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    Frage 1099

Wer genau sind die Ältesten in Offenbarung 4+5?

Sind das
a) die entrückten Gläubigen der Gandenzeit-
b) die verklärten Heiligen des AT und der Gandenzeit zusammen? oder noch etwas ganz anderes?
c) wo  sind im 1000JR die AT-  Gläubigen? Im irdischen Jerusalem oder auch im himmlischen Jerusalem, oder einfach auf der Erde.

Antipas7


Die 24 Ältesten - Irdische oder Himmlische ?

Folgende Thesen sind möglich:

a. sie sind Vertreter der alttestamentlichen Heiligen

b. sie sind Vertreter der neutestamentlichen Heiligen

c. sie sind Vertreter Vertreter alt- und neutestamentlicher Heiligen (12 + 12 = 24 Repräsentanten)

d. sie sind keine Menschen

e. sie sind Repräsentanten eines himmlischen Rates

a. Unter obigen Punkten sind aber nicht alle wahrscheinlich. Denn die alttestamentlichen Heiligen (darunter auch Noah, Hiob oder Lot werden in die "Reichslinie Israels" eingeordnet. Mitunter haben sie Anteil an der (ersten) Auferstehung - wie es auch Daniel verheissen wurde (Dan. 12, 13) -, welche eine Auferstehung zum Leben ist. Weil aber die Völker in der kommenden Weltzeit unter der Herrschaft Israels stehen und Israel durch die zwölf Apostel des Lammes repräsentiert wird (Matth. 19, 28), scheidet Punkt a. aus.

b. Unter den neutestamentlichen Heiligen müssen wir unterscheiden zwischen denen, die noch zur Reichslinie gehören (die von Jakobus) und denen, die zur Körperschaft Christi gehören (in Ihm auserwählt vor Grundlegung der Welt). Erstere, als noch dem "Evangelium der Beschneidung" zugehörig, werden wiederum dem Königreich Israels zugeordnet. Letztere aber bilden zusammen mit allen Gliedern eine erst durch Paulus offenbar gemachte  Körperschaft, in der weder Jude noch Nichtjude etwas ist, sondern allein Christus in uns. Dieses sehr tiefe Geheimnis wird in den Briefen an die Epheser und Kolosser deutlich gemacht. Nirgends sonst - bei keinem der Zwölfe - finden wir diese herrliche Wahrheit ausgebreitet. Dieses (in vorigen Haushaltungen verborgen gewesene) Geheimnis aber benötigt keine Repräsentanten, bildet doch der zum Vollmass des Wuchses der Fülle Christi (Eph. 4, 13) vollendete Leib mit seinem über alle Massen verherrlichten Haupt (Phil. 2, 9) eine unlösbare Einheit gemäss dem Wort: Und alles hat er seinen Füssen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt. (Eph. 1, 22 - 23) Folglich scheidet auch Punkt b. aus.

{Erklärung: Nach Pfingsten erfolgte aufgrund der mehrheitlich ablehnenden Haltung des jüdischen Volkes gegenüber der Heilsbotschaft eine Haushaltung des Überganges. Paulus verkündet das Evangelium zunächst zuerst den Juden als auch den Griechen. Am Ende der durch die Apostelgeschichte bezeugten Heilsära wendet sich Gott vornehmlich den Nationen zu. Damit beginnt Israels jahrtausendelange Beiseitestellung, die ein Luther tragischerweise nicht erkannt hat (denn sie bleiben Söhne der Verheissung, Röm. 11). Erst in dieser völlig neuen Ökonomie der Haushalterschaft der Gnade Gottes (Eph. 3) schreibt Paulus - in Banden nun - die beiden tiefsten seiner Briefe, Epheser und Kolosser. Es ist anzufügen, dass sich die Offenbarung primär nicht mit der Leibesgemeinde, sondern mit Israels Wiederherstellung am Ende der Tage und seinen zukünftigen Aufgaben als königlich-priesterliches Volk befasst.}

c. Denkbar wäre an sich höchstens noch ein Rat alt- und neutestamentlicher Heiligen zusammen; doch stellt sich spätestens hier die Frage, weshalb denn Johannes diese Ältesten mit "mein Herr" anspricht, wenn er doch selbst zu ihnen gehört. Das ergibt so recht keinen Sinn. Auch weiss der Seher von Patmos nicht, wer diese Schar, die niemand zählen konnte überhaupt ist (und eine rhetorische Frage schliesse ich zum vornherein aus); aber der Ältesten einer sagt es ihm. Wenn aber der ÄLTESTE (2. u. 3. Joh. Vers 1) nicht wusste, wer diese sind, wissen es auch die übrigen Apostel nicht (Paulus immer ausgenommen; denn Paulus gehört nicht zu den Zwölfen und empfing sein Evangelium durch Offenbarungen des erhöhten Christus!). Deshalb scheidet nach meinem bescheidenen Dafürhalten auch Punkt c. aus. Es sei denn, man wolle an einer Tradition festhalten.

d./e. Übrig bleiben noch die letzten Punkte. Das heisst, die vierundzwanzig Ältesten sind keine Menschen, (auch nicht einfach Boten), sondern schöpfungsmässig gesehen uralte und vornehmste Repräsentanten des Höchsten, deshalb ÄLTESTE genannt, die mit der Schöpfung und ihrem Werdegang in Raum und Zeit sowie dem Geschick der Menschheit (das ist mit dem Kosmos) eng verbunden sind. Sie bilden einen "himmlischen Rat heiliger Wächter". Sie besitzen eine hohe Würde (goldene Siegeskränze) und sitzen auf Thronen, während die Myriaden von Engeln mitsamt ihrer Fürsten vor dem Thron Gottes s t e h e n. Zusammen mit den vier Tieren (Lebewesen) fallen sie vor dem, der auf dem Thron sitzt und vor dem Lamm wie geschlachtet nieder und beten an. Als Vertreter eines himmlischen Priestertums haben sie goldene Schalen voller Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. (Die Zahl 24 erinnert dabei auffallend an die 24 levitischen Priesterabteilungen aus 1. Chron. 24. Und sind nicht die irdischen Dinge ein Schatten der Himmlischen, so wie auch das "Heiligtum Gottes" in seinem Aufbau einem himmlischen Original nachgebildet wurde?)

Ich weiss durchaus, dass sich letztendlich nicht schlüssig sagen lässt, wer die vierundzwanzig Ältesten wirklich sind. Sie selbst geben uns keine Antwort darauf. Ebenso müssten in diesem Kontext auch die vier Tiere (sind es Cherubime, sind es Seraphime oder noch mächtigere Wesen?) und die sieben Geister Gottes näher betrachtet werden; denn zusammen mit den vierundzwanzig Ältesten gehören sie unmittelbar zum Thron Gottes und zur Majestät dessen, der auf dem Throne sitzt. Aber vorerst will ich es hiermit bewenden lassen, um im Geist dem Ruf dieser erhabenen Mächte zu lauschen:

Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt ... Und zu dem Lamm: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast {uns} durch dein Blut für Gott erkauft aus jedem Stamm und  jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation und hast sie unserem Gott zu Königen und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!

Angesichts dieser ehrfurchtgebietenden Szene ist es um so erstaunlicher, dass es einen Vorsatz der Ewigkeiten gibt, den Gott in Christus Jesus gefasst hat uns betreffend, damit jetzt den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen [Regionen] durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes bekanntgemacht werde. (Eph. 3, 9 - 10) Nicht durch das himmlische Heer mitsamt seiner Fürsten und Oberen, sondern durch uns - die wir nichts sind - soll den Glänzenden und Mächtigen in den Himmelswelten Gottes Weisheit kundgetan werden. Darob vermögen wir nur  staunend anzubeten, steht unser Geist vor Ehrfurcht still; denn wenn schon die "Starken und die Morgensterne" von solcher Kraft und Erhabenheit sind (man beachte die Erscheinungen Himmlischer in Daniel, Hesekiel und der Offenbarung), wievielmehr werden wir - die wir Seinen Leib bilden - in Herrlichkeit dargestellt werden zum Lobpreis dessen, der auf dem Throne sitzt! In nie endender Gottseligkeit wird an uns, die wir aus der Tiefe kommen, Gottes unergründliche Weisheit verkündet. Nicht aufgrund von Werken, die wir getan hätten, sondern allein auf der Grundlage des Blutes Seines Kreuzes, als Frucht Seiner Schmach und unbeschreiblichen Erniedrigung. So wollen wir denn teilnehmen an der Gemeinschaft Seiner Leiden, damit wir auch würdig befunden werden, mit IHM königlich zu herrschen.

In IHM, der uns liebt
Henri P.