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Frage 1120   28,09,03

Aus der Perspektive /cv (Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg)  10/2003 S. 16:

Im Schaubild steht: "Wen Gott zum ewigen Leben erwählt, den beruft er auch zum Dienst."

Frage: wo steht im Worte Gottes, dass er jemand zum ewigen Leben erwählt hat?


28,09,03

Hinweise aus dem Wort und dem Leben
 
>> wo steht im Worte Gottes, dass er jemand zum ewigen Leben erwählt hat?
 
"In IHM auserwählt vor Grundlegung der Welt" (Eph.1, 3 ff.) Damit ist eine "Vorherbestimmung zur Sohnschaft" verbunden. Sohnschaft beinhaltet naturgemäss "ewiges Leben"; aber hier noch viel mehr: nämlich dem Bilde Seines Sohnes gleichgestaltet zu werden. Das ist über die Massen mehr, als Israel in der kommenden Weltzeit (zunächst) erhält. Die Sohnschaft beinhaltet auch Aufgaben, die keinen anderen Organen übertragen werden (1. Kor.6, 2 - 3). Wer aber dereinst richtet, muss zuerst Barmherzigkeit erlernen! Nicht alle, die gerettet werden, eignen sich zu diesem Dienst. Hier gilt sinngemäss: "Es sind Letzte, die werden Erste sein; und es sind Erste, die werden Letzte sein." (Luk. 13, 30) Gerade in der Gemeinde werden etliche "Rechthaber und Besserwisser" (3. Johannes V. 9) Letzte sein. Stille, Gedemütigte und Erduldende (die in der FEG Wettingen nicht in der ersten Reihe bei Gordon Schulz sassen) aber Erste. Die Nicht-Stillen unter den (immer noch) Gerechten (Lot war auch gerecht!) haben wir vor Jahren bereits kennengelernt: bspw. in der Person eines Eisenhut (Saland), der mit "erschrecklichem Ruf" die Dämonen austrieb (vermutlich trieb er aber mehr ein als aus!). Oder in der Figur eines Arn, Sasek, Koller, deren Wort eisernes Gebot sind. Vielleicht gehört sogar der vielgepriesene Charles Haddon Spurgeon zu den Schreiern, die Letzte sein werden (persönlich neige ich nicht zu dieser Ansicht). Das Lästermaul Dr. Martin Luther mit an hoher Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit (davon habe ich mich inzwischen überzeugen lassen).
 
Es gibt auch eine Bestimmung zum ewigen Leben (Apg. 13, 48)! Es glaubten, so viele zum ewigen Leben verordnet waren. Solches aufgrund der Verkündigung des Paulus; denn der Glaube kommt aus der Verkündigung (Röm. 10, 17). Aber es gibt keine Bestimmung zur ewigen Verdammnis. Wer verloren geht, geht verloren, weil er in seinem Herzen das Unvergängliche n i c h t suchte (Röm. 2, 5 - 10) -- und deshalb auch nicht fand! Sich selbst aufgrund seines unbussfertigen Herzens Zorn anhäufend für den Tag des gerechten Gerichtes Gottes.
 
Ein Beispiel: Du siehst an den Sternenhimmel und denkst dir nichts dabei. Du erfreust dich zwar an der Natur (der Wald ist deine Kathedrale); aber den allein wahrhaften GOTT suchst du nicht. Weshalb auch; denn es genügt dir vollends, im schönen Chor zu singen mit deinem Bariton oder Sopran. Dein Leben beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod; danach ist alles aus und vorbei. Lasset uns essen und trinken (besonders jetzt, wo es Wild und guten Wein zum Genusse gibt!), denn morgen sind wir ja tot. So denken viele Menschen. Sie haben nicht einmal vor dem eigenen Leben Respekt (sonst würden sie nicht ihre Kinder abtreiben und ihre Alten mit Kaliumchlorid ins Jenseits befördern). Denn mit dem Tod ist bei ihnen - wie gesagt - alles aus. Das ergibt ein schreckliches Erwachen vor dem grossen, weissen Thron!
 
Ein anderer aber sieht ans Firmament hinauf und betet staunend an: Zunächst den unsichtbaren Gott, der dies alles erschuf. Beim Anblick der Myriaden funkelnder Sterne weiss er einfach, dass es einen GOTT geben muss! Dann wird er unruhig in seinem Innern und fängt an zu suchen. Das kann über Jahre gehen, lieber Freund! Durch Gottes Gnade hört er zur "angenehmen Zeit des Heils" (die der VATER in seiner alleinigen Souveränität bestimmt) das Evangelium von der Erlösung in Jesus, dem Gekreuzigten, allein. Es kann ein Heilslied sein, das sein Herz erreicht, ein Gotteswort in einer Zeltevangelisation, ein bestimmtes Erlebnis oder etwas völlig Unspektakuläres. Irgendwo geschieht dies. Zu einer Stunde, die er nicht kannte. Der VATER zieht ihn zum SOHN und der SOHN stösst ihn nicht weg. Und so darf dieser Mensch die Vergebung seiner Sünden glaubend ergreifen. Erlöst in des Lammes Blut! Von dieser Stund an zieht ihn der SOHN zum VATER, ins Vaterhaus hinauf, droben im LICHT.
 
So sehen wir, dass die Gnade Gottes gemeinsam mit dem Herzen des Menschen zusammenwirkt. Das Herz ist das Zentralorgan und dort werden die letztendlichen Entscheidungen und Willenbeschlüsse gefasst. Und die einen (die zum ewigen Leben bestimmt sind) nehmen das Wort an, und die andern spotten darüber und gehen hinweg, die angebotene Rettung nicht ergreifend. Aber immer ist es der treibende Geist der Gnade, der mich zur Umkehr bewegt. Als ich vor vielen Jahren von einem Mitmenschen gefragt wurde, "meinst du den Weg mit Gott?", wusste ich unmittelbar: jetzt muss ich mich entscheiden -- für oder gegen Jesus. Eine dritte Möglichkeit gab es nicht mehr. Und ich preise den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, dass ich mich für IHN entschied, nach schwerem Kampf. Doch dies war nicht mein Werk. Wunder der Gnade Gottes! ER allein bewirkte es, das Wollen und das Vollbringen (Röm. 9, 16)! Durch Glauben erkennen wir das.
In IHM, Henri P.
 Lieber Henri
ich danke Dir für Deine Antwort. Da betreffend Apg 13.48 noch ein Link.
IN IHM
Hans Peter
29,09,03

Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken (Jes. 55, 8 - 9)

Wir Menschen sind es gewohnt, die Zeit als lineare Abfolge von Ereignissen zu empfinden gemäss dem Wechsel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Solches ist zweckmässig und für die täglichen Gegebenheiten praktisch unumgänglich. Ein Bauer bspw., der an einem Vormittag alles zusammen tun will (das er zu tun hätte), kommt unweigerlich in Schwierigkeiten. Also muss er die Dinge in einer bestimmten Reihenfolge tun, nach gewissen Prioritäten geordnet. Dazu ist die Zeit da. Dazu brauchst du eine Uhr, die stets sagt: Nutze die Zeit.

Bei Gott aber ist es nicht gleich. "ICH BIN DAS ALPHA UND DAS OMEGA, DER ANFANG UND DAS ENDE, DER ERSTE UND DER LETZTE. (Off. 22, 13). Bevor die Himmel mit ihrem Heer und die Erde mit ihren Bewohnern wurden, bereits davor (als es Zeit noch nicht gab), war dem allein weisen Gott bekannt, was einmal geschehen wird. Licht und Finsternis, Leben und Tod, Gefässe des Zorns und Gefässe der Barmherzigkeit. Und Er hat zuvor das alles-sühnende Opferlamm bereitet. Im Geiste Gottes war es bereits existent.

"Er war zuvor ersehen, vor Grundlegung der Welt, , aber wurde geoffenbart in den letzten Zeiten um euretwillen, die ihr durch Ihn an Gott glaubt ..." (1. Petr. 1, 20 - 21)

Und in Off. 13, 8: "... des Lammes, das geschlachtet worden ist, von Grundlegung der Welt an."

Zuvor ersehen v o r der Grundlegung des Kosmos, aber geschlachtet v o n der Grundlegung des Kosmos an. Und gekreuzigt am Ende der (bisherigen) Weltzeiten (1. Kor. 10, 11).

Exkurs:
Von dieser Perspektive aus können wir die Zeit auch als eine Fläche betrachten, deren einzelne Punkte das Zeitgeschehen bilden. Es mag gut sein, dass viele derartige Zeitflächen zu einem Körper zusammenwachsen, dessen einzelne Raum-Zeit-Punkte alle Ereignisse zwischen Schöpfung und Vollendung darstellen. Mit andern Worten: bevor überhaupt etwas  wurde, sah GOTT bereits das Ganze vor sich. ER sah auch, welche es sind, die das Wort von der Versöhnung dereinst annehmen, welche also Seinem Wort glauben. Aus dieser Perspektive (die noch immer ein menschliches Modell zum Verständnis der Vorherbestimmung darstellt), entfällt die für uns Menschen gegebene Reihenfolge von früher - heute - später. Alle Ereignisse (auch meine nichtlineare Entwicklung Zeit meines Erdenlebens) sind nun durch eine komplexe Logik determiniert, deren Algorithmus jedes Verstehen übersteigt: denn Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Die sog. Willensfreiheit des Geschöpfes wird nicht aufgehoben, aber sie ist eingeschränkt. Deshalb muss uns der VATER zum SOHN ziehen; sonst kämen wir nie bei Ihm an! Aber lassen sich auch alle ziehen?

Adäquat - die Vorauserkenntnis Gottes betreffend - wird es in der Zeit der grossen Drangsal sein. Wenn die Masse der Menschheit sich im Abfall befindet, wird es dennoch "eine Schar, die niemand zählen konnte" geben. Gebildet aus allen, die "das Zeugnis Jesu" haben. Solche, die nach der Hinwegnahme der Leibes-Gemeinde ihre Seele nicht lieben bis in den Tod und Anteil an der ersten Auferstehung erlangen. Deshalb bezeugt uns der Geist inmitten der Zeiten über die anderen, "die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können" (2. Thess. 2, 10): "Und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an ..." (Off. 17, 8)

Damit wird bekräftigt, dass es solche gibt, deren Namen nicht im Buche des Lebens stehen (und demzufolge beim Gerichtstage auch nicht darin gefunden werden, Off.  20, 11 ff.) Im Unterschiede zu andern, deren Namen eingeschrieben sind (Luk. 10, 20; Phil. 4, 3). Es bleibt ein tiefes Geheimnis über dem Gesagten. So wie der lebendige Gott inmitten der Haushalterschaft des Gesetzes zu Mose sagt: "... und Ich werde begnadigen, wen ich begnadigen werde, und werde Mich erbarmen, wessen Ich Mich erbarmen werde." (2. Mose 33, 19) So vergibt Gott dem David, welcher nach dem Gesetz ein Mann des Todes, aber im Hinblick auf die Gnade "ein Gefäss der Barmherzigkeit" wurde. 

Damit ist es widerspruchsfrei möglich, zu sagen, dass ihrer etliche zum ewigen Leben verordnet sind. Nämlich die, welche glaubten. Für die andern, die achtlos weggingen, bestand zumindest die Möglichkeit, zu glauben; denn sie hörten das Wort der Wahrheit auch. Aber es nutzte ihnen nichts, weil es nicht mit dem Glauben vermengt war. Oder wie es der Verfasser des Hebräerbriefs trefflich ausdrückt: "Und wir sehen, dass sie nicht eingehen konnten wegen des Unglaubens." (Hebr. 3, 19) Diesen Unglauben aber haben sie durch fortschreitende Herzensverhärtung selbst vermehrt. Ich kenne einen Mann, der sagte stets: wenn es ein Jenseits gibt, dann muss meine Frau (die selig in dem Herrn verstarb) mich ja einmal besuchen kommen. Aber nichts dergleichen geschah in den vielen Jahren danach. Und heute glaubt dieser Mensch gar nichts mehr, ausser, dass ein Aigle ein guter Weisswein ist. Wie tragisch ist das doch; denn er hatte viele Gelegenheiten zur Umkehr. Und er hat keine einzige wirklich genutzt. Jetzt - nicht mehr weit vom endgültigen Verlassen dieser Welt entfernt - kann er nicht mehr glauben. Und er fand keinen Raum zur Busse! (Hebr. 12, 17) Ein ernstes Wort.

Ich bin froh, mit Sicherheit bekennen zu dürfen, nie ein Befürworter oder Anhänger der doppelten Prädestination gewesen zu sein. Keiner ist zur Hölle vorherbestimmt. Keiner. Der Ruf zum Leben ergeht an A L L E.

"Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen da dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst! (Off. 22, 17).

In IHM, Henri P.
 


Lieber HaPe,    30,09,03

vielen Dank für den Link   https://www.betanien.de/Material/erbauliches_Artikel/erwaehlung.htm  zum Artikel von BePe ! Das ist der von mir erwähnte Artikel, der auch in "Bibel und Gemeinde" erschienen ist. Ich habe gerade gestern einen Artikel von BePe in dem 1989 erschienenen Buch vom Schwengeler Verlag - Fragen zur Bibel - gelesen, wo er genau das Gegenteil von dem jetzigen Artikel vorträgt, nämlich dass genau die Auserwählungslehre, die er jetzt selbst vorlegt, falsch ist.
Leider wird in dem Artikel Luther als großer Reformator bezeichnet (Calvin hat er ja an anderer Stelle als großen Lehrer bezeichnet). Leider bezieht er die Erwählung auf die Wiedergeburt - eine biblische Begründung dafür bleibt er dabei schuldig. Zudem hat Arminius nicht gelehrt, dass man das Heil wieder verlieren kann. Dass die deutschen Gemeinden vor dem Streit um den Calvinismus verschont bleiben sollen, kann ich bei dieser falschen Lehre nicht begrüßen, vielmehr sollte man für die Wahrheit von Gottes Wort streiten, in dem geschrieben steht, dass Gott will, dass jeder gerettet werden soll und das Heil nicht nur für eine vorsortierte Gruppe zugänglich ist. Auf die Bibelstellen im Johannesevangelium habe ich mich ja schon einmal ausführlich bezogen, ich sehe hier keine vorweltliche Besitzübergabe von Auserwählten an den Sohn, sondern ein in der Zeit Jesu stattfindendes Kommen von jüdischen Gläubigen zu Jesus als dem im AT verheißenen Messias. Diese waren bereits vor dem Auftreten des Herrn an den Gott gläubig, der sich im AT mitteilt und kommen nun aufgrund ihres Glaubensgehorsam zum Sohn Gottes. Ich habe an diesen Stellen jedoch keinen Bezug zur Zeit vor Erschaffung der Welt gelesen, der von Calvinisten hier postuliert wird. Jak 2,5 ("Hat nicht Gott diejenigen erwählt, die in den Augen der Welt arm sind, daß sie reich im/durch Glauben und Erben des Reiches würden, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?") bezieht sich m.E. auch in keiner Weise darauf, dass manche Ungläubigen zum Gläubigwerden auserwählt und der Rest übergangen wird. Diese Stelle behandelt vielmehr den Gegensatz von Armut in den Augen der Welt und Reichtum durch Glauben ("im" und "durch" sind das selbe griech. Wort). Ich bin der festen Meinung, dass es eine Tragödie ist, dass Benedikt seine bisherige Lehre zur Erwählung verlassen hat und sich dem Lager der Nachfolger Calvins angeschlossen hat.

Viele Grüße

Peter

P.S. Der Satz von Henri P. ("Damit ist es widerspruchsfrei möglich, zu sagen, dass ihrer etliche zum ewigen Leben verordnet sind. Nämlich die, welche glaubten") hat mir sehr gut gefallen.