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Frage 1096        Siehe auch 1088

Eine mögliche Antwort zu tiefgründigen Fragen nach der Entrückung
 
>> Deshalb will ich die Frage, ob in den Evangelien die Entrückung erwähnt wird, nicht weiter erörtern (Fritz Wolf aus https:///WolfFritz/zuentr.htm).
 
Die Frage nach der Entrückung kann aber schlüssig beantwortet werden: sie wird in den Evangelien nicht behandelt. Paulus sagt den Heiligen in Korinth explizit: "Siehe, ich sage euch ein Geheimnis ..." (1.Kor. 15, 51)
 
Damit wird klar, dass "das Geheimnis der Entrückung" noch nicht allen bekannt war. Ansonsten wäre es kein Geheimnis. Allein in den Paulus-Briefen wird - die Gemeinde betreffend - davon berichtet. Johannes erwähnt in der Offenbarung zwar auch Entrückungen; doch diese betreffen die Heiligen aus Israel (nämlich die zwei Zeugen und die 144'000).
 
Die Entrückung der "Erstlings-Gemeinde" (mein Terminus, um diese von Israel zu unterscheiden) findet jedoch vor der "grossen Drangsal" statt, aber nicht unbedingt vor der "letzten Jahrwoche" (die 70. Jahrwoche Daniels, an deren Ende der Messias dem Überrest aus Israel zum sichtbaren Retter wird). Es weist sogar etliches darauf hin, dass die Entrückung des Leibes Christi inmitten der Jahrwoche stattfindet; denn Paulus sagt in dem zu diesem Thema besonders wichtigen zweiten Brief an die Thessalonicher: "Wir bitten euch aber, ihr Brüder, wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm ..." (2. Thess. 2, 1 und folgende Verse)
 
Die Vereinigung mit Ihm fällt zweifellos mit der Entrückung der Erstlings-Gemeinde zusammen, wie auch schon aus dem ersten Thessalonicherbrief hervorgeht (1. Thess. 4, 13-18).
 
Dann sagt der Apostel, dass zuvor erst der Abfall kommen und der "Mensch der Sünde" geoffenbart werden muss, der sich in den Tempel Gottes setzt (welchen Tempel?) und sich selbst als Gott ausgibt.
 
Aus dem Kontext ergeben sich für mich daraus folgende Thesen:
 
1. Die 70. Jahrwoche Daniels muss in zwei Hälften unterteilt werden. Solches geht auch aus der Offenbarung selbst hervor (drei Zeiten und eine halbe Zeit bzw. 1260 Tage, wenn das prophetische Jahr zu 360 Tagen gezählt wird).
 
2. In der ersten Hälfte errichtet der Antichrist (das Tier aus Off. 13) sein Finsternisreich, nicht ohne die Unterstützung eines zweiten Tieres aus dem Land zu erfahren (Land = Erez Israel?). 
 
3. Nachdem sein Blendwerk Erfolg hat mittels satanischer, nie dagewesener Kräfte, wirft es seine Tarnung als Weltfriedensbringer ab und enthüllt sich in der zweiten Hälfte als tödlicher Verfolger derer, die "das Zeugnis Jesu" haben. Weil diese (auch als "unzählbare Schar" bezeichnet) erst bei der sichtbaren Erscheinung Christi Jesu zum Leben auferstehen (= erste Auferstehung), können sie unmöglich identisch mit der bereits entrückten Erstlings-Gemeinde sein. Sie bilden als "Märtyrer-Gemeinde" eine besondere Gemeinschaft und ihr Dienst wird im Millenium im Tempel Gottes sein (Off. 7, 15).
 
4. Fazit: Die Erstlings-Gemeinde erlebt zwar die globale Verführung der Menschheit in der ersten Hälfte der letzten Jahrwoche, wird aber vor dem Einsetzen der Verfolgung und Tötung der Heiligen zu Beginn der zweiten Hälfte ihrem Haupt in die Luft entgegengerückt, um so bei dem Herrn zu sein allezeit. Die Zornschalengerichte (Off. 16) sind in die zweite Hälfte der Jahrwoche zu verlegen und leiten aus prophetischer Sicht den "Tag des Herrn" ein. Doch gerade vor "dem zukünftigen Zorn" (2. Thess. 1, 10) werden wir, "die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben" (Röm. 8, 23), durch die rettende Herabkunft des HERRN geborgen.
 
5. Ist die Leibes-Gemeinde erst einmal entrückt, ist auch der, welcher aufhält nicht länger auf Erden anwesend. Denn WER hielt auf?: Im Prinzip allein der anwesende Leib des Christus infolge seines innewohnenden Gottesgeistes. Ist aber der Leib nicht länger anwesend, vermag sich das Böse ungehemmt auszubreiten, um alle zu verfolgen und zu töten, die das Malzeichen des Tieres nicht annehmen. Diese Heiligen, die sich in der grossen Trübsal als Zeugen Jesu bewähren, (darunter Bekenner?), sind folglich von der Erstlings-Gemeinde klar zu unterscheiden. Sie werden zwar auch der ersten Auferstehung teilhaftig (zu diesem Zeitpunkt sind aber die entrückten Heiligen bereits verherrlicht, Röm. 8, 17).
 
Zusammenfassung:
 
- Tag und Stunde der Entrückung kennt niemand
- die Versammlung der Wiedergeborenen erlebt die erste Hälfte der 70. Jahrwoche
- zu Beginn der zweiten Hälfte erfolgt die Entrückung aller, die den Geist haben
- die grosse Drangsal ist eine "verkürzte Zeit" und liegt in der zweiten Hälfte (= 3 1/2 Jahre)
- die Zornschalengerichte finden in der zweiten Hälfte statt
- die Martyrergemeinde (unzählbare Schar) geht durch Tod und Auferstehung ins Millenium ein
- am Ende der 70. Jahrwoche erfolgt die sichtbare Wiederkunft Jesu
- der Überrest aus Israel wird gerettet
- die kommende Weltzeit bricht an
 
IN IHM
Henri P.