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Hosea Walvoord


Hosea (Robert B. Chisholm, Jr.)


EINLEITUNG


Verfasserfrage


Nach Hos 1,1 ist der Autor dieser Weissagungen Hosea, der Sohn von Beeri. Manche Theologen schreiben Teile des Buches jedoch späteren Autoren zu. Nach diesen Theologen ist die gegenwärtige Form des Buches Hosea das Ergebnis einer Art evolutionären Prozesses, während das ursprüngliche Material von Hosea überarbeitet und ergänzt worden sein soll (vgl. z. B. William Rainey Harper, A Critical and Exegetical Commentary on Amos and Hosea ; S. clix-clxii; Hans Walter Wolff, Hosea ; S: xxix-xxxii). Vor allem die Erwähnungen Judas und Parallelen in Sprache und Theologie zu 5.Mose werden als Gründe für eine solche redaktionelle Bearbeitung des Buches angegeben. Aber es besteht keinerlei Grund, die judäischen Abschnitte nicht ebenfalls Hosea zuzuschreiben. Zwar geht es ihm im wesentlichen um das Nordreich, aber letztlich spricht seine Botschaft doch von dem ganzen Volk Gottes. Auch andere Propheten des achten Jahrhunderts v. Chr. haben wie Hosea in ihren Weissagungen zu beiden Reichen gesprochen (eine ausführliche Besprechung der judäischen Abschnitte in Hosea findet sich bei R. K. Harrison, Introduction to the Old Testament . Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Co., 1969, S. 868 - 870). Die Parallelen zwischen Hosea und 5.Mose machen keinerlei Probleme, wenn 5.Mose, wie dies sicher der Fall ist, vor Hosea und nicht nach ihm abgefaßt worden ist.

Hosea

Datierung


Hoseas Dienst umfaßt mehrere Jahrzehnte, etwa von dem Ende der Herrschaft Usijas von Juda (ca. 790 - 739 v. Chr.) und Jerobeams II. von Israel (ca. 793 - 753 v. Chr.) bis in die frühen Jahre der Herrschaft Hiskias. Dessen Regierungszeit begann um 715 v. Chr., nachdem er zunächst eine Zeitlang neben seinem Vater Ahas Mitregent gewesen war. Da die Zuhörerschaft Hoseas im wesentlichen aus dem Nordreich Israel bestand, klingt es seltsam, daß in Hos 1,1 vier Könige Judas, aber nur ein König Israels genannt werden. Warum Hosea die sechs Könige nach Jerobeam II. weggelassen hat, ist nicht bekannt. Vielleicht wollte er auf diese Weise zeigen, daß die davidische Königsherrschaft (vgl. Hos 3,5 ) von Gott bestätigt ist, im Gegensatz zu der Unstabilität und Uneinheitlichkeit der Könige des Nordreiches (vgl. Hos 7,3-7 ).


Hosea

Zweck und Botschaft


Der Hauptzweck der Weissagung Hoseas muß, ähnlich wie bei seinen Zeitgenossen Amos, Jesaja und Micha, vor dem Hintergrund der Botschaft und Theologie von 5.Mose gesehen werden. Dort sind die Bundesverpflichtungen des Bundes zwischen Gott und Israel festgehalten. Israel hatte die Aufgabe, dem Herrn treu zu bleiben, ihn alleine anzubeten und seinen Befehlen gehorsam zu sein. Der Gehorsam gegen diesen Bund würde zum Segen führen (vgl. 5Mo 28,1-14 ), der Ungehorsam dagegen das Gericht und schließlich das Exil mit sich bringen (vgl. den Fluch in 5Mo 28,15-68 ). Hoseas Aufgabe als Prophet war, den Bundesbruch des Volkes darzulegen und zu zeigen, daß Gott den Fluch des Bundes durchführen werde. Zugleich versicherte Hosea aber auch die Verheißungen von 5.Mose über die letztliche Wiederherstellung Israels (vgl. 5Mo 30,1-10 ).

Die Hauptthemen der Botschaft Hoseas lassen sich in drei Stichworten zusammenfassen: Sünde, Gericht und Heil. Wenn Hosea von der Sünde Israels spricht, betont er vor allem dessen Götzendienst (z. B. Hos 4,17; 8,4.6; 10,5; 11,2; 13,2 ). Er verglich Israels Bundesverhältnis zu dem Herrn mit einer Ehe und klagte Israel (die "Frau" des Herrn) des geistlichen Ehebruches an. Israel hatte sich Baal zugewandt, dem kanaanitischen Sturm- und Fruchtbarkeitsgott (vgl. Hos 2,10.15; 11,2; 13,1 ). Damit wollte es die landwirtschaftliche und menschliche Fruchtbarkeit fördern. Um die Untreue Israels deutlich zu machen, mußte Hosea eine Frau heiraten, die sich wie das Volk ihrem Ehemann gegenüber untreu erwies. Noch viele anderen Sünden werden im Buch Hosea angesprochen, so z. B. die soziale Ungerechtigkeit ( Hos 12,8 ), Gewaltverbrechen ( Hos 4,2; 6,9; 12,2 ), religiöse Heuchelei ( Hos 6,6 ), politische Revolten ( Hos 7,3-7 ), Bündnisse mit fremden Völkern ( Hos 7,11; 8,9 ), selbstsüchtiger Hochmut ( Hos 13,6 ) und geistliche Undankbarkeit ( Hos 7,15 ).

Obwohl die Weissagungen Hoseas auch Aufrufe zur Umkehr enthalten, erwartete er offenbar keine positive Reaktion darauf. Das Gericht war unausweichlich geworden. Der Herr würde die Flüche des Bundes ausführen, und das Volk würde Unfruchtbarkeit, militärische Eroberung und das Exil erleben. Mehrere Male betonte Hosea die Gerechtigkeit Gottes, indem er zeigte, daß seine göttliche Strafe der Schuld Israels genau angemessen war.

Aber dennoch wird der Herr Israel nicht völlig verwerfen. Trotz der Schwere des Gerichts ist es doch ein erzieherisches Gericht, das Israel wieder zu Gott zurückführen soll. Hoseas eigene Versöhnung mit seiner Frau spricht bildlich von dieser letzten Wiederherstellung Israels. Diese positive Ausrichtung wird auch durch die Struktur des Buches Hosea deutlich. Man kann darin fünf Kreise von Gericht und Heil finden:

          
           Gericht
           
           Heil
           
1. 
           Hos 1,2-9
           ;       
           Hos 2,1-3
            
2. 
           Hos 2,4-15
           ;      
           Hos 2,16- 3,5
            
3. 
           Hos 4,1-5,14
           ;    
           Hos 5,15-6,3
            
4. 
           Hos 6,4-11,7
           ;    
           Hos 11,8-11
           
5. 
           Hos 11,12-14,1
           ;  
           Hos 14,2-10
           
          
         
Hosea

GLIEDERUNG


I. Hoseas Zeit ( 1,1 )

II. Hoseas Erfahrung: Ein bild des Handelns Gottes mit Israel ( 1,2-3,5 )

      A. Der Symbolismus des Familie Hoseas ( 1,2-2,3 )
          1. Hoseas Ehe: Israels Untreue ( 1,2-3 a)
          2. Hoseas Kinder: Israels Gericht ( 1,3 b. 4-9 )
          3. Die Symbolik wird umgedreht ( 2,1-2,3 )

      B. Die Wiederherstellung durch das Gericht ( 2,4-25 )
          1. Die Strafe des Herrn über Israel ( 2,4-15 )
          2. Die Wiederherstellung von Israel ( 2,16-25 )

      C. Die Wiederherstellung der Ehe Hoseas ( Kap. 3 )
          1. Der göttliche Befehl ( 3,1 )
          2. Hoseas gehorsame Antwort ( 3,2-3 )
          3. Das Bild wird erklärt ( 3,4-5 )

III. Hoseas botschaft: Gottes Gericht und die Wiederherschtellung Israels ( Kap. 4-14 )

      A. Die Anklage des Herrn gegen Israel ( 4,1-6,3 )
          1. Israels Schuld wird aufgedeckt ( Kap. 4 )
          2. Israels Gericht wird verkündigt ( 5,1-14 )
          3. Israels Erneuerung wird angekündigt ( 5,15-6,3 )

      B. Die Anklage des Herrn gegen Israel wird erweitert ( 6,4-11,11 )
          1. Israels Schuld und Strafe ( 6,4-8,14 )
          2. Israels Schuld und Strafe wird wiederhold ( 9,1-11,7 )
          3. Die Barmherzigkeit des Herrn ( 11,8-11 )

      C. Die Anklage des Herrn gegen Israel wird zu Ende geführt ( 12,1-14,10 )
          1. Eine abschließende Anklage ( 12,1-14,1 )
          2. Eine abschließende Ermahnung ( 14,2-10 )
Hosea

AUSLEGUNG


I. Hoseas Zeit
( 1,1 )


Hos 1,1


Im Hebräischen ist der Name Hosea ("Rettung") gleichlautend mit Hoschea, dem letzten König Israels ( 2Kö 17,1 ). Hoschea war auch der ursprüngliche Name von Josua ( 4Mo 13,8.16 ). Über den familiären Hintergrund von Hosea wissen wir nur, daß er ein Sohn von Beeri war.

Hoseas Dienst erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts v. Chr. Vier Könige von Juda ( Usija, Jotam, Ahas und Hiskia ) regierten zu der Zeit, während der Hosea als Prophet wirkte. Nur ein König des Nordreiches, Jerobeam II ., wird im Verlauf der Botschaften Hoseas erwähnt, obwohl diese sich im wesentlichen an das Nordreich wenden. Sechs Könige von Israel folgten auf Jerobeam II. während der Regierungszeit der vier oben genannten judäischen Könige. Vielleicht hat Hosea diese sechs ausgelassen (wie unter "Datierung" in der Einführung erwähnt), um die Berechtigung der davidischen Dynastie in Juda deutlich zu machen.


Hosea

II. Hoseas Erfahrung: Ein Bild des Handelns Gottes mit Israel
( 1,2-3,5 )


Die Botschaft der ersten drei Kapitel (und des ganzen Buches) wechselt zwischen Gericht und Heil. Hoseas Erfahrungen in der Ehe, zu denen vor allem das Leid durch die Untreue seiner Frau und die Freude der erneuerten Gemeinschaft gehören, bilden den Rahmen für diese Botschaft.



A. Der Symbolismus der Familie Hoseas
( 1,2-2,3 )


Dieser einleitende Abschnitt macht die Hauptthemen der gesamten Weissagung deutlich: Israels Untreue, die Gewißheit des Gerichtes und die letztliche Wiederherstellung der Nation. Diese Themen werden durch den Befehl des Herrn an Hosea, zu heiraten und Kinder zu haben, eingeleitet.



1. Hoseas Ehe: Israels Untreue
( 1,2-3 a)


Hos 1,2-3 a


Am Beginn der Wirksamkeit Hoseas befahl der Herr ihm, eine ehebrecherische Frau zu heiraten. Dieses Verhältnis, das durch die Untreue auf seiten der Frau gekennzeichnet ist, sollte die Untreue Israels gegenüber dessen Bundesverhältnis mit dem Herrn deutlich machen (vgl. Hos 2,4-25 ). Hosea war diesem Befehl Gottes gehorsam und heiratete Gomer, eine Tochter von Diblajim .

Die Umstände der Heirat Hoseas haben schon zu vielen Diskussionen geführt. Manche Ausleger glauben, daß diese Ehe nur visionär oder allegorisch, nicht aber tatsächlich zu verstehen sei. Auf diese Weise möchte man der angeblichen moralischen Schwierigkeit eines heiligen Gottes, der seinem Diener befiehlt, eine Frau zu heiraten, die als Ehebrecherin verrufen ist, aus dem Wege gehen. Aber der Bericht in Hosea ist durch und durch Erzählung, kein Bericht einer Vision oder eines rein symbolischen Aktes (vgl. Hos 3 ). Der Herr hat manchmal von seinen Propheten verlangt, Dinge zu tun, die viele als jenseits ihrer Aufgaben und Verpflichtungen ansehen würden (vgl. z. B. Jes 20,1-4; Hes 4,1- Hes 5,4 ).

Die Ausleger, die von einer wörtlich zu verstehenden Ehe ausgehen, sind sich nicht einig darüber, welchen Status Gomer hatte, bevor Hosea sie heiratete. Manche glauben, daß Gomer eine Prostituierte gewesen sei, bevor sie heiratete. Eine Modifikation dieser Sicht ist, daß sie eine typische junge Israelitin war, die an einem kanaanitischen Ritus der sexuellen Einweihung in der Vorbereitung auf die Ehe teilgenommen hatte (Wolff, Hosea , S. 14-15). Andere denken, daß Gomer vor ihrer Eheschließung sexuell rein gewesen sei, später aber zur Hure wurde. Das Buch Hosea selbst gibt uns nicht genügend Informationen über die vorehelichen sexuellen Verhältnisse Gomers. Der Ausdruck "ehebrecherische Frau" (wörtl.: "Frau des Ehebruches") beschreibt nicht ihren Zustand zu Beginn der Ehe, sondern charakterisiert ihre Untreue. Wir können also über den Zustand Gomers bei ihrer Eheschließung nichts aussagen.

Sowohl die Sprache von Hos 1,2 als auch der folgende Kontext schließen sich hier an. Der Ausdruck ist anderen hebräischen Formulierungen ähnlich, die von dem Charakter einer verheirateten Frau reden (z. B. "Frau seiner Jugend", "eine zänkische Frau" [wörtl.: "eine Frau des Zankes"], "eine Frau von edlem Charakter"; zu diesen und anderen Beispielen siehe Francis I. Andersen und David Noel Freedman, Hosea: A New Translation, Introduction and Commentary , S. 159). Das hebräische Wort z+nUnIm (hier übers.: "ehebrecherisch") spricht an anderen Stellen im Buch Hosea von Israels Tun unter dem Bild einer verheirateten Frau (vgl. Hos 2,4.6; 4,12; 5,4 ). Auch der folgende Kontext ( Hos 1,2 b; Hos 2,4-3,5 ) redet von der Untreue, die sowohl von der Ehefrau des Herrn als auch der Hoseas gilt, nicht von dem, was die Bräute vor ihrer Ehe getan haben. Der Befehl des Herrn sollte also vermutlich so verstanden werden: "Geh und nimm dir eine Frau, die sich als untreu erweisen wird."

Der Herr sagte Hosea auch, daß er sich Kinder der Untreue nehmen solle. Hier ist nicht von Kindern die Rede, die Gomer vor ihrer Ehe mit Hosea von einem anderen Mann bekommen hätte. Der hebräische Ausdruck ist elliptisch, wobei das zweite Verb ausgefallen ist. Der Befehl könnte so umschrieben werden: "Geh, nimm dir eine ehebrecherische Frau und habe mit ihr Kinder der Untreue." Die Kinder sind die in Hos 1,3-9 erwähnten. "Untreue" muß nicht unbedingt bedeuten, daß sie die Folgen des ehebrecherischen Tuns von Gomer sind. Daß Hosea in Vers 6 und 8 nicht ausdrücklich als Vater erwähnt ist, macht diesen Schluß noch nicht zwingend. In 1Mo 29,32-35 wird der gleiche Ausdruck, der in Hos 1,6.8 erscheint ("sie empfing wieder und gebar"), ebenfalls ohne Erwähnung des Vaters (Jakob) benutzt, da er durch den Kontext als Vater eindeutig identifiziert ist (wie bei Hosea, V. 3 ; vgl. Andersen und Freedman, Hosea , S. 168). "Kinder der Untreue" kann auch einfach bedeuten, daß sie in dem Gesamtzusammenhang (aber nicht als direkte Folge) der Untreue Gomers geboren wurden. Es geht bei diesem Ausdruck um den Charakter der Mutter, nicht um den der Kinder. Andersen und Freedman verstehen ihn elliptisch: "Kinder (von einer Frau) der Untreue" ( Hosea , S. 168). Er ist anderen hebräische Formulierungen ähnlich, in denen der Ausdruck im wesentlichen den Charakter der Eltern, nicht den der Kinder, meint (vgl. b+nL hann+ZUrIm , wörtl.: "Söhne der Jugend", d. h. "Söhne, die jungen Eltern geboren wurden"; Ps 127,4 ; und ben z+qVnIm , wörtl.: "Sohn des Alters", d. h. "ein Sohn, der alten Eltern geboren wurde"; 1Mo 37,3 ).

In Hos 1,2 ist das Land , das für die, die in ihm leben, steht (vgl. Hos 4,1 ), als Frau personifiziert, die schuldig der niederträchtigsten Hurerei ist . Dieser hebräische Ausdruck ist sehr betont. Er macht das Ausmaß deutlich, mit dem sich Israel von dem HERRN entfernt hat.


Hosea

2. Hoseas Kinder: Israels Gericht
( 1,3 b. 4-9 )


Die von Gott ausgewählten Namen der drei Kinder Hoseas dienten zur Erinnerung an das zerbrochene Verhältnis zwischen dem Herrn und Israel und weisen auf das Gericht voraus. Jeder der Abschnitte über die Kinder (V. 3 b. 4-5.6-7.8-9 ) enthält eine kurze Notiz über deren Geburt (V. 3 b. 6 a. 8 ), eine göttliche Anweisung bezüglich des Namens der Kinder (V. 4 a. 6 b. 9 a) und eine göttliche Erläuterung des Namens (V. 4 b. 5.6 b. 9 b). Gottes Worte (V. 7 ) nehmen einen besonderen Stellenwert ein, denn sie machen das Wesen des angekündigten Gerichtes aus Vers 6 deutlich.



a. Jesreel
( 1,3 b. 4-5 )


Hos 1,3 b


Das erste Kind ( ein Sohn ) wurde Jesreel genannt. Hier liegt die Bedeutsamkeit des Namens nicht in seiner Bedeutung ("Gott sät"), sondern in der Assoziation des Namens mit vergangenen und zukünftigen Ereignissen an dem Ort Jesreel (vgl. jedoch V. 11 ; Hos 2,24-25 ). Jesreel war der Ort von Jehus grausamem Massaker am Haus Ahabs ( Hos 1,4 ; vgl. 2Kö 9-10 ). In der Zukunft wird es der Ort sein, an dem Israel militärisch vernichtet werden wird ( Hos 1,5 ).


Hosea

Hos 1,4


Der Grund für das kommende Gericht über das Geschlecht (wörtl.: Haus ) Jehus ist das Massaker (wörtl.: "Blutschuld") von Jesreel (ca. 841 v. Chr.). Jehu hatte dort Isebel und die Nachkommen Ahabs ermorden lassen, so wie Elia es vorausgesagt ( 1Kö 21,21-24 ), Elisa es angeordnet ( 2Kö 9,6-10 ) und der Herr selbst es gelobt ( 2Kö 10,30 ) hatte. Viele meinen, daß die Haltung Gottes, die in Hos 1,4 zum Ausdruck kommt, den Berichten aus 1. und 2. Könige widerspricht. Aber wenn man die historischen Berichte genauer untersucht, wird die Lösung dieses Problems deutlich. Jehu tötete auch Joram ( 2Kö 9,24 ), Ahasja, den König von Juda ( 2Kö 9,27-28 ), 42 der Verwandten Ahasjas ( 2Kö 10,12-14 ) und mehrere Diener des Baalskultes ( 2Kö 10,18-28 ). Diese Ermordung der Baalspriester war zwar sicher nach dem Willen des Herrn (vgl. 1Kö 18,40 ), aber Jehus Angriff auf das Haus David ging zu weit. Trotz der Tatsache, daß Ahasjas Ermordung auch als Teil der Vorsehung Gottes anzusehen ist ( 2Chr 22,7 ), zeigt sie doch die fehlende Ehrfurcht vor den Befehlen Gottes. Diese fehlende Ehrfurcht wurde schließlich auch noch in anderer Weise deutlich (vgl. 2Kö 10,29-31 ). Hos 1,4 spricht also vermutlich von der Ermordung Ahasjas und seiner Verwandten. Obwohl ihr Tod nicht in Jesreel selbst geschah (vgl. 2Kö 9,27; 10,12-14 ), kann er dennoch als Teil dessen angesehen werden, was an diesem Ort geschehen war.

Die Erfüllung dieser Weissagung geschah 752 v. Chr., als Schallum Secharja, den vierten Nachkommen Jehus, auf dem Thron über das Nordreich, ermordete ( 2Kö 15,10 ) und dadurch die Dynastie Jehus für immer beendete.


Hosea

Hos 1,5


Gott sagt Hosea, daß der Untergang der Dynastie Jehus durch den Niedergang des Nordreiches begleitet sein wird. Der Herr wird seine Gerechtigkeit zeigen, indem er Israels Bogen in dem Tal von Jesreel zerbrechen wird, dem Ort der Sünde Jehus. Das Zerbrechen eines Bogens spricht von der Zerstörung der militärischen Macht des Volkes (vgl. 1Sam 2,4; Ps 46,10; Jer 49,35 ).

Die allgemeine Erfüllung dieser Weissagung geschah 734 - 722 v. Chr., als die Assyrer Israel überrannten und zu einer Provinz in ihrem Weltreich machten ( 2Kö 15,29; 17,3-5 ). Die Ebene Jesreel wurde 733 v. Chr. durch Tiglat-Pileser III. erobert. Dieses breite Tal, das unter Gideon der Ort eines großen miltitärischen Sieges gewesen war ( Ri 6,33;7 ), wurde zu einem Symbol der nationalen Schande und Niederlage, so wie es nach dem Tod Sauls schon einmal gewesen war ( 1Sam 29,1.11;31 ).

Hosea

b. Lo-Ruhama: "Nicht geliebt"
( 1,6 - 7 )


Hos 1,6


Das zweite Kind erhielt den Namen Lo-Ruhama , was bedeutet "sie ist nicht geliebt". Ihr Name zeigt, daß die Liebe Gottes zu Israel für eine bestimmte Zeit aufhören wird. "Ruhama" kommt von dem Verb rAHam , was von zärtlichen Gefühlen des Mitleids spricht, so wie Eltern gegenüber einem Kind empfinden (vgl. 1Kö 3,26; Ps 103,13; Jes 49,15 ) oder ein Mann für seinen jüngeren Bruder (vgl. 1Mo 43,30 ). Am Sinai hatte Gott sich selbst ( 2Mo 34,6 ) als "der barmherzige ... Gott" ( ?El raHUm ) bezeichnet, der gerne Schuld vergibt ( 2Mo 34,6 ). Aber trotz seines barmherzigen Wesens wird eine Zeit kommen, wenn er nicht mehr länger "den Schuldigen unbestraft lassen" wird ( 2Mo 34,7 ). Diese Zeit ist nun für das Nordreich gekommen.


Hosea

Hos 1,7


Das Licht der Gnade Gottes scheint jedoch auch durch das bevorstehende Gericht hindurch. Juda , das Südreich, wird, im Gegensatz zu Israel, die Liebe des Herrn in Form der Befreiung vor den Assyrern erfahren. Dies wird nicht durch menschliche, militärische Macht geschehen (durch Bogen, Schwert usw. gekennzeichnet), sondern durch das Eingreifen des Herrn. Diese Verheißung wurde 701 v. Chr. erfüllt, als Gott 185 000 feindliche Soldaten im mächtigen assyrischen Heer in einer Nacht tötete und so dessen Kriegsführung gegen Juda beendete ( 2Kö 19,32-36 ).

Hosea

c. Lo-Ammi: "Nicht mein Volk"
( 1,8 - 9 )


Hos 1,8-9


Das dritte Kind, ein Sohn , wurde Lo-Ammi genannt, was " nicht mein Volk " bedeutet. In der Bundesformel hatte Gott erklärt: "Ich werde unter dir wandeln und werde dein Gott sein, und du wirst mein Volk sein" ( 3Mo 26,12 ; vgl. 2Mo 6,7; 5Mo 26,17-18 ). Aber nun wird dieses Verhältnis geändert. Der letzte Teil aus Hos 1,9 ( Ich bin nicht dein Gott ) heißt wörtlich übersetzt: "und ich [bin] nicht Ich bin ( ?ehyeh ) für dich." Diese Aussage spielt vermutlich auf Gottes Worte zu Mose an: "Ich bin ( ?ehyeh ), der ich bin ( ?ehyeh )" ( 2Mo 3,14 ). "Ich bin", was mit dem Gottesnamen Jahwe eng verwandt ist, weist auf den Bundesgott Israels hin, der über seinem Volk wacht und es befreit (vgl. 2Mo 3,16-17 ). Durch Lo-Ammi jedoch zeigte Gott, daß Israel seine besondere, rettende Gegenwart nicht mehr länger erfahren würde.


Hosea

3. Die Symbolik wird umgedreht
( 2,1 - 2,3 )


Mit einer bemerkenswerten Veränderung des Tons erklärte Gott nun, daß die Folgen des Gerichtes eines Tages wieder umgekehrt werden. Er verhieß eine Zeit des reichen Segens, der von der Wiederherstellung der Bundesgemeinschaft und der nationalen Einheit begleitet sein würde.



Hos 2,1


Trotz des Niederganges des Nordreiches (V. 4-5 ) werden die Israeliten wieder wie der Sand am Meeresufer sein. Gott wird seine unwiderrufliche Verheißung an Abraham erfüllen ( 1Mo 22,17; 32,13 ). An dem gleichen Ort, an dem Israel die Worte " nicht mein Volk " gehört hat (vgl. Hos 1,9 ), wird es Söhne des lebendigen Gottes genannt werden . Die Sohnschaft weist auf die Erneuerung des Bundesverhältnisses hin, das mit dem Bild einer Familie umschrieben wird (vgl. Hos 2,3-7 ). Der göttliche Titel "lebendiger Gott" wird in Jos 3,10 im Blick auf die mächtige Gegenwart des Herrn bei Israel während der Eroberung des Landes benutzt. In der Zukunft, wenn Israel das verheißene Land zum zweiten Mal einnehmen wird, wird es erneut erfahren, was eine Beziehung zu dem lebendigen Gott bedeutet.


Hosea

Hos 2,2


Zur Zeit der nationalen Erneuerung werden die beiden Reiche ( Juda und Israel ), die unter Salomos Sohn Rehabeam geteilt worden waren ( 1Kö 12 ), wieder vereinigt werden unter einem Führer (vgl. Hes 37,22 ), dem idealen davidischen Herrscher des Königreichs-Zeitalters (vgl. Hos 3,5; Jes 9,6-7; Am 9,11; Mi 5,2 ). Die Verheißung des ewigen Thrones an David wird erfüllt werden (vgl. 1Sam 7,11 b. 12-16 ).

Die vereinigte Nation wird aus dem Land heraufziehen . Diese Aussage könnte von einer Rückkehr aus dem Exil sprechen, wobei das "Land" Ägypten wäre (vgl. Hos 2,15 ), ein Symbol für die zukünftigen Orte des Exils (vgl. Hos 8,13; 9,3.6; 11,5; 5Mo 28,68 ). Allerdings bezieht sich "Land" ( ?ereQ ) sonst im Buch Hosea entweder auf das Land Israel (vgl. Hos 1,2; 2,20.25; 4,1.3 ) oder im wörtlichen Sinne auf die Bodenoberfläche (vgl. Hos 2,23-24; 6,3 ), wenn es mit dem bestimmten Artikel und ohne nähere geographische Bezeichnung benutzt wird. Wenn das Land Ägypten gemeint ist, wird es ausdrücklich so bezeichnet ( Hos 2,17; 7,11.16; 8,13; 9,3.6; 11,1.5.11; 12,2.10.14;13,4 ). So ist es wohl besser, diesen Ausdruck hier als einen Vergleich zwischen Israel und einer Pflanze, die aus dem Boden hervorwächst, zu verstehen. "Land" kann sich auf den Boden beziehen (wie oben gesagt), und "aufkommen" ( ZAlCh ) wird sonst von einer Pflanze benutzt, die aus der Erde herauswächst (vgl. "aufwachsen", Hos 10,8 ; "wachsen", 5Mo 29,22 ). Auch der folgende Kontext stützt diese Deutung. Nach Hos 2,25 verheißt der Herr, daß er das Volk im Land "pflanzen" wird ( zAraZ , das gleiche Wort wie im Namen Jesreel), wie jemand den Samen auf den Boden sät (vgl. Hos 2,24 ,wo der Name Jesreel, "Gott sät", vorkommt). Weil der Herr selbst derjenige ist, der sät, wird Israel mächtig sprossen und emporwachsen.

Der Tag Jesreels spricht vermutlich von der Zeit, wenn Gott sein Volk in das Land zurückbringen wird. Wenn dies so ist, steht an dieser Stelle die wörtliche Übersetzung von Jesreel ("Gott sät") im Vordergrund. Ebenso ist wahrscheinlich, daß auch Gideons Sieg über die Midianiter im Tal Jesreel angedeutet wird ( Ri 7 ). Der Tag der Wiederherstellung des Volkes wird durch einen großen militärischen Triumph kommen, ähnlich dem von Gideon (vgl. Jes 9,3-6 ; siehe auch Jes 41,8-16; Am 9,11-12; Joe 4,9-17 ). Alle, die sich der theokratischen Herrschaft Gottes durch den messianischen König widersetzen, werden besiegt (vgl. Offb 19,11-21 ). Die Größe dieses eschatologischen "Tages von Jesreel" wird die Schande und Niederlage Israels durch die Hand der Assyrer wieder aufwiegen (vgl. Hos 1,5 ).


Hosea

Hos 2,3


Diese Worte werden zu einem Teil der zurückgeführten Nation der Zukunft gesprochen (vgl. V. 23 ), die als eine Gruppe von Kindern bezeichnet wird. Ihnen wird gesagt, daß sie ihren Brüdern und Schwestern (den anderen Israeliten) verkündigen sollen, daß das zerbrochene Verhältnis mit dem Herrn wieder erneuert worden ist. Der Herr nennt sie mein Volk ( ZammI ; vgl. Hos 1,9 ) und meine Geliebte ( rVHAmCh ; vgl. Hos 1,6 ). Lange vor Hosea hat Mose bereits eine solche Veränderung in der Haltung Gottes vorausgesagt ( 5Mo 30,1-9 ). Nachdem er das kommende Exil des Volkes beschrieben hat ( 2Mo 30,1 ), verhieß Mose, daß dessen Umkehr zu einer Erneuerung der Barmherzigkeit Gottes ( 2Mo 30,2-3 rAHam ) und zur Rückkehr in das verheißene Land ( 5Mo 30,4-9 ) führen wird. Lange nach Hosea war es Paulus, der ebenfalls diese Zeit der Erneuerung Israels voraussah ( Röm 11,25-32 ).

Hos 1,10-2,3 enthält also eine wunderbare Weissagung über die zukünftige Erneuerung Israels, wenn die Folgen des Gerichtes Gottes vollkommen umgekehrt werden. Das Volk, das die Niederlage von Jesreel erlitten hat und "nicht geliebt" und "nicht mein Volk" genannt worden war, wird an dem großen "Tag von Jesreel" teilnehmen und hören, wie der Herr es "mein Volk" und "Geliebte" nennt. Die Bundesverheißungen an Abraham (bezüglich der zahllosen Nachkommen) und an David (bezüglich des ewigen Königtums) werden erfüllt werden, wenn das Bundesverhältnis, wie Mose es vorausgesagt hat, wieder erneuert worden ist.


Hosea

B. Die Wiederherstellung durch das Gericht
( 2,4 - 25 )


Hoseas Verhältnis zu Gomer sollte die Erfahrung des Herrn, der von seinem Bundesvolk Israel verworfen worden war, widerspiegeln (vgl. Hos 1,2 ). In Hos2,4-25 beschreibt der Herr diese Verwerfung im einzelnen. Er vergleicht Israel mit einer untreuen Frau, die ihren Liebhabern hinterherläuft. Gott macht dadurch die Schuld des Volkes deutlich und kündigt das kommende Gericht an. Dieses Gericht wird jedoch nicht endgültig sein, denn Gott möchte Israel zurückführen und das zerbrochene Bundesverhältnis wieder erneuern. Dieser Abschnitt wechselt also, wie der vorhergehende auch ( Hos 1,2-2,3 ), vom Gericht ( Hos 2,4-15 ) zum Heil ( Hos 2,16-25 und Hos 3 ) über.



1. Die Strafe des Herrn über Israel
( 2,4 - 15 )


Zu diesem Abschnitt gehört eine einleitende Aufforderung (V. 4 a), ein Aufruf zur Umkehr (V. 4 b), gefolgt von einer Androhung der Strafe (V. 5 - 6 ) und zwei Gerichtssprüchen (V. 7-9.10-15 ), von denen jeder eine Anklage (V. 7.10 ) und eine Ankündigung der Strafe enthält (V. 8-9.11-15 ).



a. Die Strafe wird angedroht
( 2,4 - 6 )


Hos 2,4


Dieser Abschnitt beginnt mit einem Ruf Gottes, eine Anklage gegen Israel vorzubringen. Das Bundesverhältnis wird mit einer Ehe verglichen, wobei Gott der Mann und Israel die Frau ist. Die Kinder, zu denen gesprochen wird (vgl. eure Mutter ), stellen wohl nicht eine bestimmte Gruppe in Israel dar. Vielmehr stehen sie hier aus rhetorischen Gründen. Sie unterstreichen den Realismus des vorgebrachten Bildes. Das Wort, das in manchen Übersetzungen mit Tadel wiedergegeben wird ( rIB ), steht hier für eine förmliche Gerichtsanklage. Ein damit verwandtes Wort meint häufig eine Gerichtsverhandlung (vgl. 2Mo 23,2-3.6 ). In Hos 4,1 wird das gleiche Wort mit "Anklage" übersetzt. Der Grund für diese Anklage ist das zerstörte Verhältnis zwischen den Bundespartnern. Der Herr, der hier als Ehemann auftritt, dem großes Unrecht getan wurde, erklärt: Sie ist nicht meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann . Manche Ausleger haben hierin eine förmliche Erklärung einer Ehescheidung gesehen, was aber vom Zusammenhang her unwahrscheinlich ist. Das eigentliche Vorhaben Gottes war ja, das Verhältnis wieder zu heilen, nicht, es zu beenden (vgl. Hos 2,4 b. Hos 2,8-9.16-25 ). Diese Aussage ist also vermutlich die Feststellung, daß "in dem Verhältnis nichts Echtes mehr vorhanden ist" (Derek Kidner, Love to the Loveless , S. 27). Die Frau des Herrn hat durch ihr untreues Verhalten im Grunde das Verhältnis zu ihrem Ehemann zerstört.

Statt aber nun sein gesetzliches Recht zu verlangen und seine Frau töten zu lassen (vgl. 3Mo 20,10; 5Mo 22,22 ), erläßt Gott einen Aufruf zur Umkehr und ermahnt das Volk dringend, sein ehebrecherisches Verhalten sein zu lassen ( Hos 2,4 b).


Hosea

Hos 2,5


Der Appell des Herrn (V. 4 b) wird noch durch eine ernste Drohung mit drei feierlichen Warnungen an Israel verbunden ( ich werde erscheint in V. 5 - 6 dreimal). Als erstes droht der Herr, daß er sie nackt ausziehen und sie so zu einem Objekt der Schande und des Hohns machen wird (vgl. V. 12 ; Hes 16,35-43 ). Die Strafe paßt zu der Sünde. Sie, die ihre Nacktheit vor ihren Liebhabern aufgedeckt hat, wird nun öffentlich bloßgestellt, so daß alle es sehen können. Dieser öffentliche Akt ging damals offenbar der Vollstreckung eines Todesurteils für Ehebruch voraus (vgl. Hes 16,38-40 ).

Als zweites droht der Herr, sie wie eine trockene Wüste zu machen , ohne Wasser (vgl. sie mit Durst schlagen ), unfähig, Leben zu schaffen oder zu erhalten. Alle Fruchtbarkeit wird entfernt werden. Wieder ist die Strafe dem Vergehen angemessen. Sie, die sich auf verbotene Weise sexuell betätigt hat, wird nun unfähig, Kinder zu bekommen.


Hosea

Hos 2,6


Die dritte Drohung ist die Verwerfung der Kinder der Frau. Der Grund dafür ist, daß sie Kinder der Hurerei sind. Damit könnte gemeint sein, daß sie die Ergebnisse der verbotenen Beziehungen ihrer Mutter sind. Aber vielleicht ist auch nur gemeint, daß die Kinder mit Schande bedeckt sind, weil sie von solch einer Mutter abstammen (vgl. V. 7 und die Anmerkungen zu Hos 1,2 ). Jedenfalls kündigt der Herr an, daß sie seine Liebe ( rAHam ; vgl. Hos 1,6-8; 2,3 ) nicht empfangen werden. Sie werden abgelehnt und zu Waisen werden. Auf diese Weise wird jede Erinnerung an das Verhältnis zu ihrer Mutter ausgelöscht.

Die harte Strafe, die in Vers 3-4 angedroht wird, scheint eine völlige Beendigung der Ehe vorauszusetzen. Die abtrünnige Frau würde getötet und ihre Kinder abgelehnt werden. Aber der Kontext macht sehr deutlich, daß dies nicht der Fall ist. Die gleiche Unstimmigkeit finden wir auch in Hes 16 ,wo Israel als Hure getötet wird ( Hes 16,35-42 ), nur um schließlich wieder in die Stellung der Gnade zurückzukehren ( Hes 16,59-63 ). Offensichtlich soll durch die harte Sprache die Ernsthaftigkeit des Gerichtes betont werden, ohne gleichzeitig die vollständige Beendigung des Verhältnisses zwischen Gott und Israel zu erklären.


Hosea

b. Die Strafe beginnt
( 2,7 - 15 )


Das Gericht Gottes soll sein Verhältnis zu Israel nicht beenden, sondern zurechtbringen. Der erste Schritt in diesem Prozeß ist, daß die Nation ihre falschen Götter und den Wohlstand, den sie fälschlicherweise diesen Göttern zugeschrieben hat, verliert.

(1) Israel wird seiner Liebhaber beraubt ( Hos 2,7-9 )



Hos 2,7-9


In Vers 7 wird Israels Untreue mit lebhaften Bildern beschrieben. Israel, Gottes Ehefrau, hatte sich entschlossen, hinter ihren Liebhabern (den Baalen, vgl. V. 15.19 ; Hos 11,2 ) herzulaufen, weil sie von ihnen physische Nahrung ( Speise und Wasser ), Schutz ( Wolle und Leinen ; vgl. Hos 2,11 ) und Vergnügen ( Öl und Trank ) erwartete. Nun erklärt der Herr, daß er sehr bald jede Möglichkeit, zu diesen Liebhabern zu gelangen, beenden wird. Israel wird die bekannten Wege mit Dornen und Steinmauern versperrt finden (V. 8 ). Ihre verzweifelten Anstrengungen, ihre Liebhaber zu finden, werden vereitelt werden (V. 9 a). Als letztes wird sie sich entschließen, zu ihrem Ehemann , dem Herrn, zurückzukehren, und so den Weg zur Erneuerung freimachen. Die Realität hinter diesem Bild des Gerichtes ist vermutlich Dürre, Invasion und Exil (vgl. V. 11.13-14 ; 3Mo 26,18-22 ).


Hosea

Hos 2,10


(2) Israel wird des Segens Gottes beraubt ( Hos 2,10-15 )

Israels Schuld ist der Grund für seine Strafe. Es erkennt den Herrn nicht an als Quelle all seines Wohlstandes. Vielmehr benutzt es Silber und Gold , um sich Baalsgötzen zu machen (vgl. Hos 8,4; 13,2 ), weil man dieser kanaanitischen Gottheit den landwirtschaftlichen ( Korn, neuer Wein und Öl ) und ökonomischen Wohlstand zuschrieb ( Hos 2,7.14-15 ).

Baal war der kanaanitische Gott, von dem man glaubte, daß er Stürme beherrsche und für landwirtschaftliche und menschliche Fruchtbarkeit zuständig sei. In der kanaanitischen "Legende von Keret" wird der Regen Baals mit landwirtschaftlichem Segen in Form von Korn, Brot, Wein und Öl verglichen (vgl. J.C.L. Gibson, Canaanite Myths and Legends . Edingburgh: T.&T. Clark, 1978, S. 98). Indem Israel diese Dinge von Baal erwartete, brach es das erste der zehn Gebote (vgl. 2Mo 20,3; 5Mo 5,7 ) und damit eines der Grundprinzipien des mosaischen Gesetzes. Mose hatte gelehrt, daß Gott es ist, der Korn, Wein und Öl schenkt ( 5Mo 7,13;11,14 ). Jeder Israelit mußte, wenn er seine Erstlingsfrüchte beim Erntedankfest darbrachte, in Gegenwart des Priesters sagen: "Ich bringe die Erstlingsfrüchte des Bodens, die du, o Herr, mir gegeben hast" ( 5Mo 26,10 ).

Hosea

Hos 2,11 a


Der Herr antwortet auf die Untreue Israels, indem er sagt, daß er das Volk seiner landwirtschaftlichen Fruchtbarkeit berauben ( Korn und neuer Wein ) und das Land öde liegen lassen wird. Im mosaischen Gesetz war die landwirtschaftliche Produktivität an das Verhältnis zu Gott gekoppelt worden. Gehorsam gegen den Bund führte zu Gottes Segnungen in Form von reichen Ernten, zahlreichen Nachkommen und Sicherheit (vgl. 3Mo 26,3-13; 5Mo 28,1-14 ). Ungehorsam dagegen brachte Dürre, Pest, Krieg und das Exil ( 3Mo 26,14-39; 5Mo 28,15-68 ). Die Ankündigung in Hos 2,11 macht also deutlich, daß Gott den Fluch des Bundes über Israel bringen will. Dürre, Zerstörung, Insektenschwärme und angreifende Armeen werden die Fruchtbarkeit des Landes vernichten (vgl. 5Mo 28,51; Joe 1,4-12; Am 4,6-9; 7,1 ).

Hosea

Hos 2,11-12 (Hos 2,11b-12)


Die bildliche Darstellung Israels als Frau Gottes wird in diesen Versen wieder aufgenommen. Ohne Wolle und Leinen (vgl. V. 7 ), die man für die Herstellung von Kleidern benötigte ( 3Mo 13,47.59; 5Mo 22,11; Spr 31,13; Hes 44,17 ), wird sie nicht mehr in der Lage sein, ihre Nacktheit zu bedecken. Auf diese Weise wird Gott ihre Unzüchtigkeit aufdecken . Ihr schändliches Verhalten wird allen durch diese öffentliche Demonstration bekannt werden (vgl. Hos 2,5; Hes 16,36-37 ). Das Wort "Unzüchtigkeit" ( naBlUT , das nur hier im AT vorkommt) steht für einen eklatanten Bruch des Bundes, der die gesamte Nation in Schande bringt. Ein verwandtes Wort ( n+BAlCh ) wird für die Sünde Achans benutzt ( Jos 7,15 ), steht aber auch für einige verbotene sexuelle Praktiken wie Hurerei ( 5Mo 22,21 ), Inzucht ( 1Sam 13,12 ), Vergewaltigung ( Ri 19,23; 20,6 ) und Ehebruch ( Jer 29,23 ). Während dieser öffentlichen Bloßstellung werden die Liebhaber Israels dabeistehen müssen und nichts tun können, um sie aus der mächtigen Hand Gottes zu befreien. Dann wird die Souveränität Gottes und die Schwäche (oder auch Teilnahmslosigkeit) der Liebhaber deutlich werden.


Hosea

Hos 2,13


Das kommende Gericht wird auch die fröhlichen religiösen Feiern , wie z. B. die jährlichen Feste ( 2Mo 23,14-17 ) und die monatliche Feier des Neumondes (d. h. das Neumond-Opfer; 4Mo 10,10; 28,11-15 ) sowie die Beachtung des allwöchentlichen Sabbats , beenden. Diese Feste waren durch den Götzendienst Baals verdorben worden (vgl. Hos 2,15 ) und konnten dem Herrn nicht mehr gefallen.


Hosea

Hos 2,14-15


Die Themen aus Vers 7-11 werden in Vers 14-15 noch einmal aufgegriffen. Der Herr wird den Fluch des Bundes kommen lassen und die Produktivität des Landes vernichten ( ihre Weinstöcke und ihre Feigenbäume ; vgl. 5Mo 28,38-42; Joe 1,7; Am 4,9 ), die Israel fälschlicherweise als Lohn ansah, den sie von ihren Liebhabern für ihre Dienste erhalten habe (vgl. Hos 9,1; Mi 1,7 ). Die Weinstöcke werden nur noch eine einzige Wildnis sein, die von wilden Tieren bewohnt wird. Dies wird eine Folge der Entvölkerung des Landes sein, die durch die militärische Niederlage und die Wegführung ins Exil kommen wird (vgl. Ps 80,13-14; Jes 5,5-6; 7,23-25; 17,9; 32,9-14; Mi 3,12 ).

Indem Israel den Baalen Räucheropfer dargebracht hat, ist sie ihren Liebhabern verführerisch nachgelaufen (vgl. Hos 2,7 ). Die Ringe und Edelsteine , die im richtigen Zusammenhang durchaus Zeichen der Freude und des Ansehens sein können (vgl. Spr 25,12; Hes 16,12-14 ), machen hier die Bemühungen der untreuen Ehefrau deutlich, ihre Liebhaber zu sich zu ziehen. Der Plural "Baale" (vgl. auch Hos 2,19; 11,2; Ri 2,11 [siehe die Anmerkungen dort]; 1Sam 7,4; Jer 2,23; 9,13 ) bezieht sich in diesem Zusammenhang vermutlich auf mehrere Stätten der Anbetung der einen kanaanitischen Gottheit (vgl. den Singular Baal in Hos 2,10; 13,1 ), deren Statue in verschiedenen Baals-Heiligtümern im ganzen Land aufgestellt worden war (vgl. Hos 13,1-2 ). Die Mehrzahl der Götzenbilder ist daher auch der Grund für die vielen Liebhaber in dem Bild, das benutzt wird (vgl. James Luther Mays, Hosea: A Commentary , S. 43).

Die abschließende Aussage in diesem Abschnitt ( Hos 2,4-15 ) faßt noch einmal die grundlegende Sünde Israels und den Grund für das kommende Gericht zusammen: Israel hat den HERRN vergessen ( SAKaH ). Dieses Verb spricht nicht von einer geistigen Erinnerungslücke oder dem Verlust von Wissen. Vielmehr beschreibt es die Weigerung, die Güte und Autorität Gottes anzuerkennen (vgl. Hos 8,14; 13,6 ). Mose hatte immer wieder das Volk aufgefordert, die gütigen Taten Gottes nicht zu vergessen ( 5Mo 4,9; 8,11 ) und immer daran zu denken, daß ihm alleine die Anbetung gebührt ( 5Mo 4,23; 6,12; 8,19 ; vgl. 2Kö 17,38 ). Aber wie Mose vorausgesagt hatte (vgl. 5Mo 31,27-29 mit 5Mo 32,18 ), vergaß Israel im Laufe seiner Geschichte immer wieder den Herrn und diente falschen Göttern (vgl. Ri 3,7; 1Sam 12,9-10; Ps 78,10-12; Jer 23,27 ).


Hosea

2. Die Wiederherstellung von Israel
( 2,16 - 25 )


Wenn Gott Israel in eine Lage gebracht hat, aus der heraus es wieder beginnt, auf ihn zu sehen (vgl. V. 9 ), dann wird er die zerbrochene Beziehung wieder aufbauen. Israels positives Verhalten wird zur Erneuerung des Bundes und des Segens führen.



a. Die erneuerte Liebe
( 2,16 - 17 )


In diesen Versen beschreibt der Herr sein Angebot der Liebe und die zukünftige positive Antwort Israels.



Hos 2,16


Der Herr verspricht, die Versöhnung mit seiner widerspenstigen Ehefrau anzufangen, indem er sie lockt. Locken meint hier eine zarte, ja verlockende Sprache. An anderen Stellen bezieht sich dieser Ausdruck auf die Verführung einer Jungfrau durch einen Mann ( 2Mo 22,15 ) oder auf den Versuch, einem anderen (Simson) vertrauliche Informationen zu entlocken ( Ri 14,15; 16,5 ). Der Herr sagt, daß er Israel in die Wüste führen wird , wo sie von ihren bisherigen Liebhabern völlig getrennt ist und fähig wird, sich nur auf sein Locken zu konzentrieren. Die Erwähnung der Wüste erinnert natürlich an die 40jährige Wüstenwanderung Israels nach dem Exodus. Diese Zeit wird manchmal als eine Zeit beschrieben, in der Israel die Fürsorge Gottes ganz besonders erfahren hat (vgl. Hos 13,5 ) und in der das Volk ihn darum mit der Hingabe einer Braut geliebt hat ( Jer 2,2-3 ). Die Anspielung auf die Wüste ist aber auch eine bemerkenswerte Umkehrung des Wüstenmotivs, das in diesem Kapitel schon einmal benutzt wurde. Denn der Herr hatte ja gedroht, daß er Israel "wie eine Wüste" machen wird ( Hos 2,5 ). Nach Vers 16 aber wird die Wüste der Ort sein, wo Gott sein Werben um Israel beginnen wird. Hier wird er mit ihr zart sprechen (wörtl.: "zu ihrem Herz sprechen"; vgl. Jes 40,2 ). Dieses hebräische Bildwort spricht von zarten, ermutigenden Worten, so wie ein Mann sie zu seiner Braut sagt (vgl. 1Mo 34,3; Rt 2,13 ). Mays sagt, daß die stark anthropomorphische Redeweise hier "erstaunlich" ist, vor allem angesichts der sonstigen "ausgeprägten Weigerung" der Bibel, "von Gott in Begriffen der Sexualität zu reden". Er fügt hinzu: "Es ist in diesem gewagten Vergleich, daß das Verlangen Gottes sichtbar wird - ein Verlangen, das vor keiner Herablassung zurückscheut und kein Tun unversucht läßt um der geliebten Auserwählten willen" ( Hosea , S. 44f).


Hosea

Hos 2,17


Wenn der Herr Israel aus der Wüste zurück in das verheißene Land führen wird, dann wird er ihre Weinberge wieder erneuern. Die Worte " dort werde ich geben " (wie manche Übersetzungen schreiben), gehen auf ein falsches Verständnis des elliptischen hebräischen Textes zurück (der wörtlich heißt: "von dort"). Die Weinstöcke werden nicht in der Wildnis wachsen, in der Israel umhergewandert ist. Die landwirtschaftliche Produktivität, von der hier gesprochen wird, ist vielmehr in Israel selbst zu sehen (vgl. V. 24 - 25 ; 5Mo 30,4-5.9; Am 9,13-15 ). Wenn Israel in das Land hineinkommt, wird es wieder durch das Tal Achor (wörtl.: "Tal der Schwierigkeiten") ziehen, in dem Achan seine Sünde begangen hatte, die den Erfolg der Eroberung gehindert hatte ( Jos 7 ). Dieses Mal jedoch wird das Tal ein Symbol für die besseren Dinge, die kommen, sein, ein Tor der Hoffnung , das zur Wieder-Inbesitznahme des verheißenen Landes führt (vgl. Jes 65,10 ). Die Folgen der Untreue Israels in der Vergangenheit werden vorbei sein. Statt dessen wird das Verhältnis zu Gott wieder so ungestört sein wie in den Tagen direkt nach dem Exodus (vgl. Jer 2,2 ). Diese Zeit wird hier zugegebenermaßen etwas idealisiert, wie selbst ein oberflächliches Lesen der Erzählungen in 2. und 4.Mose deutlich macht.


Hosea

b. Die erneuerte Ehe
( 2,18 - 22 )


Hos 2,18-19


An diesem Tag , wenn Israel wieder in sein Land zurückkehren wird, wird es den Herrn als seinen Ehemann anerkennen. Es wird ihn ?ISI , mein Mann , nennen und nicht baZ+lI , mein Meister . Diese beiden hebräischen Worte sind im wesentlichen Synonyme. Sie werden in 2Sam 11,26 auswechselbar benutzt: "Nun, als die Frau von Urija hörte, daß Urija, ihr Mann ( ?IS ), tot war, beklagte sie ihren Mann ( baZal , vgl. auch 5Mo 24,3-4 ). Aber das Wort baZal ist auch eine Erinnerung an den früheren Baalsdienst Israels. Deshalb wird Gott den Gebrauch dieses Wortes verbieten, und Israel wird die Namen der Baale nicht mehr benutzen (vgl. den Plural "Baale" in Hos 2,15; 11,2 ).

Hosea

Hos 2,20


Israels Rückkehr in das Land wird von einem großen Frieden begleitet sein. Der Herr wird einen Bund zwischen dem Volk und der Tierwelt machen. Die schädlichen Tiere des Feldes , die bisher die Weinstöcke und Feigenbäume vernichtet haben (V. 14 ; vgl. 3Mo 26,22 ), werden Israel nicht mehr schaden (vgl. Hes 34,25 ). Auch Jesaja spricht von dem Königreichs-Zeitalter als von einem Reich der Harmonie zwischen Mensch und Tier ( Jes 11,6-8; Jes 65,25 ). Der Herr wird auch den Krieg (hier durch Bogen und Schwert und Kampf symbolisiert; vgl. Hos 1,7 ) in dem Land Israel aufhören lassen. Das Volk wird sicher wohnen, frei von der Bedrohung durch ausländische Invasionen. Hier wird die Umkehrung des Gerichtes (vgl. Hos 1,5 ) und die Rückkehr der Segnungen des Bundes besonders deutlich (vgl. 2Mo 36,5-6 ,wo die gleichen Worte " niederlegen " und " in Sicherheit " benutzt werden).


Hosea

Hos 2,20-22


Die Erneuerung der Ehe Gottes mit Israel wird mit Worten der Verlobung beschrieben. Kidner zeigt, daß das Wort verloben "einen neuen Anfang, mit der ganzen Frische der ersten Liebe" meint ( Love for the Loveless , S. 34). Es wird sein, als wären Gott und Israel wieder zu den Tagen der Werbung umeinander zurückgekehrt. Die Verlobung war im Israel jener Zeit weit mehr und verpflichtender als in der heutigen westlichen Gesellschaft. Das Gesetz behandelte ein verlobtes Paar so, als wäre es bereits rechtlich verheiratet ( 5Mo 20,7; 22,23-24 ). Bei der Verlobung bezahlte der Mann einen Brautpreis, um die Abmachung zu besiegeln (vgl. 1Sam 3,14 ). Der Brautpreis Gottes wird aus Gerechtigkeit, Recht, Liebe, Barmherzigkeit und Treue bestehen. Diese Dinge werden sein Verhältnis zu Israel charakterisieren, ein Verhältnis, das niemals wieder unterbrochen werden wird (vgl. Hos 2,19 ).

"Gerechtigkeit" ( QeDeq ) und "Recht" ( miSpoF ) sprechen hier von der Aufrechterhaltung von Israels Gerechtigkeit, einer Rechtfertigung durch Erlösung. "Liebe" ( HeseD ) ist eine unerschütterliche Hingabe, die alle Verpflichtungen einer Beziehung erfüllt. "Barmherzigkeit" ( raHXmIm , verwandt mit rAHam , das in Hos 1,6-7; 2,3.6 benutzt wird) ist ein Gefühl der Zuneigung, das zu gnädigem Verhalten führt. "Treue" ( ?MmUnCh ) meint Verläßlichkeit und beständige Zuverlässigkeit.

In der Antwort auf die göttliche Liebe, die über Israel ausgegossen ist, wird es den HERRN anerkennen . Entgegen seiner früheren Neigung zu vergessen (vgl. V. 15 ), wird es nun seine Autorität anerkennen und ihm treu sein. "Anerkennen" ( yADaZ , wörtl.: "kennen, wissen") wird im Zusammenhang von Bünden oft benutzt. So anerkennt (wörtl.: "kennt") z. B. der Herr das besondere Verhältnis Israels zu sich (vgl. Am 3,2 ). Israel soll nur die Autorität seines Herrn anerkennen ("kennen"; vgl. Hos 13,4 ). Im hebräischen Denken ist solches Anerkennen nicht bloß ein geistlicher Denkvorgang, sondern muß zum Tun führen (vgl. Jer 22,16 ). Im Fall Israels bedeutet es Gehorsam gegenüber den Geboten des Herrn (vgl. Hos 8,1-2 ). In der Zukunft wird ganz Israel den Herrn "kennen", denn er wird, wie Jeremia schreibt, sein "Gesetz in ihr Denken geben und in ihre Herzen schreiben" ( Jer 31,33 ). Dies ist die Verheißung des neuen Bundes ( Jer 31,31-34 ), die der erneuten Eheschließung in Hos 2,21-22 entspricht.

Hosea

c. Erneuerter Segen
( 2,23 - 25 )


Hos 2,23-24


Die Verheißung des erneuerten landwirtschaftlichen Segens, die in Vers 17 angedeutet wurde, wird in diesen Versen näher ausgeführt. Eine Reihe von Erhörungen auf das Schreien verschiedener Elemente der Natur (hier personifiziert) wird angeführt. Jesreel (hier das Volk Israel) wird zu dem Korn, Wein und Öl schreien. Sie wiederum werden antworten, indem sie zu der Erde schreien. Die Erde wird den Himmel anrufen, die Quelle des Regens, der den Boden fruchtbar macht. Die Himmel schließlich werden zu dem Herrn rufen, dem Einen, der letztlich den landwirtschaftlichen Kreislauf in seiner Hand hält. Er wird antworten und den Regen schenken, der für Wachstum und Fruchtbarkeit notwendig ist.


Hosea

Hos 2,25


Der Herr selbst wird als jemand dargestellt, der landwirtschaftlich arbeitet. Er wird Israel in dem Land pflanzen (vgl. die Anmerkungen zu Hos 1,2 ), in dem es unter seinem fürsorgenden Schutz wachsen wird. Das Volk, das Lo-Ruhama ( nicht geliebt ; vgl. Hos 1,6 ) und Lo-Ammi ( nicht mein Volk ; vgl. Hos 1,9 ) genannt worden war, wird Gottes Barmherzigkeit erfahren und sein Volk sein. Es wird anerkennen, daß er, nicht Baal, sein Gott ist. Dieser Abschnitt hier ist parallel zu Hos 1,10-2,3 ,wo die gleiche Umkehrung der Symbolik in den Namen zu sehen ist.

Hos 2,25 (zusammen mit Hos 1,10 ) wird in Röm 9,25-26 und 1Pet 2,10 zitiert. Paulus führt diese Stelle Hoseas an, um damit zu zeigen, daß Juden wie Heiden sich in dem Gemeindezeitalter bekehren werden (vgl. Röm 9,24 ). Dies bedeutet nicht , daß er die Heiden mit Israel gleichsetzt und die Bekehrung der Heiden als direkte Erfüllung der Weissagung Hoseas ansieht. Paulus lehrt ganz eindeutig, daß Israel als Volk ebenfalls gerettet werden wird ( Röm 11 ). Vielmehr möchte Paulus, ausgehend von der Weissagung Hoseas, ein Prinzip des göttlichen Handelns deutlich machen (vgl. F.F.Bruce, The Epistle of Paul to the Romans . Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Co., 1963, S. 196).

Nach Hosea möchte Gott ein vorher verworfenes Volk in ein Verhältnis mit sich selbst bringen. Paulus erkennt das gleiche Vorhaben in Gottes Handeln mit den Heiden. Deshalb wendet er in Röm 9,25 die Stelle aus Hos 2,25 auf die Heiden an. Er interpretiert sie jedoch nicht um (vgl. die Anmerkungen zu Röm 9,24-26 ). Ebenso sieht auch Petrus ( 1Pet 2,10 ) in der Aussage Hoseas die Möglichkeit, sie auf die Gläubigen des Neuen Testamentes anzuwenden, die durch die göttliche Barmherzigkeit eine Beziehung zu Gott bekommen haben (vgl. 1Pet 1,3 ).

Hosea

C. Die Wiederherstellung der Ehe Hoseas
( Hos 3 )


So wie die Erfahrung Hoseas mit seiner untreuen Frau die Verwerfung Gottes durch Israel abbildete, ist nun auch die Umkehr seiner abtrünnig gewordenen Frau ein Bild für die Liebe Gottes und die Erneuerung Israels.



1. Der göttliche Befehl
( 3,1 )


Hos 3,1


Der Herr sagt Hosea, daß er seine Liebe zu seiner ehebrecherischen Frau noch einmal zeigen soll. Dieses barmherzige Handeln soll als Gegenstandslektion für Gottes große Liebe ( ?ahXBCh ) zu Israel dienen, trotz dessen schwerwiegender Untreue. Statt den Herrn wiederzulieben, hat es sich anderen Göttern zugewandt und liebt ( ?AhaB ) die heiligen Rosinenkuchen , die offenbar bei Festlichkeiten des Baalsdienstes verwendet wurden. Vielleicht sind sie den Kuchen, die der Göttin Astarte geopfert wurden, ähnlich (vgl. Jer 7,18; 44,19 ).

Hosea

2. Hoseas gehorsame Antwort
( 3,2 - 3 )


Hos 3,2


Hosea antwortete gehorsam auf den Befehl des Herrn (vgl. Hos 1,3 ). Er kaufte seine Frau zu einem beachtlichen Preis zurück. Ein Scheffel Gerste hatte vermutlich einen Wert von fünfzehn Silberstücken (Wolff, Hosea , S. 61). Insgesamt waren es also 30 Silberstücke, der Preis eines Sklaven (vgl. 2Mo 21,32 ).

Die Umstände dieses Kaufes sind nicht ganz klar. Ob Hosea sich von Gomer hatte scheiden lassen, wissen wir nicht. Vielleicht war sie auch eine Tempeldirne oder aber zum Besitz eines Mannes geworden, der sie als Konkubine beschäftigte oder als Prostituierte verkaufte. Der Ausdruck "geliebt von einem anderen" ( Hos 3,1 ) scheint anzudeuten, daß sie einem anderen Mann gehörte. Allerdings könnte das Wort "anderer" ( rEaZ , "Freund, Mitbürger") sich auch auf Hosea selbst beziehen (vgl. Jer 3,20 ). Die folgende Aussage über die Liebe Gottes für Israel scheint dies zu unterstützen. In diesem Fall könnte man übersetzen "Liebe eine Frau, die von ihrem Mann geliebt wird und doch eine Hure [ist]" ( Hos 3,1 ).


Hosea

Hos 3,3


Nachdem er Gomer rechtmäßig erworben hatte, ließ Hosea sie wissen, daß ihr Leben als Hure vorüber sei. Sie werde mit ihm zu Hause bleiben, weg von allen eventuellen Liebhabern. Die Bedeutung des letzten Satzes in Vers 3 ist unklar. Der Text heißt wörtlich: "und auch ich zu dir". Manche Übersetzungen verstehen den Ausdruck analog zu dem vorhergehenden " du wirst mit mir leben " und übersetzen " und ich werde mit dir leben ". Dann würde es bedeuten, daß beide Seiten nur füreinander da sind. Andere sehen darin, daß Hosea sich von allen sexuellen Beziehungen zu seiner Frau für eine längere Zeit lang enthalten wird (z. B. Luther-Übersetzung).


Hosea

3. Das Bild wird erklärt
( 3,4 - 5 )


Hos 3,4


Gomers lange Zeit der Isolation soll das Exil Israels verdeutlichen, wenn das Volk von seinen falschen Institutionen und Praktiken getrennt sein wird (vgl. Hos 2,8-9 ). Das Fehlen von König und Fürst spricht von dem Verlust der nationalen Souveränität. Die Wegnahme von Opfern und heiligen Steinen bedeutet, daß jede formelle religiöse Aktivität aufhört. Opfer, die Gott selbst angeordnet hatte, waren ein durchaus richtiger Aspekt der Anbetung, wenn sie in einer Haltung der wirklichen Hingabe dargebracht wurden. Aber die Opfer Israels waren durch die Verbindung mit dem Baalsdienst (vgl. Hos 4,19 ) und weil die Menschen es verpaßt hatten, "die wichtigeren Dinge des Gesetzes" ( Mt 23,23 ; vgl. Hos 6,6; 8,11-13 ) zu halten, verunreinigt worden. "Heilige Steine" ( maQQEBCh ) hatten in dem Gottesdienst der Patriarchen eine berechtigte Rolle gespielt (vgl. 1Mo 28,18.22; 31,13 ). Weil aber solche Steine auch bei der Ausübung der heidnischen Religion jener Zeit benutzt wurden, hatte Gott sie nach dem Einzug in das Land Kanaan verboten ( 3Mo 26,1; 5Mo 16,22 ). Israel aber hatte diesen Bund Gottes offen übertreten und solche Steine für den Baalsdienst aufgerichtet ( 2Kö 3,2; 10,26-27; 17,10; Hos 10,1; Mi 5,13 ).

Efod und Götzenbild waren beides Mittel der Wahrsagerei. In diesem Zusammenhang ist das Efod nicht das Kleidungsstück des Priesters, sondern ein kultischer Gegenstand (vgl. Ri 8,27 und Roland de Vaux, Ancient Israel . 2 Bde., New York: McGraw-Hill, 1965, 2:350). Götzenbilder ( t+rAPIm ) fanden sich manchmal in Häusern ( 1Mo 31,19; 1Sam 19,13.16 ) oder auch in einer königlichen Sammlung von Wahrsagegegenständen ( Hes 21,21 ). Sie wurden von Gott verachtet ( 1Sam 15,23; 2Kö 23,24 ). Diese beiden Gegenstände (Efod und Götzenbilder) werden nebeneinander auch im Buch Richter als Teil des Besitzes eines ephraimitischen Priester erwähnt ( 17, 5; 18,14.17-18.20 ). Sie wurden ihm als Instrumente der Wahrsagerei von den Danitern abgenommen und in ihrem von Gott nicht genehmigten Gottesdienstsystem verwandt ( Ri 18,27-31 ).


Hosea

Hos 3,5


Nach der Zeit der Isolation Israels wird das Volk umkehren und den HERRN suchen , nicht die falschen Götter ( Hos 2,9; 5,15 ; vgl. 5Mo 4,29 ). Auch Israel wird die Autorität der davidischen Monarchie anerkennen, die es zur Zeit Jerobeams verworfen hatte (vgl. 1Kö 12 ). Das Volk wird zum Herrn mit einem gesunden Gefühl der Ehrfurcht ( zitternd ) kommen, auch wenn es von ihm gesegnet wird. In der Vergangenheit hatte das Volk die Gaben Gottes für selbstverständlich angesehen und sich stolz von seinen Geboten abgewandt (vgl. Hos 13,6; 5Mo 8,10-18 ). Die Segnungen (wörtl.: "Wohltaten"), von denen hier gesprochen wird, sind Reichtum und landwirtschaftliche Fruchtbarkeit (vgl. 5Mo 6,11; Jes 1,19; Jer 2,7; 31,12.14 ,wo das gleiche Wort, FUB , verwandt wird). Der abschließende Ausdruck " in den letzten Tagen " wurde von den Propheten des achten Jahrhunderts als terminus technicus für die Zeit der Erneuerung Israels benutzt, die Mose vorausgesagt hatte ( Jes 2,2; Mi 4,1 ; vgl. 5Mo 4,30 ,"in späteren Tagen").


Hosea

III. Hoseas Botschaft: Gottes Gericht und die Wiederherstellung Israels
( Hos 4-14 )


Im restlichen Teil des Buches Hosea wird die Botschaft der ersten drei Kapitel näher erläutert. Zwar liegt die Betonung auf der Schuld und dem drohenden Untergang Israels, aber doch schließt jeder der drei großen Abschnitte ( Hos 4,1-6,3;6,4-11,11; 11,12-14,10 ) mit einer positiven Erwähnung der Wiederherstellung Israels (vgl. "Zweck und Botschaft" in der Einführung ).



A. Die Anklage des Herrn gegen Israel
( 4,1 - 6,3 )


Der erste Gericht-Heil-Block ist aus drei Teilen zusammengesetzt. In Kapitel 4 geht es um die Sünden des Nordreiches, während Hos 5,1-15 a die Schuld der ganzen Nation (also auch Judas) deutlich macht. In Hos 5,15-6,3 schließlich steht die Umkehr Israels im Blickfeld.



1. Israels Schuld wird aufgedeckt
( Hos 4 )


Die Schuld des Nordreiches ist das Hauptthema dieser einleitenden Gerichtsankündigung. Die Menschen und ihre Führer (Propheten, Herrscher und besonders die Priester) sind die Objekte des Mißfallens Gottes. Während die meisten der Verse in einem anklagenden Ton stehen, werden auch immer wieder Ankündigungen des kommenden Gerichtes eingestreut (vgl. V. 6 - 10 ).



a. Der Bundesbruch
( 4,1 - 3 )


Hos 4,1-2


Hosea beginnt diesen Abschnitt mit einer Anklage ( rIB , vgl. " Anklage " in Hos 12,3 und das Verb rIB , "tadeln", in Hos 2,4 ) des Volkes wegen Bundesbruch. Dem Volk fehlten alle Qualitäten, die ein Leben innerhalb des Bundes Gottes charakterisieren sollten. Es hatte weder Treue noch Liebe ( HeseD ; vgl. Hos 2,19 ), und es erkannte Gott nicht als seinen Herrn an. ( Anerkennung ist die Übersetzung von dAZaT , das mit yADaZ , "wissen", verwandt ist; vgl. die Anmerkungen zu Hos 2,22 .) Statt dessen war es offen den zehn Geboten, dem Ideal Gottes für die israelitische Gesellschaft, ungehorsam. Fünf Übertretungen der zehn Gebote werden ausdrücklich erwähnt: fluchen, lügen (vgl. Hos 7,1; 12,2 ), morden, stehlen und Ehebruch (also die Gebote 3,9,6,8 und 7 nach dieser Reihenfolge). "Fluchen" wird hier nicht als eine unangemessene Sprache allgemein verstanden, sondern meint, einen Fluch auf einen anderen Menschen herabzuwünschen (vgl. Hi 31,30 ). Weil dies für Israeliten die Verwendung des Namens Gottes bedeutete, übertraten sie damit das dritte Gebot, wenn der Fluch nicht wirklich gerechtfertigt war ( 2Mo 20,7; 5Mo 5,11 ; ein Beispiel eines gerechtfertigten Fluches, in dem der Name Gottes benutzt wird, findet sich in 4Mo 5,19-23 ).


Hosea

Hos 4,3


Wegen der Sünde Israels wird eine schwere Dürrezeit über das Land kommen, und die Menschen werden sterben ( verwelken ). Die drei Verben in diesem Vers sollten mit dem Futur (Zukunftsform) übersetzt werden (vgl. Hos 2,11.14 ). Die Dürre gehört zu den Flüchen des Gesetzes, die bei einem Bundesbruch angedroht worden waren (vgl. 3Mo 26,19; 5Mo 28,23-24 ).


Hosea

b. Die Schuld der Priester
( 4,4 - 10 )


Die Priester, zu denen diese Verse gesagt sind, haben teil an der Schuld der Menschen und werden daher nicht von der Strafe ausgenommen werden.



Hos 4,4


Die Strafe der Bevölkerung als Ganzes wird zunächst weiter verdeutlicht. Die ersten beiden Zeilen dieses Verses verbieten entweder Rechtshändel unter den Menschen oder die Auflehnung gegen die Anklagen Gottes (vgl. Mays, Hosea , S. 67). Wie man es auch übersetzen mag, jedenfalls ist der Grund für dieses Verbot, daß das ganze Volk der Auflehnung und Rebellion schuldig ist. Es ist wie jene , die die von Gott eingesetzten menschlichen Autoritäten schamlos ablehnen (vgl. 5Mo 17,12 ).

Hosea

Hos 4,5- (Hos 4,5a-b)


Hier wird nun die Anklage (V. 4 ) auf die religiösen Führer ausgedehnt. Man könnte den Vers auch so übersetzen, daß damit die Absetzung der religiösen Führer angekündigt wird. Das Wort " fallen " bezieht sich entsprechend auf das moralische Versagen der Priester (vgl. Hos 14,1; Jes 3,8; Jer 18,15; Mal 2,8 ) oder auf ihren kommenden Untergang (vgl. Hos 5,5; Jes 8,15; 28,13; 31,3; Jer 6,21; 8,12; 20,11 ). Diese Priester und Propheten dienten in den offiziellen Heiligtümern und am Königshof. Sie waren ihrem menschlichen König ergeben, nicht aber Gott (vgl. 1Kö 22,6-8; Am 7,10-17 ), und waren durch Selbstsucht (vgl. Jes 28,7; Jer 23,11 ) und Habgier ( Jer 6,13; Mi 3,11 ) gekennzeichnet.


Hosea

Hos 4,5-6 (Hos 4,5c-6)


Der Herr macht diese Führer für den Mangel an Erkenntnis im Volk verantwortlich (vgl. V. 1 ). Vor allem die Priester hatten ihre Pflicht, das Gesetz Gottes dem Volk zu lehren, (vgl. 5Mo 31,9-13; 33,8-10; Mal 2,7 ), vernachlässigt. Deshalb werden sie hart, aber gerecht, bestraft. Wegen ihrer Mitschuld an dem moralischen Niedergang werden auch die Mütter gerichtet werden. Dieser Gedanke ist zwar ungewöhnlich, taucht aber auch an anderen Stellen auf (vgl. Jer 22,26 ). Auf diese Weise wird die Nachkommenschaft der Priester verhindert. Die Priester selbst werden, weil sie die Erkenntnis verworfen haben, durch den Herrn aus ihrem Dienst entfernt. Weil sie das Gesetz mißachtet haben, wird der Herr auch ihre Kinder mißachten, was vermutlich bedeutet, daß sie nicht in die Stellung und Aufgabe ihrer Väter gelangen werden (vgl. 1Sam 2,27-35 ). Auf diese Weise wird die priesterliche Sukzession unterbrochen werden.

Die Wiederholung des Verbes in jeder der Gerichtsankündigungen ( vernichten, vernichtet, verworfen, verwerfen, mißachtet, mißachten ) unterstreicht, daß jede Strafe der Schuld vollkommen angemessen ist.


Hosea

Hos 4,7


Man sollte erwarten, daß eine Zunahme der Zahl der Priester sich positiv auf das moralische Klima in der Bevölkerung auswirken würde. In Israel jedoch hat diese Zunahme nur zu noch größerer Sünde geführt.

Nach manchen Übersetzungen wird die Anklage in Vers 7 b fortgeführt. Zugrunde liegt dabei eine Lesart, die nicht unbedeutend durch äußere Belege bezeugt ist. Nach dieser Lesart haben die Priester ihre Herrlichkeit (den Herrn) eingetauscht gegen etwas Schändliches (Götzen; vgl. Ps 106,20; Jer 2,11 ). Dennoch ist wohl der masoretische Text, "Ich will ihre Herrlichkeit zu Schande verwandeln" (z. B. Luther-Übers.), vorzuziehen. Der Herr wird die Ehre ( kABND , hier mit "Herrlichkeit" übersetzt, eine häufige Bedeutung für dieses Wort), die sie aufgrund ihrer Stellung haben, wegnehmen.


Hosea

Hos 4,8


In ihrer Habsucht haben sich die Priester durch die Sünden des Volkes bereichert, indem sie es ermutigt haben, noch mehr seiner heuchlerischen Opfer, die der Herr doch haßt (vgl. Hos 6,6; 8,11-13 ), zu bringen. Das zugrundeliegende Motiv der Priester war dabei die Habgier, denn schließlich erhielten sie bestimmte Teile dieser Opfer (vgl. 3Mo 7,7-10.28-34; 4Mo 18,8-19; 5Mo 18,1-5 ).


Hosea

Hos 4,9-10 a


Weil die Priester nicht besser waren als das Volk, werden auch sie die Folgen des Bundesfluches erfahren. Trotz ihrer habgierigen Versuche, sich mehr Nahrung zu verschaffen, werden sie nicht genügend zu essen haben, denn eine Dürrezeit wird die Nahrung knapp werden lassen (vgl. Hos 4,3; 3Mo 26,26; Mi 6,14 ). Ihre Versuche, durch kultische Prostitution die Fruchtbarkeit zu fördern, werden keine Erfolge haben (vgl. Hos 2,15 b; 5Mo 28,18 a).


Hosea

Hos 4,10 b


Hier wird die Sünde der Priester noch einmal zusammengefaßt. Sie haben den HERRN verlasse n, indem sie seinen Bund gebrochen haben (vgl. 5Mo 28,20; 29,24; 31,16 ). Der hebräische Text lautet wörtlich: "denn den Herrn haben sie verlassen zu gehorchen". Diese Aussage ist stark elliptisch und trägt etwa folgende Bedeutung: "Sie haben den Herrn verlassen, indem sie seinen Befehlen nicht gehorchen wollen."


Hosea

c. Die Schuld des Volkes
( 4,11 - 19 )


Hos 4,11-14


Nun wird die Anklage auf das Volk insgesamt ausgeweitet. Sinnliche Vergnügungen haben ihm den Verstand geraubt und es ohne Verständnis gelassen. Es hat an heidnischen Gottesdiensten teilgenommen mit Wahrsagerei (Antworten von einem Stück Holz ), Opfer für fremde Götter und kultischer Prostitution (vgl. Hos 5,4 ). Die kanaanitischen Götzenschreine, deren Vernichtung Mose befohlen hatte (vgl. 5Mo 12,2-3 ), lagen auf Hügeln und/oder unter schattigen Bäumen ( Eiche, Pappel und Terebinthe ) im ganzen Nordreich verteilt (vgl. 2Kö 17,10-11 ). Hier nahmen viele junge Frauen ( Töchter ) Israels an sexuellen Riten mit männlichen Tempelhurern teil (Hurerei; vgl. 5Mo 23,18-19; 1Kö 14,24 ). Es ging dabei um den Versuch, sich menschliche und landwirtschaftliche Fruchtbarkeit zu sichern, indem man die Fruchtbarkeitsgottheiten Baal und Aschera ihren Opfern und Gebeten gegenüber günstig stimmte. Aber diese Frauen werden nicht besonders zum Gericht herausgegriffen, denn auch die Männer gingen zu diesen Schreinen ( Hos 4,14 ). Auf einen solch offensichtlichen Mangel an Verständnis auch nur der grundlegendsten Prinzipien des Lebens innerhalb des Bundes Gottes kann der Herr nur antworten: Ein Volk ohne Verständnis (vgl. V. 11 ) wird zugrunde gehen !

Hosea

Hos 4,15


Juda wird nun gewarnt, die Sünden seines Bruders Israel zu vermeiden. Dies muß nicht bedeuten, daß die Menschen Judas die Gewohnheit hatten, die Kultstätten des Nordreiches, wie Gilgal (vgl. Hos 9,15 ) und Bet-Awen , aufzusuchen. Mays erklärt: "Die Ermahnung ... ist einfach eine bittere Verdammung des Kultus ... für die Ohren derer, die ihn durchführten" ( Hosea , S. 77). Die dreifache Warnung ( Gehe nicht, gehe nicht, schwöre nicht ) ist eine rhetorische Anweisung, durch die Israels Schuld noch deutlicher gemacht werden soll. Wer sich mit dem falschen, heuchlerischen Gottesdienst Israels identifiziert, wird dadurch unrein. Selbst Bet-El (wörtl.: "Haus Gottes"), der Ort des Traumes Jakobs ( 1Mo 28,10-19 ), ist zu "Bet-Awen" (wörtl.: "Haus der Gottlosigkeit"; vgl. Hos 10,5; Am 5,5 ) geworden durch die religiösen Praktiken, die dort vollzogen werden ( 1Kö 12,28-30; 2Kö10, 29; 23,15; Am 4,4 ). Die Israeliten besaßen sogar die Frechheit, inmitten dieses götzendienerischen und unmoralischen Tuns, den Namen Gottes bei ihren Schwüren zu benutzen. Das Gesetz schrieb Israel vor, beim Namen Gottes zu schwören ( 5Mo 6,13; 10,20 ). Eine solche angebliche Verehrung des Herrn aber war angesichts des praktizierten Götzendienstes reinste Heuchelei.


Hosea

Hos 4,16


Durch seine Weigerung umzukehren hatte sich Israel selbst von dem Schutz und der Leitung Gottes getrennt. Solange sich das Volk wie eine junge Kuh benimmt, die sich störrisch gegen Gottes Führung auflehnt, wird Gott es auch so behandeln (vgl. Jer 31,18 ) und nicht wie ein Lamm, das man frei auf großen Weiden grasen läßt. Störrisch bezieht sich auf eine auflehnende Haltung, die der Herr beklagt (vgl. 5Mo 21,18-21 ).


Hosea

Hos 4,17


Weil sich Israel so sehr in Götzendienst verstrickt hat ( zu den Götzen gesellt ), wird es auch auf sich selbst gestellt bleiben und untergehen. Ephraim , ein bedeutender Stamm des Nordreiches, der im Buch Hosea 36mal genannt wird, bezieht sich auf das gesamte Nordreich Israel (vgl. den Parallelismus in Hos 5,3.5 ; vgl. auch Jes 7,2.5.8-9.17 ).


Hosea

Hos 4,18


Die Anklage schließt, wie sie begonnen hat: mit einer Erwähnung der Trinkgelage und Unmoralität, die das Volk und seine Herrscher kennzeichnen (vgl. V. 11 ). Das Wort für Herrscher heißt wörtlich übersetzt "Schilder", ein Ausdruck, der auf die positive, schützende Aufgabe hinweist, die ein Herrscher des Volkes ausüben sollte (vgl. Ps 84,10.12; 89,19 ). Israels Herrscher waren in dieser Hinsicht ganz besonders mangelhaft, denn sie liebten nur die schändlichen Taten.

Hosea

Hos 4,19


Die Folge der Sünde Israels ist das Gericht. Die erste Zeile dieses Verses heißt wörtlich: "Der Wind hat sie mit seinen Flügeln umspannt." Damit wird gesagt, daß das Volk bald hinweggefegt werden wird. Dann werden die götzendienerischen Opfer (oder, wenn man der LXX folgt, die "Altäre") sich als Quelle von Enttäuschung und Schande erweisen (vgl. Hos 10,5-6 ).

Hosea

2. Israels Gericht wird verkündigt
( 5,1 - 14 )


Das Nordreich bleibt auch in diesem Abschnitt der eigentliche Adressat. Aber dennoch tritt nun auch Juda, das bereits gewarnt worden war, dem Beispiel Israels zu folgen ( Hos 4,15 ), in den Lichtkegel des Gerichtes Gottes (vgl. Hos 5,5.8.10.13-14 ). Das Kapitel beginnt mit einer Anklage der Schuld (V. 1 - 5 ), die dann in eine Ankündigung des Gerichtes übergeht (V. 6 - 15 a).



Hos 5,1-2


Obwohl die Anklage das gesamte Volk umfaßt ( ihr Israeliten ), werden doch die Priesterschaft ( Priester ) und die Monarchie ( königliches Haus ) besonders herausgegriffen (vgl. Hos 4,4-10.18 ). Die Führer des Volkes hatten die Menschen dazu ermutigt, an Kultstätten wie Mizpa und Tabor Götzendienst zu betreiben. Dadurch waren sie wie eine Schlinge oder ein Netz , mit denen man Vögel fing (vgl. Hos 7,12; Am 3,5 ). Der Berg Tabor liegt im Norden Israels, etwa 20 km südwestlich des Sees Genezareth. Mizpa bezieht sich hier auf einen Ort, der entweder in Gilead oder in dem Gebiet des Stammes Benjamin lag. Wenn ersteres der Fall ist, dann ging es bei den erwähnten Orten um Gegenden im Nordreich, westlich und östlich des Jordan. Wenn sich Mizpa auf das Gebiet Benjamins bezieht, sind vermutlich alle Kultstätten vom Süden bis in den Norden angesprochen. In beiden Fällen soll die Auswahl der Ortsnamen zeigen, wie der Götzendienst unter Führung der Priester bereits das gesamte Land durchsetzt hat.

Die widerspenstigen Priester waren tief hinabgestiegen (eine tiefe Grube), um ihre Beute zu schlachten (hier wird das Bild der Jagd aus Hos 5,1 b weitergeführt), das Volk Israel.

Vers 2 b kann auf zwei verschiedene Weisen verstanden werden. Entweder spricht er von der kommenden Strafe ( Ich werde bestrafen ; vgl. Luther-Übers. und siehe Hos 10,10 ) oder von Versuchen in der Vergangenheit, die Widerspenstigkeit des Volkes zu beseitigen ("Ich habe sie alle zurechtgewiesen"; vgl. Am 4,6-12 ). In beiden Fällen bezieht sich "Strafe" ( mUsAr ) hier auf ein hartes Gerichtshandeln Gottes, durch das er zu einem richtigen Verhalten führen möchte. Auf diese Weise ist es ein Ausdruck seiner Liebe und einer engen Beziehung zu seinem Volk (vgl. Spr 3,11;13,24;15,5 ). Das positive Ziel des Gerichtes Gottes ist offensichtlich (vgl. Hos 2,8-9; Hos 5,15 b).


Hosea

Hos 5,3-5


Die Schuld des Volkes als Ganzes wird dargelegt. Israel kann seine Sünde nicht vor dem allwissenden Gott verstecken. Das Volk ist verdorben ( FAmA? , "unrein sein", "entweiht sein") durch seine geistliche Hurerei (vgl. Hos 6,10 ). Die Wortwahl hier stammt vermutlich aus 4Mo 5,20.27-28 ,wo das gleiche Verb ( FAmA? ) die Folgen des Ehebruches für den untreuen Partner beschreibt (vgl. 3Mo 18,20.24 ). Das sündige Israel war durch einen Geist der Prostitution so überwältigt worden ( Hos 5,4 ; vgl. Hos 4,12 ), daß jede Möglichkeit der Umkehr und der Anerkennung der Autorität Gottes zur Zeit ausgeschlossen war. Der Hochmut des Volkes selbst diente als Zeuge (" bezeugt "; vgl. den ähnlichen Ausdruck in 1Sam 12,3;1,16 ) für seine Schuld und führte nach dem bekannten Sprichwort ( Spr 16,18 ) zu seinem Fall (vgl. " fallen " in Hos 4,5 ). Juda ist dem Beispiel Israels gefolgt und ebenfalls moralisch verdorben.


Hosea

Hos 5,6


Die Strafe des Herrn gegen sein Volk zeigt sich auf zwei Arten: Entzug von Hilfe und Segen (V. 6 - 7.15 a) und Krieg (V. 8 - 14 ). In den Tagen, die nun kommen, wird Israel durch Opfer von Schafen und Rindern verzweifelt den Herrn suchen. Aber dieser heuchlerische Ritualismus, dem jede echte Bundestreue fehlt, wird nichts nützen (vgl. Hos 6,6; Hos 8,11-13; Jes 1,10-17 ).

Hosea

Hos 5,7


Gottes Volk ist untreu gewesen. Das hebräische Verb ( bAGaD ) spricht oft von dem Versagen, seine natürlichen (vgl. Jer 12,6 ) oder durch ein Abkommen übernommenen (vgl. Ri 9,6.23; Mal 2,14-16 ) Verpflichtungen zu erfüllen. Hier bildet eheliche Untreue den Hintergrund (vgl. Jer 3,20 ). Wie schon in den vorausgehenden Kapiteln zeigt Hosea Israel als die ehebrecherische Frau Gottes. Indem er das Bild weiter fortführt, sagt er, daß sie sogar fremde Kinder geboren hat , eine unvermeidliche Folge ihres ehebrecherischen Verhaltens. Vielleicht stand hinter dieser Aussage tatsächlich die Geburt von Kindern, die durch die kultischen sexuellen Handlungen gezeugt worden waren (vgl. Hos 4,13-15 ).

Solche Rituale erhöhen nur die Schuld des Volkes. Die Teilnahme an religiösen Festen (hier die Feier des Neumondes ; vgl. Hos 2,13 ) wird den Untergang nur noch beschleunigen, nicht aber ihn verhindern. Statt das Wachstum der Bevölkerung zu erleben, wird das Volk letztlich durch seine eigenen Sünden untergehen (vgl. 3Mo 26,21-22; 5Mo 28,62-63 ). Die Felder, um deren Fruchtbarkeit willen es Baal anbetet, werden durch Dürre, Brand und Insekten vernichtet und durch die angreifenden Armeen überrannt werden (vgl. 3Mo 26,16.19-20; 5Mo 28,17.22-24.33.38-42.51 ).


Hosea

Hos 5,8-9


Das Blasen der Posaunen zum Kampf wird in Israel zu hören sein. Eine angreifende Militärmacht wird bis zu den Grenzen des Südreiches vordringen (vgl. Kidner, Love to the Loveless , S. 61). Gibea und Rama lagen nur wenige Kilometer nördlich von Jerusalem im Gebiet Benjamins im Südreich (vgl. Jos 18,25.28 ). Bet-Awen (vermutlich Bet-El; vgl. Hos 4,15 ) war zwar ursprünglich eine benjaminitische Stadt gewesen ( Jos 18,22 ), lag aber zu dieser Zeit kurz hinter der südlichen Grenze im Gebiet Israels.

Die Bedeutung des letzten Ausdruckes in Hos 5,8 ," hinter dir, o Benjamin ", ist nicht klar. Der gleiche Ausdruck erscheint auch im Lied Deboras, wenn sie von der Musterung der israelitischen Truppen spricht ( Ri 5,14 ). Damals war Benjamin vor Ephraim in den Kampf gegen die kanaanitischen Heere des Nordens gezogen. Vielleicht wird dieses alte Lied hier von Hosea auf ironische Weise benutzt. Während der bevorstehenden Invasion wird Ephraim zerstört werden. Benjamin wird, statt Ephraim in den Kampf zu führen, von dem gleichen Angreifer verfolgt werden. Dann könnte man die Zeile so umschreiben: "Hinter dir, o Benjamin, kommt der Eroberer Ephraim her."

Die Zerstörung von Ephraim wird ganz sicher eintreten, denn der Herr hat sie angekündigt, und sein Wort ist unverletzlich ( Ich verkündige, was sicher kommt ). Dieses kommende Gericht wird den Fluch des Bundes aus 3Mo 26,32-35 erfüllen.


Hosea

Hos 5,10


Auch Juda wird letztlich nicht verschont bleiben (vgl. aber Hos 1,7 ). Seine Führer haben ebenfalls den Bund gebrochen. Sie sind wie jene, die Grenzsteine verrücken, denn sie zeigen keinerlei Achtung vor dem Gesetz Gottes. Das Verrücken von Grenzsteinen wurde vom Gesetz eindeutig verboten ( 5Mo 19,14 ) und war mit einem Fluch belegt ( 5Mo 27,17 ). Es war gleichbedeutend mit Diebstahl, denn man verwischte dadurch die gesetzlichen Grenzen zwischen den Eigentümern und brachte sich in den Besitz von Land, das jemand anderem gehörte. Vielleicht wurde dieses Verbrechen herausgegriffen, um dadurch die ganzen sozialen Ungerechtigkeiten deutlich zu machen, die von der Oberklasse Judas begangen wurden (vgl. Jes 5,8; Mi 2,1-2 ). Über die sündigen Führer Judas wird der Herr seinen Zorn ausgießen wie eine Wasserflut (wörtl.: "wie Wasser"), womit vermutlich Regenwasser gemeint ist (vgl. Am 5,8; 9,6 ).

Hosea

Hos 5,11


Nach Vers 11-14 hat das Gericht bereits begonnen. Ephraim wird unterdrückt und zertreten. Wieder spielt Hosea auf den Fluch des Bundes an (vgl. 5Mo 28,33 ). Dieses Gericht könnte sich auf die assyrische Invasion von 733 v. Chr. beziehen (vgl. 2Kö 15,29 ). Israels Schwierigkeiten gingen letztlich zurück auf seine eigene Sünde, nicht auf den Imperialismus Assyriens. Das Wort " Götzen ", das sich in manchen Übersetzungen findet, ist eine Konjektur, denn das hebräische Wort saw ist nicht bekannt. Andere Übersetzungen schlagen vor, "menschliche Befehle" einzusetzen, was jedoch unwahrscheinlich ist. Vielleicht ist das hebräische Wort eine Abwandlung des Wortes für "Nichtigkeit" ( QAw? , Luther-Übers., nach der LXX) oder "Dreck" (d. h. "Exkremente"; vgl. Andersen und Freedman, Hosea , S. 409f). Es geht dabei vermutlich um falsche Götter (daher der Übersetzungsvorschlag "Götzen"). Der hebräische Text lautet wörtlich: "denn er lief beständig hinter der Nichtigkeit/dem Dreck (?) her". Der Begriff "hinterherlaufen", in der Übersetzung "folgen", wird an anderen Stellen mit Götzen als Objekt gebraucht (vgl. 5Mo 4,3; 6,14; 8,19; 28,14; Jer 2,5 usw.).

Hosea

Hos 5,12


Der Herr selbst führt sein Volk still, aber effektiv in den Untergang. Für Ephraim ist er wie eine Motte , die die Kleider zerstört (vgl. Hi 13,28; Jes 50,9; 51,8 ). Für Juda ist er wie Verwesung , die Schritt für Schritt die Gebeine zerfallen läßt (vgl. Spr 12,4;14,30; Hab 3,16 ). Diese ungewöhnliche Bildsprache bedeutet, daß Gott die internationale Szene in souveräner Weise beherrscht und sie bereits Stück für Stück in Richtung Zerstörung Israels wendet.

Hosea

Hos 5,13


Die Antwort des Volkes auf seinen immer stärker werdenden Zerfall (wie eine Krankheit mit Wunden ) ging völlig in die falsche Richtung. Das Nordreich folgte dem Pfad der politischen Zweckmäßigkeit und wandte sich um zu dem Angreifer selbst, Tiglat-Pileser III. von Assyrien. Auf diese Weise suchte es, seine nationale Stabilität wiederzugewinnen. Vermutlich bezieht sich dieser Vers auf Hoseas Bündnis mit Assyrien ( 2Kö 17,3 ), das er schloß, als er den Thron von Israel bestieg (vgl. 2Kö 15,30 ). Juda hatte ein ähnliches Bündnis geschlossen, als es durch Syrien und Israel bedroht worden war ( 2Kö 16 ). Zwar erwähnt Hosea in Hos 5,13 b Juda nicht ausdrücklich, aber der Kontext (V. 13 a. 14 a) macht deutlich, daß auch Juda angesprochen ist. Diese Anstrengungen, die Wunden des Volkes zu heilen, sind vergeblich. Assyrien ist ein grausamer Herr, aber kein Arzt. Sobald Hosea den Tribut nicht mehr bezahlte, griffen die Assyrer das Land wieder an ( 2Kö 17,3-6 ).


Hosea

Hos 5,14


Die Motte (V. 12 ) wird zu einem wütenden Löwen , der seine Beute mit Macht ergreift und tötet. Der Gebrauch von sechs Verbformen in der ersten Person (Ich) im Hebräischen betont Gottes Anteil am Gericht. Letztlich ist der Herr selbst der Angreifer und Zerstörer, auch wenn er fremde Armeen als seine Werkzeuge benutzt.

Für Ephraim wurde diese Weissagung nur wenige Jahre später erfüllt, als Assyrien Samaria eroberte und das Volk in die Gefangenschaft führte ( 2Kö 17 ). Juda wurde 701 v. Chr. von den Assyrern überrannt, erlebte aber eine wunderbare Befreiung, nachdem es sehr verwüstet worden war (vgl. die Anmerkungen zu Hos 1,7 ). Die Weissagung über den Fall und das Exil Judas ( Hos 5,14 ) wurde schließlich durch Nebukadnezar erfüllt ( 2Kö 25 ).


Hosea

3. Israels Erneuerung wird angekündigt
( 5,15 - 6,3 )


Hos 5,15


Der eigentliche Zweck des Gerichtes Gottes über sein Volk ist, es wiederherzustellen (vgl. Hos 2,5-7 ). Nachdem das Volk Gottes die gerechte Strafe für seine Sünden empfangen hat, wird es sich in Buße und Reue zu ihm kehren. Das hebräische Wort, das mit sie geben ihre Schuld zu übersetzt wird, sollte besser wiedergegeben werden mit "sie tragen [ihre] Strafe" (vgl. den gleichen Ausdruck in Hos 10,2; 14,1 ). Gott wird dessen Gebete nicht hören. Er wird zurückgehen an seinen Ort wie ein Löwe, der zu seinem Lager zurückkehrt (vgl. Hos 5,14 ), bis das Gericht über die Nation ergangen ist. Im Gegensatz zu ihrem früheren heuchlerischen Versuch, den Herrn durch rituelle Opferungen zu besänftigen (vgl. V. 6 ), werden die Menschen ihn nun wirklich aufrichtig und ehrlich suchen.


Hosea

Hos 6,1-3


Diese Verse enthalten die Worte, die die bußfertige Generation der Zukunft sagen wird, wenn sie den Herrn sucht. Die Botschaft besteht aus zwei Kreisen, von denen jeder eine Aufforderung (V. 1 a. 3 a) und eine motivierende Verheißung (V. 1 b - 2.3 b) enthält.

Im Gegensatz zu der Torheit der Vergangenheit (vgl. Hos 5,13 ) wird sich Israel dem Herrn als seiner Quelle der Heilung und des Lebens zuwenden (vgl. 5Mo 32,39 ). Assyrien konnte Israel nicht heilen ( Hos 5,13 ), aber der Herr kann es, auch wenn er wie ein Löwe ist ( Hos 5,14 ). Er hatte es in Stücke gerissen . Nun wartete das Volk vertrauensvoll auf seine kommende Erneuerung seiner nationalen Lebenskraft. Die gleichbedeutenden Ausdrücke " nach zwei Tagen " und " am dritten Tag " sprechen von einer kurzen Zeitperiode, die bald eintreten wird. Israel wird die Autorität des Herrn anerkennen (im Gegensatz zu Hos 4,1.6; 5,4 ). Das Wort für " trachten " heißt wörtlich "folgen" oder "nachjagen". Es zeigt die Intensität der neugewonnenen Hingabe Israels.

Der Herr wird auf diese Treue ganz sicher antworten. Sein Hervortreten aus seinem Versteck (vgl. Hos 5,6.15 ) ist so sicher wie der Sonnenaufgang. Er wird seinen Segen ausgießen auf sein Volk, so wie der Winter- und Frühlingsregen die Erde bewässert und die landwirtschaftliche Fruchtbarkeit sichert. Dieser Vergleich ist besonders treffend, denn die Regelmäßigkeit dieser Regenfälle galt als ein Zeichen der Gunst Gottes (vgl. 5Mo 11,13-15 ).


Hosea

B. Die Anklage des Herrn gegen Israel wird erweitert
( 6,4 - 11,11 )


Die Anklage des Herrn gegen Israel wird in diesen Kapiteln erneut erweitert. Besonders betont wird die Schuld des Volkes, vor allem seine Undankbarkeit. Wie im vorhergehenden Abschnitt auch (vgl. Hos 5,15-6,3 ) wechselt das Thema am Ende dieses Abschnittes vom Gericht zur Erneuerung (vgl. Hos 11,8-11 ) über. Jeder Unterabschnitt wird dabei durch eine direkte Anrede eingeleitet (vgl. Hos 6,4; 9,1; 11,8 ). Die beiden Gerichtsreden ( Hos 6,4- 8,14; 9,1-11,7 ) sprechen in ihrer Zusammenfassung von einer Rückkehr nach Ägypten (vgl. Hos 8,13; Hos 11,5 ), während der kurze Heilsabschnitt ( Hos 11,8-11 ) die Rückkehr des Volkes Gottes aus diesem Land im Blickfeld hat (vgl. Hos 11,11 ).



1. Israels Schuld und Strafe
( 6,4 - 8,14 )


Die erste Gerichtsrede besteht aus zwei Teilen ( Hos 6,4-7,16; 8 ). In beiden geht es um einen Bundesbruch in den einleitenden Versen ( Hos 6,7; 8,1 ), und in beiden wird gegen Ende Ägypten erwähnt ( Hos 7,16; 8,13 ).



a. Israels Undankbarkeit wird bestraft
( 6,4 - 7,16 )


Diese Verse sind im wesentlichen anklagender Natur, obwohl gegen Ende auch das Gericht erwähnt wird (vgl. Hos 7,12-13.16 ). Die Versuche Gottes, sein Volk zu erneuern, stehen im Gegensatz zu dessen Auflehnung. Die einzelnen Unterabschnitte werden jeweils durch eine Erwähnung der gnädigen Haltung Gottes gegenüber dem Volk eingeleitet (vgl. Hos 6,4-11 a; Hos 6,11 b- Hos 7,12; 7,13-16 ).

(1) Der erste Unterabschnitt ( Hos 6,4-11 a)



Hos 6,4


Die Argumentation Gottes beginnt mit einer rhetorischen Frage an Ephraim und Juda. Sie ist voller Verzweiflung und Frustration. Gottes Volk hat alle seine Versuche, es zu Verstand zu bringen, verworfen. Seine Liebe ( HeseD ; vgl. Hos 2,21; 4,1 ) zum Herrn ist höchst flüchtiger Natur ( Hos 6,4 b). Wie der Nebel oder der Tau am frühen Morgen haben sich Treue und Hingabe immer wieder schnell verflüchtigt.

Hosea

Hos 6,5


Gottes Versuche, sein untreues Volk zu sich zurückzubringen, waren gewaltig gewesen (vgl. Am 4,6-11 ). Seine Worte des Gerichtes, die durch die Propheten verkündigt worden waren, hatten plötzlichen Tod und Zerstörung für viele Menschen gebracht (vgl. Jer 1,10; 5,14 ).


Hosea

Hos 6,6


Der Grund für solch schwere Züchtigung wird noch einmal wiederholt: Gottes Volk hat das eigentliche Verlangen Gottes nicht verstanden. Ihm geht es um Hingabe ( HeseD ; Barmherzigkeit ) und Treue ( Erkenntnis Gottes ; vgl. Hos 2,22; 4,1.6 ), die sich im Halten der Bundesverpflichtungen zeigt. Wenn die Opfer nicht aus Gehorsam heraus gebracht werden, sind sie bedeutungslos und sogar beleidigend für Gott (vgl. 1Sam 15,22; Jes 1,11-20; Am 5,21-24; Mi 6,6-8 ).


Hosea

Hos 6,7


Statt Gott zu gefallen, hat das Volk den Bund gebrochen und war untreu ( bAGaD ; vgl. die Anmerkungen zu Hos 5,7 ) gegen Gott. Das hebräische Wort für "wie Adam" kann auf verschiedene Weise übersetzt werden. " Bei Adam " setzt eine kleine Änderung im Hebräischen voraus und würde auf einen geographischen Ort in der Nähe des Jordan hinweisen. Das Wort "dort" in der nächsten Zeile und auch die Erwähnung von anderen Orten in Hos 6,8-9 könnten diese Übersetzung unterstützen. "Wie Menschen" versteht das hebräische Wort ?ADAm in seinem weitesten, allgemeinsten Sinn und nicht als Eigenname. In diesem Fall wird ein Vergleich gezogen zu der gefallenen Menschheit, deren Neigung zur Untreue wohlbekannt ist (vgl. Jes 40,6-8 ; des Menschen HeseD ["Herrlichkeit", Jes 40,6 ] ist so vergänglich wie Gras und wie Blumen, die in der Sonne verwelken). Auf der anderen Seite ist auch ein Vergleich mit Adam, dem ersten Menschen, möglich, der Gottes Gebot bewußt übertrat, als er von dem verbotenen Baum aß.


Hosea

Hos 6,8


Eine weit verbreitete physische Gewalttätigkeit ist nur eins der Beispiele für die Untreue des Volkes (V. 8-9 ; vgl. 2Mo 20,13 ). Da Gilead ein Bezirk war, nicht eine Stadt, ist in Hos 6,8 a vermutlich von der Stadt Ramot-Gilead, östlich des Jordan, die Rede. Diese Stadt war zu einem Zentrum geworden für gottlose Menschen (wörtl.: "Arbeiter der Frevelhaftigkeit"). In Ps 5,6 wird der gleiche Ausdruck mit "die Unrecht tun" übersetzt. Er bezieht sich auf die übelste Sorte Menschen, die aktiv die Gerechtigkeit unterdrücken und die Objekte des Hasses Gottes sind. In diesem Fall sind sie des Mordes schuldig ( Hos 6,8 b). Die Straßen der Stadt sind sozusagen durch die Sandalen der Mörder mit Blut besprengt (vgl. 1Kö 2,5 ). Die Bildsprache macht sowohl das Ausmaß als auch die Gewißheit der Schuld deutlich. Leider ist es nicht mehr möglich, den genauen historischen Hintergrund des Verbrechens zu bestimmen. Vielleicht geht es um die Unterdrückung der Armen. An anderen Stellen wird davon geredet, daß die "Arbeiter der Frevelhaftigkeit" darin schuldig sind, daß sie die Armen unterdrücken, was manchmal mit Mord verbunden war (vgl. Ps 94,4-6; Jes 1,21-23 ).

Hosea

Hos 6,9


Auch der Hintergund dieses Verses ist unklar. Vielleicht hatten Gruppen von Priestern tatsächlich Reisende auf dem Weg nach Schechem ermordet. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß die Sprache bildhaft ist und vielleicht auf die falsche Lehre der Priester und ihre Teilnahme an der sozialen Ausbeutung der Menschen hinweist. Die Erwähnung von (Ramot) Gilead und Schechem ist sehr bewußt. Josua hatte diese beiden Städte als Freistädte bestimmt, in denen Totschläger eine Zuflucht finden konnten ( Jos 20,1-2.7-8 ; vgl. die Karte "Die sechs Freistädte" zu 4Mo 35 ). Auf diese Weise sollte das Land vor einem Überhandnehmen der Blutrache bewahrt und die Gerechtigkeit gefördert werden. Ironischerweise waren gerade diese beiden Städte in den Tagen Hoseas für das Blutvergießen und die Ungerechtigkeit bekannt.

Die Verbrechen der Priester waren schändlich . Dieses Wort ( zimmCh ) wird sonst für die schlimmsten sexuellen Sünden, besonders auch von Inzucht ( 3Mo 18,17 ), kultischer Prostitution ( 3Mo 19,29 ), Vergewaltigung ( Ri 20,5-6 ) und Ehebruch ( Hi 31,9-11 ) benutzt. Die sexuelle Bedeutung liegt hier vermutlich ebenfalls im Hintergrund, weil der Bundesbruch der Priester ( Hos 6,6-7 ) mit Hurerei verglichen wird (V. 10 ).


Hosea

Hos 6,10-11 a


Die Sünde des Volkes wird in mächtigen Bildern beschrieben. Der weitverbreitete Bundesbruch (V. 6 - 7 ) ist eine schreckliche Sache. Jeremia benutzt einen ähnlichen Ausdruck, um verdorbene Feigen, die nicht mehr eßbar waren, zu bezeichnen ( Jer 29,17 ). Israel ist durch seine Hurerei, seine Untreue gegen den Herrn (vgl. Hos 5,3 ), verdorben . Der Vergleich des Gerichtes mit einer Ernte (vgl. Jer 51,33; Joe 4,13 ) macht dessen Unausweichlichkeit ( bestimmt ) und Gründlichkeit deutlich.

Hosea

Hos 6,11-7,1


(2) Der zweite Unterabschnitt ( 6, 11 b. 7,12 )

Zu Anfang dieses Unterabschnittes wird davon gesprochen, daß der Herr gerne sein Volk heilen möchte (vgl. Hos 6,1 ). Gott möchte Israel wieder in den Stand des Segens erneuern, aber seinen Versuchen folgten immer wieder neue Ausbrüche der Sünde und Verbrechen . Das im Volk weit verbreitete Lügen und Stehlen sind letztlich Auswirkungen der mangelnden Ehrfurcht vor dem Bund Gottes (vgl. 2Mo 20,15 ).


Hosea

Hos 7,2


Aber als ob es es noch schlimmer machen wollte, hat es auch Gottes moralisches Wesen mißachtet, indem es nicht erkannte, daß er sorgfältig auf dessen Sünden achtet (vgl. Ps 50,16-21 ). Deshalb haben es seine Sünden wie eine Mauer völlig umgeben (es umzingelt ) und jede Umkehr unwahrscheinlich gemacht. (Das hebräische Wort für "ihre Sünden" wird in Hos 5,4 mit "ihre Taten" wiedergegeben.)


Hosea

Hos 7,3


Die Herrscher sind nicht anders als ihre Untergebenen. Ein frommer Herrscher hätte sich allen Formen der Gottlosigkeit widersetzen müssen, diese Führer aber haben ihre Freude daran.


Hosea

Hos 7,4


Israel ist ein Volk von Ehebrechern . Es ist nicht ganz klar, ob es hier um den Bruch des Bundes Gottes (vgl. Hos 6,10 ) oder um tatsächlichen Ehebruch (vgl. Hos 4,2.13-14 ) geht. Jedenfalls ist Israels Leidenschaft zum Ungehorsam wie ein Feuer, das tief in einem Ofen brennt, während der Bäcker den Teig knetet und wartet, daß der Säuerungsprozeß vollendet wird. Wie ein Ofenfeuer konnte Israels Leidenschaft für eine kurze Zeit nachlassen, aber doch war sie immer gegenwärtig, bereit aufzulodern, wenn man sie anstocherte (vgl. Hos 7,6 ).

Hosea

Hos 7,5-6


Zwischen 752 und 732 v. Chr. wurden vier israelische Herrscher ermordet (vgl. 2Kö 15 ). Diese politischen Intrigen bilden den Hintergrund von Hos 7,5-7 .Wir finden hier eine Beschreibung darüber, wie die Verschwörer ihre Pläne durchgeführt haben.

Die Tage des Festes unseres Königs sind vermutlich ein Hinweis auf eine besondere Feierlichkeit, bei der der Herrscher im Mittelpunkt des Interesses stand. Der König feierte zusammen mit seinen Fürsten , die hier als Spötter bezeichnet werden, vermutlich weil sie völlig vom Wein beherrscht wurden (vgl. Spr 20,1 ). Während sie mit dem naiven König zusammen feierten, planten sie seinen Sturz.

Die Luther-Übersetzung in Vers 6 , " ihr Grimm schläft ", wird zwar durch äußere Argumente gestützt, macht jedoch eine leichte Veränderung des hebräischen Textes nötig. Der masoretische Text lautet: "ihr Bäcker schläft". Dies ist zwar sicher schwieriger zu verstehen, aber doch nicht unmöglich vom Zusammenhang her, vor allem im Blick auf Hos 7,4 .Dann würde hier der Vergleich ihres Herzens mit einem Ofen fortgeführt. Man könnte Vers 6 so umschreiben: "Wenn sie dem König nahen, sind ihre Herzen wie ein Ofen voller Feuer . Und so wie das Feuer nur niedrig brennt, solange der Bäcker nichts tut, bleibt auch ihr Vorhaben ein Geheimnis. Aber wenn die Zeit des Handelns kommt, verwirklichen sie ihren zerstörerischen Plan, so wie ein Feuer in einem Ofen auflodert, wenn die Zeit des Backens gekommen ist."

Hosea

Hos 7,7


Weil der königliche Hof in Israel voll solcher Mörder war, wechselte die Königskrone recht häufig ihren Besitzer. In dieser ganzen Zeit der Palastrevolten und Königsmorde machte niemand sich die Mühe, den Herrn aufzusuchen, den wahren König Israels und die einzige Quelle für nationale Stabilität.


Hosea

Hos 7,8


Statt dessen versuchte sich Ephraim vergeblich mit der Außenpolitik zu sichern (V. 8 - 12 ). Das Bild des Backens wird in Vers 8 fortgeführt (vgl. V. 4.6 - 7 ). Israel ist Allianzen mit fremden Völkern eingegangen (vgl. V. 11 ; Hos 8,9 ). Dies wird verglichen mit dem Mengen von Mehl und Öl, um daraus Kuchen zu formen ( bAlal , mischen, wird in diesem Sinn häufig benutzt). Diese Politik hat sich als selbstzerstörerisch erwiesen. Israel ist wie ein Kuchen geworden, der auf heißen Steinen liegt und nicht gewendet wurde - verbrannt und bald auch verworfen.


Hosea

Hos 7,9


Die negativen Folgen der israelitischen Außenpolitik werden in diesem Vers weiter beschrieben. Das Volk wird mit einem älteren Mann verglichen, der nicht erkannt hat, wie er immer älter geworden ist (den Verlust an physischer Kraft und das Ergrauen der Haare ). Der Tod ist näher, als er erwartet. Vermutlich geht es darum, daß Israel seine politische Autonomie verlieren wird. Dieser Verlust wird bereits angedeutet durch die Tributzahlungen, die stark an seinem Wohlstand und seiner Wirtschaft zehrten (vgl. 2Kö 15,19-20; 17,3 ).

Hosea

Hos 7,10


Trotz seiner geschwächten Position kehrte Israel nicht um. Die Weigerung ( Hochmut ) des Volkes, den Bundesgott anzuerkennen, belastete es selbst (vgl. zeugt gegen es; vgl. auch die Anmerkungen zu Hos 5,5 ).


Hosea

Hos 7,11


In seinen Bemühungen, Allianzen mit ausländischen Mächten zu schließen, konnte Israel mit einer Taube verglichen werden, was von einer gewissen Naivität zeugt (vgl. den Kommentar zu Hos 11,11 ). Unter Menahem (ca. 743 od. 738 v. Chr.) hielt sich Israel an die Oberherrschaft Assyriens ( 2Kö 15,19-20 ). Pekach (ca. 734 v. Chr.) strebte eine Koalition gegen Assyrien an, die Tiglat-Pileser III. jedoch grausam zerschlug ( 2Kö 15,29 ). Hoschea (732 - 722 v. Chr.) stoppte, nachdem er eine Zeitlang die Herrschaft Assyriens akzeptiert hatte, die Tributzahlungen und begehrte eine Allianz mit Ägypten ( 2Kö 17,3-4 a). Diese Rebellion führte zum Untergang des nördlichen Königreiches ( 2Kö 17,4 b. 5-6 ), das unvermeidbare Ergebnis einer Außenpolitik, die 20 Jahre lang durch unschlüssige und unangemessene Maßnahmen charakterisiert wurde.


Hosea

Hos 7,12


Das Schlimmste aber ist, daß in Israels Politik kein Platz für Gott ist (vgl. V. 7.10 ). Deshalb wird er im Gericht eingreifen. Während Israel sich mit der ganzen Naivität einer Taube (V. 11 ) Bündnispartner sucht, wird der Herr wie ein kluger und gut ausgerüsteter Jäger kommen und es fangen.


Hosea

Hos 7,14


Hier wird die Verwerfung Gottes durch Israel gezeigt. Das Volk wollte eine reiche Ernte ( Korn und neuen Wein ), brachte aber Gott nicht die ganze Hingabe des Herzens, ohne die landwirtschaftliche Fruchtbarkeit unmöglich war. Es heulte ( yAlal , wörtl.: "brüllen"; vgl. Joe 1,11 ) und verletzte sich selbst, als es über die mangelhafte Ernte klagte. Im zweiten Satz dieses Verses scheint die Lesart "Sie ritzten sich selbst" (Luther-Übers., nach der LXX und einigen hebräischen Handschriften) eher wahrscheinlich als " Sie versammelten sich ". Das Ritzen der Haut galt als Zeichen der Trauer (vgl. Jer 16,6; 41,5; 47,5 ) und war nach dem Gesetz verboten ( 5Mo 14,1 ), weil es zu sehr mit heidnischen Praktiken verbunden war. Die Propheten Baals schnitten sich selbst, um Baal, den Sturmgott, zum Handeln zu bringen (vgl. 1Kö 18, 28 ).

Hosea

Hos 7,15


Auch Israels Auflehnung macht seine Undankbarkeit deutlich. Der Herr hat es (wört.: "ihre Arme") gelehrt und gestärkt . Der Ausdruck "die Arme stärken" kann sich sonst auf eine göttliche Verleihung militärischer Macht beziehen ( Hes 30,24-25 ). Vielleicht geht es um die militärischen Erfolge Israels in der Vergangenheit (so z. B. die von Jerobeam II.; vgl. 2Kö 14,25-28 ). Trotz der Erfahrung göttlicher Hilfe im Kampf hat Israel Gott wie einen Feind behandelt. Der Ausdruck " plant Böses gegen mich " spricht von intensiver Feindschaft und Widerstand. Eine ähnliche Sprache wird benutzt, um den Versuch der Brüder Josephs, ihn umzubringen, zu bezeichnen ( 1Mo 50,20 ).

Hosea

Hos 7,16


Israels Feindschaft gegen den Herrn ist ein Ausdruck seiner Untreue. Israel ist wie ein schlaffer Bogen . Solch eine Waffe ist nicht verläßlich, denn sie gehorcht dem Bogenschützen nicht richtig. Auf gleiche Weise macht die Feindlichkeit Israels gegen Gottes Gnade das unzuverlässige, untreue Wesen des Volkes deutlich (vgl. Ps 78,57 ).

Die Führer des Volkes, die ihre wahre Quelle der Kraft verworfen haben (vgl. Hos 7,15 ), werden wegen ihres Stolzes im Kampf untergehen. Der Ausdruck " freche Worte " meint eine förmliche Verwerfung oder einen Fluch. Die Ablehnung der göttlichen Hilfe durch Israel zugunsten außenpolitischer Allianzen wird mit einer verbalen Zurückweisung Gottes verglichen. Aber Israel wird selbst zu einem Objekt des Spottes werden unter den Ägyptern, dessen Hilfe es törichterweise gesucht hat (vgl. V. 11 ).


Hosea

b. Israels Auflehnung wird bestraft
( Hos 8 )


Dieser Abschnitt enthält mehrere Bilder für die rebellische Haltung des Volkes und kündigt das kommende Gericht Gottes an.



Hos 8,1


Das Kapitel beginnt mit einer alarmierenden Aussage. Eine Posaune muß geblasen werden, um den herannahenden Kampf anzukündigen (vgl. Hos 5,8 ). Ein Feind (die Assyrer) ist bereit, wie ein mächtiger Adler über Israel zu kommen. Diese Gerichtsankündigung erinnert an den Fluch des Bundes aus 5Mo 28,49 . Das Haus des HERRN bezieht sich hier auf das Land Israel (wie in Hos 9,15 auch; vgl. "das Land des Herrn", Hos 9,3 ). Wieder wird von Israel gesagt, daß es ein widerstrebendes Volk ist (vgl. Hos 7,13 ).


Hosea

Hos 8,2-3


Israel gibt wohl vor, den Herrn anzubeten, nennt ihn seinen Gott und behauptet, seine Autorität anzuerkennen. Aber dies ist nur ein Lippenbekenntnis (vgl. Hos 4,1.6; Hos 5,4 ). Seine sündigen Taten sprechen lauter als seine Worte. In Wirklichkeit hat es verworfen, was gut ist (die moralischen und ethischen Gebote Gottes; vgl. Am 5,14-15; Mi 6,8 ). Deshalb wird ein Feind es bald verfolgen. Der schnelle Rückzug ist ein Bild für die Erfüllung eines weiteren Bundesfluches (vgl. 5Mo 28,45 ).

Hosea

Hos 8,4


Zwei Beispiele der Sünde Israels werden in Vers 4-6 genannt. Israel hat sich Könige und andere Herrscher eingesetzt, ohne den Herrn um Rat zu fragen. Hier wird erneut auf eine Reihe von Palastrevolten angespielt, die das Nordreich nach der Herrschaft von Jerobeam II. heimsuchten (vgl. Hos 7,5-7 ). Israel hat sich Götzen für sich selbst gemacht und damit das zweite Gebot gebrochen (vgl. 2Mo 20,4 ).

Hosea

Hos 8,5


Das Kalbsbild von Samaria (vgl. V. 6 ) wird besonders herausgegriffen, weil es die götzendienerische Natur Israels versinnbildlicht. Da wir keinen Bericht über die Errichtung eines solchen Götzenbildes in Samaria finden, kann es sein, daß die Stadt Samaria hier stellvertretend für das gesamte Nordreich steht (vgl. Hos 7,1; 10,7 ). Wenn dies so ist, dann ist das Kalbsbild vermutlich das Bild, das von Jerobeam I. in Bethel aufgestellt wurde (vgl. 1Kö 12,28-30; Hos 10,5 ). Durch das Aufstellen goldener Kälber (eines in Dan und eines in Bethel) wiederholte Jerobeam die Sünden früherer Generationen (vgl. 2Mo 32,1-4 ). Vermutlich sahen die Menschen hinter diesen Bildern den Sturm- und Fruchtbarkeitsgott Baal (vgl. Hos 13,1-2 ).

Die Worte " hinauswerfen " folgen der Septuaginta. Wörtlich heißt der hebräische Text: "Er hat dein Kalb verworfen, o Samaria" (vgl. Luther-Übers., die allerdings in der 1. Pers. Sing. wiedergibt). Daß hier in einer wörtlichen Rede in der dritten Person von Gott gesprochen wird, ist ungewöhnlich, wenn es auch an anderen Stellen hin und wieder vorkommt (vgl. Hos 1,7 ,"der Herr"; Hos 2,24 ,"der Herr"; Hos 4,6 ,"dein Gott"; Hos 4,10 ,"der Herr"; Hos 4,12 ,"ihr Gott"; Hos 8,13 "der Herr" und "er"). "Verworfen" (im Hebr. in V. 5 ) bildet ein interessantes Wortspiel mit "verworfen" in Vers 3. Israel hat verworfen ( zAnaH ), was gut ist, und sich den Götzen zugewandt. Der Herr nun antwortet darauf, indem er Israels Götzen verwirft ( zAnaH ). So wie Mose und Josua gewarnt hatten ( 5Mo 11,17; Jos 23,16 ), ist der Zorn Gottes gegen die Götzendiener entbrannt. Voll Trauer fragt der Herr: Wie lange werden sie nicht gereinigt werden können?


Hosea

Hos 8,6


Das Kalbsbild (V. 5 ) ist ein Produkt menschlichen handwerklichen Könnens. Wie also kann es ein Gott sein? (Vgl. Jes 40,18-20; 44,9-20 .) Die Worte " es ist nicht Gott " sollen vermutlich Jerobeam widerlegen, der von den Kälbern gesagt hatte: "Hier sind deine Götter, o Israel" ( 1Kö 12,28 ; vgl. 2Mo 32,4 ). Die Vernichtung dieser Bilder wird die Vergänglichkeit des Götzendienstes zeigen.

Hosea

Hos 8,7


Der Ausdruck " sie säen den Wind " verbindet zwei Gedankengänge. Er spricht von der Vergeblichkeit ihres heidnischen Götzendienstes (V. 4 - 6 ) und ihrer Außenpolitik (V. 8 - 10 ). "Wind" steht für das, was ohne Inhalt und daher wertlos ist und keine wirkliche Hilfe sein kann (vgl. Spr 11,29 ). Israel wird in besonderem Maße ernten, was es gesät hat. Die Sinnlosigkeit (Wind), die es wie Samen gepflanzt hat, wird eine Ernte der Vernichtung hervorbringen (dargestellt durch den Wirbelwind ). Alle Versuche der Selbsterhaltung werden letztlich selbstzerstörerisch wirken.

Das Bild aus der Landwirtschaft wird fortgeführt. Israels Ernte wird wertlos sein und nur Halme, aber kein Korn enthalten. Selbst wenn es Korn produzieren würde, würden Fremde es wegnehmen und das Volk hätte keinen Lohn für seine Arbeit.


Hosea

Hos 8,8


Israel ist bereits durch seine Außenpolitik verschlungen (vgl. Hos 7,8-12 ). Seine Verbindungen zu fremden Völkern rauben dem Volk seine Stärke und Identität als Volk Gottes. Israel ist so wertlos geworden wie ein zerbrochener Topf (vgl. Jer 22,28; Jer 48,38 ). Die Worte " wertloses Ding " heißen wörtlich: "ein Topf, an dem niemand Freude hat".


Hosea

Hos 8,9


Israels Versuch, sich mit Assyrien zu verbinden, kann mit dem Wandern eines Wildesels verglichen werden, ein Tier, das für sein Verlangen nach Unabhängigkeit von allen Bindungen bekannt ist (vgl. Hi 39,5-8 ). Außerdem werden die Allianzen Israels mit Hurerei verglichen. Wie eine Hure hat sie sich selbst an Liebhaber (d. h. ausländische Völker) verkauft .


Hosea

Hos 8,10


Trotz des verzweifelten Versuches Israels, sich selbst zu erhalten, ist das Gericht Gottes unausweichlich und sicher. Der Herr wird als jemand angesehen, der es von seinen Wanderungen nach Assyrien und Ägypten zurückbringt, um es zu unterdrücken (vgl. Hos 7,13 ). Das Werkzeug dieses Gerichtes wird der mächtige König (d. h. der König Assyriens; vgl. Hos 10,6 ) sein, dessen Hilfe Israel ironischerweise gesucht hatte.


Hosea

Hos 8,11-13


Eine andere Sünde Israels ist sein heuchlerischer Ritualismus. Die Menschen haben viele Altäre für Sündopfer gebaut . Aber diese Altäre sind zu Altären für das Sündigen geworden, denn die dort vollzogenen rituellen Handlungen sind nur Heuchelei. Wenn die Opfer nicht mit einer ganzen Hingabe an seine Gebote, die von Herzen kommt, verbunden sind, dann sind sie eine Beleidigung für Gott (vgl. Hos 6,6; Jes 1,11 ). Israel hat viele Altäre gebaut, aber zur gleichen Zeit die vielen Dinge des Gesetzes Gottes (die Verpflichtungen des Bundes; vgl. Hos 8,1 ) wie etwas Fremdes behandelt. Deshalb nimmt der Herr die Opfer, die es ihm opfert, nicht an. Vielmehr wird er das Volk für seine Sünden strafen, indem er es in die Gefangenschaft wegführen läßt. Ägypten steht hier als Symbol für den Ort des zukünftigen Exils und der Knechtschaft (vgl. Hos 9,3; 11,5; 5Mo 28,68 ). Zugleich wird dadurch deutlich, wie sehr das Gericht Gottes der Schuld angemessen ist. In der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens hatte Israel die Gnade Gottes erfahren. Weil es nun diese Gnade verschmäht hat, wird es wieder in die Sklaverei zurückkehren müssen.


Hosea

Hos 8,14


Ein letztes Beispiel für die Untreue des Volkes ist seine Selbstzufriedenheit. Juda wird an dieser Stelle ausdrücklich mit eingeschlossen. Nachdem es vergessen hat (vgl. Hos 2,13 ), daß sein Dasein nur von dem Herrn abhängt (vgl. seinem Schöpfer ), hat Gottes Volk voller Stolz durch seine eigenen Anstrengungen Berühmtheit ( Paläste ) und Sicherheit ( viele Städte befestigt, Festungen ; vgl. Hos 10,14 ) für sich gesucht. Aber der Herr wird diese falschen Sicherheiten zerstören (durch Feuer ) und auch dadurch einen Bundesfluch erfüllen (vgl. 5Mo 28,52 ). Gottes Gericht kam durch die Assyrer. Sanherib "griff alle befestigten Städte Judas an und eroberte sie" ( 2Kö 18,13 ).


Hosea

2. Israels Schuld und Strafe wird wiederholt
( 9,1 - 11,7 )


Diese Gerichtsbotschaft besteht aus vier Abschnitten. Der erste ( Hos 9,1-9 ) beginnt mit einer direkten Anrede an Israel, die als äußere Markierung eines neuen Abschnittes dient (vgl. Hos 6,4 ). Die anderen Abschnitte beginnen mit einer Anspielung auf die frühe Geschichte Israels ( Hos 9,10; 10,1; 11,1 ).



a. Israels Feindlichkeit wird bestraft
( 9,1 - 9 )


Hos 9,1-2


Israel soll sich nicht freuen in Erwartung einer reichen Ernte (vgl. V. 2 ), denn seine Untreue hat jeglichen weiteren Segen Gottes unmöglich gemacht (V. 1 ; vgl. Hos 2,10-11 ). Auf allen Tennen hat Israel fälschlicherweise den Reichtum der Ernte Baal zugeschrieben (vgl. Hos 2,7 ). Es ist zu einer Hure geworden, die ihre Anbetung Baal schenkt und die von Baal den Lohn einer Hure empfängt. Dieser "Lohn" ist Weizen (auf der Tenne), Wein und Feigen ( Hos 2,14 ), Speise, Wasser, Wolle, Leinen, Öl und Getränk ( Hos 2,7 ). Israel glaubte also, daß es durch seine Hingabe (Prostitution) an Baal von diesem gesegnet würde durch reiche Ernten und andere Dinge des täglichen Lebens.

Die reichen Ernten werden aufhören ( Hos 9,2 ; vgl. Hos 2,11-14 ). Gott wird die Bundesflüche erfüllen (vgl. 5Mo 28,30.38-42.51 ) und Korn und Wein wegnehmen (vgl. Hos 2,11; 7,14 ). Weinpressen ( yeqeB ) wurden sowohl für Trauben als auch für Oliven benutzt (vgl. Joe 2,24 ). Da Wein noch besonders erwähnt wird (in der letzten Zeile von Hos 9,2 ), könnte sich yeqeB in diesem Zusammenhang hauptsächlich auf Öl beziehen (vgl. Korn, Wein und Öl in Hos 2,10.24 ).


Hosea

Hos 9,3


Das Gericht, von dem in Vers 2 gesprochen wurde, wird letztlich durch Invasion und Gefangennahme durchgeführt werden. Das Land gehört dem Herrn (vgl. 2Mo 15,17; 3Mo 25,23 ), der für seine Fruchtbarkeit zuständig ist (vgl. 5Mo 11,10-12 ). Als das Volk anfing, die Produkte des Landes Baal zuzuschreiben, verwirkte es den Segen eines Lebens in Frieden und Wohlstand ( 5Mo 11,8-21 ). Erneut wird Ägypten als Symbol für den Ort des Exils genannt (vgl. Hos 7,16; 8,13; 11,5 ). Assyrien wird der tatsächliche Ort sein ( 2Kö 17,6 ). Dort, in einem unreinen Land (vgl. Am 7,17 ), wird Israel gezwungen sein, kultisch unreine Speise zu essen (vgl. Hes 4,13 ), statt die Früchte des Segens Gottes zu genießen. Die Strafe paßt zu dem Verbrechen. Israel ist durch seine Sünde verunreinigt worden (vgl. Hos 5,3; 6,10 ). Wie passend also, daß es unreine Speise in einem unreinen Land zu sich nehmen muß.


Hosea

Hos 9,4


Im Exil wird jede Möglichkeit, dem Herrn zu dienen und ihn anzubeten, aufhören. Wieder ist die Strafe äußerst angemessen. Israels levitischer Gottesdienst war durch Heuchelei verdorben worden (vgl. Hos 6,6; 8,11-13 ). Ein Volk, das seinen äußeren Gottesdienst nicht in der rechten inneren Einstellung feiern will, verliert auch das Vorrecht auf diesen Gottesdienst. Weinopfer , die bei gewissen Arten von Opfern gebracht wurden (vgl. 4Mo 15,1-12 ), werden aufhören. Die Opfer, die in einem fremden Land dargebracht werden, können Gott nicht gefallen. Sie werden den gleichen Effekt haben für die, die das Opfer darbringen, wie Brot, das von Trauernden gegessen wird, die alles, was sie berühren, kultisch unrein machen, weil sie Kontakt mit einem toten Körper gehabt haben (vgl. 4Mo 19,14-15.22 ). Solch ein Brot durfte im Gottesdienst nicht mehr verwendet werden.

Hos 9,4 b sollte übersetzt werden: " alle, die es essen (d. h. das Brot der Trauernden), werden unrein ; solches Brot kann zwar den Hunger sättigen, darf aber nicht in den Tempel des Herrn gelangen". Dann ist Vers 4 b eine allgemeine Aussage über das Brot von Trauernden und nicht eine zusätzliche Weissagung über den Gottesdienst und die Opferungen im Exil.

Hosea

Hos 9,5


Die rhetorische Frage in diesem Vers macht die hoffnungslose Lage der Weggeführten deutlich. Israel wird nicht einmal mehr die wichtigsten Feiern ( Feste und Tage sind im Hebr. beide Sing.) seines religiösen Kalenders begehen können. Vielleicht steht hier besonders das Laubhüttenfest im Blickpunkt (vgl. 3Mo 23,39 ).

Hosea

Hos 9,6


Zerstörung wird über das Land kommen (vgl. Hos 7,13; 10,14 ). Alle, die dem Schwert der angreifenden Armee entkommen können, werden in die Gefangenschaft geführt werden. Die Erwähnung von Ägypten hat hier vermutlich die gleiche Bedeutung wie an den vorangehenden Stellen (vgl. die Anmerkungen zu Hos 8,13; 9,3 ). Memfis , etwa 30 km südlich des heutigen Kairo, war besonders als Grabstätte berühmt. Hier steht es für die Bestimmung der Gefangenen - eine Grabstätte in der Fremde. Nur wenige werden jemals wieder in ihre Heimat zurückkehren (vgl. Jer 44,1-14 ). In der Zwischenzeit werden die Besitztümer der Weggeführten ( Schätze von Silber ) und ihre Häuser ( Zelte ) in Ruinen liegen und von Nesseln und Dornen überwuchert sein (vgl. Hos 10,8 ).

Hosea

Hos 9,7


Die Feindschaft des Volkes gegen die wahren Propheten Gottes ist einer der wichtigsten Gründe für das Gericht (V. 7 - 9 ). Ein Narr ist jemand, der geistig krank ist (vgl. 1Sam 21,14-16 ). An anderen Stellen wird dieser Ausdruck für gottlose Menschen benutzt, die sich über einen echten Propheten lustig machen (vgl. 2Kö 9,11; Jer 29,26-27 ). Feindlichkeit (auch in Hos 9,8 benutzt) bezieht sich auf eine starke Abneigung, so wie Esau sie gegen Jakob fühlte, als dieser ihn um seinen Erstgeburtssegen betrogen hatte ( 1Mo 27,41 ).


Hosea

Hos 9,8


Die Ironie in dieser Situation ist, daß Israel versucht, die Propheten Gottes, die Wächter über das Volk, zu verführen. Ein Wächter war verantwortlich dafür, daß eine Stadt vor einem nahenden Feind gewarnt wurde (vgl. Hes 33,6 ). In gleicher Weise sollten die Propheten Gottes das Volk vor dem kommenden Gericht über die Sünde warnen (vgl. Jer 6,17; Hes 3,17; 33,7-9 ). Das Haus seines Gottes bezieht sich auf das Land Israel (vgl. Hos 8,1; 9,15 ).


Hosea

Hos 9,9


Die Tiefe der Sünde des Volkes gegen Gott wird von Hosea aufgezeigt, indem er die Tage von Gibea erwähnt (vgl. Hos 10,9 ). Er erinnert damit an die Ereignisse, die bei der brutalen Vergewaltigung und Ermordung der levitischen Konkubine durch einige bisexuelle Männer von Gibea geschehen waren ( Ri 19 ). Darüber hatte es geheißen: "Solch ein Ding wurde nie gesehen noch getan, nicht seit dem Tag, an dem die Israeliten aus Ägypten herauskamen" ( Ri 19,30 ). Hosea aber sagt, daß dieser schwarze Fleck in der Geschichte Israels nun durch die dreisten Sünden Israels gegen den Herrn aufgewogen wird.


Hosea

b. Israels Götzendienst wird bestraft
( 9,10 - 17 )


Hos 9,10


Dieser Abschnitt beginnt mit einem Hinweis auf den Ursprung Israels, als der Herr große Freude fand an dem Volk (vgl. Hos 2,17 ). Trauben in der Wüste sind eine unerwartete Überraschung und Freude. Die köstliche Erstlingsfrucht des Feigenbaumes ist unwiderstehlich (vgl. Hl 2,13; Jes 28,4; Jer 24,2; Mi 7,1 ).

Aber diese Einstellung Gottes zu seinem Volk hat sich bald geändert. Als es in Peor ankam, nahm es an sexuellen Unsittlichkeiten teil, die zu Fruchtbarkeitsriten des Gottes Baal-Peor gehörten (vgl. 4Mo 25 ). Diese Gottheit, die Gott " diesen schändlichen Götzen " nennt, war vielleicht eine lokale Ausformung des kanaanitischen Fruchtbarkeitsgottes Baal. Jenes Geschehen in den Tagen Moses wird deshalb hier erwähnt, weil es den Rahmen für die folgende Geschichte Israels festgelegt hat, die durch dessen Untreue gekennzeichnet ist. In den Tagen Hoseas verunreinigte sich Israel, indem es Baal zu seinem Liebhaber machte. Wie die Generation von Peor nahm auch diese Generation an Fruchtbarkeitsriten teil (vgl. Hos 4,13-14 ).


Hosea

Hos 9,11-14


Die Strafe für diese Teilnahme an den Fruchtbarkeitsriten Baals (V. 10 ) wird sein, daß Gott die Bundesflüche der Unfruchtbarkeit (V. 11.14 ), des Todes (V. 12 - 13.16 ) und des Exils (V. 15.17 ) über das Volk bringen wird. Der Name Ephraim wird in den Versen 11.13.16 benutzt, weil er mit Fruchtbarkeit verbunden war ("Ephraim" klingt im Hebr. wie "zweifach fruchtbar"; vgl. 1Mo 41,52 ).

Ephraims Herrlichkeit , seine berühmte zahlreiche Nachkommenschaft, wird so schnell wie ein Vogel verschwinden. Viele, die sich durch den Baalsdienst Fruchtbarkeit sichern wollten, werden unfruchtbar werden (vgl. Hos 4,10 und als Gegensatz dazu 5Mo 7,14 ). Andere werden Fehlgeburten haben oder zusehen müssen, wie ihre Kinder bei dem kommenden Angriff umkommen ( Hos 9,12-13 ; vgl. V. 16 b). Die Brüste der Frauen werden austrocknen , denn sie haben keine Kinder mehr, die sie stillen können (V. 14 ). Die Worte wie Tyrus, gepflanzt an einem herrlichen Ort (V. 13 ) sind ein Versuch, den schwierigen hebräischen Text zu deuten, der offensichtlich die vergangene Herrlichkeit von Ephraim (vergleichbar mit dem phönizischen Handelszentrum Tyrus; vgl. Hes 28 ) dessen erniedrigender Zukunft gegenübersetzt. Manche Übersetzungen folgen der LXX, wenn sie schreiben: "Ephraims Söhne, wie ich sie gesehen habe, sind zur Beute bestimmt." Dies scheint besser zu Vers 13 b zu passen.


Hosea

Hos 9,15


Das sündige Volk ist nun das Objekt des Hasses Gottes, nicht mehr seiner Liebe. Die Sprache, die hier verwandt wird, sollte vermutlich vor dem Hintergrund einer Familie gesehen werden. Gott ist unzufrieden mit seiner Frau, dem untreuen Israel. Diese Unzufriedenheit wird Haß genannt (vgl. 5Mo 22,13; 24,3 ,wo das gleiche Verb, RAnE? , benutzt wird). Gott wird sie aus der Familie verstoßen ( sie aus dem Haus vertreiben ) und seine Liebe (seine Hingabe und seinen Schutz als Ehemann; vgl. Hos 1,6; 2,6-7 ) zurückziehen. Das rebellische Volk, dessen Widerstand gegen den Bund Gottes bereits durch den Fruchtbarkeitskult von Gilgal angedeutet worden war (vgl. Hos 4,15; 12,12 ), wird aus seinem "Haus" (d. h. dem Land; vgl. Hos 8,1; 9,8 ) vertrieben werden. "Treiben ... aus" ( gAraS ) wird häufig für die Eroberung Kanaans benutzt, als Gott Israel in den Besitz seines Landes kommen ließ (vgl. 2Mo 23,28.31; 5Mo 33,27 ). Nun wird Israel das gleiche Schicksal erleiden müssen wie die Kanaaniter, deren Praktiken es angenommen hat. Hosea spielt vielleicht auch auf die Vertreibung des ersten Menschenpaares aus der Gegenwart Gottes an (vgl. 1Mo 3,24 ).


Hosea

Hos 9,16-17


Voller Ironie wird Ephraim, einst ein Symbol der Fruchtbarkeit, wegen seiner weitverbreiteten Unfruchtbarkeit und Kindersterblichkeit (V. 11 - 14 ) mit einer vertrockneten Pflanze verglichen, die keine Frucht mehr bringen kann. Wegen seines Ungehorsams wird Israel von Gott verworfen werden (vgl. Hos 4,6 ). Im Exil wird das Volk Israel zu Wanderern unter den Nationen werden. "Wanderer" ist die Übersetzung des gleichen hebräischen Wortes ( nADaD ) wie "abtrünnig" in Hos 7,13 .Wieder paßt die Strafe genau zu dem Verbrechen. Diejenigen, die bewußt von dem Pfad der Bundestreue abtrünnig geworden sind, werden dazu verdammt, ohne Ziel unter denen zu wandern, die außerhalb des Bundes stehen (fremde Nationen). Wie in Hos 9,15 könnte auch in Vers 17 die Sprache eine Anspielung auf den Bericht in 1.Mose sein. Das gleiche Verb ( nADaD ) wird auch im Blick auf Kain benutzt ( 1Mo 4,12 ).


Hosea

c. Israels "doppelte Sünde" wird bestraft
( Hos 10 )


Hos 10,1


Wie in Hos 9,10 verwendet auch diese Weissagung ein Bild aus der Pflanzenwelt im Blick auf die frühe Geschichte Israels. Der Herr hat Israel wie einen Weinstock im Land Kanaan gepflanzt und mit Frucht gesegnet (d. h. mit Wohlstand; vgl. Ps 80,9-12; Jer 2,21; Hes 19,10-11 ). Aber als das Volk immer größer wurde, schrieb es seinen Erfolg nicht Gott, sondern falschen Göttern zu (vgl. Hos 2,10; 5Mo 8,8-20 ). Zur gleichen Zeit versuchte das Volk, einen äußeren Schein der Verehrung des Gottes Israels zu wahren. Die Altäre , die hier erwähnt werden, beziehen sich vermutlich auf diesen heuchlerischen Formalismus (vgl. Hos 6,6; 8,11-13 ), während heilige Steine vom Götzendienst reden (vgl. Hos 3,4; 10,2 ).


Hosea

Hos 10,2


Israels Untreue macht seine Schuld deutlich (vgl. Hos 12,15; 13,12.16 ), und seine Strafe unausweichlich. " Ist falsch " ( HAlaq ) meint wörtlich "ist schlüpfrig, glatt". Oft wird dieses Wort benutzt, um eine trügerische, unzuverlässige Rede zu bezeichnen (vgl. Ps 5,10; 12,2; 55,22 ). Mit ihrem Herzen (oder Verstand) als Subjekt bezieht sich HAlaq auf die Heuchelei, die ihr Kommen zu Gott kennzeichnet. Deshalb wird der Herr auch die Orte ihrer Heuchelei und ihres falschen Gottesdienstes zerstören (vgl. heilige Steine in Hos 3,4; 10,1 ).


Hosea

Hos 10,3


Eine Folge der nahenden Invasion wird sein, daß die politische Struktur des Volkes zerstört und sein König entfernt werden wird (vgl. V. 7.15 ). Auf der Höhe ihres Elends werden die Menschen zugeben, daß ihre eigene Untreue (d. h. ihr Versagen, den HERRN zu ehren ) die Grundlage für das Gericht ist. Die Lage wird so hoffnungslos werden, daß die meisten erkennen, daß selbst ein König ihnen keine Hilfe mehr geben könnte (vgl. 13, 10).

Hosea

Hos 10,4


Die mangelnde Ehrfurcht der Menschen vor dem Herrn wird durch ihren Mangel an Ehrfurcht vor den gesetzlichen Übereinkünften, die sie untereinander treffen, deutlich. Ihre Haltung zu den Mitisraeliten (so z. B. das häufige Einander-vor-Gericht-Bringen) ist ein Spiegel ihrer mangelnden Treue Gott gegenüber.


Hosea

Hos 10,5-6 a


Einige Details des kommenden Gerichtes und des Exils werden in Vers 5-8 beschrieben. Das Kalbsbild (vgl. die Anmerkungen zu Hos 8,5 ), das in Bet-Awen (d. h. Bethel; vgl. die Anmerkungen zu Hos 4,15 ) ist, wird hinweggetragen werden von der siegreichen assyrischen Armee. Dadurch wird unter seinen Anbetern große Verwirrung ausgelöst. " Götzendienerische Priester " ist die Übersetzung eines seltenen Ausdruckes ( k+mArIm ), der nur von den Priestern Baals benutzt wird ( 2Kö 23,5; Zeph 1,4 ). Die Erwähnung der assyrischen Armee, die die Götzen der besiegten Feinde hinwegträgt, wird in der neo-assyrischen Literatur und Kunst ausgiebig belegt. Der große König bezieht sich auf den assyrischen König (vgl. Hos 8,10 ).


Hosea

Hos 10,6 b


Manche Übersetzungen verstehen Vers 6 b als eine Erwähnung der Schande Israels wegen des Schicksals seiner Götter, der hölzernen Götzen . Der Text ist aber eher zu übersetzen: "Israel wird wegen seines eigenen Rates zuschanden werden." Es geht dabei um die unkluge Außenpolitik Israels, um den Versuch, die Gunst Assyriens zu gewinnen (vgl. Hos 5,13; 7,8-9.11; 8,9-10 ; in Jes 30,1 wird das gleiche Wort [ ZEQAh ] von einer politischen Allianz mit Ägpten benutzt).


Hosea

Hos 10,7


Israels König (vgl. V. 3.15 ) wird in der kommenden Invasion ebenso beseitigt werden wie auch sein Kalbsbild. " Hinwegfließen " ( dAmCh ) heißt wörtlich "zerstört werden" (vgl. Hos 4,5-6; 10,15 ,wo manche Übersetzungen mit "zerstören" übersetzen). Wie Schaum, der auf den Wassern schwimmt, wird das Volk durch die Flut hinweggeschwemmt und vernichtet werden.


Hosea

Hos 10,8


Die Stätten der Götzenanbetung werden ebenfalls zerstört und die Ruinen mit Dornen (vgl. Hos 9,6 ) und Disteln überwuchert werden. Die Erwähnung der Zerstörung der Höhen ( bAmCT ) ist voller Ironie (vgl. 3Mo 26,30-31 ). Als Israel in das Land kam, befahl der Herr ihm, diese Zentren des Götzendienstes auszurotten ( 4Mo 33,52; 5Mo 12,2-3 ). Wegen des traurigen Versagens Israels, das diesen Auftrag nicht ausgeführt hat, wird Gott nun eine heidnische Armee benutzen, um zu seinem Ziel zu kommen. In tiefer Verzweiflung werden die Menschen die Berge bitten, auf sie zu fallen . Eine ähnliche Bitte werden auch die Ungläubigen in der Zeit der großen Trübsal haben, wenn sie den schrecklichen Zorn Gottes in den Siegel-Gerichten erleben ( Offb 6,16 ).

" Gottlosigkeit " ist die Übersetzung von ?Awen , ein Wort, das etwas anders buchstabiert auch in "Bet-Awen" erscheint, dem abschätzigen Namen für Bethel (vgl. Hos 4,15; 5,8; 10,5 ).

Hosea

Hos 10,9


Hosea spricht erneut von dem schändlichen Ereignis von Gibea (vgl. Hos 9,9 ). Seit dieser Zeit hat Israel in seiner Sünde nicht nachgelassen. Die Frage in Hos 10,9 b sollte am besten im Futur übersetzt werden: Wird nicht Krieg die Übeltäter von Gibea treffen? (vgl. Hos 5,8 ). Wie angemessen, daß dieses Gericht die Stadt "trifft", die als Rahmen für die Geschichte der Sünde Israels gedient hat!

Hosea

Hos 10,10


Zu der Zeit, die Gott gefällt ( nach meinem Willen ), wird er Israel strafen (wörtl.: "erziehen"; vgl. Hos 5,2 ), indem er die Völker gegen es versammelt. Die Übersetzung und Bedeutung der letzten Zeile in Hos 10,10 ist unsicher. Manche verstehen die Bande als einen Hinweis auf Gefangenschaft und Exil. Aber vielleicht sollte man besser übersetzen: "wenn sie eingespannt sind in ihre zweifache Sünde ". Dann liegt das Bild des Pflügens zugrunde (vgl. V. 11 ). Israel wird als unter dem Joch seiner Sünde gesehen wie eine junge Kuh (vgl. Jes 5,18 ). Wolff ist der Ansicht, daß sich "zweifache Sünde" vermutlich auf die frühere Sünde (in Gibea) und die gegenwärtige Schuld bezieht (Hosea, S. 184).

Hosea

Hos 10,11


Der Vergleich Israels mit einer Kuh wird fortgesetzt (vgl. die Anmerkungen zu V. 10 ). Israel ( Ephraim steht für das Nordreich; vgl. die Anmerkungen zu Hos 4,17 ) war wie eine junge Kuh daran gewöhnt, gerne zu dreschen . Eine junge Kuh war gerne bereit zu dreschen, denn "Dreschen war eine relativ leichte Arbeit, die noch dadurch verstärkt wurde, daß die Kuh keinen Maulkorb hatte und fressen konnte ... während sie den Dreschschlitten über das Korn zog" (Kidner, Love for the Loveless , S. 97f). Aber diese relativ leichte Arbeit hatte Israel verlassen und darauf bestanden, unter das Joch der Sünde eingespannt zu werden (vgl. Hos 10,10 b).

Deshalb wird der Herr ein anderes Joch auf den Hals Israels legen und es zu der äußerst harten Arbeit des Pflügens zwingen. Auch Juda wird in dieses Gericht eingeschlossen. Jakob bezieht sich auf das Nordreich (vgl. Hos 12,3 ). In diesem Bild wird das Dreschen des Volkes mit dem Dienst verglichen, den Gott innerhalb des Bundesverhältnisses verlangt hatte, während das Pflügen von der Härte des Exils spricht.


Hosea

Hos 10,12


Hier wird ein kurzer Aufruf zur Treue eingefügt. Selbst inmitten einer Botschaft der Verurteilung und des Gerichtes hält Gott die Möglichkeit der Umkehr und des Segens offen (vgl. Jes 1,18-20 ). Mit dem Bild des Ackerbaus drängt er Israel, den Herrn zu suchen, indem es Gerechtigkeit (oder Recht) anpflanzt und seine Liebe ( HeseD , "Treue") erntet . Die Worte " Gerechtigkeit regnen " vergleichen die Gabe der Gerechtigkeit, die Gott schenkt (oder einfach sein Handeln der Befreiung; vgl. Hos 2,21 ), mit Regen, den er gibt (vgl. Hos 6,3 ).


Hosea

Hos 10,13


Die Ermahnung in Vers 12 faßt zusammen, was die Propheten Israels in dessen ganzen Geschichte immer wieder gefordert haben. Aber das sündige Volk hat darauf nicht in rechter Weise geantwortet, sondern statt dessen Gottlosigkeit (vgl. V. 15 ), Böses und Täuschung hervorgebracht. Statt auf die Macht Gottes zu vertrauen, hatte sich das Volk auf seine eigene militärische Kraft verlassen. Der Gegensatz zwischen dem Wunsch Gottes und der Antwort Israels macht dessen Schuld noch deutlicher. So hat der Ruf zur Umkehr eine doppelte Funktion: Er bestätigt die Gnade Gottes und ist zugleich ein weiteres Element in der Entwicklung der Anklage des Propheten.


Hosea

Hos 10,14-15


Als Antwort auf Israels Stolz wird der Herr die Quelle ihrer trügerischen Zuversicht ( Festungen ) zerstören. Die Härte dieses Gerichtes wird durch einen Vergleich mit einem historischen Ereignis deutlich, das den Zeitgenossen Hoseas offenbar gut bekannt war. Dennoch ist die Identifizierung von Schalman und Bet-Arbeel nicht sicher. Die bekanntesten Deutungen von Schalman sind: (a) Schalmaneser III. (ein assyrischer Herrscher, der im 9. Jahrhundert v. Chr. gegen den Westen auszog), (b) Schalmaneser V. (der assyrische Herrscher von 727 - 722 v. Chr.; allerdings liegt seine Invasion später als die Weissagungen Hoseas) und (c) Salamanu (ein moabitischer König und Zeitgenosse Hoseas, der in einer Tributliste des assyrischen Königs Tiglat-Pileser III. erscheint). Bet-Arbeel wurde von einigen Auslegern (z. B. Eusebius) mit dem heutigen Irbid (Arbela) in der Gegend des nördlichen Transjordanien, etwa 25 km südöstlich des Sees Genezareth, und von anderen mit dem heutigen Arbel, 3 km westlich des Sees Genezareth (dem Arbela in dem apokryphen Buch 1. Makk 9,2), erwähnt. Auf jeden Fall erinnerte man sich in Israel an diesen Kampf sehr genau, weil er so grausam gewesen war, besonders durch das Abschlachten der Frauen und Kinder. Bethel , das hier für das gesamte Volk steht, wird wegen seiner großen Sünde ein ähnliches Schicksal erleiden (vgl. Hos 4,15; Am 7,10-17 ). Der Fall des Königs von Israel wird die Eroberung des Volkes durch Babylon einleiten (vgl. Hos 10,3.7; 2Kö 17,4-6 ).

Hosea

d. Israels Undankbarkeit wird bestraft
( 11,1 - 7 )


Hos 11,1-2


Noch einmal spricht Gott von der frühen Geschichte Israels und stellt diese der Gegenwart gegenüber (vgl. 9, 10; Hos 10,1 ). Am Anfang war das Verhältnis des Herrn zu Israel wie das eines Vaters zu seinem Sohn (vgl. 2Mo 4,22-23 ). (Vgl. zu dieser zitierten Stelle auch die Anmerkungen zu Mt 2,15 .) Der Herr zeigte seine Liebe gegen das Volk, indem er dieses aus Ägypten herausholte (vgl. 5Mo 7,8 ; siehe auch Hos 12,10.14; Hos 13,4 ). Aber als Gott es dann durch seine Propheten zum Bundesgehorsam rief ( Hos 11,2 ), verwarf das Volk ihn (vgl. Jer 7,25-26 ) und wandte sich falschen Göttern zu (vgl. 2Kö 17,13-17 ), unter ihnen auch den Baalen (vgl. Hos 2,15.19 ). Hos 11,2 a lautet wörtl.: " Je mehr sie [d. h. die Propheten] sie riefen, umso mehr gingen sie [die Israeliten] von ihnen weg ."


Hosea

Hos 11,3-4


Die Güte des Herrn gegen Israel wird weiter verdeutlicht. Wie ein Vater, der geduldig sein Kind lehrt zu gehen , hat der Herr Israel aufgerichtet und erhalten (vgl. 5Mo 1,31; Jes 1,2 ). Er hat die Stärke des Volkes wieder erneuert ( geheilt ) nach Zeiten des Gerichtes, obwohl es immer wieder darin versagt hat, sein Eingreifen zu erkennen.

In Hos 11,4 wird Israel mit einem Arbeitstier verglichen (vgl. Hos 10,11 ). Der Herr ist wie ein Meister, der sein Tier sanft (in Güte und Liebe ; vgl. Hos 11,1 ) führt und sein Joch wegnimmt (oder vielleicht es neu und richtig auflegt), so daß es einfacher das Futter fressen kann, das er in seiner Freundlichkeit besorgt hat. Der Herr hat Israel mit Barmherzigkeit und Liebe behandelt.


Hosea

Hos 11,5-7


Erstaunlicherweise hat Israel auf diese Güte des Herrn mit Undankbarkeit reagiert (vgl. V. 2.3 b). Selbst als der Herr es durch seine Propheten zur Umkehr rief, hat es sich geweigert umzukehren (vgl. V. 7 ). Deshalb wird ein unausweichliches Gericht in Form einer militärischen Niederlage und einer Wegführung in die Gefangenschaft über es kommen (V. 5 a. 6 ). Wieder wird Ägypten als Symbol für diese Gefangenschaft und Sklaverei genannt (vgl. Hos 8,13; 9,3.6 ).

Die Übersetzung " Riegel ihrer Tore " ( Hos 11,6 ) wird durch das parallel stehende "Städte" gestützt. Eine andere mögliche Übersetzung des Hebräischen für "Riegel ihrer Tore" ist "Aufschneider, Angeber" (vgl. Wolff, Hosea, S. 192). Für diese Übersetzung spricht die folgende Zeile (V. 6 c), in der es wörtlich heißt: " wegen ihrer Pläne ", wobei "Pläne" sich auf die rebellischen Einstellungen und Taten bezieht (vgl. Mi 6,16 ).

" Ein Ende machen " heißt wörtlich übersetzt: "essen, verschlingen". Das gleiche hebräische Verb ( ?AKal ) erscheint auch in Hos 11,4 ("Nahrung"). Die Wiederholung dieses Wortes in Vers 4.6 betont den Gegensatz zwischen Gottes Segen in der Vergangenheit und seinem zukünftigen Gericht. In der Vergangenheit hatte er Israel zu essen gegeben. Nun wird er Schwerter senden, die Israel verschlingen! Ein ähnliches Wortspiel mit dem gleichen hebräischen Ausdruck findet sich in Jes 1,19-20 .

Der hebräische Text von Hos 11,7 b ist so unsicher, daß jeder Versuch der Übersetzung nur eine Annäherung sein kann. Das Problem wird deutlich, wenn man sich die verschiedenen deutschen Übersetzungen ansieht. Da ist die Rede davon, daß Gott das verzweifelte Gebet seines ungehorsamen Volkes nicht hören wird. Oder der Text wird übersetzt: "Obwohl sie sie zu dem Höchsten rufen, erhöht ihn keiner", wobei das erste "sie" nicht Israel, sondern die Propheten sind. Nach dieser Lesart verwirft Israel die Aufrufe der Propheten zur Umkehr.


b. Israels Rückkehr zu dem Herrn
( 11,10 - 11 )


Hos 11,10-11


In den Tagen der nationalen Erneuerung wird Israel dem HERRN folgen , der sein Volk zurück in ihre Häuser bringt. Sein löwenähnliches Brüllen , das oft mit Gericht und Zerstörung zusammengeht (vgl. Hos 5,14; 13,7; Am 1,2; 3,8 ), wird zu einem Ruf der Sammlung aus dem Exil werden. Die Menschen werden wieder eine gesunde Ehrfurcht vor dem Herrn haben; sie werden zitternd kommen (vgl. Hos 3,5 ,wo ein ähnlicher Gedanke zu finden ist), so wie frühere Generationen, als ihnen Gott in seiner mächtigen Erscheinung auf dem Berg Sinai erschienen war (vgl. 2Mo 19,16 ,wo das gleiche hebr. Wort benutzt wird). Der Vergleich mit Tauben ist angesichts von Hos 7,11 bedeutsam. Dort wird die Naivität Israels, das sich von ausländischen Völkern Hilfe erhoffte, mit der Naivität einer Taube verglichen. Hier ist der Vergleich positiv verstanden und spricht von der Schnelligkeit, mit der eine Taube in ihr Nest zurückkehrt (vgl. Ps 55,7-9; Jes 60,8 ). Wieder steht Ägypten als Bild für die Gefangenschaft (vgl. die Anmerkungen zu Hos 8,13 ). Die Erneuerung aus Assyrien wird auch in Sach 10,10-11 erwähnt.


Hosea

C. Die Anklage des Herrn gegen Israel wird zu Ende geführt
( 12,1 - 14,10 )


Ein ermahnender und lehrender Ton ist für den Abschluß des Buches Hosea charakteristisch. Wie in früheren Abschnitten auch geht Hosea vom Gericht ( Hos 12,1-13,16 ) zum Heil über ( Hos 14 ).



1. Eine abschließende Anklage
( 12,1 - 14,1 )


Noch einmal wird die Schuld Israels deutlich gemacht und seine Strafe vorausgesagt.



a. Die Untreue des Volkes
( 12,1 - 3 )


Diese Verse bilden die Einleitung des letzten Abschnittes. Sie sind eine förmlich gehaltene Anklage ( Hos 12,1-3 a) und eine Ankündigung des Gerichtes ( Hos 12,3 b).



Hos 12,1


Das gesamte Volk ( Juda eingeschlossen) hat den Bund mit Gott gebrochen. Unter Lügen und Täuschung sind Heuchelei und Untreue gemeint. Letzteres ( mirmCh ; vgl. die Anmerkungen zu Hos 12,8 ) ist vor allem angesichts des folgenden Vergleiches mit dem Patriarchen Jakob sehr treffend (vgl. Hos 12,4-5.13 ). Der gleiche Ausdruck wurde für die Täuschung benutzt, mit der Jakob den Segen Esaus stahl (vgl. 1Mo 27,35 ).

Das Volk ist untreu geworden gegenüber dem treuen Heiligen , der die Zuverlässigkeit seiner Bundesverheißungen immer wieder gezeigt hat (vgl. Hos 12,10; 13,4-6 ). Ist wild ( rUD ) bedeutet ruhelos umherstreifen, ein treffendes Bild für Israel, das weg von Gott und hin zu Baal läuft und bei fremden Völkern Hilfe sucht. Der "Heilige" steht eigentlich im Plural. Dadurch wird die Größe des göttlichen Wesens unterstrichen. In diesem Zusammenhang bezieht sich die Heiligkeit Gottes in erster Linie auf seine Erhabenheit über die fehlbaren Menschen (vgl. Hos 11,9 ).

Hosea

Hos 12,2-3


Israels Untreue wird vor allem in der sozialen Ungerechtigkeit (es vermehrt Lügen und Gewalt ; vgl. Hos 4,2; 7,1 ) und in den Bündnissen mit Assyrien und Ägypten (vgl. Hos 5,13; 7,8.11; 8,8-9; 2Kö 17,3-4 ) sichtbar. Olivenöl wurde bei Bundesschlüssen benutzt oder als Zeichen der Verbundenheit und Treue überreicht. All dies ist vergeblich und letztlich selbstzerstörerisch. Dies wird durch das Bild von der Ernährung durch Wind und dem Hinterherlaufen hinter ihm deutlich (vgl. Hos 8,7; 13,15 ). Der Herr hat eine Anklage ( rIB ; vgl. Hos 4,1 und siehe die Anmerkungen zu Hos 2,4 ) gegen Juda und wird sein Volk für alle seine bösen Wege bestrafen .


Hosea

b. Eine Lektion aus der Geschichte
( 12,4 - 7 )


Bevor Hosea weiter über Schuld und Gericht spricht (vgl. Hos 12,10-13,16 ), erinnert er das Volk daran, wie wichtig und notwendig eine Umkehr ist ( Hos 12,6-7 ). Dabei benutzt er als Lektion das Leben Jakobs (V. 4 - 5 ).



Hos 12,4-5


Jakobs Geburt deutete bereits sein Wesen an. Er ergriff die Ferse Esaus (vgl. 1Mo 25,26 ), eine Vorahnung des späteren Betruges, mit dem er dessen Erstgeburtsrecht und Segen stahl (vgl. 1Mo 27,35-36 ). Aber dann kam Jakob an einen Wendepunkt. Als er bei seiner Rückkehr in das Land Kanaan vor dem möglichen Tod durch die Hand Esaus stand, kämpfte er mit Gott und ließ ihn nicht gehen, bevor er nicht seinen Segen erhalten hatte ( 1Mo 32,23-33 ). Später, in Bethel , der Stelle, an der er Jahre vorher seinen Traum gehabt hatte (vgl. 1Mo 28,10-22 ), erschien Gott Jakob noch einmal. Er änderte seinen Namen um in Israel, segnete ihn und erneuerte seine Bundesverheißungen (vgl. 1Mo 35,1-14 ).

Hosea

Hos 12,6-7


Wie Jakob muß das betrügerische Volk (vgl. Hos 12,1 ) mit Tränen und Gebeten (vgl. V. 5 ) umkehren ( Hos 12,7 ) zu seinem Bundesherrn, dem Herrn, Gott Zebaoth. Eine echte Buße würde den Willen zu Liebe ( HeseD ) und Gerechtigkeit , aber auch zur ganzen Abhängigkeit von Gott ( hoffe stets auf deinen Gott ; vgl. Ps 27,14 ), statt von sich selbst, mit sich bringen.

Hosea

c. Der Stolz des Volkes
( 12,8 - 15 )


Hos 12,8-9


Israels Umkehr (V. 7 ) würde notwendigerweise eine völlige Veränderung allen Tuns und aller Einstellungen mit sich bringen. Das Volk ist durch wirtschaftliche Unehrlichkeit ( mirmCh ; vgl. Hos 12,1 ,wo das gleiche Wort steht), Unterdrückung ( Betrug ), Stolz ( Ephraim prahlt ) und Unempfindlichkeit gegenüber seiner Sünde (es denkt, daß sein Reichtum seine Sünde verbergen könnte) gekennzeichnet. Häufig wird im Alten Testament vor dem Gebrauch falscher Waagen gewarnt, die so eingestellt sind, daß der Käufer weniger erhält, als er bezahlt (vgl. 3Mo 19,36; 5Mo 25,13-16; Spr 11,1;16,11;20,10.23; Am 8,5; Mi 6,11 ).

Hosea

Hos 12,10


Der Herr jedenfalls wird solch dreisten Ungehorsam und Undankbarkeit nicht unbestraft lassen. Als ihr Gott hat er die Menschen seit den Tagen in Ägypten geführt und sie durch die Wüste hindurch in das verheißene Land gebracht. Als Teil seines kommenden Gerichtes wird er Israel wieder in die Wüste bringen, wo es in Zelten leben muß. Die Erfahrung der Wüstenzeit, an die sich die Menschen durch das Laubhüttenfest erinnerten, wird im Exil erneut Wirklichkeit werden.


Hosea

Hos 12,11-12


Obwohl der Herr Israel seinen Willen durch die Propheten hat kundtun lassen, hat das Volk diese Botschaften abgelehnt (vgl. Hos 9,7 und die Anmerkungen zu Hos 11,2 ). Die Gottlosigkeit und Heuchelei, die in Gilead (vgl. Hos 6,8 ) und Gilgal (vgl. Hos 4,15; 9,15 ) sichtbar wurden, kennzeichnen das ganze Volk. In der kommenden Invasion werden die Altäre , die dort stehen, zu Steinhaufen ( gallIm ; vgl. Hos 10,8 ,"die Höhen ... werden zerstört") werden. Der Gebrauch dieses hebräischen Wortes ist ein Wortspiel mit dem Namen Gilgal (durch die beiden Konsonanten "g" und "l"). Wir finden hier erneut ein Beispiel für die poetische Fertigkeit Hoseas. Gilgal wird zu gallIm werden.


Hosea

Hos 12,13-14


Noch einmal wird die Güte Gottes in der Vergangenheit deutlich gemacht. Hosea kommt erneut auf die Erfahrungen Jakobs zu sprechen (vgl. V. 4 - 5 ) und erinnert das Volk an seine bescheidenen Anfänge. Ihr großer Ahnvater war einmal nichts anderes als ein Flüchtling gewesen, der Schafe weiden mußte, um sich eine Frau zu verdienen (vgl. 5Mo 26,5 ). Später mußten seine Nachkommen den Ägyptern dienen, bis Gott sie schließlich aus Ägypten befreite (vgl. Hos 11,1; 12,10; 13,4 ) und durch seinen Propheten Mose beschützte.


Hosea

Hos 12,15


Israel hat den Herrn zum Zorn gereizt mit seiner Sünde. Hosea spielt hier vermutlich auf den Götzendienst an, denn kAZas , das Verb, das mit "zum Zorn reizen" wiedergegeben wird, steht häufig im Zusammenhang mit Götzen (vgl. z. B. 5Mo 4,25; 9,18; 31,29; 32,16.21; Ri 2,12; 1Kö 14,9.15 ). Deshalb wird der Herr seine Vergebung nicht gewähren (er wird die Schuld des Volkes auf ihm lassen ; vgl. Hos 10,2; 13,12.16 ). Er wird die Schuld des Volkes vergelten.


Hosea

Hos 13,4-9


Noch einmal erinnert der Herr Israel an sein gnädiges Handeln zu Beginn von dessen Geschichte (vgl. Hos 12,10 a.11.13 - 14). Er hat es aus Ägypten herausgeführt (vgl. Hos 11,1; 12,10.14 ), für es in der Wüste gesorgt (wörtl.: "kannte dich") und es im verheißenen Land ernährt (V. 6 ). Als ich sie speiste heißt wörtlich: "als sie geweidet wurden" (vgl. Luther-Übers.). Es beschreibt das friedliche Weiden von Schafen oder Vieh. Als Antwort auf diesen Segen Gottes hätten sie ihn als ihren Gott und Retter (V. 4 ) anerkennen müssen. Aber sie wurden stolz und vergaßen ihn (V. 6 ; vgl. die Anmerkungen zu Hos 2,15 ). Wie ein gefährliches und wildes Tier ( Löwe, Leopard oder Bär ) wird der Herr sein Volk (immer noch als hilflose Herde dargestellt; Hos 13,7-8 ; vgl. Hos 5,14 ) angreifen. Der Helfer Israels wird zu seinem Zerstörer werden, weil das Volk gegen ihn ist ( 13, 9 ).


Hosea

Hos 13,10-11


Wenn der Herr zum Zerstören kommt (V. 9 ), wird niemand das Volk retten können, auch nicht die politischen Führer, die es sich von Gott erbeten hat (V. 10 ; vgl. Hos 10,3.7.15 ). Hos 13,11 a ( in meinem Zorn gab ich dir einen König ) bezieht sich vermutlich auf den Anteil der Stämme des Nordreiches an der Krönung von Saul ( 1Sam 8,6-9; 12,12 ), aber später auch von Jerobeam I. ( 12,16 ). Hos 13,11 b spricht von dem Ende des Königtums in Israel mit Hoschea ( 2Kö 17,1-6 ).


Hosea

Hos 13,12


Gott hat die Schuld Israels nicht übersehen (vgl. Hos 10,2; 12,15;13,16 ). Ephraims sündiges Verhalten wird mit einem Dokument verglichen, das versiegelt ist ( zusammengebunden ), und mit einem Schatz, der gut aufgehoben wird ( sicher verwahrt ). Durch diese beiden Bilder werden die Sünden Israels als etwas angesehen, das sorgfältig behütet wird, bis der Tag der Heimzahlung kommt, wenn sie als Zeugnis gegen das Volk hervorgebracht werden.


Hosea

Hos 13,13


Jede Hoffnung ist vergeblich. Israel hat in der Zeit der Gnade, die Gott geschenkt hat, nicht auf seinen Ruf zur Umkehr gehört. Dieses Hinausschieben der Antwort auf Gottes Ruf wird verglichen mit einem Baby, das nicht aus dem Mutterleib kommt , trotz aller Anstrengungen und Arbeit. Solch eine Verzögerung ist für Mutter und Kind tödlich. Da das Baby offensichtlich die richtige Zeit für seine Geburt nicht beachtet, wird es sozusagen als ohne Weisheit angesehen (vgl. Pred 8,5 ).


Hosea

Hos 13,14


Gewöhnlich wird Vers 14 a als Ausdruck der Hoffnung und Verheißung der Errettung verstanden. Aber vom Kontext her ist dies schwierig. Zwar ist die Prophetie Hoseas durch einen plötzlichen Wechsel zwischen Gericht und Gnade gekennzeichnet, aber hier scheint dies kaum möglich zu sein (der Wechsel kommt eher in Hos 14,1 ) und würde Hos 13,14 a von der folgenden Hälfte des Verses (V. 14 b, Ich werde kein Mitleid haben ) abtrennen. Besser ist es, die ersten beiden Aussagen als rhetorische Fragen zu übersetzen, die eine negative Antwort erwarten: " Soll ich sie aus der Macht des Scheol erlösen? Soll ich sie aus dem Tod erretten? "

Die nächsten beiden Fragen ( Wo, o Tod, sind deine Plagen? Wo, o Grab, ist deine Zerstörung? ) wären dann Appelle an den Tod, seine "Plagen" und seine "Zerstörung" gegen Ephraim kommen zu lassen (vgl. V. 14 b. 15-16 ), nicht ein triumphaler Schrei des Sieges über den Tod. Natürlich hat Paulus unter der Leitung des Heiligen Geistes die Worte dieses Textes im letzteren Sinne angewandt (vgl. 1Kor 15,55-56 ). Paulus bezieht sich hier jedoch auf die Schrift, wie sie gewöhnlich verstanden wurde (vgl. die LXX). Er will keine textliche oder exegetische Analyse von Hos 13,14 geben.

Hosea

Hos 13,15-14,1


Wenn die Barmherzigkeit Gottes aufhört (V. 14 ; vgl. Hos 1,6 ), wird es mit Israels Wohlstand ( es gedeiht ) zu Ende sein. Der Herr wird wie ein heißer Ostwind kommen , der alles vertrocknen läßt. Die Realität hinter diesem Bild ist die assyrische Invasion, wie die Erwähnung des Plünderns und der militärischen Grausamkeiten deutlich macht. In Hos 13,15-14,1 finden wir also eine Parallele zu der Pest und Zerstörung aus Hos 13,14 .Die Sprache lehnt sich dabei an die Bundesflüche an (vgl. 3Mo 26,25; 5Mo 28,21; 32,24-25; Am 4,10 ). Wieder sagt Gott, daß die Zerstörung kommen wird, weil Israel sich gegen ihn aufgelehnt hat (vgl. Hos 7,13; 8,1 ).


Hosea

2. Eine abschließende Ermahnung
( 14,2 - 10 )


a. Ein Aufruf zur Umkehr
( 14,2 - 4 )


Hos 14,2-4


Hoseas Prophetie endet mit einer positiven Ermahnung zur Umkehr ( Kehre um zu dem HERRN ). Zwar wird dieser letzte Aufruf ganz sicher von dem arroganten und störrischen Volk abgelehnt werden (vgl. Hos 10,12-15 ), aber doch kann er in den Herzen des gläubigen Überrestes die Hoffnung erhalten und der zukünftigen Generation, die Buße tun wird, ein Vorbild sein für ihre Umkehr zu Gott (vgl. Hos 3,5; 5,15-6,3 ). Zu wahrer Buße gehört das Anerkennen der Sünde ( Sage zu ihm: Vergib all unsere Sünden ) und ein Verlangen, den Herrn zu loben ( daß wir die Frucht unserer Lippen opfern mögen ), Israels einzigen Retter, Gott und Helfer (im Gegensatz dazu siehe Hos 5,13; 7,11; 8,4-5.9; 13,2 ). Israel wird nicht mehr auf Assyrien oder irgendein anderes Volk vertrauen oder die selbstgemachten Götzen unsere Götter nennen.


Hosea

b. Eine Verheissung der Wiederherstellung
( 14,5 - 9 )


Hos 14,5-7


In den Tagen der Umkehr Israels wird der Herr sich von seinem Zorn wenden und seine Liebe dadurch zeigen, daß er es heilt (vgl. Hos 6,1 ). Dann wird der Segen Gottes auf Israel zurückkehren. Wie Tau wird er für die Nation und sie blühen lassen wie eine Lilie , die für ihre Schönheit bekannt ist (vgl. Hl 2,2 ). Hier wird das Bild aus Hos 13,15 umgekehrt. Israel wird verglichen mit einer Zeder des Libanon , die für ihre tiefen Wurzeln , ihr außergewöhnliches Wachstum und ihren aromatischen Geruch (vgl. Hl 4,11 ) berühmt war, und mit einem Olivenbaum , dessen Fruchtbarkeit und Fülle überall bekannt war (vgl. Ps 52,10; Jer 11,16 ).


Hosea

Hos 14,8


Dieser Vers sollte übersetzt werden: "Die, die in seinem Schatten leben, werden wieder Korn anbauen und werden blühen wie der Weinstock . Sein Ansehen wird sein wie der Wein des Libanon. " Sein Schatten könnte sich auf den Schutz Gottes beziehen (vgl. V. 9 , wo Gott mit einem "Pinienbaum" verglichen wird; siehe auch Jes 4,6 ). Aber, wie Keil anmerkt, ist es eher wahrscheinlich, daß "Israel selbst der Baum ist, unter dessen Schatten die Glieder des Volkes mit aller Frische und Kraft wachsen" (C. F. Keil, "Minor Prophets", in Commentary on the Old Testament in Ten Volumes , 10:166). Dies scheint mit dem Bild in Hos 14,6-7 eher übereinzustimmen, wo Israel mit Bäumen verglichen wird. Daß die Israeliten wieder Korn anbauen werden, weist auf die Erneuerung der Bundesverheißungen hin (vgl. 5Mo 28,4.8.11; 5Mo 30,9; Hos 2,23-25; Am 9,13-15 ). Israel wird wieder "wie ein" fruchtbarer "Weinstock" sein (vgl. Hos 10,1 ), der den besten "Wein" gibt.

Hosea

Hos 14,9


Die erste Aussage sollte am besten übersetzt werden: " Ephraim soll sagen: Was habe ich noch mit Götzen zu tun ?" Der Gegensatz zu der früheren Haltung Ephraims ist sehr krass (vgl. Hos 2,10; 4,17; 8,4-6; 13,2 ). Die zweite Hälfte von Hos 14,9 spricht Gott ( Ich werde antworten, und Ich bin wie ). Er macht darin seine Fürsorge für Israel deutlich. Die Worte "sorgen für" sind die Übersetzung für das gleiche hebräische Wort ( SUr ) wie "lauern" in Hos 13,7 .Der gleiche Gott, der Israel wie ein Leopard beobachtet hat, der auf dem Sprung ist, um seine Beute zu schlagen, wird nun sorgsam über seinem Volk wachen, um es zu beschützen! Der Herr, der sich selbst mit einem großen Pinienbaum vergleicht, wird die Quelle für allen Wohlstand des Volkes sein: deine Fruchtbarkeit kommt von mir .


Hosea

c. Ein Wort der Weisheit
( 14,10 )


Hos 14,10


Das Buch endet mit einem Wort der Weisheit. Jemand, der weise ist und einsichtig , wird aus der Botschaft Hoseas ein Dreifaches lernen. Die Wege des HERRN (d. h. seine Bundesverpflichtungen) sind recht. Der Gerechte wandelt in ihnen (d. h. gehorcht; vgl. 5Mo 8,6; 10,12; 11,22; 28,9; Ri 2,17 ) und erlebt den Segen der Treue. Der Gottlose (vgl. Hos 7,13; 8,1; 13,16 ) fällt über ihnen . Der Untergang (das Fallen) ist die direkte Folge des Ungehorsams. Die gebrochenen Gebote sind der eigentliche Grund für ihre Zerstörung (vgl. Hos 5,5; 14,2 ). Mögen alle, die Hoseas Worte lesen, wandeln und nicht fallen!


Hosea

BIBLIOGRAPHIE


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