Forum Frage 105
Lieber Herr
Ich bin in einer Diskussion mit
einem Atheisten in eine kleine Sackgasse
geraten: Vielleicht können Sie mit da weiterhelfen. Würde
mich freuen!
Es gibt konkret um die Auferstehung in den Evangelien:
1. Nur Matthäus schreibt von einem Erdbeben. Gibt es dafür eine Erklärung?
2. In Johannes verbietet Jesus
der Maria Magdalena ihn zu berühren. In
Matthäus werfen sich die Frauen hin und umklammern die Füsse
unseres Herrn.
Klar Matthäus nennt keine konkreten Namen, sondern bleibt
allgemein. Für
mein Verständnis liegt hier kein Widerspruch vor. Aber vielleicht
ein
plausible Erklärung.
Für eine Antwort danke ich Ihnen im Voraus und wünsche Ihnen Gottes Segen!
R V
Liebe Freunde,
Zu 1. Einen Grund kann ich auch
nicht angeben. Doch ist sicherlich eine
Auslassung in den anderen Evangelien kann Ansatz für einen
Widerspruch
zu finden. Wenn alle Evangelien dasselbe schreiben würden,
brauchte man
keine vier.
Zu 2. Vielleicht hilft auch manchmal
eine andere Übersetzung. Die
Interlineare Übersetzung von Dietzfelbinger übersetzt.
" Nicht (länger)
mich fasse an." Die Neue Genfer Übersetzung läßt
uns wissen." Halte mich
nicht länger fest" oder wörtlich "Fasse mich
nicht länger an". Diese
Lesarten heben nach meinem Verständnis die scheinbaren Widersprüche
völlig auf.
Ein Gruß, mit dem Wunsch
einen Tag mit dem Herrn und den Geschwistern zu
verbringen
Jochen
Lieber Hans-Peter,
einige Gedanken zu den Fragen, die du bekommen hast:
> Es gibt konkret um die Auferstehung
in den
> Evangelien:
>
> 1. Nur Matthäus schreibt von einem Erdbeben.
> Gibt es dafür eine Erklärung?
Wenn Markus, Lukas und Johannes
das Erdbeben nicht erwähnen heißt das
nicht, dass sie nichts davon wussten. Aber dieses Erdbeben gehörte
nicht in den Zusammenhang ihrer Darstellung.
Mt 28,2 "Und siehe, da geschah
ein großes Erdbeben; denn ein Engel des
Herrn kam aus dem Himmel hernieder ..." Aus dem "denn"
geht hervor,
dass das Erdbeben im Zusammenhang mit der Gegenwart des Engels
zu
sehen ist. Matthäus beschreibt den Herrn Jesus oft unter
dem
Blickwinkel des Königs; seine Hoheit und Majestät drückt
sich auch
durch seine machtvollen himmlischen Diener aus. (Ebenfalls nur
in
Matthäus findet man die Worte: "Oder meinst du, daß
ich nicht jetzt
meinen Vater bitten könne, und er mir mehr als zwölf
Legionen Engel
stellen werde?" 26,53). Es ist verständlich, dass diese
"Gewaltigen an
Kraft" (Ps 103,20) in Gefolge mit einem Erdbeben auftreten
können.
Umso größer ist die Macht dessen, der sie aussendet
und dem sie
gehorchen!
> 2. In Johannes verbietet
Jesus der Maria Magdalena
> ihn zu berühren. In Matthäus werfen sich die Frauen
> hin und umklammern die Füsse unseres Herrn.
(...)
Dieser Gegensatz ist schon mehrfach
in Auslegungen unter die Lupe
genommen worden. Ich zitiere (etwas gekürzt) aus einer
Fragenbeantwortung aus "Ermunterung und Ermahnung",
Band 41 (1987),
S. 343 - 345:
Frage: In Johannes 20 sagt der
auferstandene Herr Jesus zu Maria
Magdalene: "Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht
aufgefahren
zu meinem Vater" (Vers 17). Den Frauen in Matthäus 28
jedoch gestattet
Er, Seine Füsse zu umfassen. (...)
Antwort: (...) Die Unterschiede
im Verhalten des Herrn liegen
vielmehr in der unterschiedlichen Stellung begründet, die
der
auferstandene Herr bei den verschiedenen Gelegenheiten einnimmt.
Am
Ende des Matthäus-Evangeliums ist der Herr Jesus inmitten
des
jüdischen Überrestes damaliger Tage, inmitten jener
Armen der Herde,
und Er erneuert Seine Beziehungen zu diesem Überrest auf
dem Boden
der Auferstehung. Er offenbart noch nicht Seine Herrlichkeit als
König
in der Unterwerfung der Nationen, aber Er verbindet Sich mit dem
Überrest aus Israel, mit Seinen Jüngern, und nimmt deren
Huldigung
entgegen.
(...) Das führt uns zu der
Begebenheit mit Maria Magdalene. Sie
glaubte, daß sie Den, den sie liebte, nun wieder-gefunden
habe, und so
meinte sie, daß Er in dem Charakter des auferstandenen Messias
jetzt
auf der Erde bleiben würde. Aber das war nicht möglich.
Hier war Er
noch, was die Juden und Jerusalem anging, der Verworfene. Seine
körperliche Anwesenheit war jetzt nicht die Hoffnung der
Seinen.
Deswegen sagt Er: "Rühre mich nicht an" und lenkt
die Blicke derer,
die Er Seine "Brüder" nennt, auf die himmlischen
Beziehungen, die Er
innehat und in die Er auch sie bringen würde. Er selbst würde
zu
Seinem Vater gehen und ihnen dort eine Stätte bereiten, und
Sein Vater
würde ihr Vater, Sein Gott ihr Gott sein. Glückseliges
Teil, das uns
schon jetzt durch den Glauben geschenkt ist! Es ist in der Tat
besser, als erst zu sehen und dann zu glauben.
Ähnliche Hinweise findet man auch in folgenden Büchern:
Emil Dönges: Biblische Fragen
und Antworten, Dillenburg ohne Jahr, S.
103 f.
Biblische Fragen, beantwortet
von Franz Kaupp, Neustadt o. J., S. 231
f.
400 Questions and Answers ...
compiled from "Help and Food" by H. B.
Coder, New York 1928, S. 309 f.
Herzliche Grüße
Martin Arhelger