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Jesaja Walvoord

Abkürzungen


akt. Aktiv, aktive Form
Apok. Apokryphen
Aram. Aramäisch
AT Altes Testament
Bd. Band
ca. circa
ebd. ebenda
fem. Femininum, weibliche Form
Griech. Griechisch
Hebr. Hebräisch
Hrsg. herausgegeben, Herausgeber
Impera. Imperativ, Befehlsform
Imperf. Imperfekt, Vergangenheit
Kap. Kapitel
Lat. Lateinisch, Latein
LXX Septuaginta(griech. Übers. des AT)
mask. Maskulinum männliche Form
Ms, Mss Manuskript(e)
MT Masoretischer Text (überlieferte Texte des hebr. AT)
neutr. Neutrum, sächliche Form
Nr. Nummer
NT Neues Testament
o.J. ohne Jahr, kein Erscheinungsjahr
o.O. ohne Ort, kein Erscheinungsort
Part. Partizip
Pass. Passiv, passive Form
Perf. Perfekt, vollendete Vergangenheit
Pl. Plural, Mehrzahl
Präs. Präsenz, Gegenwart
S. Seite
s. siehe
Sem. Semitisch
Sing. Singular, Einzahl
s.o. siehe oben (im Text)
s.u. siehe unten (im Text)
s.v. sub verbo, siehe unter dem Stichwort
u.a. und andere
Übers. Übersetzung, Übersetzer, übersetzt
V. Vers
vgl. vergleiche
Vul. Vulgata (lat. Übers. der Bibel)
wörtl. wörtlich
z.B. zum Beispiel

Biblische Maße und Gewichte


Binlische Einheit   Heutige Entsprechung
Gewicht    
Talent 60 Pfund 34 kg
Pfund/Mine 50 Lot 0,6 kg
Lot/Schekel 2 Bekas 11,6 g
Pim 2/3 Lot 7,6 g
Beka 10 Gramm 6 g
Gramm/Gera   0,6 g

Länge

Rute 6 Ellen 2 m
Elle 2 Spannen 0,5 m
Spanne 3 Handbreiten 23 cm
Handbreite 4 Fingerbreiten 7 cm
Fingerbreite   2 cm

Hohlmaße für trockene Dinge

Sack/Homer 10 Scheffel 220 l
Letech 5 Scheffel 110 l
Scheffel/Efa 3 Maß/10 Gomer 22 l
Maß 1/3 Scheffel 7,3 l
Krug 1/10 Scheffel 2,2 l
Handvoll 1/18 Scheffel 0,3 l

Hohlmaße für Flüssigkeiten

Faß wie Sack 220 l
Eimer 1 Schefel 22 l
Kanne 1/6 Eimer 4 l
Becher 1/72 Eimer 0,3 l

Die Angaben sind Annäherungswerte. Grundlage der Umrechnung ist die Festsetzung 1 Lot = 11,5 g; 1 Elle = 0,5 m; 1 Scheffel = 22 l (andere Berechnungen:1 Scheffel = 39 l).

Transliteration (Umschift)











Das Bible Knowledge Commentary ist eine Bibelauslegung, die ausschließlich von Mitgliedern des Dallas Theological Seminary verfaßt und herausgegeben wurde.Es richtet sich an Gemeindepfarrer, Laien, Bibellehrer, Bibelschüler und alle Bibelleser, die eine umfassende kurze, zuverlässige und kommentierende Auslegung zur ganzen Bibel wollen. Nun könnte man fragen, warum dieses Werk überhaupt geschrieben wurde, wenn es schon so viele andere auf dem Buchmarkt gibt? Mehrere Gründe lassen sich anführen, die das Bible Knowledge Commentary zu einem außergewöhnlichem Hilfsmittel des Bibelstudiums machen.

So wurde es, wie gesagt, ausschließlich von den Mitgliedern eines einzigen theologischen Seminars, nämlich des Dallas Theological Seminary , geschrieben. Es legt zudem die Schrift einheitlich nach der grammatisch-historischen Methode und der prätibulationalistischen und prämilleniaristischen Sichtweise aus, für die das Dallas Theological Seminary bekannt ist. Die folgende im Deutschen wenig gebräuchliche Begriffe besagen, daß die Entrückung vor der großen Trübsal(prätripulationalistische Sichtweise) und die Wiederkunft Jesu Christi vor dem 1000jährigen Reich ( prämilleniaristische Sichtweise ) stattfindet. Insgesamt spricht man vom Dispensationalismus. Gleichzeitig stellen die Autoren die verschiedenen Textauslegungen fundamentalistischer Bibelausleger nebeneinander.

Das Bible Knowledge Commentary hat Vorteile, die nur wenige ähnliche Werke aufweisen. So diskutieren die Autoren in ihren Bibeltextauslegungen, auf was die einzelnen Bibeltexte abheben möchten, wie einzelne Teile mit dem ganzen zusammenhängen, was inhaltlich voranging und was folgen wird. Problematische Abschnitte, verwirrende Bräuche und scheinbar Widersprüche werden sorgfältig untersucht. Dabei sind die neuesten Erkenntnisse fundamentalistischer Bibelwissenschaftler in das Werk miteinbezogen worden. Zahlreiche hebräische, aramäische und griechische Worte, die das Verständnis einzelner Abschnitte erleichtern, werden besprochen. Dies dient besonders dem Leser der in dieser Sprache nicht bewandert ist, obwohl auch diejenigen davon profitieren werden, die diese Sprache kennen. Das Werk enthält darüber hinaus Karten, Tabellen und Diagramme, die gewöhnlich dem jeweiligen Bibelabschnitt zugeordnet sind. Zahlreiche Querverweise zu Parallelstellen finden sich zudem in vielen Abschnitten. Jedes biblische Buch wurde wie folgt gegliedert: Einleitung, worunter Themen wie die Verfasserfrage, die Datierung, Absicht, Einheit, Stil und einmalige Merkmale fallen , danach Gliederung, Auslegung und Bibliographie. Im Auslegungsteil werden spezielle Textabschnitte zusammengefaßt, gefolgt von detaillierten Erläuterungen der jeweiligen Verse oder Versteile. Obwohl nicht alle bibliographischen Angaben für weiterführende Studien nach Meinung der Autoren und Herausgeber absolut notwendig sind, wurden diese dennoch erwähnt, weil sie dem einen oder anderen Leser nützlich sein können.

Die Doktoren L. Barker und Eugene H. Merrill für das Alte Testament sowie Stanley D. Toussaint für das neue Testament haben als beratende Herausgeber das Niveau des Werkes beträchtlich erhöht. Danken möchten wir ebenso Lloyd Cory und Barbara Williams, die mit ihrer sorgfältigen Redigierarbeit die Qualität des Werkes steigert. Unser Dank gilt ferner der Produktionskoordinatorin Myrna Jean Hasse, Jan Arroyo und anderen in der Buchherstellung von Scripture Press, die sehr viele Stunden damit zubrachten, den Text zu erfassen und satzfertige Seiten herzustellen. Ein Herzliches Dankeschön auch an Mitarbeiter am Dallas Theological Seminary , die die Typokripte weiter bearbeiteten.

Das Bible Knowledge Commentary basiert auf einer sorgfältigen Exegese der Bibel. Primär ist es aber keine erbauliche Auslegung und kein theologisches Werk, das lexikalische Details, Grammatik und Syntax sowie ausführliche Diskussionen über kritische Passagen in Bezug auf Text- und Hintergrundsdaten liefern möchte. Das Bible Knowledge Commentary soll helfen, den Durchblick in die Heilige Schrift zu vertiefen, für all diejenigen, die, geleitet vom Heiligen Geist, danach suchen, "erleuchtete Augen des Herzens" ( Eph 1,18 ) zu erlangen. Das Bible Knowledge Commentary möchte Verständnis und Wertschätzung für die ganze Heilige Schrift wecken, als einem von Gott selbst inspiriertem, unfehlbarem Wort.

 

 

Die Herausgeber der englischen Originalausgabe
John F. Walvoord und Roy B. Zuck

Geleitwort


zur deutschen Ausgabe

Die besondere Stärke der vorliegenden fünfbändigen Studienausgabe zum Alten und Neuen Testament ist ihre äußere und innere Geschlossenheit. Eines bedingt dabei das andere: die äußere und innere Geschlossenheit zeigt sich darin, daß sämtliche Mitarbeiter demselben Lehrkörper angehören, nämlich dem des Theologischen Seminars in Dallas, USA. Dies wirkt sich dann aus in einer eindrucksvollen inneren Konformität mit ihrer dem biblischen Wortlaut verpflichteten - wenn man so will: ihrer fundamentalistischen Auslegung der Heiligen Schrift. Trotz mancher unterschiedlicher Auffassungen in der Bibelauslegung auch bei fundamentalistischen Exegeten, die dann offen dargelegt werden, spürt man dem Gesamtwerk ab, wie sehr hier mit dem Werkzeug der grammatisch-historischen Exegese alles wie aus einem Guß wirkt.

Daß dies nicht nur eine formale Methode ist, mit der die Biblischen Texte gewissenhaft abgegangen werden, sondern sich gleichzeitig als eine durchgehende heilsgeschichtliche Linie der Schriftauslegung auswirkt, wird dem Benutzer der Studienausgabe rasch erkennbar. Unbeschadet der Sorgfalt in der Einzelexegese wird hier nie aus dem Auge verloren, daß durch die gesamten Zeugnisse der Bücher der Heiligen Schrift ein Plan Gottes erkennbar wird, der mit der Erschaffung der Welt beginnt, im ersten Kommen und im Erlösungswerk Jesu Christi seine Mitte hat und über die Wiederkunft Christi in der neuen, ewigen Welt Gottes seine Vollendung findet. Diese geistliche Erkenntnis ist in der Kirche Jesu Christi unstrittig; sie ist keine Besonderheit der vorliegenden Studienausgabe.

Eine Besonderheit ist aber, und dies muß der Benutzer wissen und gegebenenfalls in Kauf nehmen, e3ine ganz bestimmte Sichtweise in der Setzung der Schwerpunkte, was den Welt- und Heilsplan Gottes angeht. Die sich daraus ergebende durchgehende Linie - und sie wird allenthalben durch gehalten und deutlich ausgezogen - geht auf den Engländer John Nelson Darby (1800-1882) zurück, dessen Anhänger sich zur "Christlichen Versammlung" in England, Deutschland, den USA und anderswo zusammengeschlossen haben und nach ihrem Gründer "Darbysten" genannt werden. Als darbystische theologische Ausbildungsstätte sie eben jenes "Dallas Theological Seminary" genannt, aus dem das "Bible Knowledge Commentary", die englische Originalausgabe der deutschen fünfbändigen Studienausgabe zum Alten und Neuen Testament, hervorgegangen ist.

Es würde der exegetischen Qualität und dem hier dokumentierten Reichtum an biblischem Wissen keinen Abbruch tun, wenn der Benutzer aus biblischen Gründen sich der darbystischen Hauptlehre vom "Dispensationalismus" (zu deutsch etwa die Lehre von der Führung oder Lenkung, nämlich der Welt durch Gottes Plan)gerade in ihren beiden Hauptpunkten, dem "Prätribulationalismus" und dem "Prämilleniarismus" nicht anschließen kann. Der "Prätribulationalismus" ist die Lehre von der Entrückung der "wahren" Gemeinde Christi aus den Heiden vor den großen "Tribulationen", vor den in der Heiligen Schrift geweissagten apokalyptischen Drangsalen der Endzeit. Der klassische "Prämilleniarismus" besagt, daß die Wiederkunft Christi bereits vor Anbruch des tausendjährigen Reichs ( Offb 20,1-6 ) stattfindet. Wer dieser Ansicht des Heilsplanes Gottes in dieser alles beherrschenden doppelten Leitlinie auf Grund seiner Exegese der Heiligen Schrift so nicht zu folgen vermag, und wer zudem das Selbstverständnis der "Versammlung", wie die Darbysten sich schlicht nennen, als der eigentlichen und wahren Gemeinde Jesu Christi nicht zu teilen vermag, der wird dennoch reichen Gewinn aus dieser Studienausgabe ziehen können.

Das konsequente hermeneutische Verständnis der Bibel als der von Gottes Geist eingegebenen Heiligen Schrift macht diese fünfbändige Studienausgabe zum Alten und Neuen Testament zu einer bedeutsamen Bereicherung bereits veröffentlichter Bibelkommentare. Die sorgfältige Wiedergabe biblischer Aussagen ist besonders hervorzuheben, wobei das Illustrations- und Kartenmaterial dazu sehr hilfreich ist.

Hervorzuheben ist im Blick auf andere Auslegungen der biblischer Bücher die Intention der Verfasser, der Auseinandersetzung mit anderen Exegeten, nicht zuletzt auch denen der historisch-kritischen Methode, nicht aus dem Wege zu gehen.

Eine große Bereicherung wäre es aber gerade im Hinblick auf Folgeauflagen, wenn die bibliographischen Angaben am Schluß der einzelnen biblischen Bücher sich eben nicht nur auf Werke uns nahezu unbekannter amerikanischer weithin darbystischer Autoren beschränken würde, sondern wenn dann auch die Publikationen europäischer, vor allem deutscher Bibelausleger mit einbezogen würden. Dies wäre besonders für diejenigen Bücher gerade auch deutscher Exegeten unerläßlich, mit denen sich die hier vorgelegte Studienausgabe kritisch auseinandersetzt.

Ernsthaften Bibellesern wird mit dieser Studienausgabe gewiß eine große Hilfe zum selbständigen "Suchen in der Schrift " ( Joh 5,39 ) in die Hand gegeben.

Kurt Hennig
Dekan i.R.


Herausgeber


John F. Walvoord , A.B., Th.M., Th.D., D.D.
Präsident
Professor für Systematische Theologie
Dallas Theological Seminary
Herausgeber von Bibliotheca Sacra
(Zeitschrift des Dallas Theological Seminary)

Roy B. Zuck , A.B., Th.M., Th.D.
Akademischer Dekan
Professor für Bibelexegese
Dallas Theological Seminary
Herausgeber von Bibliotheca Sacra
(Zeitschrift des Dallas Theological Seminary)


Beratende Herausgeber


Altes Testament

Kenneth L. Barker , A.B., Th.M., Ph.D.
Geschäftsführender Sekretär des Bibelübersetzungskomitees der New International Version
Internationale Bibelgesellschaft
(1968-1981 Direktor und Professor für semitische Sprachen und Altes Testament, Dallas Theological Seminary)

Eugene H. Merrill , A.B., M.A., M.Phil., Ph.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
Dallas Theological Seminary

Neues Testament

Stanley D. Toussaint , A.B., Th.M., Th.D.
Direktor und Professor für Bibelexegese
Dallas Theological Seminary


Autoren*


Walter L. Baker, A.B., Th.M.
Assistenzprofessor für Weltmission
Obadja

Craig A. Blaising, B.S., Th.M., Th.D. Assistenzprofessor für Systematische Theologie
Maleachi

J. Ronald Blue, A.B., Th.M. Direktor und Assistenzprofessor für Weltmission
Habakuk

Sid S. Buzzell, B.S.,Th.M., Ph.D.
Gastdozent für Religionspädagogik
Pastor der Westlake Bible Church,
Austin, Texas
Sprüche

Donald K. Campell, A.B., Th.M., Th.D.
Geschäftsführender Vizepräsident
Professor für Bibelexegese
Josua

Robert B. Chisholm, Jr.,A.B., M.Div., Th.M.,Th.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
Hosea, Joel

Thomas L. Constable, A.B., Th.M.,Th.D.
Direktor des Doctor of Ministry Programmes
Assistenzprofessor für Bibelexegese
1. und 2. Könige

Jack S. Deere, A.B., Th.M., Th.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
5. Mose, Hoheslied

Charles H. Dyer, A.B., Th.M.
Vizepräsident
Assistenzprofessor
Washington Bible College/Capital Bible Seminary
Lanham; Maryland
Jeremia, Klagelieder, Hesekiel

Gene A. Getz, A.B.,M.A., Ph.D.
Gastdozent für Pastoraltheologie
Pastor der Fellowship Bible Church
North Plano, Texas
Nehemia

John D. Hannah, B.S., Th.M., Th.D.
Direktor und Professor für Theologiegeschichte
2. Mose, Jona, Zefanja

Elliot E. Johnson, B.S., Th.M., Th.D.
Assistenzprofessor für Bibelexegese
Nahum

F. Duane Lindsey, A.B., B.D., Th.M., Th.D.
Registrar und Assistenzprofessor für Systematische Theologie
3. Mose, Richter, Haggai, Sacharja

John A. Martin, A.B., Th.M., Th.D.
Assistent des Akademischen Dekan
Direktor der Sommerbibelschule
Assistenzprofessor für Bibelexegese
Esra, Ester, Jesaja, Micha

Eugene H. Merrill, A.B., M.A., M.Phil.,Ph.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
4. Mose, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Chronik

J. Dwight Pentecost, A.B., Th.M., Th.D.
Professor für Bibelexegese
Daniel

John W. Reed, A.B., M.A., M.Div.,Ph.D.
Direktor und Professor für Pastoraltheologie
Rut

Allen R. Ross, A.B., Th.M., Th.D., Ph.D.
Direktor und Professor für semitische Sprachen und Altes Testament
1. Mose, Psalmen

Donald R. Sunukjian, A.B., Th.M., Th.D., Ph.D.
Assistenzprofessor für Pastoraltheologie
Amos

Roy B. Zuck, A.B., Th.M., Th.D.
Akademischer Dekan
Professor für Bibelexegese
Schriftleiter Bibliotheca Sacra
Hiob


*Alle Autoren waren oder sind Fakultätsmitglieder des Dallas Theological Seminary. Titel beziehen sich, falls nicht anders vermerkt, auf das Dallas Theological Seminary.


Abkürzungen


akt. Aktiv, aktive Form
Apok. Apokryphen
Aram. Aramäisch
AT Altes Testament
Bd. Band
ca. circa
ebd. ebenda
fem. Femininum, weibliche Form
Griech. Griechisch
Hebr. Hebräisch
Hrsg. herausgegeben, Herausgeber
Impera. Imperativ, Befehlsform
Imperf. Imperfekt, Vergangenheit
Kap. Kapitel
Lat. Lateinisch, Latein
LXX Septuaginta(griech. Übers. des AT)
mask. Maskulinum männliche Form
Ms, Mss Manuskript(e)
MT Masoretischer Text (überlieferte Texte des hebr. AT)
neutr. Neutrum, sächliche Form
Nr. Nummer
NT Neues Testament
o.J. ohne Jahr, kein Erscheinungsjahr
o.O. ohne Ort, kein Erscheinungsort
Part. Partizip
Pass. Passiv, passive Form
Perf. Perfekt, vollendete Vergangenheit
Pl. Plural, Mehrzahl
Präs. Präsenz, Gegenwart
S. Seite
s. siehe
Sem. Semitisch
Sing. Singular, Einzahl
s.o. siehe oben (im Text)
s.u. siehe unten (im Text)
s.v. sub verbo, siehe unter dem Stichwort
u.a. und andere
Übers. Übersetzung, Übersetzer, übersetzt
V. Vers
vgl. vergleiche
Vul. Vulgata (lat. Übers. der Bibel)
wörtl. wörtlich
z.B. zum Beispiel


Biblische Maße und Gewichte


Binlische Einheit   Heutige Entsprechung
Gewicht    
Talent 60 Pfund 34 kg
Pfund/Mine 50 Lot 0,6 kg
Lot/Schekel 2 Bekas 11,6 g
Pim 2/3 Lot 7,6 g
Beka 10 Gramm 6 g
Gramm/Gera   0,6 g

Länge

Rute 6 Ellen 2 m
Elle 2 Spannen 0,5 m
Spanne 3 Handbreiten 23 cm
Handbreite 4 Fingerbreiten 7 cm
Fingerbreite   2 cm

Hohlmaße für trockene Dinge

Sack/Homer 10 Scheffel 220 l
Letech 5 Scheffel 110 l
Scheffel/Efa 3 Maß/10 Gomer 22 l
Maß 1/3 Scheffel 7,3 l
Krug 1/10 Scheffel 2,2 l
Handvoll 1/18 Scheffel 0,3 l

Hohlmaße für Flüssigkeiten

Faß wie Sack 220 l
Eimer 1 Schefel 22 l
Kanne 1/6 Eimer 4 l
Becher 1/72 Eimer 0,3 l

Die Angaben sind Annäherungswerte. Grundlage der Umrechnung ist die Festsetzung 1 Lot = 11,5 g; 1 Elle = 0,5 m; 1 Scheffel = 22 l (andere Berechnungen:1 Scheffel = 39 l).


Transliteration (Umschift)



Die alttestamentliche Geschichte im Überblick


 


Israel und die Nachbarvölker zur der Propheten


 


Propheten für Juda, Israel, Edom und Assyrien


 



Jesaja (John A. Martin)


EINFÜHRUNG


Das Buch Jesaja ist wohl das bekannteste prophetische Buch der Bibel. Viele Stellen daraus sind nicht nur Bibelschülern wohlbekannt (z. B. Jes 1,18; 7,14; 9,5-6; 26,8; 40,3.31;53 ). In literarischer Hinsicht ist es hochstehend und enthält wundervolle Bilder und Vergleiche.

Im Buch Jesaja finden wir viele Aussagen über die Gesellschaft in Israel um 700 v. Chr. Der Prophet zeigt das Versagen des Volkes, macht aber zugleich deutlich, daß Gott immer einen Rest von Gläubigen hat, durch den er wirkt.

Jesaja spricht mehr als jeder andere Prophet von dem großen Königreich, das für Israel mit dem zweiten Kommen des Messias beginnen wird. Er behandelt sowohl die Tiefen der Sünde Israels als auch die Höhen der Herrlichkeit Gottes und seines kommenden Reiches.



Autor und Entstehungszeit


Der Autor dieses Buches ist Jesaja, der Sohn des Amoz ( Jes 1,1 ). Der Name "Jesaja" bedeutet "Jahwe ist Rettung". Zwar wissen wir mehr über Jesaja als über die meisten anderen Schriftpropheten, aber dennoch ist dieses Wissen recht lückenhaft. Wahrscheinlich wohnte Jesaja in Jerusalem und hatte Zugang zum königlichen Hof. Nach der Überlieferung soll Jesaja der Cousin von König Usija gewesen sein. Es gibt für diese Behauptung jedoch keine gesicherten Beweise. Persönlichen Kontakt hatte er mit mindestens zwei Königen Judas, die Davids Nachkommen waren ( Jes 7,3; 38,1; 39,3 ).

Jesaja war verheiratet ( Jes 8,3 ). Er hatte zwei Söhne, Schear-Jaschub ( Jes 7,3 ) und Raubebald-Eilebeute ( Jes 8,3 ). Aus Jesajas Berufung ( Jes 6 ) haben manche Ausleger den Schluß gezogen, daß er Priester gewesen sei. Dafür gibt es jedoch im Buch Jesaja keine Anhaltspunkte.

Das Todesjahr von Jesaja ist unbekannt. Vermutlich starb er jedoch nach dem Tod Hiskias, 686 v. Chr. (also wahrscheinlich während der Zeit der Alleinherrschaft Manasses, 686 - 642), da er eine Biographie von König Hiskia geschrieben hat ( 2Chr 32,32 ). Jesaja starb nach dem Tod Sanheribs ( Jes 37,38 ), 681 v. Chr. Da der Prophetendienst Jesajas irgendwann während der Regierungszeit des Usija begann (790 - 739 v. Chr.), erstreckte er sich also über mindestens 58 Jahre (von spätestens 739, als Usija starb [ Jes 6,1 ], bis 681, als Sanherib starb).

Nach einer Überlieferung, die auf das zweite nachchristliche Jahrhundert zurückgeht, kam Jesaja unter König Manasse als Märtyrer ums Leben. Justin, der Märtyrer (ca. 100 - 165 n. Chr.), schrieb, daß Jesaja mit einer Säge in Stücke geschnitten worden sei (vgl. Hebr 11,37 ).

Wie bei allen anderen prophetischen Büchern im AT (außer den Klageliedern) trägt auch das Buch Jesaja den Namen seines Autors ( Jes 1,1 ). Viele bibelkritische Theologen unterteilen das Buch allerdings in zwei oder mehr Teile und behaupten, daß jeder Teil einen anderen Autor habe. Die jüdische und christliche Überlieferung stellt jedoch einheitlich fest, daß das Buch nur einen Autor hat. Bis ins 18. Jahrhundert gab es an der Autorschaft von Jesaja keine Zweifel. Erst dann begann die Kritik an einer Anzahl von alttestamentlichen Büchern, und man stellte ihre Autorschaft und innere Einheit in Frage (vgl. den nächsten Abschnitt über "Einheit").

Jesaja weissagte während der Regierungszeit von Usija, Jotam, Ahas und Hiskia, die Könige von Juda waren ( Jes 1,1 ). Die Regierungszeiten dieser Könige (allein oder als Mitregenten) waren: Usija (790 - 739), Jotam (750 - 732), Ahas (735 - 715) und Hiskia (715 - 686). (Vgl. die Karte "Könige Judas und Israels und die vorexilischen Propheten" bei 1Kö 12,25-33 .)

Diese Jahre sind in Israels Geschichte als eine Zeit großer Kämpfe, sowohl politischer als auch geistlicher Natur, eingegangen. Das Nordreich Israel zerfiel in politischer, geistlicher und militärischer Hinsicht und wurde schließlich im Jahre 722 v. Chr. vom assyrischen Weltreich besiegt. Das Südreich Juda schien ebenfalls zu zerbrechen und unter assyrische Herrschaft zu fallen, konnte jedoch dem Angriff widerstehen. In diesen politischen Kämpfen und dem geistlichen Niedergang stand Jesaja auf, um dem Volk in Juda eine Botschaft zu überbringen. Seine Botschaft lautete, daß sie auf Gott vertrauen sollten, der ihnen ein herrliches Königreich durch Mose und David verheißen hatte. Jesaja ermahnte das Volk dringend, sich nicht auf Ägypten oder irgendeine andere ausländische Schutzmacht zu verlassen, da der Herr der einzige Schutz sei, den sie bräuchten.

Hosea und Micha waren Zeitgenossen Jesajas. Zwischen den Botschaften von Micha und Jesaja und auch in ihrer Ausdrucksweise bestehen viele Gemeinsamkeiten (vgl. die Einführung in das Buch Micha).

Das Buch Jesaja ist das erste Buch der 17 alttestamentlichen prophetischen Bücher. Dies nicht, weil es das älteste wäre, sondern weil es im Hinblick auf seinen Inhalt das umfassendste ist.


Einheit


Viele Theologen stellen die Einheit des Buches in Frage. Sie meinen, daß es ursprünglich zwei verschiedene Bücher gewesen seien ( Jes 40-66 werden einem sogenannten "Deutero-Jesaja" zugeschrieben, der angeblich während oder nach der babylonischen Gefangenschaft gelebt habe). Andere teilen gar in drei Bücher auf ( Jes 1-39; 40-55; 56-66 .Der letzte Abschnitt soll dann von "Trito-Jesaja" stammen). Gegen die Argumentation dieser liberalen Ausleger und für die Einheit von Jesaja ist von seiten konservativer Theologen schon viel geschrieben worden. Die Einheit des Buches wird sowohl durch äußere Belege (Belege außerhalb der Bibel und in anderen biblischen Büchern) als auch durch innere (Belege im Buch Jesaja selbst) bestätigt.

1. Äußere Belege . Wie schon festgestellt, schreibt die jüdische Überlieferung das gesamte Buch Jesaja zu. Zu den Rollen, die bei Qumran am Toten Meer gefunden wurden, gehörte auch eine vollständige Abschrift des Buches Jesaja. Dies zeigt, daß es von der Gemeinschaft der Essener in Qumran als Einheit angesehen wurde (im zweiten Jahrhundert v. Chr.). Auch die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testamentes aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr., bietet keinerlei Hinweis, daß das Buch Jesaja jemals etwas anderes als ein einheitliches Buch gewesen sein könnte.

In der Christenheit wurde das Buch Jesaja immer als Einheit angesehen. Erst im 18. Jahrhundert änderte sich das mit dem Aufkommen der liberalen Theologie.

Die Verfasser des Neuen Testamentes hielten ebenfalls Jesaja für den Autor des gesamten Buches. Im NT werden alle größeren Abschnitte, die aus dem Buch Jesaja stammen, unter dem Namen Jesaja zitiert. So schreibt z. B. Joh 12,38; Jes 53,1 Jesaja zu, und Joh 12,39-40 zitiert dann Jes 6,9.10 ebenfalls unter dem Namen Jesajas. Mehrere Abschnitte aus Jes 40-66 ,die im Neuen Testament zitiert sind, werden Jesaja zugeschrieben ( Jes 40,3 in Mt 3,3; Mk 1,2-3 und Joh 1,23; Jes 40,3-5 in Lk 3,4-6; Jes 42,1-4 in Mt 12,17-21; Jes 53,1 in Röm 10,16; Jes 53,4 in Mt 8,17; Jes 53,7-8 in Apg 8,32-33; Jes 65,1 in Röm 10,20 ). Interessant istauch, daß der Name Jesaja im NT 22mal benutzt wird, mehr als jeder andere alttestamentliche Prophet.

Auch Jesus Christus bestätigt, daß Jesaja der Autor des gesamten Buches ist. Man gab Jesus die "Rolle des Propheten Jesaja" ( Lk 4,17-19 ), aus der er dann Jes 61,1-2 vorlas.

2. Innere Belege . Einige Formulierungen tauchen im gesamten Buch immer wieder auf. Dazu gehört z. B. "der Heilige Israels", ein Titel Gottes, der 12mal in Kapitel 1 - 39 und 14mal in Kapitel 40 - 66 auftaucht. An anderen Stellen des AT wird dieser Titel nur insgesamt 6mal benutzt ( 2Kö 19,22; Ps 71,22; 78,41; 89,19; Jer 50,29; 51,5 ).

Auch das Bild der Straße taucht in verschiedenen Teilen des Buches auf ( Jes 11,16;19,23;35,8;40,3;62,10 ). Das Thema des "Überrestes" erscheint in Jes 10,20-22; 11,11.16;28,5; 37,4.31-32 und Jes 46,3 .

Die Aufrichtung der Gerechtigkeit ist sowohl im ersten Teil des Buches ein wichtiges Thema ( Jes 9,6;11,4;16,5;28,6;32,16;33,5 ) als auch im zweiten Teil ( Jes 42,1.3-4; 51,5 ). Der "Friede" wird in Kapitel 1 - 39 11mal und in Kapitel 40 - 66 15mal erwähnt. Das Wort "Freude" erscheint 13mal in Kapitel 1 - 39 und 19mal in Kapitel 40 - 66 . Das Wort na`as¹s ("Dornbusch") schließlich kommt im AT nur in Jes 7,19 und Jes 55,13 vor (an anderen Stellen steht ein anderes hebräisches Wort).

Manche Abschnitte in den beiden Teilen des Buches sind einander sehr ähnlich:

Jes 1,15 59,3.7
Jes 1,29
57,4-5
Jes 2,3
51,4
Jes 10,1-2
59,4-9
Jes 28,5
62,3
Jes 29,18
42,7
Jes 29,23
60,21
Jes 30,26
60,19
Jes 33,24
45,25
Jes 35,6
Jes 41,18

Auch die theologische Einheitlichkeit des Buches Jesaja weist klar auf einen einzigen Autor hin. Für alle jene, die glauben, daß die Bibel Gottes Wort ist, ist dieser theologische Faktor als Argument besonders wichtig. In Kapitel 40 - 55 geht es vor allem um die Aussage, daß Gott sein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft befreien wird. Durch Jesaja hat Gott vorhergesagt, daß Kyrus auftreten ( Jes 44,28-45,1 ) und Juda aus der Gefangenschaft befreien wird. In Kapitel 40-55 (bes. in Jes 43,5-6.16.19 ) wird also theologisch die Aussage gemacht, daß Gott zu seinem Volk schon im voraus von der Rückkehr aus dem Exil spricht, damit sie an ihn glauben, wenn dieses Ereignis dann eintreten wird. In dieser Hinsicht unterschied sich Gott stark von den Göttern der umliegenden Nationen. Er kann als der allmächtige Gott Ereignisse voraussagen. Diese Fähigkeit beweist seine Einzigartigkeit gegenüber den falschen Götzen.

Liberale Theologen dagegen lehnen es ab, daß es im AT tatsächlich Prophetie gibt, die zutreffende Aussagen über die Zukunft macht. Also folgern sie aus den Bezugnahmen auf Kyrus, daß dieser Teil des Buches Jesaja nach der Herrschaft des Kyrus über Persien (559 - 530 v. Chr.) geschrieben worden sei. Würde dies zutreffen, und die Kapitel 40-55 wären tatsächlich nach der Zeit des Kyrus geschrieben worden, dann würde dies bedeuten, daß der Gott Israels keine Vorhersagen gemacht hat und sich daher auf keine Weise von den Göttern der umliegenden Nationen unterscheidet. Die Behauptung, daß Jes 40-55 nach der Zeit des Kyrus geschrieben worden sei, beraubt diesen Teil des Buches also seines theologischen Wertes und macht es beinahe bedeutungslos.


Ziel


Das Hauptziel Jesajas war, seine Leser an das besondere Verhältnis zu erinnern, das sie zu Gott als Glieder des Volkes Israel, als sein einzigartiges Bundesvolk, haben.

Ebenso wie die anderen Schriftpropheten kennt auch Jesaja den Abraham-Bund ( 1Mo 12,2-3;15,18-21;17,3-8.19 ), in dem Gott versprochen hat, daß Israel (a) ein besonderes Verhältnis zu ihm genießen, (b) das Land Kanaan besitzen und (c) ein Segen für die anderen Völker sein wird.

Jesaja weiß aber auch von dem Mose-Bund, der Israel zur Zeit des Auszuges aus Ägypten gegeben und von Mose jener Generation von Israeliten, die kurz davor standen, das Land Kanaan einzunehmen, noch einmal wiederholt wurde. Vor allem im 5. Buch Mose hatte Gott durch Mose den Israeliten verheißen, daß sie als Glieder des Bundesvolkes von ihm gesegnet sein werden, wenn sie nach dem mosaischen Bund leben (z. B. 5Mo 28,1-14 ). Aber er warnt sie auch, daß sie seinen Fluch erleben werden, wenn sie seinen Gesetzen und Anordnungen nicht gehorchen ( 5Mo 28,15-68 ). Zu diesem Fluch gehört auch die Vertreibung aus dem Land (vgl. die Karte "Die Bundesstrafen" bei Am 4,6 ).

Aufgrund des Abraham-Bundes jedoch, in dem Gott Segen für Israel und die Welt verheißen hatte, konnte Mose zuversichtlich bestätigen, daß der Herr sie, selbst nach der Wegführung ins Exil, eines Tages wieder in das Land der Verheißung bringen und dort mit ihnen sein Königreich errichten wird.

So rief also Jesaja das Volk von Juda zu einem wirklichen Bundesverhältnis mit Gott zurück. Er deckte seiner Generation die sündigen Zustände, in denen sie lebten, auf und zeigte ihnen die Konsequenzen daraus. Gott würde das Volk richten. Aber er würde es schließlich aufgrund seiner Verheißungen an Abraham wohl auch wieder mit dem vollen Segen des Königtums in das Land zurückbringen (vgl. 5Mo 30,1-5 ).

Jesaja wußte (aus 5Mo 28,49-50.64-67 ), daß auch Juda zum Exil bestimmt war, so wie es erst kürzlich das Nordreich getroffen hatte. Sein Buch richtete sich also an zwei Gruppen von Menschen: (a) solche aus seiner Generation, die sich von den Bundesverpflichtungen des mosaischen Gesetzes losgesagt hatten, und (b) solche aus einer zukünftigen Generation, die im Exil leben würden. Die ersten rief Jesaja zurück zu Heiligkeit und Gehorsam. Die zweiten tröstete er mit der Zusicherung, daß Gott das Volk wieder in sein Land zurückbringen und sein Königreich des Friedens und Wohlergehens wieder aufrichten werde. Dieses Thema des "Trostes" herrscht in Jes 40-66 vor (z. B. in Jes 40,1; 49,13; 51,3.12.19; 57,18; 61,2; 66,13 ) - es kommt insgesamt 13mal in diesen Kapiteln vor, während wir es in Jes 1-39 nur ein einziges Mal finden ( Jes 12,1 ).

 

Themen und Theologie


Es ist etwas schwierig, ein zentrales Thema im Buch Jesaja zu bestimmen, aus dem heraus die anderen Aussagen entstehen. Manche haben für das Buch zwei Themen vorgeschlagen, eines für Kapitel 1 - 39 und eines für Kapitel 40 - 66 . Im ersten Teil scheint das Gericht der Schwerpunkt zu sein, im zweiten Teil herrschen Heil und Trost vor. Da Jesaja theologisch den Aussagen von 5.Mose folgt (es muß zu einer Strafe für fehlenden Gehorsam gegenüber dem mosaischen Bund kommen, bevor eine Zeit des Segens anbrechen kann), lassen sich diese beiden Teile von Jesaja jedoch miteinander verknüpfen. Die Kapitel 1 - 39 machen das Problem der Sünde des Volkes deutlich, das zunächst beseitigt werden muß, bevor das Verhältnis zu dem Gott des Bundes wiederhergestellt werden kann. Das Gericht, das in Kapitel 1-39 betont wird, ist diese reinigende Kraft, die zur Vergebung und Verzeihung der Sünden führt, was in Kapitel 40 - 66 betont wird (vgl. Jes 27,9 ). Die letztendliche Erlösung muß für Israel durch den "vollkommenen Knecht", den Messias, kommen. Er wird erfüllen, was die Nation als Knecht nicht tun kann. Wir finden diesen Gedanken in den sogenannten "Knecht-Liedern" im zweiten großen Abschnitt des Buches Jesaja ( Jes 42,1-9; 49,1-13; 50,4-11; 52,13-53,12 ).

Aber in Kapitel 40 - 66 geht es um mehr als um die Erlösung von Sünden. Diese Kapitel reden darüber hinaus von einer Veränderung im Kosmos, von der Wiederherstellung der göttlichen Schöpfungs-Ordnung. In Kapitel 1 - 39 wird das Gericht über die Sünde betont. In Kapitel 40 - 66 dagegen geht es um die Versöhnung dieser Sünden und die daraus folgende Veränderung in den Menschen und in der ganzen Welt. Zunächst muß also das Gericht kommen, bevor der Segen folgen kann.

Jesaja hat eine erhabene Sicht von Gott. Der Herr wird als Initiator geschichtlicher Ereignisse gesehen. Er ist von seiner Schöpfung getrennt und viel größer als diese. Und doch ist er an den Geschehnissen in dieser Schöpfung beteiligt.

Im Nahen Osten jener Zeit hatten Namen eine weit größere Bedeutung, als dies heute der Fall ist. Der Name eines Menschen stand für seinen Charakter. Das Buch Jesaja ist hier keine Ausnahme. Die Bedeutung der Namen Gottes spielt in mehreren Aussagen des Propheten eine große Rolle. Jesaja benutzt den Namen "der Herr" ( Jahwe ) über 300mal und damit bei weitem am häufigsten. Da dies der Bundesname Gottes ist, ist es nur natürlich, daß Jesaja ihn so oft benutzt. Auch den Namen "Gott" ( ?MlOhIm ) finden wir in beiden Teilen des Buches häufig. Es ist bemerkenswert, daß der Name "Gott" sechsmal in Kapitel 40 auftaucht (V. 1.3.8-9.27-28 . "Gott" in V. 18 ist die Übersetzung der kürzeren Form ?Ml ). Dieses Kapitel leitet ja den Abschnitt des Trostes für das Bundesvolk ein. Als der eine, höchste Gott kann er sein Volk wirklich trösten. (Vgl. frühere Anmerkungen über das Thema "Trost" in Jes.) ?*l wird offensichtlich in polemischer Weise gegenüber den anderen Gottheiten benutzt, denn es steht mehrfach in Abschnitten, in denen der Herr über seine Souveränität gegenüber anderen Göttern spricht ( Jes 40-48 ). Viermal bekräftigt Gott "Ich bin Gott" ( ?Ml ) - Jes 43,12; 45,22; 46,9 (zweimal). "Herr" ( ?XDOnAy oder die kürzere Form ?XDNn ) betont Gottes Herrschaft über seine Schöpfung und wird im Buch Jesaja mehrfach benutzt, vor allem in Kapitel 1 - 39 . "Der Herr Zebaoth" ( Jahwe Q+=BA?NT ; manche Übersetzungen sagen "Der Herr der Heerscharen") ist der im Buch Jesaja am häufigsten benutzte zusammengesetzte Name für Gott. Er taucht 46 mal in Kapitel 1 - 39 und 6mal in Kapitel 40 - 66 auf. Dieser zusammengesetzte Gottesname verbindet den Bundesnamen Gottes ( Jahwe ) mit seiner Allmacht über alle himmlischen Mächte.

Darüber hinaus wird Gott noch zehnmal "der Herr, der Herr Zebaoth" genannt ( ?XDOnAy Jahwe Q+=BA?NT ). Zwölfmal heißt er "der Gott Israels" und 25mal "der Heilige in Israel". "Erlöser" wird 13mal in Kapitel 41 - 63 von Gott benutzt, wodurch Gottes erlösendes Tun für Israel betont wird. Im gesamten AT findet sich diese Bezeichnung für Gott nur noch einmal. Jesaja geht es also in seiner Theologie und in seinem Buch ganz zentral um Gott und um das Werk, das er tut und bis ans Ende der Welt tun wird.



GLIEDERUNG


I. Die Vergeltung Gottes ( Kap. 1-39 )

     A. Die Anglage des Herrn gegen das Volk ( Kap. 1-6 )
          1.Der Titel des Buches ( 1,1 )
          2.Der Rechtshandel des Herrn gegen das Volk ( 1,2-31 )
          3.Eine Bestätigung der Wiederherstellung ( 2,1-5 )
          4.Der gegenwärtige Zustand und die Konsequenzen für die Zukunft ( 2,6-4,1 )
          5.Der heiligen Geretteten ( 4,2-6 )
          6.Der wertlose Weinberg ( 5,1-7 )
          7.Eine Anklage der Sünde ( 5,8-30 )
          8.Jesajas Berufung ( Kap. 6 )

     B. Prophetien der Befreiung ( Kap. 7-12 )
          1.Die Geburt des Immanuel ( Kap. 7 )
          2.Der kommende Befreier ( 8,1-9,6 )
          3.Das Exil für das Nordreich ( 9,7-10,4 )
          4.Assyriens Fall und das Aufkommen des großen Königreiches ( 10,5-12,6 )

     C.Gericht über die Nationen ( Kap. 13-23 )
          1.Babel ( 13,1-14,27 )
          2.Die Philister ( 14,28-32 )
          3.Moab ( Kap. 15-16 )
          4.Damaskus ( 17,1-11 )
          5.Das Land voll schwirrender Flügel ( 17,12-18,7 )
          6.Ägypten ( Kap. 19-20 )
          7.Die Wüste ( 21,1-10 )
          8.Edom ( 21,11-12 )
          9.Arabien ( 21,13-17 )
          10.Jerusalem ( Kap.22 )
          11.Tyrus ( Kap. 23 )

     D. Gericht und Königreichs- Segen ( Kap. 24-27 )
          1.Eine Zeit des Gerichtes ( Kap. 24 )
          2.Eine Zeit des Segens im Königreich ( Kap. 25-27 )

     E. Die Wehe-Rufe ( Kap. 28-33 )
          1.Wehe über Ephraim und Juda ( Kap. 28 )
          2.Wehe über Jerusalem ( Kap. 29 )
          3.Wehe über die halsstarrigen Kinder ( Kap. 30 )
          4.Wehe über die Allianz mit Ägipten ( Kap. 31-32 )
          5.Wehe über die Zestörer ( Kap. 33 )

     F. Rache und Segen ( Kap.34-35 )
          1.Der Tag der Rache des Herrn ( Kap. 34 )
          2.Der Tag des Segens des Herrn ( Kap. 35 )

     G. Geschichtliches Zwischenspil: Juda wird in Gefangenschaft sein ( Kap. 36-39 )
          1.Gottes Erhabenheit über Assyrien ( Kap. 36-37 )
          2.Judas Gefangenschaft in Babylon ( Kap. 38-39 )

II. Die Wiederherstellung durch Gott ( Kap. 40-66 )

     A. Befreiung des Volkes Gottes ( Kap. 40-48 )
          1.Die Majestät Gottes ( Kap. 40 )
          2.Eine Herausforderung an die Nationen ( Kap. 41 )
          3.Der Knecht und die Knecht-Nation ( Kap. 42 )
          4.Ein Vesprechen, den unwürdigen Knecht wieder anzunehmen ( 43,1-44,5 )
          5.Die Einzigartigkeit des Herrn als des einzigen Gottes ( 44,6-45,25 )
          6.Gottes Erhabenheit über Babylon ( Kap.46-47 )
          7.Eine Ermahnung an Israel ( Kap. 48 )

     B. Wiederherstellung durch den leidenden Gottesknecht ( Kap. 49-57 )
          1.Der Knecht Gottes wird angelehnt ( Kap. 49-50 )
          2.Der Überrest wird erhöht ( 51,1-52,12 )
          3.Der Knecht wird erhöht ( 52,13-53,12 )
          4.Die Rettung kommt durch den Gottesknecht ( Kap. 54-57 )

     C. Die Wiederherstellung geschieht und wird vollendet ( Kap. 58-66 )
          1.Die Wiedrherstellung geschieht durch Gottes Initiative ( Kap. 58-60 )
          2.Das Kommen des Messias und das Kommen diese Vaters ( 61,1-63,6 )
          3.Das Gebet des Volkes und die Antwort des Herrn ( 63,7-65,25 )
          4.Der Herr erfüllt seine Verheißungen ( Kap. 66 )


AUSLEGUNG


I. Die Vergeltung Gottes
( Jes 1-39 )


In diesem ersten Hauptteil des Buches schreibt Jesaja viel über das Gericht, das über Juda wegen dessen Ungehorsam dem mosaischen Bund gegenüber kommen wird. Gottes Gericht wird dem Volk beweisen, daß er sein Wort hält. Es geht in diesem Teil des Buches jedoch auch um das Gericht Gottes über die ganze Welt ( Jes 13-23 ). Alle Völker dieser Erde sind schuldig vor dem Heiligen Israels.

In diesem Abschnitt über das Gericht betont Jesaja aber auch den Segen, der über das Volk aufgrund seines Bundesverhältnisses mit dem Herrn kommen wird. So bezieht sich in der Anklage Gottes gegen Juda ( Jes 1-6 ) z. B. Jes 1,24-31 auf die Wiederherstellung der Nation, Jes 4,2-6 spricht von einem Rest von Überlebenden, und in Jes 6,13 geht es um den "heiligen Samen", den Überrest. In den Prophezeiungen der Befreiung ( Jes 7-12 ) schreibt Jesaja, daß Juda von der aramäisch-israelitischen Allianz befreit würde ( Jes 7,3-9; 8,1-15; 9,6-10,4 ). Aber auch Gottes herrliches Reich, das Tausendjährige Reich ( Offb 20,1-6 ), wird kommen ( Jes 11 ), und die zurückgekehrten Menschen werden ein Lied des Heils singen ( Jes 12 ).

In Kapitel 13 - 23 (Gericht über die Nationen) schreibt der Prophet, daß Israel wieder als Volk in seinem Land leben und über jene herrschen wird, die es unterdrückt haben ( Jes 14,1-2 ). Moab wird sich an Israel wenden und hier Schutz und Aufrichtung von Gerechtigkeit und Ordnung suchen ( Jes 16,1-5 ). Die Anbetung des wahren Gottes wird zum Friedenszeichen für die ganze Erde ( Jes 19,19-25 ) werden.

In dem Abschnitt über Gericht und Königreichs-Segen ( Jes 24-27 ) wird viel von der Wiederherstellung gesprochen. Gott wird sein Volk bewahren ( Jes 25 ) und von den Zurückgekehrten gepriesen werden ( Jes 26 ). Das Böse wird bestraft ( Jes 27,1 ) und der Überrest wieder erneuert werden ( 27,2-6 ). Das Gericht wird reinigende Wirkung haben ( Jes 27,7-13 ).

Im Abschnitt über die Wehe-Rufe ( Jes 28-33 ) wird jeweils am Ende von drei Teilen dieser Kapitel ein Wort des Trostes eingefügt. Das Gericht wird die Menschen reinigen ( Jes 28,23-29 ), ein Überrest wird den Herrn preisen ( Jes 29,17-24 ), und der Herr wird sein Volk segnen und schützen ( Jes 30,23-26; 31,4-9 ). Der König wird mit Recht und Gerechtigkeit regieren ( Jes 32-33 ).

Sogar in dem Rache-Abschnitt ( Jes 34-35 ) erwähnt Jesaja, daß ein Überrest gesammelt ( Jes 34,16-17 ) und das Land vom Fluch befreit werden wird, so daß der Überrest in Freude dort leben wird ( Jes 35 ).

In herrlichen und immer neuen Worten spricht Jesaja davon, daß die Sünde aus dem Volk und aus der Welt ausgerottet werden muß. Schließlich, im Tausendjährigen Reich, wird die Gerechtigkeit aufgerichtet sein, und das Volk wird in Reichtum und Frieden wohnen. Und dies alles, weil ihr Verhältnis zum Herrn erneuert wurde.

A. Die Anklage des Herrn gegen das Volk
( Jes 1-6 )


1. Der Titel des Buches
( 1,1 )


Jes 1,1


Jesajas Weissagungen zentrieren sich auf Juda und Jerusalem. Sein Buch wird eine Offenbarung genannt, was bedeutet, daß der Prophet etwas geistig und geistlich "geschaut" hat (vgl. Jes 2,1 ) und daß er gehört hat, wie Gott zu ihm spricht. Dieses Wort "Offenbarung" (andere übersetzen "Vision" oder "Schau") leitet auch die Weissagungen von Obadja, Micha und Nahum ein.

Jesaja kannte die Stadt Jerusalem, ihren Tempel und den königlichen Hof. Zu seiner Zeit waren die letzten Jahre des Nordreiches (Israel) angebrochen. Das Nordreich fiel 722 v. Chr. an die Assyrer, die damals versuchten, das gesamte syrisch-palästinensische Gebiet zu erobern. Jesaja schrieb an das Südreich, das etwas mehr als 100 Jahre später (586 v. Chr.) in die Hand des babylonischen Weltreiches fallen wird.

Zu Jesaja, Sohn des Amoz , und der Zeit des Dienstes von Jesaja (in der Regierungszeit von Usija, Jotam, Ahas und Hiskia ) vgl. "Autor und Entstehungszeit" in der Einführung .

 

2. Der Rechtshandel des Herrn gegen das Volk
( 1,2 - 31 )


Diese Verse stehen in der Form eines Bündnis-Gerichtsverfahrens gegen Juda. Im Grunde sind sie eine Art Mikrokosmos der Kapitel Jes 1-39 . Der Herr klagt sein Bundesvolk durch seinen Boten Jesaja an, den mosaischen Bund gebrochen zu haben, und bietet all jenen völlige Vergebung an, die umkehren. Wer jedoch weiterhin gegen Gott rebelliert, wird das Gericht erleben. In Jes6,9-13 zeigt Gott Jesaja allerdings, daß der größte Teil des Volkes nicht umkehren wird.



a. Der Herr beschuldigt sein Volk, den Bund gebrochen zu haben
( 1,2 - 9 )


Jes 1,2 a


Jesaja, der hier für den Herrn spricht, ruft Himmel und Erde auf, die folgenden Anschuldigungen gegen sein Volk zu hören. Diese Anrufung von Himmel und Erde soll dem Volk zeigen, daß die gesamte Schöpfung mit dem übereinstimmen wird, was Gott zu sagen hat.



Jes 1,2-3 (Jes 1,2b-3)


Bei dieser Art von Gerichtsverhandlung macht der Ankläger zunächst seine eigene Unschuld an der ganzen Sache deutlich. Der Herr tut dies wie ein Elternteil, indem er zeigt, daß sich seine Kinder (Juda, vgl. V. 4 ) gegen ihn, der an dieser Sache unschuldig ist, aufgelehnt haben. Das hebräische Wort, das mit "abgefallen" wiedergegeben wird ( pASaZ ), wurde gewöhnlich in Verträgen benutzt, um den Abfall eines Vasallen-Staates von der Nation, mit der dieser Vertrag geschlossen wurde, zu bezeichnen. P ASaZ wird noch einmal in Jes 66,24 ,dem Schlußvers des Buches, benutzt.

Selbst Tiere kennen ihren Herrn, aber das Volk Israel kennt und versteht seinen Gott, seinen Herrn, nicht. (Das Wort "Israel", das sich oft auf das Nordreich bezieht, wird manchmal - wie hier - für das gesamte Volk der 12 Stämme, zu dem dann auch Juda gehört, benutzt.) Ein Ochse ist außergewöhnlich unterwürfig, ein Esel war schon in biblischer Zeit für seine Dummheit bekannt. Die Aussage, daß Israel noch unwissender als diese Haustiere sei, war also eine deutliche Betonung seiner Dummheit. Diese Tiere kannten ihre Herren und die, die für sie sorgten ( Krippe ist das Wort für den Futtertrog der Tiere), besser als Gottes Volk seinen Herrn. Israel kannte Gott nicht und wußte nicht, daß er für es sorgte. Durch seinen "Abfall" ( Jes 1,2 b) war es Gottes Anordnungen gegenüber ungehorsam und bewies dadurch, daß es Gott nicht wirklich "verstanden" hatte.



Jes 1,4


In seiner Anklage macht Gott nun das sündige Wesen der Nation deutlich. Der Gedanke, daß die Nation sündig ( HAFA? ) ist, taucht mehrmals im Buch Jesaja auf (z. B. Jes 42,24; 43,27 und Jes 64,4 ).

Jesaja spricht von den "Sünden" ( HXFA?Im ) der Menschen ( Jes 1,18 ) und weist darauf hin, daß der leidende Gottesknecht kommen wird, um "die Sünde ( HEF? ) von vielen" im Volk wegzunehmen ( Jes 53,12 ). Die Menschen stehen wegen ihrer Sünde schuldig vor Gott (vgl. Röm 3,9.19 ). Weil sie Übeltäter waren, waren sie verdorben (vgl. Röm 3,10-18 und das Wort "verderbt" in 1Mo 6,12 ). Ihre bewußt ablehnende Haltung gegen Gott wird durch die Worte verlassen, lästern und abgefallen deutlich gemacht.

Wie schon in der Einführung gesagt, wird der Ausdruck der Heilige Israels 25mal von Jesaja benutzt. Dieser Titel macht ganz besonders den weiten Abstand zwischen der Sünde der Menschen und der Heiligkeit Gottes deutlich.

Obwohl die Menschen Gott den Rücken gekehrt haben, wird Gott einmal seinen Rücken den Sünden Israels zukehren und ihm vergeben. Hiskia wendet diese Ausdrucksweise ebenfalls an, als er nach seiner Heilung vom Krankenbett Gott dafür lobt, daß er seine (Hiskias) Sünden hinter seinen (Gottes) Rücken geworfen hat ( Jes 38,17 ).



Jes 1,5-7


Als das Bundesvolk Gott den Rücken zuwandte (V. 4 ), hatte dies Konsequenzen (vgl. 5Mo 28,15-68 ). Jesaja zählt auf, was ihm widerfährt, um ihm zu helfen, seine gegenwärtigen Schwierigkeiten als Folge seines Ungehorsams zu sehen. Zunächst benutzt er das Bild eines Menschen, der geschlagen wurde und an seinem ganzen Körper krank ist ( Jes 1,5-6 ). Diese unverbundenen Beulen, Striemen und frischen Wunden sind ein Bild für den geistlichen Zustand der Menschen, machen aber zugleich auch seine militärische Situation deutlich. Von allen Seiten ist es von feindlichen Mächten belagert und verliert einen Teil seines Landes an fremde Nationen (V. 7 ). Es hätte erkennen müssen, daß diese furchtbaren Probleme ihren Grund in seinem geistlichen Zustand hat. Ob Jesaja hier die kurz bevorstehende Situation im Nordreich beschreibt, die durch die assyrische Invasion (722 v. Chr.) entstand oder ob er prophetisch von der kommenden Zerstörung Judas spricht (586 v. Chr.), muß offen bleiben. Es scheint jedoch wahrscheinlicher, daß er von Juda spricht. Die Worte verlassen, verbrannt und verwüstet klingen, als wäre die Verwüstung bereits eingetreten. Auf diese Weise macht Jesaja die Sicherheit des kommenden Gerichtes deutlich.



Jes 1,8-9


Jesaja beschreibt dann die Einwohner Jerusalems ( die Tochter Zion ; vgl. Jer 4,31; Kl 1,6; 2,13; Mi 1,13; 4,8; Sach 9,9 siehe auch die Anmerkungen zu Kl 2,1 und Sach 8,3 ) als Häuslein im Weinberg und Nachthütte im Gurkenfeld . Diese Gebäude waren einfach errichtete Hütten, schattenspendend gegen die Sonne. Sie dienten den Wächtern, die die Ernte gegen Diebe und wilde Tiere bewachen mußten. Gewöhnlich standen sie recht "einsam" im Feld und konnten daher leicht angegriffen werden. Juda wäre längst verwüstet wie Sodom und Gomorra , wenn nicht Gottes Gnade einen geringen Rest übriggelassen hätte. (Jahrhunderte später zitiert Paulus diese Verse in Röm 9,29 .) Ja, Juda war im Hinblick auf seine Sünde sogar wie diese beiden verdorbenen Städte. (Vgl. die Erwähnung beider Städte in Jes 1,10 und von Sodom in Jes 3,9; Hes 16,46.48-49 .) Ganz sicher wurden einige Bewohner Judas durch die Erwähnung der beiden Städte an 5Mo 29,22 erinnert, wo Gott diese als Bild für sein Gericht über das sündige Israel benutzt.



b. Der Herr macht deutlich, wie das Volk mit seiner Schuld umgehen soll
( 1,10 - 20 )


Jes 1,10


Aufbauend auf seiner Erwähnung von Sodom und Gomorra in Vers 9 vergleicht Jesaja nun die Herrscher und die Menschen von Juda mit diesen verdorbenen Städten. Sowohl die Führer als auch die Bevölkerung - und zwar in allen Schichten der Gesellschaft - sollen Gottes Wort hören (vgl. V. 2 ).



Jes 1,11-15


Der Herr weist den Versuch der Menschen, durch verschiedene Aspekte religiöser Rituale - wozu das Tieropfer (V. 11 ), Speiseopfer (V. 13 a), Feste und Feierlichkeiten (V. 12.13 b. 14 ) und Gebet (V. 15 ) gehören - ihre Schuld zu sühnen, zurück.

Manche haben (aus V. 11 ) fälschlicherweise den Schluß gezogen, daß Gott das Opfersystem nicht eingesetzt habe. Dies ist jedoch nicht richtig. Jesaja wendet sich vielmehr dagegen, daß die Menschen meinen, sie würden einfach durch das Opfern von Tieren am Altar rein vor Gott. Selbst vielfaches Opfer ist bedeutungslos (V. 13 ) und gefällt Gott daher nicht, wenn der Mensch, der diesen "Gottesdienst" verrichtet, sein Leben nicht in Übereinstimmung mit Gottes Willen bringt. Auch das sorgfältige Beachten regelmäßiger, monatlicher Opfergaben (Neumonde ; vgl. 4Mo 28,11-14 ) und das Halten des Sabbates (sowohl wöchentlich als auch im Hinblick auf die jährlichen Sabbate am Versöhnungstag und beim Laubhüttenfest; 3Mo 16,31; 23,34.39 ) sind für Gott bedeutungslos, wenn sie nicht mit der richtigen inneren Haltung geschehen. Das Gleiche gilt für ihre Versammlungen am Sabbat ( 3Mo 23,3 ) und die Feste und Feiern , zu denen das Passafest ( 3Mo 23,4-7 ) ebenso gehört wie das Fest der Wochen ( 3Mo 23,15-21 ), das Fest der Posaunen ( 3Mo 23,24 ), der große Versöhnungstag ( 3Mo 23,26-27 ) und das Laubhüttenfest ( 3Mo 23,34 ).

Gott nennt das äußere Beachten solcher Gottesdienstformen böse , weil es heuchlerisch geschieht, mit sündigem Herzen (vgl. Jes 1,4 ). Diese kollektiven Feste gefallen Gott daher nicht, sie sind ihm vielmehr eine abscheuliche Last (V. 14 ).

Aber auch die vielen Gebete der Menschen sind ohne Erfolg aufgrund ihrer Schuld (V. 15 ). Die Worte breitet eure Arme aus bezeichnen eine Bitte um Hilfe (vgl. 1Kö 8,22; Kl 1,17 ). Diese Hände jedoch sind voller Blut ( Jes 1,15 ). Indem Menschen die Bedürftigen ungerecht behandeln (vgl. V. 16-17 ), werden sie mit Mördern verglichen, die dann ihre blutbefleckten Hände zu Gott im Gebet ausstrecken. Dieser geistliche Zustand ließ die religiösen Rituale Judas absurd werden. Ganz offensichtlich wird Gott niemals auf solche Gebete hören (d. h. sie erhören; vgl. Ps 66,18 )! Die innere Gerechtigkeit muß das äußere Rituale begleiten, wenn dieses Ritual vor Gott irgendeine Bedeutung haben soll.

 

Jes 1,16-20


Gott bietet jenen, die umkehren, völlige Vergebung an, aber er kündigt auch das Gericht für die an, die sich weiter gegen ihn auflehnen und ihn abweisen. Die Menschen hatten die falsche Vorstellung, daß sie leben könnten, wie es ihnen gefiel, solange sie sich nur durch das Opfersystem immer wieder Vergebung holten. Anstatt jedoch auf ein religiöses Ritual zu vertrauen (V. 10-15 ), sollen die Menschen Gott gehorchen und die richtige Herzenseinstellung zu ihm sowie das richtige Verhalten gegen ihre Mitmenschen haben.

Die Menschen müssen innerlich rein werden (auch ein Mörder wird nicht durch das Waschen seiner Hände rein). Sie müssen ihre bösen Taten (vgl. V. 13 ) durch rechtes Handeln ersetzen. Wie es schon der mosaische Bund festlegt, müssen sie ihr Vertrauen zu Gott und ihren Gehorsam dadurch sichtbar werden lassen, daß sie bedürftigen Menschen helfen - den Unterdrückten, den Waisen und den Witwen (vgl. V. 23 ; Jes 10,1-2; 5Mo 24,17.19-21; 26,12; 27,19 ).

Gott fordert das sündige Volk nun auf, verständig zu werden ( Jes 1,18 ) und seine falschen inneren Einstellungen und sein falsches Tun zuzugeben. Die Einladung Kommt nun und laßt uns miteinander rechten ist mehr als der Ruf zu Verhandlungen zwischen dem Volk und Gott. Das Wort "rechten" ( yAKaH ) ist ein Ausdruck aus der Gerichtssprache, mit dem man das Darlegen, Überzeugen oder Entscheiden eines Falles vor Gericht bezeichnete. Die Menschen sollen durch ihr Argumentieren mit Gott davon überzeugt werden, daß er im Recht ist und sie im Unrecht. (Es kommen in diesem Kapitel noch weitere Gerichtsfachbegriffe vor: nach Recht trachten und Recht schaffen ; V. 17 .) Wenn sie das wirkliche Ausmaß ihrer Sünde zugeben - daß ihre Vergehen nämlich wie blutrote Flecken auf ihrer Seele sind ( Scharlach ist ein rotes Färbemittel, das aus einem Wurm gewonnen wird) - dann wird Gott in seiner Gnade sie reinigen und geistlich weiß machen wie Schnee oder Wolle . Aber das Bekennen der Sünde muß dieser Reinigung vorausgehen. Auch heute ist dies nicht anders.

Der Gehorsame wird das Beste des Landes essen, d. h. er wird reiche Ernten haben, wie es im Mose-Bund verheißen ist ( 5Mo 28,3-6.11 ). Wer es dagegen ablehnt, zu Gott umzukehren (Abtrünnige; vgl. Jes 1,23.28 ), wird von den Feinden besiegt ( vom Schwert gefressen ; V. 20 ; 5Mo 28,45-57 ). Dies ist sicher und steht fest, denn der Mund des HERRN sagt es (vgl. Jes 40,5; 58,14 ).



c. Die Klage des Herrn über Jerusalem
( 1,21 - 23 )


Jes 1,21


Der Gegensatz zwischen dem früheren Zustand von Jerusalem unter David und auch noch in den Anfangsjahren der Herrschaft Salomos und dem jetzigen Zustand der Menschen in den Tagen Jesajas ist groß. Jerusalem war einmal treu wie eine gute Ehefrau. Nun aber ist die Stadt eine Hure . Das Bild der Prostitution taucht in den prophetischen Büchern oft auf (bes. bei Jer. und Hos). Es soll die Tatsache deutlich machen, daß eine Ehe, wie auch das Verhältnis zwischen Gott und Israel, auf einem geschlossenen Bund beruht. Wenn ein Mensch zum Prostituierten wird, dann bricht er oder sie den Ehebund. Wenn ein Israelit den wahren Gott verläßt und Götzen folgt, dann bricht er den Bund mit dem Herrn.

Jerusalem war einmal für sein Recht und seine Gerechtigkeit bekannt gewesen. "Recht" meint die Tatsache einwandfreier Gerichtsverhandlungen, und "Gerechtigkeit" bezieht sich auf das Verhalten jener, die diesen Zustand herbeizuführen suchen. (Vgl. den Gebrauch dieser beiden Worte in Spr 8,20; Jes 5,7; 28,17; Am 5,7 ). Aber jetzt sind Mörder da, statt daß Gerechtigkeit "wohnt". "Mörder" kann hier auch jene meinen, die sich selbst auf Kosten der Armen bereichern (vgl. Jes 1,23 und die Anmerkungen zu V. 15 ).



Jes 1,22-23


Früher einmal war ihr Silber und ihr Wein wertvoll. Nun sind sie wertlos geworden: Schlacke und mit Wasser gepanschter Wein. "Schlacke" ist der Rückstand, der nach dem Schmelzprozeß zurückbleibt, wenn das reine Silber entfernt worden ist. Das Volk wird "weggeworfen" werden wie wertlose Schlacke. Die Menschen werden ins Exil geführt werden, wenn sie nicht Buße tun und zum Herrn zurückkehren.

Die abtrünnigen Fürsten in der Stadt führen die Menschen durch Diebstahl, Bestechung und Ungerechtigkeit gegenüber den Hilflosen in den Untergang (vgl. die Anmerkungen zu V. 17 ). Die Waisen und Witwen werden nicht einmal angehört, da sie kein Geld haben, um die Fürsten zu bestechen. Dies ist Gott besonders verhaßt, denn sein Bundesvolk ist an ihn gebunden und daher auch aufeinander angewiesen. Aber es interessiert sich nicht für die Armut und die Nöte der anderen.



d. Der Herr spricht das Urteil
( 1,24 - 31 )


Gottes Gerichtsverhandlung endet, indem er das Urteil über die schuldige Nation spricht. Gott wird hier nicht nur als einer der beiden Teilnehmer an der Gerichtsverhandlung gesehen, sondern er ist zugleich auch der oberste Richter, der entscheidet, was mit dem Schuldigen zu tun ist. Wer abtrünnig ist und es ablehnt umzukehren, wird gerichtet werden, wer Buße tut, erlangt Versöhnung.

Jes 1,24-26


Gottes Gericht wird ihm Trost schaffen von dem Ärger, der durch seine Widersacher (Feinde innerhalb der Bundesgemeinschaft) hervorgerufen wurde. Es wird sein wie ein Reinigungsprozeß. Die Schlacken (V. 25 ; vgl. V. 22 ) werden beseitigt, so daß nur das reine Silber zurückbleibt. Die Rache dient jedoch nicht dazu, mit den untreuen Menschen "abzurechnen". Es geht Gott vielmehr darum, das Verhältnis zwischen dem Volk und sich wieder in Ordnung zu bringen. Der Herr wird darauf achten, daß die rechte Art von Richtern wieder eingesetzt wird, wie sie vormals waren (zur Zeit der Herrschaft von David und Salomo). Jerusalem wird wieder die Stadt der Gerechtigkeit genannt werden und die treue Stadt heißen (V. 26 ). Dieser Hinweis auf "die treue Stadt" (V. 21.26 ) dient als das inclusio genannte Stilmittel, das diese beiden Verse miteinander verbindet.



Jes 1,27-31


Der Gegensatz zwischen dem Schicksal des Überrestes und dem der Gottlosen wird in diesen Versen näher ausgeführt. Der Überrest wird in der neuen, erlösten Stadt Jerusalem wohnen ( Zion ; vgl. V. 8 ), wo Gottes Gerechtigkeit herrscht (vgl. V. 26 ). Die Übertreter (vgl. V. 20.23 ) werden vernichtet werden. Zuvor soll ihnen die Schande vor Augen geführt werden, daß sie überhaupt am Götzendienst an heiligen Eichen (vgl. Jes 57,5 ) und in Gärten (vgl. Jes 65,3; 66,17 ) teilgenommen haben. Sie, die diese Götzendienste (wahrscheinlich wurde auch Baal angebetet) in jener herrlichen Umgebung gefeiert haben, sollen nun selbst wie verdorrte Eichen und vertrocknete Gärten werden. Einmal waren sie stark (wie ein mächtiger Mann ) und lehnten Gott ab. Nun wird der Ungerechte und sein Werk verbrennen. Dieses unlöschbare Feuer bezieht sich vermutlich auf die Zerstörung durch das babylonische Heer und auch auf das ewige Gericht.



3. Eine Bestätigung der Wiederherstellung
( 2,1 - 5 )


Unmittelbar nach dieser stichhaltigen Anklage (in Form einer Gerichtsverhandlung) des sündigen Lebens des Volkes ( Jes 1,2-31 ) kommt Jesaja zu einem Gedanken, der zu den zentralen Aussagen seiner Prophetie gehört. Es wird eine Zeit kommen, in der Jerusalem an der Spitze der ganzen Welt steht. Mi 4,1-3 ist fast identisch mit Jes 2,1-4 .



Jes 2,1-2 a


Die Botschaft dieses Abschnittes ist, was Jesaja sah über Juda und Jerusalem (vgl. Jes 1,1 ). Die Propheten wurden in Israel früher einmal "Seher" genannt. Damit wurde ihre von Gott gegebene Macht bezeichnet, zu "sehen" oder vorauszusagen, was geschehen wird ( 1Sam 9,9 ). Hier verkündigt Jesaja die Zukunft von Jerusalem und Juda. Jesaja hat bei den Weissagungen über die zukünftige Wiederherstellung keine genauen Zeitangaben gemacht (vielleicht wußte er es nicht; vgl. 1Pet 1,10-11 ). Hier spricht er einfach von den letzten Tagen . Andere Bibelstellen machen deutlich, daß diese Verse im Tausendjährigen Reich erfüllt werden, der 1000 Jahre dauernden Herrschaft Christi auf dieser Erde. Aufgrund von Gottes Bundeszusagen an Abraham, Mose und David wußte Jesaja, daß Israel wieder in sein Land zurückkommen und die Vorherrschaft über alle Nationen haben wird.

Der Berg, wo des HERRN Haus ist , bezieht sich auf den Berg, auf dem der Tempel erbaut war (und wo der Tempel im Tausendjährigen Reich wieder sein wird; vgl. Hes 40-43 ). In der Bibel bezeichnet das Wort Berge oft Regierungs-Autoritäten ( Dan 2,35; Am 4,1 ). Hier wird Gottes Herrschaft vom Tempel aus über allem stehen (höher sein). Dieser Gedanke der Vorherrschaft des Tempelberges in Jerusalem wird in den Prophetien von Jesaja mehrfach wiederholt ( Jes 11,9; 25,6-7; 27,13; 30,29; 56,7; 57,13; 65,11.25; 66,20 ). Jesaja möchte, daß seine Leser sich bewußt sind, daß Gott sein Bundesvolk trotz seiner geistlichen Unempfänglichkeit und selbst durch seine kommende Gefangenschaft hindurch beschützen wird.



Jes 2,2.3 (Jes 2,2b.3)


Wenn diese Ereignisse eintreten, werden viele Völker zu Jerusalem (vgl. Jes 14,1; 27,13; 66,23; Sach 8,23; 14,16 ) und zu Gottes Haus (dem Tempel, Jes 2,2 a) hingezogen werden. Diese Anziehung besteht darin, daß Gottes Wege, Pfade, Gesetz und Wort ihnen von hier aus bekannt gemacht werden. Ja, der Herr selbst wird dieses Gesetz erlassen ( Jes 51,4 ). (Zion, das Jesaja über ein Dutzend Mal erwähnt, mehr als jeder andere biblische Autor, steht hier synonym zu Jerusalem; vgl. Jes 4,3; 40,9; 52,1; 62,1 vgl. auch den Kommentar zu Sach 8,3 ). Im Tausendjährigen Reich werden die Menschen auf der ganzen Erde erkennen, daß Gottes Offenbarung für ihr Leben grundlegend ist. Sie werden sie kennen ( Er wird uns lehren ) und nach ihr leben ( darin wandeln ) wollen.



Jes 2,4


Dieser Vers gehört zu den bekanntesten Stellen des Buches Jesaja. Gott wird weltweit unter den Völkern richten und ihre Streitigkeiten schlichten. Er wird von Nationen und Völkern verlangen, daß sie sich überall von kriegerischen Handlungen fernhalten. Weltweiter Friede wird herrschen ohne militärische Konflikte oder auch nur Ausbildung, da sämtliches Kriegsgerät ( Schwerter und Spieße ) zu Ackergerät ( Pflugscharen und Sicheln ; vgl. Joe 3,10 ) umgeschmiedet wird. In dieser Zeit des weltweiten Friedens werden die Nationen nach Jerusalem gehen, um dort von Gott zu lernen ( Jes 2,2 ). Der Friede wird nicht durch menschliche Anstrengungen, sondern durch Gottes Gegenwart und sein Wirken in Jerusalem entstehen. Zu dieser Zeit wird Israel mit Gottes Geist erfüllt ( Hes 36,24-30 ) und seine Sünden werden vergeben werden ( Jer 31,31-34 ).



Jes 2,5


Diesen kurzen Abschnitt beendet Jesaja mit einer Ermahnung an seine Leser, im Licht des HERRN zu wandeln (leben).

Der Prophet nennt Israel das Haus Jakob , ein Hinweis auf Israels Erzvater Jakob. Dieser Ausdruck findet sich bei Jesaja achtmal (V. 5-6 ; Jes 8,17; 10,20; 14,1; 29,22; 46,3; 48,1 ). Bei allen anderen Propheten zusammen wird er nur insgesamt neunmal benutzt. Wenn wir in der Bibel große Wahrheiten über die Zukunft erfahren, dann werden wir auch oft erinnert, wie wir in der Gegenwart leben sollen (z. B. 1Thes 4,13-18; 5,1-8; 2Pet 3,10-14; 1Joh 3,2-3 ). Angesichts der Tatsache, daß im Tausendjährigen Reich alle Nationen nach Jerusalem strömen werden, um dort Gottes Wort zu hören, wäre es für Israel, das Gottes Gesetz ja schon kennt, nur vernünftig, ihm auch zu folgen (in seinem "Licht" zu wandeln), bis der Herr sein wunderbares Königreich errichtet.



4. Der gegenwärtige Zustand und die Konsequenzen für die Zukunft
( 2,6 - 4,1 )


Judas gegenwärtiger Zustand ( Jes 2,6-11 ) steht im Gegensatz zu dem herrlichen Königreich, das Jesaja gerade beschrieben hat ( Jes 2,1-5 ). Wie so oft in der Geschichte Israels gehorchen die Menschen dem Herrn nicht und müssen daher von ihm gezüchtigt werden.



a. Juda ist den Heidenvölkern gleich
( 2,6 - 11 )


Jes 2,6-9


Gott hat sein Volk (zu Haus Jakobs vgl. die Anmerkungen zu V. 5 ) nicht deshalb verstoßen , weil er es nicht mehr länger liebt, sondern weil es wie die Heiden um es herum geworden ist. Das Volk von Juda ist so überheblich geworden wie das Volk im Osten. Es hat die Lebensweise des assyrischen Reiches (mit deren Wahrsagerei) übernommen, die damals auf das gesamte syrisch-palästinensische Gebiet übergriff. (Vielleicht sind unter dem Volk aus "dem Osten" auch die Aramäer zu verstehen; vgl. Jes 9,11 .) Zugleich ist es wie die Philister Zeichendeuter geworden. Die Philister wohnten zu jener Zeit im Südwesten Kanaans und versuchten immer wieder, Israel zu beherrschen. Israel war also von verschiedenen Seiten durch heidnische Praktiken beeinflußt. Daß die Philister Zeichendeuterei betrieben, wird auch aus 1Sam 6,2 und 2Kö 1,2 deutlich. "Zeichendeuten" (von ZAnan , "Zauberei betreiben"; vgl. 3Mo 19,26; 5Mo 18,10.14;2Kö 21,6; Mi 5,11 "Verwünschungen aussprechen") ist der Versuch, Menschen oder Umstände zu beherrschen oder die Zukunft durch Kräfte zu erkennen versuchen, die durch böse Geister (Dämonen) verliehen werden.

Jesaja spricht hier mit viel Ironie, denn Juda hätte eigentlich aufgrund des Wortes Gottes wissen müssen, wie seine Zukunft aussehen wird. Und doch benutzt es heidnische Mittel, um diese Zukunft zu entschlüsseln. So ist es nicht verwunderlich, daß Jesaja Gott bittet, dem Volk nicht zu vergeben ( Jes 2,9 ). Juda besaß großen materiellen Reichtum ( Silber und Gold ) und militärische Stärke ( Pferde und Wagen ), die es ohne Zweifel für den Erfolg seines Götzendienstes hielt. Vermutlich führte dies auch zu Stolz und Selbstvertrauen, denn Gott sagt, daß es erniedrigt und gedemütigt werden soll (V. 9 ; vgl. V. 11 - 12.17 ). Sein sündiges Leben ließ das Gericht unausweichlich werden.

 

Jes 2,10-11


Letztlich wird nur Einer verherrlicht. Dieser Eine ist der Herr allein (V. 11 ; vgl. V. 17 ). Wenn der Herr zum Gericht kommt, dann werden die Menschen vor diesem Gericht zu fliehen versuchen, indem sie sich in Gräbern verstecken (vgl. V. 19.21 ; Offb 6,16 ). Sie werden seine Herrlichkeit fürchten (vgl. Jes 2,19.21 ) und erkennen, daß ihr Hochmut (V. 11 ; vgl. V. 17 ) und ihr Reichtum (V. 7 - 8 ) sie nicht erretten können. In diesem Abschnitt ( Jes 2,6- Jes 4,1 ) und auch in vielen anderen im Buch Jesaja finden wir ein interessantes Zusammenspiel zwischen dem Gericht, das der Herr durch die assyrische und babylonische Gefangenschaft ausüben wird, und dem Gericht in den "letzten Tagen", das kurz vor dem Tausendjährigen Reich über Israel und die ganze Welt hereinbrechen wird. Wahrscheinlich hatten Jesaja und die anderen Propheten keine Vorstellung von der Länge der Zeitspanne, die zwischen diesen Wegführungen und den letzten Tagen des Gerichts herrschen würde. Zwar haben sich viele der Voraussagen in Jes 2,10-21 erfüllt, als Assyrien und später Babylon Israel und Juda angriffen, aber der Abschnitt weist doch darüber hinaus auf jenes endgültige Gericht über die ganze Erde ("wenn er sich aufmachen wird, zu schrecken die Erde"; V. 19.21 ).



b. Der Tag der Vergeltung des Herrn
( 2,12 - 22 )


Wenn der Herr kommt, um auf der Erde Gerechtigkeit zu errichten, dann werden menschliche Wertvorstellungen umgekehrt werden. Was die Menschen bisher für wertvoll hielten, wird nun unwichtig sein, und einige Dinge, die bisher für nebensächlich gehalten wurden, erhalten hohen Wert.



Jes 2,12-18


Gott hat einen Tag (vgl. "Tag" in V. 17 ) vorgesehen , eine Zeit, in der er mit den Sündern abrechnen wird. Der HERR Zebaoth ( Jahwe Q+=BA?NT ) ist ein Name, der im Buch Jesaja 62mal für Gott benutzt wird. 52mal steht er alleine und zehnmal in dem Titel "der Herr ( ?XDOnAy ), der Herr Zebaoth". Mit diesem Ausdruck wird die militärische Macht und Kraft Gottes deutlich gemacht. Wenn dieser allmächtige Herr der Heerscharen (Zebaoth) kommen wird, dann kann sich ihm nichts entgegenstellen. Stolze Menschen werden erniedrigt (vgl. V. 9.11.17 ), und selbst die großen Zedernbäume in den Wäldern des Libanon und die Eichen (vgl. Jes 1,29 ) in Baschan (was übersetzt "fruchtbares Land" bedeutet), östlich des Sees Kinneret (später galiläisches Meer genannt), stellen für den Herrn kein Hindernis dar. Berge, was sich vielleicht auf Regierungen (vgl. die Anmerkung zu Jes 2,3 ) und ihre militärischen Verteidigungsanstrengungen bezieht, die durch Türme und befestigte Mauern sichtbar werden, können sich ihm nicht entgegenstellen (V. 14 - 15 ). Er wird aber auch die menschlichen Handelsanstrengungen zunichte machen, die durch die Handelsschiffe, deren Hafen in Tyrus, nördlich von Israel, lag (V. 16 ), ihren sichtbaren Ausdruck fanden. Alles, was dem Menschen in seinem Hochmut als beständig und sicher erschien, wird er wegwischen. Der HERR allein wird verherrlicht werden (vgl. V. 11 ), wenn er die Götzen Judas niederreißt (vgl. V. 8 ). Dies mag sich auf die Zeit beziehen, als die Babylonier im Jahre 586 Juda eroberten, aber das endgültige Gericht wird sich erst in der Zukunft, beim zweiten Kommen Christi, ereignen.



Jes 2,19-22


Wenn die Rache des Herrn kommt, dann werden die Menschen versuchen, vor ihr in die Gräber zu entfliehen (vgl. V. 10.21 ). Sie werden voller Angst sein, denn Gott wird die Erde erschüttern (vgl. den Kommentar zu Hag 2,6-7 ). Wenn sie ihre Götzen aus Silber und Gold (vgl. Jes 2,7 ) mit sich nehmen würden, dann würde dies ihre Flucht hindern. Also werden die Menschen sie wegwerfen zu den Maulwürfen und Fledermäusen (V. 20 ). Wieder sehen wir, wie sehr Jesaja hier mit Ironie arbeitet: Dinge, die einmal für sehr wertvoll geachtet wurden, werden nun zu verabscheuten und von den Menschen gehaßten Kreaturen weggeworfen. In Vers 21 spricht Jesaja dann noch einmal davon, daß sich die Menschen in Gräbern vor dem Schreckensgericht Gottes verstecken werden (vgl. V. 10.19 a), wenn Er die Erde erschüttern wird (vgl. V. 19 b).

Dann ruft der Prophet Juda auf, sich nicht länger auf Menschen zu verlassen (V. 22 ; vgl. Ps 118,8.9 ). Der Mensch ist nicht mehr als ein Hauch. Sein Atem kann schnell ausgehaucht sein. Auf ihn zu vertrauen ist unvernünftig, denn mit dem Menschen ist es so schnell zu Ende ( Jes 2,9.11-12.17 ). Gerade angesichts des kommenden Gottesgerichtes sollte Juda heute schon beginnen, zu ihm umzukehren. Gottes Herrlichkeit sollte sie dazu führen, heilig zu leben und so seinem ernsten Gericht zu entkommen.



c. Das Gericht über Juda für seine Taten
( 3,1 - 15 )


Jesaja zählt nun, nachdem er das kommende Gericht ausführlich angekündigt hat ( Jes 2,9-21 ), Beispiele für die Sünden der Menschen auf, die das Gericht Gottes unausweichlich machen.



Jes 3,1-7


Gott wird von Juda gute Regierungen in jeder Form wegnehmen und ihm statt dessen das Gefühl der Nichtigkeit geben. Wegen seiner Sünde wird der Herr alle Vorräte und auch die Menschen, auf die es sich verlassen hat, wegnehmen: Speise und Wasser (V. 1 ), Soldaten (V. 2 ), staatliche (Richter) und religiöse (Propheten) Führer (V. 2 ), weise Menschen (V. 2 ), militärische Führer (V. 3 a) und begabte Arbeiter (V. 3 b). Daß Jesaja auch die Wahrsager (V. 2 ), Zauberer und Beschwörer (V. 3 ) in dieser Liste aufführt, bedeutet nicht, daß er diese Dinge für gut hält. Vielmehr spricht er hier von all denen, auf die sich das Volk verläßt, wenn es um Überleben und Sicherheit geht. Der mosaische Bund verbietet Wahrsagen und Zauberei ( 5Mo 18,10-14 ). Jesaja selbst schreibt ja darüber, daß Babylon auf solche Dinge vertraut ( Jes 47,12 ).

An Stelle dieser Leute, die man für weise und mächtig hält, wird der Herr törichte, schwache Führer einsetzen. Unerfahrene Jungen und Kinder ( Jes 3,4 vgl. Pred 10,16 ) können Unterdrückung und Streitigkeiten nicht beenden ( Jes 3,5 ). Wenn einer auch nur einen Mantel besitzt, dann wird man ihn schon in eine verantwortliche Position setzen (V. 6 ). Aber er wird über nichts herrschen als über einen Haufen von Trümmern. Die Führer werden keine Lösung für die Mängel haben, mit denen die Leute zu tun haben (V. 7 ). Jesaja spricht hier von der kommenden Verwüstung Judas durch die babylonischen Streitkräfte.



Jes 3,8-9


Diese Verwüstung wird über Juda kommen (V. 1 ), weil alles, was das Volk sagt und tut, gegen seinen Bundesgott gerichtet ist. Die Menschen fordern Gott heraus und sündigen öffentlich, genauso wie die Menschen von Sodom (vgl. 1Mo 18,20; 19,1-11 siehe auch die Anmerkungen zu Jes 1,9-10 ). Das kommende Unheil wird also von ihnen selbst auf sie gebracht. Wehe ( ?Ny ) ist ein Ausruf des Kummers oder der Bedrohung angesichts eines gegenwärtigen oder kommenden Unheils. Jesaja benutzt dieses Wort (oder das parallele hNy ) insgesamt 22mal in seinem Buch, mehr als jeder andere Prophet der Bibel.



Jes 3,10-12


Wenn Gott richtet, dann müssen sich die Gerechten nicht fürchten. Sie werden für ihre Taten gerechten Lohn empfangen. Aber den Gottlosen werden ihre Taten vergolten ( zurückbezahlt ) werden (vgl. die Anmerkungen zu Röm 3,7-11 ). Gottes Gericht ist immer gerecht. Die Gottlosen meinen oft, daß sündig zu leben die einzige Art ist, im Leben voranzukommen. Jesaja jedoch schreibt, daß es für einen Menschen weit besser ist, gerecht zu leben. Die Führer führen das Volk weg von dem richtigen Weg ( Jes 3,12 ). Kinder bezieht sich entweder auf junge Menschen oder auf Erwachsene, die einfältig wie die Jungen sind. Die Erwähnung der Frauen kann bedeuten, daß Ehefrauen ihre Männer, die Führer sind, beeinflussen oder daß den männlichen Führern die Tatkraft fehlt.



Jes 3,13-15


Jesaja beschreibt nun den Herrn, wie er in einem Gerichtssaal sitzt und bereit ist, die Menschen und ganz besonders die Führer zu richten. Wenn Jesaja sagt, daß er zum Gericht steht , dann bedeutet dies, daß Gott, der die Autorität dazu besitzt, das Gerichtsurteil nun sprechen wird. Zwei Anklagen werden den Führern vorgehalten. Die erste lautet, daß sie Gottes Weinberg verdorben haben (V. 14 ), also Gottes Volk ( Jes 5,1.7 vgl. Ps 80,9-17; Jer 2,21; 12,10; Hes 15,6-8; Hos 10,1 ). Wie Landwirte für einen Weinberg sorgen, so sollten sich eigentlich die Führer um das Volk kümmern. Aber sie haben die Menschen verdorben, indem sie sie unterdrückt ( zertreten ; Jes 3,15 ) haben. Die zweite Anklage lautet, daß sie den Armen (V. 14.15 ) ausgenutzt haben, indem sie ihn beraubt (gestohlen, was er besaß) und sein Gesicht zerschlagen haben. Dies ist ein klarer Bruch der Gesetze in 5.Mose, wo eine Unterdrückung anderer verboten wird. Besonders die Witwen, die Waisen und die Armen werden dabei genannt.Auch im Neuen Testament wird die Sorge für die Armen betont und durch Beispiele verdeutlicht ( Apg 9,36; 10,4.31; 24,17; Jak 1,27; 2,1-9 ). Ein materialistisches, unterdrückendes Denken ist symptomatisch für den Egoismus der Führer des Volkes. Statt ihre Führungsrolle als Möglichkeit zum Dienst zu nützen, sahen sie darin ein Mittel, auf Kosten anderer zu Geld zu kommen.



d. Judas Fall nach ihrem Stolz
( 3,16 - 4,1 )


Judas Stolz wird durch die Frauen in der gesellschaftlichen Oberschicht von Jerusalem verdeutlicht. Jesaja setzt ihrem gegenwärtigen Aussehen entgegen, wie sie nach Gottes Gericht aussehen werden.



Jes 3,16


Die hochmütigen und reichen Frauen von Zion (Jerusalem) versuchten, Aufmerksamkeit zu erregen durch die Art, wie sie gingen (stolz, mit aufgerecktem Hals ), flirteten, herumtrippelten und sich anzogen. Jesaja will damit vielleicht andeuten, daß die ganze Nation voller Stolz war.

 

Jes 3,17-4,1


Im Gegensatz zu ihrem Stolz, ihrem Reichtum und ihrer Schönheit werden die Frauen von Zion (vgl. Jes 3,16 ) in große Bedrängnis kommen. Ihr Kopf wird voller Wunden und kahl sein. Diese Kahlheit mag bedeuten, daß sie ihren Kopf entweder aus Trauer oder aus medizinischen Gründen, wegen der Wunden auf ihrem Kopf, scheren werden. Ihre Not wird so tief sein, daß es sie nicht kümmert, wie sie aussehen. Der Herr wird die babylonischen Soldaten dazu bringen, ihnen all ihren feinen Schmuck und ihre kostbaren Kleider wegzunehmen (V. 19 - 23 ). Statt Wohlgeruch werden sie von Gestank umgeben sein (V. 24 ), vielleicht von dem ihrer eigenen Wunden (V. 17 ). Wenn sie von den Babyloniern gefangengenommen worden sind, werden die Frauen von einem Strick gezogen werden und Sackleinen tragen; schwarze, grobe Kleider, die aus dem Fell von Ziegen hergestellt wurden und ein Symbol für Trauer und Leid waren (vgl. 1Mo 37,34;1Kö 21,27; Neh 9,1; Est 4,1; Jes 15,3; 22,12; 32,11; 37,1-2; Kl 2,10; Hes 27,31; Dan 9,3 ). Ihre Schönheit wird durch schmerzhafte Brandmale , die ihnen von den Eroberern beigebracht wurden, entstellt sein. Die Frauen werden wehklagen wegen ihrer Männer (Ehemänner, Brüder und Freunde), die im Kampf fallen werden ( Jes 3,25 ). Die Stadt wird so verlassen von Männern sein und die Frauen so entwürdigt, daß sie miteinander wetteifern werden, um einen Ehemann zu bekommen. Jesajas Bild von den angesehenen Frauen Jerusalems und ihrem Verhalten könnte fast humoristisch wirken, wenn es nicht so erschütternd und realistisch wäre. Jahre später schreibt Jeremia, daß die Frauen während der Belagerung der Stadt als letzten Ausweg ihre eigenen Kinder gegessen haben ( Kl 2,20; 4,10 vgl. 3Mo 26,27-29; 5Mo 28,53-57; Jer 19,9 ).



5. Die heiligen Geretteten
( 4,2 - 6 )


Nach Gottes erster Anklage oder seinem "Rechtshandel" ( Jes 1,2-31 ) gab er eine Verheißung der Wiederherstellung ( Jes 2,1-5 ). Nun, nach der eindringlichen Wiederholung des kommenden Gerichtes ( Jes 2,6-4,1 ), folgt wieder ein Abschnitt des Trostes ( Jes 4,2-6 ). Trotz des schrecklichen Geschehens, das das Volk wegen seiner Sünden treffen wird, wird es einige Überlebende geben. Jesajas damalige Zuhörerschaft hat vermutlich gedacht, es gehe dabei um jene, die das Exil überleben würden. Im Licht von Mt 24,4-30 jedoch wird deutlich, daß es sich auf jene bezieht, die die große Trübsal, kurz vor der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus zur Aufrichtung seines Reiches, überleben werden.



Jes 4,2


Trotz des bevorstehenden Gerichts wird letztlich der göttliche Segen kommen. Manchmal bezieht sich der Ausdruck an jenem Tag auf den babylonischen Angriff gegen Jerusalem (z. B. Jes 3,7.18; 4,1 ). Hier jedoch (vgl. die Aussagen in V. 2.5 ) ist, wie in Jes 2,11-12.17 ,die Herrschaft Christi im Tausendjährigen Reich gemeint.

Manche Ausleger sagen, daß der Zweig des HERRN, der schön und herrlich ist , sich auf den gläubigen Überrest bezieht. Es scheint jedoch besser, den Ausdruck "Zweig" als Hinweis auf den Messias anzusehen, da dies auch in Jer 23,5; 33,15 und Sach 3,8 so ist. Der Ausdruck "Zweig" ist ein treffendes Bild für den Messias, denn er ist ja ein "Sproß" aus der Linie Davids ( Jer 33,15 ) und wird Frucht tragen. So wie sich Menschen über die Frucht ihres Feldes freuen, werden sich die Überlebenden am Messias, der Frucht des Landes , freuen. Dieses Bild erinnert auch an Jesu Worte, daß er der Weinstock ist ( Joh 15,1 ).

 

Jes 4,3-4


Was das überlebende Israel auszeichnen wird, ist die Heiligkeit, nicht ihr Reichtum oder Ansehen. Ihre Sünden werden vergeben sein. Wieder spricht Jesaja von den Frauen Zions (vgl. Jes 3,16-4,1 ). Sie stehen hier anstelle des ganzen Volkes. Sie werden durch einen Geist des Gerichts und einen Geist des Feuers gereinigt werden . Das Gericht wird wie ein Feuer sein, das den unerwünschten Dreck (Sünde) des Volkes hinwegbrennen wird. Nicht menschliche Anstrengungen, sondern allein das souveräne Handeln des Herrn wird in der Lage sein, das Volk zu reinigen (vgl. Jes 1,25 ). Johannes der Täufer sagte, Jesus werde "mit Feuer taufen" ( Mt 3,11 ), er werde also das Volk durch einen Akt des Gerichtes reinigen (vgl. Mal 3,2-5 ).



Jes 4,5-6


In dieser noch zukünftigen Zeit des Segens für das erlöste Israel wird die Herrlichkeit Gottes in Jerusalem ( Berg Zion ) sichtbar werden. So wie Gottes Herrlichkeit für Israel während des Auszugs aus Ägypten in einer Wolke bei Tag und durch Feuer bei Nacht ( 2Mo 13,21-22; 40,34-38 vgl. 2Mo 16,10 ) zu sehen war, so wird seine Herrlichkeit auch sichtbar sein, wenn das erlöste Volk wieder in seinem verheißenen Land wohnen wird. Gottes Herrlichkeit wird, wie ein Zelt, Sicherheit und Frieden schaffen.



6. Der wertlose Weinberg
( 5,1 - 7 )


In der ersten Strophe (V. 1 - 2 ) des Liedes, das Jesaja hier dichtet, singt er über Gottes Fürsorge für seinen Weinberg und den Zustand dieses Weinberges. Die zweite Strophe (V. 3 - 6 ) zeigt, was Gott angesichts dieses Zustandes zu sagen hat. In der dritten Strophe (V. 7 ) schließlich wird gezeigt, wer dieser Weinberg ist. Auch an anderen Stellen benutzt Gott dieses Bild des Weinberges für Israel ( Jes 3,14; Ps 80,9-17; Jer 2,21; 12,10; Hes 15,6-8; Hos 10,1 ).



Jes 5,1-2


In seinem Lied malt Jesaja ein Bild von seinem lieben Freund (d. h. Gott), wie er einen Weinberg auf einem fruchtbaren Hügel pflanzte, die Steine (von denen es in Israel viele gibt) entfernte und nur den besten Wein anpflanzte. Er baute einen Wachtturm , ein Steingebäude, von dem aus man den Weinberg bewachen konnte (vgl. "Häuslein"; Jes 1,8 ). Und er baute eine Weinpresse in Erwartung des guten Weines, der hier wachsen sollte. Aber es wuchsen nur schlechte Trauben an seinen Weinstöcken.



Jes 5,3-6


Die Worte in diesen Versen des Liedes werden von Gott "gesprochen". Er bittet das Volk von Juda, in dieser Situation zu richten . Sie sollten sagen, ob die schlechten Trauben die Schuld des Weinbergbesitzers sind. Gott aber hat alles getan, um den Weinberg fruchtbar zu machen (V. 4 ). Jetzt bleibt nur noch eine Sache, die er tun kann: Er wird zulassen, daß sein Weinberg zerstört wird (V. 5 - 6 ). Er wird den schützenden Zaun und seine Mauern (vermutlich aus Stein) wegreißen. Tiere (auch Füchse, vgl. Hl 2,15 ) dürfen nun hinein und ihn zerstören. Ohne die Pflege des Weinberges werden Dornen wachsen und die Weinstöcke ersticken. Auch Regen wird Gott nicht mehr auf den Weinberg fallen lassen. Diese Vernichtung kommt wegen der sündigen Taten (der schlechten Frucht) des Volkes. Ohne Gottes Schutz wird Juda zerstört werden.

 

Jes 5,7


Der Weinberg in diesem Lied ist Israel und Juda. Wie auch sonst manchmal bei Jesaja steht "Israel" hier als Synonym für das Südreich ( Neh 1,6; Jes 13,3 ). Gott wollte sich an seinem Volk freuen. Er wollte gute Frucht, Recht und Gerechtigkeit (vgl. die Anmerkungen zu Jes 1,21 ). Statt dessen sah er nur Blutvergießen (vgl. Jes 1,15 ) und hörte Schreie der Bedrängnis. Wegen ihrer "schlechten Frucht" (Ungerechtigkeit) werden die meisten Menschen getötet oder in Gefangenschaft geführt werden. Jesaja benutzt zwei interessante Fälle des Gleichklanges (Ähnlichkeit im Klang der Worte), um den Widerspruch zwischen dem, was Gott von seinem Volk erwartet und was dieses tut, deutlich zu machen. Statt "Recht" ( miSpoF ) herrscht "Blutvergießen" ( miRpoH ) und statt "Gerechtigkeit" ( Q+=DAqCh ) "Bedrängnis" ( Q+ZAqCh ).



7. Eine Anklage der Sünde
( 5,8 - 30 )


Obwohl die Verse 8 - 30 nicht mehr zu dem Lied aus Vers 1 - 7 gehören, ordnen sie sich genau in den Gedankengang Jesajas ein, denn die sechs Anklagen ("Wehe-Rufe") dieser Verse richten sich gegen die "schlechte Frucht", die das Volk hervorgebracht hat. Zwischen der zweiten und der dritten Anklage spricht Gott von den Folgen der Sünde Judas (V. 13 - 17 ). Ähnlich geschieht es auch nach dem sechsten Wehe (V. 24 - 30 ).



a. Wehe den Materialisten
( 5,8 - 10 )


Jes 5,8-10


Jede dieser sechs Anklagen wird durch ein Wehe ( hNy , vgl. die Anmerkungen zu Jes 3,9 ) eingeleitet. Manche Menschen haben sich auf Kosten ihrer Mitmenschen viel Land angesammelt (vgl. Mi 2,1-2 ). In einer ummauerten Stadt durfte man laut dem Gesetz Gottes Häuser dauerhaft verkaufen. In Städten ohne Mauern und auf dem Land jedoch durfte ein Haus nur bis zum nächsten Jubeljahr verkauft werden. Dann mußte es seinen Vorbesitzern zurückgegeben werden. Weil Gott dem Volk das Land gegeben hatte, sollte niemand auf Kosten anderer reich werden. Aber die Menschen in Israel haben sich nicht an Gottes Gebot gehalten. Wegen dieser Sünde sollen die großen Häuser und Gehöfte, die die Menschen nun besitzen, einmal leerstehen, weil viele ihrer Bewohner getötet sind und, wie es im mosaischen Bund gesagt wird ( 5Mo 28,20-24 ), die Ernte ausgeblieben ist. Gewöhnlich gab ein großer Weinberg viele Liter Wein. Nun würde es nur noch ein Eimer (etwa 23 Liter) voll sein. Zehn Scheffel ( ein Homer ) Saat würden normalerweise eine große Anzahl von Scheffeln Frucht ergeben. Jetzt würde es nur knapp ein Scheffel sein ( ein Epha , etwa 112 der Saat!).



b. Wehe den Trunkenbolden
( 5,11 - 12 )


Jes 5,11-12


Offensichtlich war der übermäßige Genuß von Wein in Jesajas Tagen sehr häufig, denn diese Sünde wird in zwei der sechs Wehe-Rufen erwähnt (vgl. V. 22 ). Die Menschen sind dem Wein so ergeben, daß sie, ganz anders als Trinker gewöhnlich, schon früh am Morgen aufstehen, um zu trinken. Und sie bleiben auch bis spät in die Nacht hinein auf. Bei ihren Gelagen hören sie gerne Musik an ihren Tafeln , aber von den Taten des HERRN wollen sie nichts wissen. Ihre mangelnde Ehrfurcht vor dem Werk seiner Hände hat zur Folge, daß sie andere Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen waren, mißbrauchen. Sie sorgen sich nur um ihr eigenes Vergnügen, nicht aber um den Herrn oder um andere Menschen.

 

c. Folgen von Judas Lebensweise
( 5,13 - 17 )


Jes 5,13-17


Mehrere Folgen hat diese Lebensweise Judas. Eine davon ist das Exil. Zu ihm gehört Tod durch Hunger und Durst (V. 13 ). Viele werden sterben, sowohl die Edlen wie die Menge , denn der Tod hat keine Ehrfurcht vor dem Rang der Menschen (V. 14 ). Die Zecher ( Übermütige und Fröhliche ), von denen Jesaja gerade gesprochen hat (V. 11 - 12 ), werden ebenso sterben (V. 14 ). Alle Stolzen werden erniedrigt werden (vgl. Jes 2,11-12.17 ), ohne Rücksicht auf ihre Herkunft ( Jes 5,15 ). Die Häuser der Reichen werden zerstört (vgl. V. 8-9 ) und verlassen sein, Lämmer können dort weiden (V. 17 ). Diese Zerstörung des Volkes führt dazu, daß Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit sichtbar wird (V. 16 ). Damit ist nicht gesagt, daß Gott diese Rache gefällt. Vielmehr hält er sich an sein Wort, wie er es im Bundesschluß verkündigt hat. Seine Züchtigung des Volkes zeigt, daß er sein Volk liebt und es eines Tages wieder in seine hervorgehobene Stellung einsetzen wird.

 

d. Wehe denen, die an Gott zweifeln
( 5,18 - 19 )


Jes 5,18-19


Vielleicht spricht Jesaja hier von Menschen, die es ganz grundsätzlich in Frage stellen, ob Gott wirklich die Kontrolle über sein Volk hat. Obwohl sie mit Stricken und Wagenseilen an Sünde und Unrecht gebunden (d. h. tief in Sünde verstrickt) sind, fragen sie sich, ob Gott das Volk retten kann. Offensichtlich wollen sie, daß Gott sie rettet, obwohl sie gleichzeitig ihr sündiges Handeln nicht aufgeben möchten. Sie wollen sehen, wie Gott handelt ( laß ihn sein Werk eilend tun ), ohne sich selbst geistlich zu verändern. Aber die Erlösung, ob persönlich oder kollektiv, geschieht nicht auf diesem Wege. Bevor Gott sein Volk vor der Zerstörung rettet, muß zunächst eine geistliche Änderung eingetreten sein.


e. Wehe denen, die Böses gut nennen
( 5,20 )


Jes 5,20


Manche verführen Menschen durch ihre verkehrten Wertvorstellungen. Böses - z. B. Ehebruch, Götzendienst, Materialismus, Mord und viele andere Sünden, die in der Bibel verboten werden - wird oft als gut bezeichnet. Wer dies tut, steht unter der Gerichtsandrohung (dem Wehe ) Gottes.



f. Wehe den Betrogenen
( 5,21 )


Jes 5,21


Manche halten sich selbst für weise und klug und verlassen sich nicht auf Gottes Macht zur Erlösung des Volkes. Sie meinen, sich selbst beschützen zu können.



g. Wehe den betrunkenen Bestechlichen
( 5,22 - 23 )


Jes 5,22-23


Viele Führer sind, anstatt Helden und gute Regierungsbeamte zu sein, für ihre Trinkfestigkeit bekannt. Sie lassen sich gern bestechen. Die Menschen, über die sie herrschen, kümmern sie nicht. Sie interessieren sich viel mehr für ihr eigenes Vergnügen als für die Rechte des Unschuldigen . Daher werden sie (diese Führer) gerichtet werden.

 

h. Weitere Folgen von Judas Lebensstil
( 5,24 - 30 )


Jesaja hat schon von einigen Gerichtsfolgen gesprochen, die durch die Sünde der Menschen über sie kommen werden (V. 13 - 17 ). Nun spricht er erneut von diesen Folgen des Ungehorsams gegenüber den Verpflichtungen des Bundes.



Jes 5,24-25


Diese Menschen, von denen Jesaja geschrieben hat, werden wie Stroh und trockenes Gras verbrennen, und ihre Blumen werden wie Staub auffliegen. Der Grund dafür ist, daß sie Gottes Wort (zu der HERR Zebaoth vgl. die Anmerkungen zu Jes 1,9 zu der Heilige Israels vgl. die Anmerkungen zu Jes 1,4 ) bewußt ungehorsam sind. Wegen dem Zorn des HERRN werden viele in den Straßen von Jerusalem sterben. Seine erhobene Hand (vgl. Jes 14,27 ) deutet an, daß er die Strafe ausführt. Die Berge, die durch Erdbeben erschüttert werden, sprechen von seiner furchtbaren Gegenwart (vgl. 2Mo 19,18; 1Kö 19,11;Jer 4,24; Hab 3,10 ).



Jes 5,26-30


Wenn Gottes Gericht über Juda kommen wird, werden die Völker von Ägypten und Assyrien ( Jes 7,18 ) und später auch Babylon reagieren, als hätte Gott ein Banner , ein Zeichen für den Krieg, errichtet. Jene Völker werden von den Enden der Erde zu kommen scheinen, ein Ausdruck, den Jesaja häufig benutzt, um Menschen von überall her zu bezeichnen ( Jes 5,26; 24,16; 40,28; 41,5.9; 42,10; 43,6; 45,22; 48,20; 49,6; 52,10; 62,11 ). Die Soldaten werden rasch kommen und kräftig ( Jes 5,27 ) und wohlbewaffnet sein. Ihre Kriegswagen sind schnell (V. 28 ). Grausam wie Löwen (V. 29 ) werden sie Juda völlig verwüsten (V. 30 ). Sie werden Juda wie eine Meereswoge überfluten und die Sonne wie mit Wolken auslöschen, ein Bild für Bedrängnis und Dunkel.



8. Jesajas Berufung
( Jes 6 )


Dieses Kapitel gehört zwar einerseits zu den bekanntesten im Buch Jesaja, hat jedoch andererseits unter Auslegern mindestens drei Probleme aufgeworfen.

Das erste Problem ist die chronologische Einordnung von Kapitel 6 , der Berufungsgeschichte Jesajas, im Blick auf die vorhergehenden fünf Kapitel über Gericht und Befreiung. Hat Jesaja eine Zeitlang ohne Berufung gedient, oder ist dieses Kapitel chronologisch falsch, aber logisch richtig hier eingeordnet? Manche meinen, daß Jesaja schon vorher als Prophet gewirkt haben muß ( Jes 1-5 ), denn diese Vision aus Jes 6 geschah "in dem Jahr, in dem König Usija starb" (V. 1 ), und er hat ja nach Jes 1,1 während der Regierungszeit des Usija gewirkt. Es läßt sich jedoch aus Jes 6,1 nur schließen, daß diese Vision irgendwann in den letzten 12 Monaten vor dem Tod Usijas, und damit "während" seiner Regierungszeit, geschehen ist.

Es ist möglich, daß Jesaja, wie manche Ausleger meinen, den sündigen Zustand des Volkes gesehen ( Jes 1-5 ) und sich von diesem Volk abgesetzt hat, bis er die Vision Gottes hatte und erkannte, daß auch er ein Teil dieses Sündenproblemes war. Auch er war "ein Mann unreiner Lippen" ( Jes 6,5 ).

Auf der anderen Seite ist es denkbar, daß die Vision und Berufung von Kapitel 6 geschah, bevor er seine Botschaft, die in Kapitel 1 - 5 enthalten ist, weitergegeben hat. Sein Erlebnis ordnet er hier ein, weil es ein passender, logischer Höhepunkt der Anklagen in diesen Kapiteln ist. Kapitel 6 betont die extreme Verdorbenheit des Volkes und stellt dieser Gottes Heiligkeit gegenüber. Jesaja stellt auch fest, daß den Menschen die geistliche Einsicht fehlt und sie von ihrem sündigen Verhalten nicht umkehren werden.

Ein zweites Problem ist die Frage, wen Jesaja sah. Jesaja "sah den Herrn" (V. 1 ), den er den "Herrn Zebaoth" (V. 3 ) und den "König, der Herr Zebaoth" (V. 5 ) nennt. Weil nun der Apostel Johannes schreibt, daß Jesaja "die Herrlichkeit Jesu" gesehen habe ( Joh 12,41 ), kann es sein, daß er den präexistenten Christus gesehen hat, der Herr ist aufgrund seiner Gottheit. Natürlich hat der Prophet nicht Gott in seinem eigentlichen Wesen gesehen, denn kein Mensch kann ihn sehen ( 2Mo 33,18; Joh 1,18; 1Tim 6,16; 1Joh 4,12 ). Gott ist unsichtbar ( 1Tim 1,17 ). Jesaja hat Gott in einer Erscheinung oder Theophanie gesehen, wie ja auch Hesekiel ( Hes 1,3-28 ), Daniel ( Dan 7,2.9-10 ) und andere.

Ein drittes Problem entsteht daraus, daß Jesajas Vision im Tempel geschah ( Jes 6,1 ). War Jesaja dort, weil er ein Priester war? Jeremia war der Sohn eines Priesters ( Jer 1,1 ), und Hesekiel war ein Priester ( Hes 1,3 ), aber das Buch Jesaja sagt nichts darüber, daß dieser aus einer priesterlichen Linie kommt. Es ist ja auch denkbar, daß er keine priesterlichen Pflichten im Tempel erfüllte, sondern einfach dort anbetete, als er diese himmlische Vision hatte. Oder er war, wie Hesekiel ( Hes 8,1-4 ), nicht leiblich im Tempel, sondern wurde in seiner Vision dorthin versetzt.



a. Jesajas Vision des Herrn
( 6,1 - 4 )


Jes 6,1


Da Jesaja während der Regierungszeit von König Usija wirkte ( Jes 1,1 ), muß seine Vision Gottes in dem Jahr, in dem Usija starb, innerhalb der letzten zwölf Monate vor dessen Tod im Jahre 739 v. Chr. geschehen sein. Wenn die Vision vor dem eigentlichen Dienstbeginn Jesajas war, dann war sie folglich auch vor dem Todesjahr des Usija. Wenn die Vision jedoch irgendwann nach dem Dienstbeginn erfolgte - vgl. die Anmerkungen weiter oben unter "8. Jesajas Berufung ( Jes 6 )" - dann könnte Jesaja die Vision innerhalb des Kalenderjahres (739 v. Chr.), kurz vor oder kurz nach dem Tod Usijas gehabt haben.

Diese zeitliche Einordnung weist uns auf einen Gegensatz zwischen dem menschlichen König und Gott selbst, dem göttlichen König, hin und in gewisser Weise auch auf einen Gegensatz zwischen Usija und Jesaja. Während der langen (52 Jahre) und erfolgreichen ( 2Chr 26,1-15 ) Regierungszeit des Usija lebten viele Menschen ohne Gott und in Sünden ( 2Kö 15,1-4 ; Usija wird auch Asarja genannt). Gott dagegen ist heilig ( Jes 6,3 ). In seinem Stolz und Ungehorsam ging Usija in den Tempel (ohne Empfinden für die Sünde, die dies bedeutete) und wurde daraufhin mit Aussatz gestraft ( 2Chr 26,16-20 ), was ihn kultisch unrein machte. Jesaja dagegen hatte ein Empfinden für seine Sünde, denn er sagt, daß er und sein Volk geistlich unrein sind ( Jes 6,5 ). Usija wurde vom Tempel ausgeschlossen ( 2Chr 26,21 ), Jesaja dagegen nicht.

Drei Dinge sind Jesaja in der Vision von Gott besonders wichtig: Er saß auf einem Thron, er war hoch und erhaben, und der Saum seiner Schleppe füllte den Tempel . An dem heiligsten Ort des ganzen Tempels in Jerusalem wurde Gottes Herrlichkeit zwischen den Cherubim auf dem Sühnedeckel der Bundeslade sichtbar. Manche Israeliten könnten daraus vielleicht geschlossen haben, daß Gott relativ klein sei. Salomo dagegen erklärt schon bei seinem Weihegebet für den neuerbauten Tempel, daß weder der Tempel, noch die Himmel aller Himmel Gott fassen können ( 1Kö 8,27 ). Jesaja sieht Gott daher auch nicht auf der Bundeslade, sondern auf einem Thron. Knapp 150 Jahre später ist es Hesekiel, der eine ähnliche Schau bekommt. Er sieht Gott, gezogen auf einem Thron-Wagen von Wesen, die Cherubim genannt werden ( Hes 1 ). Der Thron macht für Jesaja deutlich, daß der Herr wirklich der wahre König Israels ist.

Daß Gott "hoch und erhaben" ist, macht seine Stellung vor dem Volk deutlich. Die Menschen wollen, daß Gott etwas für sie tut ( Jes 5,19 ). Er aber tut es ja schon, was seine erhobene Stellung unter ihnen deutlich macht.

Die lange Schleppe des Herrn spricht von seiner königlichen Majestät. Daß er im Tempel ist, zeigt, daß Gott zwar bloße Religiosität haßt ( Jes 1,11-15 ), aber doch möchte, daß sein Volk den Tempeldienst verrichtet. Der Tempel und die Opfer des Tempels sind ein Bild für das gerechte Handeln des allmächtigen Gottes mit seinem Bundesvolk.



Jes 6,2-4


Serafim , Engelwesen, die über dem Herrn schweben, werden in der Bibel nur hier erwähnt. "Seraf" kommt von dem hebräischen Wort RAraP , "brennen". Vielleicht ist damit der brennende Eifer der Serafim für den Herrn gemeint. Interessant ist auch, daß einer der Serafim eine brennende Kohle nimmt und zu Jesaja bringt (V. 6 ). Sie haben sechs Flügel (die vier Wesen, die Hesekiel sah, haben jeweils vier Flügel; Hes 1,6.11 ). Mit zwei Flügeln bedecken sie ihr Angesicht, was ihre Demut vor Gott deutlich macht. Mit zwei weiteren Flügeln bedecken sie ihre Füße, was vielleicht Dienstbereitschaft für Gott bedeutet, und daß sie flogen, mag andeuten, daß sie fortwährend Gottes Heiligkeit und Herrlichkeit verkündigen.

Die Serafim, deren Anzahl nicht genannt wird, riefen einander zu und verkündigten, daß der HERR Zebaoth heilig ist. Die dreifache Wiederholung des Wortes heilig meint höchste oder vollkommene Heiligkeit. Sie bezieht sich nicht, wie einige Ausleger meinen, auf die Dreieinigkeit. Die Trinität wird auf andere Weise verdeutlicht (vgl. z. B. die Anmerkungen zu Jes 6,8 ). Es ist im AT üblich, ein Wort dreimal zu wiederholen, um seine Bedeutung zu unterstreichen (z. B. Jer 22,29 ). Die Serafim verkündigen auch, daß seine Herrlichkeit die Erde ausfüllt (vgl. 3Mo 14,21 ), so wie seine Schleppe den Tempel erfüllt. Die Leute von Juda dagegen sind unheilig (vgl. Jes 5; 6,5 ), obwohl sie doch eigentlich ein heiliges Volk sein sollen ( 2Mo 22,30; 5Mo 7,6 ).

Als die Serafim rufen, sieht Jesaja den Tempel erzittern, und dann ist er mit Rauch erfüllt ( Jes 6,4 ). Die Grundfesten sind große Grundsteine (vgl. Am 9,1 ), auf denen die Türpfosten ruhen. Das Erzittern (vgl. 2Mo 19,18 ) macht die furchtbare Gegenwart und Macht Gottes deutlich. Der Rauch ist vermutlich ein Bild für die Wolke der Herrlichkeit, die Jesajas Ahnen in der Wüste gesehen haben ( 2Mo 13,21; Jes 16,10 ) und die auch den Priestern zur Zeit Salomos bei der Einweihung des Tempels erschienen war ( 1Kö 8,10-13 ).

 

b. Jesajas Reaktion auf die Vision
( 6,5 )


Jes 6,5


Diese Vision der Majestät, Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes läßt Jesaja erkennen, daß er ein Sünder ist. Auch Hesekiel führt die Begegnung mit Gottes Herrlichkeit zur Demütigung. (Vgl. auch die Antworten Hiobs, Hi 42,5-6 ; Petrus, Lk 5,8 ,und des Apostels Johannes, Offb 1,17 .) Jesaja hat dem Volk das "Wehe" Gottes (Androhungen des Gerichtes) verkündigt ( Jes 5,8-23 ). Nun aber erkennt er, daß er selbst unter dem Gericht Gottes steht und sagt: Wehe mir! (vgl. Jes 24,16 ). Er ist unrein. Neben der Reinheit von Gottes Heiligkeit wird die Unreinheit der menschlichen Sünde um so deutlicher. Die unreinen Lippen des Propheten stehen vermutlich sowohl für seine Einstellungen und seine Taten als auch für seine Worte, denn die Worte eines Menschen spiegeln seine Gedanken wider und stehen mit seinen Taten in engster Verbindung. Jesaja identifiziert sich hier mit seinem Volk, das auch sündig ist ( ein Volk unreiner Lippen ).



c. Jesajas Reinigung und seine Botschaft
( 6,6 - 13 )


Jes 6,6-7


Als Jesaja seine Unreinheit erkennt, wird er von Gott gereinigt durch das Mittlerwerk eines der Serafim . Es paßt sehr gut, daß ein Seraf (was vermutlich "ein Brennender" bedeutet) Jesajas Lippen mit einer glühenden Kohle von dem Altar berührt . Gemeint ist entweder der Brandopferaltar, auf dem das Feuer immer am Brennen gehalten werden mußte ( 3Mo 6,2 ), oder der Räucheraltar, auf dem jeden Morgen und jeden Abend Räucherwerk geopfert wurde ( 2Mo 30,1.7-8 ). Diese symbolische Handlung steht für die Wegnahme der Schuld und Sünde des Propheten. Natürlich hat die gesamte Nation diese Vergebung nötig. Die Juden müßten wie Jesaja antworten und zugeben, daß auch sie der Reinigung von ihren Sünden bedürfen. Aber die meisten Menschen lehnten es, ganz anders als Jesaja, ab, ihre geistliche Not zuzugeben. Zwar opferten sie durch die Priester Brandopfer im Tempel, aber eigentlich würde ihr Leben die reinigende Wirkung von Gottes "Feuer" benötigen.



Jes 6,8


Die übrigen Verse dieses Kapitels handeln von der Botschaft, die Jesaja dem Volk verkünden soll. Es ist dabei von Bedeutung, daß Jesaja nicht zum Dienst gerufen wird, bevor er gereinigt ist. Nachdem er die Worte des Serafs gehört hat (V. 3.7 ), hört er nun die Stimme des Herrn.

Gott fragt: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Das Wort "uns" in bezug auf Gott ist ein verborgener Hinweis auf die Dreieinigkeit (vgl. 1Mo 1,26; 11,7 ). Diese Lehre ist zwar im AT nicht ausdrücklich so formuliert, dennoch finden sich immer wieder Hinweise darauf, denn Gott ist ja derselbe Gott in den beiden Testamenten.

Die Frage "Wer will unser Bote sein?" bedeutet nicht, daß Gott dies nicht gewußt hat oder daß er gehofft hat, daß irgend jemand antworten wird. Er stellt diese Frage, um Jesaja, der nun gereinigt ist, eine Möglichkeit zum Dienst zu geben. Der Prophet weiß, daß das ganze Volk das gleiche Wissen über Gott und die gleiche Reinigung von den Sünden braucht, wie er dies erlebt hat. So antwortet er, daß er bereit ist, dem Herrn zu dienen ( Hier bin ich ).



Jes 6,9-10


Wahrscheinlich hat Jesaja, als er so auf Gottes Frage antwortete, erwartet, daß sein Dienst für den Herrn zur Reinigung des Volkes führen wird. Der Herr aber läßt ihn wissen, daß seine Botschaft nicht zu einem großen geistlichen Aufbruch führen wird. Die Menschen haben bisher nicht gehört, sie werden auch in Zukunft nicht hören. Der Herr hat keinen Gefallen daran, sein Volk zu richten, aber die Züchtigung ist notwendig wegen ihrem Ungehorsam. Das Volk wird sogar noch verstockter gegen Gott werden, wenn es die Botschaft Jesajas hört. Interessant ist, daß sechs Worte in Vers 10 einen Chiasmus bilden: Herz, Ohren, Augen werden in den Zeilen 1 - 3 erwähnt. In den Zeilen 5 - 7 finden wir dann die umgekehrte Reihenfolge: Augen, Ohren, Herzen . Im Alten Testament geschieht solch eine Anordnung von Aussagen häufig. Vielleicht werden durch diese Anordnung die "Augen", die in der Mitte stehen, besonders betont. Jesus hat einen Teil dieser Verse zitiert, um zu zeigen, daß das Israel seiner Tage nicht glauben konnte , weil es nicht glauben wollte (vgl. den Kommentar zu Joh 12,40 ).


Jes 6,11-13


Jesajas Antwort auf diese Botschaft macht deutlich, daß er bereit ist zu reden, was immer Gott ihm auftragen wird. Allerdings fragt er sich, wie lange er wohl eine Botschaft des Gerichtes verkündigen muß, gegenüber der die Menschen taub sind. Der Herr antwortet, daß Jesaja diese Botschaft zu verkünden hat, bis sein Gericht kommt, d. h. also, bis das babylonische Exil tatsächlich eintritt und die Menschen aus dem Land deportiert werden (V. 12 ) und ihre zerstörten Städte und Felder zurücklassen müssen (V. 11 ). Zwar erlebte Jesaja dies nicht mehr, aber Gott wollte ihm so zeigen, daß er seine Verkündigung weiterführen soll, selbst wenn er den Fall Judas noch miterleben würde. Der zehnte Teil , der im Land zurückbleiben wird (V. 13 ), bezieht sich auf die Armen, die Nebukadnezar in Juda zurückließ ( 2Kö 24,14 ). Die meisten von ihnen jedoch waren Gesindel ( Jer 41,10-18; 43,4-7 ).

Jesaja war durch solch eine negative Antwort und solch schreckliche Folgen seiner Botschaft vielleicht entmutigt. Deshalb versichert ihm der Herr nun, daß nicht alle verloren seien. Ein Überrest würde bleiben. Gott vergleicht diesen Überrest mit Baumstümpfen von Linden und Eichen . Aus solch einem Stumpf, aus solch einem heiligen Samen eines gläubigen Überrestes, werden andere kommen, die ebenfalls glauben. Gott verheißt hier trotz der fast völligen Auslöschung und Wegführung der Bevölkerung Judas, daß er eine kleine Zahl von Gläubigen im Land zurücklassen wird.

 

B. Prophetien der Befreiung
( Jes 7-12 )


In diesen Kapiteln richtet der Prophet seine Aufmerksamkeit auf die Befreiung, die Gott dem Volk bringen wird. Judas Befreiung von der aramäisch-israelitischen Allianz ( Jes 7,1-4 ) ist ein Vorbild seiner endgültigen Befreiung. Der Fall des assyrischen Weltreiches ( Jes 10,5-19 ), der zur "Befreiung" Judas führt, ist Vorbild für den Fall aller Heidenvölker, die sich gegen Gott und sein Volk stellen. Jesaja behauptet nicht, daß diese Befreiungen das herrliche, zukünftige Königreich hervorbringen werden. Er kündigt aber dieses herrliche Reich, das Tausendjährige Reich, an ( Jes 11 ). Es wird größer sein als alle bisherigen Reiche. In diesem Reich wird "der heilige Samen" ( Jes 6,13 ), der gläubige Überrest ( Jes 10,20-21 ), ein Lied des Dankes singen ( Jes 12 ).



1. Die Geburt des Immanuel
( Jes 7 )


Jesaja weissagt von einem Kind, das geboren wird und etwas mit der Befreiung des Volkes zu tun hat. Die Geburt des Kindes, das Immanuel genannt werden wird, hat große Bedeutung für die Linie Davids.



a. Die historische Situation
( 7,1 - 2 )


Jes 7,1-2


Rezin , der König von Aram , nordöstlich von Israel, und Pekach, König von Israel (752 - 732), hatten einen Bund miteinander geschlossen. Rezin hatte den Thron von Aram vielleicht durch einen Umsturz erhalten, von Pekach jedenfalls wissen wir dies genau. Rezin war der letzte König der Aramäer und Pekach war Israels vorletzter König. Nachdem Jerobeam II. (793 - 753) gestorben war, wurde das Nordreich zunehmend schwächer. Rezin überzeugte Pekach, ihn gegen seinen südlichen Nachbarn Juda zu unterstützen ( 2Kö 15,37; 16,5 ). Sie bedrohten daher nun Juda und wollten König Ahas durch einen Strohkönig, den "Sohn Tabeals", ersetzen ( Jes 7,6 ). Tabeal war vielleicht ein Bezirk oder auch eine Person in Aram. Die Aussicht, solch furchtbare Feinde wie Aram und Israel gegen sich zu haben, flößte vielen Menschen in Juda Angst ein. Das Haus Davids (V. 2 ) bezieht sich auf König Ahas, der aus dieser königlichen Linie stammt. Ahas war sehr erschrocken, als er von dieser aramäisch-israelitischen Allianz hörte. Ephraim , Israels größter Stamm, steht hier stellvertretend für die gesamte Nation (vgl. auch das Buch Hosea; z. B. Hos 4,17; 5,3.5.9-14 ). Das Ganze ereignete sich im Jahr 734 v. Chr. Vielleicht dachte Ahas, er könne den assyrischen König Tiglat-Pileser III. (745 - 727) zu seiner Hilfe rufen und die aramäisch-israelitische Allianz angreifen.



b. Die Gewissheit, dass Juda nicht zerstört wird
( 7,3 - 9 )


Jes 7,3


Gott weist Jesaja an, mit seinem Sohn loszugehen und König Ahas am Ende der Wasserleitung des oberen Teiches zu treffen . Dieser Teich war ein Wasserspeicher, in den das Wasser der Gihon-Quelle, nahe bei Jerusalem, floß. ( Jes 22,9 bezieht sich auf einen tiefer gelegeneren Teich.) Vielleicht befand sich Ahas dort, um die Wasserversorgung Jerusalems zu kontrollieren für den Fall eines aramäisch-israelitischen Angriffes. Die Wasserleitung war nahe der Straße zu dem Walker-Feld , gerade außerhalb der Stadtmauern Jerusalems. Von hier aus würde knapp 33 Jahre später Sanheribs Sprecher seine Herausforderung an die Einwohner der Stadt richten ( Jes 36,2 ). Der Name von Jesajas Sohn, Schear-Jaschub (was bedeutet: "ein Rest wird zurückkehren"; vgl. Jes 10,21 ), macht die Botschaft des Propheten deutlich. Das Volk von Juda wird durch diese aramäisch-israelitische Allianz nicht zerstört werden.

 

Jes 7,4-6


Jesaja überbringt Ahas die Nachricht, daß er sich vor Rezin und Pekach nicht fürchten soll, denn sie sind nur rauchende Holzscheite . Ihr Leben wird bald enden. Wie Feuerholz wird es verbrennen und zu Ende sein. Beide Männer starben zwei Jahre später (732 v. Chr.). Aram und Israel bedrohen Juda, wollten es erobern, zwischen den beiden Siegermächten aufteilen und einen Strohkönig einsetzen.


Jes 7,7-9


Aber der allmächtige Herr hat eine Antwort auf diese Bedrohung durch Aram und Israel: Er (der Angriff) wird nicht geschehen . Der Grund dafür ist, daß beide Völker nur von Menschen (V. 8 - 9 ) geführt werden. Es ist ein Stück Ironie, daß Jesaja Pekach nur ein einziges Mal beim Namen nennt (V. 1 ). Daneben nennt er ihn noch viermal den "Sohn von Remalja" oder Remaljas Sohn (V. 4 - 5.9 ; Jes 8,6 ). Er und Rezin können Gottes Plan nicht durchkreuzen.

Jesaja spricht dann die erstaunliche Prophetie aus, daß innerhalb von 65 Jahren Israel nicht mehr länger ein Volk sein wird, weil es so zerstreut ist ( Jes 7,8 ). Jesaja gab diese Prophetie im Jahr 734 v. Chr.; 65 Jahre später wäre also das Jahr 669. Als Assyrien Israel im Jahr 722 eroberte, wurden viele Israeliten in andere Länder weggeführt und Fremde kamen in das Land Samarien ( 2Kö 17,24 ). Aber 669 wurden noch viel mehr Ausländer nach Samarien gebracht durch Asenappar ( Esr 4,10 ), König von Assyrien (669 - 626). Israel wurde auf diese Weise "zerstreut", so daß es unmöglich wurde, wieder zu einem vereinigten Volk zu werden.

Der zweite Satz in Jes 7,9 wurde schon auf verschiedenste Weise übersetzt. Ganz offensichtlich war er eine Herausforderung an Ahas, zu glauben, was Jesaja ihm sagte. 65 Jahre später war Ahas natürlich nicht mehr am Leben. Aber er konnte es glauben, daß Gott beide Vorhersagen erfüllen würde: daß Israel 65 Jahre später zerstreut sein würde und daß in seinen Tagen die nördliche Allianz (Aram und Israel) Juda nicht überwältigen würde. Wenn er diesen Verheißungen jedoch nicht glaubte, dann würde auch er fallen.

 

c. Ahas lehnt ein Zeichen ab
( 7,10 - 12 )


Jes 7,10-12


Um seinen Glauben zu stärken, soll Ahas den HERRN um ein Zeichen bitten , ein bestätigendes Wunder, das Gottes Wort bekräftigt. Der König kann sich dabei jedes denkbare Wunder aussuchen, von der tiefsten Tiefe bis zur höchsten Höhe . Durch diese Art der Umschreibung, bei der zwei Extreme genannt werden, soll deutlich werden, daß alles zwischen diesen beiden Eckpunkten dazugehört. Ahas steht also ein Wunder zur Verfügung. Er muß es nur erbitten. Dann hat er die sichtbare Bestätigung, daß Jesajas Worte (V. 7 - 9 ) wirklich von Gott kommen. Ahas kann sich darauf verlassen, daß die Nord-Allianz Juda nicht besiegen wird.

Aber Ahas lehnt es ab, um ein Zeichen zu bitten. Er behauptet, er wolle Gott nicht auf die Probe stellen (vgl. 5Mo 6,16 ). Diese Antwort klingt sehr fromm, aber wahrscheinlich hat bereits der Ton, mit der er sie Jesaja gegeben hat, gezeigt, daß sie nicht ernst gemeint ist. Er glaubt Jesaja nicht. Vielleicht will er auch Jesaja nicht glauben, der ja auch von der schließlichen Zerstörung Judas geweissagt hat, wenn die Menschen nicht zu dem Herrn zurückkehrten.



d. Die Antwort des Herrn
( 7,13 - 25 )


Jes 7,13


Ahas wies nicht nur das Angebot eines Zeichens durch Gottes Boten zurück, sondern damit eigentlich den Einen, der den Propheten gesandt hatte. Das Haus Davids (vgl. V. 2 ) bezieht sich nicht auf alle Nachkommen Davids, sondern auf Ahas und jene Könige von Juda, die von ihm abstammen. Die Antwort von Ahas bezeugt sein gottloses Wesen. Er sagt zwar, er wolle Gott nicht versuchen, aber indem er es ablehnt, Gottes Anweisung zu folgen und sich ein bestätigendes Zeichen zu erbitten, versucht er ja die Geduld Gottes (und auch die menschliche Geduld).



Jes 7,14-16


Obwohl Ahas ein Zeichen ablehnt, das Jesajas Botschaft bestätigt hätte, erklärt ihm der Prophet, daß Gott ihm trotzdem ein Zeichen geben wird. Dieses Zeichen ist ein Junge mit Namen Immanuel . Drei Elemente prägen das Zeichen: (1) Der Junge wird von einer Jungfrau geboren (V. 14 ). (2) Er wird aufwachsen in einer Zeit des nationalen Elends (V. 15 ; zu Butter und Honig vgl. die Anmerkungen zu V. 22 ). (3) Während er noch ein junges Kind ist, wird die Allianz der zwei Könige zerbrechen (V. 16 ). Das Wort "Jungfrau" übersetzt das hebräische Wort ZalmCh , das zur Bezeichnung einer unverheirateten Frau im heiratsfähigen Alter benutzt wird. Es bezieht sich auf jemanden, der sexuell reif ist. Im AT kommt es nur noch vor in 1Mo 24,43; 2Mo 2,8; Ps 68,26; Spr 30,19 und Hl 1,3 und Hl 6,8 .Außerdem finden wir es noch in 1Chr 15,20 ( alamoth ) und in der Überschrift zu Ps 46 (hier könnte alamoth auch ein musikalischer Ausdruck sein). Der Name des Kindes, Immanuel, bedeutet "Gott (ist) mit uns".

Unter Auslegern gibt es hauptsächlich drei Ansichten über die Jungfrau aus Jes 7,14-16 :

1) Der Junge, von dem Jesaja schreibt, wurde, kurz nachdem Jesaja diese Botschaft ausgesprochen hatte, empfangen. Eine junge Frau, eine Jungfrau, heiratete und bekam ein Baby. Bevor dieses alt genug war, um den Unterschied zwischen Gut und Böse zu kennen, wurde die nördliche Allianz zwischen Aram und Israel zerstört. Nach dieser Sicht war die Frau zwar eine Jungfrau, als Jesaja seine Prophetie aussprach, nicht aber, als der Junge geboren wurde. Er wurde durch die sexuelle Gemeinschaft zwischen Mann und Frau empfangen. Manche meinen, dieses Kind sei Jesaja geboren worden ( Jes 8,3-4 ). Sie behaupten, daß zwischen Jes 8,1-4 und Jes 7,14-17 mehrere Gemeinsamkeiten bestehen. Dies jedoch muß abgelehnt werden, denn (a) Jesajas Frau hatte bereits ein Kind (Schear-Jaschub, V. 3 ), war also keine Jungfrau mehr, und (b) das zweite Kind von Jesaja wurde nicht Immanuel genannt ( Jes 8,3 ). Wenn diese erste Sicht von Jes 7,14-16 zutrifft, dann hätte Ahas diese Frau gekannt und von der Geburt des Kindes und seinem Namen Immanuel gehört und so gewußt, daß Jesajas Weissagungen zutreffend sind.

2) Eine zweite Gruppe von Auslegern sieht die verheißene Geburt als ausschließlich messianisch an und identifiziert die Jungfrau mit Maria, der Mutter Jesu. Es wird dabei argumentiert, daß nach Jes 7,14 die Jungfrau schwanger ist. Außerdem hat Matthäus bestätigt, daß die Geburt Jesu die Erfüllung dieser Prophetie Jesajas ist ( Mt 1,21-23 ), und so die Tatsache unterstrichen, daß die Ehe von Josef und Maria erst nach der Geburt Jesu vollzogen wurde ( Mt 1,18.25 ).

Vertreter dieser Sicht weisen darauf hin, daß Jesaja seine Prophetie ja an das Haus Davids gerichtet habe ( Jes 7,13 ), nicht nur an Ahas alleine.

Das Zeichen sei also nicht nur dem König, sondern der ganzen königlichen Linie und dem gesamten Volk gegeben worden.

Aber wenn die Erfüllung erst zur Zeit von Josef und Maria eintrat, wo ist dann der Zusammenhang mit Jesajas Behauptung zu sehen, daß die aramäisch-israelitische Allianz bald besiegt werden würde?

Und was hat die Geburt des Herrn Jesus mit dem Essen von Butter und Honig zu tun (V. 15 ) und dem Bruch der Allianz, bevor der Junge alt genug ist, Gut und Böse zu unterscheiden (V. 16 )? Vertreter dieser Sicht antworten, daß die Zeit vergleichbar ist:

Die zwei Jahre des Babystadiums Jesu (bevor er zwischen richtig und falsch unterscheiden konnte) weisen auf den gleichen Zeitabschnitt von zwei Jahren hin, innerhalb dessen die aramäisch-israelitische Bedrohung vorbei sein würde.

3) Eine dritte Sicht stellt eine Kombination dieser beiden Meinungen dar.

Sie sieht die Prophetie zunächst einmal an Ahas gerichtet und den Bruch der Allianz andeutend.

Die ZalmCh war eine Jungfrau, als Jesaja seine Botschaft verkündigte.

Dann heiratete sie und bekam ein Baby. Als der Bund zwischen Aram und Israel zerbrach, war dieses Kind noch ein kleiner Junge.

Jahrhunderte später ließ der heilige Geist Matthäus diese Stelle aus Jes 7,14 zitieren als eine Aussage, die auch von der Jungfrauengeburt spricht (d. h. die Geburt eines Kindes von einer Frau, die noch Jungfrau ist).

Damit wäre dies die erste von vielen Prophezeiungen Jesajas über den Messias. (Vgl. auch die Tabelle "Messianische Prophezeiungen im Buch Jesaja".)

 

Das Zeichen muß eine bestimmte Bedeutung für die historische Situation, in der es gegeben wurde, gehabt haben.

Es spricht nicht nur von der Geburt eines Kindes und dessen Namen (Immanuel, "Gott [ist] mit uns", sollte den Menschen Gottes Gegenwart versichern), sondern auch von einer festgelegten Zeit: Bevor der Knabe alt genug ist, um das Böse zu verwerfen und das Rechte zu wählen, wird das Land der beiden Könige verwüstet liegen.

Innerhalb von drei Jahren (neun Monate Schwangerschaft und zwei Jahre, bis der Knabe den Unterschied zwischen Gut und Böse kennt) wird das Bündnis zerbrechen. Es zerbrach 732 v. Chr., als Tiglat-Pileser III. Damaskus zerstörte. Nachdem Tiglat-Pileser Aram besiegt und Rezin dem Tod überantwortet hatte, ging Ahas nach Damaskus, um den assyrischen König zu treffen ( 2Kö 16,7-10 ). Einer der Altäre in Damaskus gefiel Ahas besonders gut.

Er ließ ein Bild davon anfertigen, um einen ähnlichen Altar in Jerusalem zu errichten. Es ist nicht verwunderlich, daß Jesaja und auch Gott über Ahas zornig waren. Auch nachdem die feindliche Allianz durch Tiglat-Pileser zerbrochen war, hatte Juda keinen Frieden. Zwar besiegte Assyrien Juda nicht, aber es mußte Assyrien große Mengen an Tribut zahlen. Jesaja kündigt diese Folgen der Haltung von Ahas an ( Jes 7,17-25 ).



Jes 7,17-19


Gott verkündet, daß er den König von Assyrien nach Juda schicken wird. Dies wird der schlimmste feindliche Angriff sein, seit die zehn nördlichen Stämme (hier Ephraim genannt; vgl. die Anmerkungen zu V. 2 ) sich von den zwei Süd-Stämmen lösten (931 v. Chr.). Von den Tagen des Ahas an wurde Juda durch das assyrische Weltreich bedrängt, dem es große Mengen an Zoll zu bezahlen hatte. Ahas wandte sich an Tiglat-Pileser, ihn von Aram und Israel zu befreien, was dieser gerne tat. Aber Tiglat-Pileser brachte Ahas Schwierigkeiten, keine Hilfe ( 2Chr 28,20-21 ). Dann, während der Regierungszeit des Hiskia, überfiel der assyrische König Sanherib Juda, das Ägypten um Hilfe bat ( Jes 30,1-5 ), und hätte es beinahe erobert, als im Jahr 701 v. Chr. Gott auf wunderbare Weise Jerusalem rettete ( Jes 36-37 ). In all dem sehen wir Gottes Hand. Denn er wird die Fliegen aus Ägypten pfeifen (d. h. ägyptische Soldaten, die so zahlreich und lästig wie Fliegen sind) und die Bienen von Assyrien (d. h. assyrische Soldaten, die so bösartig wie Bienen sind).



Jes 7,20-25


Juda wird Verlust und Demütigung erleben. Assyrien wird wie ein Schermesser Judas Haare abschneiden . Im Nahen Osten jener Zeit war es ein Zeichen der Demütigung, wenn man jemandem Haare und Bart abschnitt (vgl. Hi 1,20; Jes 15,2; Jer 47,5; 48,37; Hes 7,18; Am 8,10; Mi 1,16 ). Der Überfluß an Milch war kein gutes, sondern ein schlechtes Zeichen. Da so viele Tiere sterben werden, haben die junge Kuh und zwei Ziegen eines Landwirtes keine Jungen mehr, die sie ernähren müssen, und so haben die Menschen einen Überfluß an Milch (und daher auch Butter). Auch Honig gibt es im Überfluß, denn in den verlassenen Feldern wachsen wilde Blumen und die Bienenschwärme nehmen immer mehr zu. All dies wird das Zeichen erfüllen, das Jesaja Ahas gegeben hat ( Jes 7,15 ): Er wird Butter und Honig essen . Die Landwirte werden keine Ernte haben, weil das Land verwüstet ist. Die Weingärten werden ebenso wüst liegen wie das Ackerland, und nur Dornen und Disteln (dreimal in V. 23 - 25 erwähnt) werden wachsen. Das Land ist nur noch für Vieh und Schafe geeignet.

Zu der Zeit (V. 21 ) spricht von einer Zeit des Gerichts über das Volk von Juda. Oft bezieht sich diese Formulierung (wie z. B. in Jes 4,2 ) in eschatologischer Weise auf die letzte Gerichtszeit der großen Trübsal, kurz bevor der Messias wiederkommt, um sein Tausendjähriges Reich zu errichten. An manchen Stellen aber, wie auch hier ( Jes 7,21 ), meint sie ein Gericht, das bald über das Volk kommen wird. Dieses nahe Gericht ist ein Abbild des letzten Gerichtes, das am Ende der Zeiten kommen wird.



2. Der kommende Befreier
( 8,1 - 9,6 )


Dieser Abschnitt steht in engem Zusammenhang mit dem vorherigen Kapitel. Es geht hier um das gleiche Ereignis, die Befreiung von der aramäisch-israelitischen Allianz und die nachfolgende assyrische Invasion, die schließlich auch Juda erreichen wird. In Kapitel 7 fanden wir mehrere "negative" Aussagen: Ahas weist das Wort Gottes durch Jesaja zurück, Ahas lebt fortgesetzt im Ungehorsam, und es werden schwierige Zeiten für Juda kommen. Dieser Abschnitt hier ist eher positiv: Das Volk wird befreit werden, und diese Befreiung ist das Abbild eines noch größeren Befreiers, der eine noch größere Befreiung bringen wird.



a. Der kommende Fall von Israel und Aram
( 8,1 - 4 )


Jesaja hatte schon den Fall der aramäisch-israelitischen Allianz vorhergesagt ( Jes 7,4-17 ). Nun gibt er eine erneute Prophezeiung dieses Ereignisses. Auch diese Weissagung bringt, wie in Kapitel 7 , die Geburt eines Babys mit sich, dieses Mal für Jesaja und seine Frau, die Prophetin war. Es gibt Ausleger, die die Geburt dieses Kindes für die Erfüllung der Weissagung aus Kapitel 7,14 halten. Aber zwischen beiden gibt es doch wesentliche Unterschiede. Das Kind in Jes 8,1-4 wird nicht Immanuel genannt (vgl. Jes 7,14 ). Es wird Jesajas Frau geboren. Diese aber ist keine Jungfrau mehr, da Jesaja bereits mindestens einen Sohn hat ( Jes 7,3 ), es sei denn, die Frau in Jes 8,3 ist die zweite Frau Jesajas. Dies jedoch scheint unwahrscheinlich. Vermutlich ereignete sich diese Geburt erst einige Zeit nach der Prophezeiung in Jes 7,14 ,denn nach Jes 8,4 wird der Fall der Allianz sehr bald geschehen - bevor das Kind auch nur "lieber Vater" oder "liebe Mutter" sagen kann. Die meisten Kinder können dies jedoch schon kurz bevor oder nachdem sie ein Jahr alt geworden sind. Offensichtlich gab Gott Juda in seiner Gnade diese zweite Vorankündigung der assyrischen Zerstörung von Aram. Diese Prophezeiung wurde von mehreren wichtigen Personen beobachtet, um der Nation erneut zu beweisen, daß Jesaja für den Herrn spricht und daß seine Worte wahr sind.



Jes 8,1


Jesaja soll ein sichtbares Hilfsmittel benutzen, um die Weissagung in den Köpfen der Menschen wirklich zu verankern. Auf einer großen Tafel soll er den Namen eines Sohnes notieren, der ihm bald geboren werden wird. Der Name des Kindes soll schon angekündigt werden, bevor er empfangen wird, so daß die Gewißheit seiner Geburt deutlich wird. Sein Name, Maher-Schalal-Hasch-Bas , der längste Eigenname in der Bibel, bedeutet "schnell zum Plündern, geschwind zum Raub" (in den meisten deutschen Übersetzungen: "Raubebald-Eilebeute"). Diese Worte riefen sich die Soldaten zu, wenn sie ihre Gegner besiegt hatten und nun ausraubten. Jesajas Zuhörer, die sich an seine Weissagung über den Fall der aramäisch-israelitischen Allianz erinnerten ( Jes 7,4-17 ), werden die Bedeutung dieses Namens verstehen, wenn sie nun seinen weiteren Prophezeiungen des drohenden Gerichtes für Aram und Israel zuhören.



Jes 8,2


Gott sagt, daß Jesaja sich zwei treue Zeugen nehmen soll ( 4Mo 35,30; 5Mo 17,6; 19,15 ), die die Wahrheit seiner Worte bestätigen. Uria, der Priester, wird später in einem weniger guten Licht erwähnt (vgl. 2Kö 16, 10-16 ), als er mit Ahas bei der Änderung des Tempeldienstes, nachdem die aramäisch-israelitische Allianz zerbrochen war, zusammenarbeitete. Offensichtlich war er ein einflußreicher Priester. Secharja, der Sohn Jeberechjas, wird sonst in der Bibel mit diesem ausführlichen Namen nicht mehr erwähnt. Er könnte ein Prophet zur Zeit des Usija gewesen sein ( 2Chr 26,5 ) oder ein Levit, der bei der Tempelreinigung in den Tagen Hiskias half ( 2Chr 29,12-13 ).


Jes 8,3-4


Die Prophetin , Jesajas Frau, wird nicht mit Namen genannt. Sie wird entweder Prophetin genannt, weil sie mit einem Propheten verheiratet war oder weil auch sie die von Gott gegebene Fähigkeit, zu weissagen, besaß. Letzteres ist eher wahrscheinlich. Jesajas Sohn, Raubebald-Eilebeute , ist das Zeichen des kommenden Bruches in der aramäisch-israelitischen Allianz gegen Juda. In etwa einem Jahr und neun Monaten (neun Monate für die Schwangerschaft und bis das Kind etwa ein Jahr ist) wird Assyrien Damaskus (Arams Hauptstadt) und Samaria (Israels Hauptstadt) plündern. Dies geschah im Jahr 732 v. Chr., woraus sich für die Prophezeiung Jesajas das Jahr 734 ergibt. Wenn Damaskus und Samaria fallen, dann soll Juda zu Gott umkehren, wie Jesaja es ihnen verkündigt hat. Leider folgte Uria, einer der beiden Zeugen (V. 2 ), nach dem Fall im Jahr 732 dem Befehl des Ahas und änderte den Tempeldienst um, so daß er dem heidnischen Götzendienst in Damaskus entsprach.



b. Der kommende Überfall durch Assyrien
( 8,5 - 8 )


Jes 8,5-6


Dies Volk bezieht sich wohl auf das Nordreich Israel, denn Israel hatte das Volk Juda auf Kosten einer Allianz mit Aram unter dessen König Rezin verachtet (vgl. Jes 7,1 ). Die sanft fließenden Wasser von Siloah , auch Siloam genannt, sind dann ein Bild für die Stadt Jerusalem. Diese Wasser waren eine Quelle, die einen kleinen Wasserspeicher innerhalb von Jerusalems Mauern speiste. Das sanft fließende Wasser steht im schroffen Gegensatz zu der mächtigen Flut ( Jes 8,7 ), die das Volk zerstören wird. Zu dem Sohn Remaljas vgl. die Anmerkungen zu Jes 7,4 .Andere Ausleger verstehen "dies Volk" als Bezeichnung für Juda (das Haus von Ahas und seinen Leuten). Sie hatten Gott zurückgewiesen ("die still dahinfließenden Wasser"), und deshalb wird nun die mächtige Flut (Assyrien) über sie hereinbrechen und sie einschließen. Dann wäre die Erfüllung dieser Weissagung 701 v. Chr. geschehen, als die Assyrer Juda überfielen.



Jes 8,7-8


Weil Israel mit Aram ein Bündnis eingegangen war, wird es durch die mächtige Flut des Flusses hinweggeschwemmt werden. "Der Strom" ist eine übliche Bezeichnung für den Euphrat, der durch das assyrische Reich floß. Der König von Assyrien (vgl. Jes 7,17 ) wird das Nordreich überfluten , wie ein Fluß bei Hochwasser seine Ufer überflutet. Diese "Flut", Assyrien, wird dann auch hinein in das Land von Juda dringen (701 v. Chr.). Assyrien wird Juda bis zum Halse stehen , Juda wird also beinahe ebenfalls ertrinken.

Nun ändert Jesaja sein Bild und sieht Assyrien wie einen riesigen Vogel, dessen Flügel das ganze Land bedecken , bereit, es zu verschlingen.

Diese Botschaft wird Immanuel ("Gott [ist] mit uns") gegeben. Jesaja hatte diesen Namen benutzt ( Jes 7,14 ), als er Ahas den Jungen ankündigte, der bald geboren werden sollte als ein Zeichen, daß das Volk nicht durch die Hände von Aram und Israel untergehen wird. Nun würden die Assyrer versuchen, das Land Juda zu "ertränken". Aber das Wort Immanuel versichert den Zuhörern, daß Gott sein Bundesvolk nicht vergessen hat und bei ihnen sein wird (vgl. Jes 8,10 ). Diese Tatsache finden wir in den nächsten Versen näher beleuchtet (V. 9 - 15 ).



c. Der kommende Sieg durch Gott
( 8,9 - 15 )


Zwar wird Juda durch die assyrische Invasion beinahe besiegt werden (V. 1 - 8 ), aber dennoch mahnt Jesaja, daß Juda sich nicht fürchten soll, denn es wird den Sieg erleben.



Jes 8,9-10


Die große Wahrheit in Kapitel 7 - 9 sagt aus, daß Gott mit Juda ist. Jesaja beendet Vers 10 mit dieser Aussage - Immanuel, Gott ist mit uns. Auch wenn die Völker ein Kriegsgeschrei erheben und sich für den Kampf gegen Juda vorbereiten, werden sie nicht zu ihrem Ziel kommen. Sie werden fliehen müssen, eine Tatsache, die in Vers 9 dreimal wiederholt wird, um sie zu betonen. Obwohl sie eine sorgfältige Strategie und einen Plan für den Kampf ausarbeiten, werden sie nicht siegen, denn Gott ist mit Juda (hebr.: "Immanuel"; vgl. Jes 7,14; 8,8 ). Diese erhabene Wahrheit unterscheidet Juda von allen anderen Völkern dieser Erde. Weil Gott versprochen hat, bei seinem Volk zu sein, sollen sie nun auch den Glauben an ihn haben, wie schwierig die Umstände auch sein mögen. Er wird sie nicht verlassen. Gott und Jesaja werden auf diese Weise bestätigt und Ahas wegen seines mangelnden Glaubens getadelt (vgl. Jes 7,9 ) werden.



Jes 8,11-15


Der Herr hat versprochen, mit seinem Volk zu sein (V. 10 ), aber viele lehnen es in Israel wie in Juda ab, zu glauben, daß er sein Versprechen hält. Der Herr warnt Jesaja, nicht wie jene Menschen zu sein (V. 11 ). Dann unterstreicht Jesaja erneut, daß sich die Bevölkerung von Juda nicht vor der aramäisch-israelitischen Allianz oder der assyrischen Bedrohung, die schon am Horziont erscheint, fürchten soll (V. 12 ). Fürchten sollen sie vielmehr den Herrn Zebaoth. Er ist der Eine, dem sie mit Furcht und Schrecken (V. 13 ; vgl. die Anmerkungen zu "Furcht" in 5Mo 4,10 ) begegnen müssen. Der Herr wird für die, die an ihn glauben, ein Heiligtum sein , ein Ort der Sicherheit. Aber für jene, die nicht an ihn glauben, wird er Zerstörung bedeuten ( ein Stein des Anstoßes, ein Fels des Ärgernisses, ein Fallstrick und eine Schlinge ). Petrus zitiert einen Teil von Jes 8,14 ( 1Pet 2,8 ) und wendet es auf jene an, die Jesus Christus abweisen. Jesajas Botschaft entspricht einer Grundwahrheit des Alten Testaments. Gott verheißt, daß alle, die an ihn glauben und ihm gehorchen, gesegnet werden. Wer es dagegen ablehnt, an ihn zu glauben und ihm zu gehorchen, muß gestraft werden.


d. Die Namen, die Gottes kommende Hilfe bestätigen
( 8,16 - 18 )


Jes 8,16-18


Jesaja, der von Gott gewarnt wurde, nicht den Weg dieses Volkes zu gehen (V. 11 ), bekräftigt seine Abhängigkeit von Gott. Indem er die Offenbarung verschließt und die Weisung versiegelt, schreibt Jesaja sie fest in die Herzen der Jünger des Herrn. Da Jes 8,18 in Hebr 2,13 als Ausspruch Christi verstanden wird, meinen manche Ausleger, dies gelte für den gesamten Abschnitt 8,16-18 . Ganz sicher drückt sich in diesen Versen eine Haltung aus, die der von Jesus Christus völlig entspricht. Aber im Kontext von Jes 7-9 sind diese Worte zunächst einmal Worte des Jesaja (die der Schreiber des Hebräerbriefes dann auch auf Christus anwendet). Wir finden hier die Haltung des Propheten trotz des ganzen Widerspruches, den er um sich herum erlebt. Zweimal wird Jesajas Zuversicht in Jes 8,17 ausgedrückt. Ich will hoffen auf den HERRN , und Ich will auf ihn harren . Daß der Herr sein Gesicht verbirgt (seine Segnungen zurückhält), ist für die Menschen des Glaubens keine Überraschung. Gott zieht sich zurück, weil die meisten Juden ihm nicht folgen. Jesaja aber hat dennoch Vertrauen zu Gott. Er weiß, daß er und seine Kinder Zeichen und Symbole der souveränen Herrschaft des Herrn auf dem Berg Zion (Jerusalem; vgl. Jes 2,3 ) sind.

In welcher Hinsicht sind sie diese Zeichen und Symbole? Jeder von ihnen trägt einen Namen, der für die Zukunft des Volkes von Bedeutung ist. Jesajas Name, "Jahwe ist Rettung", erinnert daran, daß Gott sein Volk am Ende retten wird. Raubebald-Eilebeute erinnert das Volk daran, daß die aramäisch-israelitische Allianz durch die Assyrer, die diese beiden Völker besiegen werden, zerbrechen wird. Der Name Schear-Jaschub schließlich hält den Menschen die Wahrheit vor Augen, daß ein gläubiger Überrest aus der Gefangenschaft zurückkehren wird (vgl. Jes 10,21-22 ).



e. Die kommende Befreiung Judas durch Gottes Wort
( 8,19 - 22 )


Jes 8,19-22


Wieder spricht Jesaja gegen die sündigen Neigungen der Menschen. Die meisten Menschen möchten die Zukunft kennen. Selbst in Juda gab es Menschen, die sich auf heidnische Praktiken einließen und zu Medien und Spiritisten gingen, die sich darauf spezialisiert hatten, zu versuchen, Kontakt zu den Toten herzustellen (vgl. die Anmerkungen zu 5Mo 18,10-12 ). Jesaja wendet sich dagegen, zu den Toten zu gehen, um die Zukunft zu erfahren, statt den lebendigen Gott zu fragen. Das Gesetz und die Weisung (vgl. Jes 8,16 ) vielmehr sind der Ort, wo alles enthalten ist, was das Volk über seine Zukunft zu wissen braucht. Wenn ein Mensch Gottes Wort nicht beachtet, zeigt dies, daß er kein geistliches Licht besitzt (vgl. Joh 3,19-20 ). Spiritisten, Medien und jene, die bei ihnen Rat suchen, werden schließlich von Gott gerichtet werden ( Jes 8,21-22 ). In ihrer Not werden sie zu Gott aufschauen und ihn verfluchen und auf die Erde schauen, wo nur Bedrängnis auf sie wartet, und dann werden sie in die Finsternis geworfen (vgl. 2Pet 2,17 ). Wer also die Toten befragt, wird schließlich zu ihnen gehören!



f. Die zukünftige Befreiung des Volkes
( 8,23 - 9,7 )


In diesen Versen geht es um den kommenden Befreier, der in dem Volk jene Veränderungen hervorbringen wird, von denen Jesaja gesprochen hat. Das Kommen des Messias wird die Nation zu Freude und Wohlstand führen, die ihr lange Jahre gefehlt hat. Sein Kommen wird die Verheißungen an Abraham und David über den Reichtum des Königtums erfüllen. Auch hier taucht das Motiv des "Kindes" wieder auf (V. 5 ; vgl. Jes 7,14-16; 8,1-4.18 ). Dieses Kind wird aufwachsen und zu dem Befreier werden ( Jes 9,6 ); nicht zum Zeichen ( Jes 8,18 ) der Befreiung, sondern zum Befreier selbst. Er wird die Veränderungen hervorrufen, die für Wohlstand und geistliches Leben im ganzen Volk notwendig sind.



Jes 8,23


Es wird eine Zeit kommen, in der Trübsal und Finsternis ( Jes 8,22 ) eine Sache der Vergangenheit sein werden. Das Dunkel im Norden Israels war eine Folge der Zurechtweisung Gottes. Gott brachte für eine bestimmte Zeit Schmach über Sebulon und Naftali . Jesaja will mit diesen beiden Stämmen wahrscheinlich das ganze Nordreich Israel ansprechen. Dennoch ist es bemerkenswert, daß Jesus hauptsächlich in genau dieser Gegend am See Genezareth aufgewachsen ist, und auch sein anfänglicher Wirkungskreis lag hier. Seine Gegenwart "ehrte" diese Gegend ohne Zweifel. 732 v. Chr. wurde dieser nördliche Teil Israels eine assyrische Provinz unter Tiglat-Pileser III. So wurden die Menschen hier gedemütigt und in Dunkelheit geführt. Unter der heidnischen Vorherrschaft wurde diese Gegend auch das Galiläa der Heiden genannt.

Der Weg am Meer meint eine große, internationale Straßenverbindung, die durch diese Region führte. Nur an dieser Stelle benutzt die Bibel diesen Ausdruck, während er in assyrischen und ägyptischen Berichten häufig auftaucht. Die angreifenden assyrischen Soldaten kamen auf diesem Weg, als sie das Nordreich überfielen. Aus dieser Gegend wird der Messias kommen. Er wird Dunkelheit und Finsternis, die durch die heidnische Vorherrschaft gekommen sind, hinwegtun.



Jes 9,1


Mit typisch hebräischem Parallelismus beschreibt der Prophet nun, was das Kommen des Messias für diesen nördlichen Teil Israels bedeutet. Die Menschen sind in Dunkelheit (vgl. Jes 8,22 ) und in dem Schatten des Todes. Da sehen sie ein großes Licht , ein Licht leuchtet über ihnen auf. Matthäus bezieht diese Stelle auf Jesus, als er seine Predigt- und Heilungstätigkeit in dieser Region begann ( Mt 4,15-16 ).


Jes 9,2-4


Du bezieht sich wahrscheinlich auf Gott, den Vater, der das Volk aus der geistlichen Finsternis in das Licht führen wird (V. 1 ), indem er das Kind sendet (V. 5 ), den Messias. Das Licht wird ihre Freude groß werden lassen, wie die Freude bei der Ernte oder über einen gewonnen Kampf und das Austeilen der Beute . "Freude" ist ebenfalls ein Schlüsselwort bei Jesaja. Mehr als zwei Dutzend Mal taucht es im Buch Jesaja auf. Diese Freude ist die Folge des übernatürlichen Eingreifens Gottes; so wie die Befreiung des Volkes, als Gideon die Midianiter besiegte ( Ri 7,1-24; Jes 10,26 ). Es wird sein, als nähme man eine Last von seinem Rücken ( Jes 9,3 ). Zu dieser Zeit, nachdem der Messias als Kind erschienen ist, werden die Waffen vernichtet (V. 4 ), denn in seiner Herrschaft des Friedens werden diese Kriegsmittel nicht mehr benötigt (vgl. Jes 2,4 ).



Jes 9,5-6


Hier berichtet Jesaja fünf Dinge über den kommenden Messias.

1. Er wird als ein Kind geboren werden. Damit ist zugleich gesagt (durch den Parallelismus), daß dieses Kind, ein Sohn , in das Volk Israel hinein ( uns ) als ein Glied des Bundesvolkes geboren wird.

2. Er wird über Gottes Volk (vgl. Mi 5,1 ) und über die ganze Welt ( Sach 14,9 ) herrschen. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter bezieht sich symbolisch auf die königliche Robe, die der Messias tragen wird. Als König ist er dafür verantwortlich, die Nation zu regieren. Zur Zeit Jesajas waren die Führer Judas nicht fähig, über das Volk zu herrschen. Der Messias wird diese Herrschaft in rechter Weise ausüben.

3. Vier Namen umschreiben und offenbaren seinen Charakter. Er wird für das Volk ein wunderbarer (dieses Wort könnte auch mit "außergewöhnlicher" oder "einzigartiger" übersetzt werden) Ratgeber sein. Die Menschen werden ihn gerne als Autorität annehmen und auf ihn hören. Viele werden hören wollen, wie der Messias die Wege Gottes lehrt ( Jes 2,3 ). Er ist aber auch der mächtige Gott (vgl. Jes 10,21 ). Manche Ausleger und auch Übersetzungen sind der Meinung, daß dies einfach "eine gottähnliche Person" oder "ein Held" bedeute. Aber Jesaja will damit mehr zum Ausdruck bringen. Er hat ja schon davon gesprochen, daß der Messias mehr tun wird, als jeder andere Mensch kann (z. B. Jes 9,1-4 ). Jesaja hat verstanden, daß der Messias selbst auf eine Weise Gott sein wird.

Dieser Befreier wird weiter ewiger Vater genannt. Viele sind durch diesen Namen verwirrt, denn der Messias, Gottes Sohn, ist in der Dreieinigkeit ja von Gott, dem Vater, unterschieden. Wie kann der Sohn der Vater sein? Hier müssen wir mehrere Dinge beachten. Erstens ist der Messias als zweite Person der Dreieinigkeit in seinem ganzen Wesen Gott. Er trägt also auch alle Attribute des ewigen Gottes. Da Gott nur Einer ist (auch wenn er in drei Personen existiert), ist auch der Messias Gott. Zweitens wird der Titel "Ewig-Vater" benutzt, um das Verhältnis des Messias zur Zeit zu beschreiben, nicht sein Verhältnis zu den anderen Personen der Dreieinigkeit. Er ist ewig, genauso wie Gott (der Vater), der der Alte der Tage genannt wird ( Dan 7,9 ). Der Messias wird ein "väterlicher" Herrscher sein. Drittens hat Jesaja vielleicht die Verheißung an David ( 1Sam 7,16 ) über die "Ewigkeit" des Reiches im Sinn, das Gott durch Davids Nachkommen verheißen hat. Der Messias, ein Nachkomme Davids, wird diese Verheißung, auf die das Volk wartet, erfüllen.

Und schließlich wird der Messias auch Fürst des Friedens genannt, der Eine, der im Tausendjährigen Reich den Frieden bringen und erhalten wird, wenn das Verhältnis des Volkes zu Gott wieder erneuert ist. Zusammen geben uns diese vier Titel des Messias ein wunderbares Bild seines Wesens ( Jes 9,5 ist die erste der 25 Stellen, an denen im Buch Jesaja vom Frieden geredet wird).

4. Der Messias sitzt auf dem Thron Davids ( Lk 1,32-33 ). Er wird eine ewige Herrschaft des Friedens und des Rechts führen. Seine Herrschaft hat kein Ende , sie besteht für immer (vgl. Dan 7,14.27; Mi 4,7; Lk 1,33; Offb 11,15 ). Nach dem Königreich auf Erden wird er in Ewigkeit regieren. Er wird die Gerechtigkeit (vgl. Jer 23,5 ) bewahren, so wie auch seine Herrschaft mit Gottes heiligem Wesen und seinem Willen übereinstimmen wird.

5. Dies alles wird durch den Eifer des HERRN Zebaoth geschehen. Das Kommen des Tausendjährigen Königreiches hängt von Gott ab, nicht von Israel. Der Messias wird herrschen, weil Gott dies verheißen hat und eifrig darauf achten wird, daß dieses Reich kommt. Ohne dieses souveräne Handeln Gottes würde es kein Reich für Israel geben.

Ganz offensichtlich nahm Jesaja an, daß das messianische Kind, Jesus Christus, seine Herrschaft durch sein Kommen aufrichten und, wenn er erwachsen ist, in Herrlichkeit regieren wird. Wie auch die anderen Propheten wußte Jesaja nichts von der großen Zeitspanne zwischen den zwei Adventen des Messias (vgl. 1Pet 1,10-12 und die Anmerkungen zu Jes 61,1-2 ).



3. Das Exil für das Nordreich
( 9,7 - 10,4 )


Nach dieser herrlichen Beschreibung des kommenden Messias, der das Königreich für das Volk aufrichten wird und dessen Herrschaft auf ewig andauert, richtet Jesaja nun wieder das Augenmerk auf das Volk in seinen Tagen. Manche fragen sich, warum er diese Verse hier einfügt. Dies ist aber gerade charakteristisch für diesen großen prophetischen Schriftsteller, daß er die Botschaft des Gerichts mit der Botschaft des Segens ständig wechseln läßt. Im Gegensatz zu der zukünftigen Herrschaft des Messias in Recht und Gerechtigkeit ( Jes 9,5.6; 11,4; 16,5; 28,6.17; 32,16; 33,5; 42,1.3-4; 51,5 ) wurde das Israel zur Zeit Jesajas von Führern geleitet, die sich um die Menschen, die ihnen anvertraut waren, nicht kümmerten (vgl. Jes 5,7 ).



a. Israel wird wegen seines Hochmutes gerichtet
( 9,7 - 11 )


Jes 9,7


Obwohl Jesaja eigentlich für das Volk Juda schreibt, benutzt er oft das Nordreich Israel (auch Jakob genannt) als anschauliches Beispiel für die Tatsache, daß Gott sein sündiges Volk richtet. Diese Botschaft spricht von dem kommenden Gericht über den Norden. Als diese Worte niedergeschrieben wurden, hatte der Verfall des Nordreiches bereits begonnen (V. 9 a). Der kommende Fall Israels (722 v. Chr.) soll Juda warnen, daß Gott aktiv an den Ereignissen in seinem Volk beteiligt ist. Juda soll erkennen, daß auch es zerstreut wird, wenn es die Lebensweise, die für das Nordreich so kennzeichnend war, fortführt.



Jes 9,8-11


Das kommende Gericht über Israel wird überall bekannt werden. Aber dennoch wird es nicht ausreichen, um es wieder zurück zu Gott zu bringen. Ephraim, einer der größten Stämme Israels, steht oft stellvertretend für das gesamte Nordreich (vgl. Jes 7,2.17 ). Samaria ist die Hauptstadt des Nordreiches. Offensichtlich meinen die Bewohner Israels, daß sie nur einen zeitlich begrenzten Rückgang erlebten ( die Steine sind gefallen ), und in ihrem Hochmut denken sie, alles wieder aufbauen zu können. Ja, sie meinen sogar, ihr Volk noch besser werden lassen zu können, als es jemals gewesen ist. Aber hier täuschen sie sich. Sie werden durch Rezins Feinde (Rezin war der König von Aram, vgl. Jes 7,1 ,ein Verbündeter Israels) bedrängt werden. Diese Feinde kommen aus dem Osten (sie waren ebenfalls Aramäer ; Rezin war König eines Teiles von Aram) und Philister aus dem Westen (vgl. Jes 2,6 ). Gott selbst ist es, der dies tut. Aber nicht einmal dieses Gericht versöhnt den Zorn Gottes, denn die Menschen werden weiter in ihren Sünden verharren. Und so wird auch Gott sie weiter strafen. Dieser Abschnitt ( Jes 9,7-11 ) endet mit einem Refrain, der noch dreimal in den folgenden Versen wiederholt wird: Und dennoch läßt bei all dem sein Zorn noch nicht ab, und seine Hand ist noch erhoben (V. 11.16.20 ; Jes 10,4 ). Diese Wiederholung macht Gottes ungeheuren Zorn noch deutlicher und unterstreicht die Gewißheit des fortdauernden Gerichtes.

 

b. Das ganze Volk wird gerichtet
( 9,12 - 16 )


Jes 9,12


Der Prophet klagt, daß das Nordreich trotz des erlebten Leides durch die Hand Gottes noch immer nicht zu ihm umgekehrt ist . Die ständige Weigerung des Volkes, sich Gott zuzuwenden, wird das Gericht immer härter werden lassen. Israel ist wie ein kleines Kind, das sich eigensinnig weigert, seinen Eltern gehorsam zu sein, und daher noch stärker bestraft werden muß.



Jes 9,13-16


Israels Weigerung, zu Gott zurückzukehren, wird ein Gericht nach sich ziehen, das man sich schlimmer nicht vorstellen kann. Die gesamte Nation, von den Reichen bis zu den Armen, wird verworfen werden. Beide, Kopf und Schwanz (V. 13 , in V. 14 erklärt), ist eine sprachliche Figur, bei der die beiden extremen Pole angegeben werden und die alles zwischen diesen beiden Polen darin einschließt. Die Ältesten (der Kopf) und die falschen Propheten (der Schwanz), die Führer und die sich leiten lassen, die jungen Männer, die Waisen, die Witwen - sie alle sind gottlos und verdorben und werden daher von Gott gerichtet werden. Zu dem Refrain in Vers 16 b vgl. die Anmerkungen zu Vers 11 .



c. Eine Beschreibung der Verdorbenheit
( 9,17 - 20 )


Jes 9,17-20


Die Bosheit der Menschen (vgl. V. 16 ) wird als ein großes Feuer mit einer hohen Rauchfahne beschrieben. Das Gericht kommt nicht nur von Gott (V. 10 ) und von den Feinden des Volkes (V. 11 ), sondern auch von innen heraus. Die Nation zerstört sich selbst durch ihre bösen Taten. Menschen lehnen sich gegen andere auf (V. 18 ), verschlingen einander (V. 19 ), und selbst ganze Stämme liegen miteinander im Streit (V. 20 ). Zu dem Refrain von Vers 20 b vgl. die Anmerkungen zu Vers 11 .



d. Wehe den Ungerechten
( 10,1 - 4 )


Jes 10,1-4


Die korrupten Führer in Israel kehren Recht und Gerechtigkeit in ihr Gegenteil um, ganz anders als der Messias, der Recht und Gerechtigkeit aufrichten wird ( Jes 9,5-6 ). Daher verkündigt Jesaja sein Wehe (vgl. die Anmerkungen zu Jes 3,9 ) über diese Menschen. Die Leser sollen erkennen, daß dieses Wehe auf sie kommen wird, wenn sie den verkehrten Wegen ihrer Führer folgen. Israels Führer tragen eine sechsfache Schuld: (a) Sie erlassen ungerechte Gesetze und (b) unrechte Urteile . Dies ist ein abscheuliches Tun, denn die Israeliten sollten ja als Glieder in Gottes Volk, das er aus der Sklaverei in Ägypten erlöst hat, füreinander sorgen. Dann (c) berauben sie den Armen (hebr.: dal , "schwach, gebrechlich, hilflos") seiner Rechte , (d) nehmen das Recht hinweg, (e) nutzen die Witwen aus und (f) berauben die Waisen . Sie nutzen also die Hilflosen, die ihre Rechte nicht verteidigen können, zu ihrem eigenen Vorteil aus und verletzen damit Gottes Gesetz ( 2Mo 22,21; 23,6; 5Mo 15,7-8; 24,17-18 ; vgl. Jes 1,17 ). Darum wird das Volk in Gefangenschaft geführt werden ( Jes 10,3-4 ). Im Unheil, das von ferne kommt (d. h. von Assyrien), wird ihnen niemand helfen, da sie es abgelehnt haben, den Menschen, die in Not sind, zu helfen. Gottes Gericht wird in seinem Zorn über sie hereinbrechen (vgl. die Anmerkungen zu Jes 9,11 ).



4. Assyriens Fall und das Aufkommen des großen Königreiches
( 10,5 - 12,6 )


Auch in diesem Abschnitt stellt Jesaja zwei Königreiche gegenüber: das assyrische Reich und das Tausendjährige Reich Gottes. Assyrien wird fallen, weil es sich gegen Gottes Volk zu stellen gewagt hat. Zwar benutzt Gott das assyrische Reich, um Israel zu strafen, aber die Haltung, in der die Assyrer dies tun, bleibt nicht ungestraft. (Jesaja greift diesen Gedanken noch einmal in Jes 13-23 auf.) Gottes herrliches Reich wird nach dem Untergang Assyriens kommen, allerdings nicht direkt danach. Jesaja stellt diese beiden Reiche lediglich gegenüber.



a. Der Untergang des assyrischen Weltreiches
( 10,5 - 34 )


(1) Assyrien erfüllt den Willen Gottes ( Jes 10,5-11 ). Jesaja beschreibt Assyriens Aufgabe (V. 5 - 6 ) und seine Einstellung dazu (V. 7 - 11 ).



Jes 10,5-6


Gott hat Assyrien den Auftrag gegeben, Israel zu strafen. Es ist die Rute seines Zorns und der Stecken seines Grimmes . Weil Israel gottlos ist und Gott durch seine Sünde zornig gemacht hat, wird Assyrien seine Städte berauben und sein Volk wie Staub zertreten . Gott benutzt oft unerwartete Mittel zur Erreichung seiner Ziele in dieser Welt (vgl. z. B., wie er Babylon gegen Juda benutzt, was Habakuk in großes Erstaunen versetzt; Hab 1,6-17 ). Jesaja behauptet nicht, daß Assyrien göttlich sei oder daß dieses Weltreich überhaupt wisse, daß Gott es zur Erfüllung seines Vorhabens benutzt. Gott bestimmt in seiner Allmacht Assyrien als sein Werkzeug der Vergeltung.



Jes 10,7-11


Obwohl Assyrien ein Werkzeug in der Hand Gottes ist (V. 5 - 6 ), hat Gott an ihm keinen Gefallen. Bei ihrer Eroberung von Israel lassen sich die Assyrer von einer falschen Einstellung leiten. Sie verleugnen die Größe des Gottes Israels und halten Israel und Juda für Völker wie alle anderen auch. Die Assyrer haben die aramäischen Städte Kalne (vgl. Am 6,2 ), Karkemisch, Hamat, Arpad, Damaskus und Israels Hauptstadt Samaria erobert. Also folgern sie, daß sie auch Jerusalem leicht einnehmen werden. Diese anderen Städte hatten in den Augen der Assyrer größere Götter als Jerusalem. Folglich denken sie, diese Stadt müsse noch leichter zu besiegen sein (vgl. auch Jes 36,19-20; 37,12 ). Gott benutzt die Assyrer. Deren Motive aber sind rein politischer Natur. Ihnen geht es nur um die Ausdehnung ihres Reiches.



Jes 10,12-14


(2) Assyriens Strafe ( Jes 10,12-19 )

Nachdem Gott Assyrien benutzt hat, um Jerusalem zu bestrafen, wird er Assyrien wegen des Stolzes seines Königs, der in seinen hochmütigen Augen sichtbar wird, bestrafen (vgl. Ps 18,28; 101,5; Spr 6,17; 30,13 ). Die Worte des assyrischen Königs in Jes 10,13-14 machen den arroganten Stolz dieses Weltreiches deutlich. Der König ist überzeugt, daß alles, was Assyrien erreicht hat, durch seine Macht und Weisheit erreicht worden ist (viermal kommt in diesen Versen das Wort ich vor und dreimal mein ). Er nahm andere Völker und ihren Reichtum so, wie man gewöhnlich Eier aus einem Nest nahm. Niemand konnte sich seiner militärischen Macht entgegenstellen.



Jes 10,15-19


Wegen diesem Stolz des assyrischen Königs wird Gott ihn und sein Reich richten. Das Werkzeug ( Axt, Säge oder Stab ; vgl. V. 5.24 ) ist nicht höher als der, der es benutzt . Daher ist auch Assyrien, das von Gott benutzt wird, nicht höher als er. Der Herr kündigt an, daß er die assyrische Armee durch Krankheit und Feuer vernichten wird. Gott wird Assyriens Soldaten vernichten, wie ein Waldbrand Bäume vernichtet (vgl. V. 33 - 34 ). Dabei werden so wenig Bäume (Soldaten) übrigbleiben, daß selbst ein Kind sie zählen kann. Im Jahre 701 v. Chr. wurden 185 000 Soldaten, die Jerusalem belagerten, getötet ( Jes 37,36-37 ). Dann, 609 v. Chr., fiel das assyrische Reich im Kampf gegen die Babylonier. Dieser Fall des assyrischen Weltreiches ist ein warnendes Beispiel für alle, die sich gegen Gott und seine Pläne für sein Bundesvolk stellen.



Jes 10,20-23


(3) Der Überrest Israels ( Jes 10,20-23 )

Trotz des Gerichtes über Israel wird ein Überrest wieder in das Land zurückkehren und auf den Herrn (nicht auf Assyrien; vgl. Hos 5,13; Jes 7,11; 8,9 ) vertrauen. Zu der Zeit bezieht sich oft auf den letzten Tag, wenn der Herr die Gottlosen bestrafen und sein gerechtes Königreich errichten wird (vgl. Jes 4,2 ). Hier jedoch scheint es stärker das direkt bevorstehende Gericht über das Nordreich Israel durch Assyrien (vgl. Jes 10,27 ) und die Rückkehr des Überrestes aus diesem Weltreich zu meinen. Obwohl Israel viele Menschen hat, wie Sand (vgl. 1Mo 22,17; 32,13; 1Sam 17,11 ), werden nur einige wenige zurückkehren . Das Verderben wird überwältigend, aber gerecht sein und über das ganze Land (das Nordreich) kommen.



Jes 10,24-27


(4) Assyriens Joch wird weggenommen ( Jes 10,24-27 )

Nun versichert Jesaja seinen Lesern, daß das assyrische Joch von Juda genommen wird. Sie müssen sich vor den Assyrern nicht fürchten . Wenn Gott sie benutzt hat, um sein Vorhaben gegen Israel auszuführen, wird sich sein Zorn gegen Assyrien wenden, und er wird sie strafen (vgl. Jes 37,36-37 ). Dieses Handeln Gottes wird der Vernichtung der Midianiter durch Gideon ( Ri 7,1-24 ; vgl. Jes 9,3 ) und der beiden midianitischen Führer bei dem Felsen von Oreb ( Ri 7,25 ) gleichen. Gott wird Assyrien (bildlich die Wasser genannt; vgl. Jes 8,7 ) vernichten, wie er es auch damals mit Ägypten getan hat. Gott verspricht, das assyrische Joch von Juda zu nehmen (vgl. Jes 9,3 ). (5) Assyrien wird besiegt ( Jes 10,28-34 )



Jes 10,28-32


Die Invasionstruppen Assyriens werden, so verkündet der Prophet, wenn sie im Jahr 701 v. Chr. versuchen, Juda zu erobern, von Norden her kommen, und zwar werden sie bei Ajat (ein anderer Name für Ai), etwa zwölf Kilometer nördlich von Jerusalem, die Grenze überschreiten. Von hier aus dringen sie südlich nach Nob vor, etwa 3,5 Kilometer nördlich von Jerusalem. Acht der zwölf angeführten Städte sind uns mit ihrer damaligen Lage bekannt (nur Gallim, Lajescha, Madmena und Gebim nicht).



Jes 10,33-34


Assyriens Plan zur Eroberung Jerusalems wird keinen Erfolg haben. Der HERR Zebaoth ist der Eine, der die hohen Bäume (die assyrischen Soldaten und ihre Anführer; vgl. V. 18 ) beschneidet. Jesaja hat ja die Menschen in Juda bereits ermahnt, sich wegen Assyrien keine Gedanken zu machen. Gott ist auf ihrer Seite (V. 24 - 27 ). Selbst der Libanon mit seinen dichten Wäldern wird vor Gott fallen. Und Assyrien soll nicht denken, daß es entfliehen kann.



b. Gottes herrliches Reich entsteht
( 11,1 - 12,6 )


Das assyrische Weltreich wird fallen ( Jes 10,5-34 ), aber ein anderes Weltreich kommt. In diesem Abschnitt über Gottes Reich ( Jes 11,1-12,6 ) finden wir eine Beschreibung des Messias, des Königreiches selbst und des heiligen Überrestes, der in diesem Reich wohnen wird. Jesaja stellt dieses Reich Gottes dem assyrischen Reich, aber auch dem sündigen Leben des Israel seiner Tage gegenüber.



Jes 11,1


Der Herr wird die Wälder und die mächtigen Bäume niederschlagen ( Jes 10,33-34 ). Gottes Reich dagegen wird aus einem Sproß entstehen, der aus dem Stamm Isais erwächst, Davids Vater (vgl. Offb 22,16 ). Jesaja dachte dabei ohne Zweifel an Gottes Verheißung an David ( 1Sam 7,16 ), daß ein Nachkomme von ihm für immer über das Reich herrschen wird (vgl. Jes 9,6 ). Dieser Zweig , der Messias (vgl. Jer 23,5 ), wird Frucht bringen , d. h. er wird wachsen und für andere Segen bringen. Das hebräische Wort für "Zweig" ( nEQer ) ist ein anderes als das in Jes 4,2 benutzte ( QemaH ). Der Gedanke jedoch ist der gleiche. ( Y NnEq in Jes 53,2 bedeutet "zarter Sproß" und ist ein weiteres Wort für Zweig.) Er wird ein direkter Nachkomme Davids sein (vgl. Mt 1,1 ) und Gottes Verheißung aus dem Bund mit David erfüllen.


Jes 11,2-3 a


In diesen Versen werden Wesen und Werk des "Zweiges" beschrieben. Der Geist des HERRN wird auf ihm ruhen , d. h. der Heilige Geist wird die Kraftquelle sein (vgl. die Taufe Jesu, Mt 3,16-17 ) für sein Tun, das sich durch Weisheit, Verständnis, Rat, Kraft, Erkenntnis und die Furcht des HERRN auszeichnet. Die Wesensmerkmale des Heiligen Geistes werden den Messias kennzeichnen. Aufgrund seiner Weisheit, seines Verständnisses und seiner Erkenntnis ist er der wunderbare Ratgeber ( Jes 9,5 ). Jesaja spricht mehr vom Heiligen Geist als jeder andere Prophet des AT ( Jes 11,2 [viermal]; Jes 30,1; 32,15; 34,16; 40,13; 42,1; 44,3; 48,16; 59,21; 61,1; 63,10-11.14 ).

Der Messias wird in der Furcht des HERRN leben und daran Wohlgefallen haben ( Jes 11,3 ), so wie auch sein Volk dies tun sollte. Gott zu fürchten bedeutet, ihm in Ehrfurcht, Vertrauen, Gehorsam und Anbetung zu dienen. (Interessant ist, daß alle drei Personen der Dreieinigkeit in V. 1 - 2 erwähnt werden.) Der Messias wird beständig zu tun suchen, was der Vater von ihm will. Dies steht im krassen Gegensatz zu den religiösen Führern zur Zeit Jesajas, die sich nicht darum kümmerten, Gottes Wort zu befolgen.


Jes 11,3-5 (Jes 11,3b-5)


Als Herrscher der Welt wird der Messias auch die Welt richten (vgl. Jes 2,4 ). Aber er wird nicht wie ein gewöhnlicher Richter sein, der durch ungenügende Kenntnis getäuscht werden kann. Er wird unparteiisch und in Gerechtigkeit richten . Der Bedürftige und der Arme wird von ihm nicht unterdrückt, wie dies oft durch menschliche Führer geschieht ( Jes 10,1-2 ). Die Unterdrückten werden durch ihn ihr Recht bekommen, aber der Gottlose wird sterben. Seine Herrschaft zeichnet sich durch Gerechtigkeit ( Jes 11,5 ; vgl. Jes 9,6; 16,5 ) und Treue aus, als wären sie untrennbare Teile seiner Kleidung, wie Gürtel und Hüftgurt .



Jes 11,6-9


Jesaja beschreibt das gerechte Königreich, das der Messias errichten wird. Der Fluch wird aufgehoben, Friede und Harmonie werden allgegenwärtig sein. Wilde Tiere werden wieder zahm und leben mit Haustieren und Menschen zusammen. Wolf, Leopard, Löwe und Bär werden als Beispiele für solche wilden Tiere genannt, die friedlich neben Herdentieren leben ( Lamm, Ziege, Kalb, Kuh und Ochse ). Ein kleines Kind wird bei Löwen, Bären, Kobras und Vipern nicht mehr in Gefahr sein (vgl. Jes 65,25 ). Und auf dem Tempelberg (Gottes heiligem Berg ; vgl. Jes 27,13; 56,7; 57,13; 65,11.25; 66,20 ) wird keine Sünde mehr sein.

Viele Bibelausleger verstehen diese Verse bildhaft. Sie halten eine solche Veränderung in der Tierwelt nicht für möglich. Aber weil der Messias der "Gott [ist] mit uns" ( Jes 7,14 ) ist und er unter seinem Volk wohnen wird, scheint eine solche Veränderung nicht unwahrscheinlich. Der Fluch der Sünde wird in gewisser Hinsicht wieder aufgehoben, wenn auch nicht völlig, bevor nicht das Tausendjährige Reich zu seinem Ende gekommen ist und schließlich auch der Tod weggenommen wird ( Offb 20,14 ).

Eine solche Veränderung und Ruhe ist möglich, weil die Erde voll ist der Erkenntnis des HERRN ( Jes 11,9 ; vgl. Jer 31,34; Hab 2,14 ). Dies bedeutet mehr, als daß die Menschen intellektuell über Gott Bescheid wissen. Gemeint ist vielmehr, daß Menschen überall nach Gottes Prinzipien und Wort leben. Dies wird auch die Tiere nicht unberührt lassen. Wenn der Messias im Tausendjährigen Reich herrschen wird ( Jes 9,5-6 ), dann wird Jerusalem eine Vorrangstellung vor aller Welt einnehmen ( Jes 2,2 ). Juda und Israel werden wieder in das Land Israel versammelt werden und dort im Glauben und nach dem Neuen Bund leben. Das Tausendjährige Reich kann wohl heute noch nicht angebrochen sein, denn diese Dinge kennzeichnen unsere gegenwärtige Zeit nicht.



Jes 11,10


Aufgrund des Abraham-Bundes ( 1Mo 15,18-21; 17,7-8; 22,17-18 ), des Bundes mit David ( 1Sam 7,16 ) und des Neuen Bundes ( Jer 31,33-34 ) wird Israel in diesem Reich eine besondere Stellung einnehmen. Aber auch die Menschen anderer Nationen werden durch dieses Königreich gesegnet. Der Messias, der Zweig aus der Wurzel Isai (vgl. die Anmerkungen zu "Stamm Isais", Jes 11,1 ), wird auch die Nationen stärken (vgl. V. 12 ; Sach 14,9.16 ). Jesus selbst hat ebenfalls deutlich gemacht, daß viele Menschen außerhalb Israels an Gottes Reich teilhaben werden ( Lk 13,29 ). Gott hat Abraham verheißen, daß durch ihn alle Menschen auf dieser Erde gesegnet werden ( 1Mo 12,3 ). Wenn man lehrt, daß Israel aufgrund der Verheißung an Abraham in Gottes Plan einen besonderen Platz einnimmt, bedeutet dies nicht, daß nicht auch die Heiden ihren Platz darin haben.



Jes 11,11-12


In Vers 11 - 16 spricht Jesaja von der weltweiten Sammlung der Menschen aus Israel und Juda durch Gott. Er vergleicht diese Sammlung mit einem zweiten "Exodus", einem Auszug wie damals, vor etwa 700 Jahren, aus Ägypten. Dieser erste Exodus gehörte zu den entscheidendsten Ereignissen in der Geschichte Israels, denn nur drei Monate später gab Gott den mosaischen Bund und markierte dadurch den Beginn Israels als Volk.

Der Überrest wird von Gott aus dem Norden ( Hamat ), Süden ( Ägypten und Kusch ), Osten ( Assur, Elam, Babylon ) und Westen ( den Inseln des Meeres ) gesammelt - von den vier Enden der Erde . Sowohl Israel als auch Juda werden zurück gebracht (V. 12 ; vgl. Jer 31,31-34 ). Dies ist wichtig, da das Nordreich ja damals gerade in die Gefangenschaft weggeführt wurde und die Juden in den Tagen Jesajas es wohl für unwahrscheinlich gehalten haben, daß beide Teile der Nation jemals wieder vereinigt würden.



Jes 11,13-14


In jenen Tagen der Rückbringung wird Ephraim (das Nordreich) nicht eifersüchtig sein über Juda (das Südreich), und der Süden wird nicht mehr feindlich eingestellt sein gegen den Norden.

Wiedervereinigt werden sie (Israel und Juda) das Land besitzen und ihre Feinde besiegen. Die Philister bezieht sich auf den Südwesten Israels, entlang der Mittelmeerküste. Die im Osten wohnen kann die Völker Nord-Arabiens meinen (vgl. die Anmerkungen zu Hi 1,3 ) oder noch darüber hinaus gehen (vgl. die Anmerkungen zu Jes 11,11 ). Edom, Moab und die Ammoniter lagen im Süden und Osten von Israel. In der Zeit dieses Königreiches wird Israel weder durch diese noch durch andere Feinde belästigt werden (vgl. Ob 1,19 ).



Jes 11,15-16


Wenn Israel zu Beginn des Tausendjährigen Reiches in sein Land zurückkehrt, wird Gott selbst den Weg für sie bereiten. Der Golf von Suez wird austrocknen, damit die Israeliten aus Ägypten und Kusch (vgl. V. 11 ) zurückkehren können, und der Euphrat wird in flache Kanäle aufgeteilt, so daß die Menschen aus dem Osten nach Israel heimkehren können. Dieses Austrocknen der Wasser wird an den ersten Auszug erinnern, als Israel das Rote Meer (wörtl.: "Schilfmeer") trockenen Fußes durchquerte ( 2Mo 14,21-22 ). Die Rückkehr aus Assur ( Jes 11,16 ), die hier vielleicht stellvertretend für alle Orte steht, von denen der Überrest kommt, wird wie Israels Auszug aus Ägypten sein. Jesaja wußte nicht, wann dieser Exodus stattfinden wird. Vielleicht hat er gedacht, daß dies recht bald der Fall sein werde.


Jes 12,1-3


Kapitel 12 spricht von der Freude des Überrestes, wenn er in sein Land versammelt sein wird. Die zwei Strophen dieses Kapitels werden jeweils durch die Worte "Zu der Zeit wirst du sagen" eingeleitet (V. 1.4 ).

Zu dieser Zeit (vgl. Jes 10,20; Jes 11,10 ) bezieht sich auf die Zeit der Befreiung, die in Jes 11,1-12,6 beschrieben wird. Wenn die Nation versammelt ist und der Messias herrscht, dann wird der Überrest diese Worte des Lobes sprechen. Der Überrest ist von den Nationen, von denen Vers 4 spricht, unterschieden. In Vers 1 - 3 wird Gott gelobt, weil sein Zorn abgekehrt ist, Israel getröstet wurde (V. 1 ) und der Herr (die Quelle von) Stärke, Heil und Lied ist ("Heil" wird am Anfang und am Ende von V. 2 erwähnt). Israels "Heil" wird mehr sein als innerer geistlicher Friede und Befreiung. Auch Wohlstand wird dazugehören. Wasser aus den Quellen des Heils schöpfen (V. 3 ) steht bildlich für ein Leben nach den Maßstäben Gottes, das dann auch mit Freuden zur Teilhabe an den Segnungen führt, die er schenkt.



Jes 12,4-6


Der Überrest wird dem Herrn danken und einander aufrufen, unter den Völkern bekannt zu machen, was Gott getan hat . Vermutlich ist gemeint, was er an Israel und Juda getan hat. Gottes Name (sein offenbartes Wesen) soll erhoben (gerechtfertigt) werden vor der Welt, so daß die Menschen überall erkennen, daß er seine Verheißungen erfüllt. Die Menschen werden ihm für seine herrlichen Taten singen .

Der Überrest wird auch sich selbst an die Größe Gottes, des Heiligen Israels (vgl. die Anmerkungen zu Jes 1,4 ), erinnern. Sie werden sich freuen in der Gewißheit, daß Gott unter ihnen ist (vgl. Jes 12,3 ). In Kapitel 12 finden wir den Höhepunkt des Gegensatzes zwischen dem Fall des assyrischen Weltreiches, das Juda in den Tagen des Jesaja bedrohte, und dem Aufkommen von Gottes herrlichem Reich, das mit Gewißheit kommen wird. Die ganze Welt wird schließlich Gottes Wahrheit erkennen.



C. Gericht über die Nationen
( Jes 13-23 )


Zwischen Kapitel 12; 13 liegt ein größerer Einschnitt, allerdings nicht so groß, wie manche Ausleger dies meinen. Auch in Kapitel 13 - 23 greift Jesaja wiederholt einige der Themen der vorhergehenden Kapitel auf: Gott bestraft Sünde auf verschiedene Arten und wird jene Nationen richten, die seinem Bundesvolk mit Hochmut begegnen. Diese Botschaften gegen neun sündige Heidenvölker oder -städte um Juda herum sind vermutlich nicht geschrieben, damit diese Völker sie lesen. Sie sollten wohl von Gottes Bundesvolk gelesen werden und ihnen zeigen, daß Gott Israels Feinde tatsächlich richten wird. Dadurch sollte Juda zugleich versichert werden, daß Gott auch sein Reich aufrichten wird.

Jesaja schrieb diese Botschaften zu einer Zeit, als Assyrien kurz davor stand, die syrisch-palästinensische Region anzugreifen. Die kommende Zerstörung durch die Assyrer würde einen ungeheuren Eindruck auf Israel und die anderen Völker des Nahen Ostens machen. Die assyrischen Angriffe kamen zu ihrem Höhepunkt, als Sanherib, der König von Assur, die Stadt Babel 689 v. Chr. einnahm und so zeigte, daß auch Babel, die größte Stadt jener Zeit, gegen die herannahenden Assyrer machtlos war. Viele Ausleger meinen, daß Jesajas Botschaft in Jes 13,1-14,27 über den Fall Babels unter das medo-persische Reich im Jahr 539 spricht. Besser scheint es jedoch, diesen Abschnitt auf den assyrischen Angriff im Jahr 689 zu beziehen. Dies paßt besser zu der assyrischen Bedrohung, von der Jesaja in Jes 7,17-8,10 geschrieben hat, und die mit den Angriffen unter der Herrschaft von Tiglat-Pileser III. (745 - 727) beginnt. (Vgl. die Tabelle "Könige des mittleren und des neuassyrischen Königreiches" zu Jon 1,2 .)

Jeder der drei großen Schriftpropheten enthält auch Prophezeiungen über Gottes Gericht an Heidenvölkern ( Jes 13-23; Jer 46-51; Hes 25-32 ). Jesaja und Jeremia reden besonders von der Zerstörung Babels (obwohl sie noch mehrere andere Völker erwähnen), während Hesekiel über das ernste Gericht Gottes gegen Ägypten spricht.

In seinen Weissagungen bewegt sich Jesaja von Babel aus westwärts bis nach Tyrus. Diese Weissagungen gehören zu den schwierigsten des ganzen Buches, und so ist es nicht verwunderlich, daß es verschiedene Ansichten der Interpretation dazu gibt. Ein Teil des Problemes liegt im Fehlen außerbiblischen Materials über die Zerstörung vieler dieser Gegenden. Jesaja spricht über die schließliche Zerstörung, die Gott über die ganze Welt bringen wird ( Jes 13,11 ; vgl. V. 6 - 9 ). Aber er scheint auch von einigen direkt bevorstehenden Zerstörungen durch die Assyrer zu reden. Assyriens ausdrückliches Vorhaben war, viele Nationen zu vernichten ( Jes 10,7 ). Der Herr wird das assyrische Reich dies tun lassen. Aber später wird er es für seinen Stolz und seine Arroganz gegen Israel und seinen Gott richten ( Jes 10,12-19 ).



1. Babel
( 13,1 - 14,27 )


a. Einführung
( 13,1 )


Jes 13,1


Dieser ganze Abschnitt ( Jes 13,1-14,27 ) wird noch einmal gesondert Jesaja, dem Sohn des Amoz (vgl. Jes 1,1 ), zugeschrieben. Dies ist wichtig, macht es doch deutlich, daß es sich um echte Prophetie handelt, die vor dem Fall Babels ausgesprochen wurde. Gerade weil viele meinen, Jes 40-66 könne nicht von Jesaja, dem Sohn des Amoz, stammen, weil er nichts hätte vorhersagen können, was noch in der Zukunft liegt, ist das entscheidend. Der Abschnitt aus Jes 13,1-14,27 zeigt, daß Jesaja tatsächlich über Ereignisse schrieb, bevor sie geschahen.

Diese Verse sind eine Weissagung . Manche Übersetzungen geben das hebräische Wort mit "Last" wieder, da es von einem Verb mit der Bedeutung "aufheben" oder "tragen" abzuleiten ist. Durch dieses Wort wird eine schwere und drückende Botschaft, die weitergegeben werden muß, bezeichnet. In den prophetischen Büchern ist dieser Ausdruck üblich ( Jes 13,1; 14,28; 15,1; 17,1; 19,1; 21,1.11.13; 22,1; 23,1; 30,6; Jer 23,33-34.36.38; Hes 12,10; Nah 1,1; Hab 1,1; Sach 9,1 [siehe die Anmerkungen dort]; Sach 12,1; Mal 1,1 ). Jesajas Weissagung betrifft Babel . Babel hat Gottes Zorn verdient, denn diese Stadt ist schon lange ein Sammelpunkt antigöttlicher Aktivitäten. Schon von ihrer Gründung an ( 1Mo 11,1-9 ) steht Babel für die Auflehnung gegen Gott. Über die Jahrhunderte, unter der Herrschaft der verschiedensten Völker, ist es ein Ort des Hasses gegen den Gott Israels gewesen. Und auch in der großen Trübsal wird dies so sein ( Offb 17-18 ).



b. Gottes Heer gegen Babel
( 13,2 - 18 )


(1) Gott stellt sein Heer auf ( Jes 13,2-5 )



Jes 13,2-5


Es geht in diesen Versen um ein Heer, das Gott gehört, denn er versammelt seine Krieger, um seinen Zorn gegen Babel auszutragen. Sie werden auf seine Befehle hören. Dieses Heer ist eine große Menge wie eine Ansammlung ganzer Völker. Sie kommen zum Krieg und versammeln sich von weit entfernten Ländern, von den Enden der Erde . Dies ist weniger eine geographische Aussage, als vielmehr ein Hinweis darauf, daß seine Soldaten aus vielen verschiedenen Ländern der Erde kommen werden. Obwohl Jesaja über militärische Ereignisse seiner Zeit schreibt, wird auch kurz vor dem Tausendjährigen Reich eine ähnliche Musterung großer Heere geschehen ( Offb 16,12-16 ).



Jes 13,6-13


(2) Der Tag des Herrn ist nahe ( Jes 13,6-13 )

Der Tag des HERRN bezieht sich auf die Zeit des Gerichtes über die gottlose Welt und/oder der Befreiung seines Volkes. (Vgl. dazu die Anmerkungen zu "Tag des Herrn" unter Größere exegetische Schwierigkeiten bei Joel.) In den Tagen Jesajas kam dieses Gericht aufgrund der ungeheuren politischen Unruhen der nächsten Jahrzehnte, die schließlich ihren Höhepunkt in dem Fall Babels durch die Assyrer (689 v. Chr.) fanden. Diese politischen Unruhen sind denen ähnlich, die mit dem Gericht Gottes verbunden sind, das, kurz bevor Gott sein Tausendjähriges Reich auf dieser Erde errichtet, über die ganze Welt kommen wird. Dieses Gericht des Allmächtigen wird den Menschen äußerste Trübsal bringen, sie kommen in Schmerzen wie eine Gebärende (vgl. Jes 21,3; 26,17; Jer 4,31; 6,24; 13,21; 22,23; 30,6; 48,41; 49,22.24; 50,43; Mi 4,9-10 ).

Der Tag des Herrn macht seinen Zorn ( Jes 13,3.13 ) über die Sünde sichtbar und wird die Sünder vernichten (V. 9 ) und die Welt für ihre Schuld und stolze Haltung gegen Gott bestrafen (V. 11 ; vgl. V. 19 ; Jes 10,5.11-12 ). Die Aussagen in Jes 13,10 über die Himmelskörper ( Sterne, Sonne, Mond ), die nicht mehr scheinen, kann man bildlich verstehen als Beschreibung der völligen Umkehrung der politischen Struktur des Nahen Ostens. Das gleiche gilt für die Himmel, die erzittern, und die Erde, die erbebt (V. 13 ); sprachliche Bilder für eine allumfassende Zerstörung. Auch bei der Beschreibung des letzten Gerichtes, das über diese Erde kommen wird, werden diese Bilder benutzt. Daß die Himmelskörper nicht mehr scheinen, finden wir in Jes 34,4; Hes 32,7; Joe 2,10;3,3-4;4,15; Sach 14,6-7; Mt 24,29 ,und Erbeben der Erde in Jes 24,18; Joe 2,10; 4,16; Hag 2,6-7.21-22. Weil so viele im Kampf sterben, werden die Menschen kostbarer sein als das seltene und wertvolle Gold von Ofir , einer Stadt, die wohl an der südwestlichen Küste von Arabien lag (vgl. Hi 22,24;28,16 ).



Jes 13,14-18


(3) Der unerbittliche Angriff ( Jes 13,14-18 )

Das von Gott gebildete Heer (V. 1 - 5 ) wird an dem Tag des Herrn, wie es in Vers 6 - 13 beschrieben wird, unerbittlich angreifen. Die von ihm Angegriffenen werden dieser Invasion völlig hilflos gegenüberstehen. Sie werden wie Antilopen und Schafe sein, Geschöpfe, die sich nicht verteidigen können und für Jäger eine leichte Beute darstellen. Menschen aus anderen Ländern, die innerhalb des assyrischen Reiches wohnen, werden versuchen, der herannahenden Zerstörung zu entfliehen (sie werden in ihre Heimatländer fliehen). Schreckliche Dinge geschehen, Tod durch das Schwert (V. 15 ), Kindesmord, Plünderungen und Vergewaltigungen (V. 16 ). Diese Zerstörung wird unerbittlich und nicht aufzuhalten sein. Die Angreifer werden auch durch Geld nicht abzuhalten sein (V. 17 ) und haben auch bei Babys (vgl. V. 16 ) oder Kindern (V. 18 ) kein Erbarmen .

Die Aussage, ich will die Meder gegen sie aufstacheln , (V. 17 ) hat unter Auslegern zu großen Diskussionen geführt. Viele nehmen an, daß Jesaja, da er von dem Fall Babels spricht (V. 19 ), in dieser Prophetie (V. 17 - 18 ) die Eroberung dieser Stadt im Jahr 539 (vgl. Dan 5,30- Dan 6,1 ) durch die Meder und Perser meint. Aber diese Sichtweise ist nicht unproblematisch. Durch die medo-persische Übernahme 539 gab es in der Stadt selbst kaum Veränderungen. Sie wurde nicht zerstört, und so ging das Leben in ihr fast gleichmäßig weiter. Jes 13,19-22 spricht jedoch von der Zerstörung Babels. Auch sind die "sie", gegen die die Meder aufgestachelt werden (V. 17 ), die Assyrer (die in V. 14 - 16 erwähnt werden), nicht die Babylonier. Es scheint also eher richtig, diesen Abschnitt auf die Ereignisse zu beziehen, die mit der Eroberung Babels durch die Assyrer im Dezember 689 v. Chr. zusammenhängen. Seth Erlandsson schreibt: "Die Geschichte der Meder, der Elamiten und der Babylonier läuft um das Jahr 700 in dem Kampf gegen die assyrische Weltmacht ineinander ... Babylon nimmt dabei von den letzten Jahren des 8. Jahrhunderts an bis zu seinem Fall im Jahr 689 eine besonders zentrale Position in diesem großen historischen Drama ein" ( The Burden of Babylon: A Study of Isaiah 13,2 - 14,23 . Lund, Schweden: C.W.K. Glerrup, 1970, S. 91 f).



c. Die nahe bevorstehende Zerstörung Babels durch Gott
( 13,19 - 22 )


Jes 13,19-22


Diese Zerstörung wird die Stadt Babel betreffen, nicht das gesamte Reich. Aufgrund ihres Stolzes (vgl. V. 11 ) und ihres Götzendienstes wird Babel durch Gott zerstört werden. Dies wird, wie schon gesagt, durch die Assyrer geschehen, Gottes Werkzeug unter König Sanherib. So wie Gott die verdorbenen Städte Sodom und Gomorra überwältigt hat ( 1Mo 19,24-25 ), so wird er auch die verdorbene Stadt Babel überwältigen. Diese Zerstörung wird gründlich sein, was durch Sanheribs Angriff auf die Stadt wirklich geschah. Jesajas Beschreibung der Verwüstung von Babel - keine Einwohner für Generationen und keine Zelte oder Herden, statt dessen Schakale, Eulen, wilde Ziegen und Hyänen - ist typisch für die Art, wie man im Nahen Osten jener Zeit den Zustand zerstörter Städte beschrieb (Erlandsson, The Burden of Babylon , S. 118). Jes 13,20 a kann aus dem Hebräischen übersetzt werden: "Sie wird für eine lange Zeit nicht bewohnt werden, und man wird Generationen über Generationen lang nicht in ihr leben." Einige Jahre nach dieser Zerstörung wurde Babel von Sanheribs Sohn Esarhaddon (681 - 669 v. Chr.) wieder aufgebaut. Dies alles geschah noch vor dem Entstehen des Neu-Babylonischen Reiches 626 und seiner Eroberung durch Medo-Persien 539. Am Ende wird Babel noch einmal erbaut und von Gott ein letztes Mal zerstört werden ( Offb 18 ; vgl. die Anmerkungen zu Jer 50,1-51,58 ). Jesaja war überzeugt, daß die Zerstörung, über die er schrieb, bald kommen würde ( ihre Zeit wird bald kommen ). Sie kam 689 v. Chr. (siehe die Anmerkungen zu Jes 14,3-4 a).



d. Gottes Mitleid mit Israel
( 14,1 - 2 )


Jes 14,1-2


Der Fall Babylons (und anderer Nationen; Jes 14,24-21,17;23 ) wird Gottes Volk zeigen, daß er auf ihrer Seite steht. Trotz der Zerstörungen, die über das Volk Israel kommen werden, wird Gott Mitleid haben. Er wird sich die Nation wieder als sein Volk erwählen, wie er es damals am Berg Sinai getan hat. Jakob und Israel beziehen sich hier vermutlich auf alle zwölf Stämme (wie in 2Mo 19,3 ). Gottes Erwählung von Israel (und von Juda, Jerusalem, David und Salomo) ist ein zentrales Thema im Alten Testament (vgl. 5Mo 7,6 ), besonders in 1. und 2.Chronik und in den Psalmen ( 1Chr 16,13; 28,4-5.10; 29,1; 2Chr 6,6.34.38; 7,12; 12,13; 33,7; Ps 33,12; 47,5; 78,68.70; 89,4; 105,6.43; 106,5; 132,13; 135,4 ). Die Tatsache, daß Nicht-Israeliten ( Fremde ) sich zu Israel halten werden, wird in der Bibel ebenfalls häufig erwähnt ( Jes 56,6; 60,10; 61,5 ). Israels Rolle wird sich umkehren ( 14, 2 ): statt daß die Israeliten als Gefangene anderer Völker im Exil leben, werden nun andere Völker Israel dienen. Israel wird die führende Rolle übernehmen.

 

e. Ein Spott gegen Babel
( 14,3 - 21 )


(1) Der Tyrann wird besiegt ( Jes 14,3-8 )



Jes 14,3-4 a


In den Versen 3 - 21 finden wir ein Spottlied , das von den Menschen gesungen wird, die von der Furcht vor dem König von Babel befreit worden sind. Das Thema dieses Liedes ist, daß die Menschen erstaunt sein werden über diesen großen König, der wie die Könige anderer Städte vom Thron gestürzt werden wird. Die Menschen freuen sich über seine Entthronung, denn sie haben in Furcht vor ihm gelebt.

Wer ist dieser König von Babel? Viele Ausleger sehen in ihm den Satan, die letztliche Personifizierung des Stolzes. Tertullian (ca. 160 - 230 n. Chr.) und Gregor der Große (ca. 540 - 604) haben diese heute weitverbreitete Sicht als erste gehabt. Obwohl die Verse 12-14 diese Ansicht zu bestätigen scheinen, finden wir in den anderen Versen dieses Kapitels wenig Hinweise darauf. Zwar meinen viele, daß die Verse 12 - 14 von dem Eintreten der Sünde in den Kosmos durch den Fall Satans sprechen. Aber dieses Thema scheint dem Kapitel eher aufgepfropft. ( Hes 28,12-19 dagegen spricht tatsächlich von Satans Fall; vgl. die Anmerkungen dort).

Viel natürlicher ist es, den stolzen Tyrannen mit Sanherib (705 - 681) gleichzusetzen. Zwischen der Beschreibung des Tyrannen in Jes 14 und dem Fluch gegen Sanherib in Jes 37,21-29 gibt es erstaunliche Parallelen. Aber war Sanherib nicht König von Assyrien, statt König von Babel? Er herrschte über beide als König, denn seit dem Ende des 10. Jahrhunderts v. Chr. war Babylon ein Vasall von Assyrien. Hin und wieder lehnte sich der Vasallen-König von Babylon gegen den Herrscher von Assyrien auf, aber 728 wurde Tiglat Pileser III., Assyriens kampflustiger Herrscher von 745 bis 727, als König von Babel gekrönt. Ninive war zwar weiter die Hauptstadt des Reiches, aber Babel wurde zum Zentrum seines kulturellen Lebens. Durch diese Einverleibung wurde der Götzendienst für den babylonischen Gott Marduk in Assyrien sehr populär. Sargon II. (722 - 705) und Sanherib (705 - 681), spätere assyrische Herrscher, nannten sich Könige von Babel. Nachdem Sargon II. 705 starb, gab es im assyrischen Reich große Unruhen. Die Elamiten setzten Mushezib-Marduk über Babylon (692 - 689). Er verbündete sich mit mehreren umliegenden Völkern, darunter auch den Medern. Um diese Rebellion in Babel zu unterwerfen, marschierte Sanherib 689 mit seinen Truppen dort ein und zerstörte es. Er ließ sogar über die Ruinen große Mengen an Wasser schütten, um so die Stadt zu verwüsten (Erlandsson, The Burden of Babylon , S. 91). Aber nur wenige Jahre später wurde sie von Sanheribs Sohn und Nachfolger Esarhaddon wieder aufgebaut.

Der heimtückische Mord an Sanherib ( 2Kö 19,37 ), acht Jahre nachdem er Babel zerstört hatte, versetzte die umliegenden Nationen, besonders natürlich Juda, in große Freude und gab ihnen Ruhe. (Sanherib war auch der König gewesen, der zwölf Jahre zuvor, 701 v. Chr., versucht hatte, Jerusalem zu besiegen; Jes 37; 2Kö 18,12-19,36 .)

 

Jes 14,4-8 (Jes 14,4b-8)


Der eine, dessen Toben enden wird, ist der Unterdrücker, der Menschen niedergeschlagen und Nationen unterworfen hat. Sein Tod wird Frieden und Freude ( Singen ) für die ganze Region bringen. Diese Ruhe wird bildlich durch die großen Zedern des Libanon zum Ausdruck gebracht, die nun keiner Gefahr mehr ausgesetzt sind. Sie werden nicht mehr niedergeschlagen , um Tribut für Sanherib zu beschaffen.


Jes 14,9-11


(2) Der Tod des Tyrannen ( Jes 14,9-11 )

Das Totenreich ( S+?Nl ) wird wie ein großer Thronsaal beschrieben, in den die Führer und Könige der Erde kommen, wenn sie sterben. Der Tyrann (Sanherib) wird schon als gestorben betrachtet. Er ist bereits bei den Königen im Totenreich. Das Erstaunen über das Schicksal dieses großen Königs, dessen Glanz sie alle überragt hat, läßt sie erschrecken. Ja, sein Kommen bringt sie dazu, von ihren Thronen aufzustehen (als säßen sie im Totenreich auf Thronen), um ihn zu grüßen. Sie sind erstaunt, daß er schwach geworden und tot ist wie sie. Er, der in Pracht mit Musik (Harfen) gelebt hat, ist nun dem Vergänglichen unterworfen. Maden und Würmer zerfressen seinen Körper im Grab.


Jes 14,12-15


(3) Hochmut und Fall des Tyrannen ( Jes 14,12-15 )

Mit seiner militärischen Macht hat dieser große König die Nationen niedergehalten. Phönizien, Ägypten, Moab, Edom, Zilizien, große Teile von Juda und das nördliche Arabien waren ihm unterworfen. Aber er wird wie ein Morgenstern fallen. Das Funkeln eines Sternes in der frühen Morgendämmerung verschwindet ganz plötzlich, wenn die Sonne aufgeht. Sanherib hielt sich aufgrund seiner großen Macht für göttlich. Aber er wird sich, ganz im Gegenteil dazu, plötzlich im Totenreich befinden. Im Nahen Osten jener Zeit hatten die Könige höchste Macht. Viele wurden von ihren Untergebenen als Götter angebetet. Die Menschen, die diesen Tyrannen verspotteten, stellten ihn sich vor, wie er sich selbst göttliche Wesenszüge beimaß. Er stieg auf zum Himmel über die Sterne und wurde auf einen Thron gesetzt auf dem heiligen Berg . Hier wird der Glaube mehrerer semitischer Stämme deutlich, die den Wohnsitz der Götter auf dem Berg Zafon vermuteten. "Heiliger Berg" ist die Übersetzung von QAPNn (wörtl.: "der Norden"). Indem er diesen Berg bis über die Wolken hinaufstieg, wollte er sich selbst wie Gott, den Allerhöchsten , machen. (Die Sprache ist hier natürlich übertreibend.) Aber er wird herunter gebracht werden, zur tiefsten Grube (die Grube ist ein Synonym für das Grab). Nichts kann ihn vor dem Tod und dem Verfall im Grab retten.



Jes 14,16-21


(4) Eine Lektion, die aus dem Untergang des Tyrannen zu lernen ist ( 14, 16 - 21 )

Aus dem Tod dieses Großen kann man lernen, daß alle Könige, wie unbesiegbar sie auch scheinen mögen, doch schließlich abtreten müssen. Die Menschen werden Sanheribs Schicksal verspotten und es kaum noch für möglich halten, daß er es war, der jeden aus Furcht zum Zittern gebracht, der Städte zerstört und so viele Menschen gefangengenommen hat (V. 16 - 17 ). Bei seinem Tod wird er nicht einmal ein angemessenes Begräbnis erhalten wie die meisten Könige, die in Ehren ruhen (V. 18 ). Er wird hingeworfen , durch das Schwert getötet und mit Füßen zertreten werden (V. 19 ). Sanherib wurde durch seine Söhne Adrammelech und Sarezer ermordet, die dann doch nicht seinen Platz als Regenten einnehmen konnten ( sie werden nicht aufstehen, um das Land zu besitzen , V. 21 ), weil sie um ihr Leben laufen mußten ( 2Kö 19,37 ).



f. Babels Zerstörung durch Assyrien
( 14,22 - 23 )


Jes 14,22-23


Nach dem Spottlied der Leute (V. 4 - 21 ) bestätigt der Herr Zebaoth, daß die Menschen von Babel vernichtet werden (V. 22 ). Die StadtBabel wird, von Assyrien in Trümmer verwandelt (689 v. Chr.), ein verlassener Ort für Eulen werden (vgl. Jes 13,20-22 ). Sanherib beschreibt Babel, nachdem er es zerstört hat, mit ganz ähnlichen Worten. Auch hier geht es vermutlich um diese Zerstörung, nicht um die Übernahme der Stadt durch das medo-persische Reich im Jahr 539 v. Chr. (vgl. die Anmerkungen zu Jes 14,3-4 a), da dieser zweite Angriff die Stadt nicht zerstörte.



g. Assyriens Untergang
( 14,24 - 27 )


Jes 14,24-27


Viele Ausleger halten diese Verse für einen eigenen Abschnitt. Besser jedoch ist es, sie als Teil der Weissagung zu sehen, die in Jes 13,1 beginnt. Zwar wird der Herr das assyrische Weltreich benutzen, um seine Ziele zu erreichen, aber letztlich wird er dieses Reich hart richten ( Jes 10,519 ). Assyriens Plan, Jerusalem zu zerstören, wird zunichte gemacht ( Jes 10,7 ), aber Gottes Plan wird ausgeführt werden ( Jes 14,24 ). Er wird die Assyrer in seinem Land, auf seinen Bergen zerschlagen (V. 25 ). Vermutlich bezieht sich diese Aussage auf das große Blutbad in der assyrischen Armee, als diese Jerusalem belagerte ( Jes 37,36-37 ). Weil Gott über alle Nationen souverän die Kontrolle behält, kann nichts seine Pläne hindern und seine Hand zurückhalten ( Jes 14,27 ).



2. Die Philister
( 14,28 - 32 )


Jes 14,28-32


Diese Weissagung richtet sich, obwohl sie über die Philister spricht, an Juda (vgl. V. 32 ). Jesaja empfing die Weissagung (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,1; Sach 9,1 ) von Gott in dem Jahr, in dem König Ahas starb (vgl. Jes 6,1 ; "in dem Jahr, in dem König Usija starb"), 715 v. Chr. Gott verurteilt darin die Städte der Philister, die sich für sicher vor der Zerstörung halten. Sie freuen sich, daß der Stock, der sie schlug, zerbrochen ist . Vermutlich bezieht sich dies auf Assyrien, nicht auf Israel oder auf Ahas, den König von Juda. Aschdod, die Philisterstadt, und Juda hatten sich gegen Assyrien aufgelehnt. Aber 711 v. Chr., nur vier Jahre nach dieser Weissagung, besiegten die Assyrer Aschdod und machten das Gebiet der Philister zu einer assyrischen Provinz. Dies geschah unter Sargon II. (722 - 705; vgl. Jes 20,1 ). Deshalb also fühlten sich die Philister in Sicherheit ( Jes 14,30 ). Aber sie werden durch Hungersnot und durch das Schwert besiegt werden. Die Philister sollen heulen, denn Assyrien kommt wie eine unkontrollierbare Rauchwolke. Zion (Jerusalem) dagegen soll sich nicht fürchten, denn sie wird in der nächsten Zeit nicht fallen (erst 586 unter Babylon).



3.Moab
( Jes 15-16 )


Eine der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit dieser Prophetie ist, wann sie geschrieben wurde. In dem Schlußabschnit ( Jes 16,13-14 ) sagt Gott, daß das Gericht "innerhalb von drei Jahren" über Moab kommen werde. Die verschiedenen Ansichten, auf was sich dies bezieht, werden in der Auslegung dieser Verse behandelt.

Jahrhundertelang war Moab, östlich des Toten Meeres, ein Feind Israels gewesen. Während der Wüstenwanderung Israels verführten moabitische Frauen Israels Männer ( 4Mo 31,15-17 ). Während der Richterzeit wurde Israel 18 Jahre lang von Moab unterdrückt ( Ri 3,12-14 ). Saul kämpfte gegen Moab ( 1Sam 14,47 ), und David besiegte es ( 1Sam 8,2.12 ). Salomo ließ sich von seinen Frauen dazu bringen, dem moabitischen Gott Kemosch einen Altar zu bauen ( 1Kö 11,7.8 ). Mescha, König von Moab, mußte Ahab, dem König Israels, einen Tribut bezahlen ( 2Kö 3,4 ). Nachdem Ahab gestorben war (853 v. Chr.), rebellierte Mescha gegen Joram (der auch Jehoram genannt wird), wurde aber geschlagen ( 2Kö 3,5-27 ). Die hier in Jes 15-16 beschriebene Zerstörung von Moab ließ die Moabiter unter dem assyrischen Druck nach Süden, zu den Edomitern, fliehen.



a. Die Niederlage Moabs
( Jes 15 )


(1) Klagelied über Moab ( Jes 15,1-4 )



Jes 15,1-4


In Kapitel 15; 16 erwähnt Jesaja die Namen verschiedener Städte und Ortschaften von Moab. Ar und Kir waren schon zerstört, bevor Jesaja seine Botschaft niederschrieb. Wir wissen nicht, wo diese Städte genau gelegen haben, aber es könnte in der Nähe des Südendes des Toten Meere gewesen sein. Dibon (das heutige Dhiban) gehörte zu den wichtigsten Städten Moabs. Nebo , nicht zu verwechseln mit dem Berg Nebo, ist entweder das heutige Khirbet Ayn Musa oder Khirbet el Mukkayet. Medeba wird heute Medaba genannt. Wenn jemand sein Haupt scherte (vgl. Hi 1,20; Jer 47,5; Hes 7,18; Am 8,10; Mi 1,16 ) und seinen Bart abschnitt, so war dies ein Zeichen äußerster Demütigung ( Jes 7,20; Jer 48,37 ). Wer Sackleinen trug, jene rauhen, schwarzen Stoffe, der zeigte damit seinen inneren, trauernden Zustand (vgl. auch die Anmerkungen zu Jes 3,24 ). Hier beweinen die Moabiter ihre letzten Städte. Die Menschen in Heschbon und Elale (vgl. Jes 16,9 ), im Norden Moabs, trauern. Selbst die Soldaten der Moabiter weinen, weil sie nicht in der Lage sind, ihre Städte zu verteidigen.


Jes 15,5-9


(2) Moab flieht vor dem Feind ( Jes 15,5-9 )

Jesajas Herz ist durch dieses Elend der Moabiter gefühlsmäßig verstört (vgl. die ähnlichen Stellen in Jes 21,3-4; 22,4 ). Die Moabiter fliehen vor den angreifenden Assyrern und ziehen nach Süden zu den Edomitern. Zoar war die nördlichste Stadt Edoms, direkt am Südende des Toten Meeres. Wo Eglat-Schelischija lag, wissen wir nicht, aber vermutlich war es eine Stadt in der Wüstenregion. Auch Luhit ist uns unbekannt, steht aber grammatisch neben Horonajim (vgl. Jer 48,34 ), das im Süden Moabs gelegen war. Die Wasser von Nimrim ( Jes 15,6 ) bezieht sich vermutlich auf das Wadi en-Numeirah im Süden von Moab. Da es ausgetrocknet ist, ziehen die Flüchtlinge weiter nach Süden, über den Weidenbach (wahrscheinlich an der Südspitze des Toten Meeres). Das Klagen geht bis nach Eglajim und Beer-Elim (deren Lage uns bisher nicht bekannt ist, vielleicht nahe der Südgrenze Moabs?). Es kann sein, daß unter Dimon (V. 9 ) das heutige Dibon gemeint ist (wie einige Übersetzungen angeben). Das Wasser dort ist voller Blut, was auf viel Tod und Zerstörung in dieser Region hinweist. Aber dennoch ist das Blutvergießen nicht vorbei. Noch mehr Schrecken steht vor der Tür. Es ist, als würden die Überlebenden unablässig von einem Löwen gejagt.



b. Schutz für Israel
( 16,1 - 5 )


Jes 16,1-5


Mitten in dieser Zerstörung, die über Moab kommen wird, findet man in Israel Schutz. Die Moabiter sind den ganzen Weg nach Süden bis in die Festungen der Edomiter (wie z. B. Sela , etwa 80 Kilometer südlich der Grenze zu Moab) geflohen. Wirklich sicher jedoch wären sie gewesen, wenn sie nach Jerusalem (die Tochter Zions ; vgl. Jes 1,8 ) gegangen wären, indem sie Lämmer als Tribut vor sich hergeschickt hätten. Jesaja kann dies sagen, denn es war ja bereits von Gott offenbart worden, daß Jerusalem vor der Zerstörung durch Assyrien bewahrt bleiben wird ( Jes 10,24-34 ). Verstört wie Vögel bitten die Frauen von Moab um Schutz und Hilfe ( Jes 16,2-4 a). Aber Gott hat es schon versprochen: Am Ende wird der Zerstörer - auch der Unterdrücker und der Angreifer genannt - selbst zerstört werden (vgl. Jes 14,4-5 ). Gott wird in seiner Liebe ( HeseD , andere Übersetzungen haben hier "Treue") darauf achten, daß der Eine aus dem Hause Davids , der Messias, auf Davids Thron sitzen ( 1Sam 7,16 ) und die Welt gerecht richten wird (in Recht und Gerechtigkeit , ein häufiges Thema im Buch Jesaja; vgl. Jes 9,6; 11,4; 28,6; 32,16; 33,5; 42,1.3-4; 51,5 ). Nur durch Juda kann dies erreicht werden. Die Kraft Moabs ist dafür offensichtlich nicht ausreichend.



c. Der Stolz Moabs
( 16,6 - 12 )


Jes 16,6-12


Jesaja macht den Stolz und Mutwillen von Moab offenbar (vgl. Assyriens Stolz, Jes 13,11 ). Die Menschen von Moab hätten ihre Machtlosigkeit gegenüber Assyrien erkennen und sich durch ihren Nachbarn Israel zu Gott wenden sollen. Aber das wollen sie nicht. Weil sie so stolz sind und meinen, daß sie Gott nicht brauchen, wird die Fruchtbarkeit ihres Landes aufhören ( Jes 16,7-10 ). Mehrere Worte deuten an, daß es bei dieser Fruchtbarkeit hauptsächlich um Trauben geht: Rosinenkuchen (eine Delikatesse; vgl. 1Chr 12,41; Hos 3,1 ) von Kir-Heres (vgl. Jes 16,11 ), einer anderen Stadt in Moab, vielleicht die gleiche wie Kir in Jes 15,1 , Weinstock von Sibma ( Jes 16,8-9 ), edle Reben, Weingärten (V. 8.10 ). Ernten (V. 9 ) und Obstgärten (V. 10 ) deuten daneben noch auf andere Früchte hin. (Zu Heschbon und Elale in V. 9 vgl. Jes 15,4 .) Die angreifende Armee und die Dürre, die ebenfalls kommen wird, lassen Moab keine Chance zum Überleben. Jesaja hat tiefes Mitgefühl mit Moab ( Jes 16,11 ; vgl. Jes 15,5 ), sein Herz antwortete auf ihr Elend, wie die Saiten einer Harfe klingen, wenn sie gezupft werden. Auch Moabs religiöses Ritual, auf ihren Altären zu opfern und bei ihren Heiligtümern zu beten, wird nicht helfen und Gottes Gericht nicht aufhalten ( Jes 16,12 ).

 

d. Die Zerstörung von Moab
( 16,13 - 14 )


Jes 16,13-14


Moab hat bereits viel gelitten. Nun kündigt der Prophet an, daß innerhalb von drei Jahren noch weitere Zerstörungen kommen werden. Diese Zeit wird genau eingehalten werden, so wie ein Sklave die Jahre zählt, bis seine Sklaverei ein Ende hat. Diese Verse sind denen in Kapitel 7 ähnlich, wo Jesaja Ahas mitteilt, daß die aramäischisraelitische Allianz in wenigen Jahren auseinanderbrechen wird. Vielleicht ist diese Weissagung gegen Moab etwa zur gleichen Zeit niedergeschrieben worden und deutet auf Tiglat-Pilesers kommende Invasion von Moab im Jahr 732 hin (nachdem er Aram besiegt hatte). Oder Jesaja sagt, daß Moab innerhalb von drei Jahren (701) von Sanherib angegriffen werden wird, wenn dieser nach Juda einmarschieren wird. Jesajas Zeitgenossen konnten die Ereignisse ihrer Zeit beobachten, um zu sehen, ob der Herr wirklich durch ihn redete. Wenn sie dann sahen, daß seine Worte eintrafen, dann konnten sie auch wissen, daß seine Botschaft der Errettung für Juda ( Jes 16,5 ) ebenfalls wahr werden wird.


4. Damaskus
( 17, 1 - 11 )


Jes 17,1-3


Diese Weissagung (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,1 ) in Jes 17,1-11 richtet sich gegen Damaskus , die Hauptstadt von Aram. Das Nordreich Israel hatte sich gegen die assyrische Bedrohung mit Aram verbündet ( Jes 7,2 ). Hier ( Jes 17,1-11 ) schreibt Jesaja noch einmal, daß Aram und Israel durch die Assyrer besiegt werden (vgl. Jes 8,4 ).

Damaskus wird ein Ruinenhaufen werden und nicht mehr länger eine Stadt sein. Manche Übersetzungen schreiben in Vers 2 aufgrund einiger griechischer Manuskripte der Septuaginta, daß Damaskus und "ihre Städte verlassen sein werden für immer". Der hebräische Text bedeutet: "die Städte von Aror". Aror jedoch war eine Stadt in Moab, so daß diese Lesart nur schwierig zu verstehen ist. Wenn Damaskus und alle umliegenden Städte verlassen sind, werden Tiere darin wohnen ( Jes 17,2 ). Ephraim, das für Israel steht, und Damaskus, das für Aram steht (vgl. Jes 7,8 ), werden besiegt ( Jes 17,3 ). Assyrien besiegte Aram 732 und Israel 722 v. Chr.



Jes 17,4-6


Dies ist der erste von drei Abschnitten, die mit den Worten zu der Zeit beginnen. Die anderen beiden sind die Verse 7 - 8 und die Verse 9-11 . Es geht dabei um die Zeit, in der Gottes Zorn seine Feinde treffen und dann sein Segen über sein Volk ausgegossen wird. An manchen Stellen haben diese Worte eschatologischen Charakter (und meinen dann die große Trübsal vor dem Beginn des Tausendjährigen Reiches), an anderen dagegen beziehen sie sich auf die gegenwärtige Situation. In den Versen 4.7.9 wird in ihnen angesprochen, worum es Jesaja in dem ersten Teil seines Buches besonders geht - der Überfall auf Aram und Israel durch das assyrische Heer. Aufgrund dieser Invasion wird Israel Problemen gegenüberstehen, die zu vergleichen sind mit einem Menschen, dessen Fett am Körper schwindet (V. 4 ), einem abgeernteten Feld (V. 5 ) oder einem Feigenbaum (V. 6 ) nach der Ernte. Das Tal von Repham (vgl. Jos 15,8; 18,16 ) war eine fruchtbare Gegend westlich von Jerusalem. Hier hatte David zweimal die Philister besiegt ( 2Sam 5,18-20.22-25 ). So wie ein paar Oliven, die an den höheren Zweigen eines Olivenbaumes hängengeblieben sind, werden nur einige wenige Menschen übrigbleiben, die meisten jedoch werden erschlagen.


Jes 17,7-8


Wenn Israel durch die Assyrer angegriffen wird, dann werden Gottes Leute auf ihren Schöpfer schauen , um den Heiligen Israels zu sehen (vgl. die Anmerkungen zu Jes 1,4 ). Angesichts von Terror und Leid des Krieges werden sie die Unmöglichkeit ihres Götzendienstes erkennen. Die Altäre sind jene, die für diese Götzen errichtet wurden, nicht jene für den lebendigen Gott. Die Bilder der Aschera sind hölzerne Symbole der Aschera, einer kanaanäischen Fruchtbarkeitsgöttin und Begleiterin von Baal. Im Nordreich Israel, in dem der Baalsdienst weit verbreitet war, gab es viele, die Aschera anbeteten. Unter dem assyrischen Angriff jedoch wird Israel erkennen, daß nur der Herr allein sie retten kann.



Jes 17,9-11


Damaskus und seine befestigten Städte werden als Folge des Gerichtes an diesem Tag (vgl. die Anmerkungen zu V. 4 ) verlassen werden, und Dickicht und Dornenbüsche werden dort wachsen. Wegen ihrer Untreue gegenüber dem wahren Gott und weil sie ihn vergessen haben, werden ihre Anstrengungen, Wein anzupflanzen und eine Ernte zu bekommen (als ob sie sicher wären wie in Friedenszeiten), vergeblich sein. Die Pflanzen werden krank werden, und die Menschen werden Schmerzen haben.



5. Das Land voll schwirrender Flügel
( 17,12 - 18,7 )


Jes 17,12-14


Viele Ausleger rechnen die Verse 12 - 14 noch zu dem vorausgehenden Abschnitt. Das in Vers 12 mit Ha wiedergegebene Wort ist im Hebräischen jedoch das gleiche wie das mit "Wehe" übersetzte in Jes 18,1 ( hNy ). Dies scheint darauf hinzuweisen, daß Jes 17,12-14 zu Kapitel 18 gehört.

Die wütenden Nationen ( Jes 17,12 ; vgl. Ps 2,1 ) sind wie das Brüllen tosender Wasser . Diese Menschen sind die Assyrer, die Gott benutzt, um sein Volk zu strafen. Offensichtlich meint "die Nationen" (Pl.) hier das in jenen Tagen dominierende Volk Assyrien. Wenn Gott sie (die Assyrer) bestrafen wird, werden sie wie Spreu (vgl. Jes 29,5 ) werden, der leichte und wertlose Teil des Korns, der von einem Windhauch weggeblasen wird. Obwohl die Assyrer den Schrecken am Abend bringen, werden sie vor dem Morgen bereits verschwunden sein. Genau so geschah es mit der assyrischen Armee ( Jes 37,36-37 ). Viele Städte in Juda hatte das assyrische Heer geplündert, aber dann starben in einer Nacht 185 000 Soldaten.



Jes 18,1-2


Die Botschaft von Kapitel 18 richtet sich an das Land voll schwirrender Flügel , das Volk von Kusch . (Zu dem Wort Wehe vgl. die Anmerkungen zu "Ha" in Jes 17,12 und zu Jes 3,9 .) Die schwirrenden Flügel könnten sich auf Heuschrecken beziehen. Zu Kusch gehörte das heutige Süd-Ägypten, der Sudan und Nord-Äthiopien. Offenbar hatte Kusch Botschafter in schnellen Papyrus-Booten (vgl. Hi 9,26 ) mit dem Vorschlag nach Israel gesandt, ein Bündnis gegen Assyrien einzugehen. Die Kuschiten, ein Volk mit großen und schrecklichen Menschen, sprachen eine Sprache, die für die Hebräer fremd klang, da sie nicht semitischen Ursprunges war. Wie Ägypten ist auch Kusch durch Flüsse zerteilt (vgl. Jes 18,7 ), Zweigflüsse des Nils. Weder sonst aus der Bibel noch durch außerbiblische Quellen wissen wir etwas über irgendwelche anderen Kontakte oder gar Bündnisse gegen Assyrien zwischen diesem Volk und Israel.



Jes 18,3


Der Prophet ermahnt die Kuschiten, wieder nach Hause zu gehen und kein Bündnis zu bilden versuchen, denn der Herr wird die Feinde zur rechten Zeit vernichten. Die Kuschiten stehen hier stellvertretend für alle Völker der Welt , die den assyrischen Fall herbeisehnen. Gott gibt hier durch Jesaja bekannt, daß sie diesen Fall sehen und erkennen werden, wenn die Zeit gekommen ist, die Assyrer zu bekämpfen.



Jes 18,4-6


Gott wird mit seinen Plänen lange warten, so wie die Sommerhitze und der Tau bei der Ernte. Der Herr läßt Jesaja wissen, daß er auf den richtigen Zeitpunkt warten wird, bis er den Feind beseitigen wird. Den Grund dafür hat Gott Jesaja bereits gegeben ( Jes 10,12.25.32 ). Zuerst muß die assyrische Armee Gottes Aufgabe erfüllen, nämlich das Volk Israel bestrafen und es gefangennehmen. Wenn die Assyrer jedoch diesen Zweck Gottes erfüllt haben, dann wird Gott eingreifen und sie abschneiden ( Jes 18,5 ), gerade wenn sie wie Trauben sind, die begonnen haben zu reifen, ihr Reich ausbauen. Sie werden getötet und auf den Bergen zurückgelassen als Futter für die wilden Vögel im Sommer und die wilden Tiere im Winter.



Jes 18,7


Wenn die Assyrer besiegt sind, wird der Herr das Volk von Kusch (vgl. V. 1 - 2 ) dazu bringen, Geschenke zu Gott auf den Berg Zion zu bringen, wo sein Name wohnen wird (vgl. den Kommentar zu 5Mo 12,5 ). Ob dies nach dem Fall Assyriens geschah, wissen wir nicht. Es kann auch sein, daß Jesaja hier von dem Tausendjährigen Reich spricht, wenn die Menschen der ganzen Erde dem Herrn dienen (vgl. Sach 14,16 ) und ihn wegen seiner großen Taten anbeten werden.



6. Ägypten
( Jes 19-20 )


In Kapitel 19 geht es besonders um Ägypten, Kapitel 20 wendet sich dann neben Ägypten auch Kusch (vgl. Jes 18 ) zu. Wie in anderen Weissagungen auch dient die historische Situation, die drohende Gefahr durch die Assyrer, als Kulisse für die Prophetie.



a. Ägypten wird bestraft
( 19,1 - 15 )


Manche Leute in Israel wollten bei den Ägyptern Schutz vor der assyrischen Bedrohung finden. Jesaja aber zeigt, daß Ägypten keine Hilfe ist. Auch Ägypten wird Gottes Gericht unterworfen.

(1) Ägyptens innere Probleme ( Jes 19,1-4 )



Jes 19,1-4


Das Gericht des Herrn kommt über Ägypten. Gott wird hier dargestellt wie einer, der auf einer schnellen Wolke daherkommt ( Ps 68,5.34; 104,3 ). In der kanaanitischen Mythologie wird das gleiche Bild von Baal benutzt, dem Gott des Regens und der Fruchtbarkeit. Aber es ist der Herr, nicht Baal, der wirklich den Regen (etwas, was in Ägypten äußerst dringend benötigt wird; Jes 19,5-10 ) und die Fruchtbarkeit schenkt. Die Götter Ägyptens - von denen es viele gab (vgl. die Tabelle "Die Plagen und die Götter und Göttinnen von Ägypten" zu 2Mo 7,14 ) - werden ihr Volk nicht vor dem kommenden Gericht retten können. Ihre Götzen werden vor ihm erzittern, was die Menschen mutlos und niedergedrückt werden läßt ( Jes 19,1 ). Das bevorstehende Gericht wird zu inneren Spaltungen führen (V. 2 ) und Verzweiflung unter die Menschen bringen, wenn sie erkennen, daß ihre Götter, die nur Götzen sind, und ihre okkulten Praktiken ( Beschwörer, Geister und Zeichendeuter ; vgl. Jes 8,19; 3Mo 19,31; 20,6 ) sie nicht retten können. Sie werden durch einen grausamen Herrn und einen harten König , den König des assyrischen Weltreiches, unterworfen werden. Ägypten, das vor einigen Jahrhunderten selbst ein grausamer Herr über Israel gewesen war ( 2Mo 1,11-14 ), wird nun einer ebensolchen Grausamkeit ausgesetzt sein. Dieser assyrische König war Esarhaddon, der 671 v. Chr. Ägypten eroberte. Das Gericht aber kommt von dem Herrn, dem Herrn Zebaoth ( Jes 19,4 ), dem Herrn und großen Bundesgott Israels.



Jes 19,5-10


(2) Das unfruchtbare Ägypten ( Jes 19,5-10 )

Um zu zeigen, daß dieses Gericht wirklich von Gott kommt, sagt Jesaja, daß es auch die Natur in Mitleidenschaft ziehen wird. Eine Trockenzeit wird die Wirtschaft vernichten und die Menschen, deren Arbeit vom Nil abhängt, bedrücken. Der Fluß (V. 5 ) bezieht sich ohne Zweifel auf den Nil, Ägyptens "Lebensader" und Quelle aller landwirtschaftlichen Erfolge der Nation. Wenn der Nil austrocknet (durch Gott, nicht durch die militärische Eroberung), wird das Papyrus-Rohr, das Schilf und alle Saat verdorren (V. 6 - 7 ). Die Fischer werden nicht mehr in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt mit Haken und Netzen zu fangen (V. 8 ), und wer mit Flachs (vgl. 2Mo 9,31 ; dessen Wachstum von Wasser abhängt), Leinen, das aus Flachs hergestellt wird, oder anderen Stoffen sein Geld verdient, wird seinem Beruf nicht mehr nachgehen können ( Jes 19,9-10 ). Die gesamte Wirtschaft des Landes hing ja vom Nil ab.



Jes 19,18


(2) Ägyptens Treueschwur gegen den Herrn ( Jes 19,18 )

Die fünf Städte in Ägypten stehen ohne Zweifel stellvertretend für die gesamte Nation. Die Sprache Kanaans zu sprechen bedeutet offensichtlich nicht, daß die Ägypter ihre eigene Sprache nicht mehr benutzen werden. Vielmehr werden sie aufgrund ihres neues Gottesdienstes (sie schwören Treue dem HERRN Zebaoth ; vgl. V. 20.25 ), und den Opfern, die sie in Jerusalem bringen, recht fließend Hebräisch sprechen müssen (vgl. V. 19.21 ; Sach 14,16-19 ). Die Bedeutung des Ausdruckes die Stadt der Zerstörung ( Ir-Heres ) hat schon viele Diskussionen ausgelöst. Es scheint besser, der in den Rollen vom Toten Meer und der Vulgata erhaltenen Lesart zu folgen, die "die Stadt der Sonne" ( Heres ) haben, was sich auf Heliopolis bezieht (vgl. Hes 30,17 ). Heliopolis, eine der großen Städte am Südende des Nildeltas, war dem Sonnenkult geweiht. Wenn nun diese Stadt eine solch bedeutsame Veränderung erlebt (d. h., wenn sie den Herrn statt des Sonnengottes anbetet), dann wird dies aller Welt und auch Israel beweisen, daß es Ägypten wirklich ehrlich mit der Anbetung des lebendigen Gottes meint.


Jes 19,19-22


(3) Wahrer Gottesdienst wird eingerichtet ( Jes 19,19-22 )

In Ägypten wird für den Herrn ein Altar errichtet werden und ein Steinmal an Ägyptens Grenze. Ägypten wird also ganz offen zeigen, daß es nun den Gott Israels anbetet. Dies wird ein nationales Verhalten sein (angedeutet durch das Steinmal, das ein Zeichen und ein Zeuge sein wird ), das aber auch im privaten Bereich (angedeutet durch den Altar) gültig ist. Ägypten wird dann wie Israel dastehen, denn wenn die Ägypter nun Gott um Hilfe bitten, wird er sie ihnen geben (V. 20 ). Auch an dem Opferkult werden sie teilnehmen (V. 21 ; vgl. Sach 14,16-19 ), und Gott wird sie heilen , nachdem sie umgekehrt sind und um Hilfe gebeten haben. Für die Menschen in Juda zur Zeit Jesajas war eine solche Situation fast nicht zu glauben. Und doch wird sie eintreten, dann nämlich, wenn der Messias wiedergekommen ist und sein Tausendjähriges Königreich errichtet hat.



Jes 19,23-25


(4) Friede wird auf der Erde errichtet werden ( Jes 19,23-25 )

Die Situation, die Jesaja in Vers 19 - 22 beschreibt, wird nicht auf Ägypten allein beschränkt sein. Assyrien und auch die ganze restliche Welt werden an dem Segen an diesem Tag teilhaben. Die Menschen werden auf einer Straße von Ägypten nach Assyrien reisen, und die Menschen beider Völker - die in Jesajas Tagen Feinde waren! - werden gemeinsam anbeten . Damals hoffte Juda, daß die Ägypter es vor den Assyrern retten würde. Im Tausendjährigen Reich jedoch werden diese drei Mächte, Assyrien, Ägypten und Israel, ein harmonisches, friedliches Verhältnis unter Gottes segnender Hand führen. All dies gehört natürlich zu der Erfüllung der Verheißung, die Abraham gegeben wurde, daß nämlich alle Menschen der Erde durch ihn gesegnet werden ( 1Mo 12,3 ).



c. Ägyptens Unfähigkeit, Israel zu helfen
( Jes 20 )


Jes 20,1


Jesaja fügt nun eine Erzählung ein, um das in Kapitel 18 gegen Kusch und in Jes 19,1-17 gegen Ägypten Gesagte noch einmal zu verdeutlichen. Einige in Israel hatten ein Bündnis mit diesen beiden Nationen angestrebt, um sich gegen die assyrische Bedrohung zu wehren. Kapitel 20 zeigt, wie töricht solch ein Verhalten ist. Aschdod , eine Stadt der Philister, wurde 711 v. Chr. von dem Hauptmann des assyrischen Königs Sargon II . (722 - 705) erobert. Diese Eroberung sollte den Bewohnern Judas zeigen, daß sie sich nicht auf fremde Völker als ihren Schutz verlassen können, denn die Assyrer hielten ihren Vormarsch für unaufhaltsam.



Jes 20,2-6


Drei Jahre lang zog Jesaja weder seine Kleider aus Sackleinen (die auch die Bekleidung von Elia waren; vgl. 2Kö 1,8 ), noch seine Sandalen an (natürlich war er nicht völlig nackt). Dieser Anschauungsunterricht soll zeigen, wie die Ägypter und Kuschiten durch die siegreiche assyrische Macht behandelt werden. Wenn diese Nationen ( Ägypten und Kusch ) den Assyrern in die Hände fallen, werden die Einwohner Judas, die sich bei diesen beiden Ländern Hilfe erhoffen, Furcht haben und sich schämen (V. 5 ). Die Menschen werden erkennen, daß sie keine Möglichkeit zu entkommen haben, wenn selbst Ägypten und Kusch vor Assyrien fallen (V. 6 ). Juda wird dann auf den Herrn vertrauen und bei ihm Schutz suchen, nicht in dem Bündnis mit fremden Nationen, über das es jetzt nachdenkt.



7. Die Wüste
( 21,1 - 10 )


Da in diesem Abschnitt Elam (V. 2 ), Medien (V. 2 ) und Babel (V. 9 ) erwähnt werden, nehmen viele Ausleger an, daß sich Jesaja auf den Fall Babylons unter das Medo-Persische Reich im Jahr 539 v. Chr. bezieht. Andere Stellen jedoch, die von dem Fall der Stadt Babel im Jahr 539 reden, stellen diesen als etwas dar, worüber sich Israel freut (weil er sehr bald zur Rückkehr der Juden in ihre Heimat führte). Hier jedoch ist dieser Fall ein Ereignis, das Schrecken verbreitet und das man fürchten muß. "Die Wüste am Meer" bezieht sich höchstwahrscheinlich auf das Gebiet, das heute als Persischer Golf bekannt ist, ein Gebiet also, in dessen Nähe die Stadt Babel lag.

Jesaja hat, wie schon gesagt, in seinen bisherigen Weissagungen ( Jes 13-20 ) von dem assyrischen Eindringen in andere Länder der damaligen Welt und die Folgen für das syrisch-palästinensische Gebiet geschrieben. 722 v. Chr. revoltierte ein chaldäischer Prinz aus dem Gebiet des Persischen Golfes namens Marduk-apal-iddina (in Jes 39,1 Merodach-Baladan genannt) gegen Assyrien, eroberte Babel und wurde zu dessen König gekrönt. Elam, ein Volk im Nordosten von Babylon, unterstützte diese Revolte. Erst 710 v. Chr. konnte Sargon Marduk-apal-iddina wieder aus Babel vertreiben. Nach dem Tod Sargons (705) lehnte sich Marduk-apal-iddina mit Hilfe elamitischer Truppen gegen Sanherib auf. 702 schließlich schlug Sanherib ihn (und Elam) und zerstörte seine Heimatregion am Persischen Golf. Ohne Zweifel spricht Jesaja hier prophetisch von diesem Ereignis. Hiskia, König von Juda, und mit ihm andere Glieder des königlichen Rates, hielten Marduk-apal-iddina für geeignet, die Macht des assyrischen Reiches zu brechen. Jesaja dagegen warnt sie, daß dies nicht eintreten wird.



Jes 21,1


In seiner Weissagung (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,1 ) sieht Jesaja eine Invasion aus der Wüste von dem Meer her kommen (d. h. eine Invasion Babylons von der Golfregion her), wie ein heranbrausender Wüstensturm . Der Angreifer ist wahrscheinlich Marduk-apal-iddina (Merodach-Baladan), der plötzlich aus der Wüstengegend kommt und gegen Assyrien revoltiert.



Jes 21,2


Gott gibt Jesaja eine Vision über den babylonischen Aufstand gegen Assyrien. Der Prophet hört, wie Elam und Medien (nördlich von Elam) zum Kampf für die Befreiung Babylons von den Assyrern gerufen werden. Ich bezieht sich auf den Angreifer (vgl. die Anmerkungen zu V. 1 ). Er sagt von sich, daß er allem Seufzen ein Ende machen will, das durch den Verräter gekommen ist, das assyrische Reich, das alle Nationen jener Gegend "seufzen" läßt unter den Verwüstungen, die durch seine Eroberungen ausgelöst werden. Marduk-apal-iddina war anscheinend der Meinung, daß er das assyrische Vordringen stoppen und dadurch die gesamte Region befreien könne.



Jes 21,3-5


Nun stellt Jesaja seine eigenen Gefühle dem Verhalten der Menschen um sich herum gegenüber. Er hat Schmerzen wegen seiner Vision, die er verkündigen soll, wie eine Gebärende , ein von Propheten oft benutzter Vergleich (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,8 und auch die Stelle in Jes 26,17 ). Erschrocken zittert er und ist von Furcht ergriffen (vgl. Jes 15,5-7; 22,4 ). Die Menschen um ihn herum dagegen leben, als würde nichts geschehen. Sie feiern fröhliche Feste ( Jes 21,5 a) und erkennen die Bedeutung der Ereignisse nicht. Vielleicht spielt Jesaja damit auf die Feste an, die sie feierten, als Marduk-apal-iddinas (Merodach-Baladans) Männer nach Jerusalem kamen ( Jes 39 ). Jesaja erkennt, daß auch Babylon unter Marduk-apal-iddinas Herrschaft nicht ändern kann, was Gott bestimmt hat. Statt zu essen, sollten sie sich also lieber auf den Kampf vorbereiten, was durch die Worte salbt den Schild angedeutet wird. Schilde, die aus den Häuten von Tieren hergestellt wurden, mußten mit Olivenöl eingerieben werden, damit sie nicht brachen.


Jes 21,6-10 a


Gott sagt Jesaja, daß er einen Wächter aufstellen soll für den Kampf zwischen Babylon und Assyrien. Er soll sich von jedem, der vorbeikommt, über den Stand des Kampfes berichten lassen (V. 6 - 7 ). Dieser Wächter steht nun Tag für Tag und hält Ausschau, bis schließlich jemand mit der Botschaft kommt, daß Babel gefallen ist und seine Götter zerschlagen auf dem Boden liegen (V. 9 ). Diese Botschaft hat auf das Volk von Juda, das hoffte, die babylonische Revolte würde erfolgreich enden, eine niederschmetternde Wirkung. Es hatte gehofft, daß das Bündnis zwischen Hiskia und Babylon die assyrische Herrschaft beenden würde. Aber es sollte nicht so sein. Sanherib warf Marduk-apal-iddina aus Babel hinaus, und schließlich zerstörte der assyrische König, wie schon gesagt (vgl. den Kommentar zu Jes 13 ), im Jahr 689 v. Chr. die Stadt völlig. Babels Fall schien wie der Fall der letzten Festung zu sein. Nun würde nichts mehr das assyrische Reich aufhalten können. Juda fühlt sich zerstoßen wie Korn, das auf dem Dreschboden liegt (vgl. Jer 51,33 ).

a

Jes 21,10 b


Jesaja betont noch einmal, daß seine Botschaft von Gott ist. Er gibt nur weiter, was er von dem Herrn Zebaoth gehört hat (vgl. die Anmerkungen zu Jes 1,9 ). Juda darf sich nicht darauf verlassen, daß Babylon es retten werde. Dieser Mann aus der Wüste am Meer (Marduk-apal-iddina) wird keinen Erfolg haben.



8. Edom
( 21,11 - 12 )


Jes 21,11-12


Diese kurze Weissagung (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,1 ) scheint sich gegen Edom zu richten, da Ser erwähnt wird ( Jes 21,11 ). Ser ist ein anderer Name für Edom, denn die Berge von Ser wurden Esau und seinen Nachkommen zum Besitz gegeben ( Jos 24,4 ). Der Name Duma könnte ein Wortspiel zu "Edom" sein, denn Duma bedeutet Stille oder Ruhe. Der Wächter in dieser Weissagung sieht dann keine Aktivitäten. Wahrscheinlicher jedoch ist, daß Duma eine Wiedergabe von Udumu oder Udumai ist, der akkadischen Bezeichnung für Edom. Sowohl Tiglat-Pileser (734) als auch Sargon (711) erwähnen, daß sie von Udumu Tribut genommen haben. Gab es irgendein Anzeichen für eine Veränderung in der politischen Situation Edoms? Nein, jedenfalls nicht in nächster Zeit. Selbst wenn der Morgen kommt, wird eine weitere Nacht folgen. Es sah nicht danach aus, als würde sich die Lage bald ändern.



9. Arabien
( 21,13 - 17 )


Jes 21,13-17


Der Hintergrund auch dieser Weissagung (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,1 ) ist die assyrische Bedrohung. Die Dedaniter ( Jes 21,13 ) waren ein Stamm aus Süd-Arabien. Tema war eine wohlbekannte Oase im Nordwesten von Arabien (V. 14 ; vgl. Hi 6,19; Jer 25,23 ), und Kedar ( Jes 21,16-17 ; vgl. Jes 42,11 ) lag im nördlichen Arabien. Es geht in diesen Versen um die notvollen Zeiten, die die Menschen von Arabien durch die Hand der Assyrer bald erleben werden. Innerhalb eines Jahres wird Kedars Herrlichkeit untergehen (Kedar war wegen seiner herrlichen, schwarzen Zelte wohlbekannt; Ps 120,5; Hl 1,5 ; vgl. auch Jer 49,28-29 ). Die Soldaten von Kedar werden eine große Niederlage erleben ( Jes 21,16-17 ). Die Araber werden als Flüchtlinge vor dem Schwert um ihr Leben laufen. Diese Weissagung wird erfüllt werden, denn der Herr, der Gott Israels, hat sie gesprochen (V. 17 ). Im Jahr 715 schriebSargon II., daß er mehrere arabische Stämme besiegt und nach Samarien deportiert habe.



10. Jerusalem ( Jes 22 )


Die Kapitel 13 - 23 sind mehr als nur ein Katalog der Gerichte über verschiedene Völker. Sie sprechen auch darüber, wie diese Völker auf die assyrische Bedrohung zur Zeit Jesajas reagieren. Jerusalem, das "Schautal", stand ebenfalls unter Gottes Gericht und mußte sich dieser Bedrohung stellen. Daß Jesaja hier von Jerusalem spricht, wird aus Jes 22,9-10 deutlich.



a. Gericht gegen Jerusalem
( 22,1 - 14


Es ist nicht eindeutig zu klären, von welcher assyrischen Invasion Jesaja in diesen Versen spricht. Vielleicht war es der Angriff durch Sanherib, der Jerusalem 701 v. Chr. belagerte ( Jes 36-37 ). Aus Gottes Sicht war der Zweck dieser Belagerung, Juda zur Umkehr zu ihm und zur Abkehr von seinen Sünden zu bewegen. Leider reagierte das Volk nicht in dieser Weise auf den Angriff, sondern führte lustvolle Gelage durch ( Jes 22,2 ) und befestigte die Verteidigungsanlagen der Stadt (V. 8 - 11 ).



Jes 22,1-4


Diese Weissagung (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,1 ) wendet sich an das Schautal (vgl. Jes 22,5 ). Oft wird Jerusalem als Berg angesprochen (z. B. Berg Zion). Hier dagegen wird die Stadt als Tal bezeichnet. Auch dies stimmt, denn ein Tal - das Kidrontal - verläuft zwischen zwei Hügeln, direkt im Osten der Stadt. Aus dieser Stadt offenbart sich Gott selbst Jesaja. Deshalb wird es das Schautal (manche Übersetzungen sagen "Tal der Gesichte") genannt. Jerusalem ist mit Menschen gefüllt (in Lärmen und Toben ; vgl. V. 5 ), die aus den umliegenden Städten Judas kommen. (Sanherib schreibt, daß er 46 Städte von Juda erobert habe.) Die Führer ( Hauptleute ) waren weggelaufen oder von den Assyrern gefangengenommen worden (V. 3 ). Die Menschen, die noch innerhalb der Stadt waren, gingen auf die flachen Dächer (V. 1 ), um die Feinde außerhalb der Stadtmauern zu beobachten. Weil dieser assyrische Angriff viele aus Jesajas Volk zerstört hat (V. 4 ), weint und klagt er (vgl. seine Zerknirschung in Jes 15,5-7 und Jes 21,3-4 ).



Jes 22,5-8 a


Jerusalem wird belagert, und die Menschen innerhalb der Stadtmauern können nichts dagegen tun. Sie erkennen, daß dieses Vordringen des Feindes bis an die Mauern Jerusalems ein Tag des Gerichtes ist, der durch den Herrn, den Herrn Zebaoth (vgl. V. 12.14 - 15.25 ), gekommen ist. Der Angriff ist nicht zufällig, er kommt wegen dem Ungehorsam des Volkes (vgl. V. 12 - 14 ). In der Stadt leben die Menschen in Aufruhr und Schrecken , weil sie den Feind sehen, wie er draußen lagert und auf eine Gelegenheit wartet, in die Stadt einzudringen, um sie zu plündern und zu verbrennen (V. 5 ). Die hebräischen Worte für "Aufruhr", Zertreten und "Schrecken" klingen sehr ähnlich. Sie lauten m+hUmCh , m+BUsCh und m+BUKCh . Soldaten aus Elam , östlich von Assyrien, mit seiner Hauptstadt Susa, und Kir , vielleicht eine assyrische Provinz ( 2Kö 16,9; Am 1,5; 9,7 ), verstärken das assyrische Heer. Vielleicht hat Jesaja diese beiden Gebiete des assyrischen Reiches herausgegriffen, um so (wie in einer Klammer) anzudeuten, daß Truppen aus dem gesamten Reich sich nun vor Jerusalems Toren versammeln werden. Feindliche Streitwagen sind in den Tälern rund um Jerusalem zu finden, und bei den Toren der Stadt stehen Feinde mit ihren Pferden zum Angriff bereit ( Jes 22,7 ). Da Juda keine Möglichkeit zur Verteidigung hat, ist dies sicher eine Zeit voller Furcht!


Jes 22,8-11 (Jes 22,8b-11)


Man würde erwarten, daß das Volk in solch einer schwierigen Zeit zu Gott umkehrt und Buße tut. Ganz offensichtlich kann sich die Stadt nicht selbst befreien (V. 8 a). Dennoch versuchen die Menschen in ihrem sündigen Wesen noch immer, ihre eigenen Wege zu gehen. Statt auf Gott und seinen Schutz zu vertrauen, wollen sie sich auf ihre eigene Kraft verlassen. So holen sie die Waffen aus dem Palast des Waldes heraus, den Salomo gebaut hatte ( 1Kö 7,2 ; vgl. 1Kö 10,17.21 ). Diesen Namen erhielt der Bau wegen der großen Zedern-Säulen, die aus dem Libanon nach Jerusalem gebracht worden waren. Offensichtlich lagerte man in diesem Gebäude zur Zeit Jesajas Waffen.

Unter der Bedrohung durch Sanherib ergriff Hiskia verschiedene Verteidigungsmaßnahmen: (a) Er erneuerte zerstörte Teile der Mauer (vgl. 2Chr 32,5 ) der Stadt Davids (vgl. 1Sam 5,7.9 ); (b) er sammelte Wasser im unteren Teich (vgl. 2Chr 32,4 ); (c) er riß einige Häuser ab, um Baumaterial für die Reparatur der Mauer zu haben; und (d) er bewahrte den Wasservorrat der Stadt in einem Vorratsbecken zwischen den beiden Mauern auf. Die genaue Lage dieses Vorratsbeckens sowie die Bedeutung der beiden Mauern und des Alten Teiches sind nicht bekannt. Vielleicht ist mit dem Wasser-Reservoir der Teich von Siloah gemeint, den Hiskia mit der Gihon-Quelle verband ( 2Chr 32,30 ) durch einen heute berühmten unterirdischen Wassertunnel, der eine Länge von 533 Metern hat und durch massiven Fels geschlagen wurde. Dieses großartige Stück technischen Könnens jener Zeit hatte Erfolg. Aber es kann doch die Nation nicht retten, denn die Menschen weigern sich, bei Gott Hilfe zu suchen, der sie doch vor langer Zeit mit Wasser versorgt hat.



Jes 22,12-14


Eigentlich müßte der Anblick der Feinde die Menschen zur Umkehr bringen, weil sie ihre Hilflosigkeit gegenüber den Assyrern erkennen. Das Ausreißen des Haares (vgl. Esr 9,3; Neh 13,25 ) und Tragen von Sackleinen (vgl. die Anmerkungen zu Jes 3,24 ) waren Zeichen der Trauer. Aber statt zu trauern ( Jes 22,12 ), leben die Menschen Jerusalems richtiggehend auf in ihren Festen (vgl. V. 2 ), Gelagen und beim Weintrinken trotz ihres unausweichlich bevorstehenden Todes ( morgen werden wir sterben ; V. 13 ). Sie glauben nicht, daß Gott mächtig genug ist, sie zu retten und zu seinen Verheißungen zu stehen. Deshalb trifft sie das Wehe, das Jesaja ihnen verkündigen muß: Die Sünde des mangelnden Vertrauens auf den HERRN wird nicht vergeben werden . Der Fluch des mosaischen Bundes ( 3Mo 26,13-39; 5Mo 27,15-26; 28,15-68 ) wird sie schließlich treffen.

 

b. Gericht gegen Schebna
( 22,15 - 25 )


Jes 22,15-19


Der Grund für diesen Abschnitt des Gerichts (V. 15 - 25 ) wird nicht ausdrücklich genannt. Schebna war ein hoher Beamter des königlichen Hofes, ein Hofmeister , der an den Verhandlungen mit Sanherib während dessen Belagerung Jerusalems teilnahm ( 2Kö 18,18.26.37; 19,2; Jes 36,3.11.22; 37,2 ). Manche Ausleger meinen, daß seine Stellung als Hofmeister (Sekretär) des Palastes ihm einen Platz direkt nach dem König zuwies. Warum er aus dieser wichtigen Stellung enthoben werden wird, ist nicht bekannt. Vielleicht stellte er sich gegen die Botschaft Jesajas vom kommenden Gericht. Offensichtlich denkt er genauso wie die Bewohner Jerusalems, die Jesaja gerade beschrieben hat ( Jes 22,2.11-13 ).

Die Gottlosigkeit von Schebna zeigt sich auch darin, daß er versucht, sich einen bleibenden Namen zu schaffen, indem er sich ein Grab einrichtet, wie dies in den umliegenden Nationen jener Zeit durchaus üblich war. Vielleicht dachte er, daß sein Name weiterleben werde, wenn er in einem berühmten Grab (auf der Höhe) begraben werden würde. Jesaja aber weissagt Schebna, daß er, anstatt eine bleibende Ruhestätte zu bekommen, abgesetzt werden wird und in einem großen, fremden Land sterben wird , womit wohl Assyrien gemeint ist. Außer dieser Prophezeiung des Jesaja haben wir über sein weiteres Ergehen keine Berichte.



Jes 22,20-25


Eljakim , der Palastverwalter und ein frommer Mann, wird Schebnas Stellung einnehmen (V. 20-21 ). Auch Eljakim war an den Verhandlungen mit Sanherib beteiligt ( 2Kö 18,18.26.37; Jes 36,3.11.22;37,2 ). Er wird ein geachteter Führer sein (wie ein Vater für die Bewohner Judas) und ein treuer Verwalter, der weise Entscheidungen trifft ( Jes 22,22 ). Im Gegensatz zu Schebna, der verworfen wird, wird Eljakim wie ein gut eingeschlagener Nagel sein (V. 23 a), ein fester Halt für das Volk. Er wird ein ehrbarer Mensch sein (V. 23 b), und der Name seiner Familie wird unbedeutenden (bildlich kleine Gefäße ) wie auch einflußreicheren Menschen ( Trinkgefäße und Krüge ) wohlbekannt sein. Dennoch warnt Jesaja, daß auch dieser Nagel einmal nachgeben wird (V. 25 ). Schließlich wird das Königreich von Juda weggenommen, und die Menschen werden in die Gefangenschaft geführt werden.



11. Tyrus ( Jes 23 )


a. Eine Prophezeiung über den Untergang von Tyrus
( 23,1 - 14 )


Wie bei den anderen Prophezeiungen auch ( Jes 13-22 ) geht es hier um die assyrische Bedrohung gegen Ende des achten Jahrhunderts v. Chr. Tyrus selbst wurde zwar erst etwa 200 Jahre später zerstört, aber der ausgedehnte Handel dieser großen Stadt hörte bereits zwischen 700 und 630 v. Chr. auf.



Jes 23,1


Diese Weissagung (vgl. die Anmerkungen zu Jes 13,1 ) beginnt mit einem Aufruf an die im Mittelmeer befindliche Truppe von Handelsschiffen, zu heulen ( Jes 23,14 ). Zu Schiffe von Tarsis siehe den Kommentar zu Hes 27,25 (vgl. Jes 23,14; 60,9 ). Diese Schiffe ankerten bei der Insel Zypern , etwa 240 Kilometer nordwestlich von Tyrus, als sie die Nachricht der Zerstörung von Tyrus erreichte.





Jes 23,2-5


Phönizien mit seinen beiden großen Stadthäfen Tyrus (V. 1.8.15.17 ) und Sidon (V. 2.4.12 ) war wirtschaftlich vom Schiffahrtshandel abhängig. Die Phönizier lebten von den Waren, die sie durch den internationalen Handel bekamen, und die anderen Länder, zu denen auch die Insel Zypern gehörte, profitierten ebenfalls davon. Korn aus Ägypten gehörte zu den Waren, die durch die phönizischen Handelszentren Tyrus und Sidon weitergeleitet wurden. Schihor (vgl. Jos 13,3; 1Chr 13,5; Jer 2,18 ) lag in Ost-Ägypten und war vielleicht der Name eines Nil-Nebenflusses. Das Korn von Schihor meint Korn, das auf dem vom Nil gewässerten fruchtbaren Land gewachsen war. Der Reichtum von Sidon und Tyrus (die Feste) war nicht durch eigene Arbeit zustande gekommen. Er kam durch den Handel mit den Mittelmeer-Staaten. So kann also das Meer, sozusagen personifiziert, sagen, daß es keine Geburt durchlebt hat. Es hat schnellen Reichtum geschaffen, ohne durch Schmerzen zu gehen ( Jes 23,4 ; vgl. Jes 66,7-8 ). Der Untergang, der Tyrus nun bevorsteht, ist nicht nur für Phönizien schlimm. Er ist auch für die Länder schlimm, aus denen die Handelsgüter stammen, wie z. B. Ägypten ( Jes 23,5 ).



Jes 23,6-9


Auch die Menschen in Tarsis sollen wegen ihres wirtschaftlichen Verlustes klagen (vgl. V. 1.5.14 ). Tarsis war reich an Silber ( Jer 10,9 ), Eisen, Zinn und Blei ( Hes 27,12 ). Daher lag Tarsis vermutlich im westlichen Mittelmeerraum, wo es große Mineral- und Erzvorkommen gab. Viele Ausleger sehen in Tarsis die Stadt Tartessus, die im Südwesten von Spanien lag. Die Menschen dieser Region werden verzweifelt sein, wenn dieses große Handelszentrum gefallen ist, Tyrus, eine fröhliche Stadt (vgl. Jes 23,12 ) und eine alte Stadt. Nach Herodot wurde Tyrus gegen 2700 v. Chr. gegründet. Die Menschen von Tyrus jedenfalls müssen erkennen, daß ihre Schwierigkeiten direkt von dem Gott Israels kommen. Der Herr Zebaoth (V. 9 ) hat die Demütigung dieser großen und reichen Stadt ( die Krone ), die so stolz ist über ihre Herrlichkeit und so anerkannt für ihre wirtschaftlichen Beziehungen, geplant.

Jesaja

Jes 23,10-14


In der gesamten Mittelmeerregion - von Tarsis im Nordwesten bis zum Nil im Südosten und Zypern im Nordosten (V. 10.12 ) - werden die Menschen klagen und weinen über den Untergang Phöniziens (V. 11 ). Die Phönizier werden ebenso schutzlos sein wie die Babylonier, die durch die Assyrer geschlagen werden (V. 13 ; vgl. Jes 21,1-10 ). Das Feiern wird in Sidon aufhören, wie wohl auch das Feiern in Tyrus enden wird (vgl. Jes 23,7 ). (Zu Jungfrauen-Tochter vgl. die Anmerkungen zu Jes 47,1 .) Die Flucht nach Zypern wird nicht helfen. Die Handelsschiffe von Tarsis fordert Jesaja auf, zu heulen, weil das große Welthandelszentrum des Mittelmeerraumes untergehen wird (V. 14 ; vgl. V. 1 ).



b. Eine Prophezeiung über die Zukunft von Tyrus
( 23,15 - 18 )


Jes 23,15-18


Die 70 Jahre , von denen Jesaja spricht (V. 15 ), beziehen sich wahrscheinlich auf die Zeit zwischen 700 und 630 v. Chr. Während dieser Zeit war der phönizische Handel durch die Assyrer stark eingeschränkt. 701 setzte Assyrien Tubu'alu (Etbaal III.) über Tyrus. Gegen 630 jedoch schwand die Macht Assyriens, so daß Tyrus wieder seine Autonomie erreichen und den Handel aufbauen konnte.

Diese Spanne von 70 Jahren wird auch die Zeit, die ein König lebt, genannt (vgl. Ps 90,10 ). Aber nach 70 Jahren wird Tyrus wieder ein Welthandelszentrum werden, wie eine Prostituierte ( Jes 23,15-17 ), die vergessen worden war, aber nun wieder ihr unrechtes Treiben aufnimmt und zu singen beginnt, um Liebhaber anzuziehen. Tyrus wird wieder seinen Handel mit verschiedenen Völkern aufnehmen. Jetzt aber wird der Gewinn aus diesem Handel denen zugute kommen, die den Herrn fürchten (V. 18 ). Was Jesaja hier genau meint, ist nicht eindeutig. Manche Ausleger glauben, daß sich die 70 Jahre nicht auf die Zeit zwischen 700 und 630 v. Chr. beziehen, sondern daß damit auf die Zeit der babylonischen Gefangenschaft Judas (605 - 536 v. Chr.) angespielt wird. Am Ende dieser Jahre wurden Materialien aus Tyrus für den Aufbau des Tempelkomplexes in Jerusalem benutzt. Aber während dieser Jahre war der Handel von Tyrus in keiner Weise eingeschränkt (wenn man einmal von der 13jährigen Belagerung der Stadt durch Nebukadnezar von 587 bis 574 absieht).



D. Gericht und Königreichs-Segen
( Jes 24-27 )


Gottes Gericht über die Völker durch die assyrischen Angriffe ( Jes 13-23 ) bilden den Hintergrund für das letzte Gericht des Herrn über die ganze Welt ( Jes 24,1.4 ). Die Kapitel 24 - 27 , bekannt als "Jesajas Apokalypse", beschreiben die Zerstörung der Welt und das ungeheure Leiden der Menschen während der kommenden Trübsal wie auch den Segen, der im Tausendjährigen Reich folgen wird.



1. Eine Zeit des Gerichtes
( Jes 24 )


Jes 24,1-3


Die kommende Zerstörung und der Untergang der ganzen Erde ("Erde" wird in diesem Kapitel 16mal benutzt) wird durch das direkte Eingreifen des Herrn kommen und alle Schichten der Gesellschaft betreffen. Wer eine höhere Stellung einnimmt, wird dadurch keinerlei Vorteile haben, denn alle werden unter Gottes Gerichtshand stehen (V. 2 ). Die Welt wird wüst und völlig beraubt sein (V. 3 ; vgl. Offb 6,8-9.15-16 ). Ganz sicher wird dies geschehen, denn der Herr hat es gesagt.



Jes 24,4


Unter diesem weltweiten Gericht wird die Erde austrocknen. Selbst Menschen der Oberschicht (die Höchsten ) werden verschmachten. Vor diesem eschatologischen Gericht wird niemand verschont werden.



Jes 24,5


Der Grund für eine solche Zerstörung liegt darin, daß die Menschen nicht gelebt haben, wie sie sollten, sondern die Erde entweiht haben. Als Gott die Erde geschaffen hatte, da war sie "sehr gut" ( 1Mo 1,31 ). Aber die Menschen haben durch ihre Sünde diese gute Erde entweiht, indem sie seinen Ordnungen ungehorsam sind, seine Gebote verletzen und seinen ewigen Bund brechen. "Der ewige Bund" meint vermutlich weder den Abraham-, noch den Mose-Bund, sondern die Verpflichtung, die jeder Mensch in sich trägt, Gottes Wort zu gehorchen. Von Anfang an lehnt der Mensch es ab, nach Gottes Wort zu leben ( 1Mo 2,16-17; 3,1-6 ; vgl. Hos 6,7 ) und Gottes Offenbarung zu gehorchen.



Jes 24,6-13


Weil die Menschen die Erde durch ihre Sünden (V. 5 ) "entheiligt" haben, wird das Gericht kommen. Sie müssen die Folgen ihrer Schuld tragen. Gottes Gericht wird einem brennenden Feuer verglichen, das alle außer einigen wenigen auf der Erde verzehrt (V. 6 ). Wenn diese Zerstörung der Erde eintritt, werden Weinstöcke verdorren, und Musik (mit Pauken und Harfen) und Feste werden aufhören (V. 7 - 9.11 ). Die Frucht des Weinstocks wird in der Bibel oft als Bild für Freude benutzt (z. B. Jes 16,9; Sach 10,7 ). Die Stadt ( Jes 24,10 ; vgl. Jes 25,2 ), hier stellvertretend für die ganze Erde ( Jes 24,13 ), wird in Trümmern liegen, und alle ihre Häuser werden unbewohnt sein. Wenn Gott seinen Zorn über die gottlose Welt in der Trübsalszeit ausschüttet, wird alles verwüstet und finster sein. Kaum etwas wird übrigbleiben, wie nach der Ernte von Oliven (vgl. Jes 17,6 ) oder Trauben.



Jes 24,14-16 a


Das Wort sie bezieht sich vermutlich auf die Gerechten, die nach diesem Gericht Gottes noch auf der Erde sein werden. Obwohl sie zahlenmäßig nur wenige sind (V. 6 ), werden sie sich doch darüber freuen, daß die Erde von der Sünde der Menschen gereinigt ist. Sie werden ihre Stimmen erheben und ausrufen, um die Herrlichkeit des HERRN, des Gottes Israels, zu verkünden. Überall - im Westen (V. 14 ), im Osten (V. 15 ), auf den Inseln im Meer (V. 15 ) und bis an die