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 Sollen Christen fasten?



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00831 Fasten heilszeitlich betrachtet   Fasten auf Bibelkreis.ch




Fasten wird in der Bibel nicht zeitlos gleich verstanden.
Im Tanach ist es Ausdruck von Umkehr Buße, Demütigung und nationaler Not.
Ein einziges Fasten ist gesetzlich geboten: der große Versöhnungstag.
Alle weiteren Fastenzeiten entstehen aus konkreten Krisen.
Die Propheten warnen vor äußerlichem, herzlosem Fasten.
In den Evangelien steht Israel an der Schwelle einer neuen Heilszeit.
Der Messias ist da – der Bräutigam unter seinem Volk.
Darum passt Fasten nicht zur Gegenwart seiner Jünger.
Jesus korrigiert religiöse Leistung und pharisäische Praxis.
Nach Pfingsten verändert sich die Stellung des Gläubigen grundlegend.
Die Sühnung ist vollbracht, der Zugang zu Gott offen.
Der Heilige Geist wohnt im Gläubigen.
Darum gibt es in den Briefen keine Fastengebote.
Fasten bleibt freiwillig und situationsbezogen.
Heilsgeschichtlich gehört Fasten zur Erwartung – nicht zur Erfüllung in Christus.

1. Fasten im Tanach (Israel unter dem Gesetz)

1.1 Wesen des Fastens im AT

Fasten ist im Tanach kein Selbstzweck und kein asketisches Ideal, sondern ein äußerer Ausdruck innerer Herzenshaltung:

„… eure Seelen sollt ihr kasteien“ (3Mo 16,29; 23,27)

Das hebräische Wort
עָנָה נֶפֶשׁ (ʿānāh nefesch) = „die Seele beugen/demütigen“.

1.2 Gesetzlich gebotenes Fasten

Es gibt nur ein einziges ausdrücklich gebotenes Fasten:

🔹 Der große Versöhnungstag (Jom Kippur)

👉 heilsgeschichtlich:
Israel als Bundesvolk unter dem mosaischen Gesetz, wartend auf endgültige Sühnung.

1.3 Freiwillige Fastenzeiten

Weitere Fasten waren situationsbedingt, nicht gesetzlich:

Anlass Bibelstelle
Umkehr Busse: BRD: Buße nach Sünde 1Sam 7,6
Nationale Krise Joel 1–2
Trauer 2Sam 1,12
Flehen um Hilfe Est 4,16
Gerichtsdrohung Jona 3

👉 Kernpunkt:
Fasten begleitet Gebet, ersetzt es aber nie.

1.4 Prophetische Korrektur

Gott verwirft äußerliches Fasten ohne Herzensänderung:

„Ist das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe?“ (Jes 58,5)

Fasten ohne:

➡️ religiöse Form ohne geistliche Realität


2. Fasten in den Evangelien (Übergangszeit)

Die Evangelien stehen heilsgeschichtlich zwischen Gesetz und Gnade.

2.1 Johannes der Täufer

„Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“

Fasten = Ausdruck nationaler Umkehr Busse  BRD: Buße vor dem Messias.


2.2 Der Herr Jesus und das Fasten

2.2.1 Jesu eigenes Fasten (Mt 4)

👉 typologisch & heilsgeschichtlich, nicht normativ.


2.2.2 Fasten und die Jünger

„Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mt 9,15)

🔑 Schlüsselwort: Bräutigam

Zeit Zustand
Bräutigam anwesend Freude
Bräutigam weggenommen Trauer

👉 Fasten passt nicht zur Gegenwart Christi bei seinen Jüngern.


2.2.3 Kritik an pharisäischem Fasten

Fasten wird:

Jesus korrigiert:

„Wenn ihr fastet…“ (Mt 6)

⚠️ Nicht Gebot, sondern Herzensprüfung


3. Fasten nach Pfingsten – Gemeindezeit

Jetzt kommt der entscheidende heilsgeschichtliche Bruch.

3.1 Kein Fastengebot in den Briefen

In den Lehrbriefen:

Warum?


4. Heilsgeschichtliche Begründung: Warum keine Fastengebote für Christen?

4.1 Vollbrachtes Werk Christi

„Denn durch ein Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht…“ (Hebr 10,14)

Fasten im AT:

Christ:

👉 Fasten kann keinen geistlichen Zustand verbessern.


4.2 Neue Stellung des Gläubigen

„Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“ (Kol 3,3)


4.3 Der innewohnende Heilige Geist

„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel ist?“ (1Kor 6,19)

Im AT:

Im NT:

👉 Nähe Gottes ist nicht an asketische Übungen gebunden.


4.4 Warnung vor religiösem Askeseprinzip

„…Gebote und Lehren der Menschen… haben zwar einen Schein von Weisheit… sind aber von keinem Wert gegen die Befriedigung des Fleisches.“ (Kol 2,20–23)

Fastengebote führen leicht zu:


5. Gab es dennoch Fasten bei Christen?

Ja – freiwillig, situationsbezogen, nie geboten:

Kontext Stelle
Gebet & Dienst Apg 13,2–3
Ältesten-Einsetzung Apg 14,23
Persönliche Hingabe 1Kor 7,5

👉 kein Ritual, kein Zyklus, kein Gesetz


6. Zusammenfassung (heilsgeschichtlich)

Heilszeit Fasten
Israel unter dem Gesetz Geboten (1×), sonst begleitend
Evangelien Übergang – Korrektur
Gemeinde freiwillig, nie geboten

🔑 Merksatz:

Fasten gehört heilsgeschichtlich zur Zeit der Erwartung
– nicht zur Zeit der Erfüllung.

Tabellenübersicht: Fasten heilsgeschichtlich betrachtet

1. Überblick nach Heilszeiten

Heilszeit Adressaten Stellung vor Gott Charakter des Fastens Begründung Bibelstellen
Tanach (Gesetz) Israel als Bundesvolk Unter Gesetz, mit Distanz Geboten (1×) und freiwillig Sühnung, Umkehr, nationale Not 3Mo 16; Joel 2; Jona 3
Evangelien Israel im Übergang Messias anwesend Korrigiert, relativiert Bräutigam ist da Mt 9,15; Mt 6
Pfingsten–Heute Gemeinde (Leib Christi) In Christus vollendet Freiwillig, nie geboten Dienst, Gebet, Hingabe Apg 13,2–3; Kol 2,23
Zukunft (Israel) Israel wieder im Fokus Buße vor Wiederkunft Nationales Fasten Umkehr & Erwartung Sach 12,10; Joel 2

2. Art und Ziel des Fastens

Aspekt Tanach Evangelien Gemeindezeit
Anlass Schuld, Gericht, Not Übergang, Ruf zur Umkehr Dienst, Gebet
Verpflichtung Gesetzlich (Jom Kippur) Keine Verpflichtung Keine Verpflichtung
Geistliche Wirkung Ausdruck der Demütigung Herzensprüfung Keine Heilswirkung
Gefahr Äußerlichkeit Heuchelei Gesetzlichkeit
Bewertung Gottes Herz wichtiger als Form Freude statt Ritual Freiheit im Geist

3. Theologische Einordnung

Thema Israel Christus Gemeinde
Sühnung Erwartet Vollbracht Besitz
Nähe Gottes Annäherung gesucht Offenbart Innewohnend
Fasten nötig? Ja (zeitweise) Nein (Bräutigam da) Nein (Stellung fest)
Schwerpunkt Tun & Demütigen Person Christi Leben aus Gnade

4. Kernaussagen in einem Blick

Aussage Begründung
Kein Fastengebot für Christen Vollbrachtes Erlösungswerk
Fasten schafft keine Nähe zu Gott Nähe ist Stellung, nicht Leistung
Fasten ist kein geistliches Mittel zur Heiligung Kol 2,20–23
Freiwilliges Fasten kann sinnvoll sein Wenn Geist-geleitet, nicht ritualisiert