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Wie Christus die Heilige Schrift interpretiert

E.P. Clowney      1984/3

Wie Christus die Heilige Schrift interpretiert
 
Predigt über Lukas 24,26 und 27*

 Prof. Dr. Edmund P. Clowney
(Übersetzung: Heidemarie Henschel)

 «Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf.»^ Lk 24, 26. 27

Was für eine Autorität hat die Bibel? Wie sollen wir interpretieren, was die Bibel sagt? Diese beiden Fragen beunruhigen viele Christen heute. Einige sind bereit, die Autorität der Bibel geringer zu werten. Es ist schließlich ein menschliches Buch, so sagen sie. Es wurde vor langer Zeit geschrieben, und wir können nicht mehr daran gebunden sein, was es über die Ehe sagt, oder über andere Religionen, oder selbst über Gott. Andere nehmen zwar für sich in Anspruch, die Autorität der Bibel als Gottes Wort anzuerkennen, aber sie bieten neue Wege der Bibelinterpretation an.

Sie geben einem griechischen Begriff, «Hermeneutik»,
 eine neue Bedeutung, um ein Studiengebiet zu beschreiben, das zeitgenössische Philosophie mit Linguistik verbindet.
 Eine Methode der Hermeneutik ist «Entmythologisierung» benannt worden.

Sie geht davon aus, daß der moderne

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* Diese Predigt von E. P. Clowney ist die zweite von sechs Predigten der ICBI-Konferenz von 1978 in Chicago, die in dem Buch
«Can we Trust the Bible?/Leading Theologians Speak out on Biblical Innerancy» (- Können wir der Bibel vertrauen? Führende Theologen äußern sich zur biblischen Irrtumsiosigkeit) veröffentlicht wurden. Herausgeber des Buches ist Earl D. Radmacher.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlegers: Tyndale House Publishers, Inc. (336 Gundersen Drive / Box 80 / Wheaton/Illinois 60187/USA; © 1979 by Earl D. Radmacher. Used by permission.
(Für die folgenden Nummern von FUNDAMENTUM ist die Veröffentlichung der weiteren Predigten dieser ICBI-Konferenz vorgesehen. Red.)

 Aus dieser Predigtreihe haben wir bereits veröffentlicht: Prof. Dr. James I. Packer, «Eine Lampe an einem dunklen Ort. Predigt über 2. Petrus 1,19-21» In FUNDAMENTUM 2/1984, S. 18-29.

1 Die zitierten Bibelstellen werden in der Regel, wenn nicht anders angegeben, nach der Revidierten Elberfelder-Ubersetzung (REÜ), Wuppertal 1975, wiedergegeben. (Red.)

2 Supernaturallsmus - der Glaube an das Übernatürliche; theologische Richtung, zirka 1780-1830.

 Predigt über Lukas 24.26.27    .............25

 Mensch nicht mehr an den Supernaturallsmus  (2)   der Bibel glauben kann.
Sie unternimmt es daher, den biblischen Schilderungen solcher Wunder wie der Auferstehung Christi und der Jungfrauengeburt einen mythischen Wert zuzuschreiben. Diese «Mythen» werden dann übersetzt, um eine religiöse Bedeutung zu geben, obgleich ihr historischer Wert geleugnet worden ist.

Aber bevor wir die heutige Philosophie und die Voraussetzungen aus unserer eigenen Kultur zum Maßstab für unsere Interpretation der Bibel machen, müssen wir noch einmal nachforschen, was die Bibel eigentlich über eben diese Frage der Interpretation sagt.

Da sieht es dann ganz anders aus. Gottes Wort ruft uns auf, vor ihm zu stehen und unsere eigenen Annahmen in Frage stellen zu lassen. Dies wird ganz deutlich in dem Bericht, mit dem Lukas sein Evangelium abschließt.

Dort hören wir, wie der auferstandene Christus die Schrift interpretiert, und wir werden gut daran tun, das in Betracht zu ziehen.
 Kleophas und ein Begleiter, zwei Jünger Jesu, waren am ersten Ostermorgen auf dem Heimweg nach Emmaus, einem Dorf unweit von Jerusalem.

 Jesus,  lebendig aus den Toten, gesellte sich zu ihnen, aber sie waren gehalten,
daß sie ihn nicht erkannten.
 Erfragte sie nach der Ursache ihrer kummervollen Unterhaltung. Sie gaben ihrem Erstaunen Ausdruck. Konnte es sein, daß jemand, der aus Jerusalem kam, nichts von der Kreuzigung Jesu wußte?

 Sie sagten:
 «Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen» (Lk24,21). Jesus sagte: «,0 ihr Toren und trägen Herzens, zu glauben alle dem, was die Propheten geredet haben I Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen?' Und er fing an von Mose und allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren» (Lk 24,25-27).

 Toren?
Kleophas und sein Begleiter waren durch diesen Tadel des Fremden betroffen. Sie hatten geglaubt, daß er der Ahnungslose war - nicht informiert über die jüngsten Ereignisse in Jerusalem. Sie waren doch gut informiert. Als Insider kannten sie die Fakten.

Aber die Fakten, die sie kannten, ließen sie in einem durch und durch verwirrten Zustand. Wie konnte je ein klares Bild aus der Katastrophe der Kreuzigung und den bestürzenden Gerüchten über das leere Grab hervorkommen? Sie hatten auf Jesus vertraut. Sie hatten eine Haltung des Glaubens. Ganz gewiß verstanden sie das, was man verstehen konnte. Aber die Ereignisse waren zu viel für sie gewesen.

Dennoch nannte der Fremdling sie Toren. Sie kannten die Schrift, aber sie verstanden sie nicht. Sie waren Zeugen der Werke und Worte Jesu gewesen, aber sie hatten ihre Bedeutung nicht begriffen.

Sie verstanden weder die Schrift noch den Herrn.
 Als der auferstandene Christus sich ihnen anschloß, hat er sich ihnen nicht sofort geoffenbart. Er hat nicht gerufen: «Kleophas!» wie er am Gartengrab «Maria!» gerufen hatte. Vielmehr lehrte er sie, was sie hätten wissen sollen, indem er ihnen, vom Alten Testament ausgehend, die Notwendigkeit für das Leiden Christi erklärte und die Herrlichkeit, die darauf folgte.

Ihre Augen sollten nicht eher geöffnet werden, um den Herrn zu erkennen, bis ihre Sinne geöffnet waren, die Bibel zu erkennen. Schließlich könnte ja selbst eine Erscheinung auf der Straße nach Emmaus genau dasselbe sein wie die Vision der Frauen von Engeln: nur noch ein anderes in einer Reihe von beunruhigenden Phänomenen.

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Toren konnten an solcher Beunruhigung festhalten. Aber Männer, deren Herzen mit der Vision des Propheten vom Christus brannten, Männer, die den Herrn im Wort sahen, solche Männer waren darauf vorbereitet, ihn im Fleisch seiner Auferstehung zu sehen. Solche Menschen konnten nun in der Tat glauben, auch wenn sie ihn nicht sahen. Sie brauchen nicht mit eigenen Augen ihn das Brot brechen sehen wie Kleophas oder ihn seine durchgrabene Hand Thomas reichen sehen.

Als Christus Kleophas belehrte, lehrte er uns, denn wir sind allzu oft Toren und langsamen Herzens zu glauben. Die naiven Weisen unserer Tage halten es für ganz selbstverständlich, daß sie die Ersten sind, die Zugang zu dem ganzen Durcheinander der Fakten haben. Das Studium der Religionsgeschichte, so sagen sie uns, hat uns jetzt die verwirrende alte Welt des Alten Testamentes gezeigt.

Wir können jetzt die sozialen und religiösen Hintergründe und Umfelder der einzelnen Texte rekonstruieren und einen großen Teil der komplexen Entwicklung der Tradition, der mündlichen und schriftlichen, zurückverfolgen, durch die diese Texte auf uns gekommen sind. Mit all diesem aufgehäuften Wissen um uns herum nimmt man an, daß wir unmöglich die Lehre des Neuen Testamentes über das Alte annehmen können. Behauptungen, daß Prophetie erfüllt worden sei, werden mit Verachtung abgewiesen oder etwas weniger grob als Interpretationen beiseitegeschoben, die in die Zeit gehören, in der sie gemacht wurden.

 Es ist so, daß ein großer Teil der gegenwärtigen Theologie sich als kühnes Rettungsunternehmen sieht, das versucht, in der völlig anderen Welt des modernen Verstandes etwas zu bewahren, was den Überzeugungen der Bibel entspricht. Schon allein aus dem Grund, so sagt man uns, können wir das Zitieren des Neuen Testamentes aus dem Alten nicht annehmen, weil die Zitate aus dem Kontext genommen sind.

Wir können nicht, so sagt man, zu einer unhistorischen Sicht der Schrift zurückgehen, die jeden Text als geheimnisvolles Orakel sieht, durchtränkt mit einer Bedeutung, die in seinem ursprünglichen Kontext nicht im geringsten sichtbar ist. Solch eine Bewertung der Lehre der Apostel hat natürlich auch auf die Wertung der Lehre Jesu in dieser Passage eine Auswirkung.
Ganz gewiß zeichnet Lukas aber hier nicht Worte Jesu auf, die mit der Auferstehung verlorengegangen sind.
Die Auslegung des Alten Testamentes, die Jesus auf der Straße nach Emmaus begann, wurde durch seinen Dienst auf der Erde in den vierzig Tagen nach der Auferstehung fortgesetzt.
Diese Lehre bildete den Rahmen für die Predigt und die Lehre der Apostel, wie sie in der Apostelgeschichte und im Rest des Neuen Testamentes berichtet werden. Unsere eigene Predigt und Lehre von Christus muß dem apostolischen Vorbild folgen, das Jesus selbst gegeben hat.

Wenn wir versuchen, unser Verständnis nach diesem Muster zu erneuern, werden wir oft gewarnt, daß dies fundamenta listische Torheit sei. Die zeitgenössischen Meister der Auslegung sagen uns, daß wir nicht nach Emmaus zurückgehen können, um unsere Hermeneutik zu erneuern.
Aber Jesus war über eine andere Art der Torheit empört. Wie können Menschen so trägen Herzens sein und nicht alles glauben, was die Propheten gesprochen haben? Nach Jesus ist die messianische Prophetie ein Thema, das das Alte Testament Predigt über
Lukas 24.26.27 27 in jedem Teil erfüllt
 - in dem Gesetz des Mose, den Propheten, den Psalmen - dieses sind die Hauptunterteilungen der alttestamentlichen Schriften.

Es ist ein alles durchdringendes Thema, das in allen Propheten zu finden ist. Wie Petrus es sagt: «Und alle Propheten von Samuel an und hernach, wie viele ihrer geredet haben, die haben von diesen Tagen verkündigt» (Apg 3,24).

 Es ist ein Thema, das ein Muster hat; Christus mußte diese Dinge leiden und dann in seine Herrlichkeit eingehen. Ist ein glaubensvolles Verstehen des Alten Testamentes für uns möglich? Können wir so ein Verständnis für die Schrift bekommen, wie es für Jesus Christus so selbstverständlich schien? Und besonders, können wir wirklich das Muster von Leiden und Herrlichkeit, von dem Jesus spricht, erkennen?

Auf der Straße nach Emmaus legt Jesus die Schrift nach ihrem Brennpunkt und Muster aus. Nach ihrem Brennpunkt, weil er die Autorität der Schrift als das Wort Gottes zeigt und wie die Schrift sich auf den Herrn des Wortes konzentriert. Nach ihrem Muster auch, denn Jesus schließt das Thema seines Leidens und seiner Herrlichkeit auf, von dem die ganze Schrift spricht. Jesu Erstaunen über die Torheit dieser Jünger, die Jerusalem am Ostermorgen verlassen, spiegelt die Wirklichkeit seiner eigenen Erfahrung des Auferste hungslebens wider.

Jesus kannte die Explosion von Leben, Freude und Herrlichkeit, die ihn aus dem Grab gehoben hatte. Wie konnten diese Jünger dies nur als ein seltsames Gerücht ansehen, das von ein paar Frauen verbreitet wurde - nur ein paar und, natürlich, nur Frauen? Aber Christi Erstaunen bezieht auch die Informationen mit ein, die diese Jünger hatten.

Die Engel am Grab hatten die Frauen an Jesu Lehre erinnert. Jesus hatte ja nicht nur seine Gefangennahme, Auslieferung an die Römer und Kreuzigung vorhergesagt.

Er hatte auch seine Auferstehung am dritten Tag versprochen (Lk 18,33). Aber Jesus beruft sich nicht einfach auf seine frühere Lehre. Er beruft sich vielmehr auf die Schrift, denn auf der Schrift war seine Lehre gegründet. «Es war notwendig» für den Christus, diese Dinge zu leiden und in seine Herrlichkeit einzugehen.

Die Notwendigkeit ist die Notwendigkeit, die Schrift zu erfüllen. So hat Jesus während der ganzen Zeit seines Wirkens gelehrt. Er hat mit einer Autorität gelehrt, die seine Hörer in Erstaunen setzte (Lk4,32), aber seine Autorität bestätigte die Schriften des Alten Testamentes. Und wirklich, gerade dort, wo Jesus den Gegensatz vom Neuen zum Alten am schärfsten zeichnet, wo er den neuen Wein des Königreiches und das Feuer des Geistes, das sein Kommen bringt, verkündet, gerade dort zeigt Jesus ganz deutlich, daß das Neue die Erfüllung des Alten ist.

Das Feuer des Geistes ist die Verheißung des Vaters (Lk 3,16; 24,49). «Das Gesetz und die Propheten weissagen bis auf Johannes; und von der Zeit wird das Reich Gottes durchs Evangelium gepredigt» (Lk 16, 16). Sind das Gesetz und die Propheten dann beiseitegetan? Nein, sie sind erfüllt, denn «es ist leichter, daß Himmel und Erde vergehen, denn daß ein Tüttel am Gesetz falle» (Lk 16,17). Jesu Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus geht seiner Lektion über die Schrift auf der Straße nach Emmaus voraus. Der reiche Mann am Ort der Qual möchte, daß Lazarus von den Toten zurückgeschickt wird, um seine Brüder vor den Folgen ihres luxuriösen Lebensstils zu warnen. Abraham entgegnet: «Hören 28 E.P. Clowney sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstände» (Lk16,31). Losgelöst von einem Verstehen des Alten Testamentes wird selbst Christi Auferstehung keine Überführung zur Umkehr bringen.

Was Jesus über die Schrift behauptete, wird ebenfalls aus dem sichtbar, was er aus der Schrift lehrte. Er erkennt klar, wie der Plan des Vaters sich in den Ereignissen der Geschichte des Alten Testamentes entfaltet. Elias Dienst an der Witwe von Zarpath und Elisas Heilung von Naeman dem Syrer enthüllen Gottes großartigen Plan, den Heiden Barmherzigkeit zu bringen, wenn Israel wegen seiner Herzenshärte gerichtet wird (Lk 4,25-27).

 In der Schrift enthüllt Gott seine eigene Natur und ebenso seine Pläne. Jesus führt als Argument für die Auferstehung die Stelle an, wo Gott zu Mose aus dem brennenden Dornbpsch spricht (Lk 20,37).

Seine Argumentation beruft sich auf Moses eigene Aufzeichnung der Worte, die von Gott zu ihm gesprochen worden waren. Gott offenbarte sich Mose als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Jesus argumentiert auf ganz erstaunliche Weise, daß der Gott, der als der Gott Abrahams bekannt ist, nicht der Gott von Abrahams Gedächtnis sein kann. Weil Gott der lebendige Gott ist, müssen diejenigen, die durch die Bande seiner Gnade an ihn gebunden sind, für ihn leben.

Dieses Argument könnte kaum weniger überzeugend aus einer humanistischen Perspektive sein. Seine Überzeugungskraft kommt aus der Autorität von Jesu Gotteserkenntnis. Der Gott, der durch den Namen Abrahams benannt werden kann, ist der lebendige Gott, und daher kann er Abraham nicht dem Tode überlassen und dennoch mit Abrahams Namen als der Gott des Bundes benannt werden. Jesu Erkenntnis seines Vaters, die in dieser Lehre sichtbar wird, wird auch in seiner Gewißheit in bezug auf die Schrift deutlich.

Das Zeugnis des Mose kommt mit der Autorität von Gottes ureigenem Wort. Deswegen können ganz getrost die Leben und Tod betreffenden Dinge von ihm abgeleitet werden. Jesus bestärkt nicht nur die Autorität von Gottes Wort in seiner Lehre, er ist diesem Wort auch als der Gesalbte des Herrn gehorsam. Als Jesus vom Geist nach seiner Taufe in die Wüste getrieben wird, begegnet er den Versuchungen des Teufels mit der Autorität des Wortes Gottes. Satan hat Jesus ganz besonders mit Hinweisen auf seine messianische Sohnschaft versucht. Er wollte Jesus dazu bringen, seine Kräfte zu gebrauchen, um sich selbst aus der Bedrängnis der Versuchung zu befreien: «Wandle diese Steine in Brot!» Oder er wollte Jesus die Reiche der Welt ohne das Kreuz anbieten: «Falle nieder und bete mich an!» Oder er wollte Jesus dazu bringen, Gott zu versuchen: «Spring von der Zinne des Tempels!» Bei jeder Versuchung beruft sich Jesus auf das, was geschrieben steht und setzt so die Autorität Gottes gegen die Ränke des Teufels. «Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht» (Mt 4,4 [Rev. Lutherübers. 1956]; Lk 4,4). Jesus lehrte aus der Schrift und mahnte dabei eindringlich seine Hörer, ihren Forderungen zu folgen.

Er selbst war der Schrift gehorsam und erkannte die Forderungen von Gottes Wort in seinem eigenen Dienst an. Aber mehr noch, Jesus erfüllte die Schrift, er nimmt sie für sich in Anspruch, wie kein anderer es Predigt über Lukas 24.26.27 29 kann, denn er bekräftigt, daß Mose und die Propheten von ihm geschrieben haben.

Die Autorität der Schrift kann nicht von Jesus Christus getrennt werden. Das Wort des Herrn legt Zeugnis ab für den Herrn des Wortes. Das Heil, auf das sich die Propheten mit solcher Sehnsucht freuten, ist in Christus vollendet; der Geist der Prophetie, durch den sie sprachen, ist der Geist Christi in ihnen (1.Petr1,11).

Die Bücher der Schrift finden ihre Quelle und ihren Brennpunkt in Christus. Jesus Christus stand auf und las die Prophetie des Jesaja in der Synagoge von Nazareth: «Der Geist des Herrn ist bei mir, darum, daß er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt zu verkündigen das Evangelium den Armen... zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn» (Lk4,18.19). Seine Auslegung dieser Stelle war einfach: «Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren» (Lk 4,21).

Christi Verständnis von der Schrift hat sein Wirken geprägt. Er hat willig und bewußt die Schrift erfüllt. Er stand in dieser Synagoge in seiner Heimatstadt auf und wußte, daß sein Anspruch verworfen werden würde, aber er mußte ihn stellen, weil die Schrift erfüllt werden mußte. Es sind auch nicht nur ein paar losgelöste Ereignisse in seinem Wirken, die durch die Schrift bestimmt sind: sein Predigen des Evangeliums, seine Wunder, sein triumphaler Einzug in Jerusalem, seine Kreuzigung und Auferstehung.

Nein, diese sind das Herz seines Wirkens, aber die Gesamtheit seines Dienstes wird durch die Schrift bestimmt. Und noch mehr - Jesus ist, wenn er die Schrift erfüllt, nicht wie ein Schauspieler in einem Stück, darum bemüht, dem Text sorgfältig zu folgen und die entsprechenden Gemütsbewegungen auf die Bühne zu bringen.

 Das würde ja bedeuten, die Schrift zu spielen, nicht aber, sie zu erfüllen. Es ist vielmehr so, daß in dem Wirken Jesu die eigentliche Bedeutung der Prophetie schließlich sichtbar wird. Wenn Jesus sein Wirken im Licht der Schrift versteht, dann hat Jesus auch die Schrift im Licht seines Wirkens verstanden.
Aber es geht noch tiefer: Jesus handelt nicht nur in der Erfüllung der Schrift. Er Ist die Erfüllung. Wir wären entschieden noch größere Toren als die Emmausjünger, wenn wir davon ausgingen, daß Jesu Sicht der Schrift mit seinem eigentlichen Heilswirken nicht direkt zu tun hatte - daß er nur ein Kind seiner Zeit war, wenn er an der Autorität der Schrift festhielt. Im Gegenteil: Jesus verstand sich selbst als den Knecht-Sohn der Schrift, als den Messias und Herrn.


Lukas gibt Jesu eigenes Verständnis wieder, wenn er von ihm sowohl als vom Christus des Herrn spricht (Lk 2,26) und ebenso als von Christus dem Herrn (Lk 2,11). Wenn Jesus eine andere Sicht der Schrift gehabt hätte, dann könnten seine Lehren nicht bestehen und seine Forderungen hätten nicht gestellt werden dürfen. Wenn wir das Wort des Herrn verlieren, verlieren wir den Herrn. Aber Jesus kannte die Schrift sehr wohl als das Wort Gottes. Er war und ist ihre Quelle und ihr Zentrum. Und noch mehr: wenn er die Schrift auslegt, dann erwartet er und verlangt er, daß wir die Bibel annehmen, wie er es tut. Jesus hat nicht nur gelehrt, daß die Schrift Zeugnis von ihm ablegt. Er erwartet von uns, daß wir dieses Zeugnis annehmen. Kleophas und sein Begleiter sind Toren und trägen Herzens zu glauben. Wenn wir Christus in der ganzen Schrift nur durch einen raffinierten Kraftakt (tourde force) finden, dann tun wir das nicht, was Jesus von uns erwartet hat. Jesus fand es nicht schwierig, die Schrift auf 30 E.P. Clowney sich zu beziehen.

Seine Auslegung war ein Prozeß des Öffnens. Er öffnete die Schrift, und er öffnete ihnen das Verständnis (Lk 24,32.45). Die Bibel ist klar in ihrer Betonung auf Christus. Wenn wir das nicht sehen, dann liegt das Hindernis nicht bei der Bibel, sondern bei uns. Darin, daß sie auf Christus hin ausgerichtet ist, finden wir, daß die Bücher der Schrift einheitlich und ebenso auch klar sind.

Offensichtlich ist das Neue Testament ganz und gar über Jesus Christus. Schauen Sie sich die Anfangs verse eines jeden Evangeliums an und sehen Sie, wie jedes mit Jesus beginnt. Blättern Sie zu den Grüßen in den Paulusbriefen und lesen Sie den Namen des Herrn. Nehmen Sie den Philipperbrief und zählen Sie, wie oft Paulus von Jesus spricht.

Ja, das ganze Neue Testament handelt von Jesus.
Apostel und Propheten haben, vom Heiligen Geist erfüllt, im Hinblick auf ihn geschrieben. Aber dies trifft nicht weniger beim Alten Testament zu, und das Neue Testament zeigt uns, daß dies der Fall ist. Aber handelt denn das Alte Testament nicht von Israel? Ja, und wer ist letzten Endes das wahre Israel, Gottes treuer Knecht Israel, durch den er gepriesen werden will (Jes49,3)? Handelt das Alte Testament nicht von Mose, Elia und den Propheten?

Ja, und wer ist der Prophet wie Mose, der Eine, der mit ihnen auf dem Berg der Verklärung über seinen «Exodus», seinen Tod, der sich in Jerusalem ereignen würde, sprach?

Mose und Elia entschwinden, nur Jesus bleibt zurück.
Die Stimme aus der Wolke, die zu Mose und Elia gesprochen hatte, sagt jetzt: «Dieser ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören» (Lk 9,35). Handelt nicht das Alte Testament vom Herrn, dem Hirten Israels, der durch die Wüste wiederkommen wird, um sein Volk zu erlösen? (Jes40; Ps23; Hes34,11). Ja, und Jesus ist der Herr, ausgerufen von den Verkündigungs engeln, angebetet von dem Zweifler Thomas mit
«Mein Herr und mein Gott» (Joh 20,28).
Er ist der gute Hirte, der sein Leben dahingibt für seine Schafe (Joh 10). Die Schriften haben nicht nur Christus im Brennpunkt, sie zeichnen auch ein Muster das Muster für sein Leiden und die darauf folgende Herrlichkeit. Jesu Auslegung der Schrift nach seiner Auferstehung hat dieses Muster für die Predigt und die Lehre der Kirche ins Zentrum gestellt.

Paulus zeigte von der Schrift ausgehend, daß der Christus leiden und von den Toten auferstehen mußte (Apg17,3). Seine Briefe bringen immer wieder dieses Thema. Petrus schreibt, daß der Geist Christi in den Propheten des Alten Testamentes «ihnen zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christum kommen sollten, und die Herrlichkeit darnach» (1. Petr 1,11). Die Leiden Christi erscheinen im Alten Testament unter der Gestalt des leidenden Knecht-Sohnes. Gottes Knecht ist gerecht, aber er erduldet unver diente Mißhandlungen um des Namens Gottes willen.

Hiobs Leiden waren keine Strafe für seine Sünden, wie seine Freunde es immer wieder in ihren Rat schlägen betonten. Auf eine Weise, die Hiob nicht verstand, brachten sie Gott Ehre. Sie zeigten, daß Hiobs Gottesdienst aus dem Herzen kam und nicht um materieller Belohnung willen.

In den Psalmen schreit der Gesalbte des Herrn laut auf unter der Verfolgung seiner Feinde. Er wird gehaßt ohne Grund (Ps 69,5). Er flieht zu Gott und sucht Zuflucht und gerechtes Gericht unter den falschen Predigt über Lukas 24,26.27 31

 Beschuldigungen seiner Feinde (Ps 7). Der Haß seiner Feinde stammt daher, daß er Gottes Knecht ist: «... denn um deinetwillen trage ich Schmach ... der Eifer um dein Haus hat mich gefressen; und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen» (Ps 69,8.10).

Der erste Vers von Psalm 22 wurde der Schrei Jesu am Kreuz: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Dieser Schrei der Verlassenheit ist die intensivste Form eines Schreis, der immer wieder in den Psalmen als Echo tönt, der Schrei des gerechtes Knechtes des Herrn in der Agonie seiner Leiden.

Psalm 22 hat die Form, die im ganzen Buch der Psalmen am häufigsten ist, die der Klage eines individuellen Leidenden. Als Jesus diesen Psalm erfüllte, hat er dieses Thema in all diesen Psalmen erfüllt. In ihm erreicht das Geheimnis des Leidens seinen Höhepunkt. Er ist der einzige wahrhaft gerechte Knecht, der einzige König, der völlige Treue Gott gegenüber für sich in Anspruch nehmen kann. Aber Gott, der versprochen hat, sein Volk nie zu verlassen oder zu versäumen, verläßt seinen Heiligen am Kreuz. Dort bezahlen Gott der Vater und Gott der Sohn den Preis für die Erlösung der Sünder. Die einzelnen Abschnitte von Psalm 22 finden alle ihre Erfüllung in Christus.

Der ganze Psalm ist sein Psalm. Er beschreibt, wie seine Feinde ihn umringen wie wilde Ochsen, Stiere, Hunde und Löwen. Nicht nur, daß seine Feinde über ihn mit spottender Boshaftigkeit lachen, hinter ihrem Lachen ist der Haß der Hölle, das Rasen der Fürstentümer und Kräfte, der Heere Satans.
Aber Jesus vertraut weiter. Er nennt Gott immer noch seinen Gott, den treuen Gott des Bundes (Ps22,4-6),  seinen Gott von Mutterleibe an (Ps22,10.11).
 Sein Schrei nach Rettung wird gehört:
«Rette mich aus dem Rachen des Löwen» (Ps 22,22).
 Jesus schrie nach Rettung, und er wurde erhört.
Der Psalm der Todesangst kann mit einem Siegesruf und Lobpreis enden.
Aber Jesu Sieg wurde errungen, weil er den Willen des Vaters annahm und ihm vertraute, selbst im Dunkel der Verlassenheit.

 Im Johannesevangelium lesen wir, wie schwer Christi Herz war, als er auf Golgatha zuging. «Jetzt ist meine Seele betrübt», sagte er und benutzte dabei die Sprache der Psalmen

 (Joh 12,27; Ps 42,12). Sollte er darum bitten, daß er aus der kommenden Stunde gerettet würde? Dieses Gebet erscheint sicher in den Psalmen.
 «Was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen» (Joh 12,27).
 Nein, er will nicht seinen eigenen Willen suchen, sondern den Willen des Vaters.
 «Vater, verkläre deinen Namen» (Joh 12,28).
 Gottes Stimme vom Himmel gab Antwort darauf: «Ich habe ihn verklärt und will ihn abermals verklären.» Jesus lehrte seine Jünger beten: «Geheiligt werde dein Name», und Jesus heiligte seines Vaters Namen, indem er ans Kreuz ging. Denn Jesus ist nicht nur der gerechte Knecht, dem Willen des Vaters gehorsam; er ist auch der stellvertre tende Knecht, der für das Volk Gottes leidet. Gottes Name wird durch Jesus, den Träger der Sünden, verherrlicht, denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab.

In den Psalmen ist der gerechte Dulder eine stellvertretende Gestalt, nicht der Durchschnittsmensch auf der Straße, sondern der Gesalbte des Herrn,
der Auserwählte
und Beiseitegesetzte, mit der Salbung des Geistes Gottes.

Die
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Gestalt des messlanischen Königs erscheint nicht nur in Psalm 110, wo seine Herrschaft beschrieben wird, sondern auch in Psalm 22, wo sein Leiden so lebhaft geschildert wird. Jesus ist dieser König, der Sohn Davids, größer als dieser. Die Theologen haben über die Bedeutung des Titels «Menschensohn», die Bezeichnung, die Jesus am häufigsten für sich benutzte, viel diskutiert. Weil Jesus aber vom Menschensohn sprach, der in den Wolken des Himmels kommen wird (Mt 26,64), scheint es klar zu sein, daß er sich auf die Stelle in Daniel 7,13 bezieht.

Dort kommt einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten, und ihm wird ein ewiges Königreich gegeben. Der Kontrast liegt dabei zwischen den Weltreichen, die wie Tiere aus dem Meer hervorkommen und der menschlichen Form des Herrschers über Gottes ewiges Königreich.
Der Titel «Menschensohn» spiegelt mit Sicherheit die Herrlichkeit und die himmlische Herrschaft, die Christus gegeben ist, wider.

Aber Jesus benutzt diesen Titel nicht nur, wenn er auf die Herrlichkeit seines zweiten Kommens hinweist, sondern auch, wenn er auf seine Leiden und seinen Tod hinweist. «Des Menschen Sohn muß noch viel leiden... und getötet werden und am dritten Tage wieder auferstehen» (Lk 9,22).
Zweifellos ist der Kontrast beabsichtigt. Jesus will nicht sein Königreich nach der Art der heidnischen Kaiser errichten, sondern durch sein Leiden und Sterben.

 Er ist der wahre Mensch, der zweite Adam. Als Sohn des Menschen hat er Anspruch auf die Herrschaft des Menschen über die Erde, die Herrschaft, die im Psalm 8 gepriesen wird.

Aber in seinem Dienst nehmen die Worte dieses Psalmes eine tiefere Bedeutung an. Er ist ein wenig niedriger gemacht als die Engel, nicht nur dadurch, daß er menschliche Gestalt annahm, sondern wegen seines Leidens und Sterbens (Ps 8,5; Hebr 2,7-9), um so die Söhne Adams zu erlösen.
Die Gestalt des Knechtes im Alten Testament ist nicht nur die eines Königs.
Auch der Priester ist ein Knecht Gottes und ist zum Leiden berufen. Aaron war genauso wie Mose vom rebellierenden Israel angegriffen worden (Num 20,2),
und die Priester und Leviten trugen rituell die Schuld des Volkes (Num 18,23).

 Jesus Christus kommt als der, der in allen Dingen seinen Brüdern gleichgemacht wurde, «auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott», der bis ins Letzte die retten kann, die durch ihn zu Gott kommen (Hebr 2,17.18; 4,15; 7, 25). Die Propheten des Alten Testamentes haben auch als Knechte des Herrn gelitten. Man denke an die Verfolgung des Jeremia, wie er in die Grube geworfen wurde, weil er treu das Wort des Herrn prophezeite. Selbst Jonas Leiden, so ungehorsam er auch war, könnte als ein Symbol für den leidenden Knecht verwendet werden, denn Jona war bereit, im Meer zu ertrinken, um nur nicht nach Ninive gehen zu müssen und dadurch den Feinden des Volkes Gottes Hoffnung und Erlösung bringen zu müssen.

Jona hielt es für besser, daß ein Mensch stürbe, damit seine Nation nicht untergehen würde. Ninive war die feindliche Hauptstadt. Aus ihren Toren würden die Armeen hinausmarschieren, um das nördliche Königreich Israel zu zerstören.

Gottes Wort sagte drohend, daß in vierzig Tagen Ninive zerstört würde.

Jona nahm an, daß, wenn er umkam, Ninive keine Botschaft von Gott hören würde und in vierzig Tagen im Gericht Predigt über Lukas 24.26.27 33 ausgelöscht würde.

Jona hat traurigerweise Gottes Barmherzigkeit falsch verstanden, aber er war bereit, sein Leben für das Leben seines Volkes zu geben.
 Gegen seinen Willen hat Jona das Zeichen geliefert, das Jesus benutzte, um seinen Tod, sein Begräbnis und seine Auferstehung zu beschreiben (Mt 12,39-42).

Die Gestalt des Knechtes vereinigt In sich die Bilder des leidenden Königs, des leidenden Priesters und des leidenden Propheten.
Dies Ist die Gestalt, die Jesaja so kraftvoll Im Ued vom Gottesknecht In seiner Prophetle benutzt. Am Ende wird die Berufung des Volkes Gottes In Gottes wahrem Knecht erfüllt werden. Gott sagt zu seinem Individuellen Knecht:

«Es Ist ein Geringes, daß du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels wiederzubringen; sondern Ich habe dich auch zum Licht der Helden gemacht, daß du seist mein Hell bis an der Welt Ende» (Jes 49,6).

 Aber der Individuelle Knecht, der die Bewahrten Israels wiederbringen wird, Ist selbst der wahre Israel:
 «Du bist mein Knecht, Israel, durch welchen Ich will gepriesen werden» (Jes 49,3).
 Hier liegt der Grund für die Beweglichkeit, mit der das Lied vom Gottesknecht sich zwischen dem nationalen Israel und dem personalen Israel als dem Knecht Gottes hin- und herbewegen kann.

Der von Jesaja vorhergesehene Knecht Ist größer als der König Cyrus (der auch zu Gottes Knecht gemacht wird, um Israel aus der Gefangenschaft Ins Land zurückzubringen - Jes 45,1-7).

Aber anders als Cyrus wird der wahre Knecht des Herrn seine Herrschaft durch Leiden gewinnen. Ja, In seinem Leiden wird er mit seinem Volk Identifiziert werden, denn «er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen... er Ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf Ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir gehellt» (Jes 53,4.5).

Das Thema vom leidenden Knecht, das sich In Jesaja 53 zu solch einer erstaunlichen Größe erhebt, Ist dort kein losgelöstes Zwischenspiel, sondern liegt tief eingebettet In der Theologie des Alten Testamentes. In Jesajas Lied vom Gottesknecht finden wir, daß der gerechte und stellvertre tende Dulder auch als der Sündenträger gesehen wird. Der leidende Gottesknecht wird das Lamm Gottes, das rituelle Opfer für die Sünde.

Das Neue Testament leitet uns dazu an, zu erkennen, daß der Symbolcharakter des Opfersystems uns auf Jesus Christus, «das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt» (Joh 1,29), weist. Die Forderung, daß das Lamm für das Opfer ohne Makel sein muß, wird so angesehen, als symbolisiere sie die
völlige Sündlosigkelt Jesu Christi
(1. Petri, 19;
Hebr 9,11; 13,12;
Ex 12,5;
Num 28,3).

 Wie das Tier beim Sündopfer muß Jesus den Fluch tragen.
Er Ist das Osterlamm; sein Blut Ist auf den Gnadenstuhl gesprengt, um die vollendete Sühnung durch sein Opfer am Kreuz zu besiegeln.

Das ganze Buch des Hebräerbriefes handelt nicht nur von Christi Werk als unser Priester, sondern auch davon, daß er sich selbst als unser Opfer dargebracht hat. In einer eindrucksvollen Passage Im Alten Testament werden die Bilder von Opfer und Sohnschaft In Gottes Befehl an Abraham zusammengebracht, Isaak als Opfer darzubringen (Gen 22). Abraham nimmt gehorsam Isaak mit auf den Berg Morija. In einem Moment überwältigender Dramatik sagt Isaak zu seinem Vater:

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 «Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer?» (Gen 22,7). Wir können die Not und ebenso den Glauben in Abrahams Herzen spüren, wenn er antwortet: «Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer, mein Sohn» (Vers 8).

Jahwe-Jireh: «Der Herr wird sehen» - das ist die Botschaft des Evangeliums.

Gott hat das Lamm für das Opfer vorhergesehen; nicht nur in dem Tier, das sich im Dickicht verfangen hatte und das Abraham an Stelle seines Sohnes opfern konnte, sondern in Gottes endgültigem Ersatz. Gott hat für das Lamm gesorgt, als er seinen eingeborenen Sohn ans Kreuz schickte. Das Lamm ist Gottes Isaak.

 Nicht nur der Sohn hat den Preis gezahlt als Opfer,  auch der Vater hat den Preis gezahlt, als er seinen eingeborenen Sohn dahingab (Joh 3,16).

 Schließlich wird das Leiden Jesu Christi noch in der Gestalt des geschlagenen Hirten dargestellt.
 Mit erstaunlicher Dramatik offenbart sich Gott selbst bei Massa und Meriba als der Hirte, der die Schläge erträgt (Ex 17,1-7). Dort in der Wüste hat Israel gegen Gott rebelliert, indem sie ihn anklagten, sie in die Wüste hinausgeführt zu haben, wo sie vor Durst sterben müßten. Sie waren bereit, Mose vor ein Kriegsgericht zu stellen und ihn durch Steinigung hinzurichten. Aber Mose protestierte zu Recht: «Warum zankt ihr mit mir?

Warum versucht ihr den Herrn?» (siehe Ex 17,2).

 Das Volk Gottes verlangte eine Gerichtsverhandlung und beschuldigte Gott des Bundesbruchs. «Ist der Herr unter uns oder nicht?» fragten sie - und meinten damit, daß er es nicht war. Erinnern Sie sich an Gottes Wort an Mose? «Gehe hin vor dem Volk, und nimm etliche Älteste von Israel mit dir, und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Strom schlugst, und gehe hin» (Vers 5). Gott sagte damit: «Wenn das Volk ein Gerichtsverfahren wegen des Bundes haben will, dann sollen sie es haben. Nimm den Stab des Gerichtes, der meine Gerechtigkeit symbolisiert, versammle das Volk zu einer ordentlichen Hörung und bringe die Ältesten, damit sie Zeuge des Urteils werden.»

Das Wort «Meriba» enthält eine hebräische Wurzel, die immer im Alten Testament für einen Gerichtsfall, eine Rechtsverhandlung angewendet wird.

 Dann sagt Gott etwas zu Mose, das nie sonst im Alten Testament gesagt wird. Gott sagt: «Siehe, ich will daselbst stehen vor dir auf einem Fels am Horeb» (Vers 6).

Gott wird vor einem Menschen stehen.
Gott wird auf der Anklagebank stehen.
Er wird vor dem erhobenen Stab des Mose stehen, als wäre er ein schuldiger Gefangener, verurteilt, sich vor dem Richter zu beugen und die durch das Urteil bestimmten Schläge zu empfangen (Dtn 17,8-11; 25,1-3).

Noch mehr
- unglaublich, aber Gott sagt zu Mose:
«Du sollst den Fels schlagen »
Der Fels, auf dem Gott steht, ist das Symbol für Gott selbst. Gottes Name ist «der Fels»

(Dtn 32,4.31). Mose erhebt seinen Stab und schlägt den Fels.
Das Volk hat nach einem Urteil gerufen, einem wahren Todesurteil.
 Gott ist nicht derjenige, der den Bund bricht.

Er verdient es nicht, geschlagen zu werden. Das Volk ist schuldig. Aber in diesem Symbol für seine souveräne Gnade stellt sich Gott an seine Stelle und trägt die Schläge.

Aus dem Felsen strömt dann Wasser hervor zur Errettung des Volkes.
Johannes erinnert uns in seinem Evangelium daran, daß, als der Speer in die Seite des Herrn gestoßen wurde, Blut und Wasser Predigt über Lukas 24,26.27
 herausfloß (Joh 19,34).
«Fels des Heils, geöffnet mir, birg mich, ewger Hort, in dir!»
Gott selbst identifiziert sich mit dem Leiden seines Volkes. «Wer sie ängstete, der ängstete ihn auch» (Jes 63,9).

Gott trug sein Volk geduldig in der Wüste.
Gott ist der Hirte seines Volkes.
Ein Hirte wird mit seinen Schafen identifiziert.
Er geht vor ihnen her und schläft in ihrer Mitte.
Er wird mit ihnen identifiziert; er trägt sie geduldig.

 Das große Geheimnis des Alten Testamentes ist, daß Gott nicht nur der Gott des Bundes ist, der Forderungen an sein Volk stellt, sondern der Gott der Gnade, der sich selbst für sein Volk hingibt, der an ihrer Stelle geschlagen wird und der zu ihrer Errettung kommt. Denn die großartige Aussage der ganzen Schrift ist die: «Die Hilfe ist des Herrn» (Jon 2,10). Christus in seinen Leiden wird im Alten Testament nicht nur als der Knecht dargestellt, sondern auch als der Herr. Das läßt uns sehen, wie die Herrlichkeit Christi im Alten Testament schon vorweggenommen wird. Jesus Christus wird sowohl als der verherrlichte Knecht als auch als der herrliche Herr prophezeit. Der Psalm des leidenden Gottesknechtes, der 22. Psalm, wird zum Psalm des verherrlichten Gottesknechtes. Der Schrei der Verlassenheit am Anfang des Psalmes, lämäh wird zum Triumphschrei in Vers 23. Der Schreiber des Hebräerbriefes zitiert diesen Vers und schreibt ihn Jesus Christus zu:
«Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir lobsingen» (Hebr 2,12). Gottes leidender Knecht ist der Sieger, weil Gott seinen Triumph verordnet hat: «Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege» (Ps 110,1).

Gott ist es, der ihn erhebt: «Da er zu ihm schrie, hörte er's.

Dich will ich preisen in der großen Gemeinde» (Ps 22,25. 26). «Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, und des Herrn Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen» (Jes 53,10). Gott erhöht seinen Knecht, weil er gelitten hat: «Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, darum, daß er sein Leben in den Tod gegeben hat, und den Übeltätern gleich gerechnet ist, und er vieler Sünde getragen hat, und für die Übeltäter gebeten» (Jes 53,12). Gott erhöht seinen Knecht, indem er ihn von den Toten auferweckt. Petrus hat an Pfingsten die Erfüllung des Psalmes 16 gepredigt:

«Du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen und nicht zulassen, daß dein Heiliger verwese» (Ps16,10; Apg 2,27). Die buchstäbliche Übersetzung von König Hiskias Gebet ist in Jesus Christus erfüllt: «Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe» in der Grube (Jes 38,17).

Der Geliebte des Vaters ist aus der Grube herausgeliebt worden. Die Pforten der Unterwelt können ihn nicht gefangengehalten. Sie werden aufgesprengt, und Jesus ersteht in Herrlichkeit von den Toten. Er fährt auf zur Rechten Gottes im Triumph.

«Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, daß der König der Herrlichkeit einziehe!» (Ps 24,9).
Christi himmlische Herrschaft ist die des Königs auf dem Thron (Ps 110,1-3),
aber auch die des Priesters im Heiligtum:

 «Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: ,Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks*» (Ps 110,4).

Sein ist ein königliches Priestertum; Johannes sieht ihn im Heiligtum


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stehen, angetan mit überwältigender Majestät. Man lese den Psalm 110 und wende sich dann dem Ende von Epheser 1 zu, wo Paulus die Herrlichkeit Christi beschreibt.

 Man beachte, wie Paulus die Sprache des Psalms benutzt:
Christus wurde gesetzt zur Rechten Gottes (Eph 1,20; Ps 110,1),

alle Dinge sind unter seine Füße getan (Eph 1,22; Ps110,1),.

Christi Haupt Ist erhöht, well er zum Haupt über alle Dinge gemacht worden Ist (Eph 1,22; Ps 110,7).


Im Psalm wird der Sieger besohrleben, wie er das Schlachtfeld mit Erschlagenen füllt wie In einem Schlachttriumph (Ps 110,6).

Im Epheserbrief dreht Paulus (der weiß, wie Christus Ihn besiegt hat, so daß er sein Sklave geworden Ist) den Satz um und sagt, daß Christus seinen Leib, die Kirche, füllt «mit der Fülle des, der alles In allen erfüllt» (Eph 1,23).

Jesus wird als der Knecht mit einer Herrlichkeit verherrlicht, die er nur haben kann, well er der ewige Sohn Ist, der Abglanz von Gottes Herrlichkeit und das wahre Abbild seines Wesens (Hebr 1,3).

 Das Alte Testament berichtet Gottes Handeln mit seinem Bundesvolk. Die Initiative liegt Immer beim Herrn. Er beruft Abraham und verspricht, daß In Ihm alle Nationen gesegnet sein werden. Er erscheint Mose Im brennenden Dornbusch und verspricht, Israel aus der Knechtschaft In Ägypten zu befreien.

 Er führt das Volk durch das zerteilte Wasser des Meeres und bringt sie auf Adlersflügeln zu sich. Am Sinai bindet er sie an sich in seinem Bund; er führt sie In der Feuerwolke zum Land der Verheißung. Als Israel seinen Bund bricht und den Götzen opfert In dem Haus, In dem Gott seinen Namen wohnen läßt, bringt Gott Gericht.

 Das Volk wird In die Gefangenschaft geführt, und der Rauch der Zerstörung hängt über den Höfen des Herrn. Aber Gottes Verheißungen gehen nicht In Rauch auf. Die Propheten des Alten Testamentes schauen voraus auf die letzten Tage, wenn all die Verheißungen des Segens Wirklichkeit werden.

Das Volk wird aus der Gefangenschaft zurückgebracht werden; ein Überrest wird bewahrt werden, und Gott wird die Herzen seines Volkes beschneiden. Gott wird einen neuen Bund schließen mit einem erneuerten Volk, und alle Enden der Welt werden die Herrlichkeit des Herrn sehen. Wie kann dies alles aber geschehen? Gott selbst muß als Erlöser seines Volkes kommen.


Die Not des Volkes Ist so groß, daß nur Gott damit fertig werden kann. Israels Hoffnung Ist tot und dahin. Der Prophet sieht das Volk als trockene Gebeine, Im Tal verstreut (Hes 37,1-14). Nur der Geist Gottes kann die verstreuten Gebeine wieder zusammenbringen und Ihnen das Auferstehungs leben geben. Noch mehr: Die Verheißungen Gottes sind so groß, daß nur Gott sie erfüllen kann. Gott verheißt nicht nur Frieden und Sicherheit, sondern neue Herzen, Leben von den Toten, ein erneuertes Universum.


Gott verdammt die falschen Hirten, die die Herde ausgebeutet haben. Er wird selbst kommen, um der wahre HIrte zu sein (Hes 34,11).

Gott beklagt das Versagen von Israels falschen Königen. Er wird den Helm des Helles aufsetzen und den Panzer der Gerechtigkeit anlegen, um der Heiland seines Volkes zu sein (Jes 59,17). Jesaja sieht, wie der Herr wieder durch die Wüste kommt und den großen Exodus des Gottesvolkes anführt: «Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde Predigt über Lukas 24,26.27 37 eine ebene Bahn unserm Gott!» (Jes 40,3.)

Dann wird ganz erstaunlicherweise das Kommen des Herrn mit dem Kommen des Knechtes verknüpft: «Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst» (Jes 9,6). Die Botschaft des Neuen Testamentes ist die, daß der Herr gekommen ist.

Die Engel singen: «Euch ist heute in der Stadt Davids der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr» (Lk 2,11). Johannes der Täufer kündigt das Kommen Jesu mit den Worten Jesajas an: «Bereitet dem Herrn den Weg» (Mt 3,3).

Der, der da kommt, ist, wie Simeon es sagt: «der Preis deines Volkes Israel» (Lk 2,32). Jesus Christus, der Gottmensch, fährt auf, um in die Herrlichkeit einzugehen, die er beim Vater hatte, bevor die Welt war (Joh17,5).

Er «ist so viel besser geworden denn die Engel, so viel höher der Name ist, den er vor ihnen ererbt hat» (Hebr 1,4).

Geboren aus dem Samen Davids nach dem Fleisch, ist er «über alles, gelobt in Ewigkeit» (Rom 1,3.4; 9,5). Wünschen Sie sich manchmal, daß Sie mit Jesus auf der Straße nach Emmaus hätten gehen können? Würde Ihnen das Seminar, das Jesus da abgehalten hat, den Schlüssel für die Auslegung der Schrift gegeben haben?

Sagen Sie: «O wenn wir doch nur damals auch Jesus hätten hören können. Unsere Augen wären geöffnet worden. Aber wir waren nicht dabei, und Kleophas hatte keine Fernsehkamera dabei, noch nicht einmal einen Kassettenrecorder. Jesus hat seine Leiden und seine Herrlichkeit vom ganzen Alten Testament her interpre tiert, aber diese Interpretation ist für immer verlorengegangen.»? Nein, Freunde, wir sind nicht in einer solchen Lage. Jesus gab den Aposteln und Propheten des Neuen Testamentes als seinen Zeugen den Heiligen Geist.

Das ganze Neue Testament gibt uns die Auslegung des Alten. Die Lehre Jesu in den vierzig Tagen nach seiner Auferstehung ist der Gemeinde nicht verlorengegan gen. Sie ist auf den Seiten des Neuen Testamentes ausgebreitet. Deswegen findet man auf jeder Seite einzelne Zitate und Anspielungen auf das Alte Testament. Die Lehre unseres Herrn über sich selbst ist die Lehre der Heiligen Schrift. Wir können unseren Herrn Jesus Christus nicht von der Bibel loslösen. Wenn wir uns von der Schrift abwenden und vorgeben, daß wir uns Christus zuwenden, dann ist der, zu dem wir uns wenden, nicht der Christus der Schrift, sondern ein Mythos unserer eigenen Einbildungskraft.

Wenn wir uns dem Christus der Schrift zuwenden, dann wenden wir uns zu dem, der die Erfüllung aller Schrift ist: Moses, der Propheten und der Psalmen. Wir wenden uns dem zu, der selbst der Herr der Schrift ist.

Wir lernen den kennen, «den zu kennen wahrlich ewiges Leben ist». Wenn wir nicht das Buch haben, das Jesus hatte, dann haben wir nicht den Herrn, den das Buch verkündet. Aber wenn wir den Herrn haben, dann haben wir auch das Buch, denn es ist sein Buch, inspiriert durch seinen Geist, erfüllt durch sein Leben, seinen Tod, seine Auferstehung und seine Herrlichkeit.