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Frage 1173


Hallo Hanspeter,

Gehts gut? Alles auf dem Weg?

Ich hätte einmal eine Frage: Wie erklärst du einer gläubigen Frau, welche vergewaltigt worden ist, und auch noch Jahre danach darunter leidet, diese Tat? Ich meine, es heisst, alles dient dem Menschen zum Guten; aber hat auch ein solch schreckliches Erlebnis für eine Frau positives?? Wie würdest du ihr erklären, weshalb Gott dies zuliess?

Hast du ev. Bibelstellen oder/und sonst eine persönliche Erklärung dafür?

Danke für deine Antwort.

Gruss, J-----e


Lieber  J.

Es ist einfach vom Hunger zu reden wenn man satt ist bzw. vom Leid, wenn man selbst nicht vom Leid direkt betroffen ist. Deshalb will ich mir nicht anmaßen zu schreiben: "Sage Ihr ... dann wird alles wieder gut". Bei solchen Erlebnissen fällt mir die Frage des Epikur ein: Warum gibt es Leid, wenn es einen allmächtigen Gott geben soll ?

- Entweder Gott kann das Leid verhindern, will aber nicht: Dann ist Gott grausam

- Oder Gott will das Leid verhindern, kann aber nicht: Dann ist Gott nicht allmächtig

Einem Menschen, mag er noch so tief gläubig sein, kann mit solchen Gedanken konfrontiert werden. Nur: Gott denkt und handelt nicht auf unserer menschlichen Ebene. Seine Gedanken sind höher als unsere Gedanken und seine Wege sind höher als unsere Wege (Jes. 55). Deshalb erscheint uns Gottes Handeln insbesondere im Bezug auf Leid manchmal so unlogisch, besonders dann, wenn wir nicht theoretisch darüber debattieren, sondern es selbst direkt oder indirekt erleben.

Ich kenne keine einfachen Antworten auf das Leid. Einfache Antworten haben Atheisten, die sagen, dass es Zufall ist. Aber diese einfachen Antworten trösten niemanden. Was hilft es, wenn ich eine Krankheit habe, die so selten ist, dass nur eine Handvoll Menschen sie haben ? Ich leide genauso oder gar schlimmer als wenn ich eine 0815-Krankheit habe. Ich kann einfach nur Gott vertrauen, der den Anfang und das Ende meines Weges, Ihres Weges sowie das Ihrer Freundin kennt. Sünde ist die Haupt-Ursache von Leid: Wir leiden, weil wir sündigen, aber auch weil wir Leidtragende sind, weil andere sündigen. Gott fährt nicht immer dazwischen, wenn jemand sündigt, auch nicht dann, wenn jemand dadurch unschuldig zu Schaden kommt. Auch leiden Menschen wegen

Natur- oder sonstige Katastrophen.

Meine persönliche Schlussfolgerung ist, dass wir uns immer wieder die Größe Gottes bewusst machen. Er ist der allmächtige, allwissende, heilige, aber auch liebende, gnädige und barmherzige Gott. Seine Weisheit geht weit über unsere Weisheit hinaus, wir verstehen seine Gedanken nicht oft, aber wir dürfen vertrauen, dass er letztendlich Gedanken des Friedens und nicht des Leidens für uns hat. Stellen wir die Frage: "Warum", dann werden wir kaum eine Antwort finden, die bessere Frage ist: "Wozu". Auch hier gibt uns Gott in seiner Weisheit erst mit der Zeit Klarheit, oftmals wohl erst in der Ewigkeit. Lasst uns nicht vergessen, dass unser diesseitiges Leben nicht das Ziel ist, sondern die Begegnung mit unserem Herrn und Heiland in der ewigen Herrlichkeit. Leider vergessen wir das viel zu schnell, so dass uns die diesseitigen Umstände so groß und schwer erscheinen. Unsere Bedrängnisse sind jedoch zeitlich und leicht im Hinblick auf die überschwängliche Herrlichkeit, die uns in der Ewigkeit begegnet, so dass wir insbesondere im Leid unseren Blick auf das herrliche Ende richten dürfen.

Wir sollen für Deine Freundin beten, dass der Herr ihr Trost und Hilfe sowie einen Blick für den Himmel in ihrem Leid schenkt

Liebe Grüße und Gottes Segen

Fritz


13.11.03     Stefan Reutimann

Eine Vergewaltigung ist sehr schwer zu verarbeiten. Es werden tiefe Wunden geschlagen. So wie es ihre Bekannte erlebt. Nun noch zur Bibelstelle: Römer 8,28 gilt es richtig zu übersetzen. Luthers Übersetzung (1912) lautet:

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.

Da liegt die rev. Elberfelder schon näher am Grundtext:

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.

 

Eine Vergewaltigung ist keine gute Sache. Sie ist als schlecht und schädlich zu verurteilen. Die Schuldfrage ist dabei klar. Es ist der gefallene Mensch, der den Mitmenschen quält. Warum lässt dies Gott zu? Warum verhindert es ein allmächtiger Gott nicht? Diese Antwort ist uns verborgen - wir wissen es nicht. Wie gerne würde ich es wissen, aber ich kann es nicht.

Eines sollen wir jedoch lernen: Ohne Gottes Hilfe kann ich solch eine Not noch schlechter bewältigen. Was nützt es, sich neben all dem tiefen Leid auch noch Gott als Gegner zu haben? Gottes Gerechtigkeit wird sich einmal durchsetzen. Gott wird der gerechte Richter sein. Er wird dieser Frau einmal Recht verschaffen.

Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht

geschrieben: `Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr. Röm 12,19

Wichtig ist noch, dass sich eine Frau um die Betroffene kümmert. Da braucht es viel Verständnis und immer wieder Trost.

Wir ermahnen euch aber, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle! 1Thes 5,14

Dann noch ein Auszug aus einer Predigt zu dieser Stelle:

Die Kleinmütigen sind diejenigen, welche gebrochenen und geschlagenen Herzens sind. Kleinmütige sind Verzweifelte, Niedergeschlagene, oft am Rand. Sie sind sehr zerbrechliche Menschen. Sie brauchen immer wieder Ermutigung. Trost.

Solche Menschen dürfen wir nicht zurechtweisen.

nehmt euch der Schwachen an,

Die Schwachen müssen unterstützt werden. Schwach kann man körperlich sein. Aber auch seelisch. Menschen, die uns immer von neuem Mühe machen, ohne dass es zu einer Entscheidung kommt. Die Arznei muss sich an die Krankheit halten.

Und diese drei Gruppen nehmen unsere Geduld in Anspruch. Es braucht auch die Weisheit, dass wir nicht alle Menschen in dieselbe Schublade tun. Gerade in der Gemeindearbeit ist wichtig: Nicht immer ist das, was mir hilft gut und richtig den anderen.

Am Anfang von Vers 14 steht ja:

Wir ermahnen euch aber...

Hier werden wir ermahnt. Ermahnt auch die Verschiedenheit zu pflegen! Dies heisst auch für mich als Verkündiger: Zurechtzuweisen, zu trösten und zu tragen.

Und manchmal ist dies gar nicht einfach - Vers 14b:

seid langmütig gegen alle!

Damit wir nicht die Geduld verlieren. Das Wort für langmütig heisst makroqumiva. Es ist ein zusammengesetztes Wort. Es bedeutet das lange Aushalten des Zorns. Also nicht einen Wutausbruch zu erleiden.

Gerade wenn Menschen, lange am denselben Ort stehen. Es immer noch nicht gelernt haben. Solange Gott einen Menschen nicht aufgibt, haben wird dieses Recht nicht! Geduld ist nicht Gleichgültigkeit!

Wir brauchen einen langen Atem!

Für die Unordentlichen, weil sie immer wieder Zurechtweisung brauchen. Für die Kleinmütigen, weil sie immer wieder am Boden liegen und Trost brauchen. Für die Schwachen, weil wir sie einfach tragen müssen.

Der Herr segne sie in diesem Dienst.

Stefan Reutimann    Stefan Reutimann

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