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Saulus (hebräisch/aramäisch: שָׁאוּל, Šāʾūl): Bedeutet "der Erbetene" oder "der Erwählte". Dies war sein jüdischer Geburtsname, mit dem er in der jüdischen Gemeinschaft aufwuchs und auftrat. Es ist derselbe Name wie der des ersten Königs Israels (König Saul).
Paulus (lateinisch/griechisch: Παῦλος, Paûlos): Bedeutet "der Kleine" oder "der Geringe". Dies war sein römischer Beiname (cognomen), den er als römischer Bürger von Geburt an (Apg 22,27-28) trug. Es war ein geläufiger römischer Name.
Wichtig: Es handelt sich nicht um eine Namensänderung nach seiner Bekehrung, sondern um die Verwendung zweier bereits vorhandener Namen in unterschiedlichen Kontexten – vergleichbar mit einem heutigen "Michael" (engl. Kontext) vs. "Mikhail" (russ. Kontext).
Die Beibehaltung beider Namen durch den Autor Lukas hat theologische und erzählerische Gründe:
Theologische Kontinuität und Wandel: Der Name "Saulus" verankert ihn in seinem "alten Leben" als eifriger Pharisäer und Christenverfolger. "Paulus" wird zum Namen seines Wirkens als Apostel für die Völker (Heiden).
Erzählerischer Kunstgriff: Der Wechsel markiert einen Wendepunkt in der Geschichte und in der Identität des Protagonisten. Es geht nicht um eine magische Namensänderung, sondern um eine neue Berufung und Ausrichtung unter demselben Menschen.
Zeichen der universellen Mission: Der Wechsel vom hebräischen zum römischen Namen spiegelt den Übergang seiner Mission von der jüdischen Gemeinde zur heidnisch-römischen Welt wider.
Der Übergang ist nicht sofort komplett, sondern geschieht in einer Übergangsphase:
| Stelle (Apostelgeschichte) | Verwendeter Name | Kontext und Deutung |
|---|---|---|
| Kapitel 7–8 (Steinigung des Stephanus) | Saulus | Er wird als junger, eifriger Pharisäer und Christenverfolger im jüdischen Kontext Jerusalems eingeführt. |
| Kapitel 9 (Bekehrung vor Damaskus) | Durchgehend Saulus | Die Erscheinung Christi und seine Taufe finden statt. Hier ist er noch der bekehrte Jude Saulus. |
| Kapitel 12,25 & 13,1-9 (Beginn der 1. Missionsreise) | Saulus | Er wird in der Gemeinde von Antiochia als "Saulus" genannt, einem gemischt jüdisch-heidnischen Umfeld. |
| Apg 13,9 (Schlüsselvers) | "Saulus, der auch Paulus heißt" | Dies ist die explizite Namenserklärung. Sie erfolgt, als er beginnt, vor einem römischen Statthalter (Sergius Paulus) zu predigen und zu wirken. Der Kontext wechselt von der innerjüdischen zur öffentlich-römischen Arena. |
| Ab Apg 13,13 | Ausnahmslos PAULUS | Nachdem er "in den Dienst des Sergius Paulus getreten ist" (ein Wortspiel?), und seine Mission zu den Heiden offiziell beginnt, verwendet Lukas ausschließlich den Namen Paulus. Die alte Identität als "Saulus" ist erzählerisch abgelöst. |
In allen seinen erhaltenen Briefen stellt sich der Apostel selbst ausschließlich als Paulus vor (z.B. "Paulus, berufener Apostel Jesu Christi..."). Dies unterstreicht, dass "Paulus" seine Identität als Apostel der Heiden und Autorität für seine Gemeinden war.
Der Paulus-Mythos: Seine Namensänderung war GAR
KEINE!
"Saulus wurde zum Paulus! Nach seiner Bekehrung hat Gott sogar seinen Namen
geändert! Das ist eine der bekanntesten Geschichten der Bibel. Aber sie ist
falsch."
"Saulus war sein hebräischer Geburtsname. Paulus
sein römischer Bürgername. Er hatte beide von Geburt an. Denn er war Jude UND
römischer Bürger. So wie jemand 'Michalis' in Griechenland, aber 'Michael' in
Deutschland heißt."
"Der Clue steht in der Bibel. In der
Apostelgeschichte nennt ihn der Autor Lukas fast immer Saulus – solange er in
jüdischen Kreisen unterwegs ist. Doch dann kommt Apg 13,9. Vor dem römischen
Statthalter Sergius Paulus heißt es plötzlich: 'Saulus, der auch Paulus heißt.'"
"Und ab diesem Moment – >>>> – heißt er nur noch Paulus.
Warum? Weil seine Mission sich ändert! Aus dem Pharisäer im jüdischen Kontext
wird der Apostel für die ganze griechisch-römische Welt. Der Name wechselt mit
dem Publikum.
Es ist ein geniales literarisches Signal: Neue Identität, neuer Auftrag."
"In seinen eigenen Briefen stellt er sich nur als
PAULUS vor. Kein Wunder – das war der Name für seine neue Familie: die Gemeinden
im Römischen Reich. Also: Keine magische Namensänderung, sondern eine geniale
Erzählstrategie.
Aus Saulus, dem Juden, wird Paulus, der Apostel der Nationen. Und dieser eine
Satz in Apostelgeschichte 13,9 ist der Schlüssel."
Was denkst DU? Hattest du das auch anders in
Erinnerung?