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Viele stolpern darüber:
Die Bibel nennt JHWH allwissend und allmächtig —
und gleichzeitig „bereut“ ER, fragt, ist entsetzt,
kommt herab und schaut nach.
Wie passt das zusammen?
Die Antwort liegt in zwei Ebenen, die die Schrift nebeneinander zeigt:
Erstens:
JHWH als Schöpfer.
Allwissend. Allmächtig. Nichts überrascht IHN.
Das ist die Ebene von Psalm 135,6, Nehemia 9,6 und Apostelgeschichte
17,24.
Zweitens:
JHWH als Bundespartner.
ER geht echte Beziehung ein.
ER reagiert, fragt, klagt, ruft, „bereut“.
Das ist die Ebene von 1. Mose 6, 1. Mose 11, Hesekiel 18 und
Hesekiel
33.
Diese zweite Ebene ist keine Schwäche, sondern die
Stärke eines Gottes,
der sich wirklich bindet.
Wenn die Bibel sagt, JHWH „bereut“, steht im
Hebräischen nicham.
Das bedeutet nicht: „Ich habe mich geirrt.“
Sondern: „Mein Herz wendet sich angesichts dessen,
was der Mensch tut.“
Es beschreibt Beziehung, nicht Unwissenheit.
Warum fragt JHWH dann: „Warum wollt ihr sterben?“
Nicht, weil ER die Antwort braucht —
sondern weil
wir sie
brauchen.
Seine Fragen sind Spiegel.
Sie entlarven unser Herz und rufen zur Umkehr.
Und warum sagt ER in Hesekiel 18,31:
„Macht euch ein neues Herz“ —
obwohl ER in Hesekiel 36,26 sagt: „Ich werde euch ein
neues Herz geben“?
Weil die Schrift beide Linien festhält:
Unsere Verantwortung
und seine Gnade.
Wir sollen handeln —
und doch bleibt alles Geschenk.
Wie gehe ich persönlich damit um?
Ich lasse die Spannung stehen.
Ich nehme die menschliche Sprache der Bibel ernst —
als Einladung, nicht als Problem.
Und ich schaue auf Jeschua haMaSchiach Den Herrn
Jesus Christus, der Messias.
ER zeigt am klarsten, wie Allwissenheit und Mitleiden
zusammengehören.
Die Bibel zeigt keinen widersprüchlichen Gott,
sondern einen lebendigen Gott,
der sich wirklich in die Geschichte hineinbegibt —
und gerade darin seine Größe zeigt.
1. Zwei Ebenen der Offenbarung
Die Schrift zeigt JHWH auf zwei Ebenen, die wir
unterscheiden müssen:
| Ebenen | Beschreibung | Belegstellen |
|---|---|---|
| Wesen JHWHs | Allwissend, allmächtig, Schöpfer. ER kennt den Menschen völlig. | Psalm 135,6; Nehemia 9,6; Apostelgeschite 17,24 |
| Geschichte mit Menschen | ER handelt in echter Beziehung, fragt, klagt, „bereut“, reagiert. | 1. Mose 6,5–7; 1. Mose 11,5; E 18; Hesekiel 33 |
Diese beiden Ebenen widersprechen sich nicht — sie ergänzen sich.
2. Anthropomorphismen & Anthropopathismen
Die Schrift spricht von Jehova in menschlicher Sprache, damit wir IHN verstehen:
Das bedeutet nicht, dass JHWH begrenzt wäre.
Es bedeutet: ER kommuniziert so, dass wir IHN begreifen können.
3. Warum „bereut“ JHWH?
Das hebräische nicham (נִחַם, transkribiert nicham) bedeutet:
Es bedeutet nicht, dass JHWH vorher „falsch lag“.
Es beschreibt, wie Gottes Herz auf menschliche Bosheit reagiert.
1. Mose 6,6 (ELB1905):
„Da reute es JHWH, dass er den Menschen gemacht hatte…“
Das zeigt nicht Unwissenheit, sondern Betroffenheit.
4. Warum fragt JHWH, wenn ER alles weiß?
Beispiel: Hes 33,11
„Warum wollt ihr sterben, Haus JiSsRaE’L?“
Diese Frage ist kein Informationsmangel, sondern:
JEHOVA / JHWHs Fragen sind pädagogisch, nicht epistemisch, (erkenntniserweiternd)
5. Hesekiel 18,31 – Kann der Mensch sich selbst ein neues Herz machen?
Hesekiel 18,31:
„Machet euch ein neues Herz und einen neuen Geist…“
Das klingt, als könne der Mensch das selbst.
Aber Hes 36,26 sagt das Gegenteil:
„Ich werde euch ein neues Herz geben…“
Die Schrift legt beide Linien nebeneinander:
Die Spannung ist absichtlich.
6. Wie ich persönlich damit lebe
Drei Dinge tragen mich:
Schlussgedanke
Die Schrift zeigt keinen „widersprüchlichen“ Gott,
sondern einen
lebendigen,
beziehungsfähigen,
heiligen
Gott,
der sich wirklich in die Geschichte hineinbegibt —
und gerade darin seine Größe zeigt.
1. JHWH als Schöpfer – und als Bundespartner
Die Schrift bezeugt JHWH als den, „der Himmel und Erde gemacht hat“ (z.B. Psa 135,6; Neh 9,6; Apg 17,24). Gleichzeitig zeigt sie IHN nicht nur als „kosmischen Architekten“, sondern als Bundespartner, der sich an Menschen bindet, besonders an JiSsRaE’L.
Die Geschriebene verschweigt keine dieser Seiten, sondern hält sie nebeneinander. Das fühlt sich für uns oft wie ein „Widerspruch“ an, ist aber eher eine Spannung zwischen „Wer ER an sich ist“ und „Wie ER sich in der Geschichte zeigt“.
2. Anthropomorphismen und Anthropopathismen
Ein Schlüssel ist die Art, wie die Schrift von JHWH redet:
Die Geschriebene redet von Jehova in einer Sprache, die unser Herz versteht. Sie „übersetzt“ göttliche Wirklichkeit in menschliche Bilder. Das bedeutet nicht, dass diese Bilder „unwahr“ wären – aber sie sind angemessene Bilder, keine vollständigen Definitionen.
Du kennst das aus Mose 6,5–7: Jehova „bereut“,
dass ER den Menschen gemacht hat. Das heisst nicht, dass ER vorher „zu wenig
wusste“, sondern dass die Beziehung zwischen JHWH und der verdorbenen Menschheit
an einen Punkt kommt,
an dem Gericht unausweichlich ist – und die Schrift beschreibt diesen Wendepunkt
mit dem starken Wort „bereuen“.
3. Allwissenheit und „Lernen“ – zwei Ebenen
Ich unterscheide für mich zwei Ebenen:
| Ebene | Beschreibung | Typische Verse |
|---|---|---|
| Wesen JHWHs | ER ist Schöpfer, allwissend, allmächtig. Nichts überrascht IHN im Sinn von „neue Information“. | Psalm 135,6; Nehemia 9,6; Apostelgeschichte 17,24 |
| Geschichte mit Menschen | ER geht echte, zeitliche Beziehung ein, reagiert, fragt, klagt, freut sich, „bereut“. | 1. Mose 6,5–7; 1. Mose 11,5; Hesekiel 18; Eze 33 |
Die Geschriebene zeigt uns JHWH auf der zweiten Ebene
– in der Geschichte, im Bund, im Ringen mit JiSsRaE’L und den Nationen.
Auf dieser Ebene „lernt“ ER nicht im Sinn von „Ich
wusste es vorher nicht“, sondern ER
lässt sich auf echte Geschichte ein.
ER nimmt den Menschen ernst, ihre Entscheidungen, ihre Antworten, ihr Abfallen und ihre Umkehr.
Darum kann ER „fragen“, obwohl ER die Antwort kennt. Die Frage ist nicht für IHN, sondern für uns.
4. Warum fragt JHWH – und warum „bereut“ ER?
Nimm Eze 33,11b: „Warum wollt ihr sterben, Haus
JiSsRaE’L?“
Oder Eze 18,31: „Machet euch ein neues Herz und einen
neuen Geist…“
Auf den ersten Blick klingt das so, als ob JHWH:
Ich verstehe diese Stellen so:
5. Wie ich persönlich damit lebe
Du, Kl. pe fragst: „Geht dir das auch so, und wie kommst
du damit zurecht?
Welche Antwort hat dir unser HERR geschenkt?“
Ja, ich stosse auch fast täglich auf solche Spannungen. Für mich sind drei Dinge wichtig geworden:
So ist meine „Antwort“, die ER mir geschenkt hat, keine
fertige Erklärung, sondern eher eine Haltung:
Ich nehme die Spannung ernst, ich nehme die Sprache der Schrift wörtlich ernst –
und ich vertraue, dass Jehova JHWH gröer ist als meine Systeme. ER ist Schöpfer
und Bundespartner, Allwissender und Mitleidender, Richter und Retter.
1. GENESIS 6 – „Es reute JHWH…“
(Der erste große Stolperstein)
Kontext
Die Menschheit ist moralisch kollabiert. Der Text beschreibt nicht nur Sünde, sondern eine qualitative Verderbnis.
Vers-für-Vers
Gen 6,5 (ELB1905, Teilzitat)
„JHWH sah, dass die Bosheit des Menschen groß war…“
Gen 6,6
„Da reute es JHWH…“
Gen 6,7
„Ich will den Menschen vertilgen…“
| Vers | Beobachtung | Grundsprache | theologische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Gen 6,5 | JHWH „sieht“ die Verderbnis | raʿah – sehen, beurteilen | Gericht beginnt mit göttlicher Diagnose |
| Gen 6,6 | „Es reute JHWH“ | nicham – innerlich wenden | Ausdruck echter Beziehung, nicht Unwissenheit |
| Gen 6,7 | Gerichtsbeschluss | machah – auslöschen | Konsequenz der moralischen Realität |
2. GENESIS 11 – „JHWH kam herab…“
(Der zweite Stolperstein)
Kontext
Der Turmbau zu Babel ist ein Akt kollektiver Selbstvergöttlichung.
Vers-für-Vers
Gen 11,5
„Da kam JHWH herab, um die Stadt und den Turm zu sehen…“
Gen 11,6–7
„Wohlauf, lasst uns herniederfahren…“
Gen 11,8–9
Zerstreuung als Gericht und zugleich als Schutzmaßnahme.
| Vers | Beobachtung | Grundsprache | theologische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Gen 11,5 | „JHWH kam herab“ | yarad – herabsteigen | Anthropomorphismus: Beziehungssprache |
| Gen 11,6 | Göttliche Diagnose | hen – siehe! | Gott beurteilt menschliche Hybris |
| Gen 11,7 | „Lasst uns herniederfahren“ | naʾredah – wir wollen herabsteigen | Majestätsplural, kein Lernprozess |
3. EZECHIEL 18 – Verantwortung des Menschen
(Der dritte Stolperstein)
Kontext
Das Volk klagt: „Unsere Väter haben gegessen, und wir müssen leiden.“
JHWH widerspricht: Jeder ist für sein Tun verantwortlich.
Vers-für-Vers
Eze 18,23 (Teilzitat)
„Habe ich Gefallen am Tod des Gottlosen?“
• Hebräisch: chafetz חָפֵץ – „Gefallen haben“
• JHWHs Herz ist nicht auf Vernichtung ausgerichtet.
Eze 18,30
„Kehrt um…“
• schuv שׁוּב – umkehren, zurückkehren
• Der Ruf ist ernst gemeint, kein rhetorisches Spiel.
Eze 18,31
„Macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist…“
• lev chadasch לֵב חָדָשׁ – neues Herz
• ruach chadaschah רוּחַ חֲדָשָׁה – neuer Geistwind
• Spannung:
• Der Mensch wird maximal in die Verantwortung gerufen.
• Aber Eze 36,26 zeigt: Das neue Herz ist letztlich Geschenk.
Eze 18,32
„Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden…“
• Wiederholung zur Bekräftigung: JHWHs Ziel ist Leben.
| Vers | Beobachtung | Grundsprache | theologische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 18,23 | Kein Gefallen am Tod | chafetz – Gefallen haben | Gottes Herz ist auf Leben ausgerichtet |
| 18,30 | Ruf zur Umkehr | schuv – umkehren | Verantwortung des Menschen |
| 18,31 | "Macht euch ein neues Herz" | lev chadasch, ruach chadaschah | Spannung: Verantwortung und Gnade |
| 18,32 | JHWH will Leben | chafetz – Gefallen | Goettliche Absicht: Rettung |
4. EZECHIEL 33 – Die Frage Gottes
(Der vierte Stolperstein)
Kontext
Der Prophet ist Wächter. Das Volk ist in der Krise.
JHWH ringt um Umkehr.
Vers-für-Vers
Eze 33,10
„Unsere Übertretungen sind auf uns…“
Eze 33,11
„Warum wollt ihr sterben, Haus JiSsRaE’L?“
Eze 33,12–16
Gerechtigkeit ist nicht statisch.
Umkehr verändert die Bilanz.
Eze 33,19
„Der Gottlose… wird leben.“
| Vers | Beobachtung | Grundsprache | theologische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 33,10 | Verzweiflung des Volkes | pescha – Übertretung | Schulderkenntnis ohne Hoffnung |
| 33,11 | „Warum wollt ihr sterben?“ | lammah tamuthu | Ruf zur Umkehr, nicht Informationssuche |
| 33,12–16 | Umkehr verändert die Bilanz | schuv – umkehren | Gerechtigkeit ist dynamisch |
| 33,19 | Der Gottlose kann leben | chajah – leben | Gottes Ziel: Rettung |
GESAMTFAZIT FÜR KL.P
Die vier Texte zeigen gemeinsam:
Diese Spannung ist keine Schwäche, sondern die Größe JHWHs.