwählung zur Verdammnis.
Verdammnis ist stets die Folge des bewussten Unglaubens.
Der Tod des Herrn Jesus gilt der ganzen Welt.
Die Gnade Gottes wird allen Menschen ernsthaft angeboten.
Sie wirkt überzeugend, aber nicht zwingend.
Biblische Warnungen bleiben real und bedeutsam.
Die Sicherheit des Gläubigen ruht allein in Christus.
So bewahrt die Schrift die göttliche Wahrheit ohne philosophische Zusätze.

1. Grundsatz vorweg (biblisch-methodisch)

Die Bibel kennt:

Aber sie kennt keine

👉 Heil und Verdammnis werden im NT stets an Glauben bzw. Unglauben gebunden, nicht an einen vorzeitlichen Entscheid Gottes über Einzelpersonen.


2. Das zentrale Wort: „auserwählen“

2.1 Griechischer Grundbegriff

ἐκλέγομαι – eklegomai
= auswählen, herausnehmen, bestimmen aus mehreren

Substantiv:
ἐκλογή – eklogē
= Auswahl, Auswahlhandlung

👉 Das Wort selbst sagt NICHTS über „ewiges Heil“ oder „Verdammnis“, sondern nur über Auswahl zu etwas.


3. Auserwählung im Alten Testament (Grundlage)

3.1 Israel – auserwählt, aber nicht automatisch gerettet

5. Mose 7,6 (ELB 1905)
„Denn du bist ein heiliges Volk Jehova, deinem Gott; dich hat Jehova, dein Gott, erwählt, daß du ihm ein Eigentumsvolk seiest.“

Auserwählt wozu?

❗ Dennoch:


4. Auserwählung im Neuen Testament – genau betrachtet


4.1 Christus selbst ist der Auserwählte

Lukas 9,35
„Dieser ist mein auserwählter Sohn“

👉 Urform der Auserwählung:


4.2 Gläubige sind „auserwählt in Christus“

Epheser 1,4
„wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt“

🔑 entscheidender Ausdruck:
ἐν αὐτῷ – en autō – „in ihm“

➡ Die Auserwählung betrifft eine Person (Christus)
➡ Wer in Christus ist, hat Anteil daran

Nicht: Gott wählt Menschen aus, um sie in Christus zu bringen
Sondern: Gott hat den Weg des Heils in Christus vor Grundlegung festgelegt

➡ Wer glaubt, kommt in diese Auserwählung hinein


5. Gibt es Auserwählung zum Heil?

5.1 Das NT sagt: Heil durch Glauben – nie durch Auswahl

Johannes 3,16
„auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe“

Johannes 1,12
„so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden“

👉 kein einziger Vers sagt:

„… auf daß die Auserwählten glauben“

Sondern immer:

„wer glaubt“


6. Gibt es Auserwählung zur Verdammnis?

6.1 Klare Verneinung durch die Schrift

Hesekiel 33,11
„Ich habe kein Gefallen am Tode des Gesetzlosen“

1. Timotheus 2,4
„welcher will, daß alle Menschen errettet werden“

2. Petrus 3,9
„da er nicht will, daß irgendwelche verloren gehen“

Verdammnis entsteht nie durch Erwählung, sondern durch:

bewussten Unglauben

Johannes 3,18
„wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“


7. Römer 9 – der meistmissbrauchte Abschnitt

7.1 Thema ist nicht Heil, sondern Heilsgeschichte

❗ Römer 9 sagt nicht, dass Gott Menschen zur Hölle bestimmt.

Römer 9,22
„Gefäße des Zorns, die zum Verderben zubereitet sind“

Passivform
= sie haben sich selbst zugerichtet (vgl. Römer 2,5)


8. Sprachliche Erklärung – Deutsch

8.1 Beispiel „Auserwählen“ im Alltag

„Ich wähle einen Spieler für meine Mannschaft.“

❓ Bedeutet das:

❌ Nein.

➡ Es bedeutet:

8.2 Biblisch übertragen

Aber niemand wird ohne Glauben gerettet
Niemand wird ohne Unglauben verloren


9. Zusammenfassung in Klartext

Die Bibel lehrt:

✔ Auserwählung zu Stellung, Aufgabe, Dienst, Zeugenschaft
✔ Auserwählung in Christus
✔ Heil durch Glauben
✔ Verdammnis durch Unglauben

❌ Keine Auserwählung einzelner Menschen zum Heil vor Glauben
❌ Keine Auserwählung einzelner Menschen zur Verdammnis

Gegenüberstellung: Bibel – Calvinismus

Thema Biblische Lehre (ELB 1905) Calvinistische Lehre
Grundlage des Heils Heil durch Glauben an Christus (Joh 3,16; Joh 1,12; Eph 2,8) Heil durch ewige Erwählung einzelner Personen
Bedeutung von Auserwählung ἐκλέγομαι (eklegomai) = auswählen zu Aufgabe, Stellung, Zeugenschaft Auserwählung = Auswahl einzelner Menschen zum ewigen Heil
Ort der Auserwählung „in Christus“ (Eph 1,4) – Christus ist der Auserwählte Auserwählung einzelner Menschen vor Christus
Reihenfolge Glaube → in Christus → Anteil an der Auserwählung Auserwählung → Glaube als Folge
Umfang des Heilsangebotes jeder, der glaubt“ (Joh 3,16) Heil wirksam nur für die Erwählten
Wille Gottes Gott will, dass alle Menschen errettet werden (1Tim 2,4; 2Pet 3,9) Gott will nur die Erwählten retten
Bedeutung von Vorherwissen πρόγνωσις (prognōsis) = vorher wissen (1Pet 1,2) Vorherwissen = vorher bestimmen
Grund der Verdammnis Unglaube (Joh 3,18; Joh 8,24) Fehlen der Erwählung
Auserwählung zur Verdammnis Nicht vorhanden in der Schrift Teilweise vertreten (doppelte Prädestination)
Römer 9 Heilsgeschichtliche Erwählung von Völkern und Werkzeugen Individuelle Erwählung zum Heil/Verderben
Gefäße des Zorns Menschen, die sich selbst zurichten (Röm 2,5; Röm 9,22 – Passiv!) Von Gott zum Verderben bestimmt
Christus starb für wen? Für alle (Joh 1,29; 1Joh 2,2; 2Kor 5,14–15) Nur für die Erwählten
Evangeliumsaufruf Ernsthaft und ehrlich an alle Menschen Äußerer Ruf an alle, innerer nur für Erwählte
Verantwortung des Menschen Mensch ist verantwortlich zu glauben (Apg 17,30) Verantwortung eingeschränkt durch Vorbestimmung
Sicherheit des Gläubigen Sicherheit in Christus (Joh 10,28) Sicherheit durch unwiderrufliche Erwählung

Zentrale sprachliche Klärung (entscheidend!)

Griechisch: ἐκλέγομαι – eklegomai

auswählen, bestimmen zu etwas, nicht zu einem Schicksal

📌 Nie:

📌 Immer:


Deutsches Sprachbeispiel (pädagogisch hilfreich)

„Der Lehrer wählt einen Schüler als Klassensprecher.“

❓ Bedeutet das:

❌ Nein.
✔ Es ist eine Funktionswahl, keine Wert- oder Schicksalsentscheidung.

➡ Genau so gebraucht die Bibel den Begriff Auserwählung.


Kurz-Zusammenfassung

Die Bibel lehrt keine Auserwählung zum Heil und keine Auserwählung zur Verdammnis.
Sie lehrt:

erweiterte, punktgenaue Gegenüberstellung der fünf TULIP-Lehrpunkte mit der biblischen Lehre (Elberfelder 1905), jeweils schriftgebunden, sprachlich präzise und für Bibelstudium/Bibelstunde geeignet.


TULIP – Punkt-für-Punkt

Bibel vs. Calvinismus


T – Total Depravity

(„Totale Verderbtheit“)

Biblische Lehre Calvinistische Lehre
Zustand des Menschen Der Mensch ist verloren, sündig und geistlich tot (Eph 2,1) Der Mensch ist so verdorben, dass er nicht glauben kann
Gottes Bild Gottes Bild ist beschädigt, aber nicht ausgelöscht (1Mo 9,6; Jak 3,9) Gottes Bild funktional aufgehoben
Fähigkeit zu glauben Der Mensch kann glauben, wenn Gott ihn anspricht (Joh 20,31) Der Mensch kann nur glauben, wenn er vorher neu geboren wird
Verantwortung Gott ruft alle zur Umkehr (Apg 17,30) Verantwortung besteht formal, faktisch aber nicht
Biblische Grenze Verderbtheit ≠ Unfähigkeit zu glauben Verderbtheit = absolute Unfähigkeit

📌 Biblischer Befund:
Verderbtheit beschreibt den moralischen Zustand, nicht den Ausschluss der Verantwortlichkeit.


U – Unconditional Election

(„Bedingungslose Erwählung“)

Biblische Lehre Calvinistische Lehre
Ort der Erwählung In Christus (Eph 1,4) In Gottes geheimem Ratschluss
Objekt der Erwählung Christus ist der Auserwählte (Lk 9,35) Einzelne Menschen
Bedingung Glaube als Antwort (Joh 1,12) Keine Bedingung
Reihenfolge Glaube → in Christus → Erwählungsteil Erwählung → Glaube
Griechisch ἐκλέγομαι – eklegomai = auswählen zu etwas Umgedeutet zu Schicksalsfestlegung

📌 Kernproblem:
Die Schrift sagt nie, dass Menschen auserwählt werden, um zu glauben.


L – Limited Atonement

(„Begrenzte Sühnung“)

Biblische Lehre Calvinistische Lehre
Reichweite des Todes Christi Für alle (Joh 1,29; 1Joh 2,2) Nur für die Erwählten
Wirksamkeit Wirksam für die Glaubenden Wirksam nur für Erwählte
Angebot Ernsthaft an alle (Jes 55,1; Offb 22,17) Nur äußerlich an alle
Sprache der Bibel „alle“, „die Welt“, „jeder“ Umdefiniert zu „alle Erwählten“
2Kor 5,14 „einer für alle gestorben“ Umgedeutet

📌 Biblische Linie:
Das Opfer ist ausreichend für alle, wirksam für Glaubende.


I – Irresistible Grace

(„Unwiderstehliche Gnade“)

Biblische Lehre Calvinistische Lehre
Wirkung der Gnade Gnade kann abgelehnt werden (Apg 7,51) Gnade wirkt unwiderstehlich
Ruf Gottes Menschen können widerstehen (Mt 23,37) Erwählte können nicht widerstehen
Beziehung Gott wirkt überzeugend, nicht zwingend Gott wirkt determinierend
Glaube Antwort des Menschen Folge eines Zwangswirkens

📌 Apg 7,51:
„Ihr widerstreitet allezeit dem Heiligen Geiste.“


P – Perseverance of the Saints

(„Beharren der Heiligen“)

Biblische Lehre Calvinistische Lehre
Sicherheit Sicherheit in Christus (Joh 10,28) Sicherheit durch Erwählung
Grundlage Werk Christi Ratschluss Gottes
Warnungen Ernsthaft und real (Hebr 3; Hebr 6) Warnungen nur hypothetisch
Abfall Biblisch als Möglichkeit dargestellt Uminterpretiert als „nie echt“
Haltung Vertrauen + Verantwortung Sicherheit ohne echte Gefahr

📌 Biblische Spannung:
Sicherheit und Verantwortung stehen nebeneinander – ohne philosophische Auflösung.


Gesamtübersicht in einem Satz

TULIP ersetzt biblische Aussagen durch ein geschlossenes Denksystem, während die Schrift Glauben, Verantwortung, Angebot und Sicherheit nebeneinander stehen lässt.


Kurzfassung für Bibelstunde

Einleitung

Die Lehre von der Auserwählung nimmt innerhalb der christlichen Theologie eine zentrale, zugleich jedoch hochumstrittene Stellung ein. Seit der patristischen Zeit bis in die reformatorische und nachreformatorische Dogmengeschichte wurde die Frage diskutiert, in welchem Verhältnis göttliche Souveränität, menschliche Verantwortung und das Heil des Einzelnen zueinander stehen. Insbesondere das calvinistische Lehrsystem, zusammengefasst im sogenannten TULIP-Schema, hat die Debatte maßgeblich geprägt und zugleich polarisiert.

Eine sachgerechte Untersuchung dieser Fragen setzt voraus, dass nicht ein geschlossenes theologisches System, sondern die Aussagen der Heiligen Schrift selbst den methodischen Ausgangspunkt bilden. Dabei ist zwischen biblischer Terminologie und späterer dogmatischer Begriffsprägung sorgfältig zu unterscheiden. Begriffe wie „Auserwählung“, „Vorherbestimmung“ oder „Gnade“ dürfen nicht mit vorgeprägten Bedeutungsinhalten gefüllt werden, sondern sind aus ihrem jeweiligen sprachlichen, literarischen und heilsgeschichtlichen Kontext heraus zu verstehen.

Die vorliegende Untersuchung geht von der Beobachtung aus, dass die Bibel zwar eindeutig von Auserwählung spricht, diese jedoch primär als Auswahl zu Stellung, Auftrag und heilsgeschichtlicher Funktion beschreibt. Christus selbst erscheint als der eigentliche Auserwählte Gottes, und die neutestamentliche Auserwählung ist konsequent „in Christus“ verortet. Ein individueller Heilsstatus wird demgegenüber im gesamten Neuen Testament an den Glauben gebunden und niemals als Ergebnis einer vorausgehenden, bedingungslosen Auswahl einzelner Menschen dargestellt.

Ebenso auffällig ist, dass die Schrift keine Lehre von einer Auserwählung zur Verdammnis kennt. Gericht und Verlorengehen werden durchgängig als Folge des bewussten und anhaltenden Unglaubens beschrieben. Aussagen über den universalen Heilswillen Gottes sowie über die Reichweite des Sühnungstodes Christi stehen in einem klaren Spannungsverhältnis zu der Vorstellung einer begrenzten Heilsabsicht Gottes gegenüber einem exklusiv erwählten Personenkreis.

Ziel dieser Arbeit ist es daher, die fünf Lehrpunkte des TULIP-Schemas systematisch mit den biblischen Aussagen zu vergleichen. Dabei sollen sowohl exegetische als auch sprachliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden, insbesondere unter Rückgriff auf den griechischen Urtext und die Elberfelder Bibelübersetzung von 1905. Die Untersuchung verfolgt nicht das Anliegen, ein alternatives theologisches System zu etablieren, sondern möchte die biblische Zeugenschaft in ihrer inneren Kohärenz und Spannung sichtbar machen.

Auf diese Weise soll gezeigt werden, dass die Schrift weder eine Auserwählung zum Heil noch eine Auserwählung zur Verdammnis lehrt, sondern Heil und Gericht konsequent im Zusammenhang mit Glauben bzw. Unglauben verortet. Die biblische Lehre erweist sich dabei als theologisch ausgewogen, ohne in deterministische oder synergistische Extreme zu verfallen.

A. Primärquellen (Bibelstellen)

(Grundlage: Elberfelder Bibel 1905)

1. Grundlegende Aussagen zum Heil

  1. Joh 3,16–18 – Heil und Gericht an Glauben bzw. Unglauben gebunden

  2. Joh 1,12–13 – Gotteskindschaft durch Aufnahme und Glauben

  3. Joh 20,31 – Zweck des Johannesevangeliums: Glaube zum Leben

  4. Eph 2,8–9 – Gnade durch Glauben, nicht aus Werken


2. Auserwählung und ihr Ort

  1. Eph 1,3–6 – Auserwählung „in Christus“

  2. Luk 9,35 – Christus als der Auserwählte Gottes

  3. 1Pet 1,2 – Vorherwissen (πρόγνωσις, prognōsis), nicht Vorbestimmung

  4. Röm 8,29 – Vorherwissen vor Verherrlichung


3. Universaler Heilswille Gottes

  1. 1Tim 2,3–6 – Gottes Wille, dass alle Menschen errettet werden

  2. 2Pet 3,9 – Gott will nicht, dass irgendwelche verloren gehen

  3. Hes 33,11 – Kein Gefallen am Tod des Gottlosen


4. Reichweite des Sühnopfers Christi

  1. Joh 1,29 – Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt

  2. 1Joh 2,2 – Sühnung für die ganze Welt

  3. 2Kor 5,14–15 – Einer für alle gestorben

  4. Hebr 2,9 – Christus schmeckte den Tod für alles


5. Verantwortung und Widerstand des Menschen

  1. Apg 7,51 – Widerstand gegen den Heiligen Geist

  2. Mt 23,37 – Ablehnung des göttlichen Rufes

  3. Apg 17,30 – Allgemeiner Ruf zur Buße


6. Römer 9–11 (heilsgeschichtlicher Kontext)

  1. Röm 9,11–13 – Jakob und Esau (Völker, nicht Individuen)

  2. Röm 9,22 – Gefäße des Zorns (Passivform!)

  3. Röm 10,9–13 – Heil durch Glauben für jeden

  4. Röm 11,32 – Gott schließt alle in den Unglauben ein, um allen zu begnadigen


B. Sekundärliteratur (Auswahl, zitierfähig)

1. Exegetische und biblisch-theologische Werke

  1. W. Kelly, Notes on the Epistle to the Romans, London 1873

  2. J. N. Darby, Synopsis of the Books of the Bible, Bd. 4–5

  3. F. Godet, Kommentar zum Römerbrief, Riehen (Reprint)

  4. A. Schlatter, Der Römerbrief, Stuttgart

  5. H. A. Ironside, Lectures on Romans, New York


2. Kritische Auseinandersetzung mit Calvinismus

  1. Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, Pensacola

  2. Norman Geisler, Chosen But Free, Minneapolis

  3. R. T. Kendall, Calvin and English Calvinism to 1649, Oxford

  4. Dave Hunt, What Love Is This?, Bend (OR)


3. Sprachliche und lexikalische Hilfsmittel

  1. W. Bauer / Danker, Griechisch-deutsches Wörterbuch, Berlin

  2. G. Kittel (Hg.), Theologisches Wörterbuch zum NT, Stuttgart

  3. J. P. Louw / E. Nida, Greek-English Lexicon, New York

Schlüsselbegriffe:


C. Beispiel für Fußnotenzitation

Bibelstelle

Eph 1,4, Elberfelder Bibel 1905.

Sekundärliteratur

Vgl. Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, Pensacola 1999, S. 347–362.

Oder kombiniert:

Vgl. Eph 1,4; Joh 1,12; Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, S. 350f.

Einleitung (mit Fußnoten)

Die Lehre von der Auserwählung nimmt innerhalb der christlichen Theologie eine zentrale, zugleich jedoch hochumstrittene Stellung ein.^1 Seit der patristischen Zeit bis in die reformatorische und nachreformatorische Dogmengeschichte wurde die Frage diskutiert, in welchem Verhältnis göttliche Souveränität, menschliche Verantwortung und das Heil des Einzelnen zueinander stehen.^2 Insbesondere das calvinistische Lehrsystem, zusammengefasst im sogenannten TULIP-Schema, hat die Debatte maßgeblich geprägt und zugleich polarisiert.^3

Eine sachgerechte Untersuchung dieser Fragen setzt voraus, dass nicht ein geschlossenes theologisches System, sondern die Aussagen der Heiligen Schrift selbst den methodischen Ausgangspunkt bilden.^4 Dabei ist zwischen biblischer Terminologie und späterer dogmatischer Begriffsprägung sorgfältig zu unterscheiden.^5 Begriffe wie „Auserwählung“, „Vorherbestimmung“ oder „Gnade“ dürfen nicht mit vorgeprägten Bedeutungsinhalten gefüllt werden, sondern sind aus ihrem jeweiligen sprachlichen, literarischen und heilsgeschichtlichen Kontext heraus zu verstehen.^6

Die vorliegende Untersuchung geht von der Beobachtung aus, dass die Bibel zwar eindeutig von Auserwählung spricht, diese jedoch primär als Auswahl zu Stellung, Auftrag und heilsgeschichtlicher Funktion beschreibt.^7 Christus selbst erscheint als der eigentliche Auserwählte Gottes,^8 und die neutestamentliche Auserwählung ist konsequent „in Christus“ verortet.^9 Ein individueller Heilsstatus wird demgegenüber im gesamten Neuen Testament an den Glauben gebunden und niemals als Ergebnis einer vorausgehenden, bedingungslosen Auswahl einzelner Menschen dargestellt.^10

Ebenso auffällig ist, dass die Schrift keine Lehre von einer Auserwählung zur Verdammnis kennt.^11 Gericht und Verlorengehen werden durchgängig als Folge des bewussten und anhaltenden Unglaubens beschrieben.^12 Aussagen über den universalen Heilswillen Gottes sowie über die Reichweite des Sühnungstodes Christi stehen in einem klaren Spannungsverhältnis zu der Vorstellung einer begrenzten Heilsabsicht Gottes gegenüber einem exklusiv erwählten Personenkreis.^13

Ziel dieser Arbeit ist es daher, die fünf Lehrpunkte des TULIP-Schemas systematisch mit den biblischen Aussagen zu vergleichen.^14 Dabei sollen sowohl exegetische als auch sprachliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden, insbesondere unter Rückgriff auf den griechischen Urtext und die Elberfelder Bibelübersetzung von 1905.^15 Die Untersuchung verfolgt nicht das Anliegen, ein alternatives theologisches System zu etablieren, sondern möchte die biblische Zeugenschaft in ihrer inneren Kohärenz und Spannung sichtbar machen.^16

Auf diese Weise soll gezeigt werden, dass die Schrift weder eine Auserwählung zum Heil noch eine Auserwählung zur Verdammnis lehrt, sondern Heil und Gericht konsequent im Zusammenhang mit Glauben bzw. Unglauben verortet.^17 Die biblische Lehre erweist sich dabei als theologisch ausgewogen, ohne in deterministische oder synergistische Extreme zu verfallen.^18


Fußnoten

  1. Vgl. R. T. Kendall, Calvin and English Calvinism to 1649, Oxford 1979, S. 1–15.

  2. Vgl. Augustinus, De praedestinatione sanctorum; zur Wirkungsgeschichte siehe Kendall, a.a.O., S. 16–40.

  3. Vgl. Canones der Synode von Dordrecht (1618/19); zusammenfassend bei Norman L. Geisler, Chosen But Free, Minneapolis 2001, S. 15–38.

  4. Vgl. 2Tim 3,16–17.

  5. Vgl. Adolf Schlatter, Der Römerbrief, Stuttgart 1935, Einleitung.

  6. Vgl. James Barr, The Semantics of Biblical Language, Oxford 1961, S. 218–240.

  7. Vgl. 5Mo 7,6; Joh 15,16; Apg 9,15.

  8. Vgl. Luk 9,35; Jes 42,1.

  9. Vgl. Eph 1,4; Eph 1,6.

  10. Vgl. Joh 1,12–13; Joh 3,16–18; Röm 10,9–13.

  11. Vgl. Hes 33,11; 1Tim 2,4; 2Pet 3,9.

  12. Vgl. Joh 3,18; Joh 8,24.

  13. Vgl. Joh 1,29; 1Joh 2,2; 2Kor 5,14–15; Dave Hunt, What Love Is This?, Bend (OR) 2002, S. 85–112.

  14. Vgl. Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, Pensacola 1999, S. 19–45.

  15. Vgl. Elberfelder Bibel 1905; W. Bauer / F. Danker, Griechisch-deutsches Wörterbuch, Berlin 1988.

  16. Vgl. H. A. Ironside, Lectures on Romans, New York 1922, Vorwort.

  17. Vgl. Joh 20,31; Röm 11,32.

  18. Vgl. 1Kor 4,6; Schlatter, a.a.O., Schlussbemerkung.