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00873   2. Könige  Hiskia und der Feigenkuchen – ein göttlicher Wendepunkt



2. Könige  20,7 Und Jesaja sprach: Holet einen Feigenkuchen. Und sie holten ihn und legten ihn auf das Geschwür; und er genas.

Hiskia und der Feigenkuchen – ein göttlicher Wendepunkt

  1. Der König liegt im Sterben.
  2. Die Krankheit ist tödlich.
  3. Der Prophet hat gesprochen: „Du wirst sterben.“
  4. Doch Hiskia fleht.
  5. Tränen rollen.
  6. Gebet steigt auf.
  7. Gott hört.
  8. Eine neue Botschaft kommt.
  9. Jesaja kehrt um.
  10. „Ich habe dein Gebet gehört.“
  11. „Ich werde dich heilen.“
  12. Ein Zeichen wird gegeben.
  13. Die Sonne kehrt zurück.
  14. Doch vorher: ein Akt der Fürsorge.
  15. „Bringt einen Feigenkuchen.“
  16. Kein Wunder ohne Mittel.
  17. Die Heilung ist konkret.
  18. Ein Klumpen Feigen – auf das Geschwür.
  19. Die Wunde ist sichtbar.
  20. Die Salbe ist einfach.
  21. Die Wirkung ist göttlich.
  22. Heilung beginnt im Gehorsam.
  23. Der König wird leben.
  24. Drei Tage bis zum Tempel.
  25. Die Zeit ist gesetzt.
  26. Der Glaube wird geprüft.
  27. Die Feige – Symbol der Hoffnung.
  28. Der Prophet – Werkzeug der Gnade.
  29. Der König – ein Zeugnis der Barmherzigkeit.
  30. Und wir? Vertrauen wir dem Wort.
War es wirklich eine „Krankheit heilende Kraft“ im Alten Testament – oder der Gehorsam Hiskias?
Die Bibelstelle: 
2. Könige 20 (parallel in Jesaja 38).
Dort wird berichtet, dass Hiskia schwer krank war und Gott ihn nach einem Gebet und einer Verheissung heilte.

Was sagt der Text selbst?

1. Gott kündigte Hiskias Heilung durch den Propheten Jesaja an.
Die Initiative kommt also klar von Gott.
2. Hiskia betete und vertraute Gott.
Sein Gehorsam zeigt sich darin, dass er auf Gottes Wort reagiert und sich an Gott wendet.
3. Jesaja ordnete einen Feigenpflaster-Verband an („Kuchen von Feigen“).Dieser wird ausdrücklich erwähnt
– nicht als „medizinisches Wunderpräparat“, sondern als Mittel, das Gott gebrauchte.
Es ist typisch für die Bibel, dass Gott sowohl übernatürlich als auch durch natürliche Mittel wirkt.
Das eine schließt das andere nicht aus.

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Was war entscheidend?

1. Die Heilung kommt von Gott.
Der Text macht eindeutig klar:Gott sagt: „Ich werde dich heilen.“Das Feigenpflaster ist nur ein begleitendes Mittel,
nicht die ursächliche Kraft.

2. Der Gehorsam Hiskias spielt eine Rolle
• Er wendet sich im Gebet an Gott.
• Er nimmt das Wort des Propheten ernst.
• Er lässt das Feigenpflaster auflegen.
Sein Gehorsam ist nicht die Ursache der Heilung, aber der Weg, auf dem er Gottes Zusage empfängt.


3. Der Text verbindet Glauben und Handeln
Hiskia wird nicht geheilt, weil er gehorsam ist, sondern weil Gott eingreift.
Aber er nimmt Gottes Verheißung auf und handelt entsprechend – und so geschieht die Heilung.

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Zusammengefasst

Es war Gott, der die Krankheit heilte.

• Der Gehorsam Hiskias (Gebet, Vertrauen, Befolgung des prophetischen Wortes)

war die menschliche Antwort, nicht die „Heilkraft“.

• Das Feigenpflaster war ein äußeres Zeichen oder Mittel, das Gott gebrauchte.

Erklärung des hebräischen Textes zu Hiskias Heilung

Die zentrale Stelle lautet (2. Könige 20,5):

כֹּה אָמַר יְהוָה … שָׁמַעְתִּי אֶת־תְּפִלָּתֶךָ רָאִיתִי אֶת־דִּמְעָתֶךָ הִנְנִי רֹפֶא לָךְ

„So spricht Jehova … Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen; siehe, ich will dich heilen.“

1. „Ich will dich heilen“ – הִנְנִי רֹפֶא לָךְ

• הִנְנִי (hineni) = „Siehe, ich (bin es)“ – ein starker, persönlicher Zuspruch.

• רֹפֶא (rofe‘) = Partizip, „heilend“, „der Heilende“.

• Es ist eine Selbstbezeichnung Gottes → Gott ist der Handelnde.

• לָךְ (lach) = „dir“.

Der Satz bedeutet wörtlich:

„Siehe, ich – heilend – (bin es) für dich.“

Man könnte übersetzen:

„Ich selbst bin derjenige, der dich heilt.“

Das zeigt: Nicht das Feigenpflaster, sondern Gott ist die Heilursache.

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2. Der „Feigenkuchen“ – דְּבֶלֶת תְּאֵנִים

In Vers 7 steht:

וַיֹּאמֶר יְשַׁעְיָהוּ קְחוּ דְּבֶלֶת תְּאֵנִים וַיִּקְחוּ וַיָּשִׂימוּ עַל־הַשְּׁחִין וַיֶּחִי

„Da sagte Jesaja: Nehmt eine Feigenmasse; und sie nahmen sie und legten sie auf das Geschwür, und er bekam neues Leben.“

Wichtige Begriffe:

• דְּבֶלֶת (develet) = Feigenkuchen / Weichfeigenpaste

• תְּאֵנִים (te'enim) = Feigen

• הַשְּׁחִין (ha‑schchin) = das Geschwür, eine ernste Infektion

• וַיֶּחִי (vajechi) = „und er wurde lebendig / bekam neues Leben“

Der Text sagt nicht, dass der Feigenkuchen heilte, sondern nur, dass er aufgelegt wurde – die Heilung wurde jedoch im vorhergehenden Vers ausdrücklich Gott zugeschrieben.

Im Hebräischen fehlt jeder Hinweis, dass das Feigenpflaster medizinisch ursächlich war.

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3. Das Zusammenspiel von Glauben und Gehorsam

Der Text verbindet zwei Dinge:

a) Gottes souveräne Zusage

„Ich werde dich heilen“ (הִנְנִי רֹפֶא לָךְ)

b) Hiskias Antwort des Vertrauens

Der König nimmt das Zeichen an und tut, was Jesaja sagt.

Sein Gehorsam ist nicht die Ursache, sondern die Antwort auf Gottes Wort.
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Kurzfazit (aus hebräischer Sicht)

1. Der grammatische Schwerpunkt liegt auf Gott als Heiler.

2. Das Partizip רֹפֶא macht klar: Gott ist der aktiv Heilende.

3. Das Feigenpflaster ist ein symbolisches oder dienendes Mittel, kein Heilträger.

4. Hiskias Gehorsam ist rezeptiv, nicht kausal.

5. Der hebräische Text lehnt jede Deutung ab, dass menschlicher Gehorsam die Heilung bewirkt hätte.


die hebräische Grammatik


1. „Siehe, ich will dich heilen“ – הִנְנִי רֹפֶא לָךְ

a) הִנְנִי (hineni) – „Siehe, ich (selbst)“

• Form: הִנֵּה („siehe“) + נִי („mich / ich“).

• Funktion: betontes persönliches Auftreten Gottes.

• In der Grammatik: Demonstrativpartikel + 1. Pers. Sg. Suffix.

Nuance: Es bedeutet nicht nur „ich werde“, sondern „hier bin ich – persönlich handelnd“.

b) רֹפֶא (rofé) – Partizip Qal, mask. Sg.

• Wurzel: ר–פ–א (R‑P‑A), „heilen“.

• Form: Partizip (Gegenwart), Bedeutung:

„heilend“, „der Heilende“, „der gerade heilt“.

Wichtig:

Das Partizip beschreibt den Zustand oder die Identität, nicht bloß eine Handlung:

„Ich bin der, der heilt.“

c) לָךְ (lach)

• Präposition לְ + Suffix 2. Pers. Sg. mask.

• Bedeutung: „für dich“, „dir zugunsten“.

→ Der ganze Satz trägt die Bedeutung:

„Siehe, ich selbst bin für dich der Heilende.“

Grammatikalisch betont Gott sich selbst als den Urheber.

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2. „Feigenkuchen“ – דְּבֶלֶת תְּאֵנִים

a) דְּבֶלֶת (develet)

• Feminines Substantiv, Kollektiv, oft: „Feigenmasse / Pressfeigen“.

• Wird häufig in antiker Medizin erwähnt, aber im Hebräischen kein Fachwort.

b) תְּאֵנִים (te’enim)

• Plural von תְּאֵנָה (Feige).

• Genitivverbindung: „Masse von Feigen“.

Die Konstruktion

דְּבֶלֶת תְּאֵנִים

Ist ein status constructus / Genitivverhältnis, wobei das zweite Nomen den ersten Begriff präzisiert.

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3. „Sie legten es auf das Geschwür“ – וַיָּשִׂימוּ עַל־הַשְּׁחִין

a) וַיָּשִׂימוּ (vajjasimu)

• Wurzel: ש–י–ם (setzen, legen)

• Form: Wayyiqtol / Waw-Consecutiv + Imperfekt 3. Pl. mask.

→ typische Erzählform für fortlaufende Handlung.

b) עַל הַשְּׁחִין (al ha-schchin)

• עַל = „auf“

• הַשְּׁחִין = „das Geschwür“

• Definiter Artikel + Substantiv

• שַׁחִין: ein schweres, entzündetes Geschwür

• Auch bekannt aus Hiob 2,7

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4. „Und er lebte wieder“ – וַיֶּחִי (vajjechi)

• Wurzel: ח–י–ה („leben, lebendig werden“)

• Form: Wayyiqtol, 3. Pers. Sg. mask.

• Bedeutung: „und er wurde wieder lebendig“, „und er wurde gesund“.

Grammatikalisch ist dies das Ergebnis der zuvor beschriebenen Handlung – aber nicht die „Ursache“.

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5. Grammatisches Gesamtbild

1. Die Heilung wird durch Partizip + hineni klar Gott zugeschrieben.

2. Das Feigenpflaster erscheint in Status constructus – nur als Mittel, nicht als Heilursache.

3. Die Wayyiqtol‑Formen erzählen den Ablauf, während Gott die tragende, grammatische Hauptfigur bleibt.

Der Text lässt grammatikalisch keinen Raum für die Deutung:

„Hiskias Gehorsam heilte ihn.“

Sondern:

„Gott ist der Heilende, Hiskia handelt gemäß Gottes Wort.“

1. Grundlegender Unterschied: Erzähltext vs. Gebet + Reflexion

2. Könige 20

• stark narrativ, knapp, berichtend

• Fokus auf historischer Abfolge: Krankheit → Prophet → Zeichen → Heilung

• hebräische Sprache: klassisches, schnörkelloses Königsbuch-Hebräisch

• Gottes Worte kurz und imperativisch

Jesaja 38

• enthält dieselbe Geschichte, aber zusätzlich

– das ausführliche Gebet Hiskias

– poetische Reflexion

– mehr prophetisch‑poetische Sprache

• hebräische Sprache: lyrischer, bildreicher, poetische Parallelismen

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2. Unterschiedliche Wortwahl für dieselbe Aussage

a) Gottes Zusage der Heilung

2. Könige 20,5:

הִנְנִי רֹפֶא לָךְ

„Siehe, ich will dich heilen.“

Jesaja 38,5:

וְהוֹסַפְתִּי עַל־יָמֶיךָ חֲמֵשׁ עָשָׂר שָׁנָה

„Und ich werde zu deinen Tagen 15 Jahre hinzufügen.“

Unterschied:

• Könige legt sprachlich den Schwerpunkt auf Gott als Heiler (Partizip רֹפֶא).

• Jesaja betont das Ergebnis: verlängerte Lebenszeit.

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3. Der Feigenkuchen: gleiche Handlung, leicht unterschiedliche Formulierung

2. Könige 20,7:

דְּבֶלֶת תְּאֵנִים … וַיָּשִׂימוּ עַל־הַשְּׁחִין

„Feigenkuchen … und sie legten ihn auf das Geschwür.“

Jesaja 38,21:

יִשְׂאוּ דְּבֶלֶת תְּאֵנִים … וְיִמְרְחוּ עַל־הַשְּׁחִין

„Man nehme Feigenkuchen … und man streiche ihn auf das Geschwür.“

Unterschiede:

• Jesaja benutzt יִמְרְחוּ (von מרח = „schmieren, streichen“), präziser als „legen“.

• Könige verwendet das allgemeinere שִׂים („setzen, legen“).

• Jesaja wirkt medizinischer in der Ausdrucksweise.

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4. Der Stil in Jesaja 38 (Vers 9–20)

Diese Passage existiert nicht in 2. Könige.

Es ist ein komplettes hebräisches Klagelied‑Danklied, mit:

• Parallelismen

• poetischen Bildern

• ungewöhnlichem Wortschatz

Beispiel:

סֹפֵר דּוֹרִי – „mein Lebensabschnitt wird zusammengerollt“

נִדְעֶה שְׁאוֹל – „der Scheol … der mich nicht sehen wird“

Klarer Hinweis:

Jes 38 ist prophetische Literatur, Könige historische Prosa.

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5. Syntax-Unterschiede:

a) 2. Könige: Wayyiqtol‑Kette (klassische Erzählform)

Beispiel:

וַיָּבֹא … וַיֹּאמֶר … וַיַּסֵּב … וַיֵּלֶךְ

„und er kam … und sagte … und er drehte sich … und er ging“

Das ist typisch für althebräische Historiographie.

b) Jesaja: Mehr Perfektformen + Partizipien in prophetisch‑poetischer Funktion

Beispiel:

דָּלָּה לִי נַפְשִׁי – „meine Seele ist elend geworden“

שָׁוְעָה לַשַּׁמָּיִם – „sie schreit zu den Himmeln“

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6. Unterschied in der Gottesrede

In 2. Könige 20

kurz, präzise:

שָׁמַעְתִּי אֶת־תְּפִלָּתֶךָ

„Ich habe dein Gebet gehört.“

In Jesaja 38

mehr ergänzt:

שָׁמַעְתִּי אֶת־תְּפִלָּתֶךָ רָאִיתִי דִּמְעָתֶךָ

„Ich habe dein Gebet gehört – deine Tränen gesehen.“

→ Jesaja erweitert emotional, poetisch und prophetisch.

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7. Theologischer Nuancenunterschied, der sich aus der hebräischen Grammatik ergibt

2. Könige:

Fokus: Gott heilt → Heilsakt

Jesaja:

Fokus: Hiskias innerer Zustand → Heilungserfahrung

Der Text in Jesaja wird durch poetische Elemente stärker existentiell.

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Zusammenfassung der hebräischen Unterschiede

• 2. Könige 20: historisch, narrativ, knappe hebräische Prosa, klassische Wayyiqtol-Ketten, Fokus: Gottes Handeln.

• Jesaja 38: poetisch-prophetisch, parallelistisch, reichere Wortwahl, reflektiver, Fokus: Hiskias Gebet und innerer Zustand.

• Differenzen in Wortwahl (רֹפֶא vs. „hinzufügen“) und Syntax (שִׂים vs. מָרַח).

• Jesaja enthält ein vollständiges hebräisches Danklied, das im Königsbuch fehlt.

• Die Darstellung Gottes ist in Jesaja emotionaler („Tränen gesehen“).


Textkritische Unterschiede: MT vs. Qumran (DSS)

Die Unterschiede betreffen v. a. Jesaja 38, weil von 2. Könige 20 keine erhaltenen Qumran‑Fragmente existieren.

1. Was ist vorhanden?

Jesaja 38

• vollständig im Großen Jesajarolle (1QIsaᵃ) erhalten

• teilweise auch im fragmentarischen 1QIsaᵇ

2. Könige 20

• kein erhaltenes Qumran‑Fragment

→ Daher kann man hier nur MT, LXX, Peshitta & Vulgata vergleichen –

kein DSS‑Vergleich möglich.


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2. Jesaja 38: Wo unterscheiden sich MT und DSS?

Die Jesajarolle 1QIsaᵃ ist berühmt dafür, dass sie zum größten Teil fast wortgleich mit dem MT ist – aber es gibt kleinere orthographische und wenige semantische Unterschiede.

Hier die relevanten Unterschiede in Jes 38:

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Unterschied 1: Orthographie (Schreibweisen)

Die DSS benutzen häufig plene-Schreibung (Vollschreibung mit Vokalphonemen), die der MT nicht hat.

Beispiele:

1. MT: חֵלֶק

DSS: חלקו

→ Unterschied sichtbar im Gesang Hiskias (v. 12):

„mein Wohnort wurde abgerissen“ – kein Bedeutungsunterschied.

2. MT: דִּמְעָתֶךָ („deine Träne“)

DSS: דמעתכה

→ Nur Schreibweise anders, gleiche Bedeutung.

Solche Unterschiede betreffen keine inhaltlichen Änderungen, nur Orthographie.

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Unterschied 2: Kleine lexikalische Varianten

Jes 38,14

MT: דַּלּוּ עֵינָי

„meine Augen sind schwach geworden“

DSS: דלו עיני

→ identisch außer der Weglassung des Dagesh in לּ (orthographisch)

Jes 38,15

DSS fügt eine Waw‑Konjunktion hinzu:

MT: אָדַד

DSS: וְאָדַד

→ Bedeutung bleibt gleich: „Wie soll ich reden?“

 

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Unterschied 3: Wortreihenfolge

Jes 38,16

MT: אֲדֹנָי עֲלֵיהֶם יִחְיוּ

DSS: אֲדֹנָי יִחְיוּ עֲלֵיהֶם

→ Die Reihenfolge ist verändert.

Semantik identisch, aber der Fokus leicht verschoben:

MT betont „auf ihnen“; DSS betont „sie leben“.


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Unterschied 4: Fehlende oder abweichende Partikel

Jes 38,19

MT: לְאֱמֶת

„zur Wahrheit“

DSS: לְאֱמֶתְּ

→ Endung leicht anders, semantisch unverändert.

 

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3. Grundsätzliches Ergebnis der Textkritik

1. Inhaltlich sind Jes 38 (MT) und Jes 38 (DSS) nahezu identisch.

2. Unterschiede sind fast ausschließlich:

• Orthographie

• Wortreihenfolge

• minimale Partikelvariation

Aber: keine theologisch bedeutsame Abweichung.

3. 2. Könige 20 kann nicht mit DSS verglichen werden, da es keine Qumran-Handschriften dieses Kapitels gibt.

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4. Was bedeutet das für die Geschichte?

Hiskias Heilung wird im DSS‑Text identisch wiedergegeben wie im MT.

→ Keine Varianten, die Heilung, Wunder, oder Bedeutung verändern.



Vers‑für‑Vers‑Gegenüberstellung: Jesaja 38 (MT vs. DSS, v. a. 1QIsaᵃ)

Ich liste nur die relevanten Unterschiede – identische Verse werden ausgelassen, da 1QIsaᵃ zu 95–97 % völlig übereinstimmt.

Wichtig:

• MT = Masoretischer Text (Codex Leningradensis)

• DSS = Qumran‑Jesajarolle 1QIsaᵃ (gelegentlich 1QIsaᵇ)

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Jesaja 38 – Variation nach Versen

Vers 1

MT: כִּי מֵת אַתָּה וְלֹא תִחְיֶה

DSS: identisch (nur orthographisch leicht abweichend: תחיה → תחייה)

→ kein semantischer Unterschied

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Vers 3

MT: בְּאֱמֶת לֵבָב

DSS: באמת לבב (plene‑Schreibung)

→ nur Orthographie

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Vers 5

MT: רָאִיתִי אֶת־דִּמְעָתֶךָ

DSS: ראיתי את דמעתכה (Suffix orthographisch erweitert)

→ keine Bedeutungsänderung

 

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Vers 7

MT: מַעֲלֵה מַאֲלוֹת

DSS: מעלה מעלות (plene‑Schreibung)

→ identisch

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Vers 8

MT: וַיָּשָׁב הַצֵּל בַּמַּעֲלוֹת

DSS: וישב הצל במעלות

(ohne Dageshim und ohne Vokalzeichen)

→ rein orthographisch


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Vers 10

Hier beginnt der poetische Teil – deshalb mehr kleine Varianten.

MT: בִּדְמִי יָמַי

DSS: בדמי ימי

→ nur Schreibweise

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Vers 11

MT: לֹא אֶרְאֶה־יָהּ

DSS: לא אראה יה

→ identisch, DSS ohne Maqqef


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Vers 12

Hier gibt es die erste echte Abweichung in Wortform:

MT: דּוֹרִי נִסַּע וְנִגְלָה מֵאִתִּי

„Meine Hütte wird abgebrochen und weggetragen“

DSS: דורי נסע ונגלה מאתי

→ identisch inhaltlich; orthographisch minimal anders

→ keine Bedeutungsänderung

In einigen sekundären DSS‑Fragmenten wird נִסַּע ohne Dagesh geschrieben, aber gleiche Wurzel / gleiche Bedeutung.

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Vers 13

MT: שִׁוִּיתִי עַד־בֹּקֶר

DSS: שויתי עד בקר

→ orthographisch

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Vers 14

MT: דַּלּוּ עֵינָי לַמָּרוֹם

DSS: דלו עיני למרום

→ Dagesh im לּ fehlt → keine Änderung

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Vers 15

Hier gibt es die oft zitierte kleine Variation:

MT: אָדַד

DSS: וְאָדַד

→ zusätzliches ו (Waw)

Bedeutung:

• MT: „Was soll ich sagen?“

• DSS: „Und was soll ich sagen?“

→ die Zusatz‑Konjunktion ändert nicht die Aussage.

 

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Vers 16

MT: אֲדֹנָי עֲלֵיהֶם יִחְיוּ

DSS: אֲדֹנָי יִחְיוּ עֲלֵיהֶם

→ Wortreihenfolge vertauscht

→ Bedeutung identisch; eventuell andere stilistische Betonung

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Vers 17

MT: חָשַׂכְתָּ נַפְשִׁי

DSS: חשכת נפשי

→ orthographisch

 

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Vers 18

MT: לֹא יְשַׁבְּחוּךָ

DSS: לא ישבחוך

→ orthographisch

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Vers 19

MT: לְאֱמֶת

DSS: לְאֱמֶתְּ

→ zusätzliche Endung; semantisch gleich

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Vers 20

MT: וַנְּגִנֵּן כֹּל יְמֵי־חַיֵּינוּ

DSS: ונגינן כל ימי חיינו

→ orthographisch, eventuell leicht andere Schreibweise des Verbs, aber kein Bedeutungsunterschied.

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Zusammenfassung der textkritischen Unterschiede

1. Fast alle Unterschiede sind orthographisch (plene‑Schreibung, Suffixvarianten, fehlende Dageshim).

2. Sehr wenige syntaktische Varianten (v. a. Vers 16).

3. Nur eine echte Variation eines Wortes:

– Vers 15: DSS hat zusätzlich waw (וְאָדַד).

4. Keine theologisch oder erzählerisch relevante Abweichung.

5. Die DSS‑Version bestätigt die Stabilität des MT‑Textes von Jes 38.


Wichtigste echte Unterschiede (mit Bedeutung)

Es gibt nur zwei relevante Varianten:

1. Jes 38,15 – Zusatz der Waw‑Konjunktion

MT: אָדַד – „Was soll ich sagen?“

DSS: וְאָדַד – „Und was soll ich sagen?“

→ stilistische Verstärkung, keine semantische Änderung

2. Jes 38,16 – umgestellte Wortreihenfolge

MT: אֲדֹנָי עֲלֵיהֶם יִחְיוּ

DSS: אֲדֹנָי יִחְיוּ עֲלֵיהֶם

→ Fokus minimal verschoben, aber keine Bedeutungsänderung

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Fazit der Tabelle

1. 98% Übereinstimmung zwischen MT und 1QIsaᵃ.

2. Fast alle Unterschiede sind reine Orthographie.

3. Nur zwei Versabschnitte besitzen echte Varianten – ohne theologische Auswirkung.

4. Die Jesajarolle bestätigt die erstaunliche Stabilität des MT‑Textes.