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“Indem wir die Wahrheit festhalten in Liebe,

lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin,

der das Haupt ist, Christus” (Eph 4,15).

 

Zur Hochzeit von Tim und Liisa am 29. Juni 2002

 

Im vorliegenden Zusammenhang spricht dieser Vers vom Zusammenleben in der christlichen Gemeinde. Wir dürfen seine Aussagen aber auch auf das Zusammenleben in der Ehe anwenden, wie ich das jetzt tun werde.

            Es ist hier die Rede von Wahrheit, von Liebe, von Wachstum und von Festhalten. Für das Wachstum wird eine Richtung, oder besser: ein Ziel genannt. Es heißt Christus, das Haupt. Wir wollen uns der Reihe nach Gedanken machen über diese vier genannten Größen.

 

1. Wahrheit

Eine der berühmten Fragen der Weltliteratur ist die Pilatusfrage: “Was ist Wahrheit?” (Johannes 18,38). Ich weiß, Ihr beiden antwortet: Die Wahrheit ist nicht ein etwas, die Wahrheit ist ein jemand, eine Person. Jesus Christus, Er ist die Wahrheit. Sein Wort ist Wahrheit; Seine Lehren sind Euch Richtschnur und Leuchte, Kompass und Brot. Darum lest ihr die Bibel, darum bekommt Ihr heute zur Trauung eine Bibel geschenkt. Ihr könnt Euch nie zuviel in den Inhalt des Buches versenken. Es ist wirklich das Buch; es ist das einzige, das man nur so nennen kann. Hier redet der zu Euch, der Euch beiden Herr und Meister ist. Hier werdet ihr beide auf eine gemeinsame Autorität verpflichtet. Das ist es, was Eure Ehe zusammenhält, was Eure Gemeinschaft stark, ja, unerschütterlich macht.

 

2. Liebe

Was ist Liebe? Sie lässt sich auf mancherlei Weise umschreiben und veranschaulichen. Ich will jene Seiten der Liebe aufzeigen, die für das Zusammenleben von Euch zweien die wichtigsten sind: Gehorsam und Selbstverleugnung. Ja, vielleicht denkt Ihr, und wahrscheinlich denken einige, die hier zuhören, Gehorsam sei nichts anderes als ein Liebeskiller, und Selbstverleugnung sei ein Lusttöter. Wir täuschen uns, wie so oft, auch hier. Gehorsam und Selbstverleugnung sind Zunder und Brennstoff für wachsende, immer tiefer werdende Liebe und Lust aneinander, und das in jeder Hinsicht: geistig, emotional und sexuell.

            Lieben wir Gott, tun wir, was Er uns befiehlt; und lieben wir die Menschen wirklich, dann tun wir abermals das, was Gott uns befiehlt (1Joh 5,1.2). Das heißt für Euch beide, dass Ihr einander beweisen könnt, dass Ihr Euch liebt, wenn Ihr beide bereit seid, das zu tun, was Euer Herr und Erlöser Euch befohlen hat. Er hat Euch beiden, Dir, Liisa, und Dir, Tim, deutlich gesagt, wie Ihr als Mann und Frau zusammenleben sollt.

            Das allererste, was er befohlen hat, ist dass Ihr von heute an zusammenbleibt und aneinander hängt und eure Liebe mit niemandem teilt. Eheliche Liebe ist ausschließlich, eheliche Liebe ist bedingungslos. Die Ehe ist keine Gemeinschaft auf Probe; sie ist auch kein mögliches Modell neben anderen, die uns zur Wahl stünden. Man hat durch Romane und Filme in den vergangenen Jahrzehnten die Ehe so madig gemacht, dass die Mehrheit unserer Zeitgenossen allen Ernstes glaubt, Liebe könne man an manchen Orten finden, nur nicht in der Ehe. Das ist ein ganz brutaler Betrug, der zahllose Menschen um eines der höchsten Güter bringt, das ein Menschenleben bereithält. Da wird von amour fou und ménage à trois und andern Dingen gefaselt. Solche Dinge tun sich ganz niedlich dar auf der Kinoleinwand, und die Leute, die solche Filme  produzieren, verdienen damit viel Geld. Aber im wirklichen Leben ist das alles nur zerstörerisch. Zurück bleiben zerfetzte Seelen, die aus tausend Wunden bluten, die nie wirklich verheilen.

            Vielmehr ist die Ehe die einzige Gemeinschaft, in der wahre Liebe gedeihen kann. Sie ist mehr als Freundschaft – obwohl sie das auch ist –; sie ist erst recht mehr, unendlich mehr, als ein Liebesabenteuer. Die Ehe lässt Menschen in einer Art zusammenwachsen, wie das in keiner Mädchenfreundschaft oder Männerfreundschaft je geschieht. Hier binden sich zwei Menschen aneinander, um fortan alles miteinader zu teilen, was auch kommen mag. Diese bedingungslose Verpflichtung und Hingabe aneinander ist der Boden, auf dem allein diese einmalige, tiefe, schöne aber auch sehr schwere Gemeinschaft wachsen kann.

            Ist man nur auf Probe zusammen, um bei der ersten größeren Krise einen andern oder eine andere zu suchen, wird man nie erfahren, was die unvergleichliche Schönheit der ehelichen Gemeinschaft ist. Die ganzen Tiefen der Liebe lernt nur der kennen, der an seiner Frau und an ihr allein hängt und sich auf immer an sie gebunden hat – ohne jeden Hintergedanken an einen Notausgang. In öffentlichen Sälen gibt es immer einen Notausgang. Die Ehe hat keinen solchen Notausgang, der uns erlaubt, uns aus der Ehegemeinschaft davonzustehlen, wenn die ersten Schwierigkeiten kommen. Nein, wir bleiben zusammen, was auch kommen mag.

 

Ein getreues Herze wissen

hat des höchsten Schatzes Preis.

Der ist selig zu begrüßen,

der ein treues Herze weiß.

Mir ist wohl bei höchstem Schmerze,

denn ich weiß ein treues Herze.

 

Läuft das Glücke gleich zu Zeiten

anders, als man will und meint,

ein getreues Herz hilft streiten

wider alles, was ist feind.

Mir ist wohl bei höchstem Schmerze,

denn ich weiß ein treues Herze.

 

Sein Vergnügen steht alleine

in des andern Redlichkeit,

hält des andern Not für seine,

weicht nicht auch bei böser Zeit.

Mir ist wohl bei höchstem Schmerze,

denn ich weiß ein treues Herze.

 

Gunst, die kehrt sich nach dem Glücke,

Geld und Reichtum, das zerstäubt,

Schönheit lässt uns bald zurücke,

ein getreues Herze bleibt.

Mir ist wohl bei höchstem Schmerze,

denn ich weiß ein treues Herze.

 

Paul Fleming (1609–1640).

  

 

 

3. Euer Ziel

Euer Ziel ist hier genannt: “hinanwachsen zu Christus hin”. Ihr habt es euch selbst zum Ziel gesetzt. Ihr wollt Jesus immer näher kommen. Oder sagen wir es anders, so nämlich, dass es direkter nach eurem Innern greift: Ihr wollt Jesus ähnlicher werden. Was hat das Mit Ehe und ehelicher Liebe, was hat das mit Euch beiden zu tun? Ich beginne, wie es der Apostel Paulus in seinen diesbezüglichen Ausführungen auch immer tut, mit der Frau, das heißt, ich beginne mir Dir, Liisa.

 

An Liisa

Liisa, du hast gesagt, du wollest Jesus ähnlicher werden. Was das für Dich und Deine Liebe zu Tim bedeutet, das will ich Dir jetzt mit wenigen Sätzen zu zeigen versuchen. Die biblischen Texte sind deutlich, und sie mögen Dir, Liisa, garstig scheinen, garstig, weil Dir in dieser Sache der Wind des Zeitgeistes scharf ins Gesicht bläst. Du bist entschlossen genau das Gegenteil von dem zu tun, was das Fernsehen, die Tageszeigungen, die Ohrenwürmer der Musikindustrie und die Illustrierten Dir sagen wollen: Du willst Tim als dein Haupt über Dir achten. Du willst ihm, weil Gott ihn in Eurer Gemeinschaft zum Haupt bestimmt hat, untertan sein.

 

“Ihr Frauen, seid untertan euren eigenen Männern, als dem Herrn” (Eph 5,22).

 

 “Skandal! Welche Entwürdigung!” ruft der ganze Chor aller maßgeblichen Stimmen unserer Zeit. Ich hätte fast gesagt, ein anschwellender Chor, aber eigentlich kann er gar nicht mehr anschwellen, weil schon alle, außer den Jüngern Jesu, in diesen Chor eingestimmt haben. Dieser Chor ist laut, und er spricht gebieterisch, er duldet keinen Widerspruch. Liisa, du brauchst Mut, hier zu beweisen, dass Du Gott mehr liebst als alles, und dass Du Tim liebst wie Dich selbst. Und Du brauchst den guten Willen, Deinem sehr natürlichen Drang, Dich selbst zu verwirklichen, abzusagen und das zu tun, was Dein Herr und Meister will. Natürlich ist es nicht immer leicht, jemandem untertan zu sein, der manchmal sehr menschlich, ja, allzumenschlich sein kann. Und doch ist es richtig, und doch ist es das Beste für Dich und für Tim.

            Schau Jesus, Deinen Meister an. Er ist, wie Du weißt, der souveräne Herr, der über allen und über allem steht. Er ist der Schöpfer und Erhalter der Welten. Als Er Mensch wurde, machte Er sich zum Diener aller. Er wusch sogar Seinen Jüngern die Füße, tat also etwas, das sonst nur Hausknechte und Leibeigene tun. Und am Ende Seines Weges war Er sogar bereit, der Letzte zu sein, sich zum Sündenbock stempeln und sich wie ein gemeiner Verbrecher hinrichten zu lassen. Er tat das alles, weil Er sich vollständig Seinem Gott und Vater unterordnete. Hast Du gut hingehört? Ich sagte: Er machte sich Seinem Vater untertan. Da haben wir wieder dieses garstige Wort. Jetzt frage ich Dich, Liisa: Hat Jesus sich damit entwürdigt? Ist das eine Sache, die ihn verächtlich macht? Sicher nicht. Im Gegenteil, es ist eine der Facetten Seiner unvergleichlichen Schönheit, die besonders hell strahlt. Es ist ein besonders klar leuchtendes Juwel in der Krone all Seiner Herrlichkeiten. Es gibt kaum etwas, das uns stärker bewegt und das uns Ihn mehr bewundern lässt. Wir kennen alle dieses schöne Lied des schwedischen Liederdichters Carl Boberg  “Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte”. Die schönste und ergreifendste Strophe in diesem Lied lautet:

 

Und seh ich Jesus auf der Erde wandeln,

in Knechtsgestalt, voll Lieb und großer Huld,

wenn ich im Geiste seh sein göttlich Handeln,

am Kreuz bezahlen vieler Sünder Schuld,

dann jauchzt mein Herz, dir großer Herrscher zu,

wie groß bist Du, wie groß bist Du!

Im Schwedischen lautet der Kehrreim:

 

Då brister själen ut i jubelljud:

Du store Gud, du store Gud!

 

Es ist dein großer Gott und Retter, der es selbst vorgelebt hat, und der Dir nun sagt, dass Du Tim, Deinem Mann, untertan sein sollst. Kannst Du noch daran zweifeln, ob das gut, ob das nützlich, ob das überhaupt richtig sei?

            Ich habe Dir, Liisa, zur Illustration noch ein Dichterwort. Es stammt vom amerikanischen Dichter Henry Wadsworth Longfellow (1807–1882), und zwar aus seinem schönen Indianerepos Hiawatha (das übrigens sein Versmaß aus dem finnischen Nationalepos Kalevala geborgt hat):

 

As unto the bow the cord is,

So unto the man is woman;

Though she bends him she obeys him,

Useless each without the other.

 

Was dem Bogen die Sehne

Das ist dem Mann die Frau;

Sie biegt ihn, doch gehorcht ihm,

Nutzlos beide ohne einander.

(Longfellow: Hiawatha.)

 

Hast Du den Vergleich verstanden? Ich demonstriere ihn Dir am handgreiflichen Objekt.

 

An Tim

Und jetzt ein Wort an Dich, Tim. Auch Du hast gesagt, Du wollest Jesus ähnlicher werden und Du wollest das tun, was Er Dir befiehlt. Schauen wir uns an, was das für Dich und Deine Beziehung zu Liisa bedeutet:

            Im Epheserbrief spricht Paulus im 5. Kapitel von der Gemeinschaft zwischen christlichen Eheleuten. Er hat der Frau einmal gesagt, sie müsse ihrem Mann untertan sein. Dir, Tim, dem Mann, sagt er viermal – ich wiederhole: viermal –, dass Du deine Frau lieben musst. Musst, hast Du das gut gehört? Das ist also Deine Pflicht. Du musst sie lieben, heute, morgen, nächstes Jahr, noch in fünfundzwanzig Jahren. Hier ist Jesus wiederum das Vorbild:

 

“Ihr Männer, liebt eure Frauen, gleich wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat” (Eph 5,25).

 

Lieben wie Jesus liebte. Wie hat Jesus Dich geliebt?

 

Er liebte Dich, als Du nicht liebenswürdig warst.

Er liebte Dich bedingungslos.

Er liebte Dich aufopfernd.

 

Wenn Du Deine Frau nur dann liebst, wenn sie so ist, wie Du sie haben willst: so schlank oder so rund, so temperamentvoll oder so ruhig, so wild oder so zahm, so gesprächig oder so schweigsam, so tüchtig und so fleißig; wenn sie so kocht, wie es dir gefällt, etc. dann bist Du ein Egoist. Dann liebst Du eigentlich die ganze Zeit nur dich selbst. Natürlich ist es nicht leicht jemanden zu lieben, wenn sie sich gerade recht wunderlich benimmt oder in einer Laune ist, die Männer nur schwer verstehen können, und wenn sie anfängt, auch Mängel zu zeigen. Ob wir einander wirklich lieben, das zeigt sich dann, wenn wir nach einiger Zeit des Zusammenlebens aneinander unsere schwachen Seiten kennelernen. Wir alle haben seelische und charakterliche Schwächen und Mängel. In Epheser 5,25–33 sagt Dir Gottes Wort, dass Du Liisa so lieben sollst, wie Christus die Gemeinde geliebt hat. Er liebte sie bedingungslos und ohne zuerst Forderungen an sie zu stellen. Was für ein Maßstab!

 

Lieben, Tim, das bedeutet, sich selbst zu verleugnen. Das bedeutet immer wieder, eigene Wünsche zu begraben. Das kann eine so prosaische Sache sein, wie zusammen mit Liisa einen Elternabend in der Schule zu besuchen, wenn Du viel lieber das Endspiel des Europapokals geguckt hättest. Es kann auch heißen, auf Karriere zu verzichten, wenn diese gefordert hätte, dass ich an fünf Abenden der Woche im Auftrag der Firma außer Haus sein müsste.

            Wenn Du Liisa so liebst, wie Jesus Dich geliebt hat, dann wirst Du sie nähren und pflegen wollen, wie der Apostel sagt. Dann wirst du dich darum kümmern, dass sie

 

seelisch

emotional

geistig

geistlich

 

bekommt, was sie wirklich braucht und was ihr gut tut. Manche Ehemänner kümmern sich gar nicht darum; sie interessieren sich gar nicht dafür, was ihre Frauen wirklich brauchen. Warum nicht? Weil sie blind dafür sind, was die Ehefrau wirklich ist. Tim und Liisa, ihr seid von heute an eins, ein Fleisch, ein Geist. Wenn Du Liisa Gutes tust, dann ist das so, wie wenn Du Deinem eigenen Leib Gutes tust:

 

“Die Männer sind schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn noch nie hat jemand sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, gleichwie auch Christus die Versammlung” (Eph 5,28–29).

 

Jeder von uns pflegt seinen Leib. Ist er müde, betten wir ihn liebevoll zur Ruhe; am Morgen stehen wir auf und pflegen ihn sorgfältig: Wir waschen ihn und dann kleiden wir ihn hübsch ein. Und dann setzten wir uns an den Tisch und führen ihm lauter gute Sachen zu. Und unsere Frau sollten wir nicht so pflegen? “Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.” Eines der zahlreichen Paradoxe des Christenlebens bestätigt sich hier. Wenn wir verzichten, werden wir reicher, wenn wir aufgeben, bekommen wir, wenn wir verlieren, gewinnen wir.

            Wir sind bereit, uns abzurackern, zu schwitzen, zu leiden, wenn wir dabei eigene Ziele verfolgen. Das machen Berufsleute, das machen Sportler, das machen ehrgeizige Väter und Mütter, um ihre eigenen Kinder im Leben voranzubringen. Aber seine eigenen Ziele aufzugeben, seine Wünsche zu verleugnen und sich in den Willen eines anderen zu schicken, das ist uns ein ganz bitteres Kraut. In der Ehe sind beide gerufen, auf Eigenes zu verzichten. Das ist uns zunächst verdrießlich, wer aber gelernt hat, auf seine Wünsche und damit auf ein Stück seines eigenen Lebens zu verzichten, hat den Weg des Lebens gefunden.

            Ein Erlebnis des indischen Christen Sadhu Sundar Singh veranschaulicht das sehr schön. Er war auf einer seiner vielen Wanderung durch ganz Indien wiederholt im Tibet. Einmal wurde er zusammen mit einem Freund am Abend hoch in den Bergen von einem Schneesturm überrascht. Nach einiger Zeit stießen die beiden auf einen Mann, der ganz erschöpft im Schnee lag. Sundar bückte sich über ihn, während sein Gefährte meinte, sie müssten doch schauen, wie sie selbst heil durch diesen Sturm kämen, und zog weiter. Sundar lud sich den Erschöpften auf den Buckel und stapfte mit seiner Bürde Schritt um Schritt durch den Schnee und erreichte nach beschwerlichen Stunden das angestrebte Ziel. Seinen Freund sah er nicht mehr. Der war in der Kälte erfroren, während Sundar und seine Last auf dem Rücken sich gegenseitig warm gehalten hatten. So überlebten sie beide. Es bewahrheitete sich auf diese Weise das Wort des Herrn: „Wer sein Leben verliert, wird es finden“ (Matthäus 16,25).

 

4. Festhalten

Und zum Schluss ein Wort, das Euch beiden gleichermaßen gilt. Der Predigttext, den Ihr Euch ausgesucht hattet, lautet ja: “Indem wir die Wahrheit festhalten...”. Ihr wollt beide an der Wahrheit, an Jesus festhalten. Ihr wollt beide von Ihm lernen, Ihr wollt beide Ihm immer ähnlicher werden, jeder in seinem Leben, jeder in seiner persönlichen Aufgabe, aber auch beide zusammen in Eurem gemeinsamen Leben. Es ist nicht eine schwierige Aufgabe, das wäre eine Untertreibung. Es ist eine unmögliche Aufgabe; aber was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott (Lukas 18,27). Damit Ihr Euer hohes Ziel verfolgen und daran festhalten könnt, braucht Ihr alle Hilfe des Himmels. Ihr bekommt sie auch; sie ist Euch im vollen Umfang zugesagt (2Petrus 1,3.4). Ihr müsst sie aber erbeten (Matthäus 7,7). Ihr müsst lernen, von Eurem Herrn das zu erbitten, was Ihr nicht habt und nicht könnt. Ihr müsst um alles in der Welt zusehen, dass ihr gemeinsam betet, und ihr müsst konsequent alles ausräumen, was eure gemeinsamen Gebete stören oder gar verhindern will. Der Apostel Petrus sagt:

 

“Desgleichen, ihr Männer, wohnt bei ihnen mit Verstand und gebt dem weiblichen als dem schwächeren Werkzeug seine Ehre, als die auch Miterben sind der Gnade des Lebens, damit eure Gebete nicht verhindert werden” (1Pet 3,7).

 

Tim, bete täglich für Deine Liisa; Liisa, bete täglich für Deinen Tim. Seit wir verheiratet sind, und das sind nun schon gut 24 Jahre, ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht für meine Frau gebetet hätte. Und ich weiß, dass ich das gleiche von ihr sagen kann. Und wir lassen keinen Tag verstreichen, an dem wir nicht mindestens kurz miteinander gebetet haben. Und mindestens an einem Tag in der Woche nehmen wir uns ausgiebig Zeit, wo wir gemeinsam für unsere Kinder einzeln beten, für unser Familienleben, für unsere je verschiedenen und auch gemeinsamen Aufgaben, für die Gemeinde, für Freunde und Bekannte. Das verwebt unsere Herzen in einer Weise miteinander wie nichts anderes. Gewiss, Liisa und Tim, heute beten wir alle für Euch, und wir Eltern und viele andere werden auch weiterhin für Euch beten. Worum ich aber mehr beten werde als für alles andere ist, dass Ihr beide es lernt, Euch täglich dem Herrn auszuliefern und Seine Hilfe zu erflehen. Tut ihr es, dann werdet Ihr noch nach Jahren sagen können, was dieses abschließende mittelhochdeutsche Gedicht so schlicht ausdrückt, und dies zudem in einer Sprache, die unserer schweizerischen so nahe ist, dass wir das Gedicht, wenn wir es nur einmal gehört haben, nicht mehr vergessen:

 

Dû bist mîn, ich bin dîn,

des solt dû gewiss sîn.

Du bist beslossen

in mînem Herzen:

Verloren ist das Slüsselîn:

du muost immer drinne sîn.