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Joel Walvoord


Joel (Robert B. Chisholm, Jr.)


EINLEITUNG


Verfasserfrage und Entstehungszeit


Das Buch wird Joel, dem Sohn Petuels, zugeschrieben (Joe 1,1). Anders als bei den meisten anderen prophetischen Büchern finden wir in den einleitenden Versen keinen Hinweis auf die zeitliche Eingrenzung seiner Wirksamkeit. Man kann also nur aus inneren Hinweisen etwas über die Abfassungszeit erfahren.

Verschiedene Datierungen sind dabei vorgeschlagen worden. Sie reichen vom neunten bis ins zweite Jahrhundert v. Chr. Drei Meinungen sollen hier dargestellt werden.

1. Eine frühe vorexilische Abfassungszeit. Jene Ausleger, die eine frühe Abfassungszeit vertreten (neuntes Jahrhundert v. Chr.), weisen auf die Stellung des Buches Joel im hebräischen Alten Testament hin (zwischen Hosea und Amos) und die Erwähnung von Tyrus, Sidon, den Philistern, Ägypten und Edom als Feinde des Volkes (Joe, 4,4.19). Hobart Freeman schreibt: "Die Erwähnung dieser Völker ist ein starker Hinweis auf eine vorexilische Abfassungszeit des Buches, da sie in der vorexilischen Zeit die Feinde Judas waren, nicht die späteren Völker Assyrien, Babylon und Persien" (An Introduction to the Old Testament Prophets. Chicago: Moody Press, 1968, S. 148; vgl. auch Gleason A. Archer, Jr., A Survey of Old Testament Introduction. Chicago: Moody Press, 1974, S. 305).

Diese beiden Argumente sind jedoch nicht wirklich schlüssig. Die Stellung im Kanon ist nicht entscheidend, vor allem wenn man beachtet, daß die LXX das Buch Joel anders einordnet. Auch die alttestamentlichen Propheten aus der Zeit Babylons verkündigen Weissagungen gegen die erwähnten Völker (vgl. Jer 46-47; 49,7-22; Hes 27-30; Zeph 2,4-7). Wer eine späte vorexilische Abfassungszeit vertritt, könnte argumentieren, daß in Joe 2 die Babylonier so deutlich beschrieben werden, daß eine ausdrückliche Identifizierung nicht nötig war für eine Zuhörerschaft, die sich ihrer bedrohlichen Gegenwart am Horizont bewußt war.

Manche wollen eine frühe Abfassungszeit (in der Zeit der Regierung von Joas) durch die im Buch Joel angedeutete Regierungsform (Älteste [ Joe 1,2;2,16] und Priester [Joe 1,9.13;2,17] die herrschen, da Joas bereits im Alter von sieben Jahren König wurde) und sprachliche Parallelen zu anderen prophetischen Büchern stützen (Archer, A Survey of Old Testament Introduction, S. 304f). Diese Argumente sind jedoch ebenfalls nicht schlüssig, da auch die späteren Propheten ähnliche Texte enthalten.

Mehrere Einzelheiten des Buches (vgl. bes. Joe 4,2.6) scheinen gegen eine frühe Abfassungszeit (zur Zeit von Joas) zu sprechen (vgl. S. R. Driver, The Books of Joel and Amos, S. 14f).

2. Eine späte vorexilische Abfassungszeit. Die Meinung, daß das Buch Joel aus einer späten vorexilischen Zeit stammt, hat viele Argumente auf seiner Seite. Wenn man es zwischen 597 und 587 v. Chr. datiert (mit Wilhelm Rudolph, Joel-Amos-Obadja-Jona. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 1971, S. 24 - 28), dann bezieht sich Joe 4,2 b (mit seiner Erwähnung der Zerstreuung des Volkes Gottes und der Teilung des Landes) auf die babylonische Invasion von 597 v. Chr., als 10 000 der besten Männer Judas deportiert wurden (vgl.2Kö 24,10-16). Dies würde auch die Erwähnung des Tempels erklären (Joe 1,9.13;2,17), denn dieser wurde erst 586 v. Chr. zerstört (vgl. 2Kö 25,9). Zugleich würde dies bedeuten, daß in Joe 1,15 und Joe 2,1-11 die endgültige Zerstörung Jerusalems angedeutet wird (die 586 v. Chr. geschah; vgl.2Kö 25,1-21).

Dann würde die Weissagung Joels auch gut mit jenen anderen Stellen übereinstimmen, in denen der "Tag des Herrn" (oder "Tag des Zornes des Herrn" oder "Tag des Grimmes des Herrn") mit jenem Ereignis verbunden ist (vgl. Kl 1,12; 2,1.21.22; Hes 7,19; 13,5; Zeph 2,2-3). Joels Beschreibung (Joe 2,1-11) würde mit der Beschreibung der Babylonier durch Jeremia übereinstimmen (vgl. Jer 5,17). Die Erwähnung des Sklavenhandels zwischen den Phöniziern und den Griechen (oder Ioniern) in Joe 4,6 paßt ebenfalls gut zu jener späten vorexilischen Periode. Auch Hesekiel spricht davon (Hes 27,13). Arvid S. Kapelrud zeigt, daß der ionische Handel im siebten und im frühen sechsten Jahrhundert v. Chr. sehr stark florierte (Joel Studies, S. 154 158).

Trotz der Attraktivität dieser Meinung gibt es aber Schwierigkeiten im Verständnis von Joe 2,18-19 .Dieser Abschnitt scheint von der Gnade Gottes zu der Generation Joels zu sprechen und anzudeuten, daß sie wirklich umgekehrt ist (vgl. die Anmerkungen zu diesen Versen). Wenn dies so ist, dann wäre es schwierig, dies mit den historischen Berichten von den letzten Tagen Judas in Übereinstimmung zu bringen. Auch 2Kö 23,26-27 zeigt, daß nicht einmal die Erweckung unter Josia den Herrn erweichen konnte.

3. Eine nachexilische Abfassungszeit. Vier Argumente werden gebraucht, um eine nachexilische Abfassungszeit zu stützen:

1) Joe 4,1-2.17 bezieht sich, so wird gesagt, auf die Zerstörung Jerusalems und das babylonische Exil. In diesem Fall sprechen die Erwähnungen des Tempels in Joe 1,9.13;2,17 von dem zweiten Tempel, der durch die zurückgekehrten Juden 515 v. Chr. fertiggestellt wurde.

2) Die "Ältesten" (vgl. Joe 1,2;2,16), nicht der König, scheinen die Führer des Volkes zu sein. Dies trifft eher auf die nachexilische Periode zu (vgl. Esr 10,14).

3) Joel zitiert andere Propheten, unter ihnen auch Hesekiel (vgl. Joe 2,3 mit Hes 36,35; Joe 2,10 mit Hes 32,7 und Joe 2,27-3,1 mit Hes 39,28-29).

4) Die Erwähnung des griechischen Sklavenhandels (Joe 4,6) weist auf eine nachexilische Abfassungszeit hin.

Gegen diese Argumente könnte man folgende Einwände vorbringen:

1) Joe 4,1-2.17 könnte sich auf die Wegführung im Jahre 597 v. Chr. beziehen, nicht auf die von 586 v. Chr. (aber wie oben, unter "2. Eine späte vorexilische Abfassungszeit" gesagt, wirft dies einige Schwierigkeiten auf). Manche versuchen, Joe 4,1-2.17 im Lichte von 2Chr 21,16-17 zu verstehen (Archer, A Survey of Old Testament Introduction, S. 305). Aber die Gefangennahme der königlichen Söhne und Frauen, die hier berichtet wird, läßt sich kaum in Joe 4,2 wiederfinden.

2) Obwohl es seltsam ist, daß keine Erwähnung der Monarchie zu finden ist, kann man aus einem argumento e silentio (Argument aufgrund des Schweigens) nichts schließen. Auch vor dem Exil galten die Ältesten sehr viel in der jüdischen Gesellschaft (2Kö 23,1; Jer 26,17; Kl 5,12; vgl. Kapelrud, Joel Studies, S. 187f).

3) Was literarische Parallelen mit anderen prophetischen Abschnitten angeht, ist es immer schwierig zu entscheiden, wer jeweils wen zitiert.

4) Kapelrud hat, wie weiter oben schon gesagt, gezeigt, daß der ionische Sklavenhandel bereits im siebten Jahrhundert v. Chr. florierte.

Es ist also nicht möglich, im Blick auf die Abfassungszeit des Buches Joel zu einer eindeutigen Meinung zu kommen. Die Sprache von Joe 4,2 b scheint auf eine nachexilische Abfassungszeit hinzudeuten. Dieser Vers spricht davon, daß die Völker der Zukunft dafür gerichtet werden, daß sie das Verhalten Babylons fortgeführt und die Israeliten zerstreut sowie ihr Land zerteilt haben. Damit würden mehrere andere Beobachtungen übereinstimmen (wenn sie auch nicht als Beweise gelten können): die Erwähnung des phönizisch-ionischen Sklavenhandels, die Regierungsform, die in Israel gewesen zu sein scheint und die literarischen Parallelen mit anderen Propheten. Wenn man von einer nachexilischen Abfassungszeit ausgeht, macht die Erwähnung des Tempels als frühesten Zeitpunkt 516 v. Chr. nötig. All dies aber bleibt vage. Auch konservative Ausleger differieren verständlicherweise im Blick auf die Abfassungszeit von Joel.


Joel

BIBLIOGRAPHIE


Ahlström G W (1971) Joel and the Temple Cult of Jerusalem. Supplements to Vetus Testamentum, Bd. 21, Leiden

Allen L C (1976) The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah. The New International Commentary on the Old Testament, Grand Rapids

Driver S R (1915) The Books of Joel and Amos. The Cambridge Bible for Schools and Colleges, Cambridge

Feinberg C L (1976) The Minor Prophets. Chicago

Kapelrud A S (1948) Joel Studies. Uppsala

Keil C F (1982) "Joel". In: Commentary on the Old Testament in Ten Volumes. Bd. 10, Reprint (25 Bd. in 10), Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Co.

Price W K (1976) The Prophet Joel and the Day of the Lord. Chicago

Smith G A (o.J.) The Book of the Twelve Prophets. 2 Bd., überarbeitete Auflage, New York

Smith J M P, Ward W H und Bewer J A (1974) A Critical and Exegetical Commentary on Micah, Zephaniah, Nahum, Habakkuk, Obadiah and Joel. The International Critical Commentary, Edinburgh

Tatford F A (1982) The Minor Prophets. Bd. 1, Reprint, (3 Bd.), Minneapolis: Klock & Klock Christian Publishers

Thompson J A (1974) "The Date of Joel". In: A Light unto My Path: Old Testament Studies in Honor of Jacob M. Myers, Philadelphia

Watts J D W (1975) The Books of Joel, Obadiah, Jonah, Nahum, Habakkuk and Zephaniah. The Cambridge Bible Commentary, Cambridge

Wolff H W (1977) Joel and Amos. Übersetzt von Waldemar Janzen, S. Dean McBride, Jr., und Charles A. Muenchow, Philadelphia


Joel (Robert B. Chisholm, Jr.)


EINLEITUNG


Verfasserfrage und Entstehungszeit


Das Buch wird Joel, dem Sohn Petuels, zugeschrieben ( Joe 1,1 ). Anders als bei den meisten anderen prophetischen Büchern finden wir in den einleitenden Versen keinen Hinweis auf die zeitliche Eingrenzung seiner Wirksamkeit. Man kann also nur aus inneren Hinweisen etwas über die Abfassungszeit erfahren.

Verschiedene Datierungen sind dabei vorgeschlagen worden. Sie reichen vom neunten bis ins zweite Jahrhundert v. Chr. Drei Meinungen sollen hier dargestellt werden.

1. Eine frühe vorexilische Abfassungszeit . Jene Ausleger, die eine frühe Abfassungszeit vertreten (neuntes Jahrhundert v. Chr.), weisen auf die Stellung des Buches Joel im hebräischen Alten Testament hin (zwischen Hosea und Amos) und die Erwähnung von Tyrus, Sidon, den Philistern, Ägypten und Edom als Feinde des Volkes ( Joe, 4,4.19 ). Hobart Freeman schreibt: "Die Erwähnung dieser Völker ist ein starker Hinweis auf eine vorexilische Abfassungszeit des Buches, da sie in der vorexilischen Zeit die Feinde Judas waren, nicht die späteren Völker Assyrien, Babylon und Persien" ( An Introduction to the Old Testament Prophets . Chicago: Moody Press, 1968, S. 148; vgl. auch Gleason A. Archer, Jr., A Survey of Old Testament Introduction . Chicago: Moody Press, 1974, S. 305).

Diese beiden Argumente sind jedoch nicht wirklich schlüssig. Die Stellung im Kanon ist nicht entscheidend, vor allem wenn man beachtet, daß die LXX das Buch Joel anders einordnet. Auch die alttestamentlichen Propheten aus der Zeit Babylons verkündigen Weissagungen gegen die erwähnten Völker (vgl. Jer 46-47; 49,7-22; Hes 27-30; Zeph 2,4-7 ). Wer eine späte vorexilische Abfassungszeit vertritt, könnte argumentieren, daß in Joe 2 die Babylonier so deutlich beschrieben werden, daß eine ausdrückliche Identifizierung nicht nötig war für eine Zuhörerschaft, die sich ihrer bedrohlichen Gegenwart am Horizont bewußt war.

Manche wollen eine frühe Abfassungszeit (in der Zeit der Regierung von Joas) durch die im Buch Joel angedeutete Regierungsform (Älteste [ Joe 1,2;2,16 ] und Priester [ Joe 1,9.13;2,17 ] die herrschen, da Joas bereits im Alter von sieben Jahren König wurde) und sprachliche Parallelen zu anderen prophetischen Büchern stützen (Archer, A Survey of Old Testament Introduction , S. 304f). Diese Argumente sind jedoch ebenfalls nicht schlüssig, da auch die späteren Propheten ähnliche Texte enthalten.

Mehrere Einzelheiten des Buches (vgl. bes. Joe 4,2.6 ) scheinen gegen eine frühe Abfassungszeit (zur Zeit von Joas) zu sprechen (vgl. S. R. Driver, The Books of Joel and Amos , S. 14f).

2. Eine späte vorexilische Abfassungszeit . Die Meinung, daß das Buch Joel aus einer späten vorexilischen Zeit stammt, hat viele Argumente auf seiner Seite. Wenn man es zwischen 597 und 587 v. Chr. datiert (mit Wilhelm Rudolph, Joel-Amos-Obadja-Jona . Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 1971, S. 24 - 28), dann bezieht sich Joe 4,2 b (mit seiner Erwähnung der Zerstreuung des Volkes Gottes und der Teilung des Landes) auf die babylonische Invasion von 597 v. Chr., als 10 000 der besten Männer Judas deportiert wurden (vgl. 2Kö 24,10-16 ). Dies würde auch die Erwähnung des Tempels erklären ( Joe 1,9.13;2,17 ), denn dieser wurde erst 586 v. Chr. zerstört (vgl. 2Kö 25,9 ). Zugleich würde dies bedeuten, daß in Joe 1,15 und Joe 2,1-11 die endgültige Zerstörung Jerusalems angedeutet wird (die 586 v. Chr. geschah; vgl. 2Kö 25,1-21 ).

Dann würde die Weissagung Joels auch gut mit jenen anderen Stellen übereinstimmen, in denen der "Tag des Herrn" (oder "Tag des Zornes des Herrn" oder "Tag des Grimmes des Herrn") mit jenem Ereignis verbunden ist (vgl. Kl 1,12; 2,1.21.22; Hes 7,19; 13,5; Zeph 2,2-3 ). Joels Beschreibung ( Joe 2,1-11 ) würde mit der Beschreibung der Babylonier durch Jeremia übereinstimmen (vgl. Jer 5,17 ). Die Erwähnung des Sklavenhandels zwischen den Phöniziern und den Griechen (oder Ioniern) in Joe 4,6 paßt ebenfalls gut zu jener späten vorexilischen Periode. Auch Hesekiel spricht davon ( Hes 27,13 ). Arvid S. Kapelrud zeigt, daß der ionische Handel im siebten und im frühen sechsten Jahrhundert v. Chr. sehr stark florierte ( Joel Studies , S. 154 158).

Trotz der Attraktivität dieser Meinung gibt es aber Schwierigkeiten im Verständnis von Joe 2,18-19 .Dieser Abschnitt scheint von der Gnade Gottes zu der Generation Joels zu sprechen und anzudeuten, daß sie wirklich umgekehrt ist (vgl. die Anmerkungen zu diesen Versen). Wenn dies so ist, dann wäre es schwierig, dies mit den historischen Berichten von den letzten Tagen Judas in Übereinstimmung zu bringen. Auch 2Kö 23,26-27 zeigt, daß nicht einmal die Erweckung unter Josia den Herrn erweichen konnte.

3. Eine nachexilische Abfassungszeit . Vier Argumente werden gebraucht, um eine nachexilische Abfassungszeit zu stützen:

1) Joe 4,1-2.17 bezieht sich, so wird gesagt, auf die Zerstörung Jerusalems und das babylonische Exil. In diesem Fall sprechen die Erwähnungen des Tempels in Joe 1,9.13;2,17 von dem zweiten Tempel, der durch die zurückgekehrten Juden 515 v. Chr. fertiggestellt wurde.

2) Die "Ältesten" (vgl. Joe 1,2;2,16 ), nicht der König, scheinen die Führer des Volkes zu sein. Dies trifft eher auf die nachexilische Periode zu (vgl. Esr 10,14 ).

3) Joel zitiert andere Propheten, unter ihnen auch Hesekiel (vgl. Joe 2,3 mit Hes 36,35; Joe 2,10 mit Hes 32,7 und Joe 2,27-3,1 mit Hes 39,28-29 ).

4) Die Erwähnung des griechischen Sklavenhandels ( Joe 4,6 ) weist auf eine nachexilische Abfassungszeit hin.

Gegen diese Argumente könnte man folgende Einwände vorbringen:

1) Joe 4,1-2.17 könnte sich auf die Wegführung im Jahre 597 v. Chr. beziehen, nicht auf die von 586 v. Chr. (aber wie oben, unter "2. Eine späte vorexilische Abfassungszeit" gesagt, wirft dies einige Schwierigkeiten auf). Manche versuchen, Joe 4,1-2.17 im Lichte von 2Chr 21,16-17 zu verstehen (Archer, A Survey of Old Testament Introduction , S. 305). Aber die Gefangennahme der königlichen Söhne und Frauen, die hier berichtet wird, läßt sich kaum in Joe 4,2 wiederfinden.

2) Obwohl es seltsam ist, daß keine Erwähnung der Monarchie zu finden ist, kann man aus einem argumento e silentio (Argument aufgrund des Schweigens) nichts schließen. Auch vor dem Exil galten die Ältesten sehr viel in der jüdischen Gesellschaft ( 2Kö 23,1; Jer 26,17; Kl 5,12 ; vgl. Kapelrud, Joel Studies , S. 187f).

3) Was literarische Parallelen mit anderen prophetischen Abschnitten angeht, ist es immer schwierig zu entscheiden, wer jeweils wen zitiert.

4) Kapelrud hat, wie weiter oben schon gesagt, gezeigt, daß der ionische Sklavenhandel bereits im siebten Jahrhundert v. Chr. florierte.

Es ist also nicht möglich, im Blick auf die Abfassungszeit des Buches Joel zu einer eindeutigen Meinung zu kommen. Die Sprache von Joe 4,2 b scheint auf eine nachexilische Abfassungszeit hinzudeuten. Dieser Vers spricht davon, daß die Völker der Zukunft dafür gerichtet werden, daß sie das Verhalten Babylons fortgeführt und die Israeliten zerstreut sowie ihr Land zerteilt haben. Damit würden mehrere andere Beobachtungen übereinstimmen (wenn sie auch nicht als Beweise gelten können): die Erwähnung des phönizisch-ionischen Sklavenhandels, die Regierungsform, die in Israel gewesen zu sein scheint und die literarischen Parallelen mit anderen Propheten. Wenn man von einer nachexilischen Abfassungszeit ausgeht, macht die Erwähnung des Tempels als frühesten Zeitpunkt 516 v. Chr. nötig. All dies aber bleibt vage. Auch konservative Ausleger differieren verständlicherweise im Blick auf die Abfassungszeit von Joel.


Größere exegetische Schwierigkeiten


1. Das Heer in Joe 2,1-11 Manche meinen, daß in Joe 2,1-11 eine Heuschreckenplage beschrieben wird, entweder die aus Kapitel 1 oder eine noch schlimmere. Mehrere Faktoren sprechen für diese Deutung:

1) Die literarischen Parallelen zwischen Kapitel 1; 2 (vgl. Joe 2,2.11 mit Joe 1,6 und Joe 2,3 mit Joe 1,19 ).

2) Mehrere Einzelheiten in Joe 2,1-11 deuten darauf hin, daß von Heuschrecken die Rede ist - die große Zahl der Angreifer ( Joe 2,2.5 ), die Vernichtung des Landes ( Joe 2,3 ), die Fähigkeit der Angreifer, zu springen und zu klettern ( Joe 2,5.7 ), und die Verdunklung des Himmels ( Joe 2,10 ).

3) Offenbar besteht eine literarische Verbindung zwischen Joe 2,11 ("Sein Heer") und Joe 2,25 ("Mein großes Heer", womit die Heuschrecken gemeint sind).

4) Das "Heer" wird in Joe 2,4-5.7 mit einer richtigen Armee verglichen. Die Worte "gestaltet wie Pferde", "wie Reiter", "wie Streitwagen" und "wie Soldaten" scheinen auszuschließen, daß ein tatsächliches Heer gemeint ist (vgl. Leslie C. Allen, The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah , S. 29, und Driver, The Books of Joel and Amos , S. 28).

Wahrscheinlicher jedoch ist, daß tatsächlich ein fremdes menschliches Heer gemeint ist. Der Bericht wird entsprechend dem Rahmen aus Kapitel 1 abgefaßt und das Heer in mancherlei Hinsicht mit den dort benutzten Ausdrücken beschrieben (vgl. Hans W. Wolff, Joel and Amos , S. 42). Auf diese Weise wird die nahe Verwandtschaft und die Kontinuität zwischen der Plage aus Kapitel 1 und dem Heer aus Kapitel 2 deutlich gemacht. Beides sind Werkzeuge des Gerichtes Gottes - das eine in der Vergangenheit, das andere in der Zukunft. Heuschrecken sind gekommen - es werden noch mehr "Heuschrecken" kommen!

Mehrere Dinge unterstützen diese Sichtweise.

1) Die Heuschreckenplage aus Kapitel 1 ist Vergangenheit, die Invasion von Joe 2,1-11 steht zur Zeit Joels noch bevor (vgl. auch Joe 1,15 ). Es kann sich also nicht um das gleiche Ereignis handeln (Wolff, Joel and Amos , S. 6 f, 42). Joe 2,25 ,wo die großen Heuschrecken das "große Heer" Gottes genannt werden, spricht von dem Gericht in Kapitel 1 . Seine Folgen konnten umgekehrt, aber das Gericht konnte nicht mehr verhindert werden. Joe 2,11 dagegen spricht von einem Gericht, das noch Zukunft ist und daher verhindert werden kann (vgl. Joe 2,20 ). Deshalb kann Joe 2,25 nicht benutzt werden, um Joe 2,11 zu deuten, auch wenn die oben erwähnte literarische Parallelität besteht. Die literarische Abhängigkeit bedeutet nicht zugleich eine inhaltliche Identität, sondern lediglich die nahe Verwandtschaft der beiden Heere. Die Heuschrecken waren ein Heer, das Gott gesandt hatte ( Joe 2,25 ), das "Heer des Nordens" ist eine Armee ( Joe 2,20 ), die von ihm geführt wird ( Joe 2,11 ).

2) Das Heer aus Joe 2,1-11 wird in 2,20 "das Heer des Nordens" genannt (wörtl.: "die Nördlichen"). Heuschrecken dagegen greifen Palästina gewöhnlich vom Süden her an, nicht aus dem Norden (obwohl solche Invasionen aus dem Norden oder Nordosten nicht unbekannt sind; vgl. Allen, The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah , S. 88). Der Ausdruck "Nördliche" bezieht sich eher auf eine tatsächliche Armee, denn sowohl in der Geschichte als auch in der Eschatologie wird immer wieder von Armeen berichtet, die Palästina aus dieser Richtung kommend angreifen (so z. B. Assyrien, Jes 14,25.31 ; Babylon, Jer 6,1.22; 15,12; Hes 26,7 ,und Gog, Hes 38,15 ).

3) Der Vergleich mit Heuschrecken bei der Beschreibung der Armee in Joe 2 hat Parallelen in der Literatur des Nahen Ostens jener Zeit (vgl. John A. Thompson, "Joel's Locusts in the Light of Near Eastern Parallels", Journal of Near Eastern Studies 14. 1955: 52 - 55).

4) In den Flüchen in 5.Mose werden Heuschrecken ( 5Mo 28,38-42 ) und angreifende Armeen ( 5Mo 28,25.32-33.36-37 ) in einem engen Zusammenhang gesehen. Dies ist nur natürlich, denn beide vernichten die landwirtschaftliche Produktion ( 5Mo 28,33.51; Jes 1,7; Jer 5,17 ). Deshalb die Ähnlichkeit zwischen Joe 1,19 und Joe 2,3 .Eine assyrische Inschrift aus der Zeit von Sargon II. (722 - 705 v. Chr.) zeigt die Folgen eines angreifenden Heeres für ein Land sehr deutlich und lebhaft: "Die Stadt Aniaschtania ... und 17 Städte ihrer Nachbarschaft habe ich [Sargon] vernichtet, ich habe sie dem Erdboden gleichgemacht; an die großen Balken ihrer Wurzeln habe ich Feuer gelegt, ihre gefüllten Speicher habe ich geöffnet und meine Heere die unermeßlichen Mengen an Korn vernichten lassen. Wie Heuschreckenschwärme habe ich die Tiere meines Lagers auf ihre Wiesen getrieben, und sie haben die Pflanzen, von denen sie [die Stadt] lebte, ausgerissen; sie haben ihre Ebenen verwüstet" (D.D. Luckenbill, Ancient Records of Assyria and Babylonia . 2 Bde. Chicago: University of Chicago Press, 1926 - 1927, 2:85).

Der Vergleich mit einem Heer (in Joe 2,4-5.7 ) bedeutet nicht, daß keine wirklich Armee gemeint sein kann. Zwei Erklärungen sind hierfür denkbar. Die eine ist, daß ein Heer, wenn es unter dem Bild der Heuschrecken beschrieben wird, mit einem wirklichen Heer verglichen werden kann. Die Ähnlichkeit zeigt in diesem Fall die Realität hinter dem Bild. So sagt Freeman, daß "der Prophet auf dem Hintergrund der kürzlich geschehenen Plage aus Kapitel 1 dieses Unglück benutzt als Grundlage für seine Bildsprache" ( An Introduction to the Old Testament Prophets , S. 152). E.W. Bullinger gibt eine andere Erklärung. Er meint, daß ein Bild manchmal "nicht nur eine Ähnlichkeit, sondern den tatsächlichen Gegenstand enthält" ( Figures of Speech Used in the Bible . Grand Rapids: Baker Book House, 1968, S. 728 f). In diesem Fall zeigt die hebräische Präposition k+ , "wie, als", daß ein bestimmter Gegenstand in jeder Hinsicht wie ein anderer Gegenstand ist, so daß er an dessen Wesen Anteil hat. In Jes 1,7 b z. B. wird gesagt, daß Juda "verwüstet" wird, " als wenn es durch Fremde unterworfen würde" (d. h. es wurde tatsächlich durch Fremde unterworfen). In ähnlicher Weise sagt Jes 1,8 b, daß Jerusalem " wie eine belagerte Stadt" ist (d. h. sie ist tatsächlich belagert, vermutlich durch Sanherib). (Dennoch hat k+ in Jes 1,8-9 seine gewöhnliche Bedeutung: "wie ein Schutz" und "wie eine Hütte", V. 8 , und "wie Sodom", V. 9 .) Ein weiteres Beispiel für die Gleichsetzung durch diese Präposition ist Joe 1,15 ,wo es heißt, daß "der Tag des Herrn ... kommen wird wie eine Zerstörung von dem Allmächtigen" (d. h. es wird tatsächlich eine Zerstörung sein, die Gott herbeiführt).

Zusammenfassend kann man also sagen, daß das Heer in Joe 2,1-11 vermutlich eine tatsächliche Armee des Nordens ist, die mit dem Bild eines Heuschreckenschwarmes verglichen wird, um zu zeigen, daß sie, wie die Heuschrecken, ein Werkzeug des Herrn ist, das den Höhepunkt des Gerichtes Gottes bildet, welches durch die Heuschreckeninvasion begonnen hat.

2. "Der Tag des HERRN" bei Joel . Ohne Zweifel ist die Bedeutung des Ausdruckes "der Tag des Herrn" durch Überlieferungen beeinflußt, die von dem Eingreifen Gottes bei den frühen Kriegen Israels sprechen (vgl. Gerhard v. Rad, "The Origin of the Concept of the Day of Yahweh", Journal of Semitic Studies 4. 1959:97 - 108), aber letztlich leitet sich der Ausdruck selbst von der Vorstellung ab, die im Nahen Osten jener Zeit vorhanden war, daß ein mächtiger König eine komplette militärische Eroberung an einem einzigen Tag durchführen könnte (vgl. Douglas Stuart, "The Sovereign's Day of Conquest", Bulletin of the American Schools of Oriental Research . 220/221. Dezember 1975, Februar 1976:159 - 164). Man kann also sagen, daß "der Tag des Herrn" ganz allgemein von dem schnellen und entschiedenen Sieg Gottes über seine Feinde spricht.

Im Alten Testament kann "der Tag des Herrn" entweder als ein bestimmtes historisches Ereignis oder als ein eschatologischer Kampf verstanden werden, der am Ende des gegenwärtigen Zeitalters steht. Die folgenden Elemente sind mit diesem Ausdruck verknüpft:

1) "Der Tag des Herrn" spricht manchmal von dem Gericht über das Volk Gottes, wozu das Nordreich (durch die Hand der Assyrer; vgl. Am 5,18.20 ) und Juda (durch die Hand der Babylonier; vgl. Kl 1,12; 2,1.21-22; Hes 7,19; 13,5; Zeph 2,2-3 ) gehören. Manchmal erscheint dieses Gericht im Zusammenhang mit dem allgemeineren Gericht über alle Völker (vgl. Jes 2,12; Zeph 1,18 ).

2) "Der Tag des Herrn" spricht oft auch von dem Gericht über die Heidenvölker, so z. B. über Babylon (durch die Hand der Meder; vgl. Jes 13,6.9 ), Ägypten (durch die Hand der Babylonier; vgl. Jer 46,10; Hes 30,3 ), Edom (vgl. Jes 34,8-9 ) und die eschatologisch verstandene nördliche Koalition unter Führung von Gog ( Hes 39,8 ).

3) "Der Tag des Herrn" wird Reinigung und Erneuerung für Israel bringen (vgl. Jes 61,2; Mal 4,5 ), aber auch ungeheures Leiden ( Sach 14,1-3 ).

"Der Tag des Herrn" umfaßt also bestimmte "Tage" oder Ereignisse, die bereits Vergangenheit sind (vgl. A. J. Everson, "The Days of Yahweh", Journal of Biblical Literature 93. 1974: 329 - 337). Hierzu gehört die Vernichtung des Nordreiches, das babylonische Exil, die Eroberung Ägyptens durch Babylon und der Untergang von Babylon. Diese Beispiele für das Eingreifen Gottes in die Geschichte hinein deuten jene Zeit vor, wenn er seine Feinde endgültig und weltweit vernichten und Israel wieder erneuern wird (für eine tiefergehende Darlegung des Verhältnisses zwischen Geschichte und Eschatologie siehe Jes 13-27 ).

Im Buch Joel tauchen alle drei Elemente, die gerade aufgeführt wurden, im Blick auf den "Tag des Herrn" auf. Israels Gericht wird in Joe 1,15 und Joe 2,1-11 beschrieben, seine Befreiung in Joe 3,1-5 vorausgesehen, und das universale Gericht über alle Völker wird in Kapitel 4 dargestellt. Joel scheint viele Ereignisse in dem "Tag" des Herrn zusammen zu sehen. Während er darüber spricht, wie seine Generation dem "Tag des Herrn" nur eben entkommen ist, sieht er die endgültige Befreiung Israels von seinen Feinden am Ende der Zeiten bereits angedeutet.

Während Joel über den Tag des Herrn in der Endzeit spricht, macht er vor allem einen Aspekt dieses "Tages" besonders deutlich, nämlich jenes einzigartige Ereignis, wenn Gott in die Geschichte eingreifen wird, um seine Feinde zu vernichten und sein Volk Israel zu erneuern.

Der Tag des Herrn, wie andere Schriftstellen ihn sehen, wird jedoch noch mehr Ereignisse beinhalten:

1) Bevor die Feinde Israels vernichtet werden, werden sie Israel berauben und verwüsten ( Sach 14,1-2 ). Dies wird eine Zeit der großen Bedrängnis für Israel sein ( Zeph 1,7-18 ; vgl. Dan 12,1 ). Jesus nennt diese Zeit eine Zeit der "großen Trübsal" ( Mt 24,21 ) für das Volk.

2) Nachdem der Herr seine Feinde vernichtet hat (bei der Wiederkunft des Messias), wird der Tag des Herrn eine Zeit des Segens für Israel bringen (vgl. Ob 1,15 mit Ob 1,21 ), die als Tausendjähriges Reich bekannt ist.

3) Dann, nach diesem Tausendjährigen Reich, wird der Tag des Herrn auch die Vernichtung des gegenwärtigen Himmels und der Erde und die Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde einschließen ( 2Pet 3,10.12-13 ).

Nach den Schriftstellen außerhalb von Joel ist "der Tag des Herrn" eine längere Zeitperiode, die sowohl Gericht als auch Segen einschließt. Sie wird kurz nach der Entrückung beginnen und die siebenjährige Zeit der Trübsal, die Wiederkunft des Messias, das Tausendjährige Reich und die Erschaffung des neuen Himmels und der neuen Erde einschließen. Manche Ausleger sind dagegen der Meinung, daß die Entrückung gegen Ende der großen Trübsal geschehen und der Tag des Herrn dann erst beginnen wird (vgl. die Anmerkungen zu 1Thes 5,2; 2Thes 2,1-12 und die "Übersicht über die endzeitlichen Ereignisse, die in der Bibel vorausgesagt sind" zwischen Hes und Dan).


GLIEDERUNG


I. Die Einführung

II. Die Heuschreckenplage ( 1,2-20 )

     A. Ein einleitender Appel ( 1,2-4 )
     B. Ein Aufruf zur Klage ( 1,5-13 )
          1. Die Betrunkenen sollen klagen ( 1,5-7 )
          2. Das Land soll klagen ( 1,8-10 )
          3. Die Bauern sollen klagen ( 1,11-12 )
          4. Die Priester sollen klagen ( 1,13 )

     C. Ein Ruf zur Umkehr (1,14)
     D. Die Bedeutung der Plage ( 1,15-20 )

III. Der kommende Tag des Herrn ( 2,1-11 )

     A. Die Nähe des Herres Gottes 2,1-2 )
     B. Die zestörerische Kraft des Heeres Gottes ( 2,3-5 )
     C. Der unnachgiebige Ansturm des Heeres Gottes ( 2,6-9 )
     D. Die Unbesiegbarkeit des Heeres Gottes ( 2,10-11 )

IV. Ein erneuter Ruf zur Umkehr ( 2,12-17 )

     A. Ein Appell zur echten Herzensänderung ( 2,12-14 )
          1. Der Appell ( 2,12-13 a)
          2. Die Motivation ( 2,13 b. 13 - 14 )

     B. Ein Appell zur nationalen Beteiligung ( 2,15-17 )

V. Vergebung und Erneuerung ( 2,18-27 )

     A. Die gnädische Reaktion Gottes wird beschrieben ( 2,18 )
     B. Gott verheißt den erneuten landwirtschaftlichen Segen ( 2,19-27 )

VI. Die Verheißung einer herrlichen Zukunft ( 3,1-4,21 )

     A. Die geistliche Erneuerung und Befreiung ( 3,1-5 )
     B. Das Gericht über die Völker ( 4,1-16 )
          1. Das Gericht wird angekündigt ( 4,1-8 )
          2. Ein Aufruf zum Krieg: Das Gericht wird beschrieben ( 4,9-16 )

     C. Die schließliche Erneuerung Israel ( 4,17-21 )

AUSLEGUNG


I. Einführung
( 1,1 )


Joe 1,1


Wie schon in der Einführung gesagt, wissen wir über Joel nur, daß er ein Sohn Petuels war. Der Prophet macht zunächst deutlich, daß seine Botschaft Wort Gottes ist, aber er datiert sie nicht, d. h., er gibt nicht an, zu der Regierungszeit welches Königs von Juda oder Israel er sie erhalten oder niedergeschrieben hat (vgl. die Anmerkungen unter "Verfasserfrage und Entstehungszeit" in der Einführung ).


II. Die Heuschreckenplage
( 1,2 - 20 )


Das einleitende Kapitel beschreibt die furchtbaren Folgen einer schlimmen Heuschreckenplage, die über das Land gekommen war. Sie hatte alle landwirtschaftlichen Produkte, die Mensch und Tier zum Überleben nötig hatten, vernichtet. Aber dennoch war dies nur der Vorbote eines noch schlimmeren Unheils - der Vernichtung und Zerstörung am Tag des Herrn.



A. Ein einleitender Appell
( 1,2 - 4 )


Joe 1,2-3


Der Prophet eröffnet seine Botschaft mit einem Appell an alle, die in dem Land leben , angefangen von den Ältesten des Volkes. Sie sollen die Einzigartigkeit und Bedeutung des Unheiles erkennen, das über sie gekommen ist. Die Ältesten sind die öffentlichen Führer, die eine wichtige Funktion im Regierungs- und Gerichtssystem Israels spielten (vgl. 1Sam 30,26-31; 19,12-16; 2Kö 23,1; Spr 31,23; Jer 26,17; Kl 5,12.14 ).

Die rhetorische Frage in Joe 1,2 b erwartet eine klare, negative Antwort. Nichts innerhalb der Erfahrungswelt der Generation Joels oder ihrer Vorfahren konnte mit der kürzlich erlebten Heuschreckenplage verglichen werden. Von diesem einzigartigen Ereignis würde man noch in vielen kommenden Generationen sprechen ( deine Kinder, ihre Kinder und die nächste Generation ).


Joe 1,4


Bei diesem Ereignis handelt es sich um eine massive Invasion durch Heuschrecken , die die Vegetation des Landes völlig vernichtet hatte. Vier Ausdrücke werden hier für die Heuschrecken verwandt ( Heuschreckenschwarm , gAzAm ; große Heuschrecken , ?arbeh ; junge Heuschrecken , yeleq ; und andere Heuschrecken , HAsIl ). Manche Ausleger glauben, daß sich diese vier Ausdrücke auf die verschiedenen Entwicklungsstufen der Heuschrecke von der Larve bis hin zum ausgewachsenen Tier beziehen (z. B. Thompson, "Joel's Locusts in the Light of the Near Eastern Parallels", S. 52 - 55). Diese Sicht aber ist nicht unproblematisch (vgl. Wolff, Joel and Amos , S. 27f). Wahrscheinlicher ist, daß die Ausdrücke Synonyme sind, die aus Gründen der Abwechslung verwendet werden, und um die verschiedenen "Wellen" des Heuschreckensturmes deutlich zu machen.

Die dreifache Erwähnung der Überreste einer Welle von Heuschrecken, die von der nächsten aufgefressen wird, zeigt die Vollständigkeit der Zerstörung, die sie gebracht haben. (Augenzeugenberichte über Heuschrecken-Plagen finden sich bei Driver, The Books of Joel and Amos , S. 40.89 - 93; George Adam Smith, The Book of the Twelve Prophets, 2:391 - 395; und John D. Whiting, "Jerusalem's Locust Plague", National Geographic Magazine 28. Dezember 1915, S. 511 - 550).


B. Ein Aufruf zur Klage
( 1,5 - 13 )


In Form eines Klageaufrufes spricht der Prophet hier über die furchtbaren Einzelheiten und Folgen der Heuschreckenplage. Dieser Abschnitt besteht aus vier Teilen (V. 5-7.8-10. 11-12.13 ), von denen jeder einen direkten Aufruf enthält (V. 5 a. 8.11 a. 13 a), gefolgt von den Gründen für die Trauer (V. 5 b. 6-7.9-10.11 b. 12. 13 b). Angesprochen wird das personifizierte Land (oder die Stadt?) sowie einige der Gruppen, die durch die Plage am stärksten betroffen sind (Betrunkene, Bauern und Priester).



1. Die Betrunkenen sollen klagen
( 1,5 - 7 )


Joe 1,5-7


Die Betrunkenen sollen weinen und heulen , weil es wegen der Zerstörung der Weinberge keinen Wein mehr gibt (V. 5 ; vgl. V. 7.10.12 ). Wie ein mächtiges Volk ist ein unzählbar großer ( ohne Zahl ) Heuschreckenschwarm gekommen und hat das Land des Propheten eingenommen. Ihre Zerstörungskraft war wie die eines Löwen , der beinahe alles mit seinen mächtigen Zähnen (und Backenzähnen) zerreißen kann. Die Heuschrecken haben die Weinberge vernichtet und selbst die Rinde von den Feigenbäumen geschält und ihre Zweige weiß gelassen . Bilder, die die Folgen einer solchen Invasion zeigen, finden sich bei The Zondervan Pictorial Bible Dictionary . Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1963, S. 377, 435).


2. Das Land soll klagen
( 1,8 - 10 )


Joe 1,8


Die grammatische Form von klagen in Vers 8 (fem. Sing.) zeigt, daß in diesem Vers weder die Betrunkenen aus Vers 5 noch die Bauern aus Vers 11 gemeint sein können (beide sind Mask. Plur.). Vermutlich ist das Land selbst (vgl. Joe 2,18 ) oder Jerusalem (in Joe 2,1.15.23; 3,5 Zion genannt) angesprochen, das als eine Jungfrau oder junge Frau personifiziert wird (vgl. 2Kö 19,21 , "die Jungfrau Tochter Zion" und Kl 1,15 ,"Die Jungfrau Tochter Juda"). Sie soll bitter weinen, wie eine Braut oder eine zukünftige Braut über den unerwarteten Tod des Mannes weint, den sie heiraten oder mit dem sie sich verloben wollte.

Die Bedeutung des Ausdruckes, der mit "Jungfrau" übersetzt wird ( b+YUlCh ), ist nicht unumstritten. Er kann eine tatsächliche Jungfrau bezeichnen, aber auch eine verlobte Frau, deren Ehe noch nicht vollzogen wurde. In diesem Fall kann der Mann der Mann ihrer Jugend genannt werden, weil die Verlobung in Israel bereits gesetzlich verbindlich war ( 5Mo 22,23-24 zeigt, daß eine verlobte Frau sowohl als "Jungfrau" als auch als "Ehefrau" bezeichnet werden konnte). Vielleicht meint das Wort b+YUlCh in Joe 1,8 einfach nur eine junge Frau, ohne etwas über ihren sexuellen Status auszusagen. In diesem Fall würde es hier um Neuvermählte gehen.

Sackleinen (vgl. V. 13 ), ein rauher, dunkler Stoff, wurde bei Klagefeierlichkeiten als äußeres Zeichen der Trauer getragen (vgl. 1Mo 37,34; 1Kö 21,27; Neh 9,1; Esr 4,1-4; Ps 69,11-12; Jes 22,12; 32,11; 37,1-2; Kl 2,10; Dan 9,3; Jon 3,8 ).


Joe 1,9-10


Der Hauptgrund für die Klage sind in diesem Fall die schlimmen Folgen der Plage auf das formelle Gottesdienstsystem (vgl. V. 13 ). Die Vernichtung der Ernte ( Korn, Trauben und Olivenöl ; V. 10 ; vgl. Hos 2,24 ) hatte die Priester, die im Haus des HERRN dienten, der Zutaten für das tägliche Speiseopfer ( minHAh ), zu dem Mehl und Öl (vgl. 4Mo 28,5 ) nötig waren, und Trankopfer ( nesek ), für das Wein gebraucht wurde (vgl. 2Mo 29,40; 4Mo 28,7 ), beraubt.


3. Die Bauern sollen klagen
( 1,11 - 12 )


Joe 1,11-12


Die Bauern und Weingärtner haben ebenfalls allen Grund zur Klage, denn die Frucht ihrer Arbeit ist vernichtet worden. Hierzu gehören Korn ( Weizen und Gerste ) und fünf Arten von Früchten (Trauben, Feigen, Granatäpfel, Datteln von den Palmbäumen und Äpfel). Weil ihre Erträge vernichtet waren, konnten sie die Freude der Ernte nicht erfahren (vgl. Ps 4,8 ).


4. Die Priester sollen klagen
( 1,13 )


Joe 1,13


Die Priester sollen ebenfalls an der Klage teilnehmen ( heulen ), weil, wie schon gesagt (V. 9 ), die Dinge für das tägliche Opfer nicht mehr vorhanden waren. (Zu Sackleinen vgl. die Anmerkungen zu (V. 8 .)


C. Ein Ruf zur Umkehr
( 1,14 )


Joe 1,14


Die Priester sollen nicht nur klagen (V. 13 ), sondern auch im Tempel für alle Menschen eine heilige Versammlung ausrufen Das Volk soll fasten und zu dem HERRN schreien . Oft steht Fasten im Zusammenhang mit Buße und Umkehr (vgl. 1Sam 7,6; Neh 9,1-2; Jon 3,5 ). Die innere Einstellung, die mit diesem äußeren Tun zusammengehen mußte, wird in Joe 2,12-17 beschrieben.


D. Die Bedeutung der Plage
( 1,15 - 20 )


Joe 1,15


Diese Heuschreckenplage hat eine große Bedeutung, denn sie kündigt den Tag des HERRN an (vgl. die Anmerkungen unter "Größere exegetische Schwierigkeiten" in der Einführung ). Die Heuschrecken haben die Ernte auf den Feldern vernichtet (vgl. bes. V. 10 , wo das hebr. Verb SADaD , "verwüstet", "vernichtet", zweimal benutzt wird). In ähnlicher Weise wird dieser kommende Tag ein Tag der Verwüstung ( SOD , verwandt mit dem Verb SADaD ) durch den Allmächtigen ( Sadday ; vgl. die Anmerkungen zu 1Mo 17,1 ) sein. Dieser Name Gottes wird hier vermutlich deshalb benutzt, weil er so ähnlich klingt wie das Wort SOD , "Vernichtung, Verwüstung".

Es ist verständlich, daß der Prophet die Plage als Vorzeichen eines außergewöhnlichen Ereignisses ansieht. In Ägypten war eine Heuschreckenplage ( 2Mo 10,1-20 ) den letzten beiden Plagen der Finsternis ( 2Mo 10,21-29 ; vgl. Joe 2,2 ) und des Todes ( 2Mo 11; 12,29-30 ) vorangegangen. Die Fluchandrohung 5.Mose spricht ebenfalls von Heuschreckenplagen ( 5Mo 28,38.42 ) in Verbindung mit Exil und Tod ( 5Mo 28,41.48-57.64-68 ).


Joe 1,16-18


Die Verse 16 - 20 enthalten eine detaillierte Beschreibung der Nachwirkungen der Heuschreckenplage. Indem der Prophet erneut von der Einzigartigkeit dieses Ereignisses spricht, unterstreicht er seine Überzeugung, daß der Tag des Herrn vor der Tür steht (vgl. "nahe" in V. 15 ).

Den Menschen war nur zu bewußt ( vor ihren eigenen Augen ), daß ihre Nahrungsvorräte, und damit jeder Grund zur Freude, hinweg waren (V. 16 ). Offenbar hatte auch eine Dürre eingesetzt, denn die Samen waren verdorrt. Die Schollen (V. 17 ) könnte übersetzt werden: "ihre (d. h. der Bauern) Schaufeln". Als die Bauern die Erde umgruben, um zu sehen, warum nichts Grünes wuchs, deckten ihre Schaufeln die Samenkörner auf, die nicht gekeimt hatten. Ohne eine Ernte mußten die Lagerhäuser und Kornspeicher leer bleiben. Die Haustiere ( Vieh, Herden, Schafherden ) litten Hunger.

Joe 1,19-20


Der Prophet, der sich eindeutig mit seinem leidenden Volk identifiziert (vgl. "mein", was in V. 6 - 7 dreimal vorkommt), schreit zu dem Herrn in seiner Verzweiflung. Er vergleicht die Heuschrecken mit einem Feuer (in V. 19 und in V. 20 ), das alles vernichtet hat, was auf seinem Weg lag. Selbst die Ströme waren ausgetrocknet , so daß die durstigen wilden Tiere nach Wasser schrien.


III. Der kommende Tag des Herrn
( 2,1 - 11 )


In diesem Abschnitt wird das Thema von Joe 1,15 weiter entwickelt und Einzelheiten über den kommenden Tag des Herrn vermittelt. Joel sieht Gott dabei als mächtigen Kriegskönig, der sein großes Heer in den Kampf führt. Wenn man eine vorexilische Abfassungszeit des Buches Joel vertritt, könnte es dabei entweder um die Assyrer oder um die Bablyonier gehen (vgl. die Anmerkungen unter "Verfasserschaft und Abfassungszeit" in der Einführung ). Beide werden im AT als Werkzeuge des Gerichtes Gottes angesehen (vgl. Jes 10,5-15 für die Assyrer und Jer 27,4-11; 51,20-25 und Hab 1,5-12 für die Babylonier). Andere Ausleger, die eine nachexilische Abfassungszeit vertreten, sehen in dem Heer von Joe 2,1-11 eine eschatologische Armee (vielleicht die in V. 20 ; Joe 4,9.12; Dan 11,40 und Sach 14,2 genannte).

Bei einer nachexilischen Abfassungszeit kann nicht sicher gesagt werden, auf welche Nation sich dieser Abschnitt bezieht. Das Heer trägt dann einen unbestimmten, apokalyptischen Charakter (vgl. Wolff, Joel and Amos , S. 7, 42) und steht vielleicht für die Feinde Israels ganz allgemein.

Wie unter "Größere exegetische Schwierigkeiten" in der Einführung bemerkt, wird dieses Heer mit heuschreckenähnlichen Bildern beschrieben, um die Kontinutität mit Kapitel 1 zu schaffen. Zugleich zeigt der Vergleich mit einem wirklichen Heer ( Joe 2,4-5.7 ), daß es hier um die Realität geht.

In diesem Abschnitt kann man vier Unterabschnitte erkennen (V. 1-2.3-5.6-9.10-11 ), von denen die drei letzten mit "vor ihnen" (V. 3.10 ) oder "bei ihrem Anblick" (V. 6 ) eingeleitet werden. Vers 1 - 2 ist thematisch parallel zu Vers 10-11 und bildet so zusammen mit diesen beiden Versen eine Art Rahmen. Diese beiden Unterabschnitte sprechen von den furchtsamen Reaktionen, die durch das herannahende Heer ausgelöst werden (V. 1 b. 10 a), der Finsternis, die mit ihm einhergeht (V. 2 a. 10 b), und seiner außergewöhnlichen Größe (V. 2 b. 11 a). Zwei dieser Gedanken tauchen (in umgekehrter Reihenfolge) in der Mitte des Abschnittes noch einmal auf. Vers 5 c spricht von der Größe des Heeres und Vers 6 von der Furcht, die durch es bei Menschen in vielen Völkern ausgelöst wird. Zwei Gedanken kommen in Vers 3-5 a vor: Das Heer ist wie ein zerstörendes Feuer (V. 3 ), und es dringt unaufhaltsam vor (V. 4-5 a). Beide Gedanken werden in Vers 5 b und 7-9 in umgekehrter Reihenfolge wiederholt.



A. Die Nähe des Heeres Gottes
( 2,1 - 2 )


Joe 2,1


Dieser Abschnitt beginnt mit einem Alarmruf , der die Nähe des Angreifers unterstreicht. Die Posaune ( SNPAr ) war das Horn eines Widders, das von einem Wächter geblasen wurde, um die Menschen vor einer großen Gefahr zu warnen (vgl. Jer 4,5-6; Hes 33,2-6 ). Die Reaktion des Volkes darauf ist Furcht ( zittern ; vgl. Am 3,6 ), besonders in diesem Fall, denn der Tag des HERRN kommt. Heiliger Berg ( Ps 2,6; 3,5; 15,1; 24,3; 78,54; Dan 9,16.20; Ob 1,16; Zeph 3,11 ) bezieht sich auf den Tempelberg.


Joe 2,2 a


Der Tag des Herrn wird als ein Tag der Finsternis und Dunkelheit der Wolken und Nebel beschrieben (vgl. Zeph 1,15 ). Die Erwähnung der Finsternis nach der Heuschreckenplage aus Joe 1 erinnert an 2Mo 10 ,wo die gleiche Reihenfolge der Ereignisse zu finden ist. Dunkelheit und Wolken - die oft mit dem Herrn in seiner Rolle als mächtiger, siegreicher Kriegsherr einhergehen (vgl. 5Mo 4,11; 5,22-23; Ps 18,10.12; 97,2 ) - sind hier ein Bild für Gericht und Zerstörung (vgl. Jer 13,16; Hes 30,3.18; 32,7-8; 34,12; Am 5,18-20; Zeph 1,15 ).


Joe 2,2 b


Die ungeheure Größe der angreifenden Armee wird besonders unterstrichen. Wie die Strahlen der Morgensonne ( Morgenröte ) werden seine Scharen den Horizont bedecken. Dieses Heer wird furchtbarer sein als alle, die bisher gekommen sind oder die noch kommen werden. Die Bildsprache hier erinnert an 2Mo 10,14 .Vielleicht soll auf diese Weise angedeutet werden, daß die "Heuschrecken" aus Joe 2,1-11 noch schlimmer sein werden als die, die Ägypten überrannt haben. Etwas, was noch schlimmer sein wird als die ägyptischen Plagen, wird über das Land kommen!


B. Die zerstörerische Kraft des Heeres Gottes
( 2,3 - 5 )


Joe 2,3


Die Angreifer werden, wie die Heuschrecken in Joe 1 ,mit einem Feuer verglichen, das alles auf seinem Weg vernichtet (vgl. Joe 1,19 ). Fruchtbare Landstriche, deren Fülle mit dem Garten Eden vergleichbar ist (vgl. 1Mo 2,8-9 ), werden zu einer wüsten Einöde werden. Hinter diesem Bild steht als Realität die vernichtende Kraft einer großen angreifenden Armee, die über das Land kommt (vgl. 5Mo 28,49-51; Jes 1,7; Jer 5,17 ; siehe auch den assyrischen Text, der unter "Größere exegetische Schwierigkeiten" in der Einführung zu finden ist). Die Worte nichts entkommt ihnen spielen vielleicht auf 2Mo 10,5.15 an.


Joe 2,4-5


Im Zusammenhang des Heuschreckenvergleiches wird die angreifende Armee mit einem Heer (V. 5 b) verglichen, das aus Pferden, Reitern und Streitwagen (V. 4 - 5 a) besteht. Dieser Vergleich wird durch drei Dinge hervorgerufen: (1) Die Köpfe von Heuschrecken und die von Pferden sehen ähnlich aus. Die deutsche und die italienische Bezeichnung für "Heuschrecke" lautet auch "Heu-Pferd" bzw. "kleines Pferd" (Wolff, Joel and Amos , S. 45, Anm. 46; vgl. auch Driver, The Books of Joel and Amos , S. 52). (2) Heuschreckenschwarm wie menschliches Heer kommen schnell heran. (3) Die schwirrenden Heuschreckenflügel erinnern an den Klang von Streitwagen (Berichte über die Geräusche eines Heuschreckenschwarmes finden sich bei Driver, The Books of Joel and Amos , S. 52).

Nichts kann das eilige Herannahen der Angreifer aufhalten. Sie scheinen über die Bergspitzen zu springen . Das hebräische Wort für "springen über" ( rAqaD ) kann sowohl für fliegende Heuschrecken als auch für schnelle Streitwagen benutzt werden (zu letzterem vgl. Nah 3,2 ,wo rAqaD mit "rollen" übersetzt wird).


C. Der unnachgiebige Ansturm des Heeres Gottes
( 2,6 - 9 )


Joe 2,6


Die Reaktion auf dieses furchtbare Heer ist weitverbreiteter Schrecken, denn Völker sind davon betroffen. In Furcht ( HUl ) meint gewöhnlich ein Krümmen vor Schmerzen, wie eine Frau, die bei einer Geburt vom Schmerz überwältigt wird (vgl. HUl in Jes 26,17; Jer 4,31; Mi 4,10 ). Auch an anderen Stellen, an denen der Herr zum Kampf kommt, ist dies die Reaktion der Menschen (vgl. 2Mo 15,14; 5Mo 2,25; Ps 77,16; 97,4; Jes 13,8; Hab 3,10 ).


Joe 2,7-9


Erneut wird der unaufhaltsame Aufmarsch des Heeres betont (vgl. V. 4 - 5 a). Wieder lassen sich die verwendeten Worte sowohl auf Heuschrecken (vgl. Driver, The Books of Joel and Amos , S. 54f, und Keil, "Joel" in Commentary on the Old Testament in Ten Volumes , 10;193, Anm. 1) als auch auf eine wirkliche Armee beziehen. Beide kommen geordnet heran (V. 7 - 8 a), durchbrechen die Verteidigungslinien (V. 8 b) und dringen in ummauerte Städte und in Häuser ein. Wie auch anderswo in diesem Abschnitt (vgl. V. 6 ) scheint Joel wieder auf 2Mo 10 anzuspielen.


D. Die Unbesiegbarkeit des Heeres Gottes
( 2,10 - 11 )


Joe 2,10-11


Das Herannahen des Heeres geht einher mit kosmischen Katastrophen. Die ganze Welt, von der Erde bis in den Himmel hinauf, erzittert (vgl. bebt und zittert ) vor dem gewaltigen Kriegsschrei des göttlichen Befehlshabers. Diese kosmische Reaktion ist eine typische poetische Beschreibung der Erscheinung Gottes als Kriegsherr (vgl. Ri 5,4; Ps 18,8; 77,19; Jes 13,13; Joe 4,16 ). Die Verdunklung der Himmelskörper (vgl. Joe 2,2;3,3;4,15 ) ist ein anderer charakteristischer Zug des Tages des Herrn (vgl. Jes 13,10; Hes 32,7; Sach 14,6-7 ; siehe auch Jes 34,4 ). Der Prophet schließt mit einer rhetorischen Frage ( Wer kann es ertragen? ), um zu zeigen, daß niemand diesen großen und schrecklichen Tag ertragen kann (vgl. Mal 3,2; 4,5 ). Wenn das Heer in Joe 2,1-11 ein Heer in den Tagen Joels ist, dann ist es ein Hinweis auf das Heer aus Kapitel 4 .


IV. Ein erneuter Ruf zur Umkehr
( 2,12 - 17 )


Angesichts einer solch großen, unbesiegbaren Armee ist die einzige Hoffnung des Volkes, sofort ("auch jetzt noch", V. 12 ) zu Gott umzukehren. Dieser Abschnitt enthält zwei ausdrückliche Appelle zur Umkehr (V. 12 - 14.15 - 17 ). Der erste endet mit einem motivierenden Gedanken (eingeleitet durch "denn", V. 13 b. 14 ).



A. Ein Appell zur echten Herzensänderung
( 2,12 - 14 )


1. Der Appell
( 2,12 - 13 a)


Joe 2,12-13 a


Der Herr selbst ermahnt das Volk, wirklich ehrlich umzukehren (vgl. mit deinem ganzen Herzen und zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider) mit Fasten und Weinen und Klagen . Echte Buße ist das, was Gott durch sein Gericht erreichen möchte (vgl. 5Mo 4,30; 30,1-2; Hos 3,4-5; Am 4,6-11 ).


2. Die Motivation
( 2,13 b. 14 )


Joe 2,13 b


Wenn das Volk sein Verhältnis zu dem Herrn, seinem Gott, wirklich erkennen und sein gnädiges Wesen verstehen würde, dann würde es umkehren. Der Ausdruck "der Herr, dein Gott" war in Israel gut bekannt (er erscheint allein in 5.Mose 263 mal) und stand für das Bundesverhältnis zwischen Gott und dem Volk. Die Worte gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und überfließend in Liebe ( HeseD , "treue Liebe") erinnern an 2Mo 34,6 (vgl. Neh 9,17; Ps 103,8; 143,8; Jon 4,2 ), wo nach der Sünde mit dem goldenen Kalb die gleichen Worte der Erneuerung des Bundes vorausgehen. Weil Gott in seinem Wesen gnädig ist, gereut ihn oft die Strafe , die er gesandt hat. Wieder wird an das Geschehen im Zusammenhang mit dem goldenen Kalb erinnert. Damals hatte Mose den Herrn gebeten, sich "gereuen" zu lassen und "das Unheil nicht zu bringen" (über sein Volk; 2Mo 32,12 ). Gott hatte diese Bitte erhört.

Joe 2,14


Die Worte wer weiß zeigen die Souveränität Gottes in dieser Sache (vgl. 1Sam 12,22; Jon 3,9 ). Selbst wenn das sündige Israel umkehrt, kann es damit Gottes Gnade nicht herbeizwingen, so als hätte es diese irgendwie in seiner Kontrolle und er müsse sie automatisch schenken. Es kann nur darauf hoffen, daß er sich wendet und Erbarmen hat (vgl. Mal 3,7 ), indem er das Unheil abwendet (vgl. Joe 2,20 ) und die Ernte wiederkommen läßt (vgl. V. 25 ). Landwirtschaftlicher Segen wird ein Zeichen der Umkehr des Fluches sein, der über das Volk gekommen ist (in Form der Heuschrecken; vgl. 5Mo 28,38-42 ). Dann wird es wieder möglich sein, Korn und Trankopfer darzubringen (vgl. Joe 1,9.13 ).


B. Ein Appell zur nationalen Beteiligung
( 2,15 - 17 )


Der zweite Teil dieses Aufrufes zur Umkehr ist ein Appell an das ganze Volk zu einer öffentlichen Klage- und Gebetsveranstaltung.



Joe 2,15


Die einleitenden Worte in Vers 1, Blast die Posaune in Zion , werden hier noch einmal wiederholt. Auf die Furcht und den Schrecken, den die Posaune des Wächters hervorgerufen hat, (V. 1 ) soll nun ein anderer Ton des Widderhornes folgen, dieses Mal ein Ruf an das Volk für ein heiliges Fasten und eine heilige Versammlung (vgl. Joe 1,14 ). Durch das Blasen des Widderhornes wurde auch zu religiösen Zusammenkünften gerufen (vgl. 3Mo 25,9; Ps 81,4 ).


Joe 2,16


Die gesamte Versammlung ( Gemeinde ) soll zusammenkommen, von den Ältesten bis zu den Jüngsten ( den Säuglingen ). Nicht einmal Neuvermählte sind ausgenommen (vgl. 5Mo 24,5 ).


Joe 2,17


Die Priester sollen die Feier leiten, indem sie vor dem HERRN in dem Hof des Tempels (d. h. zwischen der Vorhalle und dem ehernen Altar ; vgl. Hes 8,16 ) weinen und indem sie ein Gebet um Befreiung sprechen.

Das Gebet soll eine zweifache Bitte enthalten: (a) verschone ( HUs , "Erbarmen haben"; vgl. Jon 4,11 ,wo das gleiche Wort vorkommt) und (b) mache nicht , eine Bitte, durch die Gott zum Handeln bewegt werden soll. Es geht bei dieser zweiten Bitte um den Ruf Gottes. Wenn Israel, Gottes eigenes Erbteil (vgl. 5Mo 4,20; 9,26.29; Ps 28,9; 33,12; 78,62.71; 79,1; 94,14; Mi 7,14.18 ), zum Objekt des Spottes wird (vgl. Joe 2,19 ), könnten die Völker daraus schließen, daß er nicht genügend Macht und/oder Liebe hat, die zu retten, die zu ihm gehören (vgl. 2Mo 32,12; 5Mo 9,26-29; Ps 79,4.10 ).

Die Übersetzung ein Sprichwort unter den Völkern ist zwar nicht die einzig mögliche Übersetzung des hebräischen Textes (z. B. ist auch denkbar: "daß die Heiden nicht über sie herrschen"), ist aber aufgrund der poetischen Struktur des Verses wahrscheinlicher (vgl. den parallelen Ausdruck "Objekt des Spottes"; siehe auch Jer 24,9 ).


V. Vergebung und Erneuerung
( 2,18 - 27 )


Dieser Abschnitt markiert einen Wendepunkt in der Argumentationsweise des Buches. Er beschreibt die göttliche Antwort (V. 18 ) auf die Umkehr des Volkes und berichtet die tröstenden Worte Gottes an sein Volk (V. 19 - 27 ). Die Folgen der Heuschreckenplage ( Joe 1 ) werden umgekehrt (siehe bes. Joe 2,25 ) und die drohende Invasion (V. 1 - 11 ) abgewendet (V. 20 ).

Die göttliche Botschaft der Verse 19 - 27 zeigt die folgende chiastische Struktur:

a. Vers 19

b. Vers 20a

c. Vers 20b-24

b 1 . Vers 25

a 1 . Vers 26-27

Die Teile a und a1 stehen miteinander in Zusammenhang, da in beiden von einer Erneuerung der Ernte und einem Ende der Schmach die Rede ist. Die Teile b und b1 sprechen beide von einer Auslöschung der Feinde (bzw. deren Auswirkungen). Teil c schließlich enthält zwei Kreise (V. 20 b - 21 b. 21 c - 22-24 ), wobei in dem zweiten die drei Elemente des ersten wiederholt und/ oder erweitert werden (vgl. V. 20 b mit 21 c; V. 21 a mit V. 22 und V. 21 b mit V. 23 - 24 ).



A. Die gnädige Reaktion Gottes wird beschrieben
( 2,18 )


Das Verhältnis zwischen Vers 18-19 a und dem vorausgehenden Kontext ist schwierig. Einige Übersetzungen verwenden das Futur ("wird eifersüchtig sein" usw.) und verstehen diese Verse als eine Verheißung, die von der positiven Antwort des Volkes auf den Ruf zur Umkehr in Vers 12-17 abhängig ist. Aber diese Interpretation der hebräischen Verbformen ist in diesem Zusammenhang unwahrscheinlich (vgl. S. R. Driver, A Treatise on the Use of the Tenses in Hebrew. 3. Ausg. Oxford: Clarendon Press 1892. S. 95; Keil, "Joel", in: Commentary on the Old Testament in Ten Volumes , 10:200). Besser scheint es, die Formen mit Vergangenheit zu übersetzen und den Text als eine Beschreibung der Wendung Gottes zu seinem Volk in den Tagen Joels zu verstehen. Dies setzt natürlich voraus, daß das Volk in positiver Weise auf den Appell aus Vers 12-17 geantwort hat (vgl. Allen, The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah , S. 86).



Joe 2,18


Als Antwort auf diese echte Umkehr war der HERR eifersüchtig auf sein Land und hatte Mitleid mit seinem Volk . Die Eifersucht Gottes ist seine tiefe Treue gegen das, was ihm gehört, eine Treue, die ihn dazu bringt, alles auszulöschen, was es vernichten würde (vgl. Jes 26,11; Hes 36,5-6; 38,19; Sach 1,14; 8,2 ). Hier geht es um den militärischen Schutz, der in Joe 2,20 beschrieben wird.


B. Gott verheißt den erneuten landwirtschaftlichen Segen
( 2,19 - 27 )


Joe 2,19-20 a


Die Verheißung Gottes beginnt mit der Ankündigung, daß die landwirschaftliche Produktivität ( Korn, neuer Wein und Öl ), die durch die Heuschrecken vernichtet worden war (vgl. Joe 1,10 ), wieder erneuert wird. Gott sagt, daß sein Volk nie wieder zu einem Objekt des Spottes für die Völker werden wird (vgl. Joe 2,17 ). Dies entspricht seiner Verheißung in Vers 26-27 , daß sie "nicht wieder ... zuschanden" werden.

Diese scheinbar bedingungslose Verheißung ist schwierig zu verstehen, wenn es in Vers 18 - 19 a um ein historisches Ereignis aus den Tagen Joels geht. Ob man nun von einem vorexilischen oder einem nachexilischen Datum für die Abfassung von Joel ausgeht, jedenfalls zeigt die Geschichte, daß Israel auch nach den Tagen Joels oft wieder zum Gegenstand des Spottes wurde. Wahrscheinlich sollte man zumindest diesen Aspekt der Verheißung in seiner eigentlichen Erfüllung eschatologisch verstehen. In Joels Weissagung geht es um die Zukunft Israels. Chronologische Sprünge, die man in der Rückschau sehr leicht sieht, werden dabei nicht beachtet. Folglich vermischen sich Weissagungen, die sich an seine eigene Generation richten, hier mit denen, die noch erfüllt werden müssen. Dies ist bei den Propheten des Alten Testamentes sehr häufig der Fall (vgl. z. B. Jes 9,6-7; 61,1-2; Sach 9,9-10 ).

Als nächstes kündigt der Herr an, daß die Gefahr, die in Joe 2,1-11 beschrieben ist, abgewandt werden wird (V. 20 a). Er selbst wird sich gegen das Heer stellen, das er gegen sein ungehorsames Volk heraufgeführt hat (vgl. V. 11 ), und wird es in die Wüste ( ein dürres und wüstes Land ) und in das Meer ( das östliche Meer und das westliche Meer ), vermutlich das Tote Meer und das Mittelmeer (vgl. Sach 14,8 ), treiben.

Der Gestank der Leichen wird die Luft erfüllen. Wie in Joe 2,1-11 läßt sich auch hier die Sprache, obwohl von einem wirklichen Heer die Rede ist (vgl. Jes 34,3; Am 4,10 ), auf Heuschrecken anwenden. Augenzeugen berichten, daß tote Heuschrecken, die ins Meer getrieben und dann an die Küste gespült wurden, einen furchtbaren, faulen Gestank gaben (vgl. Driver, The Books of Joel and Amos , S. 62f; Smith, The Book of the Twelve Prophets , 2:411).

Wie in der Einführung gezeigt, macht die Bezeichnung Heer des Nordens (wörtl.: die Nördlichen) deutlich, daß es sich letztlich um eine tatsächliche Armee handelt. Wenn diese Armee noch zukünftig (eschatologisch) ist, handelt es sich vermutlich um das gleiche Heer, das auch in Joe 4,9.12; Dan 11,40 und Sach 14,2 erwähnt wird. Ist es dagegen nur ein Heer aus der Geschichte, läßt sich aufgrund der Unsicherheit im Blick auf die Abfassungszeit des Buches nichts Genaueres über seine Identifizierung aussagen. Es kann dann also auch nicht gesagt werden, in welchem Maße sich Joe 2,20 in den Tagen Joels erfüllt hat (wenn überhaupt). Wenn die Invasion, die in Joe 2,1-11 angedroht worden war, noch nicht wirklich begonnen hat, muß sich Vers 20 nicht unbedingt auf ein historisches Ereignis beziehen. Es könnte einfach eine sehr lebendige und konkrete Art sein zu sagen, daß Gott die Zerstörung, die er geplant hat, im letztem Augenblick verhindert hat.


Joe 2,20 - 21 b


Manche Übersetzungen verstehen die letzte Zeile aus Vers 20 als eine Aussage über den Herrn (vgl. V. 21 ; in diesem Fall wird k¯ als emphatische Verstärkung angesehen: Sicherlich ). Andere verbinden diese Aussage mit den vorhergehenden Worten und sehen das Heer als Subjekt an (z. B.: "Denn es hat große Dinge getan"). Dann ginge es hier um den unverschämten Hochmut der Angreifer (vgl. Jes 10,5-19 ,wo etwas Ähnliches gemeint ist). Dennoch scheint die erste Übersetzung richtiger zu sein, besonders aufgrund des strukturellen Aufbaues (vgl. die Anmerkung zu Joe 2,18-27 ).

In den ersten beiden Zeilen von Vers 21 wird das Land, das seiner Erzeugungen beraubt wurde (vgl. Joe 1,10 ), personifiziert. Es soll sich nicht länger fürchten, sondern fröhlich sein und sich freuen.


Joe 2,21-24 (Joe 2,21c-24)


Jedes der drei Elemente in Vers 20 b- 21 b wird in diesen Versen noch einmal wiederholt und/oder erweitert. Die wiederholte Bekräftigung, daß der HERR große Dinge getan hat, wird erläutert durch die Worte: fürchte dich nicht (V. 22 ) und sei fröhlich und freue dich (V. 23 ).

Die erste Verheißung richtet sich an die wilden Tiere , die durch die Heuschreckeninvasion und die nachfolgende Dürre so sehr gelitten haben (vgl. Joe 1,20 ). Die Folgen dieses Gerichtes werden nun vollständig umgekehrt. Die offenen Weiden (vgl. Joe 1,19 ) werden wieder Gras und Vegetation hervorbringen. Die Bäume und Weinstöcke werden wieder ihre Frucht bringen (vgl. Joe 1,7.12.19 ).

Die zweite Verheißung ( Joe 2,23 ) ergeht an die Bewohner von Zion (d. h. Jerusalem; vgl. V. 1 ), denen gesagt worden war, daß sie über die Vernichtung, die durch die Heuschrecken gekommen war, klagen sollten (vgl. Joe 1,5.8.11.13 ). Sie können sich nun "freuen", denn der Herr wird ihren Feldern die Fruchtbarkeit zurückgeben. Wie in 5Mo 11,14 verheißen, werden Herbst- und Frühlingsregen ohne Verzögerung kommen (im September/Oktober und im März/April) und eine reiche Ernte gewährleisten.

Der Ausdruck, der mit ein Lehrer für Gerechtigkeit übersetzt ist ( Joe 2,23 ), sollte besser "in Gerechtigkeit der Herbstregen" wiedergegeben werden (vgl. Luther-Übers.; vgl. Allen, The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah , S. 92 f, Anm. 26; und Kapelrud, Joel Studies , S. 115). "Lehrer" mNreh ) wird weiter hinten im Vers mit "Herbst" übersetzt (vgl. auch Ps 84,7 ). "Für Gerechtigkeit" bedeutet dann "entsprechend der Gerechtigkeit" (d. h. in Übereinstimmung mit der Bundesverheißung, daß Gehorsam durch landwirtschaftlichen Segen belohnt wird; siehe Kapelrud, Joel Studies , S. 116).

Die reiche Ernte wird sichtbar werden an den Tennen und daran, daß Wein- und Ölkeltern überfließen ( Joe 2,24 ).


Joe 2,25-27


Vers 25 faßt das allgemeine Thema der Verse 19 - 24 noch einmal zusammen. Die Folgen der Heuschrecken werden vollständig umgekehrt werden. Als ob er durch eine gesetzliche Verpflichtung dazu genötigt wäre, verheißt der Herr, daß er dem Volk zurückzahlen wird für die Ernte, die sein großes Heer von Heuschrecken (vgl. Joe 1,4 ) vernichtet hat.

Die landwirtschaftliche Fülle ( Joe 2,26 a) wird die Menschen dazu bringen, den Namen (d. h. den offenbarten Charakter) ihres Bundesgottes zu loben, der Wunder für sie getan hat (V. 26 b). Dieser Ausdruck ordnet die Erneuerung des landwirtschaftlichen Segens in den breiten Strom der wundersamen historischen Taten Gottes zugunsten seines Volkes ein (vgl. 2Mo 3,15; 15,11; 34,10; Jos 3,5; Ri 6,13; Ps 77,15 ).

Das Volk wird seine aktive Gegenwart und seinen rechtmäßigen Platz als sein Gott erkennen (erfahren ; Joe 2,27 ). Die Worte Ich bin in Israel (wörtl.: "Ich bin in der Mitte Israels") erinnern an die fünf Bücher Mose (Pentateuch), in denen immer wieder gesagt wird, daß Gott "unter" (oder "inmitten") seines Volkes ist (vgl. 4Mo 11,20; 14,14; 5Mo 7,21 ). Auch der häufige Ausdruck du wirst erkennen, daß ich der HERR, dein Gott, bin stammt aus dem Pentateuch ( 2Mo 6,7; 16,12 ). Er steht in engem Zusammenhang mit dem exklusiven Recht Gottes, Israels Gott zu sein ( es gibt keinen anderen ; vgl. 5Mo 4,35.39 ). Durch diese Anspielungen auf das frühere Verhältnis macht Gott deutlich, daß seine Beziehung zu seinem Volk genauso lebendig ist, wie sie es in den Tagen Moses war.


VI. Die Verheißung einer herrlichen Zukunft
( 3,1 - 4,21 )


Dieser letzte Abschnitt des Buches Joel entfaltet das eschatologische Element der Verheißung Gottes (vgl. die Anmerkungen zu Joe 2,19-20 a; "nach diesem" in Joe 3,1 ; "an diesem Tag" in Joe 4,18 ). Die Befreiung, die Joels Generation erlebte, ist eine Vorschattung jener Befreiung, die einmal am Ende der Zeit kommen wird. Der Tag des Herrn, der durch die Bußfertigkeit der Zeitgenossen Joels nur knapp abgewandt werden konnte, wird in voller Macht gegen die Feinde des Volkes Gottes kommen (die vielleicht durch das Heer des Nordens aus Joe 2,20 symbolisiert werden). Die Verheißungen von Joe 2,19-27 werden ihre letzte und eigentliche Erfüllung erfahren, wenn der Herr um Israels willen eingreifen ( Joe 3,1-5 ), die Feinde des Volkes hart richten ( Joe 4,1-16 a. 19 ) und sein Volk sicher in seinem Land wohnen lassen wird ( Joe 4,1.16-18.20-21 ).



A. Die geistliche Erneuerung und Befreiung
( 3,1 - 5 )


Joe 3,1-2


Der Herr kündigt an, daß sein "Tag" (V. 4 ) von einer Ausgießung seines Geistes über alles Fleisch begleitet sein wird. Der nachfolgende Kontext macht deutlich, daß "alles Fleisch" sich genauer auf alle Bewohner Judas bezieht (vgl. das dreifache eure in V. 1 und die parallelen Stellen in Hes 39,29; Sach 12,10 ). Diese Geistausgießung wird ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht oder soziale Stellung geschehen ( Joe 3,2 sollte übersetzt werden: "und selbst auf die männlichen und weiblichen Sklaven").

Dann werden die Empfänger des Geistes Gottes prophetische Gaben haben ( werden weissagen, werden Träume haben und werden Visionen sehen ), die in der Vergangenheit nur einigen Wenigen geschenkt worden waren (vgl. 1Sam 10,10-11; 19,20-24 ). Vermutlich spielt dies auf 4Mo 11,29 an, wo Mose als Antwort auf den fälschlichen Eifer Josuas nach der Geistausgießung auf die 72 Ältesten (vgl. 4Mo 11,24-28 ) sagt: "Ich wünschte, daß alle im Volk des Herrn Propheten wären und daß der Herr seinen Geist auf sie ausgießen würde!" Diese massive Ausgießung des Heiligen Geistes wird den Beginn einer göttlichen Segenszeit markieren (im Gegensatz dazu siehe 1Sam 3,1 ,wo das Fehlen prophetischer Visionen eine Zeit der Sünde und des Gerichtes charakterisiert).


Joe 3,3-4


Der große und schreckliche Tag des HERRN wird mit vielen seltsamen Zeichen kommen ( Wundern ) des drohenden Gerichtes (vgl. V. 10 ; siehe auch Hes 32,6-8 ,eine fast wörtliche Parallele). Blut und Feuer und Rauchwolken sind Hinweise auf einen Krieg. Daß sich der Mond in Blut verwandelt, sagt auf poetische Weise, daß er verdunkelt wird (vgl. die parallele Aussage Die Sonne wird in Finsternis verwandelt werden und siehe Joe 2,10;4,15 ). Wenn diese Zeichen auch für Gottes Feinde den Untergang andeuten, soll sein Volk sie dennoch als Vorzeichen seiner Befreiung ansehen (vgl. Mt 24,29-31; Mk 13,24-27; Lk 21,25-28 ).


Joe 3,5


Zu dieser Zeit des weltweiten Gerichtes wird jeder, der den Namen des HERRN anruft, gerettet werden (d. h. aus der körperlichen Gefahr befreit werden; vgl. die Anmerkungen zu Röm 11,26 ). "Jeder" bezieht sich hier nicht auf alle Menschen, sondern auf das durch Gottes Geist bevollmächtigte Volk Gottes, von dem in Joe 3,1-2 die Rede ist. In Rö. 10,13 bezieht Paulus diese Stelle auf die Rettung von Heiden (und Juden), was für ihn jedoch nur eine Analogie, nicht die Erfüllung von Joe 3,5 ist, wo nur von Israel gesprochen wird.

Am Tag des Herrn wird Jerusalem zu einem Zufluchtsort werden für die Überlebenden, die der HERR ruft . Dieser Überrest, mit dem der Herr eine besondere Beziehung eingeht (zur Bedeutung des Wortes "rufen" hier vgl. Jes 51,2 ), ist vermutlich gleichzusetzen mit der in Joe 3,1-2.5 a genannten Gruppe (vgl. Wolff, Joel and Amos , S. 68f), obwohl einige Ausleger (z. B. Driver, The Books of Joel and Amos , S. 68 f) darin die zurückgekehrten Gefangenen aus dem Exil sehen.

An Pfingsten zitierte der Apostel Petrus diese Stelle aus Joe 3,1-5 und bezog sie auf die Ausgießung des Heiligen Geistes (vgl. Apg 2,17-21 ). Seine einleitenden Worte (vgl. Apg 2,16 : "Dies ist, was durch den Propheten Joel gesagt ist") könnten so verstanden werden, als würde er die Weissagung Joels nun als ganz und gar erfüllt ansehen. Es ist jedoch offensichtlich, daß die Ereignisse dieses Tages, obwohl sie sicher außergewöhnlich waren, nicht völlig mit den durch Joel verheißenen übereinstimmen.

Wenn man dieses Problem lösen will, muß man sehen, daß in den frühen Kapiteln der Apostelgeschichte das Königreich noch einmal Israel angeboten wurde. Petrus ermahnte die Menschen, umzukehren und so den verheißenen Geist Gottes zu empfangen (vgl. Apg 2,38-39 ,wo er auf Joe 3,5 anspielt). Wenig später spricht Petrus von einer "Zeit der Erneuerung" und der Wiederkunft Christi als Folge der nationalen Umkehr (vgl. Apg 3,19-21 ). Erst später konnte Petrus Gottes Plan für die Heiden im gegenwärtigen Zeitalter erfassen (vgl. Apg 10,44-48 ). Als er die Ausgießung des Geistes an Pfingsten sah, betrachtete er sie zu Recht als den ersten Schritt in der Erfüllung der Verheißung Joels. Offenbar glaubte er, daß das Königreich zu dieser Zeit Israel angeboten werde und die Ausgießung des Heiligen Geistes den Beginn des Tausendjährigen Reiches signalisiere. Aber wegen dem Unglauben Israels wurde die völlige Erfüllung dieser Weissagung (sowohl im Blick auf die Verbreitung der Wirksamkeit des Heiligen Geistes als auch auf andere Einzelheiten) aufgeschoben (weitere Einzelheiten zu dieser Frage siehe die Anmerkungen zu Apg 2,16-21; 3,19-21 ).


B. Das Gericht über die Völker
( 4,1 - 16 )


1. Das Gericht wird angekündigt
( 4,1 - 8 )


Die Verse 1 - 8 sind eine Gerichtsrede gegen die Völker. Wir finden in ihnen anklagende Elemente (V. 2 b - 3.5 - 6 ) und Gerichtsankündigungen (V. 1 - 2 a. 4.7 - 8 ).



Joe 4,1-3


An dem zukünftigen Tag des Herrn wird zwischen Juda und seinen Feinden sorgfältig unterschieden. Der Herr wird das Geschick von Juda und Jerusalem wenden und so die Verheißung Moses erfüllen (vgl. 5Mo 30,3 ). Zur selben Zeit wird Gott die Nationen zum Gericht versammeln.

Dieses Gericht wird im Tal Joschafat stattfinden. Diese Information finden wir nur hier in Joe 4,2.12 . Ob es im damaligen Israel einen geographischen Ort dieses Namens gab, wissen wir nicht sicher. Manche Ausleger glauben, daß es sich um ein Tal handelt, das erst in der Zukunft durch das Auseinanderbrechen des Ölberges bei der Wiederkunft Christi gebildet wird ( Sach 14,4 ). Jedenfalls liegt die Bedeutung dieses Tales nicht in seiner geographischen Lage, sondern in seiner Bedeutung: "der Herr richtet".

Der Grund für dieses Gericht Gottes ist die Art und Weise, wie sie das Bundesvolk Israel ( mein Erbteil ; vgl. die Anmerkungen zu Joe 2,17 ), mein Volk , behandelt haben. Die Völker haben das Volk Gottes zerstreut , es als Sklaven in ferne Länder verkauft und Gottes Land unter sich aufgeteilt . "Zerstreut" (von pAzar , "verteilen") scheint sich auf das babylonische Exil zu beziehen (vgl. Jer 50,17 ). Obwohl der Herr selbst das Land den Feinden Israels gegeben hat (vgl. Kl 5,2; Mi 2,4 ), sind diese Völker dennoch in seinen Augen schuldig, weil sie seine Autorität nicht anerkannt und sein Volk so grausam behandelt haben.


Joe 4,4-6


In den Versen 4 - 8 spricht der Herr direkt zu den Phöniziern ( Tyrus und Sidon ) und zu den Philistern, zwei Gruppen, die von dem Untergang Judas wirtschaftlich sehr profitierten (vgl. Hes 25,15; 28,20-24 ). Der Herr identifiziert sich mit seinem Volk (beachte das mich in Joe 4,4 ) und spricht diesen Völkern jedes Recht für ihr Tun ab (dies wird durch die rhetorische Frage in V. 4 deutlich).

Dann kündigt Gott an, daß er ihnen ihre Vergehen heimzahlen wird (V. 4 b). Gemeint sind damit Diebstahl (V. 5 ) und Sklavenhandel (V. 6 ). Da weder von den Phöniziern noch von den Philistern gesagt wird, daß sie während der Zerstörung von Jerusalem die Tempelschätze geraubt haben (vgl. 2Kö 25 ), könnte sich Joe 4,5 auf Israels Reichtum allgemein beziehen, nicht auf den Tempel (vgl. Wolff, Joel and Amos , S. 78).

Daß die Phönizier und die Philister Sklavenhandel betrieben, wird auch an anderen Stellen gesagt (vgl. Am 1,6.9 ). Nach Kapelrud handelt es sich bei den Griechen, von denen hier gesprochen wird, eigentlich um Ionier ( y+wAnIm ), die die Küsten Kleinasiens bewohnten ( Joel Studies , S. 154). Der ionische Handel hatte seinen Höhepunkt im siebten und neunten Jahrhundert v. Chr. Hes 27,13.19 erwähnt tyrische Handelsabkommen (auch bezüglich Sklaven) mit Ionien (oder Griechenland). Der bei Joel erwähnte Sklavenhandel könnte im Zusammenhang mit dem Fall Judas unter die Babylonier gestanden haben.

Joe 4,7-8


Das göttliche Gericht über diese Völker wird ganz und gar angemessen sein. Der Herr wird sein zerstreutes Volk kommen lassen und zu Sklavenhändlern machen. Sie werden dann die Söhne und Töchter der Phönizier und Philister als Sklaven an die Sabäer (vgl. Hi 1,13-15 ) verkaufen, ein arabisches Volk, das für seinen Handel bekannt war (vgl. "Scheba" in Hes 27,22-23 ).

Das hier angedrohte Gericht wurde, mindestens teilweise, im vierten Jahrhundert v. Chr. erfüllt. Allen erklärt: "Das Volk von Sidon wurde durch Antiochus III. 345 v. Chr. in die Sklaverei verkauft, die Bewohner von Tyrus und Gaza 332 v. Chr. durch Alexander." ( The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah , S. 114). Vielleicht waren auch Juden zum Teil bei diesem Sklavenhandel beteiligt.

Im Zusammenhang (vgl. Joe 4,1 ) ist dieser Abschnitt aber auch eschatologisch bedeutungsvoll und jede historische Erfüllung nur eine Vorschattung. Eschatologisch gesehen sind die Philister und Phönizier Stellvertreter für die Feinde Israels insgesamt (ähnlich wie Moab in Jes 25,10-12 und Edom im Buch Obadja). Einmal wird Israel die Oberherrschaft über seine Feinde gewinnen (vgl. Jes 41,11-12; Am 9,12; Ob 1,15-21; Mi 7,16-17; Zeph 2,6-7 ).


2. Ein Aufruf zum Krieg: Das Gericht wird beschrieben
( 4,9 - 16 )


In diesem Abschnitt wird das Gericht über die Völker beschrieben. Er besteht aus drei Unterabschnitten: (a) einem Aufruf an die Teilnehmer (die Nationen und den Herrn), ihre Streitkräfte zu versammeln (V. 9 - 11 ), (b) einer Aussage des Herrn (V. 12 - 13 ) und (c) einer Beschreibung des Kriegsplatzes (V. 14 - 16 ).



Joe 4,9-11


Nicht näher bezeichnete Boten sollen einen Aufruf zum Krieg den Nationen (vgl. "alle Völker" in Jes 34,2; Ob 1,15; Zeph 14,2 ) überbringen. Die Völker sollen ihre Ackergeräte zu Waffen schmieden ( Joe 4,10 ; eine Umkehrung von Jes 2,4; Mi 4,3 ) und sich zum Kampf versammeln ( Joe 3,11 a; vgl. Sach 12,9 ). Der Herr wird aufgerufen, seine Krieger hinabzuführen .


Joe 4,12-13


Der Herr selbst wiederholt nun noch einmal die Aufforderungen der vorhergehenden Verse und fordert die Nationen auf, in das Tal Joschafat zu kommen (vgl. V. 2 ). Mit einem Bild aus der Landwirtschaft befiehlt er dann seinen Kriegern, die Feinde zu vernichten. Der erste Befehl ( Schwingt die Sichel, denn die Ernte ist reif ) vergleicht das Gericht vermutlich mit der Kornernte (vgl. Jes 17,5; Offb 14,15 ). Der zweite ( Kommt, tretet die Trauben ) vergleicht die Vernichtung der Feinde mit der Behandlung von Trauben in einer Kelter (vgl. Jes 63,1-6; Offb 14,18-20 ). Der Grund für das Ende der Nationen ist, daß ihre Bosheit groß ist.

Diese Verse ( Joe 4,12-13 ) zeigen ganz deutlich, daß das in diesem Kapitel erwähnte Gericht letztlich ein göttlicher Kampf gegen die Feinde Israels ist. Das hier beschriebene Ereignis ist also vermutlich mit Harmagedon gleichzusetzen (vgl. Offb 14,14-20; 16,16; 19,11-21 ), nicht mit dem Gericht über die Nationen, das in Mt 25,31-46 vorausgesagt wird.


Joe 4,14-16


Eine unzählbare Schar wird in dem Tal der Entscheidung (auch Tal Joschafat genannt, V. 2.12 ) versammelt sein. Hier wird das Urteil des göttlichen Richters über die Nationen vollstreckt werden. Wie schon früher bei Joel ( Joe 2,10;3,4 ) dient die Verdunklung der Himmelskörper ( Joe 4,15 ) als Zeichen für den herannahenden Tag des HERRN (V. 14 ). Dann wird der Herr aus seinem Heiligtum in Jerusalem kommen in großer Herrlichkeit (V. 16 ; vgl. Am 1,2 ). Sein donnernder Schlachtruf (vgl. wird brüllen und donnern ) wird den Kosmos durcheinanderwirbeln (vgl. Joe 2,10-11; Offb 16,16.18 ). Dann wird er beweisen, daß er Israels Zuflucht (vgl. Ps 46,2; 62,8; Jes 25,4 ) und Burg (vgl. Ps 9,10; 18,3; 27,1; 37,39; 43,2; 144,2 ) ist.


C. Die schließliche Erneuerung Israels
( 4,17-21 )


Joe 4,17


Nach dieser furchtbaren Demonstration der göttlichen Macht wird Israel erkennen ( wissen ), daß der Herr wahrhaftig unter ihm wohnt (vgl. Joe 2,27 ). Jerusalem, wo das Heiligtum des Herrn steht ( mein heiliger Berg ; vgl. die Anmerkungen zu Joe 2,1 ), wird heilig sein und niemals wieder durch ausländische Eroberer entweiht werden (vgl. Jes 52,10-11; Nah 1,15 ).


Joe 4,18 a


Zu dieser Zeit ( an diesem Tag , wenn der Messias im Tausendjährigen Reich über sein Volk herrscht), wird das Land zu einem wirklichen Paradies werden, so daß Gottes Volk seinen landwirtschaftlichen Segen in ganzer Fülle erleben wird. Die Traubenernte wird so reichlich sein, daß Wein beinahe von den Bergen triefen wird. Milch wird ebenfalls im Überfluß vorhanden sein. Auch dies ist ein Zeichen des Wohlstandes, denn Kanaan wurde als ein Land beschrieben, "in dem Milch und Honig fließt" (vgl. die Anmerkungen zu 2Mo 3,8 ; vgl. 2Mo 13,5; 33,3; 3Mo 20,24 ; siehe auch die Anmerkungen zu Jes 55,1 ). Die von den Jahreszeiten abhängigen Ströme ( Bäche ) werden nicht mehr austrocknen. Dieser Überfluß an Wein, Milch (was große Mengen an Vieh voraussetzt) und Wasser ist eine völlige Umkehrung der Folgen der Heuschreckenplage (vgl. Joe 1,5.18.20 ).


Joe 4,18 b


Eine Quelle wird aus dem Haus des HERRN , dem Tempel in Jerusalem, fließen . Ein ähnliches Bild finden wir auch in Hes 47,1-12 und Sach 14,8 . Diese Quelle (und der Strom, der dadurch gebildet wird) wird eine sichtbare Erinnerung dafür sein, daß der Herr die Quelle der Fruchtbarkeit des Landes ist (vgl. Hes 47,8-10.12 ). Das Tal der Akazien ist vermutlich jener Teil des Kidrontales, der durch die Wüste hin zum Toten Meer verläuft (vgl. Hes 47,8 ).


Joe 4,19-20


Im Gegensatz zu dem von Gott geschenkten Überfluß von Juda (V. 18 ) werden die Länder seiner Feinde (hier durch Ägypten und Edom repräsentiert) unfruchtbar sein ( wüst und eine Einöde ). Der Grund für dieses harte Gericht ialst die Mißhandlung, die sie dem Volk von Juda angetan haben. Israels Feinde sind schuldig der Gewttat und des Vergießens von unschuldigem Blut .

Wenn das Buch Joel im neunten Jahrhundert v. Chr. geschrieben wurde, könnte sich die Erwähnung von Ägypten in Joe 4,19 auf dessen Gewalttaten während der Invasion durch den ägyptischen Pharao Schischak beziehen (ca. 926 v. Chr.; vgl. 1Kö 14,25-26 ). Wenn das Buch dagegen in der späten vorexilischen oder in der nachexilischen Zeit abgefaßt wurde, könnte die Invasion durch Pharao Necho II. im Blick sein (609 v. Chr.; vgl. 2Kö 23,29-35 ). Auch Obadja spricht von den Sünden Edoms gegen das Volk Gottes (vgl. Ob 1,9-14 ).

Die Sicherheit und der Wohlstand, die in Joe 4,17-18 beschrieben sind, werden niemals wieder unterbrochen werden. Juda und Jerusalem werden für immer bewohnt sein (vgl. Hes 37,25; Am 9,15; Sach 14,11 ).

Joel

Joe 4,21


Dieser Vers hat unter Auslegern einige Schwierigkeiten aufgeworfen. Manche Übersetzungen halten die erste Hälfte des Verses für eine Erklärung, daß Juda vergeben werden wird ( Ich werde vergeben ). Dagegen spricht jedoch, daß nirgendwo sonst im Buch Joel die Schuld des Blutvergießens auf Juda bezogen wird. Besser ist die Übersetzung, die diese Stelle mit dem Gericht über die Nationen (vgl. V. 19 ) verbindet (nach der LXX), indem sie den Herrn als Rächer des Blutes Judas ansieht ("Ich werde ihr Blut rächen"). Eine weitere Möglichkeit schließlich ist zu übersetzen: "Und soll ich ihr Blutvergießen [das judäische Blut, das durch die Nationen vergossen wurde] unbestraft lassen? Ich werde es nicht tun" (vgl. Allen, The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah , S. 117; eine ähnliche rhetorische Frage und Antwort mit dem gleichen hebräischen Verb, niqqCh , findet sich in Jer 25,29 ).

Das Buch endet mit einer Zusicherung der Gegenwart des Herrn in Zion (vgl. Joe 3,17 ). Über allem anderen ist es diese Tatsache, die die herrliche Zukunft des Volkes, wie sie in Vers 17 - 21 beschrieben ist, sicherstellt.


Joel

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