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Josua Walvoord

Josua

Entstehungszeit


Da große Teile des Buches von einem Augenzeugen geschrieben wurden (vgl. den vorherigen Abschnitt "Verfasserfrage"), hängt die Zeit der Niederschrift eng mit der Zeit des Geschehens zusammen. Nun gibt es eine beträchtliche Uneinigkeit unter den Gelehrten über die Zeit der Eroberung Kanaans unter Josua. Bibeltreue Forscher legen die Eroberung meist ins 15. Jh. v. Chr., andere in das 13. Jh. v. Chr. (mehr über dieses Thema siehe in der Einführung zu 2.Mose). Schlüsselverse, um die Zeit festzulegen, sind 1Kö 6,1 und Ri 11,26 .Nach 1Kö 6,1 verließen die Israeliten Ägypten 480 Jahre vor dem vierten Jahr Salomos, das vor 966 v. Chr. liegen muß. Zählt man diese Zahlen zusammen, ergibt sich als Auszugsjahr 1446 v. Chr. Der Beginn der Eroberung lag 40 Jahre später (nach der Wüstenwanderung) oder 1406 v. Chr. Das Zeugnis von Ri 11,26 bestätigt dies. Jeftah sagt dort, daß die Zeit zwischen der Eroberung und seiner Zeit 300 Jahre betrug. Addiert man 140 Jahre dazu, um die Zeit zwischen Jeftah und dem vierten Jahr Salomos zu überbrücken, ergibt das eine Summe von 480 Jahren, was mit 1Kö 6,1 übereinstimmt (40 Jahre Wüstenwanderung plus 300 Jahre für die Zeit zwischen der Eroberung und Jeftah plus 140 Jahre von Jeftah bis zum vierten Jahr Salomos ergibt 480 Jahre). Da die eigentliche Eroberung sieben Jahre dauerte (vgl. den Kommentar zu Jos 14,10 ), war das Land wahrscheinlich ungefähr im Jahr 1399 v. Chr. endgültig besetzt. Das Buch kann, von geringfügigen Zusätzen abgesehen, kurz danach fertiggestellt worden sein.

Absicht: Die Absicht des Buches Josua ist es, die historische Erfüllung des Versprechens des Herrn an die Patriarchen, Israel das Land Kanaan durch heiligen Krieg zu geben, offiziell darzustellen. Ein "heiliger Krieg" war ein Streit mit vorrangig religiösem Motiv im Gegensatz zu Kriegen mit politischem Motiv zum Schutz oder zur Expansion. Dies kann man aus den Anweisungen zu Beginn ( Jos 1,2-6 ) und der zusammenfassenden Inhaltsangabe am Ende ( Jos 21,43 ) ersehen. Die Eroberung Kanaans unter der Führung Josuas baute auf den Bund mit Abraham auf. Gott machte, nachdem er zunächst mit allen Nationen gehandelt hatte, Abraham zum Mittelpunkt seines Vorhabens und beschloß, die verlorene Welt durch Abrahams Samen zu erreichen. Der Herr schloß einen Vertrag oder einen Bund mit Abraham, in dem er vorbehaltlos versprach, dem Patriarchen und dessen Nachkommen ein Land, Nachkommenschaft und geistlichen Segen zu geben ( 1Mo 12,2-3 ). Kurz danach sagte Gott, daß er Israel das Land für immer geben wolle (vgl. 1Mo 13,15 ). Damals wurden Abraham die Grenzen des Landes genannt ( 1Mo 15,18-21 ). Später bezeugte Gott, daß die rechtmäßigen Erben des gelobten Landes Isaak und seine Nachkommen seien ( 1Mo 17,19-21 ). Darum hält das Buch Josua die Erfüllung der Verheißung an die Patriarchen fest, die ihnen Jahrhunderte vorher von ihrem treuen Gott gegeben worden war. Daß die Nation später enteignet wurde, liegt nicht am Charakter Gottes, sondern an der Wankelmütigkeit seines Volkes, das göttliche Segnungen als selbstverständlich betrachtete, in die Anbetung der Götzen seiner Nachbarn verfiel und deshalb unter das Gericht kam, vor dem Gott es gewarnt hatte (vgl. 5Mo 28,15-68 ). Nach dem Propheten Jesaja sollte der Messias ein zweiter Josua sein, der "das Land wieder aufrichtet und das verwüstete Erbe zuteilt" ( Jes 49,8 ).

Paulus lehrt, daß die Begebenheiten des Auszugs und der Eroberung für Christen bedeutungsvoll sind und daß diese Begebenheiten vorbildhaften Charakter besitzen (vgl. 1Kor 10,1-11 ). Die griechische Form des Namens "Josua" ("Jahwe errettet" oder "Jahwe ist Rettung") ist "Jesus". So wie Josua Israel zum Sieg über die Feinde und zur Inbesitznahme des gelobten Landes führte, und so wie er für das Land Fürsprache einlegte, als es gesündigt hatte und geschlagen wurde, tut es auch Jesus. Er führt das Volk Gottes zur verheißenen Ruhe ( Hebr 4,8-9 ), hält ständig für die Seinen Fürsprache ( Röm 8,34; Hebr 7,25 ) und befähigt sie, ihre Feinde zu besiegen ( Röm 8,37; Hebr 2,14-15 ).



GLIEDERUNG


I. Das Eindringen in Kanaan ( 1,1-5,12 )

     A. Die Bevollmächtigung Josuas ( Kap.1 )
          1. Josuas Hören auf den Herrn ( 1,1-9 )
          2. Josuas Befehle an die Offiziere ( 1,10-15 )
          3. Josua erhält die Unterstützung des Volkes ( 1,16-18 )

     B. Die Erkundung des Volkes ( Kap.2 )
          1. Die Aussendung der Späher nach Jericho ( 2,1 )
          2. Das Verbergen der Späher durch Rahab ( 2,2-7 )
          3. Der Beweis von Rahabs Verständigkeit gegenüber den Spähern ( 2,8-11 )
          4. Das Versprechen der Späher an Rahab ( 2,12-21 )
          5. Die Rückkehr der Späher zu Josua ( 2,22-24 )

     C. Die Überquerung des Jordans ( Kap.3 )
          1. Vorbereitungen für die Überquerung ( 3,1-4 )
          2. Heiligung für die Überquerung ( 3,5-13 )
          3. Die Vollendung der Überquerung ( 3,14-17 )

     D. Die Aufrichtung von Gedenksteinen ( Kap.4 )
     E. Die Heiligung der Israeliten ( 5,1-12 )
          1. Die Erneuerung der Bescheidung ( 5,1-9 )
          2. Die Feier des Passafestes ( 5,10 )
          3. Die Aneignung der Früchte des Landes ( 5,11-12 )

II. Die Eroberung Kanaans ( 5,13-12,24 )

     A. Einführung: Der göttliche Feldherr ( 5,13-15 )
     B. Der eigentliche Feldzug ( Kap.6-8 )
          1. Die Eroberung Jerichos ( Kap.6 )
          2. Die Niederlage gegen Ai ( Kap.7 )
          3. Der Sieg über Ai ( Kap.8 )

     C. Der südliche Feldzug ( Kap.9-10 )
          1. Das Bündnis mit den Gibeoniter ( Kap.9 )
          2. Die Verteidigung der Gibeoniter ( Kap.10 )

     D. Der nördliche Feldzug ( 11,1-15 )
          1. Das Bündnis ( 11,1-5 )
          2. Die Schlacht ( 11,6-15 )

     E. Die Aufzählung der Siege ( 11,16-12,24 )
          1. Die eroberten Gebiete ( 11,16-23 )
          2. Die besiegten Könige ( Kap.12 )

III. Die Verteilung Kanaans ( Kap.13-21 )

     A. Die Anteile der zweieinhalb Stämme ( Kap.13 )
          1. Der göttliche Befehl, das Land aufzuteilen ( 13,1-7 )
          2. Die besondere Zusage an die östlichen Stämme ( 13,8-33 )

     B. Der Anteil für Kaleb ( Kap.14 )
          1. Einleitung ( 14,1-5 )
          2. Kaleb in Kadesch-Barnea ( 14,6-9 )
          3. Kaleb während der Eroberung ( 14,10-11 )
          4. Kaleb bei Hebron ( 14,12-15 )

     C. Die Anteile der neuneinhalb Stämme ( 15,1-19,48 )
          1. Der Anteil für den Stamm Juda ( Kap.15 )
          2. Die Anteil für die Stämme Josefs ( Kap.16-17 )
          3. Die Anteile für die übrigen Stämme ( 18,1-19,48 )

     D. Die Städte für Josua, die Freistädte und die Städte der Leviten ( 19,49-21,45 )
          1. Die besondere Zuteilung für Josua ( 19,49-51 )
          2. Die Bestimmung von Freistädten ( Kap.20 )
          3. Die Festsetzung von Levitenstädten ( 21,1-42 )
          4. Zusammenfassung der Aufteilung des Landes ( 21,43-45 )

IV. Schluß ( Kap.22-24 )

     A. Eine Grenzstreitigkeit ( Kap.22 )
          1. Die Ermahnungen Josuas ( 22,1-8 )
          2. Der Götzendienst der östlichen Stämme ( 22,9-11 )
          3. Die Kriegsdrohung ( 22,12-20 )
          4. Die Verteidigung der östlichen Stämme ( 22,21-29 )
          5. Die Versöhnung der Stämme ( 22,30-34 )

     B. Die letzten Tage Josuas ( 23,1-24,28 )
          1. Josuas letzte Ermahnungen an die Oberhäupter ( Kap.23 )
          2. Josuas letze Ermahnung an das Volk ( 24,1-28 )

     C. Nachwort ( 24,29-33 )


AUSLEGUNG


I. Das Eindringen in Kanaan
( 1,1-5,12 )


A. Die Bevollmächtigung Josuas
( Jos 1 )


1. Josuas Hören auf den Herrn
( 1,1-9 )


Jos 1,1


Die einleitenden Worte nach dem Tod Moses verbinden dieses Buch mit 5.Mose (vgl. 5Mo 34,1-9 ). Vor Moses Tod war Josua zu seinem Nachfolger bestimmt worden (vgl. 4Mo 27,15-23; 5Mo 3,21-22; 31,1-8 ). Josua war über etliche Jahre Moses junger Gehilfe gewesen ( 2Mo 24,13; 33,11; 4Mo 11,28 ). Er kam aus dem Stamm Ephraim ( 4Mo 13,8 ) und lebte 110 Jahre ( Jos 24,29 ).

Josua fühlte sich wahrscheinlich einsam und wachte erwartungsvoll in der Nähe des Jordanflusses, um die Stimme Gottes zu hören. Er wurde nicht enttäuscht. Wenn Gottes Knechte sich Zeit zum Hören nehmen, tritt Gott immer mit ihnen in Verbindung. Heutzutage spricht er normalerweise durch sein geschriebenes Wort. Doch im AT sprach er in Träumen bei Nacht, in Visionen am Tag, durch den Hohenpriester und manchmal mit vernehmbarer Stimme.



Jos 1,2


Mit welcher Methode Gott auch immer mit Josua kommunizierte, die Botschaft war deutlich. Mose, Gottes Knecht, war tot . (Interessanterweise wird Mose in Josua 1 dreimal "der Knecht des Herrn" genannt, V. 1.13.15 ; vgl. 2Mo 14,31 ,und 13 Mal an anderer Stelle in Josua. Am Ende von Josuas Leben wurde er selbst schließlich auch "der Knecht des Herrn" genannt, Jos 24,29 .) Doch obgleich Mose tot war, war Gottes Wunsch immer noch lebendig, und Josua war nun die Schlüsselfigur, um Gottes Vorhaben zu erfüllen. Gottes Anweisungen waren eindeutig. Josua sollte den sofortigen Befehl über das ganze Volk übernehmen und es über den Jordan in das Land führen, das Gott ihnen geben wollte. Niemand kann Gottes Recht bezweifeln, Kanaan den Israeliten zu geben, denn ihm gehört die ganze Erde, wie es ein Psalmist später bezeugte: "Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen" ( Ps 24,1 ).



Jos 1,3-4


Obwohl das Land Gottes Geschenk an Israel war, konnte es nur durch harten Kampf gewonnen werden. Der Herr gab ihnen das Eigentum des Landes, doch um es zu besitzen, mußten sie über jedes Gebiet wandern. Die Grenzen, die Gott festgesetzt und Abraham ( 1Mo 15,18-21 ) und Mose ( 5Mo 1,6-8 ) versprochen hatte, sollten von der Wüste im Süden bis zum Gebirge des Libanon, und vom Euphrat im Osten bis zum großen Meer, dem Mittelmeer, im Westen reichen. Der Zusatz, das ganze Land der Hetiter, meint wahrscheinlich nicht das riesige Reich dieses Namens nördlich von Kanaan, sondern geht zurück auf den Umstand, daß in früheren Zeiten die gesamte Bevölkerung Kanaans oder ein Teil davon manchmal "Hetiter" genannt wurden (vgl. 1Mo 15,20 ). Gruppen von Hetitern gab es nur hier und dort in Kanaan.

38 Jahre zuvor hatte Josua als einer der 12 Späher dieses gute und fruchtbare Land erkundet ( 4Mo 13,1-16; in 4Mo 13,8 wurde er "Hoschea", eine Variante seines Namens, genannt). Die Erinnerung an dessen Schönheit und Fruchtbarkeit war noch nicht vergangen. Nun sollte er die Armeen Israels anführen, um dieses Gebiet zu erobern.

Wie groß war die Ausdehnung dieser Grenzen? Das Gebiet, das in der Zeit Josuas tatsächlich erobert und besetzt wurde, war viel kleiner als das, das Israel in 1Mo 15,18-21 versprochen worden war. Selbst zur Zeit Davids und Salomos, als das Land seine größte Ausdehnung erreichte, lagen die fehlenden Gebiete nur in Israels Einflußbereich.

Wann wird die Nation Israel das Land ganz besitzen? Die Propheten haben erklärt, daß zur Zeit der Wiederkunft Christi Jesus die Juden wiedervereinen und in dem Land über ein bekehrtes und erlöstes Israel herrschen wird. Die völlige Inbesitznahme des Landes wird an diesem Tag geschehen (vgl. Jer 16,14-16; Am 9,11-15; Sach 8,4-8 ).

Josua

Jos 1,5


Als Josua die riesige Aufgabe, Kanaan zu erobern, vor Augen hatte, brauchte er ein mutmachendes Wort. Aus eigener Erfahrung wußte Josua, daß die Kanaaniter und die anderen Völker starke Völker waren, die in schwerbefestigten Städten wohnten (vgl. 4Mo 13,28-29 ). Häufige Kämpfe hielten ihre Krieger in ordentlicher Kampfbereitschaft. Außerdem war das Land zum größten Teil gebirgig, eine Tatsache die die Truppenbewegungen höchst beschwerlich machen würden. Doch wenn Gott einen Befehl gibt, verbindet er ihn oft mit einer Zusage, und so versprach er Josua einen lebenslang anhaltenden Sieg über seine Feinde, der auf seiner unfehlbaren Gegenwart und Hilfe beruhte. Die Worte Ich werde dich nie verlassen (vgl. Jos 1,9 ) können auch mit "Ich werde dich nie fallenlassen oder aufgeben" übersetzt werden. Gott läßt niemals ein Versprechen platzen.


Jos 1,6


Aus dieser starken Zusage, daß Gott Josua niemals verlassen würde, entsprang Gottes dreifacher Aufruf. Zuerst wurde Josua aufgefordert, stark und mutig zu sein (vgl. V. 7.9.18 ), weil Gott das Land versprochen hatte . Stärke und Kraft würden für den bevorstehenden anstrengenden Feldzug benötigt werden, doch Josua sollte zuallererst in Erinnerung behalten, daß er erfolgreich sein würde, Israel zu führen, das Land in Besitz zu nehmen , weil es ihren Vorvätern, nämlich Abraham ( 1Mo 13,14-17; 15,18-21; 17,7-8; 22,16-18 ), Isaak ( 1Mo 26,3-5 ), Jakob ( 1Mo 28,13; 35,12 ) und der ganzen Nation, dem Samen Abrahams ( 2Mo 6,8 ), als ein ewiges Eigentum versprochen worden war. Josua sollte nun endlich die Kinder Israels zur Inbesitznahme dieses verheißenen Landes führen. Was für eine wichtige Rolle sollte er in dieser schwierigen Zeit der Geschichte seines Volkes spielen! Während die Erfüllung dieser großartigen und bedeutungsvollen Verheißung in jeder Generation jeweils von Israels Gehorsam gegenüber Gott abhängig ist, bedarf es keiner Frage, daß die Bibel ihr Recht auf das Land bezeugt. Durch göttlichen Vertrag sind sie die Eigentümer, selbst wenn sie es nicht ganz besitzen und sich daran erfreuen, bis sie mit Gott wieder im reinen sind.



Jos 1,7-8


Zum zweiten Mal wurde Josua aufgefordert, stark und sehr mutig zu sein und darauf achtzuhaben, das ganze Gesetz Moses zu halten . Dieses Gebot beruht auf Gottes Kraft durch sein Wort. Dies ist eine stärkere Ermahnung, die aufzeigt, daß größere Charakterstärke notwendig ist, um Gottes Wort treu und völlig zu gehorchen, als um Schlachten zu gewinnen. Die Betonung in diesen Versen liegt eindeutig auf einer schriftlich, d. h. in Buchform, festgehaltenen Wahrheit. Viele Kritiker behaupten, daß die Schrift erst etliche Jahrhunderte später in schriftlicher Form erschien, doch hier ist ein klarer Verweis auf ein autoritatives Buch des Gesetzes .

Um bei der Eroberung Kanaans Glück zu haben und erfolgreich zu sein, mußte Josua nach der Schrift drei Dinge tun: (a) Das Gesetz durfte nicht von seinem Munde weichen , sondern er mußte darüber reden (vgl. 5Mo 6,7 ); (b) er sollte darüber bei Tag und Nacht nachdenken und nachsinnen (vgl. Ps 1,2; 119,97 ); (c) er sollte alles, was darin geschrieben steht, tun , seinen Gesetzen völlig gehorchen und nach ihnen handeln (vgl. Esr 7,10; Jak 1,22-25 ).

Josuas Leben demonstriert, daß er auf praktische Weise entsprechend den Lehren des Gesetzes Mose, dem einzigen Teil des Wortes Gottes, das es zu der Zeit in schriftlicher Form gab, lebte. Allein dies erklärt die Siege, die er in der Schlacht errang, und den Erfolg, der seine gesamte Laufbahn begleitete. In einer seiner Abschiedsreden an das Volk, kurz bevor er starb, drängte er es, in Übereinstimmung mit der Schrift zu leben ( Jos 23,6 ). Leider gehorchten sie diesem Rat nur eine kurze Zeit. In nachfolgenden Generationen lehnte es das Volk Israel ab, von Gottes autoritativer Offenbarung geleitet zu werden, und die Israeliten taten, was ihnen gefiel ( Ri 21,25 ). Indem sie eine objektive Grundlage der Gerechtigkeit ablehnten, wählten sie eine subjektive, die vom moralischen und geistlichen Relativismus gekennzeichnet war. Dies wiederum stürzte die Nation in Jahrhunderte religiöser Abtrünnigkeit und moralischer Anarchie.


Jos 1,9


Der dritte Aufruf an Josua, mutig zu sein, war auf das Versprechen von Gottes Gegenwart gegründet. Dies verkleinerte nicht die Aufgabe, die Josua vor sich hatte. Er würde Riesen und befestigte Städte vorfinden, doch Gottes Gegenwart würde den Unterschied ausmachen.

Josua hatte wahrscheinlich Zeiten, in denen er sich schwach, unwohl und ängstlich fühlte. Vielleicht überlegte er zu resignieren, bevor die Eroberung überhaupt losging. Doch Gott wußte von allen seinen Gefühlen, persönlichen Schwächen und Ängsten und forderte ihn dreimal auf: Sei stark und mutig (V. 6-7.9 ; vgl. V. 18 ). Gott drängte ihn auch, nicht ängstlich oder entmutigt zu sein (vgl. 5Mo 1,21; 31,8; Jos 8,1 ). Diese Ermahnungen mit den begleitenden Zusagen (Gottes Versprechen, Gottes Kraft und Gottes Gegenwart) reichten aus, um ein Leben lang zu halten. Gläubige aller Zeiten können von den gleichen drei Zusagen aufgerichtet werden.



2. Josuas Befehle an die Offiziere
( 1,10-15 )


Der Herr hatte zu Josua gesprochen. Nun sollte Josua zu dem Volk reden, was er ohne Verzögerung tat. Josuas Befehle klangen überzeugend. Der neue Anführer hatte die Aufgabe im Vertrauen angenommen. Die Situation, die Josua und das Volk vor sich hatten, war nicht einfach. Tatsächlich glich seine Lage sehr stark dem Dilemma, das Mose und die Israeliten am Roten Meer vorfanden ( 2Mo 14 ). In beiden Fällen trat das Hindernis am Anfang des Dienstes, den die beiden Führer zu leisten hatten, auf. Beide waren unmöglich auf natürlichem Weg zu bewältigen. Beide verlangten völliges Vertrauen in und absolute Abhängigkeit von Gottes wunderwirkender Kraft.

Jos 1,10-11


Zwei Dinge verlangten Aufmerksamkeit. Erstens mußten Vorräte gesammelt werden, denn obwohl das tägliche Manna noch nicht aufgehört hatte, sollte das Volk einige der Früchte und Getreide von den Feldern Moabs für sich selbst und für sein Vieh sammeln. Der Befehl zur "Vorbereitung" wurde von Josua an die Offiziere gegeben, die wie die heutigen Adjutanten oder Stabsoffiziere die Befehle ihres vorgesetzten Offiziers an die Leute weiterleiteten. In drei Tagen (vgl. Jos 2,22 ) würde die Eroberung beginnen.



Jos 1,12-15


Josuas zweite Aufgabe war es, die Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse daran zu erinnern, daß, auch wenn sie ihr Erbe östlich des Jordans erhalten hatten, sie doch dazu verpflichtet waren, mit ihren Brüdern weiterzukämpfen und ihnen dabei zu helfen, das Land westlich des Jordans zu erobern ( 4Mo 32,16-32; 5Mo 3,12-20 ). Das Schlüsselwort hier ist denkt daran, und ihre Reaktion ( Jos 1,16-18 ) zeigt, daß sie ihr Versprechen nicht vergessen hatten und bereit waren, dazu zu stehen. Tatsächlich sollten sie als Überraschungstruppen dienen und den Angriff auf Kanaan anführen (V. 14 , vor euren Brüdern hinüberziehen ).



3. Josua erhält die Unterstützung des Volkes
( 1,16-18 )


Jos 1,16-18


Die Reaktion der zweieinhalb Stämme war enthusiastisch und kam von ganzem Herzen. Sie spiegelte sicherlich auch die Haltung aller Stämme in dieser heiklen Zeit der Vorbereitung auf die Invasion wieder. Wie mutmachend muß es auf den neuen Führer gewirkt haben, zu wissen, daß das Volk darin einig war, ihn zu unterstützen. Ihr Treue- und Gehorsamsschwur ( wir werden dahin gehen ... wir werden dir gehorchen ) beinhaltete die ernsthafte Erklärung, daß jeder, der des Ungehorsams schuldig wurde, hingerichtet werden sollte. Die Stämme ermutigten Josua sogar, stark und mutig zu sein (vgl. V. 6-7.9 )!

Doch es gab eine Voraussetzung: Sie wollten Josua folgen, wenn er einwandfrei die Tatsache beweisen konnte, daß er von Gott geführt werde (V. 17 ). Dies war eine weise Vorsichtsmaßnahme, die auch später wichtig war, wenn sich Israels Führer nicht als falsche Propheten oder "blinde Blindenführer" entpuppen sollten.



B. Die Erkundung Jerichos
( Jos 2 )


Josua war einer der 12 Späher gewesen, die das Land erkundschaftet hatten ( 4Mo 13-14 ). Nun, als er sein Gesicht gen Westen hob und das Land gegenüber des reißenden Jordans erblickte, das Gott ihnen versprochen hatte, war es für ihn selbstverständlich, die nötigen Informationen einzuholen, um einen erfolgreichen Krieg führen zu können. Diese Schlacht war die erste in einem langen und beschwerlichen Krieg.



1. Die Aussendung der Späher nach Jericho
( 2,1 )


Jos 2,1


Inmitten des Weges, den die Eroberer zu nehmen hatten, ragte die ummauerte Stadt Jericho empor, die Schlüsselfestung der Jordanebene, die die Wege zu den mittleren Gebirgen kontrollierte. Doch bevor er sie angriff, benötigte Josua eingehende Informationen über diese Festung - über Tore, befestigte Türme, die Streitkraft und die Stimmung ihrer Einwohner. Also wurden zwei Kundschafter ausgewählt und zu einer sorgfältig geheimgehaltenen Mission entsandt. Nicht einmal die Israeliten wurden davon in Kenntnis gesetzt, damit ein unerfreulicher Bericht sie nicht entmutigen würde, wie es bei ihren Vätern bei Kadesch-Barnea geschehen war ( 4Mo 13,1-14,4 ).

Indem sie ihr Leben aufs Spiel setzten, verließen die beiden Späher Schittim , das 12 km östlich des Jordans lag, und wanderten wahrscheinlich nach Norden, wobei sie an einer Furt den Jordan schwimmend überquerten (vgl. Jos 3,15 ). Indem sie sich nach Süden wandten, näherten sie sich Jericho von der Westseite und befanden sich schon bald auf ihren Straßen zwischen den Einwohnern.

Warum die Kundschafter das Haus einer Prostituierten mit Namen Rahab wählten, wird nicht offenbart. Während einige vermuten, daß sie sie auf der Straße gehen sahen und ihr folgten, erscheint es besser, anzunehmen, daß die Männer durch die Vorsehung Gottes dorthin geführt worden waren. Gottes Absicht für den Besuch Jerichos durch die Späher beinhaltete mehr als die Beschaffung von militärischen Daten. Es gab dort eine sündige Frau, die Gott in seiner Gnade von dem Gericht zu verschonen gedachte, dem die Stadt bald verfallen würde. Also brachte der Herr auf seltsame Art und Weise zwei Geheimagenten des Heeres Israel und eine Hure Kanaans, die eine Anhängerin des Gottes Israel werden sollte, zusammen.

Einige Ausleger von der Zeit des Josephus bis heute haben versucht, die Situation dadurch zu entschärfen, indem sie behaupteten, daß Rahab nur eine Gastwirtin gewesen sei, doch die neutestamentlichen Erwähnungen von Rahab besagen eindeutig, daß sie eine unmoralische Frau gewesen ist ( Hebr 11,31; Jak 2,25 ). Dies stellt auf gar keinen Fall die Gerechtigkeit Gottes in Frage, der solch eine Person für die Erfüllung seiner Absichten benutzte. Statt dessen veranschaulicht dieser Vorfall nur noch mehr Gottes Güte und Gnade (vgl. Mt 21,32; Lk 15,1; Lk 19,10 ).

 

2. Das Verbergen der Späher durch Rahab
( 2,2-7 )


Jos 2,2-3


Die Verstellung der Spione war nicht ausreichend. Die ganze Stadt war auf der Hut, da sie über das Lager Israels auf der anderen Seite des Jordans Bescheid wußte. Jemand erkannte die Späher, folgte ihnen bis zum Haus Rahabs und kehrte schnell zurück, um dem König Bericht zu erstatten. Der König, der schnell reagierte, sandte Boten, die von Rahab forderten, daß die Späher sich ergeben sollten. Mit Rücksicht auf den orientalischen Brauch, die Privatsphäre auch einer Frau wie Rahab zu respektieren, unterließen sie es, in das Haus einzubrechen und es zu durchsuchen.


Jos 2,4-6


Doch offenbar hatte Rahab auch Vermutungen über die Identität ihrer beiden Besucher angestellt. Als sie die Soldaten kommen sah, die sich dem Hause näherten, verbarg sie die Späher unter den Flachsstengeln, die auf ihrem Flachdach zum Trocknen lagen. Nachdem die Flachsstengel in der Erntezeit herausgezogen worden waren, wurden sie für drei bis vier Wochen zum Aufsaugen in Wasser gelegt, um danach die Fasern trennen zu können. Dann wurde der Flachs, nachdem er in der Sonne getrocknet war, zu Leinentuch verwebt.

Nachdem sie dann hinuntergeeilt war, um den Gesandten des Königs die Tür zu öffnen, gab sie offen zu, daß zwei Fremde in ihr Haus gekommen seien, doch woher hätte sie deren Identität und Auftrag wissen sollen? "Sie sind bei Anbruch der Dunkelheit ungefähr zur Zeit, wenn das Stadttor geschlossen wird, gegangen", log sie. "Doch wenn ihr euch beeilt, könnt ihr sie möglicherweise noch stellen."



Jos 2,7


Die Soldaten nahmen Rahab beim Wort und durchsuchten ihren Besitz nicht, sondern ritten aus, um ihnen nach Osten zu den Furten des Jordans nachzujagen, weil dies der wahrscheinlichste Fluchtweg war.

War es für Rahab verboten zu lügen, obgleich ihre Falschheit die Späher beschützte? Gibt es einige Situationen, in denen eine Lüge angebracht ist?

Immerhin, sagen einige, war dies eine Sache der damaligen Kultur, da ja Rahab bei den gottlosen Kanaanitern geboren worden und aufgewachsen war, bei denen das Lügen allgemein praktiziert wurde. Möglicherweise sah sie nichts Böses in ihrer Tat. Außerdem wären die Spione vom König getötet worden, wenn sie die Wahrheit gesagt hätte.

Solche Argumente sind jedoch nicht überzeugend. Zu argumentieren, daß die Spione sicherlich verloren gewesen wären, wenn Rahab die Wahrheit gesagt hätte, bedeutet, die Tatsache zu ignorieren, daß Gott die Späher auch auf eine andere Art hätte beschützen können. Rahab damit zu entschuldigen, daß sie einer allgemeinen Praxis folgte, bedeutet, etwas nicht ernst zu nehmen, was Gott verwirft. Paulus zitiert einmal einen Propheten aus Kreta, der gesagt hatte, daß die Kreter permanente Lügner seien, und fügt dann hinzu: "Dieses Zeugnis ist wahr. Aus diesem Grund weise sie scharf zurecht, damit sie gesund werden im Glauben" ( Tit 1,13 ). Die Lüge Rahabs wurde zwar niedergeschrieben, aber nicht gerechtfertigt. Die Bibel rechtfertigt ihren Glauben, der sich durch gute Werke erwies ( Hebr 11,31 ), jedoch nicht ihre Falschheit. (Manche entschuldigen Rahabs Lüge, indem sie behaupten, daß Täuschung im Krieg erlaubt sei.)



3. Der Beweis von Rahabs Verständigkeit gegenüber den Spähern
( 2,8-11 )


Jos 2,8-11


Dann fand eine sehr beachtliche Besprechung statt. Die Gesandten des Königs waren gegangen und Rahab stieg auf das Dach ihres Hauses, wo sie in der Dunkelheit mit den beiden Spähern sprach. Man ist auf ihre nun folgende Glaubenserklärung kaum vorbereitet. Als erstes eröffnete sie, daß sie glaubte, daß der Herr, der Gott Israels, Israel das Land Kanaan gegeben hatte. Obwohl das Heer Israels den Jordan noch gar nicht überquert hatte, meinte Rahab: "Die Eroberung ist so gut wie geschehen". Zweitens gab sie den Spähern die unbezahlbare Information, daß die Bewohner Jerichos, so wie auch der Rest Kanaans, völlig demoralisiert waren: Alle Bewohner dieses Landes beben in Angst vor euch (vgl. V. 24 , und V. 11 , unsere Herzen sind verzagt und jedem fehlt der Mut ). Dies war so, wie Gott es vorhergesagt hatte, daß es geschehen würde ( 2Mo 23,27; 5Mo 2,25 ). Da es die Hauptaufgabe der Späher war, die Moral des Feindes zu erkunden, war dieses Wort allerdings "Musik in ihren Ohren". Doch warum die Angst? Wegen der Kraft des Gottes Israels, der 40 Jahre vorher das Rote Meer für die hebräischen Sklaven geteilt, und ihnen vor kurzem den Sieg über Sihon und Og , die mächtigen Könige der Amoriter östlich des Jordan, geschenkt hatte ( 4Mo 21,21-35 ). Nun kehrte sich derselbe Gott gegen sie, und sie wußten, daß sie nicht gewinnen konnten.

Dann bezeugte Rahab ihren Glauben an den Gott Israels: Denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde . Als Antwort auf das Wort, das sie über das mächtige Wirken Gottes empfangen hatte, glaubte Rahab und vertraute auf seine Kraft und Gnade. Dieser Glaube rettete sie. Doch wie konnte Rahab so einen offensichtlichen Glauben haben und trotzdem eine Hure sein und so leichtfertig Lügen erzählen? Die Antwort scheint zu sein, daß sie später auch auf weitere Botschaften über Gottes Lebensprinzipien reagierte und gehorsam war, nachdem sie am Anfang auf die Botschaft über Gottes Werke mit Glauben reagiert hatte. Immerhin erfolgt geistliches Wachstum stufenweise und nicht mit einem Mal Selbst John Newton, der das Gospel "Amazing Grace" (Durch Gnade frei) dichtete, betrieb nach seiner Bekehrung noch Sklavenhandel, bevor er sich der Schändlichkeit und Entwürdigung dieser Praxis bewußt wurde und sie aufgab.



4. Das Versprechen der Späher an Rahab
( 2,12-21 )


Jos 2,12-13


Rahab bewies ihren Glauben nicht nur durch das Beschützen der Späher ( Hebr 11,31; Jak 2,25 ), sondern auch dadurch, daß sie sich um die Sicherheit ihrer Familie kümmerte. Vermutlich sorgte sie sich um die körperliche Sicherheit ihrer Familie, jedoch wird sie auch den Wunsch gehabt haben, daß diese auch ein Teil des Volkes Gottes würden, anstatt von der schändlichen und unwürdigen Götzenanbetung der Kanaaniter versklavt zu werden.

Sie äußerte dieses dringende Anliegen zwar vorsichtig, jedoch mit Nachdruck, und drängte die Späher dazu, wegen ihrer Kooperationsbereitschaft mit ihr einen Pakt zu schließen.

Als Rahab um Freundlichkeit ( HeseD ) gegenüber ihrer Familie bat, benutzte sie ein bedeutungsvolles Wort. HeseD , das 250 Mal im AT vorkommt, bedeutet ehrliche, standhafte oder treue Liebe, die auf einem Versprechen, einer Übereinkunft oder einem feierlichen Abkommen beruht. Manchmal wird das Wort benutzt, um Gottes treue Liebe zu seinem Volk auszudrücken, und manchmal auch, wie hier, für Beziehungen auf menschlicher Basis. Es war Rahabs Bitte, daß die Späher mit ihr und der Familie ihres Vaters ein HeseD -Bündnis schlössen, so wie sie mit ihnen ein HeseD -Bündnis geschlossen hatte, indem sie ihr Leben rettete.



Jos 2,14


Die Antwort der Späher kam sofort und entschieden. "Wenn der Herr uns das Land, das heißt, Jericho, gibt, werden wir das HeseD -Abkommen einhalten. Wenn du unseren Auftrag nicht verrätst, werden wir dich und deine Familie beschützen, oder unser eigenes Leben einbüßen" (Übertragung durch den Autor).

 

Jos 2,15-20


Als die Späher sich zum Gehen fertigmachten, bestätigten sie noch einmal den Bund, indem sie die Bedingungen, die Rahab einzuhalten hatte, wiederholten und sie ihr einschärften. Erstens mußte ihr Haus durch ein rotes Seil , das aus dem Fenster hing, gekennzeichnet sein. Wegen der Lage des Hauses auf der Stadtmauer (vgl. den Kommentar zu V. 21 zum Haus auf der Stadtmauer) würde das Seil von den israelitischen Soldaten immer und immer wieder gesehen werden, während sie um die Mauern herummarschierten ( Jos 6,12-15 ). Ihr Haus würde deutlich gekennzeichnet sein, und kein Soldat, wie eifrig und verbissen er auch mit der Zerstörung beschäftigt sein würde, würde es wagen, den Schwur anzutasten und irgend jemanden in diesem Haus zu töten.

Zweitens sollten Rahab und ihre Familie während des Angriffs auf Jericho in dem Haus verweilen. Sollte jemand hinausgehen und getötet werden, wäre er selbst und nicht die Eroberer schuld an seinem Tod. Zuletzt betonten die Späher noch einmal, daß sie von diesem Schutzversprechen entbunden würden, wenn Rahab ihren Auftrag preisgäbe.



Jos 2,21


Rahab nahm diese Bedingungen an, und nachdem die Späher gegangen waren, band sie das rote Seil ins Fenster . Wahrscheinlich beeilte sie sich auch, ihre Familie aufzufordern, sich im Hause zu versammeln. Die Tür zu ihrem Hause war eine Tür zum Schutz vor dem Gericht, das schon bald über Jericho kommen würde (vgl. 1Mo 7,16; 2Mo 12,23; Joh 10,9 ).

Als ihre Mission beendet war, tauschten die Späher mit Rahab Anweisungen, die ihre Flucht betrafen, aus (vgl. Jos 2,15-16 ). Jericho war zu der Zeit von zwei Mauern umgeben, die ungefähr 5 Meter auseinanderlagen. Über den Zwischenraum waren Holzbalken gelegt und auf diesem Fundament Häuser gebaut worden. Wahrscheinlich war Rahabs Haus auch eines von denen, die wegen des Platzmangels in der engen Stadt "auf der Mauer" gebaut worden waren. Auf diese Weise war es ein Teil der Stadtmauer (V. 15 ).



5. Die Rückkehr der Späher zu Josua
( 2,22-24 )


Jos 2,22-24


Die Späher wurden an einem Seil durch ein Fenster im Haus Rahabs vorsichtig hinuntergelassen (V. 15 ). Ihre Flucht wäre viel schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich gewesen, wenn sie durch das Stadttor hätten gehen müssen.

Knapp 800 m westlich von Jericho erheben sich Kalksteinfelsen, die bis zu 450 m hoch aufragen und von Höhlen durchsetzt sind. Hier versteckten sich die Späher ( in den Hügeln ) drei Tage lang (vgl. Jos 1,11 ), bis die Soldaten Jerichos die Verfolgungsjagd aufgaben. Dann schwammen die Späher im Schutz der Dunkelheit über den Jordan, marschierten zügig zum Lager bei Schittim (vgl. Jos 2,1 ) und berichteten Josua von ihrem wundersamen und aufwühlenden Abenteuer und der alarmierten und verzagten Stimmung der Kanaaniter. Ihre Folgerung war: Der HERR hat das ganze Land in unsere Hände gegeben, und alle Bewohner des Landes sind vor uns feige geworden (vgl. V. 9 ; 2Mo 23,27; 5Mo 2,25 ). Was für ein Unterschied war das im Vergleich mit dem Bericht der Mehrheit der Späher bei Kadesch-Barnea, die sagten: "Wir vermögen nicht hinaufzuziehen gegen dies Volk, denn sie sind uns zu stark." ( 4Mo 13,31 ).



C. Die Überquerung des Jordan
( Jos 3 )


1. Vorbereitungen für die Überquerung
( 3,1-4 )


Jos 3,1


Josua war ein Mann der Tat. Nachdem die Späher nun zurück waren und Bericht erstattet hatten, begann Israels Führer sofort mit den Vorbereitungen, die nötig waren, um den Jordan zu überqueren und in Kanaan einzufallen. Bis jetzt hatte Josua keine Vorstellung davon, wie diese große Menge Menschen den überquellenden Fluß überqueren sollte (vgl. V. 15 ). Doch im Glauben, daß Gott es schon irgendwie möglich machen würde, ließ er sie alle mitsamt ihrem Hab und Gut die elf Kilometer von Schittim bis zum Jordan ziehen. (Schittim ist möglicherweise mit Abel-Schittim identisch, das in 4Mo 33,49 erwähnt wird.)



Jos 3,2-3


Als sie am Fluß ankamen, hielten sie für drei Tage. Ohne Zweifel benötigten die Führer Zeit, um die Überquerung zu organisieren und Befehle an die Leute weiterzuleiten. Das Warten gab auch jedem die Möglichkeit, sich den Fluß näher zu betrachten, der wegen der Schneeschmelze des Hermon im Norden ein reißender Strom war. Ihre Herzen werden wohl beim Anblick der scheinbaren Unmöglichkeit der Überquerung gestockt haben.

Am Ende des dritten Wartetages bekam das Volk Anweisungen. Die Wolkensäule würde sie nicht länger anführen, statt dessen sollten sie nun der Bundeslade folgen. Keine Militärkundschafter würden zuerst ins Land vorstoßen, sondern die Priester, die die Bundeslade trugen (vgl. V. 11 ). Da die Lade den Herrn selbst symbolisierte, war es Jahwe, der sein Volk nach Kanaan hineinführte.



Jos 3,4


Die Lade sollte voranziehen und das Volk hinterhermarschieren, oder sie möglicherweise von drei Seiten umgeben. Sie sollten jedoch einen Abstand von ungefähr 1 km einhalten. Warum? Wahrscheinlich, um sie an die Heiligkeit der Lade und des Gottes, den sie repräsentierte, zu erinnern. Sie sollten kein ungezwungenes oder ehrfurchtsloses Verhältnis zu Gott haben, sondern einen Geist tiefer Ehrfurcht und großen Respektes. Gott sollte nicht als "der Mann da oben" angesehen werden, sondern als der alleinige und heilige Gott der ganzen Erde.

Der Abstand war auch erforderlich, damit eine möglichst große Menge des großen Volkes die Lade sehen konnte. Gott wollte sie über unbekanntes Gelände führen, auf einem Weg, den sie noch nie zuvor gegangen waren. Es war neues Gebiet, also konnten sie ohne die Führung und Leitung des Herrn nicht wissen, in welche Richtung sie gehen sollten.



2. Heiligung für die Überquerung
( 3,5-13 )


Jos 3,5


Als sich der Tag der Überquerung näherte, befahl Josua dem Volk, sich zu heiligen oder zu weihen . Es wäre leichter zu verstehen, wenn er gesagt hätte: "Schärft eure Schwerter und prüft eure Schilder!" Doch zu dieser Zeit war geistliche und keine militärische Vorbereitung nötig, denn Gott würde sich bald zu erkennen geben, indem er ein großes Wunder in Israels Mitte vollbringen würde. So wie eine Person sich gewissenhaft vorbereiten würde, um jemanden mit irdischem Ruhm zu treffen, so war es für die Israeliten selbstverständlich, sich auf eine Offenbarung des Gottes der ganzen Erde vorzubereiten. Derselbe Befehl war am Sinai ergangen, als die vorangegangene Generation sich für die majestätische Offenbarung des Herrn vorbereitete, als dieser das Gesetz gab ( 2Mo 19,10-13 ).

Doch das war noch nicht alles. Das Volk Israel sollte erwarten , daß Gott ein Wunder vollbringen würde. Sie sollten sich in einer erwartungsvollen, gespannten Haltung befinden. Israel sollte den Blick für seinen Gott nicht verlieren, der Unglaubliches und menschlich Unmögliches vollbringen konnte.



Jos 3,6-8


Dann sagte der Herr zu Josua, wie die Überquerung ablaufen sollte, und erklärte Josua, daß dieses Wunder ihn zum Führer des Volkes erheben oder erklären würde. Es war Zeit, Josuas Glaubwürdigkeit als Gottes Repräsentant, der Israel führen sollte, zu manifestieren. Was gab es da Besseres, als daß Josua seinen Weg durch einen durch ein Wunder geteilten Fluß leitete? Tatsächlich achtete das Volk Josua und wußte, daß Gott mit ihm war ( Jos 3,7; vgl. Jos 1,5.9 ).



Jos 3,9-13


Doch als Josua dem Volk die Worte Gottes weitersagte, erwähnte er das besondere Versprechen, daß er durch dieses Wunder geehrt werden würde, nicht. Dagegen sagte er zu ihnen, daß dieses Wunder beweisen würde, daß der lebendige Gott, im Gegensatz zu den toten Götzen, die von den Heiden verehrt wurden, in ihrer Mitte war. Außerdem würde der lebendige Gott, neben dem Öffnen eines Weges mitten durch den reißenden Jordan, die sieben Völker, die das Land bewohnten, vertreiben. Das Gelöbnis der lebendige Gott ist unter uns wurde zum Leitmotiv der Eroberung und der Schlüssel zum Sieg über die Feinde in diesem Land. Es ist ein Versprechen, das fast auf jeder Seite dieses Buches erscheint: "Ich werde mit dir sein!" Ein Versprechen, das für das Volk des Herrn immer noch gilt: die Zusicherung seiner Gegenwart. Da Gott der HERR ( ?XDNn , "Gebieter") der ganzen Erde ist (vgl. Ps 97,5 ), war er sicherlich auch imstande, sein Volk über den Fluß zu bringen.

 

3. Die Vollendung der Überquerung
( 3,14-17 )


Jos 3,14-15 a


Der Tag der Überquerung des Jordans, der Tag an dem Israel Kanaan betreten sollte, war endlich angebrochen. Das Volk brach die Zelte ab und folgte den Priestern, die die Lade trugen, zum Ufer des Jordan. Es war die Zeit der Gerstenernte im Monat Nisan (März/April), der erste Monat ihres Jahres ( Jos 4,19 ). Der Fluß führte Hochwasser , ein böses Omen für die Priester und das Volk, und eine harte Prüfung ihres Glaubens. Würden sie ängstlich zögern, oder würden sie im Glauben weitergehen, darauf vertrauend, daß das, was Gott über das Aufhalten des Wassers versprochen hatte ( Jos 3,13 ), wirklich eintreffen würde?



Jos 3,15-17 (Jos 3,15b-17)


Dramatische Dinge passierten in dem Moment, als die Priester, die die Lade des Bundes trugen, in das schlammige, reißende Wasser traten. Das Wasser flußaufwärts hörte auf zu fließen (vgl. V. 13 ). Die Wasser anderer Flüsse stauten sich bei einer Stadt namens Adam auf und waren völlig abgeschnitten, so daß sie nicht in den Jordan fließen konnten. So überquerte das Volk den Fluß gegenüber von Jericho . Dies erinnert an die Überquerung des Roten (Schilf-)Meeres (vgl. 2Mo 15,8; Ps 78,13 ).

Obgleich der Ort namens "Adam" nur hier vorkommt, wird er gewöhnlich mit Tell ed-Damiyeh identifiziert, das ungefähr 26 km nördlich der Furt gegenüber von Jericho liegt. Ein großer Teil des Flusses wurde also aufgestaut, so daß das Volk mit seinem Vieh und seiner Habe hinübereilen konnte (vgl. Jos 4,10 ).

Wie konnte dieses sensationelle Wunder geschehen? Viele behaupten, daß dies kein Wunder war, da das Geschehen als ein natürliches Phänomen erklärt werden kann. Sie berufen sich darauf, daß am 8. Dezember 1267 ein Erdbeben die hohen Ufer des Jordan bei Tell ed-Damiyeh zum Einsturz brachte, wodurch der Fluß 10 Stunden lang gestaut wurde. Am 11. Juli 1927 blockierte ein Erdbeben in der gleichen Gegend den Fluß 21 Stunden lang. Natürlich geschahen diese Stauungen nicht bei Hochwasser. Möglicherweise bediente sich Gott natürlicher Ursachen, wie eines solchen Erdbebens oder eines Erdrutsches. Trotzdem würde die Zeit des Geschehens dies zu einem wunderbaren Eingriff machen. Doch erlaubt der biblische Text solch eine Interpretation dieses Geschehens?

Wenn man alle beteiligten Faktoren berücksichtigt, scheint es am besten zu sein, dieses Geschehen als eine besondere Tat Gottes anzusehen, die auf einem Weg geschah, der Menschen unbekannt ist. Viele übernatürliche Elemente kamen hier zusammen: (1) Das Geschehen passierte so, wie es vorausgesagt worden war ( Jos 3,13.16 ). (2) Der Zeitpunkt war genau der richtige (V. 15 ). (3) Das Geschehen fand statt, als der Fluß Hochwasser führte (V. 15 ). (4) Die Wassermauer verharrte mehrere Stunden, möglicherweise einen ganzen Tag (V. 16 ). (5) Der weiche, nasse Flußboden wurde auf einen Schlag trocken (V. 17 ). (6) Das Wasser kehrte sofort, nachdem das Volk übergesetzt war und die Priester aus dem Fluß herausgekommen waren, wieder zurück ( Jos 4,18 ). Jahrhunderte später überquerten die Propheten Elia und Elisa denselben Fluß auf trockenem Boden nach Osten ( 2Kö 2,8 ). Kurz danach überquerte Elisa den Fluß wieder auf trockenem Grund. Wenn ein natürliches Phänomen nötig ist, um die Überquerung der Israeliten unter Josua zu erklären, dann müßte man auch annehmen, daß für Elia und Elisa zwei Erdbeben hintereinander stattfanden, was nun doch unwahrscheinlich ist.

Durch dieses große Wunder, nämlich der Überquerung des Jordans bei Hochwasser durch ein Volk mit ungefähr 2 Millionen Menschen, wurde Gott verherrlicht, Josua geachtet, Israel ermutigt und die Kanaaniter zu Tode erschreckt.

Für Israel bedeutete die Überquerung des Jordan, daß sie nun endgültig in einen Kampf gegen Armeen, Kampfwagen und befestigte Städte verwickelt waren. Sie waren nun auch davon abhängig, im Glauben an den lebendigen Gott zu verharren und sich davon abzukehren, im Fleisch zu verharren, wie sie es in der Wüste oft getan hatten.

Für Gläubige heute stellt die Überquerung des Jordan das Voranschreiten von einer Stufe des christlichen Lebens zur nächsten dar. (Sie ist kein Bild für einen Gläubigen, der stirbt und in den Himmel kommt!) Sie ist ein Bild für den Beginn des geistlichen Kampfes und für die Inanspruchnahme der Verheißungen Gottes. Dies bedeutet das Ende eines Lebens aus menschlicher Anstrengung heraus und den Beginn eines Lebens im Glauben und Gehorsam.



D. Die Aufrichtung von Gedenksteinen
( Jos 4 )


Jos 4,1-3


Es war wichtig, daß Israel dieses große Wunder niemals vergaß. Damit die Israeliten sich daran erinnern würden, was Gott für sie an diesem historischen Tage vollbracht hatte, ließ er sie 12 Gedenksteine aufrichten. Dieses Denkmal erinnerte an die Überquerung der großen Schar der Israeliten durch das trockene Flußbett des Jordans.

Der Herr befahl Josua, 12 Männer, die vorher ausgewählt worden waren, anzuweisen, 12 Steine aus dem Flußbett zum Ort des Nachtlagers zu tragen.

 

Jos 4,4-8


Nachdem er die 12 Vertreter der Stämme zusammengerufen hatte, gab er ihnen Anweisungen. Sie sollten bis zur Mitte des Flußbettes zurückkehren, und jeder von ihnen sollte einen Stein mitbringen. Diese Steine würden eine sichtbare Erinnerung ( ein Denkmal ) an Gottes Befreiungswerk (vgl. V. 24 ) und eine gute Möglichkeit für die Israeliten, ihre Jugend zu unterweisen (V. 6-7 ; vgl. V. 21-24 ), sein.

Die Antwort der 12 Männer kam sofort und ohne Einwände. Sie hätten allerdings davor Angst haben können, wieder in den Jordan zu steigen. Immerhin war ungewiß, wie lange er noch trocken bleiben würde. Wie auch immer, die Ängste wurden zur Seite geschoben, und sie gehorchten den Anweisungen Gottes, ohne zu zögern.



Jos 4,9


Josua begleitete diese Männer bei ihrer seltsamen Aufgabe, und während sie große Steine aus dem Flußbett trugen, baute er noch einen anderen Haufen von 12 Steinen im Flußbett selbst auf, um die genaue Stelle zu markieren, an der die Priester mit der Bundeslade gestanden hatten. Dies geschah nebenbei aus Josuas eigener Initiative und drückte den Wunsch aus, eine persönliche Erinnerung an Gottes Treue am Anfang der Eroberung Kanaans zu schaffen.


Jos 4,10-18


Nun war alles vollbracht, was der HERR ... befohlen hatte . In Anbetracht der Tatsache, daß der Jordan wieder zu fließen beginnen würde, rief man sich Einzelheiten der Überquerung wieder in Erinnerung. (1) Die Priester und die Lade verweilten im Flußbett, während das Volk hinübereilte (V. 10 ; vgl. Jos 3,17 ). (2) Die bewaffneten Männer der transjordanischen Stämme, die nicht von ihren Familien und Habseligkeiten behindert wurden, führten die Überquerung an ( Jos 4,12-13 ). (3) Sobald das Volk hinübergegangen und die besondere Aufgabe der Errichtung der Gedenksteine vollendet worden war, verließen die Priester das Flußbett - sie waren die ersten, die hineingegangen, und die letzten, die hinausgegangen waren - und nahmen wieder ihren Platz an der Spitze des Volkes ein (V. 11,15-17 ). (4) Sofort danach begann der Jordan wieder zu fließen (V. 18 ).

Alle Stämme nahmen an der Überquerung teil, wobei Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse nur repräsentative Heere mitsandten. Der Rest dieser zweieinhalb Stämme verblieb auf der Ostseite, um ihre Häuser und Städte zu beschützen. Die Zahl der Männer über 20 Jahre in diesen Stämmen betrug 136 930 ( 4Mo 26,7.18.34 ). Die 40 000 Krieger ( Jos 4,13 ) machten 29 Prozent der männlichen erwachsenen Bevölkerung aus, d. h. noch nicht einmal jeder dritte erwachsene Mann zog in den Krieg.

Alexander Maclaren schreibt: "Der springende Punkt ist das sofortige Zurückströmen der unruhigen Fluten, als das Hindernis beseitigt war. Wie ein Pferd sich über die Freiheit freut, floß die lohfarbene Flut wieder hinunter, und schon bald schien alles wie vorher zu sein, mit Ausnahme des neuen Felsens, der durch menschliche Hand errichtet worden war und den nun das Wasser umströmte" ( Expositions of Holy Scripture . London: Hodder & Stoughton, 1908, 3,119).

Man muß sich einmal vorstellen, was in den Israeliten vorging, als sie am Flußufer standen und die strömende Flut beobachteten, wie sie ihre Spuren beseitigte, und dann hinübersahen zum gegenseitigen Ufer, wo sie noch an diesem Morgen gestanden hatten. Es gab nun kein Zurück mehr. Ein neues und wunderbares Kapitel ihrer Geschichte hatte begonnen.

 

Jos 4,19-20


Doch es war nun keine Zeit zum Nachdenken. Josua führte das Volk nach Gilgal , ihrem ersten Lagerort in Kanaan, ungefähr drei Kilometer von Jericho entfernt. Dort wurden die 12 Steine ..., die aus dem Jordan genommen worden waren, aufgerichtet , möglicherweise in einem kleinen Kreis . Der Name Gilgal bedeutet Kreis und bezeichnete möglicherweise ursprünglich einen Steinkreis mit heidnischer Bedeutung. Wenn dem so war, würde der neue Kreis, der an Jahwes grosse Taten erinnern sollte, dazu dienen, dem heidnischen Charakter dieses Ortes entgegenzuwirken.



Jos 4,21-23


Die Aufgabe der Steine war einwandfrei eine pädagogische, nämlich spätere Generationen Israels daran zu erinnern, daß es Gott gewesen war, der sie durch den Jordan geführt hatte (vgl. V. 6-7 ), so wie er auch ihre Väter durch das Rote Meer geführt hatte.

Doch woher sollten die zukünftigen Generationen wissen, was die Steine bedeuteten? Die Antwort war eindeutig. Eltern sollten ihren Kindern Gottes Weg und seine Werke lehren (vgl. 5Mo 6,4-7 ). Ein jüdischer Vater sollte seinen fragenden Sohn nicht zu einem Leviten schicken, damit dieser ihm auf seine Fragen antwortete. Der Vater sollte selbst die Antwort geben.



Jos 4,24


Außerdem hatten die Gedenksteine neben der Aufgabe, als sichtbare Hilfe für die elterliche Unterweisung der Kinder zu dienen, den Zweck, daß alle Völker der Erde wissen sollten, daß die Hand des HERRN mächtig ist . Als die Familien Israels ihre erste Nacht im Land verbrachten, waren ihre Herzen sicherlich voll von Ungewißheit und Angst. Die Berge, die im Westen steil aufragten, waren ein bedrohlicher Anblick. Doch dann sah das Volk auf die 12 Steine, die aus dem Jordan genommen worden waren, und wurde daran erinnert, daß Gott an diesem Tag etwas Großes für sie getan hatte. Sicher konnten sie ihm auch die weiteren Tage anvertrauen.

Josua

E. Die Heiligung der Israeliten
( 5,1-12 )


Unter Josuas Führung und durch einen wundersamen Eingriff überquerten ungefähr 2 Millionen Krieger und Zivilisten den Jordan. In Gilgal wurde schnell ein Brückenkopf errichtet, und aus menschlicher Sicht war es nun höchste Zeit, die Festungen Kanaans zu stürmen. Immerhin war die Moral der Leute in Kanaan angesichts einer alten und zweier neuerer Begebenheiten, die im ganzen Land verbreitet wurden, zusammengebrochen: (a) daß der Gott Israels das Rote (Schilf-) Meer geteilt hatte ( Jos 2,10 ); (b) daß die Israeliten die mächtigen Könige der Amoriter im Transjordanland besiegt hatten ( Jos 2,10 ); (c) daß Jahwe auch die Wasser des Jordans aufgestaut hatte, damit die Israeliten nach Kanaan übersetzen konnten ( Jos 5,1; vgl. Jos 4,24 ).

Mit diesen Neuigkeiten verbreitete sich auch die Angst. Gab es einen besseren Zeitpunkt, um einen vernichtenden Schlag auszuführen? Sicherlich hätten die Militärführer Israels einen sofortigen gemeinsamen Angriff vorgezogen.

Doch dies war nicht Gottes Plan. Er ist niemals in Eile, obwohl es seine Kinder oft sind. Aus Gottes Sicht war Israel noch nicht darauf vorbereitet, auf Kanaans Boden zu kämpfen. Es gab noch etwas zu erledigen, nämlich eine geistliche Angelegenheit. Heiligung muß der Eroberung vorangehen. Bevor Gott Israel zum Sieg führen würde, wollte er sie noch durch drei Erfahrungen führen: (a) die Erneuerung der Beschneidung ( Jos 5,1-9 ); (b) die Feier des Passafestes (V. 10 ); (c) die Aneignung der Früchte des Landes (V. 11-12 ).



1. Die Erneuerung der Beschneidung
( 5,1-9 )


Jos 5,1-3


Als die Nationen von panischer Angst ergriffen waren (vgl. Jos 4,24 ), befahl der Herr Josua, die Söhne Israels zu beschneiden . Er gehorchte, obwohl es für ihn als militärischen Führer schwer gewesen sein muß, seine gesamte Armee mitten im feindlichen Gebiet kampfunfähig zu machen.



Jos 5,4-7


Nun wird eine Erklärung für den Vorfall gegeben. Obwohl alle Männer Israels vor dem Auszug aus Ägypten beschnitten worden waren, waren sie in der Wüste wegen ihres Ungehorsams bei Kadesch-Barnea gestorben ( 4Mo 20,1-13; vgl. 4Mo 27,14; 5Mo 32,51 ). Ihre Söhne, die während der Wüstenwanderung geboren worden waren, waren nicht beschnitten worden, was ein weiteres Zeugnis für die geistliche Gleichgültigkeit ihrer Eltern war. Daher mußte diese heilige Handlung an dieser neuen Generation noch vollzogen werden.



Jos 5,8-9


Nachdem alle Männer beschnitten worden waren, erkannte der Herr die Erfüllung der Verpflichtung an und erklärte: Heute habe ich die Schande Ägyptens von euch weggerollt . Da die Israeliten in Ägypten Sklaven gewesen waren, hatten sie auch bis zu ihrem Auszug die Beschneidung nicht praktiziert. Sicherlich hatten die Ägypter die Beschneidung verboten, da sie nur für ihre eigenen Priester und Bürger der höheren Klasse reserviert war. "Die Schande Ägyptens" bezieht sich wahrscheinlich darauf, daß die Ägypter die Israeliten dafür verhöhnten, daß diese das Land Kanaan nicht besaßen.

Ein weiterer Hinweis auf die Wichtigkeit dieser Sache war die neue Bedeutung, die mit dem Namen Gilgal verbunden wurde. Die Bedeutung "Kreis" erinnerte Israel an die Gedenksteine (vgl. Kommentar zu Jos 4,19-20 ), die verwandte Bedeutung "wegrollen" würde dagegen an Israels Gehorsam am selben Ort erinnern.

Doch warum war die Beschneidung so wichtig? Die Antwort der Bibel ist eindeutig. Stephanus erklärte in seiner kraftvollen Rede vor dem Sanhedrin, daß Gott Abraham den Bund der Beschneidung gegeben hatte ( Apg 7,8 ). Die Beschneidung war demnach kein gewöhnlicher religiöser Ritus; sie war im Abrahamsbund verwurzelt, einem Vertrag, der das ewige Fortbestehen von Abrahams Samen und dessen Anspruch auf das Land garantieren sollte ( 1Mo 17,7-8 ). In diesem Zusammenhang übernahm Gott die Beschneidung als "Zeichen" oder Symbol des Vertrages ( 1Mo 17,11 ). Gott gebot Abraham, daß jeder männliche Bewohner seines Hauses sowie jeder seiner männlichen Nachkommen beschnitten werden sollte, und Abraham gehorchte sofort ( 1Mo 17,23-27 ).

Doch warum hatte Gott die Beschneidung als das Symbol seines Bundes mit Abraham und dessen Samen gewählt? Warum nicht ein anderes Zeichen oder Werk? Der Akt der Beschneidung selbst symbolisierte die völlige Abstandnahme von den weitverbreiteten Sünden des Fleisches: Ehebruch, außerehelicher Geschlechtsverkehr und Sodomie. Außerdem hatte diese Handlung eine geistliche Bedeutung nicht nur in bezug auf das sexuelle Verhalten, sondern im Hinblick auf alle Lebensbereiche. "So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht halsstarrig" ( 5Mo 10,16; vgl. 5Mo 30,6; Jer 4,4; Röm 2,28-29 ).

Israel sollte also verstehen, daß die Beschneidung nicht nur einfach eine Beschneidung des Fleisches war, sondern auch ihr Leben heilig sein sollte. Darum sagte Gott in Gilgal etwa so: "Bevor ich eure Kriege in Kanaan führe, müßt ihr dieses Zeichen des Bundes an eurem Fleisch haben". Josua verstand die Wichtigkeit dieser göttlichen Forderung und leitete alle Männer zu unverzüglichem Gehorsam an.

Paulus betont, daß ein Christ in Christus beschnitten worden ist ( Kol 2,11 ). Diese Beschneidung ist geistlich, nicht körperlich, und berührt kein äußerliches Organ, sondern unser inneres Wesen, das Herz. Diese Beschneidung findet zum Zeitpunkt der Erlösung statt, wenn der Heilige Geist einen Gläubigen zu Christus führt. In dem Augenblick wird unsere sündige Natur gerichtet ( Kol 2,13 ). Ein Christ sollte sich dieser Tatsache bewußt sein ( Röm 6,1-2 ), obgleich seine fleischliche Natur während dieses Lebens ein Teil von ihm bleibt. Er sollte seine fleischliche Natur als einen gerichteten und verurteilten (obgleich noch nicht hingerichteten) Feind ansehen.



2. Die Feier des Passafestes
( 5,10 )


Jos 5,10


Israel, das bei Gilgal lagerte, feierte nun das Passafest . Ohne Beschneidung wären sie nicht berechtigt gewesen, an diesem wichtigen Ereignis teilzunehmen ( 2Mo 12,43-44.48 ). Interessanterweise erreichte die Nation die andere Seite des Jordan gerade zum richtigen Zeitpunkt, um das Passafest zu feiern, das am 14. Tag des ersten Monats stattfand ( 2Mo 12,2.6 ). Gottes Zeitplanung ist stets sehr exakt!

Dies war erst das dritte Passafest, das die Nation erlebte. Das erste war in Ägypten in der Nacht vor ihrer Befreiung aus der Knechtschaft und Unterdrückung gefeiert worden ( 2Mo 12,1-28 ). Das zweite fand am Berg Sinai statt, kurz bevor das Volk sein Lager abbrach und nach Kanaan zog ( 4Mo 9,1-5 ).

Anscheinend war das Passafest während der Wüstenwanderung nicht gefeiert worden, doch nun wurde in Gilgal in Kanaan die Feierlichkeit wieder aufgenommen. Die gerade erst erfolgte Überquerung des Jordans war der Überquerung des Roten (Schilf-)Meeres so ähnlich, daß bei denen, die in Ägypten gewesen waren (Personen, die zur Zeit des Auszuges unter 20 waren, gehörten nicht zu den von Kanaan Ausgeschlossenen), lebendige Erinnerungen wieder aufkamen. Sicherlich wird sich so mancher Israelit daran erinnert haben, wie sein Vater ein Lamm geschlachtet und dessen Blut an die Türpfosten und die obere Schwelle des Hauses gesprenkelt hatte. In Kanaan konnten sie sich nun an die schrecklichen Todesschreie der ägyptischen Erstgeborenen erinnern. Dann kam die Aufregung des Aufbruches um Mitternacht, die schreckliche Angst bei der Verfolgung durch die Ägypter und das Erschauern bei dem Marsch zwischen den Wassermauern, um Ägypten zu entkommen.

Nun durchlebten sie es wieder. Als die Lämmer geschlachtet worden waren, wurde ihnen zugesichert, daß der Überquerung des Jordans die Niederlage der Kanaaniter ebenso folgen würde, wie der Überquerung des Roten Meeres die Vernichtung der Ägypter gefolgt war. Also würde die Erinnerung an die Vergangenheit eine ausgezeichnete Vorbereitung für die zukünftige Prüfung sein.



3. Die Aneignung der Früchte des Landes
( 5,11-12 )


Jos 5,11


Am Morgen, nachdem Israel das Passamahl gehalten hatte und nun für den Kampf bereit war, aß das Volk einige der Früchte des Landes . Da sie gezeigt hatten, daß sie gehorsam gegenüber dem Gesetz Gottes sein wollten, ist es wahrscheinlich, daß sie zuerst ein Schwingopfer in Form eines Scheffels Getreide darbrachten, wie es in 3Mo 23,10-14 vorgeschrieben ist. Danach aß das Volk freimütig von den Feldfrüchten, einschließlich ungesäuerter Kuchen und geröstetem Getreide. Geröstete Getreideähren werden im Mittleren Osten immer noch als Delikatesse angesehen und anstelle von Brot gegessen.

Gott hatte versprochen, Israel in ein Land der Fülle zu bringen, "ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt" ( 5Mo 8,8 ). Nun hatten sie endlich die Frucht des Landes gekostet und wußten, daß es der Vorgeschmack auf den weiteren Segen war, der noch kommen würde.



Jos 5,12


Am nächsten Tag hörte das Manna auf . 40 Jahre lang hatte es nicht aufgehört (vgl. 2Mo 16,4-5 ), doch nun hörte es so plötzlich auf, wie es begonnen hatte, was bewies, daß seine Herkunft nicht zufällig, sondern eine besondere Vorsehung gewesen war.

Es ist bemerkenswert, daß Gott das Manna nicht aufhören ließ, als Israel es verabscheute ( 4Mo 11,6 ), ja selbst dann nicht, als sich die ungläubige Generation von Kadesch-Barnea zurückwandte und in die endlose Wüste zog. Zumindest wegen ihrer Kinder gab er ihnen das Manna solange, bis diese aufgewachsen waren und das verheißene Land betreten konnten. Erst dann hörte Gott damit auf, dies Wunder zu vollbringen, da ja nun natürliche Speise vorhanden war.



II. Die Eroberung Kanaans
( 5,13-12,24 )


A. Einführung: Der göttliche Feldherr
( 5,13-15 )


Gott hatte die Israeliten gerade durch drei Erfahrungen geführt: den Akt der Beschneidung, die Feier des Passa und das Essen der landwirtschaftlichen Produkte Kanaans. All dies diente zur Stärkung Israels. Nun folgte eine Erfahrung, die Josua allein betraf. Auch sie war von großer Bedeutung und würde bald dem Volk mitgeteilt werden.

Jos 5,13


Es schien offensichtlich zu sein, daß der nächste Schritt die Eroberung Jerichos sein würde. Doch da Josua noch keinen göttlichen Befehl erhalten hatte, wie vor der Überquerung des Jordans, ging er daran, die scheinbar uneinnehmbare Stadt zu erkunden. War Josua etwa bestürzt, als er die sicheren Mauern Jerichos zu Gesicht bekam? Die Späher hatten bei Kadesch-Barnea berichtet, daß die Städte Kanaans "groß und bis an den Himmel ummauert sind" ( 5Mo 1,28 ). Trotz Josuas langjähriger militärischer Erfahrung hatte er noch nie einen Angriff auf eine befestigte Stadt angeführt, die für eine lange Belagerung ausgerüstet war. Tatsächlich war Jericho von allen befestigten Städten in Palästina die uneinnehmbarste. Dann gab es noch das Problem der Bewaffnung. Israels Heer hatte keine Belagerungsmaschinen, keine Rammböcke, keine Katapulte und keine beweglichen Türme. Ihre einzigen Waffen waren Schleudern, Pfeile und Speere, die gegen die Mauern Jerichos wie Strohhalme waren. Josua wußte, daß die Schlacht von Jericho gewonnen werden mußte, weil die Truppen Israels nun, da sie den Jordan überquert hatten, keinen Ort mehr hatten, an den sie sich zurückziehen konnten. Außerdem konnten sie die Stadt nicht umgehen, weil sie sonst ihre Frauen, Kinder, Güter und ihr Vieh in Gilgal der sicheren Vernichtung ausliefern würden.

Mitten in diese schwerwiegenden Überlegungen wurde Josua von etwas, das in seinen Gesichtskreis trat, aufgeschreckt. Er hob seine Augen und sah einen Krieger, der sein Schwert schliff. Instinktiv rief er den Unbekannten an, indem er ihn fragte "Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?" Wenn er ein Freund, also ein Israelit, gewesen war, befand er sich außerhalb des Lagers und hätte eine Erklärung abgeben müssen, ganz besonders deshalb, weil Josua noch niemandem den Befehl gegeben hatte, sein Schwert zu ziehen! War der Fremde ein Feind, war Josua zum Kampf bereit!



Jos 5,14


Die Antwort war überraschend und zugleich aufschlußreich. Etwas geschah, das Josua davon überzeugte, daß dies kein sterblicher Krieger war. Genau wie bei Abraham unter der Eiche im Hain Mamre, bei Jakob in Pnuel, bei Mose am brennenden Dornbusch und bei den zwei Emmausjüngern geschah eine Offenbarung, und Josua wußte, daß er sich in der Gegenwart Gottes befand. Es scheint klar zu sein, daß Josua tatsächlich mit dem Engel des Herrn sprach, einer Erscheinung des Herrn Jesus Christus in alttestamentlicher Zeit (vgl. Jos 6,2 ).

Der Befehlshaber der Armee des HERRN stand mit gezücktem Schwert da , wodurch er andeutete, daß er mit und für Israel kämpfen würde. Doch das Schwert zeigt auch, daß Gottes lange Verzögerung des Gerichts nun ein Ende hatte und daß die Summe der Schandtaten der Amoriter nun voll war (vgl. 1Mo 15,16 ). Die Israeliten sollten das Werkzeug sein, mit dem die Strafe des Gerichts nun vollbracht werden sollte.

Was für eine Art militärischer Streitkraft führte dieser göttliche Feldherr an? Das "Heer des Herrn" war sicherlich nicht nur auf die Streitmacht Israels begrenzt, obwohl diese darin enthalten war. Genauer gesagt bezog sich dies auf die Schar der Engel, derselben "Armee" des Himmels, die später Dotan umkreiste, als Elisa und sein Diener vom aramäischen Heer bedrängt wurden ( 2Kö 6,8-17 ). Im Garten Gethsemane bezog sich Jesus auf diese himmlische Streitmacht, als er bei seiner Festnahme sagte, daß 12 Legionen Engel bereit wären, ihn zu verteidigen ( Mt 26,53 ). In Hebr 1,14 werden sie als "dienende Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen" beschrieben. Obwohl sie unsichtbar sind, dienen und sorgen sie in Zeiten der Not für die Kinder Gottes.

Josua, der diesen himmlischen Besucher mit gezücktem Schwert erkannte, fiel auf sein Angesicht und betete ihn an, wobei er sagte: "Was sagt mein Herr seinem Knecht?"



Jos 5,15


Die Antwort des Herrn an Josua war kurz, aber dringlich. Ziehe deine Sandalen aus, denn der Ort, an dem du stehst, ist heilig . Die Anwesenheit des heiligen Gottes heiligte diesen Platz in einem fremden und geschändeten Land (vgl. den ähnlichen Befehl an Mose, 2Mo 3,5 ).

Dies war eine höchst wichtige Erfahrung für Josua. Er hatte eine Schlacht zwischen zwei feindlichen Armeen, der israelischen und der kanaanitischen, erwartet. Er dachte, daß dies seine Schlacht sei und er der befehlshabende General sein werde. Doch nun traf er auf den göttlichen Feldherrn und erkannte, daß die Schlacht dem Herrn gehörte. Der oberste General der Armee des Herrn war nicht gekommen, um nur ein unbeteiligter Zuschauer oder ein Verbündeter zu sein. Er hatte alles selbst in der Hand und würde bald seine Pläne ausführen, indem er die Festung Jericho eroberte.

Wie beruhigend war dies alles für Josua. Er brauchte die schwere Bürde und Verantwortung der Leitung nicht allein tragen. Dadurch, daß er seine Sandalen auszog, erkannte er an, daß die Schlacht und auch die gesamte Eroberung Kanaans Gottes Kampf war und daß er nur Gottes Diener war.



B. Der eigentliche Feldzug
( Jos 6-8 )


Das Modell der göttlichen Strategie für die Eroberung Kanaans beruhte auf geographischen Faktoren. Von ihrem Lager bei Gilgal, nahe des Jordans, konnten die Israeliten steile Hügel im Westen sehen. Jericho kontrollierte den Aufstieg zu diesen Bergen, und Ai, eine andere Festung, lag an der Spitze des Aufstiegs. Wenn die Israeliten das Hügelland erobern wollten, mußten sie auf jeden Fall Jericho und Ai einnehmen. Dies würde sie auf die Spitze des Hügellandes bringen und ihnen die Kontrolle über das zentrale Gebirge geben und einen Keil zwischen die nördlichen und südlichen Gebiete Kanaans treiben. Israel konnte dann die Armeen des Südens, gefolgt vom entfernteren Feind im Norden, in Kriege verwickeln. Doch zuerst mußte Jericho fallen - und das würde es, wenn Josua und das Volk dem Kampfplan Gottes folgten.


1. Die Eroberung Jerichos
( Jos 6 )


a. Die Strategie zur Eroberung Jerichos
( 6,1-7 )


Jos 6,1


Jericho war eine belagerte Stadt. Befehle waren erteilt worden, die Tore zu schließen, und es war kein Verkehr hinein oder hinaus erlaubt. Wie Rahab den Spähern erzählt hatte ( Jos 2,9-11 ), waren die Bewohner Jerichos wegen der heranrückenden Israeliten von Angst erfüllt (vgl. Jos 5,1 ).



Jos 6,2


Doch dort im Blickfeld Josuas, dessen Unterredung mit dem Befehlshaber der Streitmacht des Herrn weiterging, stand diese bedrückende Festung. Dieser Feldherr, der Herr selbst, versprach Josua den Sieg und erklärte, daß er Jericho in seine Hände gegeben habe. Die Stadt, ihr König und ihre Streitmacht würden an Israel fallen. Die Zeit des Verbs im hebr. ist prophetisches Perfekt ( ich habe ausgeliefert ) und beschreibt eine zukünftige Tat, als ob sie bereits geschehen wäre. Da Gott den Sieg erklärt hatte, war er gewiß.



Jos 6,3-5


Der Schlachtplan, den Josua benutzen sollte, war sehr unüblich. Gewöhnliche Kampfwaffen wie Rammböcke und Stufenleitern wurden nicht eingesetzt. Dagegen sollten Josua und seine bewaffneten Männer einmal am Tag, sechs aufeinanderfolgende Tage lang mit sieben Priestern, die Posaunen bliesen und die Bundeslade vorantrugen, um die Stadt marschieren. Am siebten Tag sollten sie Jericho sieben Mal umschreiten, dann würde die Mauer Jerichos zusammenbrechen und die Stadt eingenommen.

In der Bibel symbolisiert die Zahl Sieben oft Vollkommenheit und Perfektion. Es gab sieben Priester, sieben Posaunen, sieben Tage und sieben Umgehungen der Mauern am siebenten Tag. Obwohl Gottes Plan den Menschen verrückt vorgekommen sein muß, war er das beste Programm für diese Schlacht.

Welche Bedeutung hatten die ertönenden Posaunen ? Diese Instrumente waren "Jubelinstrumente", die bei den höchsten Festen der Israeliten geblasen wurden, um die Gegenwart Gottes auszurufen ( 4Mo 10,10 ). Die Eroberung Jerichos war daher nicht nur ein militärisches Unternehmen, sondern auch ein religiöses, und die Posaunen riefen aus, daß der Herr des Himmels und der Erde unsichtbar um diese verurteilte Stadt schritt. Tatsächlich sprach Gott selbst in den langanhaltenden Klängen dieser priesterlichen Posaunen: "Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehre einziehe!" ( Ps 24,7 ). Wenn Christus wiederkehrt, wird er, der König der Herrlichkeit, in triumphierende Städte einziehen. Die Eroberung Jerichos war ein ähnlich triumphaler Sieg.



Jos 6,6-7


Keine Kampfstrategie erschien sinnloser als diese. Was sollte das Heer Jerichos davon abhalten, auf die schutzlosen Israeliten einen Regen von Pfeilen und Speeren niedergehen zu lassen, während diese ihren stillen Marsch vollbrachten? Oder wer könnte den Feind davon abhalten, aus den Stadttoren auszubrechen und in die israelitischen Linien einzufallen, um sie zu trennen und dann abzuschlachten? Josua war ein erfahrener Militärführer. Sicherlich werden diese und ähnliche Bedenken wegen der göttlichen Strategie durch seinen Kopf gegangen sein. Doch im Gegensatz zu Mose, der am brennenden Dornbusch gegen den Plan des Herrn seine schlechte Beredsamkeit vorbrachte (vgl. 2Mo 3,11-4,17 ), reagierte Josua mit Gehorsam, ohne Wenn und Aber. Er verlor keine Zeit, die Priester und Soldaten zusammenzurufen und ihnen die Anweisungen weiterzugeben, die er von seinem vorgesetzten Befehlshaber erhalten hatte.

 

Jos 6,10-11


Indem sie absolute Stille einhielten (mit Ausnahme der sieben Priester, die ihre Posaunen bliesen), schlängelte sich diese seltsame Parade wie eine Viper nach Jericho und dann um die Stadt. Die Israeliten benötigten damals wohl etwas weniger als 30 Minuten, um sie zu umschreiten. Als die Umschreitung beendet war, kehrten die Israeliten zur Verwunderung der Kanaaniter, die wahrscheinlich einen sofortigen Angriff erwarteten, still zu ihrem Lager zurück.



Jos 6,12-14


Dieselbe Prozedur wurde sechs Tage lang wiederholt. Noch nie war eine Festung auf diese Art und Weise erobert worden. Diese seltsame Strategie war Josua vielleicht aufgetragen worden, um seinen Glauben zu prüfen. Er fragte nicht; er vertraute und gehorchte. Diese Prozedur war auch erdacht worden, um den Gehorsam Israels gegenüber Gottes Willen zu prüfen. Das war in diesem Fall nicht leicht. Jeden Tag setzten sie sich der Schmähung und Gefahr aus. Ein Soldat aus Jericho mag vielleicht von den Mauern auf das Heer Israels hinuntergeschaut und gefragt haben, "Meinen die etwa, sie könnten uns mit dem Klang ihrer Widderhörner einschüchtern, damit wir uns ergeben?" Die übrigen werden dann vielleicht in ein lautes, höhnisches Gelächter eingefallen sein.

Möglicherweise erhielten die Israeliten ihre Anweisungen Tag für Tag, so daß ihr Gehorsam keine einmalige Angelegenheit war, sondern jeden Morgen neu erprobt wurde. Das ist auch die Art, in der Gott oft mit seinen Kindern umgeht. Es wird ihnen abverlangt, ihren "täglichen Marsch" zu verrichten, ohne, oder nur mit wenig, Wissen über das Morgen ( Spr 27,1; Jak 4,14; vgl Mt 6,34 ).

Der Glaube der Israeliten siegte über die Sorge, daß der Feind angreifen werde. Sie triumphierten auch über jede Hohn- und Spotterwartung. Noch nie zuvor und auch nur selten danach stieg das 'Glaubensthermometer' in Israel so hoch.



Jos 6,15-20 a


An diesem schicksalshaften siebten Tag umkreiste die Prozession die Mauern sieben Mal Diese Parade - bestehend aus der bewaffneten Wache, den sieben posaunenblasenden Priestern, den Priestern, die die Bundeslade trugen, und der rückwärtigen Wache - mag vielleicht drei Stunden gedauert haben (zum Wort geweiht in V. 17-18 vgl. den Kommentar zu V. 21 ). (Wie Josua berichtet, erlebte Israel vernichtende Folgen wegen einer baldigen Verletzung der Anweisung Gottes in V. 18-19 .) Als die siebte Umgehung beendet war, rief die klare Stimme Josuas: Erhebt das Kampfgeschrei! Denn der HERR hat die Stadt in eure Hände gegeben! Er befahl ihnen auch, Rahab und ihre Familie zu verschonen (vgl. Jos 2,12-14 ). Als die Priester nun ihre Posaunen bliesen, ... erhob das Volk ein lautes Geschrei . Dieses Geschrei hallte von den Hügeln in der Gegend wider, erschreckte wilde Tiere und die Bewohner Jerichos in ihren Häusern. Im selben Augenblick gehorchte die Mauer Jerichos der Aufforderung Gottes und brach zusammen.



Jos 6,20-21 (Jos 6,20b-21)


Die Männer Israels stiegen über die Trümmer hinweg. Die Soldaten, die die Bewohner vor Schrecken starr und wehrlos vorfanden, vernichteten jegliches menschliche und tierische Leben in Jericho, mit Ausnahme Rahabs und ihres Haushaltes (vgl. V. 17 ). Obwohl Kritiker behaupten, daß diese Zerstörung ein Schandfleck im Alten Testament sei, ist es keine Frage, daß Israel auf göttlichen Befehl hin handelte. Die Verantwortung für diese Zerstörung trägt darum Gott und nicht die Israeliten.

Die Stadt Jericho und alles darinnen sollte "dem Herrn geweiht ( HErem ) werden" (V. 17 ). In anderen Übersetzungen steht hier "sollen unter den Bann verfallen", was eine wortgetreuere Übersetzung ist. Vers 21 enthält eine Verbform dieses Ausdruckes HErem : Sie weihten ( wayyaHXrImU , von HAram ) die Stadt dem Herrn . Der Gedanke ist, daß der Inhalt der Stadt dem Herrn übergeben werden mußte, indem er völlig zerstört wurde. Um dies besser auszudrücken, setzen einige Übersetzungen und zerstört hinzu. (Das Verb HAram in Jos 10,28.35.37.39-40; 11,11-12.21 wird in manchen Übersetzungen mit "völlig zerstört", und in Jos 11,20 mit "zerstört sie ganz" übersetzt; vgl. 1Sam 15,3.8-9.15.18.20 .Der Ausdruck HErem in Jos 6,17-18; 7,1.11-12.15; 1Sam 15,21 mit "geweiht" oder "geweihte Geräte"; in 5Mo 7,26 mit "abgesondert zur Zerstörung". Auf jeden Fall gehört der Gedanke der Zerstörung nicht immer zu diesem Wort; vgl. z. B. 3Mo 27,21.28 ).

Der Inhalt Jerichos sollte "dem Herrn" als Erstlingsgabe dieses Landes übergeben werden. Genau wie die Erstlinge von den Früchten des Feldes, wenn sie dem Herrn gegeben wurden, darauf hinwiesen, daß es mehr Früchte geben würde, bedeutete die Eroberung Jerichos, daß Israel von Gott ganz Kanaan erhalten würde. Das Volk sollte von Jericho keine Beute nehmen. Beim Ausführen des HErem mußten Menschen und Tiere getötet und andere Dinge entweder zerstört oder abgesondert werden, im letzteren Fall, um für das Heiligtum verwertet zu werden. Diese Gegenstände beinhalteten alles "Silber und Gold samt dem kupfernen und eisernen Gerät" (V. 19 ). Alles wurde entweder zur Zerstörung oder für den "Schatz" des Herrn bestimmt; auf jeden Fall mußte alles vom Volk weggegeben werden.

Ferner hat Gott das Recht, Menschen und Nationen, die in Sünde leben, zu richten. Gibt es ein Zeugnis davon, daß die Schuld der Kanaaniter voll war? Sehr wenige würden in Frage stellen, daß der Götzendienst und die ausschweifende Lebensführung, wie sie durch archäologische Funde nachgewiesen wurden (z. B. durch die Ras-Shamra-Tafeln), das göttliche Gericht über Jericho berechtigten.

Außerdem war es Gottes Vorhaben, die Nation Israel in dem Land zu segnen und sie als Segenskanal für die ganze Welt zu gebrauchen. Doch dies wäre stark behindert worden, wenn sie von der widerlichen Religion der Kanaaniter infiziert worden wären. Gleason Archer meint dazu: "Hinsichtlich des korrupten Einflußes der kanaanitischen Religion, besonders mit ihrer religiösen Prostitution ... und Kinderopferung, war es unmöglich, in Israel den reinen Glauben und Gottesdienst zu bewahren, außer durch die völlige Eliminierung der Kanaaniter selbst" ( A Survey of Old Testament Introduction . Chicago: Moody Press, 1964, S. 261).

Sünde ist äußerst ansteckend. Kompromiß mit dem Bösen ist gefährlich und verursacht geistlichen Schiffbruch.

Es wurden bereits viele Vermutungen angestellt, warum die Mauern Jerichos genau in dem Moment zusammenbrachen, als das Volk das Kampfgeschrei erhob: (1) Ein Erdbeben verursachte das Zusammenbrechen. (2) Israelitische Soldaten untergruben die Mauern, während die anderen marschierten. (3) Die Vibrationen, die von den Klängen der Posaunen und den Schreien der Soldaten erzeugt wurden, verursachten den Zusammenbruch. (4) Die Druckwelle, die von den Marschschritten der Israeliten erzeugt wurde, war dafür verantwortlich. Wie dem auch immer sei, es war ein übernatürliches Phänomen. Dies ist schon deshalb klar, weil die gesamte Mauer, mit Ausnahme des Teils, auf dem das Haus Rahabs stand, zerstört wurde. Eigentlich ist es unwichtig, den genauen Hintergrund festzustellen, wie Gott das eine oder andere Wunder vollbrachte. Ein neutestamentlicher Schreiber, der dieses Phänomen Jahrhunderte später noch einmal in Erinnerung rief, begnügte sich damit zu schreiben: "Durch den Glauben fielen die Mauern Jerichos, als Israel sieben Tage um sie herumgezogen war." ( Hebr 11,30 ).

Das archäologische Zeugnis für den Zusammenbruch der Mauern Jerichos in den Tagen Josuas ist nicht so sicher, wie einst angenommen wurde. Dies ist dadurch zu erklären, daß weitere Ausgrabungen aufgedeckt haben, daß Jericho in seiner langen Geschichte etwa 34 Mauern gehabt hat. (Jericho ist eine der ältesten Städte der Welt. Viele Archäologen behaupten, daß sie schon um 7000 v. Chr. bewohnt gewesen sein muß.) Die zahlreichen Erdbeben in der Gegend, die Gründlichkeit der Zerstörung der Stadt durch Josua und der fünf Jahrhunderte lange Erosionsprozeß, bevor die Stadt zu Ahabs Zeit wieder aufgerichtet wurde ( 1Kö 16,34 ), trugen auch zu den mageren Überbleibseln und der großen Schwierigkeit, diese Überbleibsel der Zeit Josuas zuzuordnen, bei. Die bedeutendsten Zeugnisse scheinen ausgedehnte Töpferüberreste auf dem Hügel und in den Grabstätten der Gegend zu sein. Diese Funde deuten auf eine Besiedlung der Stadt bis ungefähr 1400 v. Chr. hin. Unter den Töpferwaren findet sich eine dicke Schicht von verbrannter Asche, die von einer größeren Zerstörung zeugt. Dies deutet ohne Frage auf die Zerstörung und Inbrandsetzung der Stadt durch Josua hin ( Jos 6,24 ). (Für eine eingehendere Beschäftigung mit der Archäologie des alttestamentlichen Jerichos, vgl. Leon Wood, A Survey of Israels History . Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1970, S. 94 - 99.)



c. Die Folge der Eroberung Jerichos
( 6,22-27 )


Während sich die Geschichte dieser großartigen alttestamentlichen Begebenheit ihrem Ende naht, werden noch kurz zwei Ereignisse angeführt: die Rettung Rahabs und das Verbrennen, Zusammenbrechen und Verfluchen der Stadt.

Jos 6,22-25


Wie eine Oase in dieser traurigen Schilderung der Auslöschung der Kanaaniter ist die Geschichte von Rahabs Errettung. Bevor die Stadt in Brand gesteckt wurde (V. 24 ), war Rahab herausgeführt worden. Josua hielt das Versprechen ein, das Rahab von den beiden Spähern gegeben worden war (vgl. Jos 2,12-21 ), und sandte dieselben jungen Männer zu dem Hause, an dem das rote Seil aus dem Fenster hing. Sie und ihre ganze Familie folgten ihnen ohne zu zögern zu dem angegebenen Ort außerhalb der verfluchten Stadt. Rahab und ihre Familie mußten, da sie ja Heiden waren, zeremoniell gereinigt werden; die Männer wurden sicherlich beschnitten, bevor sie sich mit dem Volke Israel identifizieren durften. Rahabs Geschichte ist ein Beispiel für die Gnade Gottes, die im Leben eines Individuums und dessen Familie arbeitet. Trotz ihres früheren Lebens war sie durch den Glauben an den lebendigen Gott gerettet worden und wurde sogar zu einem Glied in der messianischen Linie ( Mt 1,5 ). Durch Einhalten des biblischen Weges wurden Rahab und ihre Familie wegen ihres Glaubens vom göttlichen Gericht verschont (vgl 1Mo 7,1; 1Thes 5,9 ).

 

Jos 6,26


Die Bestimmung Jerichos zur Zerstörung (vgl. Kommentar zu V. 21 ) beinhaltete das Aussprechen eines Fluches über denjenigen, der es wagen würde, durch die Erneuerung ihrer Fundamente oder ihrer Tore die Stadt wiederaufzubauen . Obwohl der Platz später für kürzere Perioden besetzt wurde ( Jos 18,21; Ri 3,13; 2Sam 10,5 ), wurde das Verbot des Wiederaufbaus bis zu den Tagen König Ahabs, 500 Jahre später, nicht verletzt. Als Zeichen des Abfalles zu dieser Zeit begann Hiel, der Betheliter, damit, die Mauern Jerichos wieder aufzubauen, was ihn jedoch das Leben seiner zwei Söhne Abiram und Segub kostete ( 1Kö 16,34 ).

 

Jos 6,27


Doch das Kapitel, das den herrlichen Sieg von Israels erster Schlacht in Kanaan beschreibt, endet mit einem nicht unwichtigen Hinweis. Die letzten Worte führen den Leser zurück zu diesem Triumph und dessen Ursache: So war der HERR mit Josua (vgl. Jos 1,5.9; 3,7 ), und die Kunde von ihm verbreitete sich durch das ganze Land . Das Geheimnis des Erfolges in Jericho war nicht Josuas militärische Genialität oder die Geschicklichkeit seines Heeres im Kampfe. Der Sieg kam daher, daß er und seine Leute Gott vertrauten und seinen Geboten gehorchten ( Jos 1,6-9 ).



2. Die Niederlage gegen Ai
( Jos 7 )


Unerwarteterweise erlebte Israel als nächstes eine Niederlage. Bis zu diesem Punkt hatte das Heer, das Josua anführte, nur Siege erlebt. Die Möglichkeit einer militärischen Niederlage war das, was den Gedanken der Israeliten am weitesten entfernt lag, besonders nach dem Triumph über Jericho. Tatsächlich sind Gottes Leute nie verletzbarer und nie in größerer Gefahr, als direkt nach einem großartigen Sieg.

Ai war das nächste Objekt auf Israels Eroberungspfad. Es war kleiner als Jericho, jedoch ein strategischer Treffpunkt zweier natürlicher Straßen, die sich von Jericho bis zum Hügelland um Bethel erstreckten. Die Unterwerfung Ais würde auch zur völligen Kontrolle über die Haupt-"Hügelkettenstraße", die sich von Norden nach Süden längs des zentralen Hochlandes zog, führen.

Viele Archäologen haben Ai mit dem Platz et-Tell ("die Ruine") identifiziert. Ausgrabungen bei et-Tell haben jedoch noch kein Zeugnis einer Niederlassung zur Zeit Josuas ans Licht gebracht. Die Geographie dieser Gegend stimmt genau mit den Beschreibungen in Jos 8 überein. Also war der König von Ai vielleicht der Anführer von Streitkräften, die sich zum Kampf vorbereiteten, was an einem Ort geschah, der bereits eher eine Ruine als eine Stadt war. Einige Archäologen suchen jedenfalls alternative Lagen für Ai, und Ausgrabungen sind bereits am nahegelegenen Platz Khirbet Nisya im Gange.

Auch wenn es noch Fragen über die Lage von Ai gibt, kann die Wichtigkeit der dortigen Geschehnisse an der Menge der biblischen Berichte ersehen werden, die sich mit Israels Niederlage ( Jos 7 ) und dessen Sieg an diesem Ort ( Jos 8 ) beschäftigen.



a. Ungehorsam
( 7,1 )


Jos 7,1


Das Kapitel beginnt mit dem verhängnisvollen Wort aber . Die Freude des Sieges wurde schon bald von der Trübsal der Niederlage eingeholt. Das alles geschah wegen des Ungehorsams eines Mannes. Jericho war unter Gottes HErem ("Bann der Zerstörung"; Jos 6,18-19 ) gefallen, was bedeutete, daß alles Lebende getötet werden mußte, und wertvolle Dinge dem Schatz des Herrn übergeben werden mußten. Kein israelitischer Soldat sollte für sich Beute machen. Doch die Versuchung war für einen Mann zu groß.

Obwohl man dazu geneigt ist, seine Bewunderung über die Disziplin der Streitkräfte Josuas auszudrücken, weil nur einer seiner Soldaten der Versuchung nachgab, konnte selbst dieser eine nicht der Aufmerksamkeit Gottes entgehen. Gott sah Achans Sünde, als dieser einige der für Gott bestimmten Dinge für sich nahm, und deshalb entbrannte Gottes Zorn gegen die ganze Nation. Er machte sie alle kollektiv verantwortlich und hielt seinen Segen zurück, bis die Angelegenheit wieder in Ordnung gebracht war. Tatsächlich hätte Israels Geschichte wahrscheinlich hier geendet, wenn Gottes Zorn nicht abgewendet worden wäre.



b. Niederlage
( 7,2-5 )


Jos 7,2


In Unwissenheit des Ungehorsams und der Begierde Achans, seinen Nutzen aus dem ersten Sieg zu ziehen, traf Josua Vorkehrungen für die nächste Schlacht, indem er Späher nach Ai , das 16 km nordwestlich von Jericho und östlich von Bethel lag, sandte. Dies scheint seine reguläre Vorgehensweise gewesen zu sein (vgl. Jos 2,1 ). ( Beth-Awen , "Haus des Bösen", war ein späterer Spitzname ( Hos 10,5 ) für Bethel, "Haus Gottes". Doch hier scheint es ein anderer Ort ungefähr fünf Kilometer nördlich von Ai gewesen zu sein.)



Jos 7,3


Als die Späher zurückkehrten, berichteten sie mit großer Zuversicht. Sie behaupteten, daß Ai leicht mit nur zwei- oder dreitausend Männern zu erobern sein würde. Die Stadt hätte nur wenig Männer , sagten sie. Doch die Späher waren im Irrtum. In Wirklichkeit hatte Ai 12 000 Männer und Frauen oder ungefähr 6 000 Männer ( Jos 8,25 ). Später, als Gott Josua die Befehle gab, gebot er ihm: Nimm das "ganze Kriegsvolk" ( Jos 8,1 ). Obwohl Ai kleiner als Jericho war, bot es seinen Soldaten gute Verschanzungsmöglichkeiten und war stark befestigt. Israels Fehler war, die Stärke des Feindes zu unter-, und die eigene zu überschätzen. In diesem Fall wird nirgendwo ein Gebet erwähnt, noch wird ein Zeugnis für die Abhängigkeit von Gott geliefert.

Es ist ein tödlicher Fehler, die Stärke des Feindes zu unterschätzen. Christen versäumen es oft, zu erkennen, daß ihre Feinde mächtig sind ( Eph 6,12; 1Pet 5,8 ). Deshalb haben Gläubige unter schmählichen geistlichen Niederlagen zu leiden.

Die Tragik, die die Israeliten erlitten, entstand zumindest teilweise dadurch, daß sie den Feind unterschätzten und annahmen, daß ein Sieg den anderen garantieren würde. Doch im Leben sieht es einfach anders aus. Der gestrige Sieg macht einen Gläubigen nicht gegen eine heutige Niederlage immun. Er muß in ständiger Abhängigkeit von Gottes Kraft leben. Als Paulus einmal über den Kampf des Christen gegen das Böse sprach, schrieb er: "Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke!" ( Eph 6,10 ).



Jos 7,4-5


Doch Josua sandte nur 3 000 Männer nach Ai, wo sie traurigerweise nicht siegten, sondern vernichtend geschlagen wurden . Sie rannten voll Panik den Abhang hinunter, den sie am Morgen so selbstsicher hinaufgestiegen waren, wurden jedoch von den Verfolgern bei irgendwelchen Steinbrüchen eingeholt, wo 36 israelitische Soldaten erschlagen wurden. Die übrigen konnten entfliehen und kehrten zum Lager zurück.

Als sich der Bericht über die Niederlage im Lager verbreitete, wurde das Volk äußerst demoralisiert. Da verzagte das Herz des Volkes und wurde wie Wasser . Obwohl dies die einzige Niederlage Israels in der sieben Jahre dauernden Eroberung Kanaans war, lag die Haupttragik nicht in der Niederlage selbst, auch nicht einmal in den 36 toten Kriegern. Israel wurde plötzlich von der schrecklichen Befürchtung ergriffen, daß die Hilfe des Herrn von ihnen gewichen sei. Sie konnten sich keinen Grund vorstellen, warum dies hätte geschehen sollen. Hatte Gott sich anders besonnen?



c. Bestürzung
( 7,6-9 )


Jos 7,6-9


Auch Josua war von der Niederlage entsetzt. Der Führer und die Ältesten vollzogen darauf die alten Klageriten, wobei sie ihre Kleider zerrissen und sich Staub auf ihr Haupt warfen (vgl. Hi 1,20; Jos 2,12 ). Sie fielen vor der Lade des HERRN auf ihr Angesicht bis zum Abend . Dann drückte sich Josuas Verworrenheit in Worten aus, als er dem Herrn drei Fragen stellte: (1) Warum hast Du uns hierher geführt? Um uns zu vernichten? (2) Was soll ich nun sagen, nachdem Israel geschlagen worden ist? (3) Was willst du für deinen großen Namen tun?

Josua schien Gott für die Niederlage verantwortlich gemacht zu haben und bedachte nicht, daß die Ursache auch woanders liegen könnte. In seiner ersten Frage nahm er sogar das Denken der Späher auf, gegen das er bei Kadesch so heftig protestiert hatte (vgl. 4Mo 14,2-3 ). Josuas größte Sorge war, daß die Nachricht über diese Niederlage den Respekt der Heiden vor Gottes eigenem großen Namen irgendwie verringern könnte. Demzufolge würde ihr Name ausgelöscht werden, was heißt, daß sie vernichtet und vergessen werden würden.

Josua

d. Wegweisungen
( 7,10-15 )


Jos 7,10-11


Die Antwort des Herrn an Josua war schroff. Steh auf! Warum liegst du denn auf deinem Angesicht? Dann erklärte Gott die Ursache der Niederlage und die Notwendigkeit zu handeln. Der Grund für diese Katastrophe lag bei Israel, nicht bei Gott. Israel hatte gesündigt. In seiner Anklage gebrauchte Gott voll Zorn eine Aneinanderreihung von Verben. Indem er vom Hauptsächlichen zum Speziellen kam, beschuldigte er Israel der Sünde, den Bund gebrochen zu haben, sich einige der gebannten Dinge ( haHErem , "Dinge, die zur Zerstörung bestimmt sind"; vgl. Jos 6,18-19 und den Kommentar zu Jos 6,21 ) angeeignet zu haben, gestohlen, gelogen und die gestohlenen Dinge versteckt zu haben. (Die Dinge werden in Jos 7,21 angeführt.) Bevor diese Übertretungen nicht abgetan und gesühnt waren, würde die Sünde einer Person der ganzen Nation angerechnet.



Jos 7,12


Nachdem Jericho gefallen war, hieß es: "So war der Herr mit Josua" ( Jos 6,27 ). Doch nun kam von Gott die harte Aussage: Ich werde nicht mehr mit dir sein , es sei denn, daß diese Sünde gerichtet wird und die gebannten Dinge zerstört werden.



Jos 7,13-15


Der Herr zeigte dann die Schritte auf, die in dem Untersuchungsprozeß unternommen werden sollten. Zuerst sollte sich das Volk heiligen. Es kam kein Sieg über seine Feinde in Frage, bevor dieses Problem nicht gelöst worden war. Zweitens sollte es am nächsten Tag zusammenkommen, um den Schuldigen, wahrscheinlich durch Auslosen (vgl. Kommentar zu V. 16-18 ), zu identifizieren, indem zuerst der schuldige Stamm, dann die Sippe, dann die Familie und zuletzt die Person festgestellt wurde. Drittens sollten der Missetäter und all sein Besitz (nicht nur die gestohlenen Dinge) verbrannt werden. Diese Sünde wurde von Gott als schändliche Tat angesehen. Achans Sünde war vorsätzlicher Ungehorsam gegen Gottes Anweisung ( Jos 6,18 ), und sie setzte die ganze Nation der Gefahr aus, vernichtet zu werden. Wenn die Israeliten nicht alle Güter der Kanaaniter zerstört hätten, hätte Gott wahrscheinlich die Israeliten zerstört!



e. Aufdeckung
( 7,16-21 )


Jos 7,16-18


An diesem verhängnisvollen Tag stand Josua früh auf. Ganz Israel war für das Ritual, das den Schuldigen herausstellen würde, zusammengetreten. Dies wurde wahrscheinlich angegangen, indem man loste, vielleicht durch das Ziehen von beschriebenen Tonscherben aus einem Krug. Doch warum deckte Gott vor Josua nicht einfach die Identität des Schuldigen auf? Er wußte doch, wer es war. Die Antwort ist, daß diese dramatische Methode der Nation Israel die Ernsthaftigkeit des Ungehorsams gegen Gottes Gebote einprägen würde. Da die Methode Zeit brauchte, würde sie auch der schuldigen Person eine Gelegenheit geben, Buße zu tun und ihre Sünde zu bekennen. Hätte Achan auf diese Art reagiert und Gott um Gnade gebeten, wäre ihm sicherlich vergeben worden, wie Jahrhunderte später dem schuldigen David ( Ps 32,1-5; Ps 51,1-12 ).

Es war totenstill, als der Prozeß über die Auslosung des Stammes Juda zu der Sippe der Serachiter , dann über die Familie Sabdi endlich zum Übeltäter selbst, Achan , führte. Dies war kein einfacher Zufall, sondern Gottes Führung. Salomo beschrieb diesen Prozeß sehr treffend: "Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der Herr will" ( Spr 16,33 ).



Jos 7,19-21


Seltsamerweise blieb Achan während der ganzen Prozedur still, obwohl er sicherlich von Angst erfüllt war und sein Herz heftig zu schlagen begann, als seine Entdeckung Schritt für Schritt näher kam. Schließlich sprach Josua Achan höflich, doch ernsthaft an, denn obwohl Josua die Sünde haßte, verurteilte er den Sünder nicht. Ein öffentliches Bekenntnis, in dem die übernatürliche Feststellung der schuldigen Person anerkannt wurde, war nötig.

Achans Antwort war offen und zureichend. Er bekannte seine Sünde und versuchte nicht, sich zu entschuldigen. Jedoch drückte er auch keine Reue für den Ungehorsam gegenüber Gottes Anweisung aus, mit dem er seine Nation betrog, die Niederlage der israelischen Truppen und den Tod von 36 Männern verursacht hatte. Den einzigen Ärger, den er wahrscheinlich verspürte, war der Ärger darüber, daß er entdeckt worden war.

Die drei kritischen Stufen bei der Sünde Achans sind wohlbekannt: er sah , er begehrte und er nahm . Eva ging dieselben kritischen Schritte im Garten Eden ( 1Mo 3,6 ), genau wie David mit Batseba ( 2Sam 11,2-4 ).

Die Dinge, die Achan aus Jericho mitnahm und in der Erde in seinem Zelt verbarg, waren (a) ein wertvoller Mantel aus Babylonien , der vielleicht von jemandem aus Jericho erworben worden war, der mit Babyloniern handelte, (b) 200 Schekel Silber , die ungefähr 2,25 kg wogen, und (c) ein Goldbarren von 50 Schekel (0,567 kg). Achan dachte möglicherweise: "Nachdem ich nun während dieser ganzen Jahre in der Wüste auf all die guten Dinge im Leben verzichten mußte, finde ich hier ein bildschön gearbeitetes Kleid und etwas Silber und Gold. Wie könnte Gott mir diese Dinge versagen? Sie werden nie vermißt werden, und ich erhalte etwas Freude und Wohlstand." Doch es gab einen eindeutigen Befehl, keine Beute aus Jericho zu nehmen. (Josua hatte dem Volk befohlen, daß alles Silber und Gold zum Schatz des Herrn getan werden sollte, Jos 6,19 .) Gottes Wort kann niemals ohne Schaden wegargumentiert werden.


f. Tod
( 7,22-26 )


Jos 7,22-25


Achans Geständnis stellte sich bald als wahr heraus; die gestohlenen Dinge wurden dort gefunden, wo er es gesagt hatte. Sie wurden danach vor den HERRN gelegt , dem sie gehörten. Dann wurde der schuldige Mann zusammen mit der Diebesbeute, seiner Familie, seinem Vieh und seinem ganzen Hab und Gut zum Tal Achor hinaufgeführt. Die tödlichen Steine streckten Achan und dessen Kinder nieder, und Feuer vernichtete ihre Körper und Habseligkeiten. Dadurch, daß er "gebannte" Dinge gestohlen hatte, wurde Achan selbst unrein und fiel unter den Bann der Vernichtung. Da Kinder nicht für die Sünden ihrer Väter hingerichtet werden sollten ( 5Mo 24,16 ), kann man wohl annehmen, daß Achans Familie (mit Ausnahme seiner Frau, die nicht erwähnt wird) von dem Verbrechen wußten (vgl. den Kommentar zu 4Mo 16,28-35 ).



Jos 7,26


Die letzte Handlung war das Aufrichten eines historischen Denkmals, eines großen Haufens größerer Steine über dem Körper Achans. Dies scheint eine gebräuchliche Art der Beerdigung von schandhaften Personen gewesen zu sein (vgl. Jos 8,29 ). Es erfüllte in diesem Falle den guten Zweck, Israel vor der Sünde des Ungehorsams gegen Gottes eindrückliche Gebote zu warnen.

Die hebr. Wörter für Achan und Achor sind wahrscheinlich verwandt. So wurde Achan, was wahrscheinlich "Betrüber" heißt, im Tale Achor , dem Tal der "Betrübnis", begraben. Doch weil Israel dazu bereit gewesen war, das Problem der Sünde in ihrer Mitte anzugehen, wendete sich Gottes brennender Zorn ( Jos 7,1 ) wieder von ihnen ab, und er war wieder bereit, sie zum Sieg zu führen.


3. Der Sieg über Ai
( Jos 8 )


a. Die Vorbereitung der Schlacht
( 8,1-2 )


Jos 8,1


Die Energie, die Israel durch die wundersame Überquerung des Jordans und durch den übernatürlichen Sieg über Jericho bekommen hatte, wurde durch die Niederlage gegen Ai gebrochen. Schwermut und Hoffnungslosigkeit erfüllte nicht nur alle im Lager, sondern auch das Herz Josuas.

Doch nachdem Achans Verbrechen gerichtet worden war, war Gottes Wohlwollen gegenüber Israel wieder hergestellt, und er versicherte Josua erneut, daß er weder ihn noch das Volk verworfen hatte. Als Josua Gottes Worte der Ermutigung vernahm, wurde sein Herz erquickt, da dies die selben Worte waren, die Mose in Kadesch-Barnea gesprochen hatte, als er die 12 Späher aussandte ( 5Mo 1,21 ). Es waren auch die Worte, die Mose 40 Jahre später zu Josua sagte, als er dem jüngeren Mann die Zügel der Führung übergab ( 5Mo 31,8 ). Josua hörte sie wieder, als Gott kurz nach dem Tode Moses zu ihm sprach ( Jos 1,9 ). In dieser kritischen Zeit im Leben Josuas war es gut, daß er daran erinnert wurde und erneut zugesagt bekam, daß Gott bereit war, ihn zu führen, wenn er bereit wäre, auf seine Pläne zu hören. Diese Bereitschaft besaß Josua.

Gottes Plan beinhaltete die Verwendung aller streitbaren Männer Israels. Obwohl die Hauptursache für die Niederlage gegen Ai Achans Sünde war, lag die zweite Ursache darin, den Feind unterschätzt zu haben (vgl. Jos 7,3-4 ). Dieser Fehler würde nun berichtigt werden. Gott gebot Josua, hinaufzugehen und Ai anzugreifen , und er versprach, den Ort der Niederlage in einen Ort des Sieges zu verwandeln.



Jos 8,2


Bevor Josua der eigentliche Schlachtplan kundgetan wurde, wurde ihm gewährt, daß die Beute Ais und all ihr Viehbestand von Israel genommen werden durften. Jericho war als Erstlingsfrucht unter den Bann gefallen, doch Ai war es nicht.

Welch eine Ironie! Hätte Achan nur seine habgierigen und egoistischen Wünsche unterdrückt und in Jericho Gottes Wort gehorcht, hätte er später alles gehabt, was sein Herz begehrte, und Gottes Segen dazu. Der Pfad des Gehorsams und des Vertrauens ist immer der beste.



b. Der Ablauf der Schlacht
( 8,3-29 )


Der Ablauf der Ereignisse in Ai unterschied sich völlig von dem in Jericho. Die Israeliten wanderten keine siebenmal um die Mauern Ais. Die Stadtmauern fielen nicht auf wundersame Weise. Israel mußte die Stadt im normalen Kampf erobern. Gott ist nicht auf irgendeine Methode beschränkt, um zu handeln. Er kann und darf in seinem Handeln nicht in eine Schablone gepreßt werden.

Jos 8,3-9


Die Strategie für die Eroberung Ais war raffiniert. Sie beinhaltete das Legen eines Hinterhaltes hinter (westlich) der Stadt. Gott selbst hatte Josua aufgetragen, dies zu tun (V. 2.7 ). Die Ausführung dieses Planes betraf drei Truppenkontingente. Das erste war eine Gruppe von tapferen Kriegern, die bei Nacht ausgesandt wurden, um sich westlich nahe der Stadt Ai zu verstecken. Ihre Aufgabe war es, in die Stadt zu eilen und sie in Brand zu stecken, nachdem ihre Verteidiger sie verlassen hatten, um Josua und dessen Heer zu verfolgen. Diese Einheit zählte 30 000 Männer, und obwohl diese Anzahl Soldaten viel zu groß zu sein scheint, um sich nahe der Stadt zu verstecken, machte es das Vorhandensein von großen Felsen in der Gegend für alle diese Männer möglich, sich versteckt zu halten.


Jos 8,10-11


Das zweite Kontingent war das Hauptheer, das früh am nächsten Morgen die 24 km von Gilgal hermarschierte und im direkten Blickfeld an der Nordseite Ais lagerte. Mit Sicherheit bestand dieses gesamte Heer aus Abertausenden von Soldaten. Diese Armee, die von Josua angeführt wurde, war die ablenkende Kraft, die die Verteidiger von Ai aus der Stadt locken sollte.



Jos 8,12-13


Das dritte Kontingent war ein weiterer Hinterhalt , der 5 000 Männer zählte, die zwischen Bethel und Ai lagen, um eine mögliche Truppenverstärkung aus Bethel zur Unterstützung Ais zu verhindern. Josua befand sich im Tal nördlich von Ai, einer tiefen Schlucht in den Hügeln.



Jos 8,14-22


Der Plan funktionierte einwandfrei. Als der König von Ai Israels Armee sah, ging er auf diesen Köder ein. Als er die Verfolgung der Israeliten aufnahm, die die Flucht vortäuschten, blieb die Stadt Ai unbewacht zurück. Auf Josuas Zeichen eilten die anderen Truppen schnell hinein und setzten die Stadt in Brand. Die Bestürzung der Männer von Ai war komplett, als sie die Flammen und die Rauchschwaden bemerkten, die zum Himmel schlugen. Eh sie sich versahen, waren sie in einer Zangenbewegung von israelischen Soldaten eingeschlossen und wurden vernichtet.



Jos 8,23-29


Nachdem es alle Soldaten Ais getötet hatte, kehrte das Heer Israels zur Stadt zurück und tötete alle ihre Einwohner. Die toten Soldaten und Einwohner ergaben die Anzahl von 12 000. Israels Soldaten plünderten die Stadt, wie Gott es ihnen erlaubt hatte (V. 2 ). Die Stadt wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt. Der König von Ai, der bis dahin verschont geblieben war, wurde an einem Baum bis zum Abend aufgehängt und dann unter einem Steinhaufen begraben (vgl. Achans ähnliches Begräbnis, 7, 26). Der Leib des Königs wurde bei Sonnenuntergang vom Baum heruntergenommen, weil Gott es so geboten hatte ( 5Mo 21,22-23; vgl. Jos 10,27 ).

Nun hatte Israel, nachdem es Gottes Gunst wiedererlangt hatte, einen großen Sieg errungen. Nach der Verfehlung kam eine zweite Chance. Eine Niederlage oder Verfehlung signalisiert für Gott nicht das Ende der Nützlichkeit eines Gläubigen.



Jos 8,32


Zweitens richtete Josua einige große Steine auf. Auf ihrer Oberfläche fertigte er eine Abschrift des Gesetzes Moses an. Wie viel des Gesetzes daraufgeschrieben wurde, wird nicht berichtet. Manche nehmen an, daß nur die 10 Gebote daraufgeschrieben wurden, während andere meinen, daß die Steininschrift mindestens den Text von 5Mo 5-26 enthielt. Archäologen haben ähnlich beschriebene Säulen oder Stelen im Alten Orient entdeckt, die 1,80 - 2,50 m lang sind. Die Behistun-Inschrift im Iran ist zum Beispiel dreimal so lang wie 5.Mose.


Jos 8,33-35


Drittens las Josua dem Volk das Gesetz vor. Das halbe Volk stand an den Hängen des Berges Garizim zum Süden, die andere Hälfte stand auf den Hängen des Berges Ebal zum Norden hin, und die Bundeslade stand, umgeben von Priestern, im Tal dazwischen. Als die Flüche des Gesetzes einer nach dem anderen vorgelesen wurden, antworteten die Stämme auf dem Berg Ebal, "Amen!" Als die Segnungen genauso vorgelesen wurden, antworteten die Stämme auf dem Berg Garizim, "Amen!" ( 5Mo 11,29;27,12-26 ). Das große, natürliche Amphitheater, das dort immer noch existiert, machte es möglich, daß das Volk Israel jedes Wort verstand, und mit aller Ernsthaftigkeit bezeugte Israel, daß das Gesetz Gottes wahrhaftig das Gesetz des Landes sein sollte.

Von diesem Augenblick an hing die Geschichte der Juden von ihrer Stellung zum Gesetz ab, das ihnen an diesem Tage in dieser Versammlung vorgelesen worden war. Wenn sie gehorsam waren, folgte Segen; waren sie ungehorsam, folgte Gericht (vgl. 5Mo 28 ). Es ist tragisch, daß die Bezeugungen dieser bedeutungsvollen Stunde so schnell vergessen wurden.



C. Der südliche Feldzug
( Jos 9-10 )


Israels Versäumnis, den Herrn um Rat zu fragen, war eines der hauptsächlichen Gründe der Niederlage zu Ai, und die Gebetslosigkeit seiner Führer begann eine neue Krise heraufzubeschwören.

Es geschah alles gerade dann, als man es am wenigsten erwartet hätte. Das Volk kehrte gerade nach Gilgal zum Lagern zurück, nachdem sie an den Bergen Ebal und Garizim das Gesetz Gottes vernommen hatten, das ihnen vorgelesen worden war. Es war eine Zeit des geistlichen Sieges; es war aber auch die Zeit für einen raffinierten Angriff des Satans. Wenn Gottes Leute denken, "sie hätten es geschafft", sind sie am wenigsten gegen die Angriffe des Feindes geschützt.

Über dieses Geschehen wird in den nächsten beiden Kapiteln des Buches Josua berichtet: das Bündnis mit den Gibeonitern ( Jos 9 ) und die Verteidigung der Gibeoniter ( Jos 10 ).



1. Das Bündnis mit den Gibeonitern
( Jos 9 )


a. Der Betrug der Gibeoniter
( 9,1-15 )


Jos 9,1-2


Israels Siege über Jericho und Ai rüttelten das ganze Land auf, gemeinsam zu handeln. Diese Verse bereiten den Leser auf die südlichen und nördlichen Feldzüge der Eroberung vor, die in Kapitel 10; 11 beschrieben werden.

Die verängstigten Könige sind nach drei geographischen Gegenden gruppiert: diejenigen aus dem Gebirge in Zentralpalästina, diejenigen aus dem westlichen Hügelland (Täler oder Tiefland) und diejenigen aus der Küstenebene, die sich nach Norden bis zum Libanon erstreckt. Daß sie sich nicht wie geplant zu einer Streitmacht vereinigen konnten, ist Ergebnis des Erfolges von Josuas Strategie, einen Keil durch das Rückgrat Kanaans zu schlagen.

Doch starke Konföderationen kamen im Norden und im Süden zustande. Stammesfehden wurden zugunsten von Waffenruhen ausgesetzt, und Todfeinde waren bereit, gegen das Invasionsheer des Volkes Gottes gemeinsame Sache zu machen.



Nicht alle Feinde Israels wollten kämpfen. Die Gibeoniter waren davon überzeugt, daß sie Israel niemals im Kampf besiegen könnten, also versuchten sie, Frieden zu schließen. Gibeon , das im Bergland, nur 10 km nordwestlich von Jerusalem und ungefähr dieselbe Entfernung südwestlich von Ai entfernt lag, war als eine "große Stadt" ( Jos 10,2 ) bekannt und das Haupt einer kleineren Konföderation, die drei Nachbarstädte einschloß (vgl. Jos 9,17 ).



Jos 9,4-6


Nach einer Beratung stimmten sie einem raffinierten Plan zu, nämlich Abgesandte zu Josua zu schicken, die als müde und erschöpfte Reisende, die von einer langen Reise kamen, verkleidet waren. Eines Morgens kam diese seltsame Gesandtschaft im Lager Israels in Gilgal mit alten und geflickten Weinschläuchen, dünngelaufenen Sandalen, schmutzigen und abgetragenen Kleidern und trockenem und vergammeltem Brot an. Als die Besucher durch die neugierige Menge stapften, um Josua zu suchen, werden sich die Israeliten mit Sicherheit gefragt haben, wer die Fremden waren, woher sie kamen und was sie hier wollten.

Als die Gibeoniter Josua fanden, gaben sie unwahre Antworten. Sie sagten ihm: Wir kommen aus fernen Landen; schließt mit uns einen Bund . Doch warum bestanden sie darauf, aus einem fernen Land zu kommen, und warum spielten sie ein so trügerisches Theater, mit dem sie dies "beweisen" wollten? Wahrscheinlich hatten die Gibeoniter vom mosaischen Gesetz Kunde erhalten, das Israel erlaubte, mit Städten, die in einer beträchtlichen Entfernung lagen, Frieden zu schließen, jedoch von ihnen verlangte, sämtliche Städte der sieben nahegelegenen kanaanitischen Nationen auszulöschen ( 5Mo 20,10-18; Jos 7,1-2 ).


Jos 9,7


Zuerst zögerten Josua und sein Stab und waren noch nicht ganz überzeugt. Sie sagten: Aber vielleicht wohnt ihr in unserer Mitte . Es war richtig, daß sie auf der Hut waren, denn die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen. Böse Menschen versuchen oft, die Gerechten auszuspielen.

Die Reisenden aus Gibeon wurden Hiwiter genannt (vgl. Jos 11,19 ); sie waren Nachkommen Kanaans, eines Sohnes von Ham ( 1Mo 10,17 ). Vielleicht waren die Hiwiter auch die Horiter (in 1Mo 36,2.20 wird Zibon ein Horiter genannt).



Jos 9,8-13


Josua prüfte mit Fragen, und die Gibeoniter erzählten ihr Märchen. Sie drangen darauf, aus großer Entfernung gekommen zu sein, um dem mächtigen Gott der Israeliten zu huldigen und im Frieden als Israels Diener zu leben. Sie hatten Nachricht davon erhalten, was Gott für die Israeliten in Ägypten getan hatte (wahrscheinlich die Plagen, die Überquerung des Roten (Schilf-) Meeres und von Gottes Siegen über Sihon und Og [ 4Mo 21,21-25; 5Mo 2,26-3,11 ]). Interessanterweise erwähnten sie jedenfalls Israels letzte Siege über Jericho und Ai nicht, denn, wären sie aus einem entfernten Land gekommen, hätten sie von diesen letzten Schlachten noch nicht gehört. Um diesen raffinierten Trick weiterzuführen, zeigten sie ihnen ihre Beweise - vergammeltes Brot , geflickte Weinschläuche , abgetragene Kleider und ausgelatschte Sandalen - und der Verdacht Josuas und der Führer verflog.



Jos 9,14-15


Durch die gerissene List der Gibeoniter unvorsichtig gemacht, schlossen die Führer der Israeliten einen feierlichen Vertrag mit ihnen ab. Doch Josua und die Israeliten begingen mindestens zwei Fehler. Erstens nahmen sie bei der Prüfung ihrer Reisevorräte Dinge als Beweismittel an, die höchst fraglich waren. Wären die Besucher echte Botschafter gewesen, die die Macht hatten, mit einer anderen Nation einen Vertrag auszuhandeln, dann hätten sie sicherlich viel beweiskräftigere Ausweismaterialien besessen. Es war dumm von Josua, diese nicht zu verlangen.

Der zweite und bedeutendere Grund für Israels Versagen wird in Vers 14 beschrieben: Die Führer suchten nach keiner Weisung von Gott. Dachte Josua etwa, daß die Beweismittel so sehr über jeden Zweifel erhaben gewesen seien, daß sie den Rat Jahwes nicht benötigten? Meinte er vielleicht, daß die Angelegenheit zu routinemäßig oder unwichtig sei, um Gott damit zu "belasten"? Was der Grund auch immer gewesen sei, es war falsch, ihrem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen und ihre eigenen Pläne zu verfolgen. Dies trifft auf Gläubige aller Zeitalter zu ( Jak 4,13-15 ).


b. Die Aufdeckung der List
( 9,16-17 )


Jos 9,16-17


Nach drei Tagen stellten sie fest, daß sie "hinters Licht geführt worden waren", denn die Gibeoniter lebten nur ungefähr 40 km von Gilgal in Kanaan selbst und nicht in einem fernen Land. Ein Spähtrupp stellte den Betrug fest, als er die nahe Lage Gibeons und ihrer drei Städte entdeckte. "... die falsche Zunge besteht nicht lange" ( Spr 12,19 ). Früher oder später werden Falschheit und Betrug aufgedeckt. Die Wahrheit wird als Sieger hervorgehen.



c. Der Ratschluss der Anführer
( 9,18-27 )


Jos 9,18-19


Wie verärgert werden die Israeliten wohl gewesen sein, als sie entdeckten, daß sie an der Nase herumgeführt worden waren! Tatsächlich wollte das Volk den Vertrag nicht beachten und die Gibeoniter vernichten, doch Josua und sein Stab meinten, daß die Hinterlist der Feinde den Vertrag nicht ungültig machen würde. Der Bund war heilig, denn er war durch einen Schwur auf den Namen des HERRN, des Gottes Israels , bekräftigt worden (vgl. V. 15 ). Ihn zu brechen würde den Zorn Gottes über Israel bringen, eine Tragödie, die später unter Davids Regierung zustande kam, als Saul dieses Gelöbnis mißachtete (vgl. 2Sam 21,1-6 ).



Jos 9,20-27


Josua und die Fürsten waren Männer mit Charakterstärke, die zu ihrem Wort standen. Obwohl sie von dem, was geschehen war, gekränkt wurden, wollten sie keine Schande dadurch auf Gott und sein Volk bringen, daß sie einen heiligen Bund brechen würden. Doch auch wenn Israel von seinem Schwur nicht zurücktreten würde, mußten die Betrüger bestraft werden. So tadelte Josua die Gibeoniter für ihre Unehrlichkeit und verkündete, daß sie zu immerwährender Sklaverei verdammt seien. Diese Sklaverei sah so aus, daß sie zu Holzschnitzern und Wasserträgern für die Israeliten wurden. Damit der Götzendienst der Gibeoniter die Religion Israels nicht verwässerte, sollte ihre Arbeit in Verbindung mit der Stiftshütte geschehen, wo sie der Verehrung des einen wahren Gottes ausgesetzt waren.

Also verloren die Gibeoniter die eigentliche Sache, die sie zu erreichen suchten. Sie wollten auf jeden Fall freie Menschen bleiben; doch letztendlich wurden sie zu Sklaven. Doch der Fluch wurde zum Segen. Gott vollbrachte zugunsten der Gibeoniter ein großes Wunder (vgl. Jos 10,10-14 ). Später wurde die Stiftshütte bei Gibeon aufgestellt ( 2Chr 1,3 ); noch später halfen einige Gibeoniter Nehemia, die Mauer Jerusalems wieder aufzubauen ( Neh 3,7 ). So groß ist die Gnade Gottes. Er ist sogar in der Lage, einen Fluch in einen Segen zu verwandeln. Obwohl es meist der Fall ist, daß die natürlichen Folgen der Sünde ihren Lauf nehmen müssen, kann die Gnade Gottes nicht nur vergeben, sondern sogar Fehler umkehren und oft aus Sünden und Verfehlungen Segen wirken.


2. Die Verteidigung der Gibeoniter
( Jos 10 )


a. Die Ursache des Streites
( 10,1-5 )


Jos 10,1-2


Die Handlung wechselt plötzlich von Gibeon 8 km südlich nach Jerusalem. Der dortige König Adoni-Zedek war von Panik ergriffen, und das aus gutem Grund. Die verräterische Kapitulation der gibeonitischen Städte vervollständigte einen Bogen, der bei Gilgal begann und sich über Jericho und Ai zu einem Punkt erstreckte, der nur wenige Kilometer nordwestlich von Jerusalem lag. Die Bedrohung war offensichtlich. Jerusalems Sicherheit war in ernsthafter Gefahr. Wenn das israelitische Heer weiterhin ohne Hindernisse vorrückte, würde Jerusalem bald umzingelt und erobert sein.



Jos 10,3-4


Darum sandte der König von Jerusalem eine dringende Botschaft an vier andere Könige in Südkanaan, in der er die Tatsache, daß Gibeon mit Israel Frieden geschlossen habe, als einen verräterischen und strafbaren Akt schilderte. Dies könnte anderen Städten den Weg ebnen, sich auf ähnliche Weise zu ergeben. Es war ein Aufruf zum Krieg. Es mußte sofort etwas gegen Gibeon unternommen werden.



Jos 10,5


Die Reaktion kam schnell. Es verstrich nur wenig Zeit, bevor die vereinigte Kraft einer südlichen Konföderation von fünf Königen Gibeon belagerte. Es waren die Könige der Amoriter, das heißt des kanaanitischen Hügellandes (vgl. den Kommentar zu 1Mo 14,13-16 ).



b. Der Verlauf der Streitigkeit
( 10,6-15 )


Jos 10,6


Von der sicheren Ausrottung bedroht, sandten die Gibeoniter einen Läufer zu Josua nach Gilgal mit einer nachdrücklichen Aufforderung zur Hilfe gegen die erdrückende Kraft, die sie bedrohte.

Doch warum sollte Josua auf diesen Hilfeschrei von seiten desselben Volkes reagieren, das ihn betrogen hatte? Die Israeliten könnten ja so das Zeugnis eines beschämenden Fehltritts loswerden.

 

Jos 10,7-8


Daß dies für Josua kein Gedanke war, wird an seiner sofortigen Reaktion deutlich. Manche nehmen an, daß dies der Beweis ist, daß der Bund zwischen Israel und den Abgesandten der Gibeoniter ein wechselseitiger Verteidigungspakt gewesen war. Doch der Bericht in der Schrift sagt das nicht. Es scheint auch widersinnig, daß Israel sich in einem Vertrag selbst verpflichten würde, einer "entfernten" Nation zu Hilfe zu eilen, als welche Israel die Gibeoniter ansah, als der Vertrag abgeschlossen wurde.

Der Grund für die Reaktion Josuas liegt auf dem Gebiet der militärischen Strategie. Bisher hatte Israels Armee eine befestigte Stadt nach der anderen angegriffen, was bestenfalls eine lange und ausgedehnte Prozedur war, um das gesamte Land Kanaan zu erobern. Doch nun wurde Josua gewahr, daß er hier den strategischen Umschwung hatte, den er benötigte. Die vereinigten amoritischen Armeen aus Südkanaan lagerten zusammen auf offenem Feld vor Gibeon. Ein israelitischer Sieg würde den feindlichen Mächten der ganzen Region das Genick brechen. Außerdem versicherte Gott Josua, daß er sich nicht vor ihnen zu fürchten brauche (vgl. Jos 1,9; 8,1 ), denn Gott würde ihnen den Sieg schenken.

Nachdem er seine gesamte Streitmacht versammelt hatte, marschierten Josua und seine Männer im Schutze der Dunkelheit die 40 km von Gilgal nach Gibeon. Es war ein ermüdender Marsch, der über schweres Gelände bis zu einer Höhe von 1 200 m steil hinaufführte. Es gab keine Gelegenheit der Rast. Das Heer war erschöpft und stand einem mächtigen Feind gegenüber. Gott mußte entweder stark eingreifen, oder alles wäre verloren.



Jos 10,9-10


Durch Gottes Versprechen des Sieges motiviert, führte Josua einen Überraschungsangriff auf die amoritischen Armeen des Südens an, möglicherweise während es noch dunkel war. Panik erfüllte den Feind, und nach einem kurzen Kampf, in dem viele getötet wurden, brachen sie auseinander und flohen in wilder Bestürzung nach Westen. Ihre Fluchtroute führte durch einen nahegelegenen Paß und das Tal von Ajalon hinunter, während sie von den Israeliten eifrig verfolgt wurden. Dies war nicht das letzte Mal, daß die Hochstraße, die vom zentralen Hügelland hinunterführte, der Schauplatz einer Flucht wurde; 66 n. Chr. floh der römische General Cestius Gallus diesen Abhang in Flucht vor den Juden hinunter.



Jos 10,11


Die Amoriter waren jedoch nicht in der Lage, zu fliehen. Indem Gott die Naturkräfte benutzte, um für Israel zu streiten, ließ der Herr mit tödlicher Präzision große Steine vom Himmel auf die Feinde fallen, so daß mehr auf diese Art als durch das Schwert getötet wurden.

Dieser gesamte Abschnitt zeigt treffend das Zusammenspiel zwischen den menschlichen und den göttlichen Möglichkeiten auf, um einen Sieg zu erringen. Vers 7-11 wechseln ständig von Josua (und Israel) zum Herrn. Sie alle spielten in dieser Schlacht wichtige Rollen. Die Soldaten mußten kämpfen, doch Gott gab den Sieg.



Jos 10,12


Doch der Tag der Schlacht von Bet-Horon zog sich hin, und Josua wußte, daß die Verfolgung der Feinde lang und mühsam sein würde. Der Militärführer hatte noch höchstens 12 Stunden Tageslicht vor sich. Er benötigte auf jeden Fall mehr Zeit, wenn er die Erfüllung von Gottes Versprechen erleben (V. 8 ) und die völlige Vernichtung seiner Feinde sehen wollte. Darum trug Josua dem Herrn eine ungewöhnliche Bitte vor: Sonne steh still zu Gibeon, und du, Mond, im Tal Ajalon!



Jos 10,13-15


Es war zur Mittagszeit, und die heiße Sonne stand direkt über seinem Kopf, als Josua dieses Gebet sprach. Der Mond stand am Horizont im Westen. Die Bitte wurde vom Herrn rasch beantwortet. Josua betete vertrauensvoll, und es ergab sich daraus ein großes Wunder. Doch der Bericht über dieses Wunder hat das schwerwiegendste Beispiel des Konfliktes zwischen der Schrift und der Wissenschaft geliefert, weil sich die Sonne ja bekanntlich nicht um die Erde dreht und dadurch Tag und Nacht verursacht. Statt dessen entsteht Licht und Dunkelheit, weil die Erde auf ihrer Achse um die Sonne kreist. Warum sprach dann Josua die Sonne anstatt die Erde an? Ganz einfach, weil er die Sprache des Sichtbaren benutzte; er sprach aus seiner Perspektive und der Erscheinung der Dinge auf der Erde. Menschen handeln immer noch genauso, selbst in wissenschaftlichen Kreisen. In Kalendern und Zeitungen steht die Zeit des Sonnenauf- und Sonnenunterganges. Trotzdem beschuldigt niemand sie des wissenschaftlichen Irrtums.

Trotzdem muß der "lange Tag" in Jos 10 erklärt werden. Was geschah tatsächlich an diesem seltsamen Tag? Die Antworten sind vielfältig (eine Finsternis, Wolken über der Sonne, eine Reflektion der Sonnenstrahlen, usw.). Doch die beste Erklärung scheint die Ansicht zu sein, daß Gott als Antwort auf Josuas Gebet die Rotation der Erde verlangsamte, so daß sie in 48 anstatt in 24 Stunden eine ganze Umdrehung machte. Diese Ansicht scheint sich, sowohl in der Dichtung der Verse 12 b- 13 a als auch in der Prosa von Vers 13 b zu bestätigen. ( Das Buch Jaschar oder Buch des Redlichen ist eine hebr. literarische Sammlung von Liedern, die im Gedichtstil zu Ehren der Ruhmestaten der Führer Israels geschrieben sind; vgl. Davids "Bogenlied" in 2Sam 1,17-27 .)

Gott verhinderte die katastrophalen Folgen, die natürlicherweise eingetreten wären, wie z. B. riesige Flutwellen und umherfliegende Objekte. Ein Zeugnis davon, daß die Rotationsgeschwindigkeit der Erde einfach langsamer wurde, findet man in den abschließenden Worten von Jos 10,13 : Die Sonne ... beeilte sich nicht unterzugehen fast einen ganzen Tag . Die Sonne war also auf unnormale Weise langsam oder verspätet, um unterzugehen, das heißt, ihre Progression von Mittag bis zur Dämmerung war spürbar langsamer, was Josua und seinen Soldaten genügend Zeit gab, ihre siegreiche Schlacht zu vollenden.

Ein wichtiger Faktor, der nicht übersehen werden darf, ist, daß die Sonne und der Mond Hauptgötter bei den Kanaanitern waren. Beim Gebet des israelischen Anführers mußten Kanaans Götter gehorchen. Diese Erniedrigung ihrer Götter muß für die Kanaaniter schrecklich bestürzend und beängstigend gewesen sein. Das Geheimnis des Triumphes über das Bündnis der Kanaaniter steht in dem Worte denn der HERR stritt für Israel! Als Antwort auf das Gebet erlebte Israel das dramatische Einschreiten Gottes zu seinen Gunsten, und der Sieg war sicher.



c. Der Höhepunkt der Schlacht
( 10,16-43 )


Jos 10,16-24


Indem er jeden Vorteil des verlängerten Tages nutzte, setzte Josua dem Feind in hitziger Verfolgung nach. Die fünf mächtigen Könige und ihre Armeen hatten ihre befestigten Städte verlassen, um gegen Israel auf offenem Feld zu kämpfen. Nun war Josua entschlossen, ihren Rückzug zurück in ihre befestigten Städte zu verhindern. Selbst als ihm zu Ohren kam, daß die fünf Könige sich in einer Höhle versteckt hielten, kümmerte sich Josua nicht um sie, sondern setzte vorerst die Verfolgung der amoritischen Soldaten fort, bis er sie alle, mit Ausnahme einiger weniger, denen die Flucht in ihre befestigten Städte gelang, getötet hatte. Als er dann zu der bewachten Höhle zurückkehrte, brachte er die gefangenen Könige heraus und richtete sie hin. Doch zuerst wies Josua seine Feldhauptmänner an, ihren Fuß auf den Nacken der Könige zu setzen, wie es bei östlichen Eroberern üblich war und oft auf ägyptischen und assyrischen Monumenten dargestellt wird. Dies war ein Symbol für die völlige Unterwerfung des besiegten Feindes.



Jos 10,25-27


Danach gebot Josua seinen Soldaten, indem er die gleichen Worte gebrauchte, die Gott zu ihm gesprochen hatte, sich nicht zu fürchten oder entmutigt (vgl. Jos 1,9; Jos 8,1 ), sondern stark und mutig zu sein (vgl. Jos 1,6-7.9 ). Der Sieg über die amoritischen Könige war ein Vorbild für Israels zukünftige Siege in Kanaan, denn Josua sagte: Dies ist das, was der HERR mit allen euren Feinden machen wird, mit denen ihr noch zu kämpfen habt . Josua tötete die Könige, und ihre Körper wurden bis zum Sonnenuntergang aufgehängt (vgl. Jos 8,29 ). Danach wurden sie in die Höhle hineingeworfen, die mit großen Steinen verschlossen wurde, so wie sie es schon vorher getan hatten ( Jos 10,18 ). Diese Steine wurden zu einem weiteren Denkmal für Israels siegreichen Feldzug durch Kanaan.



Jos 10,28-39


Die Niederlage der fünf Könige und ihrer Armeen besiegelte den Untergang Südkanaans. In einer Serie von Blitzkriegen griff Josua die Hauptmilitärzentren selbst an, um jede weitere militärische Operation unmöglich zu machen. Zuerst nahm er Makkeda ein (V. 28 ), dann Libna (V. 29 ), Lachisch (V. 31 ) und Eglon (V. 34 ). Diese Städte, die sich von Norden nach Süden hart aneinanderreihten, bewachten den Zugang zum südlichen Hochland. Jahrhunderte später benutzten sowohl Sanherib als auch Nebukadnezar die gleiche Strategie, als sie Juda angriffen.

Josua fiel als nächstes in das Herz der südlichen Region ein und besiegte ihre zwei befestigten Hauptstädte, Hebron (V. 36 ) und Debir (V. 38 ).

Doch Jerusalem und Jarmut, zwei der fünf Verbündeten (V. 5 ), wurden ausgelassen. Es wird keine Erklärung dafür gegeben, warum die Eroberung der Stadt Jarmut nicht erwähnt wird. Im Falle von Jerusalem ist es verständlich, daß die israelitischen Truppen zu erschöpft waren, um diese schwere Aufgabe noch zu erfüllen, als sie zum Lager nach Gilgal zurückkehrten. Jedenfalls sollte diese einsame "Insel" im Lande für die Stämme Juda und Benjamin noch zum Problem werden, bis sie von David erobert wurde ( 2Sam 5,7 ).



Jos 10,40-43


Der Verlauf des israelitischen Feldzuges im Süden wird in Vers 40-41 zusammengefaßt (vgl. Jos 11,16 ). Die Region Goschen , nicht das Goschen in Ägypten ( 1Mo 45,10;46,34; 47,1.4.6 ), war wahrscheinlich das Gebiet um Debir in Südkanaan. Eine Stadt namens Goschen war eine von elf Städten "im Hügelland", in dem auch Debir lag ( Jos 15,48-51 ). Vielleicht wurde die Gegend nach der Stadt benannt. Die imponierende Folge von Siegen, die in Jos 10 beschrieben wird, wird durch die Aussage, Josua brachte alle diese Könige und ihr Land auf einmal in seine Gewalt, denn der HERR, der Gott Israels, stritt für Israel , bestätigt.

Mit dieser Gewißheit kehrten Josua und seine erschöpfte Armee nach Gilgal zurück, um Vorbereitungen für die Vollendung der Aufgabe zu treffen.



D. Der nördliche Feldzug
( 11,1-15 )


Nach dem anstrengenden Militärfeldzug im Süden war Josua nicht in der Lage, eine längere Erholungspause zu genießen, weil er sich einer noch größeren Herausforderung ausgesetzt sah, nämlich einer massiven Verbündung von Streitkräften im Norden. Doch er blieb seinen Vorsätzen treu.

Israels Anführer war beides, ein militärisches Genie und eine geistliche Größe. Militärisch waren seine Taktiken meisterhaft: (1) Seine Schlachten waren alle offensiv. Wenn er bemerkte, daß ein Angriff zu erwarten war, kam er diesem durch einen eigenen zuvor. (2) Er benutzte das Element der Überraschung (z. B. gegen die fünf amoritischen Könige, die Gibeon belagerten, Jos 10,9; gegen die zahlreichen Könige an den Wassern des Merom, Jos 11,7; und gegen Ai, als er eine Scheinflucht arrangierte, Jos 8,14-19 ). (3) Er befahl seinen Soldaten, den zurückziehenden Feinden nachzujagen, um sie daran zu hindern, ihre Städte zu erreichen ( 10,19-20 ).

Im geistlichen war Josua seinem Volk ein Vorbild: Er hielt das Versprechen, das seine Späher Rahab gegeben hatten; er blieb den betrügerischen Gibeonitern treu; er hätte seine Machtstellung benutzen können, um sich persönlich zu bereichern, doch er tat es nicht.

Mit solch einem Führer, der bei allen Angelegenheiten das Ruder in Israel in der Hand hielt, begann die letzte Phase der Eroberung.



1. Das Bündnis
( 11,1-5 )


Jos 11,1-3


Die Beunruhigung der nordkanaanitischen Könige wurde durch Josuas einschneidende Siege im Süden entfacht. Jabin, der König von Hazor , begann einen verzweifelten Versuch, die Eroberung des Landes durch das Heer Israels aufzuhalten. Sicherlich hätte sein Versuch eine größere Chance gehabt, wenn er dem Bündnis Adoni-Zedeks ( Jos 10,1-3 ) beigetreten wäre und mit einem Heer aus dem Norden zu einem Sammelpunkt mit den südlichen Armeen marschiert wäre, um Israel bei Gibeon zu bedrängen. Doch Gott hielt Jabin von diesem Schachzug ab, und nun reagierte er auf diese Krise mit Hast und fast schon panisch.

Boten mit einem dringenden Aufruf zur Mobilmachung wurden schnell nach Norden, Süden, Osten und Westen ausgesandt. Dies wird dem Aufruf Sauls geähnelt haben, den dieser später an Israel richtete, ihm nach Jabesch in Gilead zu folgen, indem er ein Ochsengespann schlachtete und Stücke der Tiere durch Kuriere aussandte, die riefen: "Wer nicht mit Saul und Samuel auszieht, mit dessen Rindern soll man ebenso tun!" ( 1Sam 11,7 ). Kinneret ( Jos 11,2; vgl. Jos 13,27; 19,35; 4Mo 34,11; 5Mo 3,17; 1Kö 15,20 ) ist ein früherer Name des Sees von Galiläa und auch der Name einer Ortschaft an der Küste dieses Sees. "Kinneret", was Harfe bedeutet, mag sich von der harfenähnlichen Form des Sees ableiten. Das Neue Testament bezeichnet manchmal den See Galiläas als See Genezareth, was eine griechische Schreibweise für das hebräische Kinneret ist (z. B. Lk 5,1 ).



Jos 11,4-5


Obwohl zwischen diesen Königen des Nordens keine großartige Zuneigung bestand, zwang sie die drohende Vernichtung zusammenzuarbeiten, und sie trafen sich einige Kilometer nordwestlich des Sees von Galiläa auf einem Feld nahe der Wasser von Merom .

Dieses verbündete Heer war imposant. Es bestand nicht nur aus Soldaten, die so zahlreich wie der Sand am Meer waren, sondern auch noch aus Pferden und Kampfwagen in großer Zahl. Josephus, ein jüdischer Historiker des ersten Jahrhunderts n. Chr., vermutete, daß diese nördliche Konföderation aus 300 000 Infanteriesoldaten, 10 000 Kavaleriesoldaten und 20 000 Streitwagen bestand.

Die Chancen standen für die Israeliten sehr schlecht. Wie konnte Josua noch hoffen, diese Schlacht zu gewinnen?



2. Die Schlacht
( 11,6-15 )


Das riesige Heer der Kanaaniter lagerte an den Wassern von Merom (V. 5 ). Sie hatten wahrscheinlich vor, nach der Organisation ihrer Kampfstellungen und dem Austüfteln einer Strategie, das Jordantal hinunterzuschwärmen und Josua bei Gilgal anzugreifen. Doch Josua wartete nicht darauf, bis die Schlacht zu ihm käme; tatsächlich befand er sich schon auf dem Weg nach Merom, einem Fünftagesmarsch von seiner Heimatbasis entfernt. Während er marschierte, hatte er eine Menge Zeit, über das riesige Heer nachzudenken, das ihn erwartete. Ohne Frage wird er sicherlich bei den Aussichten auf die Schlacht, die sich vor seinem geistigen Auge abspielte, gezittert haben.

Jos 11,6


Dann sprach Gott. Die Zusage, die er Josua gab, war klar und deutlich: Fürchte dich nicht vor ihnen! (vgl. Jos 1,9; 8,1 ). Denn morgen will ich sie alle vor Israel erschlagen . Dies war genau das, was Josua brauchte, und Israels Anführer nahm Gottes Versprechen als Wahrheit an und glaubte, daß er ihnen den Sieg über ihren furchterregenden Feind geben werde. Gott gebot Josua sogar speziell, ihre Pferde zu lähmen (die Fußsehnen durchzuschneiden) und ihre Wagen zu verbrennen (vgl. Kommentar zu Jos 11,9 ).



Jos 11,7-9


Die Schlacht fand in zwei Phasen statt. Am nächsten Tag überraschte Josua den Feind, indem er ihn an den Wassern von Merom angriff und ihn westwärts zur Küste (nach Sidon und nach Misrefot-Majim) und ostwärts zum Tal Mizpe jagte. Indem er Gottes Anweisung (V. 6 ) bis zum letzten I-Tüpfelchen gehorchte, tötete Josua jeden der Feinde, verbrannte ihre Kampfwagen und lähmte ihre Pferde.

Doch warum gab Gott einen so drastischen Befehl, die Wagen zu verbrennen und die Pferde zu lähmen? Weil die Kanaaniter Pferde zu ihrem Götzendienst gebrauchten (wie es später auch Juda tat; vgl. 2Kö 23,11 ). Es bestand auch die Gefahr, daß Israel diesen neuen Kampfwaffen mehr vertrauen würde als dem Herrn. Der Psalmist David erklärte: "Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des Herrn, unseres Gottes" ( Ps 20,8 ).



Jos 11,10-14


In der zweiten Phase der Schlacht in Nordkanaan kehrte Josua nach der Verfolgung des feindlichen Heeres zurück und eroberte alle Städte der besiegten Könige. Hazor wurde, warum auch immer, für eine Sonderbehandlung ausgelassen, möglicherweise weil es bei weitem die größte Stadt des alten Palästina war (8094 a Fläche, man vergleiche mit Megiddo, das 567 a und Jericho, das 324 a Fläche hatte). Hazor, das eine strategisch äußerst wichtige Lage hatte, beherschte mehrere Abzweigungen einer alten Hauptstraße, die von Ägypten nach Syrien und weiter nach Assyrien und Babylon führte. Diese Lage an den Handelsstraßen trug zum Wohlstand der Stadt bei. Hazor wurde als einzige der nördlichen Städte eingenommen und in Brand gesteckt. Obwohl Josua sich wohl dazu entschlossen haben wird, die anderen eroberten Städte für den späteren israelitischen Gebrauch zu verschonen, beschloß er, an Hazor, der Hauptstadt dieser ganzen Königreiche (Stadtstaaten), die auch das Bündnis ihrer Heere zusammenhielt, ein Exempel zu statuieren. Wenn Hazor nicht verschont blieb, wären die Kanaaniter gezwungen einzusehen, daß jede Stadt niedergebrannt werden konnte, wenn Josua es wollte.



Jos 11,15


Nun war ein bedeutsamer Sieg im Norden errungen. Der Schlüssel dazu war der Gehorsam gegenüber Gott. Josua ... ließ nicht das Geringste von allem, was der HERR Mose befohlen hatte, unbefolgt.



E. Die Aufzählung der Siege
( 11,16-12,24 )


Der Sieg im Norden brachte das formale Ende der Eroberung. Doch bevor er davon berichtet, wie das Land unter den Stämmen aufgeteilt wurde, hielt der Autor inne, um das Ausmaß der Siege Israels in Kanaan noch einmal zu vergegenwärtigen und zusammenzufassen. Er fügte auch eine geographische Beschreibung der eroberten Gebiete ( Jos 11,16-23 ) und eine Aufzählung der besiegten Könige ( Jos 12 ) bei.



1. Die eroberten Gebiete
( 11,16-23 )


Jos 11,16-17


Die Schlachten, die von Josua und seinen Truppen geschlagen worden waren, reichten über Länder hinweg, die sich von Grenze zu Grenze, von Süden nach Norden und von Osten nach Westen erstreckten. Das Hügelland, der Negev, das Gebiet von Goschen, das westliche Hügelland, die Araba und die Berge gehören zu den zentralen und südlichen Teilen des Landes (vgl. Jos 10,40 ). "Der Negev" ist das Wüstengebiet südwestlich des Toten Meeres und "die Araba" die Landsenke des Jordantals im Norden und im Süden des Toten Meeres. Der Berg Halak liegt in der südlichen Wüstenregion; Baal-Gad (genaue Lage unbekannt) lag im hohen Norden, im Tal des Libanon, vielleicht 50 - 60 km nördlich des Sees von Galiläa.



Jos 11,18-20


Die Zeit der Eroberung dauerte lange. Die Siege waren nicht leicht oder schnell errungen, was ja selten geschieht. Nun, nach all diesen militärischen Konfrontationen, hatte nur eine Stadt, Gibeon, den Frieden gesucht. Die anderen waren im Kampf genommen worden, weil Gott ihre Herzen verhärtet hatte (vgl. den Kommentar zu 2Mo 4,21; 8,15 ), so daß sie gegen Israel kämpften und vernichtet werden sollten. Der Tag der Gnade war für die Kanaaniter abgelaufen. Sie hatten gegen das Licht der Offenbarung Gottes in der Natur ( Ps 19,2; Röm 1,18-20 ), im Gewissen ( Röm 2,14-16 ) und in seinen kürzlichen Wundern am Roten (Schilf-)Meer, am Jordan und in Jericho gesündigt. Nun verhärtete der allmächtige Gott die Herzen dieses bekehrungsunwilligen Volkes in ihrem sturem Unglauben, bevor er sie richtete.



Jos 11,21-22


Spezielle Erwähnung finden die Anakiter , die Riesen, die die Späher 45 Jahre zuvor so erschreckt hatten ( 4Mo 13,33; vgl. den Kommentar zu Jos 14,10 ) und von denen gesagt wurde: "Wer kann wider die Anakiter bestehen?" ( 5Mo 9,2 ). Doch unter Josua wurden diese angeblich unbesiegbaren Feinde völlig vernichtet. Nur ein paar blieben in den entfernteren Städten Gaza, Gat und Aschdod übrig, was sich später als unkluge Auslassung von seiten Josuas erwies, denn zu Davids Zeiten kam Goliat aus Gat, um Israel und seinen Gott zu verspotten ( 1Sam 17 ).



Jos 11,23


Der Abschnitt schließt mit einer Aussage, die das Buch Josua als Ganzes zusammenfaßt: So eroberte Josua das ganze Land (vgl. V. 16 ). Dies gibt einen Rückblick und eine Zusammenfassung der Geschichte der Eroberung in Kapitel 1-11 . Und er gab es Israel zum Erbteil, einem jeden Stamm sein Teil . Diese Worte geben eine Vorausschau und Zusammenfassung der Verteilung des Landes in Kapitel 13-22 .

Doch wie soll die Aussage "Josua nahm das ganze Land ein" verstanden werden, wenn doch später geschrieben steht, daß es immer noch große Gebiete des Landes einzunehmen gilt ( Jos 13,1 )? Für das hebräische Verständnis steht dieser Teil für das Ganze. Für sie brauchte nur aufgezeigt werden, daß Josua Hauptzentren in allen Teilen des Landes einnahm, um die Aussage machen zu dürfen, daß er das ganze Land erobert hatte.

A.J. Mattill, Jr. hat die Eroberung Kanaans peinlich genau analysiert, indem er die geographische Einteilung des Landes und dessen repräsentative Orte, die von Josua unterworfen wurden, erforschte ("Representative Universalism and the Conquest of Canaan", Concordia Theological Monthly 35. Januar 1964: 8 - 17). Darin enthalten sind die eroberten Ortschaften an der Küstenebene, der Schefela (Vorgebirge), das zentrale Plateau, das Jordantal und das Transjordanplateau. Kein Gebiet wurde völlig ausgelassen. Josua nahm tatsächlich das ganze Land ein, so wie es ihm Gott versprochen hatte, wenn er dem göttlichen Wort mehr folgen würde als dem menschlichen Verstand (vgl. Jos 1,8 ). Vgl. auch den Kommentar zu Jos 21,43-45 .Zur abschließenden Aussage, dann bekam das Land Ruhe vom Krieg ( Jos 11,23 ) vgl. den Kommentar zu diesen Worten in Jos 14,15



2. Die besiegten Könige
( Jos 12 )


Das zwölfte Kapitel gibt als Zusammenfassung der Geschichte, die in Kapitel 1 beginnt, eine detaillierte Auflistung der Könige, die von Israel besiegt wurden. Demnach erwähnen die vorhergehenden Kapitel nur die größeren Schlachten. Nur hier findet sich die komplette Auflistung der besiegten Könige. Es wird nicht behauptet, daß Israel all diese Städte besetzte. Sicherlich hatte Josua nicht genügend Leute, um an jedem Ort eine Kontrolleinheit zu hinterlassen. Josua erwartete von den jeweiligen Stämmen, daß sie diese Ortschaften besetzten.

Jos 12,1-6


Zuerst werden die Siege unter Mose an der Ostseite des Jordan erwähnt. Dies waren die wichtigen Siege über Sihon und Og. Sihon hatte über einen Landstrich geherrscht, der sich ungefähr 140 km von Süden nach Norden, von der Schlucht des Arnon etwa in der Mitte des Meeres der Araba (auch Salzmeer und Totes Meer genannt) hinauf zum See Kinneret (vgl. den Kommentar zu Jos 11,2 ) erstreckte. Og herrschte über einen Landstrich, der sich von Sihons nördlicher Grenze ungefähr 95 km nach Norden erstreckte (vgl. 4Mo 21,21-35; 5Mo 2,24-3,17 ). Dieses Gebiet war für die Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse bestimmt ( 4Mo 32; vgl. Jos 13,8-13 ). (Zu Geschur und Maacha vgl. den Kommentar zu Jos 13,13 .)



Jos 12,7-24


In diesem Abschnitt werden zuerst 16 Könige Südkanaans (V. 9-16 ) und dann 15 Könige Nordkanaans (V. 17-24 ) aufgezählt.

Es ist überraschend, 31.Könige in einem Land aufgezählt zu finden, das sich höchstens 240 km von Norden nach Süden und 80 km von Osten nach Westen erstreckt. Doch es muß daran erinnert werden, daß diese Könige über Stadtstaaten herrschten und nur lokale Autorität besaßen. Wenn man die Konföderation, die vom König Jerusalems gebildet worden war, außer acht läßt, machte das Fehlen einer zentralen Regierung in Kanaan den Israeliten ihre Aufgabe leichter, als sie es gewesen wäre, wenn eine solche existiert hätte.

Über die Bedeutung der Siege Josuas meinte ein Schriftsteller: "Nie hat es einen größeren Krieg für eine größere Sache gegeben. Die Schlacht von Waterloo entschied das Los Europas, doch diese Serie von Schlachten im weitentfernten Kanaan entschied das Los der ganzen Welt" (Henry T. Sell, Bible Study by Periods Chicago: Fleming H. Revell Co., 1899, S. 83).



III. Die Verteilung Kanaans
( Jos 13-21 )


A. Die Anteile der zweieinhalb Stämme
( Jos 13 )


Nachdem er nun die größten militärischen Bedrohungen für das Überleben Israels in Kanaan beseitigt hatte, wurde Josua, der alte Soldat, nun zum Administrator. Das Land, das im blutigen Krieg errungen worden war, sollte nun den verschiedenen Stämmen zugeteilt werden, und Josua sollte diese wichtigen Verhandlungen überwachen. Es würde ein nicht so anstrengender und seinem hohen Alter eher entsprechender Dienst werden.

Auf viele Leute wirkt dieser Teil des Buches Josua mit seiner detaillierten Aufzählung der Besitztümer und Städte ermüdend. Jemand hat einmal gesagt: "Der größte Teil dieses langen Abschnittes liest sich wie eine Besitzurkunde." Genau das ist es auch, was in diesen langen Aufzählungen vorzufinden ist: Eigentumsbeschreibungen (nach der damaligen Art und Weise) der Gebiete, die den 12 Stämmen zugesprochen wurden. Besitzurkunden sind wichtige Dokumente, deshalb sollten sie nicht als unbedeutend angesehen oder überflogen werden.

Dies war ein höchst wichtiger Zeitpunkt im Leben dieser jungen Nation. Nach Jahrhunderten in der ägyptischen Knechtschaft, Jahrzehnten in der kahlen Wüste und Jahren schwersten Kampfes in Kanaan war nun die Stunde gekommen, in der die Israeliten sich endlich niederlassen konnten, um sich ein Zuhause zu schaffen, den Boden zu bearbeiten, Familien zu gründen und in Frieden im eigenen Land wohnen zu dürfen. Die Tage der Landzusprechung waren eine frohe Zeit für Israel.



1. Der göttliche Befehl, das Land aufzuteilen
( 13,1-7 )


Jos 13,1 a


Gott wies Josua an, jetzt das Land westlich des Jordans aufzuteilen, denn er war schon sehr alt . Da Josua im Alter von 110 Jahren starb ( Jos 24,29 ), war er wahrscheinlich zu der Zeit mindestens 100 Jahre alt. Gottes Aufgabe für Josua beinhaltete nicht nur die Eroberung des Landes, sondern auch dessen Aufteilung unter den Stämmen (vgl. Jos 1,6 ). Deshalb mußte er sich rasch an die Bewältigung dieser Aufgabe machen.



Jos 13,1-7 (Jos 13,1b-7)


Das Land, das noch in Besitz genommen werden mußte, wird von Süden nach Norden beschrieben und beinhaltete das Land der Philister (V. 2.3 ; vgl. den Kommentar zu den Philistern zu 1Mo 21,32 ), Phönizien ( Jos 13,4 ), das hier als das Land der Kanaaniter bezeichnet wird, wobei aber die Einwohner des Syro-Palästinensischen Küstenlandes gemeint sind, und Libanon (V. 5-6 ). Dieses ganze Land sollte nun den neuneinhalb Stämmen zugeteilt werden, da Gott ja versprochen hatte, den Feind hinauszujagen (V. 6 ).



2. Die besondere Zusage an die östlichen Stämme
( 13,8-33 )


Jos 13,8-13


Josua wurde zunächst aufgefordert, zu bezeugen und zu bestätigen, was Mose bereits an der Ostseite des Jordans getan hatte. Die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse, die große Viehherden besaßen, waren darauf bedacht, sich auf den reichen Weideländern des Transjordanlandes niederzulassen. Doch erst nachdem ihre Männer damit einverstanden waren, mit ihren Brüdern gemeinsam zu kämpfen, um Kanaan zu gewinnen, war Mose damit einverstanden gewesen, ihnen ihr Land zu geben ( 4Mo 32 ). In diesen Versen wird ein Überblick über das Gebiet des Transjordanlandes gegeben ( Jos 13,9-12; vgl. Jos 12,1-5 ). Geschur und Maacha (bereits in Jos 12,5 erwähnt) waren von den Israeliten nicht geschlagen worden, wofür kein Grund angegeben wird. Diese Länder lagen östlich und nordöstlich des Sees Kinneret (See von Galiläa).



Jos 13,14


Der Stamm Levi erhielt kein eigenes Land, wie es die anderen Stämme bekamen (vgl. V. 33 ; Jos 14,3-4; 18,7 ). Statt dessen bekamen die Leviten 48 Städte mit Weideland für ihre Herden ( Jos 14,4; 21,41 ), wie Mose es bestimmt hatte ( 4Mo 35,1-5 ).



Jos 13,15-32


Ruben (V. 15-23 ) erhielt das Gebiet östlich des Toten Meeres, das früher von Moab bewohnt worden war. Der Stamm Gad erhielt seinen Teil im Zentrum des Gebietes und das ehemalige Land Gilead (V. 24-28 ).

Der Anteil des halben Stammes Manasse (V. 29-31 ) war das reiche Tafelland von Baschan östlich des Sees Kinneret.

Jahrhunderte bevor das Land aufgeteilt wurde, hatte Jakob, als er im Sterben lag, Prophezeihungen ausgesprochen, die seine Söhne betrafen. Seine Prophezeihung bezüglich Ruben war unheilvoll (vgl. 1Mo 49,3-4; 35,22 ). Obwohl Ruben der Erstgeborene war, und er deshalb ein Anrecht darauf hatte ( 5Mo 21,17 ), erhielten weder er noch sein Stamm den doppelten Anteil. Nach mehr als vier Jahrhunderten ging die Strafe für Rubens sündige Tat auf seine Nachkommen über; das Erstgeburtsrecht wurde seinem Bruder Josef übertragen, der zwei Anteile erhielt, einen für Ephraim, den anderen für Manasse ( 1Mo 48,12-20 ).

War der Wunsch der zweieinhalb Stämme, sich im Transjordanland niederzulassen, ein weiser Entschluß? Die Geschichte scheint dies zu verneinen. Ihre Länder hatten keine natürlichen Grenzen zum Osten und waren deshalb ständig den Angriffen der Moabiter, Kanaaniter, Aramäer, Midianiter, Amalekiter und anderer Stämme ausgesetzt. Als der König von Assyrien voll Begehren auf Kanaan blickte, waren Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse die ersten, die von den assyrischen Armeen in die Gefangenschaft verschleppt wurden ( 1Chr 5,26 ).



Jos 13,33


Im Kontrast zum reichen, wenn auch gefährlichen Erbteil dieser Stämme wird zweimal in diesem Kapitel (V. 14.33 ) und später zweimal ( Jos 14,3-4; 18,7 ) betont, daß der Stamm Levi kein Erbteil von Mose erhielt. Auf den ersten Blick mag dies verwirrend klingen, doch wenn man bedenkt, daß der Stamm Levi statt Landbesitz die Opfergaben ( Jos 13,14 ), die Priesterschaft ( Jos 18,7 ) und den Herrn selbst ( Jos 13,33 ) zugeteilt bekam, muß man fragen: Wer hätte sich ein größeres Erbteil erträumen können?

Die zweieinhalb Stämme wählten nach dem Augenschein, wie es Lot getan hatte (vgl. 1Mo 13,10-11 ), und ihr Erbteil ging für sie letztendlich verloren. Demgegenüber bekamen die Leviten, denen kein Anteil zustand, ein Erbe von bleibendem geistlichen Wert.



B. Der Anteil für Kaleb
( Jos 14 )


1. Einleitung
( 14,1-5 )


Jos 14,1-5


Nachdem die Auflistung der Zuteilungen durch Mose im Transjordanland beendet ist, kehrt der Bericht zu der Verteilung des Landes in Kanaan an die verbleibenden neuneinhalb Stämme zurück. Die Erklärungen betreffend der Zuteilungen der Rubeniter, der Gaditer, des halben Stammes Manasse und der Vorkehrungen für den Stamm Levi werden wiederholt (vgl. Jos 13,14.33; 18,7 ). Auch die Methode, mit der die Verteilung Kanaans stattfinden sollte, war vorgeschrieben: Das Land sollte durch das Los zugeteilt werden ( Jos 14,2; 18,8; 19,51 ). Der Herr hatte Mose angewiesen, daß jeder Stamm einen seiner Zahl entsprechenden Anteil erhalten, dessen Lage durch das Los entschieden werden sollte ( 4Mo 26,54-56 ). Nach der jüdischen Tradition wurde der Name eines Stammes aus einer Urne und gleichzeitig die Grenzlinien eines Gebietes aus einer anderen gezogen. Mit dieser Methode wurden die Erbteile der Stämme festgesetzt. Doch es war kein blinder Zufall, der die Lage des Stammesgebietes festsetzte, denn Gott leitete die ganze Prozedur (vgl. Spr 16,33 ). Die Ungleichheiten, die es bei der Zuteilung gab und die einige Spannungen und Eifersüchteleien unter den Stämmen hervorriefen, hätten eigentlich als Teil von Gottes Vorsehung angenommen werden sollen, und nicht als etwas Willkürliches und Unfaires.



2. Kaleb in Kadesch-Barnea
( 14,6-9 )


Jos 14,6-9


Die Zeit, in der das Los gezogen werden sollte, war gekommen, und der Stamm Juda, der den ersten Anteil erhielt, versammelte sich in Gilgal. Bevor das Los gezogen wurde, schritt Kaleb , ein bedeutender alter Mann in Israel, nach vorn, um Josua an ein Versprechen zu erinnern, das der Herr ihm 45 Jahre zuvor gegeben hatte: "Ihm und seinen Nachkommen will ich das Land geben, das er betreten hat, weil er dem Herrn treu gefolgt ist" ( 5Mo 1,36 ). Kalebs Leben ging seinem Ende zu, und er mußte sich entscheiden. Was wollte er noch am liebsten? In einer bemerkenswerten Ansprache an Josua gab er noch einmal einen Rückblick auf sein Leben und brachte seinen Wunsch vor. Seine kurze Autobiographie beleuchtete noch einmal Geschehnisse bei Kadesch-Barnea während der Wüstenwanderung und der Eroberung.

Kaleb wird in diesem Abschnitt als Sohn des Jefunnes, der Kenasiter vorgestellt. Nach 1Mo 15,19 waren die Kenasiter ein Stamm Kanaans zu Abrahams Zeiten. Kalebs Familie gehörte also eigentlich nicht zum Bund und Gemeinwesen der Israeliten, genauso wie Heber, der Keniter ( Ri 4,17 ), Rut, die Moabiterin ( Rt 1,1-5 ), Uria, der Hetiter ( 2Sam 11,3.6.24 ) und einige andere. Wahrscheinlich schloß sich ein Teil der Kenasiter vor dem Auszug dem Stamm Juda an. Also war ihr Glaube nicht traditionell vererbt, sondern die Frucht der Überzeugung. Kaleb spiegelte diesen Glauben während seines ganzen, langen Lebens wieder.

Als er vor General Josua, seinem alten Freund und Späherkameraden ( 4Mo 14,6 ), stand, erzählte der 85 Jahre alte Kaleb ( Jos 14,10 ) die Geschichte jenes Tages vor 45 Jahren (V. 10 ), der niemals vergessen werden sollte, als sie beide allein gegen die anderen 10 Späher und die feige Masse standen. Mose hatte 12 Späher nach Kanaan ausgesandt ( 4Mo 13,2 ). Zwei von ihnen waren Kaleb und Josua ( 4Mo 13,6.8 ). Als die Späher zurückkehrten, priesen 10 von ihnen das Land selbst, behaupteten aber, daß Israel es nicht erobern könnte ( 4Mo 13,27-29.31-33 ). Kaleb jedoch wagte es, anderer Meinung zu sein ( 4Mo 13,30 ), und als die Angst des Volkes drohte, eine nationale Rebellion anzuzetteln, stand Josua seinem Kameraden bei, das Volk dazu aufzufordern, wegen des Sieges auf Gott zu vertrauen ( 4Mo 14,6-9 ). Weil Kaleb sich gegen die ungläubigen Späher und Leute stellte, hob ihn Gott heraus, um ihn zu segnen und versprach ihm eine besondere Belohnung ( 4Mo 14,24; 5Mo 1,36 ).

Kalebs Zeugnis ( Jos 14,6-12 ) war einfach. Er hatte an diesem bemerkenswerten Tag gemäß seiner Überzeugung gesprochen. Er stellte die Probleme nicht als geringfügig dar, doch er hob Gott hervor. Für ihn war Gott größer als das größte Problem. Kaleb vertraute auf die Kraft Gottes . Nicht so die Späher. Sie hoben die Probleme hervor und stellten dadurch Gott als gering dar. Doch Kaleb wollte sich der Menge nicht anschließen. Er war niemals dazu bereit, seine eigenen Überzeugungen aufzugeben, um dem Bericht der Mehrheit Einstimmigkeit zu verleihen. Statt dessen folgte er dem HERRN, seinem Gott, von ganzem Herzen (vgl. V. 14 ).


3. Kaleb während der Wüstenwanderung und der Eroberung
( 14,10-11 )


Jos 14,10


Kaleb führte die autobiographische Geschichte weiter fort, indem er über Gottes Treue ihm gegenüber über viele Jahre hinweg sprach. Zuerst bezeugte er, daß Gott ihn in den vergangenen 45 Jahren am Leben erhalten habe , wie er es versprochen hatte. Also war Kaleb der Empfänger zweier göttlicher Versprechen: erstens, daß sein Leben verlängert werden würde, und zweitens, daß er eines Tages das Gebiet nahe bei Hebron erhalten würde, das er so tapfer erkundschaftet hatte. Doch 45 Jahre sind eine lange Zeit, um auf die Einhaltung eines Versprechens zu warten, eine lange Zeit, um das Vertrauen auf ein Versprechen wachzuhalten. Trotzdem wartete Kaleb während der harten Jahre der Wüstenwanderung und der Jahre des Gehorsams während der Eroberung. Kaleb hatte großes Vertrauen auf die Versprechen Gottes . Sie hielten ihn während seiner schweren Zeiten aufrecht.

Kalebs Angaben geben Auskunft über die Dauer der Eroberung Kanaans durch die Israeliten. Kaleb sagte (V. 7 ), daß er 40 Jahre alt gewesen sei, als er als Späher in das Land kam. Die Wüstenwanderung dauerte 38 Jahre, was sein Alter am Anfang der Eroberung auf 78 Jahre bringt. Kaleb sagte dann, daß er am Ende der Eroberung 85 Jahre alt gewesen sei. Also dauerte die Eroberung 7 Jahre. Dies wird durch Kalebs Angabe bestätigt (V. 10 ), daß Gottes Gnade seit Kadesch-Barnea 45 Jahre lang angehalten habe (38 Jahre Wüstenwanderung plus 7 Jahre der Eroberung).

Jos 14,11


Interessanterweise sagte Kaleb in seinen Achtzigern, daß er sich mit 85 Jahren genauso stark und lebhaft fühle wie mit 40!



4. Kaleb bei Hebron
( 14,12-15 )


Jos 14,12-14


Kaleb beendete seine Ansprache an Josua mit einem höchst erstaunlichen Wunsch. Im Alter von 85 Jahren, in dem er sich eigentlich ein ruhiges Plätzchen hätte wünschen sollen, wo er seine letzten Tage verbringen und Blumen und Gemüse ziehen könnte, wollte er statt dessen dasselbe Gebiet haben, das die Herzen der 10 Späher mit Angst erfüllt hatte. Dies war das Erbteil, das er sich als Erfüllung von Gottes früherem Versprechen wünschte. Obwohl die meisten älteren Leute eher dazu neigen, über alte Kämpfe zu reden, als neue zu kämpfen, war Kaleb zu einem weiteren guten Kampf bereit. Er war darauf bedacht, die Anakiter bei Hebron zu bekämpfen und die Stadt einzunehmen. Kaleb wählte eine große und schwere Aufgabe. Nicht, daß er mit Stolz über sein eigenes Können erfüllt war. Sondern er glaubte, daß Gott mit ihm sein würde. Kaleb hatte Vertrauen in die Gegenwart Gottes .

Mit funkelnden Augen und lauter Stimme sagte er endlich: Vielleicht ist der HERR mit mir , so daß ich sie nach der Verheißung des Herrn aus ihrem Lande vertreiben kann. Und er vertrieb sie, wie Josua später berichtet ( Jos 15,13-19 ). Josua gab eine zweifache Antwort auf Kalebs Wunsch: (a) Er segnete Kaleb, das heißt, er sonderte ihn ab, damit Gott ihn ermächtige, seine Aufgabe erfolgreich zu vollenden, und (b) er gab ihm Hebron, eine Aussage, die bestätigt, daß diese Landzusprechung eine gültige Abmachung war.

Jos 14,15


Ein geschichtlicher Zusatz, der Kirjat-Arba , den früheren Namen Hebrons, erläutert, beendet diese Geschichte. Arba war ein Riese unter den Anakitern, einem Volk von Riesen, eine Tatsache, die den heldenhaften Glauben Kalebs noch mehr zum Ausdruck bringt. Das abschließende Wort und das Land kam zur Ruhe vom Kampf (vgl. Jos 11,23 für denselben Ausdruck am Ende der Eroberung selbst), zeigt auf, was der Glaube in den Herrn in bezug auf das Land, das noch eingenommen werden mußte, erreichen kann.



C. Die Anteile der neuneinhalb Stämme
( 15,1-19,48 )


1. Der Anteil für den Stamm Juda
( Jos 15 )


Jos 15,1-12


Nachdem er Kaleb seinen Wunsch erfüllt hatte, kehrte Josua zum Werk der Aufteilung des Landes westlich des Jordans unter die neuneinhalb Stämme (vgl. die Karte) zurück. Juda war der erste, der ein Erbteil erhalten sollte, und als größter Stamm stand ihm auch ein Anteil zu, der größer war als der Anteil der anderen Stämme. Jakobs Prophezeiung bezüglich Juda und dessen Samen erfüllte sich auf bemerkenswerte Art und Weise bei der Landzuteilung nach der Eroberung. Erstens war Juda von Feinden umgeben ( 1Mo 49,8-9 ). Die Moabiter lagen östlich, die Edomiter im Süden, die Amalekiter im Südwesten und die Philister im Westen. So von gefährlichen Feinden umgeben, würde Juda starke Führer wie David brauchen, um zu überleben. Zweitens hatte der Landanteil, den Juda zugesprochen bekam, eine ideale Lage für den Weinanbau ( 1Mo 49,11-12 ). Es war in einem Tal Judas (dem Tal Eschkol) gewesen, wo die Kundschafter die riesige Weinrebe abgeschnitten hatten ( 4Mo 13,24 ). Drittens war Juda der Stamm, aus dem der Messias kommen sollte ( 1Mo 49,10; Mt 1,1-3; Lk 3,23.33 ).

Judas südliche Grenze ( Jos 15,2-4 ) reichte von der südlichen Spitze des Toten Meeres nach Westen bis zum Bach Ägyptens (Wadi el-Arish). Die nördliche Grenze erstreckte sich von der Nordspitze des Toten Meeres westlich zum Großen Meer, dem Mittelmeer (V. 5-12 ). Diese beiden Gewässer waren die Ost- und Westgrenze. Die Gegend, die hauptsächlich aus dem Gebiet bestand, das von Josua bei seinem südlichen Feldzug erobert worden war, bestand aus einigen fruchtbaren Landflächen, doch große Teile waren felsig und trocken.



Jos 15,13-19


In Judas Landbesitz lag auch Hebron (Kirjat-Arba; vgl. Jos 14,15 ), das Kaleb zugesprochen worden war. Der Bericht beschreibt, wie dieser tapfere Kämpfer seinen Besitz errang und (nach Josuas Tod) mit Hilfe seines tapferen Neffen OtniÙl , der sein Schwiegersohn (vgl. Ri 1,10-15.20 ) war und später Richter wurde ( Ri 3,9-11 ), ausdehnte.

 

Jos 15,20-63


Als nächstes werden die Städte Judas nach ihrer Lage in den vier geographischen Hauptgebieten des Stammes aufgezählt: 29 Städte mit ihren Dörfern im Südland oder Negev (V. 21-32 ); 42 Städte mit Dörfern im westlichen Vorgebirge oder Schefela (V. 33-47 ); 38 Städte mit Dörfern im zentralen Hügelland (V. 48-60 ); 6 Städte mit Dörfern in der spärlich bevölkerten Wüste Judas, die sich zum Toten Meer hinunter erstreckt (V. 61-62 ).

Die Anzahl der Städte wird mit 29 angegeben (V. 32 ), doch 36 werden aufgezählt (V. 21-32 ). Dies ist dadurch zu erklären, daß sieben davon später dem Stamm Simeon übergeben wurden: Molada, Hazar-Schual, Beerscheba, Ezem, Eltolad, Horma und Ziklag ( Jos 19,1-7 ). Juda besaß gut 100 Städte und scheint sie, mit der bedeutenden Ausnahme von Jerusalem, mit wenig oder überhaupt keinen Schwierigkeiten besetzt zu haben. Juda konnte die Jebusiter, die Jerusalem bewohnten, nicht vertreiben ( Jos 15,63 ). Lag es daran, daß die Männer Judas "nicht konnten", oder daran, daß sie "nicht sollten"? Lag der Fehler an einem Mangel an Stärke oder an einem Mangel an Glauben? Das Verzeichnis von Judas Besitztum endet mit einer verhängnisvollen Aussage.



2. Die Anteile für die Stämme Josefs
( Jos 16-17 )


a. Das Gebiet Ephraims
( Jos 16 )


Jos 16,1-3


Das starke Haus Josefs, das aus den Stämmen Ephraim und Manasse bestand, besetzte das reiche Gebiet Zentralkanaans. Weil Josef während der Hungersnot die ganze Familie in Ägypten am Leben erhielt, bestimmte der Patriarch Jakob, daß Josefs beide Söhne Ephraim und Manasse, zusammen mit ihren Onkeln, zu Stammesgründern werden sollten (vgl. 1Mo 48,5 ). Ihr Gebiet in Kanaan war in vielerlei Hinsicht das schönste und fruchtbarste.



Jos 16,4-10


Das Erbteil Ephraims lag an der Nordgrenze des Gebietes, das Dan und Benjamin zugesprochen bekommen sollten, und erstreckte sich vom Jordan bis zum Mittelmeer und beinhaltete einige von Josuas Schlachtfeldern sowie Silo, wo die Stiftshütte für ungefähr 300 Jahre verbleiben sollte. Um die Einheit zu festigen, lagen einige der Städte Ephraims im Gebiet Manasses (V. 9 ).

Doch die Männer Ephraims, wie auch die von Juda, jagten die Kanaaniter nicht vollständig aus ihrem Gebiet hinaus. Vom materialistischen Sinn getrieben, entschlossen sie sich, die Kanaaniter in Geser unter Tributpflicht zu stellen und dadurch zusätzlichen Reichtum zu erlangen. Dies erwies sich als fataler Fehler, als nämlich in späteren Jahrhunderten, zur Zeit der Richter, dieses Arrangement umgekehrt wurde, nachdem die Kanaaniter sich aufgebäumt und die Israeliten versklavt hatten. Zusätzlich zur historischen Erfahrung liegt hier ein geistliches Prinzip vor. Es ist für einen Gläubigen allzu einfach, eine Lieblingssünde zu entschuldigen, um eines Tages aufzuwachen und zu bemerken, daß sie so gewachsen ist, daß sie ihn beherrscht und zur geistlichen Niederlage führt. Das Spielen mit der Sünde führt zu schweren Konsequenzen.



b. Das Gebiet Manasses
( 17,1-13 )


Jos 17,1-2.7-10


Die Nachkommen Machirs, dem Erstgeborenen Manasses, siedelten sich in Transjordanien an (V. 1-2 ). Die übrigen Nachkommen siedelten in Kanaan selbst und erhielten das Gebiet nördlich von Ephraim, das sich auch vom Jordan bis zum Mittelmeer ausdehnte (V. 7-10 ).



Jos 17,3-6


Spezielle Erwähnung finden die fünf Töchter Zelofhads , eines Ururenkels von Manasse. Weil ihr Vater ohne Söhne gestorben war, sollten sie das Erbteil erhalten (vgl. 4Mo 27,1-11 ), wie der HERR es in diesem und in anderen solchen Fällen bestimmt hatte. Sie gingen jetzt zum Priester Eleasar (Aarons Sohn, Jos 24,33 ), der mit Josua und den Stammesfürsten zusammen die Stammeszuteilungen beaufsichtigte (vgl. 19, 51). Diese fünf Frauen begehrten und erhielten ihren Anteil im Gebiet Manasses. Dieser Vorfall ist sehr bedeutend, denn er zeigt die Sorge um das Recht der Frauen in einer Zeit auf, in der die meisten Gesellschaften sie nur als bewegliches Eigentum ansahen.



Jos 17,11-13


Mehrere Städte, die in den Stammesgebieten Issachars und Assers lagen, wurden Manasse gegeben. Dies waren die Kanaaniterfestungen Bet-Schean, Jibleam Dor, En-Dor, Taanach und Megiddo. (Dor, die dritte in der Liste, war auch als Nafot bekannt.) Wahrscheinlich wurde es aus militärischen Gründen als notwendig angesehen, daß diese Städte von einem starken Stamm besetzt würden. Die Entscheidung wirkte sich jedenfalls für die Söhne Manasses nachteilig aus, weil sie wie auch die Ephraimiter Tribut statt den Sieg wählten.



c. Die Beschwerde Ephraims und Manasses
( 17,14-18 )


Jos 17,14-15


Die Nachkommen Josefs drückten eine freche Beschwerde vor Josua aus, nämlich, daß ihr Erbteil hinsichtlich ihrer großen Bevölkerung zu klein sei. Josua bedeutete ihnen mit Taktgefühl und Entschlossenheit, die Bäume zu roden und in das bewaldete Bergland zu ziehen (V. 15 ). Er nahm an, daß sie ihre Kräfte vereinen würden, um die Kanaaniter hinauszutreiben (V. 18 ).



Jos 17,16-18


Doch dies war nicht das, was sie hören wollten. Sie bestanden darauf, daß das Bergland nicht für sie ausreichte, und daß die Kanaaniter in ihrer Region eiserne Wagen, wahrscheinlich hölzerne Kampfwagen, die mit Eisen überzogen waren, besaßen. Wieder erinnerte Josua seine eigenen Stammesleute daran, daß sie sehr zahlreich und stark und sicherlich in der Lage waren, die feindlichen Kanaaniter hinauszujagen. Während eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesem Abschnitt und dem, der Kalebs Wunsch beschreibt ( Jos 14,6-15 ), besteht, waren ihre Auffassungen völlig verschieden. Kalebs Begehren war vom Glauben gelenkt, während das der Josefiter der Angst entstammte. Der Sinn dieser Episode mag sicherlich darin liegen, die Israeliten darauf hinzuweisen, daß die Stämme im mutigen Glauben wandeln mußten, wenn sie das verheißene Land ganz besitzen wollten.



3. Die Anteile für die übrigen Stämme
( 18,1-19,48 )


a. Einleitung
( 18,1-10 )


Jos 18,1-3


Bevor die letzten Zuteilungen des Landes gemacht wurden, zogen die Israeliten zusammen von Gilgal nach Silo, das ungefähr 32 km nordwestlich vom Jordantal zum Hügelland hin lag. Warum? Wahrscheinlich weil Silo, das in der Mitte des Landes lag, ein günstiger Ort war, an dem die Stiftshütte ( das Zelt der Zusammenkunft ) das Volk daran erinnern konnte, daß der Schlüssel zum Wohlstand und Segen des Landes in der Verehrung und im Dienst Jahwes lag. Die Unzufriedenheit der Söhne Josefs mit ihrem Erbteil ( Jos 17,14-18 ) war ein verhängnisvoller Schatten der zukünftigen Zersplitterung des Volkes wegen seiner Selbstsucht. Um dieser Neigung entgegenzuwirken wurde die Stiftshütte in Silo aufgerichtet, im Sinn der Herstellung der nationalen Einheit.

Später, als die Israeliten damit beschäftigt waren, die Stiftshütte aufzurichten und die neue Anbetungsstätte einzuweihen, bemerkte Josua, daß sie von einer gewissen Kriegsangst befallen waren. Sie waren vom Kampf um die Eroberung Kanaans erschöpft. Deshalb hielt er mitten in der Austeilung der Stammeserbteile inne. Sieben hatten immer noch kein Zuhause und begnügten sich anscheinend damit, eine nomadenhafte und sinnlose Existenz weiterzuführen, wie sie sie bereits in der Wüste erfahren hatten. Ihre Teilnahmslosigkeit berührte Josua, der Schritte unternahm, um sie in Aktion zu bringen. Er wies sie scharf zurecht: Wie lange seid ihr noch zu nachlässig, um hinzugehen und das Land, das euch der HERR, der Gott eurer Väter, gegeben hat, einzunehmen? Wahrscheinlich sollten die Stämme Dinge unternehmen, die die Gebietszuweisungen betrafen. Josua sah wahrscheinlich jeden vergehenden Tag als einen Tag an, der für die Durchführung der völligen Besetzung des Landes verloren war, einen Tag, an dem der Feind wiederkehren oder sich stark verschanzen könnte.

Jos 18,4-7


Josua war für das Handeln, doch nicht bevor behutsam Vorkehrungsmaßnahmen getroffen worden waren. Nachdem er die Einsetzung einer Kommission von 21 Männern, 3 aus jedem der sieben noch unbestimmten Stämme, geleitet hatte, sandte er diese aus, damit sie eine topografische Erforschung des verbleibenden Landes durchführten. Wie lange diese komplexe Aufgabe dauerte, wird nicht vermerkt, doch es war offensichtlich eine Arbeit, die Zeit und Geschicklichkeit verlangte. Josephus schreibt, daß diese Männer Experten in Geometrie waren. Möglicherweise hatten ihre Eltern in Ägypten die Wissenschaft der Länderforschung ausgeübt. Wer von ihnen hätte es gewagt, davon zu träumen, daß ihre Kinder einmal dieses Wissen im verheißenen Land so strategisch anwenden würden?



Jos 18,8-10


Nachdem sie ihre Gutachten auf eine Schriftrolle geschrieben hatten, kehrten die Forscher nach Silo zurück, wo Josua zurückgeblieben war, um Lose zu ziehen (vgl. den Kommentar zu Jos 14,1-5; vgl. Jos 19,51 ), um die Anteile festzulegen, die den verbleibenden sieben Stämmen zugeteilt werden sollten.



b. Das Gebiet Benjamins
( 18,11-28 )


Jos 18,11-28


Benjamin wurde das Land zwischen Juda und Josef, ein Hinweis auf Ephraim, zugeteilt, wodurch die anfängliche Rivalität zwischen diesen führenden Stämmen verringert wurde. Obgleich ihr Gebiet von Bergen und Schluchten bedeckt war und sich von Osten nach Westen nur 40 km und von Norden nach Süden an der breitesten Linie nur 24 km ausdehnte, beinhaltete es viele Städte, die in der biblischen Geschichte wichtig wurden - Jericho ... Bethel ... Gibeon, Rama ... Mizpe und die Jebusiterstadt ... Jerusalem (V. 21-28 ). Also lag der Platz des zukünftigen Tempels in Jerusalem im Stamm Benjamin, eine Erfüllung von Moses Prophezeiung ( 5Mo 33,12 ).



c. Das Gebiet Simeons
( 19,1-9 )


Jos 19,1-9


Weil Juda mehr Land bekam, als es brauchte (V. 9 ) und als Erfüllung von Jakobs Prophezeiung (vgl. 1Mo 49,5-7 ), bekam Simeon ein Gebiet im südlichen Teil des Stammesgebietes Judas mit 17 Städten und ihren Orten. Doch es dauerte nicht lange, bis Simeon seine Individualität als Stamm verlor. Sein Gebiet wurde nach und nach in das Gebiet von Juda einbezogen, und viele Bewohner zogen nach Norden zu Ephraim und Manasse (vgl. 2Chr 15,9; 34,6 ). Dies ist auch die Erklärung dafür, daß, als das Königreich nach Salomo geteilt wurde, im Norden 10 und im Süden nur zwei Stämme waren (Juda und Benjamin).



d. Das Gebiet Sebulons
( 19,10-16 )


Jos 19,10-16


Nach Jakobs Prophezeiung sollte Sebulon "am Gestade des Meeres und am Gestade der Schiffe" wohnen ( 1Mo 49,13 ). Er bekam ein Gebiet im unteren Galiläa, das viele als ein vom Land eingeschlossenes Gebiet ansehen. Es wäre aber denkbar, daß ein schmaler Landstrich zum Mittelmeer reichte und eine Enklave im Gebiet Issachars bildete. Seltsamerweise wird die Stadt Nazareth, die sich im Stammesgebiet Sebulons befand, nicht erwähnt. (Das Bethlehem , das in Jos 19,15 erwähnt wird, ist nicht das Dorf Bethlehem in Juda [ Mi 5,1 ], in dem Jesus geboren wurde.)



e. Das Gebiet Issachars
( 19,17-23 )


Jos 19,17-23


Issachar, dem das Gebiet östlich von Sebulon und südlich des Sees von Galiläa zugeteilt wurde, besaß das fruchtbare und schöne Tal Jesreel, das auch als Schlachtfeld bekannt ist. Bis zur Zeit Davids verblieben seine Bewohner jedoch im Gebirge, am Ostende des Tals.



f. Das Gebiet Assers
( 19,24-31 )


Jos 19,24-31


Asser erhielt die Ländereien an der Mittelmeerküste, vom Berg Karmel nördlich bis Sidon und Tyrus. Durch seine gefährliche Lage sollte es Israel vor Feinden an der Nordküste schützen, z. B. vor den Phöniziern. Zu Davids Zeit war Asser in Unbedeutsamkeit verfallen, obwohl seine Stammesidentität nicht verlorengegangen war. Hanna, die Prophetin, die zusammen mit Simeon ihren Dank für die Geburt Jesu darbrachte, war vom Stamme Asser (vgl. Lk 2,36-38 ).



g. Das Gebiet Naftalis
( 19,32-39 )


Jos 19,32-39


Naftali, das im Osten an Assers Gebiet angrenzte, hatte den Jordan und den See von Galiläa als Ostgrenze. Während es zur Zeit des AT als Gebiet nicht so bedeutend war, besaß Naftali zur Zeit des Neuen Testaments sehr wichtige Schauplätze, weil der Dienst Jesu Christi sich dort konzentrierte. Der Prophet Jesaja vergleicht Naftalis frühe Schwermut (wegen des assyrischen Einfalls) mit dem Ruhm, der dort stattfand, als Christus kam (vgl. Jes 8,23-9,1; Mt 4,13-17 ).



h. Das Gebiet Dans
( 19,40-48 )


Jos 19,40-48


Der am wenigsten attraktive Anteil fiel an Dan. Weil er im Norden und Osten von Ephraim und Benjamin und im Süden von Juda umgeben war, werden seine Grenzen nicht beschrieben, da sie ja mit denen der anderen Stämme zusammenfielen. Nur Städte werden genannt, deren Anzahl 17 betrug. Nicht nur, weil das eigentliche Gebiet zu klein war, sondern auch nachdem ein Teil des Gebietes Dan an die Amoriter verloren ging ( Ri 1,34 ), zog der größte Teil des Stammes weit nach Norden und eroberte und bewohnte die Stadt Leschem (Laisch), gegenüber des nördlichen Teils von Naftali, und nannte es Dan (vgl. Ri 18; 1Mo 49,17 ).

So sorgte Gott für den Bedarf eines jeden Stammes, obgleich in manchen Fällen Teile ihres Gebietes noch in den Händen der Feinde waren. Die Israeliten sollten das Land durch Glauben erringen und darauf vertrauen, daß Gott sie dazu befähigen würde, ihre Feinde zu schlagen. Jahrhunderte später erstand Jeremia ein Feld, das von der eingefallenen babylonischen Armee besetzt war ( Jer 32 ). Und wiederum Jahrhunderte danach schaffte es ein römischer Bürger, einen Platz zu kaufen, auf dem die Gegner Roms lagerten. Israel sollte seinen Stammesbesitz ähnlich durch Glauben erlangen. Dies zu unterlassen würde bedeuten, in Armut und Schwachheit zu leben, Umstände, die Gott seinem Volk nicht wünschte.



D. Die Städte für Josua, die Freistädte und die Städte der Leviten
( 19,49-21,45 )


1. Die besondere Zuteilung für Josua
( 19,49-51 )


Jos 19,49


Während Kalebs Erbteil zuerst festgelegt worden war ( Jos 14,6-15 ), wurde Josuas Erbteil als letztes festgelegt. Erst als alle Stämme ihren Anteil erhalten hatten, fragte Josua nach seinem eigenen. Was für ein selbstloses Wesen besaß er, und wie sehr unterscheidet sich sein Verhalten von dem vieler politischer Führer, die ihre Positionen und ihren Einfluß dazu benutzen, um sich und ihre Familie zu bereichern.



Jos 19,50-51


Josuas Landwahl zeigt weiterhin seine Demut. Er wünschte sich Timnat-Serach , eine Stadt im wilden, unfruchtbaren und felsigen Gebiet seines eigenen Stammes ( Ephraim ), obwohl er ein Landstück im edelsten und ergiebigsten Gebiet Kanaans hätte haben können. Unter der größten Hochachtung gegenüber seiner göttlichen Führerschaft gewährten die Söhne Israels Josua seinen bescheidenen Wunsch, und er baute die Stadt auf und ließ sich dort nieder . Als eine der letzten Erscheinungen dieses treuen Führers sieht man Josua als Erbauer (zusätzlich zu seinem Dienst als General und Administrator). Diese Kombination ist unter Gottes Dienern selten.

Alle Stämme erhielten ihr Gebiet ... durch das Los (vgl. den Kommentar zu Jos 14,1-5 ).



2. Die Bestimmung von Freistädten
( Jos 20 )


Eine der ersten Anordnungen nach der Erklärung der Zehn Gebote beinhaltete die zukünftige Festsetzung von Freistädten ( 2Mo 21,12-13 ). Diese Städte, die als Unterschlupf für unabsichtliche Totschläger dienen sollten, werden in 4Mo 35,6-34 und 5Mo 19,1-13 genauer behandelt. Jos 20 behandelt ihre Festsetzung nach der Eroberung (vgl. ihre Lage auf der Karte "Kanaan zur Zeit der Eroberung" zu Jos 3 ).

Die Tatsache, daß diese Städte in vier Büchern des AT behandelt werden, kennzeichnet ihre Bedeutung. Es liegt nahe, daß Gott Israel damit die Heiligkeit des menschlichen Lebens einprägen wollte. Dem Leben einer Person ein Ende zu setzen, selbst wenn es ungewollt geschieht, ist eine ernste Sache, und die Freistädte betonten dies auf deutliche Art und Weise.

In der alten Welt wurde die Blutrache allgemein praktiziert. Im selben Augenblick, in dem eine Person getötet wurde, nahm ihr nächster Verwandter die Pflicht der Rache auf. Dieser alte Brauch der Blutrache wurde von einer Generation zur nächsten weitergereicht, so daß immer mehr unschuldige Menschen eines gewaltsamen Todes starben. Der Bedarf an Unterschlupf, den diese speziellen Orte in Israel gewähren sollten, liegt auf der Hand.

Jos 20,1-3


Im AT wird klar zwischen vorsätzlichem Mord und unbeabsichtigtem Totschlag unterschieden (vgl. 4Mo 35,9-15 mit 4Mo 35,16-21 ). Im Falle von Mord wurde der nächste Angehörige zum Bluträcher , der den Schuldigen tötete. Doch wenn jemand einen anderen unabsichtlich tötete, stand ihm Asyl in einer von sechs Freistädten zur Verfügung. In solch einem Fall mußte die betreffende Person ohne Zögern zum nächsten Zufluchtsort eilen. Nach jüdischer Überlieferung wurden die Straßen, die zu diesen Städten führten, stets sorgfältig gepflegt, und die Kreuzungen waren bestens mit Schildern markiert, auf denen "Zuflucht! Zuflucht!" stand. Entlang der Straße waren auch Läufer stationiert, die die Schutzsuchenden führen sollten.



Jos 20,4-6


Wenn er das Tor einer Freistadt erreicht hatte, mußte der Totschläger (atemlos!) seinen Fall den Ältesten der Stadt vortragen , die das damalige Gericht bildeten (vgl. Hi 29,7; 5Mo 21,19;22,15 ). Darauf wurde ein vorläufiges Urteil gesprochen, um ihm Asyl zu gewähren, bis eine Hauptverhandlung vor der Gemeinde vorgenommen werden konnte. Wenn er vom vorsätzlichen Mord freigesprochen wurde, wurde er zur Freistadt zurückgeleitet, wo er dann wohnte, bis der Hohepriester starb, wonach der Totschläger die Freiheit hatte, in seine Heimat zurückzuziehen. Dies konnte viele Jahre später sein. Ungewollter Totschlag war deshalb eine Sache, die ernsthaft vermieden werden sollte. Viele haben sich darüber Gedanken gemacht, was der Tod des Hohepriesters in Beziehung mit dem Wechsel der Situation für den Totschläger zu bedeuten habe. Die beste Erklärung mag sein, daß der Wechsel der priesterlichen Administration als Verjährungsfrist zur Begrenzung galt und dadurch das Exil des Zufluchtssuchenden in der Freistadt beendete.



Jos 20,7-9


Die sechs festgesetzten Städte lagen zu beiden Seiten des Jordans. Auf der Westseite lagen Kedesch in Galiläa ... in Naftali, Sichem in ... Ephraim und Hebron in ... Juda . Die Städte auf der Ostseite waren Bezer im Süden in Ruben, Ramot in der Gegendvon Gilead im Stamm Gad und Golan in der nördlichen Gegend von Baschan im Stamm Manasse.

Doch warum gibt es im AT keinen einzigen Bericht über einen Fall, in dem diese gnadenvolle Vorkehrung gebraucht wurde? Einige Kritiker behaupten, daß diese Städte nicht Teil des mosaischen Gesetzes waren, sondern daß diese Vorkehrung nach dem Exil getroffen wurde. Doch die nachexilischen Bücher gehen genausowenig auf ihre Benutzung ein, so daß andere Kritiker annahmen, daß sie bis zur Zeit Christi unbenutzt blieben. Angesichts solcher Argumente ist es angebrachter, die Historizität dieser Angaben anzuerkennen und das Schweigen in der Schrift als Hinweis dafür anzusehen, daß die Autoren der Schrift sorgfältig auswählten, was sie niederschrieben. Nachdem die Vorkehrung einmal getroffen war, war es scheinbar nicht notwendig, spezielle Beispiele für ihren Gebrauch aufzuschreiben.

Israels Nutzen von den Zufluchtsstädten erinnert Gläubige an Ps 46,2 : "Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben." Und an Röm 8,1 : "So gibt es nun keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind." Der Schreiber des Hebräerbriefes muß wohl an die alttestamentlichen Freistädte gedacht haben, als er schrieb, daß Gläubige einen starken Trost haben, weil sie ihre "Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung." ( Hebr 6,18 ). Aus dieser Sicht scheinen die Freistädte Christus zu versinnbildlichen, zu dem Sünder, die vom rächenden Gesetz verfolgt werden, welches Gericht und Tod fordert, fliehen und Zuflucht suchen können. Paulus' ständiger Ausdruck "in Christus" spricht von der Sicherheit, die jeder Gläubige hat.



3. Die Festsetzung von Levitenstädten
( 21,1-42 )


Jos 21,1-3


Der letzte und krönende Akt der Verteilung wird nun beschrieben. Die Fürsten des Stammes Levi schritten nach vorn und erhoben Anspruch auf die Städte, die ihnen von Mose versprochen worden waren (vgl. 4Mo 35,1-8 ). Diese 48 Städte mit Weideland, einschließlich der 6 Freistädte, wurden nun den Leviten zugesprochen.



Jos 21,4-7


Es wird beschrieben, wie die Zuteilung nach drei Hauptfamilienlinien im Stamme Levi vorgenommen wurde, entsprechend den drei Söhnen Levis, Kehat ... Gerschon und Merari (vgl. die Übersicht "Moses Vorfahren seit Abraham" zu 2Mo 6,18 ).



Jos 21,8-19


Zuerst werden 13 Städte für die Kehatiter aufgezählt. Neun lagen in den Stammesgebieten von Juda und Simeon einschließlich von Hebron (eine Freistadt), vier lagen im Stammesgebiet von Benjamin. Diese 13 waren für die Priester, die Nachkommen Aarons.



Jos 21,20-26


Zehn weitere Städte, einschließlich Sichem (einer Freistadt), wurden den anderen Abzweigungen der Kehatiter in Ephraim, Dan und im westlichen Manasse zugeteilt. So lagen also die Priesterstädte letztendlich im Südreich Juda, wo der Tempel in dessen Hauptstadt Jerusalem erbaut werden sollte.



Jos 21,27-33


Die 13 Levitenstädte der Gerschoniter lagen im östlichen Manasse, in Issachar, Asser und Naftali. Zwei Freistädte wurden hierbei einbezogen: Golan in Baschan und Kedesch in Galiläa.



Jos 21,34-40


Die meraritischen Nachkommen Levis erhielten 12 Städte in Sebulon und in den transjordanischen Stämmen Ruben und Gad einschließlich Ramot, einer Freistadt in Gilead. So lagen also 10 der 48 Levitenstädte östlich des Jordans, zwei im halben Stamm Manasse (V. 27 ) und vier jeweils in Ruben (V. 36-37 ) und Gad (V. 38-39 ).

Diese Verstreuung des Stammes Levi unter die anderen Stämme erfüllte Jakobs Fluch über Levi und auch über Simeon ( 1Mo 49,5.7 ) für ihren sinnlosen Mord an den Sichemitern ( 1Mo 34 ). Im Falle der Nachkommen Levis wandelte Gott dies dazu um, ihre Stammesidentität zu bewahren und sie zum Segen für ganz Israel zu machen. Er tat dies, weil die Leviten in einer großen Krise zu Mose standen ( 2Mo 32,26 ) und weil Pinhas (ein Levit und Sohn Eleasars) Gottes gerechten Namen in der Ebene Moab verteidigte ( 4Mo 25 ).



Jos 21,41-42


Doch zum Zeitpunkt der Zuteilung waren viele der levitischen Städte unter kanaanitischer Herrschaft und mußten noch erobert werden. Offenbar waren die Leviten nicht immer erfolgreich, und die anderen Stämme boten ihnen keine Hilfe an. Dies scheint auch die einfachste Erklärung für den Mangel an Übereinstimmung zwischen dieser Aufzählung der Levitenstädte und derjenigen in 1Chr 6,39-66 zu sein.

Die Möglichkeit des Guten in der Zerstreuung der Leviten unter den anderen Stämmen war fast unbegrenzt. Mose sagte bei seiner letzten Segnung der Stämme von Levi: "Sie lehren Jakob deine Rechte und Israel dein Gesetz" ( 5Mo 33,10 ). Die würdevolle Verantwortung und das hohe Privileg der Leviten war es, Israel im Gesetz des Herrn zu unterweisen und die Kenntnis seines Wortes unter dem Volk zu bewahren. Speziell im Norden und Osten hätten die Leviten Barrieren gegen den Götzendienst von Tyrus und Sidon sowie gegen die heidnischen Praktiken der Wüstenstämme bilden sollen.

Jemand hat einmal geschätzt, daß niemand in Israel mehr als 17 km von einer der 48 Levitenstädte entfernt lebte. Das bedeutet, daß jeder Israelit jemanden in der Nähe hatte, der im Gesetz Moses wohlunterrichtet war und der Rat in vielen Problemen im religiösen, familiären und politischen Leben geben konnte. Es war sehr wichtig, daß Israel dem Wort Gottes in allen Lebensbereichen gehorchte, weil sonst ihr Reichtum vergehen und ihre Privilegien verwirkt würden. Die Leviten benutzten ihre Möglichkeiten nicht und erfüllten ihre Sendung nicht. Hätten sie es getan, hätte sich der Götzendienst und dessen korruptiver Einfluß niemals über das Land Israel verbreitet.



4. Zusammenfassung der Eroberung und der Aufteilung des Landes
( 21,43-45 )


Jos 21,43-45


Hier endet der lange Abschnitt, der die Festsetzung der Gebiete und Städte beschreibt. Der Historiker schaut auf den Anfang zurück und faßt die Eroberung und Landverteilung mit der Betonung der Treue Gottes zusammen. Gott hatte sein Versprechen gehalten, Israel das Land, Ruhe ringsumher und den Sieg über ihre Feinde zu geben. Tatsächlich löste der Herr jeden Teil seiner Verpflichtung treu ein. Nicht eines seiner Versprechen ... war dahingefallen . Dies bedeutete nicht, daß jedes Stück des Landes im Besitz Israels war, denn Gott selbst hatte Israel gesagt, daß sie das Land stückweise erobern sollten ( 5Mo 7,22 ). Diese abschließende Aussage widerspricht auch nicht den Tragödien, die während der Zeit der Richter geschehen sollten, denn daran würde Israel und nicht Gott Schuld haben. Trotzdem bestritt der Unglaube Israels in keiner Weise die Treue Gottes. Paulus bestätigte diese Tatsache in seinem Wort an Timotheus: "Sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen" ( 2Tim 2,13 ).

Einige Theologen bestehen darauf, daß die Aussage in Jos 21,43 bedeutet, daß das Landversprechen im abrahamitischen Bund damals erfüllt war. Doch dies kann nicht stimmen, weil später die Bibel weitere Vorhersagen über die Inbesitznahme des Landes durch Israel nach der Zeit Josuas gibt (z. B. Am 9,14-15 ). Jos 21,43 bezieht sich also auf die Ausdehnung des Landes, wie sie in 4Mo 34 angegeben wird und nicht auf die letztendliche Ausdehnung, die es im messianischen Königreich haben wird ( 1Mo 15,18-21 ). Auch wenn Israel zu dieser Zeit das Land besaß, wurde es ihm später wieder entrissen, obwohl der Abrahambund versprach, daß Israel das Land für immer besitzen würde ( 1Mo 17,8 )



IV. Schluß
( Jos 22-24 )


A. Eine Grenzstreitigkeit
( Jos 22 )


Als die Oststämme zu ihren eigenen Erbteilen zurückkehrten, drohte ein voreiliges Urteil, die sich gerade niedergelassenen Gemeinschaften in einen verheerenden Bürgerkrieg zu stürzen. Es war eine gefährliche und explosive Situation. Der Feind lauerte in der Nähe und hoffte mit Sicherheit inständig, daß solch eine trennende Streitigkeit stattfinden würde, so daß er seine verlorenen Gebiete zurückgewinnen könnte. Doch dank Gottes Vorsehung wurde die Tragödie verhindert, und Israel bekam eine wertvolle und wichtige Lektion erteilt.



1. Die Ermahnungen Josuas
( 22,1-8 )


Jos 22,1-4


Die Oststämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse hatten ihre Aufgabe erfüllt. Als sie vor ihren General gerufen wurden, bekamen sie ein Lob dafür ausgesprochen, daß sie ihr Versprechen gegenüber Gott, Mose und Josua eingehalten und an der Seite ihrer Brüder in allen Schlachten der Eroberung Kanaans gekämpft hatten (vgl. 4Mo 32; Jos 1,16-18; 4,12-14 ). Sieben Jahre lang waren diese Männer von ihren Frauen und Familien getrennt gewesen, doch nun waren die Kämpfe vorüber, das Land war verteilt, und es war Zeit, nach Hause zu gehen. So entließ Josua diese Soldaten in Ehren.



Jos 22,5-8


Als die müden, aber frohen Soldaten losmarschierten, nahmen sie einen großen Beuteteil, den sie dem Feind entrungen hatten, mit sich. Sie hatten Anweisungen, die Beute mit ihren Brüdern, die zu Hause geblieben waren, zu teilen (V. 8 ). Die Soldaten hatten großen Reichtum errungen, der Viehherden, Metalle und Kleider einschloß. Doch warum sollten diejenigen, die den Schmerz und die Anstrengung des Krieges gar nicht erlitten hatten, etwas von der Beute erhalten? Wahrscheinlich hätten viele der Männer, die zurückgeblieben waren, es vorgezogen, in den Krieg zu ziehen. Doch wer hätte dann die Herden gehütet und die Frauen und Kinder beschützt? Es wurde einfach das Prinzip angewendet, daß nicht nur diejenigen Ehre und Belohnung erhalten sollten, die Waffen tragen, sondern auch diejenigen, die zu Hause blieben, um die alltäglichen Angelegenheiten vor Ort zu verrichten ( 1Sam 30,24 ).

Die heimkehrenden Krieger marschierten dazu mit sechs ernsthaften Ermahnungen Josuas los, die ihnen noch in den Ohren klangen: (a) Seid stark darauf bedacht, die Gebote und das Gesetz einzuhalten , (b) liebt den HERRN, euren Gott , (c) wandelt in allen seinen Wegen, (d) gehorcht seinen Geboten, (e) haltet an ihm fest und (f) dient ihm von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Diese kurze, jedoch ernsthafte Anweisung rief zum Gehorsam, zur Liebe, zur Nachfolge und zum Dienst auf. Ihre militärischen Verpflichtungen waren erfüllt, doch Josua erinnerte sie an ihre geistlichen Verpflichtungen, die Vorraussetzung für Gottes kontinuierlichen Segen waren. Wie ein besorgter Vater, der einen Sohn oder eine Tochter das Haus verlassen sieht, um dahin zu gehen, wo die junge Person von geistlichen Einflüssen getrennt sein würde, drückte Josua seine ernsthafte Anweisung gegenüber den heimkehrenden Kriegern aus. Er befürchtete vielleicht, daß ihre Trennung von den anderen Stämmen sie dazu verleiten könnte, sich vom Dienst des HERRN zu entfernen und dem Götzendienst zu verfallen.



2. Der Götzendienst der östlichen Stämme
( 22,9-11 )


Jos 22,9-11


Die Heere der Oststämme, die von Silo aufgebrochen waren, eilten freudig erregt nach Hause. Als sie sich dem Jordan näherten, gingen ihnen wahrscheinlich zahlreiche Erinnerungen an die wunderbare Überquerung vor sieben Jahren, an den bemerkenswerten Sieg über das nahegelegene Jericho und an die weiteren Siege, die sie mit ihren Brüdern teilten, von denen sie sich erst kürzlich getrennt hatten, durch den Kopf. Ein Gefühl der Isolation von den anderen Stämmen begann sie zu erfüllen. Doch dies lag nicht daran, daß ein ganz normaler Fluß die Ost- von den Weststämmen trennen würde, denn der Jordan ist kein normaler Fluß. Auf jeder Seite ragen Berge bis zur Höhe von 600 m hoch, und das Jordantal, das sich dazwischen windet, ist tatsächlich ein großer Graben mit einer Breite von 8 bis 21 km. Während eines großen Teils des Jahres entmutigt die große Hitze die Reisenden. Es war also eine verstärkte Flußgrenze und mag zu der Befürchtung dieser Stammesleute beigetragen haben, daß sie und ihre Brüder sich nach und nach auseinanderleben würden. Schließlich bedeutet "aus den Augen" oft "aus dem Sinn". Was könnte also dafür getan werden, damit die kameradschaftliche Verbindung, die sich in den langen Jahren gemeinsamer Kämpfe gebildet hatte, lebendig erhalten würde? Was könnte getan werden, um die Gemeinschaft zwischen den Leuten auf beiden Seiten des Flusses zu symbolisieren, um jeden daran zu erinnern, daß sie alle Kinder der Verheißung waren?

Die Antwort, die sich in den Köpfen jener Soldaten bildete, war, daß sie einen großen Altar bauen sollten, einen, der aus großer Entfernung gesehen werden konnte, einen Eindruck erweckenden Altar, der ihr Recht am wirklichen Altar bei der Stiftshütte bezeugen sollte. Also errichteten sie einen solchen Altar auf der israelitischen (westlichen) Seite des Jordans. Warum bauten sie kein anderes Monument auf? Weil sie wußten, daß die wahre Basis ihrer Gemeinschaft ihr ständiger Dienst, der sich an den Opfern am Altar ausrichtete, war.



3. Die Kriegsdrohung
( 22,12-20 )


Jos 22,12


Doch das Symbol der Gemeinschaft wurde zum Symbol des Abfalls. Als die anderen Stämme davon erfuhren, versammelten sie sich bei Silo, dem Ort des wahren Altars ( 1Sam 4,3 ), bereit, gegen die Armeen der Oststämme zu marschieren. Aufgrund dessen, was sie gehört hatten ( Jos 22,11 ), schlossen die Israeliten, daß es Auflehnung gegen Gott sei, daß die anderen Stämme gegen das mosaische Gesetz ( 3Mo 17,8-9 ) einen zweiten Opferaltar errichtet hatten.

"Sie dachten, die Heiligkeit Gottes sei gefährdet. Und so sagten diese Männer, die den Krieg satt hatten: 'Die Heiligkeit Gottes erlaubt keinen Kompromiß' . Ich wünschte, die Kirche des 20. Jahrhunderts würde dies lernen. Die Heiligkeit des Gottes, der existiert, erlaubt keinen Kompromiß auf dem Gebiet der Wahrheit" (Francis A. Schaeffer, Joshua and the Flow of Biblical History , S. 175).

Jos 22,13-14


Einem anscheinenden Kompromiß und Ungehorsam gegen Gott gegenübergestellt, riefen die Israeliten zum Krieg zur Bestrafung ihrer Brüder auf. Auch wenn man den Eifer für die Wahrheit und für die Reinheit des Gottesdienstes bewundern muß, ist es doch gut, wenn Weisheit über Voreiligkeit herrscht. Es wurde beschlossen, damit zu beginnen, die zweieinhalb Stämme eindrücklich zu ermahnen, in der Hoffnung, daß sie von ihrem Projekt ablassen würden. Dadurch könnte Krieg vermieden werden. Eleasars Sohn Pinhas , der für seinen rechten Eifer für den Herrn bekannt war ( 4Mo 25,6-18 ), führte einen Ausschuß von 10 Stammesfürsten an, deren Aufgabe es war, sich den anderen gegenüberzustellen.

 

Jos 22,15-20


Nachdem sie am Standort des neuen Altars angekommen waren, beschuldigte die abgesandte Gruppe die östlichen Stammesleute der Abkehr vom HERRN (V. 16.18 ) und der Auflehnung gegen ihn (V. 16 ; vgl. V. 18-19 ). Sie erinnerten die östlichen Stämme daran, daß die Sünde Peors das Gericht Gottes über die gesamte Nation gebracht hatte ( 4Mo 25 ), so wie es auch die Sünde Achans getan hatte ( Jos 22,20; vgl. Jos 7 ). Nun war die ganze Gemeinde wegen ihres anscheinenden Aktes der Auflehnung wieder in Aufruhr. Solch eine Sünde würde Gottes Zorn über die gesamte Nation bringen ( Jos 22,18; vgl V. 20 ). Zuletzt wurde großmütig angeboten, daß, wenn die Angehörigen der zweieinhalb Stämmen meinten, daß das Land östlich des Jordans unrein, das heißt, daß es nicht durch Gottes Gegenwart geheiligt sei, die westlichen Stämme für sie auf ihrer Seite des Jordans Platz schaffen würden. Dies war ein generöses, liebevolles Angebot, das möglicherweise großen Aufwand bereiten würde.



4. Die Verteidigung der östlichen Stämme
( 22,21-29 )


Die israelitische Delegation sollte nun erfahren, wie falsch ihr vorschnelles Urteil und ihr hitziger Vorwurf gewesen war. Die Gründe für den Aufbau des großen Altars am Jordan kamen ans Licht.

Jos 22,21-23


Anstatt auf den übereilten Vorwurf wütend zu reagieren, wiesen sie lediglich in allem Ernst und aufrichtig die Anklage zurück, daß der Altar, den sie errichtet hatten, als Auflehnung gegen Gott zu verstehen sei. Indem sie sich auf Gott als Zeugen beriefen, schworen sie zweimal bei seinen drei Namen - El, Elohim, Jahwe ( der Allmächtige, Gott, der HERR ) - und bekräftigten, daß, wenn ihre Tat in Auflehnung gegen Gott und seine Gebote bezüglich des Gottesdienstes geschehen sei, sie sein Gericht verdienten.

 

Jos 22,24-25


Warum wurde denn dann der zweite Altar gebaut? Sie erklärten ernsthaft, daß er wegen der geographischen Trennung und deren möglichen Auswirkungen auf zukünftige Generationen erbaut worden sei.



Jos 22,26-29


Die Leute der Oststämme erklärten eindeutig, daß sie sich der Gebote Gottes, die den Gottesdienst Israels bestimmten, völlig bewußt waren; der gerade erbaute Altar war nicht als Ort für Brandopfer (vgl. V. 23 ) gedacht, sondern als Zeugnis für alle Generationen , daß die Transjordanstämme ein Recht darauf hatten, den Jordan zu überqueren und in Silo Gottesdienst zu halten. Dieser Altar war nur eine Kopie des wahren Gottesdienstzentrums und ein Beweis für ihr Recht, dieses aufzusuchen. Auch wenn ihre Sorge um das geistliche Wohlergehen zukünftiger Generationen bemerkenswert war, so erscheint doch die Tat der zweieinhalb Stämme als unnötig. Gott hatte im Gesetz bestimmt, daß alle männlichen Israeliten dreimal im Jahr das Heiligtum aufsuchen sollten ( 2Mo 23,17 ). Dies würde, wenn es praktiziert würde, die Einheit der ganzen Stämme, sowohl geistlich als auch politisch, aufrecht erhalten. Außerdem war der Aufbau eines weiteren Altars auch ein gefährliches Unterfangen. John J. Davis kommentiert: "Der vereinende Faktor im alten Israel war nicht dessen Kultur, Architektur, Wirtschaft oder militärische Gründe. Der weitreichende vereinende Faktor war die Anbetung Jehovas. Als das zentrale Heiligtum als wahrer Ort des Gottesdienstes nicht mehr aufgesucht wurde, bildeten die Stämme eigene Heiligtümer, wodurch sie sich von den anderen Stämmen entfernten und ihre militärische Stärke schwächten. Die Auswirkungen dieses Trends werden in der Zeit der Richter ersichtlich" ( Conquest and Crisis , S. 87).



5. Die Versöhnung der Stämme
( 22,30-34 )


Jos 22,30-34


Diese kritische Situation hatte ein glückliches Ende. Die Erklärung der Repräsentanten der Oststämme wurde von Pinhas und seiner Delegation, wie auch von den anderen Stämmen, als diese den Bericht hörten, akzeptiert. Tatsächlich waren die neuneinhalb Stämme westlich des Jordans froh und priesen Gott. Als er die ganze Angelegenheit erkannte, drückte Pinhas große Dankbarkeit darüber aus, daß keine Sünde begangen und daß der Zorn Gottes nicht ausgelöst worden war.

Warum sollte in einem Buch, das die Besetzung und Verteilung des Gelobten Landes beschreibt, dieses einzelne Geschehen so detailliert behandelt werden? Ganz einfach, weil es bestimmte Prinzipien verdeutlicht, die lebenswichtig waren, damit Israel in dem Land gemeinsam in Harmonie und unter Gottes vollem Segen zusammenleben konnte. Dieselben Prinzipien gelten für die heutigen Glieder in Gottes Familie:

1. Es ist für Gläubige empfehlenswert, eifrig auf die Reinheit des Glaubens bedacht zu sein. Kompromisse auf Kosten der Wahrheit kommen immer teuer zu stehen.

2. Es ist falsch, die Beweggründe von Leuten auf der Basis von ungenauen Beweismitteln zu beurteilen. Es ist wichtig, alle Fakten zu erfahren und zu bedenken, daß es in einem Streit immer zwei Seiten gibt.

3. Ein offenes und aufrichtiges Gespräch wird oft die Angelegenheit klären und zur Übereinkunft führen. Doch solch eine Zusammenkunft sollte im höflichen Sinn angegangen werden und nicht mit Arroganz ( Gal 6,1 ).

4. Jemand, der fälschlicherweise beschuldigt wird, tut gut daran, sich an den weisen Rat Salomos zu erinnern: "Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm." ( Spr 15,1 ).



B. Die letzten Tage Josuas
( 23,1-24,28 )


Das Buch Josua endet damit, daß der alte Soldat Lebewohl sagt. Seine Abschiedsworte enthalten einen Anflug von Traurigkeit, wie es letzte Worte fast immer tun. Sie drückten die tiefe Besorgnis Josuas aus, der eine wachsende Lässigkeit von seiten Israels gegenüber den verbleibenden Kanaanitern voraussah, eine leichtfertige Duldung des gemeinsamen Bewohnens des Landes, welches nur ihnen gehören sollte. Josua kannte sehr wohl die Gefahr, daß das Volk angesichts des praktisch bezwungenen Feindes "nachlassen" würde. Bevor er seine aktive Führerschaft verließ, fühlte er sich genötigt, sie zu warnen, daß der ständige Gehorsam gegenüber Gottes Geboten nötig ist, um sich seines ständigen Segens zu erfreuen. Auch wenn manche vermuten, daß diese letzten Kapitel zwei Berichte derselben Begebenheit enthalten, erscheint es besser, Kapitel 23 als Josuas Ermahnung an die Führer Israels, und Kapitel 24 als seine Ermahnung an das Volk anzusehen.



1. Josuas letzte Ermahnungen an die Oberhäupter
( Jos 23 )


a. Die erste Runde
( 23,1-8 )


Jos 23,1-2


Ungefähr 10 oder 20 Jahre nach Beendigung der Eroberung und der Verteilung des Landes ermahnte Josua Israels Führer, wahrscheinlich in Silo, wo die Stiftshütte stand, um sie ernsthaft vor der Gefahr zu warnen, sich von Jahwe abzuwenden. Es war eine feierliche Zusammenkunft. Sicher war auch Kaleb zusammen mit Eleasar, dem Priester, und den Soldaten der Eroberung, die ihre Schwerter gegen Pflugscharen eingetauscht hatten und nun Familienoberhäupte, Älteste und Richter waren, dort.

Sie waren als Antwort auf Josuas Ruf ohne Zögern gekommen, um die letzten Worte ihres großen Führers zu hören. Der alte Veteran sprach nur über ein Thema - Gottes unendliche Treue gegenüber Israel und dessen Pflicht und Verantwortung, ihm treu zu bleiben. Dreimal wiederholte er seine Hauptaussage (V. 3-8.9-13.14-16 ). Dreimal betonte er voller Befürchtungen, daß sie nicht hören und aufmerksam sein würden, die Treue Gottes und die Verantwortung Israels.

 

Jos 23,3-5


Indem er jede Versuchung vermied, sich selbst zu erhöhen, erinnerte Josua die Führer Israels daran, daß ihre Feinde nur besiegt worden waren, weil der Herr, ihr Gott, für sie gekämpft hatte. Die Schlachten waren Kriege des Herrn und nicht Josuas gewesen. Ein Psalmist wiederholt diese Beteuerung ( Ps 44,4 ). Die Kanaaniter, die noch im Land verblieben waren, würden vom Herrn auch vertrieben werden, so daß Israel das Land in Besitz nehmen könnte, das sie bisher nur zum Teil besetzt hielten.


Jos 23,6-8


Um den Israeliten ihre Verantwortung wieder bewußt zu machen, gab Josua die Worte weiter, mit denen Jahwe ihn ausgerüstet hatte, als er ihn aufgefordert hatte, den Jordan zu überqueren: Sei ... stark; sei darauf bedacht zu gehorchen (vgl. Jos 1,6-9 ). Mut und Gehorsam waren die Gnadengaben, die zur erfolgreichen Eroberung Kanaans geführt hatten, und sie waren nun nicht weniger wichtig geworden (vgl. Jos 22,5 ). Josua befürchtete besonders Israels Übereinkunft mit den heidnischen Nationen, die sie umgaben. Deshalb verbot er ihnen jeglichen Kontakt und jegliche Gemeinschaft mit ihnen, im Bewußtsein, daß sein Volk Schritt für Schritt abtrünnig werden würde, bis es sich im Zuge des Abfalles vor den Schreinen der heidnischen Götzen niederwerfen würde (vgl. Jos 23,16 ). Statt dessen ermahnte er sie, am HERRN festzuhalten (vgl. Jos 22,5 ).



b. Die zweite Runde
( 23,9-13 )


Jos 23,9-13


Indem er zu seinem Thema zurückkehrte, bezeugte Josua zum wiederholten Mal Gottes bisherige Treue zu Israel. Jahwe hatte seine Schlachten geschlagen (vgl. V. 3 ), und auch wenn noch einige Kanaaniter im Lande verweilten: Wo auch immer ein Feind gefunden wurde, wurde er besiegt.

Danach wurde Israel auf der Basis des göttlichen Eingreifens zu seinen Gunsten feierlich ermahnt, Gott ... zu lieben (vgl. Jos 22,5 ). Dies würde wegen der Nähe seiner korrupten Nachbarn Eifer und Wachsamkeit erfordern. Die Versuchung war groß, von Jahwe abzulassen und den Völkern Kanaans anzuhängen, ja sich sogar bei ihnen einzuheiraten, was eine fatale Entscheidung wäre, die Israel in ernsthafte Gefahr brächte. Diese Gefahr wurde von Josua durch Ausmalen der drohenden Konsequenzen, die darauf folgen würden, eindrücklich beschrieben. Erstens würde Gott nicht mehr länger diese Nationen hinausjagen , und sie würden verbleiben und Israels Besitz beeinträchtigen. Zweitens würden die Kanaaniter unter ihnen wie Fallstricke und Netze ,

um sie einzufangen, Geißeln , um sie zu schlagen, und Dornen in ihren Augen werden. Drittens würden Elend und Schwierigkeiten in Israel anwachsen, bis sie ihr gutes Land verlören (vgl. Jos 23,15-16 ).

Josua räumte keine Möglichkeit der Neutralität ein, als er zur Entscheidung rief. Entweder würden sie mit Israels Gott wandeln oder mit den Völkern Kanaans. So ist es auch heute. Es gibt keinen Mittelweg. "Niemand kann zwei Herren dienen" ( Mt 6,24; vgl. Mt 12,30 ).

 

c. Die dritte Runde
( 23,14-16 )


Jos 23,14-16


Wie ein meisterhafter Prediger begann Josua seine Erklärung von neuem, dieses Mal mit Betonung darauf, daß er ein sterbender Mann war, wobei er sich erhoffte, daß dies seine Worte tiefer in ihre Herzen einprägen lassen würde. Noch einmal sprach er von Gottes peinlich genauer Treue gegenüber jeder Zusage (vgl. gute Versprechen in Jos 21,45 ); noch einmal warnte er vor dem Fluch, der durch Ungehorsam ausgelöst würde. Josuas schwere Befürchtungen betrafen die Völker, die noch im Lande verblieben waren. Wenn der alte Soldat in die Zukunft schaute, sah er Israels sündhaften Kompromiß mit ihnen, und das tragische Schicksal, das unweigerlich über das Volk Gottes kommen würde, voraus. Gottes Zorn würde gegen sie entbrennen, und sie würden das Land verlieren (vgl. gutes Land in Jos 23,13.15-16 ).

Der schreckliche Höhepunkt dieser Botschaft an die Führer der Nation betonte die Tatsache, daß Israels größte Gefahr keine militärische, sondern eine moralische und geistliche war.



2. Josuas letzte Ermahnung an das Volk
( 24,1-28 )


Josuas letzte Zusammenkunft mit dem Volk fand in Sichem statt. Ob diese Zusammenkunft kurz nach der vorherigen geschah, ob sie an einem Jahresfest von dieser stattfand, oder ob sie nach einer langen Zwischenzeit geschah, kann nicht ermittelt werden.

Die geographische Lage ist interessant. Sichem, das ein paar Kilometer nordwestlich von Silo lag, war der Ort, an dem Abraham das erste Mal das Versprechen bekam, daß Gott seinem Samen das Land Kanaan geben würde. Abraham reagierte darauf, indem er einen Altar baute, um sein Vertrauen in den einen wahren Gott zu bezeugen ( 1Mo 12,6-7 ). Auch Jakob hielt in Sichem auf seiner Rückreise von Paddan Aram und vergrub dort die Götzen, die seine Familie mitgenommen hatte ( 1Mo 35,4 ). Nachdem die Israeliten den ersten Teil der Eroberung Kanaans vollbracht hatten, zogen sie nach Sichem, wo Josua Jahwe einen Altar baute, das Gesetz Gottes auf Steinsäulen schrieb und es für das ganze Volk wiederholte ( Jos 8,30-35 ). Josua hatte deshalb gute Gründe, die Israeliten an diesem Ort zu versammeln. Sicherlich standen die Steine, auf denen das Gesetz geschrieben worden war, immer noch als anschauliche Denkmäler dieser bedeutsamen Begebenheit. Von diesem Moment an würde dieses wunderschöne Tal zwischen dem Berg Ebal und dem Berg Garizim mit dieser ergreifenden Abschiedsszene, als ihr verehrter Führer zum letzten Mal zu ihnen sprach, in Verbindung gebracht werden.

Die literarische Form dieser Rede hat schon viel Interesse und viele Kommentare hervorgerufen. Es ist heute ziemlich gut bekannt, daß die Herrscher des Hetiterreiches zu dieser Zeit (ca. 1450 - 1200 v. Chr.) internationale Übereinkünfte mit ihren Vasallenstaaten schlossen, in denen sie diese verpflichteten, den Hetiterkönigen in Treue und Gehorsam zu dienen. Diese Lehnsverträge folgten einer regulären Form und bedurften einer periodischen Erneuerung. Jos 24 enthält in der damalig regulären Form der Lehnsverträge ein Bundeserneuerungsdokument, in dem das Volk Israel dazu aufgerufen wurde, seine Herrschaftsbeziehung mit Gott festzumachen (vgl. den Abschnitt zur "Struktur" in der Einführung zu 5.Mose). Die Teile der Bundeserneuerung beinhalteten, wie ein Lehnsvertrag, eine Präambel (V. 1-2 a), ein historisches Vorwort (V. 2 b. 3-13 ), die Pflichten der Vasallen mit den Konsequenzen des Ungehorsams (V. 14-24 ) und die Aufzeichnung der Übereinkunft (V. 25-28 ). Der mosaische Bund, der am Sinai geschlossen worden war, war kein immerwährender Bund, denn er mußte in jeder Generation neu geschlossen werden. Diese Erneuerung wurde nun in einer formalen und eindrucksvollen Zeremonie begangen.



a. Rückbesinnung auf ihre Segnungen
( 24,1-13 )


Jos 24,1-13


Gott wurde als der Autor des Bundes und Israel als das Volk festgesetzt (V. 1-2 a). Dieser Präambel folgt der historische Prolog (V. 2 b. 3-13 ), in dem Jahwe seine bisherigen Segnungen für seine Geschöpfe wiederholte. Er brachte sie aus dem Ur der Chaldäer (V. 2 b. 3-4 ) und aus Ägypten heraus (V. 5-7 ) nach Kanaan (V. 8-13 ). Einige sagen, daß die Angst und der Schrecken (V. 12 ; 2Mo 23,28; 5Mo 7,20 ) sich auf ägyptische Armeen beziehen, die möglicherweise Kanaan vor der Eroberung angegriffen hatten. Andere behaupten, die Schrecken beziehen sich auf die Panik, welche die Völker Kanaans verspürt haben müssen, als sie hörten, was Gott für Israel getan hatte (vgl. 5Mo 2,25; Jos 2,10.24; 5,1 ). Andere vermuten wiederum, daß es sich um wirkliche Hornissen gehandelt habe. (In anderen Übersetzungen steht für Angst und Schrecken: Hornissen).

Es war Gott, der in dieser kurzen Wiederholung der Geschichte Israels sprach; 13 Mal wird das Personalpronomen "Ich" gebraucht; Ich nahm ... Ich gab ... Ich sandte ... Ich plagte ... Ich brachte , usw. Wie ein Hetiterkönig, der seine wohltätigen Werke, die er an seinen Vasallen getan hatte, aufzählte, so gab Gott einen Rückblick auf die Wundertaten, die er zum Wohl Israels vollbracht hatte. Jegliche Größe, die Israel erreicht hatte, war nicht durch Israels Bemühungen, sondern durch Gottes Gnade und Befähigung erreicht worden. Von Anfang bis Ende gingen Israels Eroberungen, Befreiungen und Reichtümer auf Gottes Güte und Gnade und nicht auf seine eigene Kraft zurück.



b. Aufzählung ihrer Pflichten
( 24,14-24 )


Jos 24,14-15


Dann wurden die Bedingungen der Bundeserneuerung genannt: Israel sollte den HERRN fürchten und ihm dienen . In den hetitischen Verträgen mußten alle fremden Bündnisse abgelehnt werden; genauso mußte Israel jegliche Bündnisse mit fremden Göttern ablehnen. Josua forderte es kühn auf, zwischen den Göttern Urs, die seine Vorfahren jenseits des Flusses (z. B. des Euphrats) angebetet hatten (vgl. V. 2 ), den Göttern der Amoriter in Kanaan und Jahwe zu wählen. Daraufhin versicherte ihm Israels verehrter Führer, um ein mutmachendes Beispiel zu geben, daß, welche Wahl es auch immer treffen mochte, sein Kurs feststand: Ich aber und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen .



Jos 24,16-18


Das Volk reagierte, von der Stärke der Argumente Josuas und der Anziehungskraft seines Beispiels bewegt, mit Bereitwilligkeit. Es verwarf den Gedanken, den Gott, der es aus Ägyptenland dem Land der Knechtschaft befreit, es in der Wüste beschützt und es ins verheißene Land geführt hatte, zu verlassen. Seine ernsthafte Antwort war: Verwirf den Gedanken, daß wir jemals einer solchen Undankbarkeit schuldig würden. Es gelobte, daß es auch dem Herrn dienen wolle.



Jos 24,19-21


Josua sprach noch einmal. Er war mit dessen enthusiastischen Antwort noch nicht ganz einverstanden. Hatte er vielleicht einige Spuren von Unaufrichtigkeit entdeckt? Hatte er gehofft, daß das Volk seine Götzen hergeben würde, um sie zu zerstören, wie es Jakobs Familie an diesem Ort Jahrhunderte zuvor getan hatte? ( 1Mo 35,4; Jos 24,14.23 ). Es gab keine solche Reaktion, und so erklärte Josua schonungslos: Ihr könnt dem HERRN nicht dienen; denn er ist ein heiliger Gott, ein eifersüchtiger Gott, der eure Vergehen und Sünden nicht vergeben wird . Mit Sicherheit meinte Josua nicht, daß Gott nicht ein Gott der Vergebung sei. Er meinte damit, daß Gott nicht halbherzig gedient werden durfte, und daß ihn zu verlassen, um Götzen zu dienen, eine schwerwiegende Sünde war, für die es nach dem Gesetz keine Vergebung gab ( 4Mo 15,30 ). Solch eine Sünde würde in einer Katastrophe enden. Noch einmal antwortete das Volk auf Josuas prüfende Worte und wiederholte ernsthaft seine Absicht, Jahwe zu dienen.



Jos 24,22-24


Josua sprach ein drittes Mal und forderte es deutlich auf, als Zeugen gegen sich selbst aufzutreten, falls es sich von Gott abkehrte. Das Volk antwortete sofort: Ja, wir sind Zeugen .

Danach sprach Josua ein viertes und letztes Mal, wobei er noch einmal auf den Punkt zurückkam, den er am Anfang erwähnt hatte. So schafft nun die fremden Götter weg, die unter euch sind (vgl. V. 14 ). Er hatte den Schwur von dessen Lippen vernommen; nun forderte er es auf, seine Ernsthaftigkeit durch Werke zu beweisen. Weil er wußte, daß viele insgeheim Götzendienst trieben, gebot Josua dem Volk, sofort seine fremden Götter zu vernichten. Ohne im geringsten zu zögern rief das Volk: Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und ihm gehorchen . Es sagte, daß es gehorsamer Diener Gottes sein wollte, keine Sklaven Ägyptens oder anderer Götter. (Die Wörter "dienen", "gedient" und "dient" erscheinen 14 Mal in V. 14-24 .) Es konnte keine Vermischung zwischen Gehorsam gegenüber Gott und Götzendienst geben. Damals, wie in jeder Generation, mußte eine eindeutige Wahl getroffen werden. Menschen müssen zwischen Bequemlichkeit und Prinzipien, zwischen dieser Welt und der Ewigkeit und zwischen Gott und den Götzen wählen (vgl. 1Thes 1,9 ).



c. Die Zeugen des Schwurs
( 24,25-28 )


Jos 24,25-26 a


Josua, der feststellte, daß weitere Worte fruchtlos waren, jedoch von der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit der Hingabe des Volkes noch nicht ganz überzeugt war, erneuerte den Bund. Er schrieb ihre Abmachung im Buch des Gesetzes Gottes nieder, das möglicherweise neben der Bundeslade aufbewahrt wurde (vgl. 5Mo 31,24-27 ). Bei den Hetitern wurde in ähnlicher Weise der Lehnsvertrag im Heiligtum des Vasallenstaates aufbewahrt.



Jos 24,26-27 (Jos 24,26b-27)


Als weiteren Zeugen schrieb Josua die Statuten des Bundes auf einen großen Stein, der unter einer Eiche an diesem heiligen Ort aufgerichtet wurde. Archäologen, die bei Sichem Ausgrabungen durchgeführt haben, haben eine große Kalksteinsäule entdeckt, die als der hier erwähnte Gedenkstein identifiziert werden könnte. Josua sagte, dieser Stein sei ein Zeuge, als ob er die Abmachungen des Bundes gehört hätte.



Jos 24,28


Indem er das Volk in einem heiligen Ritual der Bundeserneuerung schwören ließ, dem Herrn, seinem Gott, zu folgen, beendete Josua seinen letzten öffentlichen Dienst. Mit der Erinnerung an diese bedeutungsvolle Begebenheit, die unauslöschlich in ihrer Erinnerung verankert war, kehrten die Israeliten nach Hause in ihre Erbteile zurück.



C. Nachwort
( 24,29-33 )


Jos 24,29-31


Drei Beerdigungen - alle drei in Ephraim - kennzeichnen den Schluß des Buches Josua. Zuerst wird berichtet, daß Josua im fortgeschrittenen Alter von 110 Jahren starb und in seiner eigenen Stadt beerdigt wurde (vgl. Jos 19,50 ). Es konnte ihm kein besserer Titel verliehen werden als die Tatsache, daß er der Knecht des HERRN genannt wurde. Er trachtete nach keinem höheren Rang als diesem.



Jos 24,32


Es wird auch die Beisetzung der Gebeine Josefs berichtet. Sein letzter Wille war gewesen, daß er im Gelobten Land beigesetzt würde ( 1Mo 50,25 ). Mose, der von diesem Wunsch wußte, nahm Josefs Gebeine beim Auszug mit ( 2Mo 13,19 ). Nun, nach den langen Jahren der Wanderung und der Eroberung, wurden Josefs letzte Überreste, die 400 Jahre vorher in Ägypten einbalsamiert worden waren ( 1Mo 50,26 ), in Sichem zur Ruhe gelegt (vgl. 1Mo 33,18-20 ).



Jos 24,33


Das dritte Begräbnis, das hier erwähnt wird, ist das des Hohepriesters Eleasars, des Sohnes und Nachfolgers Aarons . Es war sein Privileg, bei der Verteilung des Landes mit Josua zusammenzuarbeiten ( 4Mo 34,17; Jos 14,1; 19,51 ) und den Gottesdienst an der Stiftshütte in den kritischen Jahren der Eroberung und Inbesitznahme Kanaans zu leiten.

Der Bericht von drei Beerdigungen ist ein seltsamer Schluß für ein Buch wie das des Josua! Doch diese drei friedlichen Gräber bezeugen die Treue Gottes, denn Josua, Josef und auch Eleasar hatten einst in einer fremden Nation gelebt, wo sie Gottes Zusage erhielten, sein Volk nach Kanaan zurückzubringen. Nun waren alle drei im Gelobten Land zur Ruhe gekommen. Gott hielt sein Versprechen gegenüber Josua, Josef und Eleasar - und auch gegenüber ganz Israel. Dies ermutigt auch heute Gottes Kinder, auf Gottes unendliche Treue zu zählen.



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