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Grundlegende Christliche Lehre 

 örtlichen Versammlungen eine Handlungsgleichheit ....???

 

 

du zitiertest folgende Bibelverse als Grundlage für deine Schlussfolgerung, dass für die örtlichen Versammlungen eine Handlungsgleichheit verlangt werden kann.

Ich gehe sie einmal durch und versuche, die direkten Aussagen der Texte zu erfassen.

 

Apostelgeschichte 20

Paulus stimmt die Ältesten in Ephesus auf die Verantwortung in ihrer Aufgabe als geistliche Führung ein. Er nimmt sich als Vorbild, um ihnen deutlich zu machen, dass er seine Führungsposition nicht missbraucht hatte. Er hatte sich nicht bereichert oder sonstige Vorteile erschlichen. Er bittet nun die Ältesten, dass sie zuerst auf sich achten sollen. Paulus scheint eine Antenne dafür zu haben, was Macht mit einem macht und wie Menschen in Führungspositionen diese für egoistische Ziele missbrauchen können. Der Herr hatte selber sehr oft über Machtmissbrauch und deren Konsequenzen gesprochen. Letztendlich ist diese Sünde ein Teil der der gefallenen Welt. Aber in Gottes Reich und damit auch in der örtlichen Versammlung, darf es das nicht geben. Paulus macht den Ältesten klar, dass sie nicht nur eine Fürsorgepflicht für Menschen haben; er macht ebenso deutlich, dass die anbefohlenen Mitgeschwister, ebenso wie sie selbst, zu Gott gehören und sie durch das Blut des eigenen Sohnes neu erworben wurden. Das verschafft den Respekt, sich nicht an ihnen zu vergreifen; man würde sich an Gott vergreifen.  

Anders ausgedrückt sagt Paulus: „Ihr wisst, wem eure Mitgeschwister gehören: Gott. Sie sind die Ecclesia, die er sich erkauft hat. Deshalb passt auf eure Motivation aus. Wenn ihr euch an ihnen schuldig macht, versündigt ihr euch an Gott. Dient ihnen in der richtigen Motivation, dann dient ihr Gott selbst.“

Hier geht es also um den Besitzanspruch: Mitgeschwister gehören zu Gott. Gott identifiziert sich mit ihnen. Es ist so ähnlich, wie wenn ein Mensch ungebührlich hart am Arm angefasst und dieser sich mit den Worten wehren würde: „Hey, was fast du mich so hart an!?“ Es wurde nur der Arm angefasst, aber er ist Teil der Persönlichkeit, ein Angriff gegen die Person.

Die Ältesten in Ephesus haben Verantwortung für die ganze Herde, in der der Heilige Geist sie eingesetzt hat. „Die ganze Herde“ sind die Summe aller Christen vor Ort in Ephesus.

Damit sind nicht alle Christen weltweit gemeint. Älteste haben Verantwortung nur vor Ort (räumlich, sozial und organisatorisch). Somit haben sie nicht den Auftrag, weltweit zu dienen.

 

1 Korinther 12

In Kapitel 12 des Korintherbriefes eröffnet Paulus einen ganz neuen Blick für die Identität in Christus:

Alle wiedergeborenen Menschen werden durch den Heiligen Geist zu einem neuen Menschen geschaffen, in dem Christus das Haupt ist. Jeder einzelne Mensch ist ein Glied an diesem Leib. Jeder einzelne Mensch hat eine Gnadengabe durch den Heiligen Geist erhalten, mal herausragender, mal weniger herausragend. Jeder hier angesprochene Mensch hat nun mit dieser neuen Schau auf sich, dem Haupt und den Mitgeschwistern eine Aufgabe: in dieser Berufung der Gnadengabe zu leben. Glieder am Leib Christi sind dazu bestimmt, einander zu dienen – um des Hauptes Willen.

Wir können hier festhalten: es geht um einzelne Menschen, die zusammen der Leib des Christus sind.

Wichtig ist: Es sind nicht einzelne örtliche Versammlungen, die der Leib des Christus sind.

Die Menschen werden nicht aufgefordert, durch ihr Handeln stellvertretend für den Leib zu stehen. Das ist nicht das Thema. Das Thema ist eine neue Motivation für Menschen, in Demut einander zu dienen.

Es ist keine Idee davon, dass sie motiviert werden, stellvertretend für alle einen Leib zu repräsentieren. Im Text findet sich im ganzen Gedankenverlauf des Paulus kein Hinweis, dass durch den Dienst Dritten gegenüber (wer wäre das?) ein anderes Glied verpflichtet wäre, die Handlungen des ersteren an Dritten zu akzeptieren.

Es erschließt sich keine Grundlage aus dem Text, um eine Übertragung von Menschen auf örtliche Versammlungen zu machen.

 

Epheser 2

In Epheser 2 geht es wiederum um Menschen, die eine neue Schau für ihre Identität in Christus bekommen. Früher waren sie Feinde und Menschen ohne Bürgerrecht; jetzt Mitbürger der Heiligen und sogar Hausgenossen Gottes. Als diese wohnen sie nicht nur mit Gott in seinem Haus, sie sind sogar als einzelne lebendige Steine sein Haus! Christus ist der Eckstein, die zentrale Person in dem ganzen Haus. In und durch Jesus Christus wächst dieser Tempel: wahrscheinlich einmal durch quantitative Zufügung von neuen Menschen / Steinen auf der einen Seite, auf der anderen Seite durch zunehmende Veränderung in das Ebenbild dieses Christus-Ecksteins. Das in Summe ist der heilige Tempel im Herrn. Jeder einzelne Mensch hat nur seinen Wert als Baustein durch die Zugehörigkeit zu dem Eckstein.

Es ist also mehr als die Summe der einzelnen Steine: es geht um Christus. Das macht den Menschen demütig und gibt ihm gleichzeitig einen ganz neuen Wert.

Nirgendwo erscheint hier die Idee eines stellvertretenden Handelns für andere, noch kann sie zwingend daraus abgeleitet werden.

 

1 Korinther 3

Hier geht es um die Verhinderung einer neuen Fan Kultur: es ist so menschlich und naheliegend, sich einen Wert und ein Zugehörigkeitsgefühl durch Hofieren einer besonders herausragenden Persönlichkeit zu geben. Paulus warnt davor und gibt wieder die Perspektive, dass die erlösten Menschen eine neue Identität haben:

Wir sind nicht von Menschen Mitarbeiter, sondern von Gott; wir sind nicht das Ackerfeld eines Superstars, sondern Gottes Ackerfeld; nicht ein hervorragender Mensch hat uns zusammengebracht, sondern Gott. Wir sind sein Bau.

Und jetzt wird die Sache noch einmal getoppt: Wir Menschen zusammen sind der Tempel Gottes. Was früher ein Gebäude war, sind jetzt erlöste Menschen.

Diese Perspektive wird zerstört, wenn eine menschliche Fan Kultur entsteht. Wenn Menschen im Mittelpunkt stehen, wird alles hässlich und verliert an Bedeutung.
Mit der Bemerkung, dass einzelne Menschen der Tempel Gottes sind, wird wieder die große neue Identität eines Christen vorgestellt. Damit verlieren herausragende Persönlichkeiten an Bedeutung und erhalten ihren gebührenden Platz.

Hier fehlt jede inhaltliche Grundlage für einen Rückschluss, dass eine örtliche Versammlung keine andere Körperschaft als die gesamte Versammlung sei..

Zusammenfassung

  • Es geht in den Texten immer um Menschen als natürliche Personen.
  • Es geht nicht um örtliche Versammlungen als juristische Personen.
  • Der Leib findet nicht durch örtliche Versammlungen seinen Ausdruck.
  • Der Leib findet seinen Ausdruck durch Menschen, die in der örtlichen Versammlung und darüber hinaus einander dienen, annehmen und sich erbauen.
  • Paulus wirbt ständig um eine neu geoffenbarte Sicht über den erlösten Menschen und über Gott.
  • Diese neue Sicht erhellt die neue Identität und den neuen Wert des erlösten Menschen.
  • Das bewirkt eine neue geheiligte Motivation für das Leben und den Dienst der Menschen.
  • Diese neue Identität ist die Verbindung mit Christus, ist Christus selbst und keine Einheit einer Ecclesia.
  • In keinem der Texte wird nur annähernd der Gedanke ausgearbeitet, dass eine natürliche Person stellvertretend für den Leib, für das Haus Gottes oder für die universale Ecclesia Dritten gegenüber handeln würde.
  • Die "Dritten" wären wer?
  • Eine Überleitung zu der Aufforderung, Handlungen einer Ortsgemeinde als verbindlich anzuerkennen, ist aus diesen Texten nicht nachvollziehbar; es besteht kein Zusammenhang.
  • Damit wird es schwer, für diese Schlussfolgerungen eine Legitimation zu erhalten:
    • Es widerspricht also der Wahrheit von der einen Versammlung, wenn man behauptet, dass für die örtlichen Versammlungen keine Handlungsgleichheit verlangt wird.“
    • Wer daran festhält, dass es einen Leib gibt, der in den örtlichen Versammlungen seinen Ausdruck findet, wird in der Praxis nicht umhin kommen, die „Handlung“ einer örtlichen Versammlung als „Handlung“ der gesamten Versammlung zu verstehen.

Es bleibt noch Matthäus 18. Dazu eine weitere mail.