Bibelstunde\Skype Forum Mal_316 bbkr.ch/ Lehre Studyb Jahresbibel Untersch Mt Ev RKK Berean C. 5P Calvinismus
Int.  Google  Evangelium Bibeln Hauptordner Halleluja Tenach Protestanti  Skript Römerbrief Protest Errettung WDBL
StudyBible HebrInterliear Greekinterlinear Strongs D. Verf.r Bibletools Charismatik Antichrist Hebräerb Gedanken Offenb  
Bibelversionen  Polyglot RNBiblisches Bibeln Impr Lehre Calvinismus AV n 1. Petrus STEM Handr  
Bible Hub Syngrammata Singet Fakten zur Bibel  YT CSV- B Richten Youtube Offenbarung Segnung Synopsis  
Unterscheidungen Halleluja Bündnisse Unterscheidungen Wiederkunft Bündnis Lee Robert Fakten AV Errettung 11  


Sprueche Walvoord


Sprüche (Sid S. Buzzell)


EINLEITUNG


Das Buch der Sprüche ist ein Buch mit moralischen und ethischen Anweisungen, die zahlreiche Aspekte des Lebens behandeln. Die Lehren in diesem Buch möchten dem Leser die Erkenntnis vermitteln, wie er ein Leben in Weisheit führen kann, das Gott wohlgefällt, und wie er die Fallen einer unweisen, gottlosen Lebensführung vermeiden kann.

Das Buch hat eine große Spannbreite und ist auch nicht an eine bestimmte Zeit gebunden, denn es behandelt viele verschiedene Themen und ihre Bedeutung für das tägliche Leben. Es werden wiederholt Themen wie die richtigen und die falschen Haltungen, Lebensweisen und Eigenschaften auf knappe, eindringliche Weise behandelt. Die Sprüche sind Gottes Buch zu dem Thema: "Wie werde ich klug, und wie führe ich mein Leben?" Es ist Gottes Schatzbuch der Weisheit.

Wenn die Israeliten Gottes Geboten und Gesetzen folgten, dann hielt man sie für ein weises und verständiges Volk ( 5Mo 4,5-6 ). Das gilt für alle Gläubigen, denn "die Gesetze des Herrn" machen "den Einfältigen weise" ( Ps 19,8 ). Das Buch der Sprüche zeigte den Israeliten, wie ihr Vertrauen auf den Herrn und sein Wort ihr tägliches Leben beeinflussen sollte. Es macht deutlich, wie die Gläubigen aller Zeitalter in Gottes Augen und in den Augen anderer Menschen weise werden können.

Das Buch der Sprüche rundet das Alte Testament ab, indem es einen wichtigen Bestandteil hinzufügt. Die Israeliten sollten das Gesetz halten und auf die Propheten hören und ihnen gehorchen. Aber das Volk sollte auch die Wahrheiten des Gesetzes und der Propheten auf jeden Lebensbereich anwenden. Auch wenn ein Israelit kein Gebot des Mosaischen Gesetzes brach und keinem Propheten widerstand, führte er vielleicht dennoch kein Leben in der Fülle. Die Sprüche warnen vor dem ungesetzlichen und dem unmoralischen Handeln, aber sie möchten auch die Notwendigkeit betonen, bewußt zu leben und sein Leben mit positiven Inhalten zu füllen.



Autor und Entstehungszeit


Die Verfasserfrage und die Frage nach der Zeit der Entstehung der Sprüche kann man nicht beantworten, ohne den Aufbau des Buches zu verstehen. Das Buch besteht aus acht Abschnitten (vgl. unter Gliederung ), die zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschrieben wurden und mehrere Autoren haben. Die Überschrift "Die Sprüche Salomos" in Spr 1,1 überschreibt die Kapitel 1-9 (die Abschnitte I und II). Da Salomo von 971 bis 931 v. Chr. regierte, könnte man die von ihm stammenden Sprüche auf das zehnte Jahrhundert datieren. Gemäß 10,1 stammt Abschnitt III ( Spr 10,1-22,16 ) ebenfalls von Salomo.

Abschnitt IV ( Spr 22,17-24,34 ) wird mit "die Sprüche der Weisen" überschrieben ( Spr 22,17;24,23 ). Es ist nicht klar, wer diese weisen Männer waren, womit sich die Zeit, in der sie ihre Sprüche verfaßten, ebenfalls unserer Kenntnis entzieht. Möglicherweise haben sie vor Salomo gelebt, und Salomo stellte ihre Sprüche zusammen und fügte sie zu seiner Sammlung hinzu. Oder aber diese Weisen lebten zur Zeit Salomos, und ihre Sprüche wurden Salomos Sammlung von einem unbekannten Redaktor beigefügt. Die Sprüche in Abschnitt V ( Spr 25-29 ) wurden zwar von Salomo geschrieben, aber von Männern Hiskias zusammengestellt ( Spr 25,1 ). Da Hiskia von 729 bis 686 v. Chr. regierte, wurden jene Kapitel also irgendwann in diesen Jahren zusammengestellt.

Die Abschnitte VI ( Spr 30 ) und VII ( Spr 31,1-9 ) wurden von Agur und König Lemuel in dieser Reihenfolge verfaßt. Diese Männer waren keine Israeliten. Möglicherweise handelte es sich bei ihnen um Araber; es ist uns nicht bekannt, wer sie waren und woher sie kamen.

Abschnitt VIII ( Spr 31,10-31 ) könnte die Fortsetzung der Worte sein, die Lemuel zugeschrieben werden ( Spr 31,1 ), aber sein Aufbau als abgeschlossenes Akrostichon und die stilistischen Unterschiede zu Spr 31,1-9 kennzeichnen ihn als eigenständigen Bestandteil. Wenn sich das so verhält, dann ist uns nicht bekannt, wer der Autor dieses Abschnittes war.

Spätestens zu Hiskias Zeit nahm das Buch seine endgültige Gestalt an (vgl. Spr 25,1 ). Ob seine Männer das gesamte Buch zusammenstellten, ist ungewiß. Als Datum für die abschließende Anordnung des Buches wird im allgemeinen etwa das Jahr 700 v. Chr. angenommen. Man geht davon aus, daß Agur und Lemuel ihre Sprüche zuvor geschrieben haben. Die Abfassung und die Zusammenstellung des Buches geschahen natürlich unter der Leitung des Heiligen Geistes, des göttlichen Autors aller Schrift ( 2Tim 3,16 ).

Es ist durchaus angemessen, daß Salomo der Autor des größten Teils des Buches ist, denn er, der weiseste Mensch seiner Tage ( 1Kö 4,9-11.14 ), verfaßte 3000 Sprüche ( 1Kö 4,12; vgl. Pred 12,9 ). Der Heilige Geist leitete ihn, so daß er nur einige Hundert seiner Sprüche für die Aufnahme in die Bibel auswählte.

Man kann davon ausgehen, daß Salomo das Hohelied in seinen Jünglingsjahren, die Sprüche etwa in der Mitte seines Lebens und das Buch Prediger zum Ende seines Lebens geschrieben hat, als er über seine Erfahrungen nachsann.



Die Absicht des Buches


Das Buch der Sprüche verfolgt eine fünffache Absicht, die in der Einleitung zu dem Buch genannt wird ( Spr 1,2-4.6 ): (a) die Erlangung von Weisheit und Zucht, (b) das Verstehen von Worten der Einsicht, (c) das Annehmen eines zuchtvollen und in Klugheit geführten Lebensstils, (d) dem Einfältigen Einsicht zu vermitteln, (e) das Verstehen von Sprüchen und Gleichnissen, den Aussprüchen und Rätseln der Weisen. Damit soll den Lesern zu einem in Weisheit geführten Leben verholfen werden.

Die Sprüche haben bei Eltern und Lehrern Verwendung gefunden, die Weisheit so vermitteln wollten, daß das Lernen zu einem Abenteuer und einer Herausforderung wurde. Wenn man einen Sinnspruch gebrauchte, dann wollte man damit den jungen Leuten helfen, geistige Fähigkeiten zu erwerben, die einem in Weisheit geführten Leben zuträglich sind. Sowohl der Inhalt als auch der Aufbau der Sprüche halfen den Hörern weiter. Dieser Prozeß war eine Herausforderung und das Ergebnis eine Belohnung.

Von den verschiedenen Worten für Weisheit und den verwandten Synonymen, die in den Sprüchen gebraucht werden, ist der vorrangige und am häufigsten gebrauchte Begriff HokmCh . Er steht in den Sprüchen 45mal. Im AT wird HokmCh für das Können eines Handwerkers, eines Seemannes, eines Sängers, eines Trauernden, eines Verwalters und eines Ratgebers gebraucht. Diese und andere Arbeiter, die das entsprechende Wissen und die Erfahrung besaßen und sich auf ihrem Fachgebiet auskannten, wurden als geschickte Leute betrachtet; sie waren daher "weise". In gleicher Weise ist ein Mensch, der in bezug auf Gott HokmCh besitzt, auf dem geistlichen Gebiet jemand, der sowohl verständig hinsichtlich der Nachfolge auf Gottes Wegen ist als auch darin Erfahrung hat. In der biblischen Weisheitsliteratur bedeutet weise sein auch immer, das Leben in Gott wohlgefälliger Weise zu meistern. Crawford H. Toy schrieb, daß die Weisheit Erkenntnis der rechten Lebensführung bedeute ( A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Proverbs ; S. 5).

Manche der alten Kulturen im Orient besaßen eine Weisheitsliteratur (vgl. den Abschnitt "Die Beziehung der Sprüche zu anderer alter Weisheitsliteratur"). Das Buch der Sprüche ist zwar in mancher Beziehung dieser Literatur ähnlich, aber die in den Sprüchen gutgeheißene Weisheit enthält ein Element, das man in der übrigen Weisheitsliteratur nicht findet. Die Weisheit aus den Sprüchen schließt zwar angewandte Klugheit, geistigen Scharfsinn und praktisches Geschick mit ein, meint aber auch eine moralische, gerade Lebensführung, die einer aufrechten Beziehung zum Herrn entspringt. Die Feststellung "Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn" ( Spr 9,10 ) macht das hebräische Konzept der Weisheit zu einer einzigartigen Erscheinung. (Vgl. Spr 1,7;14,16;15,33; Hi 28,28; Ps 111,10 .) Wer im biblischen Sinne weise sein wollte, der mußte zuerst einmal eine gute Beziehung zu Gott haben. Den Herrn zu fürchten, bedeutet, ihn als den anzuerkennen, der er ist, und ihm zu vertrauen, ihn anzubeten, ihm zu gehorchen und ihm zu dienen. Wer Gott nicht verehrt und seinem Wort nicht gehorcht, wird die Weisheit, wie sie die hebräischen Weisen definiert haben, niemals erlangen.

Die Absicht des Buches der Sprüche ist also insbesondere für junge Leute der Anstoß zu einer weisen Lebensführung, die mit einem guten Verhältnis zum Herrn ihren Anfang nimmt.



An wen wendet sich das Buch?


Die häufige Anrede "mein Sohn" und "meine Söhne" in diesem Buch hat die Frage nach der Beziehung zwischen Salomo und seiner "Zuhörerschaft" aufgeworfen. Die Worte "mein Sohn" schrieb Salomo in den Kapiteln 1 - 7 15mal und an anderen Stellen noch zwei weitere Male ( Spr 19,27;27,11 ). Diese Worte kommen fünfmal in den Sprüchen der weisen Männer vor ( Spr 23,15.19;23,26;24,13.21 ), und einmal gebraucht Lemuels Mutter sie ( Spr 31,2 ). "Meine Söhne" wird viermal gebraucht ( Spr 4,1;5,7;7,24;8,32 ), und zwar nur von Salomo. Ursprünglich waren diese Verse mit der Anrede "mein Sohn/meine Söhne" entweder an die Schüler Salomos gerichtet und an die Studenten anderer Lehrer am Königshof, oder aber Salomo und andere sprachen sie zu ihren Söhnen zu Hause. Die Annahme, daß diese Worte doch in einer Lehranstalt gesprochen wurden, wird von der Tatsache unterstützt, daß die Lernenden von ihren Lehrern bisweilen "Söhne" genannt wurden. Wenn man annimmt, daß diese Anrede zu Hause gebraucht wurde, kann man anführen, daß die Mütter ( Spr 1,8;6,20; vgl. auch Spr 23,19.22-26 ) sowie auch die Väter ihre Kinder unterwiesen. Auch Lemuels Mutter lehrte ihren Sohn einen Spruch ( Spr 31,1-2 ). In seiner schriftlichen Form ist das Buch der Sprüche für Eltern bei der Unterweisung ihrer Söhne und Töchter nützlich, wie es offensichtlich auch für das persönliche Bibelstudium hilfreich ist. Die Tatsache, daß dieses Buch eine Spruchsammlung darstellt, legt den Gedanken nahe, daß die Sprüche verschiedenen Situationen entstammen, wobei eine unterschiedliche Zuhörerschaft angesprochen wurde. Auf jeden Fall war das Buch - und ist es noch immer - eine ausgezeichnete Fibel über ein weises, gottgefälliges Leben für die junge Generation (und auch für die Erwachsenen).



Der Stil des Buches


1. Bedeutung des Wortes "Spruch"

Das hebr. Wort mASAl wird mit "Spruch" übersetzt und kommt wahrscheinlich von einem Verb, das die Bedeutung "gleich sein, ähnlich sein mit" hat. Ein Spruch ist danach also eine Aussage, die einen Vergleich anstellt oder eine übliche Erfahrung zusammenfaßt (d. h., der Satz ist "wie" die Wirklichkeit oder wird mit ihr verglichen). Jeder der prägnanten Aussprüche im größten Teil des Buches der Sprüche ist ein mASAl (vgl. Spr 1,1;10,1;25,1 ), aber kurze sprichwörtliche Redewendungen finden sich auch an anderen Stellen im AT (z. B. 1Mo 10,9; 1Sam 10,12; 24,14; 1Kö 20,11; Jer 31,29; Hes 12,22; 16,44; 18,2 ).

M ASAl bedeutet auch "Sprichwort" (z. B. 5Mo 28,37; "Gegenstand des Spottes"; 1Kö 9,7; 2Chr 7,20; Jer 24,9; Hes 14,8 ). Der Sinn scheint hier der zu sein, daß ein Mensch oder ein Volk, das zum "Sprichwort" oder zur Spottrede wird, ein lehrhaftes Beispiel für andere wird. M ASAl kann auch ein prophetisches Wort ( 4Mo 23,7.18; 24,3.15.20-21.23 ) oder eine Schmähung ( Jes 14,4 ) von mehreren Versen Länge genannt werden. Vielleicht ist der zugrundeliegende Gedanke der, daß die Aussagen auf das hinweisen, was sich der Sprecher von den Menschen wünschte. Hiobs "Rede" ( Hi 29-31 ) ist ein mASAl in dem Sinne, daß er damit seine Erfahrungen zusammenfaßte. Man kann mASAl auch mit "Gleichnis" übersetzen ( Hes 21,5 ); hier wird mit der stark übertriebenen Geschichte ein Ereignis des Lebens veranschaulicht. Eine ähnliche Übersetzung für mASAl wäre "Allegorie" (Gleichnis; Hes 17,2 ). Sprüche werden darüber hinaus mit Rätseln in Verbindung gebracht ( Ps 49,5; Spr 1,6 ).

Das Buch der Sprüche enthält neben den aus einem Vers bestehenden Sentenzen einige längere Abhandlungen (z. B. Spr 6,12-14.16-19;7,6-23;30,11-14.18-19.21-23;31,4-5 ).

2. Der Parallelismus

Das Buch der Sprüche ist ganz in Poesie abgefaßt. Das vorherrschende Kennzeichen in der Struktur der hebräischen Poesie ist der sogenannte poetische Parallelismus. Normalerweise haben die beiden Zeilen eines Verses eine parallele Beziehung (vgl. zum Parallelismus die Einleitung zu den Psalmen).

Beim synonymen Parallelismus werden die Ausdrücke oder Sinneinheiten einer Zeile, die einen bestimmten Gedanken wiedergeben, mit ähnlichen Ausdrücken oder Sinneinheiten in der zweiten Zeile parallel gesetzt. Bisweilen paßt zu jeder Sinneinheit in der ersten Zeile eine andere in der zweiten Zeile (z. B. Spr 1,2;2,11 ). Das wird dann vollständig synonymer Parallelismus genannt. Bei anderen Beispielen passen nur einige der Sinneinheiten einer Zeile zu anderen Sinneinheiten in der nächsten Zeile (z. B. Spr 1,9 ). Das wird dann unvollständiger synonymer Parallelismus genannt.

Beim antithetischen Parallelismus steht die erste Zeile im Gegensatz zur zweiten oder sagt das Gegenteil von dem in der ersten Zeile Gesagten aus (z. B. Spr 10,1;11,1 ). Die meisten Verse in den Kap. 10-15 sind antithetisch.

Beim symbolischen Parallelismus erläutert eine Zeile die andere, indem etwas genannt wird, was ganz ähnlich ist, oder es wird ein bildhafter Vergleich angestellt (z. B. Spr 10,26;25,12.23 ).

Beim synthetischen Parallelismus setzt die zweite Zeile einfach den Gedanken der ersten Zeile fort. Bisweilen nennt die zweite Zeile das Ergebnis aus dem in der ersten Zeile Gesagten ( Spr 3,6;16,3 ). Manchmal beschreibt die zweite Zeile etwas aus der ersten Zeile ( Spr 6,12;15,3 ), oder in einer Zeile wird etwas angeführt, was die andere Zeile als vorteilhaft beschreibt. Es gibt 19 Verse mit der Aussage "es ist besser ... als ..." ( Spr 12,9;15,16-17;16,8.16.19.32;17,1.12;19,1.22;21,9.19;22,1;25,7.24;27,5.10;28,6 ). "Wieviel schlimmer" oder "wieviel mehr" ist eine weitere Form des synthetischen Parallelismus ( Spr 11,31;15,11;17,7;19,7.10;21,27 ). Die meisten Verse in Spr 16,1-22,16 weisen entweder einen synonymen oder einen synthetischen Parallelismus auf.

Nicht alle Verse in den Sprüchen haben zwei Zeilen. Manche Verse bestehen aus drei Zeilen (z. B. Spr 1,27;6,13.17;27,22;30,20.32-33;31,4 ), einige aus vier (z. B. Spr 30,9.14-15.17.19 ), und ein Vers hat sogar sechs Zeilen ( Spr 30,4 ). In den Versen mit drei Zeilen stehen die erste und die zweite Zeile gewöhnlich miteinander in Beziehung, und die zweite und die dritte Zeile stehen in gewisser Weise parallel zueinander (z. B. ist in Spr 27,27 die zweite Zeile ein synthetischer Parallelismus zur ersten Zeile, die den Gedanken zu Ende führt, und die dritte Zeile steht zur zweiten Zeile im synonymen Parallelismus). Die drei Zeilen in Spr 1,27 stehen jedoch alle drei im synonymen Parallelismus. Das Buch Walking in Wisdom, Studying the Proverbs of Solomon von William E. Mouser, Jr. bietet eine hilfreiche Erörterung der Frage nach der Analyse der verschiedenen Arten des Parallelismus im Buch der Sprüche.

Normalerweise, jedoch nicht immer, ist die zweite Zeile des zweizeiligen Parallelismus mehr als nur eine bloße Wiederholung der Worte oder des Gedankens der ersten Zeile. Die zweite Zeile führt die erste weiter aus oder vervollständigt sie, erklärt sie, betont sie, unterstreicht ihre Bedeutung, erweitert sie, beschreibt das Gegenteil oder eine andere Möglichkeit oder ist das Gegenstück dazu. (Zu der Struktur, bei der die zweite Zeile betont wird, vgl. James L. Kugel, The Idea of Biblical Poetry, Parallelism and Its History , New Haven, Conn., 1981, S. 7 - 27, bes. S. 13.)

Die Verse in den Sprüchen sind zu Sentenzen reduzierte Feststellungen, es sind Aussagen über das Leben, die auf einen Punkt gebracht worden sind. Die Erfahrungen und die Beobachtungen der Schreiber werden herauskristallisiert. Die kurzen, aber prägnanten Sentenzen bringen den Leser dazu, daß er über ihre Bedeutung nachsinnt. Die Sprüche erzählen, wie das Leben ist und wie man sein Leben führen sollte. Ohne viele Worte zu verschwenden, nehmen etliche Aussagen in den Sprüchen kurz und knapp auf das Bezug , was jeder Mensch in seinem Leben beobachten kann; andere Sprüche wiederum sprechen einen Rat aus oder ermahnen den Leser, wie er sein Leben führen sollte. Wenn ein Ratschlag erteilt wird, folgt normalerweise auch ein Grund für den Rat.

Viele Aussagen in den Sprüchen sollte man als Leitlinien, nicht als absolute Aussagen auffassen; es handelt sich dabei nicht um feste Verheißungen. Was gesagt wird, ist normalerweise allgemein zutreffend. Ausnahmen werden jedoch gelegentlich auch verzeichnet (vgl. z. B. Spr 10,27 mit Ps 73,12 ).



Das Thema des Buches


Das Buch der Sprüche konzentriert sich auf den Charakter des Menschen und auf seinen Lebenswandel. Mit seinen Beobachtungen und seinen Ermahnungen in diesem Bereich wendet sich das Buch an einzelne Menschen und nicht an das Volk Israel als Ganzes. Wie bereits unter "Die Absicht des Buches" erläutert wurde, spricht das Buch der Sprüche das in Weisheit geführte Leben eines Menschen an, das mit einem gottesfürchtigen Lebenswandel gleichgesetzt wird. Wer nämlich gottesfürchtig oder gerecht ist, der ist in Gottes Augen weise. Im Gegensatz dazu ist ein Gottloser oder Ungerechter ein Tor. Auf diese beiden Lebensweisen und ihre Folgen nimmt das Buch der Sprüche wiederholt Bezug. Sie werden in Ps 1,6 zusammengefaßt: "Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, aber der Weg der Gottlosen vergeht."

Das Buch der Sprüche spricht von vielen menschlichen Gefühlsregungen, Einstellungen und Beziehungen, und oft werden Gegensätze herausgestellt. Manche dieser vielen Punkte sind in der Übersicht "Positive und negative Begriffe und andere Themen in den Sprüchen" zusammengestellt. Eine verbreitete Methode, die Sprüche zu studieren, ist folgende: Man stellt die Verse zusammen, die ein bestimmtes Thema behandeln, und untersucht so alles, was zu diesem Thema gesagt wird. Vgl. dazu zum Beispiel die Übersicht "Das Buch der Sprüche über das Reden" bei Spr 6,16-17 .Mehrere Verse in den Sprüchen behandeln das ländliche und das städtische Leben: Sie sprechen von der Ethik bei Geschäften, von den zwischenmenschlichen Kontakten und von ziviler Gerechtigkeit, von den Beziehungen innerhalb einer Familie, von moralischen Maßstäben und inneren Einstellungen und Beweggründen. Es ist also kein Wunder, daß das Buch so umfassend zu uns spricht!

In den Sprüchen wird nur wenig über das Leben nach dem Tod gesagt. Die Betonung liegt auf dem diesseitigen Leben. Es wird deutlich, daß ein Mensch die Belohnung für sein gottesfürchtiges Leben in der Gegenwart empfängt und daß ein gottlos geführtes Leben in diesem Leben zu Schwierigkeiten führt (vgl. den Kommentar zu Pred 2,24-26;11,9 ). Die Sprüche betonen, daß zwischen den verschiedenen Lebenswegen eine klare Trennung besteht.

Das Buch der Sprüche richtet sein besonderes Augenmerk auch auf Gott: auf sein Wesen (seine Souveränität, seine Treue, seine Heiligkeit, seine Allmacht, seine Gerechtigkeit usw.), seine Werke und seine Segnungen. Der Name Jahwe ("Herr") kommt in den Sprüchen 87mal vor.

Auch die Beziehung des Menschen zum Herrn ist ein wichtiges Thema im Buch der Sprüche. Ein Mensch kann ein gottgefälliges Leben in Weisheit nur dann führen, wenn er den Herrn fürchtet und auf ihn vertraut. Die Sprüche heben auf diese gute Beziehung zu Gott ab, was dann auch bedeutet, daß die Beziehung dieses Menschen zu seinem Nächsten in Ordnung ist.



GLIEDERUNG


I. Vorrede ( 1,1-7 )

     A. Der Autor und die literarische Form des Buches ( 1,1 )
     B. Die Absicht des Buches ( 1,2-6 )
     C. Das Thema des Buches ( 1,7 )

II. Die Worte Salomos über den Wert der Weisheit ( 1,8-9,18 )

     A. Weisheit verhilft zu Ehre ( 1,8-9 )
     B. Weisheit bewahrt vor Unglück ( 1,10-33 )
     C. Der Wert der Weisheit auf ethischem Gebiet ( Kap.2 )
     D. Die Segnungen der Weisheit ( 3,1-12 )
     E. Der hohe Wert der Weisheit ( 3,13-20 )
     F. Der Wert der Weisheit beim Aufbau von Beziehungen zu anderen Menschen ( 3,21-35 )
     G. Eine Ermahnung.nach Weishet zu sterben ( 4,1-9 )
     H. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor Unglück ( 4,10-19 )
     I. Der Wert der Weisheit für die Genesung ( 4,20-27 )
     J. Der Wert der weisheit bei der Bewahrung vor Ehebruch ( Kap.5 )
     K. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor Armut ( 6,1-11 )
     L. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor Streit ( 6,12-19 )
     M. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor unmoralischem Verhalten auf sexuellem Gebiet ( 6,20-7,27 )
     N. Der Wert der Weisheit erweist sich in ihren Tugenden und ihren Belohnungen ( 8,1-21 )
     O. Der Wert der Weisheit und der Herr der Schöpfung ( 8,22-36 )
     P. Der Wert der Weisheit wird zusammengefaßt:die Einladung der Weisheit wird der Verfürung der Torheit gegenübergestellt ( Kap.9 )

III.Die Sprüche Salomos ( 10,1-22,16 )

     A. Sprüche,die eine gerechte und eine gottlose Lebensführung einander gegenüberstellen ( Kap.10-15 )
     B. Sprüche,die eine gerechte Lebensführung rühmen ( 16,1-22,16 )

IV.Die Sprüche der Weisen ( 22,17-24,34 )

     A. Dreißig Sprüche der Weisen ( 22,17-24,22 )
     B. Weitere Sprüche der Weisen ( 24,23-34 )

V. Die Sprüche Salomos,die von Hiskias Männern gesammelt wurden ( Kap.25-29 )

VI.Die Wortr Agurs ( Kap.30 )

     A. Einleitung ( 30,1 )
     B. Die Erkenntnis Gottes ( 30,2-9 )
     C. Agrus Beobachtungen ( 30,10-33 )

VII.Die Worte Lemuels ( 31,1-9 )

VIII.Die tüchtige Frau ( 31,10-31 )

 

AUSLEGUNG


I. Vorrede
( 1,1-7 )


In diesen Versen stellte der Autor sich und sein Werk vor (V. 1 ), gab eine Erklärung ab, warum die Sprüche aufgezeichnet worden sind (V. 2-6 ), und nannte einen theologischen Grund dafür, warum seine Leser solche Menschen werden sollten, wie er sie sich wünschte (V. 7 ).



A. Der Autor und die literarische Form des Buches
( 1,1 )


Spr 1,1


Die Ausleger sind verschiedener Meinung darüber, ob sich die Erwähnung der Sprüche Salomos auf das gesamte Buch oder nur auf den ersten Abschnitt bezieht ( Spr 1,2-9,18 ). Da in den anderen Abschnitten verschiedene Autoren und Redaktoren genannt werden, bezieht sich diese Aussage wahrscheinlich nur auf die Kapitel 1-9 . Derselbe Satz in Spr 10,1 leitet dann Spr 10,1-22,16 ein. (Vgl. dazu "Autor und Entstehungszeit" in der Einleitung .)

Das Wort "Sprüche" ist nicht nur die Überschrift des Buches, sondern bezeichnet auch das Genre der Literatur des Buches. Zu der Bedeutung von mASAl ("Spruch", "Sprichwort") vgl. den Abschnitt "Der Stil des Buches" in der Einleitung . Wie dort bereits erörtert wurde, bezeichnet mASAl zwar gewöhnlich einen kurzen, prägnanten Ausspruch, kann aber auch für eine längere Abhandlung gebraucht werden. Das Wort "Spruch, Sprichwort" steht dann also für verschiedene Formen von weisen, verständigen Aussprüchen.



B. Die Absicht des Buches
( 1,2-6 )


1. Zusammenfassung
( 1,2 )


Spr 1,2


Die Sprüche wurden niedergeschrieben, um andere Menschen zu ermutigen, (a) die Unterweisung zur rechten Lebensführung anzunehmen ( um Weisheit und Zucht zu erlangen ) und (b) den Geist zu schärfen ( um Worte der Einsicht zu verstehen ). Das Erstgenannte wird in den Versen 3-5 näher ausgeführt, das Zweitgenannte in Vers 6 . Wie in der Einleitung unter "die Absicht des Buches" festgehalten wurde, bezieht sich das Wort HokmCh ("Weisheit") im AT häufig auf das geistige und handwerkliche Können und Geschick von Handwerkern, Seeleuten, Sängern, Trauernden, Verwaltern, Ratgebern und anderen; bei anderen Gelegenheiten wird davon im Zusammenhang mit der Anwendung moralischer und ethischer Prinzipien gesprochen, woraus ein verständiger, gottesfürchtiger Lebenswandel folgt. Ein Mensch, der diese Weisheit besitzt, hat "Sachkenntnis" über einen Gott wohlgefälligen Lebenswandel. Solch ein weiser, verständiger Lebenswandel ist ein Leben in "Zucht" (vgl. V. 3 ) und Ordnung. Das Wort mUsAr wird mit Zucht übersetzt und bedeutet "Zucht auf moralischem Gebiet oder Zurechtweisung". Im Hebräischen bedeutet der Begriff "Einsicht", der in Vers 5 ("Erkenntnis") und Vers 6 ("Verstehen") gebraucht wird, Einsicht oder die Fähigkeit, die Dinge zu durchschauen.



2. Die Aussage wird ausgeführt
(1,3-6)


Spr 1,3-5


Diese Verse führen die Dinge weiter aus, die ein Mensch erwerben sollte, wenn er ein verständiges Leben führen möchte. Ein zuchtvolles (vgl. V. 2 ) und mit Klugheit (vgl. V. 4 ) geführtes Leben ist ein Leben hoher moralischer Maßstäbe, ein Leben, in dem ein Mensch Recht, Gerechtigkeit und Redlichkeit übt (vgl. Spr 2,9 ). Wer unmoralisch lebt oder Ungerechtigkeit tut, der kann in Gottes Augen kaum weise genannt werden!

Der Ausdruck die Einfältigen ( peTI ; Spr 1,4 ) bezieht sich auf einen unwissenden und ungelehrten Menschen. Es geht dabei nicht um einen geistig Behinderten, einen Menschen, der nicht begreift, und auch nicht um einen Toren, der die Weisheit verachtet. Es ist im Gegenteil ein Mensch damit gemeint, der sich mit dem Leben und der Weisheit bisher nur wenig befaßt hat. Weil er so unerfahren ist, ist er leichtgläubig und leicht beeinflußbar. Daher hat er Klugheit nötig (vgl. Spr 1,3; ZormCh , ein Begriff, der sonst nur in Spr 8,5.12; 2Mo 21,14 und Jos 9,4 gebraucht wird). Der Begriff peTI ("einfach") kommt in den Sprüchen 14mal vor ( Spr 1,4.22.32;7,7;8,5;9,4.6.16;14,15.18;19,25;21,11;22,3;27,12 ). Zu den Begriffen für "Tor" in den Sprüchen vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 .

"Der Einfältige" und der junge Man n haben Weisheit nötig: "Klugheit", Erkenntnis und Besonnenheit ( m+zimmCh , "weise Voraussicht"; der Begriff kommt auch in Spr 2,11;3,21 vor, "Erkenntnis"; Spr 5,2;8,12 ). In Spr 12,2 und Spr 14,17 wird m+zimmCh im negativen Sinne gebraucht, um das listige oder bösartige Planen zu bezeichnen. Auch die, die Erfahrungen gesammelt haben ( der Weise , HAKom , und der Verständige , Spr 1,5; vgl. V. 2 ) werden daran erinnert, daß sie es nötig haben, in der Weisheit zuzunehmen (in der Erkenntnis und in der Belehrung ). "Belehrung" ( taHbVlNT ), wörtlich "Steuern", klingt danach, daß das Leben eines Menschen in die richtige Richtung gelenkt werden soll. Dieses hebr. Wort wird sonst nur in Hi 37,12 ("Lenkung, Steuerung"); Spr 11,14;12,5 ("Überlegungen"); Spr 20,18 und Spr 24,6 gebraucht.



Spr 1,6


Ein Mensch, der die "Worte der Einsicht" (V. 2 ) versteht, versteht auch die Bedeutung von Sprüchen, Gleichnissen, Aussprüchen und Rätseln der Weisen . Das Wort für "Rätsel" ( HIDCh ) steht für eine indirekte, verblümte oder rätselhafte Aussage (ähnlich wie ein Bild), die der Auslegung bedarf. Der Begriff wird für Simsons Rätsel gebraucht ( Ri 14,12-19 ) und für die "schweren Fragen", die die Königin von Saba Salomo gestellt hatte ( 1Kö 10,1; 2Chr 9,1 ).



C. Das Thema des Buches
( 1,7 )


Spr 1,7


Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis , schrieb Salomo. Die Wendung die Furcht des HERRN wird in den Sprüchen 11mal gebraucht (dazu taucht die Wendung "fürchte den Herrn" weitere viermal auf). Für "Anfang" steht im Hebr. rE?SIT . Es bedeutet "Beginn". Ein Mensch kann in geistlichen Dingen keine Erkenntnis erlangen, wenn er am falschen Ende beginnt und sich weigert, den Herrn zu fürchten (d. h. zu erkennen, wie Gott ist, ihn zu verehren, ihm zu vertrauen, ihn anzubeten, ihm zu gehorchen und ihm zu dienen). R E?SIT steht auch für das Wesentliche, den Kern oder die Essenz einer Sache. Das Wesentliche bei wahrer Erkenntnis ist die Furcht Gottes. Wenn ein Mensch von Gott getrennt ist, weiß er nichts von den geistlichen Dingen ( Röm 1,22; Eph 4,18; 1Pet 1,14 ). Die Worte aus Spr 1,7 a werden in Spr 9,10 zum Ende des ersten Abschnittes wiederholt (vgl. auch Hi 28,28; Ps 111,10 ).

Im Gegensatz zu den Gottesfürchtigen und Weisen verachten die Toren die Weisheit und die Zucht . Das hebräische Wort bUz , "schmähen, herabsetzen, ins Lächerliche ziehen", wird mit "verachten" übersetzt (vgl. 4Mo 15,31; Neh 2,19 ). B Uz wird auch noch an sieben anderen Stellen in den Sprüchen erwähnt: Spr 6,30;11,12;13,13;14,21;23,9.22;30,17 .Drei Begriffe werden in den Sprüchen mit "Tor" wiedergegeben. Eine Sorte von Tor ( k+sIl ) ist ein Mensch, der träge im Denken und schwer von Begriff ist. Er ist dickköpfig und eigensinnig. Dieser Begriff wird in den Sprüchen häufiger verwendet als die beiden anderen Wörter; er kommt 49mal im gesamten Buch vor. Aus Faulheit und Kurzsichtigkeit lehnt es dieser Tor ab, von anderen etwas anzunehmen (vgl. Spr 15,14 ). Der nächste Begriff für Tor lautet nABAl . Er kommt in den Sprüchen nur dreimal vor ( Spr 17,7.21;30,22 ) und bezieht sich auf einen Menschen, dem es an geistlicher Erkenntnis mangelt. Der dritte Begriff für Tor ( ?MwIl ) ist ein sowohl arroganter und schnippischer als auch geistig träger Mensch. Er ist ein grober Klotz und hält stur an seinem Weg fest. Dieses Wort kommt in den Sprüchen 19mal vor und nur noch siebenmal an anderer Stelle. Die "Toren" in Spr 1,7 sind die Menschen, die in ihrer Arroganz von Gott und der Weisheit nichts wissen wollen (vgl. V. 29 ). Zwei Sorten von Menschen werden in diesem Vers einander gegenübergestellt: die Menschen, die Gott in Demut fürchten und daher zu echter Erkenntnis gelangen, und die arroganten Narren, die durch ihre ablehnende Haltung Gott gegenüber zeigen, daß sie Weisheit und Zucht verachten (vgl. "Weisheit und Zucht" in V. 2 ). Diese beiden Sorten von Menschen werden im Buch der Sprüche vielfach gegeneinander gestellt.



II. Die Worte Salomos über den Wert der Weisheit
( 1,8-9,18 )


Dieser lange Abschnitt bildet eine Einleitung zu der Sammlung der kurzen und knappen Aussprüche der übrigen Kapitel dieses Buches. Die Absicht dieses Abschnittes ( Spr 1,8-9,18 ) liegt darin, den Appetit des Lesers ("mein Sohn/meine Söhne") anzuregen, damit er sein Herz auf die weisen Aussprüche seiner Eltern richtet. Salomo reiht Aussage an Aussage, um die Vorzüge der Weisheit vor jedem anderen Lebensstil darzulegen. Neben seinen Warnungen vor Verbrechen und Ehebruch konzentrieren sich seine Aussagen auf eine schöpferische und bedeutungsvolle Existenz. Man kann das Gesagte in 16 Unterpunkte (A, B,...P) unterteilen.



A. Weisheit verhilft zu Ehre
( 1,8-9 )


Spr 1,8


Die Worte mein Sohn (und "meine Söhne") werden in den ersten neun Kapiteln sehr häufig und in Spr 22,17-24,34 noch viermal gebraucht. Möglicherweise ist damit Salomos eigener Sohn und nicht die Schüler eines Weisen gemeint, denn in Spr 1,8 wird auch die Mutter erwähnt. (Mehr dazu steht in dem Abschnitt "An wen wendet sich das Buch?" in der Einleitung .) Höre wird als Befehl verschiedene Male ausgesprochen ( Spr 4,1.10.20;5,1.7;7,24;8,32;19,20;22,17;23,19.22 ). Das hebr. Wort tNrCh , das sonst mit "Gesetz" wiedergegeben wird, wird hier mit Weisung übersetzt. Wenn der Begriff wie an dieser Stelle im Zusammenhang mit einer bestimmten Person gebraucht wird (z. B. der Mutter), wird er mit "Unterweisung" übersetzt (vgl. Spr 3,1;4,2;6,20;13,14 ). Da bei den Juden im Idealfall die Eltern ihre Kinder in Gottes Gesetz unterwiesen (vgl. 5Mo 6,4-7 ), wurde ein und dasselbe Wort ( tNrCh ) sowohl für das Gesetz als auch für die darin enthaltene Unterweisung gebraucht.

 

Spr 1,9


Wenn Kinder die Weisungen ihrer Eltern beachteten, versprach man ihnen einen Kranz (eine Art Kopfschmuck; vgl. Spr 4,9 ) und eine Halskette (vgl. Spr 3,3.22 ). Sie würden also durch das Befolgen der elterlichen Anweisung ein erstrebenswertes Leben und gute Positionen erreichen. Sie würden geehrt. Es steht hier bereits der Gegensatz dazu zwischen den Zeilen: Ungehorsam und Auflehnung hatten Schande zur Folge.



B. Weisheit bewahrt vor Unglück
( 1,10-33 )


1. Mit Bosheit geht Unglück einher
( 1,10-19 )


Die Auswirkung des Bösen, das anfangs so verlockend zu sein scheint, wird hier in voller Breite entfaltet. Ein Tor ist von der Aussicht auf leicht erreichbaren Reichtum geblendet, und er ist schnell vom Augenblick befriedigt (V. 10-14 ). Ein Weiser faßt jedoch die Folgen einer solchen Sünde und Torheit ins Auge.



Spr 1,10-14


Manche Menschen können besonders auf junge Leute starken Druck ausüben. Daher muß man diese Einladungen der verkehrten Leute ( Sünder ) umgehen, die zur Teilnahme an Mord und Diebstahl verleiten wollen. Einem solchen Einfluß nachzugeben, ist ein Schritt nach unten (vgl. V. 15 ). Laßt uns hier liegen und auf Blut lauern (vgl. Spr 12,6 ) macht ihre mörderischen Absichten deutlich. (Vgl. den Kommentar zu "auflauern" bei Spr 1,18 .) Diese Sünder sind bereit dazu, anderen Menschen das Leben zu nehmen, um ihnen ihr Geld wegnehmen zu können und sie so wie der Scheol ( S=?Nl ) oder die Grube (ein Synonym für Grab) zu verschlingen. In ihrer Gier nach Besitz (V. 13 ) fordern sie die jungen Leute auf (hier den Sohn des Vaters), mit ihnen zu kommen (V. 14 ). Sie versprechen, anschließend die Beute zu teilen.



Spr 1,15-19


Noch einmal ermahnte Salomo seinen Sohn, nichts mit solchen Menschen zu tun zu bekommen (vgl. V. 10 ). Sich auf ihren Weg zu begeben (vgl. Spr 4,14 ) bedeutet, sich in fast nicht wieder rückgängig zu machende Handlungsabläufe zu verwickeln, die sie rasch in die Sünde und in Blutvergießen verstricken (vgl. Spr 1,11 ). Die Vögel sind klug genug, um einem Netz aus dem Weg zu gehen, das sie ausgebreitet vor sich sehen und das sie einfangen möchte. Aber diese Verbrecher sind dümmer als Vögel: Sie sehen nicht nur die Falle, sie stellen sich die Falle sogar selbst! Sie lauern, um das Blut eines anderen Menschen zu vergießen, aber sie werden selbst in ihrer eigenen Falle gefangen (vgl. V. 32 ; Spr 26,27;28,10 ). Die Ironie dieses Resultates ist offensichtlich: Unrechter Gewinn ( Spr 1,19; vgl. 10,2; 28,16 ) kann nicht erfreuen. Diebe stehlen Geld, aber dann fordert es ihr Leben! Mit anderen Worten: Verbrechen zahlen sich nicht aus.

 

2. Wer Weisheit ablehnt, erfährt Unglück
( 1,20-33 )


Die Weisheit, die hier als Frau personifiziert wird, wendet sich an jedermann (V. 20-23 ), aber ein Tor achtet zu seinem eigenen Schaden (V. 29-33 ) nicht auf ihren Ruf (V. 24-28 ). Auch in Spr 3,16-18;4,3-6;8,1-21.32-36;9,1-6;14,33 wird die Weisheit als Frau personifiziert.



Spr 1,20-23


Die Sünder in den Versen 10-19 forderten die jungen Männer wahrscheinlich nur insgeheim auf, ihnen zu folgen, aber die Weisheit ruft laut auf der Straße und anderen öffentlichen Plätzen in der Stadt. Mit zwei rhetorischen Fragen lädt sie drei Gruppen von Menschen ein, ihren Weg zu verlassen. Es handelt sich um die Menschen, die ihrem Ruf wahrscheinlich nicht Folge leisten würden. Das sind die Einfältigen ( peTI ; vgl. den Kommentar zu V. 4 ), die Spötter (vgl. Ps 1,1 ) und die Toren ( k+sIl ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ). Wenn ein Tor auf die Ermahnung der Weisheit hört, kann er ein Weiser werden (V. 23 ). In den Sprüchen wird häufig von der Ermahnung oder Zurechtweisung als hilfreicher Korrektur gesprochen (V. 23.25.30 ; Spr 3,11;9,8 (zweimal); Spr 13,1;15,31;17,10;19,25;25,12;27,5;30,6 ).



Spr 1,24-28


Wer die Weisheit ablehnt, sie nicht beachtet und nichts aus ihrer Zurechtweisung lernt (vgl. V. 23.30 ), bekommt die bitteren Folgen zu spüren. Wenn Nöte herankommen, wie sie jedermann erlebt, dann spottet die Weisheit und weigert sich, den Sündern beizustehen. Das Lachen der Weisheit über Unglück und Not scheint grausam zu sein. Es bedeutet aber ganz einfach, daß ein verschmähter Rat den Spötter heimsucht, wenn das Unglück hereinbricht. Die Weisheit hatte die Menschen gerufen, und sie hatten nicht gehört. Der Vorgang kehrte sich jetzt mit denselben Ergebnissen um: Sie riefen, aber sie antwortete nicht mehr . Wenn ein Tor, der vormals nicht auf die Weisheit gehört hatte, versucht, einen neuen Anfang zu machen und dem Weg der Weisheit zu folgen, dann sind seine Anstrengungen nutzlos. Wer die Weisheit zurückweist, kann sie später nicht zurückholen, wenn sie ihre Einladung schon längst zurückgezogen hat.



Spr 1,29-33


Wer den Ruf von "Frau Weisheit" nicht beachtet, der haßt Erkenntnis (vgl. V. 22 ) und weigert sich, den HERRN zu fürchten (vgl. V. 7 und den Kommentar an dieser Stelle). Daher werden die Toren an den Folgen ihres Tuns zu leiden haben (V. 31 ). Sie ernten, was sie gesät haben (vgl. Gal 6,7 ). Wie aus Spr 1,19 deutlich wird, hat die Torheit ( die Einfältigen , peTI , und Narren , k+sIl , V. 32 ) letztendlich den Tod zur Folge. Im Gegensatz dazu erlebt der Sicherheit ( Spr 3,23 ) und Frieden, der den Weg der Weisheit bewahrt.

Dieser Gegensatz zwischen den Folgen der Torheit ( Spr 1,32 ) und der Weisheit (V. 33 ) bestimmt die Grundhaltung des ganzen Buches.

 

C. Der Wert der Weisheit auf ethischem Gebiet
( Spr 2 )


In diesem Kapitel gab der Vater dem Sohn ("mein Sohn"; vgl. Spr 1,8 ) Anweisungen hinsichtlich der Mühen, denen man sich unterziehen muß, um Weisheit zu erlangen ( Spr 2,1-6 ), hinsichtlich des Nutzens auf ethischem Gebiet, wenn man Weisheit erlangt hat (V. 7-10 ), und Anweisungen im Blick auf die Bewahrung vor bösen Menschen durch die Weisheit (V. 11-22 ).



1. Das Streben nach Weisheit
( 2,1-6 )


Spr 2,1-4


In diesen Versen kommen acht Verben vor: annehmen, behalten (V. 1 ), achthaben, zuwenden, rufen, die Stimme erheben (V. 3 ), suchen, nachforschen (V. 4 ). Die Objekte dieses Tuns sind die Worte und Gebote des Lehrers (V. 1 ; vgl. "Gebote" in Spr 7,1 ), die Weisheit und das Verstehen ( Spr 2,2 ), die Einsicht und das Verständnis (V. 3 ; vgl. "Verständnis", das Urteilsvermögen bedeutet, V. 6.11 ). Wer weise werden will, muß sich dafür anstrengen. Es gehört Offenheit dazu, Merken, Hören (mit den Ohren ), die Anwendung des Gehörten (mit dem Herzen ; vgl. V. 10 ), die Suche und das eifrige Forschen nach der Weisheit.



Spr 2,5-6


Den drei "wenn" in den Versen 1.3-4 folgt ein dann , das die Einleitung zu dem Ergebnis bildet. Die Suche und die Wertschätzung der Weisheit bringen einen Menschen dazu, daß er die Furcht des HERRN versteht und Gott erkennt. Dieselbe Wahrheit steht in Spr 1,7 : Der Herr ist die Quelle der Weisheit (vgl. Jak 1,5 ). Wenn ein Mensch den Herrn fürchtet, erlangt er Weisheit, Erkenntnis (vgl. Spr 1,4;2,10 ) und Verständnis (vgl. V. 2-3.11 ).



2. Weisheit wirkt sich positiv auf die Ethik eines Menschen aus
( 2,7-10 )


Spr 2,7-10


Die Weisheit hat positive sittliche Auswirkungen, die auch die Gesundheit fördern. Sie hält den Menschen vom Bösen ab und ist ihm eine Hilfe auf dem Weg der Heiligkeit. Weisheit ist eine Angelegenheit des Herzens und des ethischen Verhaltens und betrifft nicht nur die intellektuelle Ebene. Das wird durch die Worte rechtschaffen und untadelig (vgl. V. 21 ), gerecht und treu (von HeseD ; die Menschen, die Gott gegenüber treu sind) deutlich. An anderen Stellen im Buch der Sprüche wird der Begriff für Sieg (oder Hilfe) mit "Einsicht" übersetzt ( Spr 3,21;8,14;18,2 ). In Spr 2,7 bedeutet er Erfolg oder Gelingen, nämlich das Ergebnis der Ein- bzw. Umsicht. Wie ein Schild (vgl. Ps 3,4 ) beschützt Gott die Seinen, die mit Hilfe seiner Weisheit auf ethischem Gebiet rechtschaffen leben (vgl. Spr 1,33 ). Wer ethisch ein einwandfreies Leben führt, kann gegenüber anderen Menschen unparteiisch sein und das tun, was recht und gerecht und aufrichtig ist (vgl. Spr 1,3 ). Die Synonyme wandeln, Weg und Pfad machen deutlich, daß es hier um den Lebenswandel eines Menschen geht.

Ein Mensch, der nach Weisheit strebt (V. 1-4 ), wird merken, daß sie in sein Herz einzieht (V. 10 ). Wer Weisheit erlangen möchte, der muß eifrig nach Gottes Willen handeln; dennoch ist Weisheit aber eine Gabe Gottes (vgl. V. 6 ). Wer diese Erkenntnis von Gott geschenkt bekommen hat, der erfährt innere Freude.



3. Die Weisheit bewahrt vor bösen Menschen
( 2,11-22 )


Weisheit ist wertvoll; deshalb sollte man sie sorgfältig suchen (V. 1-4 ). Sie bewahrt nämlich vor bösen Männern (V. 12-15 ) und bösen Frauen (V. 16-19 ) und hält den Menschen auf dem rechten Weg (V. 20-22 ).



Spr 2,11-15


Eine allgemeine Aussage über die Bewahrung durch die Weisheit (V. 11 ) verbindet die Verse 7-8 mit den Versen 12-15 . Gott bewahrt (V. 8 ), und die Besonnenheit, die er schenkt, bewahrt ebenfalls (V. 11 ; vgl. Spr 4,6;13,6 ). Vers 12-15 erhalten zusätzliches Gewicht, wenn man sie mit der Warnung in Spr 1,10-19 in Beziehung setzt. Die Wege und die Worte der Bösen sind verkehrt ( Spr 2,12 ). "Abgekehrt" und Verkehrtheit (V. 14 ) ist im Hebr. dasselbe Wort. Der Begriff kommt von dem Verb "sich wenden, sich abwenden von, umstürzen" und beschreibt etwas, das sich von der Norm "abgekehrt" hat. Dieses hebr. Wort wird in den Sprüchen achtmal verwendet ( 2,12.14 ; Spr 6,14;10,31-32;16,28.30;23,33 ) und kommt sonst nur noch an einer Stelle vor ( 5Mo 32,20 ). Diese Menschen kehren sich von dem geraden (wörtl.: "aufrechten"; vgl. Spr 2,7 ) Weg zu finsteren (d. h. bösen) Wegen ab. Sie erfreuen sich sogar noch an ihrer Verkehrtheit, ihren krummen Wegen . Z I qqES ("verdreht, verkrümmt") wird mit "gekrümmt" übersetzt. Der Begriff kommt auch in Spr 6,12 ("verderbt") vor; mit "verkehrt" wird er in Spr 11,20;17,20;19,1;28,6; und in Spr 22,5 mit "böse, gottlos" übersetzt. Die Taten dieser Menschen sind eine Verdrehung der ethischen Maßstäbe. Die Begriffe "Wege" ( Spr 2,12-13.15 ) und Pfade (V. 13.15 ) ermöglichen die Verbindung dieses Abschnittes mit anderen Teilen von Kapitel 2 (vgl. "Weg" in V. 8 , "Wege" in V. 20 , "Pfad" in V. 9 und "Pfade" in V. 18-20 ; vgl. auch Spr 4,19;7,25;8,20 ).

 

Spr 2,16-19


Die Weisheit (sie) bewahrt auch ( wird dich retten vor ; vgl. V. 12 ) vor unsittlichen Frauen (vgl. Spr 7,4-5 ). Die Ehebrecherin ( ?iSSCh zArCh ) und die zuchtlose Ehefrau ( noKrIyCh ) sind synonyme Ausdrücke.

Der erste Ausdruck kann die Nichtisraelitin bezeichnen (so wie Rut in Rt 2,10 ) oder (so wie Spr 2,16;5,3.20;7,5;22,14;23,27 ) eine Frau, die aufgrund ihres unmoralischen Lebenswandels nicht mehr zu dem Kreis ihrer Verwandten gehörte. In den Sprüchen kommt der Begriff noKrIyCh in Spr 2,16;5,20;6,24;7,5 und Spr 23,27 vor. Während die bösen Männer verkehrte Worte reden ( Spr 2,12 ), spricht die Ehebrecherin verführerische Worte (vgl. Spr 5,3;6,24;7,5.21 ). Der Ausdruck Gefährte ihrer Jugend bezieht sich auf ihren Ehemann (vgl. "die Frau deiner Jugend"; Spr 5,18 ), und der Bund, den sie vergißt, ist ihr Ehegelöbnis. Sie hat ihren Bund mit ihrem Ehemann vergessen und hat sich der Promiskuität verschrieben. Sich mit solch einer Frau einzulassen ( in ihrem Haus ), führt zum Tode; Ehebruch führt einen Menschen unaufhaltsam zum Tod (vgl. Spr 5,5;7,27 ). Er ist verhängnisvoll. R +P?A?Im wird mit die Geister der Toten übersetzt. Der Begriff wird nur in Spr 9,18 und Spr 21,16 gebraucht (vgl. den Kommentar zu Hi 26,5 ). Zu Pfad ( Spr 2,18-19 ) vgl. den Kommentar zu Vers 13.15 (vgl. Spr 5,6 ).

 

Spr 2,20-22


Ein Mensch, der nach Weisheit strebt (V. 1-4 ), geht den bösen Leuten aus dem Weg (V. 11-19 ) und hat die richtigen Begleiter ( die Guten und die Gerechten ). Es reicht für einen Weisen nicht aus, daß er der Unmoral nur gerade nicht in die Hände fällt; er muß auch dem Guten nachjagen. Als Ergebnis davon erfährt er den Segen Gottes. Für die Israeliten war ihr Aufenthalt im Lande Kanaan ein Zeichen der Gnade Gottes (vgl. 2Mo 20,12; Ps 37,3.9.11.29 ). Der Gegensatz zwischen dem Aufrichtigen und Untadeligen (vgl. Spr 2,7 ), der Gottes Segen beim Ertrag seiner Ernte erfährt, und dem Bösen und Treulosen , der nicht länger im Land bleiben wird, weil er entweder ins Exil gehen oder sterben muß, erinnert an den Gegensatz aus Ps 1,6 (vgl. Spr 10,30 ).



D. Die Segnungen der Weisheit
( 3,1-12 )


Nach einer klaren Ermutigung, seine Lehre zu befolgen (V. 1-4 ), nannte der Vater-Lehrer noch vier weitere Gebote (V. 5-12 ). Alle Ermahnungen richten sich gegen den Mißbrauch der Gaben Gottes. Der Sohn soll (a) auf Gott vertrauen und sich nicht auf seine eigene Erkenntnis stützen (V. 5-6 ), (b) Gott fürchten und nicht in seinen eigenen Augen weise sein (V. 7-8 ), (c) Gott die Ehre geben (V. 9-10 ) und (d) Gott lieben und nicht seine Zucht und ihren Wert falsch einschätzen (V. 11-12 ). Bei diesen Versen wechseln sich Gebote und Verheißungen ab: Gebot (V. 1 ), Verheißung (V. 2 ), Gebot (V. 3 ), Verheißung (V. 4 ), Gebot (V. 5-6 a), Verheißung (V. 6 b), Gebot (V. 7 ), Verheißung (V. 8 ), Gebot (V. 9 ), Verheißung (V. 10 ), Gebot (V. 11 ), Verheißung (V. 12 ). Die Verheißungen erstrecken sich auf ein langes Leben und Wohlergehen (V. 2 ), auf Ansehen bei Gott und den Menschen (V. 4 ), auf weniger Schwierigkeiten (V. 6 ), Gesundheit (V. 8 ), Wohlstand (V. 10 ) und die Liebe Gottes (V. 12 ).



1. Befolge die Lehre deines Vaters
( 3,1-4 )


Spr 3,1-2


Noch einmal wird der Sohn (vgl. Spr 1,8.15;2,1;3,11.21 ) aufgefordert - sowohl mit negativen ( vergiß nicht ) als auch mit positiven Anweisungen ( bewahre ) -, an dem festzuhalten, was er gelehrt worden war. So wie in Spr 1,8;4,2 und Spr 6,20.23 wird tNrCh (vgl. den Kommentar zu Spr 1,8 ) mit Weisung übersetzt. (Zu dem Ausdruck Gebote vgl. Spr 2,1;4,4;6,20 .) Wer diese Weisungen verinnerlicht hat, der wird zweierlei Gewinn daraus ziehen: ein langes Leben (vgl. Spr 3,16;4,10;9,11;10,27;14,27;15,24 ), ein Zeichen des Segens Gottes (vgl. 2Mo 20,12 ), und Wohlergehen. Der Begriff für Wohlergehen, SAlNm , wird häufig mit "Friede" wiedergegeben. Dieser Begriff umfaßt zwar Frieden und Wohlergehen, er meint aber noch viel mehr, nämlich auch Gesundheit, Harmonie und Vollständigkeit.



Spr 3,3-4


Liebe ist die Bundestreue oder die Hingabe an eine Sache und gibt das hebr. Wort HeseD wieder. Zusammen mit der Verläßlichkeit (vgl. "Liebe und Treue" in Spr 14,22;16,6;20,28 ) soll Liebe das Leben eines Menschen schmücken wie eine Halskette (vgl. Spr 3,22;1,9;6,21 ) und ihm, bildlich gesprochen, ins Herz geschrieben sein (vgl. Spr 6,21;7,3 ). Diese Anweisung hatte Gott nicht gegeben, um damit zum Gebrauch von Gebetsriemen aufzufordern (vgl. den Kommentar zu 5Mo 6,8-9 ), sondern um die starke Verbundenheit mit der Lehre der Eltern zu unterstützen. Das Ergebnis davon, daß ein Mensch an dieser Unterweisung festhält, ist Gunst und ein guter Name (guter Ruf). hen, das vom Verb hanan kommt ("gnädig sein oder Gunst erzeigen"), wird hier mit "Gunst" übersetzt. Das Nomen wird in Spr 3,34 mit "Gnade" wiedergegeben (vgl. auch Spr 11,16;3,4;13,15;28,23 und Spr 31,30 ). Der Ausdruck "guter Name" wird in Spr 13,15 mit "gutes Verständnis" übersetzt. Das hebr. QEKel FNB schließt Befähigung, Wirksamkeit und daher auch Klugheit mit ein.



2. Vertraue auf den Herrn, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand
( 3,5-6 )


Spr 3,5-6


Wenn jemand von ganzem Herzen auf den Herrn vertraut, heißt das, daß er sich nicht auf seinen eigenen Verstand verläßt, denn das Verstehen des Menschen ist unzureichend. Gottes Wege sind unbegreiflich ( Jes 55,8-9; Röm 11,33-34 ); dennoch ist er vertrauenswürdig. Alle Weisheit, die ein Mensch erlangen kann, ist niemals ein Ersatz für das Vertrauen eines Menschen auf Gottes erhabene Wege. Der Begriff Herz kann sich manchmal auch auf die Gefühle eines Menschen beziehen ( Spr 12,25;13,12;14,10.13 ), häufiger jedoch auf seinen Verstand (so wie das Verstehen, Spr 10,8; die Erkenntnis, Spr 15,14; das Nachsinnen, 15,28 ) oder seinen Willen ( Spr 5,12 ).

Wenn ein Mensch auf den Herrn vertraut und ihn als Herrn anerkennt (damit ist nicht die theoretische Anerkennung Gottes gemeint, sondern eine Vertrautheit mit dem Herrn) auf allen seinen Wegen (vgl. von ganzem Herzen , Spr 3,5 ), dann bemerkt er, daß Gott seine Wege gerade macht. Damit ist mehr als nur die Führung Gottes gemeint; es bedeutet, daß Gott uns Hindernisse aus dem Weg räumt, unseren (Lebens-)Weg ebnet, oder, noch besser, uns zum Ziel bringt. (Zu "Wegen" und "Pfaden" vgl. V. 17 ; vgl. auch den Kommentar zu Spr 2,13.15 .) Die Sprüche lehren uns, daß die Menschen, die der Weisheit folgen, ein leichteres, weniger schwieriges Leben führen (z. B. Spr 3,10.16.24-25 ).



3. Fürchte den Herrn, und halte dich nicht selbst für klug
( 3,7-8 )


Spr 3,7-8


Junge Menschen, die Weisheit erlangt haben, sollen bedenken, daß sie nicht von sich aus so weise geworden sind; die Weisheit kommt von Gott ( Spr 2,6 ). In Spr 3,5 b wird in ähnlicher Weise an diese Tatsache erinnert. Wer in seinem Herzen Gott erkannt und entsprechend geantwortet hat ( den HERRN fürchten ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ), der schützt sich vor dem bösen Stolz (vgl. Röm 12,16 ). (Über das Fernhalten vom Bösen vgl. Spr 8,13;14,16;16,6; Ps 97,10 .) Gott schenkt aufgrund dessen Gesundheit und Stärke (vgl. Spr 4,22 ). Gesundheit in den Gebeinen (dieses Thema wird in den Sprüchen wiederholt berührt, Spr 3,8;12,4;14,30;15,30;16,24;17,22 ), dieser Ausdruck legt das nahe, was heutzutage allgemein bekannt ist, daß geistliche und körperliche Gesundheit in enger Beziehung zueinander stehen.



4. Ehre den Herrn, und enthalte ihm kein Opfer vor
( 3,9-10 )


Spr 3,9-10


In Israel war die Ehrung des HERRN mit den Erstlingsfrüchten der ganzen Ernte eine Möglichkeit, dem Herrn seine Dankbarkeit für seine Güte zu zeigen ( 5Mo 26,1-3.9-11 ). Man erkannte damit Gott und seine Hilfe an ( Spr 3,6 ). Im Gegenzug verhieß Gott dann (vgl. V. 4 ), den Menschen, ihre Scheunen (mit Getreide) und ihre Kelter mit neuem Wein ( tIrNS , "frisch gepreßter Most") zu füllen. Allgemein gilt der Grundsatz, daß Gottesfurcht Wohlergehen nach sich zieht und Frömmigkeit Wohlstand (vgl. V. 2 ; 5Mo 28,1-14; Mt 6,33 ). Aber diese allgemeine Aussage, die für die Sprüche so typisch ist, verbietet Gott natürlich nicht, daß er Ausnahmen macht. Andernfalls "investiert" man einfach in Gott, statt ihn zu verehren. Spr 3,10 erhält mit den Versen 11-12 ein Gegengewicht, wie Derek Kidner richtig feststellt ( The Proverbs: An Introduction and Commentary , S. 64).



5. Sei dankbar gegen den Herrn und seine Züchtigungen
( 3,11-12 )


Spr 3,11-12


Der Gott, dem man vertrauen kann, daß er Hindernisse aus dem Weg räumt, uns zum Ziel bringt (V. 5-6 ) und für unsere materiellen Bedürfnisse sorgt (V. 9-10 ), erweist seine Liebe durch Zucht . Die an die Adresse des Sohnes ausgesprochene Warnung (vgl. V. 1.21 ) beinhaltet zweierlei: verachte nicht ("weise nicht zurück" oder "nimm nicht auf die leichte Schulter") die Zucht des Herrn, und ärgere dich nicht ("sei nicht unwillig" oder "verabscheue nicht") über seine Zurechtweisung (vgl. den Kommentar zu Spr 1,23 ,und vgl. Hi 5,17; Hebr 12,5-6 ). Es ist nicht leicht, körperliche Strafen und verbale Zurechtweisungen hinzunehmen, aber sie beweisen, daß sich Gott voller Liebe um uns bemüht. Das gilt auch für die Zucht, die Eltern ihren Kindern angedeihen lassen (vgl. 5Mo 8,5 ). Wer sich über diese Zucht ärgert - indem er meint, daß Gott züchtigt, weil er sich daran erfreut, wenn ein Mensch leidet - der erkennt nicht den Segen, der aus einer solchen Zurechtweisung erwächst.



E. Der hohe Wert der Weisheit
( 3,13-20 )


Spr 3,13-15


Weil Weisheit Glück nach sich zieht ( glücklich ; vgl. V. 18 und den Kommentar zu Ps 1,1 ) und weil Reichtum nicht immer wirkliches Glück schafft ( Pred 5,10-12 ), ist Weisheit wertvoller als edle Metalle wie Silber und Gold oder auch Rubine (Luther: Perlen; vgl. Spr 8,10-11.19 ). Die Worte besser und wertvoller entstammen der Sprache des Händlers oder Kapitalanlegers. Was die Weisheit ihrem "Besitzer" einbringt, hat größeren Wert als alles, was man mit Gold oder Silber erwerben kann.



Spr 3,16-18


Die Weisheit, die hier als Frau personifiziert wird, teilt großzügig mit beiden Händen aus. Ihre rechte Hand gibt langes Leben (vgl. V. 2 ) und ihre linke Reichtümer (das, was man mit Silber und Gold erwerben kann) und noch mehr ( Ehre ; vgl. V. 4 ; Spr 4,8;8,18;21,21;22,4 ). Die Weisheit schenkt aber nicht nur ein langes Leben ( Spr 3,16; vgl. den Kommentar zu V. 2 ), sondern sie schenkt auch ein schönes Leben: Freundlichkeit und Frieden ( SAlNm ; vgl. den Kommentar zu V. 2 ). Ein langes Leben, ohne daß ein Mensch sich recht daran freuen kann, ist eher ein Fluch als ein Segen. (Zu Wege und Pfade vgl. V. 6 und den Kommentar zu Spr 2,13.15 .)

Ein Leben, an dem sich ein Mensch erfreut, wird in den Sprüchen häufig erwähnt: Spr 3,22;4,13.22;6,23;8,35;10,11.16-17;11,19.30;12,28;13,14;14,27;16,22;19,23;21,21;22,4 .Ein langes und fruchtbares Leben wird mit dem Bild des Baumes ausgedrückt ( Spr 3,18 ). So wie der Baum des Lebens eine Quelle des Lebens war ( 1Mo 2,9 ), so ist auch die Weisheit eine Quelle des Lebens. (Die Sprüche sprechen auch von einem Baum des Lebens in Spr 11,30;13,12;15,4 .)

 

Spr 3,19-20


Als Gott die Welt erschuf, bediente er sich der Weisheit, des Verstehens und der Einsicht. Wenn Gott schon Weisheit nötig hatte, dann haben sie die Menschen mit Sicherheit auch nötig. Die Beziehung zwischen Gott und der Weisheit in seiner Schöpfung wird in Spr 8,22-31 im Detail erörtert.



F. Der Wert der Weisheit beim Aufbau von Beziehungen zu anderen Menschen
( 3,21-35 )


Spr 3,21


Die vertrauliche Anrede mein Sohn (vgl. V. 1.11 ) leitet die Aufforderung ein, daß der Sohn bestimmte Dinge beachten sollte. Der letzte Teil von Spr 3,21 ähnelt dem ersten Teil von Spr 4,21 .



Spr 3,22-26


Diese Verse sprechen von den Vorteilen, die der genießt, der die Ermahnung aus Vers 21 beachtet. Dazu gehört das Leben (V. 22 ; vgl. den Kommentar zu V. 18 ), Sicherheit (V. 23 ; vgl. Spr 1,33;2,7-8 ), weniger Schwierigkeiten (vgl. Spr 3,6 ), ein friedlicher Schlaf (V. 24 ), Vertrauen in die Zukunft (V. 25-26 a) und das Umgehen der Fallen, die die Bösen aufgestellt haben (vgl. Spr 1,15-18 ). Das lange Leben, das in Spr 3,22 erwähnt wird, kann vielleicht zum Teil dem Frieden zugeschrieben werden, in dem der Mensch dann lebt und der in den Versen 23 - 26 so anschaulich geschildert wird.



Spr 3,27-35


Diese Verse enthalten fünf einfache Sentenzen über die Beziehungen zu anderen Menschen. Die Verse 27-31 beginnen jeweils mit einer Verneinung. Das sind nun Beispiele dafür, was es bedeutet, weise zu sein. Man könnte drei Arten von Beziehungen unterscheiden (V. 27-28.29-30.31-32 ): (1) Das Gebot Halte nicht das Gute vor dem zurück, der es verdient (V. 27 ) heißt wörtlich: "Halte das Gute nicht von seinem Eigentümer zurück." Der Gedanke dabei ist folgender: Erfülle deine Verpflichtungen, wie etwa die Auszahlung des Lohnes an den Tagelöhner ( 3Mo 19,13 b; 5Mo 24,15 ). Spr 3,28 unterstreicht den Gedanken von Vers 27 . Man könnte das Gebot aber soweit ausdehnen, daß es sich um eine allgemeine Anweisung zur Großzügigkeit gegen die Armen handelt. Das ist "recht und gerecht und gerade" ( Spr 1,3 ). (2) Wer seinen Nächsten bedrückt ( Spr 3,29 ), der verletzt sein Vertrauen, und wer ihn fälschlich verklagt (V. 30 ), der verstößt gegen das neunte Gebot ( 2Mo 20,16 ). HAraS wird mit verschwören, schmieden gegen übersetzt.

Das Wort kommt ferner in Spr 6,14.18;12,20;14,22 vor. (3) Manche Menschen beneiden einen Gewalttätigen ( Spr 3,31; vgl. Spr 23,17;24,1.19 ), weil sie das Geld sehen, das er besitzt, oder die Freude, die er vielleicht genießt. Aber Gott nennt vier Gründe, warum ein solcher Neid nicht richtig ist: (1) Der Herr haßt solch einen verkehrten ( lUz , "unredlich"; vgl. Spr 14,2 ) Menschen, wohingegen der Aufrichtige Gemeinschaft mit Gott hat ( Spr 3,32 ). (2) Der Herr verflucht den Gottlosen, aber er segnet den Gerechten (V. 33 ). (3) Gott verspottet die hochmütigen Spötter (vgl. den Kommentar zu Spr 1,22 ) und läßt ihr eigenes Tun auf sie zurückfallen, wohingegen die Demütigen seine Gnade erfahren (vgl. Jak 4,6; 1Pet 5,5 ). (4) Dem Weisen wird Ehre zuteil (vgl. Spr 3,16 ), aber der Tor ( k+sIl ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ) wird beschämt. Diese Verse machen deutlich, daß die Worte "aufrecht", "gerecht", "der Demütige" und "der Weise" im wesentlichen im Buch der Sprüche synonym verwandt werden.

 

G. Eine Ermahnung, nach Weisheit zu streben
( 4,1-9 )


Diese Aufforderung, Weisheit zu erlangen, ähnelt verschiedenen anderen Abschnitten in den Kap. 1-9 ( Spr 1,8-9;2,1-6;3,1-2.21-26;4,10.20-22;5,1-2;6,20-22;7,1-3.24;8,32-36 ). Weisheit gibt Leben ( Spr 4,4 ), Schutz (V. 6 ) und Ehre (V. 8-9 ). Diese Anweisung ist berechtigt aufgrund des bleibenden Wertes der Weisheit, und sie ist wertvoll wegen der Ehre, die sie einbringt.



Spr 4,1-2


Die Ermahnung des Vaters beginnt mit dem Gebot, zu hören (vgl. Spr 1,8;4,10.20;5,1.7;7,24 ). Normalerweise richteten sich die Worte an "meinen Sohn", aber hier und in Spr 5,7;7,24;8,32 stehen sie im Plural, meine Söhne. Merke auf wird auch in Spr 4,20;5,1;7,24;22,17 wiederholt. Wie in Spr 1,8;3,1;6,20 und Spr 13,14 wird tNrCh , das normalerweise mit "Gesetz" übersetzt wird, hier richtig mit Weisung wiedergegeben (vgl. den Kommentar zu Spr 1,8 ).



Spr 4,3-6


Salomo sprach hier von seiner Kindheit, als seine Eltern David und Batseba ihn unterwiesen hatten. Er war damals ihr einziges Kind. Später bekam er noch drei Brüder ( 1Chr 3,5 ). Spr 4,4 b. 5-9 geben die Worte von Salomos Vater David wieder. Salomo zitierte diese Worte und gab so die Unterweisung an seine Söhne weiter. Die drei beteiligten Generationen veranschaulichen 5Mo 6,2 .David hatte Salomo befohlen, seinen Worten von ganzem Herzen ( mit deinem ganzen Herzen ; vgl. Spr 3,5 ) Folge zu leisten, damit er lebe (vgl. Spr 3,1-2 ). Halte meine Gebote, und du wirst leben , wird in Spr 7,2 a wiederholt.

Möglicherweise war Davids Aufforderung, Weisheit zu erlangen, Salomo ein Anstoß dazu, Gott darum zu bitten ( 1Kö 3,5-14 ). Es lohnt sich, der Weisheit nachzujagen (dreimal sagte Salomo "erwirb"; Spr 4,5.7 [zweimal]) und sie wertzuschätzen ( liebe sie ; Spr 8,17.21 ), denn sie (die Weisheit wird hier wiederum als Frau personifiziert) beschützt (vgl. Spr 2,7-8.11;3,21-23 ) und bewahrt.



Spr 4,7-9


Wie bereits in Spr 3,13-15 festgehalten wurde, kann man "nichts" mit der Weisheit vergleichen. Deshalb ist es die Weisheit wert, daß man alle Anstrengungen unternimmt, um sie zu erlangen. Wer die Weisheit wertschätzt und liebt (vgl. Spr 4,6 ), dem gibt sie Ehre ( Spr 3,16 ), ein schönes Leben, das mit dem Bild des Kranzes gezeichnet wird ( Spr 1,9 ), und eine prächtige Krone (in Spr 16,31 wird dieser Ausdruck für graues Haar oder das Alter gebraucht). Das Gegenteil kommt darin schon zum Ausdruck: Ein törichtes, unweise geführtes Leben ist unehrenhaft, reizlos und schmachvoll. Salomo hatte sowohl mit Weisheit als auch mit Torheit Erfahrungen gemacht und kannte daher auch beide Ergebnisse.

 

H. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor Unglück
( 4,10-19 )


Der Weg der Weisheit (V. 10-13 ) und der Weg der Gottlosigkeit (V. 14-17 ) werden beschrieben, und dem Sohn-Schüler wird erneut befohlen, ersterem nachzustreben und den letzteren zu vermeiden. Die Lehre wird in den Versen 18-19 zusammengefaßt, indem auf die Endziele beider Wege eingegangen wird.



Spr 4,10-13


Noch einmal sprach Salomo einen seiner Söhne an ( mein Sohn ; vgl. V. 20 ) und forderte ihn auf, zu hören (vgl. V. 1.20 und den Kommentar zu Spr 1,8 ), denn das Bewahren der Worte seines Vaters schenkte ihm ein langes Leben (vgl. Spr 3,2.16;9,11;10,27;14,27;15,24 ). Gerade Wege ( Spr 4,11 ) sind Wege ohne Beschränkung (vgl. Spr 3,6 ), auf denen man leichter gehen kann. Dieser Gedanke wird in Spr 4,12 weiter ausgeführt; seine Schritte werden nicht behindert (wörtl. "beengt"). Der verkrümmte, irrige Weg der Sünde ist der Weg der Schwierigkeiten und der Mühen (vgl. "Pfad" und "Weg" in V. 14.18-19 und den Kommentar zu Spr 2,12-15 ).

Noch einmal steht hier die Aufforderung, eifrig nach Weisheit zu streben ( Spr 4,13; vgl. V. 5-7 ), denn sie gibt das Leben (vgl. V. 10 ).



Spr 4,14-17


In den Versen 14-15 werden sechs dringende Bitten ausgesprochen, den Weg der Gottlosen zu vermeiden, und die Verse 16-17 nennen den Grund für die Dringlichkeit der Aufforderung in den Versen 14-15 . Die Gottlosen sind so in das Böse verstrickt, daß sie nicht mehr schlafen können, bis sie jemand etwas Böses zugefügt haben (vgl. Spr 1,15-16 ). Die Sünde ist so sehr ein Teil von ihnen geworden, daß sie ihnen wie die Nahrung ist ( Brot und Wein ).



Spr 4,18-19


Der Pfad der Gerechten , das ist "der Pfad der Weisheit" (V. 11 ), ist den ersten Strahlen des Morgenlichtes gleich, aus denen dann das helle Licht am Mittag wird. Mit diesem Licht auf seinem Weg kann ein Glaubender "den geraden Weg" (V. 11 ) gehen, wird nicht "gehemmt" und "stolpert" nicht (V. 12 ). Im Gegensatz dazu ist der Weg oder Pfad der Gottlosen (vgl. V. 14 ) von tiefer Finsternis ( ?XPElCh , schwarze Finsternis mitten in der Nacht; vgl. Spr 7,9; 2Mo 10,22 ) gekennzeichnet, die ihn zum Stolpern bringt.



I. Der Wert der Weisheit für die Genesung
( 4,20-27 )


Spr 4,20-22


Eine weitere Ermahnung, zu hören und auf die Unterweisung aufzumerken (vgl. V. 1 ; Spr 5,1 ), eröffnet diesen Abschnitt. Die Worte des Autors (vgl. Spr 4,4;2,1 ) sollten dem Sohn vor Augen stehen (vgl. Spr 3,21 ) und in seinem Herzen ruhen. Der größte Ansporn lag in der Aussicht auf Leben (vgl. Spr 4,10.13.23 ) und Wohlergehen (oder Heilung; vgl. Spr 3,8 ).

 

Spr 4,23


Das Herz (vgl. den Kommentar zu Spr 3,5 ) bedarf der besonderen Bewachung, denn aus dem Herzen (als Quelle) entspringen die Taten eines Menschen (vgl. Lk 6,45 ). An dieser Stelle bedeutet "Herz" mehr als nur den geistigen oder seelischen Bereich; aus dem Herzen kommen auch die Wertvorstellungen eines Menschen (vgl. Mt 6,21 ).

 

Spr 4,24-27


Diese Verse sind eine Anwendung des Gebotes, sein Herz zu bewahren (V. 23 ). Es umfaßt das, was ein Mensch sagt (V. 24 ), sieht (V. 25 ) und tut (V. 26-27 ). (Vgl. den Kommentar zu Spr 6,17-18 .) Die Erwähnung von Mund und Lippen in Spr 4,24 ist der Lehre Christi über die Beziehung zwischen dem Herzen und dem Reden eines Menschen ( Lk 6,45 c) ähnlich. Der Begriff Verkehrtheit kommt von ZiqqES , "gekrümmt" (vgl. Spr 2,15 ). Eine verkehrte oder faule Rede (vgl. Spr 6,12 ) sollte der niemals auf den Lippen führen, der auf den Herrn vertraut (vgl. Eph 4,29 ).

Jeder Gläubige sollte seine Augen ( Spr 4,25 ) auf den Pfad der Weisheit richten (vgl. V. 11 ), indem er sich auf ihn konzentriert und sich nicht davon abbringen läßt. Sein Wandel sollte aufrecht sein, denn er geht den ebenen Weg (vgl. V. 11 b) und wendet sich nicht davon ab und dem Bösen zu (vgl. V. 15 ; Spr 1,15 ). Wieder werden die Begriffe "Pfade" und Wege ( Spr 4,26 ) gebraucht, um damit von dem Wandel eines Menschen zu sprechen (vgl. Spr 2,13.15.20;3,6.17;7,25; und vgl. "Pfad" und "Weg" in Spr 4,18-19; vgl. auch Spr 8,20 ). "Die Sprüche sprechen sowohl von einem Ziel als auch von einem Weg. Das Ziel ist ein erfolgreiches Leben, und der Weg ist der Weg der Weisheit" (Robert L. Alden, Proverbs, A Commentary on an Ancient Book of Timeless Advice , S. 48). Die Weisheit hält einen Menschen zwar auf dem richtigen Weg (vgl. z. B. Spr 2,12 ), aber es wird hier trotzdem die Ermahnung ausgesprochen, daß man selbst auf dem geraden Weg bleiben soll.



J. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor Ehebruch
( Spr 5 )


Hier werden besondere Weisungen betreffs der Gefahren des Ehebruches erteilt (V. 1-6 ), dem Endergebnis des Unglaubens (V. 7-14 ). Das Kapitel behandelt zudem die Freuden der Liebe in der Ehe (V. 15-20 ). Dann wird daran erinnert, daß Sünde letztendlich immer eine Sache zwischen Gott und dem Menschen ist (V. 21-23 ). Ähnlich dem Abschnitt in Spr 1,14-19 stellt Kapitel 5 dem augenblicklichen Vergnügen die Langzeitfolgen der Sünde gegenüber. Wenn ein Mensch wirklich weise ist, dann schaut er voraus.



Spr 5,1-6


Dieses Kapitel beginnt wie andere Teile im Buch der Sprüche mit einer Ermahnung, daß der Sohn aufmerken und auf die Worte seines Vaters hören sollte (vgl. Spr 4,1.10.20;5,7;7,24 ), denn daraus folgt Besonnenheit (vgl. Spr 1,4 ) und Erkenntnis . Wenn der Sohn in Weisheit redet (Lippen, Spr 5,2 ), so hilft ihm das, die Worte (Lippen, V. 3 ) der Ehebrecherin ( zArAh ; vgl. den Kommentar zu Spr 2,16 ) zu überhören. Ihre verführerischen Worte klingen überzeugend, sie sind süß wie Honig, die süßeste Speise im alten Israel, und glatter als Oliven öl , die glatteste, weichste Substanz in Israel. Aber was zu Anfang so anziehend zu sein scheint, wird später bitter und scharf . Wer sich in den Ehebruch verstrickt, dem ist es, als wenn er Galle schmeckt, die bitterste bekannte Substanz (von einer Pflanze), oder er fühlt sich wie von einem zweischneidigen Schwert durchbohrt. Die Ehebrecherin bringt Männer zu Tode (vgl. Spr 2,18;7,27;9,18 ). Ihre Sünde nimmt ihr den Blick dafür, daß ihre Wege verkehrt sind (wörtl.: "taumelnd oder schwankend") und im Gegensatz zu den "geraden Pfaden" (in Spr 4,11 ) stehen.


Spr 5,7-8


Noch einmal forderte Salomo seine Söhne (vgl. den Kommentar zu Spr 4,1 ) dazu auf, zu hören (vgl. Spr 4,1.10.20;5,1;7,24 ) und an dem festzuhalten, was er sagte. Er befahl ihnen, daß sie sich nicht von seiner Unterweisung abwenden, sondern vielmehr der Ehebrecherin aus dem Weg gehen sollten. Sie sollten sich wegen der Gefahr, daß sie dann der Versuchung erliegen könnten, noch nicht einmal ihrem Haus (vgl. Spr 2,18 ) nähern.



Spr 5,9-14


Wer sich nicht von der Ehebrecherin fernhält, der kann mancherlei einbüßen: seine Stärke (das kann den Verlust der Gesundheit, der Selbstachtung oder beider Dinge bedeuten), ein langes Leben (V. 9 ), Geld (vgl. Spr 6,26;29,3 b) - wenn er die Ehebrecherin, den Ehemann der Ehebrecherin oder Unterhalt für die Kinder bezahlt - und seine Gesundheit ( Spr 5,11 ). Wer seiner Lust zum Opfer gefallen ist, über den kommt die Reue, wenn er zu spät erkennt, daß er die Weisungen seiner Eltern (sie werden hier Lehrer genannt) nicht bewahrt hat. Das führt zwangsläufig zum Ruin und bringt ihn bei anderen in Schande.

 

Spr 5,15-18


Die Keuschheit als Lohn ist ein weiterer Ansporn zur Reinerhaltung auf moralischem Gebiet. Eine Zisterne, Quelle, Brunnen, Wasserbäche und ein Born enthalten Wasser, hindern es aber daran, daß es auf die Straßen verspritzt wird. In ähnlicher Weise ist die eheliche Liebe mit der eigenen Frau (V. 18 ) bildlich dargestellt als die Freude an der Zisterne oder der Quelle (vgl. Hl 4,12.15 ). Das sexuelle Verlangen eines Menschen muß kontrolliert und in der Ehe in die richtigen Bahnen gelenkt und nicht verschwendet werden, wie es in Spr 5,7-14 beschrieben wird. Einige Kommentatoren sind der Meinung, daß das Wort sie (V. 17 ) sich auf die Kinder bezieht; andere glauben, damit werde der bildhafte Vergleich der Wasserströme weitergeführt, die ein Bild für das sexuelle Verlangen eines Menschen sind. So wie ein Mensch von der Zisterne seines Nachbarn kein Wasser bekommt, weil er seine eigene Quelle hat ( 2Kö 18,31 ), so soll ein Mann sich gemeinsam mit seiner eigenen, aber sonst keiner anderen Frau, an der Sexualität erfreuen.



Spr 5,19-20


Die Brüste einer Frau sind weich und anmutig wie eine Hirschkuh (vgl. Hl 4,5;7,3 ). Daher sollte ein Ehemann von ihrer Liebe bezaubert werden (vgl. Spr 5,20; das Verb SAgCh bedeutet "in die Irre gehen", vgl. V. 21 , es kann jedoch auch "bezaubert werden von, gefesselt werden durch" bedeuten) und nicht von den Liebesbeweisen einer Ehebrecherin. Mit zwei rhetorischen Fragen (V. 20 ) wies der Schreiber auf die Torheit hin, von einer Frau ohne moralische Maßstäbe gefesselt zu werden und eine andere zu lieben als die eigene Frau.



Spr 5,21-23


Die fürchterlichen Konsequenzen des Ehebruches (V. 7-14 ) sollten einen Menschen dazu bringen, keinen Ehebruch zu begehen. In den Versen 21 - 23 werden aber noch vier gewichtigere Gründe genannt: (1) Weil Gott die Wege des Menschen sieht (vgl. Spr 15,3; Hi 31,1.4; Hebr 4,13 ), weiß der Herr auch um den in der Verborgenheit begangenen Ehebruch. (2) Gott prüft auch den Wandel des Menschen (zu Wege und Pfade vgl. den Kommentar zu Spr 4,26 ). Der Mensch kann Gottes Prüfung nicht entkommen. (3) Die Sünde umgarnt (vgl. Spr 1,17-18 ) und fesselt einen Menschen wie ein Strick ( Spr 5,22 ). Die Menschen reden zwar gerne davon, daß sie "frei" sind, zu sündigen, wie es ihnen paßt, aber in Wirklichkeit raubt die Sünde ihnen ihre Freiheit. (4) Wer in seinem Leben in moralischer Hinsicht zuchtlos lebt (vgl. V. 12 ), der wird als Folge den Tod sehen (vgl. V. 5.11 ). Solch ein Leben ist töricht, denn es führt den Menschen weg von Gottes Maßstäben. Der Begriff der Torheit oder Narrheit kommt in den Sprüchen 21mal vor. Wer sich seiner Lust hingibt, der ist ein Narr.



K. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor Armut
( 6,1-11 )


Salomo warnt hier vor zwei Dingen, die Armut zur Folge haben: törichte Verstrickung in Geldangelegenheiten (V. 1-5 ) und Faulheit (V. 6-11 ). In gewissem Sinne betreffen beide Dinge das Thema Geld, denn die Befolgung der ersten Ermahnung bewahrt vor unnötigem Verlust dessen, was ein Mensch verdient hat, und die der letzteren vor dem Unvermögen, überhaupt zu Geld zu kommen.



1. Warnung vor törichter Verstrickung in Geldangelegenheiten
( 6,1-5 )




Spr 6,1


Die Anrede mein Sohn taucht in Spr 6,1.3.20 auf. Wenn ein Mensch ein Schriftstück mitunterzeichnete, das einen hohen Zinssatz für das Geld festlegte, das sich ein anderer geliehen hatte, dann sollte dieser Mitunterzeichnende sich von dieser Verpflichtung so schnell wie möglich befreien ("mach dich frei", V. 3.5 ). In Israel war der eigentliche Gedanke beim Leihen die Hilfe für einen anderen Israeliten und nicht das Geschäft wie heute. Von einem anderen Israeliten durfte kein Zins genommen werden ( 2Mo 22,24; 3Mo 25,35-37 ). Bei Nichtisraeliten konnte ein Israelit Zinsen verlangen, aber auch da war Wucherzins (ein unangemessen hoher Zinssatz) nicht rechtens. Übermäßige Zinsnahme hatte häufig Ungerechtigkeit zur Folge (vgl. 2Kö 4,1; Neh 5,1-11 ), und das Gesetz sollte das eigentlich verhindern. Die Warnung in Spr 6,1 ergeht nicht gegen das Leihen an sich, sondern gegen den Fall, daß ein Mensch für einen anderen Menschen zum Bürgen wird, der zum hohen Zinssatz geliehen hat. Das Thema der Bürgschaft kommt in den Sprüchen häufiger vor ( Spr 11,15;17,18;20,16;22,26-27;27,13 ).

Manche Ausleger sind der Meinung, daß das Wort Nächster an dieser Stelle "Fremdling" bedeutet und daß das Mitunterzeichnen eines Vertrages für die eigenen Verwandten, nicht jedoch für einen Fremdling, richtig war. Das parallele Wort ein anderer macht jedoch wahrscheinlich, daß hier der Rat gegeben wird, überhaupt nicht als Bürge zu fungieren ("Nächster" kann hier auch im Sinne von "irgendein Mensch" gebraucht werden). Bedeutet diese Ermahnung also, daß man für seine Verwandten keine Bürgschaft mehr übernehmen soll? Nein. Die Einschränkung gilt anscheinend nur für Bürgschaften mit überhöhten Zinssätzen.

Ein Handschlag war eine Bekräftigung, ähnlich gültig wie heute eine Unterschrift. Es war eine Bekräftigung des Gesagten.



Spr 6,2


Die Worte gefangen und verstrickt (vgl. V. 5 ) machen deutlich, daß der Sohn sich in eine finanziell unsichere Situation brächte, wenn er die Bürgschaft für eine Schuld eines anderen mit hohem Zinssatz übernähme (vgl. V. 3 ). Wenn er mit dem Wort seines Mundes dieser Bürgschaft zustimmte, könnte ihn das in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

 

Spr 6,3-5


Mit nachdrücklichen Worten forderte Salomo den auf, der Bürge für einen anderen geworden war, sich so bald wie möglich aus dieser Falle zu befreien. Wenn jemand in die Hände seines Nächsten fiel, so bedeutete das, daß über den Ausgang dieser Situation allein der Nächste zu entscheiden hatte. Die Wendung bestürme deinen Nächsten macht die Dringlichkeit der Situation deutlich. Der Bürge sollte sich von der Bürgschaft freimachen, auch wenn er seinen Nächsten erst nachdrücklich bitten mußte. Diese Dringlichkeit wird in den Versen 4-5 hervorgehoben. Nichts sollte den Bürgen aufhalten; er sollte nicht einmal eine Nacht schlafen, bevor er die Sache in die Hand nahm. So wie eine Gazelle oder ein Vogel sofort um ihr Leben kämpfen und versuchen würden, sich loszustrampeln, wenn sie einmal gefangen waren, so sollte ein Bürge, der in eine törichte Bürgschaft verwickelt worden war, wild darum kämpfen, daß er wieder frei davon würde (vgl. V. 3 ).



2. Warnung vor Faulheit
( 6,6-8 )


Spr 6,6-8


Ein Mensch kann durch seine Faulheit ebenso finanziell in Schwierigkeiten geraten wie durch törichterweise geleistete Bürgschaften. Wahrscheinlich nannte Salomo nicht seinen eigenen Sohn einen Faulpelz; er wandte sich rhetorisch an jedermann, der seine Botschaft hörte oder las. Das hebr. Wort für Fauler oder Faulpelz ( ZAQEl ) taucht in den Sprüchen 14mal auf, sonst jedoch an keiner Stelle im AT. Es geht dabei um mehr als nur um bloße Faulheit. In 15,19 wird der Faulpelz einem "Aufrichtigen" gegenübergestellt und in Spr 21,25-26 einem "Gerechten". Ein fauler, verantwortungsloser Mensch soll von der Ameise lernen (die auch in Spr 30,25 erwähnt wird) und weise werden . Die Ameisen, die für ihren Fleiß bekannt sind, werden hier wegen ihrer Tatkraft gelobt. Offensichtlich haben die Ameisen keinen Anführer - keinen Hauptmann, der sie lenken könnte, keinen Aufseher zur Kontrolle über ihre Arbeit und keinen Herren, der sie anstacheln könnte. Dennoch arbeiten sie besser als viele Menschen unter einem Führer! Ameisen sorgen auch für die Zukunft vor und sammeln und häufen ihr Futter auf, während es noch warm ist und bevor der Winter kommt. Die Tugend der Weisheit liegt nicht im Fleiß, sondern in der Vorausschau, die den Menschen zur Arbeit antreibt (vgl. Spr 10,5 ). Wer nur auf Befehl arbeitet, besitzt keine Weisheit.



Spr 6,9-11


Mit zwei Fragen (V. 9 ) forderte Salomo den Faulen auf, aus dem Bett aufzustehen und mit der Arbeit zu beginnen. Die Verse 10-11 , die später in Spr 24,33-34 wiederholt werden, deuten darauf hin, wie gefährlich es ist, wenn ein Mensch immer weiter schlummert, während er doch schon arbeiten sollte: die Armut wird ihn plötzlich überwältigen, wie ein Räuber oder ein Bewaffneter (ein Soldat) schnell ein ahnungsloses Opfer überfällt. Die Armut wird in den Sprüchen häufig erwähnt ( Spr 6,11;10,15;11,24;13,18;14,23;21,5;22,16;24,34;28,19.22;30,8;31,7 ). Der Faule vergeudet seine Zeit, kann seine Lage nicht verbessern und hat nur wenig oder gar kein Geld, um für sich zu sorgen. Ganz offensichtlich ist ein solcher Mensch unweise.



L. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor Streit
( 6,12-19 )


Salomo beschrieb hier einen Menschen, der betrügerisch Streit aufbringt (V. 12-15 ), und die Taten, mit denen sich ein solcher Mensch beschäftigt (V. 16-19 ). Er forderte seinen Sohn auf, sich von solchem Unglück und von Gottes Unwillen fernzuhalten (V. 15 ).



Spr 6,12


Die Bezeichnungen Schuft und Schurke beziehen sich auf eine Person, wie durch den Gebrauch einzelner Verben in den Versen 12-15 deutlich wird. "Schurke" (vgl. Spr 16,27; 2Sam 16,7;1Kö . Spr 21,10 ) bedeutet wörtlich "Mann Belials", ein Nichtswürdiger und Gottloser. Später wurde das Wort Belial für den Teufel benutzt, für den, der im höchsten Maße nichtswürdig und gottlos ist ( 2Kor 6,15 ). Ein Schuft hat einen falschen (wörtl. "verdrehten"; vgl. den Kommentar zu Spr 2,15 ) Mund (vgl. Spr 4,24 ), und er redet falsche, betrügerische Worte.


Spr 6,13-14


Mit seiner unheilvollen Körpersprache widerspricht der Schuft dem, was er sagt (vgl. Spr 10,10;16,30; Ps 35,19 ), und wenn er mit seinen Füßen und Fingern Zeichen macht, vermittelt er seinen Mitverschworenen bestimmte Botschaften. Er hat Böses im Sinn (vgl. den Kommentar zu Spr 3,29;1,11-14 ), das aus einem falschen Herzen kommt, so daß die Menschen nichts von seinen Absichten bemerken, bis es zu spät ist. Er heuchelt zwar Aufrichtigkeit, aber im Innern ist er verkehrt. Er verursacht Zwistigkeiten, indem er andere in Streit miteinander verwickelt. Zwistigkeit (vgl. Spr 6,19 ) kommt durch Haß ( Spr 10,12 ) und Wut ( Spr 15,18 ), durch Verkehrtheit ( Spr 16,28 ), Gier ( Spr 28,25 ) und Zorn ( Spr 29,22 ) zustande. (Vgl. auch weitere Verse zum Thema Streit: Spr 17,1;18,6;20,3;22,10;23,29;26,21;30,33 .)



Spr 6,15


Ein Schuft verursacht durch seine betrügerischen Worte und unheilvollen Gesten nicht nur Uneinigkeit zwischen Menschen, sondern er bringt auch über sich selbst Unglück. Es bricht unerwartet und rasch herein ( in einem Augenblick und plötzlich ), ohne eine Möglichkeit zur Heilung. Ob es dabei um die natürlichen Folgen seines Handelns oder um das Eingreifen Gottes geht, wird nicht klar. Aber sein Fall geschieht schnell, gänzlich und gewiß.



Spr 6,16


Der Herr haßt das Tun des heillosen Menschen (V. 12-14 ), was in den Versen 16-19 beschrieben wird. Diese beiden Abschnitte werden durch die Worte "bringt Streit auf" (V. 14.19 ) miteinander verbunden.

Das sechs - sieben- Muster wird auch in Hi 5,19 verwandt, und ein ähnliches Motiv wird in Spr 30,15-16.18-19.21-31 gebraucht. Die Absicht hinter diesen Aufzählungen (x und x+1) ist nicht eine vollständige Auflistung. Vielmehr wird dadurch der letzte Punkt als Höhepunkt oder Ergebnis aus dem Vorhergehenden betont (x+1).



Spr 6,17-19


Ein Mensch mit stolzen Augen (d. h. einem stolzen Blick; vgl. Spr 8,13;30,13; Ps 18,28;101,5 ), einer lügnerischen Zunge (vgl. Spr 12,19;21,6;26,28 ), Händen , die morden (unschuldiges Blut vergießen; vgl. Spr 1,11 ), einem Herz, das (vgl. den Kommentar zu Spr 3,29 ) böse Ränke schmiedet (vgl. Spr 4,16;6,14 ), Füßen , die eilen, um die Sünde zu vollbringen (vgl. Spr 1,16 ), und ein Mensch, der vor Gericht falsche Aussagen macht (vgl. Spr 12,17;14,5.25;19,5.9;21,28;25,18 ), sind Menschen, die Zwistigkeit (vgl. den Kommentar zu Spr 6,14 ) unter Freunde säen. Offensichtlich bringt er mit seinen Lügen seine Freunde dazu, daß sie sich gegenseitig mißtrauen. Das Lügen wird hier in dieser Aufzählung der Dinge, die Gott ein Greuel sind, zweimal erwähnt (V. 17.19 ). Es ist eine der vielen Arten von Wortmißbrauch, die in den Sprüchen verurteilt werden. (Die Übersicht "Das Buch der Sprüche über das Reden", die die vielen falschen und richtigen Arten aufzählt, wie man Worte gebrauchen kann, von denen in den Sprüchen gesprochen wird, listet die einzelnen Punkte auf. Als Aufzählung einiger der zahlreichen anderen Punkte in den Sprüchen vgl. die Übersicht "Positive und negative Begriffe und andere Themen in den Sprüchen" in der "Einleitung".)

Der Schuft (V. 12 ) gebraucht bei der Verletzung der Gebote in Spr 4,23-26 verschiedene Körperteile, wie in diesen Abschnitten deutlich wird: sein Herz, seinen Mund, seine Lippen, seine Augen, seine Füße ( Spr 4,23-26 ); seinen Mund, sein Auge, seine Füße, seine Finger, sein Herz ( Spr 6,12-14 ); seine Augen, seine Zunge, seine Hände, sein Herz, seine Füße (V. 17-18 ).

 



M. Der Wert der Weisheit bei der Bewahrung vor unmoralischem Verhalten auf sexuellem Gebiet
( 6,20-7,27 )


Fünfmal erwähnte Salomo in den Kap. 1-9 das Problem der Unmoral auf sexuellem Gebiet: Spr 2,16-19;5,3-23;6,20-35; Kapitel 7 ; 9,13-18 . ( Spr 9,13-18 spricht zwar nicht direkt vom Ehebruch, aber die Torheit, die als Frau personifiziert wird, könnte auf das Thema Ehebruch hindeuten. Vgl. den Kommentar an dieser Stelle.) Spr 6,20-35 warnt vor Ehebruch, und Kapitel 7 schildert die Wege der Verführerin und die Folgen, die man zu spüren bekommt, wenn man sich mit ihr einläßt.



1. Weisheit bewahrt vor Ehebruch
( 6,20-35 )


Spr 6,20-21


Noch einmal ermahnte Salomo seinen Sohn (vgl. den Kommentar zu mein Sohn bei Spr 1,8 ), die Weisungen seines Vaters und seiner Mutter zu bewahren (vgl. Spr 1,8 ) und innerlich an ihnen festzuhalten ( Spr 6,21 a; vgl. Spr 7,3 b), auf daß er ein Leben unter ihrer Huld führte ( Spr 6,21 b; vgl. Spr 3,3.22;7,3 a).



Spr 6,22-23


Die Weisung der Eltern vermittelt Wegweisung, Schutz (vgl. Spr 2,11 ) und Rat ( Spr 6,22 ). Die Lehre sollte aus dem Gesetz Gottes erfolgen, denn die Gebote der Eltern sollten wie das Wort Gottes eine Leuchte und ein Licht sein, die auf den Weg eines Menschen scheinen ( Ps 119,105 ). Zucht (vgl. Spr 1,2.7 ) ist zwar schmerzhaft (vgl. Hebr 12,11 a), aber sie hält den Menschen auf dem richtigen Weg und führt ihn den Weg des Lebens .



Spr 6,24


Die Weisheit, die ein Mensch durch Gottes Wort mittels der Lehre der Eltern erlangt (V. 20-23 ), schützt ihn vor Ehebruch (vgl. Spr 2,12.16-19 ). Bei der Frau der Bosheit - möglicherweise eine unverheiratete Frau - könnte es sich um die in Spr 6,26 erwähnte Hure handeln. Die zuchtlose Frau (Luther: die Fremde ) ist eine promiskuitiv lebende, verheiratete Frau (vgl. "die Frau seines Nächsten", Spr 6,29 ). In Vers 26 wird sie "Ehebrecherin" genannt, wörtlich, "die Frau eines Mannes". Zu noKrIyCh vgl. den Kommentar zu Spr 2,16 .Solche Frauen haben eine glatte Zunge; sie reden verführerisch (vgl. Spr 2,16;5,3;7,5.21 ).


Spr 6,25


Dieser Vers spricht eine Warnung aus, und V. 26-29.32-35 nennen die Gründe für die Warnung. Wer in seinem Herzen (vgl. den Kommentar zu Spr 3,5;4,23 ) eine äußerlich attraktive, promiskuitiv lebende Frau begehrt, sei sie nun verheiratet oder unverheiratet, der sündigt. Jesus hat sich ganz ähnlich geäußert ( Mt 5,28 ). Die Sünde des Ehebruches nimmt häufig mit lüsternen Blicken ihren Anfang. Wenn ein Mann einer solchen Frau hinterherblickt, dann versucht sie vielleicht, ihn mit ihren Augen zu umgarnen .


Spr 6,26


Unmoralisches Verhalten ist teuer! Eine Hure (vgl. Spr 7,10;23,27;29,3 ) kann einen Mann in die größte Armut bringen, so daß ihm nur ein Laib Brot übrigbleibt und er sein Geld für ihre Dienste ausgibt (vgl. Spr 29,3 ). Eine verführerische Frau (vgl. den Kommentar zu Spr 6,24 ) kann Jagd auf das Leben des Mannes machen, d. h. ihn ruinieren und zu Tode bringen (vgl. Spr 2,18-19;5,5.14;7,22-23.26-27 ).



Spr 6,27-29


Eine Folge der Untreue auf sexuellem Gebiet wird in Vers 26 genannt, eine weitere in den Versen 27-35 . Gräßliche Folgen sind unvermeidlich (V. 27-29 ) und treffen schwer (V. 30-35 ). So wie es unmöglich ist, Feuer an ein Gewand zu halten, ohne die Kleidung zu verbrennen, oder auf Kohlen zu schreiten, ohne sich die Füße zu verbrennen, so ist es auch unmöglich, mit der Frau eines anderen Mannes Ehebruch zu begehen, ohne Schaden zu leiden. Verbotene Sexualität ist dem Spiel mit dem Feuer gleich! Solch ein Mann wird seine Strafe bekommen, vielleicht auch von dem betrogenen Ehemann der Frau (vgl. V. 34 ).



Spr 6,30-31


Möglicherweise hat man für einen Dieb noch Verständnis (wenn man sein Tun auch nicht gutheißt), wenn er durch seinen Diebstahl dem Hungertod entgehen möchte. Trotzdem muß er das Gestohlene siebenfach zurückerstatten, auch wenn ihn das alles kostet, was er hatte (vgl. dazu den Mann, der nur noch einen Laib Brot übrigbehielt, V. 26 ). Die Bestrafung des Diebes ist aber nicht so streng wie die des Ehebrechers. Wer die Frau seines Nächsten "stiehlt", dem wird keine Vergebung und keine Milde zuteil.



Spr 6,32-35


Wer sich in Ehebruch verstrickt, der zeigt damit nur seine Dummheit (vgl. Spr 7,7; Spr 9,4.16 ); er begeht seine Sünde, während er doch weiß, daß die schlimmen Folgen bald kommen werden. Er zerstört sich selbst (vgl. Spr 6,26 b; 5Mo 22,22 ); Ehebruch ist eine Art "Selbstmord". Er erleidet Schande und Schmach; im Gegensatz zu dem Dieb ( Spr 6,30 ) wird ein Ehebrecher verachtet. Der betrogene Ehemann, der von dieser Tat erfährt, wird eifersüchtig, wild (vgl. Spr 27,4 ) und sinnt gegen den Ehebrecher auf Rache (offensichtlich gibt er dem Mann mehr Schuld als seiner Frau). Der Zorn eines solchen betrogenen Ehemannes kann durch Bestechung nicht beschwichtigt werden, wie groß das Geschenk auch immer sein mag. Die Bestechung wird wiederholt angeprangert, und zwar in den Sprüchen ( Spr 6,35;15,27;17,8 ), im Gesetz ( 2Mo 23,8; 5Mo 16,19; 27,25 ) und auch an anderen Stellen (z. B. Hi 36,18; Ps 15,5; Pred 7,7; Jes 33,15 ).



2. Weisheit bewahrt vor der Verführerin
( Spr 7 )


In Spr 6,20-35 gab der Vater die Worte der Unterweisung über die Tragödie des Ehebruches weiter. In Kapitel 7 erläuterte er, wie ein einfältiger junger Mann leicht in die Falle einer verführerischen Frau geraten kann. Salomo ermahnte seinen Sohn, die Belehrung seines Vaters zu bewahren ( Spr 7,1-5 ), stellte das listige Vorgehen der Ehebrecherin dar ( Spr 7,6-23 ) und schloß mit einer Warnung vor ihrer Falle ( Spr 7,24-27 ).

a. Die Weisung des Vaters
( 7,1-5 )


Spr 7,1-2


Kapitel 7 beginnt mit einer uns gut bekannten Bitte Salomos an seinen Sohn (zu mein Sohn vgl. den Kommentar zu Spr 1,8 ), daß er die Weisung seiner Eltern hören, annehmen und danach leben sollte. Diese Weisung umfaßte die Worte seines Vaters (vgl. Spr 2,1;4,4-5.20;5,1 ), seine Gebote (vgl. Spr 2,1;3,1;4,4;6,20.23;7,2 ) und seine Lehren (vgl. den Singular "Lehre" in Spr 1,8;3,1;4,2;6,20.23 ). Der Sohn sollte mit ihrer Hilfe die Lehre behalten (vgl. Spr 3,1;4,4.21;6,20 ), sie bewahren (vgl. Spr 2,1;10,14 ) und sie wie einen Schatz beobachten. Wenn er das tat, würde er ein erfülltes Leben haben (vgl. Spr 3,18;4,4 c; Spr 8,35 ). Der (Aug-)Apfel ( ?ISNn ) ist wörtlich das Zentrum eines Gegenstandes; in Spr 7,9 wird damit die Mitte der Nacht bezeichnet, d. h. die tiefste Finsternis. Die Pupille, das Zentrum des Auges (vgl. 5Mo 32,10; Ps 17,8 ), ist der empfindlichste Teil der äußerlich sichtbaren Organe des menschlichen Körpers, der sorgfältig geschützt werden muß.

 

Spr 7,3


In 3,3 war der Sohn ermahnt worden, die Lehren seines Vaters um seinen Hals zu hängen. In 7,3 forderte der Vater ihn auf, sie wie einen Ring um seine Finger zu winden. Wie in Spr 3,3 sollte er sie sich auch ins Herz schreiben (vgl. Spr 6,21 ).



Spr 7,4-5


Zur Zeit des Alten Testamentes wurde die Schwester eines Menschen als eine enge Verwandte betrachtet. Deshalb wurde " Schwester " bisweilen als Synonym für die eigene Ehefrau gebraucht (vgl. Hl 4,9-10.12;5,1-2 ). In gleicher Weise soll ein Mensch mit der Weisheit auf vertrautem Fuß stehen, als wenn sie seine Schwester oder Frau wäre. Dasselbe gilt für die Erkenntnis ("Einsicht"; vgl. Spr 2,2 ), die wie eine Angehörige sein soll (vgl. Rt 3,2 ). Die Vertrautheit eines Menschen mit der Einsicht sollte so eng sein wie zwischen Verwandten. Weisheit und Einsicht, die in den Sprüchen häufig als Synonyme aufgefaßt werden, halten junge Männer von der Ehebrecherin und der fremden Frau fern (vgl. den Kommentar zu Spr 2,16;6,24 ), die sie mit verführerischen Worten locken möchten (vgl. Spr 6,24;7,21 ). "Verführerisch" ist mit dem Wort "glatter" in Spr 5,3 verwandt.


b. Die Einfalt des Opfers
( 7,6-9 )


Vers 6-23 lesen sich wie der Bericht eines Augenzeugen. Der Bericht der Unterredung in den Versen 14-20 möchte vielleicht deutlich machen, daß Salomo das Thema aus seiner einen oder der Erfahrung anderer Menschen erörtert oder daß er sich mit dem jungen Mann in der Erörterung tatsächlich nach dem Ereignis unterhielt. Möglicherweise hörte Salomo die Unterhaltung von seinem Aussichtspunkt am Fenster in Wirklichkeit gar nicht.



Spr 7,6-9


Salomo sah durch ein vergittertes Fenster und sah einige unverständige ( peTI , unwissend oder leichtgläubig, einfältig; vgl. den Kommentar zu Spr 1,4 ) Jünglinge, und unter ihnen befand sich einer, dem es an Urteilsvermögen mangelte (vgl. Spr 6,32;9,4.16;10,13 ). Damit ist seine Unwissenheit gemeint, nicht seine Torheit oder ungezügelte Gier. Wenn er sich zu dem Haus dieser Frau begab, dann heißt das nicht automatisch, daß er sich absichtlich dorthin begab. Allerdings könnte er gewußt haben, daß sie dort wohnte. Er ging dorthin, wo am Abend die Versuchung lauerte, als der Tag zu Ende ging und die Dunkelheit hereinbrach. Die Dunkelheit der Nacht heißt wörtlich "in der Mitte der Nacht", noch besser "Finsternis" (vgl. Spr 7,2 ). Robert L. Alden schreibt dazu: "Wenn du das Böse vermeiden willst, dann begib dich auch nicht in seine Nachbarschaft. Wenn du vermutest, daß du für eine bestimmte Sünde anfällig sein könntest, dann unternimm konkrete Schritte, diese zu vermeiden" ( Proverbs, A Commentary on an Ancient Book of Timeless Advice, S. 63).



c. Der Charakter der Verführerin
( 7,10-12 )


Spr 7,10-12


Die Frau, bei der es sich um eine verheiratete Frau handelte (V. 19 ), ging hinaus, um dem jungen Mann zu begegnen, denn sie merkte, daß er eine leichte Beute sein würde. Sie war (a) in ihrer Kleidung schamlos (verführerisch gekleidet wie eine Hure), (b) geheimnistuerisch (listige Absicht heißt wörtlich "geheimnistuerisch in ihrem Herzen"), (c) laut (Luther: wild; vgl. Spr 9,13 ), (d) sie verhöhnte Gottes Gebote und ihr Ehegelöbnis, (e) eine Herumtreiberin und (f) hinterhältig (lauert in den Straßen).

 

d. Die Taktik der Verführerin
( 7,13-20 )


Spr 7,13-14


Sie überraschte ihn, umarmte ihn plötzlich, küßte ihn und sprach dann dreist auf ihn ein ( mit unverschämtem Gesicht ). Wenn sie ihre Dankopfer zu Hause und ihre Gelübde erwähnte, dann meinte sie damit möglicherweise ein Opfer, das sie (in ihrer Heuchelei natürlich) dargebracht hatte und wovon sie nun noch Fleisch übrig hatte ( 3Mo 7,16-17 ). Teile des geopferten Tieres nahm der Opfernde mit nach Hause. Wenn das Fleisch nicht gekühlt werden konnte, mußte es schnell gegessen werden; daher gehörte zu einem Opfer meist ein Fest. Ihr religiöses Gebaren war jedoch ein Vorwand, ein Versuch, jegliches Empfinden für ein falsches Tun, das sie vielleicht gehabt haben könnte, zu verdunkeln.



Spr 7,15-18


Sie täuschte den jungen Mann also durch Heuchelei (V. 15 ) und wollte ihn dann verlocken, indem sie die sinnliche Atmosphäre in ihrem Schlafzimmer schilderte. Die Leinen auf ihrem Bett kamen aus Ägypten (und waren wahrscheinlich kostbar und teuer), und sie hatte ihr Bett mit drei Gewürzen parfümiert: mit Myrrhe , Aloe und Zimt (vgl. den Kommentar zu eben diesen Gewürzen in Hl 4,14 ). Wenn sie davon sprach, daß sie sich die ganze Nacht an der Liebe berauschen wollten, dann benutzte sie eine Wendung, die den sexuellen Umgang mit dem Trinken aus einer Quelle verglich (vgl. Spr 5,18; Hl 4,12.15 ).



Spr 7,19-20


Die Frau wollte dem jungen Mann die Zusicherung machen, daß sie von ihrem Ehemann (wörtl.: "der Mann") nicht erwischt würden, denn er befand sich auf Geschäftsreise und würde bis zum Vollmond nicht zurück sein (d. h., daß er mindestens mehrere Tage abwesend war), und sie war untreu gegen ihn (vgl. Spr 2,16-17 ).



e. Die Antwort des Opfers
( 7,21-23 )


Spr 7,21-23


Der Jüngling war unfähig, ihrer Überredung, die sie mit glatter Zunge vorbrachte, zu widerstehen (vgl. V. 5 ; Spr 2,16;5,3 ). Er folgte ihr alsbald zu ihrem Haus und in ihr Schlafzimmer. Er war wie ein stummes Tier ( ein Stier ), das zur Schlachtung geführt wird, und er überlegte seine Situation nicht. Er war auch wie ein Hirsch, der in eine Schlinge getreten war. Der Jüngling wurde mit einem Pfeil überwältigt oder war wie ein Vogel, der in einer Falle gefangen wird. Er hatte diesen Gefahren keine Beachtung geschenkt und war nun gefangen, ohne daß es einen Ausweg gegeben hätte. Er saß schon fest, bevor er überhaupt merkte, daß ihn sein mangelnder Widerstand bei der Versuchung (nicht so wie Josef; vgl. 1Mo 39,6-12 ) sein Leben kosten würde (vgl. Spr 6,32 ).



f. Die abschliessende Ermahnung des Vaters
( 7,24-27 )


Spr 7,24-25


Die Worte nun denn leiten die Ermahnung des Vaters ein, die auf die vorgehenden Verse zurückgreift. Meine Söhne (Pl.) werden wie in Spr 4,1;5,7 angesprochen, und noch einmal forderte sie ihr Vater Salomo auf, ihm aufmerksam zuzuhören (vgl. den Kommentar zu Spr 1,8; habt acht ; Spr 4,1.20;5,1;22,17 ). Er gab ihnen den Rat, sich von der Ehebrecherin fernzuhalten, ihr (in ihren Gedanken und Fantasievorstellungen) nicht ihr Herz zuzuwenden (vgl. den Kommentar zu Spr 4,23 ) und sich ihr körperlich nicht zu nähern ( Spr 7,25 ). Das Wort weichen lautet QAFCh , "sich wegwenden", ein Wort, das einschließlich der Erwähnung in Spr 4,15 (und 4Mo 5,12.19-20.29 ) nur sechsmal im AT vorkommt. Der Begriff abirren ( tAZCh ) bedeutet "umherwandern" oder "abschweifen". Offensichtlich war der Jüngling in Schwierigkeiten geraten, weil er in die Nähe des Hauses der Ehebrecherin abgeirrt oder abgeschweift war ( Spr 7,8 ).



Spr 7,26-27


Der Grund für die Ermahnung in Vers 24-25 wird in den Versen 26 - 27 genannt. Viele andere sind bereits ein Opfer dieser Versuchung geworden. Wer sich in ihr Haus begibt (und mit ihr ins Bett geht), der begibt sich auf den schnell hinabführenden Weg ins Grab und in den Tod (vgl. Spr 2,18-19;5,5;9,18 ). Ein junger Mann, der sich auf das Gebiet verbotener Sexualität begibt, kann durch die Strafe sterben, die ihm der betrogene, zornige Ehemann zumißt, oder er kommt durch eine Geschlechtskrankheit um, oder er geht an der geistlichen und seelischen Pein zugrunde.

 

N. Der Wert der Weisheit erweist sich in ihren Tugenden und ihren Belohnungen
( 8,1-21 )


Der Lehrer Salomo, der die Weisheit als Frau personifizierte, berichtete von ihrem Ruf (V. 1-5 ), ihren Tugenden (V. 6-11 ) und ihrem Nutzen (V. 12-21 ).



1. Der Ruf der Weisheit
( 8,1-5 )


Spr 8,1


Der öffentlich ergehende Ruf der Weisheit beginnt mit zwei rhetorischen Fragen (V. 1 ). Die Ehebrecherin ging auf die Straßen hinaus ( Spr 7,8-12 ), um den jungen Mann zu verführen. Aber die Weisheit hält sich wie eine tugendhafte Frau in den Straßen auf und bietet ihre Dienste all denen an, die dafür empfänglich sind (vgl. ihr lautes Rufen in Spr 1,20-22 ). Der Mangel an Tugend, der die Ehebrecherin charakterisiert hat, wird den bewährten Eigenschaften der Weisheit gegenübergestellt. Wenn die Wege der Verführerin geheimnistuerisch und trügerisch sind, liegen die Wege der Weisheit offen zutage, und sie sind aufrichtig. Wer sich auf die Ehebrecherin einläßt, der erlebt Schande und Tod, aber wer der Weisheit folgt, der erlangt Klugheit, um ein Leben in Weisheit zu verbringen.



Spr 8,2-3


Die Weisheit ruft dort, wo man sie hören kann und wo Menschen vorbeikommen: auf Hügeln, auf dem Weg, an Kreuzungen, bei den Toren (wo Gerichtsfälle gehört und Geschäfte gemacht wurden) und an den Zugängen.



Spr 8,4-5


Die Weisheit ( ich ) spricht von Vers 4-31 . Sie lädt alle Menschen ein; die Weisheit steht jedem Menschen zur Verfügung. Aber sie wendet sich insbesondere an die Einfältigen ( peTI ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,4 ) und die Törichten ( k+sIl ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,22 ) - an die, die sie am meisten nötig haben und die eher dazu neigen, ihren Ruf zu überhören. Sowohl die Ehebrecherin als auch die Weisheit wenden sich an den Einfältigen. Die Weisheit fordert den Einfältigen dazu auf, Klugheit zu erwerben ( ZormCh ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,4; vgl. Spr 8,12 ), ein besseres Verständnis des Lebens, also Klugheit im guten Sinne. Die Toren werden aufgefordert, Einsicht, Verständnis oder Urteilsvermögen zu erlangen (vgl. Spr 1,2.6 ).



2. Die Tugenden der Weisheit
( 8,6-11 )


Spr 8,6-9


Die Verse 6-11 sprechen von der Geradheit und Aufrichtigkeit der Weisheit. Die jungen Männer, die von Salomo unterwiesen worden waren, sollten auf die Weisheit hören (V. 6 , die Ermahnung), denn was sie spricht, ist wahr (V. 7-9 , der Grund). Die jungen Männer sollten sich für die Weisheit entscheiden (V. 10 , die Ermahnung), denn sie hat großen Wert (V. 11 , der Grund). Die Weisheit spricht; auf ihre Lippen (V. 6 b), ihren Mund (V. 7 a), ihre Lippen (V. 7 b) und ihren Mund (V. 8 a) wird abwechselnd Bezug genommen. Ihre Worte sind würdige (wörtl.: "edle oder fürstliche") Dinge. Dieses Wort kann auch mit "richtig" (so wie in 2Sam 15,3 ) oder mit "recht" (wie in Jes 30,10 ) übersetzt werden. Der Gedanke dabei ist folgender: Die Worte der Weisheit stimmen mit der Wirklichkeit überein; deshalb sind sie recht ("aufrichtig oder gerade"; vgl. Spr 8,9 ), sie sind wahr und gerecht (vgl. Spr 1,3;8,15.20 ). Daher ist kein Wort der Weisheit falsch ("verdreht") oder verkehrt ( ZiqqES ; vgl. den Kommentar zu Spr 2,15 ). Sie weisen auch in die richtige Richtung. Wer Einsicht hat ( Spr 8,9 ), der weiß, daß die Dienste der Weisheit recht ("gerade oder ehrlich") sind, und Menschen mit Erkenntnis wissen, daß die Worte der Weisheit tadellos (wörtl.: "aufrecht oder gerade"; in V. 6 mit "recht" übersetzt) sind.



Spr 8,10-11


Die Weisheit fordert die Menschen auf, lieber ihre Unterweisung und Erkenntnis anzunehmen als Silber und auserlesenes Gold ( HArUQ , reines, geläutertes Gold, das in Vers 19 feines Gold genannt wird) oder Rubine (vgl. Spr 3,13-15 ). Der Gedanke, daß der Wert der Weisheit über den Wert materieller Dinge hinausgeht, wird in Spr 8,18-21 erläutert. Dort wird hervorgehoben, daß Weisheit das gibt, was man nötig hat, und den Wohlstand fördert; die Weisheit zur Rechtschaffenheit und zum Frieden, den ein Mensch genießt; etwas, was Silber, Gold und Edelsteine nicht vermögen. In den Sprüchen haben diese nicht materiellen Dinge größeren Wert als alles, was man käuflich erwerben kann.


3. Der Nutzen der Weisheit
( 8,12-21 )


Die vielfache Erwähnung der Personalpronomen (ich, mein, mich, mir - insgesamt 16mal in 10 Versen) stellen die Weisheit selbst in den Mittelpunkt und nicht ihren Nutzen.



Spr 8,12-13


Wenn ein Mensch Weisheit besitzt, dann besitzt er auch Klugheit (vgl. den Kommentar zu Spr 1,4; vgl. Spr 8,5 ), Einsicht und Besonnenheit. Alle drei Nomen finden sich in Spr 1,4 .Manche Ausleger sind der Meinung, daß Spr 8,13 den Gedankenfluß zwischen Vers 12 und Vers 14 unterbricht. Vers 13 erinnert jedoch daran, daß eine verständige, besonnene Lebensführung (V. 12 ) nicht in irgendeiner Weise mit den in Vers 13 erwähnten Untugenden in Beziehung steht. Vers 13 zeigt: Weisheit besitzen, heißt, auf moralischem und geistigem Gebiet weise sein. Wer den Herrn fürchtet (vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ) und deshalb weise ist, der wird das Böse (vgl. Spr 3,7;14,16;16,6; Ps 97,10 ) und auch das stolze, hochmütige Verhalten und die verkehrte Rede hassen (zurückweisen). Das Wort für "verkehrt" ( tahpVKCh ) kommt in den Sprüchen achtmal vor (vgl. den Kommentar zu Spr 2,12 ).



Spr 8,14-16


Die Weisheit versetzt die Menschen in die Lage, einen weisen Rat und ein gesundes Urteil abzugeben, Verständnis (Einsicht) und Stärke (Tapferkeit) zu haben. Die Weisheit gibt einem Menschen Mut wie einem tapferen Soldaten. Könige, Herrscher, Fürsten und Edle, die herrschen, können das nur durch Gottes Weisheit tun; sie machen gerechte Gesetze . Die Tatsache, daß viele der Könige Israels und Judas und deren Nachbarn keine gerechten Gesetze machten, macht deutlich, daß ihnen Gottes Weisheit fehlte.



Spr 8,17-18


Weisheit können zwar alle Menschen erlangen, aber nur jene erlangen sie auch wirklich, die sie lieben (vgl. V. 21 ; Spr 4,6 ) und suchen (vgl. Spr 2,1-4 ). Wer weise ist, der bekommt Reichtum und Ehre (vgl. Spr 3,16 ), bleibenden Besitz (vgl. Spr 8,21;14,24;15,6;22,4 ) und Gerechtigkeit . "Bleibend" heißt wörtlich "außerordentlich" oder "außergewöhnlich". Die Reichtümer, die der erlangt, der Weisheit besitzt, sind echte, nicht künstliche Reichtümer, die mit Silber oder Gold zu erwerben wären. Die Ehre in einer Gemeinschaft ist das Ergebnis des Wandels eines Menschen (seiner Lebensführung) und nicht so sehr des Reichtums an sich. Ein gottesfürchtiger Lebenswandel ist das herausragendste Ergebnis davon, daß ein Mensch Weisheit erlangt hat.



Spr 8,19-21


Der Begriff Ertrag (V. 19 ) wird normalerweise auf dem Marktplatz gebraucht; damit wird vor allem hervorgehoben, daß die Weisheit viel mehr einbringen kann als feines Gold ( HArUQ ; vgl. V. 10 ) und Silber. Weisheit geht mit der Gerechtigkeit und dem Recht Hand in Hand (vgl. V. 8 ). Das Verb gehen drückt aus, daß ein Mensch sich beständig fortbewegt. (Zu einer Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Recht vgl. den Kommentar zu Am 5,7 .)

Wie an vielen anderen Stellen in den Sprüchen werden die Begriffe Weg(e) und Pfad(e) synonym gebraucht (vgl. den Kommentar zu Spr 2,13 ). Wie bereits in Spr 8,18 festgestellt wurde, kommt der, der die Weisheit liebt (vgl. V. 17 ) und sie erlangt, zu Reichtum (vgl. Spr 3,16;14,24;15,6;22,4 ). So wie viele Aussagen in den Sprüchen ist auch das eine Verallgemeinerung, zu der natürlich Ausnahmen existieren. Materieller Besitz kann bei dem Geschick des Weisen, mit diesen Dingen umzugehen, vermehrt werden (und seine Schatzkammern füllen).



O. Der Wert der Weisheit und der Herr der Schöpfung
( 8,22-36 )


Die vielen Ansprüche der Weisheit (V. 6-21 ) sind aufgrund ihrer Verbindung mit dem Herrn der Schöpfung alle glaubwürdig. Sie existierte, bevor die Welt geschaffen wurde (V. 22-29 ), sie hatte mit dem Herrn an der Schöpfung Anteil und freute sich mit dem Herrn an dem Gewordenen (V. 30-31 ). Weil die Weisheit so einzigartig ist, wendet sie sich mit einer letzten Aufforderung noch einmal an die Menschen, ihr nachzustreben (V. 32-36 ).



1. Die Weisheit existierte schon vor der Schöpfung
( 8,22-26 )


Spr 8,22


Es wird hier deutlich, daß die Weisheit nicht nur in der Gegenwart den Menschen Reichtum schenken kann (V. 12-21 ), sondern auch in der Vergangenheit an der Schöpfung beteiligt war. Es geht hier eindeutig um die Weisheit; mich bezieht sich klar zurück auf "ich, Weisheit" (V. 12 ). Die Weisheit existierte vor der Erschaffung der Welt ( bevor erscheint in V. 22-23.25-26 fünfmal) und war deshalb schon da, als Gott das Universum erschuf ("als" kommt siebenmal vor; V. 24.27-29 ).

Manche Leute sind der Meinung, daß mit der Weisheit in Vers 22-32 Christus gemeint ist. Selbstverständlich offenbart er den Gläubigen Gottes Weisheit ( 1Chr 1,30 ), und in ihm ist alle Weisheit und Erkenntnis verborgen ( Kol 2,3 ), aber Spr 8,22-31 gibt keinen Anhaltspunkt, daß mit der Weisheit Christus gemeint sei. Wenn das so wäre, dann müßten sich alle anderen Erwähnungen der Weisheit auch auf Christus beziehen, und das ist unwahrscheinlich. Besser betrachtet man wohl die Weisheit, von der hier bildhaft gesprochen wird, als Personifizierung der Weisheit Gottes.



Spr 8,23-26


Bevor Gott das Universum erschaffen hat, hat er die Weisheit eingesetzt (vgl. Ps 2,6 ). Spr 8,23 spricht davon, daß die Weisheit existierte, bevor Gott die Welt erschuf (vgl. 1Mo 1,1-5 ), bevor die Wasser voneinander geschieden waren, Wolken und Meere existierten (zum zweiten Schöpfungstag vgl. 1Mo 1,6-8 ). Bevor das trockene Land sichtbar wurde (zum dritten Tag der Schöpfung vgl. 1Mo 1,9-10 ), war die Weisheit bereits geboren ( Spr 8,24-25 ).


2. Das Werk der Weisheit in der Schöpfung
( 8,27-31 )


Spr 8,27-29


Die Weisheit war gegenwärtig, als Gott die Himmel bereitete (V. 27 a; vgl. 1Mo 1,1-5 ), als er die Wasser voneinander schied und Wolken und Meere schuf ( Spr 8,27 b - 28; zum zweiten Schöpfungstag vgl. 1Mo 1,6-8 ) und als er das trockene Land erscheinen ließ ( Spr 8,29; zum dritten Schöpfungstag vgl. 1Mo 1,9-10 ). Zum Begriff Tiefe ( Spr 8,27 ) vgl. den Kommentar zu 1Mo 1,2 .



Spr 8,30-31


Es wird von der Weisheit gesagt, daß sie ein Werkmeister (Luther: sein Liebling ) an der Seite Gottes war, als er die Erde erschuf. Gott zeigte seine Weisheit bei dem, was er geschaffen hatte. Daß die Weisheit bei ihm war, macht ihre enge Verbindung deutlich. Wenn hier zum Ausdruck kommt, daß Gottes Werk durch Weisheit gekennzeichnet ist, dann ist damit nicht gemeint, daß die Weisheit selbst das Werk Gottes entworfen hätte. Gott hat seine Schöpfung geplant. Diese Unterscheidung ist wichtig. Die Erklärung, daß die Weisheit vor und während der Schöpfung anwesend und dann bei dem Werk Gottes selbst beteiligt war, verschafft ihrer Zusage, den Menschen zu belohnen, Glaubwürdigkeit. Die personifizierte Weisheit erfreut sich an Gottes Gegenwart und seiner geschaffenen Welt und den Menschen.

Wenn Gott sich bei seinem Schöpferwerk der Weisheit bediente, wieviel mehr hat dann der Mensch Weisheit nötig!



3. Die Aufforderung der Weisheit und ihre Verheißungen
( 8,32-36 )


Spr 8,32-34


Hier wandte sich die Weisheit selbst an die jungen Männer als meine Söhne , so wie es der Vater bereits dreimal getan hatte ( Spr 4,1;5,7;7,24 ). Die Worte nun denn setzen diesen Anruf zu den vorhergehenden Aufforderungen der Weisheit in Beziehung. In den Versen 32-34 werden die Worte hört und glücklich (Luther: Wohl dem) abwechselnd gebraucht (hört, V. 32 ; glücklich V. 32 ; hört, V. 33 ; glücklich, V. 34 ; hört, V. 34 ). Die dreifache Aufforderung der Weisheit an die jungen Männer, zu hören, erinnert an Salomos mehrfache Aufforderung an sie, zu hören (vgl. den Kommentar zu Spr 1,8 ). Wenn sie auf die Weisung der Weisheit hörten und sie befolgten, würden sie weise und "glücklich". Das Glück resultiert daraus, daß sie der Weisheit eifrig nachstreben ( wachen und hüten ).



Spr 8,35-36


Die Weisheit schenkt Leben (vgl. Spr 3,18;4,4.22;7,2;9,11;19,23 ) und das Wohlgefallen des Herrn (vgl. Spr 12,2;18,22 ). Das Wort für "Wohlgefallen", rAQNn , kommt in den Sprüchen 14mal vor und bedeutet "Annahme, Wohlwollen oder Anerkennung". Es kommt von dem Verb rAQCh , "Gefallen finden an". Wer die Weisheit von sich weist, der erfährt Unglück (vgl. Spr 6,32;7,23;9,12 b) und Tod (vgl. Spr 2,18;5,5;7,27 ). Die Weisheit ist der Weg zum Leben, und die Torheit ist der Weg zum Tod. Der Mensch hat die Wahl zwischen beiden.

 

P. Der Wert der Weisheit wird zusammengefaßt: Die Einladung der Weisheit wird der Verführung der Torheit gegenübergestellt
( Spr 9 )


Dieses Kapitel faßt Spr 1,8-8,36 zusammen, indem es die Einladungen der Weisheit ( Spr 9,1-6 ) und der Torheit (V. 13-18 ) einander gegenüberstellt. Zwischen den beiden Aufforderungen werden einige knapp formulierte Sprüche dem Wesen und den Folgen für jene gegenübergestellt, die auf die eine oder die andere Einladung eingehen (V. 7-12 ). Die Weisheit und ihre Rivalin, die Torheit, werden als zwei Frauen dargestellt, die sich beide für ein Fest vorbereiten und junge Männer in ihre Häuser einladen. Die Weisheit wird als verantwortungsvolle Frau mit gutem Charakter dargestellt, die auch Reichtum besitzt und ihr Fest vorbereitet, während die Torheit als Hure dargestellt wird, die junge Männer zu einem wollüstigen Mahl mit gestohlenem Wasser und heimlicher Nascherei einlädt.



1. Die Einladung der Weisheit
( 9,1-6 )


In den Sprüchen wird die Weisheit häufig als eine würdevolle Dame personifiziert ( Spr 1,20-33;3,16-18;4,3-6;8,1-21.32-36;9,1-6 ). In Spr 9,1-6 ist sie ein Baumeister, und sie richtet ihr Heim für das Fest her; ein Fest, das sie für jene gibt, denen es an Weisheit mangelt.



a. Die Vorbereitungen der Weisheit für ihr Fest
( 9,1-2 )


Spr 9,1


Das gebräuchliche hebr. Wort für Weisheit lautet HoKmCh , aber hier steht es in der Pluralform ( HoKmNT ) mit dem Verb im Singular hat gebaut (aber manche verstehen HoKmNT in Anlehnung an die analogen Formen in den kanaanitischen Dialekten als Singular). Das trifft auch in Spr 1,20;24,7 und Ps 49,4 zu. Wenn die Form im Plural steht, dann ist wohl die Fülle der Weisheit gemeint. Die Beschreibung des Tuns der "Frau Weisheit" beim Bau ihres Hauses, wozu auch das Aushauen von sieben Säulen gehört, spricht schon von der Emsigkeit, die zur Weisheit gehört. Die Ausleger haben über die Bedeutung dieser sieben Pfeiler verschiedene Meinungen vorgebracht (z. B. die, daß es sich um die sechs Tage der Schöpfung und Gottes siebten Ruhetag handelt; oder um die Sonne, den Mond und die fünf Planeten, die zu jener Zeit bekannt waren). Es scheint aber wahrscheinlicher, daß diese sieben Pfeiler andeuten, daß das Haus groß und geräumig war. Das steht im Einklang mit den Aussagen in den Sprüchen, die der Weisheit einen hohen Rang im Leben eines Menschen einräumen.



Spr 9,2


Zu dem Festmahl, das "Frau Weisheit" vorbereitete, gehörte Fleisch und gemischter Wein (vgl. V. 5 ). Sie bereitete das Fleisch zu heißt wörtlich "sie schlachtete ihr Schlachten" (d. h., daß sie ihr Vieh schlachtete und das Fleisch kochte). Wenn vom Mischen des Weines gesprochen wird, so kann damit das Verdünnen des Weines gemeint sein, denn das war im alten Israel so Sitte (vgl. das apokryphe Buch 2. Makkabäer 15,40 und The International Standard Bible Encyclopaedia , Grand Rapids, 1939/5, S. 3087). Unverdünnten Wein betrachteten die Juden mit Abscheu; der Wein für das Passa enthielt drei Teile Wasser und einen Teil Wein. Oder es wurde hier auf die Sitte angespielt, den Wein mit Gewürzen zu mischen, um ihn mehr duften zu lassen (vgl. Ps 75,9; vgl. auch Jes 5,22 ). Vielleicht ist auch beides hier gemeint.



b. Die Einladung der Weisheit zu ihrem Festmahl
( 9,3-6 )


Spr 9,3


Die Gastgeberin hatte das Mahl vorbereitet und sandte ihre Mägde aus, um die Menschen einzuladen, an ihrem Festmahl teilzunehmen (vgl. Mt 22,2-3 ). D ie Höhen der Stadt (vgl. Spr 8,2 ) waren ein erhöhter Punkt, wo viele die Einladung, wenn sie ausgerufen wurde, hören konnten. "Frau Torheit" rief die Menschen auch von solch einem erhöhten Punkt ( Spr 9,14 ).


Spr 9,4-6


Die Worte der Einladung seitens der Weisheit umfassen zumindest die Verse 4-6 , möglicherweise jedoch auch noch die Verse 7-12 . Die Einfältigen ( peTI , "naiv, leichtgläubig"; vgl. den Kommentar zu Spr 1,4; vgl. Spr 8,5;9,16 ) und die, denen Einsicht fehlt (vgl. den Kommentar zu Spr 6,32 ), werden zum Mahl der Weisheit eingeladen. Diejenigen, die ihrer Aufmerksamkeit und Hilfe am meisten bedurften, waren als die Gäste der Weisheit eingeladen. Sie sollten kommen und essen und trinken , d. h. Menschen, die keine Weisheit besaßen, sollten sie erlangen und Gewinn daraus ziehen. Sie sollten ihre einfältigen Wege verlassen ( p+TA?Im , Spr 9,6; der Plural von "einfältig" in V. 4 ). Der zweite Teil des Verses, der die Gäste dazu auffordert, auf den Wegen der Einsicht zu wandeln, macht deutlich, daß sich der Ausdruck "einfältige Wege" auf das Verhalten der Einfältigen bezieht. Wie bereits deutlich wurde ( Spr 3,18;4,4;7,2 ), kommt aus der Weisheit das Leben ( ihr werdet leben ; vgl. Spr 9,11;19,23 ).



2. Die Folgen aus der Annahme der Einladung
( 9,7-12 )


Es scheint zunächst so, als ob diese Verse den Fluß dieses Abschnittes unterbrechen, da sie zwischen der Einladung der Weisheit (V. 1-6 ) und der Einladung der Torheit (V. 13-18 ) stehen. Aber dieser Abschnitt ist hier durchaus am richtigen Platz, denn er weist auf die Folgen hin, die sich aus der Annahme der beiden Einladungen ergeben. Wer der Weisheit seine Aufmerksamkeit schenkt, der reagiert auf Zurechtweisung und lernt daraus (V. 8 b; vgl. den Kommentar zu Spr 1,23 ), erlangt mehr Einsicht ( Spr 9,9 ) und erfreut sich seines Lebens (V. 11 ). Wer sich aber der Torheit zuwendet, der möchte keine Zurechtweisung (V. 7-8 a), so daß er Leid erfährt (V. 12 b). Das sind die Spötter, die auf Zurechtweisung unwillig reagieren. Die Einladung der Torheit befestigt sie nur noch auf ihrem Weg.



Spr 9,7-8 a


Ein gottloser Spötter (vgl. den Kommentar zu Spr 1,22 ) ist unbelehrbar. Wenn ihn jemand zurechtweist, dann ist er auf denjenigen zornig und wird ausfallend, indem er den anderen beschimpft ( Spr 9,7-8 a). Wenn ein Gottloser zurechtgewiesen wird, dann schleudert er die Rüge dem anderen ins Gesicht zurück und schmäht den, der ihm einen Rat geben wollte. Solch ein Spötter hält an seinen Wegen fest.



Spr 9,8-9 (Spr 9,8b-9)


Auf der anderen Seite wird ein Weiser die Rüge gerne annehmen, denn er zieht daraus seine Lehren. Ein Tadel kann für den, der bereit ist, daraus zu lernen, sehr nützlich sein ( Spr 15,31;17,10;19,25;25,12;27,5-6 ). Wer gerne lernt (vgl. Spr 10,8 a; 12,15 b; 14,6 b; 15,32 b; 21,11 b), der wird weiser (vgl. Spr 1,5 ). So wie auch an anderen Stellen in den Sprüchen wird der Weise als der Gerechte bezeichnet. Einer gottesfürchtigen Haltung sollte Scharfsinn zugrundeliegen.



Spr 9,10-11


Das Thema des Buches ( Spr 1,7 a) wird in Spr 9,10 a mit zwei Variationen noch einmal genannt: Das hebr. Wort für Anfang an dieser Stelle unterscheidet sich von dem Begriff für Anfang in Spr 1,7 . In Spr 9,10 bedeutet es "Voraussetzung" oder "Vorbedingung" (vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ). In Spr 9,10 steht das Wort Weisheit statt "Erkenntnis" wie in Spr 1,7 a.

Die persönliche Erkenntnis Gottes - der in den Sprüchen der allein Heilige genannt wird - vermittelt Einsicht in das Leben.

Die Weisheit ( mich ; Spr 9,11 ) vermittelt dem Menschen ein langes Leben (vgl. V. 6 ; Spr 3,2.16;4,10;10,27;14,27;15,24 ).



Spr 9,12


Wie in den Sprüchen auf verschiedene Weisen immer wieder festgestellt wird, bringt die Weisheit dem Menschen Gutes ein, und das Gespött hat Leiden zur Folge. Einige dieser positiven Auswirkungen der Weisheit werden in Vers 8 a. 9-11 erwähnt.



3. Die Einladung der Torheit
( 9,13-18 )


Spr 9,13


Das Fest der Torheit wird nun dem Fest der Weisheit gegenübergestellt. In ähnlicher Weise bot Madam Torheit (die fem. Form von k+sIl ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ), die hier als Hure dargestellt wird, ihre Dienste an. Sie ist wild (vgl. Spr 7,11 ), zügellos (wörtl.: "unwissend oder leichtsinnig" wie ihre Gäste; vgl. Spr 9,16 ) und unwissend. Sie ist anziehend, aber ungestüm. Hier bietet die Torheit wie auch an anderen Stellen sofortige Befriedigung an, während die Weisheit häufig Zufriedenheit auf lange Sicht schenkt.



Spr 9,14-15


Im Gegensatz zu Frau Weisheit, die für ihre Gäste Vorbereitungen traf (V. 1-2 ) und nach ihren Gästen ausgesandt hat (V. 3-6 ), saß Madam Torheit lediglich an ihrer Tür und rief. Aber sie rief wie die Weisheit von den Höhen der Stadt (vgl. V. 3 ). Die Torheit wandte sich an die, die vorüberkamen (vgl. Spr 7,8.10 ). Die Wendung die gerade auf ihrem Wege wandeln könnte sich auf die Menschen beziehen, die vorbeikommen, ohne zu verweilen, oder auf jene, die einen geraden Lebensweg gehen. Möglicherweise trifft beides auf den Vers zu.



Spr 9,16-17


Die Torheit rief ihre Gäste, indem sie absichtlich dieselben Worte gebrauchte wie Frau Weisheit (vgl. V. 4 und den Kommentar dort). Da der Genuß des Wassers aus der eigenen Quelle die Sexualität in der Ehe meint ( Spr 5,15-16 ), könnte mit dem gestohlenen Wasser die unerlaubte Sexualität gemeint sein (vgl. Spr 7,18-19 ). In diesem Sinne wandte sich Madam Torheit an die niederen Bedürfnisse ihrer Gäste. Der Ausdruck heimlich verzehrtes Brot meint ebenfalls das verborgene Tun.



Spr 9,18


Die Einladung der Torheit mag zwar anziehend sein, aber das Endergebnis ist nicht das Leben (vgl. V. 11 ), sondern der Tod (vgl. Spr 2,18;5,5;7,27 ). Madam Torheit ist offensichtlich eine unberechenbare Frau. Damit wird angedeutet, daß die Unmoral auf sexuellem Gebiet den Höhepunkt der Torheit darstellt. Die beiden Wege der Weisheit und der Torheit, die entweder das Leben oder den Tod zur Folge haben, erreichen in Kapitel 9 einen deutlichen Höhepunkt. Fast jeder Vers im übrigen Buch weist auf einen dieser beiden Wege sowie ihre Folgen hin.



III. Die Sprüche Salomos
( 10,1-22,16 )


Dieser lange Abschnitt des Buches der Sprüche enthält 375 Aussprüche. Die Entwicklung der Gedanken wird durch die beiden (oder bisweilen auch mehrere) Zeilen eines jeden Verses begrenzt. Kapitel 10-15 führen das Thema fort, das Kapitel 1-9 bestimmt und das den Gerechten (oder Weisen) dem Gottlosen (oder Toren) gegenüberstellt. Der Rest des Abschnittes ( Spr 16,1-22,16 ) hat nicht mehr dieses eine durchgängige Thema.

Die meisten Verse in Kapitel 10-15 bezeichnen Gegensätze (in antithetischem Parallelismus); die zweite Zeile beginnt bei den weitaus meisten Versen mit "aber". In 16,1-22,16 bezeichnen nur einige der Verse Gegensätze; die meisten Verse bezeichnen entweder Vergleiche (in synonymem Parallelismus) oder Vervollständigungen (in synthetischem Parallelismus), die mit "und" verbunden sind, womit die zweite Zeile in vielen Versen eingeleitet wird.

Der häufige Themenwechsel von einem Vers zum nächsten kann durchaus Absicht sein, um die Leser zu zwingen, sich mit dem Gedanken eines Verses wirklich zu befassen, bevor er zum nächsten übergeht. Allerdings sind auch gelegentlich zwei oder mehr aufeinanderfolgende Verse durch ein gemeinsames Thema oder Wort miteinander verbunden. So erörtert zum Beispiel Spr 10,4-5 sowohl die Faulheit als auch den Fleiß; Spr 10,11-14.18-21.31-32 beziehen sich auf das Reden. Der Begriff "Herr" wird in jedem der Verse 16,1-7 erwähnt, in den Versen Spr 16,12-15 ist das Schlüsselwort "König", die Verse 15,16-17 beginnen mit dem Wort "besser", die Verse Spr 12,9-11 spielen sich in der häuslichen Umgebung ab, und die Verse 11,9-12 beginnen mit demselben hebräischen Buchstaben.

A. Sprüche, die eine gerechte und eine gottlose Lebensführung einander gegenüberstellen
( Spr 10-15 )


Spr 10,1


Zu den Sprüchen Salomos vgl. "Autor und Entstehungszeit" in der Einleitung . Salomo verfaßte Kapitel 1-9 (vgl. Spr 1,1 ), Kapitel 25-29 (vgl. Spr 25,1 ) und Spr 10,1-22,16 und schrieb damit 84 Prozent des Buches, das selbstverständlich ganz durch den göttlichen Autor, den Heiligen Geist, inspiriert worden ist.

Ein weiser Sohn wird hier "einem törichten Sohn", in Spr 13,1 einem Spötter und in Spr 15,20 einem törichten Mann gegenübergestellt. Ein Sohn, der weise geworden ist, indem er die Unterweisungen seiner Eltern bewahrt hat ( Spr 5,1-2 ), macht seinem Vater Freude , eine Tatsache, die in den Sprüchen viele Male zur Sprache gebracht wird ( Spr 15,20;23,15.24;27,11;29,3 ). Ein törichter ( k+sIl ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ) Sohn bekümmert auf der anderen Seite seine Mutter. Das bedeutet nicht, daß ein törichter Sohn seinen Vater nicht bekümmert, so wie es in Spr 17,21.25 und Spr 19,13 klar zum Ausdruck kommt. Spr 10,1 bedeutet auch nicht, daß das Herz einer Mutter sich nicht freut, wenn ein Sohn weise geworden ist. Der Gebrauch des Wortes "Vater" in einer Zeile und "Mutter" in der anderen Zeile ist für die Literatur der Sprüche typisch. Beide Elternteile erleben entweder Freude oder Kummer, so wie auch beide den Sohn unterwiesen haben ( Spr 1,8;4,3-4;6,20 ).

 

Spr 10,2


Die Aussage, daß Schätze keinen Wert haben , scheint eine bestürzende, fast widersprüchliche Aussage zu sein, wenn man sich nicht daran erinnert, daß die Schätze ja durch Diebstahl oder Betrug unrecht erworbenes Gut waren (vgl. Spr 1,19;28,16; Mi 6,10; vgl. auch Spr 16,8 ). Ein Beispiel dafür steht in Spr 1,11-14.18-19 .Solche Schätze sind nicht gut, denn sie schwinden dahin ( Spr 13,11;21,6 ) und können nicht den Tod verhindern ( Spr 11,4 ). Natürlich kann auch unrecht erworbenes Geld für eine gewisse Zeitdauer Vergnügen schaffen, aber auf lange Sicht kann es keine Zufriedenheit schenken.



Spr 10,3


Die Verse 3-5 sprechen über Eifer und Faulheit. Wenn ein Mensch satt wird, ist das dem Herrn zu verdanken (V. 3 ), aber Armut und Reichtum haben ihren Ursprung in Faulheit oder Fleiß (V. 4 ); Geschäftigkeit kennzeichnet einen weisen Sohn und Schlaf einen schandbaren (V. 5 ). Der Gerechte heißt wörtlich "die Seele des Gerechten". Weil der Begriff "Seele" für die ganze Person steht, hat Gott hiermit gesagt, daß er sich aller Bedürfnisse eines Menschen annimmt, einschließlich des körperlichen Bedürfnisses nach Nahrung (vgl. Ps 37,19.25 ). Die Wendung die Gier der Gottlosen bezieht sich auf ihre bösen Wünsche, auf ihr Trachten nach Zerstörung und Unglück. Gott kann sie daran hindern, diese Pläne in die Tat umzusetzen. Wie so viele Verse in den Sprüchen ist dieser Vers eine Verallgemeinerung. Es trifft normalerweise zu, daß die Gottesfürchtigen nicht hungern und daß die Gottlosen nicht all das bekommen, was sie sich wünschen.


Spr 10,4-5


Wenn ein Mensch sich weigert, zu arbeiten, wird er arm werden (dieses Wort kommt in den Sprüchen häufig vor), wohingegen ein fleißiger Arbeiter schließlich seinen Lohn erhalten wird. (Neben der Faulheit werden in den Sprüchen auch andere Gründe für die Armut genannt. Vgl. den Kommentar zu Spr 14,23 .) Ein Beispiel für Eifer und daher auch für Weisheit ( weise kommt von dem Verb RAKal , und das bedeutet "klug sein, Erkenntnis haben"; vgl. Spr 1,3;16,20 ) ist die Ernte im Sommer, wenn die Ernte reif ist. Ein Beispiel für Faulheit ist ein Sohn, der schläft, anstatt während der Erntezeit zu arbeiten (im Gegensatz zu den Ameisen, Spr 6,6-11 ). Tatsächlich bringt ein solcher Mensch Schande (das ist die Bedeutung von schandbar ) über seine Eltern.


Spr 10,6


Ein Gerechter ererbt Segen, aber bei dem Gottlosen verhält sich das ganz anders. Gewalttat überwältigt seinen Mund. Dieselbe Aussage wird in Vers 11 gemacht. Da das Wort für "überwältigt" mit "bedeckt" übersetzt werden kann (so wie in V. 12 ), könnte der zugrundeliegende Gedanke der sein, daß sein Mund die Gewalttat verbirgt oder in betrügerischer Absicht verhüllt oder aber daß das, was dieser Mensch sagt, von Gewalt gekennzeichnet ist. Jesus sagt: "... ein böser [Mensch] bringt Böses hervor aus dem bösen [Schatz seines Herzens]. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über" ( Lk 6,45 ).



Spr 10,7


Wenn vom Segen und dem Gerechten gesprochen wurde (V. 6 ), so wird hier erwähnt, daß sogar das Nachdenken über Gerechte aus der Vergangenheit eine Quelle geistlicher Segnung sein kann. Im Gegensatz dazu möchten die meisten Menschen die Gottlosen vergessen. Wie ihr Wesen, so ist auch ihr Name verdorben und verfault wie ein Leichnam.



Spr 10,8-9


Ein Weiser ist belehrbar und möchte gerne noch weiser werden (vgl. Spr 1,5;9,9 ). Aber ein Tor ( ?MwIl , ein grober, verhärteter Tor; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7; vgl. Spr 10,21 ) hört nicht auf zu schwatzen und lernt nichts hinzu. In den Sprüchen wird unnützes Reden häufig mit Torheit in Verbindung gebracht. Solch ein Mensch kommt zu Fall , eine Wendung, die nur zwei Verse später wiederholt wird (V. 10 ; vgl. Spr 13,3 ). "Fall" kommt in Kapitel 10 fünfmal vor (V. 8.10.14-15.29 ). Ein ehrlicher Mensch (V. 9 ) lebt sicher (vgl. einen ähnlichen Gedanken in Spr 3,23;18,10;28,18 ) in seinem Wandel (seiner Lebensführung), aber ein Mensch, dessen Pfade gekrümmt sind und dessen Wandel böse ist im Gegensatz zu einem ehrbaren Menschen, wird am Ende entlarvt werden, so daß offenbar wird, was er eigentlich für ein Mensch ist.


Spr 10,10


Die Verse 10-12 behandeln das Thema der Beziehungen zwischen Menschen. Wer arglistig mit den Augen zwinkert, hat wohl böse Absichten (vgl. Spr 6,13;16,30; Ps 35,19 ). Es ist kein Wunder, daß das zu Kummer für die Opfer ihrer bösen Pläne oder für die Angehörigen der Opfer führt. Ein geschwätziger Tor wird sich selbst am Ende in Schwierigkeiten bringen (vgl. die ähnliche Aussage in Spr 10,8 b).



Spr 10,11


Das Wort des Gerechten (und Weisen) ist wie eine Quelle des Lebens (vgl. Spr 13,14;14,27;16,22; vgl. auch Spr 18,4 ). Seine Worte der Weisheit sprudeln hervor und sind so erfrischend wie ein kühler Brunnen für einen ermüdeten Wüstenwanderer. Zum zweiten Teil von Spr 10,11 vgl. den Kommentar zu Vers 6 b.



Spr 10,12


Haß hat Streit zur Folge (vgl. Spr 6,14 ), denn Menschen, die sich gegenseitig verachten, können wohl kaum in Frieden zusammen arbeiten oder leben. Liebe leistet zum Frieden ihren Beitrag, denn sie deckt die Fehler der anderen Menschen zu oder vergibt sie (vgl. Spr 17,9 ). Sie rechnet das Böse nicht an (vgl. 1Kor 13,5; Jak 5,20; 1Pet 4,8 ). K AsCh wird mit "bedeckt" übersetzt. Die Worte des Gottlosen sind mit Gewalttat überdeckt , aber der Gerechte bedeckt Sünden, indem er dem Sünder vergibt.



Spr 10,13-14


Diese Aussagen stellen den Weisen und den Toren einander gegenüber. Während der Verständige durch seine weisen Worte gekennzeichnet wird, erfährt der Unverständige (vgl. V. 21 ; Spr 6,32; 7,7; 9,4.16; 11,12; 12,11; 15,21; 17,18; 24,30; 28,16 ) Widerstand. Er wird vielleicht mit einer Rute auf seinem Rücken bestraft (vgl. Spr 14,3;26,3 ). Der Weise bewahrt Erkenntnis; er hält mit ihr zurück, bis die richtige Gelegenheit gekommen ist, ohne seine Erkenntnis zu verschleudern. Was der Tor von sich gibt, bringt ihn jedoch in Schwierigkeiten und stürzt ihn letztlich sogar ins Verderben, denn er redet in seiner Torheit die falschen Dinge und manövriert sich selbst in Probleme hinein (vgl. Spr 10,19 ).



Spr 10,15-16


Diese Verse gehören zusammen, denn sie haben beide den Reichtum zum Thema. Die erste Zeile von Vers 15 wird in Spr 18,11 wiederholt. Nun sollte der Reichtum zwar nicht über die Ehre gestellt werden ( Spr 28,20 ), und man sollte sich auch nicht darauf verlassen ( Spr 11,4;23,5 ), aber er kann ein Schutz vor manchem Unglück sein. Seine Armut bedrückt den Armen beständig (vgl. Spr 14,20;18,23;19,7;22,7 ). Das hebr. Wort für arm lautet an dieser Stelle dal , "schwach, hilflos" und wird in Spr 19,4.17;21,13;22,16;28,3.8.11.15;29,7.14 mit "arm" oder "hilflos" wiedergegeben. In den Sprüchen werden noch mehrere andere Worte für "arm" und "Armut" gebraucht.

Der Begriff Lohn (oder Erwerb; Spr 10,16 ) bezieht sich nicht auf Geld, sondern auf das, was aus einem gerechten Lebenswandel hervorgeht. Das Ergebnis davon ist ein erfülltes Leben (vgl. Spr 3,18.21-22;4,4;7,2 a). Aber der Gottlose erntet Unglück ( Gal 6,7 ).



Spr 10,17


Der Begriff Leben verbindet Vers 16 und Vers 17 miteinander. Ein Mensch, der aus der Zucht lernt, ist ein Beispiel für ein sinnvolles Leben für andere, wohingegen die, die sich weigern, Zucht anzunehmen, andere noch vom Weg abbringen. Der Lebenswandel eines Menschen beeinflußt nicht nur die eigene Person, sondern auch andere Menschen, und zwar entweder zum Guten oder zum Schlechten.



Spr 10,18


Jeder einzelne der Verse 18-21 bezieht sich in irgendeiner Weise auf das Reden. Das Thema des Hasses wurde bereits in Vers 12 eingeführt, und in Vers 18 wird zu diesem Thema ein anderer Gedanke hinzugefügt. Wenn ein Mensch einen anderen haßt, das aber nicht zeigen möchte, dann muß er häufig zur Lüge greifen. Haß führt zur Verleumdung dessen, den man verachtet. Die zweite Zeile in Vers 18 beginnt mit und , anstatt mit "aber", um deutlich zu machen, daß Haß und Verleumdung sich nicht widersprechen. Die Lüge und die Verleumdung, die aus dem Haß erwachsen, kennzeichnen den Toren.



Spr 10,19


Dauerndes Reden führt schließlich zur Sünde und bringt einen Menschen in Schwierigkeiten (vgl. V. 8.10 ; vgl. auch Jak 3,2-8 ). Das ist ganz offensichtlich Torheit, denn wer schweigen kann, der ist weise (vgl. Spr 11,12 ).

 

Spr 10,20


Im Gegensatz zu dem herabsetzenden Geschwätz des Gottlosen (Lüge, Verleumdung und Geplapper, V. 18-19 ) wirken die Worte ( Zunge ) des Gerechten aufrichtend und werden deshalb wie kostbares Silber geschätzt. Bei den Gottlosen haben noch nicht einmal ihre Gedanken ( Herz ) Wert, geschweige denn ihre Worte!



Spr 10,21


Das Wort "Zunge" verbindet Vers 19 und Vers 20 miteinander, das Wort Lippen Vers 21 mit Vers 18 , und das Wort der Gerechte verbindet Vers 20 mit Vers 21 . Einer der Gründe dafür, daß die Worte des Gerechten wertvoll sind (V. 20 ), liegt darin, daß sie anderen geistliche Nahrung geben. Der Tod widerfährt denen, die Toren sind (�Ԥew¯l; vgl. V. 8 und den Kommentar zu Spr 1,7 ), denn ihnen fehlt die Erkenntnis (vgl. Spr 6,32;7,7;9,4.16;10,13;11,12;12,11;15,21;24,30;28,16 ). Weil sich der erste Teil von Spr 10,21 auf das Reden bezieht, meint der zweite Teil möglicherweise, daß den Toren die Einsicht für das fehlt, was sie von sich geben. Dieses üble Reden gibt noch nicht einmal ihnen selbst Nahrung; sie bleiben geistlich unterernährt und verhungern.



Spr 10,22


Nach dem Wort "Herr" wird im Hebr. noch ein "der" zur Betonung hinzugefügt. So lautet denn die erste Zeile: D er Segen des HERRN, der gibt Reichtum . Die zweite Zeile bestätigt noch einmal, daß mit dem Reichtum, den der Herr (dem Gerechten und Fleißigen) schenkt, kein Abmühen verbunden ist wie bei dem unlauter erworbenen Gut (vgl. V. 2 ).

 

Spr 10,23


Der überwiegende Teil von Vers 23-32 stellt den Gerechten und den Gottlosen einander gegenüber. Der Tor ( k+sIl , ein Narr; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ) freut sich, wenn er eine Sünde begeht, wohingegen der Weise sich für die Weisheit entscheidet. Dieser Gegensatz zwischen einem gottlosen Wandel und der Weisheit macht deutlich, daß die Weisheit, von der die Bibel spricht, den ethischen Bereich betrifft.



Spr 10,24-25


In den Sprüchen wird immer wieder das Unglück geschildert, das über den Gottlosen hereinbricht, und es wird dargestellt, wieviel besser es dem Gerechten geht. Salomo möchte auf diesem Wege den Einfältigen und Unwissenden davon überzeugen, daß er die Früchte der Weisheit auf lange Sicht bedenken sollte und nicht die Augenblicks-Erfolge. Viele Gottlose fürchten sich vor einem Unglück, und es bricht auch tatsächlich über sie herein! Der Gerechte bekommt auch häufig das, was er sich wünscht, nämlich den Segen Gottes. Gott ist letztlich die Quelle beider Dinge. Ein Sturm kann plötzlich hereinbrechen und für den Gottlosen eine Katastrophe mit sich bringen, indem er sein Leben auslöscht und seinen Besitz vernichtet (vgl. Spr 1,27;6,15;29,1 ), aber der Gerechte ist fester gegründet (vgl. Spr 10,9.30;12,3 ).



Spr 10,26


So wie Essig (aus Wein hergestellt) sauer schmeckt und Rauch die Augen reizt, so reizt der Faule (vgl. den Kommentar zu Spr 6,6-11 ) die, die ihn zur Arbeit oder auf einen Botengang senden, denn er erfüllt seine Pflicht nicht.



Spr 10,27-30


Diese Verse nennen mehrere Segnungen, die dem Gerechten zuteil werden: langes Leben, Freude und Sicherheit. Normalerweise besitzt der Gottlose keines dieser Dinge, wenn man sie aus der Perspektive der Ewigkeit betrachtet. Das lange Leben des Gerechten und die kurze Lebensspanne des Gottlosen werden in den Sprüchen häufig thematisiert ( Spr 3,2.16;4,10;9,11;14,27;15,24 ). Zur Furcht des HERRN vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 (vgl. auch Spr 2,5;3,7;8,13;9,10;14,26-27;15,16.33;16,6;19,23;22,4;23,17;24,21 ). Freude erleben die, die den Herrn fürchten, aber das Verlangen der Gottlosen nach Freude wird nicht gestillt (vgl. Spr 10,24;11,7 ). Wenn der Gerechte auf dem Weg des HERRN wandelt, d. h. ein Leben nach Gottes Maßstäben führt, dann hat er eine Zuflucht (vgl. Ps 31,2.4; Nah 1,7 ). Er wohnt sicher im Land (vgl. Spr 10,9.25 ), nicht so jedoch der Gottlose (vgl. Spr 2,21-22 ).


Spr 10,31-32


Diese beiden Verse behandeln wiederum das Reden eines Menschen (vgl. V. 11-14.18-21 ). Der Gerechte redet weise (vgl. V. 11 ). Der Ausdruck bringt hervor heißt wörtlich "trägt Früchte". So wie ein Baum normalerweise Früchte trägt, so sind weise Worte das natürliche Ergebnis der Aufrichtigkeit (vgl. Lk 6,43-45 ). Daher sind sie dann auch passend oder angemessen (vgl. den Kommentar zu Spr 10,14 ). Verkehrt , ein Begriff, der sowohl in Vers 31 als auch in Vers 32 gebraucht wird, bezeichnet das, was vom Normalen abweicht (vgl. Spr 2,12 ).



Spr 11,1


Der Herr haßt falsche Waagschalen (wörtl. "Gewichte des Betruges"), aber er freut sich über richtige Gewichte (wörtl. "vollkommene Steine"). Unehrlichkeit bei Geschäften wurde verurteilt, Ehrlichkeit empfohlen (vgl. Spr 16,11;20,10.23; 3Mo 19,35-36; 5Mo 25,13-16; Mi 6,10-11; vgl. auch Am 8,5 ). Um ihren Gewinn zu erhöhen, gebrauchten viele Händler zwei Sätze ihrer Steingewichte, wenn sie ihre Waren abwogen. Die leichteren Steine wurden auf die Schalen gelegt, wenn sie etwas verkauften (so daß sie für den festgesetzten Preis weniger Ware abgaben), und die schwereren Steine wurden genommen, wenn sie etwas einkauften (so daß sie für denselben Preis mehr Ware erhielten). Wo keine Münzen in Gebrauch sind, werden Waagschalen für die meisten täglichen Geschäfte verwendet. Wenn hier von "dem Herrn" gesprochen wird, so wird damit der Zusammenhang zwischen Geschäften und dem geistlichen Bereich dargestellt.



Spr 11,2


Dieser Vers enthält eine interessante Wortkombination. Stolz führt zu Schande, also dem Gegenteil von Stolz, und Demut (dieses hebr. Nomen wird nur an dieser Stelle gebraucht; die Verbalform des Wortes wird nur in Mi 6,8 gebraucht, "in Demut wandeln"), womit eine bescheidene Haltung gegen Gott und Menschen gemeint ist, führt zu Weisheit oder geht mit der Weisheit Hand in Hand. Spr 13,10 stellt ebenfalls Stolz und Weisheit einander gegenüber. Der Begriff für "Stolz" ( zADNn , "Hochmut"; vgl. Spr 13,10 ) kommt von dem Verb zID , "aufkochen" (vgl. 1Mo 25,29 ) und ähnelt dem hebr. Wort für Schande ( qAlNn ) im Klang.

 

Spr 11,3


Vers 3-8 behandeln den Wert der Gerechtigkeit bei der Führung eines Menschen und beim Schutz vor Unglück. Rechtschaffenheit (wird auch mit "lauter" übersetzt; vgl. Hi 1,1; Spr 11,20 ) bezieht sich auf das ethische Verhalten eines Menschen, der in dieser Hinsicht ein einwandfreies Leben führt. Wer rechtschaffen lebt, den leitet sie wie ein Hirte. Falschheit ist der Gegensatz dazu. Das Nomen seleP wird nur an dieser Stelle und in Spr 15,4 gebraucht ("betrügerisch"); das verwandte Verb sAlaP bedeutet "verkehren, umstoßen". Es wird in Spr 13,6 und Spr 22,12 mit "zu Fall bringen" übersetzt.



Spr 11,4


Die Wendung der Tag des Zorns (vgl. "Zorn" in V. 23 ) bezieht sich möglicherweise auf den Tod. Mit Reichtum kann man sich kein langes Leben kaufen; nur Gerechtigkeit kann dazu verhelfen (vgl. Spr 10,2 b). In Spr 10,27 steht, daß die Furcht des Herrn mit zu einem langen Leben beiträgt.



Spr 11,5


Wer gerecht lebt, der geht einen geraden Weg (vgl. Spr 3,5-6 ) und erfährt weniger Hindernisse und Schwierigkeiten (vgl. Spr 11,8 ), aber Gottlosigkeit bringt zu Fall.


Spr 11,6


Ein weiteres Ergebnis eines in Gerechtigkeit geführten Lebens ist Rettung und das Entkommen aus Unglück (vgl. den Kommentar zu V. 5 ) und Tod (V. 4 ). Aber sogar die bösen Wünsche des Treulosen (wörtl. "verräterisch, trügerisch") bringen ihn in Schwierigkeiten (vgl. V. 3 ). Er wird gefangen ( Spr 1,17-18;6,2;7,22-23;12,13 ), denn seine Wünsche führen ihn in die Sünde.



Spr 11,7


Der Tod macht den Hoffnungen des Gottlosen ein Ende. Weder sein Reichtum (V. 4 ) noch seine Macht kann den Tod abwenden. Offensichtlich ist es vergeblich, die Gerechtigkeit hintan zu stellen, um Macht zu erlangen.



Spr 11,8


Wie bereits in den Versen 3.5-6 festgestellt wurde, wendet ein in Gerechtigkeit geführtes Leben Unheil ab (vgl. Spr 12,13 ). Im Buch Ester fiel das Unheil, das Haman über Mardochai bringen wollte, auf Haman selbst zurück ( Est 3-7 ).



Spr 11,9


Die Verse 9-15 reden von den Beziehungen zwischen den Menschen: vom Nächsten (V. 9.12 ), der Stadt (V. 10-11 ), dem Geschwätz (V. 13 ), ungünstigen Umständen für ein ganzes Volk (V. 14 ) und einem Bürgen (V. 15 ). Ein Gottesfürchtiger kann einen anderen Menschen nur durch das, was er sagt, verleumden (vgl. den Kommentar zu Spr 10,18-19 a). Das hebr. Wort für gottesfürchtig lautet HAnEP , "weltlich, gottlos". Das Verb HAnaP wird mit "verunreinigt, befleckt" übersetzt (vgl. Jer 3,1; 4Mo 35,33; Ps 106,38 ). Dem weltlich gesinnten Menschen, der sich nicht darum kümmert, was er sagt, wird der Gerechte gegenübergestellt, der durch Einsicht entkommen kann. Vielleicht ist damit gemeint, er entgehe der durch Verleumdung entstehenden Kränkung entweder weil er weiß, daß sie nicht zutrifft, oder weil er sich von Gottlosen fernzuhalten versteht.



Spr 11,10-11


Diese Verse sprechen von dem Guten, das dem Gerechten auch im öffentlichen Leben widerfahren kann. Die Bewohner einer Stadt finden Gefallen an dem Wohlergehen des Gerechten und erfreuen sich daran wie auch an Gottes Segen über die aufrichtigen Bewohner der Stadt, denn durch sie kommt eine Stadt hoch . Damit ist gemeint, daß solche Leute das wirtschaftliche und moralische Leben einer Stadt in positiver Weise mitprägen (vgl. Jer 22,2-5 ). Umgekehrt freuen sich die Bewohner einer Stadt, wenn die Gottlosen - die lügen, verleumden, betrügen, rauben und morden - sterben (vgl. Spr 28,12.28 ), denn dann herrscht in der Stadt größere Sicherheit. Die Worte der Gottlosen ( Mund; vgl. Spr 11,9 ) - um gar nicht von ihren Taten zu reden! - können eine Stadt wirtschaftlich und moralisch zerstören.



Spr 11,12-13


Bei diesen Beziehungen in der Gemeinde ( V. 9-15 ) wird über das rechte und falsche Reden mehrere Male gesprochen (in Vers 9.11-13 ). Wer seinen Nächsten (vgl. Spr 14,21 ) verhöhnt ( bUz , "verachten, herabsetzen"; vgl. den Kommentar zu bUz bei Spr 1,7 b), dem mangelt es an Einsicht (vgl. den Kommentar zu Spr 6,32;10,13 ). Es ist einfach unsinnig, wenn jemand seinen Nächsten, mit dem er zusammen lebt oder arbeitet, verleumdet (vgl. Spr 10,18 ). Da daraus Entzweiung und Streit folgen, ist es weise, sich still zu verhalten (seine Zunge zu bewahren; vgl. Spr 10,19 ), auch wenn man etwas Unerfreuliches über seinen Nächsten weiß. Wer ein Geheimnis ausplaudert, der mißbraucht Vertrauen (das wird auch in Spr 20,19 festgestellt). Geschwätz wird auch in Spr 16,28;18,8;26,20.22 verurteilt.



Spr 11,14


Das Wort Führung ( taHbVlNT ; der Begriff wird auch in Spr 1,5 gebraucht) ist ein Begriff aus der Seefahrt, der für das Steuern eines Schiffes verwendet wird. Das "Steuern" oder der Rat der Ratgeber kann hilfreich sein (vgl. Spr 15,22;20,18;24,6 ). Ein Weiser ist für die Meinungen und den Rat anderer stets offen. Ohne diesen Rat hätte er unter Umständen schlimme Fehler gemacht.


Spr 11,15


Wer für einen anderen Bürge wird, der erlebt große Schwierigkeiten (vgl. den Kommentar zu Spr 6,1-5; vgl. Spr 17,18;22,26-27 ).



Spr 11,16


Die meisten der Verse in Spr 11,16-31 beziehen sich in irgendeiner Weise auf den Nutzen oder die Vorteile eines gerechten und frommen Lebenswandels. Vers 16 stellt das Ansehen oder die Ehre einer gütigen ( HEn , "gütig, anmutig") Frau (vgl. zu einem gütigen Mann V. 17 ) dem Reichtum gegenüber, den Unbarmherzige erlangt haben. Frauen mit vorbildlichem Charakter werden ferner in Spr 12,4;14,1;19,14;31,10-31 erwähnt. Es wird deutlich, daß der Wert des Reichtums weit unter dem der Ehre liegt (die Probleme, die mit dem Reichtum im Zusammenhang stehen, werden in Spr 1,19;10,2;11,4 erwähnt). Der Begriff "unbarmherzig" ( ZArIQ ) meint einen Menschen, der mit seiner Schlechtigkeit Schrecken verbreitet. Daher genießt er keine Ehre oder Ansehen und findet auch keinen Frieden.

 

Spr 11,17


Verse 17-21 stellen alle die Resultate eines gottlosen und eines gerechten Lebenswandels gegenüber.Der Barmherzige ( HeseD wird mit barmherzig übersetzt) und der Herzlose werden einander gegenübergestellt. Barmherzigkeit beschenkt den Geber (denn er erhält vom Empfänger wiederum Freundlichkeit), und Herzlosigkeit fällt wiederum auf den Herzlosen zurück, und damit ist der Herzlose und der, der die Herzlosigkeit zu spüren bekommt, getroffen (vgl. Spr 13,20 ).

 

Spr 11,18


Sogar der Lohn, den ein Sünder verdient, ist betrügerisch, das heißt, der Sünder ist der Meinung, daß ihm sein Geld helfen wird, voranzukommen, aber er merkt, daß es letztendlich keinen Wert hat (V. 4 ). Auf der anderen Seite hat ein Mensch durch das Säen von Gerechtigkeit und ein in Gerechtigkeit geführtes Leben großen Gewinn, der nicht nur von kurzer Dauer ist. "Betrügerisch" lautet im Hebr. SAqer , und Gewinn ist das ganz ähnlich klingende ReKer . Es sind hier also eine Alliteration und eine Assonanz (ein vokalischer Gleichklang) beabsichtigt, die die Aufmerksamkeit auf diese Worte lenken.



Spr 11,19


Wer sein Leben in Gerechtigkeit führt, erhält das Leben (vgl. Spr 12,28 ), und auf Gottlosigkeit folgt der Tod . Das ist ein häufiges Thema in den Sprüchen. Der Sünder erfährt Verderben ( Spr 11,17 ), er erlangt wertloses Geld (V. 18 ), und letztendlich muß er sterben (V. 19 ).



Spr 11,20


Wir erfahren in den Sprüchen, daß der Herr viele verschiedene sündhafte Einstellungen und Taten haßt: Verkehrte ( ZiqqES , verdreht oder verkehrt; vgl. den Kommentar zu Spr 2,15 ) Wege ( Spr 3,32;11,20 ), die Lüge ( Spr 12,22 ), die Heuchelei ( Spr 15,8 ), einen gottlosen Lebenswandel ( Spr 15,9 ), gottlose Gedanken ( Spr 15,26 ), Stolz ( Spr 16,5 ), Ungerechtigkeit ( Spr 17,15 ) und Unehrlichkeit beim Geschäftemachen ( Spr 20,10.23; vgl. ferner Spr 6,16-19 ). Auf der anderen Seite freut sich der Herr über die, die ethisch untadelig leben (untadelig; vgl. Spr 11,3 ) und wahrhaftig sind ( Spr 12,22 ).



Spr 11,21


Sei gewiß ist eine Wiedergabe der idiomatischen Wendung "Hand darauf" (vgl. auch Spr 16,5 b). Damit mag ein Handschlag bei einer Vereinbarung, z. B. bei einem Geschäftsabschluß, gemeint sein. Sicher ist jedoch, daß der Sünder Strafe leiden wird, der Gerechte jedoch nicht.

 

Spr 11,22


Die israelitischen Frauen trugen zur Zierde Nasenringe, wie wir heutzutage Ohrringe und Fingerringe. Wie widersinnig war die Annahme, daß ein Nasenring ein Schwein wirklich schön macht, ein Tier, das ständig schmutzig ist! Es ist ebenso widersinnig, wenn man annimmt, daß die äußerliche Schönheit einer Frau eine Entschuldigung für ihren Mangel an Einsicht (in moralischer Hinsicht) ist. Dieser Vers klingt ungewöhnlich, weil er eine schöne Frau mit einem widerlichen Schwein vergleicht. Äußerliche weibliche Schönheit zusammen mit einem unvernünftigen Lebenswandel ist wertlos und moralisch widerlich. Dies ist der erste Vers in den Sprüchen, in dem das Wort wie vorkommt, um einen Vergleich anzustellen. Das ist ein symbolischer Parallelismus.



Spr 11,23


Wonach sich der Gerechte sehnt (vgl. Spr 10,24;13,4 ), hat ein gutes Ende (oder "das ist gut"). Im Gegensatz dazu endet das, worauf der Gottlose hofft (vgl. Spr 10,28 b; 11,7 ), im (oder "ist") Zorn (vgl. Spr 11,4 ). Damit ist entweder gemeint, daß der Zorn Gottes über die Gottlosen kommt und ihre Wünsche zunichte macht oder daß sich die Gottlosen nur deshalb etwas wünschen, um ihrem Zorn Luft zu machen.



Spr 11,24-26


Diese Verse sind eine Ermutigung zur Großzügigkeit. Wer gerne gibt, der hat viel, ein offensichtliches Paradoxon (vgl. 2Kor 9,6 ). Umgekehrt hat ein Mensch, der geizig ist und versäumt, den anderen in ihren offensichtlichen Bedürfnissen beizustehen, immer selbst zu wenig (vgl. Spr 28,22 ). Wenn ein Mensch freigiebig ist ( Spr 11,25 ), geht es ihm gut, und er empfängt seinerseits Hilfe (vgl. V. 17 ). Getreide (V. 26 ) war in einer Agrargesellschaft ein Haupttauschmittel; wer Getreide aufhäufte, der konnte großen Einfluß auf die Preise nehmen. Aber wer sein Getreide verkaufte und es nicht aufhäufte, der war für andere ein Segen.



Spr 11,27-28


Wenn ein Mensch auf das Gute in anderen und für andere Menschen aus ist ( SAHar wird mit "suchen" oder "streben" übersetzt und meint das eifrige Ausschauen nach etwas, wie z. B. nach der Morgenröte), wird ihm seinerseits von den anderen Wohlgefallen zuteil ( rAQNn , "Annahme, Anerkennung"; vgl. den Kommentar zu Spr 8,35;14,9 ). Die beiden Dinge stehen in Wechselbeziehung wie in Spr 11,17 a.25. Wenn ein Mensch danach strebt, Böses über andere zu bringen, wird er erfahren, daß das Böse auf ihn selbst zurückfällt (vgl. Spr 11,17 b). Es ist nicht verkehrt, Geld zu haben, aber es ist falsch, darauf zu vertrauen (vgl. 1Tim 6,9-10 ), denn das Geld und der, der es besitzt, sind vergänglich (vgl. Ps 62,10; Spr 23,5;27,24; Jak 1,11 ). Aber der Gerechte, der auf den Herrn vertraut, sprießt empor wie ein grünes Blatt (vgl. den Baum in Spr 11,30 und in Ps 1,3-4;92,13-16; Jer 17,7-8 ).



Spr 11,29


Wenn ein Mensch Unglück über die Mitglieder einer Familie bringt, bedeutet das, daß er von dem Besitz enterbt werden wird; er wird nur Wind oder gar nichts bekommen. Statt reich zu werden und Diener zu haben, wird solch ein Tor selbst zum Knecht!



Spr 11,30


Als Endergebnis ( Frucht ) einer gerechten Lebensführung wird ein Mensch ein Baum des Lebens (vgl. Spr 3,18;13,12;15,4 ), eine Quelle eines erfüllten Lebens für andere (vgl. das Blatt in Spr 11,28 ). Das steht zu dem Toren in Gegensatz, der seiner Familie Kummer macht ( Spr 11,29 ). Die Wendung gewinnt Seelen in Vers 30 meint nicht, daß ein Mensch hier Seelen gewinnt, indem er evangelisiert. "Gewinnen" bedeutet wörtlich "anziehen oder nehmen". Es könnte also damit gemeint sein, daß ein Gerechter andere auf die Weisheit hinlenkt. Das paßt zu dem Gedanken im ersten Teil des Verses: ein Baum schenkt anderen mit seinen Früchten Leben.



Spr 11,31


Wenn der Gerechte in diesem Leben ( auf der Erde ) bestraft wird, wenn er eine Sünde tut, dann aber sicher erst recht ( wieviel mehr) der, der sich der Sünde und dem Bösen verschrieben hat (vgl. V. 21 ). Der erste Teil des Verses kann auch bedeuten, daß der Gerechte in seinem Leben Segen erfährt. "Wieviel mehr" steht auch in Spr 15,11;19,7;21,17; vgl. auch Spr 17,7;19,10 . Vers 31 von Kapitel 11 ist eine Zusammenfassung von Vers 29-30 .



Spr 12,1


Wer Zucht ( mUsAr , "Zucht oder Zurechtweisung auf moralischem Gebiet"; vgl. Spr 1,2.7; Spr 10,17 ) liebt (d. h. sie freiwillig und gerne annimmt oder nach ihr verlangt), der zeigt, daß er Erkenntnis liebt (nach ihr verlangt). Er möchte den rechten Weg gehen, er möchte weise sein. Wer Zurechtweisung haßt (ablehnt und verachtet), der zeigt, daß er dumm ist ( baZar , "unvernünftig oder stumpfsinnig" wie ein Tier; vgl. auch Spr 30,2 ). Ähnliche Gedanken werden in Spr 12,15;13,1.13.18;15,5.10.12.31-32 geäußert.



Spr 12,2


In den Sprüchen werden viele verschiedene Ausdrücke gebraucht, um den Gerechten und den Weisen zu beschreiben. So finden wir z. B. aufrichtig ( Spr 11,3.11 ), untadelig ( Spr 11,5 ), verständig ( Spr 11,12 ), vertrauenswürdig ( Spr 11,13 ), gütig ( Spr 11,17 ), großzügig ( Spr 11,25 ), klug ( Spr 12,16.23 ) und wahrhaftig (V. 22 ). In Vers 2 wird gut als weiteres Kennzeichen genannt. Solch ein Mensch wird mit Gottes Wohlgefallen (" rAQNn "; vgl. den Kommentar zu Spr 8,35 ) gesegnet. Aber ein Heimtückischer (vgl. Spr 14,17 ) oder Hinterlistiger erlangt nicht nur kein Wohlgefallen bei Gott, sondern er wird auch noch von Gott verurteilt ("für schuldig erklärt"; vgl. 2Mo 22,9 ).



Spr 12,3


Die Israeliten maßen dem Umstand, wie sicher sie in ihrem Land wohnen konnten, große Bedeutung zu. Aber nicht jedermann erlebte das (vgl. V. 7 ; Spr 10,25 ). Ein Gottloser kann entwurzelt werden wie eine Pflanze, die mit den Wurzeln ausgerissen wird. Damit wird das Exil oder der Tod beschrieben.

 

Spr 12,4


Eine Frau von edlem Charakter (vgl. Spr 31,10; Rt 3,11 ) ist wie eine Krone auf dem Haupt ihres Mannes. Das heißt, daß die Stärke in ihrem Charakter ( Hayil heißt wörtlich "Stärke") ihren Ehemann stolz macht und ihn ehrt. Sie schenkt ihm Würde. Im Gegensatz dazu läßt eine schändliche Frau (eine Frau, die nicht edel oder in moralischer Hinsicht gefestigt ist) seine Gebeine verderben (vgl. den Kommentar zu Spr 3,8 ); ihre Schande verursacht bei ihm innerlichen Schmerz.


Spr 12,5


Die Verse 5-9 stellen den Gerechten und den Gottlosen einander gegenüber. Der Gerechte hegt für sich und andere Menschen Pläne oder Wünsche, die aufrichtig und ehrlich sind, aber der Gottlose rät anderen, verderbliche Wege zu gehen. Er gibt ihnen unlautere und eigennützige Ratschläge (vgl. V. 8 ). Die Gedanken und Worte eines Menschen stimmen gewöhnlich mit seinem Charakter überein.



Spr 12,6


Die Gottlosen sind darauf aus, andere Menschen durch ihre betrügerischen Ratschläge zu verderben, wie aus Vers 5 hervorgeht. Die Aufrichtigen versuchen, sie, die Opfer der Schwätzer und Verleumder, zu erretten.



Spr 12,7


Wenn der Gottlose versucht, andere zu Fall zu bringen (V. 6 ), dann wird er selbst im Tod zu Fall gebracht (vgl. Spr 1,18 ). Er verheddert sich in seiner eigenen Falle. Er ist nicht mehr; er hat aufgehört zu existieren. Aber das Haus (die Familie) eines Gerechten bleibt sicher stehen (vgl. Spr 12,3;14,11 ).

 

Spr 12,8


Die Einstellung der Menschen zu den Gerechten und den Gottlosen werden einander gegenübergestellt: dem Weisen gebührt das Lob ( REKel ist hier der Begriff für Weisheit

"Klugheit oder gesundes Urteilsvermögen"; vgl. Spr 1,3 ), und Haß gebührt jenen, die einen verkehrten Sinn haben. "Verkehrt" ( ZAwCh ) ist eines der vielen Worte in den Sprüchen für "verkehrt, verdreht". Das Denken dieser Menschen ist verdreht.

 

Spr 12,9


Die Verse 9-11 gehen auf den häuslichen Bereich ein. Mit den Worten besser als wird anstelle des Wortes "aber" ein Gegensatz dargestellt. Dies ist der erste der 19 Verse in den Sprüchen, die das Muster "besser als" aufweisen (vgl. V. 9 ; Spr 15,16-17;16,8.16.19.32;17,1.12;19,1.22;21,9.19;22,1;25,7.24;27,5.10;28,6 ).

Es ist besser, unbekannt zu sein ( niemand zu sein oder so tun, als ob man niemand sei) und dennoch eine ehrenvolle Position innezuhaben (in der Lage zu sein, einen Knecht zu haben), als damit anzugeben, jemand zu sein und dennoch Hunger zu leiden (vgl. Spr 13,7 ). Wofür ist so eine Behauptung gut, wenn ein Mensch nichts zu essen hat?



Spr 12,10


Ein Gerechter kümmert sich nicht nur um seine eigene Person und seine Familie. Seine Güte erstreckt sich auch auf seine Tiere (seine Haustiere und sein Vieh). Er kümmert sich um die Bedürfnisse seiner Tiere heißt wörtlich "er kennt die Seele seiner Tiere". Er weiß um die Bedürfnisse seiner Tiere (vgl. Spr 27,23 ). Im Gegensatz dazu ist der Sünder wirklich grausam . Er weiß seine Herden nicht gut zu behandeln.



Spr 12,11


Wer sein Land mit Sorgfalt bebaut, der hat viel zu essen (vgl. Spr 28,19 a; vgl. auch Spr 14,23 ). Aber wer im Geiste oder mit dem Körper nichtigen Dingen (wertlosen, nichtigen Dingen) nachjagt (damit ist ein wirklich wildes Hinterherjagen gemeint), der kommt nicht dazu, sein Land zu bebauen, und es mangelt ihm daher an Nahrung (vgl. Spr 28,19 b). Wer die eigene Arbeit vernachlässigt und über andere Dinge nachdenkt, der zeigt seinen Mangel an Einsicht (vgl. den Kommentar zu Spr 6,23;10,13 ).



Spr 12,12


Was die Gottlosen auf betrügerische Weise erlangen, danach sehnen sich auch andere Gottlose. Fang bedeutet wörtlich "Netz" und bezieht sich auf die Dinge, die in dem Netz gefangen werden. Im Gegensatz zu der Vergänglichkeit der Dinge, die die Gottlosen rauben (vgl. Spr 1,19;10,2-3;11,4-5 ), ist es die Wurzel des Gerechten, die aufsprießt . Der Gerechte ist einer Pflanze gleich, deren sicher verankerte Wurzel (vgl. Spr 10,30 ) dafür sorgt, daß die Pflanze grün ist (vgl. Spr 11,28 ) und Früchte trägt (vgl. Spr 11,30 ).



Spr 12,13


Die Verse 13-20.22-23 beziehen sich alle in irgendeiner Weise auf das rechte und das falsche Reden (vgl. Spr 10,11-14.18-21.31-32;11,9.11-13 ). Das Gefangensein in einer Falle ist in den Sprüchen ein häufig gebrauchtes Bild (vgl. den Kommentar zu Spr 11,6 ). Der Gerechte, der gerechte Worte spricht, gerät daher nicht wie der Gottlose durch das in Schwierigkeiten, was er spricht. Er entkommt dem Unglück (vgl Spr 11,8.21;12,21 ).

 

Spr 12,14


Die Frucht der Lippen sind die Worte eines Menschen (vgl. Spr 13,2 ). Sein Reden bringt ihm und anderen Gutes ein (bringt ihm selbst Nutzen oder Gewinn; vgl. Spr 11,17 ). Diese Art von Gewinn ist so groß wie die Ergebnisse aus der manuellen Arbeit, auch wenn das vielleicht weniger offensichtlich ist.



Spr 12,15-16


Zwei Kennzeichen eines Toren und eines Weisen werden in diesen Versen genannt: Der Tor ( ?MwIl , "ein verhärteter, dummer Tor") hält seinen Weg für recht (vgl. Spr 21,2 ), woraus klar wird, warum er keine Weisung annimmt (vgl. Spr 1,7 ); wenn er sich ärgert (etwa über eine Beleidigung), dann zeigt er das sofort. Der Weise (klug; vgl. den Kommentar zu Spr 12,23 ) ist im Gegensatz dazu offen für Rat (vgl. Spr 10,17;11,14;12,1 ), und er ärgert sich nicht über eine Beleidigung. Der Begriff überhören bedeutet nicht, daß er die Schmähung nicht hörte, sondern daß er seine Reaktion unter Kontrolle hält oder daß er vergibt. Das gleiche Wort ( kAsCh ) wird in Spr 10,12 mit "bedeckt" wiedergegeben; "Beleidigung" (Luther: "Schmähung") in Spr 11,2 mit "Schande".

 

Spr 12,17


Das richtige Reden des Gerechten erlebt man auch, wenn er vor Gericht ehrliche Aussagen macht, aber ein Ungerechter spricht vor Gericht vorsätzlich Lügen aus (vgl. Spr 6,17.19;14,5.25;19,5.9;21,28 ).

 

Spr 12,18-19


Leichtsinnig ausgesprochene Worte, die vielleicht gar nicht verletzen sollten, können trotzdem sehr verletzend sein und wie ein Schwert durchbohren. Sie sind nicht richtig überdacht worden. Wer hätte nicht schon einmal etwas Unbedachtes gesagt und dann gemerkt, daß seine leichtsinnig ausgesprochenen Worte eine schlimme Wirkung hatten? Die Worte des Weisen können jedoch gerade das Gegenteil bewirken; sie können heilen (vgl. Spr 15,4 ), anstatt zu verletzen. Die Wirkung freundlicher (vgl. Spr 12,25 ), ermutigender und wahrhaftiger Worte bleibt bestehen, nicht so jedoch Falschheit und Lüge. Nur einen Augenblick ist ein Idiom, das wörtlich "ein Augenzwinkern" heißt (vgl. Hi 20,5 ).



Spr 12,20


Wie in den Sprüchen oft festgestellt wird, wird der Gottlose vom Trug gekennzeichnet (V. 5 ; Spr 6,14;11,18;14,8;15,4;26,19.24.26 ), aber Freude erleben die Menschen, die für andere Menschen den Frieden ( SAlNm ) herbeisehnen und sich dafür einsetzen. Zu dem Begriff Anschlag oder Plan vgl. den Kommentar zu Spr 3,29 .



Spr 12,21


Den Gerechten wird nicht nur Freude zuteil (V. 20 ), sondern auch Schutz. Im Gegensatz dazu erleben die Gottlosen Unglück (vgl. Spr 11,8.21; Ps 32,10 ).



Spr 12,22


Noch einmal wird das Thema der Lüge aufgegriffen (vgl. V. 17.19 ; Spr 21,6; 26,28 ); der Herr haßt die Lüge, denn sie steht seinen Maßstäben von Wahrheit ganz direkt entgegen (vgl. Ps 31,19 ). (Vgl. den Kommentar zu Spr 11,20 zu den anderen Dingen, die dem Herrn ein Greuel sind.) Statt dessen wird die Wahrhaftigkeit gerühmt (vgl. Spr 12,17.19;14,5.25 ), denn sie leistet der Gerechtigkeit Vorschub.


Spr 12,23


Ein kluger Mann ist nicht bestrebt, seine Klugheit auch zu zeigen; er ist nicht wie der Tor, der seine Torheit hinausschreit. ZArUm , "scharfsinnig" im guten Sinne, wird mit "klug" wiedergegeben. Dieser Begriff wird nur noch im Buch Hiob ( Spr 5,12;15,5 ) und in den Sprüchen verwendet ( Spr 12,16.23;13,16;14,8.15.18;22,3;27,12 ).



Spr 12,24


Fleiß und Faulheit werden hier wie auch in Vers 27 , in Spr 10,4 und in Spr 13,4 einander gegenübergestellt (vgl. auch Spr 12,11 ). Die Aussage, daß der Fleißige herrschen wird , bedeutet wohl nicht, daß er Herrscher werden wird, sondern daß ihm in allen möglichen Situationen die Verantwortung übertragen wird. Faulheit kann auf der anderen Seite einen Menschen in die Sklaverei führen oder in ein Dienstverhältnis bringen (vgl. Spr 11,29 ), in dem er dann härter arbeiten muß.



Spr 12,25


Wie heute auf dem Gebiet der Medizin und Psychologie wohlbekannt ist, kann Kummer einen Menschen niederdrücken (wörtl.: "einen Menschen niederbeugen" oder ihn entmutigen). Ein freundliches Wort kann einen niedergedrückten, bekümmerten Menschen jedoch wieder aufrichten und ihn erfreuen (vgl. V. 18 ).



Spr 12,26


Der Gerechte nimmt sich nicht jeden zum Freund; er wählt seine Freunde sorgfältig aus. Die Wendung ist vorsichtig kann mit "sucht aus" (vgl. 5Mo 1,33 ) oder mit "untersucht, erforscht" (vgl. Pred 7,25 ) übersetzt werden. Der Gottlose aber sorgt sich nicht darum, wer sein Freund wird. Der Gottlose führt andere Gottlose in die Irre, denn sie sind alle auf dem falschen Weg.



Spr 12,27


Manche Übersetzungen geben wieder: Der Faule (vgl. V. 24 ) möchte sein Wild nicht braten . "Braten" ( HArak ) wird im AT nur an dieser Stelle gebraucht, und es ist schwierig, diesen Begriff korrekt zu übersetzen. Es könnte damit gemeint sein, daß der Faule noch nicht einmal seiner Nahrung nachjagt. Es könnte aber auch bedeuten, daß der Faule zwar das Wild jagt, aber zu faul ist, es dann zuzubereiten. Der Fleiß bringt jedoch einen Jäger dazu, den Wert des Gejagten zu schätzen. Damit wird angedeutet, daß ein Fauler nicht das schätzt, was ihm gehört.



Spr 12,28


Der rechte Lebenswandel ( Weg ) führt zum Leben, womit hier möglicherweise der gegenwärtige Segen und nicht das ewige Leben gemeint ist (vgl. den Kommentar zu Spr 3,18 ). Die zweite Zeile von Spr 12,28 ist im Hebr. schwer zu verstehen. Eine Übersetzungsmöglichkeit lautet: Auf diesem Pfad ist Unsterblichkeit . Manche Ausleger haben sich zwar gegen den Gedanken der Unsterblichkeit im AT gewandt, aber in mehreren Abschnitten wird dieses Thema doch behandelt (z. B. Hi 19,25-27; Ps 16,10; Jes 25,8 ).



Spr 13,1


Die Verse 1-3 haben jeweils das Reden eines Menschen zum Thema. Ein weiser Sohn (vgl. Spr 10,1 ) nimmt die Weisung der Eltern an (vgl. den Kommentar zu Spr 12,1 ). Das Wort bewahren steht zwar nicht im Hebräischen, man kann es aber heraushören. Das Gegenteil eines weisen, belehrbaren Sohnes ist ein Spötter (vgl. Spr 14,6;15,12;17,5;19,29;21,11;22,10;24,9;30,17 ), der weder auf Tadel hören, noch daraus lernen möchte (vgl. den Kommentar zu Spr 1,23 ).



Spr 13,2


Der erste Satz dieses Verses klingt ganz ähnlich wie Spr 12,14 a. Die Frucht der Lippen ist die Rede eines Menschen, wobei hier offensichtlich von einem Gerechten gesprochen wird. Wer Gutes redet und anderen mit seinem Reden eine Hilfe ist (vgl. Spr 12,18 b), der wird gesegnet. Was er gibt, das empfängt er auch wieder. Der Treulose (wörtl. "der Verräterische, Treulose") möchte anderen nicht helfen, sondern ihnen schaden, indem er verletzende Worte spricht und Gewalttat tut (vgl. Spr 13,4 ).


Spr 13,3


Wenn ein Mensch sich mit dem vorsieht, was er sagt, so hilft ihm das, Schwierigkeiten zu vermeiden (vgl. Spr 14,3;21,23 ). Wer aber überstürzt redet (hastig und unüberlegt; vgl. Spr 12,18 ), der hat, Unglück (vgl. Fall in Spr 10,8.14 ) für sich selbst und andere zu fürchten. Mit seinen übereilten Worten macht er Versprechungen, die er nicht halten kann, er plaudert private Dinge aus, verletzt andere oder stellt Dinge falsch dar. Die Menschen merken, daß sie sich nicht auf das verlassen können, was derjenige gesagt hat, und möchten nichts mit ihm zu tun haben. Dieser Mensch leidet unter Umständen auch körperlich oder in finanzieller Hinsicht.



Spr 13,4


Ein Fauler (zu Faulpelz vgl. den Kommentar zu Spr 6,6 ) hat seine Wünsche (dieser Begriff bezieht sich auf ein tiefverwurzeltes physisches Verlangen oder auf den Appetit; vgl. Spr 13,2 ), aber sie werden nicht erfüllt, denn er möchte nicht arbeiten. Fleiß (vgl. den Kommentar zu Spr 12,24 ) schenkt einem Menschen jedoch Zufriedenheit (vgl. 11, 23 ).



Spr 13,5


Wie bereits in Spr 8,13 festgestellt wurde, bedeutet die Furcht des Herrn zugleich, daß ein Mensch das haßt, was Gott auch haßt. Weil Gott Falschheit haßt ( Spr 12,22 ), haßt der Gerechte sie auch. Lügen setzt herab und bringt Mißtrauen und Ungerechtigkeit mit sich. Der Gottlose jedenfalls, der der Falschheit den Vorzug gibt, bringt Schande und Schmach über andere und sich selbst.



Spr 13,6


Wiederum: wenn jemand sein Leben in Gerechtigkeit und Weisheit führt, wird er auch beschützt (vgl. V. 3 ; Spr 2,11;4,6 vgl. auch Spr 12,21 ). Zu dem Begriff Vollkommenheit vgl. den Kommentar zu Spr 11,3 .Wenn ein Sünder sein Leben gottlos und unweise verbringt, dann genießt er keinen Schutz. Er wird mit Leichtigkeit zu Fall gebracht.



Spr 13,7


Der Begriff sich stellen bezieht sich eher auf eine Lebensweise als auf Schauspielerei. Ein Mensch kann in bezug auf materielle Güter reich sein, aber in sozialer oder geistlicher Hinsicht nichts aufzuweisen haben. Umgekehrt kann ein anderer in materieller Hinsicht arm sein, jedoch reich im geistlichen Bereich.



Spr 13,8


Die Worte Reichtümer und arm stellen die Verbindung zwischen diesem und dem vorhergehenden Vers her. Ein Reicher braucht vielleicht sein Geld, um sich von dem Unglück wieder freizukaufen ( sein Leben loskaufen ), aber ein Armer wird nicht von Entführung oder Diebstahl bedroht. So hat die Armut zumindest einen Vorteil.



Spr 13,9


Ein Licht und eine Lampe , beides häufig verwendete bildhafte Vergleiche (vgl. Spr 6,23;20,20;21,4;24,20; Hi 18,5-6; Ps 119,105 ), beziehen sich hier auf das leibliche Leben. Wenn eine Lampe in einem Zelt des Nahen Ostens ausging, dann war die Umgebung pechschwarz, und das erinnert an die Finsternis des Todes. Der Gerechte wird ein langes Leben leben, aber der Gottlose wird früh sterben.

Spr 13,10


Mit Stolz ( zADNn von zID , "kochen"; vgl. Spr 11,2 ) ist der unbeugsame Hochmut gemeint. So eine hochmütige, allwissende Einstellung eines Menschen führt zu Streit. Das steht im Gegensatz zu einem demütigen, weisen Geist, der bereit ist, zu lernen und Rat anzunehmen (vgl. Spr 12,15; vgl. "Streit" in der Übersicht "Das Buch der Sprüche über das Reden" bei Spr 6,17-19 ).

Spr 13,11


Unehrlich erworbenes Geld (vgl. "gottlos erworbene Schätze"; Spr 10,2 ) hat keinen Bestand (vgl. Spr 10,2;13,22;23,5 ). Auf der anderen Seite kann Geld sich vermehren, wenn es Stück für Stück auf ehrlichem Weg erworben wurde.

Spr 13,12


Es ist gut für einen Menschen, wenn er Hoffnung hat, aber wenn diese Hoffnung sich lange Zeit nicht erfüllt, dann führt das zu Enttäuschung (sein Herz wird krank). Aber wenn eine Hoffnung in Erfüllung geht (vgl. V. 4.19 ), dann wird ein Mensch belebt. Die Erfüllung einer Hoffnung schenkt Ermunterung wie ein Baum, der Leben gibt (vgl. Lebensbaum in Spr 3,18;11,30;15,4 ).

Spr 13,13


Wer die Weisung seiner Eltern oder anderer Menschen verachtet, der muß eine "Zahlung" seiner Schuld und seiner Bestrafung leisten. Aber wer diese Weisungen beachtet und sie befolgt, der wird mit Segen "belohnt". B Uz ("verachten, darauf herabsehen, sich lustig machen über"; vgl. Spr 14,21 und den Kommentar zu Spr 1,7 ) wird mit verachten übersetzt.



Spr 13,14


Unterweisung von einem Weisen bekommen und behalten ist so erfrischend und lebenspendend wie eine Quelle des Lebens ( Spr 10,11;14,27;16,22 ). Im Zusammenhang mit dem Gewinn der weisen Lehre wird noch ein anderer Aspekt genannt: Sie bewahrt vor den Fallen des Todes (in Spr 14,27 b wird eine inhaltlich gleiche Feststellung gemacht). Die Weisheit kann einen Menschen vor dem vorzeitigen Tod bewahren (vgl. Spr 1,32-33;2,11;4,20-22;8,35-36 ), der hier bildhaft als Tierfalle dargestellt wird, die plötzlich zuschnappt. Zu der zweiten Zeile von Spr 13,14 ,die vom ersten Teil abhängt, steht dieser Satz im synthetischen Parallelismus (vgl. "Der Stil des Buches" in der Einleitung ) anstatt im antithetischen Parallelismus wie die meisten Verse in Kapitel 10-15 .


Spr 13,15


}EKel FNB wird mit gute Einsicht wiedergegeben (vgl. den Kommentar zu Spr 3,4 ). In 3,4 und Spr 13,15 werden diese hebr. Worte mit Wohlgefallen ( HEn , "Gunst") in Verbindung gebracht. Im Gegensatz dazu ist das Leben des Treulosen hart. Das hebr. Wort für "hart" ( ?LTAn ) bedeutet "dahinfließend" wie ein Fluß ( Ps 74,15 ), "bleibend" wie ein Volk oder "lange festbegründet" wie ein Führer. Möglicherweise bezieht sich Spr 13,15 auf das eintönige, dahinplätschernde Leben des Gottlosen, der auf seinem Weg so festgefahren ist, daß er es für außerordentlich schwierig hält, sich davon abzuwenden.

Spr 13,16


Normalerweise stimmt der Wandel eines Menschen mit seinem Charakter überein (vgl. Spr 4,23-24 ). Wer Einsicht hat, legt Klugheit an den Tag ( ZArUm , "scharfsinnig" im guten Sinne; vgl. den Kommentar zu Spr 12,23; vgl. Spr 12,16 ), aber ein Narr macht seine Torheit offenbar (vgl. Spr 12,23 b) "wie ein Hausierer, der seine Waren vor den Augen aller Menschen ausbreitet" (Crawford H. Toy, A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Proverbs , S. 273).


Spr 13,17


Während ein unverläßlicher Bote in Not gerät (möglicherweise durch seine Faulheit; vgl. Spr 10,26; oder durch seinen törichten Lebenswandel; vgl. Spr 26,6 ) und daher enttäuschend ist, bringt ein verläßlicher Bote Heilung, d. h. er trägt zum Wohlergehen derjenigen bei, für die er arbeitet.

Spr 13,18


Wer die Zucht verachtet ( mUsAr , "Zucht oder Zurechtweisung auf moralischem Gebiet"; vgl. Spr 1,2 ), erlebt Armut und Schande, weil ein Mensch ohne Selbstzucht faul ist und andere sich seiner schämen. Aber wer Zurechtweisung beachtet, der wird geehrt. Die Offenheit, Zurechtweisung anzunehmen, wird häufig in den Sprüchen erwähnt (z. B. Spr 12,1;13,1.13 ).

Spr 13,19


Der Begriff Toren verbindet Vers 19 und Vers 20 zu einer Einheit, obwohl das Thema dieser Verse nicht dasselbe ist. Vers 19 a spricht wie Vers 12 b von der Befriedigung und der Freude, die daraus resultieren, wenn sich eine Hoffnung erfüllt oder ein Traum Wirklichkeit wird. Die Toren verharren auf der anderen Seite in ihrer Sünde. Damit wird praktisch gesagt, daß sich ihre Hoffnungen nicht erfüllen.



Spr 13,20


Eine Möglichkeit, weise zu werden ist, mit Weisen, darunter Gefährten und Lehrern, Umgang zu haben. Umgekehrt bringt der Umgang mit Toren Unglück. Die hebr. Worte für Gefährte ( rOZeh ) und leidet Ungemach ( yErNaZ ) klingen ein bißchen ähnlich. Der Einfluß guter und schlechter Bekanntschaften wird in den Sprüchen häufig thematisiert ( Spr 1,10-11;2,12;4,14-17;16,29;22,24-25;23,20-21;28,7 ).



Spr 13,21


Die Verse 21-23 haben die Armut und den Reichtum zum Thema. Schwierigkeiten ereilen den Sünder wie ein Tier, das ihn verfolgt; er kann nicht entkommen. Ein solches Problem ist der Hunger, der in Vers 25 erwähnt wird. Die Gerechten jedoch, die in den Sprüchen mit den Weisen und den Fleißigen gleichgesetzt werden, erfreuen sich guter Dinge in ihrem Leben, was ein weiteres häufig aufgegriffenes Thema in den Sprüchen darstellt ( Spr 3,2;8,18;10,6.22;21,21;28,25 ). Die Aussagen in Spr 13,21 treffen ganz allgemein zu, obwohl man auch Ausnahmen davon anführen könnte.



Spr 13,22


Der in ethischer Hinsicht als gut Beurteilte wird so gesegnet, daß er seinen Enkeln noch etwas vererben kann. Aber der Reichtum, den ein Sünder vielleicht erlangen mag, ist verloren, und er geht schließlich in die Hände der Gerechten über; vielleicht weil der Sünder mit seinem Besitz töricht und unweise umgeht.



Spr 13,23


Ein Armer kann mit eigenen Händen genug Nahrung erarbeiten, um satt zu werden (vgl. Spr 12,11 a), aber ohne Schutz vor Ungerechtigkeit kann er es wieder verlieren. Spr 13,22 spricht von einem Sünder, der sein Geld verliert; Vers 23 spricht von denen, die unter solchen Sündern leiden.

Spr 13,24


Die Verse 24-25 und Spr 14,1-4 thematisieren das häusliche Umfeld. Ein liebendes Elternteil läßt sein Kind lieber eine Zeitlang "leiden" (und schlägt es mit der Rute), um ihm das Elend eines zuchtlosen Lebens auf lange Sicht zu ersparen. Wer sein Kind nicht züchtigt, wenn es das braucht, dessen Liebe und Anteilnahme an dem Kind sind fragwürdig. Weitere Verse in den Sprüchen zur Züchtigung der Kinder stehen in Spr 19,18;22,15;23,13-14;29,15.17 .Gott züchtigt die Seinen auch (vgl. Spr 3,11-12; Hebr 12,6 ).

Spr 13,25


Gott sorgt für die körperlichen Bedürfnisse des Gerechten.



Spr 14,1


Die weise Frau und die törichte Frau beziehen sich möglicherweise eher auf Menschen als auf die personifizierte Weisheit und Torheit wie in Spr 9,1.13 .Der Begriff baut bezieht sich wohl nicht auf den Bau eines wirklichen Hauses, sondern auf die Sorge für einen Haushalt und das Bemühen, daß er gut läuft. Die Weisheit der Frau baut ihren Haushalt auf, während die Torheit ihren Haushalt vernachlässigt.



Spr 14,2


Die Einstellung eines Menschen dem Herrn gegenüber - entweder fürchtet er ihn (vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ) oder er verachtet ihn - zeigt sich in seinem Verhalten. Sein Wandel ist entweder aufrecht oder unaufrichtig (vgl. Spr 2,15 ).

Spr 14,3


Die Rede eines Toren (�Ԥew¯l, ein arroganter, verhärteter und dummer Mensch) führt dazu, daß er mit einer Rute (hier wird nicht dasselbe Wort für Rute wie in Spr 13,24 gebraucht) auf seinem Rücken (vgl. Spr 10,13;26,3 ) bestraft wird. Weise Worte jedoch schützen einen Menschen vor Strafe (vgl. Spr 13,3 ).



Spr 14,4


Wenn ein Bauer keine Rinder zum Pflügen hat, dann ist die Krippe in seinem Stall leer, d. h. sauber. Aber wenn er Zeit und Geld aufwendet und gut für die Rinder sorgt, dann wird er viel Nahrung haben, weil er durch das gute Pflügen mit den Rindern eine überreiche Ernte erzielt. Wer bei irgendeiner Sache gute Ergebnisse erzielen will, muß Zeit, Geld und Arbeit investieren.



Spr 14,5


Der Gegensatz zwischen einem wahren und einem falschen Zeugnis wird auch in Spr 12,17;14,25 erwähnt. Falsche Angaben vor Gericht werden in Spr 19,5;21,28;24,28;25,18 verurteilt.

Spr 14,6


Es ist ungewöhnlich, in den Sprüchen zu lesen, daß ein Spötter (vgl. den Kommentar zu Spr 13,1 ) Weisheit sucht , aber das macht deutlich, daß es nicht daran liegt, daß der Spötter nicht gerne Weisheit erlangen möchte, sondern eher daran, daß er die wichtigste Bedingung nicht erfüllt und den Herrn nicht fürchtet ( Spr 1,7;9,10 ). Offensichtlich suchen die Spötter am falschen Ort nach der Weisheit. Erkenntnis erlangt mit Leichtigkeit, wer in geistlichen Belangen Unterscheidungsvermögen besitzt. Diese Menschen wissen, wo sie nach echter Erkenntnis suchen müssen.



Spr 14,7


Die Verse 7-9 machen Aussagen über die Toren. Vers 7 ist der erste Imperativ in dem Abschnitt, der mit Spr 10,1 begonnen hat. Auch Spr 14,7 ist im synthetischen Parallelismus abgefaßt, denn die zweite Zeile liefert die Erklärung für die erste Zeile. Weil der Umgang eines Menschen ihn zum Guten oder zum Bösen hin beeinflussen kann (vgl. Spr 13,20 ), sollte er den Toren ( k+sIl ) aus dem Weg gehen, denn sie reden ohne Erkenntnis. Sie können dem jungen Menschen nichts anbieten, was irgendwie wertvoll wäre.



Spr 14,8


Der Kluge ( ZArUm , "scharfsinnig im guten Sinne"; vgl. V. 18 ; vgl. den Kommentar zu Spr 12,23 ) überdenkt die Dinge und wird deshalb nicht so leicht getäuscht, aber der Tor merkt nicht, daß seine eigene Torheit (vgl. Spr 14,18.24.29 ) ihn zu Fall bringt. Er hält seine Wege für richtig.



Spr 14,9


Wenn ein Tor sündigt, dann macht er sich über den Gedanken lustig, daß er sich bessern sollte. Im Gegensatz zu den Toren, die ihre sündigen Wege nicht verlassen wollen, erlangen die Aufrichtigen Wohlgefallen, d. h. sie werden von Gott und den Menschen angenommen (zu rAQNn vgl. den Kommentar zu Spr 8,35 ).



Spr 14,10


Den inneren Schmerz (Bitterkeit) und die Freude eines Menschen kann ihm keiner ganz nachempfinden. Das sind persönliche Empfindungen in der Seele eines Menschen.



Spr 14,11


Das Ende im Leben eines Menschen ist das Thema der Verse 11-14 . Das Haus der Gottlosen (damit ist entweder sein Besitz oder seine Familie gemeint) wird vertilgt (vgl. Spr 15,25 ) und wird nicht bestehen. Auf der anderen Seite wird das Zelt des Aufrichtigen (der Besitz oder die Familie) aufsprossen, wie ein Baum Knospen treibt und aufsproßt. Das ist ein Bild für Wachstum, Gedeihen und Bestehen.



Spr 14,12


Dieser Vers wird wörtlich in Spr 16,25 wiederholt. Ein Pfad (Weg des Lebens) mag manchen Menschen recht erscheinen (gerade oder eben). Aber weil er zum Tod führt , ist es der Weg der Sünde und der Torheit (vgl. Spr 5,5.23;7,27;9,18;11,19;21,25 ). Der Mensch kann der Sünde nicht entkommen.

 

Spr 14,13


Mit seinem Gelächter kann ein Mensch den Eindruck erwecken, er freue sich seines Lebens, aber in seinem Herzen leidet er (vgl. V. 10 ; 15,13 b). Die Worte Freude kann im Kummer enden beziehen sich entweder auf die wechselvolle Natur der menschlichen Gefühle oder auf die Vorstellung, daß die Freude selten rein und von Kummer ungetrübt ist.


Spr 14,14


Sowohl dem Gottlosen als auch dem Gerechten - dem Treulosen (wörtl. "Rückfälliger im Herzen") und dem Guten - wird gemäß ihrem Wandel vergolten (vgl. Spr 1,31 ). Was sie gesät haben, das werden sie auch ernten ( Gal 6,7 ).



Spr 14,15


Die Verse 15-18 sprechen von dem Weg des Toren und beginnen und enden mit einem Verweis auf den Einfältigen und den Klugen. Der Einfältige ( peTI , "naiv, unwissend"; vgl. den Kommentar zu Spr 1,4 ) ist leicht beeinflußbar (vgl. z. B. Spr 7,7-10.21-23 ), aber der Kluge ( ZArUm ; vgl. Spr 14,8.18 und den Kommentar zu Spr 12,23 ) denkt nach, bevor er handelt.



Spr 14,16


Die Worte der HERR stehen nicht im Hebr. ,jedoch zwischen den Zeilen. Der Vers heißt wörtlich ein Weiser fürchtet und vermeidet das Böse (vgl. Spr 3,7;8,13;16,6; Ps 97,10 ). Ein Tor, der von seinem ungestümen ( hitzköpfigen ) Wesen gelenkt wird, ist wild ( verwegen ) im Hinblick auf das Böse.



Spr 14,17


Der Begriff hitzig oder jähzornig setzt diesen Vers mit dem vorhergehenden in Verbindung. Solch eine Person tut törichte Dinge (vgl. V. 29 ; Spr 15,18 ). Wer "aus den Fugen gerät" - also sich nicht mehr unter Kontrolle hat - der sagt oder tut lächerliche Dinge, die ihm später leid tun und die er nicht mehr zurücknehmen kann. Es ist noch schwieriger, mit einem verschlagenen Menschen oder mit einem Ränkeschmied ( m+zimmCh ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,4 ) zusammen zu leben oder zu arbeiten (vgl. Spr 12,2 ). Ein Mensch, der Ränke schmiedet und hinterlistig handelt, um seinen Weg zu gehen und andere zu bekämpfen, wird von anderen gehaßt, denn er ist nicht vertrauenswürdig. Er geht in die Irre ( Spr 14,22 ).



Spr 14,18


Aufgrund seiner Einfalt erntet der Einfältige (vgl. V. 15 und den Kommentar an dieser Stelle) Torheit und nicht Weisheit (vgl. V. 24 ). Derjenige, der das Gegenteil eines Einfältigen darstellt - der Kluge (vgl. den Kommentar zu V. 8 ; vgl. V. 15 ) - wird mit mehr Einsicht gesegnet.



Spr 14,19


Böse Männer werden sich in der Gegenwart der guten Männer verbeugen. Das erlebt man heute selten - normalerweise ist es gerade umgekehrt - und daher spricht dieser Vers möglicherweise von der Zukunft, wenn die Gottesfürchtigen über den Gottlosen stehen werden.



Spr 14,20-21


Vers 20 bezieht sich auf Menschen, die sich von ihren armen Nächsten fernhalten. In Vers 21 wird dieses Verhalten als Sünde bezeichnet. Außer unter den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die mit der Armut einhergehen, leiden Arme häufig darunter, daß man nichts mit ihnen zu tun haben will (vgl. Spr 19,4.7 ). Spr 14,20 stellt dieses Problem der Armen der Tatsache gegenüber, daß viele Menschen Freunde der Reichen sein wollen. Vers 21 stellt zwei Verhaltensweisen einander gegenüber: Entweder man zeigt seinen Haß auf seinen armen Nächsten oder man zeigt seine Güte. Wer seinen Nächsten verachtet ( bUz wird mit verachten übersetzt und heißt "herabschauen auf, herabsetzen, sich lustig machen über"; vgl. "verachtet"; Spr 13,13; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ), der sündigt, aber Güte gegen den Bedürftigen (vgl. Spr 14,31;19,17;28,27 ) bringt den Segen des Herrn ein.

Spr 14,22


Ein Mensch, der Böses schmiedet (zu schmieden vgl. den Kommentar zu Spr 3,29 ), irrt von dem Pfad eines aufrichtigen Lebenswandels ab. Umgekehrt sind die Kennzeichen eines Menschen, der gute Taten für andere Menschen (vgl. "gütig" in Spr 14,21 ) plant ( planen ist dasselbe Wort wie "schmieden"), Liebe ( HeseD , "treue Liebe") und Treue (vgl. Spr 3,3;16,6;20,28 ).



Spr 14,23


Harte Arbeit zahlt sich aus (vgl. Spr 10,4;12,11.24 ), wohingegen Menschen, die bloß über Arbeit reden, arm werden (vgl. Spr 6,10-11 ). Andere Gründe für die Armut eines Menschen, die in den Sprüchen erwähnt werden, sind Geiz ( Spr 11,24;28,22 ), Übereiltheit ( 21,5 ), Hedonismus ( Spr 21,17 ), Unterdrückung ( Spr 22,16 ) und Günstlingswirtschaft ( Spr 22,16 ).



Spr 14,24


Der Weise wird gekrönt, d. h. er wird mit Reichtum gesegnet (vgl. Spr 3,16;8,18.21; 15,6;22,4 ), weil er fleißig war ( Spr 14,23 ), aber ein törichter Wandel zieht keinen Segen nach sich, sondern nur noch mehr Torheit (vgl. V. 18 ).



Spr 14,25


Wenn ein Mensch vor Gericht die Wahrheit aussagt, kann er damit Menschen vor der Todesstrafe bewahren, wohingegen eine falsche Aussage, womit vorsätzlich die Tatsachen verdreht werden, den Unschuldigen zu Tode oder ins Gefängnis bringen kann, während der Schuldige fälschlicherweise freigesprochen wird. Menschen, die vor Gericht aussagen (vgl. V. 5 ), befinden sich in einer entscheidenden Position; sie können auf das Leben anderer Menschen nachhaltig Einfluß nehmen.



Spr 14,26-27


Diese beiden Verse stehen miteinander in Verbindung, weil sie sich beide auf die Furcht des Herrn beziehen (vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ). In Spr 14,26 verschafft die Furcht des Herrn Sicherheit (vgl. V. 32 ) und Schutz vor einem Leben des Verderbens für die Gläubigen und auch ihre Kinder, die von ihren gottesfürchtigen Eltern zur Gottesfurcht angehalten werden. In Vers 27 ist die Furcht des HERRN eine Quelle des Lebens (vgl. Spr 10,11;13,14;16,22 ), d. h., daß die Furcht des Herrn langes Leben zur Folge hat (vgl. Spr 3,2.16; 9,10-11; 10,27; 15,24 ), denn sie bewahrt vor den Fallen des Todes (vgl. Spr 10,2 b; 11,4 b; 13,14 b).



Spr 14,28


Menschen sind die größte Reserve eines Königs. Wenn er aber niemanden hat, über den er herrschen kann, dann werden der Titel König und seine hochgestellte Position wertlos. Ein beeindruckender Titel ohne wirklichen Verantwortungsbereich verschafft dem König nur wenig Achtung.


Spr 14,29


Wer unter schwierigen Umständen geduldig bleibt (vgl. Spr 16,32;19,11 ), der stellt seine Weisheit unter Beweis, aber ein ungeduldiger Mensch, der sich nicht beherrscht (vgl. Spr 14,16-17 ), macht seine Torheit offenbar. Das hebr. Wort rUm ( zeigt ) bedeutet "erheben, zum Vorzeigen emporheben". Es ist immer weise, sich selbst zu beherrschen, und es ist niemals weise, wenn einem der Kragen platzt!



Spr 14,30


Die Gefühle eines Menschen wirken auf sein körperliches Befinden zurück, eine Tatsache, die heute hinreichend bekannt ist (vgl. Spr 15,13.30;17,22;18,14 ). Ein gelassenes Herz (oder "ein gesunder Geist", d. h. in gesundem Zustand) trägt mit zu einem gesunden Körper bei, aber Neid, der heftige Wunsch, etwas zu besitzen, was anderen gehört, führt im körperlichen Bereich zum Gegenteil (zu dem Begriff Gebeine vgl. den Kommentar zu Spr 3,8 ).



Spr 14,31


Einen Armen übervorteilen ist Sünde gegen Gott (vgl. Spr 17,5 ), denn Gott ist der Schöpfer aller Menschen (vgl. Hi 31,13.15 ), und Gott nimmt sich der Sache der Armen an ( Spr 22,22-23 ). Der Gerechte und Weise ist gütig gegen den Armen ( 14,21 ; Spr 19,17;28,27 ), denn damit ehrt er Gott.

 

Spr 14,32


Schwierigkeiten können für den Gottlosen ein fürchterliches Ende nehmen (vgl. Spr 6,15 ), denn der Gottlose hofft nicht auf den Herrn. Wenn der Gerechte auf der anderen Seite dem Tod entgegensieht, hat er eine Zuflucht in Gott.



Spr 14,33


Die Weisheit ist allgegenwärtig (im Herzen des Weisen und sogar unter den Toren; vgl. Spr 1,20-22;9,1-4 ), aber sie (wieder wird die Weisheit als Frau personifiziert; vgl. den Kommentar zu Spr 1,20-33 ) erfährt ganz verschiedene Reaktionen.



Spr 14,34


Gerechtigkeit unter einem Volk bringt Gutes hervor ( erhöhen bedeutet "erheben" und wird hier im ethischen Sinne gebraucht), aber die Sünde unter diesem hat den gegenteiligen Effekt (es ist eine Schande, ein Wort, das nur an dieser Stelle und in 3Mo 20,17 gebraucht wird). Es sieht zwar manchmal so aus, als wenn die Menschen mit der Sünde durchkommen, aber letztendlich werden sie doch von ihr eingeholt und beschämt.



Spr 14,35


Ein König freut sich, wenn seine Knechte klug sind (das Wort weise bedeutet an dieser Stelle "klug"), aber wenn sie nicht klug sind, machen sie ihm Schande (die Bedeutung des Wortes ist schandbar; der Begriff wird in diesem Sinne auch in Spr 10,5;19,26;29,15 gebraucht), und er ärgert sich über sie. ZeBrCh , Zornesausbruch, wird mit Zorn übersetzt. Dasselbe gilt heutzutage für Arbeitnehmer: Klugheit zahlt sich aus, Mangel an Klugheit macht den Arbeitgebern Schwierigkeiten.


Spr 15,1


Die Verse 1-2.4.7.14 b. 23. 28 b beziehen sich auf das Reden, ein Thema, das in den Sprüchen häufig aufgegriffen wird (vgl. die Übersicht "Das Buch der Sprüche über das Reden" bei Spr 6,17-19 ).

Eine sanfte (wörtl. "weiche") Antwort kann eine spannungsgeladene Situation entschärfen, indem sie den Zorn ( HEmCh , "Wut") eines Menschen zerstreut. Wenn man in solch einer Situation Versöhnung stiften will, muß man vorausschauend, geduldig, beherrscht und gütig sein, also Tugenden besitzen, die in den Sprüchen vielfach gelobt werden. Ein hartes (wörtl. "verletzendes") Wort bringt den Zorn im Gegensatz dazu erst auf.



Spr 15,2


Die Zunge (Worte) des Weisen fördert die Erkenntnis (vgl. V. 7 ). Der Weise besitzt nicht nur Erkenntnis, sondern die Tatsache, daß er sie einsetzt, macht sie für andere anziehend und erstrebenswert. Ein Tor jedoch läßt seine Torheit hervorquellen (wörtl. "sprudelt hervor"; dieser Begriff wird auch in V. 28 gebraucht). Seine vielen Worte, die er wie Wasser aus einer Quelle hervorquellen läßt, zeigen, wie töricht er ist. Der Mund eines Toren macht auch seine Sünde offenbar (V. 28 ) und ernährt sich von Torheit (V. 14 ).


Spr 15,3


In seiner Allmacht sieht und weiß Gott, was jeder Mensch tut (vgl. Spr 5,21; Hebr 4,13; vgl. auch die Augen des HERRN in 2Chr 16,9 ), weil er wie ein Wächter, der eine Stadt bewacht, Ausschau hält. Gottlose sollen mit dieser Wahrheit gewarnt und gute Menschen getröstet werden. Er sieht sogar den Tod und die Vernichtung ( Spr 15,11 ). Die zweite Zeile von Vers 3 ist ein Partizipialsatz, der den Gedanken der ersten Zeile vervollständigt, so daß dieser Vers einen synthetischen Parallelismus aufweist (vgl. "Der Stil des Buches" in der Einleitung ).

Spr 15,4


Worte können einen Menschen ermutigen oder entmutigen. Worte, die heilen, die also mit zur seelischen Gesundheit eines Menschen beitragen, sind wie ein Baum des Lebens (vgl. Spr 3,18;11,30;13,12 ), eine Quelle der Stärke und des Wachsens. Worte, die trügerisch sind ( seleP , "zerstörerisch"; dieser Begriff wird im AT nur an dieser Stelle und in Spr 11,3 gebraucht; "Falschheit") können den Geist zerstören (vgl. Spr 15,13;17,22;18,14 ) oder einen Menschen in niedergedrückte Stimmung versetzen.


Spr 15,5


Wenn ein Sohn sich weigert, aufgrund der Zucht ( mUsAr ; vgl. den Kommentar zu Spr 1,3 ) seines Vaters zu lernen, dann ist er ein Tor ( ?MwIl , ein ungeschliffener, verhärteter Tor; vgl. den Kommentar zu Spr 1,7 ). Er ist auch einfach dumm ( Spr 12,1 ), ein Spötter ( Spr 13,1;15,12 ), und er haßt sich selbst (V. 32 ). Er wird sterben (V. 10 ). Wer aber der Weisung seiner Eltern folgt, der ist weise. Das Verb ZAram , "Scharfsinn besitzen" im guten Sinne (der Begriff wird auch in Spr 19,25 gebraucht), wird mit zeigt Klugheit übersetzt. Der Begriff ist dem Nomen ZormCh (in Spr 1,4;8,5.12 ) und dem Adjektiv ZArUm ( Spr 12,23;13,16;14,8.15.18;22,3;27,12 ) ähnlich. Das Bewahren der Ratschläge seiner Eltern bringt Ehre ein (vgl. dazu Spr 12,1;13,1.13.18 ).



Spr 15,6


Wie in den Sprüchen schon vielfach festgestellt wurde, führt ein gerechter (und weiser) Wandel im allgemeinen das Wohlergehen eines Menschen herbei (vgl. Spr 3,16;8,18.21;14,24;22,4 ). Es gibt dazu zwar viele Ausnahmen, aber das Geld, das der Gottlose (und Unweise) erlangt, bringt am Ende Unglück mit sich (vgl. "Unglück" in Spr 15,27; vgl. auch Spr 1,19;10,2 ).

Spr 15,7


Weise Menschen sagen im Gegensatz zu Toren ( k+sIl ) hilfreiche Dinge. Letztere verbreiten Torheiten (V. 2 ). Die Worte ( Lippen ) eines Menschen offenbaren, was in seinem Herzen (vgl. Herz und Lippen in Spr 4,23-24 ) vorgeht.

Spr 15,8-9


Der Herr haßt (vgl. Spr 6,16-19 ) das Opfer und den Weg der Gottlosen, wie auch ihre Gedanken ( Spr 15,26 ). (Zu anderen Dingen, die dem Herrn ein Greuel sind, vgl. den Kommentar zu Spr 11,20 .) Gott haßt die Opfer, die die Gottlosen bringen (vgl. 1Sam 15,22; Jes 1,11; Jer 7,22; Am 5,22 ), denn diese Opfer sind Heuchelei. Weil der Herr "den Weg" (den Wandel) der Gottlosen haßt, haßt er auch ihre Opfer. Aber die Gebete der Aufrichtigen sind ihm ein Wohlgefallen , und er erhört sie ( Spr 15,29 ). Das Opfern ist eine äußerliche Handlung und kein Ersatz für einen gerechten Wandel, den Gott offensichtlich liebt.



Spr 15,10


In den Versen 10-12 führt die zweite Zeile den Gedanken der ersten Zeile weiter aus. Wenn ein Mensch den Weg der Geradheit und Gerechtigkeit (vgl. V. 8-9 ) verläßt, erfährt er harte Züchtigung ( mUsAr , "ethische Zurechtweisung"); und wenn er Zurechtweisung ablehnt (V. 5.12 ; vgl. Spr 10,17;12,1 ), dann wird er dafür mit Armut, Schande ( Spr 13,18 ) und Tod ( Spr 15,10 ) bezahlen ( 13,13 ).

Spr 15,11


Die Begriffe Tod ( S+?Nl ) und Abgrund ( ?XBaddNn , von ?ABaD , "dahinschwinden oder sterben") können Synonyme für das Grab und für den Tod sein (vgl. Spr 27,20; Hi 26,6; "Abgrund" ( ?XBaddNn ) kommt auch in Hi 28,22;31,12; Ps 88,12 vor). Da Gott die Toten in ihren Gräbern sehen kann, kann er mit Sicherheit die Herzen (d. h. ihre Beweggründe, Gedanken und Wünsche; vgl. Ps 38,10 a) der lebenden Menschen erkennen (vgl. Spr 15,3 ). Das Herz eines Menschen täuscht diesen, aber Gott kennt es ( Jer 17,9-10 ).


Spr 15,12


Das Wort für Zurechtweisung ist nicht das Wort, das normalerweise in den Sprüchen mit "Zurechtweisung" übersetzt wird. Hier handelt es sich um den Begriff für tadeln oder rügen (so wie in Spr 9,7-8;19,25;25,12 ). Ein Spötter (vgl. Spr 13,1 ) verübelt (wörtl. "liebt nicht") solch einen Tadel und weigert sich, von weisen Menschen zu lernen (vgl. den Gegensatz in Spr 15,31 ). Daran wird deutlich, daß Spott ein Zeichen für Torheit ist.



Spr 15,13


Die Verse 13-15 beziehen sich auf ein fröhliches Herz , ein einsichtiges Herz und ein vergnügtes Herz. Innere Freude ( RAmaH ; vgl. den Kommentar zu V. 21 ) zeigt sich auf dem Gesicht eines Menschen, aber innerlicher Kummer ( ein trauriges Herz ; vgl. Spr 14,13 ) drückt die Stimmung eines Menschen nieder ( zerbricht den Geist ; vgl. Spr 15,4;17,22;18,14 ). Fröhlichkeit und Niedergeschlagenheit betreffen das Herz. Das innerliche Befinden eines Menschen hat dauerhafteren Einfluß auf seine Gemütslage als die Umstände, in denen er lebt. Manche Menschen verkraften schwierige Umstände besser als andere, weil sie innerlich stark sind.

Spr 15,14


Ein Mensch, der Einsicht hat, sucht mehr Erkenntnis (vgl. Spr 18,15;19,25;21,11 ), und sie fällt ihm leicht ( Spr 14,6 ). Aber ein Narr futtert weiter ( rAZCh , "grast" wie das Vieh) und ist mit seiner Torheit zufrieden (vgl. Spr 15,2.21 ).

Spr 15,15


Im Gegensatz zu den Unterdrückten (`an¯, wörtlich "die niedergebeugt sind", die Armen, Geplagten; oft mit "Bedürftigen" übersetzt wie in Spr 14,21 ), die arm sind, sind sie fröhlich (vgl. Spr 15,13 ) und haben als Ergebnis ein andauerndes Fest ; sie erfreuen sich am Leben trotz widriger Umstände. Deshalb sollten die Menschen die Unterdrückten ermutigen, indem sie ihnen helfen.


Spr 15,16


Die Verse 16.17 sind zwei von den neunzehn "besser als"-Versen in den Sprüchen (siehe den Kommentar zu Spr 12,9 ). Allgemein würde ein Mensch Wohlstand (Überfluß) der Armut vorziehen. Aber wenn er arm ist (ein wenig; vgl. Spr 16,8 ) und die Furcht des Herrn (siehe Kommentar zu Spr 1,7 ) hat, ist diese Kombination gewiß dem Wohlstand vorzuziehen, wenn das Geld Aufruhr ( m+hUmCh ; vgl. Jes 22,5 : "Tumult"; 5Mo 7,23 : "Verwirrung"; 1Sam 14,20; Hes 7,7 : "Panik"; Sach 14,13 ) mit sich bringt.

Die Aussage in Spr 15,16 bedeutet, (a) daß der erwähnte Wohlstand keinem gehört, der den Herrn fürchtet, und (b) daß die Gottesfurcht Frieden verleiht, nicht Verwirrung.