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Frage 1223    pdf           Die Wiederkunft Christi    Der Zeitplan Gottes: Wo stehen wir heute ?

Fortsetzung von:   1213 Die Ereignisse der Entrückung nach 2. Thess. 2, 1-8
Liebe Mitstreiter in Christo Jesu 

In Bezug auf die Gemeinde-Entrückung sind mir vier Auslegungsvarianten bekannt, wobei ich selbst einer fünften zuneige.
 

1. Entrückung vor der Trübsal (pre-tribulation)

 
2. Entrückung nach der Trübsal (post-tribulation)

 
3. Entrückung in der Mitte der Trübsal (mid-tribulation)

 
4. Entrückung vor dem kommenden Zorn (pre-wrath-rapture)

 
5. Entrückung zu Beginn der Grossen Drangsal (individual-opinion)

 

Alle Varianten beinhalten als gemeinsames Element die letzte Jahrwoche Daniels, allgemein als Trübsal von zweimal 3 1/2 Jahren bezeichnet, in deren zweiter Hälfte die grosse Drangsal stattfindet. In der ersten Hälfte der Trübsal zieht der Anti-Christus als "Siegender auf weissem Pferd" los (Off.6,2). Er schliesst einen Bund mit dem politisch-religiösen Israel, den er aber in der Mitte der Jahrwoche bricht, um sich selbst "als sei er Gott" auszurufen und den Greuel der Verwüstung aufzurichten (Dan.9,27). Ebenfalls in der zweiten Hälfte - aber gegen ihr Ende hin - erfolgen die Zornschalengerichte (kommender Zorn, Off.16). Damit wird durch gewaltige Erschütterungen von Himmel und Erde der bereits in den Propheten erwähnte Tag des Herrn eingeleitet. Alle Varianten vermögen Gründe für die Gemeinde-Entrückung vorzulegen, aber nicht alle gleich gut. Nachfolgend wird der Versuch unternommen, unter Berufung auf 1.u.2.Thess. eine im Schriftkontext chronologisch widerspruchsfreie Zuordnung vorzunehmen. Über "Tag und Stunde" hingegen vermögen wir nichts zu sagen, weil diese Gott alleine kennt.


1. Entrückung vor der Trübsal

Diese Variante geht auf JND zurück. Darby gehört das Verdienst, die wesentlichen Unterschiede zwischen der Gemeinde (Körperschaft des Christus mit himmlischen Verheissungen) und Israel (Volkskörper mit irdischen Verheissungen) klar erkannt zu haben. Die Unterscheidung in unterschiedliche Haushaltungen (oikonomia) bzw. Verwaltungen (und damit verbundener, unterschiedlicher Berufungen) ist ein wesentliches Merkmal der darbystisch-dispensationalistischen Lehrmeinung. Noch leben wir in der "Verwaltung der Gnade Gottes" (Eph.3,2), die aber ihrem Abschluss zustrebt und durch Israels Wiederherstellung (apokatastasis panton, Apg.3,21) abgelöst wird.

Obwohl die pre-tribulation etliche Argumente zu ihren Gunsten erheben kann, muss ich diese Variante aufgrund des Selbstzeugnisses der Schrift verwerfen. Paulus nämlich schliesst diese Möglichkeit prinzipiell aus, indem er schreibt:

 

Die Ankunft Jesu Christi (allg. parousia genannt) und unser Versammeltwerden zu Ihm hin bedingen zunächst, dass der Abfall gekommen und der Mensch der Sünde offenbar gemacht wurde. Das ergibt sich unmissverständlich aus obigen Worten. Die Gemeinde wird demnach zumindest teilweise in die Trübsal hineingehen müssen.


2. Entrückung nach der Trübsal

Die u.a. im württembergischen Pietismus und insbesondere bei den Kirchenvätern verankerte post-tribulation erscheint auf den ersten Blick überzeugende Argumente vorzuweisen. Doch bei vertiefter Wortbetrachtung entstehen mehrere Unstimmigkeiten, weswegen sie als Erklärungsmodell ausscheidet. Denn ein Kriterium der Wahrheit ist innere Widerspruchsfreiheit!

Die Nachentrückungslehre vermag nicht überzeugend zu erklären, wer am Ende der Trübsal entrückt werden soll, wenn doch alle, die das Malzeichen des Tieres nicht annahmen zunächst verfolgt und dann getötet wurden. Betreffend derer, die das Zeugnis Jesu haben und umkamen, wissen wir um ihre Teilnahme an der ersten Auferstehung, nicht aber von einem Hinweggerissen werden (harpazo) in die Luft. Auch erkennen wir aus dem Wort, dass sie - zusammen mit weiteren Gruppen - an der irdischen Königsherrschaft Christi während dem Millenium teilhaben (Off.20,4-6). Die künftigen Aufgaben der Gemeinde aber sind nicht auf der Erde (und nicht im hesekielschen Tempel), sondern im Himmlischen (Richten der Engelsmächte und mehr).

Einzig die merkwürdige Redewendung denn dieses sagen wir euch im Worte des Herrn, daß wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden (1.Thess.4,15)
wäre bei isolierter Betrachtung ein möglicher Fingerzeig darauf, dass unter den zur Entrückung gelangenden "Erstlingen des Geistes" wenige Überlebende aus der Grossen Drangsal zu finden sind. Weil aber die Zeugen Jesu aus der Grossen Drangsal (Märtyrer) erst zum ewigen Leben auferstehen, nachdem der Christus bereits auf der Erde anwesend ist, ergäbe eine Entrückung - dem Herrn entgegen in die Luft - zu diesem späten Zeitpunkt schon gar keinen Sinn, weil schlichtweg unmöglich. Ferner müssten wir bei Annahme dieser Erwägung eine nicht-nachvollziehbare Trennung in Gläubige, welche die Grosse Drangsal lebend überstehen (und zur Gemeinde Jesu gehören) und solche, die in der Grossen Drangsal getötet werden (aber nicht zur Gemeinde Jesu gehören) vornehmen. Dazu aber sträubt sich der Geist in mir aufs Stärkste.


3. Entrückung in der Mitte der Trübsal

Die mid-tribulation erscheint bereits wahrscheinlicher, vermag sie doch plausibel zu erklären, weshalb die Gemeinde noch das Offenbarwerden des Gesetzlosen miterlebt, aber vor dem kommenden Zorn (Off.16) gerettet wird. Sie bleibt deshalb eine ernst zu nehmende Möglichkeit.


4. Entrückung vor dem kommenden Zorn

Diese Variante eines pre-wrath-rapture wird von Marvin Rosenthal in seinem ins Deutsche übersetzten Buch "Was glauben Sie über die Wiederkunft Christi?" (Solingen 1994) vertreten. Allerdings findet er in Arnold Fruchtenbaum einen vehementen Gegner aus dem jüdischen Lager. Rosenthal geht von folgender Voraussetzungen aus, welche die 70. Jahrwoche in drei charakteristische Unterabschnitte teilt:

a. Beginn der Trübsal (Matth.24,8): der Anti-Christus erscheint zunächst als Friedensbringer (Bund mit Israel)

b. Grosse Trübsal (Matth.24,21), auch "Notzeit Jakobs" genannt: beginnend ab Mitte der Jahrwoche, wenn der Gesetzlose gegen die Heiligen streitet und sie überwindet

c. Tag des Herrn (Matt.24,30-31): ins letzte Viertel der Trübsalszeit (6. und 7. Jahr) verlegte Eröffnungsphase der sichtbaren Wiederkunft Christi, eingeleitet durch die Zornschalengerichte und nachfolgende kosmische Erschütterungen von Himmel und Erde

Die Gemeinde-Entrückung findet gemäss dieser Lehrmeinung inmitten der Gewaltherrschaft des Anti-Christus, aber noch vor dem kommenden Zorn, statt. Laut obigem Schema also während der Grossen Drangsal.

Obwohl diese Variante ebenfalls in Übereinklang mit etlichen Schriftaussagen steht, muss ihr aufgrund der chronologischen Fixierung mit gebotener Vorsicht begegnet werden (wenn auch m.E. aus anderen Gründen, als Fruchtenbaum es tut).


5. Entrückung zu Beginn der Grossen Drangsal

Diese als letzte in Erwägung zu ziehende Variante entspricht meiner persönlichen Vorstellung kommender, eschatologischer Ereignisse. Sie erzeugt keine Unstimmigkeiten und lässt den notwendigen Zeitrahmen für "Zeiten und Zeitpunkte" zu. Als individual-opinion soll sie deshalb einer vertieften Erörterung zugänglich gemacht werden.

 

Es scheint, dass unter den Thessalonichern etliche betrübt um ihre bereits in Christo entschlafenen Glaubensbrüder waren, die wegen ihrem vorzeitigen Abscheiden keinen Anteil an der in Kürze zu erwartenden Entrückung haben würden. Paulus korrigiert diesen Irrtum und sagt den Lebenden, was sich wirklich ereignen wird. Die Herabkunft des Sohnes Gottes aus dem Lichthimmel wird von einem Kriegsheer und Feldgeschrei begleitet. Der Herr selbst wird vom Himmel herniederkommen, um die Seinen zu sich zu rufen mit gebietendem Zuruf, beim Schall von Posaunen (1.Kor.15,52) und der Stimme des Boten-Fürsten (arch-aggeloi). Dieser Fürst ist nach übereinstimmendem Zeugnis (Jud.1,9;Dan.12,1) Michael, welcher für Israels Sicherheit verantwortlich steht. Beim Durchschreiten der Himmel hinab zur Erde ereignet sich eine Schlacht grösseren Ausmasses, in deren Verlauf der Drache mitsamt seiner Engel auf die Erde geworfen wird (Off.12,7-9).

Wir sehen daraus, dass die Parusie Christi von dramatischen Geschehnissen umgeben ist, die sowohl im Unsichtbaren, als auch in der sichtbaren Raum-Zeit-Welt stattfinden. Das gilt es zu beachten. Der kommende Tag des Herrn besteht aus einer Fülle von Ereignissen, die allesamt eine bestimmte Zeit zu ihrer Ausführung benötigen.

Die Gemeinde-Entrückung hingegen erfolgt in einem Nu, in einem einzigen Augenblick (en atomos) und zwar, bevor der Herr auf das Erdland herabkommt. Diese einzigartige Versammlung des Hauptes mit allen Gliedern seines Leibes am "Ort der Begegnung in der Luft" ist mit dem Tag Christi gleichzusetzen, an welchem die Gemeinde zu ihrer endgültigen Vollendung gelangt (1.Kor.3,13;2.Kor.5,10;Phil.1,6). Es ist deshalb angebracht, den Tag Christi vom Tag des Herrn zu unterscheiden. Denn am Tag des Herrn - als der sichtbaren Erscheinung des Königs Jeshuah - ist die Gemeinde bereits vollendet. Zwischen beiden Tagen ist demnach eine bestimmte Zeitspanne mehr als wahrscheinlich. Am Tag des Herrn - eingeleitet durch schwerste kosmische Erschütterungen - erfolgt das Gericht über die Völkerwelt (Joel 1-3), nicht aber die (bereits abgeschlossene) Bewertung der Gläubigen vor der "Richterbühne des Christus".

 

Müsste die Gemeinde - welche ist sein Leib - an jenem Tage erst noch von "aller Runzel und Flecken" (Eph.5,27) gereinigt werden, wäre eine "Verherrlichung und Bewunderung in Seinen Heiligen" kaum denkbar. Somit ergibt sich bereits aus dem bisher Gesagten, dass Auferstehung, Verwandlung, Entrückung und Vollendung aller Erstlingsträger des Geistes der (sichtbaren) Ankunft des Herrn auf Erden vorangehen müssen. Natürlich, werden einige einwenden, sei dies eine Ableitung und ein Schlussfolgern, aber kein stichhaltiger Schriftbeweis. Gewiss, dazu aber ist den Heiligen auch der Geist Gottes gegeben, "auf daß wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind" (1.Kor.2,12).

 

Es ist ein Verdienst einiger, mit Recht darauf hingewiesen zu haben (und ich schliesse mich dieser Meinung völlig an), dass gemäss dem 2.Thess. der Tag des Herrn nicht kommt, bevor nicht zwingende, bereits dem Propheten Daniel enthüllte (Dan.9,27) und in des Herrn Oelbergrede (Matt.24,14-15) hervorgehobene Ereignisse zuvor stattgefunden haben müssen.

Es muss der Sohn des Verderbens geoffenbart worden sein, in Off.13 auch als "der Jagende" (wildes Tier) bezeichnet. Durch satanische Verführungskünste und Machtfülle bewirkt das zweite (aus der Erde = Erez Israel) aufsteigende Tier (Lamm-ähnlich mit zwei Hörnern) den Abfall der Masse des jüdischen Volkes zum Anti-Christus hin. Allein der verbleibende Überrest aus Israel (Sach.13,8-9) - ein Drittel der Nation - wird als Ganz-Israel durch den "Bergenden aus Zion" errettet (Röm.11,26). Diese werden auf Den blicken, welchen sie durchbohrt haben (Sach.12,10) und so vom Schauen zum Glauben gelangen. Dieser heilige Überrest, welcher den Namen des Herrn Jesus anruft, wird errettet. Die anderen gehen ins Verderben und kommen um.

Dass Paulus derart den Thessalonichern schreibt, bedeutet jedoch keineswegs, dass der Zeitpunkt der Gemeinde-Entrückung erst am Ende der Trübsal zu suchen ist. Ansonsten wäre, dem Ernst der Stunde entsprechend, zu erwarten, dass Paulus die Thessalonicher auch vor dem Malzeichen des wilden Tieres warnt, dessen Annahme auf Hand oder Stirn eine irreversible Veränderung zum Bösen bewirkt (wie unschwer aus der Offenbarung zu erkennen). Doch nichts von alledem sagt Paulus ihnen, aus dem einfachen Grunde eben, weil die Berufenen der Gnaden-Zeit nicht in die Verfolgungsphase der Zeugen Jesu gelangen. Denn letztere bilden als eine "unzählbare Schar" (Off.7,14) eine besondere Körperschaft innerhalb der für die dem Israel verheissenen königlich-priesterlichen Aufgaben. Ihr Dienst wird im Innern des (hesekielschen) Tempels sein, in der Anbetung vor dem Gott, der alle ihre Tränen abwischen und sie durch das "Lamm inmitten des Thrones" beleben wird.

 

Was hält das Geheimnis der Gesetzlosigkeit, welches bereits am Werke ist, noch zurück? Und wer hält zurück? Darauf gibt es in summa et corpore nur eine befriedigende Antwort: der dem Leib Christi innewohnende Gottes-Geist. Noch wird der Gesetzlosigkeit durch die Anwesenheit der Gemeinde (welche ist "Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit", 1.Tim.3,15) Einhalt geboten. Ist aber der Leib Christi erst einmal von der Erde weggenommen, hat auch das letzte Bollwerk gegen die Finsternis zu existieren aufgehört.

 

Dann erst wird der Gesetzlose sich ungehemmt und mit nie dagewesenem Tyrannentum zur allerhöchsten Hybris des gottlosen Menschen versteigen, wie geschrieben steht:

 

Paulus erwähnt diese globalste aller Verfolgungen der Heiligen der Drangsalszeit mit keinem Wort, weil diese nicht (wie die Gemeinde) durch Verwandlung und Entrückung, sondern durch Verlust ihres Lebens (Off.6,11) und darauffolgende Auferstehung (Off.7,9-17;Off.15,2-4;Off.20,2-6) ins Königreich eingehen. Umgekehrt erwähnt Johannes in der "Enthüllung Jesu Christi" die Gemeinde-Entrückung nicht, spricht dafür aber von mindestens zwei weiteren Entrückungen. Nämlich diejenige der zwei Zeugen (Off.11,11-12) und die der 144'000 Erstlinge aus Israel (Off.2,24-28;Off.7,4;Off.12,5;Off.14,1-5). Selbst diese Entrückungen erfolgen vor dem eigentlichen Tag des Herrn. Solches sollte im Schriftkontext beachtet werden. Ferner sind die 144'000 nie und nimmer der paulinischen "Körperschaft des Christus" zugehörig; ansonsten wären wir bereits bei der Irrlehre der "Zeugen Jehovas" angelangt!

Selbst zwischen dem Offenbarwerden des Gesetzlosen in der Mitte der Trübsal und seiner anschliessenden Vernichtung am Ende der Trübsal durch die Erscheinung (parousia) des Herrn Jesus verstreichen noch über drei (!) Jahre. Somit kann zusammenfassend gesagt werden, dass 2.Thess.2,1-12 eine perspektivisch verkürzte Darstellung kommender Endzeitereignisse vorwegnimmt. Aber die chronolgisch widerspruchsfreie Zuordnung der Gemeinde-Entrückung kann unter alleiniger Berufung auf 2.Thess. nicht schlüssig beantwortet werden. Dazu hat uns der Geist Christi das Buch der Offenbarung gegeben.

In IHM, der uns liebt, Henri P.


Lieber Henri,

Bezüglich deines Beitrags freue ich mich sehr, dass wir nun bezüglich der ersten Verse von 2. Thess. 2,1-8 Einigkeit haben. Du sieht folgende Punkte übereinstimmend:
- Wiederkunft Jesu und Entrückung sind das selbe
- vor dieser Wiederkunft muss der Abfall und das Offenbarwerden des Antichristen erfolgen

Doch dann beginnst du den Text zu verlassen und gehst auf andere Ansichten, Lehren und Stellen ein. Doch der Text aus 2. Thess. hört mit diesen Versen noch nicht auf:

2Thes 2,8       und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, welchen der Herr Jesus durch den Geist seines Mundes aufreiben, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft vernichten wird,

Dieser Vers verbindet das Ende des Antichristen mit der Wiederkunft Jesu. Somit ist durch die Gleichsetzung:
Wiederkunft Jesu - Entrückung - Ende des Antichristen

keine Vor-, Mitten- oder Sonstwas- Entrückung möglich. Es bleibt, wenn man diesen Abschnitt von V1 bis 14 gesamt betrachtet einfach kein Platz für eine Vorentrückung, weil einfach das Ende des Antichristen und damit der Abschluss der Drangsalszeit mit der Wiederkunft Jesu und der Entrückung einhergeht.
 

Ich möchte noch zusätzlich den Blick auf die vorhergehenden Verse des 2. Thess. lenken. Man hat bei der ganzen Diskussion oft den Eindruck, als ob ich Paulus einseitig und mißverständlich auslegen würde. Daher diese Verse:


2Thes 1,1       Paulus und Silvanus und Timotheus an die Gemeinde der Thessalonicher in Gott, unsrem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
2Thes 1,2       Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und dem Herrn Jesus Christus!
2Thes 1,3       Wir sind Gott allezeit zu danken schuldig für euch, Brüder, wie es sich geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe eines jeden einzelnen von euch zunimmt allen gegenüber,
2Thes 1,4       so daß wir selbst uns euer rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eurer Standhaftigkeit und Glaubenstreue in allen euren Verfolgungen und Drangsalen, die ihr zu ertragen habt:
2Thes 1,5       ein Beweis des gerechten Gerichtes Gottes, daß ihr gewürdigt werdet des Königreiches Gottes, für das ihr leidet,
2Thes 1,6       wie es denn gerecht ist vor Gott, denen, die euch bedrücken, mit Bedrückung zu vergelten,
2Thes 1,7       euch aber, die ihr bedrückt werdet, mit Erquickung samt uns, bei der Offenbarung unsres Herrn Jesus Christus vom Himmel her, samt den Engeln seiner Kraft,
2Thes 1,8       wenn er mit Feuerflammen Rache nehmen wird an denen, die Gott nicht anerkennen und die dem Evangelium unsres Herrn Jesus nicht gehorsam sind,
2Thes 1,9       welche Strafe erleiden werden, ewiges Verderben, von dem Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft,
2Thes 1,10      wenn er kommen wird, um an jenem Tage verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die gläubig geworden sind, - denn unser Zeugnis hat bei euch Glauben gefunden.
2Thes 1,11      Zu diesem Zweck flehen wir auch allezeit für euch, daß unser Gott euch der Berufung würdig mache und alles Wohlgefallen der Güte und das Werk des Glaubens in Kraft erfülle,
2Thes 1,12      auf daß der Name unsres Herrn Jesus Christus in euch verherrlicht werde und ihr in ihm, nach der Gnade unsres Gottes und des Herrn Jesus Christus.

Paulus sagt hier , dass "bei der Offenbarung des Herrn Jesus Christus vom Himmel her (V7)" wir Erquickung für unsere Bedrückungen erfahren werden, jene aber, die Gott nicht anerkannten, Strafe erleiden werden.  In diesem einzigem Satz (V3-10) verbindet Paulus :

Somit ist meine Auslegung zu dem Abschnitt 2 Thess. 2,1-9 in der Aussage identisch mit dem vorausgehenden Abschnitt.

Bezüglich der Punkte aus der Offenbarung möchte ich hier nicht viel schreiben, da dies jeglichen Rahmen sprengt und zuerst Klarheit über die Entrückung gefunden werden muss. Es ist aber bezeichnend, dass als Gegenargument gegen die Ansicht einer Entrückung bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu, argumentiert wird, dass diese kein Christ lebend erreichen könnte. Dies setzt wiederum voraus, dass man annimmt, dass das antichristliche Reich weltweit ist und nirgends ein Raum für Christen zum Überleben verbleiben würde. Wie bereits angeführt, sind in der Offenbarung als auch bei Daniel mehrere Kriegsgegner des Antichristen genannt, die eine Annahme eines weltweiten antichristlichen Reiches widerlegen. Somit ist auch das angeführte Gegenargument hinfällig und nichtig.  Zudem sollte man beachten, dass selbst das Volk Israel das Malzeichen nicht annehmen wird, da es sonst vollständig verloren ist, wenn es sich aber bei der sichtbaren Wiederkunft noch zu Gott bekehren soll, kann es nicht vorher das Malzeichen angenommen haben. Daher macht Israel mit dem Antichristen nur ein Bündnis, ist aber selbst nicht Teil dieses Reiches. Es ist aber völlig klar, dass innerhalb dieses antichristlichen Reiches für Christen so gut wie keine Überlebenschance besteht. Ähnlich wie den Juden unter Hitler werden auch die Christen verfolgt und quasi ausgerottet werden, sofern sie nicht diesen Machtbereich verlassen. Dies ist meine Ansicht. Da ich aber fürchte, dass die falsche Lehre der Vorentrückung die meisten davon abhalten wird (Jesus Christus holt ja entsprechend der Vorentrückungslehre die Gemeinde vor dem Auftreten des Antichristen ab, daher kann die Gemeinde gar nicht mit jenem in Kontakt kommen und warum soll sie dann flüchten), werden sehr viele in diese Drangsal hineingeraten und umkommen. Auch die Juden hatten ein Zeitfenster für die Flucht. Hätten sie sich mit Hitler wirklich beschäftigt, hätten sie erkennen können, wer da an die Macht kam. So war es dann für viele zu spät. Daher ist die Lehre der Vorentrückung nicht nur biblisch falsch, sondern auch sehr gefährlich.

 

Gruß Martin H. (Bayern)


15.12.03
Lieber Martin
 
Ich muss noch etwas richtigstellen:
 
> Du siehst folgende Punkte übereinstimmend: - Wiederkunft Jesu und Entrückung sind dasselbe
 
 
Das habe ich keineswegs geschrieben. Variante 5 (die ich favorisiere) geht von einer Entrückung zu Beginn der Grossen Drangsal aus.
 
> 2Thes2,8 ... und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, welchen der Herr Jesus durch den Geist seines Mundes aufreiben, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft vernichten wird ...  Dieser Vers verbindet das Ende des Antichristen mit der Wiederkunft Jesu.
 
Es ist aber zu beachten, dass dieser eine Satz einen Zeitraum von 3 1/2 Jahren umfasst! Somit bleibt zwischen der Enthüllung des Gesetzlosen und seiner Vernichtung durch den Herrn Jesus genügend Zeit für eine Vorentrückung bestehen.
 
> Paulus sagt hier , dass "bei der Offenbarung des Herrn Jesus Christus vom Himmel her (V7)" wir Erquickung für unsere Bedrückungen erfahren werden, jene aber, die Gott nicht anerkannten, Strafe erleiden werden.  In diesem einzigem Satz (V3-10) verbindet Paulus :
  • die Entrückung (Erquickung (V7),
  • die Wiederkunft Jesu, sichtbar für alle Welt (V8, " mit Feuerflammen Rache nehmen")
  • das Gericht über die Menschen, die ungläubig sind, und die Gemeinde bedrücken (V6, V8)
Die Thessalonicherbriefe gehören mit dem Galaterbrief zu den ersten Briefen aus der Hand des Apostels Paulus (zwischen 48 - 51). Sie erheben noch nicht Anspruch auf Beantwortung aller Fragen. Erst mit der fortlaufenden Offenbarung des Wortes Gottes bis zum Abschluss derselben durch das letzte Buch des NT (gegen das Jahr 70) werden die noch fehlenden Angaben ergänzt. Die Schrift muss in ihrem inneren Zusammenhange betrachtet werden. Geht es um zeitlich einzuordnende Dinge in der "letzten Zeit des Zornes" (Dan.8,19), muss die Offenbarung mitberücksichtigt werden.
 
In 2.Thess.1,6-10 werden a.) Gemeinde-Entrückung, b.) sichtbare Herabkunft Jesu und c.) Gericht über die Welt in einer einzigen Zusammenschau behandelt. Chronologisch finden diese drei wichtigen Phasen aber hintereinander und in dazu bestimmten Zeiträumen statt. Ich erkenne somit keinen zwingenden Grund, von der Variante 5 abzulassen.
 
Gewiss ist das Reich des Anti-Christus nicht weltumspannend in dem Sinne, dass jede moderne Nation diesem Bündnis unterworfen wird. China bspw. dürfte mit grosser Wahrscheinlichkeit ausserhalb dieser (im westlichen Kulturkreis beheimateten) Koalition zwischen wiederbelebtem römischem Imperium und dem politischen Israel liegen. Dadurch bestünde selbstverständlich die Möglichkeit, dass ein wiedergeborener Christ aus dem "Matto Grosso" in Südamerika die Grosse Drangsal lebend übersteht. Wäre dem aber wirklich so, müssten die Zeugen Jesu aus der Grossen Drangsal zusammen mit den noch übrigbleibenden Heiligen dem Herrn entgegengerückt werden in die Luft. Doch dem ist gemäss Off.20,4-6 und weiteren Stellen nicht so; rückwirkend schliesst dies eine Entrückung am Ende der siebenjährigen Trübsal bereits aus.
 
Nichts weist darauf hin, dass die "unzählbare Schar" (Off.7,14) zur Leibes-Gemeinde gerechnet wird. Viel hingegen bestärkt mich darin, dass die Märtyrer-Gemeinde in die irdische Königreichs-Linie des erneuerten Israel einzuordnen ist.
 
Im weiteren ergeht an die Gemeinde - welche ist sein Leib - kein Fluchtbefehl! Falls Du dich auf Matth.24,15-16 beziehst, ergibt sich bereits aus der Schriftstelle selbst, dass damit Juden (welche den Messias erwarten) gemeint sind.
 
In Bezug auf das Volk Israel wird der Grossteil der im Land lebenden Juden - entgegen deiner hehren Meinung - betrüblicherweise das Malzeichen annehmen und umkommen. Lediglich der Überrest - nach Sach.13,8-9 ein Drittel der Volksmasse - wird gerettet werden. Zu diesen in das Königreich eingehenden, lebenden Erlösten werden durch Anteil an der (ersten) Auferstehung auch die Gerechten des ersten Bundes hinzukommen (Dan.12,1-2). Weshalb also in dogmatischem Starrsinn an der Nachentrückungslehre festhalten?
 
Weiterhin in IHM, Henri P.

 16.12.03

Lieber Henri,
ist dir eigentlich bewußt, wie viele außerbiblische Ansichten und Gedanken du bei deiner Argumentation verwendest?
 

Sie erheben noch nicht Anspruch auf Beantwortung aller Fragen. Erst mit der fortlaufenden Offenbarung des Wortes Gottes bis zum Abschluss derselben durch das letzte Buch des NT (gegen das Jahr 70) werden die noch fehlenden Angaben ergänzt.
 

Du behauptest Paulus hatte nicht die volle Erkenntnis. Dies ist eine Annahme, eine Behauptung, die weiter gedacht dazuführt, dass du alles von Paulus zerlegen und ablehnen kannst. Wenn ich schreiben,  "Paulus sagt" ist dies menschlich gesprochen richtig, letztlich schrieb aber der Heilige Geist die Bibel und er hat über jedes Wort genaue Kenntnis. Daher ist es völlig abwegig hier mit der Unkenntnis des Paulus zu argumentieren. Auch wenn Moses Jesus nicht kannte, hat er doch in der Stiftshütte so vieles von Christus beschrieben. Auch David sprach in seinem Psalmen Dinge an, wovon er keine Ahnung hatte, jedoch war alles richtig und zutreffend.

In 2.Thess.1,6-10 werden a.) Gemeinde-Entrückung, b.) sichtbare Herabkunft Jesu und c.) Gericht über die Welt in einer einzigen Zusammenschau behandelt. Chronologisch finden diese drei wichtigen Phasen aber hintereinander und in dazu bestimmten Zeiträumen statt.

Auch hier behauptest du etwas ohne Beweisführung. Wie kommst du darauf, diese Dinge nur als Zusammenschau oder als Aufzählung zu sehen? V1+V8 stehen in einem Abschnitt und die Geschehnisse lassen keine zeitliche Aufteilung zu. Ich habe anhand der Schemaskizze deutlich gemacht, dass bei wörtlicher Auslegung dieses Abschnitts aus 2.Thess. keine zeitliche Trennung von Entrückung, Wiederkunft und Ende des Antichristen möglich ist. Statt ständig auf andere Stellen in der Offenbarung usw. zu verweisen halte ich es für besser, du versuchts anhand der Stelle aus 2. Thess. nachzuweisen, dass bei wörtlicher Auslegung jederzeit eine Trennung von Entrückung - Wiederkunft Jesu -Ende des Antichristen möglich ist. Sollte dies nicht anhand dieses Textes möglich sein, so wäre es billig, dies auch einzuräumen. Es sind dann sicherlich noch andere Stellen zu betrachten und zu analysieren. Doch erst wenn die Stelle aus 2. Thess. wirklich abgearbeitet ist.

Was ich nicht verstehe ist, dass du mehrfach mit Argumenten aus der Offenbarung versuchst, die klaren Aussagen aus den Thess.-Briefen zu entkräften. Mit Rückgriff auf die Offenbarung löst sich kein Auslegungsproblem, da die Offenbarung selbst ein Auslegungsproblem ist. Ich keine keine 4 Personen, die die selbe Ansicht über die Offenbarung vertreten. Daher versuche ist -obgleich ist auch hier feste Ansichten habe - meine Ansichten nicht mit der Offenbarung und irgendwelchen daraus abgeleiteten Lehren zu untermauern. Bei meiner Ausarbeitung über die Entrückung habe ich dies bezüglich der Bezugnahme auf die 7. Posaune bereits deutlich geäußert. Daher will ich bezugnahmen auf die Offenbarung weitesgehend vermeiden.

Deine Aussage:

Nichts weist darauf hin, dass die "unzählbare Schar" (Off.7,14) zur Leibes-Gemeinde gerechnet wird. Viel hingegen bestärkt mich darin, dass die Märtyrer-Gemeinde in die irdische Königreichs-Linie des erneuerten Israel einzuordnen ist.

 möchte ich aber trotzdem nicht unwidersprochen stehen lassen. Was sagt das Wort:

Jes 25,8 Er wird den Tod auf ewig verschlingen. Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und die Schmach seines Volkes von der ganzen Erde hinwegnehmen! Ja, der HERR hat es verheißen.
Offb 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es! Und er sprach zu mir: Das sind die, welche aus der großen Trübsal kommen; und sie haben ihre Kleider gewaschen und hell gemacht im Blute des Lammes.
Offb 7,15 Darum sind sie vor dem Throne Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Throne sitzt, wird über ihnen wohnen.
Offb 7,16 Und sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht die Sonne auf sie fallen noch irgend eine Hitze;
Offb 7,17 denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu Wasserquellen des Lebens, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.
Offb 21,2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von Gott, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.
Offb 21,3 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.
Offb 21,4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Diese unzählbare Schar kommt aus allen Völkern, Sprachen und Nationen, sie haben ihre Kleider  weiß und hell gemacht im Blute des Lammes (= Rechtfertigung durch das Blut Christi). Sie werden in der Ewigkeit direkt bei Gott wohnen, in der aller nächsten Nähe zu Gott selbst. Durch die Wiedergeburt werden wir Kinder Gottes, gehören zur Familie Gottes. Bei der Entrückung werden wir auf ewig bei Jesus Christus sein. An der Entrückung kann nur der wiedergeborene, in Christus gerechtfertigte Mensch teilnehmen. Wenn diese im Blut gereinigten Kleider und die dauerhafte Gemeinschaft bei Gott nicht ausreichen, diese Gruppe als Teil der Gemeinde, wenn nicht als die Gemeinde in der Entrückung selbst zu sehen, was für Zeichen soll das Wort sonst noch liefern? In Off. 21 wird noch ergänzt:

Offb 21,9 Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen voll der sieben letzten Plagen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir das Weib, die Braut des Lammes zeigen!
Offb 21,10 Und er brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam,
Offb 21,11 welche die Herrlichkeit Gottes hat. Und ihr Lichtglanz ist gleich dem köstlichsten Edelstein, wie ein kristallheller Jaspis.
Offb 21,12 Und sie hat eine große und hohe Mauer und zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel und Namen angeschrieben, nämlich die Namen der zwölf Stämme der Kinder Israel.
Offb 21,13 Von Osten drei Tore, von Norden drei Tore, von Süden drei Tore, von Westen drei Tore.
Offb 21,14 Und die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.
Hier wird Jerusalem = Weib = Braut des Lammes gleichgesetzt. Das neue Jerusalem ist gegründet auf den 12 Aposteln des Lammes, die Tore sind die Namen der 12 Stämme Israels. Jesus hat zudem verheißen:

Offb 3,12 Wer überwindet, den will ich zu einem Pfeiler im Tempel meines Gottes machen, und er wird nicht mehr hinausgehen; und ich will auf ihn den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, welches aus dem Himmel von meinem Gott herabkommt, und meinen Namen, den neuen.

Somit ist in diesem neuen Jerusalem alles, was so akribisch getrennt wird vereint:
Israel - Apostel - Braut des Lammes - Gemeinde - Schar aus großer Trübsal und Völkern+Sprachen+Nationen -Heidenchristen
 
Ich sehe daher vom Wort keine Befugnis die Gemeinde in soundsoviele Gruppen und die Entrückung auf mehere Ereignisse aufzuteilen:
 
            Gal 3,28 Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Weib; denn ihr seid alle einer in
            Christus Jesus.
Kol 3,11 wo nicht mehr Grieche und Jude ist, Beschneidung und Vorhaut, Ausländer, Scythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus.
Meines Erachtens hat der ganze Unsinn der Vorentrückung dazu geführt, dass ständig neue Gruppen gebildet werden mussten, um Widersprüche und Probleme zu lösen, die aus dieser falschen Lehre entspringen. Das direkt geschriebene klare Wort wird vernebelt und entstellt und die Wahrheit wird nicht mehr gefunden.
 
 
Martin H. (Bayern)

 

Lieber Martin
 
> Du behauptest Paulus hatte nicht die volle Erkenntnis.
 
Nur ruhig Blut. So, wie Du das jetzt empfindest, war das nicht gemeint; aber auch Paulus erkannte stückweise (aus dem Teil). Er empfing sein Evangelium nicht von Menschen, sondern durch Offenbarungen (pluralis) des erhöhten Christus. Also mehrere und fortschreitende Enthüllungen über die Geheimnisse Gottes. Aber ich bleibe bei der Aussage, dass Paulus während der Niederschrift der Thessalonicherbriefe das Wort Gottes noch nicht vollendet und demzufolge noch nicht alle Gemeinde-Geheimnisse offenlegen konnte. Überhaupt wäre es falsch, zu behaupten, dass Paulus alles gewusst hat. Oder möchte einer ihn zum Abgott machen? Alles weiss allein unser Herr! 
 
Gewiss, der eigentliche Autor der Briefe ist der Heilige Geist; doch das NT besteht nicht nur aus zwei Briefen (ausgenommen für die Charismatiker vielleicht), sondern deren 27!
 
> Wenn diese im Blut gereinigten Kleider und die dauerhafte Gemeinschaft bei Gott nicht ausreichen, diese Gruppe als Teil der Gemeinde, wenn nicht als die Gemeinde in der Entrückung selbst zu sehen, was für Zeichen soll das Wort sonst noch liefern?
 
Dazu folgende Betrachtung: auch die aus Israel, welche nach der Entrückung auferstehen, um mit dem Christus zu herrschen tausend Jahre, werden durch das eine Blut mit Gott versöhnt. Denn ohne Blutvergiessen ist keine Vergebung der Sünden. Und doch gehören sie nicht zur Gemeinde (die da ist sein Leib), sondern wie erwähnt zu Israel und den dazugehörigen Verheissungen. Das Blut Christi allein entscheidet nicht darüber, zu welcher Körperschaft ein Mensch berufen wird. Aber es entscheidet, ob ein Mensch vor Gott im Gericht bestehen kann.
 
Auf der Neuen Erde (also erst nach dem Millenium) leben unterschiedliche Gruppen erretteter Menschen. Das ergibt sich wiederum aus der Offenbarung, wo geschrieben steht:
 
In der Mitte ihrer Straße und des Stromes, diesseits und jenseits, war der Baum des Lebens, der zwölf Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt; und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen." (Off.22,2)
 
Nun würde wohl kein vernünftiger Mensch - der Christi Geist empfangen hat - behaupten wollen, dass die Gemeinde noch irgendwelcher Heilung bedürfe! Folglich handelt es sich dort um Völker, die an Herrlichkeit noch weit unter denen stehen, die dem Sohne gleichgestaltet wurden. Doch auch diese sollen auf der Grundlage des Sühnopfers Jesu nach und nach zum vollen Wuchse heranreifen; dazu dienen ihnen die Blätter vom Baum des Lebens.
 
> Meines Erachtens hat der ganze Unsinn der Vorentrückung dazu geführt, dass ständig neue Gruppen gebildet werden mussten, um Widersprüche und Probleme zu lösen, die aus dieser falschen Lehre entspringen.
 
Leider ist es genau umgekehrt: weil viele (auch sog. Bibellehrer) nicht in der Lage sind, unterschiedliche Körperschaften schriftgemäss zu unterscheiden, entstehen zahllose Widersprüche; aber nicht deshalb etwa, weil das Wort widersprüchlich ist, sondern weil starrsinnige Dogmatik nicht ausreicht, um die Geheimnisse Gottes zu erforschen.
 
Zu Punkt c.) Gericht über die Welt:  Es müsste an sich offenkundig sein, dass ein Völker-Gericht nicht an einem einzigen Tag durchgeführt werden kann. Deshalb: weshalb sollte Paulus solches nochmals ausgiebig vor den Thessalonichern ausrollen, wenn es bereits Im Propheten Joel geschrieben steht (Joel 3,2 ff.)?
 
Zu Punkt a.) Entrückung der Gemeinde: Anhand 2.Thess.2,1-12 ist eine endgültige Einordnung des zeitlichen Ablaufs der Entrückung nicht schlüssig zu beantworten. Für die Thessalonicher war allein relevant, dass der Tag des Herrn noch nicht gekommen war (wie einige behaupteten). Vor diesem Tag  - und darin sind wir uns doch einig - muss der Abfall gekommen und der der Mensch des Gesetzlosigkeit geoffenbart worden sein. Aber zu welchem Zeitpunkt die Entrückung erfolgt, wird von Paulus (selbst wenn es ihm bekannt war) hier nicht beantwortet.
 
Abschliessend: die 7 Sendschreiben der Offenbarung sind nicht an die "Gemeinde der Erstlinge" gerichtet, sondern an Bekenner (Zeugen Jesu), welche in die Grosse Drangsal gehen. Dass diese dunkelste Aera der Menscheitsgeschichte nicht schon zu Zeiten des Apostels Johannes stattfand, ist dem Umstand zuzuschreiben, dass die 70. Jahrwoche Daniels infolge des zuvor verborgen gewesenen Geheimnisses (Eph.3,8-9) hinausgeschoben wurde. Doch nun, wo die "Verwaltung der Gnade Gottes" zu Ende geht, werden die Sendschreiben erneut aktuell.
 
Weiterhin in IHM, Henri P.
 

 18.12.03

Lieber Henri,
ich frage mich wirklich, auf welcher Basis du deine Diskussion führst. Für micht zählt, die Argumente auf dem Wort Gottes und nicht auf Ansichten zu gründen. Dazu habe ich versucht, umfangreich und auf mehreren Wegen aus dem Wort heraus, meinen Standpunkt zu beweisen. Deine Argumenationen liegen aber leider auf einer anderen Ebene. Beispiel:
 
Zu Punkt a.) Entrückung der Gemeinde: Anhand 2.Thess.2,1-12 ist eine endgültige Einordnung des zeitlichen Ablaufs der Entrückung nicht schlüssig zu beantworten. Für die Thessalonicher war allein relevant, dass der Tag des Herrn noch nicht gekommen war (wie einige behaupteten). Vor diesem Tag  - und darin sind wir uns doch einig - muss der Abfall gekommen und der der Mensch des Gesetzlosigkeit geoffenbart worden sein. Aber zu welchem Zeitpunkt die Entrückung erfolgt, wird von Paulus (selbst wenn es ihm bekannt war) hier nicht beantwortet.
Du behauptest einfach, dass Paulus hier nichts vom Zeitpunkt der Entrückung schreibt. Beweise bleibst du nach wie vor schuldig, sondern führst nur deine eigene Meinung und Ansicht an. Ich weiß nicht, in wie weit du dich mit der Methodik der Hermeneutik (=Bibelauslegung) auseinander gesetzt hast. Grundlage der Bibelauslegung ist, den Text zu analysieren, das tatsächlich Ausgedrückte des Absatzes zu verstehen, innere Bezüge usw. klar zu erarbeiten. Erst dann, beginnt eine Interpretation der aus der Analyse gewonnen Aussagen. Dieser Analyse stellst du dich nicht, sondern beginnst gleich bei der Interpretation. Daher legst du Aussagen und Meinungen in den Text, die dem Wortsinn des Abschnittes klar widersprechen.
 
Nichts weist darauf hin, dass die "unzählbare Schar" (Off.7,14) zur Leibes-Gemeinde gerechnet wird. Viel hingegen bestärkt mich darin, dass die Märtyrer-Gemeinde in die irdische Königreichs-Linie des erneuerten Israel einzuordnen ist.
 
Auch hier wieder eine klare Äußerung einer Meinung ohne Schriftbeweis. Ich habe in meiner Antwort über die Parallelen "Tränen abwischen", "gereinigt im Blut" aufgezeigt, dass diese Gruppe zu den Erlösten gehören. Deine Antwort dazu:
 
Dazu folgende Betrachtung: auch die aus Israel, welche nach der Entrückung auferstehen, um mit dem Christus zu herrschen tausend Jahre, werden durch das eine Blut mit Gott versöhnt. Denn ohne Blutvergiessen ist keine Vergebung der Sünden. Und doch gehören sie nicht zur Gemeinde (die da ist sein Leib), sondern wie erwähnt zu Israel und den dazugehörigen Verheissungen. Das Blut Christi allein entscheidet nicht darüber, zu welcher Körperschaft ein Mensch berufen wird. Aber es entscheidet, ob ein Mensch vor Gott im Gericht bestehen kann.
 
Auf der Neuen Erde (also erst nach dem Millenium) leben unterschiedliche Gruppen erretteter Menschen. Das ergibt sich wiederum aus der Offenbarung, wo geschrieben steht:
Zum einen  nimmst du kein Bezug auf die von mir geführte Argumentation, nicht einmal der Versuch wird unternommen, sondern es wird wieder ein neuer Topf der Spekulation geöffnet, nämlich eine neue Gruppe in der Ewigkeit gebildet. (Wobei ich der Bildung dieser Gruppe hier gar nicht widersprechen will, jedoch kommt diese Diskussion hier zu früh)  Danach hast du sogar versucht, mit Apellen an die Logik und "offenkundigen" Tatsachen zu argumentieren.
 
Ich will hier jetzt ganz offen sprechen. Mir sind derartig verwobene, spekulative und unsauberen Argumentationen völlig zuwider. Argumentieren heißt, nachvollziebare Beweise oder Gründe aufzuzählen, die ohne Apelle, irgendetwas zu glauben, auskommen. Argumentieren heißt auch, die Argumente der Gegenseite aufzunehmen, abzuschwächen, zu widerlegen oder ihnen zuzustimmen. Sie nicht zu beantworten, ständig neue Argumente ins Feld zu führen, ohne die vorherigen abzuschließen, ist Rethorik oder fruchtloses Reden. Es führt zu nichts und ist reine Zeitverschwendung.  Wer mit Zeugen Jehovas gesprochen hat, kennt diese Argumentation bestens. Da wird auch ständig ausgewichen, Lehren aufgetischt. Sobald ich aber konkret und dauerhaft an einen Punkt bleibe, gehen sie, weil sie dann nicht bestehen können. Wir sollten hier nicht auf dem Niveau einer Sekte argumentieren, sondern wirklich Stelle für Stelle abarbeiten und danach erst in die Diskussion über diese oder jene Lehre einsteigen. Nur so auf diesem Weg können wir Klärung und Wahrheit finden. Alles andere ist nutzlos und fruchtleer. Also daher zuletzt die oftmals gestellte Frage:
 
Was sagt 2. Thess. über den Zeitpunkt und die Vorausbedingungen zur Entrückung aus? => Beweisführung für eine zeitliche Koppelung von Entrückung - Wiederkunft Jesu - Ende des Antichristen habe ich bereits geführt. Es wäre jetzt längst Zeit, entweder eine ebenso begründete Argumentationskette aus diesem Text aufzubauen, die eine Vorentrückung zulässt, oder meine Argumentation so abzuschwächen, dass die Möglichkeit für die Richtigkeit meiner Ansicht unter 50% sinkt. Dann wäre diese Stelle abgearbeitet und es stünde ein Ergebnis fest. Dann könnten wir fortfahren, die anderen Stellen zu beleuchten. Zuletzt, wirklich zuletzt, wenn alle anderen Stellen in den Briefen und den Evangelien klar sind, sollten wir uns der Offenbarung zuwenden und mit den vorher klar herausgearbeiteten Ergebnissen dieses Buch abarbeiten.
 
 
Gruß
 
Martin H. (Bayern)

 

18.12.03
Lieber Martin
 
Eines muss ich bekunden: ich anerkenne Deine sachlichen Bemühungen um schriftgemässe Exegese. Wir haben aber einen zu unterschiedlichen Ansatz betreffend dem Vorgehen der Wortauslegung. Hermeneutik brauche ich keine mehr, weil zu lange von gescheiten Männer mit foliantendicken Bibelkommentaren erdrückt worden. Deshalb erspare ich mir weitere derartige Torturen.
 
Oder um es konkret zusagen: ich bin zu einer organischen Wortbetrachtung weitergegangen. In dem Sinne, wie es sich Paulus für die Heiligen in Korinth wünscht in 1.Kor.2,4-16. Deshalb überlasse ich die Debatte um die Entrückung fortan den gelehrten Bibelauslegern und Kommentatoren. Für mich selbst bin ich zu einer besseren Perspektive gekommen, wie geschrieben steht:
 
Röm 14,22 Hast du Glauben? habe ihn für dich selbst vor Gott. Glückselig, wer sich selbst nicht richtet in dem, was er gutheißt!
 
1Kor 11,1 Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich Christi.
 
Gal 6,4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er an sich selbst allein und nicht an dem anderen Ruhm haben...
 
In IHM, Henri


19.12.03

Lieber Henri,

ich bin weder Bibelgelehrter noch sonst wie Bibelbelehrter. Ich habe noch nie eine Bibelschule von innen besucht noch entsprechende Seminare besucht, obgleich ich dies mir schon oft vornahm. Ich persönlich verwende außer der Bibel und Wörterbücher dazu keine Kommentare. Ich kann mich da deinem Urteil weitgehend anschließen.

Ich bin aber von Beruf Bauingenieur und Statiker. Als solcher muss ich die Lasten des Gebäudes von oben nach unten komplett durchrechnen und erst dann aufhören, wenn ich alle Lasten in den Fundamenten bzw. dem Baugrund untergebracht habe. Ebenso muss ich alle Teile des Gebäudes standsicher und stabil für alle möglichen Lastfälle nachweisen. Um dies zu erreichen, muss ich das Gebäude von allen Verzierungen, Verkleidungen und Einbauten entkleiden (gedanklich) und mich vorrangig um das Tragsystem (Wände, Decken, Stützen usw.) kümmern. Damit dies nachvollziehbar und richtig erfolgt, ist hier eine Methodik und die Einhaltung von Regeln notwendig.

Bei der Bibelauslegung ist meines Erachtens selbe Vorgehensweise sehr hilfreich (es gibt natürlich auch andere Wege). Dies heißt praktisch die wesentlichen Linien konsequent und bis zum Schlusspunkt durchzuarbeiten und danach erst die Verzierungen und Nebenschauplätze behandeln. Was nützen mir die Verzierungen, wenn das Gebäude wegen Mängel im Fundament nicht standsicher ist. Daher auch mein ständiges Zurückkommen auf das Thema des Zeitpunkts der Entrückung. Wenn dieser Punkt klar ist, ist es viel einfacher sich den anderen Punkte zuzuwenden. Beispielsweise ist hier die Schar der Erretteten in der Ewigkeit zu sehen (Frage 1229). Hier sehe ich etliches an Übereinstimmung.

Insgesamt ringe ich noch immer um eine nachvollziehbare Methodik in der Bibelauslegung. Ich habe viele Argumentation von Sekten und Irrlehrern dahingehend studiert, eben diese Methodikfehler zu analysieren. In dem Aufsatz "Bibelauslegung" (Link in der Rubrik "M.H.") habe ich daher die vorrangig wichtigen Punkte zusammengetragen. Ich halte es für unerläßlich die Methodik der Bibelauslegung zu verbessern und auch anzuwenden. An dieser Stelle würde es mich deshalb sehr interessieren, was du unter "organischer Wortbetrachtung" verstehst.

Insgesamt muss ich aber sagen, dass Bibelauslegung eine "Tortur" ist. Es bedeutet wirklich Arbeit und Mühe. Es bedeutet auch, die Meinungen anderer intensiv zu studieren, sie nachzuvollziehen und dann entweder als falsch, teilweise richtig oder ganz richtig anzunehmen. Daher bedeutet es für mich auch ein ständiges Korrigieren von falschen Ansichten und Lehren. Es ist überaus leicht, sich eine Lehre (oder Irrlehre) zusammen zu basteln. Steht man entsprechend hoch oben in der Lehrerhierarchie findet so etwas auch große Verbreitung. Schwerer ist es aber, diese Meinungen zur Diskussion zu stellen und Irrtümer einzugestehen. Erst wer das kann, ist eigentlich Lehrer.

Ich würde mich daher freuen, wenn du die Diskussion nicht in dieser Form beendest.

Liebe Grüße

Martin H.


21.12.03

Lieber Martin
 
> Ich würde mich daher freuen, wenn du die Diskussion nicht in dieser Form beendest.
 
Vorübergehend muss ich sie beenden (um über das Gesagte tiefer nachzudenken). Ich teile aber im Wesentlichen Deine dargelegten Ansichten (mit Ausnahme der Post-tribulation). Als SPS-Programmierer bin ich es auch gewohnt, systematisch und strukturiert vorzugehen, ansonsten entstünde im Maschinenrechner ein heilloses Durcheinander. Aber betreffend dem Wort Gottes bin ich zu einer organischen Betrachtungsweise übergegangen. Und das bedingt die Ausformung einer holistisch-vernetzten Denkweise. 
 
Obwohl ich zwischen unterschiedlichen Verwaltungen und Berufungen unterschieden habe, benutze ich dennoch das ganze Wort. Selbst wenn aufgrund unserer besonderen Stellung in Christo nicht jede Schrift an uns gerichtet ist, hat das Wort mir stets etwas zu sagen, wie geschrieben steht:
 
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit...(2.Tim.3,16)
 
Im Laufe der Jahre bin ich immer mehr davon weggekommen, grosse Bibellehrer und ihre noch grösseren Kommentare zu zitieren (ich habe das erwähnte Buch "Wenn die Posaune erschallt, Verlag Mitternachtsruf, auch gelesen). Ebenso sind mir die sog. Studienbibeln eher hinderlich, als nützlich geworden. Natürlich benutze auch ich Wörterbücher und Konkordanzen. Aber die Erkenntnis kommt aus dem Wort selbst. Es ist der Geist der Schrift, der uns die Tiefen Gottes enthüllt. In Bezug auf die Parusie Christi bin ich dadurch veranlasst worden, nicht nur des Paulus eigene Worte, sondern auch die Offenbarung und das Buch Daniel zu benutzen. Diese bilden zusammen ein widerspruchsfreies System göttlicher Offenbarung (2.Petr.1,20-21).
 
Der an uns Glaubende herangetragene, dynamische Prozess des Erkennens erfordert zudem eine progressiv-fortschreitende Scheidung gegenüber aller dogmatisch bewirkten Befangenheit (Hebr.4,12) und damit eine Neuausrichtung des erneuerten Denksinns. Göttliche Dinge werden im Menschen durch unterschiedliche Mittel gebildet:
- durch die Stimme der Weisheit auf der Gasse
 
- durch den Sinn und Geist der heiligen Schrift
 
- durch äussere Schickungen Gottes
Insbesondere in den  Kreisen der exklusiven Brüder war die Gefahr der ideologischen Fixierung stets besonders gross. Solches hat W.J. Ouweneel bereits in den neunziger Jahren dazu veranlasst, sich aus dem Zwangskorsett darbystischer Lehrschemata zu befreien. Allerdings hat er jetzt Träume nach C.G. Jung -- ein Weg, der mir ebenso in die falsche Richtung zu führen scheint.
 
Organisch im vorliegenden Zusammenhange würde folglich bedeuten: Spricht Paulus Judenchristen oder Hellenen an. Sind seine Adressaten mit dem Propheten Daniel vertraut. Das würde erklären, dass sie vom kommenden "Greuel der Verwüstung" bereits wüssten. Gibt es besondere Umstände seitens der Fragesteller, die Parusie Christi erneut aufzuwerfen. Paulus, getrieben durch den innewohnenden Geist Christi (und eingebettet in den geschichtlichen Hintergrund der damaligen Zeit; beachte die Reden auf dem Aeropag und vor dem Sanhedrin) vollendet erst in den nachfolgenden Jahren das Wort Gottes (Kol.1,25). Deshalb scheint es mir angebracht, auch die Offenbarung, den Propheten Daniel und weitere Schriftstellen für eine widerspruchsfreie Betrachtung heranzuziehen. Wenn wir solches in die Hermeneutik einfliessen lassen (und nicht nur eine Vers-um-Vers-Auslegung anstreben), kommen wir bestimmt zu besseren (und vielleicht sogar übereinstimmenden) Ergebnissen.
 
In IHM, Henri