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Frage 1226

Lieber Hans Peter,

aufgrund verschiedener Argumente und auch dem Beitrag von M. Schneeberg habe ich bezüglich der Heilspläne nachfolgenden Beitrag erstellt.

Mit lieben Grüßen

Martin

 

Die Lehre der Heilszeiten            Grafik   Word   DOC   PDF

 

Beim Lesen von vielen christlichen Büchern und Aufsätzen stößt man immer wieder auf den Begriff „Heilszeiten“. Damit wird zumeist eine besondere Zeiten in dem Handeln Gottes beschrieben. Diese Zeiten sind gegeben und teils klar voneinander zu trennen. Doch bei manchen dieser Aufzählungen und Ordnungen scheint mir etwas die Logik zu fehlen. Wesentlicher ist aber, dass diese Ordnungen in ihrer Aussage öfters nicht mit der Schrift übereinstimmen aber als feststehende Wahrheiten verkauft werden. Viele darauf beruhende Argumente sind bei der Diskussion um den Zeitpunkt der Entrückung angebracht worden: 70. Jahrwoche gilt nur für Israel => Gemeinde muss entrückt sein, Gemeinde muss vorher entrückt werden, damit Gott sich wieder Israel zuwenden kann usw.

Daher will ich anhand nachfolgender Punkte diese Heilszeitpläne etwas kritisch hinterfragen.

 

Zuerst also zu den Kritikpunkten dieser Heilszeitenpläne. Bei den meisten Heilszeitenplänen werden zumeist 7, teils aber auch mehr, als chronologisch nacheinander folgende Heilszeiten aufgezählt. Vorhergehende Zeiten werden durch die neue abgeschlossen. Zuerst also das Paradies, dann die vorsintflutliche Zeit, danach die Zeit bis zu den Patriarchen bis Israel, dann Jesus und die Gemeinde, danach nochmals Israels letzte Jahrwoche bis zur sichtbaren Wiederkunft Jesu, das 1000.jährige Reich und dann die Ewigkeit. Doch wie logisch ist diese Aufzählung? Betrachten wir den Bund Gottes mit  Noah. Hier heißt es, dass solange die Erde steht, Gott keine weitere Sintflut senden wird. Also dauert dieser Bund faktisch bis zum Ende dieser Welt, kurz vor dem Gericht am weißen Thron. Als weiteres Beispiel sei das Gewissen angesprochen. Seit dem Sündenfall hat jeder Mensch eine Erkenntnis von Gut und Böse. Daher kann sich letztlich auch kein Mensch darauf berufen, unwissend in Bezug auf die Sünde zu sein. Dieses inwendige Gesetz spricht auch Paulus im Römerbrief an. Mir ist nicht bekannt, dass diese Gesetz beendet ist durch die Erwählung Israels. Sicherlich gilt für Israel seit den 10 Geboten das biblische, alttestamentarische Gesetz. Für die Heiden, denen dieses Gesetz nicht gilt, hat aber das Gesetz des Gewissen weiterhin Gültigkeit.

 

Wesentlicher ist aber die Fehldeutung im Bereich Gemeinde-Israel. Es wird entsprechend diesen Schemata folgende Reihung gemacht:

Israel – Zeit Jesu- Übergang zu Gemeindezeit –Ende Gemeindezeit durch Entrückung – Zeit Israels (Wiedereinsetzung der alttestamentarischen Gesetze) sichtbare Wiederkunft Jesu –tausendjähriges Reich – Ewigkeit

 

Der Grund für die Reihung liegt vor allem in der Auslegung der 70 Jahrwochen von Daniel 9. Man glaubt, dass die 69 Jahrwoche mit dem Tod Christi endete, die 70. Woche aber noch aussteht. Da diese 70. Jahrwoche nur Israel gelten soll, kann daher die Gemeinde nicht zu selben Zeit auf der Erde sein und muss vorher durch Entrückung hinweg genommen sein. 

Betrachten wir diese Argumente aus der Schrift:

Israel wird in dieser letzten Jahrwoche ein Bündnis mit dem  Fürst (dem Antichristen) eingehen und hierbei in arge Bedrängnis geraten. In Israel wird der alte Tempeldienst wieder eingeführt (Dan. 9,27). Ist dies das zu Jesus Christus bekehrte Israel? Nein, denn diese Bekehrung erfolgt erst, wenn Israel Jesus Christus sieht (Sach. 12ff). Wir haben also zu dieser Zeit ein noch unbekehrtes Israel, welches den Antichristen vielleicht sogar als Messias annimmt. Man beachte, dass Israel sich nicht durch Glauben, sondern durch Schauen des Messias bekehrt. Dies geschieht, wenn Jesus Christus am Ölberg zu seinem Volk kommt und es vor seinen Feinden errettet. Erst dann bekehrt sich Israel als Volk zum Herrn und es erfüllen sich die vielen Verheißungen (z.B. Hes. 36,26). Da dieses Israel nicht durch Glauben, sondern durch Schauen sich bekehrt, gehört es faktisch nicht zur Gemeinde Jesu!

 

Was sagt nun das Neue Testament über dieses Ereignis aus. Wir finden hierzu im Römerbrief klar Antwort:

Röm 11,25      Denn ich will nicht, meine Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt bleibe, damit ihr euch nicht selbst klug dünket, - daß Israel zum Teil Verstockung widerfahren ist, bis daß die Vollzahl der Heiden eingegangen sein wird

Röm 11,26      und also ganz Israel gerettet werde, wie geschrieben steht: «Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden»,

Röm 11,27      und: «das ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde».

 

Erst wenn die Gemeinde vollendet ist, wird Gott sich wieder Israel zuwenden und Israel wird sich zum Herrn bekehren. Dies wird bei Sacharija beschreiben:

 

Sach 12,10      Aber über das Haus David und über die Einwohner von Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets, und sie werden auf mich sehen, den sie durchstochen haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und sie werden bitterlich über ihn weinen, wie man bitterlich weint über einen Erstgeborenen.

 

Wenn diese Ausgießung des Heiligen Geistes und Bekehrung Israels bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu erfolgt, kann also die Vollendung der Zahl der Heiden erst zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein. Dies deckt sich mit dem Ergebnis der Ausarbeitung zu 2. Thess. 2,1-9 (Wiederkunft Jesu – Entrückung – Ende Antichristen liegen in einem Ereignis). Demzufolge dauert die Zeit der Gemeinde bis zur sichtbaren Wiederkunft Jesu. Ebenso dauert die Verstockung Israels auch bis zur Wiederkunft Jesu am Ölberg. Daraus folgert, dass die diesem Ereignis vorausgehende Jahrwoche im Zeitalter der Gemeinde stattfinden muss und die oben genannte Reihung falsch ist.  Wie jetzt die Gemeinde und das verstockte Israel nebeneinander bestehen wird auch in der letzten Jahrwoche die Gemeinde neben Israel auf dieser Erde existieren und erst, wenn Jesus kommt und die Gemeinde aus Heiden und Juden entrückt, werden die ungläubigen Juden sich durch Ansehen des Herrn Jesus bekehren.

 

In der beiliegenden Schemaskizze habe ich ein stimmigeres Konzept für diese Heilszeiten aufgestellt. Es sind hier die Parallelzeiten ebenso eingearbeitet als auch die Bezüge zu den jeweiligen Personengruppen. Die Frage der Errettung durch Werksgerechtigkeit (siehe Gericht am weißen Thron, Gericht in Mt. 25), ob das bekehrte Israel in das Gericht am weißen Thron kommt usw. sind hier nur angedeutet und bedürfen einer genaueren Betrachtung.  Ebenso sind die Abläufe in der letzten Zeit (Endzeit) genauer zu betrachten.

 

Ich bitte daher, über die von mir vorgetragenen Punkte nachzudenken und kritischer mit diesen sogenannten „Heilsplänen“ umzugehen.

 

 

Martin H.  (Bayern)