Home   Forum    Bibellehre.ch   Bibelkreis.ch  Geistliche Lieder 

aus: https://endzeitzeichen.blogspot.com.es/2013/03/hat-israel-eine-zukunft.html

Dieser Blog
Links
Dieser Blog
 
 
 
Links
 
 
 

06.03.2013

Hat Israel eine Zukunft?


Es gibt eine nicht unbeträchtliche Zahl von bibeltreuen Auslegern und Gläubigen, mit denen wir viele Überzeugungen teilen, die jedoch eine Zukunft für das Volk Israel ablehnen. Diese Vertreter der sogenannten Bündnis-Theologie (oder Bundestheologie) verweisen darauf, dass der neue Bund den alten Bund ersetzt hat und damit auch die Verheissungen für Israel auf die Gemeinde übergegangen seien. Israel habe durch seinen Unglauben die Verheissungen verspielt und deshalb als Volk keine Zukunft mehr. Als Belegstelle wird Galater 6,15-16 zitiert: «Denn weder Beschneidung noch Unbeschnittensein gilt etwas, sondern eine neue Schöpfung. Und so viele dieser Richtschnur folgen werden, Frieden und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes.» Die Bündnis-Theologie argumentiert, diese und andere Stellen würden deutlich machen, dass die Gemeinde im neuen Bund das Israel Gottes sei und das Volk Israel aus diesem Grund keine Verheissung als auserwähltes Volk mehr habe.

Weiter wird beispielsweise auf Römer 2,28-29 und 9,6-11 verwiesen. Paulus nennt in der ersten Römerstelle nicht den einen Juden, der zu Israel gehört und beschnitten ist, sondern den, der die Herzensbeschneidung (Glaubensgerechtigkeit) im Geist hat. Die zweite Römerstelle bezeichnet nicht die Kinder des Fleisches (Israel als Volk) als Abrahams Nachkommen, sondern die Kinder der Verheissung (die, welche glauben). Mit diesen Stellen wird argumentiert, dass durch den neuen Bund die irdischen noch ausstehenden Verheissungen für Israel hinfällig seien und sich diese nur noch für die Glaubenden (Gemeinde) im geistlichen Sinn erfüllen.

Nun wird ein ganzer Teil von Christen durch die Verbreitung der Bündnis-Theologie zunehmend verunsichert. Dadurch stellt sich die Frage, ob die überwiegende Mehrheit der bibeltreuen Bewegung im deutschsprachigen Raum die Bibel in der Israelfrage falsch verstanden und ausgelegt hat. Aus diesem Grund möchte ich einige biblische Belege anführen, die deutlich machen, dass Israel nach wie vor Gottes auserwähltes Volk ist und von der Bibel her eine

 grosse Zukunft hat.

1. Der Abrahambund. Wir müssen in der Bibel verschiedene Bündnisse unterscheiden. Es gibt bedingungslose, einseitige Bündnisse und solche, die an Bedingungen geknüpft sind. Die Bündnis- Theologie verweist darauf, dass der alte Bund, er wird auch mosaischer Bund, Sinaibund oder Gesetzesbund genannt, durch den neuen Bund ersetzt und abgelöst sei.

Der alte Bund war an Bedingungen geknüpft. So macht 5. Mose 28 deutlich, dass der Gehorsam gegenüber dem Bund für Israel mit Segen, der Ungehorsam dagegen mit Fluch verbunden ist. Durch seinen Ungehorsam gegenüber dem alten Bund habe Israel, nach den Aussagen der Bündnistheologen, seine Auserwählung und die noch ausstehenden Verheissungen verspielt. Wir kommen noch darauf zurück.

Aber zunächst einmal lesen wir völlig unabhängig von dieser Behauptung in 5. Mose 28 von zwei Zerstreuungen Israels, die mit dem Ungehorsam des Volkes zusammenhängen. Das Kapitel spricht aber auch von der zukünftigen Sammlung Israels. In 5. Mose 28,36 geht es zunächst um die Wegführung des Nordreiches Israels durch die Assyrer (Zehnstämme-Reich, 722 v.Chr) und die Zerstreuung des Südreiches (Juda, 586 v.Chr.): «Der Herr wird dich und deinen König, den du über dich setzten wirst, zu einer Nation wegführen, die du nicht gekannt hast, du und deine Väter. Und du wirst dort anderen Göttern aus Holz und Stein dienen.» Hier ist von einer Nation die Rede, und die Wegführung steht in einem direkten Zusammenhang mit dem König. Beides hat sich bei der Wegführung sowohl des Nordreiches als auch des Südreiches erfüllt. Das Nordreich wurde unter seinem letzten König nach Assyrien, das Südreich später nach Babylon weggeführt. In 5. Mose 28,64 ist nicht mehr die Rede von der Wegführung im Zusammenhang mit dem König zu einer anderen Nation, sondern von der Zerstreuung unter alle Völker auf der ganzen Erde: «Und der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde. Und du wirst dort andern Göttern dienen, die du nicht gekannt hast, weder du noch deine Väter – Götter aus Holz und Stein.»

Diese zweite Zerstreuung Israels hängt im weiteren Sinn mit der ersten Zerstreuung Israels zusammen, da auch ein Teil der Weggeführten nach Assyrien und Babylon sich unter den Völkern zerstreute. Aber die eigentliche Erfüllung kam mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n.Chr. und der damit verbundenen Zerstreuung der Juden unter alle Völker des Römischen Reiches. Besiegelt wurde dies noch mit der Niederschlagung des Bar-Kochba- Aufstandes durch die Römer (135 n.Chr.) und der damit verbundenen nochmaligen Zerstreuung von einem ganzen Teil des Restes der Juden, die sich noch in Israel befanden.

Was können wir aus diesen beiden Zerstreuungen lernen? Wenn Gott zum einen die Geschichte Seines Volkes, trotz dessen Ungehorsam, nach der ersten Zerstreuung nicht beendet hat, liegt es nahe, dass Er dies auch nach der zweiten Zerstreuung Israels nicht tun wird. Aber das Zweite ist noch wichtiger. Die Verheissung über die zukünftige Sammlung Israels in 5. Mose 30,1-6, kann sich nicht mit der Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil erfüllt haben, sondern muss sich auf eine zukünftige Sammlung nach der zweiten Zerstreuung beziehen. Dies wird daran deutlich, dass Vers 3 von der Sammlung aus allen Völkern und nicht nur aus einem Volk spricht (vgl. 5.Mo 28,36), unter die Israel zerstreut war. Eine solche Sammlung kann sich aber erst nach der zweiten Zerstreuung Israels erfüllen. Ausserdem ist in Vers 6 die Rede davon, dass der Herr Seinem Volk das Herz beschneiden wird und dass es Ihn ganz lieben und Ihm dienen wird. Dies hat sich trotz der Erweckungsbewegung unter den Rückkehrern aus Babylon auch noch nicht erfüllt. Der Prophet Maleachi macht deutlich, wie schnell es nach der Erweckungsbewegung unter Serubabel, Esra und Nehemia wieder zur Oberflächlichkeit und zum Abfall kam.

Wir fassen zusammen: Unabhängig davon, wie man die Übertragung der Verheissungen vom alten auf den neuen Bund deuten mag, kann man aus 5. Mose 28 nicht folgern, dass Israel seine Verheissungen durch den Ungehorsam gegenüber dem Gesetzesbund verloren hätte. Dieses Kapitel macht deutlich, dass Israel zweimal zerstreut wird und die Verheissung für die zukünftige Sammlung (5.Mo 30) sich nicht auf die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, sondern erst auf die Zerstreuung unter alle Völker in der Zeit nach Christus und die Rückführung aus all diesen Völkern beziehen kann.

Nun aber zurück zu den Bündnissen. In der Bündnis-Theologie wird ein wichtiger Bund falsch eingeordnet sowie seiner irdischen Verheissungen für das Volk und Land Israel beraubt: Der Abrahambund. Im Gegensatz zum alten Bund oder Gesetzesbund ist der Abrahambund ein einseitiger Bund, den Gott bedingungslos mit Abraham vollzogen hat. Dies wird in 1. Mose 15,7-21 deutlich. Der Herr gibt Abraham den Auftrag, eine Jungkuh, einen dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine junge Taube jeweils in zwei Hälften zu teilen und einander gegenüberzulegen. Wenn damals ein Bund geschlossen wurde, gingen beide beteiligten Parteien zwischen den Tierhälften hindurch. In 1. Mose 15 ging aber nur eine Feuerfackel Gottes zwischen den Hälften durch und nicht Abraham (V 17). Somit ist der Abrahambund im Gegensatz zum Gesetzesbund (alten Bund) ein einseitiger Bund, der allein in Gottes Zusage und Verheissung begründet und nicht an Bedingungen geknüpft ist. Ab Vers 18 stehen die zukünftigen Landverheissungen für Israel ausdrücklich mit diesem Bund im Zusammenhang. Diese Landverheissungen für Israel haben sich bisher noch nicht erfüllt. Auch in seiner bisher grössten Ausdehnung unter David und Salomo hat Israel das Land in den Grenzen vom Strom Ägyptens bis zum Euphrat nie besessen. Weil der Abrahambund ein einseitiger Bund ist, muss sich diese Verheissung in der Zukunft auch noch erfüllen.

In Römer 9-11 behandelt Paulus das Verhältnis der Gemeinde zu Israel. Römer 11,26-27 spricht von der zukünftigen Errettung Israels. Die Begründung des Apostels folgt in Vers 28-29: «Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen.» Hier haben wir den Bezug zu Abraham, Isaak und Jakob. Im nächsten Vers begründet Paulus das Ganze mit dem einseitigen Abrahambund: «Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.»

Auch schon im Alten Testament, vor dem mosaischen Bund, wird deutlich dass Gottes Rettungshandeln mit Seinem Volk im Abrahambund begründet ist. So lesen wir in 2. Mose 2,24 im Zusammenhang mit der Sklaverei in Ägypten: «Da hörte Gott ihr Ächzen, und Gott dachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob.» 5.Mose 6,3.10 und 7,8 begründen die Errettung Israels und die verheissene Landnahme ebenfalls mit dem Abrahambund. Die erfüllten und zugleich zukünftigen Verheissungen für Israel werden in Psalm 105,7-11 mit dem Abrahambund begründet.

Im Gegensatz zum Lehrsystem der Bündnis-Theologie ist in der Bibel die zukünftige Verheissung Israels nicht an den mosaischen Bund gebunden, der an Bedingungen geknüpft war, , sondern an den Abrahambund. Dieser Bund ist ein einseitiger Bund, dessen Zusagen auch im Hinblick auf das Land Israel allein in der Verheissung Gottes begründet sind.

2. Israel und Jakob und die zukünftigen Verheissungen. Wie Anfangs erwähnt, stützt sich die Bündnis- Theologie unter anderem auf Galater 6,16 und stellt dadurch die Behauptung auf, dass die Gemeinde das «Israel Gottes» ist und dass das Volk und Land Israel deshalb keine Verheissung mehr haben. Einmal abgesehen von der Frage, ob diese Argumentation der tatsächlichen Aussage von Galater 6,16 entspricht, wird dadurch ein wichtiger Punkt der Prophetie übersehen.

In vielen zukünftigen Verheissungen für Israel ist nicht nur von Israel, sondern sowohl von Israel als auch von Jakob bzw. Jakob und Israel die Rede. So beginnt der Prophet Jesaja das dreiundvierzigste Kapitel mit folgenden Worten: «Aber jetzt, so spricht der Herr, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein ...» Bis Vers 7 folgen dann Verheissungen für die zukünftige Sammlung Israels aus allen Himmelsrichtungen, also nicht nur für die Rückkehr aus dem babylonischen Exil. In Jesaja 10,20 ist bezüglich der zukünftigen Errettung ebenfalls sowohl von Israel als auch vom Haus Jakob die Rede.

In Jeremia 31,35-37 spricht der Herr davon, dass Sein Bund mit Israel als Volk genauso unauflösbar ist wie die Naturordnungen und Grenzen der Naturwissenschaft, die Er den Menschen gesetzt hat. Diese Zusage Gottes wird nochmals in Jeremia 33,25-26 bestätigt, wobei in diesem Abschnitt zuerst vom Samen Jakobs und dann vom Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs die Rede ist.

Hier sollen einige weitere Bibelstellen aus dem Propheten Jesaja, stellvertretend für die anderen Propheten, aufgeführt werden, in denen bezüglich der zukünftigen Verheissungen für Israel die Doppelformulierung Israel und Jakob bzw. Jakob und Israel erwähnt werden: Jesaja 14,1; 27,6; 41,14; 44,2; 48,12; 49,5. Ausserdem gibt es zahlreiche andere Bibelstellen in den Propheten über die Zukunft Israels, in denen nur von Jakob die Rede ist. Stellvertretend wieder einige Stellen aus Jesaja: 29,22; 44,2; 44,5; 59,20; 65,9. Warum ist die Erwähnung von Jakob in diesem Zusammenhang wichtig?

Zum einen steht Jakob oder «Haus Jakob» im Alten Testament immer auch als Bezeichnung für das auserwählte Volk Israel in seinem unerlösten Zustand, so, wie der Stammvater Jakob vor seiner Begegnung mit dem lebendigen Gott am Pniel war. Den neuen Namen Israel bekam er, nachdem seine eigene Kraft im Ringen mit Gott gebrochen worden war (1.Mo 32,23-33). Somit macht die Doppelbezeichung Jakob/ Israel deutlich, was das auserwählte Volk in sich selbst ist und was Gott aus Seinem Volk einmal machen wird. Deshalb ist das Gericht an vielen Stellen in den Propheten nicht nur Israel, sondern ebenso Jakob oder dem «Haus Jakob» angesagt (vgl. Jes 42,24; 43,28; 58,1). Die Doppelbezeichnung Israel/ Jakob steht für den unerlösten Zustand des Volkes Israel und wird so auch in den zukünftigen Verheissungen verwendet, um deutlich zu machen, wie Gott mit Seinem Volk zum Ziel kommt.

Zum anderen wird der Name Jakob im ganzen Neuen Testament an keiner einzigen Stelle auf die Gemeinde Jesu bezogen. Aus diesem Grund ist es unmöglich, dass die Verheissungen für Jakob und Israel auf die Gemeinde übertragen werden. Jakob steht immer in einem Zusammenhang mit dem Volk Israel und niemals mit der Gemeinde!

Der Name Jakob wird im Neuen Testament fünfundzwanzigmal erwähnt. An zweiundzwanzig Stellen geht es dabei um den Erzvater Jakob als Person. Damit bleiben noch drei Stellen übrig, in welchen mit Jakob nicht die Person des Erzvaters gemeint ist. Zweimal finden wir ihn in den Kapiteln Römer 9 bis11, dem grossen Abschnitt über Israel und die Gemeinde, erwähnt. In Römer 9,13 wird er im Zusammenhang mit der Erwählung Israels gebraucht, um die Bedeutung der Erwählung Gottes für Sein Rettungshandeln deutlich zu machen. Paulus zitiert in Römer 11,26 die Verheissung aus Jesaja 59,20, um die zukünftige Errettung Israels zu begründen. Auch hier steht Jakob im Zusammenhang mit dem unerlösten Zustand des Volkes heute, bis zu dem Zeitpunkt, wo der Herr die Gottlosigkeit abwenden wird. In der dritten Stelle, Lukas 1,33, bei der Ankündigung der Geburt Jesu, wird Christus als der Herrscher über das Haus Jakobs bezeichnet. Mit Haus Jakobs ist ebenfalls immer das auserwählte Volk Israel gemeint. Dies wird durch Vers 32 verstärkt, wo von dem Thron seines Vaters David die Rede ist.

Zusammenfassend können wir sagen, dass das Neue Testament nur dreimal den Namen Jakob verwendet, ohne direkt die Person des Erzvaters zu bezeichnen. An diesen Stellen ist jedoch ein unübersehbarer Bezug zum Volk Israel gegeben. Dagegen stehen die unerretteten Menschen im Neuen Testament im Zusammenhang mit Adam (Röm 5,14; 1.Kor 15,22).

Die Bündnis-Theologie übersieht, dass die zukünftigen Verheissungen für Israel in einem untrennbaren Zusammenhang mit Jakob oder dem Haus Jakob stehen. Mit dieser Bezeichnung ist in der Bibel abgesehen vom Erzvater Jakob selbst jedoch ausschliesslich das Volk Israel gemeint und niemals die Gemeinde.

3. Die Bedeutung von Jeremia Kapitel 30 bis 31. Der Prophet Jeremia spricht in Kapitel 31,33-40 vom neuen Bund für Israel, im Gegensatz zum alten Bund. Vertreter der Bündnis- Theologie wenden diesen Bund ausschliesslich auf die Gemeinde Jesu als dem «Israel Gottes» an; sie sehen darin keine Verheissung für das auserwählte Volk Israel als solches. Warum diese Anwendung nicht möglich ist, möchte ich durch einige Gründe, die den ganzen Textzusammenhang von Kapitel 30 bis31 umfassen, deutlich machen.

– In der Prophetie über die zukünftige Errettung Israels und den damit zusammenhängenden neuen Bund wird sechsmal der Begriff «Jakob» verwendet (30,7.10.18; 31,7.11), der neben dem Erzvater ausschliesslich das Volk Israel in der Bibel meint.

– Jeremia 31,7 spricht von der «Bedrängnis Jakobs» vor der Errettung Israels und dem damit verbundenen neuen Bund für Gottes Volk. Hier haben wir einen weiteren Hinweis, wie das noch unerrettete Israel (Jakob) durch die letzte Bedrängnis zur Umkehr und Erneuerung gebracht wird. In Kapitel 30,12-16 redet der Prophet vom sündigen Zustand des noch unerretteten Volkes.

– Diese Kapitel sprechen an mehreren Stellen von «Israel und Juda» oder Juda (30,3.4; 31,24). Auch diese Bezeichnung wird an keiner Stelle des Neuen Testaments auf die Gemeinde angewendet. Sie wird als Name gebraucht oder steht im Zusammenhang mit dem Stamm Juda. Bemerkenswerterweise spricht Jeremia im Zusammenhang mit dem neuen Bund zweimal vom Haus Juda (31,27.31). Zuvor werden bezüglich der zukünftigen Verheissungen das Land und die Städte Judas erwähnt (31,23.24). Somit kann es nur um Israel gehen.

– In Kapitel 31 ist von Ephraim die Rede (31,6.9.18.20). Dieser Name wird in den Propheten oft als ein Synonym für das Nordreich Israels und damit ganz Israel verwendet.

– Sowohl Kapitel 30 als auch 31 sprechen von der Zerstreuung Israels unter die Nationen und seiner Sammlung (31,11; 31,2.8.10).

– Der Name Zion wird an zwei Stellen des Neuen Testaments auch auf das himmlische Jerusalem angewandt (Hebr 12,22; Offb 14,1). In Jeremia 30 und 31 kann er aber nur auf das irdische Jerusalem angewendet werden. Der Prophet spricht von der «ehemals Verstossenen», was nur das irdische Jerusalem bezeichnen kann (30,17), und macht geographische Angaben, die sich wiederum nur auf das irdische Jerusalem beziehen können (31,38- 40). Ausserdem weist Benedikt Peters in seiner Sacharja-Auslegung darauf hin, dass die Erwähnung des himmlische Jerusalems im Neuen Testament immer einen Zusatz enthält, um Verwechslungen auszuschliessen (Gal 4,26: Jerusalem droben; Hebr 12,2: himmlisches Jerusalem; Offb 21,2: neues Jerusalem; Offb 21: die Braut, die Frau des Lammes; Offb 21,10: die Stadt, die «aus dem Himmel von Gott» herabkommt).

– Neben der Erwähnung des Landes wird auch das Gebirge Ephraim genannt (31,6). Ausserdem ist von Tieren und Weinbergen die Rede (31,5.27).

– Jeremia stellt in Kapitel 31,1 den Bezug zum bisher Gesagten her: «Zu jener Zeit ...» In diesem Zusammenhang kommt er dann ab Vers 31 auf den neuen Bund zu sprechen. Im weiteren Verlauf von Vers 1 wird deutlich, dass es nur um das Volk Israel gehen kann: «... werde ich der Gott aller Sippen Israels sein, und sie werden mein Volk sein.» Das Wort für Sippe oder Geschlechter meint die Untergruppierung eines Stammes in den verschiedenen Familien. So hörte Mose die Sippen, jeder am Eingang seines Zeltes, weinen (4.Mo 11,10). Dieser Begriff meint also die Sippen innerhalb der Stämme Israels und ergibt als geistliche Anwendung auf die Gemeinde Jesu überhaupt keinen Sinn.

Der Textzusammenhang und die darin erwähnten Angaben machen deutlich, dass die Verheissung des neuen Bundes in Jeremia 31 nicht von der Zukunft Israels gelöst und auf die Gemeinde übertragen werden kann. Hier unterläuft der Bündnis-Theologie ein biblisch-sachlicher Trugschluss.

4. Das Kommen des Messias im Propheten Sacharja. Der Prophet Sacharja spricht sowohl von dem ersten als auch dem zweiten Kommen Jesu. Im Gesamtzusammenhang des Buches wird deutlich, dass sowohl das erste als auch das zweite Kommen des Messias in einem untrennbaren Zusammenhang mit dem Volk und Land Israel stehen. Alles, was Sacharja über das erste Kommen Jesu vorhergesagt hat, erfüllte sich nicht geistlich, sondern wortwörtlich. Etwas anderes ist die bildhafte Sprache in den Visionen und Gesichten des Propheten. Benedikt Peters zeigt in seiner Sacharja-Auslegung auf, dass selbst die Ausleger die eine Zukunft für Israel ablehnen, in Sacharja Kapitel 1 bis11 Jerusalem fast an allen Stellen mit dem irdischen Jerusalem gleichsetzen. Der Bruch in der Auslegung innerhalb des Buches erfolgt dann, wenn es um die Wiederkunft Jesu geht. Dann beginnt man unbegründet, geographische Angaben zu vergeistigen. Einige Beispiele für die wortwörtliche Erfüllung des Propheten Sacharja über das erste Kommen des Messias:

– Der Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Esel (Sach 9,9).

– Das Verlassenwerden Jesu bei Seiner Gefangennahme durch Seine Jünger (Sach 13,7).

– Jesus wurde für 30 Silberlinge verraten (Sach 11,12).

– Die 30 Silberlinge wurden von Judas in den Tempel geworfen und anschliessend wurde der Töpferacker davon gekauft (Sach 11,13).

– Die Seite Jesu wurde mit dem Speer durchstochen (Sach 12,10).

Sacharja spricht an verschiedenen Stellen in einem engen Textzusammenhang sowohl von dem ersten als auch von dem zweiten Kommen Jesu. Deshalb besteht kein Grund, die Stellen auf das zweite Kommen Jesu anders als wortwörtlich zu deuten.

– Die Völker werden sich in Israel gegen Jerusalem versammeln (Sach 12,1-3).

- Das Haus Davids wird in dem wiederkommenden Christus seinen Herrn und Gott erkennen und eine Geistesausgiessung erleben (Sach 12,10).

– Im Zusammenhang mit der Klage und Busse über den Retter werden die einzelnen Geschlechter Israels angeführt (Sach 12,11-14). Hesekiel führt in seiner Schau vom messianischen Reich die Stämme Israels namentlich auf und macht für die jeweiligen Stammesgebiete exakte geographische Angaben, die nur auf das Land Israel bezogen werden können (Hes 48,22-29).– Der Ölberg spaltet sich bei der Wiederkunft Jesu (Sach 14,4).

– Genaue geographische und namentliche Angaben werden über Israel und auch andere Länder im Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi gemacht (Sach 14,10-11.18). Sacharja spricht wie Hesekiel (Hes 47,8) von der Talebene am Toten Meer, die auch Arava genannt wird.

Im Propheten Sacharja sind die Vorhersagen über das erste und zweite Kommen Jesu so eindeutig und auch an einigen Stellen miteinander verzahnt, dass es nicht möglich ist, verschiedene Auslegungskriterien (wörtlich oder geistlich) anzuwenden, ohne einen Bruch in den Prinzipien des Textverständnisses zu vollziehen. Die wörtlich erfüllte Prophetie über das erste Kommen Jesu im Buch Sacharja lässt keinen anderen Schluss zu als die ebensolche Erfüllung bei Seiner Wiederkunft.

5. Die Bedeutung von Galater 6,16. Wie eingangs erwähnt, wird Galater 6,16 als ein «Paradeargument» der Bündnis-Theologie angeführt: «Und so viele dieser Richtschnur folgen werden, Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes.» Im Zusammenhang des Galaterbriefes wird deutlich, dass Paulus mit dem «Israel Gottes» solche meint, die durch die Gnade Gottes errettet werden. Zugleich muss aber kritisch gefragt werden, ob diese Stelle tatsächlich lehrt, dass Israel nicht mehr Gottes auserwählte Volk ist und keine Verheissung mehr hat. Bei einem näheren Betrachten kann gerade diese Folgerung nicht aus Galater 6,16 gezogen werden. Warum?

Wie soeben angeführt, geht es im Galaterbrief um die Errettung des Menschen durch die Gnade Gottes. Paulus macht deutlich, dass dies nicht aufgrund der äusseren Zugehörigkeit zum auserwählten Volk Israel geschieht, auch nicht, indem ein Mensch sich beschneiden lässt, sondern ausschliesslich durch den Glauben an Jesus Christus. Auf denselben Sachverhalt geht der Apostel in den beiden angeführten Stellen aus dem Römerbrief ein (Röm 2,28-29; 9,6-11). Dort geht es ebenfalls um die Errettung eines Menschen!

Nun darf aber die Frage nach der Errettung eines Menschen nicht mit der Frage nach der Stellung Israels als auserwähltes Volk Gottes vermischt werden. Dieser biblische Sachverhalt wird von der Bündnis-Theologie übersehen. Schon im alten Bund zog die Auserwählung Israels nicht automatisch die Errettung aller Israeliten nach sich. In Römer 9,27-29 und Römer 11 macht Paulus deutlich, dass immer nur der Rest oder Überrest des auserwählten Volkes gerettet wurde. Und der Schreiber des Hebräerbriefes spricht von denen in Gottes Volk, die nicht glaubten und deshalb dem Gericht verfielen (Heb 3,7-4,11). Diese Tatsache ändert aber nichts an der Stellung Israels als Gottes auserwähltes Volk.

Der treue Rest, von dem Paulus spricht (Röm 9,27; 11,5), findet sich heute in den messianischen Juden, die zusammen mit den Gläubigen aus den Nationen zur Gemeinde Jesu gehören. Bei der Wiederkunft Jesu wird jeder Israelit gerettet, der dann noch am Leben ist (vgl. Sach 12,9-14; 13; 14; Röm 11,25-27). Punktuell, im Zusammenhang mit der Wiederkunft Jesu, ist dies dann «ganz Israel» (Röm 11,26): Geschichtlich, über die Jahrtausende gesehen, bildet die letzte lebende Generation zusammen mit dem treuen Rest durch alle Zeiten hindurch den Überrest des Volkes. Somit stimmen beide biblischen Sachverhalte überein: Geschichtlich gesehen wird nur ein Überrest gerettet (Röm 9,27), auf die Situation der Wiederkunft Jesu bezogen, ist es «ganz Israel».

Unabhängig von dem geistlichen Zustand der einzelnen Israeliten zeigt sich an der Stellung der Nationen gegenüber dem Land und Volk Israel immer die Haltung gegenüber dem lebendigen Gott (vgl. Joel 2,18-19; 4,1-6; Mi 4,11- 13; Hab 3,12-13 etc.). Der Unterschied zwischen der unantastbaren Stellung Israels als Gottes auserwähltem Volk und der Errettung der Einzelnen wird im Textzusammenhang von Römer 9 bis 11 deutlich. So spricht Paulus, damals schon zur Zeit des neuen Bundes, nicht etwa in der Vergangenheitsform von den Vorrechten Israels, sondern in der Gegenwartsform (Röm 9,4-5).

Aus diesem Grund müssen wir auch zwischen Israels Stellung als dem auserwählten Volk Gottes und der Errettung der Gläubigen aus Israel differenzieren.

Mit dem «Israel Gottes» (Gal 6,16), dem «Juden mit der Herzensbeschneidung» (Röm 2,18-19) und den «Kindern der Verheissung» (Röm 9,8) hebt Paulus in keiner Weise die Stellung Israels als auserwähltes Volk und die damit verbundenen noch ausstehenden Verheissungen auf, sondern er behandelt die Frage nach der Errettung.

Was die Stelle aus Galater 6,16 betrifft, hat Arnold Fruchtenbaum noch auf einen weiteren Zusammenhang aufmerksam gemacht (s. «Israel und die Gemeinde», Gemeindegründung KFG 1/08, S. 18-21). Eine genaue grammatikalische Untersuchung dieser Stelle legt nahe, dass Paulus sogar von zwei Gruppen Erretteter spricht. Er schreibt: «Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes!»

Die erste Gruppe wären damit die Gläubigen aus den Nationen (über sie), die zweite Gruppe, das «Israel Gottes», der gläubige Überrest innerhalb des Volkes und das errettete Israel bei der Wiederkunft Jesu. Die Bündnis-Theologie macht dagegen aus dieser Aufteilung ein und dasselbe. Dazu zitiert Fruchtenbaum Dr. S. Lewis Johnson:

«Wenn es eine Auslegung gibt, die sich auf ein wackeliges Fundament stützt, ist es die Sichtweise, welche behauptet, Paulus stelle den Begriff ‹das Israel Gottes› mit der Gemeinde der Gläubigen aus den Juden und Nichtjuden gleich. Um dies zu belegen, muss der allgemeine paulinische neutestamentliche und gesamtbiblische Gebrauch des Wortes Israel ignoriert werden. Der grammatikalische und syntaktische Gebrauch der Konjunktion kai (und) wird überdehnt und verdreht – da die seltene und unübliche Bedeutung herangezogen wird, obwohl die gewöhnliche Bedeutung zufriedenstellend ist – nur, weil diese Sicht nicht mit der vorgefassten Position des Exegeten übereinstimmt. Und zu allem Überfluss wird der besondere Kontext des Galaterbriefes und der weitere Kontext der paulinischen Lehre über Gottes Handeln mit Israel und den Nationen (wie insbesondere in Römer 11 herausgestellt) vernachlässigt ... die Lehre, dass die Gemeinde aus Nichtjuden und Juden das Israel Gottes ist, gründet auf einer Illusion. Sie ist ein klassisches Beispiel von voreingenommener Exegese.»

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass der Inhalt des Galaterbriefes (Errettung durch die Gnade) keinerlei Hinweis für die Aufhebung der Erwählung des Landes und Volkes Israels gibt. Dasselbe gilt für die angesprochenen Stellen aus dem Römerbrief. Eine genau Untersuchung von Galater 6,16 legt sogar nahe, dass Paulus hier bewusst einen Unterschied zwischen zwei Gruppen von Glaubenden machte, um jeden Gedanken an eine Ablehnung der Erwählung Israels auszuschliessen. Es gibt sowohl auf dem Hintergrund des Neuen als auch des Alten Testamentes überhaupt keinen Grund, an der bleibenden Auserwählung Israels zu zweifeln. So exakt wie viele Verheissungen und Gerichtsandrohungen für Israel in der Vergangenheit eingetroffen sind, wird sich auch noch alles erfüllen, was an göttlicher Prophetie noch aussteht. Um Seines Namens und Seiner Ehre willen wird Gott nicht ruhen, bis Er mit Israel zu Seinem Ziel gekommen ist (Jes 48,11; Hes 36,22).

Von Johannes Pflaum