Home   Forum    Bibellehre.ch   Bibelkreis.ch  Singetdemherrnkomplett_23_09_2019/singetdemherrn/index.htm

Zurück zu Peter Streitenbergers Page

Siehe auch :   Calvinismus    1085  Reformatorische Theologie?

Lieber Hans-Peter,
 
Ich habe mich vor einigen Jahren intensiv mit dem sog. "Reformatorischen Glauben" beschäftigt. Daher wollte ich dazu einige Gedanken weitergeben:
Ein Fehler wäre es dabei, wenn man davon ausgeht, dass es DIE Reformation - quasi als einheitlichen Block im 16.Jahrhundert gegeben hat.
Dabei muss man m.E. drei Bahnen unterscheiden.
Uns ist heute meist nur der Zweig als Reformation bekannt, der sich einerseits auf Luther (Protestantismus in Deutschland) bzw. andererseits auf Zwingli/Calvin (Schweiz) zurückverfolgen lässt, da dieser mit dem jeweiligen politischen System kooperierte (Luther breitete seine Lehre mit Hilfe der Fürsten aus,
Calvin entwickelte sich quasi als protestantischer Terrorpapst in Genf - ebenso übernahm Zwingli politische Führung und starb ja auch im Krieg um politische Macht bei Kappel).
 
Der dritte Zweig, der Reformationszeit waren jedoch die Täufer, die NICHT mit dem Staat paktieren und das Evangelium OHNE politische Mittel oder mit Hilfe staatlicher Gewalt zu verbreiten wollten. Jesus Christus selbst strebte keine Zusammenarbeit mit der jüdisch-römischen Führung seiner Zeit an, um an politische Macht zu kommen: Joh 18,36 "Mein Reich ist nicht von dieser Welt". . Ebenso sprach der Herr sich dagegen aus, militärische Gewalt auszuüben: "Denn alle, die das Schwert ergreifen, werden durch das Schwert umkommen." (Mat26,52).
(Eine traurige Ausnahme waren etwa die schwärmerischen Täufer um Thomas Münzer, die in Münster/Westfahlen ein Täuferreich gründen wollten, die aber nicht zur eigentlichen Täuferbewegung gezählt werden sollten, da sie eher politisch motiviert waren und mit den übrigen Täufern nur die Taufe gemeinsam hatten).
Die Täufer unterschieden sich jedoch nicht nur darin von der übrigen Reformationsbewegung, sondern auch in der Lehre. Ein führender Bruder der Täufer war Dr. Balthasar Hubmaier, ein ehemaliger katholischer Priester. Er lehrte - nach dem Studium der Heiligen Schrift - die Busse, Bekehrung zu Jesus Christus und die anschließende Taufe der Gläubigen. Das Abendmahl verstand er und die von ihm gegründeten Gemeinden (in Waldshut, Nikolsburg etc.) - im Gegensatz zur übrigen Reformationsbewegung - nicht als heilsvermittelndes Sakrament, sondern als Gedächtnismahl und die Taufe als Zeichen, dass der Gläubige mit Christus gestorben und auferstanden ist. (Hubmaier hat sich im übrigen auch klar gegen die Prädestinations- bzw. Verwerfungslehre Calvins ausgesprochen.
Ein weiterer Vertreter der Täufer ist Menno Simons, der durch das Studium von Gottes Wort zu gleicher Überzeugung wie die Täufer um Hubmaier gekommen ist.
 
Die Täufer wurden jedoch nicht nur vom Katholizismus blutig verfolgt, sondern auch von den schweizer und deutschen Reformatoren, die sich dazu ebenso der weltlichen Macht bedienten, wie die Papstkirche:
Das heutige Verständnis über reformatorischen Glauben bezieht sich nahezu aussschließlich auf die politischen Sieger der Reformationszeit. Als Hauptkennzeichen könnte man folgende Punkte festhalten, die aus biblischer Sicht jedoch klare Irrlehren sind:
 
- Kooperation von Kirche und Staat (Staatskirchentum bzw. politische Umsetzung des Evangeliums)
- Taufwiedergeburtslehre
- Sakramentalismus (Heilsvermittlung durch Taufe und. Abendmahl anstatt durch Busse und Bekehrung zu Jesus Christus)
- die Gemeindezeit heute ist das 1000jährige Friedensreich aus der Offenbarung
- Israel wurde von Gott vollständig verworfen und wurde durch die Kirche ersetzt
- TULIP (Calvin)
Viele Grüße
Peter

Eine Entgegnung von Thomas Schirrmacher findet sich auf:

forum/frage1100.htm