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Die Bibel kennt:
Auserwählung zu Dienst, Aufgabe, Stellung
Vorherwissen Gottes
Berufung zur Verantwortung
Aber sie kennt keine
Auserwählung einzelner Menschen zum Heil unabhängig vom Glauben
Auserwählung einzelner Menschen zur Verdammnis
👉 Heil und Verdammnis werden im NT stets an Glauben bzw. Unglauben gebunden, nicht an einen vorzeitlichen Entscheid Gottes über Einzelpersonen.
ἐκλέγομαι – eklegomai
= auswählen, herausnehmen, bestimmen aus mehreren
Substantiv:
ἐκλογή – eklogē
= Auswahl, Auswahlhandlung
👉 Das Wort selbst sagt NICHTS über „ewiges Heil“ oder „Verdammnis“, sondern nur über Auswahl zu etwas.
5. Mose 7,6 (ELB 1905)
„Denn du bist ein heiliges Volk Jehova, deinem Gott; dich hat Jehova, dein Gott, erwählt, daß du ihm ein Eigentumsvolk seiest.“
➡ Auserwählt wozu?
zu einem irdischen Volk
zu Bundesverantwortung
zu Zeugenschaft
❗ Dennoch:
viele Israeliten gingen verloren (1Kor 10,1–5)
Auserwählung ≠ Heil
Lukas 9,35
„Dieser ist mein auserwählter Sohn“
👉 Urform der Auserwählung:
Christus ist der Auserwählte Gottes
alles Heil ist in Ihm, nicht außerhalb
Epheser 1,4
„wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt“
🔑
entscheidender Ausdruck:
ἐν αὐτῷ – en autō – „in ihm“
➡ Die Auserwählung betrifft
eine Person (Christus)
➡ Wer in Christus ist, hat
Anteil daran
❗
Nicht: Gott wählt Menschen aus, um sie
in Christus zu bringen
✔ Sondern: Gott hat
den Weg des Heils in Christus
vor Grundlegung festgelegt
➡ Wer glaubt, kommt in diese Auserwählung hinein
Johannes 3,16
„auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe“
Johannes 1,12
„so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden“
👉 kein einziger Vers sagt:
„… auf daß die Auserwählten glauben“
Sondern immer:
„wer glaubt“
Hesekiel 33,11
„Ich habe kein Gefallen am Tode des Gesetzlosen“
1. Timotheus 2,4
„welcher will, daß alle Menschen errettet werden“
2. Petrus 3,9
„da er nicht will, daß irgendwelche verloren gehen“
❗ Verdammnis entsteht nie durch Erwählung, sondern durch:
bewussten Unglauben
Johannes 3,18
„wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“
Jakob / Esau → Völker, nicht Individuen
Pharao → Werkzeug zur Offenbarung von Macht
Töpfer / Ton → Rechte Gottes über Nationen
❗ Römer 9 sagt nicht, dass Gott Menschen zur Hölle bestimmt.
Römer 9,22
„Gefäße des Zorns, die zum Verderben zubereitet sind“
⚠
Passivform
= sie haben sich selbst zugerichtet (vgl. Römer 2,5)
„Ich wähle einen Spieler für meine Mannschaft.“
❓ Bedeutet das:
die anderen dürfen nie spielen?
die anderen sind zum Verlieren bestimmt?
❌ Nein.
➡ Es bedeutet:
Zuweisung zu einer Aufgabe
Gott wählt Christus
Gott wählt Israel
Gott wählt die Gemeinde
Gott wählt Dienste und Aufgaben
❗
Aber niemand wird ohne Glauben gerettet
❗ Niemand wird ohne Unglauben verloren
Die Bibel lehrt:
✔ Auserwählung
zu Stellung, Aufgabe, Dienst,
Zeugenschaft
✔ Auserwählung in Christus
✔ Heil durch Glauben
✔ Verdammnis durch Unglauben
❌ Keine Auserwählung einzelner Menschen
zum Heil vor Glauben
❌ Keine Auserwählung einzelner Menschen
zur Verdammnis
| Thema | Biblische Lehre (ELB 1905) | Calvinistische Lehre |
|---|---|---|
| Grundlage des Heils | Heil durch Glauben an Christus (Joh 3,16; Joh 1,12; Eph 2,8) | Heil durch ewige Erwählung einzelner Personen |
| Bedeutung von Auserwählung | ἐκλέγομαι (eklegomai) = auswählen zu Aufgabe, Stellung, Zeugenschaft | Auserwählung = Auswahl einzelner Menschen zum ewigen Heil |
| Ort der Auserwählung | „in Christus“ (Eph 1,4) – Christus ist der Auserwählte | Auserwählung einzelner Menschen vor Christus |
| Reihenfolge | Glaube → in Christus → Anteil an der Auserwählung | Auserwählung → Glaube als Folge |
| Umfang des Heilsangebotes | „jeder, der glaubt“ (Joh 3,16) | Heil wirksam nur für die Erwählten |
| Wille Gottes | Gott will, dass alle Menschen errettet werden (1Tim 2,4; 2Pet 3,9) | Gott will nur die Erwählten retten |
| Bedeutung von Vorherwissen | πρόγνωσις (prognōsis) = vorher wissen (1Pet 1,2) | Vorherwissen = vorher bestimmen |
| Grund der Verdammnis | Unglaube (Joh 3,18; Joh 8,24) | Fehlen der Erwählung |
| Auserwählung zur Verdammnis | Nicht vorhanden in der Schrift | Teilweise vertreten (doppelte Prädestination) |
| Römer 9 | Heilsgeschichtliche Erwählung von Völkern und Werkzeugen | Individuelle Erwählung zum Heil/Verderben |
| Gefäße des Zorns | Menschen, die sich selbst zurichten (Röm 2,5; Röm 9,22 – Passiv!) | Von Gott zum Verderben bestimmt |
| Christus starb für wen? | Für alle (Joh 1,29; 1Joh 2,2; 2Kor 5,14–15) | Nur für die Erwählten |
| Evangeliumsaufruf | Ernsthaft und ehrlich an alle Menschen | Äußerer Ruf an alle, innerer nur für Erwählte |
| Verantwortung des Menschen | Mensch ist verantwortlich zu glauben (Apg 17,30) | Verantwortung eingeschränkt durch Vorbestimmung |
| Sicherheit des Gläubigen | Sicherheit in Christus (Joh 10,28) | Sicherheit durch unwiderrufliche Erwählung |
auswählen, bestimmen zu etwas, nicht zu einem Schicksal
📌 Nie:
„eklegomai eis sōtērian“ (Auserwählung zum Heil)
„eklegomai eis apōleian“ (Auserwählung zur Verdammnis)
📌 Immer:
Auswahl in Bezug auf Christus
Auswahl zu Dienst, Zeugenschaft, Stellung
„Der Lehrer wählt einen Schüler als Klassensprecher.“
❓ Bedeutet das:
Die anderen sind ausgeschlossen?
Die anderen sind zum Scheitern bestimmt?
❌ Nein.
✔ Es ist eine Funktionswahl,
keine Wert- oder
Schicksalsentscheidung.
➡ Genau so gebraucht die Bibel den Begriff Auserwählung.
Die Bibel lehrt keine Auserwählung zum Heil und keine Auserwählung zur Verdammnis.
Sie lehrt:
Heil durch Glauben
Auserwählung in Christus
Verantwortung des Menschen
Ernsthaftes Heilsangebot an alle
erweiterte, punktgenaue Gegenüberstellung der fünf TULIP-Lehrpunkte mit der biblischen Lehre (Elberfelder 1905), jeweils schriftgebunden, sprachlich präzise und für Bibelstudium/Bibelstunde geeignet.
| Biblische Lehre | Calvinistische Lehre | |
|---|---|---|
| Zustand des Menschen | Der Mensch ist verloren, sündig und geistlich tot (Eph 2,1) | Der Mensch ist so verdorben, dass er nicht glauben kann |
| Gottes Bild | Gottes Bild ist beschädigt, aber nicht ausgelöscht (1Mo 9,6; Jak 3,9) | Gottes Bild funktional aufgehoben |
| Fähigkeit zu glauben | Der Mensch kann glauben, wenn Gott ihn anspricht (Joh 20,31) | Der Mensch kann nur glauben, wenn er vorher neu geboren wird |
| Verantwortung | Gott ruft alle zur Umkehr (Apg 17,30) | Verantwortung besteht formal, faktisch aber nicht |
| Biblische Grenze | Verderbtheit ≠ Unfähigkeit zu glauben | Verderbtheit = absolute Unfähigkeit |
📌
Biblischer Befund:
Verderbtheit beschreibt den
moralischen Zustand, nicht den
Ausschluss der Verantwortlichkeit.
| Biblische Lehre | Calvinistische Lehre | |
|---|---|---|
| Ort der Erwählung | In Christus (Eph 1,4) | In Gottes geheimem Ratschluss |
| Objekt der Erwählung | Christus ist der Auserwählte (Lk 9,35) | Einzelne Menschen |
| Bedingung | Glaube als Antwort (Joh 1,12) | Keine Bedingung |
| Reihenfolge | Glaube → in Christus → Erwählungsteil | Erwählung → Glaube |
| Griechisch | ἐκλέγομαι – eklegomai = auswählen zu etwas | Umgedeutet zu Schicksalsfestlegung |
📌
Kernproblem:
Die Schrift sagt nie, dass
Menschen auserwählt werden, um zu
glauben.
| Biblische Lehre | Calvinistische Lehre | |
|---|---|---|
| Reichweite des Todes Christi | Für alle (Joh 1,29; 1Joh 2,2) | Nur für die Erwählten |
| Wirksamkeit | Wirksam für die Glaubenden | Wirksam nur für Erwählte |
| Angebot | Ernsthaft an alle (Jes 55,1; Offb 22,17) | Nur äußerlich an alle |
| Sprache der Bibel | „alle“, „die Welt“, „jeder“ | Umdefiniert zu „alle Erwählten“ |
| 2Kor 5,14 | „einer für alle gestorben“ | Umgedeutet |
📌
Biblische Linie:
Das Opfer ist ausreichend für alle,
wirksam für Glaubende.
| Biblische Lehre | Calvinistische Lehre | |
|---|---|---|
| Wirkung der Gnade | Gnade kann abgelehnt werden (Apg 7,51) | Gnade wirkt unwiderstehlich |
| Ruf Gottes | Menschen können widerstehen (Mt 23,37) | Erwählte können nicht widerstehen |
| Beziehung | Gott wirkt überzeugend, nicht zwingend | Gott wirkt determinierend |
| Glaube | Antwort des Menschen | Folge eines Zwangswirkens |
📌
Apg 7,51:
„Ihr widerstreitet allezeit dem Heiligen Geiste.“
| Biblische Lehre | Calvinistische Lehre | |
|---|---|---|
| Sicherheit | Sicherheit in Christus (Joh 10,28) | Sicherheit durch Erwählung |
| Grundlage | Werk Christi | Ratschluss Gottes |
| Warnungen | Ernsthaft und real (Hebr 3; Hebr 6) | Warnungen nur hypothetisch |
| Abfall | Biblisch als Möglichkeit dargestellt | Uminterpretiert als „nie echt“ |
| Haltung | Vertrauen + Verantwortung | Sicherheit ohne echte Gefahr |
📌
Biblische Spannung:
Sicherheit und Verantwortung
stehen nebeneinander – ohne philosophische Auflösung.
TULIP ersetzt biblische Aussagen durch ein geschlossenes Denksystem, während die Schrift Glauben, Verantwortung, Angebot und Sicherheit nebeneinander stehen lässt.
❌ Keine totale Unfähigkeit zu glauben
❌ Keine bedingungslose Erwählung einzelner Menschen
❌ Kein begrenztes Sühnopfer
❌ Keine unwiderstehliche Gnade
✔ Sicherheit des Gläubigen in Christus, nicht im System
Die Lehre von der Auserwählung nimmt innerhalb der christlichen Theologie eine zentrale, zugleich jedoch hochumstrittene Stellung ein. Seit der patristischen Zeit bis in die reformatorische und nachreformatorische Dogmengeschichte wurde die Frage diskutiert, in welchem Verhältnis göttliche Souveränität, menschliche Verantwortung und das Heil des Einzelnen zueinander stehen. Insbesondere das calvinistische Lehrsystem, zusammengefasst im sogenannten TULIP-Schema, hat die Debatte maßgeblich geprägt und zugleich polarisiert.
Eine sachgerechte Untersuchung dieser Fragen setzt voraus, dass nicht ein geschlossenes theologisches System, sondern die Aussagen der Heiligen Schrift selbst den methodischen Ausgangspunkt bilden. Dabei ist zwischen biblischer Terminologie und späterer dogmatischer Begriffsprägung sorgfältig zu unterscheiden. Begriffe wie „Auserwählung“, „Vorherbestimmung“ oder „Gnade“ dürfen nicht mit vorgeprägten Bedeutungsinhalten gefüllt werden, sondern sind aus ihrem jeweiligen sprachlichen, literarischen und heilsgeschichtlichen Kontext heraus zu verstehen.
Die vorliegende Untersuchung geht von der Beobachtung aus, dass die Bibel zwar eindeutig von Auserwählung spricht, diese jedoch primär als Auswahl zu Stellung, Auftrag und heilsgeschichtlicher Funktion beschreibt. Christus selbst erscheint als der eigentliche Auserwählte Gottes, und die neutestamentliche Auserwählung ist konsequent „in Christus“ verortet. Ein individueller Heilsstatus wird demgegenüber im gesamten Neuen Testament an den Glauben gebunden und niemals als Ergebnis einer vorausgehenden, bedingungslosen Auswahl einzelner Menschen dargestellt.
Ebenso auffällig ist, dass die Schrift keine Lehre von einer Auserwählung zur Verdammnis kennt. Gericht und Verlorengehen werden durchgängig als Folge des bewussten und anhaltenden Unglaubens beschrieben. Aussagen über den universalen Heilswillen Gottes sowie über die Reichweite des Sühnungstodes Christi stehen in einem klaren Spannungsverhältnis zu der Vorstellung einer begrenzten Heilsabsicht Gottes gegenüber einem exklusiv erwählten Personenkreis.
Ziel dieser Arbeit ist es daher, die fünf Lehrpunkte des TULIP-Schemas systematisch mit den biblischen Aussagen zu vergleichen. Dabei sollen sowohl exegetische als auch sprachliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden, insbesondere unter Rückgriff auf den griechischen Urtext und die Elberfelder Bibelübersetzung von 1905. Die Untersuchung verfolgt nicht das Anliegen, ein alternatives theologisches System zu etablieren, sondern möchte die biblische Zeugenschaft in ihrer inneren Kohärenz und Spannung sichtbar machen.
Auf diese Weise soll gezeigt werden, dass die Schrift weder eine Auserwählung zum Heil noch eine Auserwählung zur Verdammnis lehrt, sondern Heil und Gericht konsequent im Zusammenhang mit Glauben bzw. Unglauben verortet. Die biblische Lehre erweist sich dabei als theologisch ausgewogen, ohne in deterministische oder synergistische Extreme zu verfallen.
(Grundlage: Elberfelder Bibel 1905)
Joh 3,16–18 – Heil und Gericht an Glauben bzw. Unglauben gebunden
Joh 1,12–13 – Gotteskindschaft durch Aufnahme und Glauben
Joh 20,31 – Zweck des Johannesevangeliums: Glaube zum Leben
Eph 2,8–9 – Gnade durch Glauben, nicht aus Werken
Eph 1,3–6 – Auserwählung „in Christus“
Luk 9,35 – Christus als der Auserwählte Gottes
1Pet 1,2 – Vorherwissen (πρόγνωσις, prognōsis), nicht Vorbestimmung
Röm 8,29 – Vorherwissen vor Verherrlichung
1Tim 2,3–6 – Gottes Wille, dass alle Menschen errettet werden
2Pet 3,9 – Gott will nicht, dass irgendwelche verloren gehen
Hes 33,11 – Kein Gefallen am Tod des Gottlosen
Joh 1,29 – Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt
1Joh 2,2 – Sühnung für die ganze Welt
2Kor 5,14–15 – Einer für alle gestorben
Hebr 2,9 – Christus schmeckte den Tod für alles
Apg 7,51 – Widerstand gegen den Heiligen Geist
Mt 23,37 – Ablehnung des göttlichen Rufes
Apg 17,30 – Allgemeiner Ruf zur Buße
Röm 9,11–13 – Jakob und Esau (Völker, nicht Individuen)
Röm 9,22 – Gefäße des Zorns (Passivform!)
Röm 10,9–13 – Heil durch Glauben für jeden
Röm 11,32 – Gott schließt alle in den Unglauben ein, um allen zu begnadigen
W. Kelly, Notes on the Epistle to the Romans, London 1873
J. N. Darby, Synopsis of the Books of the Bible, Bd. 4–5
F. Godet, Kommentar zum Römerbrief, Riehen (Reprint)
A. Schlatter, Der Römerbrief, Stuttgart
H. A. Ironside, Lectures on Romans, New York
Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, Pensacola
Norman Geisler, Chosen But Free, Minneapolis
R. T. Kendall, Calvin and English Calvinism to 1649, Oxford
Dave Hunt, What Love Is This?, Bend (OR)
W. Bauer / Danker, Griechisch-deutsches Wörterbuch, Berlin
G. Kittel (Hg.), Theologisches Wörterbuch zum NT, Stuttgart
J. P. Louw / E. Nida, Greek-English Lexicon, New York
Schlüsselbegriffe:
ἐκλέγομαι (eklegomai) – auswählen
ἐκλογή (eklogē) – Auswahl
πρόγνωσις (prognōsis) – Vorherwissen
Eph 1,4, Elberfelder Bibel 1905.
Vgl. Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, Pensacola 1999, S. 347–362.
Oder kombiniert:
Vgl. Eph 1,4; Joh 1,12; Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, S. 350f.
Die Lehre von der Auserwählung nimmt innerhalb der christlichen Theologie eine zentrale, zugleich jedoch hochumstrittene Stellung ein.^1 Seit der patristischen Zeit bis in die reformatorische und nachreformatorische Dogmengeschichte wurde die Frage diskutiert, in welchem Verhältnis göttliche Souveränität, menschliche Verantwortung und das Heil des Einzelnen zueinander stehen.^2 Insbesondere das calvinistische Lehrsystem, zusammengefasst im sogenannten TULIP-Schema, hat die Debatte maßgeblich geprägt und zugleich polarisiert.^3
Eine sachgerechte Untersuchung dieser Fragen setzt voraus, dass nicht ein geschlossenes theologisches System, sondern die Aussagen der Heiligen Schrift selbst den methodischen Ausgangspunkt bilden.^4 Dabei ist zwischen biblischer Terminologie und späterer dogmatischer Begriffsprägung sorgfältig zu unterscheiden.^5 Begriffe wie „Auserwählung“, „Vorherbestimmung“ oder „Gnade“ dürfen nicht mit vorgeprägten Bedeutungsinhalten gefüllt werden, sondern sind aus ihrem jeweiligen sprachlichen, literarischen und heilsgeschichtlichen Kontext heraus zu verstehen.^6
Die vorliegende Untersuchung geht von der Beobachtung aus, dass die Bibel zwar eindeutig von Auserwählung spricht, diese jedoch primär als Auswahl zu Stellung, Auftrag und heilsgeschichtlicher Funktion beschreibt.^7 Christus selbst erscheint als der eigentliche Auserwählte Gottes,^8 und die neutestamentliche Auserwählung ist konsequent „in Christus“ verortet.^9 Ein individueller Heilsstatus wird demgegenüber im gesamten Neuen Testament an den Glauben gebunden und niemals als Ergebnis einer vorausgehenden, bedingungslosen Auswahl einzelner Menschen dargestellt.^10
Ebenso auffällig ist, dass die Schrift keine Lehre von einer Auserwählung zur Verdammnis kennt.^11 Gericht und Verlorengehen werden durchgängig als Folge des bewussten und anhaltenden Unglaubens beschrieben.^12 Aussagen über den universalen Heilswillen Gottes sowie über die Reichweite des Sühnungstodes Christi stehen in einem klaren Spannungsverhältnis zu der Vorstellung einer begrenzten Heilsabsicht Gottes gegenüber einem exklusiv erwählten Personenkreis.^13
Ziel dieser Arbeit ist es daher, die fünf Lehrpunkte des TULIP-Schemas systematisch mit den biblischen Aussagen zu vergleichen.^14 Dabei sollen sowohl exegetische als auch sprachliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden, insbesondere unter Rückgriff auf den griechischen Urtext und die Elberfelder Bibelübersetzung von 1905.^15 Die Untersuchung verfolgt nicht das Anliegen, ein alternatives theologisches System zu etablieren, sondern möchte die biblische Zeugenschaft in ihrer inneren Kohärenz und Spannung sichtbar machen.^16
Auf diese Weise soll gezeigt werden, dass die Schrift weder eine Auserwählung zum Heil noch eine Auserwählung zur Verdammnis lehrt, sondern Heil und Gericht konsequent im Zusammenhang mit Glauben bzw. Unglauben verortet.^17 Die biblische Lehre erweist sich dabei als theologisch ausgewogen, ohne in deterministische oder synergistische Extreme zu verfallen.^18
Vgl. R. T. Kendall, Calvin and English Calvinism to 1649, Oxford 1979, S. 1–15.
Vgl. Augustinus, De praedestinatione sanctorum; zur Wirkungsgeschichte siehe Kendall, a.a.O., S. 16–40.
Vgl. Canones der Synode von Dordrecht (1618/19); zusammenfassend bei Norman L. Geisler, Chosen But Free, Minneapolis 2001, S. 15–38.
Vgl. 2Tim 3,16–17.
Vgl. Adolf Schlatter, Der Römerbrief, Stuttgart 1935, Einleitung.
Vgl. James Barr, The Semantics of Biblical Language, Oxford 1961, S. 218–240.
Vgl. 5Mo 7,6; Joh 15,16; Apg 9,15.
Vgl. Luk 9,35; Jes 42,1.
Vgl. Eph 1,4; Eph 1,6.
Vgl. Joh 1,12–13; Joh 3,16–18; Röm 10,9–13.
Vgl. Hes 33,11; 1Tim 2,4; 2Pet 3,9.
Vgl. Joh 3,18; Joh 8,24.
Vgl. Joh 1,29; 1Joh 2,2; 2Kor 5,14–15; Dave Hunt, What Love Is This?, Bend (OR) 2002, S. 85–112.
Vgl. Laurence M. Vance, The Other Side of Calvinism, Pensacola 1999, S. 19–45.
Vgl. Elberfelder Bibel 1905; W. Bauer / F. Danker, Griechisch-deutsches Wörterbuch, Berlin 1988.
Vgl. H. A. Ironside, Lectures on Romans, New York 1922, Vorwort.
Vgl. Joh 20,31; Röm 11,32.
Vgl. 1Kor 4,6; Schlatter, a.a.O., Schlussbemerkung.