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00876  Warum bereut JHWH JEHOVA?  JHWH Jehova  als Schöpfer – und als Bundespartner Anthropomorph & Anthropopathisch


Warum „bereut“ JHWH? – Die Spannung zwischen Allwissenheit und Beziehung in der Schrift

Viele stolpern darüber:
Die Bibel nennt JHWH allwissend und allmächtig —
und gleichzeitig „bereut“ ER, fragt, ist entsetzt, kommt herab und schaut nach.
Wie passt das zusammen?

Die Antwort liegt in zwei Ebenen, die die Schrift nebeneinander zeigt:

Erstens: JHWH als Schöpfer.
Allwissend. Allmächtig. Nichts überrascht IHN.
Das ist die Ebene von Psalm 135,6, Nehemia 9,6 und Apostelgeschichte 17,24.

Zweitens: JHWH als Bundespartner.
ER geht echte Beziehung ein.
ER reagiert, fragt, klagt, ruft, „bereut“.
Das ist die Ebene von 1. Mose 6, 1. Mose 11, Hesekiel 18 und Hesekiel 33.

Diese zweite Ebene ist keine Schwäche, sondern die Stärke eines Gottes,
der sich wirklich bindet.

Wenn die Bibel sagt, JHWH „bereut“, steht im Hebräischen nicham.
Das bedeutet nicht: „Ich habe mich geirrt.“
Sondern: „Mein Herz wendet sich angesichts dessen, was der Mensch tut.“
Es beschreibt Beziehung, nicht Unwissenheit.

Warum fragt JHWH dann: „Warum wollt ihr sterben?“
Nicht, weil ER die Antwort braucht —
sondern weil wir sie brauchen.
Seine Fragen sind Spiegel.
Sie entlarven unser Herz und rufen zur Umkehr.

Und warum sagt ER in Hesekiel 18,31:
Macht euch ein neues Herz“ —
obwohl ER in Hesekiel 36,26 sagt: „Ich werde euch ein neues Herz geben“?

Weil die Schrift beide Linien festhält:
Unsere Verantwortung und seine Gnade.
Wir sollen handeln —
und doch bleibt alles Geschenk.

Wie gehe ich persönlich damit um?
Ich lasse die Spannung stehen.
Ich nehme die menschliche Sprache der Bibel ernst —
als Einladung, nicht als Problem.
Und ich schaue auf Jeschua haMaSchiach Den Herrn Jesus Christus, der Messias.
ER zeigt am klarsten, wie Allwissenheit und Mitleiden zusammengehören.

Die Bibel zeigt keinen widersprüchlichen Gott,
sondern einen lebendigen Gott,
der sich wirklich in die Geschichte hineinbegibt —
und gerade darin seine Größe zeigt.

1. Zwei Ebenen der Offenbarung

Die Schrift zeigt JHWH auf zwei Ebenen, die wir unterscheiden müssen:

Ebenen Beschreibung Belegstellen
Wesen JHWHs Allwissend, allmächtig, Schöpfer. ER kennt den Menschen völlig. Psalm  135,6; Nehemia 9,6; Apostelgeschite 17,24
Geschichte mit Menschen ER handelt in echter Beziehung, fragt, klagt, „bereut“, reagiert. 1. Mose 6,5–7; 1. Mose 11,5; E 18; Hesekiel 33

 

Diese beiden Ebenen widersprechen sich nicht — sie ergänzen sich.

2. Anthropomorphismen & Anthropopathismen

Die Schrift spricht von Jehova  in menschlicher Sprache, damit wir IHN verstehen:

Das bedeutet nicht, dass JHWH begrenzt wäre.
Es bedeutet: ER kommuniziert so, dass wir IHN begreifen können.

3. Warum „bereut“ JHWH?

Das hebräische nicham (נִחַם, transkribiert nicham) bedeutet:

Es bedeutet nicht, dass JHWH vorher „falsch lag“.
Es beschreibt, wie Gottes Herz auf menschliche Bosheit reagiert.

1. Mose  6,6 (ELB1905):
„Da reute es JHWH, dass er den Menschen gemacht hatte…“

Das zeigt nicht Unwissenheit, sondern Betroffenheit.

4. Warum fragt JHWH, wenn ER alles weiß?

Beispiel: Hes 33,11
„Warum wollt ihr sterben, Haus JiSsRaE’L?“

Diese Frage ist kein Informationsmangel, sondern:

JEHOVA / JHWHs Fragen sind pädagogisch, nicht epistemisch, (erkenntniserweiternd)

5. Hesekiel 18,31 – Kann der Mensch sich selbst ein neues Herz machen?

Hesekiel 18,31:
„Machet euch ein neues Herz und einen neuen Geist…“

Das klingt, als könne der Mensch das selbst.
Aber Hes 36,26 sagt das Gegenteil:

„Ich werde euch ein neues Herz geben…“

Die Schrift legt beide Linien nebeneinander:

Die Spannung ist absichtlich.

6. Wie ich persönlich damit lebe

Drei Dinge tragen mich:

  1. Ich lasse die Spannung stehen.
    JHWH ist größer als meine Systeme.
  2. Ich lese die „menschliche Sprache“ als Einladung.
    Seine Fragen gelten mir, nicht IHM.
  3. Ich schaue auf Jeschua haMaSchiach.
    In IHM sehe ich die Einheit von Allwissenheit und Mitleiden.

Schlussgedanke

Die Schrift zeigt keinen „widersprüchlichen“ Gott,
sondern einen lebendigen, beziehungsfähigen, heiligen Gott,
der sich wirklich in die Geschichte hineinbegibt —
und gerade darin seine Größe zeigt.



Die Geschriebene bezeugt JHWH als Schöpfer, Allwissenden und Allmächtigen – und zugleich begegnet ER uns als einer, der fragt, der „bereut“, der entsetzt ist, der sich abwenden oder umwenden kann. Diese Spannung ist real, und ich glaube, sie ist gewollt.

1. JHWH als Schöpfer – und als Bundespartner

Die Schrift bezeugt JHWH als den, „der Himmel und Erde gemacht hat“ (z.B. Psa 135,6; Neh 9,6; Apg 17,24). Gleichzeitig zeigt sie IHN nicht nur als „kosmischen Architekten“, sondern als Bundespartner, der sich an Menschen bindet, besonders an JiSsRaE’L.

Die Geschriebene verschweigt keine dieser Seiten, sondern hält sie nebeneinander. Das fühlt sich für uns oft wie ein „Widerspruch“ an, ist aber eher eine Spannung zwischen „Wer ER an sich ist“ und „Wie ER sich in der Geschichte zeigt“.

2. Anthropomorphismen und Anthropopathismen

Ein Schlüssel ist die Art, wie die Schrift von JHWH redet:

Die Geschriebene redet von Jehova in einer Sprache, die unser Herz versteht. Sie „übersetzt“ göttliche Wirklichkeit in menschliche Bilder. Das bedeutet nicht, dass diese Bilder „unwahr“ wären – aber sie sind angemessene Bilder, keine vollständigen Definitionen.

Du kennst das aus Mose 6,5–7: Jehova „bereut“, dass ER den Menschen gemacht hat. Das heisst nicht, dass ER vorher „zu wenig wusste“, sondern dass die Beziehung zwischen JHWH und der verdorbenen Menschheit an einen Punkt kommt,
an dem Gericht unausweichlich ist – und die Schrift beschreibt diesen Wendepunkt mit dem starken Wort „bereuen“.

3. Allwissenheit und „Lernen“ – zwei Ebenen

Ich unterscheide für mich zwei Ebenen:

Ebene Beschreibung Typische Verse
Wesen JHWHs ER ist Schöpfer, allwissend, allmächtig. Nichts überrascht IHN im Sinn von „neue Information“. Psalm 135,6; Nehemia 9,6; Apostelgeschichte 17,24
Geschichte mit Menschen ER geht echte, zeitliche Beziehung ein, reagiert, fragt, klagt, freut sich, „bereut“. 1. Mose  6,5–7; 1. Mose 11,5; Hesekiel 18; Eze 33


Die Geschriebene zeigt uns JHWH auf der zweiten Ebene – in der Geschichte, im Bund, im Ringen mit JiSsRaE’L und den Nationen.
Auf dieser Ebene „lernt“ ER nicht im Sinn von „Ich wusste es vorher nicht“, sondern ER lässt sich auf echte Geschichte ein.

ER nimmt den Menschen ernst, ihre Entscheidungen, ihre Antworten, ihr Abfallen und ihre Umkehr.

Darum kann ER „fragen“, obwohl ER die Antwort kennt. Die Frage ist nicht für IHN, sondern für uns.

4. Warum fragt JHWH – und warum „bereut“ ER?

Nimm Eze 33,11b: „Warum wollt ihr sterben, Haus JiSsRaE’L?“
Oder Eze 18,31: „Machet euch ein neues Herz und einen neuen Geist…“

Auf den ersten Blick klingt das so, als ob JHWH:

  1. nicht wüsste, warum sie sterben wollen, und
  1. davon ausgeht, dass sie sich selbst ein neues Herz machen können.

Ich verstehe diese Stellen so:

  1. Die Frage als Spiegel:
    Wenn JHWH fragt: „Warum wollt ihr sterben?“, dann hält ER JiSsRaE’L einen Spiegel vor. Die Frage entlarvt die Absurdität ihres Weges. Es ist, als würde ER sagen: „Wenn ihr ehrlich seid – warum wählt ihr den Tod, wo ich euch Leben anbiete?“ Die Frage sucht nicht Information, sondern Umkehr.
  2. Der Befehl als Zuspitzung:
    „Werfet von euch alle eure Übertretungen… und machet euch ein neues Herz und einen neuen Geist“ (Eze 18,31).
    Hier wird die Verantwortung des Menschen maximal ernst genommen. JiSsRaE’L soll nicht passiv bleiben, sondern alles, was in seiner Macht steht, tun. Gleichzeitig wissen wir aus anderen Stellen, dass das neue Herz letztlich Geschenk JHWHs ist (vgl. Eze 36,26: „Ich werde euch ein neues Herz geben…“).
  3. Die Schrift legt diese beiden Linien bewusst nebeneinander:
  4. Das ist keine logische Unvereinbarkeit, sondern eine geistliche Spannung: Der Mensch wird ganz in die Verantwortung gerufen – und doch bleibt alles Gnade.
  5. „Reue“ JHWHs als Ausdruck echter Beziehung:
    Wenn JHWH „bereut“, dann zeigt die Geschriebene: ER ist nicht kalt, nicht fatalistisch, nicht distanziert. Sein Gericht ist nicht mechanisch, sondern geht durch sein Herz. ER ist wirklich betroffen von dem, was der Mensch tut. Das ist keine Schwäche, sondern die Stärke eines Gottes, der sich wirklich bindet.

5. Wie ich persönlich damit lebe

Du, Kl. pe fragst: „Geht dir das auch so, und wie kommst du damit zurecht?
Welche Antwort hat dir unser HERR geschenkt?“

Ja, ich stosse auch fast täglich auf solche Spannungen. Für mich sind drei Dinge wichtig geworden:

  1. Ich lasse die Spannung stehen.
    Ich versuche nicht, JHWH in ein System zu pressen, in dem ER nur noch „unbewegter Allwissender“ ist.
    Das Wort Gottes zeigt IHN als den, der weiss – und der doch wirklich leidet, sich freut, zürnt, erbarmt.
    Ich will IHN so kennen, wie ER sich zeigt, nicht nur, wie ich IHN mir logisch zurechtlege.
  2. Ich lese die „menschliche Sprache“ bewusst als Einladung.
    Wenn Jehova fragt, klagt, ruft, dann ist das nicht theologische Deko, sondern eine direkte Ansprache an mein Herz.
    Seine Fragen sind für mich, nicht für IHN.
  3. Seine „Reue“ zeigt mir, wie ernst ER Sünde und Gericht nimmt – und wie tief ER sich in Beziehung hineinbegibt.
  4. Ich halte mich an den Herrn Jesus Christus.
    Im Herrn Jesus sehe ich die Einheit von Allwissenheit und Mitleiden am klarsten:
    ER weiß, was im Menschen ist –
    und ER weint über Jerusalem,
    ER ringt in Gethsemane,
    ER ruft am Kreuz.
    In IHM wird sichtbar, dass JHWH nicht nur „über“ der Geschichte steht,
    sondern sich in sie hineinbegibt, bis zum Äußersten.

So ist meine „Antwort“, die ER mir geschenkt hat, keine fertige Erklärung, sondern eher eine Haltung:
Ich nehme die Spannung ernst, ich nehme die Sprache der Schrift wörtlich ernst –
und ich vertraue, dass Jehova JHWH gröer ist als meine Systeme. ER ist Schöpfer und Bundespartner, Allwissender und Mitleidender, Richter und Retter.

 

1. GENESIS 6 – „Es reute JHWH…“

(Der erste große Stolperstein)

Kontext

Die Menschheit ist moralisch kollabiert. Der Text beschreibt nicht nur Sünde, sondern eine qualitative Verderbnis.

Vers-für-Vers

Gen 6,5 (ELB1905, Teilzitat)

„JHWH sah, dass die Bosheit des Menschen groß war…“

Gen 6,6

„Da reute es JHWH…“

Gen 6,7

„Ich will den Menschen vertilgen…“

Vers Beobachtung Grundsprache theologische Bedeutung
Gen 6,5 JHWH „sieht“ die Verderbnis raʿah – sehen, beurteilen Gericht beginnt mit göttlicher Diagnose
Gen 6,6 Es reute JHWH“ nicham – innerlich wenden Ausdruck echter Beziehung, nicht Unwissenheit
Gen 6,7 Gerichtsbeschluss machah – auslöschen Konsequenz der moralischen Realität



2. GENESIS 11 – „JHWH kam herab…“

(Der zweite Stolperstein)

Kontext

Der Turmbau zu Babel ist ein Akt kollektiver Selbstvergöttlichung.

Vers-für-Vers

Gen 11,5

„Da kam JHWH herab, um die Stadt und den Turm zu sehen…“

Gen 11,6–7

„Wohlauf, lasst uns herniederfahren…“

Gen 11,8–9

Zerstreuung als Gericht und zugleich als Schutzmaßnahme.

Vers Beobachtung Grundsprache theologische Bedeutung
Gen 11,5 „JHWH kam herab“ yarad – herabsteigen Anthropomorphismus: Beziehungssprache
Gen 11,6 Göttliche Diagnose hen – siehe! Gott beurteilt menschliche Hybris
Gen 11,7 Lasst uns herniederfahren“ naʾredah – wir wollen herabsteigen Majestätsplural, kein Lernprozess

3. EZECHIEL 18 – Verantwortung des Menschen
(Der dritte Stolperstein)
Kontext
Das Volk klagt: „Unsere Väter haben gegessen, und wir müssen leiden.“
JHWH widerspricht: Jeder ist für sein Tun verantwortlich.
Vers-für-Vers
Eze 18,23 (Teilzitat)
„Habe ich Gefallen am Tod des Gottlosen?“
• Hebräisch: chafetz חָפֵץ – „Gefallen haben“
• JHWHs Herz ist nicht auf Vernichtung ausgerichtet.
Eze 18,30
„Kehrt um…“
• schuv שׁוּב – umkehren, zurückkehren
• Der Ruf ist ernst gemeint, kein rhetorisches Spiel.
Eze 18,31
„Macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist…“
• lev chadasch לֵב חָדָשׁ – neues Herz
• ruach chadaschah רוּחַ חֲדָשָׁה – neuer Geistwind
• Spannung:
• Der Mensch wird maximal in die Verantwortung gerufen.
• Aber Eze 36,26 zeigt: Das neue Herz ist letztlich Geschenk.
Eze 18,32
„Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden…“
• Wiederholung zur Bekräftigung: JHWHs Ziel ist Leben.

 

Vers Beobachtung Grundsprache theologische Bedeutung
18,23 Kein Gefallen am Tod chafetz – Gefallen haben Gottes Herz ist auf Leben ausgerichtet
18,30 Ruf zur Umkehr schuv – umkehren Verantwortung des Menschen
18,31 "Macht euch ein neues Herz" lev chadasch, ruach chadaschah Spannung: Verantwortung und Gnade
18,32 JHWH will Leben chafetz – Gefallen Goettliche Absicht: Rettung

4. EZECHIEL 33 – Die Frage Gottes

(Der vierte Stolperstein)

Kontext

Der Prophet ist Wächter. Das Volk ist in der Krise.
JHWH ringt um Umkehr.

Vers-für-Vers

Eze 33,10

„Unsere Übertretungen sind auf uns…“

Eze 33,11

„Warum wollt ihr sterben, Haus JiSsRaE’L?“

Eze 33,12–16

Gerechtigkeit ist nicht statisch.
Umkehr verändert die Bilanz.

Eze 33,19

„Der Gottlose… wird leben.“

Vers Beobachtung Grundsprache theologische Bedeutung
33,10 Verzweiflung des Volkes pescha – Übertretung Schulderkenntnis ohne Hoffnung
33,11 Warum wollt ihr sterben?“ lammah tamuthu Ruf zur Umkehr, nicht Informationssuche
33,12–16 Umkehr verändert die Bilanz schuv – umkehren Gerechtigkeit ist dynamisch
33,19 Der Gottlose kann leben chajah – leben Gottes Ziel: Rettung

 

GESAMTFAZIT FÜR KL.P

Die vier Texte zeigen gemeinsam:

Diese Spannung ist keine Schwäche, sondern die Größe JHWHs.