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00878 Röm 3,25 (ELB
1905_2023) den Gott dargestellt hat als Sühnmittel durch den Glauben an sein
Blut …
Römer Brief
|
Stell dir vor, du stehst im Zentrum der
Bibel. „Jetzt aber“, sagt Paulus. Das Gesetz zeigt die Richtung, Dann kommt der Schlag: Aber genau dort setzt Gott an. Und jetzt kommt der theologische Kern, der
Herzschlag des Evangeliums: Und wozu? Paulus sagt: Warum? Das ist der Kern: Römer 3,21–26 ist nicht nur ein Text. |

Die beiden entscheidenden Wörter sind:
ἱλαστήριον (hilastḗrion)
→ In der LXX fast durchgehend der Begriff für den Gnadenstuhl der Bundeslade (Ex 25,17; 37,6; Lev 16).
προέθετο (proétheto)
→ Bedeutet sowohl „öffentlich ausstellen“ als auch „bestimmen, vorsehen“.
Paulus wählt also ein Wort, das kultische Tiefe und öffentliche Sichtbarkeit zugleich zulässt.
🧩 2. Meint Paulus die Bundeslade oder das Kreuz?
A. Die kultische Ebene: Bundeslade / Gnadenstuhl
Das Wort hilastḗrion ist zu 95% ein technischer Terminus für den Gnadenstuhl, den Ort, an dem am Jom Kippur das Blut aufgesprengt wurde.
Damit sagt Paulus:
Das ist unvermeidlich im Text.
Paulus will, dass der Leser an Lev 16 denkt.
B. Die historische Ebene: öffentlich am Kreuz
Das Verb proétheto trägt eine zweite Bedeutung:
Das Kreuz war:
Paulus betont in Gal 3,1:
„… Christus, als unter euch gekreuzigt, öffentlich dargestellt
…“
Dasselbe Verbfeld.
Damit ist klar:
Paulus denkt nicht nur kultisch, sondern auch
historisch‑öffentlich.
🧩 3. Also: Bundeslade oder Kreuz?
Antwort: Beides — aber in einer bestimmten Reihenfolge.
Paulus verbindet also:
🧩 4. Kontext: Warum Paulus das hier sagt
Röm 3,21–26 ist der theologische Kern des ganzen Römerbriefs.
Paulus beantwortet drei Fragen:
1. Wie kann Gott gerecht bleiben, wenn er Sünden „hingehenließ“?
→ páresis = Er hat sie nicht endgültig gerichtet (AT).
2. Wie zeigt Gott seine Gerechtigkeit?
→ Durch das Kreuz als éndeixis = Demonstration.
3. Wie wird der Mensch gerecht?
→ Durch Glauben, nicht durch Werke.
Christus ist also:
| Aspekt | Bundeslade / Gnadenstuhl | Kreuz |
|---|---|---|
| Begriff ἱλαστήριον (hilastḗrion) | Technischer Terminus für den Gnadenstuhl | Christus als der neue Sühnort |
| Verb προέθετο (proétheto) | Von Gott „bestimmt“ | Von Gott „öffentlich dargestellt“ |
| Sichtbarkeit | Verdeckt im Allerheiligsten | Öffentlich vor aller Welt |
| Blut | Tierblut am Jom Kippur | Sein eigenes Blut |
| Funktion | Vorläufige Sühnung | Endgültige Sühnung |
| Erweisung der Gerechtigkeit Gottes | Nur typologisch | Voll realisiert |
6. Fazit
Paulus meint beides, aber nicht im Sinne von „zwei Optionen“, sondern als zwei Ebenen eines einzigen Gedankens:
Christus ist der wahre Gnadenstuhl,
und Gott hat diesen Gnadenstuhl am Kreuz öffentlich sichtbar gemacht.
Damit löst Paulus das gesamte alttestamentliche Opferwesen in einer Person
und einem Ereignis auf.
WORTSTUDIE: ἱλαστήριον (hilastḗrion)
(Röm 3,25 — Elberfelder 1905)
1. Grundform, Morphologie, Bedeutungsspektrum

Das Wort ist kultisch-technisch geprägt. Es ist kein allgemeiner Begriff für „Versöhnung“, sondern ein präziser Terminus aus dem Opfer- und Tempelwesen.
2. Verwendung in der Septuaginta (LXX)
Hier liegt der Schlüssel. In der LXX ist hilastḗrion fast ein Fachwort für den Gnadenstuhl der Bundeslade.
Alle relevanten LXX-Belege
| Stelle | Hebräisch | Griechisch | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Ex 25,17 | כַּפֹּרֶת (*kappóret*) | ἱλαστήριον | Gnadenstuhl |
| Ex 25,18–22 | kappóret | hilastḗrion | Ort der Begegnung Gottes |
| Ex 26,34 | kappóret | hilastḗrion | Deckplatte der Lade |
| Lev 16 (mehrfach) | kappóret | hilastḗrion | Ort der Blutbesprengung am Jom Kippur |
| Num 7,89 | kappóret | hilastḗrion | Ort der göttlichen Stimme |
Fazit:
3. Verwendung im Neuen Testament
Es kommt nur zweimal vor:
| Stelle | Text | Bedeutung |
|---|---|---|
| Röm 3,25 | ὃν προέθετο ὁ θεὸς ἱλαστήριον | Christus als Sühnort / Gnadenstuhl |
| Hebr 9,5 | τὸ ἱλαστήριον | der Gnadenstuhl der Bundeslade |
Wichtig:
Hebr 9,5 zeigt, dass das NT den Begriff im kultischen Sinn
kennt und verwendet.
Damit ist klar:
Paulus benutzt in Röm 3,25 absichtlich denselben Begriff wie
die LXX für die Bundeslade.
4. Semantische Tiefenstruktur
A. hilastḗrion als Ort
Nicht primär „Mittel“, sondern Ort, an dem Sühnung geschieht.
B. hilastḗrion als Person
Paulus überträgt den „Ort“ auf eine Person:
Christus ist der neue Gnadenstuhl.
Das ist theologisch revolutionär:
C. hilastḗrion als Erfüllung von Lev 16
Lev 16 ist der Hintergrund:
Paulus sagt:
Alles das erfüllt sich in Christus.
5. Warum Paulus dieses Wort wählt
A. Er verbindet AT und NT in einem einzigen Begriff
Mit einem Wort ruft er die gesamte Theologie von:
auf.
B. Er zeigt: Christus ist der neue Kultmittelpunkt
Nicht Tempel
Nicht Priester
Nicht Opfer
Nicht Gnadenstuhl
→ Christus selbst ist alles in einer Person.
C. Er erklärt, warum Gott Sünden „hingehenließ“
Weil die wahre Sühnung erst in Christus geschah.
6. Theologische Tragweite
| AT | NT (Röm 3,25) |
|---|---|
| Gnadenstuhl aus Gold | Christus als lebendiger Gnadenstuhl |
| Tierblut | Sein eigenes Blut |
| Einmal im Jahr | Einmal für immer |
| Verdeckt im Allerheiligsten | Öffentlich am Kreuz |
| Vorläufige Sühnung | Endgültige Sühnung |
| Priester als Mittler | Christus selbst als Mittler |
7. Kurzfazit
ἱλαστήριον (hilastḗrion) meint in Röm 3,25 primär den
Gnadenstuhl der Bundeslade,
aber Paulus überträgt diesen Begriff auf Christus selbst,
der als der wahre Sühnort öffentlich am Kreuz dargestellt wurde.
Es ist also beides, aber nicht gleichrangig:
Wenn du möchtest, mache ich dir jetzt:
Sag einfach, was du brauchst.
🧠 WORTSTUDIE: προέθετο (proétheto)
(Röm 3,25 — Elberfelder 1905)
1. Grundform, Morphologie, Bedeutungsspektrum

Grundbedeutung von προτίθημι (protíthēmi)
Die Medium-Form (proétheto) bedeutet:
„für sich selbst bestimmen“,
„öffentlich vor Augen stellen“,
„zu einem bestimmten Zweck einsetzen“.
Das Medium betont:
Gott selbst handelt aktiv und zielgerichtet.
2. Vorkommen im Neuen Testament
Das Verb kommt nur zweimal im NT vor — beide Male mit
theologischer Tiefe.
| Stelle | Form | Transkription | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Röm 3,25 | προέθετο | *prosthetic* | öffentlich darstellen / bestimmen |
| Eph 1,9 | προέθετο | *proétheto* | für sich selbst vorsetzen / beschließen |
Vergleich der beiden Kontexte
Damit wird klar:
Das Wort umfasst Offenbarung und Prädestination
zugleich.
3. Vorkommen in der Septuaginta (LXX)
Die LXX verwendet προτίθημι (protíthēmi) in zwei Hauptbedeutungen:
A. Öffentlich ausstellen / vor Augen stellen
B. Bestimmen / vorsehen / planen
C. Darbringen / vorlegen (Opfer)
4. Semantische Tiefenstruktur
A. „Öffentlich darstellen“
Das Verb kann bedeuten:
Das passt perfekt zum Kreuz:
B. „Bestimmen / vorsehen“
Die Mediumform (proétheto) betont:
C. „Darbringen“
In kultischem Kontext bedeutet es:
Paulus verbindet also:
in einem einzigen Verb.
5. Warum Paulus genau dieses Wort wählt
1. Es verbindet Gottes ewigen Plan mit der historischen Offenbarung
→ Der ewige Ratschluss wird am Kreuz sichtbar.
2. Es betont Gottes Initiative
Nicht:
Sondern:
Gott hat ihn hingestellt.
3. Es passt perfekt zum Begriff ἱλαστήριον (hilastḗrion)
Der Gnadenstuhl im AT war:
Paulus sagt:
Gott hat den wahren Gnadenstuhl öffentlich ausgestellt.
Das ist eine theologische Explosion.
6. Kontextuelle Bedeutung in Röm 3,25
Der Satz lautet:
ὃν προέθετο ὁ θεὸς ἱλαστήριον
hon proétheto ho theós hilastḗrion
„den Gott dargestellt hat als Sühnort“
Bedeutung:
Es ist ein multidimensionales Verb.
7. Theologische Tragweite
| Dimension | Bedeutung von προέθετο (*proétheto*) |
|---|---|
| Offenbarung | Gott stellt Christus öffentlich vor Augen |
| Prädestination | Gott bestimmt Christus zu diesem Zweck |
| Kultische Handlung | Gott bringt Christus als Opfer dar |
| Christologische Identität | Christus ist der wahre Gnadenstuhl |
| Heilsgeschichtliche Erfüllung | Der verborgene Ort (AT) wird öffentlich (NT) |
8. Kurzfazit
προέθετο (proétheto) bedeutet in Röm 3,25,
dass Gott Christus für sich selbst bestimmt,
öffentlich sichtbar gemacht,
als Opfer dargebracht
und als wahren Gnadenstuhl eingesetzt hat.
Es ist das perfekte Verb, um Gottes ewigen Ratschluss und die öffentliche Offenbarung am Kreuz in einem einzigen Ausdruck zu vereinen.
Wenn du möchtest, kann ich dir jetzt:
Sag einfach, wohin du als Nächstes gehen willst.
8. Kurzfazit
προέθετο (proétheto) bedeutet in Röm 3,25,
dass Gott Christus für sich selbst bestimmt,
öffentlich sichtbar gemacht,
als Opfer dargebracht
und als wahren Gnadenstuhl eingesetzt hat.
Es ist das perfekte Verb, um Gottes ewigen Ratschluss und die öffentliche Offenbarung am Kreuz in einem einzigen Ausdruck zu vereinen.
STRUKTURÜBERSICHT RÖMER 3,21–26
(Elberfelder 1905, mit Grundsprache‑Transkription)
Paulus baut diesen Abschnitt wie eine Kathedrale:
Zwei große Pfeiler (V.21–22 und V.25–26) tragen das Dach der Rechtfertigung, und
dazwischen steht der Mensch (V.23–24).
1. Makrostruktur (Vogelperspektive)
| Abschnitt | Verse | Inhalt |
|---|---|---|
| A | 3,21–22 | Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes ohne Gesetz |
| B | 3,23–24 | Der Zustand des Menschen und die Rechtfertigung |
| C | 3,25–26 | Das Sühnwerk Christi als Erweisung der Gerechtigkeit Gottes |
2. Mikrostruktur (Detailanalyse)
A. 3,21–22 — Die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes
Schlüsselbegriffe:
Struktur:
B. 3,23–24 — Der Mensch und die Rechtfertigung
Schlüsselbegriffe:
Struktur:
C. 3,25–26 — Das Sühnwerk Christi als Erweisung der Gerechtigkeit Gottes
Schlüsselbegriffe:
Struktur:
3. Gesamtlogik des Abschnitts
Schritt
Inhalt
Grundsprache (transkribiert)
1
Gottes Gerechtigkeit wird offenbart
δικαιοσύνη θεοῦ (*dikaiosýnē theú*)
2
Unabhängig vom Gesetz, aber bezeugt
χωρὶς νόμου (*chorís nómou*)
3
Alle Menschen sind Sünder
πάντες ἥμαρτον (*pántes hēmárton*)
4
Rechtfertigung als Geschenk
δωρεάν (*dōreán*)
5
Durch die Erlösung in Christus
ἀπολύτρωσις (*apolýtrōsis*)
6
Christus als Sühnort
ἱλαστήριον (*hilastḗrion*)
7
Von Gott öffentlich dargestellt
προέθετο (*proétheto*)
8
Durch Glauben an sein Blut
πίστις (*pístis*), αἷμα (*haima*)
9
Erweisung der Gerechtigkeit Gottes
ἔνδειξις δικαιοσύνης (*éndeixis dikaiosýnēs*)
10
Gott bleibt gerecht und rechtfertigt
εἰς τὸ εἶναι αὐτὸν δίκαιον (*eis to einai auton díkaios*)
4. Die theologische Bewegung (in 7 Schritten)
5. Die innere Architektur (Chiastische Struktur)
Viele Exegeten sehen hier eine chiastische Komposition:
| Element | Vers | Inhalt |
|---|---|---|
| A | 3,21 | Gottes Gerechtigkeit offenbart |
| B | 3,22 | Glaube an Christus |
| C | 3,23 | Alle haben gesündigt |
| D | 3,24 | Rechtfertigung aus Gnade |
| C' | 3,25a | Christus als Sühnort |
| B' | 3,25b | Glaube an sein Blut |
| A' | 3,26 | Gottes Gerechtigkeit erwiesen |
Der Abschnitt beginnt und endet mit Gottes Gerechtigkeit —
und im Zentrum steht die Gnade in Christus.
6. Kurzfazit
Röm 3,21–26 ist eine theologische Spirale, die von Gottes Gerechtigkeit
ausgeht, den Menschen in seiner Bedürftigkeit zeigt, und in Christus als dem
öffentlich dargestellten Sühnort ihren Höhepunkt findet.
proétheto und hilastḗrion sind die beiden Achsen, um die sich
alles dreht.
Diese Tabelle zeigt auf einen Blick, wie Paulus in Röm 3,25 die gesamte alttestamentliche Sühnordnung in Christus erfüllt sieht.
AT–NT‑Vergleichstabelle zur Sühnung
(Fokus: 3. Mose 16 – Jom Kippur ↔ Röm 3,25 – Christus als Gnadenstuhl)
| Aspekt | Altes Testament | Neues Testament |
|---|---|---|
| Ort der Sühnung | Gnadenstuhl der
Bundeslade כַּפֹּרֶת (*kappóret*) |
Christus selbst als
Sühnort ἱλαστήριον (*hilastḗrion*) |
| Zugang zum Sühnort | Nur der Hohepriester כֹּהֵן גָּדוֹל (*kōhēn gādól*) |
Alle Glaubenden πίστις (*pístis*) |
| Ort der Handlung | Verdeckt im
Allerheiligsten בְּקֹדֶשׁ הַקֳּדָשִׁים (*beqódesh haqqodashím*) |
Öffentlich am Kreuz προέθετο (*proétheto*) |
| Opferblut | Tierblut דָּם (*dām*) |
Blut Christi αἷμα (*haima*) |
| Häufigkeit | Jährlich am Jom
Kippur יוֹם הַכִּפֻּרִים (*yóm hakkippurím*) |
Einmal für immer ἐφάπαξ (*ephápax*) |
| Wirksamkeit | Vorläufige Bedeckung כִּפֵּר (*kippēr*) = bedecken |
Endgültige Sühnung τετέλεσται (*tetélestai*) = vollendet |
| Vermittler | Hohepriester כֹּהֵן (*kōhēn*) |
Christus als
Hohepriester ἀρχιερεύς (*archieréus*) |
| Gottes Gegenwart | Zwischen den
Cherubim בֵּין הַכְּרֻבִים (*bēn hakkərúvim*) |
In Christus selbst ὁ λόγος σὰρξ ἐγένετο (*ho lógos sárx egéneto*) |
| Ergebnis | Vorläufige Versöhnung des Volkes | Rechtfertigung des
Glaubenden δικαιόω (*dikaióō*) |
| Gottes Gerechtigkeit | Nur typologisch sichtbar | Voll offenbart am
Kreuz ἔνδειξις δικαιοσύνης (*éndeixis dikaiosýnēs*) |
| Umgang mit früheren Sünden | Hingehenlassen עָבַר (*āvar*) = vorübergehen |
Erklärung und
Erweisung πάρεσις (*páresis*) |
Das Alte Testament
zeigt den Ort der Sühnung
– den Gnadenstuhl. (Sühnemittel)
Das Neue Testament zeigt
die Erfüllung der Sühnung
– Christus selbst.
Das AT verbirgt den Gnadenstuhl im Allerheiligsten.
Das NT stellt ihn
öffentlich
ans Kreuz (proétheto).
Das AT bedeckt Sünde vorläufig.
Das NT nimmt Sünde endgültig weg.