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Frage 1185

Hallo Bibelkreis

Wie ist die  "Totenreichpredigt"   in  1. Petr. 3,19 zu verstehen?

mfg  Antipas/7


Frage 1185    123.11.03     Werner Tietze

Zugegebenermaßen handelt es sich hier um eine “schwierige” Schriftstelle.  Deshalb ist es besonders wichtig, die Voraussetzungen für eine biblische Auslegung zu beachten.

 

1  Wir müssen vor allem sehen, was der Text wirklich aussagt und dürfen nicht etwa eigene Gedanken hinzufügen oder uns durch eine ungenaue Übersetzung irreleiten lassen.

 

2  Bei jeder Auslegung ist der Schriftzusammenhang zu beachten, d.h. wir müssen fragen, in welchem Zusammenhang diese Aussage gemacht wird.

 

3  Eine isoliert stehende Schriftstelle muss immer im Zusammenhang der gesamten Heiligen Schrift und  niemals als Widerspruch zu klaren Schriftaussagen gesehen werden. Mit anderen Worten: Eine “schwierige” Schriftstelle muss immer im Lichte der klaren Aussagen der Schrift ausgelegt werden. Alle Irrlehren gründen sich auf isolierte, aus dem Zusammenhang herausgerissene Schriftstellen. Doch die Schrift widerspricht sich nicht!  (So kann z.B. diese Schriftstelle zur Bekräftigung der ‚Allversöhnungslehre’ missbraucht werden.)  

 

Was sagt der Text wirklich?

 

1.  Christus hat einmal für unsre Sünden gelitten. 

2.  Er wurde getötet nach dem Fleisch, aber “lebendig gemacht” nach dem Geist.

3.  In diesem selben Geist ging er hin und “predigte” den Geistern im Gefängnis. 

 

Von einer "Totenreichpredigt"  ist überhaupt nicht die Rede!   Die Lutherübersetzung kann zur der falschen Annahme führen, dass Christus im Gefängnis den Geistern predigte.  Das sagt dieses Wort jedoch nicht.  Die Elberfelder übersetzt genauer:  „… den Geister, die im Gefängnis sind“;  d.h. die jetzt im Gefängnis sind. 

 

Es steht also nicht geschrieben, dass er ins Gefängnis ging, sondern dass den im Gefängnis befindlichen Geistern Botschaft verkündet wurde, und zwar in demselben Geist, der ihn lebendig gemacht hat, d.h. im Heiligen Geist.  “In diesem ist er hingegangen” ist ein Satz mit dem Relativpronomen “diesem” und bezieht sich offensichtlich auf das Wort “Geist”  am Ende von Vers 18. 

 

Wer sind nun die “Geister”, die im Gefängnis sind?  Gottes Wort sagt es uns im nächsten Vers: die damals (pote) ungehorsam waren (der Verkündigung widerstrebten), als Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete. (Gottes Wort nennt abgeschiedene Menschen „Geister“, z.B. in Hebr. 12,23.  Engeln wird keine Erlösung verkündigt, wie Hebr. 2,16 klar sagt.)

 

Bei der Betrachtung des Schriftzusammenhangs sehen wir, dass Petrus die Gläubigen in Nöten, Leiden und Gefahren ermutigt und ihnen zeigt, dass am Ende das Gericht über alle Ungläubigen kommen wird (1.Petr. 4,17-19).  Er weist hin auf Noah, welcher mit den Seinen gerettet wurde und auf die “Ungehorsamen”, die im Gericht umkamen. Noah wird ein “Prediger der Gerechtigkeit” genannt (2.Petr. 2,5).  Wie 1.Petr. 1,10.11 zeigte, war der Geist Christi in den alttestamentlichen Propheten. Der Geist Christi war auch in Noah, und durch ihn hat Christus gepredigt. (Eph. 2,17 zeigt z.B., dass Christus - obwohl nicht persönlich - durch seinen Geist verkündigt.  „Und er ist gekommen, hat verkündigt im Evangelium den Frieden euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren.“)   Noah „verurteilte“ die damalige Welt durch sein Zeugnis (Hebr. 11,7).  Der Geist Christi sprach durch Noah.

Nun gibt es Auslegungen, die behaupten, der Herr Jesus hätte den 'Geistern im Gefängnis' das Evangelium gepredigt und ihnen somit eine »zweite Chance« 

gegeben. Das wird jedoch nirgends in der Bibel gelehrt und ist „Allversöhnung“.  Die andere Ansicht ist, dass der Herr in körperlosem Zustand im Hades war und dort seinen Sieg auf Golgatha verkündigte. Sie zitieren auch die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, in dem es heißt:„Niedergefahren zur Hölle.“  Diese Aussage findet sich jedoch nicht in den Bekenntnisschriften der früheren Christenheit vor dem 8. Jahrhundert.  (Siehe Anhang)  Außerdem befahl der Herr beim Sterben am Kreuz seinen Geist in die Hände des Vaters.  Dann müsste man noch fragen, warum der Herr nur dieser bestimmten Menschengruppe (die zur Zeit Noahs ungläubig und ungehorsam waren) und nicht allen Menschen im Hades “gepredigt” oder seinen Sieg verkündigt hätte? 

 

Die Schrift lehrt unmissverständlich, dass es dem Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, und danach folgt das Gericht (Hebr. 9,27).  Der Bericht vom “reichen Mann und armen Lazarus” zeigt, dass es keinerlei Evangeliumsverkündigung oder Abänderung des Zustandes nach dem Tod gibt. Vgl. auch Joh. 3,36 und 5,24-29. 

 

Werner Tietze

 

Anhang

 

Um 110:  Bekenntnis des Ignatius von Antiochien:  ..wirklich gekreuzigt wurde und starb... der auch wirklich von den Toten auferweckt wurde...

 

Um 180:  Bekenntnis des Irenäus:  ...die Geburt aus der Jungfrau und das Leiden und die Auferweckung aus den Toten und die leibliche Aufnahme des geliebten Christus Jesus, unseres Herrn, in den Himmel...

 

Um 200: ...wir kennen Jesus Christus, wir kennen den Sohn leidend, wie er litt, sterbend, wie er starb, und auferstanden am dritten Tag und sitzend der Rechten des Vaters.

 

Um 215 Die Tauffragen des Hippolyt von Rom:  ...gekreuzigt unter Pontius Pilatus und gestorben ist und begraben und am dritten Tage lebendig von den Toten auferstanden ist und aufgestiegen ist in die Himmel...

 

325  Das Nicaenum:  ... und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist, Mensch geworden ist, gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist ...

 

Um 340  Das altrömische Taufbekenntnis:  ... der unter Pontius Pilatus gekreuzigt und begraben worden ist und am dritten Tage auferstanden ist von den Toten, aufgestiegen zum Himmel und sitzend zur Rechten des Vaters ...

 

381  Das erweiterte Nicänische Bekenntnis:  ...für uns gekreuzigt ist unter Pontius Pilatus und gelitten hat und begraben worden ist und am dritten Tage auferstanden ist nach den Schriften ...

 

Um 400 Das Bekenntnis des Nicetas von Remesiana:  ...gelitten hat unter Pontius Pilatus, am dritten Tage lebend von den Toten auferstanden ist, aufgestiegen ist zum Himmel ....

 

In allen diesen Bekenntnissen sucht man vergeblich den  Zusatz  „niedergefahren zur Hölle“ Er erscheint erst um 730  im endgültiger Wortlaut des sog.Apostolicum der römischen Kirche bei Pirmin, dem Gründer der Klöster Reichennau, und wurde 1564  in den Catechismus Romanus aufgenommen