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Galater  Walvoord


Galater (Donald K. Campbell)


EINFÜHRUNG


Bedeutung des Briefes


Der Galaterbrief gilt, obwohl er zu den kürzeren Briefen des Apostels Paulus gehört, als einer der wichtigsten und einflußreichsten Paulustexte, der weitreichende theologische Auswirkungen hatte. Wie im Römerbrief steht auch hier die Rechtfertigungslehre im Mittelpunkt. Aus diesem Grund wurde der Römerbrief manchmal als eine Erweiterung des Galaterbriefes und der Galaterbrief als "Kurzfassung des Römerbriefes" bezeichnet.

Der Brief enthält, ähnlich wie der

2. Korintherbrief, eine beredte Apologie der apostolischen Autorität des Paulus und stellt unter anderem eine Zusammenfassung der Lehraussagen des Apostels dar. Einen entscheidenden Platz nimmt darin die Lehre von der Rechtfertigung aus Glauben ein, auf die eine Verteidigung der christlichen Freiheit gegen jede Form der Gesetzlichkeit aufgebaut wird.

In der frühen Kirche, als sich die Trennung zwischen Judentum und Christentum vollzog, trug der Galaterbrief zweifellos dazu bei, die Fronten zu klären. Jahrhunderte später in der Reformation erlangte er so zentrale Bedeutung, daß man ihn als "den Eckstein der protestantischen Reformation" bezeichnete. Die Rettung durch Gnade allein aus Glauben war ja das Hauptanliegen der Reformatoren. Besonders Luther bezog sich immer wieder auf den Galaterbrief und schätzte ihn ungemein hoch. Er befaßte sich auch in zahlreichen Vorlesungen mit diesem Text, und sein "Kommentar zum Galaterbrief" wurde schon zur damaligen Zeit viel gelesen.

Doch die Wirkungsgeschichte dieses kleinen Briefes setzt sich im Grunde genommen bis heute fort. Mit Recht nennt man ihn die "Magna Charta der christlichen Freiheit", denn er verkündet auch den Generationen unserer Zeit, daß die Erlösung von der Strafe und der Macht der Sünde nicht durch Werke, sondern durch die Gnade allein aus Glauben an Gottes Heilsplan erlangt wird.



Verfasserfrage


In der Forschung wurde der Galaterbrief, abgesehen von einigen ganz radikalen Kritikern, immer als echter Paulustext anerkannt. Im Zuge der deutschen Bibelforschung des 19. Jahrhunderts wurde zwar einem biblischen Buch nach dem anderen die apostolische Verfasserschaft abgesprochen, doch die Authentizität des Galaterbriefes stand selbst für die Tübinger Schule fest. Das lag daran, daß er sowohl von den internen als auch von den externen Belegen her außerordentlich gut bezeugt ist. Von besonderer Bedeutung ist dabei, daß der Verfasser des Briefes sich selbst im Eingangsgruß ( Gal 1,1 ) und nochmals an späterer Stelle ( Gal 5,2 ) ausdrücklich als Paulus zu erkennen gibt. Kap. 1; 2 sind zum großen Teil autobiographisch und harmonieren weitgehend mit den Ereignissen in Paulus' Leben, von denen in der Apostelgeschichte berichtet wird. Die Theologie des Galaterbriefes ist zudem paulinische Theologie ureigenster Prägung, wie sie auch in anderen Paulusbriefen, ganz besonders im Römerbrief, zu finden ist.

Nicht weniger überzeugend sind die externen Belege. Im zweiten und dritten Jahrhundert schrieben Irenäus, Clemens von Alexandria und Origenesden Brief Paulus zu. Auch die Häretiker dieser Zeit, einschließlich Marcion, gingen davon aus, daß er von dem Apostel selbst stammt.

All diese Belege lassen nur den einen Schluß zu, daß in der frühen Kirche keinerlei Zweifel über die Verfasserschaft des Galaterbriefes bestanden. Wir können daher auch heute mit Sicherheit davon ausgehen, daß der Galaterbrief ein authentisch paulinisches Schreiben ist.

 

Adressaten


Der Galaterbrief wendet sich an "die Gemeinden in Galatien" ( Gal 1,2 ). Wo aber lag dieses "Galatien", und wer waren die "Galater" (vgl. Gal 3,1 )? Die Beantwortung dieser Frage wird durch die Tatsache kompliziert, daß die Ortsbezeichnung "Galatien" zu der Zeit, in der der Brief entstand, zwei verschiedene Bedeutungen hatte. Sie bezog sich zunächst einmal auf eine Region im Norden und Osten Kleinasiens, in der sich nach der Völkerwanderung aus Westeuropa über Italien und Griechenland Gallier niedergelassen hatten. Die wichtigsten Städte dieses Gebietes waren Ankyra, Pessinus und Tavium. 25 V. Chr. wurde das Königreich dann zusammen mit dem Süden von Kleinasien, einschließlich der Städte Antiochia, Ikonion, Lystra und Derbe, zur römischen Provinz.

Jahrhundertelang stritten sich die Gelehrten, ob Paulus den Galaterbrief an Christen im nördlichen oder im südlichen Galatien geschrieben hatte. Die Verteidiger der sogenannten "nordgalatischen Hypothese" führten ins Feld, daß Paulus - wahrscheinlich auf seiner zweiten Missionsreise, nachdem er Südgalatien verlassen hatte und bevor er nach Troas kam - den Norden Galatiens aufsuchte und dort Gemeinden gründete ( Apg 16,6-8 ). In Apg 18,23 ist offenbar sogar von einem zweiten Besuch in Nordgalatien die Rede.

Die "südgalatische Hypothese", die z. B. von Sir William Ramsay vertreten wird, geht davon aus, daß Paulus sich im Galaterbrief an die Gemeinden von Derbe, Lystra, Ikonion und Antiochia in Pisidien wandte; Städte, die er erstmals auf seiner ersten Missionsreise aufgesucht hatte (vgl. Apg 13-14 ). Für diese Hypothese spricht, daß es in der Schrift keinerlei Belege gibt, daß Paulus in Nordgalatien tatsächlich christliche Gemeinden gründete, wohingegen die Gründung der Gemeinden in Südgalatien in der Apostelgeschichte bestätigt wird.

Für die südgalatische Hypothese sprechen darüber hinaus folgende Argumente: Die wichtigsten Straßen von Tarsus, Paulus' Heimatstadt, aus führten direkt durch die Städte im Süden Galatiens, nicht aber durch Nordgalatien. Es ist darüber hinaus anzunehmen, daß die Judaisten die südlichen Städte den nördlichen vorzogen, weil in den ersteren viele Juden lebten, an die sie sich mit ihrer Lehre wenden konnten. Die Kollekte für die Armen in Jerusalem wurde von Abgeordneten aus Südgalatien, jedoch von niemandem aus Nordgalatien begleitet (vgl. Apg 20,4 ). Barnabas, der im Galaterbrief erwähnt, aber nicht ausdrücklich eingeführt wird (vgl. Gal 2,1.9.13 ), war den Gläubigen in den nördlichen Gemeinden höchstwahrscheinlich unbekannt, denn er hatte Paulus nur auf der ersten Missionsreise begleitet. Aus all dem und aus noch weiteren Gründen halten viele Neutestamentler die Hypothese, daß Paulus den Galaterbrief an die Christen in den Städten Südgalatiens schrieb, für plausibler.



Datierung und Abfassungsort


Diejenigen Exegeten, die die Empfänger des Galaterbriefes mit den Gläubigen in den südlichen Gemeinden der Provinz Galatien gleichsetzen, sind im allgemeinen der Ansicht, daß der Brief etwa um das Jahr 48 n. Chr., unmittelbar vor dem Apostelkonzil in Jerusalem ( Apg 15 ), in Antiochia in Syrien entstand. Diese These läßt zwar einige chronologische Probleme ungeklärt, ist jedoch wahrscheinlich trotzdem die beste Lösung. Nach der ersten Missionsreise kehrten Paulus und Barnabas nach Antiochia zurück. Petrus kam aus Jerusalem herab, um sie zu besuchen. Er hielt sich eine Zeitlang bei ihnen auf, zog sich dann jedoch von den Heidenchristen zurück - ein Verhalten, fürdas ihn Paulus öffentlich zurechtwies. In der Zwischenzeit hatten am mosaischen Gesetz festhaltende Judenchristen, falsche Lehrer, die das Apostolat des Paulus in Frage stellten und lehrten, daß die Beschneidung heilsnotwendig sei, die Gemeinden in Galatien beeinflußt. In einer raschen und entschlossenen Reaktion auf das Verhalten des Petrus und den drohenden Rückfall der Galater in die Gesetzlichkeit schrieb Paulus deshalb, noch bevor er zum Apostelkonzil nach Jerusalem aufbrach, den vorliegenden Brief, in dem er eindeutig Stellung bezieht.



Intention des Briefes


Die Gesetzesanhänger, die Judaisten, die in Galatien eingedrungen waren, versuchten, Paulus bei den Gemeinden in Mißkredit zu bringen und verkündigten zudem ein falsches Evangelium. Paulus sah sich daher gezwungen, sein Apostolat und seine Botschaft zu verteidigen - eine Aufgabe, der er sich in den beiden ersten Kapiteln des Galaterbriefes unterzieht. In diesem autobiographischen Abschnitt demonstriert er auf überzeugende Weise, daß seine Berufung zum Apostel und das Evangelium, das er predigt, auf eine Offenbarung des auferstandenen Christus selbst zurückgehen. In Kap. 3; 4 verteidigt er dann die wahre Lehre, die Lehre der Gnade, d. h., die Rechtfertigung allein durch den Glauben. Um zu verhindern, daß seine Leser die christliche Freiheit mit Zügellosigkeit verwechseln, legt er ihnen am Schluß des Briefes ( Gal 5; 6 ) dar, daß Christen durch die Kraft des Heiligen Geistes leben sollen, denn nur dann zeigen sich in ihrem Leben anstelle von Werken des Fleisches die Früchte des Geistes.

Der Galaterbrief wurde also als eine Art Heilmittel in einer ganz bestimmten Situation geschrieben. Er sollte die ersten Christen aus dem mosaischen Gesetz auf den Weg der Gnade, aus der Gesetzlichkeit in den Glauben zurückholen. In dieser Funktion wurde er zu einer entschiedenen Aussage für die Rettung allein durch den Glauben - nicht durch Werke - und ist als solche heute noch ebenso relevant wie zu der Zeit, in der er geschrieben wurde.


GLIEDERUNG


I. Einleitung ( 1,1-10 )

     A. Der Gruß ( 1,1-5 )
     B. Die Verfälschung des Evangeliums ( 1,6-10 )

II. Persönliches: Apologie der apostolischen Autorität des Paulus ( 1,11-2,21 )

     A. Paulus` Unabhängigkeit von den Aposteln ( 1,11-24 )
          1. Paulus` Evangelium geht auf eine Offenbarung zurück ( 1,11-12 )
          2. Die Ereignisse vor der Bekehrung des Paulus ( 1,13-14 )
          3. Die Ereignisse bei der Bekehrung des Paulus ( 1,15-16 a)
          4. Die Ereignisse nach der Bekehrung des Paulus ( 1,16 b. 17 - 24 )

     B. Paulus` Anerkennung durch die Apostel ( 2,1-10 )
     C. Paulus` Tabel des Führers der Apostel ( 2,11-21 )

III. Die Lehre: Apologie der Rechtferigung allein aus Glauben ( Kap.3-4 )

     A. Rechtferigung der Lehre ( Kap.3 )
          1. Anhand der Erfahrung der Galater ( 3,1-5 )
          2. Anhand des Beispiels von Abraham ( 3,6-9 )
          3. Anhand der Wirkung des Gestzes ( 3,10-12 )
          4. Anhand der Werke Christi ( 3,13-14 )
          5. Anhand der zeitlosen Wirksamkeit des Glaubens ( 3,15-18 )
          6. Anhand der Intention des Gesetzes ( 3,19-29 )
          7. Anhand des gegenwärtigen Standes der Gläubigen ( 3,26-29 )

     B. Veranschaulichung der Lehre ( Kap.4 )
          1. Die Befreiung vom Gesetz ( 4,1-7 )
          2. Persönaliche Bitten ( 4,8-20 )
               a. Der Appell, nicht in die Gesetzlichkeit zurückufallen ( 4,8-11 )
               b. Der Appell an die persönliche Beziehung zwischen Apostel und Gemeinde ( 4,12-31 )
               c. Der Appell, an den Apostel zu denken ( 4,17-20 )

          3. Beispiele aus der Schrift ( 4,21-31 )
               a. Die historischen Fakten ( 4,21-23 )
               b. Die allegorische Interpretation ( 4,24-27 )
               c. Die persönliche Anwendung ( 4,24-31 )

IV. Praktische Anweisungen: Apologie der chrstlichen Freiheit ( 5,1-6,10 )

     A. Ein Leben in Freiheit vom Gesetz ( 5,1-12 )
          1. Die Hinwendung zum Gesetz hebt die Gnade auf ( 5,1-2 )
          2. Die Hinwendung zum Gesetz macht den Menschen zum Schuldner ( 5,3 )
          3. Die Hinwendung zum Gesetz ist gleichbedeutend mit dem Abfall von der Gnade ( 5,4-6 )
          4. Die Hinwendung zum Gesetz verhindert die geistliche Weiterentwicklung der Gläubigen ( 5,7-10 )
          5. Die Hinwendung zum Gesetz bedeutet die Aufhebung des Ärgernisses vom Kreuz ( 5,11-12 )

     B. Ein Leben in christlicher Zucht ( 5,13-15 )
     C. Ein Leben im Geist ( 5,16-26 )
          1. Die Verheißung des Sieges über die Sünde ( 5,16-18 )
          2. Die Auswirkungen der Sünde ( 5,19-21 )
          3. Die Frucht des Geistes ( 5,22-23 )
          4. Der Sieg über die Sünde ( 5,24-26 )

     D. Ein Leben des Dienens ( 6,1-10 )
          1. Der Dienst an einem Christen, der gesündigt hat ( 6,1 )
          2. Der Dienst an einem Christen, der eine Last trägt ( 6,2-5 )
          3. Der Dienst an den Seelsorgern ( 6,6-9 )
          4. Der Dienst an den allen Menschen ( 6,10 )

V. Schluß ( 6,11-18 )

     A. Paulus` eigenhändige Unterschrift ( 6,11 )
     B. Paulus` Gegner ( 6,12-13 )
     C. Paulus` Ruhm ( 6,14-16 )
     D. Paulus` Segen ( 6,17-18 )


AUSLEGUNG


I. Einleitung
( 1,1-10 )


A. Der Gruß
( 1,1-5 )


Gal 1,1


Der Eingang des Galaterbriefes ist einerseits typisch für einen Paulusbrief, andererseits aber auch völlig ungewöhnlich. Die üblichen Angaben zum Verfasser und zu den Adressaten des Briefes und auch die traditionelle Grußformel sind zwar vorhanden, doch wir vermissen die Danksagung und das Lob für die Gläubigen, die sonst in keinem Paulusbrief fehlen. Die Abruptheit der Eingangsworte konfrontiert uns sofort mit dem Hauptthema des Briefes: den Angriffen auf das Apostolat des Paulus. Obwohl Paulus nicht zu den zwölf Jüngern Jesu gehörte, beansprucht er doch, ihnen als Apostel gleichgestellt zu sein. Der Titel apostolos hat einen Beiklang von Autorität, denn er bezeichnet eine Person, die das Recht hat, als Stellvertreter oder Abgesandter für Gott zu sprechen.

Paulus hat sein Apostolat nicht von Menschen erhalten, d. h., er ist nicht von offizieller Seite, z. B. von den Leitern der Gemeinde in Jerusalem oder Antiochia, zum Apostel ernannt worden. Er ist auch nicht von einer Einzelperson in sein Amt eingesetzt worden ( auch nicht durch einen Menschen ), wie z. B. von Hananias, der ihm in Damaskus zu Hilfe kam (vgl. Apg 9,10-17 ), oder von Barnabas, der ihm sowohl in Jerusalem als auch in Antiochia die Türen zu den christlichen Gemeinden öffnete (vgl. Apg 9,27; 11,25-26 ). Paulus erhebt vielmehr den kühnen Anspruch, daß seine Berufung zum Apostel vom Himmel, von Gott, dem Vater , und dem auferstandenen Herrn Jesus Christus , kam. Dies ist das einzige Mal im vorliegenden Brief, daß ganz direkt von der Auferstehung Christi die Rede ist. Der Apostel hebt damit die Bedeutung dieses Ereignisses für sein Apostolat besonders hervor, denn er wurde nicht berufen, als Christus noch auf Erden lebte, sondern erst von dem Auferstandenen.



Gal 1,2


Seinem Gruß schließen sich alle Brüder , die bei ihm sind, an - ohne dabei jedoch als Mitverfasser des Briefes aufzutreten. Es handelte sich bei ihnen um Mitarbeiter von Paulus, wahrscheinlich Barnabas und einige Propheten und Lehrer, die ihm in Antiochia geholfen hatten (vgl. Apg 13,1 ). Daß Paulus sie hier ausdrücklich erwähnt, soll deutlich machen, daß die Ansichten, die er in diesem Brief formuliert, nicht nur von ihm, sondern auch von anderen Christen vertreten werden.

Empfänger des Briefes sind die Gemeinden in Galatien . (Vgl. die Karte vor dem Römerbrief.) Er wurde also als Rundschreiben wahrscheinlich an alle die Gemeinden gesandt, die Paulus auf seiner ersten Missionsreise gegründet hatte: Derbe, Lystra, Ikonion und Antiochia in Pisidien.



Gal 1,3


Paulus benutzte in allen seinen Briefen die traditionelle griechische und hebräische Grußformel Gnade und Friede , um der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, daß seine gläubigen Leser jeden Tag neu durch diesen Segen bewahrt werden. "Gnade und Friede" kommen von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus . (Vgl. die Tabelle "Die Einleitungsworte des Apostels Paulus zu seinen Briefen" bei Röm 1,1-7 .)


Gal 1,4-5


Der Gruß schließt mit einer herrlichen Aussage über das Werk Christi am Kreuz und seine befreiende Macht - ein weiteres Hauptthema des Briefes. Christus hat sich selbst für unsere Sünden dahingegeben (vgl. 1Tim 2,6; Tit 2,14; 1Pet 3,18 ), und zwar freiwillig und ein für allemal. Sein Tod befriedigte die gerechten Forderungen, die Gott an die Sünder stellte, versöhnte die Menschen mit Gott und erlöste die Menschen von dieser gegenwärtigen, bösen Welt . Das Evangelium ist eine befreiende Botschaft. Es erlöst die Sünder, die an es glauben, durch die Macht Christi, der in ihnen Wohnung nimmt, aus der Macht der gegenwärtigen Weltordnung und von der Strafe des künftigen Gerichts. Deutet Paulus bereits hier implizit darauf hin, daß das alttestamentliche Gesetz, das von den gesetzestreuen Galatern so stark verfochten wurde, eine solche Befreiung nicht bewirken konnte?

In seinem Erlösungswerk erfüllte Christus den Willen Gottes ( Gal 1,4 c; vgl. Hebr 10,7-10 ) und verherrlichte Gott ( Gal 1,5; vgl. Joh 17,1 ) durch seinen Gehorsam. Durch ihn können nun auch die erlösten Heiligen Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit verherrlichen.

Damit hat Paulus bereits die Grenzen seiner Argumentation abgesteckt und seine beiden wichtigsten Anliegen umrissen. Er hat die Rechtmäßigkeit seines Apostolats bestätigt und deutlich gemacht, daß die Grundlage für die Rettung der Menschen allein im Werk Christi, nicht in menschlichen Werken liegt.


B. Die Verfälschung des Evangeliums
( 1,6-10 )


Im Galaterbrief fehlt die Passage, in der Paulus gewöhnlich seinem Dank an Gott für die Glaubensentwicklung seiner Adressaten Ausdruck gibt. Statt dessen macht er seinem Erstaunen und Ärger über den Abfall der Galater Luft. Dieser plötzliche Ausfall überrascht vor allem im Vergleich zur Eröffnung des 1. Korintherbriefes, wo der Apostel die Gemeinde bei aller moralischen Unzulänglichkeit noch lobt. Anscheinend ist angesichts des Ernstes der theologischen Verirrung der Galater Dank nicht mehr angebracht.



Gal 1,6-7


Paulus kann es kaum fassen: Die galatischen Gläubigen sind im Begriff, sich von der Wahrheit abzuwenden ( metatithesthe , ein militärischer Terminus für Desertion). Seine Verwunderung rührt vor allem daher, daß dies schon so bald nach seinem letzten Besuch bei ihnen bzw. so kurz nachdem die falschen Lehrer mit ihrer hinterhältigen Arbeit begannen, geschieht. Die Galater sind nicht einfach von einem theologischen System abgefallen, sondern von Gott selbst, von dem, der sie berufen hat in die Gnade Christi (das Hauptthema des Briefes). Statt dessen haben sie sich einem andern , falschen Evangelium zugewandt. Nach Paulus hat ein Evangelium der Gesetzlichkeit, das neben dem Glauben auch Werke für heilsnotwendig erklärt, nichts mit der Botschaft zu tun, die er selbst predigt und durch die allein die Galater gerettet wurden. Die Verkündigung eines solchen falschen Evangeliums ist vielmehr ein Versuch, das Evangelium Christi zu verkehren . Der Apostel war sich der Tatsache bewußt, daß zu derselben Zeit, in der er seinen Brief schrieb, die falschen Lehrer am Werk waren und die Galater verwirrten (vgl. Apg 15,24; 20,29-30 ).



Gal 1,8


Um anschaulich zu machen, daß das wahre Evangelium der Gnade Gottes auf keinen Fall verändert werden darf, konstruiert Paulus einen hypothetischen Fall. Wenn er (ein von Gott berufener Apostel) oder ein Engel vom Himmel die Botschaft des Evangeliums veränderte - eine höchst unwahrscheinliche Situation -, so sei er verflucht ( anathema ).



Gal 1,9


Auf den ersten Blick scheint Paulus sich in diesem Vers zu wiederholen, doch tatsächlich führt er seinen Gedankengang weiter aus. Paulus und Barnabas hatten die Galater bereits vor dem Gericht gewarnt, als sie das Evangelium zum ersten Mal unter ihnen predigten. Diese Warnung wiederholt Paulus nun nochmals. Als leidenschaftlicher Verfechter der Reinheit des Evangeliums der Gnade weist er seine Leser erneut darauf hin, daß jeder, der ein anderes Evangelium predigt als er (was die falschen Lehrer ja taten), der ewigen Strafe verfallen wird. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Paulus hier so heftig auf die Verfälschung seiner Botschaft durch die Judaisten reagiert: Wenn Werke heilsnotwendig sind, so heißt das, daß das Werk, das Christus vollbracht hat, nicht ausreichend ist (vgl. Gal 2,21 ). Darüber hinaus steht für die, die verloren waren, viel auf dem Spiel: Wenn die Botschaft des Evangeliums verkehrt wird, wird auch der Weg, auf dem die Menschen gerettet werden, verkehrt, und sie laufen Gefahr, ihr Heil auf ewig zu verlieren.


Gal 1,10


Anscheinend hatten die Judaisten Paulus vorgeworfen, daß er die Freiheit vom Gesetz nur deshalb lehre, um die Heiden für das Christentum zu gewinnen. Der strenge Ton des Galaterbriefes und insbesondere die harte Sprache, derer sich der Apostel bedient, kann jedoch wohl kaum den Verdacht aufkommen lassen, er lege es darauf an, den Menschen gefällig zu sein. Wer die Gunst der Menschen erringen will, schleudert nicht Anathemata gegen die, die ein falsches Evangelium verkündigen. Wenn dem Apostel tatsächlich daran gelegen gewesen wäre, Menschen gefällig zu sein , wäre er wohl eher weiterhin als eifriger, gesetzestreuer Pharisäer aufgetreten statt als Knecht Christi . An anderer Stelle gibt Paulus denn auch seinem Wunsch, Gott und gerade nicht den Menschen zu gefallen, explizit Ausdruck (vgl. 2Kor 6,12; 1Thes 2,4 ).



II. Persönliches: Apologie der apostolischen Autorität des Paulus
( 1,11-2,21 )


Im folgenden geht Paulus im einzelnen auf die Versuche seiner Gegnerein, seine Vollmacht als Apostel für illegitim zu erklären. Ist er ein Hochstapler, der sich selbst zum Apostel ernannt hat? Aus seiner Autobiographie heraus erklärt er, daß er (a) bereits Apostel war, bevor er die anderen Apostel traf, (b) daß er, als er sie traf, als gleichrangig aufgenommen wurde und (c) daß er einmal sogar Petrus, den anerkannten Leiter der Zwölf, getadelt hat.



A. Paulus' Unabhängigkeit von den Aposteln
( 1,11-24 )


1. Paulus' Evangelium geht auf eine Offenbarung zurück
( 1,11-12 )


Gal 1,11-12


Zunächst versichert Paulus seinen Lesern nochmals, daß das Evangelium, das er predigt, nicht von menschlicher Art ist. Die von Menschen erfundenen Religionen legen Wert auf menschliche Verdienste und Werke, die für die Rettung notwendig sind. Nicht so das Evangelium des Paulus. Zweitens erklärt der Apostel abermals, daß er sein Evangelium nicht von einem Menschen empfangen habe. Obwohl er Stephanus hatte predigen hören und mit Hananias und Barnabas persönlich bekannt war, stand er, was sein Wissen über die geistliche Wahrheit betraf, nicht in der Schuld dieser Männer. Drittens sagt er, daß er das Evangelium, das er predigt, nicht durch eine Unterweisung gelernt habe. Die Galater wurden zwar auf diesem Wege damit vertraut gemacht (Paulus hat es sie gelehrt), doch dem Apostel selbst wurde es durch eine Offenbarung Jesu Christi zuteil. Wie können die Galater es sich also herausnehmen, die Vollmacht und Botschaft eines Apostels, der durch die höchste Autorität - durch Christus - in sein Amt eingesetzt ist, in Frage zu stellen? Und wie können sie es wagen, sich von der von Gott geoffenbarten Wahrheit abzuwenden?



2. Die Ereignisse vor der Bekehrung des Paulus
( 1,13-14 )


Gal 1,13-14


Unter Berufung auf seine Autobiographie wiederholt Paulus dann nochmals nachdrücklich, daß er sein Evangelium nicht von Menschen übernommen hat. Er verweist auf sein Leben vor seiner Bekehrung und erinnert seine Leser daran, daß seine frühere Beziehung zur Kirche früher nur darin bestand, daß er sie fanatisch verfolgte. Auch in seiner Verteidigungsrede vor Herodes Agrippa II. hob Paulus hervor, welch ein ingrimmiger Feind des Christentums er einst war (vgl. Apg 26,9-11 ). Dieser Feindschaft entsprach der Eifer für das Judentum , den er als Pharisäer an den Tag legte und in dem er die anderen Juden zu übertreffen suchte. Er liebte das Gesetz und eiferte über die Maßen für die Satzungen der Väter . Zweifellos hatte Paulus viel Zeit damit verbracht, das Gesetz Moses und die rabbinischen Traditionen zu studieren. Wer konnte ihm also vorwerfen, nicht mit den Lehren des Judentums vertraut zu sein, die er doch mindestens ebensogut kannte wie die Judaisten?



3. Die Ereignisse bei der Bekehrung des Paulus
( 1,15-16 a)


Gal 1,15-16 a


An diesen Versen sticht vor allem der Gegensatz zu dem vorher Gesagten (V. 13-14 ) ins Auge: "Als es aber Gott wohlgefiel..." Nirgendwo im Neuen Testament wird dieses Eingreifen Gottes deutlicher beschrieben als in Apg 9 .Hier im Galaterbrief zählt Paulus die drei Dinge, die Gott für ihn getan hat, einfach nochmals auf. Er ist von seiner Mutter Leib an ausgesondert . Paulus weiß, daß er schon vor seiner Geburt von der göttlichen Vorsehung erwählt wurde und daß sein ganzes Leben bis zu dem Augenblick seiner Bekehrung eine Vorbereitung auf sein Amt als Verkündigerdes Evangeliums der Gnade Gottes war. Zweitens hat Gott Paulus durch seine Gnade berufen . Das ist ein Hinweis auf den Zeitpunkt, an dem Paulus gerettet wurde. Er antwortete auf Gottes Ruf und nahm Jesus als Retter an.

Im Römerbrief ( Röm 8,30 ) beschrieb Paulus die Reihenfolge, in der das Heilswerk Gottes seinen Lauf nimmt: "Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht." Drittens gefiel es Gott, daß er seinen Sohn offenbarte gegenüber Paulus. Paulus, der Christus gegenüber in Blindheit verharrte und der festen Überzeugung war, daß der Nazarener ein Betrüger sei, durfte Christus auf der Straße nach Damaskus sehen und erfuhr später in einer inneren Offenbarung die volle Bedeutung der Person und des Werkes des Retters. Das Kernstück dieser Offenbarung war, daß Paulus das Evangelium unter den Heiden verkündigen sollte. (Über das Wirken des Paulus in der heidnischen Welt und über seine Missionsreisen gibt die Apostelgeschichte Aufschluß.) Er wurde als "Heidenapostel" bekannt (vgl. Apg 9,15; 13,46-47; 26,20; Röm 11,13; 15,16; Eph 3,8; 1Tim 2,7 ). Nochmals weist Paulus seine Leser explizit darauf hin, daß weder seine Bekehrung noch sein Auftrag von Menschen kamen, sondern das Werk Gottes waren. Wie sonst ließe sich eine so totale Verwandlung, wie er sie erlebt hatte - vom Verfolger zum Verkünder des Evangeliums Gottes -, erklären?



4. Die Ereignisse nach der Bekehrung des Paulus
( 1,16 b. 17-24 )


Gal 1,16-17 (Gal 1,16b-17)


Paulus hatte hervorgehoben, daß er seine Botschaft weder vor noch bei seiner Bekehrung von Menschen erhalten hatte. Nun sagt er, daß er auch danach nicht unter dem Einfluß irgendeines Menschen gestanden habe. Obwohl er danach andere Christen traf, besprach er sich hinsichtlich der christlichen Lehre nicht mit ihnen. Wenn er sich über das Evangelium unsicher gewesen wäre, hätte er leicht nach Jerusalem , zu den zwölf Aposteln , gehen können, doch er tat auch das nicht. Statt dessen zog er nach Arabien . Wir wissen nicht, ob zu Missionszwecken oder ob er sich nur von den Menschen zurückziehen und mit dem Herrn allein sein wollte, um nachzudenken, zu meditieren und weitere Offenbarungen zu empfangen. Wahrscheinlich dachte er, der früher so eifrig das Gesetz studiert hatte, nun über die Bedeutung seiner Bekehrung nach und suchte im Alten Testament nach Belegen für Christus (vgl. Lk 24,27 ). Das Ergebnis dieser Zeit in Arabien war die paulinische Theologie, die der Apostel in seinem Brief an die Römer ausführlich darlegte.

Worum es Paulus in dieser Erklärung ging, liegt auf der Hand. Er hatte seine Theologie nicht im Austausch mit anderen Menschen ausgebildet, sondern unabhängig von ihnen nach göttlicher Führung gesucht.



Gal 1,18-20


Hier bestätigt Paulus, was er soeben gesagt hat, indem er versichert, daß er erst drei Jahre nach seiner Bekehrung nach Jerusalem zog. Hätte er so lange gewartet, wenn er theologische Unterweisung von den Jüngern gebraucht hätte? Als er schließlich in die Stadt der Apostel kam, war es sein Hauptanliegen, Kephas kennenzulernen, und er blieb fünfzehn Tage bei ihm . Danach verließ er Jerusalem wieder, weil eine Verschwörung gegen ihn im Gange war (vgl. Apg 9,29 ). In der Zwischenzeit hatte er zwar den berühmten Apostel Petrus kennengelernt, doch es gibt keinen Hinweis, daß er von ihm theologische Unterweisung oder Unterstützung für sein Amt bekam. Von den anderen Aposteln traf er nur noch Jakobus, des Herrn Bruder , einen der Leiter der Gemeinde in Jerusalem (vgl. Apg 12,17 ). Um die Wahrheit dessen, was er soeben gesagt hatte, zu belegen - und zweifellos, um dem Vorwurf der Judaisten zu begegnen, die ihn beschuldigten, seine Beziehung zu den Zwölfen falsch darzustellen -,ruft er Gott zum Zeugen an, daß er nicht lügt.


Gal 1,21-22


Nach seinem kurzen Besuch in Jerusalem hielt Paulus sich längere Zeit in Syrien und Zilizien auf, daher war er den christlichen Gemeinden in Judäa nicht persönlich bekannt (vgl. Apg 9,30; 11,25 ). Sein Aufenthalt dort hing nicht mit einem Auftrag der anderen Apostel zusammen, und aufgrund der räumlichen Entfernung zwischen ihm und Jerusalem konnte er auch nicht unter ihrer Vollmacht oder Aufsicht stehen.

 

Gal 1,23-24


Die Gemeinden in Judäa hatten Paulus fast vergessen. Das einzige, was sie von ihm gehört hatten , war, daß jener Paulus, der die Gemeinde früher verfolgte, jetzt den Glauben, den er früher zu zerstören suchte, predigte . Zu dieser Predigt gehörte selbstverständlich auch die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben, nicht durch die Beschneidung oder durch Werke. Für diese Lehre priesen die Gläubigen in Judäa Gott über Paulus. Dieser Erfolg war ein eindrucksvoller Schlag gegen die falschen Lehrer: Die Christen in Judäa billigten das Evangelium, das die Judaisten in Galatien zu untergraben suchten.



B. Paulus' Anerkennung durch die Apostel
( 2,1-10 )


In Kapitel 2 setzt sich Paulus zwar weiter mit der Verteidigung seiner apostolischen Vollmacht und des Evangeliums, das er predigt, auseinander, doch konzentriert er sich nun nicht mehr so sehr auf den Ursprung dieser Botschaft, sondern vielmehr auf ihren Inhalt. Während er in Kapitel 1 seine Unabhängigkeit von den anderen Aposteln betonte, demonstriert er nun die Übereinstimmung zwischen ihnen und ihm.



Gal 2,1


Über die Frage, um welchen Besuch in Jerusalem es sich bei dem hier erwähnten, den Paulus mit Barnabas , einem gläubigen Juden, und Titus , einem gläubigen Heiden, zusammen unternahm, handelte, hat es viele Debatten gegeben. Die Apostelgeschichte erwähnt fünf Jerusalemaufenthalte nach seiner Bekehrung: (1) der Besuch, nachdem er Damaskus verlassen hatte ( Apg 9,16-30; Gal 1,18-20 ); (2) der Besuch anläßlich der Hungersnot ( Apg 11,27-30 ); (3) der Besuch anläßlich des Apostelkonzils ( Apg 15,1-30 ); (4) der Besuch am Ende der zweiten Missionsreise ( Apg 18,22 ); (5) der letzte Besuch, der zu Paulus' Gefangenschaft in Cäsarea führte ( Apg 21,15- Apg 23,35 ). Die Exegeten sind unterschiedlicher Meinung darüber, ob Gal 2,1 sich auf den Besuch anläßlich der Hungersnot oder anläßlich des Apostelkonzils bezieht. Doch warum sollte Paulus in diesem Kontext, in dem er alle seine Kontakte zu menschlichen Autoritäten aufzählt, seine zweite Reise nach Jerusalem auslassen? Wenn er hier tatsächlich von seinem Besuch in Jerusalem anläßlich des Apostelkonzils spricht ( Apg 15 ), warum finden wir dann keinerlei Anspielung auf das Aposteldekret? Es scheint deshalb plausibler, davon auszugehen, daß er von dem Besuch anläßlich der Hungersnot in Jerusalem spricht.



Gal 2,2


Zum zweiten Jerusalemaufenthalt des Apostels kam es aufgrund einer Offenbarung . Paulus reiste in die Stadt, weil Gott es wollte, nicht weil die Leiter der Jerusalemer Gemeinde ihn herbeizitiert hatten, um ihn für seine Predigt vor den Heiden zu tadeln. Mit der Offenbarung, von der Paulus hier spricht, kann gut auch die Prophezeiung des Agabus gemeint sein, der die Hungersnot vorhergesagt und Paulus und Barnabas veranlaßt hatte, eine Kollekte durchzuführen, deren Ertrag sie dann nach Jerusalem brachten (vgl. Apg 11,27-30 ). Damals ergriff Paulus die Gelegenheit, mit den anderen Aposteln seine Botschaft, die er unter den Heiden verkündigte, zu besprechen. Das bedeutet nicht, daß er ihre Billigung für die Wahrheit und Genauigkeit seines Evangeliums suchte, denn er hatte es ja direkt durch eine Offenbarung Gottes empfangen. Ihm lag vielmehr daran, sein Evangelium mit der Botschaft, die sie verkündigten, zu vergleichen. Denn wenn die Leiter der Jerusalemer Gemeinde darauf bestanden, daß auch die Heiden die Beschneidung und andere Gebote des Gesetzes hielten, so war sein Mühen unter den Heiden vergeblich . Das heißt nicht, daß der Apostel Zweifel oder Befürchtungen in Hinsicht auf das Evangelium, das er nun seit 14 Jahren ( Gal 2,1 ) predigte, hegte, sondern nur, daß er fürchtete, daß sein Wirken in der Vergangenheit und in der Gegenwart von den Judaisten behindert werden oder sich aufgrund ihrer gegenteiligen Bemühungen als wirkungslos erweisen könnte.



Gal 2,3-5


Nun wird auch klar, warum er Titus damals mit nach Jerusalem nahm. Er wollte die Haltung der anderen testen. Würden die Jerusalemer Apostel einen Heidenchristen zwingen, sich beschneiden zu lassen? Paulus wußte, daß sowohl Juden als auch Heiden ohne Unterschied von Gott angenommen sind, wenn sie an Jesus Christus glauben, und daß die Kirche dasselbe tun sollte. Nach seinen Worten wurde diese Wahrheit in Jerusalem bestätigt, denn Titus wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen, obwohl er Grieche war. Doch dieser Sieg fiel Paulus nicht in den Schoß. Gewisse falsche Brüder (vgl. 2Pet 2,1 ) übten starken Druck aus, daß Titus doch noch beschnitten werden sollte. Zweifellos gehörten sie zum Lager der Judaisten, deren Hauptaussage in Apg 15,1 nachzulesen ist: "Wenn ihr euch nicht beschneiden laßt nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden." Diese "falschen Brüder" gebärdeten sich wie drittklassige Spione, die nach Schwachstellen bei ihren Feinden suchten.

In diesem Fall drängten und schlichen sie sich ein ( pareisElthon ; vgl. Röm 5,20 ), d. h. sie erschienen, ohne dazu aufgefordert worden zu sein, bei den privaten Unterredungen der Apostel. Sie bezweckten damit zweierlei: erstens wollten sie die Freiheit, die wir in Jesus Christus haben, auskundschaften ( kataskopEsai ; das Verb steht nur an dieser einen Stelle im Neuen Testament). Ihre - feindliche - Absicht war es herauszubekommen, ob die Apostel sich für die Freiheit vom mosaischen Gesetz und von der Gesetzlichkeit, die es mit sich gebracht hatte, entschieden. Zweitens hatten sie vor, die Christen zu Knechten zu machen. Sie wollten die Gläubigen in die Knechtschaft der Regeln und Riten des Gesetzes zurückzwingen. Vor allem bestanden sie darauf, daß Titus beschnitten wurde. Doch Paulus blieb fest, denn hier stand die Wahrheit des Evangeliums bei den Galatern und in der ganzen christlichen Kirche auf dem Spiel. Titus die Beschneidung aufzuerlegen hätte bedeutet, die Rettung allein durch den Glauben zu leugnen und einzuräumen, daß für die Annahme bei Gott neben dem Glauben auch der Gehorsam gegenüber dem Gesetz notwendig sei. Hier ging es also um den Kern des Evangeliums überhaupt, und Paulus wich auch nicht eine Stunde davon ab.


Gal 2,6


Nach diesen Ausführungen wiederholt Paulus nochmals das Ergebnis seiner Unterredung mit den Aposteln in Jerusalem und erklärt, daß sie ihm nichts weiter auferlegten . Sie korrigierten oder veränderten die Botschaft, die Paulus verkündigt, nicht, sondern erkannten ihren göttlichen Ursprung an und bestätigten ihre Wahrheit und Vollkommenheit. Doch warum scheint der Apostel hier beinahe verächtlich über gewisse Leiter der Jerusalemer Gemeinde zu sprechen? Wie in Vers 2 bezeichnet er sie auch hier als die, die das Ansehen hatten ; und in Vers 9 nannte er Jakobus, Petrus und Johannes beim Namen und sagte, sie würden "als Säulen angesehen". Angesichts der Tatsache, daß Paulus in diesem Abschnitt seine Übereinstimmung mit den Jerusalemer Aposteln herausstreichen wollte, führt man diese Anspielungen wohl am besten auf die Tatsache zurück, daß die Judaisten so sehr auf das Ansehen der Leiter der Jerusalemer Gemeinde pochten, um Paulus abwerten zu können. Die Ironie, mit der er auf dieses Manöver reagiert, zeigt, daß er weder von dem vergangenen noch dem gegenwärtigen Statusvon Jakobus, Petrus und Johannes besonders beeindruckt war. Tatsächlich hatten sie sein Evangelium ja bestätigt und ihn als vollkommen gleichrangig akzeptiert.



Gal 2,7-9


Außerdem hatten Jakobus, Kephas und Johannes anerkannt, daß Paulus von Gott das Evangelium an die Heiden anvertraut war, so wie Kephas das Evangelium an die Juden . Daß die Leiter der Jerusalemer Gemeinde die Heidenmission gebilligt hatten, muß ein harter Schlag für die Judaisten gewesen sein.

Dabei war es jedoch nicht so, daß Petrus und Paulus zwei verschiedene Evangelien verkündigten. Es gab nur ein Evangelium, das allerdings von verschiedenen Aposteln vor Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft gepredigt wurde. Der Grund dafür, daß die Jerusalemer Apostel Paulus anerkannten, lag in der Tatsache, daß Gott seiner - wie auch ihrer - Predigt Erfolg beschieden hatte. Die Missionare besiegelten ihre Übereinstimmung, indem Jakobus und Kephas und Johannes Paulus und Barnabas die rechte Hand gaben . Das war ein Zeichen der gegenseitigen Billigung und des Vertrauens und zugleich ein Hinweis für alle, die dabei waren und Zeugen wurden, daß die "Arbeitsteilung", die den Jerusalemer Aposteln die Verkündigung der Botschaft unter den Juden und Paulus die Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden zuwies, auf einer gemeinsam getroffenen Entscheidung basierte.



Gal 2,10


Die einzige Bitte der Leiter der Gemeinden in Jerusalem war, daß Paulus an die Armen denken sollte, was er sich denn auch eifrig zu tun bemühte . Er war ja schon diesmal nach Jerusalem gekommen, um ihnen eine Geldspende zu überbringen (vgl. Apg 11,29-30 ), und dieselbe Fürsorge veranlaßte ihn, auf seiner dritten Missionsreise eine großangelegte Kollekte für die bedürftigen Christen in Jerusalem zu organisieren (vgl. 1Kor 16,1-3 ). Das Opfer der übrigen christlichen Gemeinden würde die Not der Christen in Jerusalem lindern und wäre darüber hinaus ein Beweis für die Solidarität der Heidenchristen mit ihren jüdischen Glaubensgenossen. Eine solche öffentliche Demonstration der Verbundenheit aller Christen würde die Einheit und Liebe unter den Gläubigen fördern und dazu beitragen, derartige Mißverständnisse zu vermeiden, wie sie in den galatischen Gemeinden aufgekommen waren.


C. Paulus' Tadel des Führers der Apostel
( 2,11-21 )


In dem Bericht über diesen letzten historischen Zwischenfall, den er den Galatern schildert, begründet Paulus, warum er Petrus, den anerkannten Führer der Jerusalemer Apostel, tadeln mußte: Sein Verhalten drohte, das Evangelium zu kompromittieren. Der Abschnitt bildet einen schroffen Gegensatz zum vorhergehenden, in dem er zunächst die Einigkeit, zu der die Apostel untereinander gelangt waren, hervorhob.



Gal 2,11


Als Paulus Jerusalem besuchte, gaben ihm Petrus (und andere) "die rechte Hand" als Zeichen der Gemeinschaft. Als Kephas ihn jedoch in Antiochia aufsuchte, widerstand Paulus ihm ins Angesicht . Wann Petrus diese Reise unternahm, wissen wir nicht. In der Apostelgeschichte findet sich keinerlei Hinweis darauf. Wahrscheinlich fand der Besuch schon bald, nachdem Paulus, Barnabas und Titus aus Jerusalem nach Antiochia zurückgekehrt waren, statt. Das Verhalten von Petrus in Antiochia führte dann offenbar zur Konfrontation zwischen den beiden Leitfiguren des Christentums. Paulus sah sich anscheinend gezwungen, Petrus zu tadeln, um das wahre Evangelium zu verteidigen und um erneut seine eigene Unabhängigkeit und seine Vollmacht als Apostel zu demonstrieren.



Gal 2,12


Bei seiner Ankunft in Antiochia erlebte Petrus, daß Juden- und Heidenchristen miteinander aßen, ohne die jüdischen Speisevorschriften zu beachten. Aufgrund einer Vision, die er im Hause Simons des Gerbers gehabt hatte ( Apg 10,9-15.28 ), war er frei genug, mit ihnen zu essen, was er denn auch regelmäßig tat. Diese Praxis war eine eindrucksvolle Demonstration der Einheit zwischen Juden und Heiden in Christus. Als jedoch einige Brüder aus Jerusalem eintrafen, die über sein Verhalten entsetzt waren, zog er sich zurück . Bei diesen Abgesandten handelte es sich um Leute von Jakobus , die beschnitten waren; es ist allerdings zweifelhaft, ob sie tatsächlich mit der Billigung des Jakobus agierten. Nichtsdestoweniger ließ Petrus sich von ihnen beeinflussen und sonderte sich von den Heiden ab . Die griechische Verbform in diesem Satz steht im Imperfekt und deutet damit auf einen allmählichen Rückzug hin. Petrus nahm also wohl allmählich immer seltener an den gemeinsamen Mahlzeiten teil. Vielleicht setzte er sich auch am Anfang der Mahlzeit noch zu den Heidenchristen und beendete das Mahl dann im Kreise von Judenchristen. Durch dieses Verhalten gab er jedoch zu verstehen, daß es zwei Leiber Christi gebe, einen jüdischen und einen heidnischen - das war Häresie. Doch warum ließ Petrus es zum Bruch kommen? Ganz sicher nicht, weil sich seine theologische Einstellung geändert hatte; wahrscheinlich hatte er einfach Angst. Als er vor dem Heiden Kornelius gepredigt hatte, hatte er sich noch mutig vor den anderen Leitern der Jerusalemer Gemeinde verteidigt (vgl. Apg 11,18 ), doch diesmal kapitulierte er vor einigen seiner jüdischen Freunde.


Gal 2,13


Wie beim Fallen von Dominosteinen riß der Abfall von Petrus auch andere Juden mit und verführte schließlich selbst Barnabas zur Abweichung von der Linie, die er bisher gemeinsam mit Paulus verfolgt hatte. Der Druck, dem Barnabas ausgesetzt war, muß sehr groß gewesen sein, denn er stammte von Zypern, einem Mittelpunkt des Heidentums, und hatte mit Paulus zusammen die Heiden missioniert. Auf diese Weise machten sich jedoch letztlich alle - Petrus, die Judenchristen und Barnabas - der Heuchelei schuldig, denn während sie einerseits bekannten und lehrten, daß sie in Christus eins mit den Heiden seien, leugneten sie diese Wahrheit andererseits durch ihr äußeres Verhalten.



Gal 2,14


Paulus reagierte sehr heftig auf diese Entwicklung. Petrus hatte einen öffentlichen Skandal heraufbeschworen und verdiente daher auch eine öffentliche Zurechtweisung. Die Abgefallenen handelten nicht richtig nach der Wahrheit des Evangeliums , d. h., sie leugneten durch ihr Handeln die Wahrheit, daß gläubige Juden und Heiden auf der Grundlage von Christi Tod und Auferstehung in gleicher Weise von Gott angenommen werden. Daher fragte Paulus Petrus vor allen Leuten: "Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben?" Das war beißende Ironie. Was Petrus auf diese herbe Kritik antwortete, wissen wir nicht. Er war verurteilt. Er handelte gegen seine eigenen Überzeugungen, verriet die christliche Freiheit und war ein Schandfleck für seine Glaubensbrüder geworden. Er hatte diese Zurechtweisung durch sein Verhalten selbst heraufbeschworen.



Gal 2,15


Doch wie weit ging diese Rüge? Über die Frage, ob sie sich auf das in Vers 14 Gesagte beschränkte oder auch den Inhalt des ganzen folgenden Abschnittes umfaßte, bestehen beträchtliche Meinungsverschiedenheiten. Es ist nicht möglich, diesen Streit hier beizulegen, doch es scheint plausibel, daß Paulus seine Kritik an Petrus in mehr als nur einen einzigen tadelnden Satz kleidete. Es ist also anzunehmen, daß die folgenden Verse des Kapitels darauf abzielen, die Inkonsistenz zwischen dem Verhalten und den Überzeugungen von Petrus weiter offenzulegen. Gleichzeitig bilden sie einen großartigen Übergang und eine Einleitung zu den Kap. 3; 4 , in denen Paulus seine Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben verteidigt.

Die Argumentation des Paulus richtete sich an diejenigen, die von Geburt Juden waren - schloß also Petrus und ihn selbst ein - und die nun trotz ihrerfrüheren religiösen Privilegien wie alle andern Christen allein durch den Glauben gerettet waren. Warum war es also nötig, den heidnischen Sündern das Gesetz aufzuerlegen, wo sie doch ebenfalls durch den Glauben an Christus gerettet waren?



Gal 2,16


In diesem Vers, einer zentralen Stelle des ganzen Briefes, taucht zum ersten Mal das Verb gerecht werden auf. Es ist ein juristischer Terminus, der aus der Gerichtssprache entlehnt ist und "für gerecht erklären" bedeutet. Doch wie können die Menschen gerecht werden, da sie doch verurteilte Sünder sind und Gott heilig ist? In seiner Antwort erklärt der Apostel, daß der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus . Das war eine schockierende Behauptung, die Paulus da vor Petrus und all den anderen Judenchristen, die in dem wir wissen eingeschlossen sind, aufstellte. Nach seinen Worten hat er diese Lehre an sich selbst überprüft und für richtig befunden (V. 16 b). Nochmals (V. 16 c) betont er ausdrücklich, daß die Rechtfertigung allein aus Glauben, nicht durch Werke erlangt wird (vgl. 1Mo 15,6 ).

 

Gal 2,17-18


Paulus' theologische Gegner wandten dagegen ein, daß eine Rechtfertigung durch den Glauben, die das Gesetz aufhebt, letztlich einem sündigen Leben Vorschub leiste. Die Menschen könnten dann um ihrer Rettung willen an Christus glauben und im übrigen tun und lassen, was sie wollten, da sie es ja nicht mehr nötig hätten, gute Werke zu vollbringen. Diesen Vorwurf weist Paulus aufs Heftigste zurück, denn das würde darauf hinauslaufen, daß Christus ein Diener der Sünde ist. Seiner Ansicht nach verhält es sich ganz im Gegenteil so, daß ein Gläubiger, wenn er, nachdem er sich für seine Rettung Christus anvertraut hat, zum Gesetz zurückkehrt, von diesem Gesetz erst recht als ein Sünder, ein Übertreter des Gesetzes, erwiesen würde. Obwohl Paulus hier in der ersten Person Singular spricht, dachte er dabei doch ganz sicher an Petrus, der, indem er sich von der Tischgemeinschaft mit den Heiden zurückzog, unter das Gesetz zurückgekehrt war.

 

Gal 2,19-20


Paulus distanziert sich von Petrus und setzt sein Verhältnis zum Gesetz dem des Petrus gegenüber. Er schildert die Verwandlung, die mit einem Menschen vorgeht, der durch den Glauben an Christus - an seinen Tod und seine Auferstehung - zu Gott gekommen ist. Beide Verse sprechen vom Einssein des Gläubigen mit Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung. Der Apostel ist durchs Gesetz dem Gesetz gestorben . Das Gesetz fordert den Tod für diejenigen, die es übertreten, doch Christus hat diese Strafe für alle Sünder bezahlt. Daher hat das Gesetz ihn getötet und diejenigen, die an ihn glauben, zur Einheit untereinander und zum Leben für Gott befreit (vgl. Röm 7,4 ).

In Gal 2,19 b - 20 erweitert Paulus die Bedeutung von Vers 19 a. Er "ist dem Gesetz gestorben", weil er mit Christus gekreuzigt wurde, und kann nun "Gott leben", weil Christus in ihm lebt. Grundlegend für das Verständnis dieses Verses ist die Bedeutung des "Einsseins mit Christus". Diese Lehre basiert auf Textstellen wie Röm 6,1-6 und 1Kor 12,13 , die besagen, daß die Gläubigen durch den Heiligen Geist in Christus und in die Kirche, den Leib aller wahren Gläubigen, getauft sind. Auf diese Weise mit Christus vereinigt haben sie Anteil an seinem Tod, seinem Begräbnis und seiner Auferstehung. Daher kann Paulus schreiben: "Ich bin mit Christus gekreuzigt" (ein Geschehen, das weiterbesteht). Das ist der Tod des Gesetzes und bedeutet ein völlig neues Leben für den Gläubigen: "Ich lebe, doch nun nicht ich." Der selbstgerechte, selbstsüchtige Paulus ist gestorben. Mit dem Tod Christi endete auch Paulus' Selbsterhöhung, und er überließ den Thron seines Lebens einem anderen: Christus. Doch Paulus kann nicht aus eigener Kraft ein christliches Leben führen; der lebendige Christus selbst hat Wohnung in seinem Herzen genommen: Christus lebt in mir . Allerdings wirkt Christus nicht automatisch im Leben eines Gläubigen; der Gläubige muß vielmehr ein neues Leben im Glauben an den Sohn Gottes führen. Es ist also der Glaube, nicht der Gesetzesgehorsam oder die Werke, durch die die von Gott geschenkte Befähigung zu einer wahrhaft christlichen Lebensführung freigesetzt wird. Dieser Glaube, so Paulus, beruht auf dem Opfer Christi, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben . Paulus lehrt also: "Wenn er mich genug geliebt hat, daß er sich für mich dahingegeben hat, dann liebt er mich auch genug, um sein Leben in mir zu leben."



Gal 2,21


Summarisch stellt Paulus fest: "Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes." Damit sagt er zugleich, daß Petrus und seine Anhänger die Gnade Gottes verschmähen, denn das Wesen dieser Gnade ist es, den Menschen zu geben, wofür sie nicht gearbeitet haben (vgl. Röm 4,4 ). Wer auf der Rechtfertigung oder Heiligung durch Werke besteht, erklärt die Gnade Gottes für nichtig, und wer auf dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz beharrt, gibt damit der Überzeugung Ausdruck, daß Christus vergeblich gestorben ist . Wenn die Gerechtigkeit vom Halten des Gesetzes abhängt, dann war das Kreuz nur eine vergebliche Geste, der größte Irrtum aller Zeiten.


III. Die Lehre: Apologie der Rechtfertigung allein aus Glauben
( Gal 3-4 )


In den beiden ersten Kapiteln des Briefes hatte Paulus den göttlichen Ursprung seines Apostolats und seiner Botschaft behandelt. Dann wandte er sich den Galatern zu, von denen anscheinend verlangt worden war, neben dem Glauben noch Werke zu vollbringen und neben dem Vertrauen auf Christus noch das mosaische Gesetz zu halten, um von Gott angenommen zu werden. Die galatischen Christen würden nach Ansicht der Judaisten eine vollkommenere Rettung und größere Heiligung empfangen, wenn sie dem Gesetz gehorchten. Paulus hält dagegen, daß das Werk Christi zu ergänzen heißt, es aufzuheben. Es kann nur einen Weg der Rettung geben, und das ist der Glaube an Christus.



A. Rechtfertigung der Lehre
( Gal 3 )


1. Anhand der Erfahrung der Galater
( 3,1-5 )


Gal 3,1


Der Ärger und die Enttäuschung des Apostels brechen sich Bahn in dem Ausruf: "O ihr unverständigen Galater!" Sich einer Lehre zuzuwenden, die behauptet, daß der Tod Christi unnötig sei, ist mehr als unvernünftig (vgl. Gal 2,21 ). Es hat fast den Anschein, als seien sie bezaubert , als seien sie durch Hexerei unter einen verderblichen Einfluß geraten. Doch auch das ist letztlich keine Entschuldigung, denn der Retter war ihnen als der Gekreuzigte vor Augen gemalt ( proegraphE , wörtlich: "öffentlich bekanntmachen"). Paulus hatte ihnen den gekreuzigten Christus anschaulich vor Augen geführt, doch ihre Augen sind vom Kreuz zum Gesetz gewandert, ohne daß sie für diesen Abfall irgend etwas zu ihrer Entlastung vorbringen können.

Um ihnen ganz klar zu machen, daß Gott nur durch den Glauben eine Beziehung zu ihnen herstellt, stellt Paulus den Galatern im folgenden vier Fragen. Gal 3,2 : (1) Wie habt ihr den Heiligen Geist empfangen? Diese rhetorische Frage richtet sich auf den Augenblick ihrer Bekehrung, als sie den Heiligen Geist empfingen (vgl. Gal 4,6 ). Paulus stellt damit nicht etwa ihre Rettung in Frage, sondern fordert seine Leser lediglich auf, darüber nachzudenken, ob sie durch den Glauben oder durch ihre Werke gerettet wurden und den Geist empfingen. Natürlich geschah dies durch den Glauben, der ihnen geschenkt wurde, als sie der Predigt des Paulus zuhörten. Als Heidenchristen, aus denen ihre Gemeinde in erster Linie bestand, hatten sie das Gesetz ohnehin nie besessen.



Gal 3,3


(2) Wie werdet ihr geheiligt werden? Unter der Voraussetzung, daß die Galater durch den Glauben Christen geworden waren, fragt Paulus sie nun, ob sie wirklich so unverständig seien, zu glauben, ihr Leben als Christen auf dem einen Weg (durch den Glauben) beginnen und auf einem anderen (durch Werke) zur geistlichen Reife fortschreiten zu können. Denn genau das war es, was die Judaisten von ihnen forderten (vgl. Gal 4,10;5,2;6,13 ), obwohl doch der Weg der Rechtfertigung und der Weg der Heiligung ein und derselbe sind. Innerhalb des Gesetzes gibt es keinen Heiligen Geist, der das Werk der Heiligung vollbringt. Wahrscheinlich dachten die galatischen Christen, daß die Befolgung des alten Gesetzes ihrer geistlichen Reife förderlich sein würde, doch das war ein Irrtum.

 

Gal 3,4


(3) Habt ihr vergeblich gelitten? Die dritte Frage bezieht sich zurück auf die Verfolgung, unter der die Apostel und die Neubekehrten in Galatien zu leiden hatten. Auf dem Rückweg von ihrer ersten Missionsreise bereiteten Paulus und Barnabas die Christen in Galatien darauf vor, daß sie mit Verfolgungen rechnen müßten ( Apg 14,21-22 ). Das bewahrheitete sich offensichtlich schon sehr bald, und Paulus erinnert sie nun daran, daß sie, wenn sie sich jetzt von der Gnade ab- und dem Gesetz zuwandten, ihre frühere Haltung zu einem Irrtum erklärten und vieles vergeblich erfahren hätten. Er kann sich jedoch nicht vorstellen, daß das, was sie erlebt haben, tatsächlich vergeblich gewesen sein soll.



Gal 3,5


(4) Wodurch vollbringt Gott Wunder? Daß unter den Galatern durch die Macht Gottes Wunder vollbracht wurden, geht aus der Apostelgeschichte hervor ( Apg 14,3.8-11 ). Es gab keinen Zweifel, daß diese übernatürlichen Taten nicht durch des Gesetzes Werke bewirkt wurden, sondern aus dem Hören kamen, das zum Glauben führt. Schließlich kannten die Galater das Gesetz bis dahin überhaupt nicht, und Paulus hatte ihnen die Botschaft der Rechtfertigung allein durch den Glauben verkündigt.



2. Anhand des Beispiels von Abraham
( 3,6-9 )


Gal 3,6


Die Judaisten behaupteten, das Gesetz, vor allem ihren Lehrer Mose, auf ihrer Seite zu haben. Doch Paulus geht in seiner Argumentation noch viele Jahrhunderte weiter zurück: "So war es mit Abraham." Wie wurde er, der Vater des jüdischen Volkes, gerechtfertigt? Paulus' Antwort ist einfach und deutlich. Ausgehend von 1Mo 15,6 erklärt er: "Er hat Gott geglaubt, und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden." Abrahams Vertrauen darauf, daß Gott seine Verheißungen erfüllen würde, wurde ihm von Gott als Gerechtigkeit zugerechnet, und so wurde der Patriarch gerechtfertigt - noch bevor er beschnitten war (vgl. 1Mo 17,24 ). Wie können die Judaisten also behaupten, daß die Beschneidung notwendig ist, um von Gott angenommen zu werden?



Gal 3,7-8


In einem letzten Schlag gegen seine theologischen Widersacher verknüpft Paulus Vergangenheit und Gegenwart und legt dar, daß so, wie einst Abraham durch seinen Glauben gerettet wurde, auch die, die jetzt den Anspruch erheben, seine Kinder ( huioi , wörtlich: "Söhne") zu sein, gerettet werden. Abraham und seine geistlichen Nachkommen, Juden und Heiden, sind durch den Glauben gerechtfertigt. Diese Schlußfolgerung entspricht auch der Aussage der Schrift , daß durch Abraham alle Heiden gesegnet sind (vgl. 1Mo 12,3 ). Die Rechtfertigung der unbeschnittenen Heiden wurde also in einem universalen Aspekt des abrahamitischen Bundes bereits vorausgesehen, als Gott Abraham das Evangelium verkündigte . Man darf dabei nicht vergessen, daß für Paulus das Wort der Schrift gleichbedeutend mit dem Wort Gottes selbst ist; was in der Bibel steht, hat Gott gesagt. Dieser und ähnliche Verse (z. B. Joh 10,35 b; 2Tim 3,16; 2Pet 1,20-21 ) sind also ein wichtiger Beleg für die Verbalinspiration und für die absolute Autorität der Schrift.



Gal 3,9


Der Apostel schließt seine Ausführungen zu diesem Punkt mit der Einschränkung, daß die Rechtfertigung, auch wenn ihr Angebot "allen" Völkern (V. 8 ) gilt, doch nur denen zuteil wird, die aus dem Glauben sind . Er macht also einen Unterschied zwischen dem Angebot Gottes, das im Prinzip allen Menschen offensteht, und der Tatsache, daß nicht alle es in Anspruch nehmen.



3. Anhand der Wirkung des Gesetzes
( 3,10-12 )


Nachdem er anhand der Erfahrungen der Galater und des Beispiels Abrahams nachgewiesen hat, daß die Rechtfertigung allein durch den Glauben zu erlangen ist, geht Paulus nochmals auf die unlogische Verkehrtheit, die im Vertrauen auf das Gesetz steckt, ein.



Gal 3,10-11


Im Gegensatz zu dem, was die Judaisten lehrten, kann das Gesetz die Menschen nicht rechtfertigen; es kann sie nur verurteilen. Paulus zitiert in diesem Zusammenhang 5Mo 27,26 ,um zu zeigen, daß das Gesetz Vollkommenheit fordert und jeden, der sich auch nur der geringsten Übertretung schuldig macht, unter seinen Fluch stellt. Da aber kein Mensch alle Gebote des Gesetzes halten kann, stehen letztlich alle Menschen unter diesem Fluch. Die Annahme, daß ein Mensch durch sein eigenes Bemühen von Gott angenommen werden kann, ist daher völlig irrig. An einem weiteren Zitat aus dem Alten Testament weist Paulus nach, daß man nicht einmal zur Zeit der Geltung des Gesetzes durch Gesetzesgehorsam vor Gott gerecht wurde, denn schon der Prophet Habakuk schrieb: "Der Gerechte wird aus Glauben leben" ( Hab 2,4 ).



Gal 3,12


Doch vielleicht war es möglich, Glaube und Gesetz zu verbinden; vielleicht waren beide notwendig. Wiederum anhand eines Zitates aus dem Alten Testament zeigt Paulus die Unvereinbarkeit der beiden Instanzen. Glaube und Gesetz schließen einander gegenseitig aus. Das grundlegende Prinzip des Gesetzes findet sich in 3Mo 18,5 : "Der Mensch, der es tut, wird dadurch leben." Nur wer das Gesetz vollkommen erfüllt, kann dadurch das Leben gewinnen. Da das jedoch ausgeschlossen ist, kann das Gesetz den Menschen nur verurteilen (vgl. Jak 2,10 ) und zwingt ihn somit, sich im Glauben ganz auf Gott zu verlassen.



4. Anhand der Werke Christi
( 3,13-14 )


Gal 3,13


Das Positive an diesem Gedanken, auf das Paulus im folgenden zu sprechen kommt, liegt darin, daß es nun für alle, die das Gesetz übertreten haben und unter seinem Fluch stehen, Hoffnung gibt. Diese Hoffnung gründet sich nicht auf Menschen, sondern auf Christus, der uns von dem Fluch des Gesetzes erlöst hat . Wie erlöste ( exEgorasen , wörtlich: "aus der Sklaverei freikaufen"; vgl. Gal 4,5; vgl. auch die Tabelle "Neutestamentliche Begriffe für 'Erlösung' " bei Mk 10,45 ) Christus die Menschen? Indem er für uns zum Fluch wurde . Indem Christus die Strafe für alle Menschen, die das Gesetz übertreten haben, auf sich nahm, konnte er die Menschheit stellvertretend von dem Fluch, unter dem sie stand, erlösen. So wurde der "Fluch des Gesetzes" von den Sündern auf Christus, den Sündlosen, übertragen (vgl. 1Pet 3,18 ), und er befreite die Menschen von ihm. Das Zitat, das Paulus zur Bestätigung dieser These anführt, stammt aus 5Mo 21,23 .

Zur Zeit des Alten Testaments wurde ein Verbrecher (gewöhnlich durch die Steinigung) hingerichtet und - als Zeichen dafür, daß er von Gott verworfen war - an einem Pfahl zur Schau gestellt. An der Kreuzigung Christi wurde also offensichtlich, daß er unter dem Fluch Gottes stand. Die Art seines Todes war für Juden zunächst ein großes Glaubenshindernis, bis sie verstanden, daß der Fluch, den Christus trug, eigentlich ihnen galt (vgl. Jes 53 ).


Gal 3,14


Hier werden zwei Gründe für das Erlösungswerk Christi angeführt, die im Griechischen beide mit der Konjunktion hina , "damit" (vgl. Gal 4,5 ), eingeleitet werden: (1) damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme - wie bereits gesagt wurde ( Gal 3,8 ), ist das nicht ein Hinweis auf persönliche oder das Volk betreffende Segnungen, sondern auf die verheißene Rechtfertigung außerhalb des Gesetzes; (2) damit alle, die glauben, den verheißenen Geist , d. h. den Heiligen Geist, empfingen (vgl. V. 2 ). Nochmals hebt der Apostel hervor, daß die Rettung und Heiligung durch den Glauben , nicht durch Werke, erlangt wird.

 

5. Anhand der zeitlosen Wirksamkeit des Glaubens
( 3,15-18 )


Gal 3,15-16


Selbst wenn Paulus' Gegner zugaben, daß Abraham durch den Glauben gerechtfertigt worden war, konnten sie doch immer noch einwenden, daß das Gesetz, das ja erst später kam, die Bedingungen für die Rettung entscheidend geändert habe. Um dieses Argument zu widerlegen, beruft sich Paulus auf die Unveränderbarkeit der göttlichen Verheißungen. Sie sind so fest verbrieft wie ein ordnungsgemäß bestätigtes römisches Testament , das ebenfalls nicht willkürlich aufgehoben oder geändert (wahrscheinlich ein Hinweis auf das alte griechische Gesetz) werden konnte. Außerdem wurde die Verheißung, die Abraham und seinem Nachkommen zugesagt wurde, nicht schon erfüllt, bevor die Juden das Gesetz erhielten, sondern erst in Christus und in ihm dann ein für allemal. Der Segen der Rechtfertigung aus Glauben ist also zeitlos und kann durch das Gesetz nicht geändert werden. Die Betonung des einen , nicht der vielen, Nachkommen (vgl. 1Mo 12,7; 13,15; 24,7 ) soll die Leser daran erinnern, daß der treue Rest Israels immer gewußt hatte, daß die Rettung schließlich durch eine einzige Person, den Messias, kommen würde (vgl. Gal 3,19 ). Matthäus hatte dann erklärt, daß Christus der Sohn Abrahams und der wahre Erbe der Verheißungen des ersten Bundes sei ( Mt 1,1 ).



Gal 3,17-18


Schließlich interpretiert Paulus das Prinzip der zeitlosen Wirksamkeit des Glaubens dahingehend, daß ein Bund, der schon so lange besteht, nicht durch ein später gegebenes Gesetz aufgehoben werden kann. Das Gesetz erhielten die Juden erst 430 Jahre nach der Verheißung. Wann begann diese lange Zeit? Manche Exegeten vertreten die These, daß sie mit Abraham einsetzte; in diesem Fall würden die 200 Jahre, die die Israeliten in Kanaan und die 200 Jahre, die sie in Ägypten verbrachten, in die 430 Jahre hineingehören. Die Septuaginta stützt diese These zwar, doch die ganz klare Aussage von 2Mo 12,40 ,daß der Aufenthalt in Ägpyten 430 Jahre betrug, ist nicht mit ihr vereinbar. Eine andere Theorie lautet, daß die Zeitspanne mit der Bestätigung des abrahamitischen Bundes, die Gott Jakob gab ( 1Mo 35,9-12 ), begann.

Eine dritte - und vielleicht die plausibelste - These geht davon aus, daß die 430 Jahre mit der letzten Bestätigung des Bundes, die Jakob erhielt ( 1Mo 46,1-4 ), begannen. Ihr zufolge erstreckt sich der Zeitraum von dem Ende einer Ära (der Zeit der Verheißung) bis zum Anfang einer anderen (dem Zeitalter des Gesetzes). Das scheint am besten zu 2Mo 12,40 zu passen. (In 1Mo 15,13 und Apg 7,6 ,die den Aufenthalt in Ägypten auf 400 Jahre beschränken, sind dann wahrscheinlich einfach runde Zahlen angegeben.)

In dieser langen Zeit segnete Gott die Patriarchen allein auf der Grundlage ihres Glaubens, und das Gesetz, das später kam, hatte keinerlei Einfluß auf diesen Bund. Auch konnte das Gesetz Gottes Umgang mit Abraham, der auf einer Verheißung beruhte, nicht ändern, weil Gesetz und Verheißung von ihrem Wesen her völlig verschieden sind. Sie können sich nicht miteinander vermischen, und sie können auch nicht kombiniert werden. Gott hat den Gläubigen das Erbe (d. i. die Rechtfertigung durch den Glauben) als Geschenk gegeben, es sind keinerlei Bedingungen daran geknüpft. Im Gegensatz zu dem, was die Judaisten behaupteten, war der Gehorsam gegenüber dem Gesetz nicht nötig, um dieses Erbe zu erhalten. Gott hat das Heil also schon immer durch seine Gnade allein aus Glauben gegeben.



6. Anhand der Intention des Gesetzes
( 3,19-25 )


Gal 3,19


Die Judaisten hätten gegen Paulus' Behauptung, daß das Gesetz weder den Heiligen Geist geben (V. 1-5 ) noch die Rechtfertigung bringen (V. 6-9 ) und auch die zeitlose Wirksamkeit des Glaubens nicht beeinflussen konnte (V. 15-18 ), statt dessen aber die Menschen mit einem Fluch belud (V. 10-12 ), sicherlich entrüstet Einspruch erhoben. Was soll dann das Gesetz? Warum gab Gott es den Israeliten überhaupt? In seiner Entgegnung auf diese Frage geht Paulus näher auf den Zweck und das Wesen des Gesetzes ein. Zunächst wurde es um der Sünden willen gegeben, d. h. als Mittel, die Sünden zu erkennen. Es diente dazu, die Sünden im Zaum zu halten, indem es sie als Übertretungen des göttlichen Gesetzes offenbarte, die den Zorn Gottes heraufbeschworen (vgl. 1Tim 1,8-11 ). Doch es war zeitlich begrenzt und nur solange gültig, bis der Nachkomme (der Messias; vgl. Gal 3,16 ) da sei ; danach war seine Funktion überflüssig. Schließlich war das Gesetz der Verheißung schon durch die Art und Weise, in der es den Menschen übermittelt wurde, unterlegen. Die Verheißungen ergingen direkt an Abraham, das Gesetz hingegen wurde durch die Hand eines Mittlers verordnet . Tatsächlich waren es sogar zwei Mittler: die Engel , die Gott vertraten, und Mose, der das Volk vertrat.

 

Gal 3,20


Dieser Vers scheint in enger Beziehung zum letzten Teil von Vers 19 zu stehen. Der Einsatz eines Mittlers deutet auf einen Bund zwischen zwei Parteien, die beide bestimmte Aufgaben übernehmen - was auf den mosaischen Bund zutrifft. Gott aber ist Einer , d. h., die "Verheißung" (V. 19 ) ging nur von einer Seite aus und wurde den Menschen direkt, ohne Mittler, gegeben. Deshalb trug auch Gott allein die Verantwortung für ihre Erfüllung.

 

Gal 3,21-22


Das führt zu einer weiteren Frage: Besteht ein Gegensatz zwischen dem Gesetz und Gottes Verheißungen? "Das sei ferne!" ( mE genoito ) ruft der Apostel aus. Beide, das Gesetz und die Verheißungen, sind von Gott gegeben, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Das Gesetz war nicht dazu gedacht, das Leben zu bringen. Rein theoretisch hätte die Rettung zwar auch durch das Gesetz kommen können, wenn die Menschen fähig gewesen wären, jedes einzelne seiner Gebote voll und ganz zu halten - doch das konnten sie nicht ( Röm 8,3-4 ). Das Leben , das denen versprochen wurde, die versuchten, dem Gesetz zu gehorchen, bestand lediglich in zeitlich begrenzten, irdischen Segnungen ( 5Mo 8,1 ).

Doch wenn das Gesetz den Verheißungen nicht widerspricht, wenn beide nicht miteinander im Widerstreit liegen, wie stehen sie dann zueinander? Das Gesetz kann die Menschen zwar nicht rechtfertigen oder ihnen das Leben geben, doch es hat dem Evangelium den Weg bereitet, indem es deutlich machte, daß die ganze Welt unter der Sünde steht. Wahrscheinlich unter Bezugnahme auf Ps 143,1-2 oder auf 5Mo 27,26 erklärt Paulus, daß die Schrift alles eingeschlossen hat unter die Sünde (vgl. Röm 3,9.23 ). Wenn die Menschen das erkennen und ihre Versuche, Gott durch ihre eigenen Werke zu gefallen, aufgeben, dann sind sie in der Lage, die Verheißung der Rettung durch den Glauben an Jesus Christus anzunehmen.

 

Gal 3,23-25


Im folgenden vergleicht Paulus das Gesetz mit einem Gefängnis und sein Verhältnis zum Menschen mit dem zwischen einem Kind und einem Zuchtmeister. Die Wendung "ehe aber der Glaube kam" bedeutet, bevor es möglich war, an Christus zu glauben (vgl. V. 22 ). Der rechtfertigende Glaube wirkte bereits im Alten Testament, doch der Glaube an die Person und das Werk Jesu Christi kam erst, nachdemder Messias offenbart worden war. Davor stand Israel unter der schützenden Wacht des Gesetzes , durch das Gott sein Volk vor den verderblichen heidnischen Riten, die es umgaben, bewahrte. Darüber hinaus diente das Gesetz als "Zuchtmeister" ( paidagOgos ). Das Wort paidagOgos läßt sich im Deutschen schwer angemessen wiedergeben, weil es in unserer modernen Gesellschaft keine vergleichbare Funktion gibt. Damit war nicht etwa ein "Schulmeister" gemeint, sondern ein Sklave, dem der Sohn des Hauses im Alter von sechs oder sieben Jahren bis zur Pubertät anvertraut wurde. Diese Sklaven waren strenge Lehrer, die die Kinder vor den Verführungen der Gesellschaft schützen und sie moralisch bilden sollten. Dieselbe Aufgabe hatte auch das Gesetz, bis Christus kam und die Menschen durch den Glauben an ihn gerechtfertigt werden konnten. Das Gesetz führte die Menschen also nicht zu Christus, sondern es war ihr Lehrer, bis Christus kam. Nun aber ist seine Herrschaft beendet, denn der Glaube an Christus hat die Gläubigen aus der "Schutzhaft" und der Obhut des strengen Zuchtmeisters befreit.



7. Anhand des gegenwärtigen Standes der Gläubigen
( 3,26-29 )


In diesem Abschnitt vergleicht Paulus den Stand eines gerechtfertigten Sünders mit dem Stand, den dieser hatte, solange er unter dem Gesetz war. Seine Verteidigung der Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben erreicht damit einen Höhepunkt. Der Apostel nennt drei gravierende Änderungen, die durch den neuen Glauben eingetreten sind.



Gal 3,26-27


Zunächst einmal werden alle , die an Christus glauben, Gottes Kinder . Der Wechsel in der Anrede von der ersten zur zweiten Person Plural ( ihr ) zeigt an, daß Paulus sich nun von seinen Betrachtungen über das Volk Israel wieder den galatischen Christen zuwendet. Während das Gesetz herrschte, hatte es die Aufgabe eines Zuchtmeisters, und die, die ihm unterstanden, waren gewissermaßen Kinder vor ihm. Nun aber, nachdem Christus gekommen ist, sind die galatischen Christen durch den Glauben zu erwachsenen Kindern geworden und aus den Händen ihres jüdischen Zuchtmeisters entlassen. Warum sollten sie also versuchen, ihren früheren, geringeren Status zurückzuerlangen? Die höhere Position als "Gottes Kinder" bedeutet, nach Vers 27 , die lebendige Einheit mit Christus, die sie, da sie auf Christus getauft sind, besitzen. Das ist die Taufe des Heiligen Geistes (oder im Heiligen Geist), die nach Paulus ( 1Kor 12,12-13 ) alle Gläubigen mit Christus vereint und sie innerhalb der Kirche, im Leib Christi, einigt. Diese Einheit meint er mit den Worten: "Ihr ... habt Christus angezogen." In der römischen Gesellschaft erhielt ein Jüngling, wenn er das vorgeschriebene Alter erreicht hatte, eine besondere Toga, die ihn in die vollen Rechte seiner Familie und seines Standes einsetzte und als erwachsenen Sohn kennzeichnete. So hatten auch die galatischen Gläubigen die alten Kleider des Gesetzes abgelegt und Christi Kleid der Gerechtigkeit angezogen, in dem sie von Gott angenommen waren. Warum sollten sie ihre alten Kleider zurückhaben wollen?


Gal 3,28


Zweitens: Die Gläubigen sind allesamt einer in Christus Jesus . Da alle Gläubigen untereinander eins werden, verlieren menschliche Unterscheidungen ihre Bedeutung. Keiner ist dem anderen in geistlicher Hinsicht überlegen. Ein gläubiger Jude genießt vor Gott keine größeren Vorrechte als ein gläubiger Heide ( Grieche ist, im Gegensatz zu Jude , der Oberbegriff für alle Heiden; vgl. Kol 3,11 ); ein gläubiger Sklave steht nicht höher als ein gläubiger Freier ; ein gläubiger Mann ist nicht mehr wert als eine gläubige Frau. Manche Juden beten vielleicht heute noch: "Ich danke dir, Gott, daß du mich nicht zu einem Heiden, einem Sklaven oder einer Frau gemacht hast." Paulus dagegen erklärt alle diese Unterscheidungen für null und nichtig und hält fest,daß es solche Unterschiede in bezug auf irgendwelche geistlichen Privilegien oder einen bestimmten Rang im Leib Christi nicht gibt. An anderer Stelle machte er allerdings deutlich, daß der Mann, ungeachtet der völligen Gleichheit von Mann und Frau in Christus, das Haupt der Frau ist (vgl. 1Kor 11,3 ) und daß es Unterschiede zwischen den geistlichen Diensten gibt (vgl. 1Tim 2,12 ).



Gal 3,29


Drittens sind all diejenigen, die an Christus glauben, Abrahams Kinder . Wie Paulus bereits oben gesagt hatte, ist Christus der Nachkomme Abrahams schlechthin (V. 16.19 ); in Christus zu sein, macht einen Gläubigen daher ebenfalls zu einem Nachkommen Abrahams und zu einem (Erben) nach der Verheißung , die jener empfing. Jegliche Aussage über die Nachkommenschaft Abrahams muß jedoch zunächst seine leiblichen Nachkommen, die Nachkommen Jakobs in den zwölf Stämmen Israels, berücksichtigen. Unter ihnen gibt es immer einen gläubigen Rest Juden, die eines Tages die Verheißungen Abrahams, die eigentlich ihnen gelten (vgl. Röm 9,6.8 ), erben werden. Doch auch unter den Heiden gibt es - geistliche - Nachkommen Abrahams: alle die, die zum Glauben an Jesus Christus kommen. Sie sind Erben der Verheißung der Rechtfertigung durch den Glauben, wie Paulus bereits ausgeführt hat (vgl. Gal 3,6-9 ). Die Annahme der Gegner der These vom Tausendjährigen Reich, daß nationale Verheißungen, die dem gläubigen Rest der Juden gelten, auf die Heidenchristen übergehen - daß also die Kirche an die Stelle Israels tritt bzw. das "neue Israel" ist -, hieße, zuviel in den Text hineinzulesen.



B. Veranschaulichung der Lehre
( Gal 4 )


1. Die Befreiung vom Gesetz
( 4,1-7 )




Gal 4,1-2


Um die geistliche Unreife derer, die unter dem Gesetz leben, zu veranschaulichen, erinnert Paulus die galatischen Christen an die rechtliche Position eines Erben , solange er noch unmündig ( nEpios , "Minderjähriger, Kleinkind", im Gegensatz zu huios , "Sohn", in Gal 3,7.26 ) ist. Obwohl er von Geburt Herr über alle Güter ist, wird er dennoch wie ein Sklave unter Vormundschaft gehalten, hat keine Freiheiten und darf auch keine Entscheidungen treffen. Als Kind untersteht er Vormündern ( epitropous ; das ist nicht dasselbe wie die paidagOgos in Gal 3,24-25 ) und Pflegern , die seine Güter für ihn verwalten. Diese Regelung blieb solange in Kraft, bis er das Sohnesalter erreichte, was in der jüdischen, griechischen und römischen Gesellschaft zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Fall war. Nach dem römischen Gesetz wurde das Alter, in dem ein Kind zum Erwachsenen erklärt wurde, vom Vater bestimmt . Zur Mündigkeitserklärung gehörte die feierliche Überreichung der toga virilis und die formale Anerkennung als Sohn und Erbe.



Gal 4,3


Paulus benutzt dieses Beispiel, um seinen Lesern den Gegensatz zwischen dem früheren Stand eines Gläubigen und dem, dessen sie sich jetzt erfreuen, ganz deutlich zu machen. Vormals, in der Zeit ihrer geistlichen Unreife ( als wir unmündig [ nEpioi ] waren ), waren sie wie Sklaven. Diese Knechtschaft beschreibt der Apostel als Knechtschaft der Mächte ( stoicheia , "Elemente") der Welt . Obwohl diese Aussage häufig auf das mosaische Gesetz bezogen wird, war das bei den Galatern wohl kaum der Fall, denn die meisten von ihnen waren vor ihrer Bekehrung Heiden gewesen und hatten demzufolge dem Gesetz niemals unterstanden. Mit der "Knechtschaft" sind hier also wohl eher die Anfänge der religiösen Erfahrung gemeint, bei den Juden die Zeit unter dem Gesetz, bei den Heiden die Knechtschaft der heidnischen Religionen (vgl. die "schwachen und dürftigen Mächte" in V. 9 ; die "Mächte der Welt" in Kol 2,20 ). Alle Menschen waren in irgendeiner Form Knechte, bevor Christus sie befreite.

 

Gal 4,4


Die Wendung aber ... Gott steht für das Eingreifen Gottes, das der Menschheit Hoffnung und Freiheit brachte. Wie in der damaligen Gesellschaft ein menschlicher Vater den Zeitpunkt festsetzte, an dem sein Kind als erwachsener Sohn angesehen wurde, so bestimmte der himmlische Vater die Zeit für das Kommen Christi und bereitete so den Übergang der Menschen aus der Knechtschaft des Gesetzes in die geistliche Sohnschaft vor. Diese "Zeit" war gekommen, als die römische Zivilisation der alten Welt den Frieden und ein Straßensystem gebracht hatte, das das Reisen erleichterte; als die griechische Zivilisation den Menschen eine Sprache gegeben hatte, die als lingua franca im ganzen Reich verstanden wurde; als die Juden den Monotheismus verkündigt und die Hoffnung auf den Messias in die Synagogen der mediterranen Welt getragen hatten. Als das alles erreicht war, sandte Gott seinen präexistenten Sohn aus dem Himmel mit einem ganz bestimmten Auftrag auf die Erde. Der "Sohn" war nicht nur Gott; er war auch ein Mensch, wie der Ausdruck "geboren von einer Frau" besagt. Daß hier nur von seiner Mutter gesprochen wird, stimmt mit der Lehre von der Jungfrauengeburt, wie sie die Evangelien lehren, überein (vgl. Mt 1,18 ). Darüber hinaus wurde Christus als Jude unter dem Gesetz geboren. Er erfüllte das Gesetz voll und ganz (vgl. Mt 5,17 ), und er trug schließlich seinen Fluch (vgl. Gal 3,13 ).



Gal 4,5


Aus zwei Gründen "sandte Gott seinen Sohn" (wieder werden beide Gründe mit hina , "damit"; vgl. Gal 3,14 ,eingeführt). Zunächst kam er, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste ( exagorasE ). Dabei ging es nicht um die Erlösung von dem Fluch des Gesetzes (wie in Gal 3,13 ), sondern um die Erlösung aus der Knechtschaft des gesamten mosaischen Systems. Die Betonung liegt hier nicht, wie in Gal 3,13 ,auf der Strafe für die Sünde, die das Gesetz mit sich brachte, sondern auf seiner Knechtschaft. Wenn aber Christus die, die unter dem Gesetz standen, erlöste und befreite, warum sollten sich dann die bekehrten Heiden diesem offensichtlich überholten Gesetz unterstellen? Zweitens sicherten die Inkarnation und der Tod Christi den Gläubigen die Kindschaft . Diejenigen, denen die Segnungen des Erlösungswerkes Christi zuteil wurden, erfreuen sich nun aller Vorrechte, die ein erwachsener Sohn in einer Familie genießt.



Gal 4,6


Doch Gott Vater "sandte" nicht nur "den Sohn"; er sandte auch den Geist. Damit ist die gesamte dreieinige Gottheit an dem Rettungswerk beteiligt. Der Heilige Geist ist ein Geschenk, das Gott jedem Gläubigen aufgrund der Kindschaft macht und das keinem einzigen seiner Söhne und keiner seiner Töchter abgeht. Der Geist wohnt im Herzen der Gläubigen und bezeugt ihre Zugehörigkeit zur Familie Gottes. Er veranlaßt sie, zu Gott zu beten und ihn mit Abba, Vater (vgl. Röm 8,15 ) anzureden. "Abba" ist das aramäische Wort für "Vater", und zwar die Diminutivform, die ganz kleine Kinder benutzen, wenn sie sich an ihren Vater wenden (vergleichbar mit dem englischen "Daddy"). Auch Christus selbst benutzte diese vertrauliche Anrede (vgl. Mk 14,36 ), die - im Gegensatz zum Formalismus der Gesetzlichkeit - ein Zeichen der Vertrautheit und Zuneigung ist, die zwischen den Menschen und Gott bestehen kann.



Gal 4,7


Schließlich faßt Paulus nochmals zusammen: Die Galater sind nicht mehr Knechte, sondern Kinder und damit Erben . Der Apostel geht hier zum Singular über, um ganz deutlich zu machen, daß jeder Leser direkt und persönlich angesprochen ist. In der Familie Gottes bedeutet die Kindschaft zugleich die Einsetzung zum Erben (vgl. Röm 8,17 ).


2. Persönliche Bitten
( 4,8-20 )


Von der formalen Argumentation geht Paulus nun zum persönlichen Appell an die Galater über, sich nicht in eine Knechtschaft zu begeben, die der früheren Knechtschaft, in der sie als Heiden lebten, gleicht.



a. Der Appell, nicht in die Gesetzlichkeit zurückzufallen
( Gal 4,8-11 )


Gal 4,8-9


Vor ihrer Bekehrung, als sie Gott noch nicht kannten , waren die Galater in der Knechtschaft falscher Götter wie z. B. des Zeus und des Hermes (vgl. Apg 14,11-13 ). Doch dann änderte sich ihr Leben radikal: sie haben Gott erkannt (die Rettung aus der Perspektive der Menschen), ja wurden vielmehr von Gott erkannt (die Rettung aus der Perspektive Gottes). Und nun, nachdem sie den wahren Gott erkannt haben ( gnontes , von ginOskO , "persönlich kennen"), wenden sie sich wieder von ihm ab. Paulus ist erstaunt und bestürzt über diese Entwicklung. Sind die Galater sich überhaupt bewußt, daß sie damit in den Zustand religiöser Knechtschaft zurückfallen? Wollen sie das wirklich? Wenn ja, warum fühlen sie sich dann ausgerechnet von einem System angezogen, das schwach (es kann die Menschen weder rechtfertigen noch zu einem gottgefälligen Leben anspornen) und dürftig (es hält kein Erbe für sie bereit) ist? Die Mächte ( stoicheia ) dieses Systems sind "Mächte der Welt", wie Paulus bereits in Vers 3 sagte.



Gal 4,10


Unter dem Einfluß der Judaisten hatten die Galater auf jeden Fall bereits damit begonnen, sich nach dem mosaischen Kalender zu richten. Sie hielten bestimmte Tage (den wöchentlichen Sabbat) und Monate (den Neumond) und Zeiten (saisonale Feste wie das Passa, Pfingsten und das Laubhüttenfest) und Jahre (die Sabbat- und Jubeljahre) ein (vgl. Kol 2,16 ), denn sie glaubten offenbar, sich damit vor Gott zusätzliche Verdienste zu erwerben. Doch Paulus hatte sie bereits ausdrücklich darauf hingewiesen, daß dem Glauben keine Werke hinzugefügt werden können; sie tragen weder zur Rechtfertigung noch zur Heiligung bei.



Gal 4,11


Aus Sorge um die Galater gibt Paulus seiner Furcht Ausdruck, daß er, wenn sie auf den Vorschriften aus dem jüdischen Gesetz beharren, vergeblich ( eikE ; vgl. Gal 3,4 ) an ihnen gearbeitet habe ( kekopiaka ). Die Worte des Apostels enthüllen eine starke Antipathie gegenüber der Gesetzesreligion seiner Väter.

 

b. Der Appell an die persönliche Beziehung zwischen Apostel und Gemeinde
( 4,12-16 )


Gal 4,12


Fast flehend fordert Paulus die Galater auf: "Werdet doch wie ich, denn ich wurde wie ihr" , d. h., "Werdet frei vom Gesetz, wie ich es bin, denn nach meiner Bekehrung wurde ich wie die Heiden und lebte nicht mehr unter dem Gesetz". Das paradoxe Verhalten der Galater bestand darin, daß sie sich als ehemalige Heiden nach ihrer Bekehrung auf einmal unter das Gesetz stellen wollten.



Gal 4,13-14


Der letzte Satz von Vers 12 ist eng mit den folgenden Versen verbunden, in denen Paulus davon spricht, wie die Galater ihn bei seinem ersten Besuch bei sich aufnahmen (vgl. Apg 13-14 ). Damals litt er unter einer Krankheit, predigte ihnen aber dennoch das Evangelium. Worin diese Schwachheit des Leibes auch immer bestanden haben mochte, die Galater verachteten ihn nicht als einen schwachen Boten Gottes, sondern nahmen ihn auf wie einen Engel Gottes, ja wie Christus Jesus .



Gal 4,15-16


Sie hatten ihn freudig empfangen und es als ein besonderes Glück für sich selbst erachtet, daß er unter ihnen predigte. Ihre Wertschätzung war so groß, daß sie sich ohne Zögern für Paulus die Augen ausgerissen hätten. Manche Exegeten sehen darin einen Hinweis darauf, daß Paulus an einer Augenkrankheit litt (der "Pfahl im Fleisch"; 2Kor 12,7 ), doch diese Schlußfolgerung ist keinesfalls gesichert. Es kann sich hier auch lediglich um einen bildlichen Ausdruck für die Hochschätzung der Galater für den Apostel gehandelt haben - sie hätten ihm ihren kostbarsten Besitz gegeben.

Doch all das trifft nun nicht mehr zu. Seine Anwesenheit ist ihnen kein Anlaß zur Freude mehr, ja es hat den Anschein, als ob er, einfach deshalb, weil er ihnen die Wahrheit vorhält, ihr Feind geworden sei. Wie wankelmütig sie doch sind! Sie wenden sich gegen den Herrn, das Evangelium der Gnade und den Boten, der ihnen die frohe Botschaft von der Rechtfertigung durch den Glauben gebracht hat.

 

c. Der Appell, an den Apostel zu denken
( 4,17-20 )


Gal 4,17-18


Während die Dankbarkeit des Apostels den Galatern gegenüber ganz ohne Falsch ist, handelten die gesetzlichen Judenchristen aus unechten Motiven. Der Apostel spricht die Wahrheit (vgl. V. 16 ); die Judaisten dagegen benutzten Schmeicheleien. Sie wollten die Galater Paulus und seiner Lehre abspenstig machen ( ekkleisai , wörtlich: "aussperren") und sie auf ihre Seite ziehen, um Einfluß über sie zu gewinnen. In einem interessanten Wortspiel mit dem Verb "werben" sagt Paulus, daß die Judaisten um die Galater werben, damit diese ihrerseits um sie werben. Paulus räumt ein, daß es gut ist, umworben zu werden , doch er besteht darauf, daß die Absicht ehrbar sein müsse, was bei den Judaisten nicht der Fall war.



Gal 4,19-20


Der Apostel dagegen ist den Galatern gegenüber immer ehrlich gewesen. Mit der zärtlichen Anrede meine lieben Kinder ( tekna mou ; ein Ausdruck, den Paulus nur an dieser einen Stelle gebraucht) vergleicht er sich selbst mit einer Mutter, die unter großen Schmerzen ein Kind zur Welt bringt. Er hatte diese Erfahrung schon einmal, bei ihrer Rettung, gemacht; doch nun muß er sie abermals durchstehen, um sie aus den Händen der falschen Lehrer zu befreien.

Mit der Formulierung "bis Christus in euch Gestalt gewinne" kommen jedoch plötzlich ganz neue Metaphern ins Spiel. Paulus wünscht sich, die Gläubigen in das Ebenbild Christi verwandelt (morphothe, wörtlich: "die Form annehmen von"; vgl. morphe in Phil 2,6-7 ) zu sehen. Das christliche Leben wird hier als eine Art Reinkarnation Christi im Leben der Gläubigen verstanden. Dies ist letztlich Gottes Ziel - daß Christus in und durch einen jeden Gläubigen lebt (vgl. Gal 2,20 ). Im Moment allerdings ist der Apostel irre an den Galatern geworden. Er spürt, daß ihre geistliche Entwicklung aufgehalten wurde und wünscht sich sehnlichst, bei ihnen zu sein, um ihnen freundlich, aber bestimmt seinen Standpunkt klarzumachen.



3. Beispiele aus der Schrift
( 4,21-31 )


In einem geradezu genialen Schachzug schließt Paulus seine theologische Apologie der Rechtfertigung aus dem Glauben mit einem Beispiel aus der Schrift. Anhand der alttestamentlichen Erzählung vom Leben Abrahams veranschaulicht er seinen Lesern, was er ihnen immer wieder über den Gegensatz zwischen dem mosaischen Gesetz und der Gnade, zwischen Werken und Glauben, gesagt hat. Darüber hinaus bietet dieses Beispiel ihm die Möglichkeit, die Galater ganz konkret aufzufordern, die Judaisten aus ihrer Gemeinde zu entfernen (vgl. V. 30 ).



a. Die historischen Fakten
( 4,21-23 )


Gal 4,21


Noch haben die Galater sich der Knechtschaft des Gesetzes nicht unterworfen, aber sie stehen im Begriff, es zu tun. Paulus versucht dagegen mit allen Mitteln, sie von diesem Irrweg abzubringen und wieder zur Gnade zurückzuführen. Er fordert sie deshalb auf, sich erst einmal klar zu machen bzw. zu hören, was das Gesetz wirklich sagt.


Gal 4,22


Mit Abraham (1.Mose galt, als ein Buch Mose, als Teil des Gesetzes) bringt er die Sprache erneut auf den Stammvater des jüdischen Volkes, auf den die Juden als seine leiblichen Nachkommen ihre Segnungen zurückführen. Johannes der Täufer und Jesus hatten demgegenüber erklärt, daß dieleibliche Abstammung von Abraham nicht genüge, um der geistlichen Segnungen teilhaftig zu werden (vgl. Mt 3,9; Joh 8,37-44 ). Paulus erinnert seine Leser daran, daß Abraham zwei Söhne hatte (die später Geborenen sind für dieses Beispiel nicht wichtig), und fordert sie auf zu überlegen, wem sie mehr glichen. Einer der beiden, Isaak, war von Sara, der Freien ; der andere, Ismael, war von Hagar, der Magd . Nach altem Brauch und Gesetz ging der Status der Mutter auf den Sohn über.



Gal 4,23


Auch in der Zeugung unterschieden sich die beiden Söhne Abrahams. Ismael war nach dem Fleisch gezeugt worden , d. h., auf ganz natürlichem Wege, ohne Wunder und ohne eine besondere Verheißung Gottes. Isaak dagegen war kraft der Verheißung gezeugt worden. Abraham und Sara hatten das Alter, in dem sie noch Kinder bekommen konnten, bereits weit überschritten, doch Gott erfüllte seine Verheißung auf wunderbare Weise, indem er aus dem erstorbenen Leib Saras neues Leben hervorbrachte (vgl. Röm 4,18-21 ).


b. Die allegorische Interpretation
( 4,24-27 )


Um den Gegensatz zwischen dem Gesetz und der Gnade noch deutlicher zu machen, deutet Paulus die oben erwähnten historischen Ereignisse allegorisch ( allEgoroumena ). Das heißt nicht, daß er die buchstäbliche Bedeutung der Geschichte auch nur im geringsten leugnet, doch er stellt die These auf, daß sie, insbesondere in bezug auf die Empfängnis der beiden Söhne, darüber hinaus eine höhere, sinnbildliche Bedeutung habe, die den allgemeinen Konflikt zwischen dem Juden- und dem Christentum veranschaulicht.

(Diese "Allegorisierung" hat nichts mit der "allegorischen Interpretation" zu tun, die Origenes, Augustinus und viele andere Theologen bis heute immer wieder anwenden und in der den historischen Fakten eine niedrigere, weniger bedeutsame Ebene zugewiesen wird und statt dessen eine phantastische, verborgene Bedeutung, die keinerlei Bezug zum Text hat, als weit wichtiger hingestellt wird.)



Gal 4,24


Zunächst weist der Apostel auf die zwei Bundesschlüsse hin, die sich in den beiden Söhnen manifestierten. Der eine, mosaische, war am Berg Sinai geschlossen worden. Diejenigen, die unter diesem Bund des Gesetzes stehen, sind Knechte. Wie Hagar einen Knecht gebar, so bringt auch das Gesetz nur Knechte hervor. Spätestens hier müßte dem Leser der implizite Hinweis auf den abrahamitischen Bund klarwerden, das System der Gnade, das durch Sara repräsentiert wird, die durch die messianische Verheißung freie Kinder gebar.



Gal 4,25-26


Dann spricht er von den zwei Jerusalems. Hagar steht auch für das Jerusalem des 1. Jahrhunderts, eine Stadt, die von den Römern unterworfen war und sich in der Knechtschaft des Gesetzes befand. Sara dagegen entspricht dem Jerusalem, das droben ist , sie war die Mutter der Kinder der Gnade. Diese himmlische Stadt, die einst auf Erden existieren wird (vgl. Offb 21,2 ), ist jetzt die "Stadt des lebendigen Gottes" (vgl. Hebr 12,22 ), die Heimat der abgeschiedenen Gläubigen aller Zeitalter.



Gal 4,27


Das Zitat aus Jes 54,1 prophezeite eine Wendung im Schicksal Israels, die Paulus hier auf Sara anwendet. Vor der babylonischen Gefangenschaft glich Israel einer Frau, die einen Mann hat, in der Gefangenschaft war es die Unfruchtbare . Die Frau aber, die viel mehr Kinder hat als die den Mann hat , ist wahrscheinlich ein Bild für das wiederhergestellte Israel nach dem Exil, insbesondere aber für die Segnungen des Tausendjährigen Reiches, die das Gottesvolk erwarten. Paulus wendet die Textstelle (er sagt nicht, daß sie bereits erfüllt ist) in diesem Kontext auf Sara an, die, obwohl sie früher unfruchtbar war, später mit einem Kind gesegnet wurde und schließlich sogar weit mehr Nachkommen als Hagar hatte.c. Die persönliche Anwendung ( Gal 4,28-31 )

In seiner Anwendung dieses biblischen Beispieles zieht Paulus drei Vergleiche.



Gal 4,28


Zunächst setzt er die Geburt Isaaks mit der der Christen gleich. Wie Isaak auf übernatürliche Weise geboren wurde - er war ein Kind der Verheißung -, so wird auch jeder Gläubige auf übernatürliche Weise wiedergeboren ( Joh 3,3.5 ) und empfängt die Verheißung der Rettung ( Gal 3,9.22.29 ). Als Kinder der Verheißung sind die Christen etwas Besonderes und sollen nicht wie die Kinder der Knechtschaft leben.


Gal 4,29


Zweitens vergleicht der Apostel die Verfolgung Isaaks durch Ismael mit den Angriffen, denen die Gläubigen durch die falschen Lehrer ausgesetzt sind. Abraham feierte die Entwöhnung Isaaks mit einem Festmahl. Bei dieser Gelegenheit machte Ismael sich über Isaak lustig, denn er war der Ältere und ging davon aus, daß er den Besitz seines Vaters erben würde (vgl. 1Mo 21,8-10 ). Diese frühen Feindseligkeiten wurden in den Stämmen, die von den beiden Söhnen abstammen, festgeschrieben und sind noch heute in den arabisch-israelischen Spannungen offensichtlich. Paulus vergleicht die Judaisten mit Ismael: Sie sind aus legalistischen, eigenen Anstrengungen heraus geboren. Er wirft ihnen vor, daß sie die wahren Gläubigen, die nach dem Geist gezeugt sind, noch immer verfolgen. Mit wenigen Ausnahmen gingen die Verfolgungen, unter denen Paulus zu leiden hatte, auf Menschen zurück, die noch in der Knechtschaft des Gesetzes gefangen waren.



Gal 4,30


Drittens vergleicht Paulus die Handlung Abrahams mit der Pflicht, die sich den Galatern stellt. Als Sara sah, daß Ismael sich über Isaak lustig machte, bat sie Abraham, die Magd mit ihrem Sohn hinauszustoßen , damit Ismael nicht mit Isaak zusammen erben konnte (vgl. 1Mo 21,10.12 ). Dieses Beispiel soll die Leser des Apostels daran erinnern, daß Gesetzestreue allein nicht zur Aufnahme in die Familie Gottes führt, und ist zugleich ein Wink für sie, die Judaisten und diejenigen, die ihre falschen Lehren akzeptieren, aus ihrer Gemeinde auszuschließen. Das Gesetz und die Gnade, eine Religion, die auf Werken, und eine Religion, die auf dem Glauben basiert, sind grundsätzlich nicht vereinbar.



Gal 4,31


Zum Schluß bestätigt Paulus nochmals, daß er und die galatischen Christen nicht Kinder der Magd sind, die davongejagt wurde und keinen Anteil am Erbe erhielt. Die Gläubigen sind vielmehr Kinder der Freien , "Gottes Erben und Miterben Christi" ( Röm 8,17 ).


IV. Praktische Anweisungen: Apologie der christlichen Freiheit
( 5,1-6,10 )


Nachdem er sowohl sein Apostolat als auch seine Rechtfertigungslehre verteidigt hat, wendet Paulus sich nun dem Leben in der christlichen Freiheit zu. Wird die Predigt des Apostels die Galater zur Zügellosigkeit oder zur Gottesfurcht führen? Paulus schildert das christliche Leben als ein Leben frei vom Gesetz, doch ohne Ausschweifungen, gewidmet dem Heiligen Geist und dem Dienst an Gott und dem Nächsten.



A. Ein Leben in Freiheit vom Gesetz
( 5,1-12 )


1. Die Hinwendung zum Gesetz hebt die Gnade auf
( 5,1-2 )


Gal 5,1


In diesem Vers werden zunächst die Ausführungen von Kapitel 4 - der Gegensatz zwischen Knechtschaft und Freiheit - nochmals zusammengefaßt. Zugleich dient er als Einleitung für Kapitel 5 . Paulus macht deutlich, daß Christus der große Befreier war, der die Christen aus der Knechtschaft befreit hat . Er fordert die Galater auf, in dieser Freiheit fest zu stehen (vgl. 1Kor 16,13; Phil 1,27;4,1; 1Thes 3,8; 2Thes 2,15 ), denn nach ihrerErlösung aus der Knechtschaft des Heidentums sind sie in Gefahr, sich unter die Knechtschaft des mosaischen Gesetzes zu begeben.

 

Gal 5,2


Im folgenden geht Paulus auf eines der entscheidenden Merkmale dieser Knechtschaft, die Beschneidung, ein und erteilt denjenigen Galatern, die sich dieser Vorschrift unterwarfen, einen strengen Verweis. Wenn sie sich beschneiden lassen und damit versuchen, durch Werke Rechtfertigung zu erlangen, so wird ihnen nach den Worten des Paulus Christus nichts nützen . Der Apostel verurteilt also nicht die Beschneidung an sich - er selbst hatte Timotheus (in Galatien) beschneiden lassen, damit er auch unter Juden missionieren konnte ( Apg 16,1-3 ) -, sondern erhebt lediglich Einspruch gegen eine judaistische Theologie, die darauf beharrt, daß die Beschneidung heilsnotwendig sei. Jeder, der sich aus diesem Grund beschneiden läßt, fügt dem Glauben Werke hinzu und beweist damit, daß er den rettenden Glauben an Christus nicht besitzt.



2. Die Hinwendung zum Gesetz macht den Menschen zum Schuldner
( 5,3 )


Gal 5,3


Doch die Hinwendung zum Gesetz hebt nicht nur die Gnade auf, sondern schafft zusätzlich noch ein Netz ganz neuer Verpflichtungen: Wer ein Gebot hält, ist gezwungen, das ganze Gesetz zu tun . Das Gesetz ist eine Einheit, und wenn ein Mensch sich zu seiner Rechtfertigung einem Teil des Gesetzes unterwirft, ist er ein "Schuldner" des ganzen Kodex mit allen seinen Forderungen und Strafen (vgl. Gal 3,10; Jak 2,10 ).



3. Die Hinwendung zum Gesetz ist gleichbedeutend mit dem Abfall von der Gnade
( 5,4-6 )


Gal 5,4


Die Annahme des Gesetzes und die Vorstellung, die Beschneidung sei ein religiöses Verdienst, hat noch weitere schreckliche Implikationen, die sich die Galater vor Augen halten müssen. Jeder, der durch das Gesetz gerecht werden will, hat Christus verloren ( katErgEthEte , d. h., das Werk Christi hat keine Bedeutung mehr für ihn). Außerdem ist er nach den Worten des Apostels aus der Gnade gefallen . Es geht dabei nicht um den Verlust der Rettung, denn die "Gnade" ist nicht selbst die Rettung, sondern ein Weg, sie zu erlangen (vgl. Gal 2,21 ,wo der Weg "des Gesetzes" als untauglich, zu Christus zu kommen, abgelehnt wird). Wenn die Galater die Beschneidung als heilsnotwendig anerkennen, verlassen sie das System der Gnade und stellen sich unter das System des mosaischen Gesetzes. Denselben Fehler begeht ein Gläubiger auch heute, wenn er aus einer Kirche austritt, die lehrt, daß die Rettung durch die Gnade, allein aus Glauben, zustandekommt, und sich einer christlichen Gemeinschaft anschließt, die lehrt, daß die Rettung von Buße, Bekenntnis, Glaube, Taufe und Kirchenmitgliedschaft abhängig ist.



Gal 5,5


Im Gegensatz zu den Legalisten warten ( apekdechometha ; das Verb wird im Neuen Testament siebenmal für die Rückkehr Christi gebraucht: Röm 8,19.23.25; 1Kor 1,7; Gal 5,5; Phil 3,20; Hebr 9,28 ) die wahren Gläubigen durch den Glauben (nicht durch Werke) sehnsüchtig auf die Vollendung ihrer Rettung (vgl. Röm 8,18-25 ). Dann wird die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muß , voll und ganz verwirklicht werden (vgl. 1Pet 1,3-4.13 ). Bei der Wiederkunft Christi werden die Gläubigen allen Forderungen, die Gott an sie stellt, entsprechen. Die innere und forensische Gerechtigkeit, die mit der Rechtfertigung begann, wird mit der Verherrlichung in die äußere Rechtfertigung verwandelt werden. Dann wird Gott die Annahme der Gläubigen öffentlich bezeugen.



Gal 5,6


Denn für die, die in Jesus Christus , in der wahren Rettung, leben, ist weder die Beschneidung noch das Unbeschnittensein von Bedeutung (vgl. Gal 3,28;6,15 ). Was zählt, ist allein der Glaube, der durch die Liebe tätig ist (vgl. Gal 5,13 ). Obwohl die Rettung allein durch Glauben, nicht durch Werke geschieht, äußert sich wahrer Glaube ganz selbstverständlich "in Liebe" (vgl. Eph 2,10; Jak 2,14-18 ).



4. Die Hinwendung zum Gesetz verhindert die geistliche Weiterentwicklung der Gläubigen
( 5,7-10 )


Gal 5,7


Mit einer seiner Lieblingsmetaphern beschreibt Paulus sodann die Glaubenserfahrungen der galatischen Christen als einen "Lauf" (vgl. 1Kor 9,24-26; 2Tim 4,7 ). Sie liefen so gut , doch irgend etwas hat sie aufgehalten und ins Stolpern gebracht. Die Galater wurden zwar durch viele falsche Lehrer verwirrt, doch das Singularpronomen ( wer ) deutet darauf hin, daß Paulus hier von dem Leiter der Judaisten spricht. Die galatischen Christen gehorchten der Wahrheit nicht mehr, sondern versuchten, ihren Lauf durch eigene Anstrengungen, d. h., durch die Einhaltung des Gesetzes, statt durch den Glauben zu vollenden.

 

Gal 5,8-10


Eine Irrlehre wie die, der sich die Galater zuwenden wollten, stammte nicht von dem Gott, der sie durch und in die Gnade berufen hatte (vgl. Gal 1,6 ). Sie aber ließen sich durch andere Stimmen zu einem falschen Evangelium verführen. Falls irgend jemand der Ansicht sein sollte, daß der Apostel das Problem aufbausche, zitiert Paulus einen Spruch ( Gal 5,9 ), der vor dem Sauerteig einer falschen Lehre warnt, der alles durchdringen und sich ausbreiten kann. Die falschen Lehrer mochten bis jetzt zwar erst wenige auf ihre Seite gezogen haben; dennoch mußten die Gläubigen auf der Hut sein, damit nicht die ganze Gemeinde dem Irrtum erläge. Paulus ist also offensichtlich der Ansicht, daß schon eine kleine Abweichung von der Wahrheit imstande ist, das ganze System zu zerstören. Wenn z. B. die Beschneidung für heilsnotwendig erklärt würde, so fiele damit das ganze System der Gnade. Dennoch ist der Apostel optimistisch. Er vertraut darauf, daß die Galater sich seiner Auffassung anschließen werden und daß der Anführer der Irrlehrer, dessen Identität ihm unbekannt ist, seiner gerechten Strafe zugeführt wird.

 

5. Die Hinwendung zum Gesetz bedeutet die Aufhebung des Ärgernisses vom Kreuz
( 5,11-12 )


Gal 5,11


Anscheinend war Paulus von seinen Gegnern vorgehalten worden, daß auch er immer noch die Beschneidung predige . Der Apostel war vor seiner Bekehrung ein leidenschaftlicher Streiter für die Beschneidung und das Gesetz gewesen - eine Tatsache, die es den falschen Lehrern erleichterte, eine solche Behauptung aufzustellen. Paulus beantwortet ihre Verleumdung mit einer einfachen Frage: Wenn er angeblich dasselbe predigt wie die Judaisten, wie kommt es dann, daß er von ihnen verfolgt wird? Wenn Paulus tatsächlich die Beschneidung verkündigte, wäre das Ärgernis ( skandalon , "Stolperstein"; vgl. 1Kor 1,23 ) des Kreuzes aufgehoben . Das ist jedoch ganz offensichtlich nicht der Fall, denn noch immer ist die Botschaft des Evangeliums, das den Menschen ihre völlige Unfähigkeit, irgend etwas zu ihrer Rettung beizutragen, verkündigt, der ganzen Welt ein Ärgernis. Das Kreuz war das Ende des Gesetzes und machte die Beschneidung und den Gehorsam gegenüber dem mosaischen Gesetz überflüssig.



Gal 5,12


Die Sorge um das Evangelium der Gnade Gottes läßt Paulus heftig werden. Die Judaisten, die die Beschneidung so leidenschaftlich befürworten, sollen sich doch gleich ganz verschneiden lassen , wie es z. B. die heidnischen Priester der Kybele in Kleinasien taten. Die daraus folgende physische Impotenz war vielleicht ein ganz gutes Bild für Paulus' Wunsch, daß sie dann auch nicht mehr in der Lage sein mochten, noch mehr Christen auf ihre Seite zu ziehen. Die Beschneidung war zwar einst das Zeichen des Bundes gewesen, den Gott mit Israel geschlossen hatte, doch nun hatte sie keine größere religiöse Bedeutung als irgendein heidnisches Beschneidungs- oder Zeichnungsritual.


B. Ein Leben in christlicher Zucht
( 5,13-15 )


Gal 5,13-14


In Vers 1 hatte Paulus von der christlichen Freiheit gesprochen und die Galater vor der Gefahr gewarnt, in die Knechtschaft zurückzufallen. Hier erinnert er die Gläubigen erneut an ihre Freiheit in Christus, doch er warnt sie davor, sich Ausschweifungen hinzugeben. Insbesondere fordert er sie auf, ihre Freiheit nicht so zu benutzen, daß die Sünde sich in ihnen einnisten kann. Nicht die körperliche Lust, sondern die Liebe ist das Ziel der Freiheit. Statt dem Gesetz oder dem Fleisch (ein Ausdruck, den Paulus im Galaterbrief achtmal benutzt; vgl. Gal 5,13.16-17.19.24 [dreimal]; Gal 6,8 [zweimal]) sollen die Galater einer dem anderen dienen.

Nachdem Paulus auf diese Weise zwei Formen der Knechtschaft entlarvt hat, empfiehlt er seinen Lesern eine dritte, die ihnen zum Segen gereichen kann - die Knechtschaft der Liebe. Dazu zitiert er 3Mo 19,18 : Das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt ... liebe deinen Nächsten wie dich selbst . Das hatte schon Jesus gesagt ( Mt 22,39; Lk 10,25-28 ). Paulus geht es hier darum, nachzuweisen, daß die christliche Liebe die "Erfüllung" oder "Einhaltung" des Gesetzes ist. Diese These ist in Röm 13,8 - 10 im einzelnen ausgeführt.



Gal 5,15


In den galatischen Gemeinden fehlte es offenbar an der geforderten Liebe. Infolge des Auftretens der falschen Lehrer war die Kirche gespalten, und es herrschte erbitterter Kampf. Die Anhänger der Legalisten und diejenigen, die beständig geblieben waren, "bissen und fraßen sich" untereinander . Das hat nichts mit dem biblischen Ideal eines gemeinsamen Lebens in liebender Einheit zu tun. Den Gemeinden droht die völlige Auflösung, d. h. der Verlust ihres individuellen und gemeinsamen Bekenntnisses.

 

C. Ein Leben im Geist
( 5,16-26 )


1. Die Verheißung des Sieges über die Sünde
( 5,16-18 )


Gal 5,16


Die Antwort auf die Verirrungen, von denen im vorhergehenden Vers die Rede war, ist ein Leben im Geist . Das Verb peripateite steht im Imperativ Präsens und bedeutet wörtlich "geht weiter". Ein Christ soll sich auf seinem Lebensweg auf die Führung und Kraft des ihm innewohnenden Heiligen Geistes verlassen. Doch der Geist erweist sich nicht automatisch als wirksam in ihm. Er wartet darauf, daß man sich an ihn wendet. Wenn ein Christ sich nach der Führung des Heiligen Geistes sehnt, so lautet die Verheißung, daß er die Begierden des Fleisches nicht (doppelte Verneinung, ou mE ) vollbringen ( telesEte ) wird. Er muß also nicht vor den Begierden kapitulieren, die noch von dem Sündenfall herrühren und von denen er in seinem Leben niemals frei sein wird, sondern kann sie mit der Hilfe des Geistes besiegen.

 

Gal 5,17


Als nächstes wendet Paulus sich der Forderung nach einem Leben zu, das ganz der Kontrolle und Kraft des Geistes unterstellt ist. Jeder Christ hat zwei Wesen in sich, das Fleisch , d. h. die sündige Natur, das Erbteil Adams, dem er von Geburt her unterworfen ist, und ein neues Wesen, das er bei der Wiedergeburt erhalten hat, in der er Anteil an der göttlichen Natur bekam (vgl. 2Pet 1,4 ). Die alte Natur strebt dem Bösen zu, die neue der Heiligung. Daher sind sie gegeneinander und hindern so den Gläubigen daran zu tun, was er will. Mit anderen Worten, der Heilige Geist blockiert, wenn der Christ es ihm gestattet, die bösen Begierden des Fleisches. (Manche Exegeten vertreten auch die These, daß ein Christ zwar ein neuer Mensch ist , aber noch die sündige menschliche Natur,nicht das neue Wesen besitzt. Andere definieren "Natur" als Fähigkeit, wobei die alte Natur nur die Fähigkeit hat, der Sünde und dem Ich zu dienen, die neue aber Gott und der Gerechtigkeit dienen kann.)

 

Gal 5,18


Nach Paulus kann ein gottgefälliges Leben also nicht nach dem Gesetz , sondern nur nach dem Geist geführt werden. Es ist wichtig, daß die Galater erkennen, daß die Heiligung genausowenig durch menschliche Werke erlangt werden kann wie die Rechtfertigung. Das bedeutet natürlich nicht, daß ein Christ zur völligen Passivität verdammt ist, denn der Glaube ist auf jeden Fall notwendig - der Glaube, daß Christus die Menschen rettet und der Heilige Geist sie heiligt.



2. Die Auswirkungen der Sünde
( 5,19-21 )


Da ein Christ auch nach seiner Bekehrung noch "dem Fleisch" unterworfen ist, kann er auch noch der Sünde, zu der ihn das Fleisch verführt, verfallen, wenn er nicht nach dem Geist lebt.



Gal 5,19


Die Werke des Fleisches aber sind offenkundig : entweder sind sie also sichtbar und liegen offen zutage oder - was plausibler ist, da es ja auch verborgene Sünden gibt - sie stammen aus dem Fleisch und nicht aus dem neuen Menschen, in dem der Heilige Geist Wohnung genommen hat. Die hier aufgezählten Sünden gehören in vier Kategorien. Drei sind sexueller Natur: Unzucht ( porneia , daher "Pornographie") bezieht sich auf alle Formen unerlaubter sexueller Beziehungen. Unreinheit ( akatharsia ) umfaßt moralische Unreinheit im Denken, Reden und Handeln im weitesten Sinn (vgl. Eph 5,3-4 ). Ausschweifung ( aselgeia ) bezeichnet die offene, schamlose und unverschämte Zurschaustellung dieser Sünden (vgl. 2Kor 12,21; von aselgeia ist implizit auch in Röm 13,13 die Rede).



Gal 5,20


Danach folgen zwei religiöse Sünden. Götzendienst bedeutet die Verehrung heidnischer Götzen. Da er unmittelbar nach den sexuellen Vergehen erwähnt wird, schließt er wahrscheinlich männliche und weibliche Prostitution, die häufig ein Teil der heidnischen Religionen war, mit ein. Zauberei ist die Übersetzung des griechischen Begriffs pharmakeia (daher "Pharmazie"). In der Antike gehörte zur Anbetung böser Mächte häufig der Gebrauch von Drogen, die die Menschen in Trance versetzten. Dieses Laster wird auch in der Zeit der Großen Trübsal vorherrschen (vgl. Offb 9,21;18,23 ).

Zum Schluß folgen noch acht soziale Vergehen (das letzte in Gal 5,21 ). Feindschaft ( echthrai ) bezieht sich in erster Linie auf die Feindschaft zwischen bestimmten Gruppen. Hader ( eris ) ist die Folge der "Feindschaft" und war in den galatischen Gemeinden zweifellos anzutreffen. Eifersucht ( zElos ) bezieht sich nicht nur auf den Eifer für Gott, sondern auch auf die sündhafte, ich-zentrierte Form der Eifersucht. (Die beiden Worte eris und zElos finden sich auch in Röm 13,13 .) Zorn (thymoi) oder Ausbrüche von Jähzorn sind meist eine Folge schwelender Eifersucht. Zank ( eritheiai ) ist ein selbsterhöhendes Verhalten, das meist darauf abzielt, sich auf Kosten anderer hervorzutun (vgl. Phil 2,3 ). Zwietracht ( dichostasiai ) und Spaltungen ( haireseis ) beschreiben personen- oder sachbezogene Auseinandersetzungen, die zu schmerzhaften Trennungen führen.



Gal 5,21


Neid ( phthonoi ) ist eine böse Empfindung, der Wunsch, etwas zu besitzen, das einem anderen gehört. So erweist sich das Fleisch als verantwortlich für den Zusammenbruch der zwischenmenschlichen Beziehungen in Familien, Gemeinden und der Gesellschaft als ganzer.

In die vierte Kategorie von Sünden gehören zwei, die mit Alkohol zu tun haben. Saufen ( methai ) bezieht sich auf den exzessiven Alkoholgenuß von Einzelpersonen, während mit Fressen ( kOmoi ) wahrscheinlich die Trinkgelage gemeint sind, die meistens zu Ehren des Bacchus, des Gottes des Weines, abgehalten wurden. Schließlich fügt Paulus noch hinzu "und dergleichen" um anzudeuten, daß die Liste der Übel, die er hier aufzählt, keineswegs umfassend ist.

Dann hält er seinen Lesern, wie er es einst getan hatte, als er sich bei ihnen aufhielt, inständig vor, daß diejenigen, die solches tun, das Reich Gottes nicht erben werden . Das bedeutet nicht, daß ein Christ die Rettung verliert, wenn er einen Fehltritt begeht; doch eine Person, die ständig in solcher moralischen Verkommenheit lebt, zeigt damit, daß sie kein Kind Gottes ist.



3. Die Frucht des Geistes
( 5,22-23 )


Gal 5,22-23


Zwischen diesen beiden Versen und den vorhergehenden besteht ein schroffer Gegensatz. Schon in Vers 16 hatte Paulus ausdrücklich festgestellt, daß ein Christ den Begierden des Fleisches nicht zwangsläufig unterliegen muß. Die Macht des Heiligen Geistes in ihm kann sich in den folgenden neun Gnadenbeweisen manifestieren. Dabei muß festgehalten werden, daß die Frucht , die hier beschrieben ist, nicht von dem Gläubigen, sondern vom Heiligen Geist hervorgebracht wird, der in jedem Christen, der in lebendiger Einheit mit Christus lebt, wirksam ist (vgl. Joh 15,1-8 ). Der Begriff "Frucht" ist Singular, was darauf hinweist, daß die folgenden Eigenschaften zusammengehören und stets gemeinsam in einem Gläubigen, der unter der Führung des Geistes steht, auftreten. Letztlich ist diese "Frucht" einfach das Leben Christi, das in einem Christen Gestalt gewinnen soll (vgl. 2Kor 3,18; Phil 1,21 ).

Die drei ersten Tugenden sind Geisteshaltungen, die ihren Ursprung in Gott haben. An erster Stelle steht die Liebe ( agapE ), weil sie die Grundlage für die anderen Gnadengaben ist. Gott ist Liebe und liebt die Welt (vgl. 1Joh 4,8; vgl. Joh 3,16 ). Auch die Gläubigen, die unter der Leitung des Heiligen Geistes stehen, zeigen eine solche selbstaufopfernde Liebe wie die, durch die Christus in die Welt kam, um für die Sünder zu sterben. Freude ( chara ) bezeichnet eine tiefe und bleibende innere Freude, die denen verheißen ist, die in Christus bleiben (vgl. Joh 15,11 ). Sie hängt nicht von äußeren Umständen ab, denn sie steht unter der souveränen Herrschaft Gottes über alle Dinge (vgl. Röm 8,28 ). Auch der Friede ( eirEnE ) ist ein Geschenk Christi (vgl. Joh 14,27 ). Er besteht in innerer Gelassenheit und Ruhe auch unter schwierigsten Bedingungen und geht über jedes menschliche Begreifen hinaus (vgl. Phil 4,7 ).

Die zweite Triade betrifft den Nächsten; sie stützt sich auf die Liebe, die Freude und den Frieden. Geduld ( makrothymia ) ist die Fähigkeit, Provokationen zu ertragen (vgl. 2Kor 6,6; Kol 1,11;3,12 ). Sie gibt auch im Erleiden von Unrecht keinerlei Rachegedanken Raum. Freundlichkeit ( chrEstotEs ) ist tätiges Wohlwollen, wie auch Gott es den Menschen gegenüber zeigt. Da Gott den Sündern gegenüber freundlich ist (vgl. Röm 2,4; Eph 2,7 ), soll auch ein Christ diese Eigenschaft zeigen (vgl. 2Kor 6,6; Kol 3,12 ). Mit Güte ( agathOsynE ) kann sowohl innere Aufrichtigkeit als auch eine Handlungsweise gemeint sein, die dem Nächsten auch dann Gutes erweist, wenn er es nicht verdient hat.

Die drei letzten Gnadengaben bestimmen das allgemeine Verhalten eines Gläubigen, der unter der Führung des Heiligen Geistes steht. Treue ( pistis ) ist diejenige Eigenschaft, die eine Person vertrauenswürdig und verläßlich macht, wie der treue Knecht in Lk 16,10-12 . Sanftmut ( prautEs ) kennzeichnet einen Menschen, der dem Wort Gottes gehorsam ist (vgl. Jak 1,21 ) und auch da, wo Bestrafung notwendig ist, besonnen bleibt (vgl. "sanftmütig" in 1Kor 4,21; Gal 6,1; "Sanftmut" in Eph 4,2; Kol 3,12; 2Tim 2,25; 1Pet 3,16 ). Keuschheit ( enkrateia ; dieses Substantiv kommt im Neuen Testament nur noch in Apg 24,25 und 2Pet 1,6 vor) bedeutet Selbstbeherrschung und zielt zweifellos auf die Beherrschung der zuvor geschilderten fleischlichen Begierden. Dasaber ist ohne die Hilfe des Heiligen Geistes nicht möglich (vgl. Gal 5,16 ). Zum Schluß betont Paulus mit Blick auf seine Gegner in einer Litotes (Untertreibung), daß diese Tugenden nicht verboten seien ( gegen all dies ist das Gesetz nicht ). Es gibt keine Gesetze gegen Menschen, die die hier beschriebenen Eigenschaften zu praktizieren versuchen.



4. Der Sieg über die Sünde
( 5,24-26 )


Gal 5,24


Dann macht der Apostel deutlich, daß die Gläubigen ("die aber Christus Jesus angehören") nicht mehr ihrem Fleisch ausgeliefert sind, weil sie es gekreuzigt haben. Damit ist keine Selbstkasteiung gemeint, sondern die Tatsache, daß die Christen durch die Taufe des Heiligen Geistes Christus in seinem Tod und in der Auferstehung gleich geworden sind. Paulus selbst (vgl. Gal 2,20 ) und alle Gläubigen können das aus eigener Erfahrung bestätigen (vgl. Röm 6,1-6; Kol 2,11;3,9 ). Diese Mit-Kreuzigung, die in die tatsächliche Kreuzigung Christi miteingeschlossen war, tritt nach der Bekehrung im Leben der Gläubigen in Kraft. Das heißt nicht, daß ihr Fleisch, ihre sündige Natur, damit aufgehoben oder auch nur inaktiviert ist, sondern daß es gerichtet ist. Darauf sollen sich die Gläubigen verlassen und aus dieser Erkenntnis heraus leben (vgl. Röm 6,11-12 ). In seinem Tod hat Christus die Leidenschaften und Begierden des Fleisches besiegt. Der Glaube muß sich diese Tatsache fortwährend bewußtmachen, sonst gerät der Gläubige leicht in Versuchung, den Sieg über die Sünde aus eigener Kraft erstreiten zu wollen.



Gal 5,25-26


Nochmals erinnert Paulus seine Leser daran, daß Gott nicht nur das Fleisch gerichtet hat, sondern dem Menschen in der Person des Heiligen Geistes auch eine göttliche Kraft zur Seite gegeben hat. Durch die Wiedergeburt erweckt er die Gläubigen zu einem neuen Leben (vgl. Joh 3,5-6 ), daher ermahnt Paulus nun jeden, auch im Geist zu wandeln ( stoichOmen , in Gal 6,16 mit "sich nach etwas richten" übersetzt). Schritt für Schritt sollte der Lebensweg eines Christen der Führung des Heiligen Geistes entsprechen, damit die Gläubigen nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden . Ehrgeiz und Neid kennzeichnen ein Leben im Fleisch (vgl. Gal 5,19-21 ). Möglicherweise steckt darin ein Hinweis auf die Spaltungen in den galatischen Gemeinden, die durch die Irrlehre der Judaisten herbeigeführt worden waren (vgl. V. 15 ).



D. Ein Leben des Dienens
( 6,1-10 )


Ein Christ ist frei vom mosaischen Gesetz und besitzt die Freiheit des Geistes, doch er muß nun das Gesetz Christi erfüllen, wozu er durch die Kraft des Heiligen Geistes auch in der Lage ist. Zu einem solchen Leben gehört der aufopferungsvolle Dienst an sündigen Christen, an Christen, die in Bedrängnis sind, an den Seelsorgern der Gemeinden und an allen Menschen.



1. Der Dienst an einem Christen, der gesündigt hat
( 6,1 )


Gal 6,1


Paulus behandelt hier den hypothetischen Fall eines Christen, der von einer Verfehlung ereilt wird ( prolEmphthE ). Dahinter steckt die Vorstellung, daß jemand vor der Sünde davonläuft, doch die Sünde ist schneller, überwältigt ihn und nimmt ihn gefangen. Zwei Textstellen belegen, wie die Legalisten in derartigen Fällen reagierten (vgl. Joh 8,3-5; Apg 21,27-29 ). Ein Christ dagegen sollte alles daransetzen, dem Sünder wieder zurechtzuhelfen (katartizete, ein Begriff, der im säkularen Griechisch für das Wiedereinrichten von gebrochenen Knochen und im Neuen Testament für das Flicken von Fischnetzen verwendet wurde). Diese Wiederherstellung sollte allerdings nicht von Neulingen im Glauben, sondern von Gemeindegliedern, die geistlich sind , vorgenommen werden, d. h. von Gläubigen, die "im Geist wandeln" (vgl. Gal 5,16 ) und bereits eine gewisse Reife im Glauben haben (vgl. 1Kor 2,15; Hebr 5,13-14 ). Außerdem sollte man an diese heikle Aufgabe mit sanftmütigem Geist ( prautEtos ; vgl. Gal 5,23 ) und in dem Bewußtsein, daß letztlich niemand gegen Sünde gefeit ist, herangehen (vgl. 1Kor 10,12 ).



2. Der Dienst an einem Christen, der eine Last trägt
( 6,2-5 )


Gal 6,2


Ein dienender Christ reicht dem, der eine schwere Last trägt ( barE ; vgl. den Kommentar zu V. 5 ), eine helfende Hand. Obwohl dieses Prinzip bei allen Formen der Belastung gilt, bezieht es sich in diesem Kontext auf die schwere und niederdrückende Last der Versuchung und des geistlichen Versagens. Während "die Geistlichen" das Werk der Wiederherstellung vollbringen, sollen alle Gläubigen sich durch Gebet und Ermutigung daran beteiligen. Damit, schreibt Paulus, werden sie das Gesetz Christi (d. h. das Gesetz der Liebe, vgl. Gal 5,14; Joh 13,34 ) erfüllen ( anaplErOsete ).



Gal 6,3-4


Eines muß ein Christ, der anderen beim Lasten-tragen helfen will, jedoch ganz ablegen: die Selbsttäuschung, eine Haltung, die zu Intoleranz gegenüber den Irrtümern anderer und zu Überheblichkeit führt. Das Heilmittel gegen diesen Selbstbetrug findet sich in Vers 4 - jeder prüfe ( dokimazetO ; vgl. 1Pet 1,7 ) sein eigenes Werk . Statt sich mit anderen zu vergleichen, sollte er sich selbst und das, was er erreicht hat, mit objektiven Augen ansehen. Dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und kann sich an dem freuen, was Gott in seinem und durch sein Leben getan hat (vgl. Röm 12,3 ). Der griechische Begriff kauchEma , hier mit "Ruhm" übersetzt, bedeutet persönlichen Triumph, nicht sündhaften Stolz.



Gal 6,5


Prüfen kann sich ein Christ, indem er seine eigene Last trägt. Das ist kein Widerspruch zu Vers 2 , wo es um schwere, kaum bewältigbare Lasten ( barE ) geht, die mehr sind, als ein Mensch allein tragen kann. Das griechische Wort für Last, das in diesem Vers verwendet wird ( phortion ), bezeichnete das Gepäck, das ein Soldat bei sich trug. Das ist die "Last", die Jesus seinen Nachfolgern auferlegt hat (vgl. Mt 11,30 ). Jeder Christ hat gewisse Verantwortungen und Lasten, die er allein tragen muß und nicht mit anderen teilen kann. Doch Jesus hatte seinen Jüngern versprochen, daß diese Lasten leicht sein würden.

 

3. Der Dienst an den Seelsorgern
( 6,6-9 )


Gal 6,6


So hat z. B. jeder Gläubige die Pflicht, die Seelsorger in der Gemeinde finanziell zu unterstützen. Möglicherweise hatten die Judaisten manche Gläubigen dahingehend beeinflußt, ihren Lehrern - denjenigen, die ihre ganze Zeit dem Lehren und Predigen widmeten und für ihren Dienst von der Gemeinde entschädigt wurden (vgl. 1Kor 9,7-14 ) - diese Hilfe zu verweigern. Das Konzept einer freiwilligen Unterstützung der Diener des Herrn war etwas ganz Neues. Die Juden mußten für ihre Priester Steuern zahlen, und auch die Heiden zahlten Gebühren, legten Gelübde ab usw. und unterhielten damit ihre Heiligtümer. Es ist eigentlich ganz selbstverständlich, daß ein Lehrer, der das Wort Gottes und all die guten Dinge, die es den Menschen sagt, mit der Gemeinde teilt, für seinen Unterricht seinerseits von den Gläubigen an allem Guten Anteil erhält.



Gal 6,7-8


Diese Verse führen die Ermahnung aus Vers 6 noch weiter aus. Zunächst warnt Paulus seine Leser: "Gott läßt sich nicht spotten!" Niemand kann sich über Gott erheben ( myktErizetai , wörtlich: "die Nase rümpfen über"), dessen Regel, "Denn was der Mensch sät, das wird er ernten" unaufhebbar ist. Jeder hat es selbst in der Hand, was er ernten wird. Wer auf sein Fleisch sät , d. h. wer all sein Geld fürseine fleischlichen Begierden ausgibt, dessen Ernte wird vergehen. Wer dagegen seinen Besitz für das Werk des Herrn einsetzt, d. h. wer aber auf den Geist sät und auf diese Weise sein eigenes geistliches Wachstum voranbringt, der erntet für die Ewigkeit. Diese Aussage läßt durchaus auch eine breitere Auslegung zu, doch vom Kontext her liegt auf der Hand, daß Paulus sich hier in erster Linie auf das Problem der finanziellen Unterstützung der christlichen Mitarbeiter in den galatischen Gemeinden bezog.



Gal 6,9


Wenn die Erntezeit allzu lange auf sich warten läßt, können die Christen in diesem geistlichen Säen müde werden. Daher fordert der Apostel die Galater auf, nicht nachzulassen , denn der Ertrag ist ihnen gewiß. (Paulus schließt sich selbst in diese Ermutigung mit ein, da auch seine Anstrengungen für die galatischen Christen manchmal vergeblich zu sein schienen.) Die Ernte wird zu seiner Zeit kommen, d. h., ihre endgültige Erfüllung liegt im zukünftigen Leben, im Gericht Christi.



4. Der Dienst an allen Menschen
( 6,10 )


Gal 6,10


Die Christen haben die Pflicht, Gutes zu tun an jedermann , wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Als Jesus die Fünftausend speiste, befanden sich darunter sowohl Gerettete als auch Unerlöste. Deshalb soll auch das Wohlwollen der Christen nicht auf ihre Glaubensbrüder beschränkt sein, die allenfalls einen gewissen Vorrang vor den anderen genießen dürfen. Wie in einer Familie kommen die Bedürfnisse der nächsten Angehörigen an erster Stelle und dann erst die der Nachbarn.

Dieser ganze Abschnitt handelt also von der sozialen Verantwortung der Christen. Wichtig ist jedoch, sich klarzumachen, daß alles, was Paulus den Christen hier aufträgt, sich an die einzelnen Gläubigen richtet. Die Gemeinde ist keine soziale Einrichtung, doch der einzelne Christ trägt - soweit er dazu in der Lage ist und die Gelegenheit hat (vgl. Röm 12,17-21 ) - soziale Verantwortung.


V. Schluß
( 6,11-18 )


Zum Schluß geht Paulus nochmals auf die wichtigsten Anliegen seines Briefes ein. Er faßt sie noch einmal zusammen und bündelt sie in einer abschließenden Ermahnung.



A. Paulus' eigenhändige Unterschrift
( 6,11 )


Gal 6,11


An dieser Stelle nimmt Paulus seinem Schreiber den Stift aus der Hand und schreibt den Rest des Briefes mit eigener Hand, wie er es häufig tat (vgl. 1Kor 16,21; Kol 4,18; 2Thes 3,17 ). Die großen Buchstaben beziehen sich wohl nicht, wie manche Exegeten vermuten, auf die Länge des Briefes, sondern auf die Größe der Buchstaben, die er selbst dem Brief noch hinzufügt. Möglicherweise schreibt er in Großbuchstaben, denn der übrige Brief ist überwiegend in Kleinbuchstaben verfaßt. Oft wurde auch die These aufgestellt, daß er so groß schrieb, weil er ein Augenleiden hatte, doch angesichts des Tones, in dem der ganze Brief gehalten ist, ist es wahrscheinlicher, daß Paulus auf diese Weise seiner Botschaft nochmals besonderen Nachdruck verleihen wollte.



B. Paulus' Gegner
( 6,12-13 )


Gal 6,12-13


Die Judaisten, die darauf beharrten, daß die Beschneidung heilsnotwendig sei (vgl. Apg 15,1 ), suchten erstens nur den Beifall der Menschen (vgl. Gal 1,10 ), weil sie Ansehen haben wollen nach dem Fleisch ; zweitens fürchteten sie sich vor Verfolgungen ( 6,12 b); und drittens wollten sie sich der großen Zahl der Galater rühmen , die sie mit dem religiösen Ritus der Beschneidung, durch den die Menschen sich Verdienste erwerben könnten (V. 13 ), zu gewinnen suchten. Die Legalisten wußten, daß der Anstoß, den das Kreuz darstellt, abgemildert wurde, wenn sie derRechtfertigung durch den Glauben die Rechtfertigung durch Werke (d. h. die Beschneidung) zur Seite stellten und wenn es ihnen gelang, die Heiden in Galatien zu einer solchen Form des Christentums zu bekehren.

 

C. Paulus' Ruhm
( 6,14-16 )


Gal 6,14


Paulus dagegen rühmt sich allein des Kreuzes des Herrn Jesus Christus . Für die Judaisten war das Kreuz eine Schande, für Paulus ist es ein Sinnbild des Triumphes. Die ersteren freuten sich des Fleisches, er freut sich in seinem Retter. Das "Kreuz" spricht von der Versöhnung Christi, die Paulus auslebt (vgl. Gal 2,20 ). Durch die Versöhnug wurde die Welt ihm und er der Welt gekreuzigt . Die Welt mit ihren Verlockungen, fleischlichen Verführungen und von Menschen gemachten Religionen gilt ihm nichts. Er sieht auf sie, als sei sie gekreuzigt - und die Welt sieht auf ihn, als sei er gekreuzigt.



Gal 6,15


Angesichts des Kreuzes Christi und des neuen Lebens, das der Gläubige in der Welt führt, haben äußerliche religiöse Symbole oder auch das Fehlen solcher Symbole nicht die geringste Bedeutung für die Rettung (vgl. Gal 5,6 ). Das einzige, was zählt, ist, durch die Wiedergeburt eine neue Kreatur zu werden (vgl. 2Kor 5,17 ).



Gal 6,16


Den Frieden und die Barmherzigkeit Gottes haben die, die sich nach diesem Maßstab richten , d. h. die, die nach der Botschaft der Rettung durch die Gnade allein aus Glauben leben. Dieser Segen gilt sowohl den gläubigen Galatern als auch den gläubigen Juden. Manche Exegeten sehen in dem Israel Gottes die Kirche, doch die Belege sprechen gegen eine solche Annahme. Erstens deutet die Wiederholung der Präposition über darauf hin, daß hier zwei verschiedene Gruppen gemeint sind. Zweitens bezieht sich der Begriff "Israel", der insgesamt sechsundsechzigmal im Neuen Testament vorkommt, sonst immer auf die Juden. Es wäre daher sehr seltsam, wenn Paulus hier auf einmal Heidenchristen als "Israel" bezeichnete. Und drittens spricht er an anderer Stelle von zwei Arten von Israeliten - von gläubigen und ungläubigen (vgl. Röm 9,6 ). Statt hier eine antisemitische Äußerung des Apostels zu vermuten ist es also plausibler, daß er mit diesem Segen seiner tiefen Liebe und Sorge für das wahre Israel, d. h. für die Juden, die zum Glauben an Christus gekommen sind, Ausdruck gibt.



D. Paulus' Segen
( 6,17-18 )


Gal 6,17


Die Judaisten hatten das Apostolat von Paulus und die Botschaft, die er verkündigte, angegriffen. Hier bittet Paulus nun, daß ihm niemand weiter Mühe (mache) , und verweist seine Kritiker als endgültige Rechtfertigung seines Apostelamtes auf die Malzeichen Jesu, die er an seinem Leibe trägt. Mit diesen "Malzeichen", griechisch stigmata , bezeichnete man eine Art Brandzeichen, wie sie auch Sklaven und Vieh trugen. Paulus bezieht sich hier wohl auf Narben, die er von seinen Verfolgungen um Christi willen zurückbehalten hat (vgl. 1Kor 4,11; 2Kor 4,10-11; 6,5.9; 11,24-25 ). Sie sind der Beweis, daß er ein wahrer Diener Christi ist und nicht etwa den Menschen gefallen will.

 

Gal 6,18


Bemerkenswert ist auch der abschließende Segen, mit dem Paulus den Galaterbrief ausklingen läßt. Sein feierlicher Ton wird durch keinerlei persönliche Grüße abgemildert. Der Apostel schließt, wie er begann, mit dem innigen Wunsch, daß die Gnade Gottes mit seinen Lesern sein möge (vgl. Gal 1,3 ). Einzigartig in allen seinen Briefen ist dabei die Erinnerung an seine Liebe zu ihnen in der Wendung liebe Brüder . Konnten die Galater einem so überzeugenden und liebevollen Appell, wie ihn dieser Brief darstellt, widerstehen?


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