Home   Forum    Bibellehre.ch   Bibelkreis.ch  Singetdemherrnkomplett_23_09_2019/singetdemherrn/index.htm       Suchen         Forumübersicht       Forum Aktuell


Zurück zu Peter Streitenbergers Page

 
Liebe Kathrin, Hans-Peter, Martin und Thomas,
 
ich wollte einige Gedanken an die vorigen Beiträge anschließen:
 
1) Die "letzte Posaune"
Die Verbindung der in 1.Kor 15,52 genannten Posaune mit der letzten Gerichtsposaune der Offenbarung ist unwahrscheinlich. Die Verbindung sehe ich eher zu der in 1Thes 4,16 genannten Posaune. Paulus behandelt jeweils die Frage der Auferstehung - also um den selben Kontext. Es handelt es sich dort um eine Posaune "Gottes" zur Auferstehung und nicht um eine Gerichtsposaune der Engel zum Gericht, wie in der Offenbarung. Ich denke dabei eher an Stellen wie 4.Mose 10,5 "Wenn ihr aber Lärm blaset, so sollen die Lager aufbrechen", in denen vom Aufbruch des Volkes Gottes in Richtung gelobtes Land die Rede ist - bei der Auferstehung und Entrückung wird der Aufbruch durch ein Posaunensignal in die himmlische Herrlichkeit stattfinden. Zum anderen meine ich nicht, dass Paulus sich auf ein Spezifikum der Offenbarung bezieht, da Johannes erst etwa 95 n.Chr. diese Dinge gezeigt bekommt - außer man meint, dass hier der selbe Sachverhalt in Bezug auf die Posaune unabhängig offenbart wurde (ich kann mich hier jedoch nicht anschließen). M.E. mussten die Korinther jedoch diese Dinge auch verstehen können, bevor die Offenbarung geschrieben wurde.
Eine Möglichkeit den Ausdruck "letzte Posaue" zu verstehen, wäre die Annahme, dass sich Paulus auf das römische Heerwesen bezieht, wobei Posaunen zur Sammlung des Lagers geblasen wurden und die letzte Posaune den Aufbruch befahl. Das Wort "letzte" fügt sich in den Zusammenhang von 1.Kor 15 ein. Es ist in diesem Kapitel vom letzten Zeugen der Auferstehung die Rede (V.8), vom letzten Feind (V.26), vom letzten Adam (V.45) und schließlich auch von der "letzten Posaune". "Letzte" könnte man auch als "Schlußposaune" verstehen - nicht im Sinne einer Serie - sondern eines Zeitpunktes: Mit dem Ertönen der Posaune wird das Gemeindezeitalter beendet und die Gläubigen auferstehen bzw. verwandelt.
 
2) Martin hat zu Recht auf das plötzliche, unerwartete Erscheinen des Herrn hingewiesen. Nimmt man jedoch an, dass der Herr sich mit seinem Kommen für die Gemeinde an vorher stattfindende Zeichen bindet, die der Entrückung vorangehen müssten (Auftreten des Antichristen, Siegel-, Posaunen- und Schalengerichte etc.), dann ist die Entrückung eine absehbare, in gewissem Sinne sogar berechenbare Angelegenheit (am Ende der letzten Jahrwoche Daniels, bzw. 3,5 Jahre nach dem Bundesbruch des Antichristen). Das wäre nicht das, was man unter Naherwartung bei Paulus, verstehen würde.  Man müsste dann sogar sagen "der Herr kommt noch lange nicht" (Mat 24,48) und verzieht mindestens noch 3,5 Jahre (wenn man - wie ich - davon ausgeht, dass die Siegelgerichte noch nicht begonnen haben - dann sogar mindestens 7 Jahre). Der Herr kann m.E. jedoch jederzeit kommen - Der Herr sagt ja auch "ich komme bald".
 
3) Thomas bezog sich auf die "erste Auferstehung": Nach Mat 24,4 gehören zur ersten Auferstehung die Märtyrer der Trübsal. Die "erste" Auferstehung steht im Gegensatz zur Auferstehung zum Gericht am großen weißen Thron. Die erste Auferstehung ist zum Leben, die zweite Auferstehung ist zum ewigen Gericht. So unterscheidet auch Lukas in Apg 24,15 "daß eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten sein wird.". Die neutestamentliche Gemeinde hat ebenso wie die Märtyrer der großen Trübsal Anteil an der Auferstehung zum Leben - nämlich bei der Entrückung der Gemeinde. Alle ungläubigen Menschen haben Anteil an der Auferstehung zum Gericht.
 
4) Zur Frage nach dem Aufenthalt der Gemeinde während der Gerichte - Luk 21
Nachdem der Herr in Luk 21 auf die Gerichte Bezug nahm, die (V.35) "wie ein Fallstrick über alle kommen, die auf dem ganzen Erdboden wohnen",
schließt er im nächsten Vers an: "Darum wachet jederzeit und bittet, daß ihr gewürdigt werdet, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn!". 
Wachsame und betende Gläubige (m.E. der Gegensatz zu Namenschristen und bloßen Bekennern) haben die Verheißung, "diesem allem" - d.h. den erwähnten Gerichten -zu entfliehen, indem sie nämlich vor dem Menschen Sohn zu Stehen kommen. Der genaue Vorgang, wie die Gemeinde vor das Angesicht des Herrn kommt, wird jedoch erst durch Paulus mitgeteilt - nämlich indem die Gläubigen in die Gegenwart des Herr entrückt werden. Dadurch werden sie vor all dem bewahrt, das wie ein Fallstrick über ALLE kommen wird, die dann auf Erden wohnen.
 
5) Martin hat argumentiert, die Wiederkunft Jesu sei mit der Entrückung gleichzusetzen. Das 2.Kommen Jesu hat jedoch mehrere Aspekte: Das Kommen des Herrn für die Gemeinde, das Kommen des Herrn für Israel, das Kommen für die Heiden, das Kommen mit der Gemeinde. Bei Kommen des Herrn für die Gemeinde wird der Herr - im Gegensatz zum Kommen mit der Gemeinde - nicht auf die Erde kommen, sondern die Seinen in der Luft treffen, um sie in den Himmel aufzunehmen (Joh 14). Beim Kommen mit der Gemeinde wird der Herr gemeinsam mit den Seinen - vom himmlischen Aufenthaltsort aus (Offb 19) - auf die Erde kommen. Vom Kommen des Herrn mit allen seinen Heiligen ist schon in Sach 14,5 die Rede - die Entrückung hingegen ist ein Ereignis, dass erst Paulus offenbart wurde.
 
Viele Segenswünsche
Peter