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Maleachi Walvoord


Maleachi (Craig A. Blaising)


EINLEITUNG


Historisches Umfeld


Maleachis Prophetenamt fiel in das 5. Jahrhundert v. Chr., etwa 100 Jahre nach dem Dekret des Königs Kyrus, das den Juden gestattete, aus dem Exil nach Juda zurückzukehren. Als Reaktion auf die Verkündigungen der Propheten Haggai und Sacharja hatten die Juden nach der Rückkehr mit dem Wiederaufbau des Tempels begonnen und ihn im Jahr 515 v. Chr. fertiggestellt. Auch die Häuser standen wieder, und sogar die Stadtmauer von Jerusalem war in Maleachis Zeit höchstwahrscheinlich durch die Leute Nehemias wiederaufgebaut bzw. ausgebessert worden.

Das Leben damals war nicht einfach. Juda stand unter der politischen Verwaltung Persiens ( peHCh , "Statthalter", in Mal 1,8 ; "Fürst", ist ein persischer Titel, den auch Esr 5,3.6.14; 6,6- 7,13 und Dan 3,2-3.27; 6,7 benutzen). Die Ernten fielen schlecht aus, und zudem gab es immer wieder verheerende Heuschreckenplagen ( Mal 3,11 ). Die meisten Menschen standen Gott innerlich gleichgültig oder sogar ablehnend gegenüber. Sowohl die Priester als auch das Volk hielten die mosaischen Gebote über Opfergaben und -zeiten und über die Abgabe des Zehnten nicht ein. Die Menschen hatten kein Vertrauen in die Bundesverheißungen mehr, wie die zahlreichen Mischehen mit Heiden, die vielen Scheidungen und die doppelbödige Moral zeigten.



Datierung


Daß Maleachi die Datierung seiner Prophezeiung an einem persischen Statthalter festmacht ( Mal 1,8 ), zeigt, daß das Buch nach 538 v. Chr . geschrieben wurde. Die meisten Forscher stimmen überein, daß es zwischen 450 und 430 v. Chr. entstand. Folgende Gründe sprechen für diese Annahme: (1) Maleachi prangert die Untreue der Priester im Tempel an; das ist ein Zeichen, daß der Tempel bereits wieder stand und die Priesterschaft wiedereingesetzt war. (2) Die moralischen und religiösen Zustände, die Maleachi den Menschen zum Vorwurf macht, ähneln denjenigen, die Esra und Nehemia, die 458 bzw. 444 in die Heimat zurückkehrten, antrafen. Dazu gehörten Ehen mit Heiden ( Mal 2,10-11 ; vgl. Esr 9,1-2; Neh 13,1-3.23-28 ), die mangelnde Unterstützung der Leviten durch das Volk ( Mal 3,10 ; vgl. Neh 13,10 ) und die Unterdrückung der Armen ( Mal 3,5 ; vgl. Neh 5,4-5 ). Entweder wandte Maleachi sich also an dieselbe Generation, zu der auch Esra und Nehemia gesprochen hatten, oder an eine spätere, die einige Zeit nach dem Wirken Esras und Nehemias lebte.



Verfasserfrage


In der Tradition galt Maleachi ( mal?AKI , wörtlich: "mein Bote") als der letzte Prophet der alttestamentlichen Zeit vor Johannes dem Täufer, dessen Auftreten er vorhersagte ( Mal 3,1 ). Gegen diese Auffassung wurde von vielen Gelehrten eingewandt, daß das Wort mal?AKI eine anonyme Widmung und kein Personenname sei. Sie führen vier Gründe dafür an: (1) Das Wort mal?AKI ist eigentlich kein Name. Dem ist allerdings entgegenzuhalten, daß kein anderes prophetisches Buch in der Bibel anonym verfaßt ist. Außerdem könnte mal?AKI auch die Kurzform von mal?AKiyyCh sein (vgl. ?VrI in 1Kö 4,19 mit ?VriyyCh 1Chr 11,41 ). (2) Das Targum(die aramäische Übersetzung und Auslegung des Alten Testaments) betrachtet das "Maleachi" in Mal 1,1 nicht als Eigennamen. Es fügt jedoch hinzu, daß der anonyme Bote Esra war, eine These, die nur wenig Unterstützung findet. (3) Wenn mal?AKI ("Bote") in Mal 3,1 anonym gemeint ist, müßte das auch für Mal 1,1 gelten. Wahrscheinlicher ist hier jedoch, daß das anonyme mal?AKI in Mal 3,1 ein Wortspiel mit dem in Mal 1,1 angegebenen Namen des Propheten ist.

(4) Manche Forscher vertreten auch die These, daß das Buch Maleachi eine der drei anonymen Weissagungen ist (die beiden anderen sind Sach 9-11 und Sach 12-14 ), die später an die kleinen Propheten angegefügt wurden. Sie stützen sich dabei auf das Wort maRRA? ("Last" oder "Weissagung"), das jede dieser drei Textpassagen einleitet ( Sach 9,1; 12,1; Mal 1,1 ). Maleachis Einleitung (wörtlich: "Dies ist die Last, die der Herr ankündigt für Israel durch Maleachi") unterscheidet sich jedoch von Sacharjas Einführung der beiden Weissagungen (vgl. Brevard Childs, Introduction to the Old Testament as Scripture . Philadelphia: Fortress Press, 1979, S. 489 - 492).

Der Inhalt des Buches Maleachi spricht demgegenüber ganz deutlich dafür, daß der Text von einem Propheten stammt, von dessen Abstammung nichts bekannt ist und dessen Name auch nirgends sonst in der Bibel erwähnt wird.



Stil


In stilistischer Hinsicht unterscheidet sich das Buch Maleachi von den Büchern der anderen Propheten. Statt direkter Verkündigungen schreibt Maleachi in der dialektischen Form einer Disputation. Er stellt jeder einzelnen seiner sechs Botschaften (vgl. die Punkte II - VII in der Gliederung) eine Anklage oder ein Gebot für das Volk voran. Dann läßt er das Volk auf fünf dieser sechs Forderungen mit einer Frage antworten (jede bis auf die dritte, Punkt IV in der Gliederung). Danach weist er die Richtigkeit jeder Forderung nach. Dieser Stil war sicherlich provokativ genug, um die Aufmerksamkeit der gleichgültigen Israeliten zu erregen.



Botschaft


Maleachis Botschaft gleicht der der anderen Propheten: Die Segnungen des Bundes hängen von der Bundestreue der Menschen ab. Wenn das Volk in jeder Generation neu die Forderungen des mosaischen Bundes erfüllte, hatte es automatisch Teil an den Segnungen, die schon im Bund mit Abraham festgelegt waren. Gehorsam gegenüber dem Gesetz wurde mit Segen im Lande der Verheißung belohnt, Ungehorsam dagegen brachte Fluch über die Menschen und führte am Ende ins Exil. Dieser Bund regelte Israels Beziehung zu Gott zur Zeit des alten Glaubens.

Maleachis Botschaft bezog den mosaischen Bund auf die Probleme des nachexilischen Israel - religiöse Apathie, Berechnung und offener Ungehorsam. All diese Probleme entstanden, weil die Menschen ein falsches Verständnis von Gottes Bundestreue hatten und weil sie die Hoffnung verloren hatten, daß das verheißene Königreich jemals kommen würde. Die Enttäuschung führte zur allgemeinen Treulosigkeit, die sich im Tempelgottesdienst und auch in den privaten Beziehungen niederschlug. Maleachi verweist auf Gottes vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Handeln an Israel, um die Sichtweise der Menschen zu ändern, ihnen neue Hoffnung zu geben und sie zu neuer Bundestreue zu bewegen.



GLIEDERUNG


I. Einführung: Die "Last" Maleachis ( 1,1 )

II. Die erste Verkündigung: Antwortet auf Gottes Liebe! ( 1,2-5 )

     A. Gottes Liebe für Israel ( 1,2 a)
     B. Israels Widerrede ( 1,2 b)
     C. Gottes Rechtfertigung ( 1,2 c. 3-5 )
          1. Die Bevorzugung Israels vor Edom ( 1,2 c. 2-3 a)
          2. Das Gericht über Edom ( 1,3 b. 4-5 )

III. Die zweite Verkündigung: Ehrt Gott! ( 1,6-2,9 )

     A. Der Vorwurt der Mißachtung Gottes ( 1,6 a)
     B. Israels Widerrede ( 1,6 b)
     C. Der Beweis für den Vorwurf: Minderwertige Opfer ( 1,7-14 )
     D. Eine Warnung an die Prister ( 2,1-9 )

IV. Die dritte Verkündigung: Seid treu als Volk Gottes! ( 2,10-16 )

     A. Der Vorwurf der Untreue ( 2,10 )
     B. Der erste Beweis: Verbotene Ehen ( 2,11-12 )
          1. Die Sünde ( 2,11 )
          2. Die Folgen ( 2,12 )

     C. Der zweite Beweis: Schneidung ( 2,13-16 a)
          1. Die Folge ( 2,13 )
          2. Die Sünde ( 2,14-16 a)

     D. Die Aufforderung zur Treue ( 2,16 b)

V. Die vierte Verkündigung: Hofft auf Gott! ( 2,17-3,6 )

     A. Der vorwurf ärgerniserregenden Reden ( 2,17 a)
     B. Israels Widerrede ( 2,17 b)
     C. Der Beweis für den Vorwurf: Keine Hoffnung auf Gottes Gerechtigkeit ( 2,17 c)
     D. Gottes Warnung ( 3,1-5 )
          1. Das Kommen des Boten, der den Weg bahnt ( 3,1 a)
          2. Das Kommen des Herrn im Gericht ( 3,1 b. 2 - 5 )

VI. Die fünfte Verkündigung: Gehorcht Gott! ( 3,7-12 )

     A. Der Vorwurf des Ungehorsams ( 3,7 a)
     B. Israels Widerrede ( 3,7 b)
     C. Die Spezifizierung des Vorwurfs: Betrug ( 3,8 a)
     D. Israels erneute Widerrede ( 3,8 b)
     E. Der Beweis für den Vorwurf ( 3,8 c. 9 )
          1. Die Sünde: Das Unterlassen von Abgaben und Opferungen ( 3,8 c )
          2. Der Fluch ( 3,9 )

     F. Das Segensversprechen ( 3,10-12 )

VII. Die sechste Verkündigung: Fürchtet Gott! ( 3,13-21 )

     A. Der Vorwurf der Blasphemie ( 3,13 a)
     B. Israels Widerrede ( 3,13 b)
     C. Der Beweis für den Vorwurf: Die Billigung des Bösen ( 3,14-15 )
     D. Die Antwort des gläubigen Rests ( 3,16 )
     E. Gottes Warnung und seine Verheißung ( 3,17-21 )

VIII. Schluß: Seid vorbereitet auf Gottes Kommen! ( 3,22-24 )

     A. Die Vorbereiung in der Gegenwart ( 3,22 )
     B. Die Vorbereiung in der Zukunft ( 3,23-24 )


AUSLEGUNG


I. Einführung: Die "Last" Maleachis
( 1,1 )


Mal 1,1


Das Buch beginnt nüchtern und eher bedrückend mit dem Wort maRRA? ("Last"). In den prophetischen Büchern steht maRRA? siebenundzwanzigmal als Einführung in Schreckensbotschaften (z. B. Jes 13,1; 14,28; 15,1; Nah 1,1; Hab 1,1; Sach 9,1; 12,1 ). (Vgl. den Kommentar zu maRRA? bei Sach 9,1-8 .) Hier, am Anfang des Buches Maleachi, gibt es der ganzen Botschaft etwas Beängstigendes und Unheilschwangeres.

Die Formel "die der Herr ankündigt" steht häufig vor einer Prophezeiung, um sie als Offenbarung des Herrn auszuweisen und ihr Gottes Autorität zu verleihen. "Der Herr" ( Jahwe ) ist ein Name Gottes, der an den Bund,den er mit Israel am Sinai schloß, erinnert. Da die Botschaft für Israel ist, betrifft die Last dieses Diskurses Probleme in der Bundesbeziehung zwischen Gott und Israel. Da Jahwe treu ist und den Bund hält, können Probleme in der Bundesbeziehung nur entstehen, wenn Israel untreu ist. Die Tatsache, daß diese Last des Herrn gerade durch Maleachi überbracht wurde, muß das Gefühl unmittelbar bevorstehender Strafe in den Gemütern der ursprünglichen Adressaten noch verstärkt haben. Normalerweise galten die Priester als Boten Gottes (vgl. Mal 2,7 ), doch nun sollen sie selbst einem Mann zuhören, dessen Name "mein Bote" ist.



II. Die erste Verkündigung: Antwortet auf Gottes Liebe!
( 1,2 - 5 )


Wer diese Verse heute liest, fühlt sich vielleicht ein bißchen unbehaglich, aber auch fasziniert, wie jemand, der eine zutiefst persönliche Unterhaltung zwischen zwei Gesprächspartnern, die sich schon lange kennen, belauscht. Durch die Einführung der Prophezeiung als eine "Last" (V. 1 ) hat Maleachi seine Leser bereits auf Anschuldigungen und Tadel vorbereitet. Doch die erste Weissagung beginnt nicht etwa mit dem Vorwurf des Unrechttuns, sondern mit der Aussage, daß Gottes Liebe vom Volk nicht erwidert wird.



A. Gottes Liebe für Israel
( 1,2 a)


Mal 1,2 a


Die Worte " Ich habe euch lieb " sind keine allgemeine Aussage über die Liebe Gottes zu allen Menschen. Hier spricht der Gott Israels : Er ist der Eine, der sein Volk ins Leben gerufen hat, der auf der Grundlage seines Bundes über es herrscht (über 1000 Jahre lang) und für es gesorgt hat (vgl. V. 6 ). Dieses Volk Israel ist der Gegenstand seiner Liebe (V. 2 c).

Es liegt ein beträchtliches Pathos in diesen Worten: "Ich habe euch lieb." Der Herr sagt das nicht zum ersten Mal Man wird an Hos 11,1.3-4.8-9 und an Gottes zärtliche Worte in Jes 43,4 erinnert. Seine Liebe für Israel war bereits da, als Israel selbst noch gar nicht existierte; er liebte dieses Volk und erwählte es nach seinem göttlichen Willen und seiner Güte zu seinem Eigentum. Das wurde Israel in der Bundesschließung in aller Deutlichkeit kundgetan ( 5Mo 4,37; 5,10; 7,6-9 ). Die Liebe war der Kernpunkt der Bundesbeziehung. Das zeigt sich auch an den Ermahnungen, die der Erklärung der Liebe Gottes folgen ( 5Mo 4,39-40; 7,9-15 ). Israel, das Gottes Liebe doch kannte, hätte seine Gebote mit Liebe und Gehorsam beantworten müssen ( 5Mo 6,4-9 ).

Maleachi

B. Israels Widerrede
( 1,2 b)


Mal 1,2 b


Statt dessen stellt Israel Gott die Frage: "Woran sehen wir, daß du uns lieb hast?" (Vgl. die ähnliche Frage in V. 6 - 7 ; Mal 2,17; 3,7-8.13 .) Mit dieser Frage als Reaktion auf Gottes Aussage gab Israel seinem Mißtrauen gegenüber Gott Ausdruck, seinem mangelnden Glauben an Gottes Worte - nicht etwa nur dem Zweifel an Maleachis Botschaft ( Mal 1,2 a), sondern dem Mißtrauen an Gottes Treue zu seinem Bund. Israels Unvermögen, Gottes Wort zu glauben, führte dazu, daß es den Herrn nicht mehr liebte, ja ihm sogar ablehnend gegenüberstand.

Vielleicht hielt Israel seine Klage sogar für gerechtfertigt. Schließlich waren 1000 Jahre vergangen, seit es aus dem Exil zurückgekehrt war, und das Tausendjährige Reich, das Gottes Propheten verkündigt hatten, war nicht gekommen. Statt dessen stand das Volk Gottes noch immer unter fremder Herrschaft (V. 8 ) und mußte schwere wirtschaftliche Krisen durchstehen ( Mal 2,2; 3,9.11 ). Wenn die Menschen den Bundesschluß im 5. Buch Mose sorgfältig nachgelesen hätten, so hätten sie gewußt, daß ihr Unglück die Folge - nicht die Ursache ihres Ungehorsams war. Maleachi deutet zwar später an, daß auch noch ein gottesfürchtiger Rest gläubiger Juden lebt, das Volk als ganzes jedoch muß seine Sünde, den Unglauben, bereuen und sich wieder aus ganzem Herzen dem Herrn zuwenden.



C. Gottes Rechtfertigung
( 1,2 c. 3-5 )


1. Die Bevorzugung Israels vor Edom
( 1,2 c- 3 a)


Mal 1,2.3 (Mal 1,2c.3a)


Die Aussage des Herrn wird durch zwei Überlegungen gerechtfertigt. Zunächst kam seine Liebe zu Israel bereits in seiner freien Wahl zum Ausdruck, in der er Jakob und Jakobs Nachkommen (auch die Generation, die nun seine Liebe in Frage stellt), ausersah, die Verheißungen zu erben. Das widersprach der üblichen Praxis, nach der jeweils der älteste Sohn der Erbe war. Esau , auch Edom und Vater der Edomiter genannt ( 1Mo 36,1 ), war der Erstgeborene der Zwillinge. Doch schon vor der Geburt hatte Gott Jakob, später Israel genannt, als Erben erwählt ( 1Mo 25,21-34; Röm 9,10-13 ). Die hebräischen Worte für "lieben" und "hassen" beziehen sich nicht auf Gottes Emotionen, sondern auf seine Bevorzugung des einen Stammes vor dem anderen als Bundespartner (vgl. 1Mo 29,31-35; 5Mo 21,15.17; Lk 14,26 ). Jemanden zu hassen, bedeutete, ihn abzulehnen und sich von jeglicher liebenden Bindung an ihn loszusagen (vgl. Ps 139,21 ). Die Worte sagen nichts über das endgültige Schicksal Jakobs und Esaus aus, sondern beziehen sich einfach auf Gottes Handeln in der Geschichte gegenüber den beiden Brüdervölkern.



2. Das Gericht über Edom
( 1,3 b. 4-5 )


Mal 1,3.4 (Mal 1,3b.4a)


Die Verben "ich habe lieb" und "ich hasse" (V. 2 b. 3 a) sind nicht nur Ausdruck von Gottes vergangener Beziehung zu Israel und Edom, sondern auch seines geschichtlichen und gegenwärtigen (zur Zeit Maleachis) Handelns an diesen Völkern. Das führt zu der zweiten Überlegung, die Gottes Aussage rechtfertigt. Israel soll bedenken, wie sein Schicksal ausgesehen hätte, wenn es, wie Edom, nicht zum Bund mit Jahwe ausersehen worden wäre. Sowohl Israel als auch Edom wurden im 6. Jahrhundert v. Chr. durch die Babylonier von Gott gerichtet ( Jer 27,2-8 ). Doch Gott versprach wiederholt, Israel wiederherzustellen (gemäß seiner Verheißungen bei der Bundesschließung; 5Mo 4,29-31; 30,1-10 ); Edom dagegen überließ er der völligen Vernichtung, von der es sich nie erholen sollte ( Jer 49,7-22; Hes 35 ).

Daher hat der Herr Edoms Gebirge öde gemacht , und nur die Wüstenschakale sollen es noch bewohnen. Auch die intensiven Bemühungen Edoms, das Zerstörte wieder (zu) bauen , werden durch den HERRN Zebaoth (ein Titel, den Maleachi vierundzwanzigmal in diesem kleinen Buch benutzt) zunichte gemacht werden. Im fünften Jahrhundert besetzten die Nabatäer, ein arabischer Stamm, Edom (das im Süden und Osten Judäas lag) und zwangen die Edomiter, in das Wüstengebiet nach Westen auszuweichen, das später als Idumäa bekannt wurde. Im vierten Jahrhundert eroberten die Nabatäer dann auch Idumäa.



Mal 1,4.5 (Mal 1,4b.5)


Das "Land des Frevels" steht als Gegensatz zum "heiligen Land" ( Sach 2,16 ). Israels Grenzen waren also auch die Grenzen des Heils. Auf der einen Seite steht Israel, das Gott liebt und das er sich zu einer Bundesbeziehung auserwählt hat ("heilig" bedeutet abgesondert). Auf der anderen Seite steht Edom, das er nicht erwählt hat, sondern in seinem Zorn zerstören wird. (Zu Edoms Frevel vgl. Ob 1,8-14 .) Israel mußte, wenn es Gottes Handeln an Edom sah, nicht nur zu einem besseren Verständnis von Gottes Liebe zu ihm selbst, sondern auch von seiner Größe, die die ganze Erde beherrscht, gelangen: Der HERR ist herrlich über die Grenzen Israels hinaus.



III. Die zweite Verkündigung: Ehrt Gott!
( Mal 1,6- 2,9 )


Die erste Verkündigung endet mit einer Aussage über Gottes Größe inner- und außerhalb Israels. In schroffem Gegensatz dazu steht die zweite Verkündigung: Israel gibt diesem großen Gott nicht in angemessener Weise die Ehre. Dabei war das Gebot, Gott aus ganzem Herzen zu lieben ( 5Mo 6,5 ) und zu fürchten ( 5Mo 6,2 ), eines der wichtigsten überhaupt. Die ernsten Folgen dieses Verhaltens liegen also auf der Hand.



A. Der Vorwurf der Mißachtung Gottes
( 1,6 a)


Mal 1,6 a


Maleachi bezieht sich in seiner Argumentation auf zwei in der israelitischen Gesellschaft allgemein anerkannte Sozialbeziehungen. Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Daraus ergibt sich die Frage, welche der beiden Beziehungen in den Augen Israels seiner Bundesbeziehung zum Herrn vergleichbar waren. Manche Israeliten waren wohl der Ansicht, daß Gott ihrem Volk wie ein Vater gegenüberstehe, eine Analogie, die schon früher benutzt worden und ihnen aus anderen Schriften vertraut war ( 2Mo 4,22; Jes 63,16; 64,7; Hos 11,1 ). Das fünfte Gebot sagt, daß Kinder ihre Eltern ehren sollen ( 2Mo 20,12; 5Mo 5,16 ). Ungehorsame Kinder, die sich gegen die Ordnung auflehnen, sollen gesteinigt werden ( 5Mo 21,18-21 ).

Sollte also das Volk, das sich selbst für den "Sohn" des Herrn hielt, weniger gehorsam sein? Daher Gottes scharfe Frage: Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? (Vgl. Jes 1,2 .) Das hebräische Wort für "Ehre" ist kABND . Immer wieder ist im Alten Testament davon die Rede (Gott wird auch "König der Ehre" genannt; Ps 24,7-10 ). Die Tatsache, daß Gott Ruhm und Ehre gebühren, steht völlig außer Zweifel.

Vielleicht halten manche Israeliten Gott auch für den Herrn Israels. Auf jeden Fall stellt die Schrift Israel als Knecht des Herrn dar ( Jes 44,1-2 ). Wie kann aber das Volk, das des Herrn Knecht ist, es ihm gegenüber an Respekt fehlen lassen? Daher die zweite, drohende Frage des Herrn: "Bin ich HERR, wo fürchtet man mich?" Zwischen der Ermahnung, Gott zu lieben (in der ersten Verkündigung; Mal 1,2-5 ), und der Aufforderung, ihn zu fürchten, besteht keineswegs ein Gegensatz. Beide fließen im Bundesschluß zusammen (vgl. 5Mo 6,5 mit 5Mo 6,13 ). Gott zu fürchten bedeutet nicht, vor ihm zu zittern; es heißt vielmehr, ihm angemessenen Respekt und Ehrfurcht entgegenzubringen, Ehrfurcht, die zu Anbetung und Gehorsam führt.

Gott spricht ganz direkt zu den Priestern, die meinen Namen verachten . Dieser Vorwurf wiegt doppelt schwer, weil die Priester nach der Rückkehr aus dem Exil dafür verantwortlich waren, die Menschen in den Geboten des Bundes zu unterweisen und ihre Herzen zu Gott zu kehren ( Neh 10,1-40 ; vgl. Esr 6,16-22; 7,10 ). Wenn nun nicht einmal die Priester Gott ehren, was kann man dann vom Volk erwarten? Die Wendung: "Mein Name" steht für Gott selbst. (Maleachi spricht zehnmal von Gottes "Namen": Mal 1,6 [zweimal]. 11 [dreimal]. 14 ; 2,2.5; 3,16.20 ) Die Priester verachten ihn , den einen Gott, den Herrn Zebaoth.



B. Israels Widerrede
( 1,6 b)


Mal 1,6 b


Auch die Priester läßt Maleachi wiederum die Frage stellen: "Wodurch verachten wir denn deinen Namen?" Die Ausführungen, die dieser Frage folgen (V. 7 - 14 ), machen deutlich, daß sie vollkommen blind für ihre Sünde sind, ja sich anscheinend - überraschenderweise - nicht einmal bewußt sind, daß sie Gott verachten.C. Der Beweis für den Vorwurf: Minderwertige Opfer ( Mal 1,7-14 )



Mal 1,7


Der Hinweis des Herrn auf die "unreine Speise" , die ihm dargebracht wurde, hätte genügen sollen, die Priester zur Reue zu bewegen. Sie hatten ganz genaue Anweisungen, was ein unreines Opfer war ( 3Mo 22,17-30 ), und waren davor gewarnt worden, solche Opfer, die den Namen Gottes verunreinigten und verächtlich machten, darzubringen ( 3Mo 22,2.32 ). Dennoch begehen die Priester genau diese Sünde: Durch das Opfern "unreiner Speise" ( Mal 1,7 ) machen sie den Namen des Herrn verächtlich (V. 6 ). Daß Maleachi die Opfertiere als "Speise" bezeichnet, liegt daran, daß alle Opfergaben "die Speise ... Gottes" genannt wurden ( 3Mo 21,6 ).

Die Priester fragen zurück: "Womit opfern wir dir denn Unreines?" Sie sagen nicht: "Wir opfern dir nichts Unreines", denn sie können sich nicht so stellen, als sei ihnen das Gesetz unbekannt. Deshalb fragen sie, wie sie sich schuldig gemacht haben. Sie leugnen also nicht ab, daß die Darbringung schlechter Opfer ein Ausdruck der Verachtung Gottes ist, was zeigt, daß ihnen die Verse aus 3Mo 22,2.32 durchaus geläufig sind. Doch anscheinend sind sie so verhärtet und haben sich ihre Sünde so "vernünftig zurechtgelegt", daß sie es nach Darstellung Maleachis wahrhaftig wagen, von Gott eine präzisere Formulierung seines Vorwurfs gegen sie zu verlangen.

Maleachi führt aus, daß sie Gott verachten, indem sie sagen: "Des HERRN Tisch ist für nichts zu achten." Die Wendung "des Herrn Tisch" steht nur in Mal 1,7.12 . Wahrscheinlich bezieht sie sich nicht auf den Tisch, auf dem die Schaubrote ausgelegt waren ( 2Mo 25,23-30; 1Kö 7,48; 2Chr 13,10-11 ), sondern wohl eher auf den Altar für die Brandopfer (vgl. 2Mo 38,1; 40,6 ). Maleachi erwähnte ihn bereits ( Mal 1,7 ) und sprach auch von Opfertieren (V. 8 ). Oder aber der Tisch ist eine Metapher für alle Opfergaben, die auf dem Altar dargebracht wurden (vgl. Hes 44,15-16 ).

Auch die Handlungen der Priester belegen den Vorwurf, daß sie den Tisch des Herrn für gering halten ( Mal 1,8 ). Sie behandeln diesen Tisch mit Geringschätzung, indem sie Gottes Gebote über die Opfergaben, die darauf niedergelegt werden sollen, mißachten. Auf dieses Vergehen stand die Todesstrafe ( 3Mo 22,9 ). Ihre abscheuliche Tat wird noch schlimmer, weil sie von den unannehmbaren Opfern essen (die Priester bestritten ihren Lebensunterhalt aus den Opfergaben; 3Mo 24,5-9 ).



Mal 1,8-10


Wie Maleachi berichtet, opfern die Priester blinde, lahme und kranke Tiere (vgl. V. 13 ). Der Prophet sagt, daß sie das nicht für böse halten, obwohl sie nach 3Mo 22,18-25 und 5Mo 15,21 wissen müssen, daß ihr Handeln Gott nicht gefällt. Doch schon allein die Tatsache, daß auf diese Dinge extra hingewiesen werden muß, ist eine Schande für sie. Maleachi macht den ironischen Vorschlag: "Bring es doch deinem Fürsten!" Der "Tisch" des Fürsten war ein verschwenderisch ausgestattetes Bankett (vgl. Neh 5,18 ), auf dem es unter anderem auch "Opfergaben" von der Bevölkerung gab. Ganz sicher würde dem Statthalter ( peHCh , ein persischer Titel) das Fleisch von blinden, lahmen und kranken Tieren nicht gefallen; er würde es gar nicht annehmen. Wieviel absurder ist es dann erst zu glauben, daß mit solchen Opfertieren die Gunst des HERRN Zebaoth zu erlangen sei (vgl. Mal 1,4 )! Auch Gott nimmt solche Opfer nicht an, und er wird die Priester nicht gnädig ansehen (V. 8 - 9 ). Maleachi unterstreicht das durch die Aussage, die Türen des Tempels könnten ebensogut gleich zugeschlossen werden. Es sei zwecklos, Feuer auf dem Altar anzuzünden. Gott hat kein Gefallen an seinen Priestern; das Opfer von ihren Händen ist ihm nicht angenehm.



Mal 1,11


Im Hebräischen beginnt dieser Vers mit kI ("denn, weil"). Die folgenden Tatsachen sind also der Grund dafür, daß der Herr die Opfergaben derPriester zurückweist (V. 10 ). Die Forscher sind unterschiedlicher Ansicht darüber, ob das hebräische passivische Partizip mVggAS mit "wird geopfert werden" (Futur) oder mit "wird geopfert" (Präsens) zu übersetzen ist. Wenn es Präsens ist, bezieht sich Maleachi hier auf Opferungen, die zu seiner Zeit stattfanden. In diesem Fall sind es entweder Opfergaben, die von den Juden gebracht werden, die noch immer unter den Völkern zerstreut sind, oder es sind Opfer, die die Heiden darbringen. Die erste Annahme wird widerlegt durch die Wendungen: "vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang" und "an allen Orten" , die auf eine weit allgemeinere Verbreitung als den doch recht beschränkten Kreis der versprengten Juden hindeuten. Außerdem konnten die Opfer der Juden, die in der Zerstreuung lebten, nicht als ein reines Opfer bezeichnet werden, da dieses nur in Jerusalem dargebracht werden konnte. (Darüber hinaus gibt es keine Belege, daß die Juden in der Verbannung überhaupt Opfer brachten.)

Diejenigen, die mVggAS im Präsens übersetzt wissen wollen, bevorzugen daher gewöhnlich die zweite Möglichkeit. In diesem Fall hätte Gott heidnische Gottesdienste gebilligt. Dem kann aus mehreren Gründen nicht beigestimmt werden. Wenn es tatsächlich so wäre, wäre dies die einzige Stelle in der Bibel, an der der heidnische Gottesdienst als rechtmäßig dargestellt wird. Sie stünde dabei in direktem Widerspruch zu zahllosen anderen Belegen, die ihn ausdrücklich verurteilen (z. B. 2Mo 23,24.32-33; 5Mo 13,7-12; 29,17; 1Kö 18,19-46; Ps 96,5; Jes 48,5; 66,3; Hab 2,18-20 ). Nicht einmal Paulus' Hinweis auf die Anbetung eines unbekannten Gottes in Athen ( Apg 17,22-31 ) stützt die Auslegung, daß die Heiden Gottes "Namen" mit "reinen Opfern" anbeten. Außerdem harmoniert eine solche Deutung nicht mit dem Rest des Buches Maleachi, das größten Wert auf strikten Gehorsam gegenüber dem mosaischen Bund legt.

Dagegen entspricht es durchaus den anderen Prophezeiungen im Alten Testament und auch dem Buch Maleachi selbst, mVggAS als Futur zu verstehen ("wird geopfert werden"). Die Propheten kündigen eine Zeit an, in der die Heiden das Licht sehen und den Herrn anbeten werden ( Jes 45,22-25; 49,5-7; 59,19 ). Dann wird der Messias König über die ganze Erde sein. Gläubige aus allen Völkern werden ihn anbeten ( Jes 11,3-4.9; Dan 7,13-14.27-28; Zeph 2,11; 3,8-11; Sach 14,9.16 ). Auch Maleachi spricht von dem Tag in der Zukunft, wenn der Herr zurückkehren und in ganz Israel wieder den reinen Gottesdienst einführen wird ( Mal 3,1-4 ). Es scheint daher plausibel, den "reinen" heidnischen Gottesdienst in Mal 1,11 mit dem zukünftigen reinen Gottesdienst in Israel in Verbindung zu bringen. Daß die Heiden im Tausendjährigen Reich "an allen Orten" Opfer bringen, ist dabei sicherlich nicht wörtlich gemeint. Das Problem wird einfacher, wenn die Präposition " b+ " vor "allen Orten" (die gewöhnlich "in" bedeutet), wie in Jes 21,1 mit "aus" wiedergegeben wird (vgl. Theological Wordbook of the Old Testament . 2 Bände, Chicago: Moody Press, 1980, s.u. "be", 1, 87).



Mal 1,12-13


Nachdem er von den reinen Opfern im zukünftigen Reich gesprochen hat (V. 11 ), kehrt Maleachi wieder zum augenblicklichen Zustand der Priesterschaft in seiner Zeit zurück. Er wiederholt den Vorwurf, daß sie Gottes Namen entweihen (vgl. V. 6 ). In den Versen 7 - 8 wurden die Handlungen der Priester verurteilt; hier geht es um ihre verächtliche Einstellung gegenüber ihrem Amt. Anscheinend wissen die Priester, daß diese Opferpraktiken ungesetzlich sind, denn sie sagen, der Tisch des Herrn (vgl. V. 7 ) sei "unheilig und sein Opfer ... für nichts zu achten" . Doch sie machen sich nicht die Mühe, diesen Mißstand zu beheben; ihr Amt ist ihnen eine Mühsal . Eine solche Reaktion ist ein Ausdruck von Verachtung (vgl. Jak 4,17 ).

In Mal 1,13 wird wiederholt, daß die Priester unannehmbare Tiere darbringen und daß Gott sich weigert, sie anzunehmen (vgl. V. 8 - 10 ).

 

Mal 1,14


Von den Opferungen im allgemeinen geht Maleachi zur Einhaltung von Gelübden über. Niemand war verpflichtet, Gott etwas zu geloben, doch wenn man es getan hatte, mußte man es auch halten ( 5Mo 23,22-24 ). Mose ( 3Mo 22,17-25 ) hatte den Priestern ganz bestimmte Instruktionen hinsichtlich der Opfergaben, die für ein Gelöbnis in Frage kamen, gegeben. Das Gelöbnis, ein gutes Tier darzubringen, mit der Opferung eines fehlerhaften zu erfüllen, war ein eindeutiges Unrecht. Ganz sicher würde niemand versuchen, einen König oder Statthalter zu betrügen, aus Angst, gemaßregelt oder bestraft zu werden. Um wieviel weniger aber sollte man versuchen, den großen König , den Einen, dessen Name gefürchtet ist unter den Heiden , zu täuschen. Das erste Kapitel des Buches Maleachi endet mit der Betonung der unermeßlichen Autorität Gottes.



D. Eine Warnung an die Priester
( 2,1 - 9 )


1. Die Warnung
( 2,1 - 4 )


Mal 2,1-2


Nachdem er die Anklage gegen die Priester ausgesprochen und belegt hat, gibt Maleachi ihnen ein Gebot ( Wort ): Sie sollen Gott die Ehre geben ( "meinem Namen" steht für "mir"). Wie sie das tun sollen, läßt sich aus ihren Fehlern ableiten ( Mal 1,6-14 ) und wird zusätzlich durch die Beschreibung eines wahren Priesters deutlich ( Mal 2,7 ). Wenn die Priester dem Gebot nicht Folge leisten, wird Gott ihnen einen Fluch schicken (Mühsal). Der mosaische Bund sieht für diejenigen, die dem Gesetz nicht gehorchen, Verfluchungen vor (vgl. 5Mo 27,15-26; 28,15-68 ). Sie erstrecken sich auf das leibliche, geistige und materielle Wohlergehen der Menschen. Der Fluch, von dem Maleachi hier spricht, wird den Segen der Priester betreffen, entweder den Segen, den sie erhalten (das Einkommen durch die Abgaben und Opferungen der Menschen), oder den Segen, den sie über die Menschen aussprechen ( 4Mo 6,22-27 ). Nach dem Zustand ihrer Herzen war der Fluch bereits wirksam.



Mal 2,3-4


Dann werden die Priester gewarnt, daß Gott ihnen den Arm zerbrechen will. Z +rOaZ ("Arm") wird von manchen Forschern auch als zeraZ gelesen. Das könnte so verstanden werden, daß Gott ihre Saat oder - was wahrscheinlicher ist - ihre Nachkommen verflucht. Jemandes Arm zu zerbrechen bedeutet, ihn machtlos zu machen ( 1Sam 2,31 ). Das deckt sich mit der Deutung (vgl. Mal 2,1-2 ), daß der Fluch den Segen, den die Priester über die Menschen aussprachen, wirkungslos machte.

Der Herr sagt zu den Priestern: "Ich will den Unrat eurer Festopfer euch ins Angesicht werfen." Ironischerweise spricht er hier von der "Festlichkeit" der Opfer. Werfen, von dem Verb zArCh , ist ein Wortspiel mit dem Wort zeraZ ("Saat"). Die Priester sollen unrein werden wie der Unrat. Und wie er weggeworfen wird, so sollen auch sie ausrangiert werden. Mit anderen Worten, sie sollen ihrer Ämter enthoben werden. Dann werden sie wissen, daß es der Herr war, der zu ihnen sprach. Mit seinen Ermahnungen verfolgt Gott den Zweck, die Priesterschaft zu reinigen, so daß sein Bund mit Levi bestehen bleibe .



2. Die Richtschnur für die Priester
( 2,5 - 9 )


Mal 2,5-6


Dieser Bund mit Levi (V. 4 ) wird nun genauer beschrieben. Der Stammesname Levi bezieht sich auf die Nachkommen Levis, aus denen sich die Priesterschaft rekrutierte. Den Bund, von dem hier die Rede ist, könnte man vielleicht als einen Bund auf der Basis eines Geschenkes oder Anrechts, das der Bundespartner erhielt ( 4Mo 18,7-8.19-21 ), bezeichnen - einen Bund, der mit einer Einzelperson (und manchmal auch mit deren Nachkommen) auf der Grundlage bestimmter Dienste, die der Empfangende übernahm, geschlossen wurde. Einen ähnlichen Bund hatte Gott mit Pinhas geschlossen ( 4Mo 25,10-13 ). Die Formel "mein Bund mit ihm war, daß ich ihm Leben und Frieden gab" scheint daran zu erinnern, wie Pinhas' Eifer für den Herrn Gottes Zorn von den Menschen abwandte (vgl. 4Mo 25,11 mit Mal 2,6 : "er hielt viele von Sünden zurück" ). Am wichtigsten aber ist, daß Levi Gott fürchtete (V. 5 ), denn genau darum geht es in dieser Ermahnung hier ja. Levis Lehre war außerdem verläßlich und sein Wandel aufrichtig.



Mal 2,7-9


Das hebräische Wort für Lehre ist tNrCh , auch das Wort für "Gesetz". Die Priester waren Lehrer des Gesetzes ( 5Mo 33,10 ). Als Lehrer sollte jeder Priester ein Bote ( mal?ak ) sein. Weil die Priester nun aber nicht mehr das Richtige lehren, werden sie von einem Propheten, dessen Name ironischerweise "mein Bote" lautet, getadelt. Ihre falsche Weisung hat viele zu Fall gebracht , weil sie selbst von dem Wege abgewichen sind. Durch ihre frevelhafte Aussage, daß fehlerhafte Opfer angenommen werden, haben sie Gottes Bund mit Levi verdorben (vgl. 4Mo 18,19.21 ). Deshalb sind die Priester verächtlich und unwert gemacht vor dem ganzen Volk . Das war letztlich noch eine leichte Strafe, denn eigentlich stand auf ihr Vergehen der Tod ( 4Mo 18,32 ).



IV. Die dritte Verkündigung: Seid treu als Volk Gottes!
( 2,10 - 16 )


A. Der Vorwurf der Untreue
( 2,10 )


Mal 2,10


Der Stil der dritten Verkündigung unterscheidet sich von dem der anderen. Statt der anfänglichen Aussage oder des Vorwurfs, dem eine Unschuld heuchelnde Frage folgt, stehen hier drei Fragen des Propheten. Wie bei den anderen Verkündigungen wird jedoch auch hier der Punkt, um den es geht, gleich zu Beginn angesprochen. Die Frage "Haben wir nicht alle einen Vater?" ist die Parallele zu der Frage "Hat uns nicht ein Gott geschaffen?" So bezieht sich "Vater" wohl auf "Gott" (vgl. Mal 1,6 ), nicht auf Abraham, wie manchmal angenommen wird. Israel war wie Gottes erstgeborener Sohn ( 2Mo 4,22; Hos 11,1 ). Die Tatsache, daß Gott Israel zu seinem auserwählten Volk auf Erden gemacht hatte (vgl. Am 3,2 ), bildet den Hintergrund für das Problem, dem sich Maleachi nun zuwendet ( Mal 2,10-16 ).

Treulos (vgl. V. 11.14 - 16 ) ist die Übersetzung von bAGaD , "treulos handeln in Hinsicht auf ein zuvor getroffenes Übereinkommen oder einen Bund". Häufig wird das Wort mit "verräterisch handeln" übersetzt. In der folgenden Passage geht es um das treulose Verhalten der Menschen untereinander ( einer den anderen ). Auch das ist (zusätzlich zu dem vorigen Vorwurf) eine Entheiligung des Bundes .



B. Der erste Beweis: Verbotene Ehen
( 2,11 - 12 )


1. Die Sünde
( 2,11 )


Mal 2,11


Was den Menschen zunächst in Form einer Frage vorgeworfen wurde (V. 10 ), wird nun als Tatsache konstatiert und erläutert. Die Untreue, an die Maleachi hier denkt (V. 10 ), ist ein " Greuel " (wörtlich: "ein Abscheu"), etwas Abstoßendes in Gottes Augen. Aber darüber hinaus ist diese Untreue auch eine Entweihung des Heiligsten. Das Wort für "Heiligkeit" ( qODeS , "Abgesondertheit, Abgetrenntheit") bezieht sich auf das, was dem HERRN heilig ist , auf das Heiligtum, auf den Bund mit Gott, auf das Volk oder einfach auf die Eigenschaft der Heiligkeit selbst. Da es an dieser Stelle um die Einzigartigkeit und Einheit des Volkes geht ("Hat uns nicht ein Gott geschaffen?"; V. 10 ), meint Heiligkeit hier vielleicht das Anderssein, die Besonderheit, die der Herr sich an Israel wünschte.

Die Treulosigkeit, die Israels Heiligkeit entweiht, ist die eheliche Verbindung mit Heiden. "Eines fremden Gottes Tochter" bezieht sich auf heidnische Frauen, die falsche Götter anbeten. (Wenn qODeS sich auf das "Heiligtum" bezieht, dann impliziert die Entweihung möglicherweise auch die Teilnahme dieser Frauen am Tempelgottesdienst.) Ehen dieser Art waren ausdrücklich verboten, weil sie die Menschen zum Götzendienst verführten ( 2Mo 34,11-16; 5Mo 7,3-4; Jos 23,12-13 ). Nach der Rückkehr aus dem Exil waren die Mischehen ein großes Problem (vgl. Esr 9,1-2.10-12; Neh 13,23-27 ). Die Juden durften eigentlich nur Angehörige ihres eigenen Volkes heiraten; ein Verstoß gegen dieses Gebot war eine untreue Handlung sowohl sich selbst als auch Gott gegenüber. Sie war ein Ausdruck der Mißachtung des eigenen Volkes und auch des Ungehorsams gegenüber Gott.



2. Die Folgen
( 2,12 )


Mal 2,12


Der Prophet spricht einen Fluch über jeden Juden aus, der die Sünde der Mischehe begangen hat oder begehen will. "Ausrotten aus den Zelten Jakobs" bedeutet entweder, daß der, der solches tut , sterben wird, oder daß sein Geschlecht aussterben und er keine Nachkommen in Israel mehr haben wird. Die Wendung ZEr w+ZOneh ist schwer zu übersetzen. Luther gibt sie als "mit seinem ganzen Geschlecht" wieder. Vielleicht handelt es sich hier um ein Sprichwort, dessen Bedeutung heute nicht mehr klar ist.

Der letzte Satz - auch wenn er noch dem HERRN Zebaoth Opfer bringt - betont die überhebliche und verhärtete Einstellung derjenigen, die die Sünde der Mischehe begingen. Es wirkt schockierend, daß ein Mensch trotz einer solchen abscheulichen Sünde noch immer dem Herrn opferte und versuchte, auf diese Weise seine Gunst zu erringen.



C. Der zweite Beweis: Scheidung
( 2,13 - 16 a)


1. Die Folge
( 2,13 )


Mal 2,13


Die beiden Beweislinien in dieser Passage sind chiastisch angeordnet, so daß die Sünde-Folge-Struktur vom vorhergehenden Vers (V. 12 ) hier umgekehrt ist. Die Folge oder das Symptom der Sünde (V. 13 ) wird vor der Sünde selbst genannt (V. 14 - 16 a). Maleachi berichtet, daß manche Menschen den Altar des HERRN mit Tränen und Weinen und Seufzen bedecken. Wessen Tränen sind hier gemeint? Manche Forscher haben vermutet, es seien die Tränen der geschiedenen Frauen, die beim Herrn Gerechtigkeit suchten. Doch die zweite Hälfte von Vers 13 zeigt, daß es die Tränen der Männer sind, die (nachdem sie sich von ihren israelitischen Frauen scheiden ließen, um Heidinnen zu heiraten) feststellen müssen, daß der Herr das Opfer von ihren Händen nicht mehr ansehen noch etwas Angenehmes von ihnen empfangen mag . Diese Aussage schließt sich ganz selbstverständlich an Vers 12 an.



2. Die Sünde
( 2,14 - 16 a)


Mal 2,14


Erneut betont Maleachi die religiöse Abgebrühtheit der Israeliten. Da sie sich - was seltsam genug ist - nicht vorstellen können, inwiefern sie sündigen ( Ihr aber sprecht: "Warum das?" ), muß der Prophet es für sie aussprechen. Der HERR war Zeuge zwischen einem solchen Mann und dem Weib, dem er treulos geworden war (vgl. V. 10 - 11.15 - 16 ), d. h. von der er sich hatte scheiden lassen. Diese "Zeugenskraft" kann in juristischem Sinn oder auch ganz allgemein gemeint sein, je nachdem, von welchem Bund hier die Rede ist. Im ersteren Fall wird der Herr als Zeuge und Richter bei einer vor dem Gesetz geschlossenen Übereinkunft angerufen, wie es manchmal zur Zeit der Vorväter geschah (vgl. 1Mo 31,50.53 ). Wenn b+rITekA sich auf "die Frau, mit der du einen Bund geschlossen hast" , bezieht, hätte das Zeugnis des Herrn eine solche juristische Bedeutung. Er fungiert als Zeuge des Ehebundes zwischen Mann und Frau.

Es ist jedoch ebensogut vorstellbar, daß b+rITekA (wörtlich: "dein Bund") sich auf den Bund zwischen Gott und Israel bezieht (vgl. Mal 2,10 ). In diesem Fall wäre der Herr allgemein Zeuge, weil er alles weiß, was geschieht. Dann bezöge sich "die Frau ..., mit der du einen Bund geschlossen hast", auf die Tatsache, daß sie aus dem Volk des Bundes gewählt ist. Während der vorhergehende Text diese zweite Deutung zu unterstützen scheint, scheint die Aussage, "obwohl sie doch deine Gefährtin ist" (V. 14 ), eher die eheliche Beziehung in den Vordergrund zu stellen (vgl. Spr 2,17 ). Höchstwahrscheinlich bezieht sich das Wort "Bund" ( Mal 2,14 ) also sowohl auf den Bund zwischen Gott und Israel als auch auf den Ehebund zwischen Einzelpersonen.



Mal 2,15


Dieser Vers ist der am schwierigsten zu übersetzende im ganzen Buch Maleachi. Der erste Satz lautet entweder "Machte nicht Einer sie?" oder "Machte nicht er (der Herr) eine(n)?". Die erste Übersetzung hebt vor allem das schöpferische und souveräne Werk des einen Gottes hervor (V. 10 ). Die zweite bietet mehrere Deutungsmöglichkeiten. Sie kann sich auf eine einzige Frau beziehen, ein Kind Abrahams (Isaak), ein Fleisch (Mann und Frau als ein Fleisch in der Ehe) oder auf das eine Bundesvolk. Luther hat sich mit "nicht einer hat das getan" auf eine davon stark abweichende Lösung festgelegt.

Der zweite Satz von Vers 15 ist womöglich noch schwieriger. Wörtlich heißt er: "Und ein Rest des Heiligen Geistes (oder des Geistes) für ihn". Luther übersetzt: "in dem noch ein Rest von Geist war" . Die Elberfelder Bibel spricht dagegen von "einem Fleisch, in dem Geist ist". Dahinter verbirgt sich die Annahme, daß der erste Teil des Satzes ("Und hat er sie nicht in einem gemacht?", Elberfelder) an 1Mo 2,24 erinnere, wo davon die Rede ist, daß Mann und Frau in der Ehe eins werden. Diese Lesart ist durchaus plausibel, da es in Maleachi 2,10 - 16 ja um die Ehe geht.

Noch mehr spricht allerdings dafür, daß der Prophet die Treue des Herrn zu Israel (seinem einzigen Bundesvolk) der ehelichen Untreue der einzelnen Israeliten gegenüberstellen wollte. Dieser Kontrast wurde bereits in Vers 10 hervorgehoben und spielt auch in die Ausführungen über die Sünde der Mischehe in Vers 11 hinein.

Wenn man dieser Sichtweise folgt, so bezieht sich das " einer " im ersten Teil des Satzes auf Israel als ein Volk. Die Betonung der Einheit hatte in der nachexilischen Zeit besondere Bedeutung, da die frühere Teilung zwischen Juda und Israel aufgehoben war. (In V. 11 steht "Juda" für "Israel" und umgekehrt.) Deshalb ist möglicherweise im ersten Satz ein doppelter Bezug beabsichtigt: "Hat er nicht ein Volk gemacht?" und "Hat er das Volk nicht zu einem gemacht?" Der zweite Teil des Satzes könnte lauten: "Und hat sie zu seinem geistlichen Rest gemacht." Sein geistlicher Rest aber können sie nur dann sein, wenn er sie mit dem Heiligen Geist erfüllt. Obwohl Juda und Israel zur Zeit Maleachis vereinigt waren, liegt die Gabe des Heiligen Geistes an den "Rest" noch in der Zukunft ( Hes 37 ). Aber an dieser Stelle wird vom Standpunkt Gottes aus argumentiert, d. h. die Zukunft wird behandelt, als ob sie bereits Gegenwart wäre. Warum war Gott um die Einheit seines Volkes besorgt? Gott will gottesfürchtige Nachkommen (wörtlich: "Nachkommen Gottes"). Nachkommen bezieht sich hier auf das ganze Volk als Erbe seiner Bundesverheißungen (vgl. 1Mo 17,7 ) und ist als Parallele zu der Wendung "geistlicher Rest" zu verstehen.

Maleachis Gebot "Darum so seht euch vor in eurem Geist" (wiederholt in Mal 2,16 ) bedeutet, sich ebensosehr um die Einheit im Bund zu bemühen, wie der Heilige Geist es tut, d. h. den Ehebund nicht zu verletzen. Weil dasVolk eines ist, sagt Maleachi, soll auch kein Ehemann dem Weib seiner Jugend (vgl. V. 14 ) treulos (V. 10 - 11.14. 16 ) werden, indem er sich von ihr scheiden läßt (vgl. V. 16 ).



Mal 2,16 a


Maleachi führt Gottes Mißfallen an der Scheidung weiter aus und und unterstreicht seine Aussage durch den Hinweis, daß es der HERR, der Gott Israels , so sagt. Damit erinnert er an die Tatsache, daß Gott der souveräne Gesetzgeber und Richter Israels ist. Eine Handlungsweise, die Gott verabscheut, sollte man auf keinen Fall fortführen.

"Sich mit einem Kleid bedecken" ist ein Symbol für die Ehe (vgl. Rt 3,9; Hes 16,8 ). Sich selbst mit Frevel zu bedecken, ist daher ein Bild für die Verletzung des Ehebundes durch die Scheidung. Die Tatsache, daß es der Herr ist, der so denkt, wird durch die Wiederholung "spricht der HERR Zebaoth" betont.

Dieser Vers ist die deutlichste Aussage des Alten Testaments über Gottes Haltung gegenüber der Scheidung. Sie war zwar erlaubt, doch die Anweisungen, die Gott in bezug auf sie gegeben hatte ( 5Mo 24,1-4 ), waren letztlich dazu gedacht, die Frau im Fall der Scheidung zu schützen. Jesus lehrte, daß Mose um der Härte der menschlichen Herzen willen dieses Zugeständnis gemacht hatte, betonte jedoch, daß Gott die Scheidung an sich nicht billige ( Mt 19,7-9 ), auch wenn manche Neutestamentler Hinweise auf Ausnahmen von dieser Vorstellung zu entdecken meinen. (Vgl. den Kommentar zu Mt 5,31-32; Mt 19,1-12; Mk 10,1-12 ; und 1Kor 7,10-24 .)



D. Die Aufforderung zur Treue
( 2,16 b)


Mal 2,16 b


Die Aufforderung in Vers 15 b wird in Vers 16 b wiederholt: "Darum so seht euch vor in eurem Geist und brecht nicht die Treue!" (vgl. V. 10 - 11.14 ). Die Israeliten sollen die Treue nicht brechen, indem sie sich von ihren jüdischen Ehefrauen scheiden lassen und Heidinnen heiraten (V. 11 ). Solches Tun entweiht die Bundesverheißung, die Gott Israel gegeben hat. Wenn sie sich aber vorsehen, dann handeln sie in Übereinstimmung mit Gottes Willen und helfen mit, die Einheit des ganzen Volkes und die ihrer Ehe zu bewahren.



V. Die vierte Verkündigung: Hofft auf Gott!
( 2,17 - 3,6 )


A. Der Vorwurf ärgerniserregender Reden
( 2,17 a)


Mal 2,17 a


An diesem Abschnitt fällt der starke Gegensatz zwischen den ersten und den letzten Versen auf. Die Menschen haben zwar ihre Ansicht über Gottes Gerechtigkeit geändert ( Mal 2,17 ), doch Gott ist derselbe geblieben ( Mal 3,6 ). Weil Gott sich nicht ändert, bleiben auch seine Verheißungen. Daher sollte man eigentlich annehmen, daß sich Israels Glaube und Hoffnung gefestigt haben. Doch die Menschen redeten und handelten, als ob sie keinen Gott hätten, an den sie glaubten oder auf den sie hofften. So wird nun ironischerweise der Gott, der seinen Gläubigen zusagt, daß er sich nicht ändern und nicht müde werden wird (vgl. Jes 40,28 ), der treulosen und hoffnungslosen Reden seines Volkes müde (vgl. Jes 43,24 ).



B. Israels Widerrede
( 2,17 b)


Mal 2,17 b


Wieder scheint es, als seien die Menschen blind für ihre Sünde (vgl. Mal 1,6-7; Mal 2,14 ). "Womit machen wir ihn unwillig?" (vgl. Jes 44,19 ).



C. Der Beweis für den Vorwurf: Keine Hoffnung auf Gottes Gerechtigkeit
( 2,17 c)


Mal 2,17 c


Das offensichtliche Wohlergehen der Bösen ( Wer Böses tut, der gefällt dem HERRN , und an solchen hat er Freude) und das Leiden der Gerechten ist ein uraltes Problem. Es war im Alten Testament augenfälliger als heute, weil Gott Israel als Belohnung für den Gehorsam gegenüber seinem Gesetz materiellen Wohlstand versprochen hatte ( 5Mo 28 ). Viele dieser Verheißungen galten jedoch dem ganzen Volk, und in einer Gesellschaft, in der es sowohl Gerechte als auch Böse gibt, war die Gelegenheit für Verwirrungen und Mißverständnisse in manchen Fällen groß. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß Gott sich in seiner Güte und Vorsehung darin bezeugt, daß er die Bösen ebenso segnet wie die Gerechten (vgl. Mt 5,45; Apg 14,17 ). Umgekehrt müssen die Gerechten ebensosehr unter dem Sündenfall leiden wie die Bösen ( 1Mo 3,16-19; Pred 2,17-23 ). Das Buch Hiob fügt diesem ausweglos scheinenden Problem des menschlichen Leidens noch die besondere Dimension von Gottes Handel mit dem Satan hinzu. Angesichts all dessen ist es - wenn man von der Sünde im eigenen Leben, die man kennt, absieht - schwer einzusehen, warum ein Gerechter leidet.

Ähnlich unverständlich war das Wohlergehen der Bösen, mit dem sich mindestens fünf biblische Autoren auseinandersetzten ( Hi 21,7-26;24,1-17; Ps 73,1-14; Pred 8,14; Jer 12,1-4; Hab 1 ). Wenn all diese Stellen auch keine Antwort auf das Problem enthalten, so werden doch jeweils alle Fragen und Zweifel an der Gerechtigkeit Gottes mit dem Verweis auf die Zukunft zurückgewiesen: Gott wird am Tag des Gerichts kommen und die Bösen bestrafen ( Hi 24,22-24;27,13-23; Ps 73,16-20; Pred 8,12-13; Jer 12,7-17; Hab 2,3; 3,2-19 ) und die Gerechten für immer in sein Königreich aufnehmen.

Die Juden zur Zeit Maleachis haben versäumt, diese Hoffnung aus der Schrift zu lernen. Sie stellen Gottes Gerechtigkeit in Frage, indem sie sagen, er habe Freude an schlechten Menschen, und schließlich fragen: "Wo ist der Gott, der da straft?" Doch schuldig sind letztlich sie; sie sind diejenigen, die untreu wurden. Auch hier antwortet Gott mit dem Hinweis auf sein kommendes Gericht ( Mal 3,1-5 ). Doch anders als in den Antworten der gläubigen und rechtschaffenen biblischen Autoren, von denen oben die Rede war, soll sich das Gericht hier auch gegen die überheblichen Fragesteller selbst wenden.



D. Gottes Warnung
( 3,1 - 5 )


1. Das Kommen des Boten, der den Weg bahnt
( 3,1 a)


Mal 3,1 a


Maleachi lenkt die Aufmerksamkeit der ungläubigen und hoffnungslosen Fragenden ( Mal 2,17 ) auf die Zukunft. Manche Forscher sahen in dem "Boten" ( malZAKI ), von dem hier die Rede ist, den Verfasser des Buches oder auch einen Engel. Dessen ungeachtet scheint es jedoch am plausibelsten, ihn als einen in der Zukunft auftretenden Propheten zu interpretieren. Jesus identifizierte diese Person ausdrücklich als Johannes den Täufer ( Mt 11,7-10 ). Die Tatsache, daß dieser Bote ihm den Weg bahnen wird, stimmt auch mit Jes 40,3 (vgl. Joh 1,23 ) überein. Das Kommen des Boten wird das erste von zwei eschatologischen Ereignissen sein. Der zweite Schritt ist dann das Kommen des Herrn an seinem Tag.



2. Das Kommen des Herrn im Gericht
( 3,1 b. 4-5 )


Mal 3,1 b


Nach der Vorbereitung durch Gottes Boten wird der HERR bald zu seinem Tempel kommen . Das Kommen des Herrn an seinem Tag ist ein Thema, mit dem sich die Propheten des Alten Testaments viel beschäftigt haben. Sacharja sagte, der Herr werde nach Zion kommen und dort wohnen ( Sach 8,3 ). Hesekiel verkündete die Rückkehr der Herrlichkeit Gottes in den Tempel ( Hes 43,1-5 ). Maleachis zwei vorhergehende Verkündigungen sprachen von ernsten Problemen in der Praxis des Tempelgottesdienstes und davon, daß das Kommen des Herrn inseinen Tempel die Fragen hinsichtlich seiner Gerechtigkeit beantworten wird ( Mal 2,17 ), wodurch es für die Priester den Charakter einer Drohung gewann.

Der Titel "der Engel des Bundes" steht in der Bibel nur an dieser Stelle. Die so bezeichnete Person ist nicht mit "meinem Boten" in Mal 3,1 identisch, denn der Engel des Bundes kommt nach dem Boten. Höchstwahrscheinlich ist der "Engel" an dieser Stelle der Herr selbst. Der "Engel des Herrn", eine Manifestation Gottes, war in Israels früherer Geschichte recht häufig aufgetreten (vgl. 1Mo 16,10; 22,15-18; 2Mo 3,2 ; mit Ri 13,21-22 ). Die Parallelsätze "der HERR, den ihr sucht" und "den ihr begehrt" spiegeln die allgemeine Erwartung des kommenden Herrn, von dem viele andere Propheten kündeten. Doch enthalten die Sätze auch einen gewissen Sarkasmus. Wie oberflächlich Israels Hoffnung letztlich war, zeigen ja schon seine Fragen ( Mal 2,17 ). Dennoch steht fest, daß der Herr kommt, dessen mangelnder Hoffnung zum Trotz.



Mal 3,2-4


Der Tag des Herrn wird ein Tag des Gerichts über die ganze Welt sein, ein Tag des Unheils und des Todes ( Jes 2,12; Joe 4,11-16; Am 5,18-21; Sach 1,14-17 ). Später sagt Maleachi von diesem Tag, er werde kommen wie ein Feuer und die Bösen verbrennen ( Mal 3,19 ). So ist die Antwort auf die beiden Fragen "Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn er erscheint?" , daß kein Böser ihn überleben wird. Wenn der Herr kommt, wird er Israel durch die Ausrottung der Bösen reinigen.

Die Propheten sprachen häufig vom Tag des Herrn in Verbindung mit dem Gericht, das über die Völker ergehen und in dem Israel erlöst werden wird (vgl. den Kommentar unter "Größere Interpretationsprobleme" in der Einführung zu Joel; vgl. auch Sach 14 ). Maleachi aber spricht nicht von den anderen Völkern. Er sieht diesen Tag ganz als einen Tag des Gerichts über Israel, insbesondere über die Leviten, seine Führer und Lehrer.

Die Metaphern vom "Feuer eines Schmelzers" (in dem die Schlacken aus dem Metall herausgebrannt werden) und der "Lauge der Wäscher" machen deutlich, wie ungeheuer wirksam Gottes geistliche Reinigung des Volkes sein wird (vgl. Jes 1,25; Jer 6,29-30; Hes 22,17-22 ). Sie wird eine reine Priesterklasse ( Söhne Levi ) zur Folge haben. Geläutert wie Gold und Silber, werden sie dem HERRN Opfer bringen in Gerechtigkeit wie vormals . Das steht in schroffem Gegensatz zur jetzigen Praxis mit ihren unannehmbaren Opfergaben, die Maleachi zuvor anprangerte ( Mal 2,12-13 ). Nach der Rückkehr des Herrn und nach dem Gericht über Israel wird das Opfer Judas und Jerusalems dem Herrn wieder wohlgefallen (vgl. Jes 56,7; 66,20-23; Jer 33,18; Hes 40,38-43; 43,13-27; Sach 14,16-21 ).



Mal 3,5


Das Gericht über Israel wird jedoch nicht auf die Leviten beschränkt sein; es wird sich auf das ganze Volk erstrecken (vgl. Hes 20,34-38 ). Gott wird "zu euch kommen zum Gericht" . Er wird das Volk von Zauberei (vgl. Mi 5,11 ), Ehebruch, Meineid, von Unrecht gegenüber den Tagelöhnern, Witwen und Weisen und gegen den Fremdling - von allen Menschen, die ihn nicht fürchten - reinigen. Alle diese Vergehen waren nach dem mosaischen Gesetz verboten. Die Austilgung der Sünder aus Israel wird Gottes Antwort auf die Frage des Volkes nach seiner Gerechtigkeit sein ( Mal 2,17 ).



E. Die Grundlage für die Hoffnung auf Gott
( 3,6 )


Mal 3,6


Doch wird dieses Gericht das Ende Israels bedeuten? Wird das Volk vom Feuer des Schmelzers verzehrt werden? Nein. Maleachi sagt, wie bereits andere Propheten vor ihm, daß Israel am Tag des Herrn erlöst werden wird. Jakobs Söhne werden nicht vernichtet werden, denn Gott wird seinen Bund halten. Ein Versprechen ist immer so gut wie die Person, die es gibt. Gott wird die Verheißung, die er demVolk Israel gab, einhalten - "ich, der HERR, wandle mich nicht" -, weil sein Wort, wie er selbst, unveränderlich ist. Darauf gründet sich Israels Hoffnung (vgl. 5Mo 4,31; Hes 36,22-32 ). Bermerkenswerterweise nennt der Apostel Paulus denselben Grund für die Zukunftshoffnung des Volkes Israel ( Röm 3,3-4; 9,6; 11,1-5.25-29 ).



VI. Die fünfte Verkündigung: Gehorcht Gott!
( 3,7 - 12 )


A. Der Vorwurf des Ungehorsams
( 3,7 a)


Mal 3,7 a


Maleachis fünfte Verkündigung beginnt mit einer globalen Verurteilung des Ungehorsams, den Israel in seiner ganzen Geschichte gegenüber Gottes Geboten an den Tag gelegt hat. (Das steht in scharfem Gegensatz zu der unwandelbaren Treue Gottes, mit der die vorhergehende Verkündigung schloß; V. 6 .) Diese Aussage erinnert an Gottes Worte über Israels Halsstarrigkeit am Sinai ( 2Mo 32,7-9 ), die Mose wieder aufgriff, bevor das Volk in Kanaan einzog ( 5Mo 9,6-8.13.23-24; 31,27-29 ). Im Grunde war die ganze Geschichte Israels von diesem Tag an bis in die Zeit Maleachis ein Beleg für den Vorwurf, den der Prophet dem Volk hier macht. Daran schließt Maleachi eine Aufforderung des Herrn und eine Verheißung an. Wenn Israel sich zum Herrn bekehrt (in Glauben und Gehorsam), so wird er antworten und sich auch zu ihm kehren . Diese Verheißung basiert auf dem Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat (vgl. 5Mo 4,30-31; 30,1-10 ).



B. Israels Widerrede
( 3,7 b)


Mal 3,7 b


Wieder läßt Maleachi die Israeliten eine Frage an Gott richten: "Worin sollen wir uns bekehren?" Nur jemand, der sich seines Wegs bewußt ist, kann umkehren. Doch Israel gab vor, von seinem Eigensinn und seiner Abwendung von Gott gar nichts zu wissen.



C. Die Spezifizierung des Vorwurfs: Betrug
( 3,8 a)


Mal 3,8 a


In dürren Worten wird Israel hier des Betrugs an Gott bezichtigt. Betrug an Menschen ist schlimm genug, doch nur ein Narr versucht, Gott zu betrügen . Aber genau das wird Israel hier vorgeworfen.



D. Israels erneute Widerrede
( 3,8 b)


Mal 3,8 b


Dieser fünfte Abschnitt enthält, parallel zum zweiten, zwei Fragen: "Worin sollen wir uns bekehren?" (V. 7 b) und "Womit betrügen wir dich?" (V. 8 ). Durch diesen rhetorischen Kunstgriff bekommt Maleachi die Möglichkeit, den Vorwurf näher auszuführen.



E. Der Beweis für den Vorwurf
( 3,8 c - 9 )


1. Die Sünde: Das Unterlassen von Abgaben und Opferungen
( 3,8 c)


Mal 3,8 c


Wieder liegt das Problem im Bereich der Opferungen. Die zweite Verkündigung ( Mal 1,6-2,9 ) handelte von der respektlosen Einstellung der Menschen ( Mal 1,6 ), die zur Entweihung der Opfergaben führte ( Mal 1,7-14 ). Während dort die Qualität der Opfer in Frage gestellt wurde, geht es nun um die Quantität (vgl. "die Zehnten in voller Höhe"; Mal 3,10 ).

Nach Aussage Gottes betrügt ihn das Volk, indem es den Zehnten und die Opfergabe nicht entrichtet. Gemeint war ein Zehntel aller Erzeugnisse und allen Viehs, das die Leute besaßen ( 3Mo 27,30.32 ). Der Zehnte mußte den Leviten entrichtet werden, die wiederum ein Zehntel des Zehnten den Priestern gaben ( 4Mo 18,21-32 ). Darüber hinaus mußten die Israeliten ein Zehntel ihrer Erzeugnisse und Tiere nach Jerusalem bringen und dort zusammen mit den Leviten vor dem Herrn im Rahmen einer festlichen Gottesdiensthandlung verzehren ( 5Mo 12,5-18; 14,22-26 ). Alle drei Jahre mußten in den Städten wiederum Zehnte für die Leviten, für Fremde,Witwen und Waisen gesammelt werden ( 5Mo 14,27-29 ). Während das Wort "Opfer" sich gewöhnlich auf Opferungen im allgemeinen bezieht, scheint es hier ( Mal 3,8 c) für die Anteile der Opfer (und auch der Abgaben) zu gelten, die die Priester erhielten ( Theological Wordbook of the Old Testament , s.u. "ter¹mÔh", 2, 838). Wenn die Leviten und Priester diese Abgaben nicht bekamen, mußten sie nach anderen Möglichkeiten suchen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Darunter litt dann der Tempelgottesdienst.



2. Der Fluch
( 3,9 )


Mal 3,9


Da der Tempel das Haus Gottes ist (V. 10 ), ist das Vergehen, seine Diener nicht zu unterstützen, gleichbedeutend mit Betrug an Gott selbst. Der Inhalt des Fluchs kann aus Vers 11 erschlossen werden: Hungersnöte aufgrund von Heuschreckenplagen, denen die Ernte zum Opfer fällt, und Weinstöcke, die keine Trauben tragen (vgl. 5Mo 28,38-40 ).



F. Das Segensversprechen
( 3,10 - 12 )


Mal 3,10-12


Diese Verheißung ist eine Bestätigung des Segens, der auf einer im Gehorsam wurzelnden Beziehung zu Gott liegt, wie sie im mosaischen Gesetz beschrieben ist ( 5Mo 28,1-14 ). Was die Menschen im Moment erleben, ist der Fluch, der über dem Ungehorsam liegt und der ebenfalls im Bund Gottes mit Israel beschlossen war ( 5Mo 28,15-68 ). Dieser Bund war Ausdruck einer gnädigen Fürsorge für Israel. Kein anderes Volk hatte solche Verheißungen von Gott erhalten. Da Gottes Wort verläßlich ist, gab es keinerlei Zweifel, daß sein Teil des Bundesabkommens erfüllt wird. Israel selbst, das mehrmals unter dem Fluch Gottes zu leiden hatte, weil es gegen die im mosaischen Gesetz vorgeschriebenen Abgaben verstoßen hatte, konnte dies bezeugen. Der Herr beruft sich daher auf seine Bundesverheißungen, als er Israel auffordert "Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus" , damit die Priester genügend "Speise" haben. "Vorratshaus" bezieht sich auf einen bestimmten Raum oder mehrere Räume im Tempel, in denen die Kornabgaben (vgl. 1Kö 7,51; Nah 10,38; 13,12 ) aufbewahrt wurden. Wenn sie das tun, werden die Menschen sehen, daß Gott "des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle" . Zu diesem Segen gehören gute Erträge in der Landwirtschaft - gute Frucht, die nicht von Ungeziefer vernichtet wird, und unbeschädigte Weinstöcke ( Mal 3,11 ) - sowie ein guter Ruf unter allen Heiden (V. 12 ). Für all diese Segnungen erwartet Gott nichts weiter als Gehorsam.

Auf die Gläubigen unserer Zeit lassen sich diese Verheißungen nur mit einem gewissen Vorbehalt übertragen. Der mosaische Bund mit seinem Versprechen materiellen Wohlstands für Israel, wenn es gehorsam ist, ist nicht mehr in Kraft ( Eph 2,14-15; Röm 10,4; Hebr 8,13 ). Allerdings spricht auch das Neue Testament von Großzügigkeit und Geben. Von den heutigen Christen wird zwar nicht die Abgabe des Zehnten verlangt, doch das Neue Testament verheißt denjenigen Gottes Segen, die der Kirche und besonders denen, die "im Dienst des Wortes" arbeiten, großzügig spenden ( Apg 4,32-35; 2Kor 9,6-12; Gal 6,6; Phil 4,14-19 ).

Maleachi

VII. Die sechste Verkündigung: Fürchtet Gott!
( 3,13 - 21 )


A. Der Vorwurf der Blasphemie
( 3,13 a)


Mal 3,13 a


In schroffem Kontrast zu dem Segen, den der Herr Israel verheißt (V. 12 ), wirft die sechste Verkündigung den Menschen vor, sie redeten hart gegen Gott. Dahinter steckt mehr als nur ein Mißgriff im Ton. Die "harten Reden" der Menschen widersprechen den Verheißungen, die in Vers 10 - 12 bestätigt wurden.



B. Israels Widerrede
( 3,13 b)


Mal 3,13 b


Wieder, ganz typisch für Maleachis Stil, wird die geistliche Abgestumpftheit der Menschen daran gezeigt, daß ihnen ihre Sünde unbewußt ist. Sie fragen Gott: "Was reden wir gegen dich?"



C. Der Beweis für den Vorwurf: Die Billigung des Bösen
( 3,14 - 15 )


Die sechste Verkündigung ähnelt in vieler Hinsicht der vierten ( Mal 2,17- 3,6 ). Die Fragen über die Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens der scheinbar Gerechten, und des anscheinenden Wohlergehens der Bösen (vgl. Mal 2,17 ), erreichen ihren Höhepunkt.



Mal 3,14


Die Menschen sagen: "Es ist umsonst, daß man Gott dient" . "Umsonst" ( SAw+? ) kann auch mit "leer" übersetzt werden. Ironischerweise beschuldigen die Menschen sich hier gewissermaßen selbst, indem sie sagen, daß ihr eigener Gottesdienst und Dienst am Herrn leer sei, nutzlos und ohne Ergebnis. Sie haben also das Gefühl, keine Wohltaten von ihm zu verdienen. In der Frage " Was nützt es ... " geben sie vor, Gott treu gewesen zu sein, sein Gebot gehalten zu haben. Sie geben vor, ihre Missetaten bereut zu haben, " in Buße ... vor dem HERRN Zebaoth " einhergegangen zu sein. Sie sind der Ansicht, alles, was noch fehle, sei, daß der Herr seinen Teil des Abkommens erfülle und sie segne. In höchst subtiler Weise unterstellen sie, daß Gott seine Verheißungen nicht hält.

Das Problem liegt jedoch nicht bei Gott. Maleachi hatte ja bereits deutlich gemacht, daß Gott den Menschen durchaus gemäß des Bundes geantwortet hat. Die Antwort erfolgte allerdings nicht in Form des erhofften Segens. Dafür gibt es zwei Gründe: (1) Die Herzen der Menschen sind nicht in Einklang mit Gott; sie sind ungehorsam. (2) Manche derjenigen, die sich beklagen ( Mal 3,14 ), haben sich der falsch verstandenen Gesetzlichkeit schuldig gemacht, die vielleicht auch zur Entstehung des Pharisäertums im 1. Jahrhundert n. Chr. führte. Diese Gesetzlichkeit erschöpft sich in der rigorosen Einhaltung bestimmter Handlungen als einziges Mittel der Rechtfertigung vor Gott. Das erstickt jedoch in Wirklichkeit den echten Ausdruck innerer Gerechtigkeit, den Gott fordert ( Mt 5,20-48; Mt 23,1-36 ). Deshalb können ihre Werke nicht als wirklicher Bundesgehorsam gewertet werden. Gott fordert auch äußerlichen Gehorsam, doch er muß aus dem Herzen kommen; er darf nicht dazu dienen, die eigene Rechtschaffenheit unter Beweis zu stellen, sondern muß Gottes Gerechtigkeit spiegeln. Die Gläubigen heutzutage sind hier in einer besseren Lage als die Heiligen des Alten Testaments, weil sie durch Christus den Heiligen Geist empfangen haben, der das Fleisch überwinden und Gottes Gerechtigkeit an den Tag bringen kann ( Röm 8,1-17; Gal 5,16-26; Phil 2,12-13 ).



Mal 3,15


Israel hält sich noch immer daran auf, daß die Sünder nicht bestraft werden. "Darum preisen wir die Verächter, denn die Gottlosen gedeihen, und die Gott versuchen, bleiben bewahrt." Doch wie Maleachi später sagt ( Mal 3,19 ), wird sie die Strafe durchaus noch ereilen. (Zum Problem des Wohlergehens der Gottlosen vgl. den Kommentar zu Mal 2,17 c.)



D. Die Antwort des gläubigen Rests
( 3,16 )


Mal 3,16


Das Wort " aber " ( ?Az ) betont, daß das, was in diesem Vers beschrieben ist, mit der vorhergehenden Konfrontation irgendwie in Zusammenhang steht. Es ist schwer zu sagen, ob der hier genannte Rest ( die Gottesfürchtigen ) sich von den vorigen Fragestellern (V. 13 - 15 ) abhebt oder ob es sich um dieselben Leute oder zumindest um einen Teil von ihnen handelt. Wenn es sich um dieselben Menschen handeln sollte, dann zielt der Satz darauf ab, daß diese Gerechten ihre harten Worte bereuen und daraufhin in ihrem Glauben gestärkt werden. Wenn die beiden Gruppen jedoch nichts miteinander zu tun haben, steht ihre Einstellung und Rede im Gegensatz zu den Menschen aus den Versen 13 - 15 . Sie trösten sich untereinander mit der Allwissenheit und Allgegenwart Gottes: "Der HERR hört und merkt es." Wahrscheinlich sehen sie Gottes Treue nun mit neuen Augen, wie es auch in anderen ähnlichen Auseinandersetzungen über diese Probleme der Fall war (vgl. Ps 73; Pred 12,13-14 ). Ihre Gottesfurcht macht deutlich, welche Antwort Gott sich auf seine Verkündigung hin wünscht. Das Gedenkbuch bedeutet, daß im Himmel eine ständige Erinnerung an die Gläubigen und Ehrfürchtigen bewahrt wird. Das stellt sicher, daß Gott ihren Gehorsam nicht vergessen wird.

 

E. Gottes Warnung und seine Verheißung
( 3,17 - 21 )


Mal 3,17-18


Die Gottesfürchtigen (V. 16 ) werden "an dem Tage, den ich machen will, mein Eigentum sein" . "Der Tag" (auch in Mal 3,2 und Mal 3,19 ; vgl. "der ... Tag" in Mal 3,23 ) ist der Tag des Herrn. Er wird ein Tag des Gerichts über die Bösen und der Erlösung der Gerechten sein (Gott wird sich ihrer erbarmen ). Danach wird Israel sehen, was für ein Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen ist . Schon in früheren Zeiten hatte Israel Gottes Eingreifen im Gericht und in der Erlösung erlebt (z. B. im Auszug aus Ägypten, im Exil und in der Rückkehr). Diese Ereignisse zeigten den Unterschied zwischen den Gerechten und den Gottlosen. Der künftige Tag des Herrn aber wird ein viel schrecklicheres Gericht über die Gottlosen bringen, und die Gerechten werden nach der körperlichen Erlösung und der körperlichen Auferstehung im kommenden Gottesreich sein "Eigentum" sein und Gottes ursprünglichen Plan mit Israel erfüllen ( 2Mo 19,5-6; 5Mo 7,6; 14,2; 26,18; Ps 135,4 ). Diese Hoffnung belebt die Gerechten und stärkt ihre Furcht vor Gott.



Mal 3,19


Hier malt Maleachi den Tag des HERRN aus. Wie in Mal 3,2-3 wird das Gericht an diesem Tag als ein Gericht des Feuers beschrieben. Die Tatsache, daß er brennen soll wie ein Ofen , ist nicht nur ein Zeichen seiner Intensität, sondern auch seiner gezielten Wirkung; es ist kein Feuer, das außer Kontrolle brennt. Anders als in Mal 3,2-3 ,wo vor allem die Reinigung Israels (insbesondere der Leviten) im Mittelpunkt stand, wird hier die Vernichtung der Gottlosen betont (vgl. Jes 66,15; Zeph 1,18; Zeph 3,8 ). Das Gericht wird so radikal sein, daß von den Gottlosen ( alle Verächter und Gottlosen ; vgl. Mal 3,15 ), die mit Stroh verglichen werden, weder Wurzel noch Zweig bleiben wird. Das bedeutet keine totale Auslöschung im Sinne der Vernichtung allen Lebens (die Bösen werden wieder auferstehen; Dan 12,2 ); es ist vielmehr Ausdruck des absoluten Ausschlusses der Bösen aus Gottes Reich (vgl. Mt 25,46 ).



Mal 3,20


Der Tag des Herrn, der für die Bösen wie ein Feuer sein wird, wird im Gegensatz dazu für das Volk Gottes wie der Aufgang der Sonne sein. Die Wendung " die Sonne der Gerechtigkeit " steht in der Schrift nur an dieser einen Stelle. Viele Exegeten haben versucht, diese Worte auf Christus zu beziehen, doch der Satz ist wohl eher eine Anspielung auf den Tag des Herrn ganz allgemein. Im künftigen Gottesreich wird die Gerechtigkeit überall leuchten wie die Sonne. Heil ( marp+? , "Gesundheit oder Wiederherstellung") unter ihren Flügeln (oder Strahlen) bezieht sich auf die wiederherstellende Macht der Gerechtigkeit, die wie die heilenden Strahlen der Sonne ist. Gottes Volk wird an diesem Tag geistlich wiederhergestellt und erneuert werden.

Die Gerechten werden beschrieben als diejenigen, "die ihr meinen Namenfürchtet" (vgl. den Kommentar zu "mein Name" in Mal 1,6 ). "Fürchtet" ist die Übersetzung des hebräischen Wortes, das auch für "fürchten" in Mal 3,5 und Mal 3,16 und für "gefürchtet" in Mal 1,14 steht. Gott fürchten ist der Gegensatz zu den "harten Reden" gegen Gott ( Mal 3,13 ). Die Tatsache, daß hier die nur Gerechten, nicht die Gottlosen, persönlich angesprochen sind, zeigt sowohl Gottes Abscheu vor den Gottlosen als auch seine Liebe zu seinem Eigentum. Das Bild der Mastkälber , die sich an der offenen Weide freuen, nachdem sie in einen Stall eingesperrt waren, ist ein Ausdruck der zukünftigen Zufriedenheit und Freude der Gerechten (vgl. Jes 65,17-25; Hos 14,4-7; Am 9,13-15; Zeph 3,19-20 ).



Mal 3,21


Die Gerechten werden die Gottlosen zertreten , die Staub unter ihren Füßen werden sollen. Das ist nicht nur ein Zeichen für die Endgültigkeit des Gerichts über die Gottlosen. Hier ist die Antwort auf die zynische Frage der ungläubigen Israeliten "Was nützt es, daß wir sein Gebot halten?" ( Mal 3,14 ) auf den Punkt gebracht.

Maleachi


VIII. Schluß: Seid vorbereitet auf Gottes Kommen!
( 3,22-24 )


A. Die Vorbereitung in der Gegenwart
( 3,22 )


Mal 3,22


Nach allem, was über den mosaischen Bund gesagt wurde, und angesichts von Maleachis Sorge um den Gehorsam und die Bundestreue des Volkes trifft diese abschließende Ermahnung genau den Kern der Sache. Das Verb " gedenket " ( zAKar ) taucht vierzehnmal im 5. Buch Mose als Ermahnung an Israel, das Gesetz des Bundes zu halten, auf. Es kann Verschiedenes bedeuten: (a) den geistigen Akt der Erinnerung an oder Aufmerksamkeit für etwas, oder (b) den geistigen Akt in Verbindung mit entsprechenden äußeren Handlungen (mit anderen Worten: Erinnerung und Gehorsam), oder (c) den Vorgang des verbalen Rezitierens oder Wiederholens von etwas ( Theological Wordbook of the Old Testament , s.u. " zAKar ", 1, 241). Im Lichte von Maleachis ständigem Verweis auf den Gehorsam scheint hier These (b) am ehesten zuzutreffen: "Ruft es euch ins Gedächtnis und handelt entsprechend!".

Die Erwähnung "meines Knechtes Mose" bezeugt nicht nur Moses Treue ( Hebr 3,5 ), sondern erinnert die Leser auch daran, daß der Herr Zebaoth ( Mal 3,21 ) derselbe Gott ist, der sein Gericht und seine Rettung schon zur Zeit des Auszugs aus Ägypten machtvoll offenbarte. Er ist der lebendige Gott, der den Menschen am Horeb (der alte Name des Berges Sinai; 2Mo 3,1; 5Mo 5,2; Ps 106,19 ) die zehn Gebote gab. Er akzeptierte dabei gnädig Moses Vermittlerrolle bei der Verkündigung des Gesetzes ( 5Mo 5,23-31 ). Die Gottesfurcht der Menschen in Maleachis Zeit muß gestärkt werden; sie müssen bereuen und Gottes Bund wieder treu sein. Diese Reue wird ihnen am kommenden Tag des Herrn Wohlergehen bringen und sie vor Leiden bewahren.



B. Die Vorbereitung in der Zukunft
( 3,23-24 )


Mal 3,23-24


Gott verspricht durch Maleachi, daß der Prophet Elia kommen und predigen werde, ehe der Tag des Herrn kommt. (Vgl. den Kommentar unter "Größere Interpretationsprobleme" in der Einführung zu Joel.) Das ist die einzige Textstelle bei den Propheten, die von einem zukünftigen Amt Elias spricht. Viele Exegeten haben diese Prophezeiung mit Maleachi 3,1 in Verbindung gebracht, wo von einem Boten die Rede ist, der dem Herrn den Weg bahnt. Matthäus sagt jedoch ausdrücklich ( Mt 11,7-10 ), daß Johannes der Täufer dieser Bote war ( Mal 3,1 ). Erfüllte sich also möglicherweise in Johannes dem Täufer die Prophezeiung vom Kommen Elias ( Mal 3,23-24 )? Vor der Geburt Johannes des Täufers sagte ein Engel des Herrn voraus, daß er "im Geist und in der Kraft Elias" predigen werde, "zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist" ( Lk 1,17 ). Hier scheinen die beiden Prophezeiungen ( Mal 3,1 und Mal 3,23-24 ) zusammenzufließen und in Johannes erfüllt zu sein.

Johannes, der zwar offen zugab, derjenige zu sein, der dem Herrn den Weg bahnte ( Jes 40,3; Mal 3,1 ), bestritt jedoch ausdrücklich, Elia zu sein ( Joh 1,21-23 ). Als Jesus Johannes den "Elia, der da kommen soll" nannte, setzte er hinzu: "wenn ihr's annehmen wollt" ( Mt 11,14 ). Eine Lösung für dieses Problem scheint Mt 17 zu bieten. Als Elia Christus in seiner Verklärung erschien, fragten die Jünger nach dem Kommen Elias in der Zukunft. Jesus, der hier nach Johannes' Tod sprach (vgl. Mt 14,1-2 ), antwortete bestätigend: "Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen" ( Mt 17,11 ). Das deutet darauf hin, daß die Prophezeiung von Mal 3,23-24 nicht mit Johannes dem Täufer erfüllt ist. Israel akzeptierte Johannes den Täufer nicht als Elia, den "Zurechtbringer" aller Dinge, also muß noch ein anderer Elia-Wegbereiter kommen, ehe der Tag des Herrn kommt.

Jesus fuhr jedoch fort: "Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt" ( Mt 17,12 ), und die Jünger verstanden, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen gesprochen hatte ( Mt 17,13 ). Die Lösung all dessen scheint zu sein, daß, wenn auch Johannes nicht die Prophezeiung von Mal 3,23-24 erfüllte (denn Elia muß noch kommen), Elia insofern Johannes war, als eine große Ähnlichkeit zwischen Elia in Mal 3,23-24 und dem Boten (Johannes dem Täufer) in Mal 3,1 besteht.

Es ist schwer zu sagen, ob der Elia, der noch kommen muß, Elia selbst sein wird (wie Mt 17,11 anzudeuten scheint), oder jemand, der im Geist und in der Macht Elias auftreten wird (wie z. B. Johannes, so daß Christus von ihm einfach als von Elia sprechen konnte; Mt 17,12 ). Das letztere scheint plausibler. Der deutlichste Hinweis auf das zukünftige Amt eines Elia im Neuen Testament ist Offb 11,1-13 , wo von den zwei Zeugen in der großen Drangsal die Rede ist. Möglicherweise dehnte der Apostel Johannes die Elia-Erwartung auf eine Elia-Elisa-Erscheinung aus (vgl. den Kommentar zu Offb 11,3-6 ). Aufgrund der Verkündigungen der beiden Zeugen werden viele Menschen bereuen, und so wird das Herz der Väter und der Söhne versöhnt werden. Durch diese Reue werden sie am Tag des Herrn dem Gericht entgehen.

Die letzten Worte des Alten Testaments bildet Maleachis düsterer Ausblick auf das Geschehen, das der große und schreckliche Tag des HERRN bringt. Das Ereignis des Gerichts, ein Augenblick höchster Steigerung in der Geschichte, war ein Hauptthema aller Propheten. Die Eindringlichkeit der Warnungen und Aufrufe im Buch Maleachi basiert ebenso auf der Gewißheit des kommenden Gerichts wie auf der im Bund versprochenen Gnade. Dieselbe Erwartung des Gerichts und der Reue findet ihren Ausdruck im Buch der Offenbarung am Ende des Neuen Testaments ( Offb 22,12-17 ), wo aber der Eine, der zurückkehren wird, genauer beschrieben wird.



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