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Nehemia Walvoord

Nehemia (Gene A. Getz)


EINLEITUNG


Historischer Hintergrund


Gott hatte den Israeliten versprochen, daß er sie als Nation segnen würde, wenn sie ihm gehorchten. Wenn sie ihm aber nicht gehorchten, würde er sie richten und dafür sorgen, daß sie in Gefangenschaft geführt würden ( 5Mo 28 ). Diese Verheißung wurde an Salomo mit der besonderen Zuspitzung auf sein eigenes Leben wiederholt. Falls er als König Israels Gott gehorchte, würde er Gottes fortwährenden Segen erfahren. Wenn er Gott aber nicht gehorchte, würde Gott seine Macht und Stellung als König Israels von ihm nehmen ( 1Kö 9,1-9 ).

Wie es bei den Führern Israels häufig vorkam, stand einem guten Anfang ein böses Ende gegenüber. Salomo sündigte gegen Gott, besonders indem er heidnische Frauen heiratete und ihren falschen Göttern diente ( 1Kö 11,1-5 ). Dadurch wurde das Königreich im Jahr 931 v. Chr. gespalten. Die zehn Stämme des Nordens wurden anfänglich von Jerobeam regiert, die beiden südlichen Stämme Juda und Benjamin von Rehabeam.

Beide Königreiche wurden jedoch weiterhin von Götzendienst und Unmoral bestimmt. Und wie Gott es immer wieder warnend angekündigt hatte, kam seine Hand des Gerichtes über das ganze Israel wegen seiner Sünde. Das nördliche Reich fiel zuerst, und das Volk wurde 722 v. Chr. von den Assyrern in die Gefangenschaft geführt. Die Babylonier brachten dann 586 v. Chr. das Südreich zu Fall.

Die Israeliten des Nordreiches wurden vom Assyrischen Reich absorbiert und vermischten sich mit der assyrischen Kultur. Das Volk des Südreiches blieb dagegen in Babylon intakt und nachdem die Macht Babylons durch die Meder und Perser im Jahr 539 v. Chr. gebrochen worden war, kehrten viele Juden in ihre Heimat zurück.

Im Jahr 538 v. Chr. kehrte die erste Gruppe unter der Führung von Serubbabel nach Judäa zurück ( Esr 1,1- Neh 2,2 ). Nach einer langen Zeit und gegen den erbitterten Widerstand der Samaritaner gelang den Heimkehrern schließlich die Wiedererrichtung des Tempels im Jahr 515 v. Chr. (vgl. die Übersicht "Die dreifache Rückkehr aus dem Exil" in der Einleitung zu Esra).

Etliche Jahre später kehrte eine zweite Gruppe von Juden im Jahr 458 v. Chr. unter der Leitung von Esra nach Judäa zurück ( Esr 7,1-10 ). Als sie dort ankamen, fanden sie die Juden in Israel im geistlichen und moralischen Niedergang vor. Sie hatten sich mit den ungläubigen Völkern der Umgebung verheiratet und nahmen an ihren heidnischen Handlungen teil. Doch durch Esras treuen Lehrdienst kehrte sich die Mehrheit des Volkes von seiner Sünde ab und folgte erneut dem Willen Gottes für ihr Leben.

Im Jahr 444 v. Chr., 14 Jahre nach der Rückkehr Esras nach Jerusalem, kehrte Nehemia nach Jerusalem zurück und wurde von Gott gebraucht, um Juda beim Wiederaufbau der Mauern Jerusalems und der Wiederherstellung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens des Volkes anzuführen. Es ist unglaublich, was Nehemia in einer solch kurzen Zeit erreichen konnte. Auf welche Weise er das Ziel erreichte, ist eines der Hauptthemen des ganzen Buches, das seinen Namen trägt.



Titel


Zum Namen des Buches im Verhältnis zum Buch Esra vgl. den Abschnitt "Titel" in der Einleitung zu Esra.



Verfasserfrage


Die meisten Ausleger stimmen darin überein, daß Nehemia das Buch verfaßte, das seinen Namen trägt. Ein großer Teil des Buches ist ein Bericht in Ichform ( Neh 1-7;12,31-13,31 ) über die Umstände seiner Rückkehr nach Jerusalem.

Über Nehemias Jugend und Familienhintergrund ist nichts bekannt, außer, daß sein Vater Hachalja hieß ( Neh 1,1 ) und daß er einen Bruder mit Namen Hanani hatte ( Neh 1,2 ). Es waren vermutlich die Urgroßeltern Nehemias, die in die babylonische Gefangenschaft zogen, nachdem Jerusalem gefallen war. Nehemia wurde vermutlich in Persien während oder kurz nach dem Jerusalemer Wirken Serubbabels geboren.

Nehemia war in einer heidnischen Umwelt in eine bedeutende Stellung aufgestiegen. Er diente dem König Artaxerxes als persönlicher Mundschenk ( Neh 1,11; vgl. Neh 2,1 ).

Die bedeutende Stellung am Hof des Königs gibt Einblick in das Leben und den Charakter Nehemias. Ein mächtiger König, wie der König von Persien, suchte sich für eine solche Stellung einen weisen und diskreten Mann aus, der ehrlich und absolut vertrauenswürdig war. Nehemias Stellung offenbart schon einiges über seine intellektuellen Fähigkeiten, seine emotionale Reife und seinen geistlichen Stand.

Nehemia schrieb das Buch, das seinen Namen trägt, vermutlich bald nachdem die Ereignisse vorbei waren. Das bedeutet, daß das Buch vermutlich um 430 v. Chr. oder kurz danach geschrieben wurde.



GLIEDERUNG


I. Der Wiederaufbau der Mauern ( Kap. 1-6 )

     A. Nehemias Gebet ( Kap. 1 )
     B. Nehemias Gebet wird beantwortet ( 2,1-8 )
     C. Nehemias Vorbereitungen für die Arbeit ( 2,9-20 )
     D. Nehemias Zuteilung der Arbeit ( 3,1-32 )
     E. Nehemias Reaktion auf Wiederstand ( 3,33-4,17 )
     F. Nehemias Umgang mit internen Problemen ( 5,1-13 )
     G. Nehamias Dienst als Statthalter ( 5,14-19 )
     H. Nehemias Antwort auf Wiederstand gegen seine Person ( 6,1-14 )
     I. Nehemias Fertigstellung des Projektes ( 6,15-19 )
II. Die Wiederstellung des Volkes ( Kap.7-13 )

     A. Die Sicherheit der Stadt 7,1-3 )
     B. Die Zählung der Heimkehrer ( 7,4-72 a)
     C. Der Dienst Ersas ( 7,72 b. 10,40 )
     D. Die Liste der Einwohner (Judäas ( 11,1-12,26 )
     E. Die Einweihung der Mauern ( 12,27-47 )
     F. Die Reformation unter Nehemia ( Kap.13 )
 

AUSLEGUNG


I. Der Wiederaufbau der Mauern
( Neh 1-6 )


A. Nehemias Gebet
( Neh 1 )


1. Der Bericht aus Jerusalem
( 1,1-3 )


Neh 1,1-3


Während Nehemia im persischen Winterpalast in Susa (vgl. Est 1,2; Dan 8,2 und die Karte "Das medopersische Weltreich" in der Einleitung zu Esra) seinen Dienst versah, erhielt er eines Tages von mehreren Männern, die aus Juda zurückgekehrt waren, einen Bericht. Einer der Männer war sein eigener Bruder Hanani , den Nehemia später in Jerusalem in eine hohe Stellung einsetzte ( Neh 7,2 ). Den Bericht erhielt Nehemia im Monat Kislew (November/Dezember; vgl. die Übersicht "Der Kalender in Israel" zu 2Mo 12,1 ) im 20. Jahr der Regierung des Königs Artaxerxes (vgl. Neh 2,1 ). Artaxerxes war der sechste persische König und begann seine Herrschaft im Jahr 464 v. Chr., so daß das 20. Jahr das Jahr 444 v. Chr. ist.

Der Bericht machte Nehemia umgehend sehr niedergeschlagen. Er betraf sein Volk und dessen Land. Die Juden in Judäa (einer persischen Provinz) waren in Not und entmutigt und die Mauern Jerusalems waren zerbrochen und seine Tore verbrannt. (Sechs Tore wurden später wieder aufgebaut: Neh 3,1.3.6.13-15 ). Damit war die Stadt gegenüber den Angriffen der Feinde wehrlos. Das Volk hatte den Wiederaufbau der Mauern begonnen ( Esr 4,12 ), aber Artaxerxes hatte auf den Druck der Samaritaner und Rehums, des befehlshabenden Offiziers, wohl einem persischen Beamten, die Arbeiten gestoppt ( Esr 4,17-23 ).

Aufgrund seiner Stellung am Hof des Königs muß Nehemia von der Existenz des auslösenden Briefes von Rehum und von der Antwort des Artaxerxes gewußt haben. Offensichtlich hatte er aber noch nichts über die Ergebnisse in Judäa selbst gehört, auch wenn er sich zweifellos um seine Brüder in Jerusalem sorgte. Aufgrund seines Wissens empfing er den enttäuschenden Bericht über Jerusalem mit großer Trauer und Sorge.



2. Die Antwort Nehemias
( 1,4 )


Neh 1,4


Als er den niederschmetternden Bericht empfangen hatte, setzte sich Nehemia nieder und weinte (vgl. Esr 10,1 ). Er trauerte, fastete und betete zu dem Gott des Himmels mehrere Tage (vgl. Neh 1,5; 2,4.20; vgl. den Kommentar zu Esr 1,2 ). Sein Gebet war andauernd ("Tag und Nacht"; Neh 1,6 ). Das Fasten war oft ein Beweis des eigenen zerbrochenen Zustands (vgl. 2Sam 12,16; 1Kö 21,27; Esr 8,23 ), auch wenn es vom Gesetz nur einmal jährlich am großen Versöhnungstag vorgeschrieben war.



3. Der Inhalt des Gebetes des Mundschenks
( 1,5-11 )


a. Nehemia erkennt Gottes Grösse an
( 1,5 )


Neh 1,5


Nehemia stand einer Situation gegenüber, von der er wußte, daß er sie alleine nicht lösen konnte. Er wußte aber auch, daß mit Gott alle Dinge möglich sind (vgl. Jer 32,17 ). Nehemia begann sein Gebet damit, daß er diese Tatsache anerkannte: Ach, HERR, Gott des Himmels, (vgl. Neh 1,4 ) du großer und furchtbarer Gott (vgl. 4, 14 ; Neh 9,32 ). Herr ("Jahwe") verweist auf Gottes Bundesbeziehung zu Israel, "Gott des Himmels" dagegen auf die Welt umspannende Souveränität Gottes, "du großer und furchtbarer Gott" rühmt Gottes Macht und Majestät. Sicher konnte ein solcher Gott das Gebet Nehemias erhören. Als "Jahwe" hält Gott den Bund und die Treue ( HeseD ) denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.



b. Nehemia bekennt die Sünden Israels
( 1,6-7 )


Neh 1,6-7


In dieses Gebet des Bekenntnisses der Sünden des Volkes Israel schließt sich Nehemia selbst mit ein. So wie schon der Prophet Daniel fast hundert Jahre früher ( Dan 9,4-6 ) und so wie Esra ( Esr 9,6-15 ), erkannte Nehemia die gemeinsame Verantwortung für Israels Ungehorsam gegenüber dem Gesetz an. Nehemia betete ich bekenne und spricht dreimal von wir .

Er unterstellte sich und Israel in einer demütigen Haltung dem Herrn, indem er sich selbst Gottes Knecht (vgl. Neh 1,10-11 ) und die Israeliten ebenso Gottes Knechte nannte (vgl. V. 10-11 ; vgl. auch dein Knecht Mose in V. 7-8 ).c. Nehemias Bitte um Gottes Hilfe ( Neh 1,8-11 )

 

Neh 1,8-11


Nehemia erinnerte Gott daran, - nicht weil er etwas vergessen hätte, sondern um ihn um sein Eingreifen zu bitten - daß er Mose mitgeteilt hatte, daß, wenn das Volk Israel untreu sei, er es aus seiner Heimat vertreiben und zerstreuen werde ( 3Mo 26,27-28.33; 5Mo 28,64 ), aber daß, wenn sie ihm gehorchten, diejenigen, die im Exil lebten, wieder in Jerusalem versammelt würden ( 5Mo 30,1-5 ). (Zu Jerusalem als dem Ort, an dem Gott seinen Namen wohnen lassen wollte, vgl. den Kommentar zu 5Mo 12,5; 2Chr 6,6 .) Da die Juden Gott gehörten ( deine Knechte und dein Volk ; vgl. 5Mo 9,29 ) und er sie erlöst hatte, war es nur folgerichtig, wenn Gott auf Nehemias Gebet für das Volk antworten und seinen "Bund der Liebe" ( Neh 1,5 ) halten würde. Nehemia sprach auch für andere Juden, die den Namen Gottes verehrten (d. h. seinen offenbarten Charakter ehrten) und bat Gott, ihr Gebet zu erhören (V. 11 ; vgl. V. 6 ).

Menschlich gesprochen konnte es nur eine einzige Person ermöglichen, daß Nehemia den Juden in Jerusalem helfen konnte, nämlich der König, dem er diente. In früheren Jahren hatte der König Artaxerxes ein Dekret erlassen, das den Wiederaufbau Jerusalems stoppte ( Esr 4,21; vgl. den Kommentar zu Neh 1,1-3 ) und deswegen war er der einzige, der die Verhältnisse umkehren konnte. Das ist der Grund, weshalb Nehemia besonders darum betete: Gib deinem Knecht (vgl. V. 6 ) heute Erfolg und schenke ihm Gnade (wörtl. "Mitleid") in den Augen dieses Mannes . Nehemia meinte natürlich den König Artaxerxes (vgl. Neh 2,1 ). Eine gnädige Stimmung des Königs konnte eine Tür für Nehemias Bitte öffnen.

Als Mundschenk des Königs war Nehemia dafür verantwortlich, alle Weine zu probieren, bevor sie dem König serviert wurden, um sicherzustellen, daß sie nicht vergiftet waren. Deswegen hatte Nehemia ständigen Zugang zum König.



B. Nehemias Gebet wird beantwortet
( 2,1-8 )


1. Nehemias Gelegenheit und die Antwort
( 2,1-4 a)


Neh 2,1-4 a


Vier Monate gingen ins Land, bis Nehemias Gelegenheit kam, vom Kislew (November/Dezember; Neh 1,1 ) bis zum Nisan (März/April). Der Monat Nisan lag immer noch im 20. Regierungsjahr des Artaxerxes, weil das Regierungsjahr im Monat Tischri (September/Oktober) begann. Als Nehemia seinen Verpflichtungen nachging, stellte der König fest, daß sich etwas an Nehemias Stimmung verändert hatte und er traurig war. Der König war sofort neugierig, was diese Niedergeschlagenheit ausgelöst hatte, weil sein Mundschenk zum ersten Mal niedergeschlagen war. Der König stellte eine pointierte Frage: Warum sieht dein Gesicht so traurig aus, obwohl du nicht krank bist?

Nehemia antwortete sehr vorsichtig. Er fürchtete sich, genauer gesagt. Ein Diener durfte niemals irgendwelche negativen Gefühle in der Gegenwart des Königs zeigen, weil sie als Unzufriedenheit mit dem König gedeutet werden konnten. Das hätte ihn jedoch um seine Stellung oder gar um sein Leben bringen können. Außerdem wußte Nehemia, wie verwegen seine Bitte war. Der Mundschenk riskierte sein Leben, wenn er den König bat, eine frühere Entscheidung in ihr Gegenteil zu verkehren. Doch seine Antwort war weise. Nehemia hatte ja monatelang auf diese Gelegenheit gewartet und sicher im voraus über alles nachgedacht.

In seiner Antwort vermied Nehemia den Namen "Jerusalem", vielleicht, weil er einen empfindlichen politischen Nerv des Königs nicht antasten wollte. Er appellierte an das gesunde Empfinden des Königs, der den Respekt gegenüber den Ahnen für berechtigt hielt. Nehemia antwortete, daß die Stadt, in der seine Vorfahren begraben lägen, wüst liege und ihre Tore verbrannt seien (vgl. Neh 1,3 ).

Artaxerxes Herz antwortete auf die Aussage Nehemias. Deshalb fragte er Nehemia, was er als König in dieser Situation tun könne. Da Judäa eine persische Provinz war, konnte sich der Mundschenk ausrechnen, daß der König Verständnis für die Lage Jerusalems aufbringen würde.



2. Nehemias Bitte an den König
( 2,4 a. 5-8 a)


Neh 2,4-6 (Neh 2,4b-6)


Offensichtlich hatte sich Nehemia auf diesen Augenblick vorbereitet, für den er gebetet hatte. Er suchte im Gebet Gottes Hilfe und setzte zugleich alle menschlichen Möglichkeiten ein, einschließlich seiner intellektuellen Fähigkeiten, seiner langen Erfahrung, seiner erworbenen Weisheit, seiner Stellung und der Menschen, zu denen er in Beziehung stand, hier dem König von Persien selbst.

Zwischen der Frage des Königs (V. 4 a) und Nehemias Antwort (V. 5 ) schickte der Mundschenk einen Stoßseufzer als Gebet zum Gott des Himmels (vgl. Neh 1,4-5 ). Dieses kurze unhörbare Gebet baute auf den monatelangen Gebeten vorher auf. Nehemia bat ohne Zweifel um Weisheit, seine Bitte angemessen vorzutragen, damit der König eine gnädige Antwort geben würde.

Nehemia sprach in aller Höflichkeit ( wenn es dem König gefällt ; vgl. Neh 2,7; dieser Ausdruck findet sich nur noch in Est 1,19;3,9;5,4.8;7,3;8,5;9,13 ) und Demut ( dein Knecht ). Er bat den König, ihn in die Stadt in Judäa zu schicken, in der seine Ahnen begraben lagen, damit er die Stadt wiederaufbauen könne. Der Mundschenk vermied es wieder, Jerusalem beim Namen zu nennen (vgl. den Kommentar zu "die Stadt" in Neh 2,3 ). Die Tatsache, daß die Königin neben dem König saß, läßt darauf schließen, daß es sich um eine private Zusammenkunft handelte, da es nicht üblich war, daß die Königin bei offiziellen Sitzungen anwesend war.

Der König fragte Nehemia daraufhin, wann er zurückkehren würde. Diese Frage deutete bereits an, daß der König ihm die Erlaubnis geben würde. Nehemia nannte sofort eine konkrete Zeit, was wiederum beweist, daß er alles im voraus genau durchdacht hatte.


Neh 2,7-8 a


Nun bat Nehemia um die größte Gnade. Da er mit energischem Widerstand seiner Feinde rechnete, bat er den König um ein Beglaubigungsschreiben, das ihm gestatten würde, durch alle persischen Provinzen nach Transeuphrat, dem großen Gebiet östlich des Euphrat, zu ziehen. Außerdem bat Nehemia um einen Brief des Königs an Asaf, den Mann, der die königlichen Wälder verwaltete. Nehemia wußte, daß er Zugang zum Holz nötig hatte, um die Tore, die Mauern und andere Teile der Stadt wiederaufbauen zu können. Die Burg war eine Festung, die den Tempel beschützen sollte. Die Tatsache, daß Nehemia den Namen des Mannes wußte, der die königlichen Wälder um Jerusalem verwaltete, könnte ein Hinweis darauf sein, daß er im voraus sehr genaue Nachforschungen betrieben hatte.


3. Nehemia gibt Gott die Ehre
( 2,8 b)


Neh 2,8 b


Obwohl Nehemia sich sehr sorgfältig auf den Zeitpunkt vorbereitet hatte, zu dem er Gelegenheit finden würde, dem König seine Sorgen mitzuteilen, und obwohl er in seinen Antworten an den König außergewöhnliche Weisheit bewies, wußte er doch, daß der Erfolg seiner Bemühungen letztlich völlig von Gott abhing. Deswegen schreibt er, daß der König auf die Bitten einging, weil die gnädige Hand meines Gottes über mir war (vgl. V. 18 ; Esr 7,6.9.28;8,18.22.31 ).

 

C. Nehemias Vorbereitungen für die Arbeit
( 2,9-20 )


1. Nehemias Ankunft in Jerusalem
( 2,9-10 )


Neh 2,9-10


Die Reise nach Jerusalem muß, auch wenn Nehemia sicher den kürzesten Weg gewählt hat, mindestens zwei Monate gedauert haben (vgl. den Kommentar zu Neh 6,15 ). Esras Reise 14 Jahre früher dauerte vier bis fünf Monate ( Esr 7,8-9 ). Auf der Reise zeigte Nehemia den Statthaltern der persischen Provinzen den Brief des Königs zu seiner Beglaubigung. Der König hatte ihm sogar eine militärische Eskorte mitgegeben. Doch sobald Nehemia in Jerusalem ankam, begann der Widerstand. Als Sanballat, der Horoniter (vielleicht, weil er aus Bet-Horon, etwa 25 km nordöstlich von Jerusalem, kam) und sein Verbündeter Tobija, der ammonitische Knecht , hörten, daß Nehemia gekommen war, um den Israeliten zu helfen, waren sie sehr verstimmt. Sie begannen sofort zu überlegen, wie sie Nehemia davon abhalten konnten, sein Ziel zu erreichen. Vielleicht erhofften sie, die Kontrolle über Judäa zu erlangen. Tatsächlich wird in einer Papyrusrolle aus Elefantine aus dem Jahr 407 v. Chr. Sanballat "Statthalter von Samaria" genannt. Doch Nehemias Motivation blieb die gleiche. Er wußte, daß Gott ihn in diesem Augenblick der Geschichte Israels dorthin gebracht hatte, und er war dabei, ein Projekt in Angriff zu nehmen, das andere seit fast hundert Jahren nicht hatten vollenden können.



2. Die Untersuchung der Mauern
( 2,11-16 )


Neh 2,11-16


Nehemia wußte, daß es keinen anderen Weg gab, dem Volk in Jerusalem mitzuteilen, was Gott ihm aufgetragen hatte, als zuvor eine genaue Untersuchung und Planung vorzunehmen. Nachdem er sich zunächst Zeit ( drei Tage ) genommen hatte, vermutlich um nachzudenken, zu beten, zu planen und mit einigen Leuten dort vertraut zu werden, nahm er einige Männer seines Vertrauens, auf die er sich verlassen konnte.

Dann untersuchte er die Mauern sorgfältig, um das Problem, vor dem er stand, genau analysieren zu können. Er tat dies in der Nacht, offensichtlich um zu vermeiden, daß andere seine Pläne kannten, bevor sie überhaupt konkrete Formen angenommen hatten. Während dieser Nächte entwickelte er einen effektiven Plan, um seine Aufgabe, wegen der er nach Jerusalem gekommen war, zu erfüllen. Der Plan wird in Kapitel 3 beschrieben. Während seiner nächtlichen Inspektionen ritt er auf seinem Pferd oder Maultier (Tier; Neh 2,14 ) vom Taltor in der südwestlichen Mauer in Richtung zum Drachenbrunnen , dessen Lage unbekannt ist, und zum Misttor im Südosten der Stadt. Möglicherweise ist dies dasselbe Tor wie das Scherbentor in Jer 19,2 .Das Quelltor lag nördlich vom Misttor in der östlichen Mauer. Der Teich des Königs könnte der Teich Siloah sein, der in der Nähe des Königgartens lag ( Neh 3,15 ). Es könnte sich aber auch um einen Teich südlich vom Teich Siloah handeln. Der Schutt hielt ihn offensichtlich davon ab, auf dem Hügel weiter zu reiten. So stieg er das Bachtal hinauf (vermutlich das Kidrontal im Osten der Stadt). Entweder ritt Nehemia die gesamte Mauer entlang, oder, was wahrscheinlicher ist, er kehrte von der östlichen Mauer aus zurück. Er ging zu seinem Ausgangspunkt in der Stadt, dem Taltor, zurück (vgl. die Karte "Jerusalem zur Zeit Nehemias" zu Neh 3,1 ).



3. Nehemia ermutigt das Volk
( 2,17-20 )


Neh 2,17-18


Nachdem Nehemia seine geheime Untersuchung abgeschlossen hatte und damit zufrieden war, daß er einen ausführbaren Plan entwickelt hatte, war die Zeit gekommen, den Juden zu offenbaren, warum er nach Jerusalem gekommen war. Mit ihnen ist das Volk von V. 16 gemeint: "Juden (d. h. das gemeine Volk), Priester, Fürsten, Beamte." Zunächst forderte er sie auf, den unmöglichen Zustand zu erkennen, der ihnen nur Schwierigkeiten und Gespött (vgl. Neh 1,3 ) einbrachte. Dann forderte er sie auf, mit ihm zusammen die Mauern Jerusalems wieder aufzubauen. Er schloß ein persönliches Zeugnis an, wie ihm die gnädige Hand Gottes (vgl. Neh 2,8 ) Gnade in den Augen des Königs Artaxerxes erlangen ließ.

Als Nehemia seinen Aufruf ergehen ließ, verwandelten sich die negativen Gefühle des Volkes in positive Gefühle. Niedergeschlagenheit wurde zu Hoffnung. Sie hörten auf Nehemia und begannen mit dem allmählichen Wiederaufbau.



Neh 2,19-20


Offensichtlich verbreitete sich die Kunde über die Reaktion der Juden auf den Aufruf Nehemias schnell. Sobald ihre Feinde die Nachricht hörten, setzten sie alles in Bewegung, um den Wiederaufbau zu verhindern. Sie benutzten jede Technik des Demoralisierens, die sie kannten. Sie begannen mit Spott ( bUz , "verhöhnen", "verspotten") und der Verdächtigung, daß sie Aufständische seien. Zu Sanballat und Tobija (vgl. V. 10 ) gesellte sich Geschem (vgl. Neh 6,1-2.6 ), der Araber.

Aber Nehemia war auf ihre Angriffe vorbereitet. Er versicherte, daß der Gott des Himmels (vgl. Neh 1,4-5;2,4 ) den Erfolg Israels ermöglichen werde. Die Juden würden als Knechte Gottes die Stadt wieder aufbauen. Die drei Gegner hätten jedoch keinen Anteil (Gegenwart) und kein historisches Recht (Vergangenheit) an der Stadt.

Noch einmal stellte Nehemia den Juden und auch seinen Feinden die eigentliche Aufgabe vor Augen. Die Juden sollten sich nicht auf ihre Fähigkeiten, ihre menschlichen Reserven oder ihre Genialität verlassen. Ihre Hoffnung war der Gott des Himmels!

Nehemia zeigt viele Charaktereigenschaften, die für eine erfolgreiche Leiterschaft notwendig sind. Donald K. Campbell listet 20 solcher Faktoren auf ( Nehemiah: Man in Charge, S. 23):

1. Er erstellte ein durchschaubares und erreichbares Ziel.

2. Er hatte eine missionarische Gesinnung.

3. Er war bereit anzupacken.

4. Er stellte seine Prioritäten um, um sein Ziel zu erreichen.

5. Er wartete geduldig auf Gottes Zeit.

6. Er hatte Achtung vor seinen Vorgesetzten.

7. Er betete in Zeiten der Entscheidung.

8. Er brachte seine Bitte mit Takt und Freundlichkeit vor.

9. Er war gut vorbereitet und dachte im voraus über das nach, was er benötigte.

10. Er benutzte die vorgeschriebenen Wege.

11. Er nahm sich Zeit (drei Tage), um sich auszuruhen, zu beten und zu planen.

12. Er untersuchte die Lage anhand von Berichten aus erster Hand.

13. Er informierte andere erst, nachdem er das Ausmaß des Problems erfaßt hatte.

14. Er identifizierte sich mit dem Volk.

15. Er stellte ihnen ein durchschaubares und erreichbares Ziel vor Augen.

16. Er versicherte ihnen, daß Gott hinter diesem Projekt stand.

17. Er bewies Selbstvertrauen in den Auseinandersetzungen mit Widerständen.

18. Er bewies Gottvertrauen in den Auseinandersetzungen mit Widerständen.

19. Er stritt sich mit seinen Gegnern nicht herum.

20. Er ließ sich durch Opposition nicht entmutigen.

 

D. Nehemias Zuteilung der Arbeit
( 3,1-32 )


Eine solch enorme Aufgabe wie der Wiederaufbau der Mauern von Jerusalem, zumal angesichts des starken Widerstandes, erforderte einen ungewöhnlichen organisatorischen Aufwand. Die Einzigartigkeit des Planes Nehemias wird in diesem Kapitel offenbar. Verschiedene Aspekte der Zuteilung der Arbeit werden dabei deutlich.

Nehemia wies jedem einen bestimmten Arbeitsplatz zu. Diese Koordination wird an den Ausdrücken "neben ihm", "neben ihnen", "der nächste Abschnitt", "der nächste" usw. deutlich, die 28mal in Kapitel 3 erscheinen.

Die Menschen erhielten einen Arbeitsplatz in der Nähe ihrer Häuser zugewiesen (V. 21.23-24.26.28-30 ). Die Gründe dafür sind offensichtlich. Erstens wurden die Menschen, wenn sie an einem Mauerstück in der Nähe ihres Hauses bauten, persönlich mit hineingenommen und waren eher motiviert. Zweitens mußten sie nicht erst in einen anderen Teil der Stadt gehen, um die Arbeit zu tun, womit sie wertvolle Zeit verloren hätten. Drittens waren sie im Falle eines Angriffes nicht in Versuchung, ihren Platz zu verlassen, sondern blieben, um ihre Häuser und Familien zu verteidigen. Viertens war damit die Arbeit eine Familienangelegenheit, zu der alle vorhandenen Begabungen herangezogen wurden.

Die Pendler waren ebenfalls beteiligt. Die Männer, deren Wohnungen außerhalb von Jerusalem lagen, z. B. in Jericho (V. 2 ), Tekoa (V. 5.27 ), Gibeon (V. 7 ) und Mizpa (V. 7 ), wurden an Mauerabschnitte gestellt, an denen nur wenige Häuser lagen. Diese Arbeiter wurden gebeten, Aufgaben zu übernehmen, die von Einwohnern Jerusalems nicht so bequem hätten durchgeführt werden können.

Die Zuweisung erfolgte auch aufgrund von Beruf und Stellung. Dem Hohenpriester und seinen Mitpriestern wurde so etwa das Schaftor zugewiesen (V. 1 ), an dem sie besonderes Interesse haben mußten, weil durch das Schaftor die Tiere, die für die Opfer bestimmt waren, gebracht wurden. In Vers 22 und 28 werden weitere Priester erwähnt. Weitere Arbeiter, deren Berufe genannt werden, waren: Goldschmiede (V. 8.31-32 ), Salbenhersteller (V. 8 ), Vorsteher von Bezirken und halben Bezirken (V. 9-12.14-19 ), Leviten (V. 17 ) und Kaufleute (V. 31-32 ). Sogar die Töchter eines Vorstehers arbeiteten mit (V. 12 ).



1. Die Arbeiter an der nördlichen Mauer
( 3,1-5 )


Neh 3,1-2


Nehemias Bericht über die Reparatur der Mauer beginnt mit dem Schaftor im Nordosten der Mauer. Das Schaftor ist bekannt, weil es in der Nähe des Teiches Betesda ( Joh 5,2 ) lag, den die Archäologen lokalisieren konnten.

Eljaschib, der Hohepriester (vgl. Neh 13,4 ), war der Enkel von Jeschua ( 12,10 ), dem Hohenpriester zur Zeit Serubbabels ( Esr 3,2 ). Eljaschib und andere Priester (vgl. Neh 3,22 ) reparierten und weihten das Schafttor und bauten dann die Mauer bis zum Hundertturm und zum Turm Hananel (auch in Neh 12,38; Jer 31,38; Sach 14,10 erwähnt) wieder auf. Die genaue Lage der beiden Türme ist nicht bekannt, außer, daß sie zwischen dem Schaftor und dem Fischtor lagen.



Neh 3,3-5


Das Fischtor war möglicherweise das Tor, durch das die Einwohner von Tyrus den Fisch zum Verkauf brachten ( Neh 13,16 ). Meremot , der Sohn eines Priesters (vgl. Esr 8,33 ) arbeitete auch an einem zweiten Abschnitt mit ( Neh 3,21 ), ebenso Meschullam (V. 30 ), dessen Tochter den Sohn des Tobias heiratete ( Neh 6,18 ). Die Männer von Tekoa , der Heimatstadt des Amos ( Am 1,1 ) etwa 20 km südlich von Jerusalem, bauten einen Abschnitt wieder auf. Obwohl die Vornehmen aus Tekoa nicht bereit waren, mitzuarbeiten, halfen die Einwohner Tekoas noch an einem anderen Abschnitt der östlichen Mauer mit ( Neh 3,27 ).

 

2. Die Arbeiter an der westlichen Mauer
( 3,6-12 )


Neh 3,6-12


Zwischen dem Jeschanator (bzw. dem alten Tor) (V. 6 ) und der breiten Mauer (V. 8 ) lag das Tor Ephraim (vgl. Neh 12,39 ). Gibeon und Mizpa lagen einige Kilometer nordwestlich von Jerusalem. Die Lage von Meronot ist unbekannt. Überraschenderweise unterstanden diese Städte dem Statthalter von Transeuphrat (dem Gebiet jenseits des Euphrat; vgl. Neh 2,9 ). Die genaue Lage dieser Tore und des Ofenturms ( Neh 3,11 ) ist nicht mehr bekannt, aber der Turm könnte in der Nähe der Öfen in der Straße der Bäcker ( Jer 37,21 ) gestanden haben. Ein Goldschmied und ein Salbenhersteller ( Neh 3,8 ) arbeiteten an einer anderen Stelle. Sogar die Vorsteher des Bezirkes von Jerusalem und der Halbbezirke (V. 9.12 ; vgl. V. 14-15 ) halfen bei der Arbeit.



3. Die Arbeiter an der südlichen Mauer
( 3,13-14 )


Neh 3,13-14


Das Taltor war der Ort, an dem die nächtliche Inspektion Nehemias begonnen und geendet hatte ( 2,13.15 ). Das Misttor wurde so genannt, weil es zum Tal Hinnom hin lag, in dem der Dung aufgeschichtet wurde.



4. Die Arbeiter an der südöstlichen Mauer
( 3,15-27 )


Neh 3,15-16


Das Quelltor gehörte zur östlichen Mauer und lag nördlich vom Misttor. Der Teich Siloah lag in der Nähe des Gartens des Königs, wo Zedekia, der letzte König von Juda, bei dem Versuch, aus Jerusalem zu fliehen, während die Babylonier die Stadt eroberten, hingegangen war ( Jer 39,4 ).

Die Gräber Davids bezeichnet die Gräber von David und seinen Nachkommen. David war in diesem Gebiet beerdigt worden, das auch "die Stadt Davids" genannt wurde ( 1Kö 2,10 ). Der angelegte Teich (d. h. künstliche Teich) war entweder der Teich des Königs ( Neh 2,14 ) oder der untere Teich ( Jes 22,9 ). Das Haus der Helden könnte das Haus gewesen sein, in dem die auserwählten Krieger Davids, die "mächtigen Helden" ( 2Sam 23,8 ), untergebracht waren.



Neh 3,17-27


Binnui (V. 18 ) half auch an einem anderen Abschnitt mit (V. 24 ). Das Zeughaus (V. 19 ) lag ebenfalls in der Nähe der östlichen Mauer. Der Winkel war offensichtlich eine Stelle, an der die Mauer ihre Richtung änderte. Ein weiterer Winkel wird in Vers 24-25 erwähnt.

Als Bezugspunkte werden auch einige Privathäuser genannt: das Haus von Eljaschib, dem Hohenpriester (V. 20-21 ; vgl. V. 1 ), das Haus von Benjamin und von Haschub (V. 23 ) und das Haus von Asarja (V. 23-24 ). Weitere Häuser werden später erwähnt: das Haus der Priester (V. 28 ), das Haus des Zadok (V. 29 ), das Haus von Meschullam (V. 30 ) und "das Haus der Tempeldiener und Kaufleute" (V. 31 ).

Meremot (V. 21 ) reparierte zwei Abschnitte (vgl. V. 4 ), ebenso die Einwohner von Tekoa (V. 5.27 ). Priester (V. 22 ; vgl. V. 1 ) und Leviten (V. 17 ) waren am Bau beteiligt, wobei sie in der Nähe des Tempels arbeiteten. Der Turm (V. 25 ) lag in der Nähe des Palastes; vermutlich der Palast, den Salomo erbaut hatte ( 1Kö 7,1-8 ). Der Wachthof könnte ein Teil des großen Vorhofes in der Nähe des salomonischen Palastes gewesen sein ( 1Kö 7,9-12 ). Der Hügel Ofel ( Neh 3,27 ) war der Bereich zwischen der Stadt Davids und dem Tempelberg. Verständlicherweise wohnten die Tempeldiener in der Nähe des Tempels.



5. Die Arbeiter an der nordöstlichen Mauer
( 3,28-32 )


Neh 3,28-32


Das Roßtor (V. 28 ) in der östlichen Mauer war vielleicht die Stelle, an dem Pferde und Reiter den Palastbezirk betraten. Das Osttor lag direkt im Osten des Tempelbezirkes. Malkija (V. 31 ) ist bereits der dritte Mann mit diesem Namen in diesem Kapitel (vgl. V. 11.14 ). Er baute an der Mauer in Richtung Süden bis zum Haus der Tempeldiener,das bereits in Vers 26 erwahnt wurde,weil sie auf dem Ofel wohnten.Die Kaufleute wohnten in der Nahe des Bereiches der Tempeldiener. Das Wachttor stand in der nordöstlichen Ecke der Mauer (vgl. der Winkel in V. 24 ). Der Raum über dem Winkel war ein Raum auf der Mauer, dessen Verwendung uns unbekannt ist. Das Schaftor führt den Leser an den Ausgangspunkt zurück.



E. Nehemias Reaktion auf Widerstand
( Neh 4 )


Kapitel 3 könnte den Eindruck erwecken, als habe Nehemia sofort jedem sorgfältig seinen Bauabschnitt zugewiesen und von da an ging alles reibungslos vonstatten. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Gottes Werk geht selten ohne Widerstand voran. In Wirklichkeit stand der neue Führer Israels vor immer neuen Problemen, wie die Übersicht "Nehemias Probleme und seine Reaktionen darauf" beweist.
1. Sanballats psychologische Kriegsführung
( 3,33-35 )


Neh 3,33-35


Wie bereits festgestellt wurde ( Neh 2,10 ), war Sanballat sehr unzufrieden, als er hörte, daß Nehemia nach Jerusalem zurückgekehrt war, um den Juden zu helfen. Sanballat wußte allerdings nicht, daß Gott an dem Fortgang der Arbeit seines Volkes interessiert war. Sanballats Unzufriedenheit steigerte sich zu intensivem Zorn ( Neh 3,33; vgl. Neh 4,1 ). Zusammen mit seinen Genossen (einschließlich Tobija; Neh 2,19;3,35; vgl. auch Neh 4,1;6,1.12.14 ) und Geschem, Neh 2,19 ) und in der Gegenwart von samaritanischen Soldaten verspottete Sanballat deswegen die Juden. Er klagte sie an, Aufständische gegen König Artaxerxes zu sein ( Neh 2,19 ) und legte durch eine Reihe von Fragen die Vermutung nahe, daß sie unfähig sein würden, das Projekt zu beenden ( Neh 3,34 ). Er bezeichnete sie als Ohnmächtige und fragte, ob sie Opfer darbringen würden, d. h. ob sie am Ende Dankopfer darbringen könnten, weil die Mauern wieder vollständig waren. Die Frage, ob sie die Arbeit in diesen Tagen vollenden wollen, soll wohl eine Anspielung darauf sein, daß die Juden angeblich nicht wußten, was sie sich eigentlich vorgenommen hatten. Und wie, fragte Sanballat, konnten sie verbrannte und damit brüchige Ziegel aus dem Schutt nehmen und wieder lebendig machen? Tobija, der Ammoniter (vgl. Neh 2,19 ), der dabeistand, versuchte ebenfalls die Juden zu entmutigen. Er verspottete sie, indem er sagte, ihre Arbeit wäre so schlecht, daß ein Fuchs, der ja nur wenige Kilo wiegt, alles niederbrechen würde, wenn er auf die Mauer kletterte.



Nehemia

2. Nehemias geistliche Antwort
( 3,36-38 )


Neh 3,36-38


Gebet war ein besonderer und regelmäßiger Bestandteil von Nehemias Problemlösung. Als er mit den demoralisierenden Angriffen Sanballats konfrontiert wurde, bat er augenblicklich Gott um Hilfe: Höre uns, unser Gott, denn wir werden verspottet .

Wie eine Reihe von Rachepsalmen, in denen die Psalmisten Gottes Gericht über ihre Feinde herbeiflehten, war auch das Gebet Nehemias schwerwiegend und auf das Gericht ausgerichtet. Er betete dafür, daß Sanballat und seine Truppen gefangengenommen und sie für ihre Sünden gestraft würden.

Wie soll ein Christ solche Gebete einordnen, insbesondere angesichts der Aufforderung Jesu Christi, für die Feinde zu beten ( Mt 5,44; vgl. Röm 12,14.20 )? Dazu ist auf einige Dinge hinzuweisen: Erstens widerstanden Sanballat und seine Mitstreiter durch ihren Widerstand gegen die Juden eigentlich Gott. Zweitens hatte Gott bereits das Gericht über die Feinde Israels angekündigt. Nehemia betete deswegen entsprechend dem Willen Gottes, daß Gott Jerusalem von seinen Feinden befreien möge. Drittens betete Nehemia nur um das, was Gott Abraham zugesagt hatte ( 1Mo 12,3 ), daß wer seinem Volk fluchen würde, verflucht sein solle. Viertens ist die Rache Gottes Sache und nicht Sache Nehemias oder anderer Gläubiger (vgl. 5Mo 32,35; Röm 12,19 ), weshalb Nehemia zwar darum bittet, die Rache aber nicht selbst in die Hand nimmt. Vgl. auch den Abschnitt zu den Rachepsalmen in der Einführung zu den Psalmen.



Nehemia

Neh 3,38


Nach dem Gebet setzten Nehemia und die Juden ihre Arbeit fort. Einige Christen beten und warten dann ab, was passiert. Nicht so Nehemia. Wie in allen seinen Anstrengungen, sah er auch hier das göttliche und das menschliche Handeln zusammen. Er stellte dem Widerstand des Sanballat sowohl das Gebet, als auch harte Arbeit entgegen. Nachdem er einmal dem Herrn das Problem hingelegt hatte, vertraute er auf die Hilfe des Herrn, das Ziel zu erreichen. Und während sie beteten und vertrauten, bauten sie die Mauer zugleich bis zur Hälfte ihrer Höhe wieder auf. Die Aufgabe war also zur Hälfte ausgeführt. Sanballats und Tobijas Versuche, die Juden zu demoralisieren, waren fehlgeschlagen. Die Juden erhoben sich über die Versuche ihrer Feinde, sie zu entmutigen. Weil das Volk so hart und enthusiastisch ( mit seinem ganzen Herzen ) arbeitete, konnte die Hälfte der Aufgabe in einer solch kurzen Zeit bewerkstelligt werden. Nehemia schreibt später ( Neh 6,15 ), daß die ganze Arbeit 52 Tage (etwa acht Wochen mit je 6 Arbeitstagen) dauerte, so daß zur Halbzeit vielleicht vier Wochen um waren.



Nehemia

3. Sanballats Verschwörung
( 4,1-6 )


Neh 4,1-3


Das rasche Voranschreiten des Mauerbaus erhöhte natürlich den Zorn der Feinde und sie wurden sehr zornig (vgl. Neh 3,33 ). Sie entschieden sich, nun gemeinsame und direkte Aktionen zu unternehmen. Neben Sanballat und den Samaritanern aus dem Norden, Tobija und den Ammonitern aus dem Osten und Geschem (vgl. Neh 2,19 ) und den Arabern aus dem Süden, schlossen sich Männer aus Aschdod , einer Stadt der Philister im Westen, an. Sie alle verschworen sich zu einem gemeinsamen Angriff gegen Jerusalem, offensichtlich von allen Seiten.

Den gemeinsamen Anstrengungen ihrer Feinde setzten die Juden eine gemeinsame Antwort entgegen. Wieder betete das Volk ( wir ) um Hilfe. Sie fügten dann ihren Gebeten das Handeln hinzu, indem sie Wachen zum Schutz aufstellten, die rund um die Uhr aufpaßten.



Nehemia

Neh 4,4-6


Damit war das Problem jedoch nicht einfach gelöst. Die Bauleute hatten es nämlich in Wirklichkeit mit einem neuen Problem zu tun. Sie waren körperlich und seelisch erschöpft und die Arbeit schien kein Ende zu nehmen (V. 4 ). Außerdem hatten sie Angst vor einem heimlichen Angriff (V. 5 ), wobei Nehemia wußte, daß es sich dabei nicht einfach um leeres Gerede handelte (V. 6 ).



Nehemia

4. Nehemias Strategie
( 4,7-9 )


Neh 4,7-9


Nehemia plante eine neue Strategie, um der Furcht vor einer Invasion der Feinde zu begegnen. Er stellte hinter der Mauer an den noch offenen Stellen Leute mit Schwertern, Spießen und Bögen.

Dies muß für Nehemia eine schwere Entscheidung gewesen sein. Ganze Familien, einschließlich der Frauen und Kinder, zusammenzustellen, setzte die Väter einem starken Druck aus. Im Falle eines Angriffes blieb ihnen keine andere Wahl, als zu bleiben und für und mit ihren Familienmitgliedern zu kämpfen. Aber Nehemia wußte, daß er keine andere Wahl hatte, wenn das Volk überleben wollte und die Mauern fertig werden sollten.

Offensichtlich ging die Furcht unter dem Volk um. Deswegen rief Nehemia alle zusammen und appellierte an sie, der Situation mutig zu begegnen ( fürchtet euch nicht ). Er erinnerte sie an den großen und furchtbaren Herrn (vgl. Neh 1,5 ), der auf ihrer Seite stand. Sie sollten für die Sicherheit ihrer Familien kämpfen.

Als die Feinde hörten, daß ihre Verschwörung entdeckt worden war, griffen sie nicht an und das Volk fuhr mit dem Wiederaufbau fort.



Nehemia

5. Die Fertigstellung der Mauer
( 4,10-17 )


Neh 4,10-12 a


Bei der Fortsetzung der Arbeit waren die Juden jedoch vorsichtiger. Nehemia ließ die Hälfte der Männer arbeiten, während die andere Hälfte die Arbeiter mit Spießen, Schilden, Bogen und Panzern bewachten . Vielleicht wechselten sich jeweils einige Arbeiter und einige Wächter an der Mauer entlang ab. Die Vornehmen und Ratsherren, die bisher scheinbar keine besondere Aufgabe beim Wiederaufbau hatten, wurden nun angewiesen, hinter den Arbeitern Wache zu halten. Einige Arbeiter, die Baumaterial trugen, vermutlich Ziegel und Mörtel, taten dies mit einer Hand, während sie in der anderen Hand eine Waffe, vermutlich ein Schwert oder einen Spieß, trugen. Die eigentlichen Konstrukteure der Mauer arbeiteten mit beiden Händen, hatten aber ihr Schwert an ihrer Seite . Auch wenn dies bedeutete, daß weniger Menschen am Aufschichten der Ziegel beteiligt waren, wurde damit der Bau doch gut verteidigt.



Nehemia

Neh 4,12-14 (Neh 4,12b-14)


Zusätzlich stellte Nehemia einen Trompeter neben sich, der ihm überallhin folgte, wenn er die Aufsicht über den Bau führte. Im Falle eines Angriffes würde das Blasen der Trompete alle an die Stelle des Angriffes rufen. Nehemia ermutigte das Volk wieder ( Neh 2,20;4,14 ), indem er es diesmal darauf hinwies, daß Gott für sie streiten werde .



Nehemia

Neh 4,15-17


Das Volk arbeitete eifrig vom frühen Morgen bis zur Nachtzeit. Die, die außerhalb Jerusalems wohnten, kehrten noch nicht einmal nach Hause zurück. Jerusalem in der Nacht zu verlassen, wäre zu gefährlich gewesen. Jede Nacht standen einige Arbeiter Wache, weil man wußte, wie leicht verletzbar die Stadt gerade dann war. Die Arbeiter zogen noch nicht einmal ihre Kleider aus, um sie nach der Arbeit zu waschen, sondern waren zu jeder Zeit sehr wachsam.



Nehemia

F. Nehemias Umgang mit internen Problemen
( 5,1-13 )


Einige Ausleger meinen, daß die Ereignisse dieses Kapitels erst nach Fertigstellung der Mauer stattfanden. Sie argumentieren, daß das Einberufen einer großen Versammlung (V. 7 ) die Stadt in Gefahr gebracht hätte, weil sie dann ganz ohne Verteidigung gewesen wäre, und daß Nehemia wohl nicht zum Statthalter ernannt wurde, bevor nicht die Mauer fertiggestellt worden war. Vers 16 legt jedoch nahe, daß die Arbeit an der Mauer noch im Gange war.



1. Die internen Probleme und Nehemias Reaktion darauf
( 5,1-7 a)


Neh 5,1-5


Bis zu diesem Zeitpunkt konzentrierten sich Nehemias Aufrufe als geistlicher Führer vor allem auf die Feinde außerhalb von Juda. Doch noch bevor die Mauer fertiggestellt war, sah er sich den schwersten Problemen gegenüber, denen ein geistlicher Leiter überhaupt gegenüberstehen kann, den Problemen von innen. Das Problem waren nun nicht mehr Sanballat, Tobija oder Geschem, sondern sein eigenes Volk, die Juden. Es waren vier interne Probleme. Erstens hatte das Volk mit einer Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen. Sie erklärten, daß sie Getreide bekommen müßten, um sich selbst und ihre Familien am Leben zu erhalten (V. 2 ). Die Arbeit an der Mauer hatte sie daran gehindert, Getreide anzubauen. Dieses Versagen nannten sie nun eine Hungersnot. Zweitens hatten andere zwar Getreide, indem sie es von anderen kauften, doch dazu mußten sie ihre Felder, Weingärten und Häuser verkaufen (V. 3 ). Drittens wollten wieder andere ihren Besitz nicht verkaufen und mußten deswegen Geld von ihren jüdischen Brüdern leihen, um ihre Grundbesitzsteuer an König Artaxerxes bezahlen zu können (V. 4 ). Dieses Problem wurde dadurch so schwerwiegend, daß sie ungeheuer hohe Zinsen an ihre jüdischen Geldleiher zahlen mußten.

Das führte zu einem vierten Problem. Um ihre Schulden bezahlen zu können, mußten sie ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen (V. 5 ; vgl. 2Mo 21,2-11; 5Mo 15,12-18 ), was sie in eine hoffnungslose Situation brachte.

Alle diese Schwierigkeiten führten zu einer inneren Krise Judas. Das bedeutete doppelten Ärger für Nehemia. Nun war nicht nur die ständige Furcht vor dem äußeren Feind zu beachten; viele Juden wollten sich nun an anderen Juden rächen. Die Motivation, die wegen des äußeren Druckes, der körperlichen Erschöpfung und der Angst sowieso schon recht schlecht war ( Neh 4,4-7 ), brach nun aufgrund dieser Schwierigkeiten völlig zusammen.



Nehemia

Neh 5,6-7 a


Nehemias erste Reaktion war großer Ärger. Seine Gefühle richteten sich gegen den Egoismus und die Gefühllosigkeit bestimmter Leute. Einige Leute waren verletzt und leidend, doch die, deren Mitleid hätte am größten sein müssen, nämlich die Vornehmen und Ratsherren, machten sich der Ausbeutung schuldig.

Obwohl Nehemias Ärger sicherlich gerecht war, unternahm er doch nicht sofort etwas. Er nahm sich Zeit, um über das Problem nachzudenken und kühlte dabei seinen Ärger, um die Probleme in der richtigen Perspektive zu sehen und einen Plan auszuarbeiten (V. 7 a).



Nehemia

2. Nehemias Eingreifen
( 5,7 b- 11 )


Neh 5,7-9 (Neh 5,7b-9)


Nachdem er sich beruhigt hatte, packte Nehemia den Stier bei den Hörnern. Als erstes wies er die zurecht, die gegen das Gesetz Gottes verstoßen hatten, nämlich gegen das Verbot, vom eigenen Volk Zinsen zu nehmen (vgl. 2Mo 22,25; 3Mo 25,35-38; 5Mo 23,19-20 ). Geld durfte verliehen werden ( 5Mo 15,7-8 ), aber nicht, um aus dem Unglück anderer Menschen Vorteile zu ziehen. Anschließend berief Nehemia eine große Versammlung ein. Er wies auf den Unterschied zwischen ihrem Verhalten und dem Handeln anderer Exilanten hin, die persönlich ihren Brüdern halfen. Er und andere hatten schon einige jüdische Sklaven freigekauft (erlöst), die an Ausländer verkauft worden waren (vgl. 3Mo 25,47-55 ). Doch nun geschah das Gegenteil: Juden verkauften ihre Mitjuden in die Sklaverei.

Außerdem stand das Ansehen Gottes auf dem Spiel. Das unmoralische und ungesetzliche Verhalten machte den Einen unglaubwürdig, der ihr Volk sowohl aus der ägyptischen als auch aus der baylonischen Gefangenschaft befreit hatte. Er ermahnte sie, in der Furcht vor Gott zu leben (d. h. ihm zu vertrauen, zu gehorchen und zu dienen) und so den Spott der heidnischen Feinde zu vermeiden.



Nehemia

Neh 5,10-11


Nehemias letzter Schritt war ein sehr persönlicher. Er verwies auf sein eigenes Beispiel und das anderer, die schon denen in Not geholfen hatten, indem sie ihnen Geld und Getreide liehen. Nehemia tat bereits etwas gegen das Problem. Er erwartete nichts vom Volk, was er nicht selbst als Vorbild bereits auslebte.

Einige Bibelübersetzungen und Kommentare meinen, daß Nehemia seine eigene Schuld des Nehmens von Zinsen eingestand. Das widerspricht aber ganz dem Bild von ihm und der Zurechtweisung der Vornehmen wegen ihrer Sünde (V. 7 ).

Nehemia forderte dann diejenigen, die sich der Ausbeutung schuldig gemacht hatten, auf, alles zurückzugeben, was sie von anderen genommen hatten. Verkaufte Felder, Weingärten, Olivenhaine (werden hier zum erstenmal erwähnt und fehlen in V. 3-5 ) und Häuser wurden zurückgegeben (vielleicht zusammen mit dem Gewinn, der mit dem Getreide, neuen Wein und Öl von diesen Feldern gemacht wurde). Das Nehmen von Zinsen hörte auf und die gezahlten Zinsen wurden zurückerstattet. Die Zinsen betrugen ein Hundertstel d. h. 1% pro Monat. Nehemia unterstrich die Dringlichkeit seiner Ermahnung, indem er sie aufforderte, umgehend zu handeln.



Nehemia

3. Die Antwort des Volkes
( 5,12-13 )


Neh 5,12-13


Ohne Zweifel war Nehemia mit der Reaktion des Volkes auf seine Ermahnung zufrieden. Doch er wußte, wie leicht und schnell man unter dem Druck der Öffentlichkeit, unter dem Eindruck des Augenblicks etwas sagen kann. Deswegen ließ er die schuldigen Führer (Vornehme und Ratsherren; vgl. V. 7 ) einen Eid schwören, der bekräftigte, daß sie tun würden, was sie gesagt hatten. Die Priester waren Zeugen dieser Schwüre. Nehemia führte die schweren Konsequenzen vor Augen, die eine Lüge gegen Gott haben würde. Er schüttelte sein Gewand aus (vgl. das Beispiel des Paulus in Apg 18,6 ), das zugleich als Tasche diente, und bat Gott, genauso das Haus eines jeden zu schütteln, der seinen Eid nicht einhielt. Diese Geste symbolisierte die Zurückweisung, ähnlich wie das Schütteln des Staubes von den Füßen ( Mt 10,14; Apg 13,51 ).



Nehemia

G. Nehemias Dienst als Statthalter
( 5,14-19 )


Vermutlich wurde Nehemia irgendwann in der Zeit des Mauerbaues zum Statthalter von Juda ernannt. Dies war zu jener Zeit das höchste Amt, das in der jüdischen Nation zu erlangen war.

Später, als Nehemia seinen historischen Bericht über seine Jahre in Jerusalem verfaßte, fügte er seine Beobachtungen (V. 14-19 ) über seine Sicht dieser Stellung als Leiter hinzu. Er fügte die Verse offensichtlich an dieser Stelle ein, weil sie in enger Beziehung zu den in Vers 1-13 beschriebenen Ereignissen stehen.



1. Nehemias Weigerung, seine Privilegien zu benutzen
( 5,14-15.17-18 )


Neh 5,14-15


Nehemia diente 12 Jahre als Statthalter von Juda, vom 20. Jahr (444 v. Chr.) bis zum 32. Jahr (432 v. Chr.) der Regierung des Artaxerxes. Das hebr. Wort für Statthalter, peHCh , leitet sich von dem akkadischen Wort pAHatu ab. Das Wort für Statthalter in Neh 7,65.69;8,9;10,1 ist der persische Fachausdruck. Eines der Privilegien eines Statthalters, das ihm als persischen Beamten gewährt wurde, war eine Nahrungsabgabe, vielleicht um offizielle Gäste bewirten zu können. Nehemia nahm diesen Vorteil nicht in Anspruch, obwohl es sein gutes Recht gewesen wäre. Im Gegenteil, er versorgte viele Juden mit Nahrung, bewirtete Fremdlinge aus anderen Völkern (V. 17 ) und stellte Nahrung und Wein aus seinem eigenen Vorrat zur Verfügung. Dieses Verhalten stand im Gegensatz zu den früheren Statthaltern, die das jüdische Volk 40 Silberstücke neben der Nahrungsabgabe von Nahrung und Wein bezahlen ließen. Selbst ihre Leute nutzten die Vorteile ihrer Stellung aus und unterdrückten das Volk, indem sie Zahlungen eintrieben. Nehemias Ehrfurcht vor Gott hinderte ihn daran, eine herzlose Last auf seine jüdischen Brüder zu legen. Dies ist ein weiteres Beispiel für seine herausragenden Führungsqualitäten: das Mitleid mit seinen Untergebenen und die Weigerung, seine Privilegien auf Kosten anderer auszukosten.



Nehemia

Neh 5,17-18


Es ist nicht bekannt, wer genau die 150 Juden waren, die Nehemia mit Nahrung versorgte, auch wenn einige von ihnen Vornehme waren. Die Kosten, um einen Ochsen, sechs Schafe und einiges Geflügel täglich zur Verfügung zu stellen, waren ohne Zweifel hoch. Trotzdem bestritt Nehemia diese Unkosten lieber aus der eigenen Tasche, anstatt dem Volk eine Last aufzuerlegen.



Nehemia

2. Nehemia vermischte seine Privatinteressen mit denen des Volkes nicht
( 5,16.19 )


Neh 5,16


Als Statthalter hätte Nehemia dem Volk Geld leihen können, um ihre Steuern zu bezahlen und dabei ihr Land als Bürgschaft verwenden können. Wenn sie dann ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten, hätte Nehemia nach dem Maßstab der Welt das Grundstück in seinen Besitz übergehen lassen können. So hätte er ebenso wie andere reiche Juden die Armen ausbeuten können. Doch er nahm kein Land in Besitz , gleich ob auf diesem Weg oder durch Kauf. Er war sorgfältig darauf bedacht, seine Stellung als Statthalter in keiner Weise auszunutzen und dadurch die Achtung des Volkes ihm gegenüber Lügen zu strafen. Ja, er arbeitete zusammen mit dem Volk beim Wiederaufbau der Mauern. Er scheute sich nicht, sich seine Hände an diesem wichtigen Bauprojekt schmutzig zu machen und wurde von keinen persönlichen Interessen auf andere Wege geführt. Seine Motive waren rein und er verlor nie Gottes Berufung für sein Leben aus den Augen. Er war in Jerusalem, um seinem Volk zu helfen, nicht um es auszubeuten. Er war dort, um das Gesetz Gottes auszuleben und sichtbar zu machen, nicht um es zu übertreten. Er war dort, um die Mauer aufzubauen, nicht sein persönliches Reich.



Nehemia

Neh 5,19


Als ein Mann des Gebets stand Nehemia mit Gott in ständigem Kontakt. Er betete, daß Gott sich seiner wegen seines Einsatzes für das Volk erinnern möge. Siebenmal bittet Nehemia Gott in den Gebeten dieses Buches darum, sich zu erinnern (V. 19 ; Neh 6,14 (zweimal); Neh 13,14.22.29.31 ). Das Buch schließt mit derselben Bitte: Erinnere dich meiner zu meinem Besten, o Gott .



Nehemia

H. Nehemias Antwort auf Widerstand gegen seine Person
( 6,1-14 )


1. Die erste Methode: ein Anschlag
( 6,1-4 )


Neh 6,1-3


Als Sanballat, Tobija, Geschem (vgl. Neh 2,19 ) und die anderen Feinde hörten, daß die Mauern fertiggestellt waren und nur noch die Türen in die Tore eingesetzt werden mußten, versuchten sie noch einmal, die Arbeit zum Stillstand zu bringen. Diesmal waren sie durchtriebener. Ihr Angriffsziel war nun Nehemia selbst. Wenn sie ihn von der Szenerie beseitigen oder wenigstens seine Glaubwürdigkeit bei den Juden untergraben konnten, mußte es möglich sein, die Arbeit zu torpedieren. Jede ihrer drei Methoden war unterschiedlich, doch alle drei waren darauf ausgerichtet, Nehemias Leben oder seine Glaubwürdigkeit als erfolgreicher Leiter zu vernichten.

Der erste Angriff war durchtriebener als die anderen. Sanballat und Geschem luden Nehemia ein, sich mit ihnen in einem der Dörfer in der Ebene Ono zu treffen. Die Ebene Ono hatte ihren Namen von einer Stadt in ihr (vgl. 1Chr 8,12; Esr 2,33; Neh 7,37;11,35 ). Sie lag in der Nähe von Lod, etwa 40 km nordwestlich von Jerusalem und etwa 10 km südöstlich von Joppe. Wie man auf der Karte "Samaria und Juda in nachexilischer Zeit" zu Esr 2 ersehen kann, lag Ono in der Nähe der Grenze von Samaria, der Heimatprovinz von Sanballat. Von außen betrachtet schien es so, als wollten Sanballat und seine Truppen eine Friedenskonferenz veranstalten, in Wirklichkeit hatten sie es jedoch auf Nehemia abgesehen.

Nehemia witterte einen Betrug. Warum wurde von ihm verlangt, sich eine Tagesreise von Jerusalem zu entfernen? Er konnte in dieser Zeit die Arbeit nicht beaufsichtigen und die Samaritaner konnten ihm schaden, wenn sie zahlenmäßig überlegen waren. Auch wenn er im Moment die wahren Absichten der Gegner nicht beweisen konnte, entschied er sich für einen Weg, der sehr schnell ans Licht bringen mußte, wie ernst die Einladung gemeint war. Er sandte einfach Boten zu ihnen, die mitteilen sollten, daß er gerade mit einem großen (d. h. wichtigen) Projekt beschäftigt sei und dies nicht unbeaufsichtigt lassen könne. Indem Nehemia so antwortete, stellte er die Motive seiner Gegner nicht offen in Frage und gab ihnen Gelegenheit, die Ernsthaftigkeit ihrer Motive unter Beweis zu stellen, falls sie wirklich vorhanden war.



Nehemia

Neh 6,4


Die Reaktion von Sanballat und Geschem entlarvte sie. Statt mit dem Angebot zu antworten, sich in Jerusalem mit Nehemia zu treffen, sandten sie viermal dieselbe Botschaft, worauf Nehemia viermal mit der gleichen Weigerung antwortete.

Nehemia hätte beim dritten oder vierten Mal ungeduldig die Motive seiner Gegner anklagen können. Doch er wartete geduldig, bis sie selbst ihre wahren Motive offenbarten. Und dies taten sie denn auch mit ihrer fünften Botschaft, die zugleich die zweite Methode des Angriffs darstellte.



Nehemia

2. Die zweite Methode: Verleumdung
( 6,5-9 )


Neh 6,5-7


Als Nehemias Feinde sahen, daß er Jerusalem nicht verlassen würde, um sie zu treffen, versuchten sie es mit einer anderen Methode. Sie versuchten ein Treffen auf der Ebene Ono zu erzwingen, indem sie Nehemia unter Druck setzten. Sanballat sandte seinen Diener zu Nehemia mit einem unversiegelten (offenen) Brief . Der Brief berichtete von einem angeblichen Gerücht, daß Nehemia sich zum König der Juden erheben wolle, was eine Bedrohung des Königs Artaxerxes darstelle.

Dieser Brief war in mehrerer Hinsicht hinterlistig. Erstens erweckte der Brief den Eindruck, als wäre Nehemias Feinden dessen Wohlergehen ein Herzensanliegen. Der Brief stellte die Lage so hin, als wenn sie nur mit ihm sprechen wollten, um ihn zu beschützen.

Zweitens - und das ist sicher ein gewichtigeres Motiv - wollten sie erreichen, daß Nehemia aus Angst reagierte. Drittens enthielt der Brief vielleicht auch eine Portion Wahrheit. Einige gutmeinende religiöse Führer Judas interpretierten Nehemias Gegenwart möglicherweise als Erfüllung der alttestamentlichen Weissagungen über den messianischen König, der kommen sollte.



Nehemia

Neh 6,8-9


Nehemias mutige Antwort beweist sein Vertrauen auf Gott. Er verneinte die Verdächtigung gerade heraus. Er teilte seinen Mitarbeitern mit, daß dieser Brief nur geschrieben wurde, damit sie sich fürchten und denken sollten, daß der Bau der Mauer den Zorn von Artaxerxes über sie bringen würde. Dann betete Nehemia, wie er es immer tat. Diesmal bat er Gott um Kraft.



Nehemia

3. Die dritte Methode: Verrat
( 6,10-14 )


Neh 6,10


Nehemias Gegner hielten jedoch an ihren bösen Plänen fest und versuchten als nächstes, die Glaubwürdigkeit Nehemias zu zerstören, indem sie ihn in den Tempel lockten. Sie warben Schemaja, einen Mann aus Nehemias Lager, an, um Nehemia eine Lösung vorzuschlagen. Er sollte sich als Prophet ausgeben und schloß sich absichtlich in seinem Haus ein, um eine Unpässlichkeit oder rituelle Verunreinigung vorzutäuschen und ließ Nehemia herbeibitten. Vielleicht wollte Schemaja eine dringliche Situation vortäuschen, um Nehemias Neugierde zu wecken.

Schemaja muß ein Mann gewesen sein, dem Nehemia vertraute, denn es erscheint kaum denkbar, daß sich Nehemia heimlich mit jemandem traf, dem er kein Vertrauen schenkte. Als Nehemia ankam, schlug Schemaja vor, daß sie sich im Innern des Tempels hinter verschlossenen Türen treffen sollten. Damit wollte er Nehemia vor angeblichen nächtlichen Anschlägen schützen.



Nehemia

Neh 6,11-14


Nehemia erkannte zwei Fehler in der angeblichen Prophezeiung Schemajas. Erstens konnte er sich nicht vorstellen, daß Gott Nehemia auffordern würde davonzulaufen, während sich der Wiederaufbau der Mauern gerade der Vollendung näherte. Zweitens würde kein echter Prophet jemanden zu etwas auffordern, was das Gesetz Gottes brechen würde. Nur Priester durften das Heiligtum betreten ( 4Mo 3,10; 18,7 ). Wenn Nehemia, der kein Priester war, den Tempel betrat, würde er ihn entweihen und sich selbst unter den Zorn Gottes bringen. Er wollte jedoch Gott nicht ungehorsam sein, nur um Sicherheit vor seinen Feinden zu suchen. Nehemia war davon überzeugt, daß Schemaja ein falscher Prophet war, der von Tobija und Sanballat bezahlt wurde, um ihn hereinzulegen. Wenn der Statthalter den Tempel betreten hätte und am Leben geblieben wäre, hätte das ganze Volk gewußt, daß er das Gesetz Gottes mißachtete. Wieder betete Nehemia, diesmal darum, daß Gott sich an seine Feinde erinnern (vgl. den Kommentar zu Neh 5,19 ) und sie für ihre bösen Absichten strafen möge. In diese Bitte schloß er auch die Prophetin Noadja ein, die nur hier genannt wird, und die ebenfalls, zusammen mit anderen falschen Propheten, versucht hatte, ihn abzuschrecken.



Nehemia

I. Nehemias Fertigstellung des Projektes
( 6,15-19 )


Neh 6,15-19


Die Mauern wurden in 52 Tagen, am 25. Tag des Elul, also etwa zum 20. September, vollendet. Die Arbeit hatte in den letzten Tagen des Juli begonnen und währte den ganzen August und September. Im vorhergehenden September/Oktober (Kislew) hatte Nehemia von der Lage in Jerusalem gehört ( Neh 1,1 ), im März/April (Nisan) hatte er dem König seinen Plan vorgelegt. Die Reise nach Jerusalem dauerte zwei bis drei Monate (April oder Mai bis Juni oder Juli), also ebenso lang oder sogar länger als die Bauzeit selbst.

Das Selbstvertrauen der Feinde schwand, als sie sahen, daß die Arbeit mit Gottes Hilfe getan wurde. Weil sie sich ihm entgegenstellten, kämpften sie eine aussichtslose Schlacht. Ein Grund, weshalb Tobija, der Ammoniter (vgl. Neh 2,10.19 ), in Juda einiges erreichen konnte, war, daß er in zweifacher Weise mit den Juden verwandt war (vgl. auch Neh 13,4 ).

Sein Schwiegervater war Schechanja, der Sohn Arachs (vgl. Esr 2,5 ) und seine Schwiegertochter war die Tochter Meschullams, des Sohnes des Berechjas , der an zwei Abschnitten beim Bau der Mauer mithalf ( Neh 3,4.30 ).

Viele Juden verhielten sich deswegen Tobija gegenüber loyal, vielleicht auch weil sie Handelsverträge mit ihm hatten, und sie hörten nicht auf, Nehemia Gutes über Tobija zu erzählen. Doch Tobija versuchte, den Statthalter und Bauherrn durch Briefe abzuschrecken.



Nehemia

II. Die Wiederherstellung des Volkes
( Neh 7-13 )


A. Die Sicherheit der Stadt
( 7,1-3 )


Neh 7,1-3


Neben dem Aufbau der Mauern wurden auch die Tore instandgesetzt. Der letzte Teil der Baumaßnahmen war das Einsetzen der Türen in die Tore (vgl. Neh 6,1 ). Hanani war Nehemias Bruder, der dem Mundschenk den Bericht über die Probleme Jerusalems überbracht hatte ( Neh 1,2 ). Hananja war ein ehrenhafter Mann von tiefer geistlicher Überzeugung. Nehemia wußte, daß seine Feinde immer noch in der Nähe waren und befahl deswegen strenge Sicherheitsvorschriften. Die Stadttore durften nur wenige Stunden am Tag geöffnet werden und Bürger, von denen sicher viele beim Wiederaufbau der Mauern geholfen hatten, mußten als Wachen dienen.



Nehemia

B. Die Zählung der Heimkehrer
( 7,4-72 a)


Neh 7,4-7 a


In Jerusalem wohnten nur verhältnismäßig wenige Leute (V. 4 ). Deswegen wollte Nehemia die Stadt mit Menschen von einer rein jüdischen Abstammung bevölkern (vgl. Neh 11,1-24 ). Um die gegenwärtige Bevölkerung zu registrieren, begann Nehemia zunächst mit einer Liste derer, die mit Serubbabel und anderen zurückkehrt waren ( Neh 7,5-7 ). Die Liste der Namen in Vers 7 stimmt fast völlig mit der Liste in Esr 2,2 ,überein, außer daß Nehemia Asarja und Nahamani hinzufügt.



Nehemia

Neh 7,7-65 (Neh 7,7b-65)


Einige Wissenschaftler nehmen an, daß es sich in Esr 2 um die Liste der Rückkehrer vor ihrer Abreise aus Babylon handelt, während Neh 7 diejenigen auflistet, die tatsächlich in Jerusalem ankamen, oder diejenigen, die einige Zeit später dort wohnten. Die beiden Kapitel geben jedoch keinerlei Hinweis auf solche Unterschiede. Die Unterschiede zwischen beiden Listen sind aus der Übersicht "Liste der Heimkehrer aus dem Exil nach Esr 2 und Neh 7 " ersichtlich. Die Liste in Neh 2 umfaßt 18 Familien und Geschlechter (V. 8-25 ) und die Einwohner von 20 Städten und Dörfern (V. 26-38 ; vgl. die Karte "Samaria und Juda nach dem Exil" zu Esr 2 ). Dann werden 4 289 Priester genannt, anschließend 360 Leviten einschließlich der Sänger und Torhüter (V. 43-45 ). Dazu kamen insgesamt 392 (V. 60 ) Tempeldiener (V. 46-56 ) und Nachkommen der Diener Salomos (V. 57-59 ). Zuletzt werden noch 642 Heimkehrer aufgelistet, die ihren Stammbaum nicht nachweisen konnten (V. 61-62 ). Auch einige Priester konnten ihren Stammbaum nicht eindeutig belegen, weshalb der Statthalter ( tirSATA , ein persischer Fachausdruck, der sich vermutlich auf Scheschbazar - vgl. den Kommentar zu Esr 1,8- oder auf Serubbabel bezieht) nicht gestattete, die heilige Speise zu essen, bis ein Priester für sie mit dem Urim und Tummim diente (vgl. den Kommentar zu Esr 2,63 ).

Die verschiedenen Gruppen in Neh 7,8-62 ergeben eine Gesamtzahl von 31 089, während sich die Gesamtzahl in Esr 2,3-60 auf 29 818 beläuft. Der Unterschied von 1 281 ergibt sich aus unterschiedlichen Zahlen für 19 der 41 Gruppen. Dies könnte natürlich auf Abschreibfehler bei der Überlieferung der Texte zurückgehen. Esra und Nehemia können allerdings durchaus ihre Gründe, die uns unbekannt sind, für die unterschiedlichen Angaben gehabt haben.



Nehemia

Neh 7,66-68


Nehemias Gesamtzahl von 49 942 stimmt dagegen fast ganz mit der Esras von 49 897 überein ( Esr 2,64-65 ). Der Unterschied von 45 ergibt sich aus der Zahl der Sänger. Nehemia nennt 245, Esra nur 200. Auch hier können Gründe für die unterschiedlichen Angaben vorliegen, die uns unbekannt sind. Ein Abschreibfehler ist unwahrscheinlich, weil dann gleichzeitig die Einzelangabe der Sänger und die Gesamtzahl zufälligerweise gleichermaßen falsch hätte abgeschrieben werden müssen.

Wie erklärt man jedoch den Unterschied zwischen der Gesamtzahl der gezählten Gruppen von 31 089 ( Neh 7,8-65 ) und der Zahl der ganzen Gemeinde (V. 66-68 ), ein Unterschied von 18 808? Die größere Zahl könnte Frauen und Kinder oder Glieder der 10 nördlichen Stämme Israels, die sich dem Überrest von Juda und Benjamin anschlossen, einschließen. Vielleicht sind in der größeren Zahl auch die Priester, die ihren Stammbaum nicht nachweisen konnten, mitgezählt (V. 63-64 ).

Nehemia zählte sogar die Tiere. Es waren 8 136. Meist handelte es sich um Esel , die zum Reiten benutzt wurden. Für jeweils sieben Personen stand demnach ein Esel zur Verfügung.



Nehemia

Neh 7,69-71


Die Familienhäupter und sogar der Statthalter (vgl. den Kommentar zu V. 65 ) gaben große Geldbeträge und viel Material, um den Tempelbau beginnen zu können. Nehemia nennt insgesamt 41 000 Gulden und 4 200 Pfund Silber (über 2,5 Tonnen), Esra ( Esr 2,69 ) 61 000 Gulden und 5 000 Pfund Silber. Nehemia erwähnt 597 Priesterkleider, Esra nur 100. Auch hier dürften uns die Gründe für die Unterschiede nicht mehr bekannt sein. Vielleicht wurde unterschiedlich oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten berechnet.



Nehemia

Neh 7,72 a


Das Volk ließ sich in den Städten und Dörfern seiner Vorfahren nieder.



Nehemia

C. Der Dienst Esras
( 7,72 b. 8,1-10,40 )


1. Der Gehorsam der Israeliten gegenüber dem Gesetz
( 7,72 b- 8,1-18 )


Der Aufbau von Neh 7,72 b. 8,1-10,40 entspricht den nahöstlichen Lehensverträgen (vgl. den Kommentar zu Neh 9,5 b. 6-31 und die Einleitung zu 5.Mose). Der Bund (Vertrag) sollte in regelmäßigen Abständen verlesen werden ( Neh 8 ). Das Volk bekannte seine Sünden ( Neh 9 ) und versprach Gehorsam ( Neh 10 ).



Neh 7,72-8,9 (Neh 7,72b-8,9)


Als der siebte Monat (September/Oktober; vgl. die Übersicht "Der Kalender in Israel" zu 2Mo 12,1 ) herangekommen war und sich die Israeliten in ihren Städten niedergelassen hatten, traf sich das Volk in der Nähe des Wassertores oder der östlichen Mauer (vgl. Neh 3,26 und die Karte "Jerusalem zur Zeit Nehemias" zu Neh 3,1 ), um Esra, einen Schriftgelehrten (vgl. Neh 8,4.9.13;12,26.36 ) und Priester ( Neh 8,2.9;12,26 ) zu hören, der das Gesetz des Mose (die fünf Bücher Mose) vorlas und lehrte.

Esra war im Jahr 458 v. Chr., also 14 Jahre vor Nehemia, ebenfalls mit der Erlaubnis von König Artaxerxes nach Jerusalem zurückgekehrt ( Esr 7 ). Sein Hauptanliegen für seine Rückkehr in die Heimat war es, die Juden das Gesetz Gottes zu lehren. Nehemia und Esra waren somit Zeitgenossen.

In Esr 7,6.11-12.21 wird Esra "Lehrer" genannt. Esras Abstammung von Eleasar, dem dritten Sohn Aarons, ist aus der Übersicht "Esras Vorfahren" zu Esr 7,1-5 zu ersehen.

Als Esra in Jerusalem ankam, war der moralische und geistliche Zustand Jerusalems verheerend ( Esr 9,1-4;10,2.10 ). Doch als Esra begann, dem Volk unter Gebet das Wort Gottes zu lehren, fing es an, darauf zu hören und dem Gesetz Gottes zu gehorchen. Einige Jahre später kam Nehemia in Jerusalem an und forderte das Volk auf, dem Herrn zu vertrauen, daß er ihnen beim Wiederaufbau der Mauer helfen würde.

Der Erfolg des Dienstes von Esra wird auch an dem Verhalten des Volkes nach Fertigstellung der Mauern ersichtlich. Die zweimonatige Bauzeit bedeutete offensichtlich eine Unterbrechung für die Lehrtätigkeit Esras. Doch brachte die Unterbrechung das Volk dazu, mehr über das Gesetz erfahren zu wollen. Das Volk selbst bat Esra, seinen Lehrdienst fortzusetzen ( Neh 8,1 ). Dies geschah am ersten Tag des siebten Monats, dem festgelegten Tag für das Fest des Posaunenblasens ( 3Mo 23,24; 4Mo 29,1 ). Erwachsene und Kinder, die alt genug waren, um zu verstehen ( Neh 8,2-3 ), hörten den ganzen Vormittag zu, während Esra an dem Wassertor (vgl. V. 1 ) stand und nach Westen schaute.

Esra stand auf einer Plattform (keinem Podium und keiner Kanzel, wie manche Übersetzungen vermuten lassen) über dem Volk und las aus dem Gesetz, während dreizehn Männer, vielleicht Priester (vgl. V. 7 ), auf der Plattform neben ihm standen. Während er las, stand das Volk (V. 5 ). Anschließend pries er den HERRN, den großen Gott (vgl. Neh 1,5;4,14 ).

Die Antwort des Volkes auf Esras Verlesung der Schrift und auf seinen Lobpreis muß für diesen Schriftgelehrten und die Priester eine außerordentliche Erfahrung gewesen sein. Sie hoben ihre Hände zum Himmel und riefen laut Amen! Amen! , ein Ausdruck für die Zustimmung zum Wort Gottes. Dann fielen sie auf ihre Knie und beugten sich tief, um den Herrn anzubeten ( Neh 8,6 ).

Nehemia erklärt nicht genau, wie es möglich war, daß Esra und die Priester das Gesetz solch einer großen Menschenmenge, die aus 30 000 bis 50 000 Personen bestanden haben muß, vorlesen und erklären konnten ( Neh 7,66-67 ). Möglicherweise las Esra jeweils einen Abschnitt aus dem Gesetz in der Gegenwart des ganzen Volkes vor ( Neh 8,3 ), während dann die Leviten umhergingen und das Gesetz dem in Gruppen dastehendem Volk (V. 7-8 ) verständlich machten ( pAraS , "klar machen", "erklären", meint hier wohl das Übersetzen aus dem Hebr. in das Aramäische) und erklärten.

Das größte Ereignis war jedoch, daß das Volk dem Wort Gottes gehorchte. Das Gehörte traf sie gefühlsmäßig und sie begannen zu weinen, als sie das Gesetz hörten (V. 9 ). Offensichtlich waren sie über ihren vergangenen Ungehorsam erschrocken.



Nehemia

Neh 8,10-18


Nehemia forderte dann das Volk auf, den Tag zu heiligen und zu essen, den Bedürftigen etwas zu geben und sich im Herrn, der Quelle ihrer Kraft, zu erfreuen. Heiligkeit und Freude gehören zusammen!

Am nächsten Tag versammelten sich die Verantwortlichen, die Familienhäupter (d. h. Häupter der Geschlechter), die Priester und die Leviten, um von Esra mehr aus dem Wort Gottes zu hören. Eine andere Reaktion des Volkes war, daß es das Laubhüttenfest feierte. Die Reihenfolge in Kapitel 8 ist wichtig: die intellektuelle Antwort auf das Wort Gottes (V. 1-8 ), die emotionale Antwort auf das Wort Gottes (V. 9-12 ) und schließlich die willensmäßige Antwort auf das Wort Gottes (V. 13-18 ).

Die geistlich Verantwortlichen entdeckten die Anweisungen für das Laubhüttenfest in 3Mo 23,37-43 . Das Fest sollte vom 15. bis zum 22. Tag des siebten Monats (Tischri) gefeiert werden. Da die Entdeckung der Anweisungen zum Laubhüttenfest am zweiten Tag des siebten Monats stattfand, blieben genau zwei Wochen zur Vorbereitung. Sie ließen das Volk Zweige von den verschiedenen Bäumen zusammenbringen (V. 15 ) und (zum vorübergehenden Gebrauch bestimmte) Hütten an verschiedenen Orten einschließlich des Platzes bei dem Tor Ephraim (vgl. die Karte "Jerusalem zur Zeit Nehemias" zu Neh 3,1 ) bauen. Diese Hütten sollten an die Zeit ihrer Wanderschaft in der Wüste erinnern ( 3Mo 23,43 ). Das Fest der Laubhütten war seit den Tagen Josuas nicht mehr gefeiert worden. Als der Altar im Jahr 536 v. Chr. wiederaufgebaut war, feierte das Volk erstmalig wieder das Laubhüttenfest ( Esr 3,4 ). Doch diesmal waren die Freude und die Beteiligung viel intensiver. Esra las das Gesetz während des Laubhüttenfestes, weil Mose darauf hingewiesen hatte, daß dies alle sieben Jahre geschehen sollte ( 5Mo 31,10-13 ).



Nehemia

2. Das Sündenbekenntnis der Israeliten
( 9,1-37 )


"Das Wort Gottes hinterließ einen ungeheuren Eindruck bei der wiederhergestellten Gemeinde. Es zeigte dem Volk seine Sünden ( Neh 8,9 ), führte es zur Anbetung ( Neh 8,12.14 ) und schenkte ihm große Freude ( Neh 8,17 )." (J. Carl Laney, Ezra/Nehemiah , S. 104.) Nun führte sie das Wort Gottes zum Sündenbekenntnis.



Neh 9,1-5 a


Das Laubhüttenfest endete am 22. Tag des Monats (vgl. den Kommentar zu Neh 8,14 ). Nach einem Zwischentag, dem 23., versammelte sich das Volk am 24. Tag. Sie sonderten sich von allem fremden Volk ab (vgl. Neh 10,29 ), bekannten ihre Sünden, fasteten zum Beweis dafür (vgl. den Kommentar zu Neh 1,4 ), trugen Sacktuch (vgl. 1Mo 37,23; Est 4,1-4; Ps 30,12;35,13;69,12; Jes 22,12; 32,11; 37,1-2; Kl 2,10; Dan 9,3 ), ein grobes dunkles Tuch aus Ziegenhaar, und taten Staub auf ihre Köpfe (vgl. Jos 7,6; 1Sam 4,12; 2Sam 1,2; 15,32; Hi 2,12; Kl 2,10; Hes 27,30 ). All diese Dinge waren Zeichen der Trauer und des Leidens.

Das Volk stand wieder etwa drei Stunden (vgl. Neh 8,7 ), während das Gesetz verlesen wurde. Dann bekannte es weitere drei Stunden lang seine Sünden und betete den Herrn an. Einige Leviten, von denen einige schon in Neh 8,7 genannt wurden, leiteten das Volk in seinem Lobpreis für den ewigen Gott. Fünf der acht Leviten in Neh 9,4 werden auch in der Gruppe der acht in Vers 5 genannt, wobei Petachja außerdem noch in Neh 11,24 erwähnt wird. Diese fünf können dieselben oder auch andere Männer gewesen sein. Eine Gruppe war bei den Bitten beteiligt (V. 4 ), andere beim Lobpreis (V. 5 ). Die Stufen (wörtl. "der Aufstieg") könnte ein Teil des Tempelbezirks gewesen sein oder sich auf die in Neh 8,4 genannte Plattform beziehen.



Nehemia

Neh 9,5-31 (Neh 9,5b-31)


Der Aufbau von Neh 9,5 b. 6-10,40 folgt den üblichen nahöstlichen Lehensverträgen bzw. Bünden: Präambel ( Neh 9,5 b. 6 ), historische Einleitung ( Neh 9,7-37 ), Annahme des Bundes ( Neh 9,38-10,30 ) und Verpflichtungen ( Neh 10,31-40 ). Das Gebet in Neh 9,5 b. 6-31 wurde von Leviten für das Volk gesprochen. Es erinnerte an die Hauptereignisse der Geschichte Israels und nannte zuerst Gottes Herrlichkeit (V. 5 b), Einzigartigkeit (V. 6 a) und Erschaffung des Universums (V. 6 b). Die Leviten erwähnten dann Gottes Handeln an Abram, den er aus Ur rief ( 1Mo 12,1 ) und mit dem er einen Bund schloß ( 1Mo 15,4-21 ). Dann erzählten sie von der göttlichen Befreiung aus Ägypten ( Neh 9,9-12; vgl. 2Mo 1-15 ), der Gesetzgebung ( Neh 9,13-14 ) und der Versorgung mit Manna (Brot vom Himmel) und Wasser (V. 15 ; vgl. 2Mo 16-17 ). Zum Schwören eines Eides durch Gott durch das Erheben der Hand vgl. den Kommentar zu 2Mo 6,8 .

Aber die Vorfahren der Israeliten wurden ungehorsam und rebellierten gegen Gott, ja beteten schließlich sogar ein Kalb als Götzen an ( Neh 9,16-18; vgl. 2Mo 32 ). Dennoch war Gott immer wieder gnädig und geduldig, langsam zum Zorn und überströmend in Liebe (vgl. 2Mo 34,6; 4Mo 14,18; Ps 86,15;103,8;145,8; Joe 2,13; Jon 4,2 ). Gott führte sie, unterwies sie und versorgte sie auch weiterhin ( Neh 9,19-21 ). Er half ihnen, ihre Feinde Sihon und Og zu besiegen (V. 22 ; vgl. 4Mo 21,21-35 ) und brachte sie unter Josua in das verheißene Land ( Neh 9,23-25 ). In all diesem erfreute sich das Volk der großen Güte Gottes (vgl. V. 35 ).

Doch das Volk rebellierte wieder (V. 26 ; vgl. V. 17 ), so daß Gott ihnen Unterdrücker schickte. Aber aufgrund seiner großen Barmherzigkeit erweckte er dem Volk Befreier, nämlich die Richter, die sie befreiten (V. 27-28 ). Trotz der jahrhundertelangen Sünde Israels (V. 29 ) fuhr Gott fort, geduldig zu sein und das Volk durch den Heiligen Geist durch Propheten zu ermahnen (V. 30 ). Als Ergebnis ihres fortwährenden Sündigens wurden sie schließlich in das Exil geführt.



Nehemia

Neh 9,32-37


Im Schlußteil ihres Gebets baten die Leviten um Befreiung, wobei sie noch einmal Gottes Macht, Majestät (vgl. Neh 1,5;4,14 ) und Treue anerkannten. Durch die ganze Geschichte Israels hindurch erfuhr das Volk Elend wegen seines Ungehorsams. Assyrien war die erste Großmacht nach Ägypten, die Israel und Juda unterdrückte, was im 9. Jahrhundert v. Chr., also über 400 Jahre vor Nehemia, begann. Selbst dann, wenn das Volk sich aufgrund von Gottes großer Barmherzigkeit (vgl. Neh 9,25 ) des Segens Gottes im Land erfreute, sündigte es trotzdem weiter.

Nun waren die Israeliten Sklaven in ihrem eigenen Land (V. 36 )! Sklavesein bedeutete hier, daß sie den Persern Steuern zahlen und die politischen Führer Judas dem persischen König Abgaben vom Ertrag des Landes geben mußten. Nehemias Gebet endete mit einem klaren Eingeständnis ihrer großen Not.



Nehemia

3. Die Israeliten versprechen Gehorsam
( 10,1-40 )


a. Die Unterzeichner
( 10,1-28 )


Neh 10,1-28


Die bürgerlichen Führer, die religiösen Führer ( Leviten und Priester ) und das ganze Volk waren damit einverstanden, ihre Siegel unter eine geschriebene Vereinbarung zu setzen, daß sie die Verpflichtungen des mosaischen Gesetzes einhalten wollten (vgl. V. 29 ). Die Liste der Unterzeichnenden beginnt mit Nehemia, der dem Volk wieder ein großes Vorbild war. Viele der 24 Namen, die in Neh 10,1-8 aufgelistet werden, erscheinen auch in der Liste der Familienhäupter in Neh 12,12-21 .Diese waren Priester ( Neh 10,9 ). Esra wird nicht extra genannt, weil er ein Nachkomme Serajas (V. 3 ) war. Nach den Priestern werden 17 Leviten aufgelistet, von denen sechs an der Verlesung des Gesetzes beteiligt gewesen waren ( Neh 8,7 ). Die restlichen Unterzeichner waren 44 Führer, d. h. Familienhäupter. Einige werden auch in der Liste in Neh 7,8-25 genannt.



Nehemia

b. Die Verpflichtungen
( 10,29-40 )


Neh 10,29-30


Das übrige Volk unterzeichnete die Vereinbarung nicht persönlich, sondern trat der Abmachung bei, indem es durch Eid bestätigte, im Gesetz Gottes zu wandeln . Die Torhüter, Sänger und Tempeldiener wurden schon in Neh 7,44-60 genannt. Alle anderen finden sich in der Gruppe derer, die sich von den Völkern der Länder umher abgesondert hatten, um sich an das Gesetz zu halten . Ihre Verpflichtung kam zwar nicht durch ein Siegel zum Ausdruck, aber durch einen Eid. (Möglicherweise erbaten sie auch den Fluch für den Fall, daß sie die Verpflichtungen der Vereinbarung nicht einhielten; dieser Fluch hätte dann auf die Flüche verweisen können, die Gott in 5Mo 28,15-68 aussprach.)



Nehemia

Neh 10,31-40


Die Verpflichtungen, die sie in der Vereinbarung eingingen, umfaßten: a) das Verbot von Ehen mit Ausländern (V. 31 ; vgl. 2Mo 34,16; 5Mo 7,3-4 ); b) das Halten des Sabbat und des Sabbatjahres ( Neh 10,32; vgl. 2Mo 20,8-11; 23,11-12;31,15-17; 3Mo 25,2-5; 5Mo 15,1-3 ) und c) die Unterstützung des Tempeldienstes durch eine jährliche Abgabe von einem Drittel eines Silberstückes ( Neh 10,33-34 ). Nach 2Mo 30,11-16 betrug die Tempelabgabe ein halbes Silberstück, doch hier war das Silberstück wohl mehr wert. Diese Tempelsteuer gab den Priestern und Leviten Geld an die Hand, um die Schaubrote im Tempel zu erneuern ( 2Mo 35,13; 39,36; 4Mo 4,7 ) und um verschiedene Opfer darzubringen, die monatlichen und jährlichen Feste durchzuführen und anderen Verpflichtungen nachzukommen. (Vgl. den Kommentar zu Neh 13,10-11 über das Versagen des Volkes, seinen Verpflichtungen nachzukommen.)

Weitere Verpflichtungen, die die Führer und das Volk auf sich nahmen, waren: d) das Beisteuern von Holz für das Feuer auf dem Brandopferaltar, das ohne Unterbrechung brennen sollte ( 3Mo 6,5-6 ); e) das Darbringen der Erstlingsfrüchte der Feldfrüchte ( 2Mo 23,19; 5Mo 26,1-3 ) und ihrer Erstgeborenen Söhne und Tiere ( 4Mo 18,15-17; 5Mo 12,6 ) und f) die Zahlung des Zehnten ( 3Mo 27,30; 4Mo 18,21-24 ). Die Leviten zahlten den Zehnten von dem Zehnten, den sie erhielten ( Neh 10,39-40; vgl. 4Mo 18,26 ), an die Priester weiter, um diese zu unterstützen.

Die letzte Aussage der Vereinbarung, wir wollen das Haus unseres Gottes nicht vernachlässigen , ( Neh 10,40 ) faßt die Verpflichtungen c) bis f) zusammen. Unter der Führung von Esra und Nehemia war das Volk dazu gebracht worden, geistlichen Dingen die Priorität einzuräumen und deswegen auch den wiedererrichteten Tempel zu erhalten und zu versorgen.



Nehemia

D. Die Liste der Einwohner Judas
( 11,1-12,26 )


Wegen der Ruinen wohnten bisher nur verhältnismäßig wenige Leute in Jerusalem selbst ( Neh 7,4 ). Jetzt, da die Mauern und Tore vollendet waren, war die Stadt soweit vorbereitet, daß mehr Menschen in ihr wohnen konnten.



1. Die Einwohner von Jerusalem
( 11,1-24 )


Neh 11,1-4 a


Zusammen mit den Führern sollte ein Zehntel der Israeliten in Jerusalem, hier die heilige Stadt genannt, wohnen (vgl. V. 18 ; Jes 52,1; Dan 9,24; Offb 11,2 ). Sie wurden durch Los (vgl. Spr 16,33 ) bestimmt. Die, die freiwillig in Jerusalem wohnen wollten, sind entweder die vom Los bestimmten, die dies als Glück empfanden, oder zusätzliche Männer. Einige Priester und Leviten einschließlich einiger Tempeldiener wohnten in den umliegenden Städten und Dörfern und stiegen in Jerusalem ab, wenn sie am Tempel zu dienen hatten. Andere, die weder ein religiöses, noch ein ziviles Leitungsamt innehatten, ließen sich ebenfalls in Jerusalem nieder. Sie gehörten zu den Stämmen Juda und Benjamin.



Nehemia

Neh 11,4-19 (Neh 11,4b-19)


Die Nachkommen der verschiedenen Häupter der Geschlechter machten zusammen 468 Laien vom Stamm Juda (V. 4 b. 5-6 ), 928 Laien vom Stamm Benjamin (V. 7-9 ), 1 192 Priester (V. 10-14 ), 284 Leviten (V. 15-18 ) und 172 Torhüter (V. 19 ) aus, also insgesamt 3 044 Männer. Nach 1Chr 9,3 lebten auch Nachkommen der Stämme Ephraim und Manasse in Jerusalem. Zu den Oberen der Landschaft Juda gehörten auch Ataja, ein Nachkomme des Perez, und Maaseja, ein Nachkomme des Schela (V. 4-5 ), die beide Söhne Judas waren (vgl. 1Mo 38,2-5.26-29 ). Ein anderer Sohn Judas, der in 1Mo 38,14 und 1Chr 9,6 erwähnt wird, wird in Neh 11,4-6 nicht genannt. Dies erklärt, warum 1Chr 9,6690 Nachkommen Judas zählt, während Neh 11,6 nur 468 angibt. Für den Stamm Benjamin nennt Nehemia nur eine Linie (V. 7 ), während 1.Chr. vier Linien angibt. Es muß offen bleiben, ob dies der Grund dafür ist, daß Nehemias Gesamtzahl der Benjaminiter mit 928 (V. 8 ) etwas niedriger ist, als die entsprechende Zahl von 956 in 1Chr 9,9 .

Die Priester stammten von sechs Häuptern der Geschlechter ab: Jedaja; der Sohn Jojaribs; Jachin und Seraja; Adaja und Amaschsai. In 1Chr 9,10-13 werden dieselben Namen genannt, auch wenn sie zum Teil etwas anders geschrieben werden. Seraja heißt Asarja, Amaschsai Masai. Aus welchem Grund die Zahl von 1 192 Priestern sich von der Angabe in 1Chr 9,13 mit 1 760 unterscheidet, ist schwer zu sagen.

Die Listen der levitischen Familienoberhäupter in Neh 11,15-18 und 1Chr 9,14-16 unterscheiden sich teilweise in der Schreibweise und durch Zusätze bzw. Auslassungen. 1.Chr. nennt über Neh. hinaus Heresch, Galal und Berechja; Neh. über 1.Chr. hinaus Schabbetai und Josabad, die den äußeren Dienst am Haus Gottes taten ( Neh 11,16 ).

Es werden in Neh. zwei Familienoberhäupter der Torhüter genannt, in 1.Chr. dagegen vier. Darauf ist möglicherweise auch der Unterschied zwischen der Gesamtzahl von 172 Torhütern in Neh 11,19 und 212 Torhütern in 1Chr 9,22 zurückzuführen.



Nehemia

Neh 11,20-24


Die übrigen Israeliten lebten in allen Städten Judas (V. 20 ), mit Ausnahme der Tempeldiener, die weiterhin am Ofel (vgl. Neh 3,26 ), dem Hügel in Jerusalem nördlich vom Tempel, wohnten. Usi stand den Leviten vor ( Neh 11,22 ). Die Sänger unterstanden einer Anordnung des Königs (V. 23 ), vermutlich Artaxerxes. Petachja (V. 24 ; vgl. Neh 9,5 ) war ein königlicher Agent, der die jüdischen Angelegenheiten vor Artaxerxes vertrat und die Juden über die Wünsche und Befehle des Königs informierte.



Nehemia

2. Die Einwohner der Dörfer von Juda und Benjamin
( 11,25-36 )


Neh 11,25-30


In der nachexilischen Zeit siedelten sich unter Nehemia einige der Leute von Juda in 17 Städten und die sie umgebenden Dörfern an. Diese zogen sich von Beerscheba (V. 27.30 ), etwa 55 km südlich von Jerusalem, bis zum Tal Hinnom, direkt im Süden von Jerusalem (vgl. Jos 15,8 ), hin. Kirjat-Arba ist ein älterer Name für Hebron ( Jos 14,15 ).



Nehemia

Neh 11,31-35


Die 15 Orte, an denen sich Nachkommen Benjamins niederließen, lagen alle im Norden von Juda. Das Tal der Zimmerleute lag vielleicht in der Nähe von Lod und Ono (vgl. die Karte "Samaria und Juda in nachexilischer Zeit" zu Esr 2 ).



Nehemia

Neh 11,36


Einige der Leviten, die bisher in Juda gewohnt hatten, zogen in Richtung Norden in das Gebiet des Stammes Benjamin.



Nehemia

3. Liste der Priester und Leviten
( 12,1-26 )


Neh 12,1-7


David hatte die Priester für ihren Dienst im Tempel, sobald er gebaut war, in 24 Abteilungen eingeteilt ( 1Chr 24,17-19 ). Nehemia nennt nur 22 Häupter der Priester, die mit Serubbabel und Jeschua vor über 100 Jahren im Jahr 538 v. Chr. aus Babylon zurückgekehrt waren. Ob von den übrigen beiden Abteilungen keine Priester zurückkehrten, muß offen bleiben.



Nehemia

Neh 12,8-9


Dazu werden die Namen von acht Leviten genannt, die mit Serubbabel zurückkehrten. Zusammen mit ihren Brüdern brachten sie es auf 74 ( Esr 2,40 ) oder, wenn man die levitischen Sänger mit einbezieht, auf 202 ( Esr 2,41 ). Von den acht Namen in Neh. nennt Esra nur 2, nämlich Jeschua und Kadmiel ( Esr 2,40 ). Mattanja und Bakbukja ( Neh 12,8-9 ) sollten als Zeitgenossen Serubbabels (V. 1 ) nicht mit den Männern gleichen Namens zur Zeit Nehemias verwechselt werden ( Neh 11,17 ), auch wenn ihre Aufgabe, die Danklieder zu leiten (vgl. Neh 12,24 ), ähnlich war.



Nehemia

Neh 12,10-11


Die vielen Generationen der Hohenpriester reichen von Aaron bis zu Jehosadak, der in das babylonische Exil geführt wurde ( 1Chr 6,13-15 ). Aus dem Exil kehrte Jeschua als Hoherpriester zusammen mit Serubbabel aus Babylon zurück ( Esr 2,1-2; Neh 12,1 ). Jeschuas Nachkomme Eljaschib ( Neh 12,10 ) war der Hohepriester zur Zeit Nehemias ( Neh 3,1;13,4.7.28 ). Einige Kritiker haben vermutet, daß der Hinweis auf den Nachkommen Eljaschibs, Jaddua, erst nach Nehemias Zeit in den Text eingefügt worden sein kann. Es ist aber sehr wohl möglich, daß Eljaschibs Urenkel noch zu Lebzeiten Nehemias geboren wurde.



Nehemia

Neh 12,12-21


Diese Verse nennen die Oberhäupter der Priestergeschlechter in den Tagen Jojakims, des Sohnes Jeschuas, des Hohenpriesters (vgl. V. 10 ). 20 Namen werden hier genannt, die grob mit den 22 Geschlechtern in Vers 1-7 übereinstimmen. Hattusch (V. 2 ) und Maadja (V. 5 ) fehlen in dieser Liste (V. 12-21 ). Harim (V. 15 ; vgl. Neh 10,6 ) heißt in Neh 12,3 Rehum.



Nehemia

Neh 12,22-26


Darius ist vermutlich Darius II., der Persien von 423 bis 404 v. Chr. regierte. Nach den Papyri von Elefantine war Johanan im Jahr 408 v. Chr. Hoherpriester. Vermutlich lebte Nehemia noch so lange, daß er miterleben konnte, daß Johanans Sohn Jaddua zwischen 408 und 404 v. Chr. Hoherpriester wurde (vgl. den Kommentar zu Neh 12,10-11 ).

Das Buch der Chroniken war ein offizielles Buch der Häupter der levitischen Geschlechter bis zu den Tagen Johanans. Die Leviten, die in Vers 24-25 erwähnt werden, dienten in den Tagen des Hohenpriesters Jojakim (vgl. V. 10.12 ) und in den Tagen Nehemias und Esras. Haschabja könnte der Mann sein, der in Neh 3,17 erwähnt wird; Scherebja und Jeschua werden in Neh 12,8 genannt, weil sie die Danklieder leiteten, die im Wechselgesang gesungen wurden.

Mattanja und Bakbukja (vgl. Neh 11,17 ) werden in Neh 12,8 in Verbindung mit der Musik genannt, während sie hier (V. 25 ) zusätzlich Torhüter sind, wenn man nicht Vers 25 a zu Vers 24 zieht. Meschullam (der auch in Neh 3,4.30 erwähnt wird) ist vielleicht nur eine andere Schreibweise für Schallum, der zusammen mit Talmon und Akkub Torhüter war (vgl. 1Chr 9,17 ).



Nehemia

E. Die Einweihung der Mauern
( 12,27-47 )


1. Die Vorbereitung für die Einweihung
( 12,27-30 )


Neh 12,27-30


Nehemia ließ die Leviten, die sich in den verschiedenen Städten um Jerusalem niedergelassen hatten (vgl. Neh 11,3.20 ), für die Einweihungsfeierlichkeiten für die wiedererrichteten Mauern nach Jerusalem kommen. Es war eine Zeit, in der Danklieder (vgl. Neh 12,8 ) gesungen wurden, die durch Instrumente begleitet wurden (vgl. 1Chr 25,1 ). Die Sänger, die ebenfalls Leviten waren, versammelten sich vom Süden Jerusalems (das Dorf Netofat), aus dem Osten (wenn man davon ausgeht, daß Bet Gilgal mit Gilgal identisch ist) und dem Norden (den benjaminitischen Städten Geba und Asmawet). Die Vorbereitungen schlossen die zeremonielle Reinigung des ganzen Volkes und der Tore und Mauern mit ein. Diese Reinigung wurde zweifellos durch das Besprengen mit dem Blut von Opfertieren erreicht.



Nehemia

2. Die Prozession der zwei Chöre
( 12,31-42 a)


Neh 12,31-42 a


Nehemia versammelte zwei große Chöre, um Danklieder zu singen (vgl. V. 8.27 ), wobei die Größe des einzelnen Chores nicht genannt wird. Die Prozession der Chöre begann vermutlich in der Nähe des Taltores, interessanterweise gerade an dem Ort, an dem Nehemia seine anfängliche nächtliche Inspektion der Mauerruinen begonnen und beendet hatte ( Neh 2,13-15 ). Die erste Prozession zog gegen den Uhrzeigersinn an der südlichen und östlichen Mauer entlang zum Misttor ( Neh 12,31 ) und am Quelltor vorbei hoch zum Wassertor. Da beide Chöre den Tempel betraten (V. 40 ), wird der erste vielleicht die Mauer entlang zum Osttor gezogen sein (vgl. die Karte "Jerusalem zur Zeit Nehemias" zu Neh 3,1 ). Die Prozession bestand aus Esra, der die Gruppe führte ( Neh 12,36 ), dem Chor, Hoschaja und der Hälfte der Oberen von Juda (V. 32 ), Priestern (von denen sieben genannt werden und einige mit Trompeten versehen waren) und Secharja und seinen acht Brüdern mit Musikinstrumenten.

Der zweite Chor zog im Uhrzeigersinn und begann seine Prozession vermutlich auch am Taltor, zog an verschiedenen Toren und Türmen vorbei (vgl. den Kommentar zu Neh 3 ) und kam schließlich am Wachttor an. Diese Prozession bestand aus Nehemia, der Hälfte der Oberen von Juda Neh 12,40 ), Priestern (von denen sieben mit Namen genannt werden und einige Trompeten hatten) und acht anderen Personen, die offensichtlich Sänger waren. Der parallele Aufbau der beiden Chöre ist nicht zu übersehen.

Daß die beiden Chöre auf der Mauer (V. 31.38 ) liefen, zeigte sichtbar, wie stark diese waren und widerlegte den früheren Spott Tobijas, daß die Mauern so schwach wären, daß sogar ein Fuchs, der auf ihnen laufen würde, sie zum Einsturz bringen müßte ( Neh 3,35 ). Vielleicht wollte Nehemia Tobija sehen lassen, daß das Projekt trotz des Widerstandes durch ihn und andere mit Gottes Hilfe zum Abschluß gebracht worden war. Da das Volk keine Speere, Schwerter oder Bogen (vgl. Neh 4,12 ) trug, waren die Feinde ohne Zweifel abgezogen. Die Prozession der beiden Chöre auf den Mauern muß ein beeindruckendes Bild gewesen sein.



Nehemia

3. Teilnahme am Gottesdienst
( 12,42 b. 43 )


Neh 12,42.43 (Neh 12,42b.43)


Im Tempel ("dem Haus Gottes"; V. 40 ) leitete der Chorleiter Jisrachja die beiden Chöre. Opfer wurden dargebracht und das Volk hatte eine so große (und laute) Freude, daß man die Freude Jerusalems schon von weitem hören konnte .



Nehemia

4. Die Aufsicht über die Abgaben
( 12,44-47 )


Neh 12,44-47


Nehemia nutzte die Gelegenheit der Feierlichkeiten, um auch den fortgesetzten Gottesdienst zu gewährleisten. Die Vorratskammern, in die das Volk seine Abgaben, Erstlingsfrüchte und Zehnten bringen sollte, die das Gesetz vorschrieb , waren Seitenräume im Tempel (vgl. 1Kö 6,5; 1Chr 28,11; 2Chr 31,11; Neh 10,37-39;13,4.12-13 ). Nehemia ließ den Dienst der Priester und Leviten nach der Ordnung geschehen, die David mehr als 500 Jahre vorher ( 1Chr 22-26 ) festgelegt hatte und die vermutlich von Salomo in die Praxis umgesetzt worden war. Musik war ein wichtiger Bestandteil in den Vorbereitungen Davids für den Tempel, wobei Asaf ( 1Chr 15,19;16,4-5.37 ) die Leitung der Musiker innehatte. Nehemia war also nicht nur ein guter Organisator, sondern auch ein Mann des Gottesdienstes. Er kümmerte sich um den Lobpreis durch Abgaben und Geschenke ebenso wie um den Lobpreis durch Musik.

Das Volk hatte eine bindende Vereinbarung getroffen, für die Priester und Leviten zu sorgen (vgl. den Kommentar zu Neh 10,37-39 ).



Nehemia

F. Die Reformen unter Nehemia
( Neh 13 )


Zwölf Jahre lang diente Nehemia als Statthalter Judas, vom 20. bis zum 32. Regierungsjahr des Artaxerxes ( Neh 5,14; vgl. Neh 13,6 ), also von 444 bis 432 v. Chr. Über den Wiederaufbau und die Einweihung der Mauern, die Vereinbarung des Volkes, das Gesetz Gottes zu halten und die Organisation des Tempeldienstes der Priester und Leviten hinaus wissen wir sehr wenig über die zwölfjährige Zeit Nehemias als Statthalter. Es war zweifellos ein erfolgreicher Zeitabschnitt in seinem Leben.

Als die zwölf Jahre um waren, kehrte Nehemia nach Persien zurück (vielleicht in die Stadt Susa; vgl. Neh 1,1; oder in die Hauptstadt Persepolis), offensichtlich, um wieder dem König Artaxerxes zu dienen (vgl. Neh 2,6 ). Wie lange er in dieser Stellung blieb, ist uns nicht bekannt. Vielleicht waren es ungefähr zwei Jahre. Während seiner Abwesenheit fanden in Juda einige erschreckende Veränderungen statt, von denen manche auch ernsthafte Verletzungen des mosaischen Gesetzes beinhalteten. Als Nehemia noch einmal nach Jerusalem zurückkehrte (vielleicht um 430 v. Chr. oder später), fand er eine Aufgabe vor, die in mancher Hinsicht vielleicht schwerer war, als der Wiederaufbau der Mauer.



1. Israel schließt alle Fremden aus
( 13,1-5 )


Neh 13,1-3


An diesem Tag bezieht sich nicht auf Neh 12,44 ,sondern auf die Zeit der Rückkehr Nehemias nach Jerusalem, um noch einmal Statthalter zu sein, wie aus Neh 13,4-7 zu ersehen ist. Der Abschnitt des Gesetzes ( das Buch des Mose ), war 5Mo 23,3-6 .Die Ammoniter und Moabiter widerstanden dem Zug Israels nach Kanaan und die Moabiter kauften Bileam, um Israel zu verfluchen, aber Gott verwandelte den Versuch des Fluches in Segen ( 4Mo 22-24 ). Deswegen sollten die Ammoniter und Moabiter keinen Anteil an Israels Tempelgottesdienst haben. Als das Volk in den Tagen Nehemias daran erinnert wurde, schloß es alle Fremden davon aus (wie in Neh 13,4-9.23-28 berichtet wird). Interessanterweise hatte das Verlesen des Gesetzes noch einmal einen verändernden Einfluß auf das Volk (vgl. Neh 8,1-6.13-18;9,3 ).



Nehemia

2. Nehemias Auseinandersetzung mit Tobija
( 13,4-9 )


Neh 13,4-5


Als Nehemia nach Jerusalem zurückkehrte, war er schockiert, als er herausfand, daß Eljaschib, der Hohepriester in Juda (vgl. Neh 3,1.20;13,28 ) Tobija einen großen Raum im Tempel eingerichtet hatte. Eljaschib und Tobija waren verwandt, was sich auf Familienbindungen beziehen könnte (vielleicht durch die Verbindungen Tobijas mit den Juden durch seine Schwager und Schwiegerkinder, Neh 6,17-18 ). Tobija war ein Feind Nehemias gewesen, der dem Mauerbau heftigen Widerstand entgegensetzte ( Neh 2,10-19;3,35;4,1-2;6,1.12.17.19 ), aber nachdem Nehemia fort war ( Neh 13,6 ), zog Tobija, der Ammoniter, (vgl. den Kommentar zu V. 1-3 ) in den Tempel! Der Raum, den er bewohnte, war einer der Vorratsräume des Tempels gewesen (V. 4 ; vgl. den Kommentar zu Neh 12,44 ), also ein Nebenraum, in denen die Getreideopfer aufbewahrt wurden ( Neh 13,4-5 ). Hier konnte Tobija Gottes Werk widerstehen, während er gleichzeitig vorgab, es zu unterstützen.



Nehemia

Neh 13,6-9


Artaxerxes wird hier König von Babylon genannt, weil seine Herrschaft über das Persische Reich Babylon miteinschloß. Nehemias Rückkehr zu Artaxerxes (nach Persepolis, der Hauptstadt, oder nach Susa) fand im Jahr 432 v. Chr. statt. Einige Zeit später (vermutlich zwei Jahre oder mehr), bat Nehemia, noch einmal nach Jerusalem zurückkehren zu dürfen. Wie lange er dies zweite Mal in Jerusalem blieb, wird nicht gesagt. Maleachi könnte zur gleichen Zeit Prophet gewesen sein (vgl. die Übersicht "Chronologie der nachexilischen Zeit" zu Esr 1,1 ).

Als Nehemia hörte, was der Hohepriester für Tobija getan hatte (er nennt es ein böses Ding ; vgl. Neh 13,17 ), war er zutiefst erschüttert. Eljaschib war daran beteiligt gewesen, die Mauern wiederaufzubauen ( Neh 3,1 ), und jetzt hatte er im Widerspruch dazu einem heidnischen Feind gestattet, im Tempel zu wohnen. Verständlicherweise war Nehemia so zornig, daß er in den Raum des Tempels ging und allen Hausrat Tobijas hinauswarf. Anschließend ließ er die Räume (Tobija hatte offensichtlich neben dem großen Raum noch weitere Räume in Beschlag genommen) reinigen, entweder zeremoniell, oder durch Desinfizieren oder beides, und stellte die Gegenstände und Opfergaben die dorthin gehörten in den Raum zurück.



Nehemia

3. Nehemias Auseinandersetzung mit den Oberen von Juda
( 13,10-14 )


Neh 13,10


Nehemias nächste Aufgabe war es herauszufinden, weshalb es überhaupt geschehen konnte, daß Tobija die Vorratsräume des Tempels benutzen konnte. Diese waren leer, weil das Volk seiner Verpflichtung nicht nachgekommen war, den Leviten den Zehnten und die Abgaben zu bringen. Als Ergebnis mußten die Leviten und andere, die von diesen Abgaben lebten, um sich den geistlichen Diensten für das Volk widmen zu können, für ihren Lebensunterhalt in den Feldern arbeiten (vgl. 4Mo 35,1-5 ) und hatten deswegen weniger Zeit, sich um den Tempel zu kümmern.



Nehemia

Neh 13,11-14


Nehemia wies die jüdischen Oberen zurecht, weil sie den Tempeldienst ( das Haus Gottes; vgl. V. 4.7.9.14 ) mißachteten. Maleachi prophezeit ebenfalls gegen dieses Übel ( Mal 3,8-10 ). Die Oberen hatten versäumt sicherzustellen, daß das Volk dem Herrn in diesen Dingen gehorchte. Was das ganze Problem noch niederschmetternder machte, war der Umstand, daß die Oberen noch nicht allzu lange Zeit vorher eine Vereinbarung mit Siegel unterzeichnet hatten, in dem sie vor dem Herrn und dem Volk versprochen hatten, daß sie so etwas nie wieder geschehen lassen würden ( Neh 10,1;10,15-30.36.38.40 ). Dabei hatten sie am Ende ausdrücklich bestätigt: "Wir werden das Haus Gottes nicht vernachlässigen" ( Neh 10,40 ).

Neben seiner Ermahnung der Führer wegen ihrer Nachlässigkeit unternahm Nehemia auch Schritte, um das Problem zu beseitigen (vgl. Neh 13,17-19 ). Er holte die Leviten zurück und setzte sie wieder in ihre Stellen ein. Er ernannte vier Männer, einen Priester, einen Schreiber, einen Leviten und einen Gehilfen, alles vertrauenswürdige Männer (V. 13 ), um die Verteilung des Zehnten des Volkes (Getreide, neuer Wein und Öl; vgl. V. 12 ; vgl. V. 5 ; Neh 10,40 ) zu beaufsichtigen. Außerdem betete Nehemia, wie er es ja öfter tat, um Gottes Hilfe in dieser Sache ( Neh 13,14 ). Mit gedenken ist wieder die Bitte um Hilfe gemeint und wird nicht die Vergeßlichkeit Gottes behauptet (vgl. "erinnern" in V. 22.29.31 ; Neh 5,19;6,14 (2x)).



Nehemia

4. Nehemias Auseinandersetzung mit den Sabbatbrechern
( 13,15-22 )


Neh 13,15-16


Eine andere Verpflichtung, die Israel in der Vereinbarung eingegangen war, war das Beachten der Gesetze Gottes über den Sabbat ( Neh 10,31 ). Aber als Nehemia nach Jerusalem zurückkehrte, stellte er fest, daß einige Leute dieses Versprechen brachen und am Sabbat arbeiteten wie an anderen Tagen der Woche. Sie traten die Weintrauben in der Kelter und transportierten Wein, Getreide, Trauben, Feigen und andere Waren nach Jerusalem, um sie dort zu verkaufen. Außerdem kauften sie in Jerusalem Fisch und andere Waren von Einwohnern von Tyrus, die in Jerusalem wohnten.



Nehemia

Neh 13,17-22


Nehemia begegnete dem Problem wieder mit Ermahnungen und konkreten Schritten (vgl. V. 11-13 ). In seiner Ermahnung wegen der Entheiligung des Sabbats (die er eine böse Tat nennt; vgl. V. 7 ), verwies er auf eine ähnliche Sünde in den Tagen Jeremias (vgl. Jer 17,19-27 ), die Gott mit dem Elend im Exil bestraft hatte. Nehemia ließ die Stadttore am Sabbat schließen, d. h. nach unserer heutigen Rechnung am Freitagabend. Er stellte Wachen auf, um dafür zu sorgen, daß keine Waren hereingebracht wurden. Trotzdem blieben einige Kaufleute die ganze Nacht vor den Mauern, vielleicht, weil sie hofften, daß sich doch jemand in der Dunkelheit hinausschleichen würde, um Waren zu kaufen. Als Nehemia das hörte, drohte er ihnen damit, Gewalt anzuwenden. Dann wies er die Leviten (vgl. Neh 13,30 ) an, bei der Bewachung der Tore zu helfen (vgl. Neh 7,1;11,19 ). Er erbat wieder (vgl. Neh 13,14 ) Gottes Hilfe für dieses Problem: sei mir gnädig nach deiner großen Barmherzigkeit ( HeseD ; "Bundesliebe").



Nehemia

5. Nehemias Auseinandersetzung mit solchen, die ausländische Frauen geheiratet hatten
( 13,23-31 )


Neh 13,23-24


Das Volk von Juda hatte auch schriftlich versprochen, keine Ehen mit Heiden mehr einzugehen ( 10,31 ). Doch als Nehemia nach Jerusalem zurückkam, fand er viele Männer vor, die diese Verpflichtung gebrochen hatten (vgl. Esr 9,1-4;10,44; Mal 2,10-11 ), indem sie Frauen aus der Stadt der Philister, Aschdod, von den Ammonitern und von den Moabitern genommen hatten (vgl. den Kommentar zu Esr 10,1-3 ). Dies war vom mosaischen Gesetz verboten worden ( 2Mo 34,12-16; 5Mo 7,1-5 ). Diese Mischehen führten sogar dazu, daß die Kinder die Sprache der Mütter erlernten und nicht Hebräisch, die Sprache Judas .



Nehemia

Neh 13,25-27


Wieder antwortete Nehemia auf das Problem mit einer Ermahnung (vgl. V. 11.17 ). Er bat Gott außerdem, die Schuldigen zu richten ( er rief den Fluch auf sie herab ) und strafte einige von ihnen sogar physisch und sichtbar, indem er ihre Haare aus dem Bart ausraufte. Den Bart zu verlieren war ein Zeichen der Ungnade ( 2Sam 10,4; vgl. auch Jes 50,6 ). Nehemia beschwor sie, daß sie diese Verletzung des Gesetzes Gottes nicht fortsetzen sollten. Er erinnerte sie an die Sünde Salomos, der fremde Frauen heiratete ( 1Kö 11,1-8 ). Dies war Sünde und ein Akt der Untreue.

Daß Nehemia den Männern die Haare ausraufte, mag grausam und eines Mannes Gottes unwürdig erscheinen. Doch Nehemia war darum besorgt, daß Gottes Gericht nicht noch einmal über Juda kommen möge. Er wußte, daß Gott diese Sünde niemals tolerieren würde.



Nehemia

Neh 13,28-29


Sogar die Priesterschaft war von dieser Sünde betroffen. Ein Enkel des Hohenpriesters Eljaschib (vgl. Neh 3,1.20;13,4 ) hatte eine Tochter Sanballats geheiratet. Sanballat, der vielleicht Statthalter von Samaria war, hatte Nehemias Arbeit heftigen Widerstand entgegengesetzt (vgl. Neh 2,10.19;3,33;4,1;6,1-2.5.12.14 ). Jetzt hatte er offensichtlich geplant, genauso wie Tobija (vgl. Neh 6,17-18;13,4 ), durch seine verwandtschaftlichen Beziehungen das Werk Gottes zu zerstören. Nehemia hatte schon Tobijas Hausrat aus dem Tempel geworfen (V. 8 ); jetzt jagte er den schuldigen Ehemann davon.

Nehemia bat Gott, den Enkel des Hohenpriesters zu richten. Wer noch in dem Wort sie eingeschlossen ist, wird nicht gesagt, aber vermutlich war Sanballat ebenfalls gemeint. Religiös gemischte Ehen entweihten die Priesterschaft, da ein Priester "nur eine Jungfrau aus dem eigenen Volk" ( 3Mo 21,13 ) heiraten durfte.



Nehemia

Neh 13,30-31


Dieses Problem verlangte genauso wie die anderen Probleme, die in diesem Kapitel beschrieben werden (vgl. V. 9.22 ), nach der zeremoniellen Reinigung. Wieder wurden den Priestern und Leviten ihre Aufgaben zugewiesen. (Nehemias Stärke war es, Leute an die Arbeit zu bringen!) Er stellte auch sicher, daß das Volk wirklich seine Abgaben und Erstlingsfrüchte zum Tempel brachte (vgl. den Kommentar zu V. 10-13 ).

Zum vierten Mal in diesem Kapitel bittet der große Führer darum, daß Gott seiner gedenken möge (vgl. den Kommentar zu V. 14 ), d. h., daß Gott ihm seinen Segen als Lohn für seine Bemühungen schenken möge.

Das Buch unterstreicht die Wichtigkeit der äußerlichen, physischen Bewahrung des Volkes Gottes in Jerusalem. Doch es betont noch mehr die geistliche Notwendigkeit für Gottes Volk, seinem Wort zu gehorchen und der Sünde nicht durch Unachtsamkeit, Kompromiß, Mißachtung oder Ungehorsam Raum zu geben.



Nehemia

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