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Streitenbergers Page
Liebe Kathrin, Hans-Peter, Martin und Thomas,
ich wollte einige Gedanken an die vorigen Beiträge
anschließen:
1) Die "letzte Posaune"
Die Verbindung der in 1.Kor 15,52 genannten
Posaune mit der letzten Gerichtsposaune der Offenbarung ist unwahrscheinlich.
Die Verbindung sehe ich eher zu der in 1Thes 4,16 genannten Posaune. Paulus
behandelt jeweils die Frage der Auferstehung - also um den selben Kontext. Es
handelt es sich dort um eine Posaune "Gottes" zur Auferstehung und nicht
um eine Gerichtsposaune der Engel zum Gericht, wie in der Offenbarung. Ich
denke dabei eher an Stellen wie 4.Mose 10,5 "Wenn ihr aber Lärm blaset, so
sollen die Lager aufbrechen", in denen vom Aufbruch des Volkes Gottes in
Richtung gelobtes Land die Rede ist - bei der Auferstehung und Entrückung wird
der Aufbruch durch ein Posaunensignal in die himmlische Herrlichkeit
stattfinden. Zum anderen meine ich nicht, dass Paulus sich auf ein Spezifikum
der Offenbarung bezieht, da Johannes erst etwa 95 n.Chr. diese Dinge gezeigt
bekommt - außer man meint, dass hier der selbe Sachverhalt in Bezug auf die
Posaune unabhängig offenbart wurde (ich kann mich hier jedoch nicht
anschließen). M.E. mussten die Korinther jedoch diese Dinge auch verstehen
können, bevor die Offenbarung geschrieben wurde.
Eine Möglichkeit den Ausdruck "letzte Posaue" zu
verstehen, wäre die Annahme, dass sich Paulus auf das römische Heerwesen
bezieht, wobei Posaunen zur Sammlung des Lagers geblasen wurden und die letzte
Posaune den Aufbruch befahl. Das Wort "letzte" fügt sich in den Zusammenhang
von 1.Kor 15 ein. Es ist in diesem Kapitel vom letzten Zeugen der Auferstehung
die Rede (V.8), vom letzten Feind (V.26), vom letzten Adam (V.45) und
schließlich auch von der "letzten Posaune". "Letzte" könnte man auch als "Schlußposaune"
verstehen - nicht im Sinne einer Serie - sondern eines Zeitpunktes: Mit dem
Ertönen der Posaune wird das Gemeindezeitalter beendet und die Gläubigen
auferstehen bzw. verwandelt.
2) Martin hat zu Recht auf das plötzliche,
unerwartete Erscheinen des Herrn hingewiesen. Nimmt man jedoch an, dass der
Herr sich mit seinem Kommen für die Gemeinde an vorher stattfindende Zeichen
bindet, die der Entrückung vorangehen müssten (Auftreten des Antichristen,
Siegel-, Posaunen- und Schalengerichte etc.), dann ist die Entrückung eine
absehbare, in gewissem Sinne sogar berechenbare Angelegenheit (am Ende der
letzten Jahrwoche Daniels, bzw. 3,5 Jahre nach dem Bundesbruch des
Antichristen). Das wäre nicht das, was man unter Naherwartung bei Paulus,
verstehen würde. Man müsste dann sogar sagen "der Herr kommt
noch lange nicht" (Mat 24,48) und verzieht mindestens noch 3,5
Jahre (wenn man - wie ich - davon ausgeht, dass die Siegelgerichte noch nicht
begonnen haben - dann sogar mindestens 7 Jahre). Der Herr kann m.E. jedoch
jederzeit kommen - Der Herr sagt ja auch "ich komme bald".
3) Thomas bezog sich auf die "erste Auferstehung":
Nach Mat 24,4 gehören zur ersten Auferstehung die Märtyrer der Trübsal. Die
"erste" Auferstehung steht im Gegensatz zur Auferstehung zum Gericht am großen
weißen Thron. Die erste Auferstehung ist zum Leben, die zweite Auferstehung
ist zum ewigen Gericht. So unterscheidet auch Lukas in Apg 24,15 "daß eine
Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten sein wird.". Die
neutestamentliche Gemeinde hat ebenso wie die Märtyrer der großen Trübsal
Anteil an der Auferstehung zum Leben - nämlich bei der Entrückung der
Gemeinde. Alle ungläubigen Menschen haben Anteil an der Auferstehung zum
Gericht.
4) Zur Frage nach dem Aufenthalt der Gemeinde
während der Gerichte - Luk 21
Nachdem der Herr in Luk 21 auf die Gerichte Bezug
nahm, die (V.35) "wie ein Fallstrick über alle kommen, die auf dem
ganzen Erdboden wohnen",
schließt er im nächsten Vers an: "Darum wachet jederzeit und bittet,
daß ihr gewürdigt werdet, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll,
und zu stehen vor des Menschen Sohn!".
Wachsame und betende Gläubige (m.E. der Gegensatz zu Namenschristen und
bloßen Bekennern) haben die Verheißung, "diesem allem" -
d.h. den erwähnten Gerichten -zu entfliehen, indem sie nämlich vor dem
Menschen Sohn zu Stehen kommen. Der genaue Vorgang, wie die Gemeinde vor das
Angesicht des Herrn kommt, wird jedoch erst durch Paulus mitgeteilt -
nämlich indem die Gläubigen in die Gegenwart des Herr entrückt werden.
Dadurch werden sie vor all dem bewahrt, das wie ein Fallstrick über ALLE
kommen wird, die dann auf Erden wohnen.
5) Martin hat argumentiert, die Wiederkunft Jesu sei mit der Entrückung
gleichzusetzen. Das 2.Kommen Jesu hat jedoch mehrere Aspekte: Das Kommen des
Herrn für die Gemeinde, das Kommen des Herrn für Israel, das Kommen für die
Heiden, das Kommen mit der Gemeinde. Bei Kommen des Herrn
für
die Gemeinde wird der Herr - im Gegensatz zum Kommen
mit
der Gemeinde - nicht auf die Erde kommen, sondern die
Seinen in der Luft treffen, um sie in den Himmel aufzunehmen (Joh 14). Beim
Kommen
mit der Gemeinde wird der Herr gemeinsam mit den
Seinen - vom himmlischen Aufenthaltsort aus (Offb 19) - auf die Erde kommen.
Vom Kommen des Herrn mit allen seinen Heiligen ist schon in Sach 14,5 die
Rede - die Entrückung hingegen ist ein Ereignis, dass erst Paulus offenbart
wurde.
Viele Segenswünsche
Peter